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Full text of "Der sogenannte St. Georgener prediger;"

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IMS, 


9 


Deutsche  Texte  des  Mittelalters 


herausgegeben 


von  der 


Königlich  Preußischen  Akademie  der  Wissenschaften. 


Band  X. 


Der  sog.  St.  Georgener  Prediger. 


BERLIN 

Weidmannsche  Buchhandlung 

1908. 


Der  sogenannte 

St.  Georgener  Prediger 

aus 

der  Freiburger  und  der  Karlsruher  Handschrift 

herausgegeben 

von 

Karl  Rieder. 

Mit  zwei  Tafeln  in  Lichtdruck. 


STANFORD  us-^^-- 

Weidmannsche  tiui:iiii....-.uag 
I9ce. 


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119706 


Inhalt 

StiU 

EirUeüung XI— XXIV 

1.  y<m  den   zehen  gehotten  unsere  herren 1 

Der  almahtig  Qot  nimt  ein  michel  zcU  alle  tag  von  dirr  weit 

2.  Von  vierhand  stukin  cristans  gldhen 4 

Orediderunt  quotquot  erani  praeordinati  ad  vitam  aetemam. 

3.  Von  der  hailikait  und  hezaichnung  der  messe        8 

In  omnUms  honorificetur  Dens. 

4.  Von  mänger  hande  regel 10 

Stephanus  pknus  »piritu  sancto  intendena  in  cdum  vidit  gloriam  dei  etc. 

5.  Von  mänger  hand  vrode  die  in  dem  hymelrich  ist 16 

Chiudium  et  laetitia  invenietur  in  8ion, 

e 

6.  Von  manger  hande  tagend  gaischliches  lebens IS 

Proviäentes  bona  non  tantum  coram  deo  etc. 

7.  Von  des  gebettes  nutz  ze  Oot 22 

Peüte  et  accipietis  etc. 

8.  Von  der  sei  verzukunge 25 

Induodt  eo8  in  montem  sanctificationis  suae. 

9.  Von  der  armut  ünsers  herren  Jhesu  Christi .26 

Benovamini  spiritu  mentis  vestrae  et  induite  notmm  hominem  etc. 

10.  Von  dem  fr&nlichamen  ünsers  herren 28 

Ego  tum  panvi  intm«,  qui  de  coeh  descendi. 

IL  V<m  der  sei  haflung  in  Cht 31 

Adhaeait  anima  mea  post  te,  me  suscepit  dextera  tua. 

12,  Von  der  armut  ünsers  herren  Jhesu  Christi 34 

Fropier  voa  Christus  egenus  factus  est»  cum  esset  dives. 

13,  Von  der  sele  minne  ze  Oot 36 

Anima  mea  liquefaeta  est^  ut  loeutus  est. 

14,  Von  der  gStlichen  minne  sm  der  sele 41 

Fortii  est  ut  mors  dUectio, 

15,  Von  masse  und  von  andren  tugenden ^^ 

Modestia  vestra  nota  sit  omnibus  hominibus. 


VI 

16.  Van  unser  vrotoen  sant  Maria 46 

ßortua  conclunUf  fom»  tignaJtu». 

17.  Von  simlichen  aller  hohsten  tugenden 50 

Suf fielt  tibi  groHa  mea,  nam  virtus  in  infirmitate  perfidtur. 

18.  Von  des  lebens  ordenung 52 

Dominus  dives  in  omnes^  gui  invocant  «Mm. 

19.  Von  rainkaü  und  von  girde 55 

Ain  gut  mentsch  bedarf  UH>1  xwaiger  ding. 

20.  Von  unser  vrotoen 56 

Qui  creavit  me,  reqyAevit  in  tahemamlo  meo, 

21.  Von  dem  haiigen  gaist 58 

Der  hailig  gaist  ist  in  der  sele  in  dri  wie. 

22.  Von  des  lehens  Ordnung 59 

Non  corruptibilibus  auro  vd  argento  redempti  ettiSj  $ed  preHoso  sanguine. 

23.  Von  der  früntschaft  zu  Oot 60 

Vulnerasti  cor  meum  in  mho  oculorum  tuorum, 

24.  Von  den  hymelschen  froden 61 

Esto  fidelis  usque  ad  mortem  et  dabo  tibi  coronam  vitae, 

25.  Von  vier  hande  geburt 62 

Amen^  amen  dico  tibi^  nisi  gms  renaius  fuerü  denmo  äc. 

26.  Von  zwain  hymelrichen 64 

Qot  unser  herre  der  hat  ain  hymdrich  da  er  inne  niwen  wiL 

27.  Von  ünsers  herren  gnaden 66 

Sicut  accepit  gratiamt  in  aiterutrum  ittam  aiminittrantes. 

28.  Von  Gottes  gaben 67 

Cantabo  Domino,  qui  bona  tribuit  mihi. 

29.  Von  der  volgung  nach  Oot 69 

Qui  sequitur  me,  habebit  lumen  vitae. 

30.  Von  manger  Zukunft  ünsers  herren 71 

Uns  ist  gegeben  von  8yon  ain  bilde  der  gezierde  etc. 

31.  Von  der  beraitung  der  sei 72 

Vos  simües  hominibus  ex^ectantibus  dominum  auum  etc. 

32.  Von  unser  vrowen  sant  Mariun 75 

Borate  celi  desuper  et  nubes  pluant  iustrnn  e(c 

33.  Aber  von  unser  vrowen 77 

Midier  amicta  sole  etc. 

34.  Von  Gottes  lychamen  und  von  der  fruht  Oottes S3 

Pinguescent  speciosa  deserti  et  vdUes  habundabunt  frumento  etc. 

35.  Von  Oottes  fride B9 

Der  wissag  sprichst  alsuss:  h&t  ist  der  frid  her  nider  komen  etc. 

86.  Von  der  sterki  in  Oottes  dienst ^^ 

Confortamini  in  Domino  et  in  potentia  virtutis  eiius. 


VII 

37.  Von  der  sele  heraitung 96 

Et  vas  simües  homimbua  exspectantibus  domimtm  iuum  üc. 

38.  Von  unser  vrofoen  und  ünserm  kern 103 

Erunt  Signa  in  sole  et  hma  et  steüis, 

39.  Von  manger  hand  regele 109 

Stephanus  autem  plenus  gratia  et  forütudine  fadehat  Signa  magna  etc. 

40.  Von  der  erwellung  dez  mentschen 119 

Elegit  eam  deus  et  preelegit  eam  et  in  tabemacnlo  suo  kabitare  eam  faeit 

41.  Von  der  gaischlichen  verzukung  des  mentschen 1S8 

Sdo  hominem  in  Christo  ante  annos  etc 

42i  Dis  sprichit  s.  Änsheln 135 

Sani  Anshelm  spriht  etc. 

43.  Wie  und  war  umh  der  mentsch  hihten  sol 135 

Behtü  biht  sol  han  fünf  sehen  ding  etc. 

44.  Von.  der  sele  heraitunge 138 

Diäte  filie  8yon^  ecce  rex  twus  veniet  tibi, 

45.  Von  der  waren  minne 140 

Du  minne  ist,  sprichet  Prosper  etc. 

46.  Von  des  nuntschen  glichung 143 

Unser  herre  geschuf  den  mentschen  dar  tu  etc. 

47.  Von  unser  vrowen  und  von  haiigem  leben 146 

Et  in  habitatione  sancta  eoram  ipso  ministravi. 

48.  Von  unser  vrowen 153 

Transite  ad  me  omnes  qui  concupisciHs  me  etc. 

49.  Von  unser  vrowen 156 

Flantttverat  autem  deus  paradysum  voluptatis  a  prindpio. 

50.  Von  der  gotlichen  minne 163 

Hoc  est  preceptum  meum  etc. 

5J.  Von  der  hymelschen  Wirtschaft 177 

Vidi  angdum  stantem  in  sole  et  damavit  voce  magna  etc. 

52.  Von  dem  unrehten  und  von  dem  rehten  weg 186 

Jusium  dedusdt  dominus  per  vias  rectas  et  ostendit  ÜU  regnum  dei, 

53.  Von  des  mentschen  hailikait 200 

Hec  est  voluntas  Dei,  sanctificatio  vestra. 

54.  Von  gaisehlichem  leben 207 

lüa  autem  que  swrswn  est  Jherusalem  etc. 

55.  Von  unser  vrowen 221 

Missus  est  angelus  Gabriel  ad  Mariam  virginem  despansatam  Joseph. 

6&  Von  unsere  herren  üffart »    .    .    .  229 

VidenHbus  Ulis  elevatus  est  et  nubes  suscepit  eum  ab  ocuUs  eorum. 

57.  V(m  dem  wort  Gottes 2^ 

VeHmm  Guristi  habitet  in  vobis  habundanter  etc. 


VIII 

Seitt 

58.  Von  manger  hande  schrifl  der  mentschait     .     .     .     .     ; 248 

Dominus  narrahit  in  acripturis  populorum. 

59.  Von  der  erkennung  ünsers  herren 254 

Petre,  amaa  me? 

60.  Von  des  halmbomes  hezaichnung 260 

Dixi:  aacendam  in  pcUmam. 

61.  Von  sant  Pauliis  hekerde 276 

Beniamin:  amantiasimus  domini  hcUntahit  confidenter  in  eo  etc. 

62.  Von  drier  hand  closterlüt 282 

Man  vint  in  allen  landen  under  vro^oen  dehain  achSni  etc. 

63.  Von  drier  hande  uffart 287 

Viri  Galylei. 

64.  Von  unser  vrotoen 293 

Ego  quaai  vitia  frwtifiacvi. 

65.  Von  der  hezaichnung  Oottez  namen 296 

Unser  herre  hat  mangen  namen  die  bezaichenlich  aint. 

66.  Von  drier  hande  flehen  der  sele 298 

Domine  quia  habitabit  in  tabemaculo  tuo  etc. 

67.  Von  den  schaden  taglicher  silnde 299 

Nun  aunderlich  achaden  emphahet  du  aele  etc. 

68.  Wie  Oot  in  den  mentschen  sige 299 

Manete  in  me  et  ego  in  vobia, 

69.  Von  unser  vrowen 302 

Ego  quaai  vitia  frucüficavi. 

70.  Von  der  gothait  und  der  mentschait  ütisers  herren 304 

Befloruit  caro  mea. 

71.  Von  vier  hand  vroden 306 

Letare  Jheruaalem  et  conventum  facite  etc. 

72.  Wie  man  ünsern  herren  suchen  sol 310 

Qu>erite  Dominum  et  vivet  anima  veatra. 

73.  Von  zwaiger  hand  lüte  in  den  chstem •  314 

Quam  pulchra  tabemacula  tua  Jacob! 

74.  Von  gaischlichen  lüten 315 

Die  gaiachlichen  lüt  aont  glich  ain  ainem  blümen  etc. 

75.  Von  drier  hand  minne 317 

Noa  ergo  düigamua  deum,  guia  prior  düexit  noa. 

76.  Von  dem  ewangelio ^19 

Phariaei  conaüium  inierunt  etc. 

77.  Von  sant  Stephan ^^^ 

Teatis  fidclia  non  mentitur. 

78.  Von  der  sele  haftunge  an  Ootte 324 

Innocentea  et  recti  adheaemmt  mihi. 


IX 

Seite 

79.  Von  unser  vrowen 3J28 

Judaeia  nova  lux  oriri  visa  est,  gaudiumf  honor  et  tripudiujn. 

80.  Von  dez  mentschen  wolgevallung 330 

Drü  ding  machent  den  mentschen  Ght  wol  gevallende  etc. 

81.  Von  dem  weg  z&  der  waren  minne 331 

Du  wäre  minne  und  du  liebe  etc. 

82.  Von  dez  gaischlichen  mentschen  ordnunge 333 

Der  gaischlich  mentsche  der  sol  etc. 

83.  Von  der  volkomenhait  dez  lebens 336 

Estote  perfecti  sicut  et  pater  vester  coelestis  perfectus  est. 

84.  Von  dem  nutze  unsers  herren  behügde 338 

Do  sant  Bemhart  an  sim  ende  lag  etc. 

85.  Von  der  sele  closter 339 

In  der  sele  closter  sol  Oot  unser  herre  prior  sin  etc. 

86.  War  umb  Got  mentsch  wart ' 340 

Jr  sont  daz  wissen  daz  nah  der  haiigen  lere  etc. 

Lesarten  der  Hs.  S. 342 

Namenverzeichnis 344 

Wortverzeichnis 347 

Ergänzungen  und  Berichtigungen 383 


Der  St  Qeorgener  Prediger,  seither  so  genannt  weil  die  älteste  u/ns 
bekannte  Handschrift  aus  dem  früheren  Benediktinerkloster  St.  Georgen  im 
Sehwarzwald  stammt,  läßt  sich  seiner  handschriftlichen  Überlieferu/ng  nach  in 
zwei  Gruppen  scheiden.  Nach  den  Hauptrepräsentanten  nennen  wir  dieselben  die 
A'  u/nd  O' Gruppe. 

L  Zur  A' Gruppe  gehören: 

1.  A:  Universitätsbibliothek  FretAurg  i.  Br.  Es.  Nr.  464,  ein  Quartband 
aus  dem  Jahre  138?,  die  Originalholzdecke  mit  rotem  Leder  Überzogen,  mit  Je  5 
Messingbuckeln  u/nd  2  Schließen  versehen,  welche  abgerissen  sind.  Das  auf  der 
Innenseite  des  Vorderdeckels  aufgeklebte  Pergamentblatt  ist  mit  Brevierlektionen 
der  feria  III  und  IV  beschrieben.  Auf  dem  freien  Raum  finden  sich  die 
untengenannten  Notizen  Über  die  verschiedenen  Besitzverhältnisse  der  Handschrift 
Darauf  folgt  ein  leeres  Vorsatzblatt  a  und  darauf  ohne  Titel  sofort  die  Predigten 
auf  Bl.  1 — 154  (keine  Lücke)  166 — 209.  Die  einzelnen  Blätter  sind  samt  den 
Quatemionen,  deren  die  Hs.  26  umfaßt,  vom  Schreiber  selbst  gezahlt.  Die 
Blätter,  15^ix22^J7,  cm,  sind  zweispaltig  beschrieben,  die  Linien  deutlich  erkennbar. 
Auf  Bl.  208"  u/nd  209  steht  unten  am  Rande:  Last  uns  alle  mitainander  das 
ende  der  rede  hören:  furcht  Qott  und  halt  seyne  gebott,  den  das  ist  das  ain 
ieglicher  mensch  thun  sol.  Dein  Gott  wird  alle  werk  für  gericht  pringen  und 
alles,  darin  man  sich  vergriffen  hat,  es  seye  gut  oder  böse,  allzeits  (?)  pleibt. 
Anno  1576  die  12  octobris.  Oth.  Widnamer  [Widmaner?]  Dieselbe  Hand  schrieb 
auch  auf  Bl.  1  oben  die  Bemerku/ng:  Bibl.  Embt  (oder  Ems?).  Auf  Bl.  209 
steht  unten  mit  Blei:  istum  librum  perlegi  21.  März  1828.  Denis  (?).  Auf 
diese  wichtige  Hs.  hai  zuerst  Wackemagel  (Die  Verdienste  der  Schweizer  um  die 
deutsche  Literatur,  Basel  1833,  S.  16  u/nd  39,  v/nd  Die  altdeutschen  Hand- 
schriften der  Basler  Universitätsbibliothek,  Programm  Basel  183 6j  8.  69 J  auf- 
merksam  gemacht.  Sie  befand  sich  im  Besitze  des  Schulvorstehers  Wilhelm 
Alexander  Blenz  in  Berlin,  von  dem  sie  Franz  Pfeiffer  im  Jahre  1844 
ersteigerte.  Im  Jahre  1852  schenkte  sie  Pfeiffer  als  Neujahrsgeschenk  seinem 
Freunde  Orieshaber  in  Rastatt,  der  sie  testamentarisch  der  Freiburger 
Universitätsbibliothek  vermalte.      Über    diese   Besitzverhältnisse  gibt  folgender 


Xn  Einleitung. 

Eintrag  auf  der  Innenseite  des  Vorderdeckels  näheren  Aufschluß:  Aus  der 
Bibliothek  des  verst.  Schuivorstehers  Wilh.  Alex.  Blenz  in  Berlin  versteigert  am 
7.  october  1844,  angekauft;  erhalten  am  3.  december  desselben  Jahres.  Stuttgart 
am  8.  dec.  1844.  Franz  Pfeiffer  aus  Solothurn;  darunter:  Rastatt  am  4.  Jänner  1852 
Fr.  Karl  Grieshaber,  Geistl.  Rat  und  Prof.  Die  ersten  Proben  aus  der  Hand- 
Schrift  teilte  WacTcemagel  in  seinen  Altdeutschen  Predigten  und  Oebete  (Basel  1876) 
mitj  teils  in  vollständigem  Abdruck  (8.  77 — HO),  teils  in  den  Lesarten  (8.  69, 
119 — 154;  vgl.  auch  8.  262  und  384).  Er  nennt  die  Handschrift  anziehend 
„durch  den  Reichtum  ihres  Inhaltes,  die  Eigentümlichkeit  der  Sprache  und  besonders 
auch  durch  die  liebende  Sorgfalt  j  welche  sichtlich  auf  die  Anfertigv/ng  verwendet 
worden^'  (ebenda  8.  262),  Die  Es.  ist  in  der  Tat  ein  Prachtstück  kalligraphischer 
Kunst  des  Mittelalters^  was  um  so  mehr  sagen  will,  da  sie  nicht  von  einem 
berufsmäßigen  Schreiber,  sondern  von  einem  einfachen  Kirchherrn,  Albrecht  dem 
Kolben,  Kirchherm  zu  Oävis  geschrieben  ist,  der  bereits  in  seinem  66,  Lebenßjahre 
stand  und  sich  beim  Schreiben  einer  Brille  bedienen  mußte.  Im  Auftrage  einer 
Laienspersony  der  Frau  des  Stadtammans  Johann  Stöcklin  zu  Feldkirch  (Vorarl- 
berg) wurde  sie  geschrieben  (vgl.  unten  8.  341,  Z.  6  ff.).  An  St,  Jakobsabend  dh. 
am  24.  Juli  1387  war  sie  vollendet;  sie  setzt  jedoch  eine  Vorlage  voraus,  die  im 
Jahre  1303  (vgl.  unten  8.  239,  Z.  5)  angefertigt  wurde  und  heute  verloren  oder 
verschollen  ist.    Auf  dieselbe  ürvorlage  geht  zurück: 

2.  8:  Stadtbibliothek  zu  Strassburg  Hs.  810  b,  auf  welche  Martin  in  der 
Zeitschrift  für  deutsches  Altertum  Bd.  40  (1896),  8.  220 — 223  hintvieSy  ohne 
daß  es  jedoch  mir  möglich  gewesen  wäre  av^  dem  daselbst  angegebenen  Inhalts- 
verzeichnis die  Identität  mit  den  in  A  enthaltenen  Predigten  festzustellen.  Erst 
beim  Abschluß  des  Druckes  hat  mich  Dr.  Spamer  in  GHeßen,  von  dem  wir  eine 
Untersuchung  über  Eckharts  deutsche  Schriften  zu  erwarten  haben,  auf  die  Über- 
einstimmung  beider  Hss.  aufmerksam  gemacht  (Die  Hs.  wurde  auch  benützt  von 
Simon^  überlieferu/ng  und  Handschriftenverhältnis  des  Traktates  ,jSchwester 
Katrei^^  [Dissertation  Halle  1906]  8.  48  anm.  2  und  Pahnke,  Untersuchungen 
zu  den  deutschen  Predigten  Meister  Eckharts^  ebenfalls  eine  Hallenser  Dissertation, 
der  sich  ein  näheres  Eingehen  auf  die  in  dieser  Hs.  enthaltenen  Eckharts  Stücke 
vorbehalten  hat).  Die  Handschrift  stammt  aus  dem  18.  Jahrh.,  umfaßt  94  Bl.  8^ 
u/nd  ist  eine  Abschrift  aus  einer  zu  Beginn  des  14.  Jahrh.  angefertigten  Sammeh 
handschrift  aus  der  früheren  Johanniterbibliothek  zum  Chrünenwörth  in  Straßburg, 
wo  sie  die  Bezeichnung  A  100  trug  (vgl.  J.  Witter,  Catalogtis  codicum  manu- 
scriptorum  in  bibl.  8.  Ord.  Hierosol.  Argentorati  asservatorum  8.  4).  Die  für  uns 
in  Betracht  kommenden  Predigten  standen  im  6.  Teil  dieser  Sammelhandschrift 
wnter  dem  Titel:  Sermones  sacri  oder:  Von  den  gebotten  vnd  von  götlicher  lere, 
u/nd  zwar  auf  fol.  159 — 188  und  208  ff.  Daraus  sind  in  die  Straßburger 
Hs.  810b  folgende  Predigten  übergegangen:  A  Nr.  75,  1 — 10;  statt  der  11. 
Predigt  ist  ein  dem  hl.  Anshelm  zugeschriebener  Traktat  über  das  Leiden  unseres 
Herrn  eingefügt^  dann  folgt  Predigt  12  und  der  Anfang  von  13y  mitten  unter 


Einleitung,  XIII 

den  Eckhartsstücken  Nr.  1?  und  als  Schluß  ein  Stach  aus  Nr.  81.  Die  Es. 
A  100  der  Johanniterbibliothei  enthielt  außerdem  im  4.  Teil  das  Stüch  Von  den 
schaden  tegelicher  sünde  (^  A  Nr.  67),  das  in  die  moderne  Es.  835  Bl.  53^  der 
Straßburger  StadtbibliotheJc  übergegangen  ist  In  der  alten  Sammelhandschrift 
A  100  der  Straßburger  JohanniterbibliotheJc  standen  demnach  folgende  Stücke 
aits  A:  Nr.  1 — 10.  12.  13.  17.  67.  75.  81,  daraus  dürfen  wir  wohl  schließen, 
daß  dem  Schreiber  des  Johanniterkonvents  unsere  Predigthandschrift  mit  demselben 
Predigtumfang  vorgelegen  hat,  aus  der  er  jedoch  nu/r  16  Stück  auswählte.  Die 
Übereinstimmung  dieser  Vorlage  mit  A  ergibt  sich  auch  aus  der  Textvergleichung. 
Die  hauptsächlichen  Lesarten  von  S  sind  im  Anhang  (S.  342)  wiedergegeben;  aus 
ihnen  dürfte  zur  Genüge  hervorgehen,  daß  S  mit  A  auf  dieselbe  Urvorlage 
zurückgehen  muß. 

IL  Die  O'Gfruppe  der  Sandschriften  setzt  mit  Nr.  35  der  hier  veröffent- 
lichten Predigtsammlu/ng  ein  und  folgt  A  fast  bis  zum  Schlüsse.  Die  älteste 
Handschrift  ist 

1.  G:  Hof'  und  Landesbibliothek  zu  Karlsruhe,  St.  Qeorg  36  (eingehende 
Beschreibung  bei  Th.  Längin,  Deutsche  Handschriften  der  Qroßh.  Badischen  Hof- 
und  Landesbibliothek  Karlsruhe  1894  S.  3 — 6;  vgl.  auch  Wackemagel,  Predigten 
und  Oebete  S.  384  ff. ^  51?  ff.).  Die  Hs.  stammt  aus  dem  ehemaligen  Benediktiner- 
kloster  St.  Georgen  auf  dem  Schwarzwald,  ist  jedoch  schwerlich  dort  geschrieben 
worden,  da  der  ganze  Inhalt  für  ein  Frauenkloster  berechnet  ist,  sondern  wohl 
mit  Sicherheit  erst  unter  Abt  Georg  (II  oder  III?)  im  17.  Jahrh.  für  das  Kloster 
erworben  worden.  Darauf  weist  der  Eintrag  auf  dem  1.  Blatt  der  Handschrift 
hin:  Coenobii  S.  Georgii.  Georgias  abbas.  Au^  dieser  Handschrift  teilte  zuerst 
MonCj  Anzeiger  für  Kunde  des  deutschen  Mittelalters  III 183  das  altfränkische 
Bruchstück  mit,  das  die  Vorlage  zur  59.  Predigt  (unten  S.  254)  bildet  (vgl.  au^h 
die  Denksprüche  und  Sittenregeln  Anzeiger  IV^  364  ff.  und  das  Glossar  zu  den 
Homilien  Anzeiger  VIII,  503  ff.).  Drei  vollständige  Predigten  aus  G  (hier 
Nr.  39,  40,  67)  sind  gedruckt  bei  Wackernagel  S.  522 — 541.  Der  Schrift  nach 
(vgl.  die  beigegebene  Schriftprobe)  ist  die  Hs.  um  das  Jahr  1300  entstanden. 
Sie  enthält  die  Predigten  Nr.  35 — ?1  und  zwar  in  derselben  Reihenfolge  wie 
A.  Mitten  in  der  71.  Predigt  (S.  306,  Z.  11)  bricht  die  Handschrift  am  Ende  einer 
Lage  plötzlich  ab.  Es  fehlt  wenigstens  1  Lage,  auf  der  wohl  dieselben  Predigten 
standen  wie  in  der  mit  G  durchweg  parallel  laufenden,  gleich  zu  nennenden  Hs.  Z. 

2.  Z:  Stadtbibliothek  zu  Zürich  Hs.  C  761290.  Ein  Quartband,  dessen 
Holzdeckel  mit  weißem  Leder  überzogen  sind  und  noch  Spuren  zweier  Metall- 
schließen  aufweisen.  Sie  ist  um  die  Mitte  des  14.  Jahrh.  geschrieben  und  stammt 
aus  dem  Dominikanerinnenkloster  AdeUiau^sen  bei  Freiburg,  wohin  sie  wohl  aus 
dem  Predigerkloster  zu  ßasel  gekommen  ist.  Sie  enthält  2  Vorsatzblätter  und  194 
Pergamentblätter,  18x25  cm,  zweispaltig  beschrieben.  Auf  dem  vom  Vorderdeckel 
losgelösten   Blatt  steht   eine    Urkunde  aus  dem  Jahre  1412.     Aussteller:  Jacob 


XIV  Etnleitung. 

V.  Wiswilr  tmd  Gerdrud  Scholtheissin  seine  Frau;  auf  dem  2,  Blatt-,  Diss  buch 
ist  des  closters  adlenhasen.  3.  Blatt  rüciseits  von  derselben  Hand  wie  oben:  Diss 
bftch  ist  des  closters  ze  adlenhasen.  Das  auf  dem  Rückdeckel  losgelöste  Blatt 
bringt  aus  dem  Ende  des  14.  Jahrhunderts  folgenden  Eintrag:  Scrutiniü  gvetg 
basilii  ord.  frin.  pdicator3;  anderseits:  Betinstes  sap'or  Huler  matel  (?)  absolnentes 
lechor  (?)  Nicolaos  de  Landonia;  Cünrados  ßoseg;  Heinricus  Esser;  (Dünrados 
Roseg;  Johannes  Meder;  Johannes  Eotenberg;  Johannes  de  Waltikoven ;  Steffanus 
Seratorum  magister  studentium ;  Johannes  vitztum ;  Nicolaos  de  Bohemya ;  Michael 
Rogenbach;  Fridericus  Gipser;  Johannes  Löscher;  Johannes  (Soltschmit. 

Die  Handschrift  besteht  jetzt  aus  drei  verschiedenen  Teilen,  welche  erst 
anfangs  des  15.  Jahrh.  zusammengefügt  wurden. 

L  Teil.  Bl.  1 — 165.  Die  eigentliche  hier  in  Betracht  kommende  Ptedigtsamm- 
lung,  von  einer  Hand  geschrieben,  bricht  Bl.  165  ab,  da  zwischen  Bl.  165  und  166 
ein  Blatt  herausgeschnitten  ist.  Es  stehen  hier  zunächst  auf  Bl.  1-^138^  die  Predigten 
Nr.  36 — 75  und  zwar  in  derselben  Reihenfolge  wie  in  Ä  und  O.  Von  Nr.  76 
an  geht  Z  und  Ä  auseinander.  Es  folgen  in  Z  und  zwar  in  schlechtem^  sehr 
verderbten  Texte  folgende  Predigten  bezw.  Traktate: 

a)  BL  138'':  Sc5  paulg  (rot).  Nostra  conuersatio  in  celis  est.  Santus 
Paulus  sprichit  vnsir  wonunge  sol  sin  in  dem  himelriche,  gedruckt  nach  Cod.  95 
der  Franziskanerbibl.  zu  Freiburg  i.  Schweiz  von  Jostes,  Meister  Eckhart  und 
seine  Jimger  (Freiburg  i.  Schweiz,  1895y  S.  XIII  und  I.  Anhang  Nr.  1).    Weder 

^  in  dieser  noch  der  Züricher  Hs.  ist  der  Text  korrekt  Überliefert  Die  Predigt  ist 
mit  anderm  Schluß  auch  erhalten  in  Berlin,  kgl.  Bibl  cod.  germ.  8^.  65.  f  71^ 
—  40.  125.  f  114^ 

b)  Bl.  139^ :  In  apocalipsi  (rot).  Esto  fidelis  usque  ad  morte  =»  A  Nr.  24, 
unten  S.  61,  Z.  16  ff.,  woselbst  die  Lesarten  angegeben  sind;  vgl.  auch  Schönbach, 
Studien  zur  Geschichte  der  altdeutschen  Predigt.  VI.  Stück,  S.  123.  Hier  wird 
d^xsselbe  Stück  aus  einer  Innsbrucker  Hs.  mitgeteilt. 

c)  Bl.  140^ :  Dis  sp'chit  ysaias  (rot).  Surge  illuminare  ierusalem  etc.  Ysaias 
der  wissage  sprichit  stant  vf  ierusalem  —  vn  merkent  der  svnde  vntugende  vnd 
hassent  si.  vgl.  Phill.  Bl.  126^  Up  der  heiiger  dry  köynicge  dach.  Ist  diese 
Predigt  mit  vorstehender  identisch?  Di^osition:  Sechs  Dinge  sollen  vnr  ansehen; 
den  Himmel,  die  Welt,  die  Hölle,  unsem  Herrn,  die  Tugenden,  die  Sünden. 

d)  Bl.  142^:  Von  sc5  paulus  (rot).  Sanctus  Paulus  sprichit.  Gaudete  in 
domino  iterum  dico  Gaudete.  Das  sprichet  fro^went  vch  in  gotte  steteclich  —  alse 
vil  alse  von  sins  selbis  vro^ide.  des  helfe  vns  got.  Disposition:  zweifache  Freude; 
an  diesem  und  dem  ewigen  Leben.  Jedes  dieser  Leben  bietet  eine  vierfache 
Freude:  inwendig,  uzwendig,  oben  us,  under  us. 

e)  Bl.  143^ :  Stabunt  iusti  in  magna  constantia  etc.  Die  rehten  lüte  werdst 
steiide  ze  dem  iügisten  vrteilde.     Gedruckt  bei  Wackemagel  S.  154. 

f)  Bl.  144^ :  von  eime  gfiten  menschen  (rot).  Ein  i-eht  gut  mensche,  sol  han 
zwo  vorhte  in  dem  hercen.    zwei  wort  in  dem  mvnde  —  owe  selige  sele  wis  alleine 


Einleih^ng.  XV 

wol  behvt.  den  dy  dicke  ze  eime  liebe  hast  erweit  vzzer  aller  liebi.  Eine 
Sammlu/ng  von  Sprüchen. 

g)  Bl.  145^ :  von  gotte  (rot).  Er  ist  schöne  des  schöne  gottis  svn  —  mit  ir 
sehen  sol  ane  ende.  Disposition:  Drei  Jtmgfratien  sollen  die  Pfalz  d.  i.  die  Seele 
behüten,  in  der  Oott  ruhen  ivill:  Hoffart,  Minne,  Zuversicht  Die  Punkte  sind 
kurz  angegeben.  In  der  Ausführung  ist  dann  von  vier  Jrmgfrauen  die  Rede, 
deren  Namen  nicht  genannt  sind. 

h)  Bl  145^:  von  den  zwelf  sprossen  (rot).  'Eil  sint  zwelf  sprosen  der  sich 
der  mensche  vlizzen  sol  vf  ertriche.  nim  dich  niht  an  wan  das  dir  bevolhen  si 
—  Der  zwelfte  ist  vlize  dich  aller  tugenden. 

i)  Bl.  146°^ :  Ez  sintj^nvn  svnderlicheTsache  —  A  Nr.  6?. 

Je)  Bl,  146^ :  von  tvgsds  (rot).  Ez  sint  vier  tugende  die  heizent  mvtir 
aller  tngende.  de  ist  gelo^ube.  minne.  diemütikeit  vnd  bescheidenheit.  —  Dis 
ist  vnsir  herre.  an  dem  alle  tugent  vn  selde  vnd  räwe  ist  Die  vier  Tugenden 
fwn  dasselbe,  was  eine  Mutter  ihrem  Kinde  tut:  si  gibirt  ez  onde  spisit  ez  und 
behütit  es  und  lert  ez.  Der  Anfang  des  Traktates  ist  als  Spruch  in  Basel 
B.  IX.  15.  fol  23P  =  Basel  0.  I.  19  f.  3P  —  32^  übergegangen. 

l)  Bl  14?^ :  Eea  karissima  nu  vemim  den  rat  min  —  div  vil  kleine  erbeit 
div  dir  da  von  ist  geseit.  gedruckt  Altdeutsche  Blätter  I,  343, 

m)  Bl.  149^:  Ein  gut  mensche  swiget  gerne  —  ein  beslozzen  herce  mit 
der  heiligen  drivaltikeit.   vgl.  Haupt^  Zeitschrift  für  deutsches  Altertum  II,  641. 

n)  Bl  149^ :  Oot  ist  ein  ewigis  anegenge  vnd  ist  ein  voUebrahtes  ende 
allis  gfitis  —  da  wir  iemer  mit  ime  wonen  sflen.  amen.  Dieser  Traktat  ist 
zum  großen  Teil  in  die  Mosaiktraktate  der  Karlsruher  Hs.  St.  Peter  85  Über- 
gegangen. (Mitteilung  von  Spamer,  Gießen,  der  in  der  JEhnleihmg  zu  seiner 
Dissertation  naher  darüber  handelt). 

o)  Bl  160^ :  An  den  alte  buchen  ze  rome  da  liset  man  das  vnser  herre 
Jhesus  cristus  —  er  was  schöne  an  der  geschepphede  v'ber  alle  menschen  kint. 
amen.  Pseudo-Lentulus.  Von  der  OestaU  Christi,  gedruckt  nach  Z  in  Zeitschrift 
für  deutsches  Altertum  IT,  574.  Nach  Mitteilung  von  Spamer  findet  sich  der 
Traktat  außerdem  in  Wien  Hs.  3160  fol  236^  (lat);  618  fol  22"  (lat);  960 
fol  5^  (lat);  4119  fol  170^ ;  4453  fol  383  (lat);  4576  fol  104  (lat);  4899 
fol  36&>  (lat).  —  K  Ol  mar,  Stadtbibliothek  Hs.  22  fol  192  (lat).  —  Basel, 
Universitätsbibl  A.  V.  33  fol  29  (lat);  B,  IX.  15.  fol  284  (deutsch)  —  0.  L 
19,  Bl  57.^ 

p)  Bl  16P:  Dy  gotheit  ist  beslossen  in  dem  vatt'  natv'rliche  —  an  ir 
hohsten  craft  vn  wirfet  /  bricht  ab.  Dieser  Traktat  besteht  aus  Stücken  der 
Pfeiffer'schen  Traktate  II.  XIII  und  II.  XI.  3. 

II  Teil    Bl  166—187.    Traktate  und  Gebete: 

a)  Bl  166^:  Dis  sint  die  bezeichenunge  der  heiigen  messe  gedruckt  bei 
Wackemagel  Ä  69,  vgl  Schönbach,  Studien  zur  Altdeutschen  Predigt,  VI  Stück. 
8.  124,  und  unten  Predigt  Nr.  3,  S,  8. 


XVI  EMeUmmg. 

hj  EL  172^ :  Pater  noster  vater  vnser  dv  bist  inds  himeln.  ÄMsUgu/ng 
des  Vater  unser;  vgl  Zs.  f.  deutsehe  Phil  XIV,  89  und  Zs.  /.  deutsches  Altertum  19,  ?L 

c)  Bl  18 J^:  Herre  ich  bitte  dich  durch  des  smerzen  ere  den  du  enphienge 
in  diner  kintheit.    Ein  Gebet  zu  den  Leiden  des  Herrn. 

d)  Bl  184^:  Swer  dise  ses  ding  an  im  hat  das  ist  zeichen  der  minne. 
Davon  handelt  auch  ein  längerer  lat.  Traktat  in  Basel  B.  iX  10.  fol  265—267 
und  A  X.  130. 

e)  Bl  184^:  In  monte  oliaeti  oranit  ad  patrem  pater  si  fieri  potest 

f)  Bl  189 :  Dis  lerte  brüd'  ekkehart.  Der  mensche  d'  dis  pater  noster 
mit  andach  sprichet  —  vnde  allen  menschs  amen.    Pater  noster. 

g)  Bl  186^ :  Herre  lieber  herre  got  ich  bitte  dich  de  dv  mir  gebest  emest 
ZY  rehteme  lebenne.    Gebet. 

h)  Bl  18&* :  Das  dir  ynsers  herr^  marter  deste  bas  zv  herzen  ge  sa  schribe 
ich  hie  etewie  menge  martjr  die  er  leit  als  die  meistre  schribst  ane  die  vier 
ewangelisten  /  bricht  ah,  da  zwischen  Bl  187  und  188  zwei  Blätter  weggeschnitten  sind. 

111.  Teil  Bl  188—194:  Von  hem  selphartes  regel  (rot).  Gelobet  si  der 
s&sse  got  in  allen  sin  tagenden.  —  Bl  194^  Dammbe  bedörfen  wir  wol  g&tes 
rates  darzfi  dz  vns  der  tüfel  niht  verzucke  —  H  Nr.  43  (Waciemagel,  8.  543), 
hsg.  in  Wackemagels  Altd,  Lesebuch,  Sp.  811—816,  nach  der  lat.  J5&.  407  der 
Erlanger  Universitätsbibliothek  Bl  226^ ,  welche  unter  andern  die  Sermones 
fratris  Bertholdi  ad  rdigiosos  enthält;  vgl  auch  Wackemagel  S.  609  und  SchSn- 
bach,  Studien  zur  Geschichte  der  altdeutschen  Predigt^  VI.  Stück,  Ä  125. 

Dis  bfich  ist  swest^  eilzen  tröschin  ze  adelnhosen.   vi    sol  niem'  hinna  kome. 

3.  W:  K  K  Hofbibliothek  zu  Wien  m.  Nr.  2702  olim  Salisb.  130  (vgl 
Hoffmannj  Verzeichnis  der  altdeutschen  Handschriften  der  k.  k.  Hofbibliothek  zu 
Wien  S.  303—305;  und  Altdeutsche  Blätter  II,  172)  aus  dem  Jahre  1363,  nach 
dem  Sammler  der  Predigten  seither  „Br.  Peters  v.  Trebensee  Predigten^'  benannt 
Ein  Quartband  von  125  Bl.  von  einer  einheitlichen  Hand,  der  Hand  des 
Johannes  Haller^  geschrieben,  worauf  ein  Eintrag  am  Schluß  hinweist:  'Anno 
domini  1363  in  vigilia  sancti  Viti  finitos  est  liber  iste  per  manos  Johannis  dicti 
Haller;  conpilatus  antem  per  fratrem  Petrum  magistmm  corie  in  Wienna  ven. 
dominomm  de  Gaminco  (Gamingerhof  zu  Wien,  Freihof  der  Karthäuser).  Von 
derselben  Hand  stammen  nach  Vollendung  der  Hs.  die  Korrekturen  und  die 
Überschriften.  Die  Predigten  folgen  in  einer  anderen  Reihenfolge  als  in  A, 
G  und  Z.  Die  einzelnen  Stücke,  deren  Nummern  bei  Hoffmann  und  schon  in 
der  Handschrift  nicht  richtig  gezählt  sind,  sind  nach  A  geordnet  folgende:  Nr.  36. 
37.  38.  48.  45.  46.  72.  50.  42.  40.  51.  71.  56.  57.  60.  44.  68.  59.  62.  63.  64. 
65.  66.  69.  70.  73.  74.  54.  58.  61.  75,  also  31  Stücke,  welche  mit  Nr.  36 
unserer  Sammlung  einsetzen  und  mit  Nr.  75  enden,  d.  i.  mit  demselben  Stücke, 
bei  dem  (G)  Z  von  A  abweicht.  Die  Handschrift  gekört  zur  G-Gruppe,  ist  jedoch 
keine  direkte  Ableitung  aus  G  oder  Z.  Sie  weist  vielfach  einen  besseren, 
manchesmal  auch  einen  schlechteren  Text  auf  als  GZ. 


Einleitung,  XVII 

4.  JV;  Kloster  Neuburg  Hs.  Nr.  864,  am  dem  Jahre  1372,  12?  Bl.  in  4^. 
(vgl.  Altdeutsche  Blätter  II,  1?3)  folgt  durchweg  TF,  von  dem  sie  eine 
Abschrift  ist.  Der  Eintrag  am  Schlüsse  der  Handschrift  lautet:  Daz  püch  hat 
geschrieben  Petrus  von  Trebense  zu  den  zeiten  Chappellan  datz  Zelking.  Finitus 
est  liber  iste  a^.  d.  1372  in  die  sancti  Willibaldi  confessoris.  Gedruckt  am 
dieser  Sammlung  ist  die  erste  Predigt  =  A  Nr.  36  in  Altdeutsche  Blätter  11, 174— 178. 

5.  Arundel  214  (vgl.  Priebsch,  Deutsche  Hss.  in  England  II,  43  Nr.  64). 
Die  Handschrift  besteht  aus  6  ursprünglich  selbständigen  Teilen.  Der  für  uns 
in  Betracht  kommende  5.  Teil  stammt  aus  dem  Carthäuserkloster  zu  Mainz, 
enthält  20  Bl.,  zweispaltig  geschrieben  aus  dem  14.  Jahrhundert  In  die  Sammlung 
sind  10  Predigten  aus  A  aufgenommen  in  folgender  Reihe:  Nr.  36.  38.  37.  57. 
58.  59.  61.  63.  39.  40.  Die  Reihenfolge  scheint  durch  das  Kirchenjahr  bedingt 
zu  sein,  da  die  zweite  die  Überschrift  trägt:  Dominica  in  adventu  domini;  die 
4.:  de  nativitate;  die  5.:  in  passione;  die  8.:  De  ascensione.  Predigt  1.  3.  10 
sind  ohne  Überschrift;  6.:  De  s.  Petro;  7.:  de  conversione  s.  Pauli;  9.:  de  s.  Stephano. 

Während  OZ  Arundel  in  alemannischem,  WN  in  österreichischem  Dialekt 
geschrieben  sind,  besitzen  wir  in  niederdeutscher  Sprachform  folgende  zwei  SammeU 
handschriften  unserer  Predigten: 

tf .  JHT  =  Hs.  Nr.  377  zu  JEEaag  (vgl.  Haupt,  Zeitschrift  für  deutsches 
Altertum  II,  302  ff.  um,d  Wackemagel,  Predigten  und  Gebete  S.  517  und  541  f.) 
Sie  stammt  aus  dem  Slawantenkloster  bei  Mastricht  und  ist  wahrscheinlich  Ende 
des  14.  Jahrhunderts  geschrieben.  Sie  besteht  aus  247  Folioblätter  und  enthält 
auf  Bl.  3^ — 232^  47  Predigten^  welche  für  uns  in  Betracht  kommen.  Mit 
Bl.  232^ ,   dem  Ende  der  20.  Lage,   bricht  die  letzte  Predigt  in  der  Mitte  eines 

Wortes  ab.  Aus  der  Sammlung  sind  zwei  Predigten  gedruckt  in  Zeitschrift  für 
deutsches  Altertum  II,  350.  356  und  zwar  Nr.  37  und  Nr.  70  unsei'er  Ausgabe. 
Da  mir  die  Hs.  nicht  vorgelegen^  vermute  ich,  daß  die  Numerierung  der  Stücke 
bei  Wackemagel  nicht  ganz  korrekt  ist,  da  die  kleineren  Stücke  wohl  nicht  be- 
sonders gezählt  wurden.  Nach  Wackernagel  setzt  die  Sammlung  ein  mit  A  Nr.  37, 
(A  Nr.  36  =^  H  Nr.  46)  und  folgt  in  der  Reihenfolge  bis  Nr.  17  A,  geht  dann 
jedoch  eigene  Wege.  Mit  dem  ersten  Teil  von  A  hat  H  zwei  Predigtvorsprüche 
gemein:  H  44  '^  A  13;  H  45  ^=  A  16;  die  Ausführung  scheint  jedoch  nach 
den  Proben  von  Wackernagel  S.  543  f.  verschieden  zu  sein.  Außerdem  steht  in 
H  Nr.  43  die  regula  Selphardi  (Wackernagel  S.  543 J,  die  sich  auch  im  3.  Teil 
von  Z  wiederfindet  (vgl.  oben  S.  XVI).  Wie  aus  den  2  gedruckten  Predigtproben 
hervorgeht,  gehört  H  zur  G- Gruppe,  von   der  sie  im  allgemeinen  eine  ganz  gute 

Überlieferung  bietet. 

7.  PhUl.  643  =«  Bibliotheca  Phillippica  A  Sammlung  van  Ess  zu  Chelten^ 
ham  (vgl.  Priebsch,  Deutsche  Hss.  in  England  I,  61,  Nr.  59),  eine  Papier- 
handschrift des  15.  Jahrhunderts  mit  231  Bl,  vielleicht  aus  einem  Manns-Kloster 

D»otiGh»  Texte  des  Mittelslton.  X.  b 


XVni  Einleitung. 

ZU  Köln.  Die  Reihe  unserer  Predigten  beginnt  in  dieser  Bs.  mit  Bl.  87^  und 
trägt  zum  Unterschied  aller  übrigen  8ammlum,gen  eine  Überschrift,  welche  über 
die  Zweckbestimmung  der  Predigten  keinen  Zweifel  läßt:  'Dit  is  de  rechte  maneir 
y&  uartgange  eys  geistliche  mische  ey  eicklich  mach  pras  i  wat  grade  hei  up 
geclomen  sy  want  na  desem  wege  mahma  (!)  wairlyche  uorit  gay  vä  d*  eyrs 
deicht  tzer  äder.  Als  Predigten  von  Ä  sind  aufgenommen:  Nr.  38.  65.  39.  41. 
46.  54.  55.  60.  62.  70.  58.  63.  56.  59.  69.  48.  51.  50.  52.  37.  40.  Die  Hs. 
schöpft  demnach  ihre  21  Predigten  Nr.  37'--70  aus  einer  eifiheitlichen  8ammlu7ig. 
Die  einzelnen  Predigten  sind  durch  die  Überschriften  durchweg  in  das  Kirchen- 
Jahr  eingereiht.  Gedruckt  aus  dieser  Sammlung  ist  Nr.  46  bei  Priebsch  a.  a.  0. 
8.  227.  Der  Vergleich  mit  dem  Text  von  A  und  O  zeigt,  daß  die  Handschrift 
zur  O'Chruppe  gehört  und  die  Überlieferung  gut  wiedergibt. 

8.  Zu  den  Handschriften,  in  welche  zersprengte  Stücke  aus  unserer  Predigt- 
Sammlung  Übergingen,  gehören  vor  allem  die  kurzen  Skizzen  in  der  Berthold- 
handschrift Cod.  Pal.  germ  24  (Bartsch  Nr.  18)  der  Heidelberger  Universitäts- 
bibl.  —  Cod.  955  der  St  Oallener  Bibliothek  (vgl.  Pfeiffer -Strobel  Predigten 
Bertholds  v.  Regensburg  II,  664),  welche  ebenfalls  Berthold  zugeschriebenes  enthält.  — 
Cod.  St.  Georg  3?  der  Hof-  und  Landesbibliothek  zu  Karlsruhe.  —  B  XI 10 
(vgl.  Wackernagel  S.  272)  und  B  IX  15  fWackemagel  S.  27?)  der  Universitäts- 
bibliothek zu  Basel.  —  B  2231730  der  Stadtbibliothek  (Wasserkirche)  zu  Zürich 
(Wackemagel  S.  259).  Eine  Papierhandschrift  au>s  dem  Ende  des  15.  Jahrh.  au^  dem 
Franziskanerkloster  zu  Ingolstadt  (vgl.  Zeiischr.  f.  d.  Philol.  14  [1882],  64  ff.)  — 
Aus  den  Handschriften  anderer  Bibliotheken  ließe  sich  sicherlich  noch  ein  oder  das 
andere  identische  Stück  auffinden,  wenn  unsere  gedruckten  Handschriftenkataloge  bei 
der  Nachprüfung  nicht  versagen  vmrden.  Um  die  Identität  zweier  Predigten  erkennen 
zu  können,  wäre  es  imbedingt  notwendig^  nicht  bloß  Uberschriftj  Vorspruch  au>s 
der  hl.  Schrift  und  den  Anfang  der  Predigt  in  die  Kataloge  aufzunehmen,  sondern 
vor  allem  die  Disposition,  die  allein  einen  Vergleich  zwischen  anscheinend 
gleichen  Texten  ermöglicht. 

Die  Beschreibung  der  handschriftlichen  Überlieferung  zeigt  schon  ^  daß  wir 
es  mit  einer  weitverbreiteten  und  hochgeschätzten  Predigtsammlung  zu  tun  haben. 
Ihre  Verbreitung  erstreckte  sich  nicht  nur  auf  das  westliche  Süddeutschland, 
sondern  auch  auf  die  Niederlande  und  Österreich.  Die  Predigten  berücksichtigen 
vorwiegend  die  Verhältnisse  klösterlichen  Lebens  und  waren  darum  in  erster  Linie 
für  Klosterleute  bestimmt,  zuerst  dort  vorgetragen  als  lebendiges  Wort,  nachher  als 
Predigtsammlung  dazu  ausersehen,  als  geistliche  Lesung  in  dem  Reventer  vor- 
gelesen  zu  werden  (vgl.  Priebsch,  Deutsche  Hss.  in  England,  I,  64).  Die  auf- 
gezählten Predigthandschiiften  waren  in  Frauen-  und  Mannsklöstem  verbreitet 
und  zwar  der  verschiedensten  Orden:  der  Dominikaner,  Benediktiner  und  Kar- 
thäuser. Je  nachdem  die  Sammlung  für  das  eine  oder  andere  Kloster  bestimmt 
taarj  wurden  auch  die  in  der  Handschrift  berührten  Anspielungen  auf  klöster- 


EirUeitung.  XTX 

liehe  Einrichtungen  zweckentsprechend  geändert:  avbs  brüder  wurde  swester,  aus  priol 
wurde  maister  bezw,  amptman  (8.  226,  Z,  19)^  oder  diese  AusdrücJce  tou/rden  um- 
gangen und  du/rch  allgemeine  Ausdrücke  wie  sälge  sele  oder  gaistlich  lüte  ersetzt. 
Will  man  deswegen  diese  Bemerkungen  dazu  benützen,  um  den  Verfasser  der  Pre- 
digten zu  eruieren,  so  ist  dabei  große  Vorsicht  notwendig.  Jedenfalls  darf  man 
nie  aus  dem  Auge  verlieren,  daß  solche  Ausdrücke  im  Laufe  der  Zeit  unter  der 
Hand  der  Abschreiber  oft  eine  große  Wandlum^g  durchgemacht  haben. 

Zu  den  Predigten,  welche  ganz  allgemeine  Themata  behandeln  und  daher  für 
Welt'  tvie  Ordensleute  berechnet  sein  können,  gehören  z.B.  Nr.  1.  2.  3.  10.  12. 
30.  32.  38. 

Vorwiegend  oder  ausschließlich  für  Frauenklöster  bestimmt  waren  die 
Predigten  Nr.  6.  13.  14.  15—17,  22.  23.  29.  37  usw. 

Andere  wieder  können  sowohl  in  Männer-  wie  Frauenklöstem  gehalten, 
worden  sein:  z.  B.  Nr.  4.  5.  7.  9.  12.  18.  19.  20.  21.  24—28.  33.  34.  36  usw. 

Die  Überlieferung  der  Predigten  zeigt  femer,  daß  die  Predigtsammlung 
einen  durchaus  einheitlichen  Charakter  trägt.  Cr uel  (Geschichte  der  deutschen 
Predigt  im  Mittelalter.  Detmold  1879,  S.  355),  Linsenmayer  (Geschichte  der 
Predigt  in  Deutsehland  von  Karl  dem  Großen  bis  zum  Aufgang  des  14.  Jahrh. 
München  1886,  S.  36 5) ^  Preger  (Geschichte  der  deutschen  Mystik  II,  32)  nehmen 
darum  folgerichtig  auch  nur  einen  einzigen  Verfasser  der  Predigten  an.  Da- 
gegen  glaubte  Albert  (Die  Geschichte  der  Predigt  in  Deutschland  bis  Luther. 
3.  Theil.  CHitersloh  1896,  S.  94,  97)  für  mehrere  Verfasser  eintreten  zu  müssen. 
Als  Maßstab  für  die  Scheidung  der  einzelnen  Stücke,  die  er  nur  aus  den 
wenigen  bei  Wackemagel  mitgeteilten  Proben  kannte,  diente  ihm  die  Art  und 
Weise  der  Schriftanwendung,  eine  (jhrundlage  die  für  solche  Untersuchungen  doch 
zu  subjektiv  istj  um  darauf  sichere  Schlüsse  zu  bauen.  Nachdem  nunmehr  die 
ganze  Sammlung  gedruckt  vorliegt,  wird  deren  einheitlicher  Charakter  auch  nicht 
mehr  in  Zweifel  gezogen  werden  können.  Der  schlagendste  Beweis  für  die  Einheit 
ist  der  stets  gleiche  Aufbau  der  Predigten,  die  gleiche  Art  und  Weise  das  Thema 
anzukündigen  v/nd  durchzuführen,  die  öftere  Verwendung  derselben  Schriftstellen 
in  dem  gleichen  Sinne  und  mit  denselben  Schlußfolgerungen,  sowie  die  Wiederkehr 
derselben  biblischen  Beispiele,  wovon  die  in  den  Anmerku/ngen  gegebenen  Verweise 
den  Beleg  erbringen.  Um  jedoch  die  einzelnen  Stücke  richtig  beurteilen  zu  können, 
sind  zwei  Dinge  wohl  zu  beachten:  einmal  der  Unterschied  zwischen  den  eigent- 
lichen Predigten  und  den  sog.  Collationen.  Zu  dieser  Gattung  gehören  die  lehr- 
haften Stücke.  Die  einzelnen  Punkte  werden  hierin  nach  Art  einer  theologischen 
Abhandlung  kurz  aufgezählt,  wobei  auf  oratorisches  Beiwerk  grundsätzlich  ver- 
ziehtet  wird.  Als  collacio  ist  ausdrücklich  bezeichnet  Nr.  19.  Dahin  gehören  noch 
Nr.  21.  87.  43.  46.  67.  81 — 86.  Ein  ganz  eigenartiges  Gepräge  trägt  Nr.  35. 
Die  Überschrift  von  Gottes  fride  ist  der  ersten  Sentenz  entnommen  und  rein 
willkürlich  über  das  Ganze  gesetzt.    Das  Stück  besteht  aus  einer  losen  Zusammen" 

Stellung  verschiedener  Schrift-  und  Väterstellen   und  zwar  solcher^  welche  in  den 

b* 


XX  Einleitung. 

vorliegenden  Predigten  größtenteils  verwendet  wurden.  Ahnliche  Stücke  sind 
Nr.  42.  43  (S.  136,  Z.  28  ff.y  46  (S.  144,  Z.  22  ff.).  Auf  der  anderen  Seite  ist 
wohl  zu  beachten,  daß  die  jetzt  ganz  kurz  scheinenden  Stücke  in  A,  in  welchen 
auf  eine  reichlichere  Benützung  der  hl.  Schrift  und  der  Väter  verzichtet  wurde 
und  welche  darum  das  Äußere  einer  Predigt  gleichsam  verloren  haben,  ganz  gut 
eine  wohl  disponierte  und  reich  ausgeführte  Predigt  voraussetzen  können,  wie  dies 
die  Paralleltexte  der  Stücke  Nr.  70ff.  zur  Genüge  dartun. 

Um  den  Verfasser  der  Predigten  bestimmen  zu  können,  ist  es  von  Wichtigkeit 
zunächst  die  Zeit,  in  der  die  Predigtsammlung  entstanden  ist,  ins  Auge  zu  fassen 
Den  einzigen  Anhaltspunkt  gibt  uns  die  Stelle  S.  239,  Z.  5,  in  der  es  nach  O 
heißt,  daß  die  Engel  'wol  drivzehin  handirt  jar*  die  Menschheit  unseres  Herrn 
ansehen,  eine  Zeitbestimmwng  die  in  der  Vorlage  von  A  ungeschickt  in  das  Jahr  1303 
verwandelt  wurde.  Hält  man  beide  Zeitbestimmungen  zusammen,  so  geht  daraus 
mit  aller  Sicherheit  hervor,  daß  A  auf  eine  Vorlage  X  vom  Jahr  1303  zurückgeht, 
während  X  O  Z  W  eine  Vorlage  zur  Voraussetzung  haben,  die  auf  alle  Fälle  vor 
1303  entstanden  sein  muß.  Mit  vollem  Recht  setzt  daher  Michael  (Geschichte  des 
deutschen  Volkes  II,  139)  die  Predigtsammlung  noch  in  das  Ende  des  13.  Jahr^ 
hunderts,  wie  es  schon  vor  ihm  Rieger  (bei  Wackemagel  S.  387),  Cruel  (S.  355) 
und  Linsenmayer  (S.  365)  getan  haben.  Damit  summt  auch  die  Entstehungszeit 
von  O,  das  der  Schrift  nach  flicht  viel  später  als  1300  entstanden  sein  kann, 
während  das  auf  dem  Vorderblatt  von  O  aufgeklebte  hochallemannische  Bruchstück 
zu  Predigt  59  (S.  254,  Z.  l?ffj  in  eine  frühere  Zeit  zurückgehen  muß.  (Die 
Ausführungen  Pregers,  Geschichte  der  deutschen  Mystik  II,  9 — 11  sind  nicht  in 
allen  Punkten  zutreffend).  Wie  vorsichtig  man  jedoch  in  den  Schlüssen  aus  so 
allgemein  gehaltenen  Zeitbestimmungen  wie  'wohl  1300  Jahre'  sein  muß,  dafür 
können  als  Belege  einige  Stellen  aus  Bertholds  Predigten  dienen:  In  einer 
lateinischen  heißt  es:  Dyabolus  sibi  servientibos  adeo  est  crndelis:  per  exemplum 
Antiochum  pro  seryicio  suo  exhibitx)  iam  plus  quam  per  mille  annos  et  CCO 
darissime  cruciavit  nee  sibi  adhuc  sufficit  ...  die  plures  (was  in  anderen  Hand- 
Schriften  erläutert  ist:  similiter  Neronem,  Berodem  etc.).  Sodann  die  beiden 
Paralleltexte  aus  der  Heidelberger  und  Brüsseler  Handschrift  (Pfeiffer  /,  389 
Z.  6  u.  II,  416). 

Heidelberger  Hs.  Brüsseler  Hs. 

In  [Got]  habent  die  engel  wol  seh  zig  Die  engel  haben  in  mere  wan  sibent 

hundert  jär  an  gesehen  unde  sehent  in  tusent  jär  an  gesehen  .  .  .  [Gregorius 
hüte  als  gerne  als  des  ersten  tages  . . .       spricht  das  und  andern  lerer  in  iren 

spruchen  und  1er] 

Von  1200  Jahren  dagegen  ist  die  Rede  bei  Schönbach,  Studien  zur  Geschichte 
der  altdeutschen  Predigten,  III.  Stück,  S.  20121:  mirum  si  ante  mille  ducentos 
annos  publice  predicarunt  apostoli,  ubi  postea  latuerunt?  in  hoc  potes  videre 
manifeste,  te  esse  deceptum.  iam  sunt  mille  ducenti  anni,  quodpublicissime  est 


Einleitung,  XXI 

predicata  (fides  catholica).  Aus  der  Tatsache,  daß  sämtliche  Predigten  um  das 
Jahr  1300  bereits  als  Sammlung  vorliegen,  dürfen  wir  mit  Sicherheit  schließen, 
daß  dieselben  einen  Verfasser  haben,  der  vor  1300  gepredigt  hat  Auf  die 
2.  Hälfte  des  13.  Jahrh.  führt  uns  das  älteste  Bruchstück  der  Predigt  Nr.  4  zu 
Schlettstadt  (allemannisch,  in  der  Gegend  Frankens),  das  der  Schrift  nach  um 
1250  entstanden  sein  muß. 

In  Unkenntnis  Über  den  Verfasser  hat  man  die  Sammlung  seither  als 
„St.  Oeorgener  Prediger"  benannt.  Allein  diese  Bezeichnung  nach  der  Her- 
kunft der  ältesten  Handschrift  ist  doch  zu  oberflächlich  und  rein  äußerlich,  als 
daß  man  an  ihr  festhalten  könnte.  Michael  II,  139  benannte  darum  die  Sammlung 
als  den  „Oberrheinischen  Prediger'^  mit  Rücksicht  auf  die  Lesart  S.  193, 
Z.  24  Ahm.,  wiewohl  auch  diese  Bezeichnung  durch  die  Lesart  in  A  Zeile  24  wieder 
aufgehoben  wird. 

Der  Verfasser  der  Prediger  ist  sicher  ein  Ordensmann  (ach  brfider,  waz  hant 
ir  gesprochen!  owe,  sälger  brüder  sprechent  es  aber!  S.  71,  Z.  Bf),  der  in 
Klöstern  öfters  predigte  (S.  41,  Z,  16;  S.  36,  Z.  36).  Aus  der  Wendung  S.  84, 
Z.  35  der  hailig  vatter  =  Benediktus,  ließe  sich  auf  einen  Benediktiner  schließen, 
die  Ausdrücke  priol  und  priolin  deuten  vor  allem  auf  den  Dominikaner-,  weniger 
auf  den  AugusUnereremiten-  oder  Karmelitenorden,  maisterschaft  (S.  51,  Z.  11;  S.  66, 
Z.  12;  S.  85,  Z.  1;  S,  112,  Z.  6;  S.  121,  Z.  2)  eher  auf  den  Dominikaner-  als  den 
Franziskanerorden,  kann  aber  auch  ganz  allgemein  für  jeden  Ordensobem  gebraucht 
werden:  aus  diesen  inneren  Qründen  wird  man  darum  keine  sicheren  Anhalts- 
punkte für  den  Verfasser  gewinnen,  weil,  wie  schon  oben  hervorgehoben  wurde,  diese 
Aufrücke  nach  den  jeweiligen  Ordensverhaltnissen  vom  Schreiber  oder  Sammler 
der  Predigten,  der  in  vorliegendem  Falle  wohl  ein  Dominikaner  war,  leicht 
geändert  und  den  Ordensverhältnissen  angepaßt  werden  konnten.  Zur  Bestimmung 
des  Verfassers  müssen  wir  darum  auf  äußere  Gründe  zurückgreifen,  die  uns 
allein  die  A-Oruppe  der  Sss.  in  die  Hand  gibt.  Die  A- Gruppe  beginnt  mit 
vier  Predigten,  welche  sicher  auf  Berthold  von  Regensburg  zurückgehen 
(vgl.  die  Anmerkungen  S.  1.  4.  8.  10).  Predigt  Nr.  4  weist  von  seihst  auf  Nr.  5S, 
welche  ein  ähnliches  Thema  mit  derselben  Sicherheit  und  Gewandtheit  im  Aus- 
druck behandelt,  wodurch  gleichzeitig  die  Einheit  des  I.  u/nd  IL  Teiles  in  A 
gewährleistet  ist.  Als  Bertholdisches  Gut  ist  kürzlich  Predigt  Nr.  24  durch 
Schönbach  bezeugt  worden  (gedruckt  aus  einer  Innsbrucker  Es.  bei  Schönbach, 
Studien  zur  Geschichte  der  altdeutschen  Predigt  VI,  123).  Diese  Predigt  aus 
dem  L  Teil  von  A  findet  sich  auch  in  Z,  so  daß  die  Einheit  des  I.  umd  II  Teiles 
in  A  auch  hierdurch  verbürgt  ist  Denselben  Geist  und  dieselbe  Art  der  Ausführung 
verraten  aber  auch  Predigt  Nr.  17.  25.  26.  28.  52.  56.  Bertholdisch  ist  Predigt 
Nr.  76:  „Von  dreierlei  Minne'*  (vgl  S.  317  Anm.).  Auf  Berthold  von  Regensburg 
weisen  sodann  die  kurzen  Skizzen,  welche  sich  in  der  großen  Bertholdhandschrift 
Cod.  Pal.  germ.  24  der  Heidelberger  Universitätsbibliothek  finden,  in  unserer 
Sammlung  dagegen  ausführlicher  vnederkehren  (vgl.  die  Anmerkungen  zu  Nr.  65, 


'  ygF 


Einleitung. 


8.  121;  Nr.  66,  S.  898;  Nr.  68,  S.  S99;  Nr.  75,  S.  315).  Auf  Berthotd  vm 
Segensburg  weist  ferner  Nr.  6?:  „Von  dem  Sehaden  der  läßlichen  Sünden"  (vgl. 
Pfeiffer-Strobl  II,  25Si9).  Erwähnt  sei  schließlich,  daß  sich  die  'Regula  Selphardi' 
sowohl  in  den  Berthold  von  Regensburg  zugeschriebenen  'Sermones  ad  religioaos' 
findet,  wie  in  wnserer  Sammlung  (vgl.  S.  XVI).  Der  Ausdruck  'ach  brüder'  etc. 
in  der  S9.  Predigt  (S.  ?1,  Z.  5j  ist  ganz  Bertholdisch.  (Die  Predigt  findet  sich  auch 
in  einer  Papierhandschrift  atis  dem  Ende  des  15.  Jahrh.  aus  dem  Framiskaner- 
khstffr  Ingolstadt  El.  90' — 9P :  Von  drien  tagTvaiden,  die  wir  unserm  herren  nach 
volgen  suln;  vgl.  Zeitsckr.  f  d.  Phil  14  [1882],  64  ff.).  Ebenso  echt  Bertholdisch 
ist  der  Ausdi-uck  in  der  18.  Predigt  (S.  53,  Z.  33  ff) :  du  solt  es  wider  gen  oder  din 
Wirt  niemer  rät  I  (vgl.  dazu  Nr.  39,  S.  UO,  Z.  12 ;  S.  111,  Z.  16).  Der  Verfasser  der 
18.  Predigt  ist  aber  auch  der  Verfasser  der  37.  Predigt;  der  Verfasser  von  Nr. 
auch  derjenige  von  Nr.  38,  der  Verfasser  von  Nr.  3  auch  derjenige  von  Nr.  57 
wodurch  die  Zusammengehörigkeit  beider  Teile  in  A  aufs  neue  bestätigt  wird. 

Faßt  man  die  Zeit  der  Entstehung,  die  Einheit  und  die  große  Verbreitung  der 
Sammlung  sowie  die  eben  angeführten  äußeren  Gründe,  welche  für  Berlhold  von 
Regensburg  sprechen,  ins  Auge,  so  glaube  ich  berechtigt  zu  sein,  die  große  Mehrzahl 
als  einen  Niederschlag  Bertholds  deutscher  Klosterpredigten  bezeichne» 
zu  dürfen.  Die  Wichtigheit  der  vorliegenden  Predigtsammlung  dürfte  darum  vo», 
selbst  gegeben  sein  und  zioar  sowohl  mit  Rücksicht  auf  die  bisher  bekannten  deutschen 
wie  auch  im  Vergleich  zu  den  lateinischen  Predigtsammlungen  Bertholds  von 
Regensburg.  Von  den  lateinischen  Sammlungen  der  unter  dem  Namen  'Sermones 
ad  religiöses'  bekannten  Bertkoldspredigten  hat  Jacob  (Die  lat.  Redet}  des  seL 
Berthold  von  Regensburg  S.  86,  g  Sj  eine  kurze  Übersicht  und  Inhaltsangabe 
gegeben,  vo»  denen  ztvanzig  durch  Rpetzl  (Beati  fr.  Bertholdi  sennones  aä 
religiosos  Monachii  1882)  herausgegeben  wurden.  Allein  diese  Ausgabe  entspricht 
avtch  nicht  den  geringsten  Anforderungen,  die  man  an  Mitionen  solcher  Textr 
stellen  muß.^)  Aber  auch  in  anderer  Hinsicht  bedürfen  gerade  die  Sennones  ad 
religiosos  noch  einer  besonderen  Untersuchung  (vgl.  Schönbach,  Studien  zur  G^ 
schichte  der  Altd.  Predigten,  V.  Stück,  S.  55  ff".).  Zum  großen  Teil  finden  sieh 
nämlich  diese  Predigten  in  anderen  Bertholdschen  Sammlungen  und  viele  derselben 
sind  Überhaupt  nicht  für  Religiösen  berechnet.  Dagegen  ist  unsere  Sammlung  faat.. 
ausschließlich  für  Religiösen  bestimmt.  Als  deutsehe  I*redigten  sind  sie  in  diesM 
Umfang  die  einzige  Sammlutig,  welche  wir  auf  Berthold  von  Regensburg  zurüdt^ 
fuhren  können.    Sechs  deutsche  „Klosterpredigten"  hat  Strobl  (Pfeiffer-Strobl  Ht- 

1)  So  urleüt  auch  SiMnbach,  Studien  fur  Gfschichte  der  altdeulschm  Predigten  V.  Stück  S.  60.. 
Wie  ich  mich  durch  Einsicht  in  die  sehr  fehlerluifte  Handschrift  vbrrzeugt  habe,  hat  EoeteA 
wenignten»  dm  Text  der  Et.  genau  tdedergeben,  mos  man  von  den  lat.  Texten  Schönbacka  nkAt 
gagm  kann.  AU  Beispiele  führe  ich  einetveilen  nur  an  III.  Stück  S.  8  Z.  3  ff.:  item  de  peDttenlift 
dicuQt,  qaoA  non  est  sacerdotibas  confiteiiduin..  hgc  confinnationem  ab  eh  ocdpi  debere:  In  der 
Hdtchr.  hei/lt  es  aber:  ncc  pcniteatie  ab  eis  accipiende,  vias  allein  rinen  Sinn  hat,  8.  6  Z.  17  ff, 
eoce.  qaaDta  cedtas,  cum  toCa  scriptnra  dicat  creatjoneml  Rinder  Ss.jedoA  cODtrarinm,  leaswitier 
allein  richtig  itt). 


i 


Einleitung. 


xxm 


S58—S74)  heretts  veröffentlicht.  Sie  sind  sehr  individualistisch  gekalten  in 
lebendigem  Verkehr  mit  den  Zuhörern.  Unsere  Predigten  dagegen  tragen  der 
Meiirzahl  nach  mehr  doktrinären  Charakter,  was  sieh  leicht  aus  der  Art  und  Weise 
der  Aufzeichnung  erklären  läßt,  die  nach  dem  gekörten  lebendigen  Vortrag  nur 
den  Gedankengang  niederschrieb,  ohne  sich  an  die  rhetorische  Form  zu  kalten,  oder 
auf  die  Behandlung  der  Predigten  durch  den  Sammler  derselben. 

Daß  Berthold  neben  seiner  Tätigkeil  als  Missionsprediger  auch  in  Klöstern 
gejtredigt  hat,  darf  man  von  vornherein  als  selbsh'erständlieh  betrachten ;  und  daß 
sich  bei  seiner  Berühmtheit  diese  Predigttätigkeit  nicht  auf  seine  Ordensangehörigen 
allein  beschrankte,  ist  ebenso  anzunehmen.  Auch  Schönbach  hält  es  für  sicher 
fVII,  19)  erwieseti,  daß  Berthold  Predigten  an  Frauen  einer  geistliehen  Kon- 
gregation gehalten  hat  und  zioar  in  seiner  Eigenschaft  als  Spiritual  (vgl.  Schön- 
bach VI,  70,  75.  VIII,  82.  „Jedenfalls  betrachte  ich  die  Aufnahme  von  Nieder- 
schriften Bertholdscher  Predigten  an  geistliche  Frauen  als  ein  Zeugnis  dafür,  daß 
er  eine  Wirksamkeit  als  Spiritual  oder  Hausprediger  tatsächlich  ausgeübt  hat').  Unsere 
Sammlung  fügt  sich  darum  der  bisherigen  Überlieferung  an  die  Seite. 

In  den  deutschen  Texten  der  Klosterpredigten  finden  wir  auch  alle  Vorteile, 
die  Schönbach  (VI.  Stück)  «n  den  deutschen  Missionapredigten  vermißt:  genaue 
Bibelzitale^  ausgiebigen  Gebrauch  der  Kirchenväter,  als  deren  Meister  Augustin, 
Oregor  und  Bernhard  zitiert  werden  (vgl.  Schimbach  VIII,  9),  Verwendung  des 
Breviers  und  die  frühe  Entstehung  der  Sammelhandschriften. 

Auf  Bertkold  von  Regensburg  passen  schließlick  die  Urteile,  welche  die 
Predigten  seither  von  den  Fackkenneni  gefunden  haben.  So  urteilt  Albert 
fOesehiehte.  der  Predigt  in  Deutschland,  3.  T.,  S.  9819)  über  die  57.  Predigt, 
daß  sie  eine  ganz  hervorragende  Stelle  utiter  den  schriftgemäßen  Predigten  ein- 
neAme,  schon  um  deswillen,  weü  sie  nach  Coloss.  3.  16  'Von  dem  worte  Gottes' 
selbst  handelt.  „Der  Verfasser  stellt  eine  ganz  vortreffliche  Theorie  der  Predigt- 
kunst auf,  wenn  er  fordert,  daß  zu  allererst  'bei  dem  Prediger  im  Herzen  das 
Wort  Gottes  geboren  werde',  daß  also  Meditation  und  Gebet,  persönliches  Christen- 
tum des  Predigers  eine  Vorbedingung  zu  gesegneter  Arbeit  sei.  Er  hat  selbst 
gewiß  treulich  nach  dieser  Vorschrift  gehandelt.  Das  ganze  3.  Kapitel  des  Briefes 
an  die  Colosser  ist  offenbar  vor  Abfassung  der  Predigt  im  Zusammenhang  durch- 
gearbeitet worden,  ein  Zeugnis  von  einem  seltenen  eingehenden  Schriftstudium." 
Ähnlich  urteilt  Michael:  „Der  oberrheinische  Prediger,  wie  man  der  Kürze  kalber 
den  Verfasser  der  Sammlung  nennen  darf,  offenbart  sich  als  ein  Mann  von 
theologischer  wie  rhetorischer  Schulung,  von  lebendiger  Phantasie  und  von  milder 
Oemütsarf  (II,  139).  Diese  günstigen  Urteile  werden  Jetzt  erst  recht  in  ihrem 
Werte  gewürdigt  werden  können,  da  die  ganze  Sammlung  gedruckt  vorliegt. 


Der  Ausgabe  der  Predigten  ist  A  zu  Grunde  gelegt,  weil  sie  die  einzige 
BJi.  ist,  in  welcher  die  Predigten  vollständig  überliefert  sind.  Die  Lesarten  zu 
Nr.  1 — 10.  12.  13.  1?  aus  der  Hs.  S,  auf  die  ich  erst  am  Abschluß  des  Druckes 
aufmerksam  wurde,  sind  im  Ankang  S.  342/3  mitgeteilt.     Von  Nr.  35  an  ist  O  bei- 


XXIV  Einkiiung. 

gezogen,  dessen  ahweiehende  Lesarten  in  dem  Apparat  vollständig  vermerkt  wurden. 
Dabei  tvurden  jedoch  Wortumstellungen,  die  den  Sinn  nicht  veränderten,  nicht 
berücksichtigt  Da  O  mit  Nr.  71  abbricht  (8,  306,  Z,  11),  trat  für  die  An- 
merkungen an  dessen  Stelle  Z,  auf  das  schon  früher  wie  auch  auf  W  bei  allen 
schwierigen  oder  unsicheren  Stellen  zur  Feststellung  des  richtigen  Textes  zurück- 
gegriffen wurde. 

Als  Grundsätze  für  die  Textbehandlung  waren  die  von  der  Deutschen 
Kommission  festgelegten  maßgebend.  Die  Abkürzungen,  die  in  AQ  spärlich,  aber 
durchaus  regelmäßig  sind:  Striche  über  den  Buchstaben  für  n  und  m  (im  Zweifel- 
fall  gibt  der  Apparat  Aufschluß),  tourden  sachgemäß  aufgelöst:  wz  in  waz;  dz 
in  daz;  jedoch  wurde  ausgeschriebenes  das  v/nd  was  in  Abelassen;  ebenso  de  u/nd 
WC  in  O  nicht  aufgelöst,  vn  vmrde  durchgehend  in  und  aufgelöst,  die  Form  vnde 
dagegen  in  O  belassen.    Ferner  wurde: 

mhd.  anlautendes  u,   in  A  geschrieben   v:  gedruckt  u, 

•  •  • 

ff  ff  Jj     ff  ff  ff  ^*         ff         i* 

Die  Schlußsilbe  e  z,  B,  in  gebs  wurde  mit  geben  aufgelöst^  obwohl  daneben  häufig 

doppel-n  vorkommt:  gebenn   (vgl.  S,  1,  Z.  3).    Am  Ende  einer  Zeile  steht  für  s 

öfters  3,  das  im  Druck  mit  z  wiedergegeben  wurde. 

Die  Titel  der  Predigten  in  A  sind  durchweg  rot  geschrieben,  Absätze  durch 
rot  durchstrichene  Buchstaben  gekennzeichnet.  Die  V2  Spatien  wurden  im  Druck 
nach  den  von  der  Kommission  geforderten  Grundsätzen  angewandt.  Der  Text 
Von  A  leidet  vor  allem  an  vielfachen  Auslassungen^  die  meist  durch  Überspringen 
auf  gleichlautende  Worte  hervorgerufen  wurden.  Beispiele  gibt  der  IL  Teil  von  A, 
die  Predigten  Nr.  35 ff.y  zur  Genüge;  sie  sind  auch  für  den  ersten  Teil  von  A 
anzunehmen,  wodurch  sich  manche  Jetzt  unklaren  Stellen  werden  berichtigen  lassen. 

An  Zuverlässigkeit  der  Textmedergabe  glaube  ich  das  Möglichste  geleistet  zu 
haben,  da  ich  die  Korrekturen  stets  nach  den  Handschriften  las.  Daß  mir  dies 
möglich  war,  verdanke  ich  dem  Entgegenkommen  der  Freiburger  UniversitätsbibL,  der 
Karlsruher  Hof-  und  Landesbibl,  der  Züricher  Stadtbibl,  der  Wiener  k,  k.  Hof- 
bibl,  der  Straßburger  Stadtbibliothek  und  nicht  zuletzt  der  Gastfreundschaft  des 
Stadtarchivs  zu  Freiburg,  wo  ich  durch  die  Freundlichkeit  von  Herrn  Archivrat 
Professor  Dr.  Albert,  alle  Hss.  in  Muße  benützen  konnte. 

Es  sind  jetzt  zehn  Jahre  her,  daß  ich  die  Handschrift  A  in  der  Universitätsbibl. 
zu  Freiburg  auffand  und  abschrieb.  Herr  Professor  Dr.  Pfaff,  Bibliothekar  zu 
Freiburg,  hat  mir  damals  mit  manchem  Rat  zur  Seite  gestanden,  so  daß  ich  auch 
an  dieser  Stelle  ihm  meinen  Dank  aussprechen  möchte.  Gleichen  Dank  schulde  ich 
der  Liebensumrdigkeit  von  Herrn  Prof.  Panzer  in  Frankfurt,  der  die  Korrekturen 
mitlas,  und  dem  Entgegenkommen  von  Herrn  Prof.  Roeihe  in  Berlin,  der  die  Auf- 
nähme  der  Predigten  in  die  „Deutschen  Texte'^  ermöglichte  und  sich  ebenfalls  an 
der  Korrektur  beteiligte. 

Scherzingen  bei  Freiburg  i.  Br.,  im  September  1908. 

Karl  Bieder. 


Der  sogenannte  St.  Georgener  Prediger, 

eine  Überlieferung 

von  deutschen  Klosterpredigten 
Bertholds  von  Regensburg. 


[1.]  Ton  den  zehen  gebotten  nnsers  herren. 

Der  almihtig  Got  nimt  ein  michel  zal  alle  tag  von  dirr  weit,  der  ieklichs 
ist  schuldig  zehen  helbling  ze  geben,  und  swer  si  nit  hat  ze  gebenn,  der  mäss 
eweklich  verlorn  sin.  swer  ir  siben  oder  nun  git,  der  hat  nit  gewert,  won  ir 
sont  zehen  sin.  der  arm  mag  nit  minder  geben  denn  der  rieh,  dis  zehen  helb-  5 
ling  sint  du  zehen  gebot,  zu  den  ain  ieglich  mentsch  gebunden  ist,  er  si  arm 
oder  rieh. 

Der  erst  helbling  ist  daz  erst  gebot:  du  solt  kainen  frömden  Gk)t  haben  för 
mich,  dirr  helbling  hat  zwai  gebräch,  daz  erst:  du  solt  an  kainen  Grot  geloben 
wan  an  mich,  weder  in  dem  hymel  noch  uff  der  erde,  die  von  Babylon^  lo 
bettaten  die  sunnen  an,  den  man  und  die  Sternen;  die  Eryechen  die  lüte  und 
daz  vih  und  du  tier;  die  von  [V]  Egyptenland  ain  merwwnder,  daz  hiess  Ap]^. 
daz  solt  du  alles  nit  tun.  daz  ander  gebräche  ist  daz  du  ane  valschhait  und 
an  hinderlist  mit  guten  trtiwen  an  Got  gelobest,  daz  du  von  reht  geloben  solt 
und  als  dir  din  cristener  gelob  seit,  daz  tünt  die  Juden  nit  noch  die  kätzer.  15 
da  von  wirt  vil  lüt  verlorn  daz  sü  nit  disen  helbling  laistent. 

Der  ander  helbling  ist  daz  ander  gebot:  du  solt  dines  Gottes  namen  nüt  un- 
nützklich  nemen.  der  helbling  hat  och  zwai  gebräch,  das  erst  ist:  du  solt  nit 
durch  lait  noch  dur  lieb  noch  durch  kain  ding  mainaid  swerren  noch  umbsuss 
lihteklich  bi  Got  swerren,  won  mainaid  sin  groz  sünde;  und  wer  vil  swerren  wil,  20 
der  wirt  dik  mainait.  daz  ander  gebräche  ist:  du  solt  Ooi  niht  schelten  noch 
fluchen,  won  daz  ist  ain  vil  grössü  sunde;  und  solt  och  nit  grozlich  Got  (V] 
erzürnen,  won  er  schlag  ze  ainem  male  von  aines  mentschen  schulde  der  Got 
schalkt,  hundert  tusent  und  fünf  und  ahtzig  tusent  mentschen  ze  tode  in  ainer 
naht,     umb  disen  helbling  wirt  ser  gerihtet.  25 

1.  I>%t  Überschrift  und  das  Änfangs-J)  des  Textes  ist  rot  geschrieben.  12.  merwnd\ 

13.  dz  solt]  lies  dez  solt?  21.  Got  fehlt. 

1.  Zu  dem  Stück  über  die  zehn  Gebote  vgl,  Pfeiffer -Strobl,  Berthold  von  Begensburg  I  264 
'288;  II 198-200  und  die  Lesarten.  —  Ebenso  handschriftlich  in  Cod.  Pal.  germ.  537  fol.  117^ 
(Bartsch  Nr.  268):  Das  ist  ain  bredig  von  zechen  beten.  Der  almechtig  got  nimt  alle  tag  ain 
michel  tail  usw.,  und  in  Cod.  966  8. 121-129  der  Stiftsbibl.  zu  8t  Gallen.  8.  2^  dem  Wort- 

laut der  10  Gebote  vgl.  Exod.  20, 1-17.  In  der  Ausführung  der  Handschrift  ist  das  9.  und  10.  Ge- 
bot gegenüber  Pfeiffer-8trobl  I  285;  II  200  vertauscht.  —  Vgl.  auch  Jacob,  Die  lat  Reden  des 
sei.  Berthold  von  Begensburg  8.  54  Nr.  48,  49,  und  Schönbach,  Die  Überlieferung  Bertholds  von 
Begensburg  I  39  ff.         24.  Isai.  37, 36. 

DeatMli«  T«xt«  des  Mittelalters.  X  1 


2  1.  Voo  deo  zehea  gebotten  änsefs  herren. 

Der  drit  helbling  ist  daz  drit  gebot:  da  solt  den  tag  der  rftwe  h&ilgen, 
daz  ist  den  virtag  eren  und  behalten,  dirr  helbling  hat  och  zwai  gebräche, 
daz  erst  ist:  da  solt  den  virtag  nit  versmihenn  mit  werche  noch  brechen  als 
die  k&tzer,  die  an  dem  snnnentag  gemer  werchant  denn  an  dem  mäntag.  daz 
5  ander  ist  daz  dines  hertzen  r&we  an  kainer  creatfir  sol  sin  wan  an  Oot,  der 
äll6  ding  geschafifen  hat  der  mentsch  zerstöret  sines  hertzen  r&we  der  kain 
ander  rfiwe  gert  and  fröde  denn  an  Grot^  es  si  g&t^  ere,  wib  oder  kint  ey 
lieber  Got,  was  lüt  amb  disen  helbling  wirt  verlorn ! 

Der  vierd  helbling  ist  daz  yierd  /iV  gebot:  da  solt  eren  yatter  and  mftter, 

10  daz  da  dester  lenger  lebest,  dirr  helbling  hat  och  zwai  gebräch,  daz  erst  ist: 
da  solt  eren  yatter  and  mfiter  mit  dem  hertzen,  daz  ist  da  solt  sä  nit  dar  amb 
yersmahen  daz  sä  alt  sint  and  arm,  siech  oder  angestalt;  wan  ist  daz  an  inen, 
daz  sint  si  von  den  schalden  din.  da  solt  si  eren  mit  dem  libe,  daz  da  inen 
dienest   and  inen  ir  notdarft  gebest,   ob   da   sin   statt  mäht  han.    daz  ander 

15  gebräch  ist:  da  solt  dinen  gaischlichen  yatter,  daz  ist  der  priester,  and  dine 
gaischlich  mfiter,  die  hailgen  eristenhait,  eren;  wan  Grot  hat  den  priester  über 
all  mentscben  geeret,  da  yon  sol  in  der  mentsch  loblichen  eren. 

Der  fünft  helbling  ist  daz  fünft  gebot:  da  solt  nieman  töten,  dirr  helbling 
hat  och  zwai  gebräch,    daz  erst  ist:  da  solt  mit  diner  hant  nieman  töten  noch 

20  haissen  töten,  den  hast  da  getötet  dem  da  mohtest  gehelfen  and  sin  nit  entäte; 
f2^J  won  du  Schrift  spricht  also:  'gib  dem  hangrigen  ze  essenn';  wan  stirbet  er 
yon  hanger,  da  bist  schaldig  an  im.  da  solt  niemans  todes  geren  mit  rät,  mit 
helf,  mit  trost  noch  mit  ganst.  daz  ander  ist:  da  solt  dinen  ebencristen  nit 
hassen ;  won  swer  sin  eben  cristen  hasset,  der  ist  manschleg. 

25  Der  sehst  helbling  ist  daz  sehst  gebot:  da  solt  nit  unkünsch  sin.  dirr  helb- 
ling bat  och  zwai  gebräch,  daz  erst  ist:  da  solt  niemannes  wip  ze  nnkünsch 
geren,  daz  ist  ze  une.  amb  disen  helbling  wirt  vil  lütes  all  tag  yerdampnet. 
daz  ander  ist  ain  sogtanü  sach  nnkünsch  da  yon  nit  ze  sagenn  ist  yor  der  be- 
schirm uns  unser  herr  Jhesas  Christus. 

80  Der  sibend  helbling  ist  daz  sibend  gebot:  du  solt  nit  stelen.  dirr  helbling 
hat  och  zwai  gebräch,  daz  erst  ist:  du  solt  niemans  gut  ze  unreht  geren^  weder 
mit  rob  noch  mit  wacher  noch  mit  kainer  unrehter  f2^J  wise.  daz  andör  ist:  du 
solt  niht  sorklich  din  gfit  behalten,  du  solt  es  armen  lüten  mit  tailen.  umb 
disen  helbling  wirt  man  fragend  an  dem  jüngsten  tag. 

35  Der  ahtend  helbling  ist  daz  ahtend  gebot:  du  solt  nit  yalscher  gezüg  sin. 
din*  helbling  hat  och  zwai  gebräch,  daz  erst  ist:  daz  du  weder  durch  miet  noch 
durch  bett,  durch  liep  noch  dur  lait  yalscher  gezüg  gegen  ieman  sigest 
das  ander  ist:  du  solt  nit  liegen,    hie  merket  man  fönf  hant  lüg  die  tötlich  sint, 

24.  In  maoBchleg  stand  zunächst  manschleh,  das  dann  in  manschleg  korr,  wurde.  26.  wip] 
Pfeiffer-Strobl  I  278,  8  und  II  199, 29  hat  lip.  28.  sach  ist  wohl  zu  tilgen  (Panzer).  31.  daz 
ent  ist  fehlt. 


21.  Anspielung  auf  Isai.  58,  7;  Prov.  25,  21;  Rom.  12,  20. 


1.  Von  den  zehen  gebotten  unsere  herren.  3 

und  dri  die  abl&ssig  sint.  du  erst  ist  so  man  redet  wider  den  globen;  als  ob 
man  spräche:  Grot  si  nit  mentsch  worden  oder  er  wurdi  nie  gemartrot  oder  ünsrö 
yrowe  si  nit  ain  rehtu  magt  oder  ain  sämlichs  das  wider  den  globen  ist.  d6 
ander  ist  du  etwem  schadet  und  niemann  nutz  ist;  daz  ist  so  du  ainem  ment- 
8chen  mit  lügen  sin  er  nimest  oder  benemen  wilt  oder  sinen  lip.  du  drit  [2"]  ist  5 
daz  ainem  frnmet  und  dem  andern  schadet;  daz  ist  so  du  mit  lügenn  und  mit 
Talscher  gezugnust  ieman  sin  g&t  nimest  du  vierd  ist  so  du  mit  flisse  lügest 
oder  trügest  durch  daz  daz  du  dinen  neben  cristen  betrügest  und  überkumest, 
daz  er  sin  grossen  schaden  hat;  daz  täst  du  an  sache,  won  er  dir  wol  getrüwet. 
du  fünfte  ist  so  du  lugest  daz  du  dester  bas  gevallest,  als  der  lotter  und  der  lo 
spilman,  der  umb  gäbe  lobet  den  der  da  ze  scheltenn  ist,  und  schiltet  den  der 
da  ze  lobenn  ist.  die  fünf  lugi  sint  tötlich.  die  andern  dri  sint  ablässig,  ob  si 
nit  sint  in  der  gewonhait.  du  ain  und  och  du  sechste  daz  ist  daz  nieman  schadet 
noch  nieman  frumt:  als  du  gegen  iemann  der  etwem  sin  g&t  wölti  stein,  nemen 
oder  rohen,  sprichest  du  du  wissest  sin  gut  nit,  ob  man  dich  sin  vrage.  du  ander  15 
und  du  sibend  ist  so  du  ainen  mentschen  wol  [2^]  waist  den  sin  vigint  sächent  und 
in  töten  went,  und  du  seist  du  wissist  sin  nüt.  du  drit  und  du  ahtend  ist  ob 
ainer  wölti  ainer  mägd  iren  magtäm  nemen,  daz  du  ir  den  behieltist  mit  lügenn. 
dis  sint  ahthand  lugi  die  sant  Augustinus  schribet;  und  du  erst  ist  du  maist  und 
nimet  als  ab,  wan  du  jungst  ist  du  minst.  20 

Der  nünd  helbling  ist  daz  nünd  gebot :  du  solt  dines  nebent  cristen  gemaheln 
nit  begeren.  dirr  helbling  hat  och  zwai  gebräche,  daz  erst  ist:  swer  ain  vrowen 
in  dem  willen  an  siht  daz  er  gern  bi  ir  schliefi,  ob  er  sin  statt  möhti  han,  der 
hat  du  werch  voUebraht.  das  ander  ist:  du  solt  nit  begeren  daz  man  din  beger 
an  dem  ain  werdent  die  man  verlorn,  an  dem  andern  die  vrowen,  die  sich  dar  zä  25 
ziehent  und  sich  beraitent  dem  tüvel  ze  aim  strik.  und  ist  daz  nieman  dar  in 
yallet,  doch  mfissent  [d""]  si  daz  egschlich  geriht  und  daz  urtail  Gottes  tragen,  sü  ist 
der  schlänge  der  daz  mägtlich  höbt  hat,  und  si  treit  daz  verborgen  aiter.  si 
hat  berait  die  vergift  da  mit  si  die  sei  töten  wil,  daz  sint  ir  spilden  ögen  und 
ir  valschen  geng  und  ir  trugenliches  smieren.  hie  mit  so  benimt  si  der  rainen  so 
sei  ir  künschi.  in  der  alten  6  geschriben  stat:  *hat  ain  man  ain  cystemen,  der 
sol  si  bedeken;  tat  er  des  nit,  vallet  sines  nachgeburen  rint  dar  in  oder  sin 
schaff  er  sol  es  gelten',  won  er  sinen  brunnen  nit  wol  bedakte.  ey,  waz  in  des 
vihes  ze  geltenn  geschiht! 

Der  zehend  helbling  ist  daz  zehend  gebot :  du  solt  dins  nebent  cristens  ding  35 
ze  unreht  nit  begeren.    dir  helbling  hat  och  zwai  gebräch,   das  erst  ist . . .  joch  gar 

10.  lugeat  ohne  ü  Zeichen.  13.  nit  fehlt;  doch  vgl  Pfeiffer-Strobl  II 200, 10.  14.  noch 
ueman]  nnd  etewem :  Pfeiffer-Strohl  II  200 ,  11,  was  allein  richtig  ist.  nSben.  15.  du  du] 
L  dn.  18.  du  fehlt.  80.  In  valschen  ist  das  l  nachträglich  eingeschoben.  32.  si  fehlt. 

36.  Die  Punkte  sind  von  mir  eingefügt;  es  fehlt  etwa:  daz  du  des  begeret  ze  unreht 

19.  Vgl  Pfeiffer-Strobl  II  641.  31.  Exod.  21,  33. 


4  1.  Von  den  zehen  gebotten  unsere  hen^n. 

an  grossen  vliss,  und  dar  umb  an  fliss,  won  du  trüwest  nit  mit  den  werchen  voll 
riehen,  daz  ander  ist  daz  du  dar  z&  leist  allen  dinen  fliss,  f3^J  also  die  och  t&nt 
die  da  gänd  Stelen  oder  röben  (geschiht  es  nit,  daz  belibet  an  inen  niht),  und 
daz  du  do  noch  alles  stast  wie  du  mit  unträwen  überkomest. 

5  Dis  sint  die  wir  6ot  m&ssint  widergeben  an  dem  jüngsten  tag,  baidu  arm 
und  rieh,  und  wie  wir  si  hie  gebeut,  so  werdent  uns  da  wider  von  im  zehen 
phenning  gegeben,  der  erst  phenning  ist  daz  wir  erlidget  werdent  von  der 
ewigen  verdampnust  der  ander  ist  daz  wir  mit  grossen  vröden  von  hinnen 
werdent  gelaitet.    der  drit  ist  daz  wir  schone  werdent  enphangen.    der  vierd  ist 

10  daz  wir  mit  grossen  eren  uff  dem  hymelst&l  werdent  gesetzet,  der  fünft  ist  das 
uns  gantzer  gewaZt  in  dem  hymel  geben  wirt.  der  sehst  ist  daz  wir  habent 
gantz  erkantnust,  als  es  uns  denn  wol  erkant  wirt  der  sibend  ist  daz  uns  von 
dem  vatter,  von  dem  sun  und  von  dem  haiigen  gaist  unsäglich  süssi  wirt  gegeben. 
f3'J  der  ahtend  ist  daz  wir  allen  engein  und  allen  haiigen  ieklichem  werdent  ze 

15  minnenn.  der  nünd  ist  daz  wir  mit  grosser  vröde  und  mit  gezierde  von  Gk)t 
werdent  gezieret,  der  zehend  ist  daz  uns  der  Ion  wirt  geben  den  ögen  nie  ge- 
sahent  und  oren  nie  gehortent  und  kaines  mentschen  hertze  nie  gedaht.  dazS 
werdent  uns  zwai  gewant  geben,  daz  ist  daz  wir  an  der  sei  und  an  dem  lip 
die  ewigen  wunne  enphahent 

20  Daz  verlih  uns  der  süss  Jhesus  Crist, 

der  aller  vröd  ain  übergüld  ist.    amen. 

f2J  Ton  ylerhand  stnkln  erlstans  glöben. 

fCrediderunt  quotquot  erant  praeordinati  ad  vitam  aetemamj 
Saut  Lucas  schribet  also:  ^alle  die  geordnet  sint  zä  dem  ewigen  lebenn,  die 
25  haut  alle  cristan  geloben\ 

Cristaner  gelobe  hat  vier  stukL  daz  erst  ist  daz  er  sol  ungemLschet  sin, 
daz  ist  an  ungeloben.  wan  du  solt  niht  geloben  an  zober  noch  an  luppe  noch 
an  hess  noch  an  lachnye  noch  an  [3"]  fürsehen  noch  an  messen  noch  an  die  naht- 

1.  nit  fehlt;  es  liegt  Textverderbnis  vor^  die  lateinischen  Predigtsammlungen  Bertholds  verhelfen  zu 
dem  richtigen  Text:  nna  superscriptio :  ut  si  libenter  haberes  rem  proximi  tni,  etiam  iniuste  sed  sine 
conatn  auferendi,  et  idoo  sine  conatu,  quia  non  habes  spem,  qaod  conatos  tuns  haberet  effectam. . . . 
Alia  saperscriptio  cum  conata  sed  sine  effecta:  at  qai  vadunt  fnrari  vel  rapere  nee  inveniunt  vel 
neqaeant;  similiter  qui  volunt  alios  circum venire  etc.  Der  von  Schönbach  8.  51  mitgeteilte  latei- 
nische Text  ist  unbrauchbar.  Bei  Pfeiffer- Strobl  II  200,  22-25  steht  statt  won  . . .  riehen:  wan 
da  tniwest  stn  mit  den  werken  niht  vollebrini^en.  4.  do  noch]  doch  noch.  11.  gewart 

15.  g^sser.  18.  und  an  dem  lip  fehlt.  23.  Der  lat,  Text  fehlt, 

16.  /.  Cor.  2f  9.  22.  Vgl.  zu  dieser  Predigt  Pf  ei ffer  -  Strobl  II  81  ff.,  und  die  lateinische 

Fassung  bei  Jakob  S.  53  Nr.  47,  die  nach  meinen  Abschriften  in  ihrem  ganzen  Aufbau  mit  vorlie- 
gendem Stücke  übereinstimmt.  Die  Einteilung  lautet:  Ad  hoc  autem,  qaod  fides  nostra  deo  pla- 
ceat,  qaataor  sant  ei  necessaria:  scilicet  at  sit  impermixta,  ut  sit  operans,  ut  sit  integra,  ut  sit 
firma.  —  Gedruckt  bei  Wackemagel  S.  77  mit  den  Lesarten  aus  z.  23.  Act.  13,  48. 

28.  Vgl  Schönbach,  Zeugnisse  Bertholds  von  Beg.  zur  Volkskunde  S,  28. 


2.  Von  vierhaad  stukin  cristans  fi^ldben.  5 

frowen  noh  an  der  agelstrun  schrien  noh  an  die  brawen  und  die  wangen  juken 
noch  an  die  batt&nien  noch  an  kainer  hand  ding  daz  ungelöb  si;  wan  änser 
herre  hasset  also  ser  den  gemisten  geloben,  als  ain  man  der  gät  trahte  vor 
im  hat  mit  s&sser  spise  und  der  denn  dar  uf  fluga  sät:  als  unmäre  denn  dem 
man  du  traht  wäre,  als  nnmir  ist  och  ünsrem  herren  der  gemixt  geloube;  won  5 
er  verdarbt  ze  ainer  zit  drissig  küngrich  da  von  daz  sii  hattent  gemisten 
geloben. 

Daz  ander  ist  daz  er  sol  guter  werch  sin,  won  gütü  werch  hörent  dar  zu. 
und  swer  es  nit  tut,  wie  reht  der  gelobet  mit  den  Worten,  so  ist  er  doh 
ungelöbig  vor  6ot.  lo 

Daz  dritte  ist  daz  er  sol  gantz  sin  an  unsers  herren  gothait  und  och  an 
siner  mentschait  und  och  an  cristanlichen  dingen  die  Got  hat  gesetzt  uff 
eTtf4'Jnch.  du  solt  also  geloben  an  sin  gothait  daz  er  ist  gewaltig  und  wis  und 
ewig,  du  solt  also  geloben  an  sin  mentschait  daz  er  lip  hatte  als  ain  ander 
mentsch  und  im  we  und  wol  tet  als  ainem  mentschen  und  in  hungert  und  16 
durst  als  ainen  mentschen  und  uff  ertrich  waz  als  ain  mentsch,  won  daz  er  nie 
sund  begieng;  und  daz  im  du  roarter  also  we  tet  als  ainem  andern  mentschen 
und  daz  er  an  dem  crütz  erstarb  an  der  mentzhait,  nit  an  der  gothait.  und 
reht  ze  gelicher  wis  als  ain  man  mit  ainer  axs  in  ainen  böm  howet,  da  du 
sunne  an  schinnet  —  der  mag  die  sunnen  doch  nit  verhowen,  si  schinne  doch  » 
an  den  bom,  daz  si  sich  niemer  verwandelt  dar  umb  —  also  ist  es  och  umb  die 
gothait:  swie  vast  und  wie  vil  die  mentschait  verhowen  wart  und  starb  an 
dem  crutze,  doch  belaib  du  gothait  gantz  und  schöne  und  stark  und  waz  und 
ist  an  angeng  und  ist  iemer  f4^J  an  ende. 

Du  cristanlichü  ding  iü  Got  hat  gesetzet  uf  ertrich,  daz  du  geloben  solt,  25 
daz  sint  siben  süle  da  du  cristenhait  uff  stät. 

Du  erst  sul  ist  der  töf.  dar  an  solt  du  geloben  daz  kain  mentsch  so  reht 
moht  getfin  uff  ertrich,  und  w&r  es  nit  getoft,  daz  es  Gottes  antlüt  niemer 
beschowet  obnen  im  himelrich.  es  ward  och  nie  mentsch  so  sündig,  wenn 
es  getoffet  wirt  in  dem  namen  dez  vatters  und  des  sunes  und  des  haiigen  so 
^^istfiS^  im  sigent  all  sin  sünd  ab  gewaschen;  hat  er  si  joch  nie  gebihtet  noch 
gebfitzet,  so  ist  er  doch  luter  und  rain  worden  in  dem  haiigen  töf.  und  sturbi 
er  nach  dem  töf  e  daz  er  in  sund  vieli,  so  wurdi  sin  sei  zehant  fif  geffiret  in 
daz  himelrich,  da  er  Gottes  antlfit  iemer  sehen  sol  an  ende. 

Du  ander  sul  ist  du  virroung.    du  ist  also  hailig  daz  es  nieman  mag  getfin  35 
won  ain  bi/47schof    und  soltent  die  lüt  verr  dar  nach  gan  e  daz  su  ungevirmat 
wirent,  won  es  höret  zfi  dem  töf. 

Du  dritte  sul  ist  bihte,  rfiw  und  bftsse;  won  es  ward  nie  mentsch  so  sfindig, 
und  hetti  er  ruwe,  biht  und  bfisse  vor  sim  end,  Got  vergeh  im  all  sin  sunde 
und  werde  behalten  in  dem  himelriche.  40 

11.  ain.  13.  er/rich  am  Ende  und  Anfang  der  Zeile.  18.  menta^ait  am  Ende  und 

Anfang  einer  Zeile.  25.  du]  du.  33.  nach  zehant  ist  g^f&ret  rot  durchBtrichen  und  statt 

dessen  üf  gefAret  geschrieben  worden.  3S.  so  am  Bande. 


6  2.  Ton  vierbud  stnkin  crietai»  glAben. 

Du  vierde  sul  ist  der  vil  hailig  Gottes  licham.  daz  soll  du  geloben  di 
gewArer  Got  und  mentsch  ist  und  daz  er  ist  in  ainer  ieglicher  messe,  da  in 
der  priester  segnot  und  handelt,  und  ze  glicher  wis  also  da  ain  man  sprichet 
Mhesus',  und  daz  wort  mäng  mentsch  höret  und  ist  doch  nit  won  ain  wort,  und 

G  daz  wort  hat  ain  ieglich  mentsch  enphangen  gar  und  gantzlich  in  sin  oie 
und  in  sin  hertze  and  treit  es  mit  im  haime,  und  sprichet  der  man  noch  dan- 
noht  'Jhesus',  also  ist  es  Öch  unb  (iDsers  herren  lichamen.  der  priester  hat  in 
hie  in  der  kirchen.  [4"]  der  ander  hat  in  dort  in  der  kirchen,  so  wit  als  du 
kristenhait  ist;  so  hat  in  ain  priester  in  der  hant.  ainer  in  dem  mund,  ainer 

10  behaltet  in  uff  dem  altär,  ainer  treit  in  uff  dem  weg  zu  den  siechan,  ainer  git 
in  den  siechan  in  den  munt,  da  bat  in  der  siech  in  dem  munt:  also  git  unser 
herr  sinen  lichamen  swem  er  wU  und  wa  er  wil  und  wie  dik  er  wil,  und  ist 
doch  ain  gantzer  Got.  der  ie  waz  und  iemer  ist  an  end.  du  sott  öch  geloben: 
80    der  priester  die   oflaten  gesegnet    in  der  messe,   so    ist    dnser   herr  in  der 

15  klainnen  oflaten  also  giüss  und  also  gantz  gewaltig  als  er  ist  in  himelrich. 
und  merk  ze  glicher  wis:  nime  ain  klaines  spiegellin  in  die  hand  und  geng  zä 
dem  aller  grösten  niönster  daz  in  der  weit  ist,  und  nim  daz  klain  spiegellin 
und  hab  es  gegen  dem  miinster.  so  sihest  du  daz  gross  münster  in  dem  klainnen 
spiegellin  alles  saraent. /ö°y  wie  es  geschaffen  ist:  also  ist  es  (ich  umb  ünsern  herren. 

20  der  ist  in  der  klainnen  oflaten  also  gar  als  in  dem  himelriche.  du  solt  och  daz 
gelouben:  so  der  priester  die  oflaten  gesegnet  in  der  messe,  daz  du  ottat,  du 
e  waz  bröt,  dii  wirt  verwandelt  ze  Einsers  herren  flaiseh.  und  wirt  der  win 
verwandelt  ze  ünsers  herren  blüt,  und  merk  da  bi:  swaz  der  mentsche  isset 
oder  trinket,   daz    machet  er  in   im  selben  ze    flaiseh  und   ze   bläte,   und  den 

15  gewalt  hat  er  von  Got.  du  solt  wirlich  gelouben  daz  der  almähtig  Got,  der 
also  mähtig  ist  daz  er  Allu  ding  wol  mag  tiin  und  im  nüt  unmuglich  ist  ze 
tfind,  der  machet  och  wol  brot  zu  sinem  flaiseh  und  win  ze  sinem  blute,  du 
solt  och  daz  geloben:  weles  mentsch  an  sinem  ende  ünsers  herren  vrön lichamen 
wirdeklich  enphahet  mit  rehter  rüw  und  mit  rebtem  geloben,  daz  der  niemer 

Bo  von  Got  ftirt  ge/578Chaiden. 

Dii  fünft  sul  ist  daz  hailig  61.  daz  ist  gflt  dar  zu  daz  des  vegfüres  dester 
minder  wii-t,  und  ist  öch  gnt  dem  siehtagen  des  libes  und  der  sei.  sol  der 
mentsch  nit  sterben,  so  ist  er  dester  e  genesen  so  er  geölt  wirt  mit  dem  haiigen 
öl.     nnd  also   lang'  so  er  siech  ist.    so    ist  da  mit  genug    geölt;   und  geniset 

35  er  aber  und  wirt  er  dar  nach  aber  siech,  so  sol  man  in  aber  ölen. 

Du  sehst  sul  ist  du  e.  daz  solt  du  geloben  daz  die  lüte  die  ir  e  reht 
baltent  als  si  Got  geordnet  hat,  die  werdent  all  behalten  bi  ünserm  herren  in 
bimelrich. 

Du  sibend  sul  ist  der  priester  orden.     du   solt   daz    geloben  daz   an  dem 

40  priester  zwai  ding  sint:  sin  ampt  und  daz  ist  hailig,  daz  sout  wir  von  im 
enphahen;  sin  leben  hat  er  von  im  selben,    swie  bös  nnd  wie  sündig  er  si  an 


7.  iinb  am  Ende  der  Zeile. 


A 


2.  Von  vierhand  stnkin  criBtaos  glöbeo.  7 

sim  lebenn,  ontz  daz  im  sin  amt  unverbotten  ist,  so  mag  er  messe  singen  und 
biht  hören  and  [5']  apIas  geben  und  enbinden  von  sunden.  and  swie  vast  der 
priester  mit  den  Sünden  ist  gebunden,  sin  ampt  ist  doch  ungebanden  and  ist 
hailig  and  enbindet  uns  wol  von  sunden.  und  reht  ze  glicher  wis  also  da  ain 
mentsche  in  ain  lachun  vallet  und  gar  unsuber  wirt,  und  kämi  denn  ain  mor  5 
and  wuschi  in  schöne  und  hulfi  im  us,  also  daz  er  gar  schöne  wurdi:  so  wäre 
der  mentsch  als  schön  worden  von  dem  moren  als  ob  in  ain  guter  und  ain 
saber  mentsch  gewaschen  hetti.  also  ist  es  och  umb  den  priester:  swie  unsuber 
er  ist  mit  den  sänden  an  sinem  leben,  so  ist  aber  sin  ampt  schön  und  luter 
und  raine  und  hat  den  gewalt  von  6ot.  swenn  ain  mentsch  im  gebihtat  sin  lo 
sunde  mit  ruwigem  hertzen,  und  denn  e  der  priester  sin  hand  üf  hat  über 
den  mentschen  und  sprichet  ^indulgentiam'  und  du  wort  du  er  denn  sprichet  und 
sprechen  sol,  so  tut  sich  der  himel  üf.  und  als  der  priester  apblas  git  und  in 
enbindet  von  [5^]  sinen  Sünden,  also  git  unser  herr  6ot  dem  mentschen  applaz 
und  enpindet  in  von  allen  sinen  Sünden,  und  merk  ze  glicher  wis:  also  da  ain  15 
küng  sinem  san  santi  zehen  mark  goldes  bi  ainem  hotten  der  ainög  wäre  oder 
hofroht  und  du  nas  krumb  und  gar  unsuber  wäre,  so  enphieng  doch  der  sun  die 
zehen  mark  goldez  von  dem  botten  und  sprach:  'hab  dir  diu  krumb  nasen  und 
dinen  unsubem  lip,  min  golt  ist  schön  und  luter  und  rain,  daz  mir  min  yatter 
der  künig  hat  gesant'.  also  ist  es  ouch  umb  den  priester:  swie  blind,  swie  20 
hofroht  und  swie  krumb  er  si  an  sinem  leben  mit  den  Sünden,  so  ist  doch  sin 
ampt  schön  und  luter  und  raine.  daz  sont  wir  von  im  enphahen,  daz  hat  uns 
Got  unser  vatter  von  himelrich  gesent,  aber  sin  leben  hab  er  im  selber,  und 
4az  wisse  ain  ieglich  mentsch,  daz  ain  priester  bi  ainer  gewihten  nunnen  war 
gelegen  oder  /ff  7  bi  siner  swester  oder  bi  siner  mfiter,  der  mentsch  sol  den  priester  25 
nit  bitten  ze  singenn;  singt  aber  der  priester  des  tages  messe,  so  solt  du  daz 
geloben  daz  er  rüw  habe,  und  solt  sin  messe  als  gern  hören  als  ob  sant  Peter 
da  sungi,  und  solt  geloben  daz  sin  mess  als  hailig  si  und  dir  als  grössü  gnäd 
wider  yert  als  in  sant  Peters  messe. 

Daz  yierd  stuki  des  geloben  ist  daz  er  vest  si  ze  glicher  wis  als  ain  stain,  der  so 
niemer  gewichet;  won  gold  lät  sich  biegen,  isen  lät  sich  biegen,  aber  ain  stain 
lät  sich  aller  zerbrechen  e  er  sich  lasse  biegen,  also  sol  och  der  cristan  mentsch 
tfin:  der  sol  sich  e  lassen  martren  e  daz  er  iemer  entwiche  von  cristam  globen 
mit  gedänken,  mit  werten  oder  mit  werchen.  die  lüt  die  dis  behaltent,  die  sint 
all  geordnet  zu  dem  himelrich  und  zä  dem  ewigen  leben  obnan  uf  in  daz  himel-  35 
rieh  für  den  almähtigen  Got.  und  swer  iemer  disen  globen  widerbre/ffV^iget, 
daz  sont  ir  wissen  das  der  ungelöbig  ist,  und  sont  im  nit  geloben,  won  er  wolt 
üch  schaiden  von  dem  almähtigen  Grot.  da  vor  behüte  uns  der  vatter  und  der 
sun  and  der  hailig  gaist.    amen. 


6.  w&cfai.        11.  denn  §]  denne  ?  (Roethe),        13.  ap/blas  am  Ende  und  Anfang  der  Zeile. 
30.  ist  fehlt  32  tt.  33.  *e*  (80  meist),  33.  cristam  so. 


3.  Von  der  hailikait  und  lieiaichnung  dor  n 


I 


[3.1  Ton  der  hal/ikait  and  bezatchnung  der  messe. ' 

[In  omnihus  hoiityrificetur  Dms.] 

Sant  Peter  sprichet  daz  Got  von  allen  dingen  und  von  allen  mentscLen 
geerat  werden. 

G  Vier   ding  sint  die   man  eren  sol  ob  allen  dingen,    daz  erst  siht  man 

höret  es,   daz  sint  die  prieater.    daz  ander  ensihet  noch  enhfiret  man,   daz 
unser  vrowe  sant  Maria,    daz  dritte  höret  man  und  silit  es  nit,   daz  ist  Gotti 
wort,    daz  vierde  siht  man  und  hftrt  es  nit,  daz  ist  iinsei-s  lieneii  licham; 
sol  man  eren  ob  allen  dingen. 

j  Es  sint  öch  fi'inf  hand  lüte  die  der  me.'fs  nit  antailig  sint.    die  ersten  sini 

die  da  ös  gänt  so  man  daz  ewangeli  geliset;  den  wirt  nit  tailes  (6']  an  der 
oder  vil  wenig,  die  andern  sint  die  da  runent  und  klaffent;  denan  wirt  öch  der 
messe  nit.  die  dritten  sint  die  den  Gottes  dienst  verbotten  ist  oder  in  dem  banne 
sint  und  doch  ze  messe  gant;  den  wirt  öch  der  messe  nit.    die  vierden  sint  die 

K  die  mess  versmahent  und  der  nit  went;  den  wirt  öch  der  messe  nit.    die  fäftettvj 

sint  die  da  iinsern  herren  unwirdeklich  enphahent.  I 

Der   raentscb   der   andAhtklidi  zu  der  messe  ist,   der  enphahet  zeben  goad.' 

du  erst  ist  daz  im  Got  all  sin  sünd  vergit.    dt'i  ander  ist  daz  er  den  hailgeo  " 

gaist  enphahet.    daz  dritte  ist  daz  Got  des  mentschen  gebet   dester  gerner  er- 

D  höret,  dii  vierd  ist  daz  Got  den  priester  dester  gerner  über  in  erhöret,  du  fünft 
ist  daz  der  mentsch  sicher  wirt  an  sinem  ende,  du  sechst  ist  daz  sin  begir 
dester  merer  wirt.  du  aibend  ist  {6"]  daz  die  engel  dester  gerner  bi  dem  mentschen 
sint.  du  abtend  ist  daz  der  mentsch  an  tugenden  wachset,  du  nünde  ist  daz 
der  mentsch   von   sinen  Bünden   enpunden    wirt.     du   zeheud   ist   daz   sich  der 

a  mentsch  Gfott  haimlichet  und  Got  sich  gegen  im  vröwet. 

Du  mess  ist  also  vol  des  haiigen  gaistes  als  daz  mer  wassers  und  als  du 
sunn  liehtes  und  daz  ertrich  des  stobes. 

Daz  gewant  daz  der  priester  an  leit  so  er  singen  wil,   und  swas  er  sin( 
und  liset  und  anders  t&t  in  der  messe,  daz  hat  alles  bezaichnunge.    daz  erst 

)  der  umbler,  den  er  uff  daz  hobt  leit;  der  bezäichent  daz  Got  die  rainen  ment- 
Hchait  an  sich  nam,  da  mit  er  die  liailgen  gothait  bedakte.  du  albe  bezaicbet 
daz  luter  hertze  und  daz  rain  leben  daz  unser  herr  uff  ertrich  hatte,  der  gürtel 
der  sol  sydin  sin  oder  von  wisseni  gam  lynim,  und  sol  zvrivalt  sin,  daz  iewedi 

].  haikait.         2.  Der  iatänUdte  Text  fehlt.        8.  ist  fehlt.         21.  AU  6.  Punkt  hat  Wac 
Hagel  S,  70  Z.  35 :  diu  vi  du  ain  fegfiur  de«t  miaer  wirt.   Ebenso  findet  sich  eine  andere  Fok 
des  9.  Punktet.         2H.  mir  su.         .Sl.  nam]  na»  mit  Schlnfl-i  am  Ende  der  Zeile, 
und  im  folgenden. 

1.   Vgl.  die  lat.  Predigten  Berlhotds  von  Regensbvrg  bei  Jakob  S.  49  Nr.  21  u.  S.  8S  Nr.  53f| 
ein  Drvek  bei  Franz,   Die  Mtaee  im   deutschen  Mittelaller   S.  746.    —    Pfeiffer -Stroll  I  488.  - 
Wackemagei  S.  69.  -  Da»  gleuJ^e  Stück  erhalte  in  Cod.  Nr.  3677  u.  399S  (Hoffmi 
der  Bm*.  S.  85  «.  S.  3ä8}  der  Wiener  HofbUiliothek.  2.  1.  Petr.  4. 11. 


ist^B 


3.  Von  der  Lailikaii  und  bezaichaung  der  messe.  9 

ain  ort  nider  hangen ;  daz  bezaicliet  die  kunschikait  die  unser  tierre  an 
sineni  leben  und  an  siner  lieben  mäter  hatte,  der  liantran  bezaichet  sine  demüt- 
kait.  du  stöl  bezaicliet  die  lang  arbaite  und  die  marter  die  er  uff  ertrieh  laid, 
der  niessachel  bezaichet  die  grossen  nnd  die  gantzen  ininne  ünsers  heiTen. 

Der  anvang  der  messe  bezaichet  daz  rufen   daz  die  aitvAtter  und  die  wis-  s 
sagen  tatent  nach  ünserm  herren,  daz  er  kkme.   daz  kyryeleyson  und  das  crist- 
eleyson  bezaicheut  daz  riiffen:  'herr,  erbarnn  dich  über  lins.*    daz  glorla  in  escelsis 
daz  vahet  der  priesttr  an  und  stät  enmitten  ob  dem  altär:  du  mitli  bezaichet 
daz  unser  hen-e  glich  durch  all  die  weit  gebom  wart;  daz  ers  ainig  anvahet, 
daz  bezaichet  daz  der  engel  den  hirten  kunte  daz  unser  herre  geboren  was.    so  lo 
helfent  sü  im  denn  all  singen,  daz  bezaichent  daz  lob  daz  die  enf?^/gs\  tatent  do. 
du  zwai  lieht  die  da  sont  sin,  bezaichent  die  zwen  Sternen:  ainen  der  den  Juden 
ob  der  kripp  erschain,  der  ander  der  den  haiden  erschain,  daz  waz  der  stern  der 
die   kling  wiset   fiir   ünsern  herren.    du  collect  bezaichent  daz  gebet  daz  unser 
herr  tet  do  er  uff  ertrieh  waz,  und  den  dienst  den  er  siner  lieben  müter  tet:  so  is  | 
sonl  wir  ällii  vast  betten,    dii  lecce  bezaichent  die  bredige  sant  Johansen  bap- 
listen,  daz  er  kunte  daz  unser  herre  kam.    daz  gradal  bezaichent  daz  er  Aosern 
herren  zaigle  mit  dem  vinger  und  er  sprach:  'er  ist  ietz  under  lich,  und  ir  er- 
kennent  sin  nit'.  und  vragtent  in  die  lüte  ob  er  Crist  wäre,  do  sprach  er:  'nain,        i 
ich  bin  ain  stim';  daz  ist  also  vil  gesprochen  als  ob  er  spräche:   als  klein  ain  20 
stini  ist  gegen  aller  weit,  also  klein  bin  ich  wider  im  der  da  komen  sol;  ir  wer-        ! 
dent  mich  lassent  und  im  nach  volgend.   daz  /T'J  ewangelium  bezaichet  die  süssen 
predi  die  unser  herr  selber  tet  mit  sim  hailgen  gftilichen  munde;  won  es  wart  nie        | 
kain  brediger  der  ie  so  sftsseklich  gebredgeti  als  unser  herr  selber  tet.  daz  credo        I 
in  tinum  bezaichent  daz  die  lüt  gelobig  wtirdent  und  sich  bekertent,  hie  und  da.  25 
daz  offertorium  daz  man  der  nach  singet,  bezaichent  du  grossen  zaichen  du  unser 
hen-  t«t  an  den  siechen,  die  er  gesunl  machet  —  er  machet  die  blinden  gesehenb 
die  lamen  gereht.  die  miselsühtigen  rain  —  und  ander  niänig  gioss  zaichen,  daz        i 
önser  herr  tet.    daz  swigen  daz  er  dar  nach  tut,  bezaichent  daz  die  Juden  ze  rät 
giengent,  do  unser  herr  so  grössü  zaichen  tet,  wie  sü  im  getäten  —  do  sprach  30 
Cayphas:  'wir  sont  in  t<5ten,  wan  es  ist  besser  daz  er  allain  sterbi,  denn  ällü  du        I 
weit  verderbi'  —  und  bezaicbent  öch  daz  unser  herre  in  die  f?'/  wüsti  gie  und  er        1 
den  Juden  entwaicb.   so  beraitet  man  denn  den  tisch  zu  der  Wirtschaft  du  da  sol 
sin.    dar  nach  gät:  per  omnia  secula  seculorum;  daz  bezaichent  daz  unser  herr 
Lazarum  hiess  uf  stän,  und  er  zehant  uf  sprang  mit  den  banden  da  mit  er  ge-  9B 
bunden  waz.    dar  nach  gät:  sanctus,  sanctus,  sanctus;  daz  bezaichent  daz  unser 
heiT  ze  Jherusalem   inrait   und  er  vrölich   enphaugen  wart  mit  lobe  und  mit 
gesang.    da  nach  naiget  er  sich  für  den  altär;  daz  bezaichent  daz  gebet  daz  er 
tet  do  er  blüt  switzte.    du  crütz  ällü  die  dar  nach  beschehent,   e  daz  er  ünsem 
herren  uf  habe,    die  bezaichent  die  marter  ünsers  herren;   du  kurtzen  crütz  be-  i 
zaichent  kurtz  marter;    und  swas  er  denn  tut,   daz  bezaicheut  alle  sin  marter. 


18.  Joan.  1.  36.         19.  Joan.  1.  23.         31,  Joan.  U.  50. 


10  3.  Von  der  haiBkait  imd  bezaichnimg  der  mene. 

• 

dar  nach  hebt  er  önsem  herren  af ;  daz  bezaichent  daz  Anser  herr  *  j&merlichen 
üf  an  das  crAtz  erhaben  wart  and  dar  an  genagelt  and  geschlagen  wart  dar 
nach  streket  er  [9"]  die  arm  von  im;  daz  bezaichent  daz  unser  herr  so  sere 
and  so  vast  gezogen  and  zertent  wart  an  dem  crAtz.    da  stim  die  er  hat  so  er 

5  sprichet:  nobis  qnoqae,  daz  bezaichent  daz  in  der  Schacher  anrflfbe  an  dem  crntze 
and  er  im  sin  sänd  vergab;  so  sont  wir  och  denn  önsem  herren  an  r&ffen.  dar 
nach  gat:  per  omnia  secnla  secaloram  and  daz  pater  noster;  daz  bezaichent  daz 
änser  herr  Iftt  erschre  and  lang  an  dem  crutze,  and  daz  im  der  stim  gebrast,  so 
helfent  im  die  gelerten  and  sprechent:  sed  libera  nos  a  malo;  daz  bezaichent 

10  daz  jamer  daz  all  creatnren  do  hattent  mit  irem  schepher.  daz  swigen  daz  er 
denn  tfit,  daz  bezaichent  daz  er  uns  nach  sim  töd  bl&t  and  wasser  gab  von 
sinem  hertzen.  daz  agnas  dei  bezaichent  die  urstendi  änsers  herren,  daz  er  sin 
m&ter  erfi*owte  and  Marien  Magdalenan  and  sin  janger.  dar  nach  bewaret  er 
sich  der  priester;  daz  bezaichent  daz  unser  herr  äss  and  trank  mit  sinen  jungem. 

15  dar  nach  singet  man  den /<97  conmunionem ;  daz  bezaichent  änsers  herren  hymel- 
vart  dar  nach  gat  du  complende;  daz  bezaichent  daz  gebet  änsers  herren  daz 
er  tfit  zfi  sinem  vatter  für  uns  in  hymelriche.  dar  nach  keret  er  sich  umb  and 
sprichet:  dominus  vobiscam;  daz  bezaichent  daz  unser  herre  an  dem  jüngsten 
tag  her  wider  kant  und  sich  aller  weit  öget.    dar  nach  git  er  den  segen;  daz 

20  bezaichent  daz  unser  herr  sinen  vatterlichen  segen  an  dem  jüngsten  tag  sinen 
lieben  kinden  gebent  wirt. 

[4]  Ton  manger  bände  regel. 

Stephanas  plenus  spiritu  sancto  intendens  in  celam  vidit  gloriam  dei  etc. 
Stephanus  daz  sprichet  ain  regel,  und  sint  bi  im  bezaichent  alle  gaistlich 
25  lüt   in   clöstem.     er  waz   vol   des   haiigen   gaistes,   der   da   hatt  schnellekait 
und  wisshait 

Text  des  Schlettstädter  Fragments. 

S^ban9  plen9  spu  sco  Itedes  I  celü   uid'  glam  dl  z  & 

Stephan9  kit  ain  regil  vfi  Sit  bi  ime  beza^chlt  alle  gastliche  Tvte  in  clost^n  e^   wo 
30  uol  des  haiige  ga'stes .  d^  hat  snellicha't  vn  wisshait .  snellecha't  zelofine  I  all'e  go'te  wie 

8.  herr  fMt        9.  statt  gelerten  steht  bei  Wackemagd  S.  74  Z.  195  woM  richtiger:  korhenen. 
16.  Wackemagel  S.  76  Z.  249  hat  collecte  statt  complende.  bezaichz  am  Ende  der  ZeiU, 

22.  Vgl.  zu  diesem  Stücke  Cod.  PaJ.  germ.  24  Nr.  45  der  Heidelberger  Universitätsbiblioihek. 
—  Die  lat.  Predigt  Bertholds  von  Regensburg  bei  Jakob  8.  87  Nr.  11,  gedruckt  bei  Hötzl,  Sermanes 
ad  religiosos  8.  58  ff.  —  Ein  sehr  altes,  dem  13.  Jahrh.  angehöriges  deutsches  Bruchstück  der  Pre- 
digt findet  sich  in  der  Schlettstädter  Stadtbibliothek  Cod.  1192  ,,T%tae  sandorum'*  BI  33-34*  in 
außerordentlich  kleiner  und  sehr  seltsam  abgekürzter  Schrift;  gedruckt  bei  Haupt,  Zeitschr.  f.  deutsd^es 
Altertum  5, 421,  jedoch  unvollständig  und  mit  Fehlem;  daher  hier  oben  als  zweite  Rubrik  in  genauem 
Abdrudc  wiederholt,  der  nur  die  übergeschriebenen  Vokale  des  Originals  rechts  ßn  l'vte,  d'v  u.  a.  ^ttiibr^ 
oben  von  dem  Vokal  bringt,  zu  dem  sie  gehören.  —  Wackemagel  8.  268  bringt  den  Schluß  der 
Predigt  aus  A.  zur  Ergänzung  des  Schlettstädter  Bruchstückes.  23.  Act.  7,  55. 


4.  Von  m&nger  hande  regel.  11 

Schnellekait  ze  löffenn  in  allen  g&ten  werchen.  war  umb  man  aber 
schnelleklichen  loffen  sol  in  allen  g&ten  werchen,  daz  sint  dri  sache.  [8"]  du  erst 
ist  daz  man  sich  lang  versumet  hat;  daz  ander  ist  daz  daz  leben  knrtz  ist;  du 
dritt  ist  daz  nach  disem  leben  nieman  Ion  verdienen  mag.  her  umb  sol  man 
looffen  an  nnderlliss  mit  begemng,  mit  Worten,  mit  gedänken  nnd  mit  allen  5 
g&ten  werchen,  daz  man  vrölich  kom  in  daz  lant  der  gaiste.  und  won  wir 
gaistlichen  namen  habent,  so  werchent  wir  och  nach  dem  gaiste.  won  wir 
gaischlich  haissent  und  wir  des  gaistes  nit  hänt,  daz  ist  ain  spot  vor  Got  und 
vor  allen  sinen  engein,  reht  als  des  gespottet  wäre  dem  man  hiessi  ain  kunig 
nnd  er  ain  betler  wäre,  war  umb  aber  in  disen  ziten  gaischlich  leben  so  s^r  lo 
ab  neme,  daz  kumet  da  von  aller  maist  daz  die  jungen  lüte  böses  bildes  vil  vin- 
dent  an  den  alten  und  lutzel  g&tes  bildes.  da  von  h&tent  sich  die  eitern!  wellent 
si  nit  g&tes  bildes  tragen,  so  bergint  doch  ir  krankait/<S7;  wan  in  der  altun 
e  ist  geschriben:  *swer  grabet  ain  gr&be  und  die  nit  verdeket  und  sich  ain  vih 
dar  in  erstärtzet,  der  ist  es  schuldig  ze  geltenn  dem  herren  des  es  ist",  da  15 
unbedakt  gr&b  daz  ist  offen  bös  bild;  dar  in  vallet  der  eseloht  ochse,  daz  ist  der 
weltlich  oder  der  gaischlich  mentsch;  die  sich  dar  in  ergerent,  der  m&ss  die 
gelten,  daz  spricht:  du  m&st  ir  red  geben  an  dem  jüngsten  tag  dem  herren  der 
die  marter  dur  s&  laid.  nu  sprichet  Got:  ^swer  den  allerminsten  ergeret  der  an 
mich  gelobet,  dem  wäre  vil  besser  daz  im  ain  mülstain  an  die  kelun  gebunden  20 
war  nnd  an  dez  mers  grünt  versenket',  war  umb  haisset  er  den  minsten?  won 
er  des  haiigen  gaistes  lützel  hat;  won  wäre  er  vol  des  haiigen  gaistes,  so  wurd 

war  umbe  man  ab'  snellecliche  loffin  sol  T  alle  go^tl  w'chM .  vö  d'n  sache .  d^v  e'sti  de 
ma  fflch  läge  Vsumet  hat .  div  and^  de  de  lebl  kyrz  ist .  div  d'tj  de  nah  disem  lebene 
n*eml  1  o  Vdi^ne  mag .  har  vmbe  sol  mö  loffin  ain  vnd'  la^s .  mit  begHinge  mit  gedeke  25 
mit  go'te  Worte  .  yfi  go'te  wie  .  de  wir  fliehe  come  inde  lant  d'  ga'ste  vfi  wan  wir  ga'st- 
liche  name  ban .  so  w'che  och  nah  deme  ga^stj .  wo  ga'stliche^  h'ce  yn  di*'  des  ga'stis  nibit 
hat .  de  ist  ain  spot  vor  got  vfi  vor  alle  sine  engilin  .  vfi  alse  des  gespottet  w'e  d'  hi^s 
kn^iic  vfi  bettil'  w'e .  war  vmbe  ab'  idise  zite  ga'stlich  lebe  so  s'e  abe  nit .  de  cumet 
alre  me*8t  da  nö  de  di*  iuge  livte  bosis  bildes  vil  uindet  adene  alte  .  da  vö  hvten  sich  ao 
di*  alte  welle  si  niht  go'ds  bildes  t*gen  .  so  b'ge  doch  ir  c'nket .  wO  I  d'  altun  e  ist  ge- 
ac^be .  sw'  g^bit  aine  g^be  vfi  di*  niht  bedekit  vfi  kot  ain  rint  vfi  vellet  d'n .  d'  ist  sculdig 
de  zegeltinne .  D'v  vmbedahte  g^be  de  ist  offe  bo'se  bilde  dar  in  vellit  de  rint .  de  ist  d' 
weltliche  vfi  d'  ga'stliche  m€che  di^  sich  d*n  e^geröt  di""  mvs  du  geltl .  de  kit  dv  mvst  ir 
rede  e^gen  an  deme  iQgesti  tage  deme  h'rl  d'  di*  mart^  durh  si^  lait .  Nu  sp'eh ;  got  9  35 
deme  ewglb  |  sw'  de  mlnesti  gebösot  d'  an  mich  gelobet  deme  w^e  bess'  daz  ime  ain  mvl- 
stain  an  di*  kelö  w'e  gehenehit  vfi  Tdes  mVis  g^nt  w'  gesencbit  .  war  umbe  kit  e'  den 
mlneete .  wo  e'   sa  haiige  ga'stis  luzel  hat  wo   w'  e'  uol   des   haiige  gastis  so  wde  e' 

16.  esel  od  ochse?  (Panzer).  31.  t*^on  oder  t'geo?  e  fehlt  32.  ist  feMt 

38.  hinter  f^  rechts  oben  kleiner  {-artiger  Strich. 


14.  Vgl  oben  8.  3  Z.  31.  19.  Matt  18,  6. 


12 


4.  Von  ralnKcr  liandc  reRel. 


er  iiit  geergret.  nu  sprechent  die  eltsten  zu  den  juiigsteu;  man  sol  ällu  ding  in 
gut  verstän.  so  deukent  sii:  ist  es  ücli  giät,  so  ist  es  öch  uns  gflt,  und  git  inen 
da  mit  ain  balthait  da.r/S'Jzv..  kurtzlicli  gesprochen:  als  die  sint  die  in  den 
clöstern  sint,  als  werdent  öch  die  die  si  zfl  inen  enphahent:  sint  si  engel, 
6  werdent  öch  engel;  sint  sii  mentachen,  si  werdent  &ch  mentscfaen;  sint  si  flaii 
lieh,  si  werdent  öch  flaischlich. 

Als  DU  der  hailig  gaist  schnei  machet,  also  machet  er  öch  wise.  wishait 
ist  daz  er  siner  weg  war  niraet,  wie  si  sint  und  war  si  in  tragent,  nu  sint  in 
gaischlichem  leben  zwen  weg.    der  ain  weg  ist  wit  und  gar  verr  umb:  dirr  weg 

10  haisset  der  wagen  weg.  der  ander  weg  ist  eng,  er  ist  aber  kurtz  und  schiebt; 
dirr  weg  haisset  ain  stig. 

Nu  gant  sumlich  den  witen  weg,  und  ist  aber  der  maiste  tail  die  siob' 
hiltent  vor  tötlichen  Sünden  und  sich  doch  in  gaiscblich  leben  niemer  ^ben 
went.    sü  hötent  sich  vor  der  niaintatigen  bOhfart.  und  swaz  aber  inen  erlichs 

15  und  lobes  wirt,  daz  ziehent  si  an  sich,  si  hutent  sich  vor  totlichem  zome,  si 
fli^ent  sich  aber  nit  rehter  senft/S'/mütkait;  won  swaz  si  zornes  und  unfrides 
began  mngent  daz  höbet  sünd  nit  ist,  des  hant  si  kain  aht.  si  vermident 
trunkenhait,  won  daz  ain  bösü  sünd  ist;  swa  aber  inen  üt  werden  mag  des 
besten  ze  essenn  und  ze  trinkenn,  daz  fügent  si  in  selben  zä  an  vohrt  und  an 
Scham,  si  gunnent  iren  vigenden  libels  an  hobtsünde,  alles  daz  inen  widervaren 
mag.  si  versagent  inen  iren  mund  und  erzaigent  inen  unwertlich  gebärd, 
bekoment  si  inen  underwilent,  si  werdent  blaich  von  zome  irs  hertzen.  und 
als  si  sich   hAtent  vor   hobtsünden,  also  hiitent  sü  sich,  Öcb  niemer  übent  in 


1 


nihil  gVo'  ■  N"  ap'cblt  di'  alte   zv    den   iugü  .  wl  aol  elli'   dig  I   gvt«  Vatan  .  so  döchlt  ] 
!5  aiv  iat  es    In  gvt  so  ist  es    och  dir  gvt .  vfl  git  in  de  ain  baUha''t  dar  eG  .  kurcllchc  | 
ap'chn  .  alae  di*  siot  die  indö  clost^n  aint  also  ff^dtl  och  dl*"  si  inphabnt .  alt  aiv  engel  bit  J 
w'det  ^I  .  Sit  aiv  tneclicb  ai  w'det  och  aUame. 

also  machol  d^  baiig  ga'at  anel .  e'  machot  och  wise  den  .  d'  sin'  w^  war  i 
war  aiv  in  wisät  vft  war  aiv  in  t'get .  Nu  sint  T  ga'atlichi'  lebl  zwene  w^  ,  d'  aJne  weg 
80  d'  ist  wit  vfi  lag  vfi  gar  v're .  d'  selbe  WKg  ha'ssit  d'  wage  weg  .  d'  and'  weg  d'  ist  enge 
e'  ist  ab'  kurz  vr>  siebte  .  d'  selbe  weg  ha'ssit  ain  atig  .  Nu  gant  sumilicbtl  den  witlen 
weg  vri  ist  ab'  d'  de  me'ste  ta'l  .  de  sint  di°  sich  bftet  vor  hob  aunden  vti  eich  doch 
nTm*  wellet  g>be  i  gestlichü  tvgend<^  .  W"  wea  aiv  zornes  vn  vnrdes  ge  begä  mvgc  da  I 
hobsunde  niht  sint  des  enhat  siv  enbaine  abte  .  aiv  v'midüt  t'nkenhait  wfi  de  ain  boM  \ 
i  Bunde  ist .  awa  ab'  in  iht  go'tes  mag  w^dü  de  wAgTt  aiv  in  selb'  zv  ane  vorhte  yn  an« 
schäme  .  Iren  vigendo  günne  siv  vbilses  ane  hobsunde  alles  des  in  wid'  uar  mag  .  wii 
alse  siv  sich  h'utitt  vor  hobsunde  alse  bfttent  aiv  sih  och  vor  tvgende  ,  wl  siv  gnvget  ir 
lebins  da  siv  sich  ingezege  baut .  zv  deme  bioielriche  .  vn  vil  lihf  w'e  ain  sund'  zebech^   i 


1.  gtatt  öch  stand  zunächst  in,  dm  durchatrit^en  amrdt,  toährend  äcb  am  Bande  steM. 
21.  nnwtlich]  unwertlich  ^verächtlich'  oder  unwortlich  'ohne  Worte'?  12.  imi]  lypeimal. 

35.  balchlt  oder  balth&t?  33.  gibe  ?  3S,  ingczc)^  nder  ingraüKä? 


4.  Von  m&nger  hande  regel.  13 

tagenden;  won  sü  sich  in  ain  leben  gesetzt  hant,  daz  ist  in  ain  gnügen  zu  dem 
h]^melrich.  und  lihter  wire  ain  sunder  ze  bekeren  denn  dis  fürbas  zebringenn. 
swas  si  tünt,  daz  tAnt  si  mit  murmeln  und  mit  trägi;  wan  inen  ist  swär  ällü 
arbait,  wie  si  doch  gesunden  und  vrischen  lip  habent.  dise  die  gant  in  den 
wagen/dyweg  und  müssent  lang  umb  gan  und  manglent  in  disem  Übe  des  göt-  5 
liehen  trostes  den  die  durnähtigen  haut,  nach  disem  libe  so  lident  si  die  langen 
und  die  strengen  wisse,  doch  koment  si  ze  jungst  zA  dem  himelriche  und  en- 
phahent  kleinen  Ion.  si  sitzent  in  den  winkelern  und  enbissent  doch  niemer 
des  wines;  daz  sprichet:  si  sint  in  dem  gaischlichen  leben  und  gesmekent  doch 
niemer  gaistliches  trostes  iht.  lo 

Es  sint  och  sumlich  die  gant  den  engen  weg;  ir  ist  aber  der  minst  tail. 
daz  sint  die  durnähtigen,  die  sich  sere  h&tent  vor  allen  snnden  und  mit  flisse 
dar  nach  staut  wie  si  koment  ze  volkomenhait  der  tugent.  die  vliehent  lob  und 
ere  und  allen  üppigen  rAm.  si  versmahent  sich  selber  und  gereut  daz  man  si 
versmahe.  si  hütent  sich  vor  zorne  und  vlissent  sich  senftmütkait ;  widervert  es  15 
aber  inen  etwenn,  so  illent  si  daz  si  sin  ab  koment  mit  bihte  und  mit  gebet. /9  7 
die  in  übel  tAnt  und  si  beswirent,  den  tAnt  si  wol  und  erzaigent  in  mit  Worten 
und  werchen  daz  si  mit  den  werchen  der  minne  überwindent  die  untugent  des 
hasses.  si  vliehent  gAt  essen  und  trinken  und  alles  liplich  ken  und  alles  liplich 
gemach  also  verre  so  si  ir  krankait  enberen  mag,  wan  nieman  sich  selber  20 
verderben  sol.  doch  bedurfent  wir  dirr  manung  in  disen  ziten  nit,  won  wir  sint 
alle  guAg  beschaiden.  dirr  weg  ist  schiebt  und  kurtz;  won  die  in  mit  flisse 
g&nt,  die  koment  Got  in  ainem  jär  näher  denn  die  in  dem  witen  weg  gant  in 
funfzehen  jaren;   och  enphahet  ir  ainer  me  lones  denn  jener  fünfhundert,     und 


denne  d'  wrbc  ceb'nge  .  w5  wc   siv  tvnt  de  tvnt  siv  mit  mm  vn  mit  t'ge  wo  l  ist  8w*e  25 
alliv  arbe't  swie  siv  doch  gesunde  lip  haut .  dise  gät  1  deme  wage  wsege  vQ  mvssen  läge 
vmbe  gan  .  yn  mdgelo  in  disem  libe  des  gotliche  t^stes  des  di®  d'nehtigc  hat  naht  disem 
libe  .  So  lidet  siv  die  lägü  vfi  die   stregii   wize  Doch  comet  siv  ceiügest  zv  deme  himil- 
riche  vfi  ephahet  ab'  claine  Ion  .  siv  sizzet  indeme  winkel  vfi  enbizzet  nim'  des  wines  . 
De  sp'chet :  si  slt  1  ga'stliche  lebenj  vfi  gesmeckint  doch  nlm'  ga'stliches  festes  .  Och  sint  30 
och  si^miliche  die  gät  de  enge  stig  ir  ist  ab'  lad'  d'  mlnesti  ta'l  de  sint  di^  durnehtige 
die  sich  s'e  hvtet   vor  sunde  vfi  mit  flisse  dar  nah   strittet  de   siv  come  d   zv  d'  volle- 
comehait  d'  tvgende  .  Dise  die  vliehct  lob  vn  e'e  vfi  allen  vpbige  rvm  .  si  v'smahet  sich 
selb'e  vfi  g'ont  de  man  siv  v'smsehe  .  wid'  v't  ab'  etwenne  ain  sunde  d'  tvt  siv  sich  abe 
mit  bihte  vn  mit  gebette  .  d'  weg  ist  sieht  vfi  kurz  wo  die   in  mit  flisse  gant  die  comet  35 
gotte  nah'  l  aine  iar  denne  di^  de  witte  weg  gät  1  w   fvnhund't  iare  .  och  ephahet   a'ne 
me  lones  dene  erj  |  funhundret  . 

2.  liht  in.  4.  den  in  der  Handschrift  ausgeschrieben;  Z.  dem?  vielleicht  wollte  der  Schreiber 
die  gant  den  wagen  weg  schreiben.  8.  wikeln^  am  Ende  da-  Zeile,  12.  sich  fehlt  19.  ken 
unverständlich;  Roeihe  dachte  an  ken  (vgl  8. 14  Z.  23)  —  cognoscere  der  Vulgata,  wofür  freilich  eher 
erken  oder  bek^n  zu  erwarten  wäre  (vgl.  S.  49  Z  24  f.).  25.  wrbc  könnte  auch  in  wrbc,  als  zwei 
nebengeschriebene  v  aufgelöst  werden.  37.  eij  ist  nicht  deutlich  zu  lesen;  iij  ?  In  funhundret 
ist  korrigiert,  deswegen  undeutlich,  ursprünglich  stand  tcohl  funhundern,  funhundt-tt  oder  ähnlich. 


14  4.  Von  m&nger  hande  regel. 

dis  ist  uns  bew&rt  in  der  kunig  bfich  bi  Euzi  und  Achymas,  die  da  16ffent  z& 
David. 

Na  sint  drü  ding  dö  ierrent  uns  des  engen  weges.  daz  erst  ist  gebrest  an 
der  begernng.    daz  kumet  von  zwain  dingen:  wir  donkent  uns  selben  gn&  g&t 

5  [W]  und  habent  lützel  aht  nmb  gaischlig  gäbe,  sant  Gregorins  spricht:  *dä 
sänne  schinnet  uff  den  blinden  und  entlüftet  sin  doch  nit\  also  werdent  öch  dise 
lut  entlähtet  nit  von  den  gaischlichen  dingen  die  si  die  g&ten  sehent  han,  wan 
es  ist  ir  spot.  daz  ander  daz  uns  da  ierret,  daz  ist  daz  wir  uns  bekümberent 
mit  ussren  dingen  und  niemer  unser  hertze  wellen t  beschowen    da  von  beschiht 

10  üs  als  den  spillüten,  die  allweg  in  frömder  herberg  sint  und  selten  da  haim.  da 
von  ist  schad  daz  man  nüw  lut  so  schier  wider  setzet  ze  ussren  dingen,  da  von 
si  komen  sint:  sint  si  böz,  si  werdent  noch  böser,  man  solt  si  joch  ain  jar  län 
ir  Sünde  wainen,  daz  si  doch  befundent  den  schaden  der  an  den  Sünden  lit,  und 
wie  widerzäme  si  der  sele  und  Got  sint.    daz  dritte  daz  uns  ierret  daz  ist  daz 

15  wir  ünsem  lip  ze  lieb  haut  und  wir  in  zu  kainen  dingen  wellent  twingen  daz 
im  wider  ist. 

Als  uns  nu  disü  [10^]  drü  ding  ierrent,  als  sint  och  drü  ding  die  uns  fuider- 
rent  daz  erst  ist  daz  wir  begernng  sont  han.  mäht  du  aber  begerung  nit  hau, 
so  beger  doch  daz  du  begerend  werdest,   aber  zwai  ding  sint  die  uns  die  begerung 

20  enzündent:  daz  ist  Gottes  wort,  daz  süget  die  begerung;  daz  gebet  sterket  si,  an 
gebet  schaffet  nieman  nüt  oder  lützel.     daz  ander  ist  daz  der  mentsch  alweg 

Nu  sint  .t'.  dbg  div  irret  vns  des  ege  weges  de  ist  gebrest  an  d^  g^IQge  de  kunt 
uö  zwain  dinge  wir  dünken  vns  seibin  gnv  gvt  vfi  habin  luzil  ahte  uf  geistlich  gäbe. 
Scs   g'goriQ  .  sp'chet  div  süne  schinet  uf  den   blinde  vfi  entlvhtit  sin  doch  nihit  also 

25  Vdet  och  dise  niht  etluhtit  uö  d^  ga'stliche  gnade  die  si  gvte  ses  sehint  han  wo  es  ist 
ir  spot  De  and^  ist  de  uns  irret  de  wir  vns  bekumb'en  mit  vss^en  dinge  .  vfi  nun^  vns^ 
h'ce  wellen  bescowö  da  uö  besciht  vns  alse  de  spill'uten  .  di®  alle  wege  in  f'mid'  hVge 
sint  vfi  seitin  da  ha'me  da  uö  bt  scade  de  ma  nvwe  Tvte  so  schire  wid^  sezzet  zu  den 
ussren  dinge   won  sTt  siv  e  s  hose  siv  Vdet  dennoch  bos^  wo  solt  siv  ain  iar  lassi  ir 

dO  sunde  wenö  .  de  siv  ioh  befunde  de  scade  d^  and'  sunde  lit  •  De  d'tte  de  uns  irret  de 

ist  de  wir  vns^n   üb   cel'eb  han  .  vfi  wir  in  zv  chane  dbge  wellet  twinge  de  wid'  ime  bt 

alse  uns   nu  drV  ding  irret .  da  wid'  sit  drV  ding  div  vns  wrd^gt .  Dz  aine  ist 

de  wir  begHmge  sun  han   mäht  ab'  div  beg\inge  niht  han   so  g'  doch  de  du  blonde 

Vdes  .  ab'  zwaj  ding  slt  div  vns  die  b^hinge  enzvndet  de  ist  gottes  wort .  de  svget  die 

35  b^hinge  .  ab'  daz  gebet  de  st'chet  .  wo  aine  gebet  so  scaffet  ni^mmä  net  ald'ab'  luzel. 


6.  entlütet,  ebenso  Z.  7,  wo  jedoch  nachträglich  ein  kleines  h  eingefügt  wurde,  12.  bÄz 

am  Ende  der  Zeile.        län  fehlt        19.  zwai  ding]  swie  die.        23.  oder  zvvbh?        32.  Wie  oben 
S.  13  Z.  25  könnte  auch  wrd^gt  gelesen  werden.  35.  In  aid^ab^  ist  d^  später  eingeschoben. 

1.  IL  Reg.  17. 


4.  Von  m&nger  bände  regeL  15 

strite  also  daz  er  alweg  gesige  an  dem  täfel  und  an  sim  vlaisch,  and  daz  er  all- 
weg  under  gelige  an  der  darnähtnng  der  mentschen.  daz  dritte  ist  daz  da  minne 
ziehest  von  allem  dem  daz  ander  6ot  ist.  wan  da  solt  enkain  ding  minnen  won 
so  vil  so  verre  es  dich  zu  Got  gefarderren  mag  oder  ziehen ;  wan  da  sele  ist  also 
geschaffen  daz  si  nit  mag  sin  an  minne.  swer  na  sin  minne  an  Got  gesamnen  5 
sol,  der  sol  t&n  als  man  ainem  böm  tAt  den  man  wil  daz  er  nf  wachse,  der 
bom  wirfet  af  daz  saflfe  [W]  in  die  schössling;  der  denne  den  böm  über  triben 
wily  der  müss  daz  saff  in  den  böm  twingen  also  daz  er  die  este  alle  nmbe  ab 
schlahe.  daz  saff  in  dem  böme  ist  du  minne  du  in  der  sei  ist  du  gusset  sich 
z&  den  ögen  ns,  also  daz  si  minnen  wil  swaz  schön  ist  ze  sehenn;  zu  den  oren  lo 
OS,  daz  si  minnen  wil  waz  lustig  ist  ze  hörenn;  zu  dem  munde  us,  daz  si 
messen  wil  swaz  süss  ist  ze  essenn  oder  ze  trinkenn ;  zu  der  zungen  us,  weltlichü 
märe  and  üppig  kose  ze  tribenn;  zu  der  nasen  us,  süssü  ding  ze  smekenn;  zu 
den  henden  os,  lindü  and  senftü  ding  ze  grifenn;  zu  den  füssen  ns,  üppig  weg 
ze  gände.  swer  dise  este  mit  vlisse  ab  schiebt  und  sich  zuhet  von  allen  den  15 
dingen  die  wider  Got  sint,  der  twinget  minne  in  sich,  daz  si  müss  uf  wachsen  in 
Got,  daz  si  werdent  sehend  Got  mit  eren.  da  werdent  sü  bevindent  Gottes 
süssikait;  da  werdent  sü  erkennent  Gottes  wishait  [10^] \  si  werdent  innen 
braht  aller  der  vröden  so  von  Got  in  die  sei  flüsset,  so  si  und  er  mit  rehter 
haimlichi  ain  ding  mit  enander  werdent  und  si  in  ime  rüwet.  dis  ahtent  nit  vil  20 
ainen  engel  ze  sehenn.  Balames  esel  sach  öch  ain  engel  und  waz  dar  nach  doch 
ain  eseL  dis  erdrüset  denn  des  lebens,  und  wäre  in  denn  aller  nützest  ze 
lebenne;  wan  si  Got  hie  ie  höher  minnent  und  bekennent,  so  si  in  och  her  nach 
in  den  ewigen  vröden  ie  me  minnend  und  bekennend  werdent.  nu  sprichet  sant 
Bemhart  daz  den  unvolkomnen  tugenden  gesperret  wirt  du  vröde  des  hymel-  25 
riches,  aber  den  volkomnen  tugenden  wirt  voUeklich  geschenket  die  vröd  des 
h^^melriches. 

Dar  nach  wirt  gesprochen  von  sant  Stephan:  'obdormivit  in  domino',  daz 
sprichet:  'er  entschlief  in  Got'.  in  Got  entschlafen,  daz  ist  an  wisse  ze  hymelrich 
varen.  daz  sint  die  alle  ir  minne  von  allen  dingen  gezogen  haut,  die  /ÜV  aber  30 
minnent  zerganklich  ding  me  denn  Got  liep  si,  die  varent  schlehtklich  in  die 
wisse,  die  aber  minnent  du  ding  du  wider  Gottes  gebot  sint,  die  varent  schlehtes 
in  die  helle,    da  vor  uns  Got  behüten  müssi.    amen. 

De  and^  bt  de  d'  mensche  allewege  st'te  also  de  e^  allewege  gesige  an  dorne  t*vfil  vn 
an  sine  flesche .  De  d'tte  ist  de  dv  dine  mine  zehest  uö  allem  dem  vnd^  got  ist  uor  ime  35 
solt  dv  kain  ding  mlne   wo  alse  v^  so  es  dich  got  gewrd^n  mag  .  od^  dv  ez  .  wä  div 
sele  ist  alse  gesch'phe  de  si  ane  mine  niht  mag  sin  . 

23.  bekend.         34.  dorne  oder  deme?         36.  gowrd^n  oder  gevvrd^n. 
21.  Nwn.  22,  31,  28.  Act  7,  60. 


16  5.  Von  mftnger  band  yrMe  die  in  dem  hfmelrich  ist. 

[5J  Ton  manger  band  yrode  die  fn  dem  hymelrich  ist 

[Oaudium  et  laetitia  invenietur  in  SionJ 

Ysayas  sprichet  daz  man  in  dem  hymelrich  vindet  vröde  über  vröde  an  der 
drivaltkait  der  personen,  vröde  an  der  ainkait  ir  nature,  vröde  an  Gottes 
5  mentschait,  vröde  an  der  sele,  vröde  an  dem  libe.  da  spricht  du  glose  daz  die 
lüt  mit  den  engein  sont  eweklich  in  hymelrich  wonen.  da  sont  wir  staeteklich 
üf  trahten  und  sont  des  beginnen  uff  ertrich:  wan  swaz  man  hie  beginnet,  daz 
wirt  da  volbraht ;  und  in  swelen  kor  der  engel  der  mentsch  sol  komen,  der  engel 
leben  und  iren  sitten  sol  er  öch  haben  und  lernen  uff  ertrich. 

10  Ain  stuki  hymelsches  lebens  ist  da  so  die  haiigen  dar  koment  da  su  niemer 
sönd  mugent  tun,  [IPJ  gross  noch  klein.  Got  verrat  sich  von  den  Sünden,  als 
her  David  spricht:  *es  ist  ain  grössü  gab  uff  ertrich  ainer  sei  du  da  sunde  hasset^ 
der  ir  schepher  so  gram  ist\  also  sont  wir  uns  uff  ertrich  flisseklichen  hüten 
vor  grossen  und  vor  klainen  Sünden. 

15  Ein  ander  stuki  hymelschliches  lebens  ist  daz  ir  iegliches  da  Got  und  allen 
sinen  fründen  wol  gevallet  an  allen  Sachen,  inwendig  und  uswendig,  als  in  dem 
salter  ist  geschriben:  'es  wäre  ain  giössü  gäbe  ainer  sele  hie  die  da  gern  an 
allen  dingen  wol  geviel'.  also  sont  wir  hie  flissig  sin  daz  illü  ünsrü  werch  Grot 
wol  gevalle, 

20  Ain  ander  stuki  hymelsches  lebens  ist  daz  sich  Got  da  in  die  sei  senket  mit 
aller  siner  götlicher  kraft,  als  ob  er  ir  aller  vergessen  hab  die  in  hymelrich  sint 
und  sant  Augustinus  sprichet:  'und  du  sele  sich  wider  in  Got  senket  mit  allen 
iren  kreften  und  verbirget  sich  in  Got,  daz  nieman  wissen  mag  ir  zwaiger  haiu- 
lichi,  fll'J  si  welli  es  denn  künden  ainer  anderr  sei',  also  sollen  wir  ofhen  unser 

25  hertze  und  unser  sele  dem  guten  Got  daz  wir  enphindent  daz  er  da  inne  wire, 
und  soltent  uns  wider  senken  in  Got. 

Ein  ander  stuki  hymelschliches  lebens  ist:  swaz  da  Got  gutes  hat  und  all 
sin  haiigen,  daz  ist  aines  ieklichen  haiigen  sunderlich  aigen;  und  swaz  ain  iek- 
lich  hailig  da  sunderlich  hat,  daz  ist  in  allen  gemaine,  spricht  sant  Augustinus. 

so  also  soltent  öch  wir  uns  halten:  swaz  wir  gAtes  hettint  oder  möhtint  gehaben, 
gemain  machen  Got  und  sinen  haiigen,  so  möhtint  wir  es  hie  enphinden  in 
ünserm  hertzen. 

Ain  ander  stuki  hymelschliches  lebens  ist  daz  in  allen  offen  ist  waz  Got 
getan   hat   und  gewürket  und  geurtailet  in  hymelrich  und  in  ertrich  und  in  ier 

35  helle,  das  si  es  nit  anders  wöltint  won  also  als  es  geschehen  ist.  also  fliy  sol 
es  uns  allen  wol  ge Valien;  won  du  schrift  sprichet  daz  er  Ällü  ding  tut  uff  daz 
best  und  in  der  besten  wise,  als  im  wol  gezimet. 


2.  Der  l^iteinische  Text  fehlt.  24.  andV. 


2.  IsaL  51y  3.  12  m.  17.  in  Anlehnung  an  Fs.  1,         36.  Anspielung  an  Gen,  i,  31;  EccL 

31,11;  Marc.  7,37. 


5.  Von  mftnger  band  yr6de  die  in  dem  hymelrich  ist.  17 

Ain  ander  stuki  hymelschliches  lebens  ist  daz  man  da  minnet  nit  won  haili- 
kait;  swa  si  der  allermaist  vindet,  da  keret  si  ir  minne  aller  maist  hin.  also 
soltent  wir  och  hie  minnen  ain  ieglichen  nach  siner  hailkait,  die  wir  an  im  wis- 
sen!, er  wir  uns  nach  oder  verre,  er  täte  uns  lieb  oder  lait;  und  soltent  nieman 
minnen  durch  sinü  lösen  wort  noch  durch  sin  jugent  noch  durch  sin  schonhait  5 
noch  durch  sin  klainet,  du  er  us  git,  noch  durch  ander  hainlichkait:  wan  daz 
ist  alles  zerganklich,  aber  du  hailikait  ist  ewig. 

Ain  ander  stuki  h^elsches  lebens  ist  daz  si  alle  zit  Got  gegenwärtig  sint 
und  er  in.  da  von  enphahent  sü  gross  kraft  und  klarhait,  als  Moyses  von  Gottes 
gegenwärtkait  enphieng,  do  [12^]  er  in  sah  in  dem  nebel;  er  bedorfte  in  vierzig  lo 
tagen  weder  essen  noch  trinken,  er  wart  so  klär  und  so  schön  an  dem  antlüt  daz 
in  die  Juden  niht  mohtent  an  gesehen,  er  müst  bedeken  sin  antlöt.  also  solt  och 
uns  Got  alle  zit  gegenwurtig  sin,  daz  wir  iemer  trahtent  uff  etlichü  stuki  siner 
götlichen  nature,  es  wäre  sin  gewalt  oder  sin  wishait  oder  sin  güti;  da  von 
enphiengent  wir  gross  gnäde.  wir  sint  im  ällü  zit  vor  sinen  ogen:  swaz  wir  tünt  15 
hainlich  oder  offen  lieh,  daz  solt  6ns  billich  wol  gezogen  machen,  inwendig  und 
uswendig. 

Ain  ander  stuki   h^elschliches  lebens  ist  daz  si  iren  willen  gantzlich  ver- 
ainent  mit  Gottes  willen;  won  si  niemer  nit  getünt  daz  im  wider  si,  und  niemer 
versument  daz  im  lait  si.    also  soltent  och  wir  gaintzlich  verainen  ünsern  willen  20 
mit  Gottes  willen  an  den  selben  zwain  dingen,    etswenn  ist  [1^]  du  zit  daz  Got 
kändet  in  dem  hertzen  des  mentschen  sei  sinen  liebsten  willen,    da  von  sprichet 
David:  'ich  wil  hören  waz  Got  in   mir  spreche',    du   zit  ist  denne  swenn  der 
mentsch  ist  in  grosser  innekait  und  gern  gedenket  den  grösten  götlichen  willen 
und  verainet  sich  mit  Got.   so  kündet  Got  dem  mentschen  inwendig  alles  daz  im  25 
missevallet  an  im  an  sinen  gedänken,  an  gerung,  an  willen,   an  bewegung,  und 
swaz  im  missevallet  uswendig  an  Worten,  an  werchen  und  an  sitten;  und  kändet 
im  dar  nach  wie  er  sälli  sin  gedänke,  sin  gerung,  sinen  willen,  sinu  wort,  sinu 
werch  und  sin  sitten  gantzlich  rihten  nach  dem  bilde  önsers  herren.    dis  kün- 
dung solte  der  mentsche  flisseklich  merken  und  schriben  und  sich  dar  rihten.  'so  30 
ahtent  wir  ir   laider  wenig!    swenn  sich   aber   denn   der  mentsch  verainet  ze 
ainem  andren  male  an  sim  gebet  mit  Got,  so  kündet  er  [12'']  im  aber  daz  selb. 
Ain  ander  stuki  h^elsches  lebens  ist  daz  si  Got  glich  sint,  als  sant  Johans 
ewangelist  sprichet.  daz  ist :  sin  gewalt,  sin  wishait,  sin  güti  und  ällü  sin  götlichi 
natnr  in  in  schinet,  als  der  büchstab  und  daz  antlütz  des  insigels  schinet  in  dem  35 
wahs,  swenn  es  wol  dar  in  wirt  gedruket    götlich  bilde  und  sitt  ünsers  herren 

2.  aller /malst  das  zweitemal  am  Schlüsse  und  Anfang  einer  Zeile.  6.  Ist  us  verschrieben 
für  üssB  (ins?  oder  ist  üzgeben  gemeint?  22.  /.  selb  statt  sei;  vgl.  Z.  32  (Panzer).         31.  ir 

nachträglich  durch  '  Abkürzungszeichen  über  wir  eingeschoben. 

2.  Zu  dem  unbestimmten  si  ist  etwa  die  heilige  Seele  zu  ergänzen  (vgl.  16 j  20. 22.  17,37.  18, 3) ; 
wenn  darunter  wie  Z.  8. 18.  33  die  Heiligen  zu  verstehen  sind,  dann  müßte  vindent  und  kerent 
gelesen  werden.  10.  Exod.  24, 18;  34,  28  ff.  23.  Ps.  84,  9.  33.  I.  Joan.  3,  2. 

Oentaehe  Texte  dee  Mittelalter«.  X.  2 


18 


5.  Von  m&cger  hand  yrMe  die  in  dem  fafmelrich  ist. 


Jhesn  Christi  ziert  öch  groslich  wol  die  sei.  also  soltint  öcli  wir  uns  geliehen 
götlichen  sittea  uod  dem  bilde  unsere  herren. 

Ain  ander  stukl  h.Vmel8chliclies  lebens  ist  daz  si  an  underlasse  Got  niessent 
aigenlich.    wenn  sich  dti  vernnftekait  und  die  begerung  verainet  bi  Gotte  nnd 

G  mit  Got  und  in  Gotte,  du  wnnue  denne  flösset  uss  Got  uff  die  se),  die  mag  denn 
kain  sei  enphahen,  sunder  si  sol  wonen  in  im  als  der  visch  in  dem  Wasser  und 
der  vogel  in  dem  lulte.  also  soltent  wir  öch  hie  wunne  suchen  an  flä^J  Gotte» 
nit  an  der  creature 

Ain  ander  stuki  hymelschliches  lebens  ist  daz  si  nihtes  niht  engerent  ns- 
10  wendig  Gottes,  sid  si  nit  andei-s  vindent  in  Gotte  in  ainer  volkomenhait.  also 
solt  lins  öch  benoten,  an  Gotte  und  soltent  in  im  suchen  swaz  wir  gern  hettint 
an  dekainer  creature:  es  wäre  sclionhait,  edelkait,  fruntschaft,  klaineder  und 
haimlichkait,  daz  vindent  wir  alles  an  im.  aber  daz  mugent  wir  nit  all  zit  und 
an  allen  enden  viuden  an  kainem  mentschen  und  vindeutz  an  Got. 

>  Ain  ander  stuki  hymelschliches  lebens  ist,   als  sant  Augustinus  sprichet,  dai 

uns  wirt  ze  hymelrich  von  Gottes  an  gesiht  lustlichen  in  gedruket  in  unser  sei 
baidü  satt  und  durst:  wir  durstigen  werdent  da  gesattet,  und  wir  die  gesatteten 
werdent  durstig. 

Ain  ander  stuki  hymelschliches  lebens  ist  daz  si  Got  lobent  an  underlasse, 

)  [13']  Bia  ieklich  stuk  götlicher  nature  an  im  selben,  daz  ist:  götlicher  gewalt  ist 
gewaltig,  sin  wisshait  ist  wise,  sin  göte  ist  gät.  öch  lobent  si  ain  ieklich  stuki 
an  ainandern:  götlicher  gewalt  an  gütlicher  wisshait,  sin  gewalt  ist  wise,  sm^ 
miltekait  ist  gut,  sin  güti  ist  milt,  sin  barmhertzkait  ist  reht.  öch  lobent  t&^ 
aigenlich  ieglich  stuki  sunderbar  an  in  allen:    Gottes  gewalt  ist  unmAssig,  wia^ 

s  ewig,  gut,  milt,  reht  und  erbärmhertzig ;  also  ist  Geh  Gottes  wishait  gewaltig, 
gut,  milt,  öch  lobent  si  ällü  ding  götlicher  nature  an  aim  iegklichen  sunderlich: 
götlichen  gewalt,  ewekait,  unmessekait,  wisshait,  gftti,  miltekait,  erbarmIierta-< 
kait  und  reht.    in  dirre  selben  wise  soltent  wir  hie  loben  gfitlich  nature. 


4 


[6J  Ton  manger  hande  tagend  gafschlicbes  lebens. 


30  Providentes  bona  non  tantum  coram  [13'']  deo  etc. 

ISant  Paulus  sprichet:  'wir  süllent  ersam  sin  vor  den  lüten  und  wol 
ordnet  vor  Got'.  Salomon  sprichet  in  der  minnen  buch:  'unser  herre  hat 
minne  in  mir  geordenet". 
Hie  bi  git  er  uns  ze  merkenn  wie  du  minne  sol  geordnet  sin  in  änserm 
10.  Man  aoUte  encarten  sid  si  alles  vindent  in  Gotte  (wie  Z.  11. 12);  Panzer  verrnttUt  mit  G.  im 
derBtlben  VoUkommetüiät  icie  Oott)  oder  wan  in  G.  14.  vindStz  am  Ende  der  Zrile.  15.  Sdton 
nneh  stuki  steht  fälschlich  ist,  deswegen  von  mir  umgestellt.         22.  l.  gAtlicheo  i*        26.  ieg/klichen 


I 

ärra      »J 


29.  Vgl.  zu  diesem  Slüek  den  von  mir  tn  der  Zätaehr.  für  hoehdaitsehe  Mundarten  1  S. 
heramgtffebenen  TVaktat  aus  dem  Kloster  Unterlindert  ttt  Kolntar  »nä  die  von  Strauuh  ebenda  S 
beigefügten  Bemerkungen;  —  WocAernayel  5.  82  vnd  dm  8. 168  gedrudfUm  Traktat  am  da 
B.  IX  15  der  Basler  Universitätsbibliolhei.  30.  Mom.  13, 17.  B2.  Cant.  2.  4. 


6.  Von  mAoger  hiinde  tugend  gatscliUches  lebens.  19 

bertzen.    reht  alz  daz  closter  geordnet  ist,   als  sol  öch  dö  minne  geordnet  sin. 
nu  muss  ain  iekticb  closter  vier  ding  han,  daz  wol  geordnet  ist. 

Daz  erst  ist  ain  gasthüs.  des  phlegent  dri  jiingfrowe,  daz  ist  gut  wille, 
vrölichkait  und  rainü  minne.  da  erst  jungfrowe  ist  gut  wille.  dii  lät  die  geste 
in,  waii  swer  gftten  willen  hat,  der  hat  erliArmde  über  alle  löte  und  aller  maist  s 
über  siech  lüt;  won  die  siechen  bedurfent  bas  des  siech  huses  denne  die 
gesnnden-,  ain  blinde  bedarf  bas  daz  man  in  laite  denn  ain  gesehender,  ze 
gÜcher  wis  ist  es  umb  der  seien  siechtagen;  wan  die  lüte  die  an  der  sele  siech 
eint,  die  bedurfent  bas  [13'j  helfe  denn  die  in  Gottes  wUlen  aint;  won  die  hat 
unser  herre  erlabtet  mit  sinen  gnaden,  daz  si  in  selber  und  andren  lüten  nütz  10  1 
mugent  sin  in  irem  gebet,  und  dar  umb  sont  sü  sich  erbarmen  über  sündig  lüt 
and  sont  für  sü  bitten,  doch  sol  der  mentsche  nieman  sin  hertz  uf  tun  won  Got 
mit  gutem  willen,  und  la  dich  erbarmen,  sAlger  mentsch,  daz  der  gut  Got  so 
demötklich  vor  dlnem  hertzen  stat  und  dich  bittet  daz  du  in  in  din  hertz 
la&sest,  daz  er  mit  dir  rüwe.  als  man  liset  in  der  minne  buch,  da  spricht  unser  is  , 
herre:  'tä  mir  üf,  min  swester,  wan  ich  bin  din  brüder;  tu  mir  uf,  min  fründin, 
won  ich  bin  din  gemahel;  tu  mir  üf,  min  tube,  won  ich  dii'  min  haiigen  gaist 
sante  in  diner  betrübde  und  ze  ainem  laiter  in  dem  eilende',  nu  höre  wie  güt- 
lich der  grosse  Gottes  dich  grüsset  und  bittet  der  herberg  die  er  geschüf  und 
erloste  mit  sinem  tode!  die  [Vi"]  ander  jungfrowe  ist  frölichkait:  du  sol  unsem  » 
herren  enphahen.  so  der  gut  wille  ünsern  herren  in  lät,  ao  enphahet  in  vr&lich- 
kait;  wan  swa  ain  gast  wäre,  dem  täti  bas  ain  vrölich  antlüt  von  dem  wirt 
dann  du  best  traht  die  er  ime  möhte  geben  mit  unwirdeschem  hertzen.  ze 
glicher  wis  ist  es  umb  ünsern  herren  und  den  mentschen:  ünserm  herren  ist 
lieber  ain  klainer  dienst  mit  vröden  denn  ain  gross  arbait  mit  murmelen.  etlich  ^ 
lüt  hänt  aber  nlt  ünsern  herren  in  gastes  wise;  wan  er  ist  alles  bi  in,  daz  er 
da  wonung  hat,  und  ir  hertze  gebeut  si  im  aigenlich,  daz  er  da  herre  und  wirt 
ist,  und  hat  da  ain  stät  ruwe  mit  der  sei,  also  spricht  unser  herre;  'ich  und 
du  sele  sont  ain  stAt  wonung  han  mit  enaiider".  du  dritte  jungfrowe  ist  du  edel 
minne.  du  setzet  ünsern  herren  nider  und  sprichst:  'herre,  wir  aont  sitzen,  wir  so  i 
mugent  uns  gÄhes  von  enander  nit  schaiden;  won  [14° j  du  waist  wol,  lieber 
herre  min,  daz  wir  vil  mit  enander  haut  ze  redenne.  sitz  herre,  la  mich  mit 
dir  kosen',  'o  lieber  herre' ,  spricht  du  minne ,  ' wir  süllent  ain  wonung 
entzwjischent  uns  machen;  du  waist  doch  wol  daz  ich  du  minne  bin,  mit  der  du 
din  wonung  hast,  als  sant  Johannes  spricht:  'deus  Caritas  est',  o  herre,  du  mäst  35 
bi  mir  bliben,  wan  ich  bin  du  minne,  und  bist  öch  du  du  minne',  so  sitzet  denn 
unser  herre  und  rfiwet  in  der  sele  minne  und  koset  götlieh  mit  ir  und  spricht: 
*mir  ist  vil  sanft  daz  ich  bi  der  sele  bin,  und  tut  mir  gar  wol  daz  ich  bi  ir 
rftwen  sol'. 


19.  Tat  grflBse  oder  Got  £u  sckrähenY  34.  entzWachent.  37.  gfitlicb, 

gQtlich  verändert 

Oant  S,  S.  28.  Ps.  131.  U.         36.  /.  Joan.  4, 16. 


20  6.  Von  mftnger  hande  tagend  gaigchliches  lebens. 

Daz  ander  daz  an  dem  closter  ist,  daz  ist  ain  reventer,  da  da  sele  änsem 
herren  spiset  mit  ir  tagenden,  des  phlegent  och  dri  jungfrowen.  du  erste  rihtet 
den  tisch  nnd  setzet  ünsern  herren  nider.  du  haisset  fro  Miltekait,  and  git 
miltes  hertze  und  miltü  wort  ir  swestren.    so  si  betrübet  sint  oder  so  si  siech 

5  sint  oder  swaz  in  wirret  //^V»  ^^  benimet  si  in  mit  ir  miltekait  und  hilfet  in 
alle  ir  arbait  tragen  mit  hertzen  and  mit  übe.  da  von  spricht  unser  herre: 
'swaz  ir  dem  minsten  tünt  in  minem  namen,  daz  haut  ir  mir  getan',  da  ander 
jnngfrow  haisset  C!ontemplieren.  du  setzet  trahta  für  die  si  contemplieret,  and 
gedenket  wie  si  mit  den  tagenden  würken  wil  und  wie  si  ain  ieglich  tagend 

10  bringe  ze  tugentlichen  werchen.  man  liset  von  her  Job  daz  er  zehen  kind  hatte, 
die  täglich  hattent  ain  nüwe  Wirtschaft  si  warent  hü  bi  aim,  morn  bi  dem 
andern  und  tatent  daz  täglich,  und  also  hattent  si  täglichen  Wirtschaft  ze 
glicher  wis  sol  du  sei  tun:  si  sol  täglich  Wirtschaft  han  mit  tagenden  und  sol 
hüt  ain  tagend  üben,  morn  ain  ander,  won  die  tugent  mag  nieman  mit  enander 

15  ge würken.  du  drit  jungfrowe  haisset  Andaht  du  schenket  die  süssen  minn  trähen 
und  schenket  [W]  von  dem  jämerlichen  hertzen  den  minneklichen  win  und 
sprichet  zu  ünserm  herren:  'owe  süsser  Got  von  h^melriche,  wenn  sol  ich 
enpunden  werden  von  disem  libe,  daz  ich  dich  mit  sicherhait  umb  vahen  mnge, 
und  du  dich  denn  in  min  sele  giessest  mit  vröden  und  mit  süssekait!'    von  der 

20  andaht  entspringet  ain  brunne  und  flüsset  ze  den  ogen  us. 

Daz  dritte  daz  an  dem  closter  ist,  daz  ist  ain  dormiter;  des  plegent  och 
dri  jungfrowen.  der  dormiter  ist  ain  götlich  hertze.  du  erst  jungfrowe  ist  ain 
lutrü  conscienci.  du  beraitet  daz  bette  da  unser  herre  und  du  sele  an  rüwen 
sont.     won   swa    der   mentsch  ist  den   sin   hertz    nit   bekrenket   umb    dehain 

25  untugent,  der  hat  ain  luter  conscienci  und  ain  geblümetes  hertze.  du  sele  mag 
wol  sprechen:  'kum  her,  lieber  gemahel  min,  unser  bette  ist  geblümet  kum  her, 
süsser  Got,  räw  uff  disen  blümen!'  aber  der  mentsch  den  [14^]  sin  conscienci 
bisset  umb  Untugend  und  sich  doch  der  vor  nit  hütet,  des  betlin  ist  bedürnet; 
wais  Got,  da  läge  unser  herre  ungerne  und  wäre  im  och  harte  widerzäme.    du 

30  ander  jungfrowe  haisset  'fride  mit  tugenden",  daz  si  die  untugende  alle  über- 
wunden hat  die  wider  den  tagenden  stritent,  und  nit  allain  überwunden  die 
Untugend,  si  hat  ir  öch  gar  vergessen,  du  sele  hat  frid  mit  den  tugenden,  und 
du  phliget  ünsers  hen-en  und  der  sele,  so  si  rüwet  man  vindet  der  lüte  vil  die 
vehtent  tugend  haut,  die  ze  allen  ziten  mit  den  tugenden  vehtent;  aber  der  lüt 

85  vindet  man  lützel  die  mit  rüwe  tugent  habent  die  sint  reht  als  du  tier  in  der 
arch,  die  hattent  frid  all  mit  enander.  du  dritte  jungfrow  haisset  *schlauf  mit 
dem  schönnen  Got\  daz  sol  man  nit  verstau  an  dem  släf  des  libes,  es  ist  ain 
schlauf  mit  Got  daz  ist  so  du  sele  und  der  lip  uswendiger  ding  gar  ver/i57 
gessent  und  si  denne  inwendig  Got  sehent  und  in  mit  im  wol  ist:  daz  ist  schl^ 
der  sele;  daz  mag  jubilieren  sin,  als  spricht  du  sele  in  canticis:  'o  herre,  ich  släf 

21  ti.  22.  dormit^  oder  dormitor  aufzulösen  ? 


7.  Matth.  25, 40,         10.  Job  1,  4.         17.  Born.  7, 24.         26.  Cant  i,  15.         88.  Cant,  5, 2. 


6.  Von  m&nger  hande  tagend  gaischliches  lebens.  21 

und  min  hertz  wachet  doch  mit  dir*,    also  spricht  ain  haiig:  'herr,  si  joch  daz 
ich  schlafe  mit  den  ogen,  so  gib  mir  doch  daz  min  hertze  wache  mit  dir". 

Daz  yierde  daz  an  dem  closter  ist,  daz  ist  ain  capittelhus.  daz  bezaichent 
ain  demütig  hertz.  da  ist  ain  priolin  inne,  du  haisset  frow  Mässekait.  da  sint 
ander  jungfrowen  inne,  die  rügent  die  untugent  hant  in  dem  capittel,  und  die  5 
togent  r&gent  enander;  won  die  Untugend  sol  man  billich  rügen,  aber  daz 
beschiht  dik  daz  ain  brüder  oder  ain  swöster  au  ander  rügent,  daz  doch  vil 
besser  ist  ze  glicher  wise  ist  es  umb  die  tugend:  da  laidet  ainü  die  andrun, 
die  doch  vil  höher  ist  denn  si.  ain  tugend  ist  in  der  sele,  die  haisset  ]^rsamkait; 
du  rüget  frow  Demütkait:  'ir  sint  also  [15^]  gar  unsuber  mit  üch  selber,  und  lo 
uwer  demfit  ist  also  vil  daz  ir  unlustig  sint  an  ze  sehenne'.  so  spricht  min  vrow 
du  priolin:  'swester  Demut,  ir  sont  massig  sin  und  sont  üch  also  demütigen  daz 
üch  die  lüt  erliden  mugent'.  so  rüget  denn  vrow  Demut  vrow  Ersamkait  und 
sprichet:  'irsprechent  ich  si  ze  unsuber;  wan  aber  ir  als  ersam  sint  und  tragent 
gern  gutes  gewand  und  vlissent  üch  daz  ez  wol  stände,  dunket  es  üch  ain  15 
erbare  sin,  so  dunket  es  aber  mich  ain  höfart'.  so  sprichet  aber  Masse:  'ir  sont 
beide  üch  temperen  mit  mässe\  dar  nah  rüget  Reht  und  Erbirmde  enander. 
Erbirmde  du  spricht:  'plus  est',  si  rüget  die  swöster,  daz  ist  reht;  doch  möhti 
si  es  wol  mit  miltren  werten  tun.  si  stellet  ir  antlüt  als  übellich  daz  es  gar  ze 
vil  ist  so  rüget  denn  Reht  Erbärmde  und  spricht:  'plus  est;  ir  wend  als  20 
erbarmhertzig  sin  daz  ir  ain  ieglich  ding  [15^]  went  hin  lau  gän,  daz  doch 
wol  ze  rügenn  w4re\  so  sprichet  aber  min  vro  Masse,  du  priolin:  'ir  jung- 
frowan,  ir  sont  üch  mit  mässe  zu  enander  fügen,  daz  ir  mit  fride  ze  samen 
^hellent  und  doch  mit  der  gnade  belibent'.  dar  nach  rügent  Beschaidenhait 
und  Minne  enander,  und  sprichet  vro  Beschaidenhait:  'vro  Minne,  üwer  minne  25 
ist  also  vil  daz  ich  es  nit  erliden  mag:  so  ir  an  die  minne  koment,  so  bettent 
ir  also  vil  und  wainent  und  dienent  und  arbaitent  also  vil  daz  ir  dar  nach  lang 
mfissent  ligen  und  mugent  denn  kain  gut  getün;  ir  sont  beschaidenlichen  varen 
and  sont  ainest  werchen  daz  ir  och  andrest  mugent  werchen'.  so  spricht  denn 
vro  Minne:  'vro  Beschaidenhait,  üwer  beschaidenhait  ist  also  vil  daz  ir  als  träge  30 
sint  an  ünsers  herren  werchen  daz  es  wider  Got  ist:  so  ir  betten  [15'^]  sont,  so 
wend  ir  schlafen  und  sprechent  alles:  "wir  sont  gefüklich  varen,  daz  wir  lang 
Got  mugent  gedienen";  und  machent  üwer  beschaidenhait  also  vil  daz  mich 
dunket  es  si  ain  trakait'.  so  sprichet  denn  vro  Masse,  du  priolin:  'ey  lieben 
jungfrowen,  temperent  üch  ze  samen,  ir  sint  als  unfridsam  mit  enander  daz  es  35 
übel  stät  vro  Minne,  ir  sont  nit  als  ungefüklich  varen,  sint  massiger;  aber  ir, 
vro  Beschaidenhait,  arbaitent  üch  me  und  fügen t  üch  baz  ze  fridbari  mit  en- 
ander und  sint  massig,  doch  also  daz  ir  die  gnade  mit  den  tugenden  behaltent*. 

1.  haiig  80,  5.  and  die  tugent  und  rügent  enand^  16.  erb^a  26.  mag.   so  ir 

an  si  koin^t  so  bettont  ir  also  vil.    dz  ich  es  nit  erliden  mag.    so  ir  . . . 


7,  Von  dee  geljetteB  n 


N 
* 

w 


[7.J  Von  des  gebettes  nntz  ze  Got 

Petite  et  accipietis  etc. 

Unser  herre  spricht  in  dem  ewangelio:  'bittent,  so  werdent  ir  geweriT 
ßprichet  öch  andei-swa   in    dem  ewangelio:    'bAte  ain  kind  sinen  vatter  brotes, 

i  so  gAb  er  im  nit  ain  ander  ding  flß"/  der  für',  sider  denn  ain  man  uff  ertrich 
des  nit  täte  sinem  kinde,  so  entüt  es  och  der  getrüw  vatter  von  hymelrich 
sinen  kinden  nit;  won  er  wil  nit  erbören  der  mentschen  gebet  die  in  bittent 
unrehter  ding,  won  allain  rehter  und  guter  ding,  wan  sinen  lügenden  und 
sim  gewalt  gezimet   nit  daz   er   bös    nnd   klain  gab  geb,   er  ist  ain  richliger 

)  geber  und  vnl  nit  geben  won  grosse  gäbe,  da  von  spricbet  unser  herre  in 
dem  ewangelio:  'bittent,  so  werdent  ir  gewert:  üch  werdent  alle  üwer  sünd 
vergeben;  süchent,  so  werdent  ir  vindent:  die  gnade;  klopbent,  so  wirt  üch  d&z 
h,fme!rich  uf  getan'.  Got  wil  der  mentschen  gebet  erhören  die  in  mit  warhait 
an  rüffent,    die  des  gerent  mit  dem  hertzen  daz  si  bittent  mit  dem  munde,    der 

i  ment-sche  sol  gerne  dester  minder  gebetten  mit  dem  rannde,  daz  och  sin  hertze 
bi  dem  gebet  si  und  öch  die  girde  des  hertzen.  ain  haiige  {16^J  sprichet:  *vil 
gebettes  mit  dem  munde  erschreket  daz  hertze'.  enkan  joch  der  mentacb  der 
Worte  nit  verstau,  so  sol  ez  doch  sin  gedenke  und  die  girde  sines  hertzen  an  Got 
setzen   und    in  bitten  siner  gnaden,    der  mentsch  hat  zwo  sprach  in  dem  gebet; 

j  mentschliche  sprach,  so  der  mentsch  bettet  mit  dem  munde;  engelscUe,  so  er 
bettat  mit  dem  hertzen.  des  engeis  spräche  ist:  so  er  zii  aim  andern  reden  wil, 
so  lät  er  ain  lieht  von  im  schinnen  engegen  ime  und  schephet  in  dem  lieht  allen 
sinen  willen,  also  sol  der  mentsche  daz  lieht  sines  herzen  Got  under  sin  anü&t 
lassen  schinnen  und  sinen  willen  zaigen,  won  die  sprach  vernimet  Got  wol. 

i  er  sprichet  in  der  minne  buch:  'la  din  stim  schellen  in  min  oren,  wan  diu  si 
ist  süsse  und  din  antlüt  ist  schöne'. 

Daz  hertze  ist  ainer  hande  kevi,  in  der  singen  sont  vier  vftgellü  /Ifi'J,  der 
stim  unser  herre  gern  erhöret,  der  erst  vogel  haisset  aine  amselle;  der  ander 
haisset  ain  nahtegal;  der  dritte  haisset  ain  lerche;  der  vierde  haisset  ain  tube, 

9  DU  amselle  ist  swartz  und  h&t  ainen  schftnnen  schnabel  gelwen.  du  sweilf 
bezaichent  daz  daz  gebet  sol  sin  demütig,  daz  der  mentsch  sol  erkennen  in  dem 
gebet  sinen  gebresten  und  sin  krankait,  als  man  liset  von  dem  offnen  silnder 
nnd  von  dem  glichsner.  die  zw^n  giengen  betten  in  den  tempel:  der  offen  sünder 
waz  ungereht  und  sündig,  der  glichsner  schain  aber  giit  vor  den  lüten  und  was 

S  aber  nit  gut,  won  er  waz  hoffertig,  und  erkante  das  Got  wol  an  im  und  wolte 
sin  gebet  nit  erhören,  aber  der  offen  sünder  erkante  sine  sünd  wol,  und  dnnktA 
in  siner  sünden  also  vil  daz  er  nit  getorste  sinü  ogen  gegeu  dem  hymel  uf  ga- 
heben,  und  sprach:  'o  grosser  Got  von  hymelriche,  erbar/M'7™^  ^^^^  übet 
mich  armen  sünder!'    und  do  er  zu  dem  gebet  gie,  do  waz  er  ungereht  und  sön- 


itia^H 

I 


2.  3iaH.  7.  7.         4.  Matt.  7,  9.        25.  Cant  3,  14.        33.  Luc  18, 10. 


7.  Voa  dee  gcbettra  nutz  zo  Got.  23 

dig,  nad  e  daz  er  von  damiaii  kam,  do  waz  er  gerebt  worden  von  dem  baiigen 
gaist,  und  vergab  im  Got  alle  sin  sünde.  so  bezaichent  der  schöne  schiiabel  daz 
daz  gebet  sol  sin  schon  geziert  mit  tugentlichen  und  mit  schTmen  gedenken,  in 
dem  gebet  sint  drier  Lande  fnJde,  an  den  wiiidet  unser  herre  drier  band  seien. 
die  ersten  waident  sich  in  dem  riet,  die  andern  in  dem  bongarten,  die  dritten  i  ] 
an  den  bömen.  daz  riet  ist  lang  und  herte:  also  ü^t  der  mentschen  gebet  die 
vil  gebettent  mit  den  worten,  und  aber  ir  gebet  nit  lind  machent  mit  guten  ge- 
denken und  mit  der  süssekait  des  hailigen  gaistes.  so  die  herren  wend  iren  lip 
wol  füren  und  kref'tig  machen,  so  haissent  si  die  trabten  faist  machen,  also  sont 
wir  tun;  wellent  wir  daz  ilnaer  gebet  si  fruhtber  /IT'}  und  nütze,  so  sont  wir  U)  1 
es  faiat  machen  mit  gaistlicher  faisti  des  haiigen  gaistes,  die  andren  seien  wai- 
dent sieb  in  dem  scbi^nnen  böngarten  uuder  dien  schönnen  blumen  die  dar  inne 
wachsent:  daz  sint  der  silgen  nientscben  tugend.  etlicb  lüte  die  neraent  war  des 
besten  so  si  sebent  an  iren  eben  cristen  und  gebaltent  daz;  aber  die  tugentsamen 
mentschen  die  sont  usser  allen  dingen  daz  beste  lesen  und  daz  behalten,  in  IS  ^ 
disem  böugarteu  mag  du  sei  dik  missvarn ;  wan  es  ist  kaiu  mentsch  es  si  etwaz 
gebresten  an  im.  aber  in  dem  hymelschen  böngarten  und  an  den  wnnnenklicben 
blümen  die  da  sint  der  liailgen  tugent,  mag  die  sei  niemer  missvarn;  wan  swaz 
ai  da  vindet  und  erkennet,  daz  ist  alles  gilt,  und  da  sol  sich  du  säiig  sele  gern 
Waiden,  die  dritten  waident  sich  an  den  hohen  bömen,  Ysayas  der  wissag  20  1 
spricht:  'nement  fruht  ab  dem  höbsten  //?*/  böme  und  ab  dem  schönsten  der  ie 
wart,  und  werdent  gespisef.  ist  ez  nu  der  aller  böhste  böm  der  ie  gewfichs  in 
himelrich,  so  ist  es  Got  unser  herre;  ist  es  aber  der  aller  höbste  und  der 
schönste  böm  der  ie  gewwclis  uff  ertrich,  so  ist  es  unser  vrowe.  so  ist  aber  dii 
fruht  dii  dar  uff  stät,  unser  herre,  ab  dem  schönsten  und  höbsten  böm  der  ie  1B| 
gewwchs  in  hymetriche,  daz  ist  unser  herre.  wir  sont  drier  band  fruht  lesen; 
gewalt,  wisshait  und  guti,  dis  drie  tugend  die  wir  an  tinsenn  berren  sollent 
lesen,  den  antwiirtent  dri  ander  tugent  die  an  der  sele  sont  sin.  dii  erst  ist  du 
vehterin;  dii  ander  ist  du  erkennerin;  dii  drit  ist  du  minnerin,  du  vebterin  hat 
gewalt  ze  tünne  übel  und  gut  und  ain  ieglich  ding  an  ze  griffe,n:  du  antwjirt«t  30  i 
ünsers  herren  gewalt-  du  erkennerin  hat  gewalt  ze  erkennen  übel  und  gut,  und  du 
antwortet  ünsers  herren  wisshait,  du  minnerin  minnet  götü  ding:  du  antwortet 
6nsers  fl?'}  berren  güti;  won  du  sei  hat  von  nature  daz  si  minnet  gütü  ding  und 
suchet  an  aim  ieklichen  ding  güti  und  nutz,  und  da  von  sont  wir  minnen  Got, 
wan  er  ist  daz  ehrest  gut  und  über  illlii  ding,  won  ällii  güti  flüsset  von  im,  und  M  j 
jst  öch  aller  maist  der  dinge  du  die  sei  raizent  zu  der  minne,  da  von  spricht 
»ant  Bernhart:  's&igä  sei,  wek  dich  selber  und  riht  uf  din  sinne  alle,  die  dii' 
Gfot  ie  gegab,  und  gedenk  an  daz  ding  in  dem  beschlossen  sint  AUü  ding  und 
ällu  tugend  und  aller  fride'. 


I 


2.  Bcbabel. 

st  fehlt        i 


IT.  dem.       22.24.  2tl.  gew°ch8.       23.  es  fehlt.      2S.  aotwrtent  ebenso  30.32. 
.  erkennen]  tJnno.  Der  Sclireiber  ist  koM  bei  der  ganzen  Zeile  in  Zeile  30  geraten. 


21.  Imi.  37,  30  in  Verbindung  mit  Lev.  23,  40. 


24  7.  Von  des  gebettes  natz  ze  (jot 

Der  ander  yogel  der  in  dem  rainen  hertzen  singen  sol,  haisset  ain  nahtegal, 
du  singet  in  dem  tag  und  in  der  naht,  also  sol  och  du  sälig  sei  Got  loben  tages 
und  nahtes,  won  er  ist  vil  gät  ze  lobenn  in  der  naht :  won  so  sint  dem  mentschen 
sin  ussren  sinne  beschlossen  und  enhöret  noch  ensihet  nit  daz  in  müge,  und 

5  mag  denne  Got  wol  loben  mit  aim  frien  hertzen.  bi  der  naht  ist  bezaichent 
beswirde:  so  der  mentsch  [17^]  ist  in  betrübde,  daz  er  denne  erkennen  sol  daz 
uns  unser  herr  ze  gute  tut,  wan  sant  Paulus  spricht:  'swaz  dem  mentschen 
widervert  der  Got  minnet,  daz  kumet  im  alles  ze  gut';  wan  unser  herre  entfit 
kain  ding  enkainem  mentschen  wan  ie  daz  best,  enkan  joch  der  mentsch  nit  er- 

10  kennen  daz  es  wol  kunt  und  gut  si,  won  unser  herre  gevaret  niemer  des  ment- 
schen übel,  wan  allwegent  des  daz  im  gät  ist.  da  von  sol  der  mentsch  erkennen 
in  siner  beswärde  änsern  herren  und  sin  gnade  und  sol  im  dank  sagen,  sant 
Augustinus  sprichet:  'mentsche,  wilt  du  wissen  war  umbe  du  Got  nit  minnest, 
daz  ist  da  von  won  du  nit  erkenst  waz  er  dir  ze  gut  hat  getan;  wan  erkandest 

15  du  es,  du  minnetist  in  von  allem  dinem  hertzen  und  seitist  im  dank  siner  gnaden', 
als  man  liset  von  den  drin  kinden  die  man  in  den  oven  warf:  do  lobtent  si  Grot 
nit  allaine,  si  mantent  [W]  och  all  creatur  zfi  sinem  lobe,  wan  si  machtent  den 
cantig  psalmen  *Benedicite  omnia',  und  mantent  da  mit  all  creatur  ze  ünserm 
herren  in  ze  lobenne;  und  tet  in  och  daz  für  nit  anders,  won  du  band  da  mit  si 

20  gebunden  warent,  du  verbrunnent  in  ab,  und  tet  inen  kain  schaden  anders  an  ge- 
wande  noch  an  Übe.  also  geschiht  den  sälgen  mentschen  die  gedulteklich  tragent 
alles  daz  si  an  gat,  den  werdent  alle  iro  sünde  da  mit  ab  genomen.  bi  dem  tag 
ist  bezaichent  franstmütkait.  daz  ist  also  daz  der  mentsch  Gottes  nit  sol  ver- 
gessen in  dem  tag  siner  vröde,  und  sol  erkennen  daz  es  von  Got  flüsset. 

25  Der  drit  vogel  der  in  dem  rainnen  hertzen  singen  sol,  der  haisset  ain  lerche. 
die  ensinget  niemer  uff  dem  ertrich,  si  hebet  sich  üf  von  der  erde,  und  so  si  ie 
höher  kumet,  so  si  ie  vrölicher  singet,  also  sol  och  der  s&lig  mentsch  tun:  so 
er  Got  loben  wil,  so  sol  er  sin  herflS^Jze  entlidgen  von  allem  dem  so  uff  er- 
trich ist;  und  so  du  ie  höher  din  hertze  hast,  so  du  Gottes  tugend  ie  bas  mäht 

80  erkennen  und  in  geloben. 

Der  vierd  vogel  der  in  dem  rainnen  hertzen  singen  sol,  haisset  ain 
tube.  die  tuben  hört  man  als  vil  süfzen  als  singen,  also  mag  der  sälig  mentsch 
och  wol  tfin,  swenn  er  gedenket  daz  er  wider  dem  guten  Got,  der  im  also  vil 
gutes  hat  getan,  etswenn  tfit,  und  als  reht  klain  erkennet  daz  er  etswenne  also 

35  verre  von  im  waz,  und  daz  er  dem  sin  hertze  als  reht  dike  vor  beschlossen  h&t 
der  in  also  türe  gekofet  hat  sant  Augustinus  sprichet:  'owe  sele,  wie  ist  es  so 
rehte  schäm  lieh  das  du  dem  herberg  versagest  der  nieman  sins  hertzen  herberg 
verseit;  won  swer  klophet,  den  lat  er  in.  dis  vogel  sont  6ch  singen  in  der  bihte. 
won  da  sol  der  mentsch  sine  sünde  sagen  ernschlich  und  kläglich,   die  vogel  der 

40  vröden  sont  nit  alweg  singen,  der  vogel  des  laides  sol  och  etwenne  fl8^J  singen, 
won  der  mentsche  sol  mit  Got  haben  lieb  und  laid. 

7.   Rom.  8,  28.  10.  kunt«  kumt.  16.  Dan.  3. 


8.  Von  der  sei  verzukonge.  25 

[8.]  Von  der  sei  yerzakange. 

[Induxit  eo8  in  montem  sanctifieationis  suacj 

David  spricht:  'er  hat  si  gefüret  uff  den  berg  der  hailikait  und  hat  si  umb- 
vangen  mit  siner  zeswen  hand\ 

Das  er  sprichet:  'er  hat  si  gefüret',  da  mit  git  er  ze  erkennend  daz  er  5 
nit  ainen  us  schaidet  von  den  andren;  won  swer  in  minnet,  den  füret  er  uff  den 
berg  der  hailikait.    nu  sint  dri  berg.    der  erst  ist  gaistlich  leben;  der  ander  ist 
rainnes  hertze;  der  dritte  ist  unsers  herren  marter. 

Gaistlich  leben   gelichet  sich  wol  dem   berge,    won  als  der  berg  schön  ist 
und  dar  uff  wachsent  schön  blümen  und  böme,  als  ist  och  gaischlich  leben,    und  lo 
spricht  öch   saut  Bemhart  daz   daz  gaischlich  closter  si  als  ain  bongarte:   won 
mängerschlahte  blümen  und  böm  in  dem  bongarten   wachsent,   als  ist  in  dem 
closter  mänger  schlahte   tugent;   und  als  ain  ieglich  blüme  sin  sunderlich  fruhte 
bringet,  also  hett  ain  ieglichü  swöster  sunderlich  tugend.    und  sol  die  fl8*^J  sei 
sich  zieren   mit'  disen  blümen   und  sol  ain  schappel  mit  tugenden  uff  ir  höbet  15 
setzen  und  von  aim  ieglichen   mentschen   tugend  lernen,    man  liset  von   hem 
Moyses   daz   er  sinü  schäf  waidet  in  der  wtisti  dri  tagwaide,  und  do  er  in  die 
wisti  gieng,  do   sah  er  ainen  rosböschen  brinnen,  und  wart  der  rosbösch  nie 
dester  minder  swaz  er  ie  gebran,  und  wundert  in  sere  waz  ez  wäre,  und  gieng 
hin  zfi.    und  do  er  nahen  begunde,  do  sah  er  ünsern  herren  in  dem  rosböschen  20 
brinnen,  und  sprach  unser  herre  zu  im:  'du  solt  nit  naher  komen,  du  erde  dar  uff 
da  stäst,  du  ist  hailig !'    und  waidet  sinü  schäf  untz  er  kam  zu  dem  berg  Oreb. 
swer  nu  zu  gaischlichem   leben  komen  wil,  der  sol  haissen  Moyses.    der  nam 
sprichet  als  vil  als  'ain  mentsch  der  usser  dem  wasser  gezogen  ist':  der  mag  Wol 
haissen  Moyses.  won  als  daz  wasser  unstät  ist,  also  ist  öch  du  weit,    nu  sol  der  25 
mentsche  denn  dri  tagwaid  gan  /i97  in  $em  gaischlichen  leben,  du  erst  tagwaid 
ist  könschkait;  du  ander  ist  an  aigenschaft;  du  drit  ist  gehorsami.   so  wirt  denn 
der  mentsch  ain  rosbösch  in  dem  unser  herre  brinnet,    daz  sint  tugenthaftü 
hertzen  und  gut  lüt    so  müss  denn  die  lüt  wundren,  so  si  sehent  daz  gaischlich 
lüt  so  vil  arbaiten  mugent  und  geliden  an  dem  libe,  wie  si  daz  erenden  mugent;  30 
so  wissent  sü  niht  daz  Got  ze  aller  zit  in  ir  hertzen  brinnet  und  in  alle  ir  arbait 
hilfet  tragen,    'dar  nach  kam   er  zu  dem   berg  Oreb',  daz  sprichet  als  vil  als 
'ain  krfig'  oder  als  'ain  tisch',    daz  ist  als  vil  gesprochen:  zwah  din  hende  und 
gange  zu  dem  tische!    daz  ist  also  daz  ain  mentsch  sin  hertze  luter  und  rain 
mache  von  allen  Untugenden,    won  daz  ist  billich:  swer  zu  dem  tisch  sol  gan  85 
ünsers  herren  gnade,  daz  der  sin  herze  beraitet  mit  allem   flisse,   und  gang 
denn  dar  und  enphah  hymelschen  trost  und  vröde.  fl9^J 

Der  ander  berg  ist  ain  rain  hertz.    wan   als  der  berg  höh  ist  und  schöne 
und  all  unsuberkait  ab  dem  berge  in  daz  tal  flüsset,  also  beschihet  dem  rainen 

I  I  ■  ■      I    II  M ■       -  ■  ^  I  ^M  ■       I    ^  M  I 

2.  Der  lat.  Text  fehlt.         5.  hat  fehlt         17.  w^sti  u.  ff. 
2.  A.  77,  öi.         17  ff.  Exod.  3. 


vei7itkiiiig«. 


hertzen  daz  sich  erhöhet  hat  von  allen  annutzen  dingen  and  allen  sinen  sin  an 
Got  keret.  von  dem  schaidet  AUü  beswärde  nnd  kWä  nnta^end.  wan  swer  dik 
mit  sim  hertzen  änsrem  herren  haimlich  ist,  der  müss  all  Untugend  fliehen;  der 
aber  dik  in  sinem  hertzen  mit  Untugenden  und  unnützen  Worten  urab  gät,  dem 

5  geschiht  als  dem  tal,  in  daz  flüsset  mänig  unsÄld.  du  sunne  lühtet  öch  e  uff  den 
berg  denn  in  daz  tal.  also  geschiht  dem  tugenthaften  hertzen :  dem  lühtet  du 
ewig  sunne  linsers  herren  mit  sinen  gnaden  me  denn  dem  hertzen  daz  sich  be- 
kümbert  mit  unnützen  dingen,  dar  umbe  sol  ain  tagenthafter  mentsche  allen 
den  kumber  den  es  uff  ertrich  umb  dekain  ding  haben  solte,   unserm  herren  be- 

»  velhen  nnd  sol  alle  sin  sorg  an  Got  legen  und  lan;  won  unser  herre  fl9'/  wil 
alle  unser  arbait  mit  uns  tragen  nnd  wil  des  rainuen  mentschen  geselle  sin  in 
allen  sinen  arbaiten.  und  spricht  öch  herr  David;  'unser  herre  wil  mit  dem 
mentschen  sin  in  allen  sinen  arbait«n*.  und  sprichet  sant  Bernhart:  'herre,  Sit 
daz  du  mit  mir  sin  wilt  in  alten  minen  arbaiten  nnd  beswärden,   so  hilf  mir 

s  daz  mir  laides  und  arbait  niemer  gebreste  durch  daz  daz  du  mit  mir  sigesf. 

Der  drit  berg  ist  ünsei-s  herren  marter.  ufi'e  den  berg  kan  nieman  mit  sinen 
gedenken  komen  won  der  ain  raines  hertze  hat.  ufi"  disem  berg  sint  zwen  brunnea 
entsprungen,  anser  herre  göss  usser  sinem  hertzen  wasser  und  blut:  wasser  dar 
nmbe  daz  er  erögti  daz  sin  blüt  dester  völliger  wurde,  und  öcb  dar  umbe  daz  er 

K  erögti  daz  sin  blüt  und  sin  marter  als  unwerd  ist  als  daz  wasser.  won  als  daz 
wasser  waschet  und  man  öch  dar  uf  trittet,  also  wenig  ahtet  man  öch  ietz  uff 
nnsei-s  herren  marter.  sin  /19'/  bliit  göss  er  öch  dar  umbe  daz  er  die  seien 
klaidete.  edel  herren  spulgent  ir  vrowen  ze  klaidenn,  so  si  öch  klaident  sich 
selber,    also    hat   öch   unser   herre  getan:   der  hat  die  sei  geklaidet  mit  sinem 

S  sch&nnen  rosvarwem  blute,  sid  daz  nn  unser  herre  sin  hertze  uf  hat  getan,  so  ist 
es  och  billich  daz  wir  öch  unser  hertze  gegen  im  uf  tiigeut,  und  daz  gedenken 
daz  unser  herre  alles  sin  blut  us  göss  durch  unser  liebi.  so  ist  öc)i  billich  daz 
wir  unser  träbenn  durch  sinen  willen  giessent. 

f9J  Ton  der  armut  änsers  herren  Jhesu  Christi. 

9  [Betiovamini  spiritu   msntis   vestrae   et   induite  novum   hominem   etc.J 

Sant  Paulus  sprichet  in  ainer  epistel:  'wir  sont  wider  nüw  werden  an  das 
gaiste  und  sout  ain  nüwen  mentschen  an  uns  nemen'. 

An  disen   Worten    sont   wir    dri'i    ding    merken,     daz    erste    daz    wir    nfi.W 
warent;   daz  ander  daz  wir  alt  sint  worden  von  den  Sünden;  daz  dritte  wie  ^ 
5  wider  nüw  sont  werden. 

Von  dem  ersten  wie  wir  /30°J  nüw  warent,  des  git  der  priester  urküm 
dem  kinde  in  dem  tofe,  so  er  im  den  wester  hat  uf  leit.     won  so  spricht  ee-M 
'nim  hin  dis  klaid  wiss  und  behüt  es  also  als  du  es   ünserm  berren   an  deoii 


12.  F».  123,  8;  88,  22  im  ÄntcMu/l  an  Par.  18,  6.  30.  Der  lal.  Tat  fehlt,  &  gteht  Ephm  1 
4,  23.  SS.  So  noch  heuU  im  Ritwtle  bei  der  Spendung  der  M.  Taufe:  'accipe  vcstom  candidain,  1 
quam  immsculatain  perferas  ante  tribimal  douiiii  nostri  Jesu  Chried,  nt  habeas  vitam  aeternam'.'l 


.  Von  der  armüt  üo^ers  herren  Jbeau  Cbristi. 


27 


len  tag  antworten  wellist',  dis  hat  er  uit  gesprochen  von  dem  wissen 
klaide  daz  er  im  da  an  leit,  er  spricht  es  von  dem  klaide  der  tugend  daz  du 
sele  da  enphahet  in  dem  töfe. 

Daz  ander  ist  daz  wir  alt  sint  worden  von  den  sunden.    drier  band  gedenk 
sint   da  von   wir   alt  sint   worden,     so  der   mentsch    bös  gedenk    hat   und  iü  5 
beschaidenhait  da  bi  uit  enist,  so  sint  si  tAglich  sünde.   die  ander  gedenk  sint  so 
der  mentsche  boschlich  und  übellich  gedenket  unbeschaidenklicb ,   und   denn   du 
beschaidenhait  dar  zu  kumet   und   den   gedank    an  sibt,    und    lät    si    denn  den 
gedank  beliben  und  ist  im  denne  wol  da  mit:   die  gedenk  werdent  schiere  fSO'J 
höbet  sände.    der  drit  gedank  ist  so  der  mentsch  mit  bösen  gedenken  umbe  gät  lO 
lange,  und  denn  du  beschaidenhait  daz  au  siht  daz  der  gedank  übel  ist,    und  si        i 
in  denn    da    lät    beliben,    und    denn    der    wille   dar   zu   kumet,    und    denn    dii 
beschaidenhait  und  der  wille  den  gedank  an  sehent  daz  er  übel  ist,  und  doch 
dem  mentschen  wol  ist  mit  den  gedenken  und  es  gerne  die  gedenke  volbräht  mit 
den  werchen,  ob  es  möhte:  so  ist  der  gedank  höbet  sünde.    won  also  spricht  sant  is 
Paulus  daz  wir  also  alt  sint  worden  von  den  Sünden. 

Nu  sont  wir  wider  nüwe  werden  an  dem  gaiste  mit  der  beschaidenhait,  als 
wir  öch  alt  sint  worden;  wan  du  beschaidenhait  hat  daz  klaid  von  der  nature 
daz  si  erkennet  übel  und  gilt,  nu  mAhti  man  sprechen  daz  der  beschaidenhait 
vil  wäre  in  der  weit  die  wol  erkantent  übel  und  gut.  der  beschaidenhait  main  20 
ich  nit.  ich  sprich  von  der  beschaidenhait  du  da  erkennet  waz  gut  ist  und  daz 
besser  ist  f^O'J  und  daz  aller  best  ist,  daz  ist  unser  herre.  sit  daz  unser  herre 
der  beschaidenhait  daz  lieht  wider  hat  gegeben  daz  si  verlorn  hatte,  so  sont 
wir  aber  nüw  werden  mit  dem  willen,  als  wir  alt  sint  worden ;  won  des 
mentschen  wUle  ist  der  obrost  priol  in  der  sele.  wan  swenn  der  mentsche  s 
den  Sünden  volget  mit  dem  willen,  so  ist  si  vil  bi  alz  si  geschehen  si.  sit 
wir  nu  mit  willen  die  sund  hant  getane  nnd  mit  willen  alt  worden  sint  von 
den  Sünden,  so  sont  wir  öch  wider  nüw  werden  mit  dem  willen,  won  sant 
Paulus  spricht  ain  trostlich  wort,  daz  du  selioss  der  gedenke  der  sele  nit 
mugent  geschaden  alle  die  wU  untz  si  im  lait  sint  und  es  den  gedenken  mit  90  '. 
Bisse  widerstat.  so  wirt  dem  mentschen  sin  kröne  vor  Got  gehöhert,  und  wirt 
sin  lön  dester  grösser,  und  der  tüvel  wirt  da  von  geschendet.  wan  swenn  er 
dem  mentschen  daz  schoss  der  übten  gedenke  zii  dem  hertzen  sehüsset  dar 
unb  /207  daz  er  den  mentschen  ierre  und  daz  er  im  sin  tugend  verliere, 
nnd  denn  sich  der  mentsche  bessret  und  sin  tugent  gemeret  und  bestätet  wirt,  36 
des  muss  er  sich  denn  schameu.  wan  swenn  der  mentsch  den  willen  hat:  e  daz 
er  die  sünde  täte  die  in  von  Got  schaiden  mohte,  daz  er  e  wolt  liden  den  töd, 
so  ist  denn  dem  willen  sin  kraft  und  sin  sterki  wider  worden,  die  er  verlorn 


1.  antwrten.  9 

«B.  13.  der  =  'e 

e.  S7.  er  feUL 


jnt  am  nnleren  Rande  nathgetragai. 

;  Panzer  möchte  beschaidenhait  »treiehen. 


wir  am  Bande  nadtge- 
34.  vnb  am  Ende  der 


29.  freita  Zitat  aia  Epha.  6, 15 /f. 


28  9.  Von  der  annflt  ünsers  herren  Jhesu  ChristL 

hatt  mit  sinen  Sünden,    alsuss  sint  wir  nüw  worden  mit  der  beschaidenhait  nnd 
mit  dem  willen,  mit  dem  wir  alt  warent  worden. 

Nu  sprichst  sant  Paulus  daz  wir  ain  nüwen  mentschen  an  uns  sont  nemen, 
daz  ist  unser  herre  Jesus  Christus,  sprichest  du  nu,  herre  sant  Paule ,  daz 
5  unser  herre  si  ain  klaid  der  sele?  ja,  er  ist  daz  aller  schönste  klait  der  sele 
daz  ie  wart;  wan  swenn  der  mentsch  gedenket  nach  ünsers  herren  tngenden  und 
sich  dar  nah  [21"]  bildet  so  vil  es  mag,  nnd  alle  sin  sinne  dar  an  leit  wie  es 
sin  leben  nach  im  rihte,  so  ist  unser  herre  der  sele  klaid  worden:  an  ünsers 
herren  willen,  an  sim  leben  und  an  sinen  tugenden  ist  der  sei  gezierde.  der 
10  alle  die  schrift  liset  du  ie  geschriben  wart,  so  vindet  man  nit  daz  ie  nnmilter 
lüt  wurdent  denn  die  mit  ünserm  herren  unb  giengent^  oder  daz  ie  kein  mentsch 
so  groz  arbait  erlitte  so  Got.  alsus  sont  wir  wider  nüw  werden  mit  ünserm 
willen  und  sont  ain  nüwen  mentschen  an  uns  nemen,  daz  ist  unser  herre. 

[lO.J  Yon  dem  frön  lichamen  dnsers  herren. 

15  [Ego  sum  panis  vivtcs,  qui  de  coeh  deseendij 

Unser  herr  sprichet  in  dem  ewangelio:    'ich  bin  daz  lebend  brot  daz   da 
kam  von  hymelrich  uff  ertrich*. 

Daz   waissin  kom  dar  us  daz  brot  gemachet  wart,  daz  kam  von  hymel- 
riche,  von  der  guldinen  schüre,   und  wart  gesäget  uf  daz  gesegnet  ertrich  in 

20  den  f2PJ  rainen  lip  miner  vrowen  sant  Marien,  daz  waz  getunget  mit  dur- 
n&htiger  demüt;  wan  si  waz  der  aller  demütigest  mentsch  der  ie  geboren  wart 
an  ünsem  herren.  won  swa  man  von  tugenden  redet,  da  ist  Got  ain  Ursprung 
und  ain  übergülde  aller  tugent;  und  dar  umb  sol  man  Got  zu  kainen  haiigen 
Zellen,  wan  sin  tugend  sint  reht  als  daz  mer  wider  ain  trophen.    unser  vrowe 

25  waz  volkomen  an  durnähtiger  demüt.  und  als  der  mist  verworfen  ist  für  411ü 
ding,  also  waz  ünsrü  vrow  verworfen  und  versmäht  für  alle  lüte.  und  won  si 
mit  ir  demütkait  der  nidrost  mentsche  waz,  da  von  so  wart  si  erhöhet  über  alle 
mentschen.  man  liset  daz  von  ir  daz  si  sich  alwegent  namte  ain  dirne  ünsers 
herren:   zu  ainer  müter  nam  si  da  von  unser  herre;  und  iemer  also  vil  si  sich 

so  nidert,  also  vil  erhöhte  si  unser  herre.  si  wart  och  geeret  mit  dümähtiger 
künschkait,  wan  es  wart  nie  mentsche  fSl'^J  ane  Got  daz  ie  so  volkomen  künschi 
hetti  als  si.  si  waz  rain  an  lib  und  an  hertzen,  und  hatte  die  tugende  der 
künschi  volkomenlicher  denn  ie  kain  mentsche.  man  liset  wol  von  m&ngem  haiigen 
der  künsche  waz  und  ain  luter  magt,  und  waz  doch  sin  hertze  nit  volkomen  an 

35  gedenken,  aber  unser  vrowe  waz  volkomen  an  Übe  und  an  hertzen.  alsus  waz 
dis  ertrich  gebuwen  mit  tugenden.  der  wäri  an  tumber  man  der  sinen  samen 
wurfi  uff  ain  ungebuwen  ertrich,  uff  stain  oder  uff  dorn;    also  ist  etlicher  lüte 

3.  sprichet  fehlt  15.  Der  lat  Text  fehlt  21.  demvtig.  23.  kaine  aufmlösen 

kaincm?        30.  dürn&htig^  mit  ü'2kichen.         32.  der  fehlt         36.  an  so, 

14.  Das  Stück  gedruckt  bei  Wackemagel  8.  85.         15.  Joan.  41,  51.         28.  Zuc  i,  88. 


10.  Von  dem  frön  lichamen  ünsers  herreD.  29 

hertze  als  herte  und  als  hohvertig:  swaz  gutes  uff  ir  hertze  geworfen  wirt,  daz 
daz  nit  fruhtbar  werden  mag.  aber  dis  ertrich  waz  gebuwen  wol  mit  allen 
tugenden  und  brähte  die  ewigen  fruht,  ünsern  herren. 

Nu  müssent  aim  jeglichen  körn  sechs  ding  e  geschehen  e  es  zu  brot  werde, 
daz  erst  daz  man  es  snidet;   daz  ander  daz   man  es  bindet;  daz  [21"^]  dritte  5 
daz  man  es  dröschet;  das  vierd  daz  man  es  melt;  daz  fünfte  daz  man  es  knit- 
tet;  daz  sehste  daz  man  es  bachet.    du  sehs  ding  beschahent  ünserm  herren. 

Z&  dem  ersten  wart  er  beschnitten  an  dem  ahtenden  tag;  won  do  wolt  er 
sin  blüt  durch  den  mentschen  giessen.  und  spricht  ain  hailig:  ^swie  unser  herre 
dar  umb  uff  ertrich  kam  daz  er  die  alten  e  zerstörren  wolte,  do  wolt  er  doch  nit  lo 
lösen';  er  wolte  daz  strenge  leben  an  sich  nemen  und  also  erfüllen,  swie  er  sin 
doch  nit  bedorfte,  won  er  waz  gar  an  sünde.  und  daz  waz  gar  ain  grössü  minne 
daz  er  also  zitlich  und  in  sinen  kintlichen  tagen  arbait  und  not  fär  unser  sünde 
wolt  liden. 

Dar  nah  ze  dem  andern  mal  wart  er  gebunden  an  die  sul.  man  liset  daz  15 
du  gebende  «als  scharf  warent,  da  mit  er  ge/^^7bunden  wart:  swa  im  du  band 
hin  giengent,  daz  da  schnatte  wurdent,  und  daz  er  reht  wart  als  ob  er  ver- 
wundet wäre  mit  swerten.  won  mit  im  so  giengent  wol  die  unmiltesten  lüt  umbe 
die  ie  geboren  wurdent  won  sü  bundent  im  hend  und  fasse  ze  samen  und  strik- 
tent  im  ain  sail  umb  die  kelen,  daz  er  kum  den  atem  hatt,  und  bundent  in  reht  20 
als  ob  er  aller  dieb  maister  wäre,  dis  waz  ain  zaichen  grosser  minne  daz  er 
Got,  himelriches  und  ertrichs  gewaltig,  daz  der  durch  uns  vil  armen  aller 
siner  lider  ungewaltig  waz  und  wolt  werden,  und  daz  er  sinen  minneklichen  Übe 
wolt  lassen  binden  dar  umbe  daz  er  uns  losti  von  den  Sünden. 

Zfi  dem  dritten  mal  wart  er  an  der  sul  gedröschen  mit  mängem  bitterlichen  25 
schlag,    und  sprichet  sant  Anshelm  daz  der  minneklich  lip  der  e  waz  wiss,  wart 
als  [22^]  ob  er  miselsühtig  wäre,    swa  die  knöphe  der  gaislen  hin  giengent,  da 
zuktent  sü  im  daz  flaisch  von  dem  ruggen,  und  wate  im  daz  blüt  nach  der  gaislen, 
daz  sin  minneklicher  lip  gar  mit  blät  begossen  wart,    da  aber  du  gaisel  hin 
kam  und  im  nit  die  hut  brach,   da  wart  er  gel  und  och  etswa  wart  er  reht  tot  so 
blutig  und  waz  etswa  swartz  und  reht  rot  von  blut.  alsus  jämerlich  und  angslich 
wart  unser  herre  gehandelt,    in  dem  do  unser  herre  alsus  jämerlich  an  der  sul 
gebunden  waz  und  si  ietz  uff  in  schlügent,   da  kam  unser  vrowe.    und  do  si  hin 
zä  im  kam,  do  waz  sin  minnekliches  antlüt  also  zerbluwen  und  zerknistet  daz  si 
sin  nit  erkante.  owe,  den  si  me  denn  tusent  mal  gutlich  an  sinen  mund  geküsset  S5 
hatte,  der  ist  also  jämerlich  getan  daz  si  sin  nit  erkande  noch  erkennen  künde! 
den  si  dik  gütlich  an  ir  hertze  und  an  ir  brüst  gedruket  hatte,  den  vand  si  [22^] 
under   den  unmiltosten  lüten  die  ie  wurdent!     do  si   in  lang  an  gesach,  do 
sprach  si  z&  im:  'owe,  bist  du  ez  rainer  Jhesus?"    und  do  si  in  in  so  grosser 
not  sach,  do  wart  ir  von  inneklichem  laid  also  we  daz  si  lag  an  sprechen  und  io 
an  sehen. 

22.  gewaltig  wz.         24.  er  fehlt         25.  bitterUche.         35.  sin  fehlt.         39.  ez  fehlt 


80 


.  Von  dem  rn'in  lichamen  ü 


^^^F  Zä  dem  vierden  mal  do  wart  er  gemalen  entzwischent  zwain  müIstaiD,  daz 

^^H  waa  Pylatus  und  Herodes,  die  zwen  rjhter;  wan  si  warent  übel  mit  enander,  und 
^^H  wülte  sich  Pylatu3  sünen  mit  Herodes  und  sante  im  ünsern  herren,  wan  in  hatte 
^^H  lang  gelüstet  in  ze  selienn.  und  do  er  do  zii  im  kam,  do  batt  er  in  daz  er  vor 
^^M  6  im  zaichen  täti.  do  wiste  unser  herre  wol  daz  er  siner  zaichen  nit  wirdig  wÄr 
^^H  an  zesebenn,  und  weit  kain  zaichen  vor  im  tun.  do  sprach  er:  'waz  göches  hat 
^^H  er  mir  gesantl'  und  hiess  im  ain  wisses  hemde  an  legen  in  Spottes  wise  und 
^^H  sprach:  'man  seit  mir  vil  von  disem,  wie  wis  er  wäre  und  waz  er  knude,  nu 
^^r  sih  ich  {38^  wol  daz  er  ain  göch  ist",  und  sante  in  aber  wider  zu  Pylato.  und 
P  10  do  in  der  nalit  wart,  do  kam  der  tüfel  zu  siner  vrowen  und  Seite  daz  der  man 

I  den  Pylatus  hetti  gevangen,  unschuldig  wäre,  und  sante  si  des  morgens  zn  im 

^^^  und  liiess  in  bitten  daz  er  ünserm  herreu  nit  entäte.  do  hetti  er  in  gerne  ge- 
^^L  lassen  und  hiesse  in  sine  knehte  schlahen  vit  öbele  und  beralch  in  do  den  jaden, 
^^H  do  si  im  nit  volgen  woltent  daz  su  in  gelassen  hettint.  alsus  wart  er  gemalen 
^^H  15  mit  mängeu  hertan  werten  und  stAssen. 

^^H  Zu  dem  fünften  mal  wart  er  geknetten  mit  den  spaicbeln  der  nnrainen  Juden. 

^^H  und  leitent  ime  ainen  roten  pheller  an  und  satzteut  im  ain  kröne  üf  mit  dornen 
^™^  und  gabent  im  ain  ror  in  sin  band  für  aines  künges  zepter  und  knuwotent  für 
r  in  und  spuwent  in  an  und  grtttztent  in  in  Spottes  wis  und  sprachent/äS"/'  'üot 

I  50  halte  üch,  her  Juden  kung!'    si  namptent  den  der  Juden  künig  des  kneht  si  nit 

^^  woltent  sin,  und  zuktent  im  daz  ror  uss  der  haut  und  schlügent  im  uff  daz  hopt 
^^B  und  uff  die  krön  als  übel  daz  im  die  dorne  mder  grisgetent  an  dem  höbet  und 
^^H  daz  sin  minnekliches  antlüt  mit  blute  gar  begossen  waz;  und  nament  do  ain  tuch 
^^  und  hiengent  im  es  für  sinü  ougen  und  schlügent  in  uff  sin  nak  und  sprachent: 
r  55  'nu  rät,  wer  hat  dich  geschlagen?'  und  sprachent  mänig  smäch  wort  zu  im:   daz 

L  laid  er  alles  tugentlicb.    da  von  spricht  sant  Anshelm   daz  in  sin  höbet  tuaent 

^^H  scharpher  wunden  giengent.  owe,  dis  laid  er  alles  durch  uns  vil  armen  ane  alle 
^^B  schulde!  nnd  spricht  öch  sant  Anshelm:  'berre,  du  hattest  nie  verschuldet  daz 
^^M  du  so  gröz  arbait  liden  soltest,  aber  ich  bin  du  schulde  diner  arbait.'  in  aller  der 
^^H  80  not  und  aller  der  marter  so  unser  berr  lait,  so  vin/357det  man  nit  geschriben 
^^m  daz  er  ie  ungednltig  wort  gespi'äche  oder  ungedultig  antlüt  erogti,  swie  im  doch 
^^V        du  arbait  wirs  tet  denn  ie  kaim  mentschen. 

^^  Zu  dem  sehsteu  male  wart  er  gebaclien  an  dem  crfttze,  do  in  die  Übeln  Juden 

vil  ungütlich   an  daz  crütze  nageltent    do  schlügent  si  im  ain  nagel  durch  ain 

ISS  band,  nu  gedenkent  wie  we  aim  swären  manne  daz  täti,  der  aller  sament  hiengi 
an  ainer  band,  als  er  tet;  won  er  bieng  öch  aller  an  ainer  haut  da  ain  nagel 
durch  geschlagen  wart  und  im  die  hant  ietwederbalb  hin  zarte,  und  hieng  ent- 
zwHscbent  zwain  dieben,  als  ob  er  aller  dieb  ain  maister  wäre,  man  spulget  gros- 
sen herren  brot  ze  bachenn  in  zwivaltigem  füre:  also  wart  unser  herre  öch  ge- 
*0  bachen  an  dem  crütze  in  zwivaltiger  not,  und  mit  den  angsten  daz  er  wol  wiste 


29.  bin  fehlt. 


':  eotzwachet. 


3.  Lue.  23,  8  ff.  19.  Joan.l9,S;  Matt.  37,  37  ff. ;  Imc.  33,  63  ff. 


1 


10.  Von  dem  frÖn  üchaoien  iliiHere  herreu- 


81 


daz  sin  not  und  sin  arbait  an  mängem  mentschen  so  unnutz  waz,  und  öcta  {23'} 
mit  dem  jamer  so  er  an  siner  muter  sach.  und  spricliet  sant  Bernhart:  'herre, 
dir  tet  din  not  und  din  arbait  vil  inneklicbeii  we,  aber  daz  lait  und  daz  jamer 
daz  du  din  muter  säht  ban,  daz  tet  dir  an  dinem  herzen  vil  wirs,  won  öch  ir 
herze  betrübet  waz.  won  swa  aiu  müter  wäre  du  ir  kint  vor  ir  ögen  sähe  so  5 
jämerlichen  töteu,  daz  müsti  ir  we  tun  an  irem  herzen,  es  wart  aber  nie  müter 
du  ie  ir  kiut  so  sere  minneti  so  unser  liebu  vrowe  ir  liebes  kint  miunet  in  ir 
herzen  von  gütlicher  minne,  me  denn  ie  sei  oder  herze,  o  aller  miltostu  müter, 
sag  uns  wie  dinem  herzen  wäre  in  der  stunde  do  du  din  herz  blfit  vor  dinen 
ögen  saht  hangen  als  reht  jämerliche!  daz  geglht  innekliches  laides  da^  durch  lo 
gieng  ir  herze  und  iren  lib.  si  mohte  wol  sprechen  mit  dem  wissagen:  'min 
hertz  ist  betrübet  und  du  kraft  mines  libes  hat  mich  verlassen,  wan  daz  lieht 
miner  ogen  ist  von  mir  geschaiden'.  sant  [33*]  Augustinus  sprichet  daz  si  ain 
gegiht  an  gie  von  hertzlaid,  daz  ir  äUü  irü  lider  erkrachetent.  do  unser  heiTe 
von  ir  schaiden  wolle,  do  bevalch  er  si  sant  Johansen;  reht  als  er  spräche:  15 
'mfiter.  ich  mag  nit  me  din  kint  gesin,  nu  wil  ich  Jobannesen  dir  ze  ainem 
kind  geben',  und  sprach;  'muter,  sich  wa  din  kint  stat',  und  sprach  zu  sant  Jo- 
hansen: 'sich  wa  din  müter  stät'.  owe,  wie  inneklichen  we  dir  daz  schaiden  tet! 
Älsuss  wart  dis  lebend  brot  gemachet  mit  mAngen  arbaiten,  won  der  als 
daz  leben  iinsers  herren  dur  gät,  so  vindet  man  nit  daz  er  ie  guten  tag  ge-  20 
wnnne  von  sinen  kintlichen  tagen  untz  an  daz  crütz,  daz  laid  er  alles  durch 
uns  vil  armen  dar  umbe  daz  er  unser  sele  spis  wolte  sin  und  daz  unser  sele  mit 
dem  lebenden  brot  gespiset  wurde,  als  unser  herre  zu  sant  Augustinus  sprach: 
'isse  mich  also  daz  ich  nit  werde  in  dich  verwandelt,  du  solt  in  mich  verwandelt 
f24'}  weMen'.  daz  ist  also  daz  wir  von  ünsrem  herren,  dem  lebenden  brüte,  is 
gesterket  werdent  an  tugenden:  won  swer  ünsern  herren  mit  rehtem  globen 
enphahet  zu  dem  altar  von  dem  priester,  dem  werdent  sin  tugend  genieret  und 
gesterket.  sit  daz  nu  unser  herre  so  mänig  arbait  nnd  not  dar  umb  liden  wolte 
daz  er  unser  sele  spis  nnd  trüst  wir,  so  ist  öch  daz  billich  daz  wir  unserm 
beiTen  unser  sei  mit  allem  flisse  gegen  siner  gnad  beraitent  durch  daz  daz  wir  ao 
siner  erbarmd  wirdig  werdent. 


»lil.]  Ton  der  sei  haftnng  in  Oot 
/Adhaßsit  anima  mea  post  te.  me  suseepit  dexlera  tua. 

Her  David  sprichet:  'herre,  haftet  min  sele  an  dir,  so  um  vahet  mich  din 
zeswe'.    daz  ist  über  all  die  schrift  reht:   swenne  wir  tünt  daz  wb'  tun  sout  35 
ünserm  herren,  daz  er  den  niemer  verlät,  er  tüge  öch  daz  er  tun  solle,    swenn 
wir  dekainen  gebresten  hänt  an  tugenden,  daz  belibet  niemer  an  ünserm  herren, 
won  alweg  an  uns.    und   kumt  daz   da  von  daz  wir  ünsern  herren  [24']  nit 


32 


11.  Von  der  sei  baftang  in  üoL 


als  stäteklichen  minnent  als  -wir  solteut.    nu  sont  wir  mit  drier  band  minne  zä 
nnserm  herren  gebunden  sin.    dii  erst  ist  stark»  minne:    du  gelichet  sich  am 
sidin  saile;   dii  ander  ist  sfissu   minne;   du   gelichet  sich   aim  geblümten   saile; 
dfi  drit  ist  ain  volkomnü  minne:  dti  gelichet  sich  aim  guldiu  saile. 
.s  Durch  zwaier  ding  willen  gelichet  sich  du  stark  minne  aim  sidin  saile.    daz 

ain  ist  daz  si  starke  ist;  daz  ander  daz  si  lind  ist.  also  sont  wir  stark  sin  an 
ünsers  herren  minne:  wan  als  du  side  starker  ist  und  lenger  wert,  also  sint  die 
lüt  sterker  und  stAter  die  g&t  sint  nnd  die  stark  minne  haut,  denn  die  löt  die 
gfit  sint  und  die   minne  hant  und   aber  der  starken  minne  nit  enhant.     als  dii 

10  side  lind  ist,  also  sol  der  mentsch  lind  sin  mit  sinen  Worten  nnd  mit  sinen  ge- 
bürden,  und  sol  sich  flissen  daz  nieman  von  sinen  worten  und  von  sinen  gebärden 
betrübet  werdi.  nu  sprichet  her  Salomon  daz  daz  sali  stark  ist  daz  mit  drin 
/S-J  7  strängen  geraachet  ist.  also  ist  daz  sydin  saü  gemachet  mit  drin  strängen, 
der  erst  Strang  ist  daz  der  mentsch  stark   sol  sin  ze  allen  liplichen  arbaiten: 

15  vasten,  wachen,  gehorsam  sin,  künschelich,  zu  allen  den  arbaiten  so  ain  gaischlich 
mentsch  han  sol;  hat  es  sin  joch  an  dem  Hb  nit,  so  sol  er  es  doch  au  dem  willen 
han,  daz  es  gern  tAti  ob  es  muhti.  und  spricht  sant  Paulus:  'wer  mag  uns  ge- 
schaiden  vou  önsers  herren  minne  Jhesu  Christi?  weder  durst  noch  hunger,  noch 
frost  noch  swert,   noch  tod  noch  enkain  ding  mag  uns  ^eschaiden  von  Gotte'. 

30  alsus  stark  sout  wir  sin  an  ünsers  herren  minne  daz  etikain  arbait  du  uns  an 
gang,  so  gross  si  daz  si  uns  iemer  von  Got  geschaide.  wan  swer  ünsern  herren 
nit  minnet  in  sinen  arbaiten  und  so  im  ein  ding  übel  gät,  der  enwart  öch  sin 
getrüwer  fründ  nie  in  sinen  vröden  und  do  im  sin  ding  wol  gie.  man  spricht  ain 
Sprichwort,   daz  öch  war  ist,   daz  man  getrüwen  frünt  aller  124^}  best  kuset  in 

35  den  arbaiten.  der  etwenn  du  glich  tut  daz  er  din  frünt  si  vil  guter,  gät  den 
etwen  arbait  an,  so  tut  er  als  ob  er  nie  din  frünt  wurde,  und  daz  enist  nit 
früntlich.  in  der  aller  grflsten  arbait  sont  wir  die  aller  grÖsten  minne  ögen,  daz 
ist  früntlich.  der  ander  sträng  ist  des  herzen  arbait.  swenn  der  tüvel  dem 
mentschen  bekorung  git,  oder  in  betrübde  an  gat  von  der  weite,   oder  in  sin 

80  selbes  Untugend  an  vehtent,  so  sol  er  stark  sin  und  vast  striten,  won  in  sfiehent 
denn  sin  vigint.  daz  leret  ilns  Tsayas  daz  wir  unser  hertze  sont  uf  haben  ze 
Gotte  und  sont  uns  nit  her  wider  krümben  uff  daz  ertrich  durch  daz  daz  uns 
die  tüvel  nit  erstigen  mugent  weder  von  ze  vil  vorhte  noch  von  unrebter  trur- 
kait;  won  swenne  der  tüvel  den  mentschen  in  aine  unreht  vorht  oder  trurkait 

85  bringet,  da  mit  verlaitet  er  in.  da  von  bedurfent  wr  wol  daz  wir  unser  hertze 
uf  rihtent  zu  Got.  der  drit  sträng  ist  swenn  125°]  den  mentschen  daz  lieht  der 
fi'ansraiitkait  lühtet,  aintweder  das  zerganklich  lieht  oder  daz  lieht  ünsers 
herren  gnaden,  daz  denne  der  mentsch  sin  hertze  demüte;  won  als  dürft  es  dem 
mentschen  ist  daz  es  sin  hertz  uf  rihti  in  siner  vröde  zu  rehter  demütkait  dur 


2.  sich  fehlt.  8.  Am  gut  sint  fehlt. 

12.  Eecle.  4,  IS.  17,  Rom.  8,  35. 


31.  dem  Sinn  nach  Isai.  1  r 


11.  Von  der  sei  haftuDg  in  Got.  33 

daz  daz  er  nit  valle,  und  daz  erkenne  daz  er  die  gnade  von  Gotte  habe,  nnd 
dem  dank  sage,  mit  disem  sydin  saile  sont  die  lüt  zu  ünserm  herren  gebunden 
sin  die  die  starken  minne  haut. 

Daz  ander  sail  ist  geblümet,  daz  ist  gemachet  von  zwain  strängen,  der  ain 
Strang  ist  contemplieren.  daz  ist  also  daz  der  mentsche  sol  nach  Gotte  kriegend  5 
gedenken,  daz  ist  reht  contemplieren.  swer  dis  dik  tat,  daz  mag  kum  sin,  unser 
herre  geb  im  sin  gnade,  der  ander  sträng  ist  girde  nach  h^elscher  yröde 
und  haimlichi  mit  Got  es  sprichet  sant  Bemhart:  'mentsch,  wilt  du  haimlich 
mit  Grot  sin,  so  solt  du  gern  mit  dim  herzen  aine  sin,  daz  rät  ich  dir;  und  solt 
[25^]  ülü  ding  von  dinem  herzen  schaiden  untz  an  Got  allaine.  won  wistest  10 
du  wie  reht  nütze  das  ist  daz  der  mentsche  mit  sinem  hertzen  ain  ist,  daz  hat 
min  hertze,  spriht  er,  wol  befunden',  mit  disem  sail  sont  die  lüte  zfi  unserm 
herren  gebunden  sin  die  die  süssen  minne  haut. 

Daz  dritte  sail  ist  guldin,   daz  ist  von  drin  strängen  gemachet,    der  erst 
Strang  ist  daz   der  mentsch  sich  sol  keren  von  allen  zerganklichen  dingen,  und  15 
sol  sin  hertz  fri  machen  von  aller  üppiger  günliche  und  vröde  und  vor  losenhait 
und  sol  es  entlidgen  von  aller  unnützer  unm&sse.   der  ander  sträng  ist:  swaz  der 
mentsch  tut,  daz  er  daz  alles  tun  sol  in  ünsers  herren  minne  stäteklich;  won  ain 
hailig  spricht:  ^swer  State  ist  untz  an  daz  ende,  der  enphahet  die  kröne  der 
hy meischen  vröde,  du  da  iemer  stät  ist  an  ende\    der  drit  stränge  ist  daz  der  20 
mentsch  beschaiden  sol  sin  mit  allen  den  diensten  so  es  ünserm  herren  tat,  und 
an  der  minne  so  es  zu  sinem  neben  cristen  sol  han;   wan  /^57  der  mentsch  sol 
sich  also  ögen  gegen  ieglichem  mentschen,  er  si  weltlich  oder  gaischlich,  daz  er 
mit  sinem  gebet  und  mit  sinen  Worten  nah  im  ze  hymelrich  ziehi  als  vil  er  ver- 
mag,   es  sprichet  sant  Paulus:  'ich  han  mich  engegen  aim  ieglichem  mentschen  25 
also  gelüget  daz  ich  es  nach  mir  ze  h^melriche  ziehi'.    mit  dem  guldin  saile  so 
sont  die  lüte  zu  ünserm  herren  gebunden  sin  die  die  volkomnen  minne  haut 

Man  liset  von  dem  künig  Aswero:  do  er  sine  vrowen  haim  laiten  wolt,  do 
hiess  er  ain  gezelt  uf  schlahen  von  drin  sailen.  daz  erst  hiess  er  an  die  erd 
spannen;  daz  ander  hiess  er  hoher  spannen;  daz  drit  hiess  er  alder  höhest  span-  so 
neu.  daz  erst  sail  bezaichent  die  lüt  die  die  starken  minne  hant  und  noch  in 
dem  strite  sint  und  in  den  arbaiten.  daz  ander  bezaichent  die  lüte  die  die  süssen 
minne  hant,  daz  ist  daz  geblümet  sail.  nu  sint  zwai  ding  an  dem  blämen:  daz 
aine  daz  er  schön  ist;  daz  ander  daz  er  unwerhaft  ist;  so  er  [28^]  hüt  schön  ist, 
so  ist  er  mom  verdorben,  also  ist  du  süsse  minne  och  unstäte  als  daz  geblümte  35 
sail:  der  daz  rüret  mit  aim  vinger,  es  zerbrichet  zehant.  also  beschiht  den  lüten 
die  die  süssen  minne  hant:  der  die  rüret  mit  aim  worte,  so  ist  ir  süskait  und  ir 
vröde  erzuket;  won  inen  beschiht  als  den  armen  lüten  die  ain  grosser  herre 
etwenn  grützet  und  si  der  grüss  unverwänt  an  kumet,  so  enphahent  sü  in  et- 


15.  dingen  zweimal.  82.  and^  ist  bezaichent. 


19.  im  Anschluß  an  MaU.  10, 12;  24, 13.        25.  J.  Cor,  9,  22.      28.  im  Anschluß  an  Est  i,  6? 
Deutsche  Texte  des  Mittelalters.  X.  S 


34  lt.  Von  der  sei  haftnng  in  GoL 

wenne  ane  dank;  aber  dar  nach  gedeokent  si  wer  der  waz  der  si  da  ^uste 
ist  in  denn  der  grüsse  verzuket.  dis  ist  bezaichent  bi  den  löten  die  unser  herra 
grfitzet  mit  sinen  gnaden:  dii  vröde  wirt  inen  etwenn  enzuket.  daz  drit  smI,' 
daz  er  da  biesse  aller  li6best  uf  spannen,  daz  ist  bezaicbent  bi  dem  guldin  saü:l 
daz  h6ret  die  lüt«  an  die  die  Tolkomnen  minne  liant. 

Satomon  batte  gemachet  an  den  tempel  ain  umbhang  und  hatte  dar  nf 
machet  syül^G'JvAg  nagel  guldin  und  batte  dar  an  gebenket  guldin  ßpphel  an 
gnldin  kettenne.  dis  tet  er  durch  dri  sacbe:  du  erst  sacb:  daz  die  vogel  den 
tempel  nit  entraintent  und  daz  si  von  der  spitze  der  nagel  niht  dar  uf  sitzen 
mihtent;  dii  ander:  daz  es  schön  und  lustig  ist  an  ze  sehenne;  du  dritte:  so  der 
wind  wati,  daz  denn  die  öpphel  schone  klingletint.  daz  die  nagel  spitzig  warent, 
daz  die  vogel  nit  mohtent  dar  uf  sitzen  die  den  tempel  entrainet  beitint,  daz 
bezaichent  daz  wir  die  übelen  gedenk  niemer  sont  lan  gertiwen  uif  unsrem 
hertzen,  die  unser  sei  entrainent;  wan  als  schiere  so  der  übele  gedank  kumet, 
80  solt  du  im  widerstan  mit  tngentlichen  gedftnken  und  dem  tüfel  und  den  b6sen 
gedänken  enkain  rftwe  uff  dinem  hertzen  lan,  daz  er  schon  und  lustig  waz  an 
ze  sehen,  so  du  sunne  dar  an  schain,  daz  bezaichent:  so  der  mentsch  an  der 
erlühläS'^/let  wirt  von  den  gnaden  ünsers  herren,  so  so!  er  sich  druken  mit 
demütkait.  won  so  der  mentsch  ie  höher  an  lügenden  knniet,  so  er  sieb  selben 
ie  me  druken  sol.  aber  simlicli  lüte  went  dax  man  si  ere  mit  lügenden  und  es 
in  dester  bas  erbiet«,  man  sol  lugend  und  tugeutlichö  werke  haben  dar  umb 
daz  es  ünsrem  herren  kome  ze  lobe  und  den  eben  crist«n  ze  bessrung.  daz 
öppbel  klingeltent,  so  der  wind  dar  an  wate,  daz  bezaichent:  so  der  wind  der 
daltsami  uns  au  wäget  oder  der  gehorsami  wider  stät,  oder  süss  der  mentsch 
üblen  willen  hat,  so  sol  man  denn  erst  hören  wie  wol  erklinget  und  wie  gdtlich 
er  daz  enphahet  und  wie  minneklich  sin  antlüt  gestellet  si  gegen  der  gehorsami 
und  gegen  ander  arbait.  wan  etlich  lüte  wannend  daz  si  vil  tugentbaft  sigint 
etäwenn  und  vil  stark  zu  den  arbaiter,  nntz  daz  si  nieman  an  rüret  wider  iren 
willen,  man  vindet  vil  der  lüte  die  wol  gedultig  sint  so  f36'J  in  ieman  iht  tut; 
man  bindet  aber  der  lüte  wenig  die  äu  ir  schulde  arbait  und  not  von  den  löten 
vTiMich  und  gedultekllcb  lident. 

fi2./  Von  der  annut  nnsers  berren  Jhesa  Christi. 

[Propter  vos  Christus  egenus  factus  est,  cum  esset  dives.J 
Sant  Paulus  spricht:  "wir  sont   uns   fröwen  mit  ünserm  herren   an   sin« 
S5  armüt,   won   er  durch   unser   liebi   als  gar  arm   werden  wolle',    won  swa  i 
kneht  wäre  der  sinem   berren  als   lieb  wäre  daz  er  durch  sine  liebi   alle  ; 

Iherschaft    und  sin    rihtum   wolle    lassen    und    gar   arm   werden,    und    alle 
f^nd  liessi  und  gar  eilend  wurde,  des  müsti  sich  der  kneht  fröwen  daz  im  i 


so 


selfl^H 
dei^l 
'ben 
[  es 
imb  

m 


20.  almlich  —  flfimlieh. 


.  Der  latnniache  Text  fehlt. 


6.  TU.  Reg.  7. 17  ff.,  42. 


I.  IL  Cor.  8.  9. 


II.   Von  der  armät  ö 


i  Herren  Jliesu  Ciirieä. 


36 


fierre  so  gross  liebi  and  minne  ögtL  ze  glicher  wis  hat  ftnser  herre  getan: 
der  lie  durch  unser  liebi  alle  sin  herschaft  und  alle  sin  fründe  und  die  liber- 
mässigea  fröde  ze  hj'melriche  die  er  hatte,  und  kam  uff  ertrich  durch  ünsren 
willen  und  wart  gar  arm  und  eilend  durch  unser  liebi,  und  dar  umb  sol  unser 
fn'tde  sin  an  dem  crütze.  B 

Nu  wil  ich  üch  sagen  von  dem  {26"/  aller  ermsten  mentscheu  der  ie  wart 
wan  swa  ain  mentsch  wäre  des  libes  und  des  gutes  unfri  und  arm  wäre,  der 
Mess  wol  ain  arm  mentsch:  alsuss  reht  arm  waz  unser  herre  baidü  libes  und 
gutes  und  fründe.  wan  ällu  di'i  mentschen  du  im  ie  nach  volgeteut  und  im  dike 
gfitlich  tat«nt  und  nach  giengent  und  sinii  wort  und  sin  lere  gütlich  battent  ge-  i 
höret,  die  liessent  in  do  in  sinen  nöten  und  in  sinen  grossen  arbaiten.  und  och 
sin  junger,  die  dik  trost  von  sinen  worten  hattent  enphangen,  die  liessent  in  do, 
daz  er  aller  siner  frünt  halb  allaine  wart  stände  an  dem  crütz,  won  allain  sin 
werdü  mfiter  und  sant  .Tohans  ewangelist.  er  waz  öeh  gar  ann  an  dem  gute, 
der  Got  der  hymelriches  und  ertnches  gewaltig  ist,  der  wolt  als  arm  werden  an  15 
dem  gäte  das  er  weder  undersich  noch  in  sich  noch  an  sich  enhatte.  er  en- 
hatte  an  dem  cruze  nit  so  vil  daz  er  sin  höbet  genaigen  möhte.  fäT'J  'die  fiichse 
haut  ir  hol,  die  vogel  hant  ir  nest,  des  mentschen  kint  hat  nit  daz  er  sin  höbet 
genaigen  m6hte'.  er  waz  öch  als  arm  an  dem  crütze  daz  er  nit  hatte  daz  er 
getrunke,  do  in  sere  turst«.  do  gabent  im  die  üblen  Juden  essich  mit  gallen  ge-  w  I 
mischet  ze  trinkenn.  doch  enturste  in  nach  win  noch  nah  wasser,  in  durste 
nach  diner  sele  und  nach  der  minne  dines  herzen,  er  waz  öch  gar  arm  an 
sinem  übe,  won  er  waz  aller  siner  lid  nngewaltig  an  dem  crütz;  won  daz  blät 
daz  von  sinem  herzen  flöss,  daz  flöss  im  ober  sinü  ogen.  owe,  der  minneklich, 
der  der  enge!  spiegel  ist  in  hymelriche,  und  der  die  sunnen  und  den  mane  ge-  35  i 
schaffen  hat  und  mit  siner  schßni  entlühtet  hat,  daz  dem  daz  lieht  siner  ogen 
enzogen  wart  an  dem  crütze!  er  wolt  och  sines  mundes  ungewaltig  sin:  won 
swaz  in  die  Juden  an  gerüftent  und  zu  im  geaprächent  in  spottea  wis,  do  wolt 
er  in  nie  geantwürten,  {S7*J  er  wolt  och  von  dem  spot  liden  der  zu  siner 
wiinstren  hant  hieng  von  rehten  schulden;  won  er  wand  sin  höbet  unwirdeklich  w 
von  im,  do  er  horte  daz  der  ander,  der  zö  siner  zeswen  hieng,  der  batt  in  daz  er 
sin  gedÄhte,  so  er  in  sins  vatter  rieh  käme,  do  antwürt  im  der  ander  schahman 
vil  unmÄrlich  und  sprach:  'er  mag  im  selber  doch  nit  gehelfen,  waz  sol  er  dir 
denn  helfen?"  alsuss  ungewaltig  wolt  unser  herre  sines  mundes  sin  daz  er  disen 
Worten  nit  antwurt.  aber  in  allen  sinen  n6ten  antwnrt  er  dem  vil  gütlich  der  3 
in  batt  daz  er  sich  über  in  erbanneti,  und  sprach  zu  im:  'gwärlich,  du  solt  noch 
hut  mit  mir  sin  in  dem  paradj'se'.  er  waz  öch  siner  hende  ungewaltig,  wan  im 
giengent  zwen  scharph  nagel  der  durch,  owe,  es  wart  nie  mentsche  so  arm  an 
sinem  übe,  es  möhte  im  selber  etwas  gehelfen!    aber  unser  herre  der  waz  aller 


17.  Maü.  8,  SO;  Luc.  9,  5S.  83.  Luc.  S3,  39.  3ti.  Luc.  33,  43. 


7.  imfri  und  arm  wire]  und  fründe  am  ?  vgl.  Z.  9  und  S.  36  Z.  ö.  36  (Pamer). 

Itctjnde  hat  die  Handschrift  zur  Ain/ullung  der  Zeile  ein  rotes  f.  13.  Nach  Ctülz  steht  ■ 

&»  ein  f.  ebento  Z.  17.  SO.  vinstren. 


I.  Nadt 


36  12.  Von  der  armAt  unsere  herren  Jhesu  Christi. 

siner  lider  als  ungewaltig  daz  er  im  selber  ze  kainen  statten  komen  mohte.  sin 
marter  und  sin  ar/^77bait  waz  mänigvaltig  und  gröz  an  sinem  libe  and  an 
sinem  herzen,  sin  oren  hortent  mängu  bösü  wort,  und  durch  sin  hertze  gie 
mänig  lasterlich  wort,  daz  er  horte,    alsuss  arm  waz  unser  herre  libes  und  götes 

6  und  fründ  und  alles  des  ie  wart  uflF  ertrich. 

Er  hatte  och  mänig  angest  und  bitterkait  an  sinem  hertzen  do  er  gedahte 
an  den  jimerlichen  tod  den  er  liden  wolte,  won  er  sprach:  'min  sei  ist  betrübet 
untz  an  den  tode\  sin  angest  waz  also  gross  daz  er  von  rehter  angest  blAtigen 
swaiss  switzte,  do  er  gedahte  an  die  marter  die  er  da  liden  wolte.    er  hatt  och 

10  mänigvaltig  not  und  marter  an  sim  libe,  do  sin  vil  haiiger  lip  an  daz  crfttz  ge- 
nagelt wart  nu  merkent  wie  we  ainem  swären  manne  wäre,  do  im  ain  scharpher 
nagel  durch  sine  hende  geschlagen  wart  und  er  do  an  ainer  hant  sament  hiengl 
do  meretont  si  im  do  aber  sine  marter  und  nament  im  do  aber  die  andern  [27*] 
hant  und  schlügent  im  och  ainen  nagel  der  durch   und  zertantent  im  ällä  sinu 

15  lider  und  alle  sin  adren  und  schlügent  im  ainen  nagel  durch  beid  füsse.  nu 
merkent  wie  we  im  waz  und  müste  werden,  e  im  der  nagel  dur  den  undren  f&ss 
kämi  und  im  der  nagel  den  obren  fftss  ietwederhalp  hin  schlänget!  alsuss  wart 
unser  herre  an  dem  crüz  zertennet:  reht  als  da  man  ain  bermit  an  aine  ram 
spannet,  also  stünt  er  an  dem  crutze  gespannen,  und  waz  sin  hailig  lip  mit  blute 

20  gar  begossen,  und  sprichet  sant  Bemhart:  'owi,  herre  min,  wan  wir  ich  da 
gesin  da  du  als  gross  not  und  arbait  litte,  daz  ich  dir  mit  minen  sündigen  ogen 
und  tr&hennen  din  wunden  gewaschen  hettü'  er  hatte  och  grosse  not  und  jamer 
an  siner  lieben  müter,  wan  ir  laid  und  ir  jamer  gie  im  durch  sin  hailigen  sei. 
owe,  mentsch,  wie  mag  dir  iemer  armfit  oder  dekain  not  oder  arbait  libes  oder 

25  hertzen  swäre  sin,  swenne  [28'']  du  gedenkest  daz  din  schepher  durch  din  liebl 
als  reht  arm  waz  libes  und  gutes  und  fründ,  und  daz  er  als  grosse  arbait  an 
libe  und  an  hertzen  gehebt  hat  durch  daz  daz  er  dich  losti  von  allen  arbaiten! 

[13.]  Ton  der  sele  minne  ze  Got 

[Anima  mea  lique facta  est,  ut  heutig  est] 

80         'Min  sei  ist  gesmoltzen,  sit  der  liebe  mit  mir  rette'. 

Dis  ist  gesprochen  von  ainer  ieglicher  sele  du  getrüwe  ist.  doch  wart  nie 
sele  du  es  ie  mit  warhet  so  volleklich  möht  gesprechen  so  unser  vrowe;  wan 
ir  sele  und  ir  herze  wart  erfüllet  mit  übermässiger  vröde  an  der  stunde  do 
si  genemet  wart  ain  mfiter  Gk)ttes,   won  unser  herre  do  minneklich  zfi  ir'sele 

a5  retde  do  er  von  irem  mägtlichem  libe  mentsch  wolt  werden,  wie  ir  sele  und 
ir  hertze  von  vröden  und  von  süskait  smultze,  da  von  hant  ir  dike  vil  gehört, 
dis  selbe  wort  mag  och  ain  ieglichü  getrüwe  sele  wol  sprechen,  swenne  unser 
herre  [88"]  mit  siner  gnade  zu  ir  redet,     nu  sont  ir  merken  wie  unser  herre 

29.  Der  lateinische  Text  fehlt. 
7.  MaU.  26,  38.  11.  vgl  S.  30  Z.  35,  29.  Cant.  5,  6. 


18.  Von  der  sele  minne  ze  Got  37 

mit  der  sei  redet,  sin  wort  und  sin  red  daz  ist  nit  anders  won  sin  g^ade;  da 
mit  enüähtet  er  die  sele  und  machet  daz  hertze  linde  und  smeltzent.  reht  als 
das  wachs  von  der  haissen  sunnen  smeltzent  wirt  und  zerfliessent,  also  wirt  du 
sele  smeltzende  von  der  waren  sunnen,  ünserm  herren  Jhesu  Christo,  es  wart 
nie  hertz  so  herte,  ist  es  Grot  haimlich,  es  werde  linde,  nu  sont  ir  hören  wie  5 
unser  herre  mit  der  sele  redet,  er  spriht  dur  her  Moyses  munt:  'hörent,  ir 
h^el,  waz  ich  mit  üch  rede!  ertrich,  vernim  minü  wort!*  an  disen  weiten  git 
er  uns  ze  merkenn  wer  die  lüt  sint  mit  den  unser  herre  reden  wil. 

Da  gelichet  er  gaischlichen  lüten  den  hymel,   won  er  luter  ist  und  schöne 
und  hohe:   also  sol  des  tugenthaften  mentschen  hertz'  sin  luter  und  raine  und  lo 
sol  gezieret  sin  mit  tugenden  und  mit  tugentlichen  [28'']  gedenken,    der  hymel 
ist  och  hohe:  also  sol  des  tugenthaften  mentschen  hertz  erhöhet  sin  mit  tugenden 
und  erhaben  von  allem  kumber  und  unnützer  unmüsse   und  es  bi  ünserm  herren 
han  in  h^elriche,  da  sol  sin  wonung  sin.    alsuss  sprichet  sant  Paulus:  'unser 
Wandlung  sol  in  dem  hymel  sin  bi  ünserm  herren .    du  sunne  lühtet  och  an  dem  15 
hymel:   also  sol  och  du  wunneklich  sunne,   du  mit  ir  schonhait  hymelrich  und 
ertriche   erlühtet   hat,    der   grosse    Got,    ze    allen  ziten    in   des    tugenthaften 
mentschen   hertzen  lühten  und   schinnen  und  sol  sin  Spiegel  sin.    sin  götlichü 
tugent  sol  sin  sele  entlühten   und   ir  spiegel  sin.    alsuss  sont  wir  dem   himel 
gelich  sin  als  man  singet  an  dem  winnaht  tag:  'die  himel  fliessent  von  honge,  20 
von  vröden  und  von  süssekait'. 

So  sprichet  er  denne:  'ertrich,  höre  minü  wort!'  nu  sont  ir  merken  war 
unbe  gaischlich  lüte  dem  ertrich  sont  gelich  sin.  daz  ertrich  [28"^]  ist  ver- 
worfen und  versmähet  von  allem  dem  so  under  dem  hymel  ist:  also  sont  och 
gaischlich  lüt  verworfen  und  versmähet  sin  vor  allem  dem  so  uflF  ertrich  ist,  und  25 
sol  sich  flissen  demütkait  vor  den  lüten  und  vor  Gotte.  da  von  sprichet  sant 
Bemhart:  'der  reht  demütig  wil  sin,  der  sol  han  ain  demütig  herze  und  ver- 
smahen  alles  daz  uff  ertrich  ist  und  och  sich  selber,  und  sol  denn  nit  geren  daz 
daz  ieman  wisse;  und  swa  man  im  zartet,  dannan  sol  er  fliehen',  dis  sint  du 
rehten  zaichen  der  rehten  demüt.  man  trittet  uflF  daz  ertrich  und  versmahet  es  30 
mit  allen  dingen;  daz  lidet  es  alles  gedulteklich :  also  sol  der  sälig  mentsch  ge- 
dulteklich  und  demütklich  liden  alles  daz  in  an  gät  durch  ünsers  herren  minne. 
swie  aber  nu  es  doch  daz  verworfnest  ding  si  und  daz  versmähtost,  so  ist  es 
doch  daz  nützest;  won  wäre  es  nit  fruhtber,  so  möhte  nieman  genesen,  ze 
glicher  wis  sont  gaischlich  lüt  sin:  si  [29^]  sont  verworfen  sin  und  versmähet  35 
und  doch  fruhbar  und  nütze  sin,  wan  ir  gebet  und  ir  gut  bilde  sol  allen  lüten 
ze  tröste  komen;  won  si  sont  für  alle  lüt  bitten,  und  ir  gebet  sol  für  ünsem 
herren  gan,  als  6ch  der  wissag  spricht:  'herre,  min  gebet  sol  für  diu  antlüt  gan 
als  ainer  süsser  roch*. 

.     5.  werde  haimlich  linde.          10.  Nach  hohe  folgt  fälschlich:  du  sonne  lühtet  öch  an 
dem  hymel;  der  Schreiber  geriet  in  Zeile  15,         h^en.          18.  schinnen  sol  und.  24.  von] 

vor  ?  vgl.  Z.  25.      

6.  Deut  32, 1.  14.  Phü.  5,  20.         38.  Fs.  140,  2. 


13.  Von  der  »ele  n 


I 


Na  haut  ir  gehöret  wer  die  lüt  siut  mit  den  üser  herre  reden  wil,  wie  s6 
sich  gelichent  dent  bjmel  und  dem  ertrich;  nu  sont  ir  hören  waz  Got  mit  der 
sele  redet.  aIsQss  redet  unser  herre  mit  der  sele  in  der  minne  buch  und  spri- 
chet:  'tii  mir  üf,  min  swöster  und  min  frimdin  und  min  tube!'  sich  wie  guetlich 
6  der  demütig  Got  mit  diner  sele  reäef\  er  sprichet  du  sigest  sin  swÖster;  und  bist 
du  denn  sin  swöster,  so  ist  reht  daz  du  mit  dinem  brüder  Jhesu  Christo  ze 
rehtem  erbe  sitzest,  'nu  tu  mir  uf,  min  swöster,  und  1&  mich  geniessen  daz  ich 
von  hymelricb  uff  ertriche  kam  und  din  bilde  an  mich  nam  uff  die  rede  daz  du 
destfir  [39"]  bas  min  swöster  wärest  und  ich  din  bruder!    nu  tfi  mir  üf  hüte  mit 

10  diner  minne  din  herze  und  la  mich  ruwe  dar  inne  haul'  swenn  du  tugentliaft 
swöster  disü  wort  höret,  so  mfiss  din  sei  und  din  hertze  durch  not  von  götlicher 
minne  smelzen.  so  sprichet  er  fiirbas  mit  dir  und  sprichet:  'tu  mir  uf,  min 
fnindin!  wellest  du  vergessen  daz  ich  dich  han  gehaissen  min  swöster,  und  daz 
ich  mentsch  worden  bin  durch  dich,   so  la  gemessen  mich   daz  ich   früntschaft 

16  umb  dich  han  geköfet  mit  minem  tode,  und  daz  ich  dir  din  erbe  ze  hymelriche 
■wider  gewunnen  han;  daz  du  mit  den  sünden  verlorn  hattest,  daz  han  ich  dir 
erlöset  mit  minem  rosvarwem  blute,  tu  mir  uf,  min  früudin!  gedenk  daz  ich 
dir  dienet  uff  ertrich  drü  und  drissig  jar  mit  jamer  und  mit  mängen  üblen  tagen, 
daz  ich  guten  tag  uff  ertrich  nie  gewan  und  ze  jungst  den  bitren  tüd  durch  dich 

20  laid.  des  genügte  mich  noch  do  nit  do  ich  stunde  au  dem  crütze  und  töd  was, 
/S9'J  do  Hess  ich  min  hertze  uf  tun  durch  dine  minne  mit  aim  scharplien  sper. 
nu  tu  öch  höt  din  hertze  mit  diner  minne  üf  mir,  fründin  min!'  owe,  tugent- 
hafter  mentsch,  von  disen  so  minneklichen  werten  sol  wol  din  sele  smeltzen;  tu 
din   hertze  hüt  uf  engegen  dinem  fründe,  la  hütlnt  din  stime  süsseklich  in  sin 

!s  oren  schellen  und  antwiirte  dem  gütlich  der  dich  mit  so  grosser  flehe  bittet  dins 
hertzen!  so  redet  er  aber  denn  fürbaz  und  sprichet:  'tfl  mir  uf,  min  tube!'  höre 
wie  reht  gütlich  er  mit  dir  redet!  er  hat  dich  gehaissen  ain  turteltuben,  du 
turteltube  ist  rain  und  senfte  und  äu  gallen,  ir  spis  ist  vil  raine,  der  si  lebet,  si 
hat  öch  ii'  nest  in    der  kirchen,    si    begat  sich   nit    als   ander   vogel.    sAIiger 

30  ment«ch,  also  solt  du  der  turteltuben  gelich  sin:  du  solt  ain  rain  hertze  bau  und 
solt  öch  senft  sin  an  dinen  worten  und  solt  nu  dinen  gebäi-den  an  gallen  sin, 
also  daz  du  wider  nieman  dehain  übel  tragen  solt  in  dim  hertzen;  du  solt  och 
din  sei  fftren  [20^]  mit  rainner  splse,  daz  sint  die  rainen  gedAnke  und  die 
tugentlichen,  da  mit  du  din  sele  spisen  solt;  du  solt  öch  din  nest  und  din  wonung 

S5  bi  ünserm  herren  han  in  sinen  rainen  wunden,  und  solt  dich  behüten  vor  dem 
tüvel,  der  din  ze  allen  ziien  varet.  alsus  solt  du  der  tuben  geliebe  sin,  so  mag 
unser  herre  von  reht  .'tprechen:  'min  tube'.  'nu  tu  mir  uf  min  tube!'  spricht  er 
aber  denne,  "wellest  du  vergessen  daz  ich  dich  genemet  han  mine  swöster  und 
min  fründin,  so  gedenke  daz  ich  dir  min  hailigen  gaist  saute  und  dich  tröst,  und 

1.  vs'  am  Ende  der  Zeile. 
Iiaftü  swiJBter,  diBÜ  woit  hörest^  t 
nachgetragen.  S6,  »iten  fehlt. 


5.  redet  feMI.         lü.  Ist  vielleicht  ru  legen:  wenn  du,  tagent- 
il.  S.  3ii  Z.  9.  Sb.  sinen  am  Mand  mit  Yerweisungateieheit 


4   Cant.  i,  2;  vgl.  8. 19  Z.  U  ff. 


1 


13.  VoD  der  & 


miiine  zc  Got 


la  mich  z&  diin  hertzen.    la  dich  erbarmen  daz  ich  von  aiDem  mentschen  zfi  dem 
anderu  gan,  von  herzen  ze  hertzen,  und  ich  der  lüte  wenig  vinde  die  sieh  über 
mich  erbarment   und  mir  ir  hertze  uf  tiigent!    wellest  du  nu  vergessen  daz  du 
min  sw/ister,  min  fründin  und  min  tube  sigest,  so  gedenk  dar  an  daz  ich  dii'  ze 
allen  ziten  nach  gän  und  dir  rufe,    und  tii  hüt  din  herz  [SO']  uf  gegen  miner  5 
minne,  la  mich  geniessen  daz  mir  bas  in  dinem  herzen  ist  denn  in  dem  hymel- 
riche  bi  den  engein,  und  daz  min  fröde  gi-össer  wirt  von  der  rainkait  diner  sele, 
von  der  luterkait  dines  herzen   denn  von  der  schonhait  des  hymelriches!'    nu 
höre,  tugenthaftü  sele,  wie  gütlich  unser  herre  mit  dir  redet,  und  erhöre  hüt  sine     ■■ 
bette  und  la  din  sele  von  disen  minneklichen   worten  smeltzen!    druke  hüt  daz  i» 
guldin  insigel  siner  götlichen  minne  in  din  sele,   la  den  guten  Got  nit  lange  vor 
dim  hertzen  stan,  la  dich  von  herzen  ruwen,  ob  du  dich  ie  gesumdest,   daz  du 
im  zebant  din  herze  nit  uf  tat,  und  sprich:  'gang  hüt  in  min  hertze,  lieber  herre 
min,  ich  wil  dir  hüt  uf  tftn  min  hertze,   din  wonang  und  din  rflw  sol  in  minem 
hertzen  sin!'    owe,  sele,  du  mäht  dich  wol  schämen  swenn  du  den  minneklichen  is 
Got  zu  dinem  herzen  geladest,    und  du  in  denne  mit  Untugenden  vertribest  und 
din  hertz  nach  siner  [3(yj  wirdekait  nit  beraitest,   daz  er  von  diner  Untugend 
von  dir  fliehen  müss.    ünsern  herren  vertribet  kain  ding  von  der  sele  won  du 
Sünde  und  Untugend:   da  von  solt  du,  tugenthafter  mentsch,  dins  hertzen  hftteu 
mit  aller  hut,  durh  daz  unser  herre  ze  allen  ziten  dar  inne  si.  5 

Waz  tut   unser  herre  denne  so  er  zu  dim  herzen  kunt?    er  tut  reht  als  da 
ain  frünt  von    sim  lieben  fründe  lange  war  gesin,   der  vil  liht  über  mar  oder 
gen  sant  Jacob  wäre  gevaren,    so  der  wider  kumet,  so  klegt  er  sinem  lieben 
frunde  alle  die  arbait  und  betrübde  die   im   in  dem  eilend  widervaren  ist:  ze 
glicher  wis  tut  unser  herre  siner  lieber  fründe  seien,    nu  höre,   tugenthaftü  sei,  ffi 
wie  er  dir  sin  arbait  klegt.    er  sprichet:  'o  sAlgü  sei,  la  dich  erbarmen  daz  der 
lüt  so  wenig  ist  die  sich  über  mlnen  tot  erbarment!'    es  wart  nie  mentsche  so 
arm,  gieng  es  in  ain  statt  von  hus  ze  hus,   etwer  erbarmet!  sich  über  in  und 
gäbe  im  ain  sttiki  brot«s;   aber  unser  herre  ßü']  gät  von  hertzen  ze  hertzen, 
von  mentschen  zu  mentschen,  und  vindet  der  lüte  wenig  die  sich  über  sinen  tot  30 
erbarmagent.    'owe,  säligü  sei,  la  dich  erbarmen  daz  min  tot  und  min  blät  als        , 
unwerd  ist  als  daz  wasser,  und  der  lüte  letz  vil  ist  uff  ertrich  die  uff  minen  tot        ' 
und  nff  min  blüt  also  wenig  ahtent  als  uff  daz   wasser,  und  erbarme  du  dich 
über    minen  tot  und  gib    mir  din  hertze    und  die  minne  dines  hertzen!'     owe, 
tugenthafter  mentsch,  höre  wie  gütlich  dich  der  minneklieh  Got  bittet  der  minne  »  ^ 
dines  herzen!    minne  den  der  dich  von  der  erbärmde  sins  götlichen  hertzen  nie 
geschiedl   und  spricht  sant  Augustinus:  'mentsch,  du  mäht  ane  minne  nit  sin;  nu 
minne  daz  ding  daz  du  mit  eren  geminnen  mugest!'    leist  du  din  minne  an  daz 
daz  zerganklich  ist,  so  daz  ding  denne  stirbet,  so  ist  öch  din  minne  tot.    nu  leg 
din  minne  an  den  guten  Got,  der  dich  so  gütlich  geminnet  hat.    erhörest  du  sine  «  | 
bette  nu  und  tust  du  im  din  hertze  uf  und  /507  haltest  dich  uff  ertrich  also 


In«« 


18.  Wortfolge  tn  der  Us.;  ding-  won  du  Sünde  roD  der 


40  I.H.  Von  der  sele  minne  ze  Got 

daz  du  mit  rehte  sin  swester  haissist,  so  solt  du  och  hymelrich  mit  im  besitzen, 
din  erbe,  daz  er  dir  geköfet  hat  mit  sim  minneklichen  blute. 

Nu  merke   waz  er  dir  vröden  ze  hymelrich  geben  wil  mit  im  selben  und 
mit  sinen  kinden,  die  ietz  daz  erbe  da  besessen  hant    nu  sint  fünf  ding  die  man 

5  spulget  den  brüdern  ze  tünde,  so  si  von  dem  wege  koment.  daz  erst:  daz  man 
sü  fiiret  in  den  kor  für  den  alter  und  git  in  den  segen  und  nimt  inen  ab  swas 
si  uff  dem  wege  verschuldet  hant;  daz  ander  ist  daz  si  die  brüder  gutlich 
grützent  und  küssent  an  iren  mund;  daz  dritte  ist  daz  man  si  füret  in  daz 
gasthus  rüwen;  daz  vierde  ist  daz  man  in  git  ze  trinkenne;  daz  fünfte  ist  daz 

10  man  in  git  zessen.  ze  glicher  wis  tut  unser  herre  der  sele.  so  si  von  dem  Übe 
schaidet,  so  git  ir  unser  herre  den  segen  und  nimt  ir  abe  swa  mit  si  sich  uff 
dem  wege  und  in  dem  eilende  verschuldet  hat,  und  git  [31"]  ir  gantz  ftihait,  daz 
si  niemer  me  getün  sol  dekain  ding  daz  si  von  Got  geschaiden  muge.  da  ge- 
winnest du  niemer  me  dehainen  strit  mit  dinem  hertzen  noch  mit  dim  libe;   da 

15  Wirt  din  sele,  din  hertz,  din  lip  gerainnet  von  allen  Sünden  und  von  allen  Un- 
tugenden, dar  nach  grützet  er  si  minneklicher  denn  ie  kain  müter  ir  kint.  dis 
sol  man  gaischlich  verstau,  als  ain  brfider  sin  swöster  mit  tugentlicher  minne. 
dis  küssen  ist  nit  anders  won  ain  zaichen  des  götlichen  frides,  daz  du  mit  dim 
hertzen   mit   dim   Got   iemer   me    solt  frid   han;   won   er  schaidet   von  dinem 

20  hertzen,  von  diner  sele  alle  trurkait  und  alle  beswärde  und  waschet  dir  mit 
siner  götlichen  band  din  trähen  von  dinen  ogen;  dar  nach  solt  du  niemer  trurig 
werden,  dar  nach  füret  er  si  in  daz  hymelriche  in  die  ewig  rüwe  und  sprichet: 
'gang  in  die  vröde  dins  herren,  und  hab  iemer  me  stät  vröde!'  der  ist  vil  und 
ist  als  übermässig  da^  si  nit  gar  in  [3V]  die  sei  komen  mag.    und  dar  umbe 

25  sprichet  unser  herre  daz  du  sele  in  die  vr6de  gange,  in  der  vr6de  solt  du, 
tugenthaftü  sele,  rüwe  hau;  da  solt  du  dinen  Got  und  dinen  herren  iemer  me 
an  sehen,  da  von  sprichet  saut  Augustinus:  'sitzend  ünsern  herren  an  sehend 
sont  in  werden  an  ende  lobende',  dar  nach  git  er  der  sele  ze  trinkenne  die 
ewig  vröde  ze  hymelriche.    man  liset  in  den  alten  buchen  von  ainer  vrowen^  du 

80  hiess  Judith,  do  du  ain  hohzit  wolte  han  mit  dem  herren  Holofeme,  do  gab  er 
ir  ze  trinkenne  und  sprach:  *nim  hin  und  trink,  es  ist  hüt  ain  tag  diner  vröde!' 
do  antwi^rt  si  und  sprach:  'wais  Got,  ich  waiss  wol  daz  es  hüt  ain  tag  ist  aller 
miner  vröde,  und  alles  mines  laides  vergessen  sol'.  also  wirt  unser  herre  zu  dir 
sprechent:   'tugenthaftü  sei,  nim  hin,  sele,  und  trink  und  wii't  trunken  und  ver- 

85  gisse  alles  dines  laides!'  so  wirt  denn  du  sele  sprechende:  'ich  waiss  wol  daz 
es  hüt  ain  tag  ist  aller  vröde'.  da  solt  du,  tugent/^5i7haftü  sele,  iemer  me 
trinken  von  dem  lebenden  brunnen.  dar  nach  git  man  daz  naht  essen;  daz  ist 
daz  er  dir  denne  alle  dine  vröde  bestätet  und  setzet  dich  über  den  tisch  aller 

1.  öch  daz  hymelrich  oder  och  ze  hymelrich?  vgl.  S.  38  Z 15,  24.  di.  27.  In  der 

Wiedergabe  der  Stelle  des  hl.  Augustinus  liegt  Textverderhnis  vor.   Der  Sinn  ist:  Di^enigen,  welche 
auf  dem  Throne  der  Herrlichkeit  sitzen  und  unsem  Herrn  ansehen ,  werden  ihn  ohne  Ende  loben. 
32.  antw'it. 


23.  MaU.  25,  23.  31.  Judith  12, 17. 


18.  Von  der  sele  minne  ze  Got  41 

VTÖde  und  über  die  da  vol  ist  aller  genuht.  da  sprichet  unser  herre:  essent 
mich  und  trinkent  und  werdent  trunken,  aller  liebsten  fründe!'  da  sol  die  sele 
mit  sim  götlichen  antlütz  gespiset  werden,  er  wil  iemer  me  der  sele  spise  sin. 
nu  merke,  sälgu  sei,  wol  edel  spise!  er  ist  alles:  daz  du  wilt,  daz  hast  du  an 
im  und  noch  tusentstund  me  denne  din  begirde  begrifen  mug.  her  an  gedenke  5 
ain  ieglich  mentsche  und  lege  allen  sinen  fliss  dar  an,  daz  er  zu  diser  Wirt- 
schaft kome! 

[14.]  Von  der  götlichen  mlnne  zu  der  sele. 

[Foriis  est  ut  mors  dilectioj 

Man  liset  in  der  minne  buch  daz  du  minne  stark  ist  alz  der  tod.    wie  stark  lo 
du  minne  ist,  daz  mugent  wir  dar  an  sehen  daz  si  den  grossen  Got,  der  hymel- 
rieh  und  ertrich  geschaflfen  hatte,  des  twang  daz  er  mentsch   wart  und  ßiy 
mentschlich  natur  an  sich  nam.    si  tote  den  nach  mentschlicher  nature  in  dem 
alles  unser  leben  ist.    wie   grössü  ding  du  minne  an  ünserm  herren  hab  getan, 
da  von  haut  ir  dik  gehöret,    och  hat  si  den  haiigen  grössü  ding  getan,   die  ir  15 
blfit   durch   ünsern   herren    vergussent.    si   hat  och  grösü   ding  getan  an  der 
haiigen  jungfrowen  sant  Agnesun.    die  twang  si  dar  zu  daz   si  ir  blüt   durch 
ünsern  herren  vergoss.    du  minne  du  schied  si  von  aller  der  vröde  dirre  weit, 
si  tut  öch  noch  grössü  ding  an  mängem  mentschen.    nu  spricht  sant  Bernhart  : 
'swa  du  minne  ünsers  herren  Jhesu  Christi  gewurzet  hat,  da  wahsent  aht  schön  20 
bl&men".    der  erst  blüme   ist   manhait   der  getat;   der  ander  ist   luterkait  des 
willen;   der  drit  ist  rainkait  der  werch;   der  vierd  ist  richait   der    sinne;   der 
fünft  ist  hailikait  der  girde;  der  sehste  ist  mänigvaltikait  der  tugend ;  der  sibend 
ist  werdekait  des  dienstes;    der  ahtend  ist  mänig/5^yvaltikait  des  lones. 

Der  erst  blftm  der  uflf  diser  wisen  wachset,  daz  ist  manhait  der  getat,  daz  25 
ist  ain  schönes  hertze  an  ünsers  herren  dienst,  disen  bl&men  hatt  wol  du  hailig 
jongfrow  sant  Agnes,  si  hatt  ain  künes  herze,  du  minne  hatt  si  stark  gemachet, 
daz  si  sich  grosser  dinge  nit  erkam  durch  ünsers  herren  minne  ze  tünne  und  ze 
lidenne.  dirre  selb  blüm  wachset  noch  in  mängem  hertzen,  daz  von  der  minne 
ünsers  herren  also  stark  wirt  und  also  kreftig  daz  in  enhaiu  ding  ze  gross  ist  30 
ze  t&nne  dur  Grot,  und  si  enkain  ding  mag  an  gan  daz  sü  von  Got  schaide;  als 
der  g&t  sant  Paulus  spriht:  'wer  mag  uns  geschaiden  von  ünsers  herren  minne? 
daz  mag  weder  frost  noch  hunger  noch  tot,  noch  dehain  ander  ding  mag  uns  von 
Got  geschaiden'. 

Dar  nach  wachset  des  willen  luterkait.   daz  ist  /5^7  ^^^^  ^11®  •  swer  sinen  35 
willen  in  ünsers  herren  willen  setzet,  daz  er  enkain  ding  geret  ze  tünd  won  daz 
ünsers  herren  wille  ist.   disen  blümen  hatte  öch  sant  Agnes  wol,  won  si  hatt  ain 

1.  Vor  die  da  vol  ist  wohl  ausgefallen  die  tavel  (Roethe).  9.  Der  lateinische  Text  fehlt. 

16.  grft/8Ü  am  Ende  und  Anfang  der  Zeile,         25.  bläm  ist  der. 

9.  CanL  8,  6.         82.  Born.  8,  35, 


42 


14.  Von  der  RftUiehen  n 


e  £A  der  »e\e. 


r  80  lut«r  herze  und  als  lutern  willen  daz  si  den  tot  wolt  Hden  e  daz  si  wider 
Gottes  willen  tit.  wäre  unser  wille  In  unsers  herren  willen  also  daz  uns  alles 
das  wol  geviel  daz  er  usser  unserm  libe  und  usser  imserm  giite  und  osser  unser 
sele  tÄte,  so  hettent  wir  dik  frid  und  fridsames  herze,  swa  nu  du  minne  unsers 
6  herren  JLesu  Christi  hat  gewurzet,  da  wachset  och  dirre  blfime.  wan  sweles 
meutsche  mit  getriiwem  hertzen  minnet  ünsern  herren,  der  engert  nit  anders 
wan  daz  sin  wille  ist.  alles  daz  er  öch  usser  im  tut,  daz  gevallet  im  alles  v(ä.\ 
won  er  getniwet  Got  also  wol  daz  er  wol  waiss:  swaz  im  Got  tut,  daz  im 
das  best  ist. 

to         Dar  nach  wachset  der  werch  rainkait;    wan  du  /33'J  minne  leret  niht   tfin 
wan  daz  mit  tugenden  ist  gezieret,  als  schön  gebet,  rainne  andaht    alles  daz  dn 
tftsti  daz  solt  du  mit  tugenden  zieren  also  daz  ällü  dinu  werch  tugentlich  sigent. 
I  Dar  nach  der  sinne  richait  oder  wisshait;  daz  ist  also  daz  ain  meutsche  wjs- 

1       lieh  kan  von  Got   gedenken   und    reden,    disen   bifimen  hatte  och  sant  Agnes; 
IB  won  si  künde  wislich  von  Gotte  reden  und  den  mentschen  wislich  antworten, 
die  si  twingen  woltent  daz  si  sich  von  Gotte  schiede,   si  sprach  öch  von  ünserm 
herren  tugentbaftii  wort,   die  wir  nie  sMich  von  kainer  jnngfi'owen  gehortent. 
^  waz  ain  wislichd  rede  von   aim  kind  von  drizehen  jaren  daz  si   so  wislich 
sprach:  'mins  herren,  mines  brutgömes,  den  ich  minne,  des  mftter  ist  rainü  magt, 
I  »  sin  vatter  erkande  nie  wip;  so  er  mich  minnet,  so  bin  ich  ki\nsche;  so  er  mich 
I       beröret,  so  bin  ich  raine;  so  er  raih  umbvahet,  so  bin  ich  erst  ain  luter  magt*. 
wer  hatt  si  geleret  als  wislich  reden  wan  du  min/5S7ne  unsers  herren,  die  in 
ir  herzen  gewurtzet  hatte?    du  minne  leret  dik  ain  mentschen   daz  nüt  vil  ge- 
leret ist  von  der  schrift,  daz  es  in  aim  hertzen  me  von  Got  kan  gedenken  denn 
n  etlich  gut  maister  der  von  der  schi'ift  wol  geleret  ist. 

Dar  nach  wachset  der  girde  hailikait  daz  ist  ain  hailigii  gerung  der  nit 
eugeret  wan  unsers  herren  minne.  disen  blümen  hatte  du  hailig  jungfrowe  sant 
Agnes,  won  si  hatte  alle  ir  begerung  gekeret  an  Got.  daz  ist  ain  hailgu  be- 
gerung  der  allen  sinen  sin  dar  an  leit  wie  er  tugend  gewinne,  der  sAlige 
so  mentsch  sol  alle  sine  sinne  an  Got  keren,  als  her  David  sprichet:  'herre  Got, 
allu  min  begirde  ist  an  dich  bekeret',  swer  dehaines  lobes  oder  dehainer  zer- 
ganklicher  ere  gert,  des  girde  ist  nit  hailig. 

Dar  nach  wachset  der  tngent  mänigvaltikait.    swa  du  minne  gewurzet  hat, 

da  wachsent  alle   tugend,    da  von   spricht   sant  Gregorius  [33°/  daz   dii   minne 

SB  niemer  müssige  kan  werden,    si  leret  alle  zit  den  mentschen  tugend  und  tugent- 

liches  leben,    ich   engesach   noch  vernam  nie,   da  man  rosea  phlantzat,   daz  da 


N 


I.  er  fehlt. 


Bespm^^^ 


IS.  Die  Stelle  ist  dent  Brevier  der  hL  Agne»  erUnomnUM  (31,  Jwnuar)  und  steht 
Boriwm  der  ersten  Noktum:  uno  Chriatnm,    in  ctuub  tiialarnnm  introibo,  cuins  mater  virgo  est, 
cuiiu  pater  foniiDaii]  neacit  . . .  quem  cum  amavero,  caata  buid;   cum  tetdgoro,  munda  Bum;   cum 
accepero,  virgo  Hum.  30.  dent  Sinne  nach  Ps.  11^,  59;  S4.  7. 


H.  Von  der  gfltlichen 


e  2(1  der  sek. 


]yIieD  wfichsent  aber  uff  dine  würze  der  muine  da  wahsent  alle  edel  bläinen. 
uff  der  minne  wachsent  demütkait,  gedultekait,  gehorsamj,  vrMe  in  Gotte,  kurtz- 
lich  alle  tilgende  wachsent  dar  uff.  minnest  du  Got,  alles  daz  du  denn  tun  solt 
oder  liden,  daz  machet  dir  diu  minne  alles  liht  und  senfte.  disen  blümen  hat 
6ch  min  jungfrow  sant  Agnes,  du  minne  hatte  in  ir  herzen  gewurzet,  wan  si  8 
hatte  mänig  tugend. 

Dar  nach  wahset  des  dienstes  werdekait.  du  graste  werdekait  die  ie  wart 
oder  iemer  werden  mag,  die  gewinnet  der  mentsche  ze  hymelriche  der  mit 
tugentlichem  flisse  Got  dienet  uff  ertrich.  man  sprichet  und  ist  och  war:  'des 
kaisers  dien/55Vste  man  ist  grösser  denne  ein  gräf ".  sit  denn  ain  mentsch  wfilt  w  | 
geerot  sin  ob  es  aim  edeln  herren  uff  ertrich  dienoti,  so  ist  billich  daz  der 
mentsch  vil  gröslicher  geerot  werde  der  dem  grossen  Got  mit  tugentlichem  vlisse 
dienet,  dis  erkante  wol  sant  Agnes  daz  so  vil  wirdekait  an  unsers  herren  dienste 
Ut.  won  si  wolle  gern  in  tinsers  herren  dienst  den  tod  liden  denn  si  uff  ertrich 
ain  grössü  vrowe  wäre,  waz  mag  den  mentscheu  edeler  gemachen  und  werder  18  1 
denn  linsers  herren  dienst?  es  ist  du  gröste  wirdekait  du  ie  wart,  der  Got  mit 
tugentlichem  lebenn  dieuet. 

Dar   nach  wahset   des    lones   mänigvaltikait.    wie  mÄnigvaltig   der   lone  ze 
hymelriche  si,    da  von    spricht  sant  Paulus  daz  die  vröd  nie  ög  gesach,   nie  ore 
gehorte,  nie  hertz  gedahte,   die  da  iinser  herre  beraitet  hat  denan  die  in  hie  20  ] 
minnent. 

Nu  hant  ir  gehi^ret  von  den  blümen  die  uff  der  minne  wachsent;  nu  sont  ir 
hören  von  der  fruht  du  uff  den  blümen  wah/^^'/set.  der  tugend  fruht  ist  niht 
anders  won  unser  herre.  der  hat  ainen  namen,  der  ist  also  reht  loblich  daz  ich 
nnder  allen  den  namen  so  er  hatte,  namen  han  nie  so  sere  geminnet,  disen  JS  , 
nameo  gab  im  der  wissag  David  und  sprach :  '  ain  herre  und  ain  Got  der 
tagende';  won  er  ist  ain  Ursprung  und  ain  brunne  aller  tugend  von  dem  sint 
aller  hailigen  tugend  geflossen,  hetti  ich  ainen  rosen  in  der  hant.  so  wurdi  si 
mir  nach  dem  rosen  smeken.  spräche  ich  denn  zu  miner  hant:  'von  wem 
hast  du  disen  smake  so  guten?',  so  möhti  dft  hant  sprechen:  'daz  han  ich  von  SO  i 
dem  rosen';  sprich  ich  aber  zu  dem  rosen:  'von  wem  hast  du  den  gesmak?', 
so  möhti  er  sprechen:  'daz  han  ich  von  mir  selben,  es  ist  mir  an  geboni'.  ze 
glicher  wis  ist  es  umb  die  tugend  und  umbe  die  haiigen,  fragetint  wir  die  haii- 
gen und  ander  gfit  lüt  von  wem  si  ir  tugend  hettiut,  so  raüstent  sü  sprechen: 
'daz  bänt  wir  von  Gotte';  sprächent  wir  aber  zu  ünserm  herren:  'herre,  von  36 
wem  (33']  hast  du  din  tugend?'  so  sprächi  er:  'daz  han  ich  von  mir  selben'. 
alle  tugend  sint  von  im  geflossen  und  fliessend  öch  wider  zu  im.  er  ist  dö  fruht 
du  uff  allen  tilgenden  wachset. 

Habent    wir   dis   würzen    der  minne,    so   wachsent   der  tugent   biflmen   in 


33.  wahsent 
1^33.  37. 


25.  nameo  han  ft\U.  27.  von  . .  .  tugend  fehlen;  zur  Ergätuung  vgl. 


■in.  Fg.  33.1(1;  S8.  6. 


44  14.  Von  der  gAtlichen  mione  zA  der  sele. 

ünsrem  hertzen.  da  von  so  flissent  ans  der  minne  und  ander  aller  tagend  daz 
wir  zu  der  edlen  fraht  koment,  daz  ist  unser  herre,  der  da  haisset  and  ist  'ain 
Got  and  ain  herre  der  tagende*. 

[15.J  Ton  masse  und  Ton  andren  tagenden. 

5         [Modestia  vestra  nota  sit  omnihns  hominibusj 

Sanctas  Paalas  sprichet:   'üwer  masse   and  üwer  tagend   sol  allen  lüten 
oflfön  sin'. 

Disti  Worte  liset  man  an  dem  jüngsten  sannentag  vor  winnähten,  ynd  höret 
wol  zu  dem  tage,  won  so  nahet  uns  ain  hohzit,  daz  vnr  ünsem  herren  enphahen 

10  sont.  and  leret  uns  mit  disen  Worten  der  gut  herr  sant  Paulus  wie  wir  uns 
beraiten  mit  tagenden  sont  gegen  ünserm  herren,  daz  [34'']  wir  in  wirdeklich 
enphahent. 

Man  liset  von  der  küngin  Hester:  do  si  zu  dem  künig  Aswero  solte,  do  be- 
rait  si  sich   ain  jar  da  vor.    si  wusch  sich  sehs  manod  mit  m^en  und  salbet 

15  sich  sehs  manot  mit  öle  und  hatte  siben  jungfrowen  die  si  beraitent,  daz  si  mit 
eren  zu  dem  künig  möhti  komen.  bi  diser  künginnen  ist  bezaichent  ain  ieglichä 
sälgu  sei.  bi  dem  künig  Aswero  ist  bezaichent  unser  herre.  Aswerus  daz  sprichet 
'der  sälig\  Got  der  ist  reht  sälig  und  haisset  von  reht  Aswerus.  und  gegen  siner 
Zukunft  sol  sich  ain  ieglich  sälig  mentsch  beraiten,  daz  er  in  wirdeklich  enpha- 

20  hen  mug.   du  erst  jungfrowe  zoh  ir  du  alten  klaider  ab;  du  ander  lait  ir  schuhe 

an;   du  dritte  lait  ir  ainen  langen  rok  an;   du  vierde  lait  ir  ain  guldin  borten 

umbe;  du  fünfte  lait  ir  ainen  vehen  mantel  umb;  du  sehte  stakte  ir  ain  guldin 

vingerlin  an  und  ain  spiegel  [34'']  für  sich;  du  sibend  satzte  ir  uf  ain  kröne. 

Vro  Hester  du  wusch  sich  vor  hin  sechs  manode  mit  murren:  du  mirre  du 

25  ist  bitter  und  bezaichent  die  rüwe  die  ain  mentsch  sol  hau  umb  sine  sünde.  und 
salbet  sich  die  andern  sehs  manot  mit  öle:  daz  öl  machet  die  hut  lind  und 
senfte;  der  in  ainen  kamph  wil  gan,  der  salbet  sich  und  sin  gewäfen  mit  öle, 
daz  in  sin  vigend  nit  begrifen  mugent.  ze  glicher  wis  sol  der  silig  mentsche 
tun:   der   sol   sin   hertze  linde  machen  mit  andähtigem  gebette  und  sol  sin  sele 

30  mit  ünsers  herren  gnaden  salben,  daz  in  der  tüfel,  sin  tötlich  vigent,  nit  begrifen 
muge.  won  ir  sont  daz  wissen  daz  daz  andähtig  gebet  vil  nütze  ist  für  die  be- 
korung  die  der  tüfel  etswenn  git.  won  swer  sich  unmüssig  machet  mit  gebet 
und  mit  gfiten  gedänken,  den  mag  der  tüfel  niemer  mit  also  mängem  ding  ge- 
vahen   als   den   mentschen   der  sine   zit   unnützeklich  vertribet.    alsus   sol  der 

35  mentsch  sin  sei  vor  hin  be/347raiten. 

Dar  nach   sont  ir  denne  siben  jungfrowa  werden  die  si  klaident  und  be- 
raitent,  daz  sint  siben  tugent. 

1.  flissent  —  vlizen.  5.  Der  lateinische  Text  [ehlt         9.  dz  vnsem.  18.  ist  fehlt, 

36.  jungfrowa  so. 

4.  Die  Predigt  ist  gedruckt  bei  Wackemagel  S.  89.         5.  Phil  4,  5.        13.  Est  2, 12. 


15.  Von  masse  und  von  andren  tagenden.  45 

Du  erst  jungfrowe  ist  ruwe;  du  zühet  du  alten  klaider  abe  und  lait  nüwü 
an,  daz  sint  die  sunde  und  die  alten  gewonhait  der  Untugend:  die  sol  der 
mentsche  von  siner  sele  und  von  sinem  herzen  werfen,  wie  gezäme  ainer  jung- 
frowen  daz  si  gienge  für  ainen  künig  mit  alten  klaidern  bösen,  daz  si  also 
käme  mit  gevetzotem  gewand  ?  daz  zäme  harte  übel  kungennen  daz  si  also  5 
böschlich  käme  für  iren  herren.  noch  tusentstunt  wirs  gezäme  der  sele  du 
unsers  herren  gemahel  haisset,  daz  si  fiir  den  grossen  Got  käme  mit  alten  klai- 
dern und  mit  Untugenden,  man  liset  ain  märe  von  ainem  herren,  der  hatte  ain 
hof  gesprochen,  und  hatte  vil  lüte  dar  geladet,  do  du  Wirtschaft  berait  wart,  do 
gieng  der  känig  umbe  und  sach  wie  es  alles  berait  wäre  und  wie  die  lüt  be-  lo 
klaidet  wärent  do  ersah  er  ain  der  waz  nit  /347  wol  beklaidet.  zu  dem 
sprach  er:  Vaz  woltest  du  her  mit  dinen  bösen  klaidern?'  und  hiess  sin 
kneht  dar  gan  und  hiess  im  hend  und  füss  ze  samen  binden  und  werfen  in 
ain  f&r.  ze  glicher  wis  beschiht  der  sele  an  dem  jüngsten  tag  du  für  Got 
knmet  ane  tugend  und  äne  g&tü  werch.  der  haisset  unser  herre  hende  und  15 
füss  zesamen  binden  und  haisset  si  denne  in  ain  für  werfen  der  ewigen  ver- 
dampnung. 

Du  ander  jungfrowe  ist  demütkait;  du  schuhet  die  sele.  swer  ain  herten 
oder  ain  stainigen  weg  sol  gan,  der  bedarf  wol  daz  er  geschühet  si  mit  der 
demütkait,  daz  er  sich  behüten  muge  vor  den  Untugenden  und  vor  der  wider-  20 
wärtikait  du  den  mentschen  uff  ertrich  ane  gät;  won  der  tüfel  leit  dem  ment- 
schen  mänig  läge,  da  mit  er  den  mentschen  gevahen  muge.  den  langen  weg 
mag  der  höffertig  mentsch  niemer  gan.  man  liset  in  der  alt  vätter  buch  von  aim 
g&ten  /35V  ™an,  dem  wart  du  weit  gezaiget,  do  sah  er  si  volle  strik  ligen.  do 
sprach  er  zu  ünserm  herren:  'wer  sol  sich  vor  disen  mänigvaltigen  striken  be-  25 
hüten?'  do  antwürt  im  ain  stimme  und  sprach:  *daz  sol  der  demütig  mentsche'. 

Dfi  dritte  jungfrowe  ist  gehorsami,  die  der  sälig  mentsch  sol  han.  si  sol 
lang  sin  untz  an  den  tot  etlicher  lut  gehorsami  ist  also  kurtz  daz  si  nit  went 
t&n  won  daz  si  gern  tünt  sint  si  joch  gehorsam,  daz  ist  als  kurtzliche  und 
mit  als  üblem  willen  daz  in  du  gehorsami  nit  vil  ze  tröste  kumet  und  die  lüt  so 
nit  gebessert  werdent.  die  lüt  die  also  kurtzlich  gehorsam  sint,  die  klaident 
nit  ir  sele  mit  ainem  langen  roke.  si  machent  ir  selklaid  also  kurtz  daz  si 
nit  mit  eren  fiir  ünsem  herren  komen  mugent.  wie  gezämi  ainer  jungfrowen 
daz  si  ainen  rok  an  hetti  der  ir  untz  an  den  gürtel  schlügi?  des  wäre 
es  harte  unerberklich.  also  [35"]  kurtz  ist  etlicher  lüt  gehorsami.  man  liset  35 
von  ainer  schlahte  lüte  in  der  altun  e,  den  wolte  man  laster  bieten  und  in^daz 
klaide  bi  dem  gürtel  ab  sniden,  die  giengent  hart  unerberklich.  ich  wil  sin 
sprechen  nit,  gedenkent  selb  wie  si  giengent!  aber  der  sälig  mentsch  der  sin 
gehorsami  lang  machet  und  gütlichen  tut  alles  daz  man  es  haisset,  der  leit  siner 
sele  ain  langen  rok  an. 

5.  kungennen  so.        15.  der]  dem.        25.  er  später  eingefügt        30.  in]  im.       33.  mt  fehlt 
12.  Matt  22, 12.       28.  Yitae  Fatrum:  Migne,  Patrol  Lat  Bd,  73,  953  (3).      36.  IL  Reg,  10, 4. 


46  15.  Von  masse  und  von  andren  tngendon. 

Dü  vierde  jungfrow  ist  küiischkait;  du  leit  ir  deii  guldln  porten  umb.  sant  ' 
Johans  sach  aiuen  man,  der  waz  begiirtet  mit  zwain  giirtlen.  bi  dem  ainen 
gürtel  ist  bezaicheiit  künschkait  des  libes.  er  waz  och  begiirtet  mit  ainem 
gruldin    raife    zu    den   brüsten,     da    bi    ist    bezaichent  künschkait    des  hertzen. 

J  hübsdie  jungfrowen  spulgent  sich  ze  gmtenn  mit  zwain  gürtlen.  also  sol  der 
sälig  mentsch  begiirtet  sin  mit  zwain  gftrtlen,  daz  ist  künschkait  des  libes  und 

künschkait  des  herzen.  [3ö']  ' 

Dil  fünfte  jungfrowe   leit   ir  ain   veben  mantel  an,   daz  ist  erbärmde.    W^H 
dem  mantel  ist  bezaichent  erbärmde,   die  man  sol  han  über  ain  iegliclien  ment""^^ 

9  sehen,  als  man  liset  von  sant  Martin:  der  waz  als  erbärmhertzig  daz  er  sinen 
veheM  mantel  mit  sim  swert  taute  und  in  aim  dürftigen  gab  halben;  ■rfon  es 
waz  uff  ainem  velde,  da  er  nit  anders  hatte,  dis  waz  ain  grossü  erbArmde.  do 
Hess  in  unser  herre  in  den  lij'mel  sehen,  und  sach  daz  unser  herre  den  halben 
mantel  umb  hatte  und  sprach:  'sehent  wie  mich  Martin  gektaidet  hat!' 

5  DU  sehste  jungfrowe  ist  stätkait;  du  stakt  ir  ain  guldin  vingerlin  an.  daz 
vingerlin  bezaichent  daz  der  mentsch  stAt  sol  sin  an  sim  guten  lebenn  untz  an 
ein  tot.  sant  Johans  mit  dem  guldin  munde  sprichet:  'man  sol  den  ritler  loben 
80  er  kunt  von  dem  strit,  und  den  schifman  so  er  an  daz  stad  kumet:  man  sol 
den  mentschen  loben  so  er  von  dem  strite  kumet  und  sine  vi/^äS^gind  überwin- 

0  det  und  so  si  an  daz  stad  koment  dirre  weite',  swie  vil  der  mentsche  guter 
ding  an  vahet,  volbringet  er  ir  nit,  so  ist  es  nit  loblich. 

Du  sibende  jungfrowe  ist  du  minne;  du  krönnet  die  sele.  und  hilfet  ir  ain 
jungfrowe,  du  haisset  beschaidenhait.  du  minne  ist  ain  gezierde  aller  tugend; 
und  swaz  der  mentsch  tat,  hat  er  der  minne  nit,  so  ist  alles  unnütz,    daz  du 

*  tfist,  daz  solt  du  t&n  in  ünsers  herren  minne  mit  beschaidenhait;  won  swaz 
der  mentsche  guter  dinge  tut,  ist  beschaidenhait  der  bi  nit,  so  ist  es  nüt  ain 
tugend. 

Alsus  solt  du  din  sele  zieren  mit  tugenden    und  solt  dich  beraiten  ■ 
ünsers  herren  zu  kunft,  daz  du  in  wirdeklich  enphahest. 


[16.]  Von  liuaer  vrowen  sant  JUarta. 


[Hortus  eonchisiis,   fons  signatus.] 

'Du  bist  ain  beschlossern  garte  und  ain  gezaichenter  brunne,  min  gemahel*. 
BUS  sprach  her  Salomon  zä  siner  vrowen,  du  im  gemähelt  waz.  Salomon  f36°J 
daz  sprichet  also  vil:  'ain  herre  der  gern  frid  bette  in  sim  lande",  in  ünsers 
i  herren  lande  ist  enhain  unfrid. 

Mit  disen  worten  lobet  unser  herre  ain  ieglich  sele  die  sälgen  namen  hat, 
und  ze  vordrost  sin  lieben  miiter,  du  beschlossen  mit  vier  schlössen  waz.    swie 


I 


11.  vebel.  Sl.  Der  hdtinMie  Text  fehlt.  32.  beachlos 


=  beeclilOBBenr. 


2,  Apoc.1,13.  14.  ni 

.  Leetio.  31.  Canl.  4,  12 


1  der  Legende  de»  hl.  Martin,  im  Brevier  vom  IL  Nofember 


J 


16.  Von  üneer  v 


47 


i  aiE  garte  beschlossen  ist,   so  mag  man  in  docli  nit  besliesseii  vor  vier 
dingen:  vor  der  sunnen,  vor  den  vogeln,  vor  dem  towe  und  vor  guten  fründen. 

Du  sunne  lühtet  in  den  garten,  wan  nieman  besliessen  mag  sinen  gart«n  vor 
der  snnnen;  ze  glicher  wis  lühtet  di'i  ewig  sunne  in  unser  vröwen  hertze, 
engegen  dem  liatt  si  ir  hertz  uf  getan,  ze  glicher  wis  als  der  schön  sunnen  5 
glantz  du  ögen  vröwet  und  daz  hertze,  also  tiit  den  mentschen  der  ewig  sunnen 
glantz  ünsei's  herren.  also  beschach  och  unser  vrowen,  do  er  in  ir  hertz  flösse 
Bälgen,  engegen  disem  sunnen  glantz  solt  du  din  hertz  [SG^  uf  tfln,  daz  der 
ewig  sunnen  glänz  din  hertze  erfröwe.  also  sprach  Salomon:  'du  schöni  der 
sonnen  fn'iwet  du  lutern  ögen'.  wäre  uu  ain  man  der  die  sunnen  in  zwainzig  ID 
jaren  nie  gesehen  hetti,  und  wurdent  dem  sin  ögen  uf  getan,  der  wurdi  vil  vre, 
so  er  sähi  der  schönnen  sunnen  glantz.  do  her  Thobyas  erblindet,  do  wftz  er  vil 
trurig.  do  kan  der  engel  zu  im  und  tröste  in  und  sprach;  'frid  si  mit  dir!'  do 
sprah  er:  'wie  mag  daz  sin,  mir  ist  doch  daz  lieht  des  h;fmels  verzigen?'  wie 
mag  frid  oder  vröde  mit  dem  mentschen  gesin  den  der  ewig  sunnen  glantz  nit  !5  | 
erlühtet  hat  mit  siner  wunneklichen  gnade?  engegen  disem  wunneklichen 
sunnen  glantz  sol  ain  ieglich  mentsch  sm  hertze  gerne  und  willeklich  uf  tun, 
won  disu  sunne  ist  also  schön  daz  Allü  schAnhait  ain  vinstri  ist  engegen  siner 
schonhait.  von  siner  schonhait  sprichet  sant  Agnes:  'du  sunnen  und  den  man 
WTindret  von  siner  schöni'.  a» 

Daz  ander  [86']  da  vor  sinen  garten  nieman  beschliessen  mag,  daz  sint  die 
vogel.  bi  den  sint  bezaichent  die  haiigen  engel.  vor  disen  vogeln  liät  unser 
vnjwe  ir  hertz  nit  beschlossen,  won  si  tet  ir  hertz  uf  engegen  der  grossen  bot- 
schaft  die  ir  der  engel  Gabriel  brahte,  daz  si  niftter  solte  sin  des  grossen  Gottes, 
sälger  raentsche,  engegen  disen  vogeln  solt  du  din  herze  ze  allen  ziten  uf  tun!  a 
wan  es  ist  dir  ain  grös.sü  ere  und  ain  werdekait:  der  engel  der  ze  allen  ziten 
Gottes  antlät  sehowend  ist,  daz  dir  der  zu  aim  hflter  ist  geben  und  zu  aim 
phleger;  wan  er  ist  dir  nahe  bi  und  leret  dich  alweg  götlich  minne  und  tugent- 
lich  leben  und  rainkait  libes  und  hertzen,  und  swenne  du  unreht  wilt  tun,  daz 
widerratet  er  dir.  also  liset  man  von  ainem  guten  man  in  der  alt  vätter  hoch :  so 
der  waz  in  ainem  walde  und  gieng  ains  tages  mit  andren  sinen  brödern  ze 
kilchen.  [36"]  und  kam  öch  ain  ander  gut  man  dar  und  nara  der  brflder  war. 
und  tet  im  Got  die  gnade  daz  er  ,sach  in  sin  hertz,  daz  er  mit  ainer  sönde  von 
Got  geschaiden  waz;  und  sach  daz  sin  phleger,  sin  engel,  von  im  geschaiden 
veiTe  waz,  und  daz  in  der  täfel  zu  im  gebunden  hatte  mit  sinen  banden  und  :-!S 
niht  tet  won  als  er  wolte.  und  do  er  ze  kilchen  kam,  do  hört  er  ain  gut  wort 
lesen  in  der  letzgen.    und  da  von  gewan  er  guten  willen  und  bekerte  sich,  und 


Mfmerksnm  machen  sollte 
In  fach  sich  iii  ergänzen? 


6.  der]  dö;   am  Batule  ist  ein  kleines  n,   das  auf  das  Versehen 
S.  Bilgen  —  Bilglichen.  17.  sio  liertze  fehlt;  vgl.  Z.  35,  oder  ist  i 

18.  enge/gegen.        30.  vö  aiDem  guten  man  nwdmal. 

9.  Eccle.  U,  7.  13.  Tob.  5,  12.  19.  oms  dem  Brener  dir  hl.  Agnes,  dem  Besponsorium 

def  6.  Lesung:  ipsi  sum  desponsata,  cui  angcli  eerviunt,  cniua  pulciirituctinom  sol  et  luna  mirantur. 
SO.  Titae  Patmm:  Migne,  Patrol.  hat.  Bd.  73,  985  (30). 


h 


48  16.  Von  unser  vrowen  sant  Maria. 

schiet  der  täfel  von  im  zehant,  und  kam  sin  engel  wider  zä  im  und  ambvieng 
in  vrölich  and  sin  sele  and  trnkte  in  z&  im.  also  solt  da  wissen  daz  din  engel 
sich  fröwet  dines  tugentlichen  lebens  und  dines  herzen  rainnekait. 

Das  dritte  da  vor  sinen  garten  nieman  beschliessen  mag,  daz  ist  daz  tow. 

5  daz  tow  bezaichent  Ansers  herren  gnade,  reht  ze  glicher  wis  als  /37*7  du  hitze 
der  sannen  derret  die  blümen  in  dem  haissen  sumer^  ze  glicher  wis  derret  dti 
hitze  dirre  weit  des  mentschen  hertze  an  guten  werchen  und  an  götlicher  minne; 
und  als  daz  towe  die  schönnen  blümen  wider  bringet  und  kölet,  also  kület  die 
gnade  ünsers  herren  des  mentschen  hertze  von  der  hitze  der  bösen  weit  und  die 

10  tugent  du  verdorret  waz  und  enkain  fruht  brahte,  so  denne  änsers  herren  gnade 
kumet  in  daz  hertze,  so  wirt  denne  die  tugent  fruhtbar  und  grünet  an  götlicher 
minne  gegen  ünsers  herren  gnaden,  dem  himelschen  towe  waz  unser  vrowen 
hertze  ze  allen  ziten  offen,  won  ir  guten  gedinke  verdorretent  nie  von  der 
weite  hitze.    vor  disem  towe  ünsers  herren  gnaden  solt  du  nit  din  hertze  be- 

15  schliessen.  daz  wrfre  ain  edel  bom  der  winter  und  summer  grün  wäre  und  ze 
allen  ziten  in  blümen  stünde  und  schönü  löber  hette  und  edel  [37^]  fruht  bärel 
also  ist  daz  wol  ain  edel  hertze  daz  alweg  grün  ist  an  götlicher  minne  and 
blüget  mit  tugentlichen  gedänken  und  lobet  an  süssen  Worten  und  fruht  bringet 
an  guten  werchen. 

20  Daz  vierde  da  vor  sinen  garten  nieman  beschliessen  mag,  daz  ist  vor  guten 
fründen.  swa  ain  vrowe  wäre  du  ainen  garten  hetti  mit  gütan  krütem  wol 
smekende,  und  si  ain  fründ  hetti  der  si  umb  du  krüter  bäte,  daz  si  im  denn 
verseti  und  iren  garten  vor  im  beschlusse:  ze  glicher  wis  stünde  es  übele  der 
küngimien  von  h;]^melriche  swenne  si  ain  arm  mentsch  bäte  ir  gnaden,   daz  si 

26  dem  vei'seiti.  won  si  ist  vol  aller  gnaden,  und  ir  herz  ist  geblümet  mi^  der  ge- 
zierde  der  tagend;  wan  also  wart  si  gelobet  von  dem  engel  Gabriel,  do  er 
sprach:  ^gegrützet  sigest  du  völlü  gnaden!'  sit  si  danne  ist  völlü  gnaden  und 
tugend,  so  wir  kain  gebresten  haut  an  tugenden  und  an  gnaden,  so  sont  wir  si 
bitten  daz  si  ir  gnade  [37'^]  mit  uns  taille,  wan  si  ist  ain  brunne  der  ze  allen 

30  ziten  über  flüsset  von  gnaden  und  von  miltekait.  und  swer  si  bittet  ir  gnaden, 
dem  mag  si  nit  versagen  von  ir  miltekait. 

Dirre  garte,  unser  vrowen  hertze,  waz  verschlossen  mit  vier  schlössen,  daz 
erst  ist  vohrte;  das  ander  ist  mägtlich  schäm;  daz  dritte  ist  götlichü  minne;  daz 
vierde  ist  stätekait  gutes  lebens. 

35  Daz  erste  schloss  waz  ünsers  herren  vorhte;  wan  du  behütet  den  mentschen 
vor  mängen  sünden,  als  da  stat  geschriben  daz  du  vohrte  ünsers  herren  die  sünde 
alle  US  tribet.  wan  swer  die  vorhte  ünsers  herren  hat,  der  furhtet  im  nit 
allaine  an  sinen  werchen  und  an  sinen  worten,  er  fürhtet  im  6ch  an  sinen  ge- 
dänken  und  behütet  sin  herze,    also  sprichet  her  Salomon:  'mentsche,  du  solt  di- 

40  nes  hertzen  hüten  mit  aller  hüte',  reht  als  du  vohrtest  ainen  schlangen  so  er  dir 

15.  wäre.  25.  mir. 


27.  Luc,  /,  28,  36.  L  Joh.  4, 18.  39.  Prov.  4,  23. 


16.  Von  unser  vrowen  sant  Maria.  49 

daz  höbet  bätet:  ze  glicher  wis  solt  du  fürhten  daz  angeng  des  Übeln  gedankes, 
als  da  stat  ge/37*7schriben  daz  der  sälig  ist  der  sin  Übeln  gedenke  an  dem  an- 
geng vertribet. 

Daz  ander  schloss  da  mit  unser  vrowen  hertze  beschlossen  waz,  daz  waz 
mägtlich  schäm;  won  si  waz  also  schamig  daz  si  von  des  engeis  werten  er-  5 
schrak,  do  er  si  grützte,  und  vohrte  daz  mit  dem  grfisse  etwas  anders  ver- 
borgen wire,  nnd  wart  betrübet  von  sinen  werten,  als  in  dem  ewangelio  ge- 
schriben  st&t  do  sprach  der  engel  zu  ir:  'Maria,  nit  fürhte  dirl  du  gnade  ünsers 
herren  kämet  über  dich  und  beschetwet  dich,  und  solt  erfüllet  werden  mit  der 
gnade  des  haiigen  gaistes*.  won  es  ist  etlich  mentsch  als  tugentlicher  schäm  lo 
daz  es  etlich  sünde  dar  umb  l&t  daz  es  gedenket:  nu  müst  du  ze  schäme  komen 
in  der  bihte  dar  umbe.  ain  künig  hatte  ainen  sun,  der  waz  ab  ainer  statt  ge- 
gangen da  er  gesundet  hatte,  dar  umbe  der  künig,  sin  vatter,  trurig  waz.  do 
sprach  ain  herre  zu  im:  'herre  künig,  sagen t  mir  ob  er  sich  üt  [38^]  schemti 
do  er  die  sünde  getet?*  do  sprach  er:  'ja,  er  sach  kum  die  lüt  an  vor  schäme'.  15 
und  do  sprach  er:  'herre  der  künig,  gehabent  üch  wol!  so  tut  er  es  niemer  me\ 
'höre  ain  gut  wort',  spricht  ain  haiden,  hiesse  Seneca,  'wäre  joch  daz  daz  mir 
die  götte  min  sünde  vergibint  und  si  die  lüte  och  niemer  befundent,  so  wölt  ich 
doch  die  sünde  iemer  miden,  won  si  so  unrain  ist\ 

Daz  dritte  schlos  da  mit  unser  vrowen  herze  beschlossen  waz,  daz  waz  20 
götlich  minne;  won  si  hatte  ir  als  vil  daz  si  alle  die  fröde  dirre  weit  versmahet, 
als  da  stat  geschriben:  'daz  riche  der  weite  und  alle  ir  gezierde  hab  ich  ver- 
smahet durch  minen  herren  Jhesum  Christum',  alsus  liset  man  von  sant 
Agnesun:  'mins  herren  und  mines  brütgomes,  den  ich  minne,  des  vatter  bekand 
nie  wip,  des  müter  erkande  nie  man;  so  ich  minnen  in,  so  bin  ich  kusche;  so  er  25 
mich  berüret,  so  bin  ich  raine;  so  er  mich  umbvahet,  [38^]  so  bin  ich  luter 
maget\  also  beschiht  dem  mentschen:  so  er  Got  beginnet  minnen  und  erkennen, 
so  versmahet  er  alles  daz  uff  ertrich  ist. 

Daz  vierde  schloss  da  mit  der  edlen  künginnen  hertz  beschlossen  waz,  daz 
waz  stitekait  gutes  lebens  untz  an  iren  tot;  won  si  gebrach  nie  trüwe  an  irem  30 
lieben  herren.  also  solt  du,  säliger  mentsche,  stäte  und  getrüwe  sin  ünserm 
herren  an  gutem  lebenn  unz  an  dinen  tot;  wan  hilfet  nit,  der  gut  leben  an 
vahet,  volbringet  er  es  nit  untz  an  daz  ende,  als  man  liset  in  Apocalypsi  das 
unser  herre  sprichet:  'bist  du  mir  getrüwe,  s&liger  mentsche,  untz  an  dinen  tot, 
so  wil  ich  dir  geben  ain  kröne  des  ewigen  lebens'.  35 


10.  FMt  vor  won  etwas?  Der  Übergang  ist  sehr  hart         20.  scblos  am  Ende  der  Zeile, 
26.  idi  fehU.  82.  tat  in  gut  korr. 


8.  Luc,  1,  30.         22.  Fhü,  5,  8.         24.  Vgl.  oben  8.  42  Z.  19.         34.  Äpoc.  2, 10. 
DeutBche  Texte  dee  Mittelalten.  X.  4 


50  17.  Von  umlicheii  aller  hAhsten  tagenden. 

[11.]  Yon  simlicheii  aller  hohsten  tagenden. 

fSufficit  tibi  groHa  mea,  nam  virtus  in  infirmitate  perficiturj 
Sant  Paalas  hatte  grosse  anvehtang  und  bat  ünsern  herren  dristant  daz  er 
im  si  ab  näme.  do  antwurt  im  unser  herre  und  sprach:  'la  dich  benftgen  miner 
5  gnade,  wan  die  tugent  wirt  bewirt  [38^ J  in  der  not*,  do  antwurt  er  im  und 
sprach:  'ich  wil  mich  gerne  vröwen  in  arbaiten  und  in  beswärd  durch  daz  die 
tugend  und  du  gnade  ünsers  herren  in  mir  wone'.  daz  waz  ain  grössä  tugent 
und  ain  groz  zaichen  voUekomenhait,  daz  er  sich  frowte  in  beswärde  und  in 
arbaiten.    nu  sint  sehs  tugend:  swer  die  hat,   daz  ist  daz  obrest  zaichen  voUe- 

10  komenhait.  du  erste  tugend  ist  vröde  in  beswärde;  du  ander  ist  gehorsami 
wider  den  willen;  du  dritte  ist  demutkait  in  eren;  du  vierde  ist  brest  in  vol- 
lung;   du  fünfte  ist  miltekait  in  armüt;   daz  sehste  ist  künschi  in  jugent 

Von  der  ersten  spricht  sant  Paulus  daz  alle  tugend  vollekomen  werdent  in 
beswärde  und  in  arbaiten.    man  vindet  in  allen  den  Schriften  daz  daz  ain  groz 

15  tugent  si  der  arbait  und  not  gedulteklichen  lidet  und  nit  dar  zu  redet  und  sich 
nit  rechen  wil.  sit  daz  denne  ain  grössü  tugend  ist,  so  ist  daz  ain  vil  meru 
und  vollekomen  tugent  der  sich  des  vröwet  daz  er  wirdig  ist  arbait  und  not 
durch  Got  [38^J  ze  lidenne.  nu  möhtint  ir  sprechen:  'wer  vindet  die  lute  uflf 
ertriche  die  sich  des  fröwent?'    swie  man  ir  nu  laider  lutzel  vindet,  doch  warent 

20  sü  etwenne  die  sich  frowten  und  mit  grosser  fröde  dar  giengent  da  si  soltent, 
arbait  dur  Got  ze  lidenne,  als  man  von  den  zwelf  hotten  liset.  man  liset  öch 
von  sant  Agnesen  daz  si  mit  grosser  vröde  in  den  kärker  gie.  und  so  man  si 
sere  martret  und  ir  daz  flaisch  ab  zoh  mit  krölen,  des  fröwet  si  sich,  daz  si  des 
wirdig  waz  daz  si  daz  durch  Got  solt  liden.    als  man  och  liset  von  sant  Andres, 

25  der  reht  spilend  und  mit  grossen  fröden  zu  dem  crutze  gie  und  sprach:  *Got 
grütze  dich,  haiiges  crutze!  enphahe  mich  hütent  als  gütlich  als  ich  dich,  durch 
den  der  mich  erloste  an  dir .  si  littent  es  nit  allaine  frölich,  si  frowtent  sich 
öch  des  daz  si  des  wirdig  warent  daz  si  durch  Got  arbait  und  not  liden  soltent 
si  sugent  uss  ir  grossen  bitterkalt  die  [39^J  süssen  milch  und  usser  den  herten 

30  stainen  daz  süsse  honige,  als  man  liset  von  sant  Steffan  daz  im  die  herten  staine 
als  süsse  warent  daz  es  wunder  waz.  alsus  wurdent  die  hailigen  vollekomen  in 
grosser  arbait  und  in  not. 

Du   ander  tugend  daz   ist  gehorsami   wider   den   willen,    wer  sol   mir  des 
danken  daz  ich  gehorsam  bin  der  dinge  der  ich  gerne  titi,  der  mich  es  joch  nit 

35  hiessi?  daz  ist  aber  vil  grössers  lones  wert  daz  ich  gütlich  gehorsam  bin  der 
dinge  die  wider  minen  willen  sint.  da  von  spricht  sant  Gregorius:  'ir  sont  ge- 
horsam sin  des  ewigen  vatters  sun  von  hymelriche'.    da  sprichet  sant  Paulus 

2.  Der  tat  Text  fehlt         17.  ist  am  Rande  nachgetragen.        26.  nach  crutze  ein  rotes  f, 

2.  II,  Cor,  12t  ^'  25.  aus  dem  Brevier,  dem  Responsorium  der  3,  Lesung:  'Salve  cnii, 

Buscipe  discipulum  eius,  qui  pependit  in  te  magister  meus  Christus',  und  dem  Responsorium  der 
5.  Lesung:  'Salva  me,  bona  crux,  ut  per  te  me  recipiat,  qui  per  te  me  redemit*.       37.  PhÜ.  2,  8. 


17.  Von  simlichen  aller  hAhsten  tagODden.  51 

daz  unser  herre  Jhesas  Christus  sinem  vatter  gehorsam  waz  untz  an  den  tot. 
nu  sprechent  ir  vil  lihte:  *er  waz  Got,  und  all  sin  tugent  waren t  volkomen.'  daz 
sont  ir  wissen  daz  er  sinre  beschaidenhait  und  sinen  tugenden  nie  we  getet,  aber 
dem  willen  den  er  hatte  [39^]  von  mentschlicher  nature,  und  sinre  mentschait 
tet  der  tot  und  du  marter  also  we  so  ie  kaim  mentschen.  won  daz  sprichet  5 
sant  Johans  daz  er  von  rehter  angest  switzte  blutigen  swais,  und  bat  er  sinen 
vatter:  'si  es  din  wille,  so  erla  mich  dirr  marter,  also  daz  din  wille  an  mir 
werde  erfüllet*,  alsus  sont  wir  lernen  gehorsam  sin  untz  an  den  tot,  als  an  der 
regel  geschriben  stat.  so  man  gehorsami  lobet,  so  sprichet  man:  *ich  t&n  anthais 
und  gelob  gehorsami  untz  an  minen  tot\  disen  anthaisse  sont  wir  ünserm  herren  lo 
stit  lan  untz  an  unser  ende,  und  sont  unser  maisterschaft  gehorsam  sin  an  ünsers 
herren  stette.  doch  sont  wir  uns  selben  nit  töten  in  gehorsami;  wir  mugent  aber 
ünsem  lip  wol  wagen,  doch  also  daz  wir  uns  bas  versehent  ze  genesenn  denn 
ze  sterbenne. 

Du  drit  tugend  daz  ist  demütkait  in  eren.    demütkait  ist  ain  grössü  tugent  15 
an  allen  lüten ,  doch  ist  [39^]  es  vil  loblicher  an  edlen  lüten  und  an  den  lüten 
die  wol  ere  möhtint  han  und  daz  länt  durch  Got,  denn  an  den  lüten  die  nit  so 
gross  warent  an  der  weit,    swie  nieman  reht  edel  ist  vor  Gotte  won  der  tugent 
hat,  so  ist  es  eht  also  her  komen  von  der  weite  daz  ain  mentsche  edler  ist  von 
geschlähte  denn  daz  ander;   und  daz  sich   der  demütiget,   daz  ist   vil  loblicher  20 
denne  von  aim  andern  daz  nit  als  edel  ist.    won  aim  ieglichen  mentschen  ge- 
zimet  nit  so  wol  so  daz  er  tügi  dar  nach  als  es  denne  sol.    aim  gaischlichen 
mentschen  gezimet  wol  ain  böser  rok  und  bösü  klaider,  und  ist  vil  erlicher  daz 
er  sich  demütege  in  allen  sinen  sitten  denn  daz  er  hohfertig  wäre;  won  des  hat 
er  gröser  laster  denn  daz  er  sich  selber  verwurfi.    doch  geschiht  es   dike  an  25 
den  tugenden  daz  ainü  fürbas  ist  denn  du  ander,  und  an  kunst  und  an  andren 
dingen:  daz  sich  der  mentsch   demütget,  daz  ist  fiber  denn  grösser  denn  [39^] 
von  aim  andern. 

Du  vierde   tugent  ist  gebrest  in   völli.    wer   sol  aim    danken   daz  er  ge- 
bresten   hat,  der  nit   anders  haben  mag?    aber  in  trüwen,   dem  sol  man  wol  30 
danken  daz  wol  haben  mag  waz  es  lustet,  und  daz  denne  willeklich  und  güt- 
lich durch  Got  lät 

Daz  fünfte  ist  miltekait  in  armut.  und  daz  daz  ain  gröz  tugent  ist,  des 
hant  wir  Urkunde  in  dem  ewangelio:  do  die  Juden  ainest  opher  brahtent  zu 
Jerusalem,  do  waz  unser  herre  och  da  mit  sinen  jungern,  und  waz  daz  groz  35 
oppher:  ainer  ophert  zehen  mark,  ainer  aht  mark,  und  ieglicher  als  er  denn 
wolte.  ze  jungest  kam  ain  irmü  witwe  und  ophert  zwen  helbling.  do  sprach 
unser  herre:  'sehent,  du  frowe  hat  me  geophret  denn  alle  die  hüt  her  kament*. 


4.  den.         22.  ee  am  Rande  nachgetragen.       25.  seber. 


7.  Die  Stelle  entstammt  nicht  dem  Evangelisten  Johannes^  sondern  Luc.  22,  44. 
38.  Luc  21,  3;   Marc  12,  41. 

4* 


fiS 


IT.  VoD  eiinlichen  aller  hAhsten  tiigendeii. 


do  sprach  önser  herre:  'ir  ieklicher  gab  des  er  ze  vil  Latte,  aber  disü  rrowe  gab 
alles  daz  si  hatte',  und  da  von  ist  ßO"]  es  grösser  von  ir  denn  von  inen,  dis 
höret  weltlich  lüt  an,  doch  so  ist  es  ainer  bände  gaischlich  arm&t.  und  die 
sont  öch  niilt  siu,  won  da  stät  gescliriben  daz  die  hailig  sint  die  armes  gaistes 

6  sint,  wan  daz  bymelricli  ist  ir.  daz  sint  die  an  in  selben  erkennent  grossen  ge- 
bresten  an  lügenden,  und  doch  des  si  bant,  daz  si  daz  enander  taillent  und  für 
sü  bittent  und  sprechent:  'herre  Got,  swie  arm  ich  nn  bin  an  sälden  und  an 
tagenden,  und  swie  wol  ich  bedirfli  daz  ich  für  mich  seflaen  bäti,  herre,  so  wil 
ich  dich  doch  bitten  dnz  du  im  die  gnäd  gebest',    und  sol  also  sin  gebet  mit  im 

ID  taillen:  daz  ist  milti  in  gaischlicher  armSt 

Du  sehste  tugent  ist  künschi  in  jugent  weiter  kaibe  solte  aim  alten  man 
und  ainer  alten  baben  geben  dank  daz  sü  künsch  sint?  sü  enmugent  doch  nit 
mere.  doh  ist  es  gut  an  allen  den  lüteu.  doch  ist  es  vil  loblicher  an  .jungen 
Inten  denn  an  den  alten  [40"]  lüten,   dis  lobet  öch  unser  herre  und  sprichet: 

15  'min  tohter  ist  als  der  lyii  under  den  dornen',  es  ist  vil  loblicher  swa  ain 
schAune  lylie  stat  unversert  under  den  dornen:  ze  glicher  wis  ist  es  umb  die 
tugent  waz  sint  die  dorne?  daz  ist  nit  wan  der  strit  den  ain  junger  mentsch 
hau  muss  in  dirr  weite,  daz  es  sinen  üb  und  sin  hertze  rainneklich  behüte;  won 
von  nature  so  ist  naiswas  in  dem  mentschen,  so  joch  daz  hertze  vil  rain  ist  und 

so  nit  der  mit  liAt  ze  tünne,  daz  doch  alleweg  raitzet  den  mentschen  zft  den 
Sünden,  swie  vil  aber  des  der  mentsch  hat  an  übe  und  an  hertzen,  daz  kan  im 
alles  nit  geschaden  alle  die  wile  untz  daz  sin  wille  dar  zil  nit  kumet,  won  so 
wirt  sin  lön  und  sin  kröne  da  von  alle  weg  gemeret. 


[18.]  Ton  des  lebens  ordenuDg.  ^1 

i  [Dominus  dives  in  omnes,  qui  invocant  eum.}  ^B 

In  dem  ewangelio  stat  geschriben  daz  unser  herre  rieh  ist  an  ende,  im  ge- 
bristet endes  an  zwain  dingen,  an  gäti  und  an  lengi.  im  gebristet  endes  an  güti, 
won  er  ist  gut  äne  [dO"]  ende  und  an  masse,  und  hat  nit  endes  an  ewekait.  des 
mag  der  s&lig  mentsch  sich  wol  vröwen,  der  tugentlich  nff  ertrich  lebet,  daz  sin 

30  vröde  iemer  sol  ewig  sin.  wan  üser  herre  git  dem  sAligen  mentschen  zwo  gna- 
den: tugentlich  leben  und  dar  nach  daz  ewig  rieh;  won  daz  niäss  iemer  vor  gan; 
gdt  leben  und  reht  leben,  und  dar  nach  die  ewige  vröde.  nu  taillent  dis  leben 
nff  ertrich  in  drü!  sant  Bernhart  hat  uns  dis  leben  uff  ertri«h  wol  geordnet,  er 
spricht:  'ich  wAne  des  wol,  swer  alsus  lebet,  daz  der  rehte  lebet:   ordenlich  an 

S5  einem  lebenn  und  gaischlich  mit  den  lüten  und  demütklich  vor  Got'. 

1.  Das  ztfeite  do  sprach  vnaer  herr«  wi  VKÜeicht  zu  streichen,   entsprediaid  der  Tul/i<;  doch 
ließe  sich  die  Wialerholwig  auch  dadurch  erklären,  daß  nach  kament  eine  Frage  der  Verviundernng 
von  gäten  der  Jünger  folgte,  auf  die  der  Btrr  iciedervm  antwortete.       8.  sebcn.        11.  welter. 
25.  Der  lat.  Text  fehlt.  211.  sich  fehlt.  3i.  einem  lebenn]  im  selben  f  vgl.  8.  53  Z.  l  vnd 

8.  SB  Z.  34. 


4.  MaU.S,3.         IG.  Cant.3,i 


25.  Rom.  10,  IS. 


J 


i.  Von  des  lebous  ordenung. 


53 


Ordenlich  an  im  selben;  de«  orden  rihtet  der  mentsch  swa  der  kmnber  ist. 
dn  solt  ordeiilich  sin  an  dinen  gedenken,  daz  du  an  Got  und  an  tiigentlichä 
ding  gedenkest  und  mit  ordeulichen  und  guten  gedilnken  urab  gangest.  die  lüt 
sint  unordenlich  an  iren  gedenken  [40'']  die  üppig:  gedänke  hant  und  ir  hertze 
f'ärent  mit  üppigen  gedAnken;  die  waident  ir  lierze  an  ainer  bösen  waide.  die  s 
iüt  die  sich  aber  waident  au  Got  und  an  tagenden  und  au  nützen  gedenken,  die 
farent  ir  hertze  an  ainer  guten  waide.  der  mentschen  hertzen  sint  unordenlich 
die  vigentsfhaft  tragent  wider  ieman.  etUch  mentschen  sint  als  übel  und  als 
Übels  willen,  und  bUgent  sich  unib  ain  klain  ding,  swie  vil  ain  mentsch  dem 
auderu  Übels  tut,  so  sot  es  im  doch  holt  ain  und  sol  im  wo]  tun.  es  ist  aber  10  ] 
ain  stirkü  regel  daz  du  dem  solt  holt  sin  der  dir  übel  tut.  mag  6c.h  du  minne 
nit  so  süsse  sin  als  engegen  dem  der  dir  wol  tttt,  so  müz  si  doch  also  sin 
daz  du  im  nit  ubels  gunnest.  dar  nach  solt  du  ordenlich  sin  an  dinen  worten. 
der  ist  ordenlich  an  sinen  worten  der  alweg  gutes  redet,  da  von  man  ge- 
beasret  wirt  und  nit  gebösret,  und  der  da  redet  da  er  i-ef41'Jien  sol  und  u  \ 
da  sin  rede  nütze  ist,  und  an  der  statt  swiget  da  er  swigen  sol.  aber 
btlich  lüte  kerent  daz  hiuder  her  für  und  redent  da  si  swigen  soltent,  und 
swigent  da  si  reden  soltent  und  da  es  nütz  wäre;  daz  ist  nit  ordeulicli.  man  sol 
da  reden  da  man  reden  sol  und  da  es  gut  ist,  und  sol  da  swigen  da  man  swigen 
sol  und  da  din  red  unnütz  si.  die  lüt  sint  ech  unordenlich  an  irn  worten  die  30  | 
ains  redent  mit  den  Worten  und  ain  anders  hant  in  dem  hertzen.  unser  herre 
sprichet  in  dem  ewangelio;  'ällü  üwi-ü  wort  sont  sin  ja  ja,  nüt  nüf.  daz  ist  als 
vil  gesprochen:  so  du  ja  spricbest  mit  dem  munde,  daz  dir  öch  daz  in  dem  her- 
zen ja  si;  und  so  du  nit  gehest  mit  den  worten,  daz  dir  öch  denn  nüt  si  in  dem 
hertzen.  daz  ist  wider  den  lüten  gesprochen  die  anders  redent  denn  inen  in  dem  3S  1 
hertzen  si.  etlich  lüte  gent  die  schönsten  rede  f41'J  und  die  besten  rede  von 
der  weite,  und  ist  in  aber  gar  enanders  in  dem  hertzen,  und  gent  den  lüten 
mit  bedahten  worten  ze  erkennenn  daz  es  doch  nit  also  ist,  und  went  dar  an  nit 
anreht  han  geseit.  die  lüte  hant  ain  böse  kündkait,  es  ist  aber  den  lüten  sünde. 
si  gelichent  sich  den  luchsen,  die  hant  öch  vil  kündekait.  die  lüt  sint  Öch  un-  3 
ordenlich  an  iren  worten  die  übelÜchü  wort  sprechen!,  da  von  man  betrübet  wirt. 
hetti  ain  man  aim  andern  manne  ain  phunt  oder  fünf  Schilling  genomen  oder  als 
es  denn  wire,  und  kirne  der  ze  bihte,  so  sprichet  der  bihter:  'du  solt  es  wider 
gen  oder  din  wirt  niemer  rät '.    sit  denne  enwenig  phenning  und  zerganklich  gfit 


I 


1.  den  orden  ...  ist  scheint  verderbt;  ßoethe  mutmaßt,  daß  etwa  dageglanden  hat:  dri  oidea- 
licheit  hat  der  mentsch  swa  der  himelber  ist,  oder  etwas  Mnliches.  2.  Nach  gedenken  hat  die 
Bg.:  dv  Bolt  ordelicb  leben  an  dinen  werchon,  was  erst  unten  S.  54  Z.  7  ausgeführt  wird. 
Die  Worte  Hellen  aicli  hier  höchstene  ao  erklären ,  daß  in  der  Vorlage  zunädist  die  kurte  Aufzählung 
der  drei  Punkte  folgte:  ordentlich  an  Gedanken,  Worten,  Werken,  und  dann  der  ernte  Punkt  aufge- 
nommen uvrde:  dann  wäre  aber  ein  den  Worten  gewidmetes  Batzrhen  ausgefallen,  und  hinter  werchen 
der  Übergang  tu  den  gedenken.  S.  vigeutbaFt.  14.  Vor  der  ist  durdi  Homöoteleuton  a-u»- 

gefallen:  der  ist  ordenlich  an  sinen  worten.  20,  din]  diu  ¥  !3.  ja  fehlt. 


22.  Matt.  5,37. 


5^  18.  Von  des  lebens  ordennng. 

der  mentsch  sol  wider  gen,  so  ist  es  vil  billicber,  der  dem  andern  ünsem  herren 
asser  sim  hertzen  nimet  mit  üblen  und  mit  übellichen  Worten,  daz  in  der  wider 
gebe,  won  es  kämet  dik  also,  so  ain  mentsche  ünsern  herren  hat  in  sim  herzen, 
daz  in  im  ain  andei*s  nsser  sifdl'^Jnem  hertzen  nimet  mit  üblen  ^Worten,  nn 
5  mngent  wir  ünsem  herren  nit  wider  geben  won  mit  zwain  dingen :  daz  wir  och 
6ot  bittent  daz  er  im  sin  gnad  wider  geb,  ob  es  si  von  ünsren  schulden  yer- 
lom  habe,  dar  nach  sont  wir  ordenlich  leben  an  ünsren  werchen,  daz  wir  uns 
also  haltent  in  allen  ünsren  werchen  daz  nieman  von  uns  gebösret  werde  und 
allweg  gebessert. 

lu  Da  nach  sont  wir  gaischlichen  leben  mit  den  lüten.  daz  ist  als  vil :  swaz  du 
wissest  daz  dim  ebencristen  lait  si,  daz  du  daz  nit  tügist  Thob;]^as  git  uns  ain 
regel  und  sprichet:  'swaz  dir  lait  wäre  daz  man  dir  täti,  daz  ensolt  du  nieman 
tfin\  so  sprichet  unser  herre  ain  anders  da  wider  in  dem  ewangelio:  'swaz  du 
wellist  daz  man  dir  tüge,  daz  tfi  och  dim  eben  mentschen'. 

15  Dar  nach  sont  wir  demütklich  leben  vor  Gotte;  won  es  enhulfe  anders  nüt 
allessament,  wir  enlebetint  denne  demütklich  vor  Gotte.  won  als  daz  flir  wirt 
behalten  in  der  äschen,  also  werdent  [41'^J  alle  tugent  behalten  in  der  demütkait; 
und  als  daz  für  gerne  erlöschet  an  die  äschen,  also  verlüret  der  mentsche  sin 
tugend  äne  demfit.    sant  Bernhart  sprichet:  'ich  bin  des  wol  gewar  worden  daz 

20  nit  so  gut  ist  ze  gewinnenn  die  gnade  der  ir  niht  hat,  so  zegehaltenn  der  si 

hat,  und  ze  vindenn  der  si  verlorn  hat,   so  daz  der  mentsch  allweg  in  vohrte  si 

und  in  demütkait  vor  Got  wandle,  won  nach  disem  lebenn  gat  daz  ewig  leben*. 

6i  der  ewekait  merket  man  daz  der  mentsch  nit  me  Sünden  mag  so  er  ze 

hymelriche   kumet    won  wäre  daz   der  mentsche  da  sünde  täte,   daz  vertrüge 

25  unser  herre  niemer,  er  stiessi  den  mentschen  usser  dem  hymelriche.  und  daz  ist 
ain  vrage  under  den  maistern  wa  von  daz  si  daz  der  mentsche  hie  uflF  ertriche 
sich  von  Gotte  mag  geschaiden  mit  ainer  höbt  sünde,  und  so  aber  der  mentsch 
erstirbet  und  ze  hymelriche  kumet,  daz  er  denn  enhain  sünde  mag  getün  du  es 
von  [42^J  Got  mug  geschaiden.    es  ist  von  drin  Sachen  daz  du  sei  niemer  von 

30  Got  geschaiden  mag:  es  ist  öch  von  nature  und  von  gnaden  und  von  fröden. 

Du  erst  ist  von  nature;  won  swa  sich  daz  gaischlich  dinge  zfi  ainem  male 
hin  keret,  da  ist  es  iemer  hin  keret.  daz  mag  man  wol  merken  an  den  engein. 
die  da  nit  vielent,  die  kertent  sich  als  gäntzlich  zu  Gotte  daz  nit  an  in  was 
won  daz  sich  an  in  kerte;   und  kertent  sich  als  gar  von  allen  dingen  daz  si  mit 

35  enkaim  ding  enkain  geschäft  hant  won  mit  Gotte.  und  also  si  Got  kerte  do 
er  si  geschüf,  also  sint  si  iemer  me  gekeret.  und  aber  die  engel  die  da  vielent, 
die  kertent  sich  als  gäntzlich  von  Gotte  das  nit  an  inen  waz  won  das  sich  von 
im  kerte;  und  kertent  sich  als  gäntzlich  von  im  daz  si  ankain  geschäfte  mit  im 
hant.    gaischlichü  nature  ist  also:   swa  si  bi  dem  [42^J  ersten  hin  wirt  bekeret, 

40  da  ist  sie   iemer  hin  bekeret.     won   si  keret  sich   als  gäntzlich   swa  si  sich 

5.  In  der  Ausführung  der  zwei  dinge  fehlt  die  Behandlung  eines  Punktes.        35.  enkaim. 
11.  Toh.4,16.  13.  MaU,  7,12. 


18.  Von  des  lebens  ordenong.  55 

hin  kert,  daz  nit  an  ir  belibet  wan  daz  sich  denne  keret.  und  da  von  won  uns 
Grot  von  zwain  naturen  hat  ze  samen  gefüget,  von  gaischlicher  nature  und  von 
flaischlicher  nature  —  won  der  lib  ist  von  flaischlicher  nature  —  und  da  von  sint 
wir  unstäte.  so  wir  hüt  gut  sint,  so  sint  wir  mom  böse;  und  so  wir  hüt  bös  sint, 
so  sint  wir  mom  gut.  hüt  minnent  wir  Got  vil,  morn  minnent  wir  in  klein.  5 
und  so  du  sele  und  daz  hertze  sich  kert  zu  Got,  so  ist  noch  me  an  uns  daz  sich 
von  im  keret,  daz  ist  der  lib;  won  du  sele  wil  all  weg  zfi  Got,  so  zühet  aber  der 
lib  allweg  her  wider,  und  da  von  mugent  wir  nit  stite  sin.  und  so  aber  du  sele 
zu  Gotte  kumet  in  h^elriche,  wan  si  denn  gar  gaischlich  ist,  so  kert  si  sich  zu 
Got  als  gantzlich  daz  si  sich  niemer  von  im  geschaiden  mag.  [42^J  io 

Daz  ander  ist  von  gnaden,  wie  ain  phal  w&r  ewig,  und  der  denn  ain  kettenn 
dar  an  bunde  du  och  ewig  wäre,  und  denne  ain  ding  an  die  kettennen  bunde 
daz  och  ewig  wäre:  daz  geschiede  sich  niemer  von  enander.  ze  glicher  wis  ist 
es  umb  Got  und  umb  die  sele.  Got  der  ist  ewig,  und  sin  minne  du  ist  och  ewig, 
und  du  sei  ist  och  ewig,  so  wirt  Got  und  du  sele  ze  samen  gebunden  mit  dem  15 
ewigen  bände  der  minne,  won  sant  Paulus  sprichet:  'du  minne  zergat  niemer'. 
so  wirt  du  sei  von  gnaden  zfi  Got  gebunden,  won  sin  minne  ist  nit  anders  won 
sin  gnade,  und  da  von  won  Got  ewig  ist  und  och  du  sei  ewig  ist  und  och  daz 
band  ewig  ist  —  sin  gnade  und  sin  minne  da  mit  Got  und  du  sele  zesamen 
werdent  gebunden  — ,  da  werdent  si  niemer  geschaiden ;  won  du  sei  ist  von  ünsers  20 
herren  gnaden  zä  Got  gebunden,  daz  si  niemer  von  Gotte  mag  geschaiden. 

Daz  dritte  ist  von  vröden.  daz  [42^^]  sich  du  sei  nit  geschaiden  mag  von 
Grotte,  daz  mugent  ir  wol  merken  da  bi:  gat  der  mentsche  abe  ainer  statt  an  die 
andren,  daz  tfit  es  dar  umbe  daz  es  da  wannet  me  rfiwen  vnd  vröde  vinden  dar 
es  wil,  denne  dannen  es  gangen  ist.  sint  die  lüte  in  aim  bongarten  der  schön  25 
ist,  so  sprechent  si:  'wir  sont  aber  fürbas  gan  in  ain  der  noch  schöner  ist',  gat 
ain  knehte  von  sim  herren  zu  aim  andern^  daz  tut  er  dar  umbe  daz  er  im  baz 
kämet;  kürtzlich  die  lüte  verwandlent  niemer  ir  statt  won  daz  si  da  me  vröden 
und  rflwe  wänent  vinden  dar  sü  kerent,  denne  dannen  sü  sint  körnen,  und  so 
aber  du  sele  ze  hymelriche  kumet  und  Got  under  sin  antlütz  sihet,  so  waiss  si  30 
wol  daz  si  niena  so  vil  ganzer  vröde  und  ganzer  rfiwe  vindet  so  an  Got,  und 
waiss  wol,  swa  si  hin  kerte,  daz  si  da  nit  so  vil  vröden  funde  so  an  Gotte.  und  da 
von  verwandelt  si  ünsern  herren  niemer  und  geschaidet  sich  niemer  von  im.  [43""] 

Nu  helf  uns  Got  daz  wir  uf  ertrich  als  ordenlich  gelebent  an  uns  selben  und 
als  gaischlich  mit  den  lüten  und  als  demütklich  vor  Go*ttes  antlüt  daz  wir  en-  85 
phahent  daz  ewig  riche  ünsers  herren. 

[19J  Yon  ralnkait  ond  von  glrde. 

Ain  gfit  mentsch  bedarf  wol  zwaiger  ding,  daz  erst  ist  rainkait  des  hertzen, 
daz  ander  girde  gfiter  ding. 

7.  im]  uns. 

16.  1.  Cor.  13,  8, 


56  19.  Von  rainkait  und  von  girde. 

In  zwo  wise  sol  man  daz  hertze  rain  machen,  ob  es  nnrain  ist  worden:  mit 
ünsers  herren  helfe  und  mit  des  mentschen  arbaite.  mit  ünsers  herren  helfe:  mit 
dem  applas  in  der  bihte.  daz  ist  dem  mentschen  ain  klainü  wisse  nnd  hat  die 
kraft  doch  daz  es  dem  mentschen  sin  sünde  ab  nimet  mit  sin  selbes  arbait,  won 

5  ain  wisse  vertribet  die  ander,  aber  daz  hertze  daz  rain  ist,  daz  daz  in  siner 
latri  belibe  und  lutrer  werde,  daz  beschit  mit  zwain  dingen:  mit  vermiden  und 
mit  tünne.  wan  untugent  sol  man  rügen  mit  vermidenn /^5*7  in  zwo  wis:  bi  dem 
ersten  du  ding  da  der  mentsch  Got  enthaissen  hat;  dar  nach  du  ding  die  dem 
mentschen  Got  gebotten  hat.    mit  tünne  och  in  zwo  wise:   von  des  mentschen 

10  flisse  und  von  guter  bischaft.  von  sim  flisse  und  von  siner  beschaidenhait :  swaz 
er  gutes  mag  getün,  daz  er  daz  tügi;  von  guter  bischaft  also:  swaz  es  an  aim 
andern  sehe  gutes,  daz  es  sich  dar  nach  bilde  und  sich  ordne,  nach  den  säligen 
die  ietzont  lebent,  und  öch  nach  den  haiigen  die  hinnan  sint  geschaiden. 

Daz  ander  des  ain  gut  mentsch  wol  bedarf,  daz  ist  girde.    vier  begerung 

15  sint  in  der  sele,  daz  ist:  girde,  vohrt,  liep  und  lait.  die  sont  allüsament  be- 
wegenlich  sin  gegen  Got.  unser  herre  gelobet  und  tröwet  und  git  und  tfit.  er 
gelobet  uns  die  ewigen  vröde;  er  tröwet  uns  zfi  der  ewigen  wisse;  er  git 
uns  täglich  mit  siner  güti;  er  tut  uns  täglich  mit  den  üblen  ziten  die  wir  müs- 
sent  liden  [43'']  in  dirre  weite,    unser  girde  sol  geraitze^  sin  von  den  dingen 

20  die  er  uns  gelobet  hat;  wir  sont  forhte  hau  zfi  den  dingen  zfi  den  er  uns  ge- 
ordnet hat;  liebi  gegen  den  dingen  die  er  us  geben  hat;  lait  engegen  den 
dingen  die  er  uns  tfit.  hie  von  sprichet  sant  Bemhart:  *daz  herze  ist  ze  herte 
daz  nit  gelindret  wirt  von  ünsers  herren  güti  noch  nit  erklupphet  von  der  ewigen 
wisse  noch  nit  berihtet  wirt  von  den  üblen  ziten  noch  nit  gelihtret  wirt  von  den 

26  künftigen  dingen  oder  fröden\ 

Lob  und  ere  und  dank  si  dem  an  dirre  coUacione  der  vol  ist  güti  und  wiss- 
hait  und  aller  süssekait;  der  helfi  uns  daz  wir  unser  hertze  also  rain  machent 
und  also  luter  behütent  daz  wir  in  werdent  sehend  in  siner  überflüssiger  süsse- 
kait.   amen. 


so 


[20  J  Von  Unser  vrowen. 


Qui  creavit  me,  requievit  in  tabernaculo  meo  et  dixit  mihi:  in  Jacob  in- 
habita. 

Du  höh  küngin  von  hy/^57melriche ,  Gottes  mfiter,  du  sprichet  disü  wort 
und  lobet  sich  da  mit  und  sprichet:  'der  mich  geschfif,  der  rflwet  in  mim  gezelt 
35  und  leret  mich  daz  ich  woneti  in  Jacobes  gezelt,  und  min  erb  sol  sin  in  Israhel 
und  min  würze  sol  ich  zerlan  uuder  min  erweiten'. 

Nu  sont  ir  merken  an  dem  ersten  wort  daz  si  sprach:  'der  mich  geschfif*, 
da  mit  rümet  si  sich  daz  er  si  so  reht  wol  geschaffen  hatte  und  als  wirdeklich, 
und  rümet  sich  ir  schöni  und  ir  minneklichi. 

1.  zwo]  vier,  was  ein  Versehen  sein  muß.  19.  geraitzen.         28.  sehend  am  Bande. 

81.  Ecdi.  24, 12. 


2U.  Von  üae 


67 


I  Worte  daz  si  sprichet:  'er  ruwet  in  mim  gezelte",  dar  an 
ruroet  si  sich  daz  si  daz  gezelt  waz.  nu  sont  ir  merken  daz  di'ier  hand  liite 
röwent  in  gezelten.  daz  erste  sint  zart  lüte  und  vehtend  liit  und  hirten.  in  die 
selben  dri  wis  ruwet  unser  hene  hi  siner  lieben  mtiter.  daz  mugent  ir  wol 
merken  an  andren  bailgen  selan,  bi  den  {44"]  unser  hene  als  reht  gütlichen  s 
rüwet  und  mit  den  als  lieplich  wonte:  'daz  ist  mir  ain  rehtü  wunne  und  ain 
TÖUü  rüwe  da  ich  und  du  sAlig  sei  riiwe  und  vrude  bi  enauder  habent'.  dar  an 
mugent  ir  merken  daz  unser  herr  zärtlich  und  gütlich  wonet  bi  siner  rainnen 
müter  sant  Marien,  er  ruwet  bi  ir  öcb  als  ain  striter;  won  er  wo!t  an  ainen 
starken  strit  da  wolt  er  als  tegenlich  striten  daz  er  sere  äne  masse  wuut  wart  lO 
dirr  stark  strit  waz  der  bitterlich  tot.  mit  sira  tot  gewan  er  wider  an  dem 
cr6tze  alles  mentschliches  künne,  daz  waz  im  benomen  vil  bi  sehs  tusent  jar; 
daz  gewan  er  wider  an  dem  strit«.  es  waz  ain  herter,  grosser  stHt,  da  Jhesua 
Christus  verlor  siuen  künklichen  lip.  er  tote  an  uns  den  ewigen  tode  mit  sim 
tode.  do  Gottes  SUD  an  disen  strit  wolt  gan,  do  rüwet  er  in  dem  edlen  gezelt,  15 
in  siner  rainnen  muter  [44"]  lip,  und  wifFent  sich  in  dem  gezelt  mit  der  rainnen 
mentscbait,  die  er  an  sich  nam  von  ir.  er  rüwet  6ch  in  disem  gezelt  als  ain 
Uyrte.  daz  unser  herre  Got  si  ain  hyrte,  daz  sprichet  er  selber  iu  dem  ewan- 
gelio:  'ich  bin  ain  hyrte  gät  und  h&te  miaer  schäfe  und  han  min  sele  gesetzet 
für  minü  schäf.  20 

Nu  sont  ir  merken  daz  dritte  wort  daz  si  sprichet:  'er  lei-te  mich  daz  ich 
wonte  in  Jacobes  gezelt'.  dar  an  sont  ir  merken  daz  er  hiess  und  lerte  daz  si 
wäre  ain  ringerin  uff  ertriche.  Jacob  daz  sprichet  'ain  ringer'.  und  daz  er 
si  hiess  daz  si  wonte  in  Jacobes  gezelt,  da  mit  ist  es  gemainnet  daz  er  si  hiess 
daz  si  ain  ringerin  wire,  und  daz  si  ringen  solti  mit  der  weite  und  daz  hymel-  25 
rieh  mit  arbaiten  gewinnen. 

Nu  sont  ir  merken  daz  si  sprach:  'min  erbe  sol  sin  in  Israhel',  daz  sprichet 
'die  Got  sehent'.  daz  sol  ir  erbe  sin  daz  si  Got  ewklich  sol  an  sehen;  won 
unser  herre  Got  der  wil  selber  ir  Iöq  sin  und  144"]  ir  reht«s  erbe  in  hy- 
melriche.  s») 

Dar  nach  merkent  daz  fünfte  wort  daz  si  sprichet:  'min  wurtze  sol  sich 
zerlassen  under  min  erweiten',  an  dem  worte  sont  wir  merken:  ir  miltkait  und 
ir  gnade  du  sol  sich  zerlassen  under  die  die  ir  dienent.  ir  miltekait  und  ii' 
gnade  ist  also  gross  daz  si  &ch  erhärmed  hat  über  die  lüte  die  si  nit  gnaden 
and  erbärmd  bittent ;  won  also  liset  man  von  ir  daz  si  ist  mllt  und  ain  95 
mftter  der  erb&rmd.  si  hat  nit  allaine  erhürnide  über  die  die  ir  dienent,  si 
erbarmet  sich  öcb  über  die  die  an  gnade  sint,  und  bittet  für  sü  iren  lieben 
bOS,  änsern  lieben  herren  Jhesum  Christum. 


iXO.  »: 


Qod  rwtimal. 


8,   Vor  daa  »eheint  der  Text  ettuas  (tnsgetaa»cn   . 
prichet.  19.  Joan.  10,  IL 


I  eiyämen  ist  etwa:  daz   i 


58  21.  Von  dem  haiigen  gabt. 

[21.]  Ton  dem  haiigen  galst 

Der  hailig  gaist  ist  in  der  sele  in  dri  wis.  er  kumt  als  ain  für.  reht  ze 
glicher  wis  als  daz  für  lind  ding  heviic  machet  und  ]iei*tä  ding  linde,  also  tut 
da  gnade  des  hailigen  gaistes.    si  machet  daz  hertze  herte  daz  g  linde  waz  zfi 

5  bewe/44*7genne  und  zu  hohfart  und  daz  lihte  möht  beweget  werden  von  des 
libes  wolnust.  daz  herze  daz  da  linde  waz,  daz  wirt  denn  herte  von  der 
gnade  des  haiigen  gaistes  under  allem  dem  götlichen  geschäfte  und  den  dingen 
da  daz  mentsch  mugent  bewegen,  daz  wirt  denn  herte.  daz  hertze  daz  e  herte 
waz  z&  Gottes  dienste  und  z&  allen  guten  dingen,  daz  wirt  och  linde  von  dem 

10  fAre  des  haiigen  gaistes,  daz  es  gern  Gotte  dienet  mit  guten  werchen  und  mit 
allen  tugenden.  daz  für  hat  die  tugend  das  es  nieman  beschliessen  mag;  won 
swa  für  ist,  da  ist  es  un verborgen,  also  ist  öch  du  gnade  des  haiigen  gaistes; 
swa  du  ist,  da  enmag  man  si  nit  verbergen,  in  swelem  hertzen  daz  für  des 
haiigen  gaistes  ist  enbrunnen,  da  enmag  man  daz  för  nit  beschliessen.    man  mag 

15  es  wol  merken  an  des  mentschen  werchen  uswendig  daz  daz  für  [48*]  der 
gnaden  ist  enbrunnen  in  dem  hertzen. 

Der  hailig  gaiste  ist  öch  in  der  sele  als  ain  schönes  lieht,  daz  lieht  ent- 
lühtet  die  vinstri  und  zaiget  den  weg,  daz  sich  der  mentsche  erkennet,  und 
erfröwet  öch  den  mentschen.    ze  glicher  wis  tut  öch  der  hailig  gaist   in  der 

20  sele.  er  entlühtet  daz  hertze  und  die  sele.  du  vinstri  der  Sünden  du  wirt  ent- 
lühtet  von  dem  lieht  des  haiigen  gaistes,  und  wirt  du  sünde  Verstössen,  und  du 
sele  entlühtet  daz  lieht  des  haiigen  gaistes,  und  zaiget  öch  der  sei  den  rehten 
weg  zu  der  hymelschen  Jerusalem  und  wiset  si  illü  gütü  ding,  und  git  ir  daz 
lieht  ze  erkennen,  wie  si  wider  ir  schepher  gelept  het  und  wie  si  daz  nu  wider 

25  leben  sol  mit  tugentlichem  lebenne.  daz  lieht  des  haiigen  gaistes  fröwet  och  die 
sele.  reht  ze  glicher  wis  als  daz  vögelli  von  dem  morgen,  so  der  tag  uf  g&t, 
also  wirt  du  sele  erfröwet  von  dem  tage  des  haiigen  gai/^57stes.  so  der  tag 
uf  brichet  in  der  sele,  so  wirt  si  entlühtet  und  gewinnet  ain  minneklich  fröde 
mit  dem  haiigen  gaist. 

30  Der  hailig  gaist  ist  öch  in  der  sele  als  ain  brunne.  der  küle  brunne  der 
löschet  den  durstigen;  der  mentsch  besiht  sich  och  in  dem  brunnen;  der  mentsch 
waschet  sich  in  dem  brunnen.  ze  glicher  wis  tut  öch  du  sele,  so  der  edel  gaist 
in  si  geflüsset.  der  hailig  brunne,  der  süsse  brunne  der  löschet  den  durst  daz 
ist  also:   die  hitze  und  den  durst  dirr  brennenden   weit  den  löschet  der  hailig 

35  gaist  an  den  mentschen.  du  sele  besiht  sich  öch  in  dem  lutren  brunnen  des 
haiigen  gaistes.  si  ersiht  ir  antlüt,  wie  oder  wa  si  daz  hat  verwiert  mit  den 
Sünden,  und  erkennet  sich  des  ze  rüwe,  ze  bihte  und  ze  büsse.  si  sitzet  öch 
über  den  brunnen  und  versiht  den  schaden  der  ir  geschaden  mag  von  ir  vienden, 


3.  ding  hertir]  martir.  5.  Nach  bewegene  ist  wohl  ein  anderes  Substantiv  ausgefallen 

und  etwa  zu  ergänzen  zA  nid  oder  ähnliches.         1.  und]  gein.^  (Panzer)  oder  widert  (Roethe). 


21.  Von  dem  haiigen  gaist  59 

daz  ist  du  weit,  der  tufel  und  ir  selbes  lip.  dirr  drier  vigind  läge  versiht  si 
und  hütet  sich  da  vor.  du  [45^]  sele  waschet  sich  in  dem  brunnen  des  haiigen 
gaistes.  du  luter  gnade  des  haiigen  gaistes  du  entlühtet  die  sele,  und  wirt  sich 
du  sele  erkennend  alles  des  si  ie  wider  Got  getet,  und  waschet  sich  och 
denne  du  sele  mit  dem  brunnen  des  haiigen  gaistes  in  der  gnade.  5 

[22.]  Yon  des  lebens  Ordnung. 

[Non  corruptibilibus  auro  vel  argento  redempti  estis,  sed  pretioso  sanguinej 

Disü  wort  sprichet  sant  Paulus:  'o  edlü  sele  und  sälgu  sei,  du  bist  nit 
geköffet  mit  gold  noch  mit  silber  noch  mit  edelem  gestain,  du  bist  geköffet 
mit  der  mentschait  ünsers  herren  Jhesu  Christi,  der  von  hymelrich  uff  ertrich  lo 
wart  gegeben',  merke,  sälgu  tohter,  wie  tür  du  bist  geköffet  mit  sim  tode 
und  mit  sim  rosvarwem  blute,  daz  zu  den  fünf  rosen  uf  brach!  nu  sich, 
tohter,  du  bist  geköffet,  als  sant  Paulus  sprichet:  'edlü  sei,  du  bist  geköffet  mit 
grossem  schätze,  erent  Got  und  tragent  Got!' 

Wie  sont  wir  ünsem  herren  eren?  in  dri  wis  sont  wir  in  eren.  wir  sont  16 
in  loben  mit  dem  munde  und  [45^  sont  in  gern  loben,  won  er  ist  gar  lob- 
lich, lobent  in  mit  singenn  und  mit  lesenn!  sprich  all  weg  gern  sin  lob  und  sin 
ere,  daz  zimet  dir  wol.  rainer  munt,  rainü  wort;  süsser  munt,  süssü  wort. 
daz  ist  ain  wol  hellendes  lob.  wir  sont  och  Got  eren  mit  dem  hertzen,  mit 
süssen  und  mit  tugentlichen  gedänken.  rainnen  hertzen  gezimet  wol  rain  ge-  20 
danke,  wir  sont  6ch  Got  eren  mit  guten  werchen.  also  sont  wir  Got  eren  mit 
rainnen  gedenken  und  süssen  werten  und  werchen. 

Wir  sont  öch  ünsem  herren   tragen  als  ain  bild  in  unserem  hertzen.    nu 
merk,  sälgü  sele,   disen   bilder,  ünsern  herren  Jhesum  Christum,   daz   ist  ain 
minnekliches  bilde,    nach  dem  solt  du  din  leben  bilden,    du  solt  lernen  bilden  25 
an  dem  edlen  bilder,  üserm  herren  Got,  an  siner  rainen  mentschait.    nu  merk, 
tohter,  drü  bilde:  armfit,  arbait  und  versmihte.   armut  der  hatte  er  also  vil:  von 
dem  tage  daz  er  ge[46'ß>0Ten  wart,  untz  an  die  zit  daz  er  von  dirre  weit 
schied,  do  gebrast  im  nie  armfit.    er  was  arm  do  er  wart  geborn  von  siner 
mfiter,  daz  si  nit  hatte  da  si  ir  raines  kind  in  gewunde,    er  waz  öch  als  arm  30 
do  er  an  dem  crüze  stfind,  daz  er  nit  so  vil  hatte  daz  er  sin  höbet  möhte  ge- 
naigen.    also  sprichet  unser  herre:  *der  vogel  hat  sin  nest,  der  visch   hat  sin 
gennht  in  dem  wage,  daz   tier  in  dem  walde  hat  sin  hol,  aber  des  mentschen 
kint  hat  nit  so  vil  daz   es  sin   höbet  genaigen  möhte'.    nu  merk   öch  grosse 
arbait    do  er  sibentägig  waz,  do  wart  er  besnitten  nach  der  alten  e.    nu  sich  85 
wie  zitlich  er  ane  vieng  arbaiten  in  ünserm  dienst,  und  la  dir  dester  lihter  sin 
enklain  arbait  in  sinem  dienste.    nu  sich  an  daz  dritte  bilde,  an  sin  versmähte. 

7.  Der  lat  Text  fehlt         15.  eren  ...  in  fehlt         29.  er  vor  wart  später  eingeschoben, 

7.  J.  Fetr.  i,  18.         13.  L  Cor.  6,  20.         15.  vgl.  S.  53  Z.  1  ff,        17.  Anklänge  an  Fs,  150. 
32.  Matt.  8, 20;  vgl.  8.  35  Z.  17. 


60 


22.  Von  dt*  lobens  Ordnung. 


des  Uöhsten  Gottes  suii  von  liymelriche  der  waz  als  versmälit  daz  man  in  scMftg' 
an  erbArmede,  und  spottetent  sin  und  schultent  in  und  spuwtent  im  [40^J  under 
sinö  ogen  und  under  sin  küngkliclis  antlüt.  nu  sicli  wie  eich  der  höh  Got  und 
mentsch  gab  ze  versmAbende  and  ze  spotte  einen  viendeu!  sÄliger  ment«che, 
B  trag  diaen  bilder  in  dim  hertzen  und  bilde  dich  nach  sinem  minneklichen  bilde, 
so  du  maist  mitgest.  sich  an  daz  meutschlich  leben  daz  Jhesus  Christus  uff 
ertrich  hatt,  und  bilde  din  leben  nach  situ  tugentlichen  lebeun:  daz  soi  dir  ain 
bilder  und  ain  Spiegel  sin.  nim  ab  im  demötkait,  armüt,  arbait.  din  tugend  solt 
du  erkennen  in  siner  tugend,  und  alles  din  leben  solt  du  tempern  mit  sim  min- 
I  10  neklichen  lebenne. 

Nu  merke:    du  bist  geköffet  mit   grossem  schätze,   dar  umb  solt    du    Got 
eren  und  tragen  in  dim  hertzen  als  ainen  bilder. 


[23.]  Von  der  frnntscliaft  zu  Got.  H 

[Vulnerasti   cor  meum  in   uno  oculorum   tuorum.} 

ifi  Disü  wort  sprichet  unser  lierre  zu  der  sele:  'du  hast  min  hertze  verwundet, 
fründiu  minu,  mit  den  ogen  din'.  min  swöster,  liebü  gemahel  min,  tub  minü,  du 
da  ist  [4G']  ane  fleken,  du  hast  min  hertz  verwundet,  din  antlüt  sol  zu  mir  sin 
bekeret.  sich,  liebü  fründin  min,  hie  mit  hast  du  mir  min  hertze  verwundet,  nu 
merke,  liebii  gemahel,  wie  dih  üot  genemet  hat  sin  liebü  swiister.    du  solt  im 

30  glich  sin  an  drin  dingen,  so  bist  du  sin  swöster.  bist  du  im  glich  an  reliter 
künschkait,  so  bis  künsch  in  dim  hertzen  mit  künschen  und  mit  rainnen  ge- 
denken und  mit  süssen,  alle  die  süntliche  gedänke  die  du  ie  gehattest,  die  solt 
du  wider  gelten  mit  rainnen  gedAnken  und  mit  süssen,  swaz  du  ie  gedahtest 
nach  der  weite  boshait,  daz  solt  du  alles  bessren.    und  solt  künsch  sin  an  dinen 

2S  Worten,  swaz  du  böser  und  unkünscher  worte  ie  gespräch,  du  solt  du  önsrem 
hen-en  gelten  und  solt  von  gtküchen  tugenden  reden,  du  solt  öch  ünsrem  herren 
glich  sin  an  starken  werchen.  swaz  du  böser  und  süntlicher  werch  ie  getät  wi- 
der Gotte,  du  [46']  solt  du  im  nu  gelten  mit  raineu  und  mit  künschen  werchen, 
und  solt  dich  alles  an  tugenden  flissen  und  guter  werche.    hast  diso  drü  ding  an 

8ü  dir,  so  bist  du  ünsers  herren  fründin  mit  rehter  minne.  und  merk  waz  daz 
ewangelium  sprichet:  'du  solt  minnen  dinen  herren  und  din  Got  von  allem  dim 
hertzen'.  du  solt  öch  ünseru  herren  loben  mit  dim  munde  und  solt  gerne  singen 
und  lesen  Got  ze  lobe  und  ze  dienste.  und  swenn  du  daz  last,  so  du  es  getiln 
mäht,  daz  vordret  dir  Got  zu.    du  solt  och  han  gütü  zaichen  an  dinen  werchen, 

SS  daz  du  andren  lüten  gut  bild  gebest  und  daz  sü  sich  an  dir  müssint  besseren, 
als  tugentlich  solt  du  sin  an  dim  lebenu.  hast  du  disü  drü  ding  an  dir,  so  bist 
ünsers  herren  ti'ündin. 


3.  kÜDg/klicka  am  Ende  nnd  Anfang  der  Zeile; 
mal.  9   mit  tweimal,  eintnal  rot  durchatricken. 

ttfieimal,         28.  dv  iweimal. 

U.  Cant.  4.  9.  51.  Matt.  22,  37. 


rgl.  auch  8.  62  Z.  17. 
14.  Der  laL  Text  fehlt. 


'ie  sich  z 


1 


.  Von  der  fröntschatt  lii  Got. 


61 


Du  Bolt  öch  der  taben  glich  sin  an  drin  dingen,  du  turteltube  ist  ane 
gailen;  si  hat  öch  nit  won  ainen  gesellen;  wenn  si  den  verliiret,  so  ist  si  dar 
nach  gern  147"]  allaine.  dar  an  solt  da  gerne  der  turteltuben  glich  sin.  du  solt 
sin  ane  gallun  alles  Übels  und  solt  doch  zürnen  wider  den  sünden.  du  solt  öch 
nit  han  won  ain  gesellen,  daz  ist  unser  lierre  Jhesas  Christus;  der  sol  allaine  5 
diD  höhestes  sin  und  din  liebstes  lob  sin.  du  solt  öch  gerne  an  der  aine  sin. 
daz  solt  du  also  merken  daz  du  gern  solt  bi  dir  selben  in  dini  hertzen  sin  und 
din  sinne  und  din  gedänke  bi  dir  han,  and  solt  diu  selbes  tngentlicb  und  ilissek- 
lich  pblegen,  und  solt  in  dim  hertzen  sehen  an  dinü  werch  und  an  dinu  wort, 
und  solt  an  sehen  dinü  Übeln  werch  und  din  krankait,  und  dinen  gebresten  diner  to 
lügend  und  diner  sele  dem  erbarmhertzigen  Gotte  klagen  an  sin  götlich  er- 
bflirmde,  und  solt  im  din  sele  und  dinen  gebresten  ergeben  an  sin  vätterlieh 
triiwe  in  der  aini  dins  hertzen  t'rides  und  diner  sele  ruwe  mit  dem  süssen  Gotte. 
da  solt  du  gerne  sin  und  solt  getröstet  werden  in  der  aini  mit  Got,  dinem 
ftinem  [47*]  Übe  und  diuer  sele  höhstü  fröde.  16 

^H  [24.]  Ton  den  hy melsohen  froden. 

^^H     [Esto  fidelis  usque  ad  mortem  et  dabo  tibi  coronam  vifaej 
^^B     Disü  wort  Bprichet  unser  herre  in  Apocalypsi  und  sprichet  also:  'esto  fldelis 
'     Tl^ne  ad  mortem',    'bist  du  mir  getrüwe  seliger  mentsch  untz  an  den  tod,  so 
wil  ich  dir  geben  ain  kröne  des  ewigen  lebens'.  m 

Nu  sont  ir  merken  wie  wir  unserem  herren  getrüw  sont  sin.  wir  sont  im 
getrüw  sin  an  vier  dingen,  wir  sont  getrülich  behalten  unser  sele  und  unser 
fünf  sinne  und  sont  unser  leben  tugentlich  verzerren  und  sont  öch  dar  an  stfit 
bliben  antz  an  daz  ende  ünsers  lebens.  wir  sont  öch  unser  sele  behalten  raink- 
lich  und  künschklich,  daz  wir  si  ünserm  herren  wider  antwürtent  als  schön  und  is 
als  anverwiert  als  öch  er  üs  si  gab.  wir  sont  öch  unser  fünf  sinne  getrülich 
behüten  als  raineklich  daz  ze  disen  fünf  venstern  nieman  in  sehe,  des  sich  du 
sele  schäme  nnd  da  von  si  werde  entrainet  an  ir  edelkait  wir  sont  öch  unser 
leben  verzerren  tngent^-fT'yiich  in  Gottes  dienst  mit  tngentlichen  werchen  und 
mit  hohem  dumiVhtigem  lebenn.  also  sont  wir  unser  zit  vertriben.  wir  sülent  M 
öch  dar  an  stit  beliben  untz  an  unser  ende,  es  ensol  nit  weren  zehen  jar 
noch  zwainzig  jar,  es  sol  sin  untz  an  den  tot. 


S/l  der  bis  lob  sin]  der  sol  allaine  din  höbestcH  und  din  liebstes  lieb  ain.'  14.  dine. 

15.  libe  ^  liebe.  11  f.  In  Äpocaüpsi  (rnt);  Esto  Tidelis  usque  ad  mortem  el  d.  t.  c.  v. 

TUsv  von  eprichit  in  Apocallpsi.   vJi  eprichit  also,   biatu  mir  getrflwe  seliger  mensche  vnz  an  den 
tot  BO  wil  ich  dir  geben  eine  crone  des  ewig'en  lebcnnia  Z.  22.  wir  svn  ime  Z.  24,  Och 

fehlt  Z.  kÜBcbecliche  vD  leinecUche  Z.  27.  behSten]  behalten  Z.  sehe]  lese  Z. 

W.  entrainet]  enteret  Z.  30.  zit  tugentliche  vertriben  Z. 


1.  vgl  S.38  Z.28tf.  16.  Das  Stück  findet  eich  auch  i 

gleithlavtend ;  besondere  Lesarten  gind  im  Apparat  angegeben. 


.  Z.  BI  139^  im 
17.  Apoc.  S,  10. 


tvesmtlichen 


62  24.  Von  deo  hfmelschen  Mden. 

Behaltent  wir  dis   trüwe  an  ünsrem  herren,  so  git  er  uns  ain  kröne,    da 

llgent  fdnf  edelstaine  inne.    der  erst  stain  der  in  der  kröne  lit,  daz  ist  iemer 

wunneklich  leben  ane  tod.    nu  merk,  sälger  mentsch,  wie  gar  frölich  daz  leben 

ist  ane  tot  und  ane  allerschlahte  arbait.    o  sfisser  minneklicher  6ot,  wenn  sont 

5  wir  komen  zu  der  vröde  da  iemer  wunnekliches  leben  ist  ane  betrübde? 

Der  ander  stain  ist  daz  uns  iemer  mere  alle  die  fröde  z&  flüsset  der  wir 

gereut,  und  me  frölicher  vröde  denn  ällü  hertzen  kunnent  erdenken  und  alle 

Zungen  mugent  vol  reden,    o  hoher  werder  richer  Got,  bis  iemer  ewklich  gelobt, 

daz  wir  mit  kurtzem  lebenn  mugent  verdienen  so  unmäs/^7*7sig  fröde  die  illü 

10  hertzen  nit  kunnent  erdenken! 

Der  drit  stain  daz  ist  daz  wir  enkain  ding  da  haut  daz  wir  ungern  habent. 
da  enbristet  uns  och  enkains  dinges  daz  man  gern  da  hat.  alles  daz  wir  gern 
habent,  daz  habent  wir  mit  ganzen  fröden  allesament  ane  gebresten. 

Der  vierd  stain  ist  minneklich  lachen  des  minneklichen  Gottes  und  du  un- 
15  betrübde  lutri  der  ganzen  gothait  owe,  nu  gedenk,  sälger  mentsch,  wie  gar 
wunneklich  daz  ist  diner  sele  so  dich  der  minneklich  Got  an  siht  mit  sinen 
minneklichen  götlichen  ogen  und  er  dich  an  lachet  mit  sim  küngklichem 
munde!  owe,  waz  süsser  fröde  in  die  edlen  sei  flüsset  von  dem  minneklichen 
an  lachen ! 
20  Der  fünft  stain  ist  gewisshait  und  sicherhait  daz  du  von  dem  minneklichen 
Got  und  von  dem  himelschen  gesinde  niemer  solt  geschaiden  werden. 

Nu  merk  ain  ieglich  mentsch  wie  gar  vnaji[48''Jiieklich  daz  ist  bi  dem  vrö- 
lichen  Qot  sin  und  bi  der  hohen  küniginne,  siner  werden  mfiter,  und  bi  den 
schönnen  engein  und  bi  den  loblichen  haiigen,  und  mit  den  wunnenklichen 
25  mägden  und  mit  allem  hymelschlichem  her,  und  ist  sich  ze  vröwenn  ewklich 
in  götlicher  minne,  da  du  sicherhait  mit  ist  daz  kain  ende  sü  niemer  me  ge- 
schaidet  und  kain  betrübde.  ir  vröde  meret  sich  ällü  zit,  und  ist  du  vröde 
iemer  sicher  an  end. 

[25J  Von  vier  bände  geburt 

30  [Amen,  amen  dico  tibi,  nisi  qtm  renatics  fuerit  denuo,  non  potest  videre  reg- 

num  deij 

Disü  wort  sprichet  unser  herre  in  dem  ewangelio:  'ich  sage  dir  gewirlich 
daz  du  niemer  behalten  mäht  werden,   du  werdest  denn  andrest  geborn*. 

1  /'.  kröne  dos  ewigen  lebennis  vü  in  der  kröne  ligent  Z.        2.  ist  de  iemir  ist  wunnedich  Z. 
8.  vol  reden]  volle  recken  Z,  bis  . . .  ewklich]  wis  iewiger  vü  ewedichere.  9.  so 

kvizem  Z.  10.  kunnent]  mvgen  Z.  11—13.  Der  dritte  stein,  da  ist  enhain  dink  an  de  wir 
vngeme  han.  da  bristet  o^ch  enheinis  dingis  das  man  gerne  hat.  de  haben  wir  mit  ganzen 
vro^den.    ane  bresten  Z.  14.  de  minnecliche  Z.  21.  ingesinde  Z,         23.  sin  fehlt  Z, 

25.  her  ist  sich  Z.         und  ist  zu  streichen?  (Panzer).  26.  minne]  wunne  Z,         mit  fehlt  Z. 

de  dv  enhein  ende  Z.         27.  betrubede.   siv  niemir  betrvbit  Z.         ist  fehlt        vnd  ist  div 
vro^ide  iemer  me  an  ende  Z.         30.  Der  lat  Text  fehlt 

2  f  vgl  S.  16.  Predigt  Nr.  5.  30.  Joan.  3,  5. 


25.  VoD  vier  bände  geburt  63 

Nu  merk,  von  vier  band  geburt  liset  man  in  der  schrift. 

Du  erst  geburt  ist  ain  lieplichü  geburt,  als  wir  all  geboren  werden t  usser 
unser  mäter  lip;  du  geburt  ist  arbaitsam.  nu  sont  ir  merken  drü  ding  an  der 
geburt.  daz  erst  daz  ist  arbait.  wir  werdent  mit  ArfdS^JbBit  und  mit  grosser 
not  geborn  an  dis  weit,  daz  ander  daz  sont  ir  wissen  daz  wir  mit  Sünden  5 
enphangen  werdent  und  6ch  geborn.  da  von  spricht  der  wissag  David:  'ich 
waiss  wol  und  erkenn  es  wol  daz  mich  min  müter  mit  Sünden  hat  enphangen 
und  daz  ich  mit  Sünden  bin  geborn*.  und  müssent  och  jamerlich  von  dirre  weite 
schaiden;  wan  daz  manet  man  den  mentschen,  so  man  im  uff  daz  höbet  äschen 
git,  so  sprichet  der  priester:  'mentsch,  gedenke  daz  du  äsche  bist  und  och  ze  lo 
äschen  werden  müst\  da  bi  mag  ain  ieglich  mentsch  wol  merken  daz  wir 
kranker  nature  geschaffen  sint. 

Du  ander  geburt  daz  ist  der  töf.  der  löschet  ain  wütendes  für  in  des 
mentschen  nature,  daz  der  getofte  mentsch  niemer  so  unrainklich  gesundet  als 
der  Jude  und  der  haiden.  der  mentsch  wirt  och  entlühtet  von  der  kraft  15 
des  ewigen  töfes,  und  wirt  reht  du  sele  und  Got  zesamen  gefüget,  also  daz 
Got  in  der  sele  wonet  und  bi  der  sele  /^87  blibet  die  wil  der  mentsche  ane 
höbet  Sünde  ist. 

Du  dritte  geburt  ist  rüwe.    so  der  mentsch  nah   dem  tof  in  höbet  sünde 
vallet  und  da  mit  Gottes  huldi  verlüret  und  die  tugend  die  im  Got  gab  in  dem  20 
tofe,  und  die  grossen  schöni  verlüset  siner  edlen  sele  mit  der  höbet  sünde,  so  es 
denne  wider  keret  zu  Gottes  huldi  und  es  rüwet  daz   es  wider  Got  ie  getet 
oder  Got  ie  erzürnte,  sinen  süssen  schepher:  daz  ist  dritte  geburt.  du  hat  dri  ge- 
sellen,   daz  erst  ist  lutrü  biht.    won  ir  sont  daz  wissen,  sol  der  mentsch  nah  der 
höbet  Sünde  iemer  wider  zu  Gtot  komen,   daz   müss  von  rüwe  und  von  biht  be-  25 
scheben.    der  ander  geselle  daz  ist  schäme,  daz  der  mentsche  mit  grosser  schäme 
bihten  sol  alles  daz  er  ie  getet  mit  kleinen  dingen  oder  mit  grossen  wider  den 
minneklichen  Got,  und   sol  sich  inneklichen  schämen  daz  er  Got  so  schamlich 
und  so  groslich  erzürnte,    der  dritte  geselle  ist  daz  der  mentsch  in  stäter  bfiss 
[48^J  Schinnen  sol  nutz   an  sin  ende,  und  sol  rihten  und  büssen  daz  er  ie  so  so 
verre  übersach  ünsers  herren  Gottes  minneklichen  güti  und  siner  sei  wirdekait, 
daz  es  ie  so  grosklich  gesundet. 

^  Du  vierde  geburt  daz  ist  des  säligen  mentschen  tot.  du  geburt  ist  wunnek- 
lich  und  vrölich  und  gar  sicherlich,  du  geburt  hat  6ch  dri  wunnenklich  gesellen, 
der  erst  geselle  daz  ist  schonhait  der  silgen  sele  ane  unflitikait.  owe,  wer  kündi  35 
gesagen  von  der  unmässigen  schonhait  der  sälgen  sele!  si  ist  schöner  und  schöne 
und  ist  schöne  &n  masse.  nieman  kau  ir  schöni  volle  rechnan,  won  ain  ieglichü 
sele  wirt  denne  sehend  wie  gar  schön  si  ist.    der  ander  geselle  ist  ewigü  rüwe 


7.  im  Pergament  3  Löcher,  rot  eingefaßt.         23.  diu  dritte.^  24.  ist  am  Rande  nachge- 

tragen, 36.  8ch6ner  denn  schöne  .^  (Roethe). 


6.  Pa.  50,  7.         10.  Am  Aschermittwoch  spricht  der  Priester  beim  Austeilen  der  Asche:  *Me- 
mento  homo,  quin  pulvis  es  et  in  pulverem  reverteris'. 


64 


,  Von  vier  kande  ^bur 


an  arbait.  da  soll  du  ewklich  rüweu  ane  aibait.  denne  sprichet  unser  herre: 
säligii  sele,  in  solt  na  ruwen  nnd  solt  niemer  kain  arbait  gewinneD;  du  solt  niemer 
me  &f  gefdß'Jstfiü  ze  metti;  du  solt  niemer  me  gevasten  noch  swigen  gehalten, 
nud  solt  niemer  me  ze  capittel  komen,  und  solt  iemer  me  benedicite  han  ane 
t>  Torht«,  und  soit  dii'  niemer  me  gefärbten  unib  kain  ding:  du  solt  fvi  und  sicher 
sin  und  solt  gebieten,  ällu  creature  sol  dir  undertänig  sin.  nu  räwe,  säligii  sei, 
gemahel  min,  iemer  me  an  endes  ziU*  der  drit  geselle  daz  ist  iemer  wunneklicbü 
vröde  an  trurkait.  nu  vröwe  dich  iemer  me  ane  endes  zil!  sAlgü  sei,  dn  solt  dich 
vröwen  daz  du  niemer  me  gesorgen  solt  daz  dir  dinen  herren  und  dinen  Got  ie- 

10  man  mug  genemen.  du  bist  sicher  daz  du  niemer  me  von  dira  schepher,  von  dim 
süssen  tröster,  von  dim  aingen  libe,  von  diner  sele  leben  niemer  geschaiden  solt 
werden,  nu  vröwe  dich,  edlu  sele,  daz  du  wider  bist  komen  zu  dem  von  dem  dn 
geflossen  bist!  owe,  edlü  sele  und  süssü,  du  solt  dich  vrAwen  [49']  iemer  me, 
won  dir  ist  wol  ze  fröwenn  geschehen  daz  du  zu  Got  dim  herren  bist  gewAget 

15  und  er  in  dich,    und   du  vröde   die    du   in  Got  hast   und  an  dir  selben  und  an 
allem  hymelschlichera  her,  die  ensol  dir  niemer  me  benomen  werden. 
0  sössü  sei,  nu  vröwe  dich, 
du  bist  sicher  eweklich! 


[26.J  Von  zwain  hymel riehen. 


J 


1  (rot  unser  herre  der  hat  ain  statt  in  hjmelrich  da  er  inne  rflwen  wil, 
der  hymelschen  statt  sint  drü  hartö  gutü  ding:  daz  ist  hymelschü  zuht  ane  nn- 
zuht  und  götlicher  frid  an  unfiid:  da  ist  öch  gantzü  fröde  in  dem  haiigen 
gaiste  an  trurkait.  nu  sont  ir  merken  zwai  hymelriche  da  unser  Got  inii  rüwen 
wil.    ain  hymelrich  ist  da  er  gaiachlich  ist  in  siner  haiigen  drivaltekait  bi  siner 

25  hohen  werden  müter  und  sinen  engein  und  den  wissageu  und  den  baiigen  botten 
und  den  raartrern  und  allem  hymelschlichem  her  und  allen  [49'/  die  minnekliches 
antlütes  wirdig  sint.  daz  ander  hymelrich  ist  ain  ieglichen  sä-ligen  mentscheu 
sei  daz  noch  uff  ertrich  ist  und  mit  hertzen  und  mit  übe  illü  zit  dar  nach 
stellet  und  ringet  wie  es  kome  zii  den  andren  ze  hymelrich,  da  unser  herre  daz 

so  tüch  von  den  ögen  nimet  und  sich  die  sälgen  sela  lät  sehen  als  er  ist.  du  sei 
ist  öch  Gottes  rüwe  und  sin  hymelrich.  swa  nu  dis  s&Iig  mentsch  ist,  daz  sol 
han  ird  ding:  minneklich  zuht  an  unzuht,  gütlichen  frid  an  unfrid,  gantz  vrbäe. 
in  dem  haiigen  gaiste  äne  trurkait. 

Nu  wnssent  ir  wol:  da  ain  hene  ain  statt  hat,  der  setzet  ainen  schulthaisen 

85  in  die  statt  daz  er  der  statt  phlege  und  da  beribte  und  bessregi  swaz  unzuht 
da  geschiht.  also  ist  ains  ieglichen  sälgen  mentschen  sei  ain  statt  des  hymel- 
schen Gottes,  in  die  statt  hat  unser  herre  ainen  schulthaissen  gesetzet,  der  die 
stat  beriht.  [49"]  der  schulthaiss  ist  der  sele  beschaidenhait :  dfi  sol  die  sinne 
alle  berihten  uswendig  und  inwendig,     swaz  der   mentsch    tut  daz  er   nit  tön 


12.  an  unfrid  felill. 


1  Loch  im  Frrgament,  rot  eingefaßt. 


J 


26.  Vo) 


1  hynielriclien. 


äol  du  beschaidenliait  spreclien:  'daz  solt  du  m\ine  tun,  es  stät  dir  nit 
wol,  und  ist  öch  unzuhf.  und  so  die  ussren  sinne  den  inren  sinnen  kain  ding 
bringent  daz  miswende  si,  so  sol  beschaidenhait  sprechen:  'es  ensol  nit  sin,  daz 
wider  zdme  mineui  herren;  länt  da  uss  uwrü  nüwen  märe,  biingent  ir  niit  her 
in  für  die  hohen  küngginne!'  und  so  daz  hertze  und  die  ini'en  sinne  dehains  5 
dinges  gedenkent  daz  nit  gar  luter  und  rain  ist,  so  sol  du  beschaidenhait 
sprechen;  'wol  us  balde!  so  getan  ingesinde  zimet  übel  dem  geblümten  Gotte 
vor  sinen  lutren  ugen;  ich  wil  es  nit  vertragen",  und  swaz  niisswendig  uswendig 
inwendig  ist,  daz  sol  du  beschaidenhait  alles  berihten.  [50°) 

Disü  sÄlgii  sei  sol  och  lian  trid  an  unfrid.    daz  ist  also  daz  du  din  hertze  lo 
und  diner  sei  sinne  keren  solt  daz  du  frid  habest  mit  aim  ieglichen  meiitschen 
und  allermaist  mit  diner  maistei"schaft  willen,  also,  swaz  si  wellent,   daz  du  daz 
wellest,    und  solt  din  herze  dar  zu  tön  daz  du  gehorsam  sigist  mit  lihteDi  and 
mit  TTölichem  hertzen.    da  von  sprichet  sant  Augustinus:  'der  mentsche  der  sinen 
willen  git  in  siner  maisterschaft  willen  und  ainvaltklich  gehoi'sam  ist,  der  wirt  15 
anddhtig  gen  Got   und  wirt  milte    und    undertinig  sinen  maistern  und  wirt  nit 
riche   gegen    der  weit,   also   daz   der   mentsche  von   zergaugklichen   dingen   nit 
ßimet  won  reht   nodurft'.    und   der  selb   gehorsam    raenlsch  wirt  ain  getrnwer 
Gottes   kneht  und  wirt   ain    herre   aller  creature.    der  selb  gehorsam  mentsch 
enphahet  von   sinen    tugenden   den  vatter    und  den   sun   und  den  [50"]  haiigen  » 
gaist    in  sin  sele,    und  hänt  da   ain  wonung   und   werdent   also   ze  samen  ge- 
füget: swaz  Got   wil,   daz    wil   och  der  menlsch;   und   swaz   der   mentsch   wil, 
daz    wil   och    Got.     von   der   gehorsami    sprichet  sant  Gregorius,    er  spnchet: 
'den  engein  ist  enkain  ding  so  loblich,  unsrem  herren  mit  so  enphänklich,  dem 
mentschen  nüt  so  nutzberlich,    so  daz  der  mentsch  sinen  willen  gebe  in  ains  2& 
andren  willen  und  ainvaltekiicb  gehorsam  si'. 

Nu  haut  ii-  zuht  und  frid  gehöret,  nu  sont  ir  hören  und  merken  in  dem 
haiigen  gaist  vrMe  äii  trurkait.  du  vrM  ist  also:  so  der  mentsch  sin  hertze 
und  sin  leben  und  alle  sin  sinne  besiht  und  an  den  kain  misswenden  vindet,  und 
sinii  werch  vindet  deniüüg  und  in  zuht,  und  alles  sin  leben  vindet  in  minnek-  so 
lichem  fride  und  mit  gehorsami,  so  der  mentsch  sich  also  vindet,  so  gewinnet  er 
ain  wunneklich  vr6de  in  dem  haügen  gaiste,  und  wirt  der  mentsch  denn  dankend 
ünserm  herren  [50']  Gölte  aller  siner  tugend  und  siner  sälden.  so  der  mentsch 
vindet  ällü  sinü  werch  mit  niinneklicher  tugend  geordeniert,  so  wirt  er  vro  in 
i!em  baiigen  gaiste  äne  trurkait,  won  es  envindet  an  sim  hertzen  noch  an  sinen  as 
uerchen  noch  an  dehaim  ding  daz  sin  sele  betrüben  muge.  du  vr6d  mag  \\'ol 
gantz  3in  und  sicher,  so  der  mentsch  sich  selben  als  tugeüichen  vindet. 


S  /".  vswcndig  ond  inwcudig  f  vgl.  S.  64  Z.  39.  S,  buI]  s 

«"Ü  rot  durchatrkken. 


2i,  dz  wil  lueimal,  ei»- 


^^»nt 


lUrbo  Teile  ilSb  Mittelillen.    X. 


27.  Von  Annere  lierrcn  pnaden. 

[21.]  Von  uDsers  tierren  gnaden. 

[Sicut  aee^it  gratiam,   in   alterutnim   illaw   ndminnttrantes.} 

Disü  wort  spricht  sant  Peter,  und  spricht  also:  'ich  haisse  und  geb4t«~däz 

I  ir  die  gnade  gemainsamint  enandren,  reht  als  och  ir  die  giiade  enphangen  hant'. 
Nn  sont  ir  merken  wie  unser  herre  die  gnäd  hat  und  git.  er  git  si  in  dri 
wiß.  er  git  si  vergeben,  daz  sont  ir  wissen:  Ällu  disü  weit  möhti  nit  verdienen 
daz  unser  herre  sin  gnade  gäbi  aim  mentschen  uff  ertrich.  er  git  sin  gnad  gar 
vergeben  von  siner  niiltekait,  von  siner  gan2en  gfiti,  daz  er  des  lo/i>0''7net  dar 
er  selb  tut.    daz  ist  also  daz  er  dem  mentsohen  dar  umb  hymelrich  git  nnd  sich 

10  selben  daz  er  dem  mentschen  tugeiitliches  leben  gab  uff  ertrich.  daz  merkent 
daz  er  dem  mentschen  tugentlich  leben  gab  und  gnade  git  und  im  öch  des 
selben  lonet  des  er  im  gegeben  hat:  dar  an  mugent  ir  wol  merken  daz  er  die 
gnade  gar  vergeben  git.  er  git  öch  die  gnade  gerne,  daz  in  nieman  dar  zu 
twinget  won    sin  rehtü  güti,  die  er   hat  von   gütlicher  nature,   und  durch  die 

IG  grossen  güti  und  liebi  die  er  zu  der  sele  hat.  er  git  och  die  gnade  volleklich 
an  gebresten.  unser  herre  ist  ain  offen  brunne  und  git  sich  allen  den  die  sin 
gerüchent,  den  git  er  volleklich  sin  gnade;  won  er  ist  allaine  der  da  über 
flüsset  voller  gnaden  und  von  dem  Altü  süsskait  flüsset. 

Nu  hant  ir  gehöret  wie  unser  herre  die  gnade  [51']  git   nu  sont  ir  merken 

M  wie  ir  die  gnade  enphahent  von  Gotte.  ir  enphahent  die  gnade  in  dri  wis.  ia 
demütkait  daz  mag  ain  ieklich  mentsch  an  im  selber  merken  daz  er  götlich 
gnade  enphahet  in  der  demütekait;  won  swa  du  demütkait  ist,  da  erwirbet  si 
die  gnade;  da  aber  gnade  ist  an  demütkait,  da  bringet  du  gnade  demütkait,  oder 
ai  verläset  si  und  die  gnade;   won  swa  du  demütkait  ist  an  gnade,  da  ist  si  un- 

25  State,  da  von  sprichet  sant  Augustinus:  'der  mentsch  der  vi!  tugent  samnot  ane 
demütkait,  der  tut  reht  als  der  ain  hant  volle  stobes  nimet  und  in  den  wint 
wirfet'.  reht  ze  glicher  wise  als  schier  der  wint  den  stob  hat  zerworfen,  als 
schiere  hat  der  mentsch  sin  tugend  verlorn  äne  demütkait.  da  demütkait  ist, 
da  ist  öch    du  gnade  und  du   tugend  stÄte,    wan  demütkait  ist  ain  sch/^öiTrin 

80  aller  tugend.  ir  sont  och  die  gnade  enphahen  in  hitze  der  minne,  din  hertze 
sol  reht  brinnen  von  götlicher  tugend,  und  in  der  brunst  solt  du  die  gnad 
enphahen.  ir  sont  och  die  gnade  enphahen  in  stüngen  der  dankbäri.  nu 
merkent  wie  daz  ist.  der  mentsch  der  gnäd  und  tugent  hat,  den  twinget  und 
raitzet  sin  tugent  daz  er  Got  danket  aller  der  gnaden  die  er  im  ie  getet,  und 

u  sol  Got  danken  aller  siner  gantzen  güti,  und  in  der  dankbäri  git  unser  herre 
dem  mentschen  me  gnaden. 

Nu  hant  ir  gehöret  wie  unser  herre  die  gnade  git.  und  wie  öch  ir  die 
gnade  sont  enphahen.  nu  sont  ii-  merken  wie  ir  die  gnade  enandren  sont  ge- 
meinsamen,   nu  merkent  daz  erst  wort  daz  sprichet  sant  Peter:  'ich  haisse  und 

^^         a.  Der  lat.  Trxt  fehlt.  9.  dar  orab  daz  hymelrich  ?  vgl.  S.  40  Z.  1.         39,  sprichetit 


27.  Von  unsere  herren  gnaden.  67 

gebute  daz  ir  die  gnade  gemainsament  die  ir  enpjiangen  hant  von  Gotte\  wir 
hant  die  gnade  enphangen  in  demütkait  und  ist  vergeben  geben:  also  [51'']  sont 
wir  och  die  gnade  gemainsamen,  vergebne  ainem  ieglichen  mentschen  geben  also 
verre  so  es  notdärftig  ist  und  och  im  mäht  getan,  das  solt  du  im  luterlich 
durch  Got  tun  und  nüt  dar  umb  daz  er  dir  dester  holder  si  oder  er  dir  üt  dar  5 
umb  gebe  oder  dich  lobe;  du  solt  es  reht  durch  Got  tun,  so  tust  du  es  im  ver- 
geben, du  solt  öch  in  demütkait  tun  waz  du  tust  gutes,  und  nüt  dar  umbe  daz 
man  dich  lobe,  du  solt  aim  ieglichen  mentschen  tun  waz  du  kanst  oder  mäht 
und  öch  notdürftig  ist  dem  du  es  tust,  und  solt  daz  tun  in  demütkait.  daz 
ander  als  dir  die  gnad  geben  ist,  daz  ist  gerne,  also  solt  du  die  gnade  gemain-  lo 
Samen:  du  solt  gern  aim  ieglichen  mentschen  wol  tun,  so  du  aller  best  malit 
oder  kanst  und  öch  notdürftig  ist.  und  mäht  du  aim  ieglichen  mentschen  nüt 
gebützen  das  im  wirret,  so  solt  du  aber  den  willen  han  daz  du  es  gerne  [5V] 
t&tist  ob  du  möhtist,  und  solt  daz  tun  in  hitze  der  minne.  du  solt  ünsern 
herren  als  hitzeklich  minnen  das  du  aim  ieglichen  mentschen  tügest  durch  sin  15 
minne  swaz  du  kanst  oder  mäht  mit  herzen  und  mit  Übe,  und  solt  din  hertz 
geben  aim  ieglichen  mentschen.  du  solt  zä  dem  dritten  male  gemainsamen  die 
gnad  volleklich,  als  och  dir  du  gnade  geben  ist  von  ünserm  herren.  swaz  du 
gnad  oder  tugent  hast  an  wishait,  an  erbärmde,  an  kunst  oder  an  dekainen 
dingen,  daz  solt  du  aim  ieglichen  andern  gemainsamen  volleklich.  swa  du  baz  20 
mäht  denn  ain  anders,  da  solt  du  us  giessen  alles  daz  du  im  mäht  getün.  du 
solt  nit  behau  vor  dim  neben  cristan  swa  du  im  ze  statten  mäht  komen.  also 
solt  du  die  gnade  volleklich  gemainsamen.  und  [52'']  die  selben  gnade  die  solt 
da  och  gemainsamen  in  dankberi  und  in  stungi.  daz  ist  also:  swaz  gnaden  du 
von  Gotte  häst^  wishait  und  erbirmde  oder  guten  rät,  oder  swaz  tugend  Got  dir  25 
h&t  gegeben,  daz  solt  du  aim  andern  gemainsamen,  und  des  selben  solt  du  Gotte 
danken,  von  dem  och  dir  du  gnade  und  du  tugent  geflossen  ist.  und  swaz 
du  ainem  ieglichen  mentschen  ze  gute  tust,  du  twgend  kumet  dir  von  Gotte 
and  flüsset  von  siner  gütL  da  von  solt  du  och  alle  zit  Got  danken  siner 
gantzen  gütl  so 

Also  solt  du  die  gnade  gemainsamen:  vergeben  demütklich,   und  gerne  in 
bitzender  minne,  und  solt  si  gemainsamen  volleklich  in  stungender  dankberi. 

[28  J  Von  Gottes  gaben. 

[Cantabo  Domino,    qui   bona   tribuit  mihi] 

Disü   wort  sprichet   der  wissag  Davit,    er   sprichet:  Mch   wil   singen  mim  35 
herren  und  mim  Got,  er  hat  mir  gut  gäbe  geben'. 

Nu  merkent  waz  gaben   uns  Got  hat  ge[52^]gGben.    er  hat  uns  sechs  gut 
gaba  geben,    er  hat  uns  geben  sin  rain  geburt,  und  hat  mit  der  gerainnet  unser 

S.  ist  wohl  zu  lesen:  gemainsamen.  wir  sont  si  vgL  Z.  10.       28.  teged.      34.  Der  lat  Text  fehlt. 
34.  Fa.  12,  6. 


68  28.  Von  Gottes  gaben. 

süntlich  gebnrt;  wan  du  waz  als  suntlich  daz  nie  kain  ment^ch  so  wol  rnoht" 
geleben  daz  es  für  sin  antlül  möht  komen  vor  siner  gebart  er  hat  uns  geben 
sin  minnekliches  leben  ze  ainer  lere  wie  wii-  unser  leben  nach  sim  leben  rihten 
sont,  owe,  sÄIger  mentscb.  gedenke  an  daz  tugentlich  leben  des  rainnen  Gottes! 
5  owe,  silger  Got,  wie  waz  din  leben  so  gar  tngentlich!  da  von  spricht  sant  Bern- 
hart: 'owe,  süsser  Jhesiis,  wie  waz  din  leben  so  minneklich  geordenieret  af 
ertrich,  wir  mugent  gi-osse  tugent  nemen  ab  dim  leben!'  er  hat  uns  och  geben 
sin  jAmerlichen  töd,  daz  er  mit  sim  tode  ün.ser  seien  lebendig  hat  gemachet;  mit 
sim  tode  tot  er  ünsern  tod  und  gerle  aines  schamlichen  und  ains  jAmerlichen 
10  todes  dnrch  iinsern  willen  und  loste  uns  mit  [53'}  siner  marter  von  der  ewigen 
verdampnung.  er  hat  iins  öch  geben  sin  vrölichen  wslendi,  und  hat  da  mit 
nrkiind  geben  allen  den  die  an  im  blibent  mit  rehter  minne  und  in  im  lebent 
und  an  im  sterbent,  daz  die  mit  im  sont  erstan  an  dem  jüngsten  tag  mit  grosser 
vröde  und  mit  signuft.  er  hat  uns  och  geben  sin  wuuneküch  uffart:  vor  im 
IS  wart  daz  hymelrich  nie  uf  getan  dehainem  mentschen;  won  wie  reht  dehain 
mentsch  lebte,  dem  waz  doch  daz  hymelrich  vor  beschlossen  nu  hat  er  es  uf 
getan  und  hat  es  entschlossen  allen  den  die  dar  went  er  hat  uns  och  geben 
sinen  haiigen  gaist  ze  ainem  tröster  und  zu  aim  laiter.  er  sol  uns  trösten  in 
der  betrübde   und  in  arbaiten  dirr  weit    und  sol  uns  laiten  in  dem  eilend  dirr 

I  »  weit  zu  ünsrem  erbe,  dem  hjmelschen  Gott«. 

'Nu  wil  ich  singen  minem  herren  und  mim  Got,  der  mir  gflt  gäbe  hat  ge- 
geben', merke,  säl/^o^^ger  menlsche,  waz  ich  mim  herren  singe,  zwen  sAng  wil 
ich  singen:  daz  ist  erbarmd  und  reht.  du  wil  ich  dir  singen,  lieber  min  herre 
und  Got. 
>  Ir  sont  daz  wissen  wer  die  sint  den  unser  herre  wil  ögen  sin  erbArmde. 
daz  merkent  drier  hand  h'ite.  die  ersten  daz  sint  alle  die  die  die  weit  nf  gent 
und  sich  enzihent  weltlicher  dinge,  weltliches  gutes,  weltlicher  vröde  durch  die 
minne  des  minnenden  Gottes  von  hymelriche.  die  andern  daz  sint  die  ktmschen 
liite,  die  ir  lip,  ir  hertz,  ir  sei  behfiteut  und  behaltent  in  rehter  künscbait  und 
»  in  rainner  zuht.  die  dritten  daz  sint  alle  die  die  uf  gent  iren  aigen  willen  und 
ir  selben  ungewaltig  werdenl  durch  den  rainnen  Got  von  hymelrich.  disen 
löten  wil  unser  herre  ögen  drier  hand  erbArmd,  du  erst  ist  daz  in  unser  herre 
ir  notdurft  füget  uf  ertrich  [03°}  zil  dem  libe  und  sele,  ainem  ieglichen 
mentschen  nach  siner  notdnrft.     du  ander  erbArmde  daz  ist  an  dem  ende,  da  sei 

I  te  und  lip  von  enander  schaident,  da  oget  er  grosse  erbarmde  und  sendet  der 
sAIgen  sele  ze  helfe  und  ze  trost  sin  hailgen  engel,  daz  si  nit  erschrike  von  den 
heischen  täfeln,  die  öch  dar  koment  zil  des  mentschen  schidunge.  du  dritte  er- 
bArmde daz  ist  daz  er  si  behalten  wil,  und  die  hailgen  engel  die  fürent  si  mit 
schalle  in  Äbrahames  schösse,  da  si  iemer  ewig  vröde  hat. 
1  Unser  herre  wil  och  sin  reht  behalten  an  drier  hand  lüt.    die  ersten  daz 

sint  rieh  lute  An  miltekait;  die  andern  daz  sint  gewaltig  lüt  ane  demütkait;  die 


26,  di;  f.  da? 


] 


2S.  Vou  Gottes  galjeii. 


69 


ritten  lüte  daz  sint  schön  lüt  an  kimschkait  disen  lüten  wil  unser  herre  ogen 
drier  hand  reLt.  daz  erst  relit  ist:  ei'  git  in  er  und  g^t  und  gi-ossen  nch[53'J 
tfim,  da  mit  nieret  och  ir  unsAlde  nnd  ir  wisse,  unser  herre  tut  in  reht  als 
ain  rieh  mau  sim  kÄIbliu:  daz  lat  er  gan  spileud  uud  mit  grosser  vröde  uf  der 
haide,  nnd  swenn  er  wil,  so  sclileht  er  es  an  daz  Uobet  daz  es  tod  lit.  also  tot  B 
änser  herre  den  richan  lüten:  den  git  er  ere  und  gut  und  lat  in  spiln  und  lat 
sich  vröwen  wie  si  went  in  der  weit;  und  so  si  minnest  wissent,  so  schleht  er 
81  an  daz  höbet  ze  tode,  und  müssent  varen  in  die  helle,  dannan  koment  sii 
niemer  me.  daz  ander  reht  daz  unser  herre  den  riehen  luten  tfit,  daz  ist  daz  er 
Sil  erst«ket  an  dem  ende  mit  sim  rehte  und  mit  sim  gewalt;  und  koment  dar  lo 
die  vaigen  ttivel  und  zukent  die  armen  sei  mit  krapfen  und  mit  krilen.  daz 
drit  reht  ist  daz  er  den  tiiveln  gebötet  daz  si  die  sele  zukent  nnd  si  werfent  in 
den  helleschen  grünt  nnd  si  begraben!  in  daz  abgründe  und  si  iemer  mere 
quele  ane  zil.  föS"}  du  sei  du  ist  Got  vigint  und  ir  selben  und  allem  hymel- 
schen  her  und  allem  dem  daz  ie  geschaffen  wart,  daz  hasset  alles  du  arm  sei,  ts 
du  da  eweklich  verlorn  ist. 

■  [29./  Vou  der  Tolgang  nach  Got. 

/Qui  sequitur  me,  habebit  lumm  vitne..} 
Diso  wort  sprichet  unser  herre  in  dem  ewangelio,    und  ist  also  gesprochen: 
'der  mir  nach  volget,  dem  gib  ich  daz  ewig  rieh'.  20 

Nu  sont  ir  merken  wie  wir  ünserm  herren  nach  volgen  sont.    wir  sont  dri 
tagAvaide  ünserm  herren  nach  volgen. 

Du  erst  tagwaide  daz  ist  aignen  willen  und  kranken  sinnen  widerstan.  daz 
ist  also  daz  du  gar  und  gantzlich  din  willen  solt  geben  in  ünsers  herren  willen, 
swaz  Got  welle,  daz  solt  Cch  du  wellen;  waz  sin  wille  nit  si,  daz  solt  och  du  za 
nit  wellen,  swie  liep  oder  wie  lait  dir  dekain  ding  si,  da  solt  du  enkainen 
willen  zfi  han  won  nach  Gottes  willen,  und  daz  du  allen  kranklichen  dingen 
widerstandest  an  dim  kranken  libe  und  an  liplicher  nature.  die  [53']  tagwaid 
laitet  ain  jungfrowe,  du  liaisset  ainvaUig  gehorsami. 

Da  ander  tagwaid  daz  ist  gedultkait:  daz  du  arbait  willeklich  und  gut-  so 
lieh  tragest  durch  Gottes  willen,  daz  du  ie  die  tagwaide  dester  glicher 
gaogest,  80  wil  ich  dir  zaigen  ainen  harten  guten  gesellen,  der  dir  die  arbait  liht 
und  süss  machet,  daz  ist  Jhesus  Christus,  sich  an  in  wie  er  sin  crütz  trüg,  und 
sich  wie  er  uff  dem  cnitz  stünt!  da  von  spriht  sant  Anshelm:  'crLstauu  sei, 
hab  uf  dinü  ögen  und  sich  wie  din  scheplier  stat  durch  dinen  willen;  er  stat  S5 
nakent  und  bloss  und  totblütig!  der  gewaltig  hanget  an  dem  crütze  an  den 
acharphen  nageln,   der  unschuldig  Got  hanget  under  den  schuldigen  schachern. 


6  f.  lat  si  sich  f 


18.  Der  lat.   Teil  feMt 


70  29.  Von  der  volgong  iiacfa  Got 

von  sim  minneklichen  libe  rnnnent  vier  rosvan^^en  bächlä,  and  der  minneklich 
mant  wart  getrenket  mit  essich  and  mit  galten,  nnd  nach  sim  [54^]  tode  enphieng 
er  die  fünften  wnnden,  da  im  in  sin  hertz  gie'.  nn  merk,  sälger  mentsch,  war 
nmb  er  die  fünften  wunden  enphieng  dar  nach  do  sin  sei  von  sim  lib  geschiede. 

5  daz  tet  er  dar  nmb  daz  du,  sälger  mentsch,  wol  sehest  daz  er  dir  mit  truwen 
diente,  won  er  diente  dir  tot  und  lebend,  in  benagte  nit  daz  er  dir  lebend  hat 
gedienet  drissig  jar;  er  wolte  dir  och  dienen  do  er  tot  was;  won,  sälger 
mentsch,  daz  sol  din  gelob  sin  daz  im  sin  hertze  uf  wart  getan  mit  aim  sper 
dar  nach  do  sin  sei  von  sim  lip  geschiet    nn  sih,  tohter,  dis  ist  din  geselle  in 

10  der  andren  tagwaide.  dis  ta^aid  laitet  ain  jungfrowe,  haisset  vrow  Ge- 
dultkait 

Du  dritte  tagwaid  daz  ist  jamer  nach  dem  schönnen  minneklichen  Gotte. 
nu  gedenk,  sälger  mentsch,  wie  gar  minneklich  er  ist!  da  von  sprichet  sant 
ßemhai-t:  'owe,  [54^]  besoftt  sälikait,  owe,  senfter  und  ewiger  frid,  owe,  grössü 

16  und  unmAssigu  süskait,  wie  bin  ich  dir  so  veiTe!  owe,  lieber  herre  min!  ich  han 
ainen  strit:  min  gaist  mag  mim  lib  nit  volgen  an  vohrte;  min  lip  mag  mim 
gaist  nit  volgen  an  beswirde;  des  min  lip  gert,  daz  ist  wider  mim  gaist  owe, 
herr,  hilf  mir  disen  strit  schaiden!*  der  wissag  sprichet:  'o  süsser  minneklicher 
schepher,   min  sei  dürstet  nach  dim  brunnen  als  den  hirzen  nah  der  küli  in  der 

20  hitz'.  owe,  schöner  Got,  min  sei  wil  ietz  verderben  von  dem  jamer  den  ich  nach 
dir  han!  nu  spricht  aber  sant  Bemhart:  *  Jesus,  minneklicher  Got  künig,  du  bist 
ain  signuft  der  götlichen  sälkait  und  edelkait  und  bist  unzallich  völlü  süskait, 
und  alles  daz  an  dir  ist,  daz  ist  alles  girlich  und  lustlich',  daz  ist  du  dritte 
tagwaide  die  wir  dem  schönnen  Got  nach  volgen  sont:  [54'^]  jamren  nach  siner 

25  süssekait  und  nacA  siner  angesiht.  dis  tagwaide  laitet  ain  jungfrowe,  du  haisset 
schonhait  der  minne.  also  sont  wir  ünserm  herren  nach  volgen,  so  git  er  uns 
daz  ewig  leben. 

Drier  hande  lieht  wil  uns  unser  herre  geben  denen  die  im  nach  volgent 
Er  wil  in  geben  ain  ewigs  lieht,  bi  dem  ewigen  lieht  ist  bezaichent  du  ewig 

80  gothait,  du  waz  ie  an  angenge  und  ist  och  an  ende,  daz  ünsers  herren  gothait 
si  ain  lieht,  da  von  spriht  sant  Anshelm:  'o  glänz  der  obrosten  schonhait  du  ie 
wart,  du  bist  ain  lieht  des  ewigen  lichtes  und  bist  ain  leben  daz  alles  leben 
lebend  machet'. 

Er  wil   uns   och  geben  ain  schftnnes  lieht,    da  bi  ist  bezaichent  sin  lieber 

86  sun  Jhesus  Christus,  daz  er  si  ain  lieht,  daz  spricht  er  selb  in  dem  ewan- 
gelio.    er  sprichet:  Uch  bin  ain  schönes  lieht,  daz  alle  die  weit  erlühtet  hat'. 

Er  wil  uns  geben  ain  süsses  lieht,  da  bi  ist  uns  bezaichent  /54y  der  hailig 
gaist.  daz  der  hailig  gaist  si  ain  lieht,  daz  vindet  man  in  mänger  wis  in  der 
Schrift,    disü  drü  lichter  wil  unser  herre  allen  den  geben  die  im  nach  volgent 

80  die  dri  tagwaide. 

4.  wnden.  10.  taigwaid.  25.  nac. 


18.  Fa.  41,  2.  86.  Jocm.  1,  9. 


29.  Von  der  volgang  nach  Qot  71 

Na  merk,  säJger  mentsch,  war  umb  dir  der  schön  Got  hab  gehaissen  drü 
lieht,  daz  solt  du  wissen:  er  wil  dir  geben  vröde  an  der  haiigen  drivaltkait, 
daz  du  in  den  götlichen  Spiegel  sihst  din  sele  und  alles  daz  du  wilt,  und  wirst 
alles  Got  sehent  in  im  selben,  und  unser  herre  stat  in  diner  sele  als  du  sunne 
in  dem  hymel.  ach  brüder,  waz  hant  ir  gesprochen!  owe,  sälger  brüder,  5 
sprechent  es  aber!  ich  sprich,  mentsche,  daz  der  schön  Got  in  diner  sele  stat 
als  du  sunne  in  dem  hymel.  owe,  sälgu  sei,  gedenk  reht  wie  Got  und  Gottes 
sun  in  dir  stände  wirt! 

[30.]  Yon  manger  zukunft  linsers  herren. 

Uns  ist  gegeben  von  Syon  ain  hii[66''Jie  der  gezierde,  daz  ist  Gottes  sun  lO 
von  hymelrich,  der  kam  in  dis  weit. 

Nu  sont  ir  wissen  daz  ünsers  herren  geburt  ist  viervaltig.  du  erste  du  ist 
minneklich;  du  ander  du  ist  nutzlich;  du  drit  du  ist  sunderlich;  du  vierde  du  ist 
herteklich. 

An  der  ersten  zükunft  gelichet  sich  unser  herre  aim  arzat.    ze  glicher  wis  15 
als  der  arzat  den  siechen  mentschen  hauet,  also  tet  unser  heiTe.    der  hauet  uns 
mit  sim  leben;  won  daz  sont  ir  wissen:  alles  daz  an  Got  waz,  daz  waz  hailsam. 
sin  gewant  daz  waz  hailsam.    daz  liset  man  von  im:   do  unser  herre  uflf  ertrich 
waz,  do  kam  ain  vrow  zä  im,  du  hatte  grossen  siechtagen;   do  si  ünsers  herren 
gewant  berürte,  do  wart  si  gesunt  an  lib  und  an  sei.    daz  sont  ir  wissen  daz  20 
Anser  herre  nie  kain  mentsche  an  dem  libe  haute,  er  hailti  in  och  an  der  sele; 
won  alles  daz   an  im  waz,   daz  waz  alles  hailsam:   sinü  [55^J  wort  und  sinü 
werch  und  alles  sin  leben  daz  waz  hailsam.    aber  sin  minneklicher  tot  der  lost 
ans  von  dem  ewigen  tode,  won  er  waz  der  arzat  der  da  selb  trank  daz  trank 
der   arbait.    owe,   nu  ist  vil   mänig  mentsch   dem   unser   herre   mit  im  git  ze  25 
trinkenn  uss  dem  koph  da  er  selber  us  trank,  der  trank  versmäht !    daz  ist  also : 
so  im  unser  herre  mit  im  git  ze  trinkenn  us  dem  köpf  da  er  selb  us  trank,  daz 
versmahent  si  und  werfent  in  umbe  und  gerent  sin  nit    daz  ist  also:  so  unser 
herre   dem  mentschen  arbait  git  und  kumber  und  widermüt,  so  wirt  es  unge- 
doltig  und  versmahet  daz  trank  daz  Got  selber  getrunken  hat.    von  disem  trank  so 
sprichet  änser  herre:  'ich  han  getrunken  und  han  daz  trank  versuchet,  nu  wil 
ich  niemer  me  getrinken'. 

Du  ander  zükunft  du  gelichet  sich  aim  süssen  toive.  ze  glicher  wis  als  daz 
tow  erfröwet  den  lylien  so  er  ervalwet  von  der  hitze  der  sunnen,  also  tut  unser 
herr  /557  der  sele  so  si  verdorret  ist  von  der  hitze  dirr  armun  weit;  won  unser  85 
herre  Got  ist  daz  hymelsch  tow  von  dem  du  sei  fruhtbar  wirt.  da  von  sprichet 
der  wissag  Ysayas:  'herre,  wir  sint  von  dinem  antlüt  tragend  worden  ainen 
gaist  der  ewigen  sälikait'. 

3.  den]  dem.^  26.  der  daz  trank  .^  (Panzer).  83.  towe]  gotte. 

19.  Matt  9f  21,  31.  zusammengezogen  aus  Matt.  27,  34  und  26,  29,  37.  laai.  26, 17. 


I 
I 


72  30.  VoD  mftnger  zflkunfl  ünsers  herrcn. 

Du  dritte  zükunft  da  glichet  sich  unser  herre  aim  diebe,  daz  iswi^o^n 
tode.  ze  glicher  wis  als  der  dieb  tog:enlich  kumet,  also  tui  ünsei-  herre.  er  kirnt 
och  dem  sÄIgeu  mentschen  alz  ain  vatter  der  sin  kint  uss  dem  eilend  füren  vn\, 
und  wil  ain  end  machen  alier  der  arbait  und  des  laides  so  er  ie  gewan.  er 
5  kumet  aber  dem  siinder  daz  er  in  schaide  Ton  aller  der  vröde  die  er  ie  uff  ert- 
rich  gewan;  des  wil  er  da  ain  ende  machen  und  wil  im  die  vröde  verwandeln 
in  die  ewigen  trurkait.  da  von  spricht  du  schrift:  '&llü  hertzen  und  all  znngen 
raugent  nit  voll  rechnen  die  not  der  ewigen  trurkait".  [55'} 

Dil  vierde  zükunft  da   ist  unser    herre    gelich  aim  starken  rihter,  daz  ist 

10  an  dem  jüngsten  tag.  da  wil  er  sin  reht  us  ziehen  und  sin  erbArmd  wil  er 
underziehen.  er  wil  da  gewaltklicheo  rede  n  und  öch  selb  klager  und  rihter  sin. 
und  ain  swert  hat  er  in  sim  munde,  daz  schnidet  ze  baiden  orten,  daz  ist  als 
lierte  daz  es  nieman  erliden  mag;  es  ist  als  stark  daz  nieman  da  wider  nüt 
mag;  es  ist  als  lang  daz  im  nieman  entrinnen  mag.    da  werdent  die  verlornen 

IB  griagramniend  und  werdent  schriend:  'owe  und  owe  und  iemer  an  ende  owe! 
bühel  und  berge  vallent  uf  uns  und  verbergend  uns  vor  dem  zorn  des  grossen 
rihters!  uud  werdent  denn  sprechent:  'heri-e  Got,  du  bist  reht,  din  geriht  ist 
öch  reht,  dn  bist  stark  in  dim  zorne,  und  in  dim  urtaülen  bist  du  gewaltig!' 

[3J  J  Yon  der  beraltung  der  sei.  ^ 

so  /Fos  similes  kominibus  exspectantibus  dominum  smmwi,  quando  revertatur  a 
nttptiis./ 

Alsus  sprichet  unser  [56°J  herre  in   dem  ewangelio:  'ir  sont  glich  sin  den 
mentschen  die  da  baitent  irs  herren  wenn  er  kom  von  dem  bmtlöf . 

Nu  sont  ir  merken  daz  er  spricht:  'ir  sont  geliehen  den  mentschen  die  da 

»  baitent'.  wes  baitent  die  lüte?  daz  tünt  si  des  des  si  nit  haut,  und  es  in  aber 
künftig  ist  ze  komen.  der  also  baitet,  baitet  rehte.  wir  sont  ünsers  herren 
baiten,  won  er  ist  uns  genomen.    er  wart  den  zwelf  botten  dristunt  genomen. 

Daz  erst  waz  do  si  fftrent  uff  dem  mer,  do  gie  unser  herre  uff  dem  ertrich; 
do  waz  sant  Peter  also  not  zfi  i'insrem  herren  daz  er  nach  waz  ertrunken,    nu 

80  sont  ir  wissen  daz  bi  dem  mer  ist  bezaichent  disü  weit;  und  bi  dem  schiffe  daz 
uf  dem  mer  gat,  ist  bezaichent  daz  closter;  und  bi  dem  rüder  daz  daz  schiffe 
laitet,  da  bi  ist  uns  bezaichent  di'i  regel  du  daz  closter  laitet  und  ordiniert 
föG'J  also  daz  rüder  daz  schif.  die  alsus  uff  dem  mer  varent,  den  wirt  etwenn 
ünaer  herre  genomen.    daz  merkent:   bi  sant  Peter  sint  bezaichent  die  am&aht 

86  hant  in  dem  closter,    als  der  priol  und    der  keiner   und  der  schaftaer  uud  die 


>.  da]  dz- 


20.  Der  lal.  Text  fehlt.         26.  baitet  fehlt. 


7.  frei  vach  Ps.  111,10; 
33,  30.  20.  Luc.  13,  36. 


Sap.  5,1  f.;   Matt.  13,41  ii 
28.  Malt.  14,32  f. 


^^H  31.  VoD  der  boretitung  iIl'I'  soI.  73 

^Wi3em  die  Ampter  hant.  den  wirt  unser  herre  genomen  also  daz  si  ze  vil  ge- 
redent  dik  und  von  ir  ampt  dik  verlassen  sint  und  ir  selbes  uit  gejjflegen 
mugent,  als  die  die  an  ampt  sint.  disen  uirt  Cmser  liene  genomen  daz  si  im 
nit  mogent  also  liainlich  sin  als  si  gern  wArent. 

Zii   dem  andern   male    wart  er  in  genomen    in  der  naht   do  er  gevangen  s 
wart,    daz  sont  ir  wissen  daz  er  noch  mäiigem  mentschen  wirt  genomen  in  der 
naht,     bi  der   naht    ist   bezaichent   die  höptsünde.     und    alle  die    die  in   hopt 
Sünden  sint,  den  wirt  unser  herre  genomen. 

Zu  dem  dritten  male  do  wart  er  genomen  den  jungern.  wenn  waz  daz? 
daz  waz  entrnwen  do  er  [56']  ze  li)Tnelnch  für,  daz  waz  ze  mittem  tag.  da  bi  lo 
sint  bezaichent  die  sälgen  lüte  die  mit  gantzen  tagenden  ir  leben  hainlichent 
mit  siner  gnade,  den  wivt  unser  ben-e  üch  etwenn  genomen,  also  daz  si  in  nüt 
mugent  behan  nach  ir  willen,  alz  unser  herre  gewonet  hat  mit  in  und  bün  ze 
■wandeln. 

Nu  sont  ir  merken    hie   daz   erst   wort,  waz  die  sont  tän  die  irs  herren  ts 
baitent.    drä  ding  sont  si  tun. 

Daz  erst  ist;  si  sont  sich  ziehen  von  allem  gesclialle  und  sont  losen  irs 
herren  stimme,  wenn  er  kome,  daz  si  in  hörent  und  in  in  lassent.  hie  von 
sprichet  der  wissag  Osee;  'linser  berre  wü  sin  frftiide  füren  an  ain  aini  und  wil 
da  reden  mit  in',  bie  bi  sont  wir  merken  daz  er  uns  leret  daz  wir  gern  sont  a» 
sin  an  der  aini,  daz  wir  mugent  liAren  wenn  unser  herre  mit  uns  rede,  da  von 
liset  man  in  der  altun  e  daz  unser  herre  liiess  Iierr  Moyses  daz  er  im  ain  hus 
machti  in  [56']  der  aini,  da  er  mit  dem  volk  redeti.  hie  bi  ist  uns  bezaichent 
daz  unser  berre  alles  ain  wil  sin  in  der  aini;  da  fride  und  senfti  ist,  da  wil 
unser  herre  reden  mit  der  sele.  uu  sont  ir  wissen  daz  unser  herre  in  zwo  wis  25 
redet  mit  dem  mentschen:  uswendig,  da  bosset  er  vil  herteklich;  und  inwendig, 
da  redet  er  nl  süsseklich.  wie  unser  herie  uswendig  bosset  an  daz  tor,  en- 
trüwen,  daz  mugent  wir  wol  merken  an  hern  Job.  an  den  klophet  er  vil 
herteklich,  do  er  im  Hb  und  gut  und  kint  nam.  entrüwen,  do  sprach  her  Job: 
owe  herre  Got,  daz  der  tropb  diner  stimme  als  unverträglich  ist,  wie  sol  ich  w 
dax  vertragen  daz  da  an  dem  jüngsten  tage  donrent  wirt  mit  diner  stimme!',  hie 
bi  sont  ir  merken:  swenne  unser  herre  dem  mentschen  arbait  git,  so  klopfet 
er  oswendig  an  daz  tor;  und  der  sin  bossen  gütlich  enphahet  und  gedulteklich 
vertreit,  entrüwen,  mit  den  [57']  wirt  unser  lierre  vil  götlich  inwendig  redend 
mit  der  sele.  da  von  so  sont  ir  vil  gütlich  und  vil  tugentlich  enphahen  so  unser  m 
herre  üch  arbait  git;  won  nach  dem  stürm wetter  kumet  gern  du  haisse  sunne. 
daz  ist  also  vil  gesprochen:  nach  der  betrübsalH  und  nach  der  arbait  kunt  gern 
ünsers  herren  gnade,  nu  sont  ii'  wissen,  swa  ir  den  wissagen  hörent,  daz  unser 
herre  denne  redet,  als  der  wissag  sprichet;  'ich  wil  hören  waz  unser  herre  in 
mir  rede,   er  redet  frid  mit  sim  volke'.    da  bi  daz  er  sprichet:  'ich  wil  hören  lo 


5.  Matt.  S6,  56ff.  9.   Lm.  34,  30.  19.   Oice  S,  14.  22.  Ecod.  2ry,  i 

SO.  Job  S6,  14.  39.  P».  84,  9. 


74  31.  Von  der  beraitung  der  sei. 

waz  Got  in  mir  redet',  da  mit  git  er  uns  ze  verstände  daz  er  vil  s&ssekliche 
redet  inwendig,  waz  aber  du  red  si,  daz  waiss  du  sei  michels  bas  denn  si 
gesagen  kunne.  da  von  spriht  sant  Augustinus:  ^mir  ist  erschinen  ain  liehtes 
lieht  ob  miner  sele,  und  ich  waz  gefiiret  in  ain  unverträglich  sfiskait  da  ward 
5  ich  min  selbes  ungewaltig,  [57^]  und  waz  du  sfiskait  als  unerkant  daz  ich  mit 
mim  hertzen  dar  an  nit  kan  gedenken,  min  munt  kan  da  von  nit  gesprechen 
und  ich  kan  da  von  nieman  nüt  gesagen'.  nu  sont  ir  merken  daz  erst  wort:  'si 
sont  sich  ziehen  von  allem  schalle!' 

Was  sont  si  me  tun?    si  sont  daz  hus  beraiten,  so  der  herre  kome,  daz  er 

10  es  schön  vinde  und  wol  berait  dis  hus  ist  unser  hertze;  daz  sont  wir  beraiten, 
swenn  unser  herre  kome,  daz  er  es  schön  vinde.  daz  unser  hertze  si  unsers 
herren  hus,  daz  sprichet  er  selbe:  'min  vatter  hat  mir  dis  hus  geben  ze  ainem 
rehten  erbe',  dis  hus  sont  wir  beraiten.  intruwen,  wir  sont  die  sünde  us  furben 
und  die  Untugend  der  Sünden,    und  denne  sont  wir  es  zieren  mit  tugentlichen 

15  werchen  und  sont  unser  hertze  reht  blümen  mit  tugentlichen  gedinken. 

Daz  dritte  daz  die  tun  sont  die  irs  herren  baitent,  daz  ist  daz  si  den 
schätz  getrulich  gehaltint  den  er  in  bevolhen  hat.  intruwen,  unser  herre  [57"] 
hat  uns  drü  ding  bevolhen  und  gelassen  in  dem  hus:  daz  ist  ain  vetzli  und  ain 
lieht  und  ain  band,    bi  dem  vetzlin  ist  bezaichent  die  gehügde  der  sele.   in  dem 

20  vetzlin  gehaltet  man  die  spise  und  richtäm.  also  sol  der  mentsche  tun:  in  siner 
gehügde  sol  er  tragen  und  haben  ünsern  herren,  won  er  ist  du  ewig  spise.  und 
da  von  sprichet  ain  hailig  man:  'dis  körne  ist  uns  gesant  von  hymelrich  uff 
ertrich  und  wart  enphangen  in  der  mägde  libe  und  wart  geborn  und  erstarb 
und  wart  begraben*,    dis  körn  daz  waz  unser  herre  Jhesus  Christus,    von  dem 

25  kom  sint  wir  ällü  komen.  hie  gelichet  er  uns  aim  simelbrot  von  dem  liset  man 
in  der  alten  e,  daz  waz  mit  öl  gesprenget,  wie  sont  wir  disem  brot  glich  sin? 
intruwen,  wir  sont  gemalen  werden  enzwüschent  zwain  mülstain:  der  ober  stain 
daz  ist  zuversiht;  der  under  ist  ünsers  herren  vohrte.  mit  disen  zwain  [57^] 
stainnen  sont   ällü  ünsrü  werch  getempert   werden  und  als  klain  gemalen  daz 

30  wir  den  simlen  glich  werdent.  daz  simlin  brot  waz  besprenget  mit  öle,  daz  ist 
mit  ünsers  herren  blute,  daz  ist  der  selan  gezierde;  und  ain  ieglich  tugend  in 
der  sei  daz  ist  ain  troph  ünsers  herren  blütes.  in  dem  vässlin  hat  er  uns  ge- 
lassen ain  lieht,  da  bi  ist  bezaichent  der  sele  Vernunft,  daz  ist  daz  wir  ünsern 
herren  kunnent  erkennen  in  alr  creatur,  und  wie  er  in  alr  creatur  ist    daz 

35  dritt  daz  ist  ain  min  nen  baut,  daz  baut  haisset  du  minne  und  ist  och  du  minne. 
dis  band  bindet  ünsern  herren  und  die  sele  ze  samen.  und  dannan  von  sprichet 
ain  hailig  man:  'unser  herre  wil  nit  daz  man  gold  oder  silber  oder  kain  gut  zu 
im  binde;  er  wil  allain  mit  der  minne  zu  der  minnerin  gebunden  sin  und  wer- 
den'.   [58"]  in  trüwen,  da  bindet  die  minne  die  minnerin  zu   dem  geminten, 

1.  ze  zweimal.        18.  vetzli  ■■  vässlin  Z.32,        29.  sont]  zuerst  sint  mit  ubergesckriebenem  (^ 
89.  de]  dem  oder  den.^ 

12.  Anklänge  an  Ps.  2,  B\  15,  5.         26.  Exod.  29,  2.         85.  vgl  S,  55  Z.  15 ff» 


81.  Von  der  beraitung  der  sei.  75 

nnd  dannan  von  liset  man  daz  der  hailig  gaist  die  sei  nimt  uff  sin  vedrun 
nnd  swenket  si  of  den  geminten,  daz  ist  des  lebendigen  Gottes  sun.  für  den 
färet  der  hailig  gaist  die  sele  mit  dem  süssen  andaht  der  rainnun  sei  und 
ist  da  mit  Gotte. 

[32.]  Von  unser  vrowen  sant  Mariun.  5 

Borate  celi  desuper  et  nubes  pluant  iustum,  aperiatur  terra  et  germinet 
salvatorem  et  iusticia  oriatur. 

Disü  wort  sprichet  der  wissag  Ysayas:  'die  himel  gebent  uns  daz  tow  und 
die  wölken  regnant  uns  den  regen,  daz  ertrich  tüg  sich  uf  und  geb  uns  ainen 
behalter*.  10 

Mit  den  worten  daz  er  sprichet:  'die  h^mel  gebent  uns  daz  tow',  dar  an 
sont  ir  merken  zwai  ding,  bi  dem  hymel  ist  bezaichent  unser  herre  Got;  und 
bi  dem  [58'']  tow  ist  bezaichent  die  gnad  die  unser  heiTe  tet  an  unser  vrowen 
e  daz  si  ünsern  herren  enphieng.  won  daz  sont  ir  wissen  daz  er  si  hatt  erweit 
von  angeng  der  weit,  e  daz  er  ie  mentsch  oder  engel  geschüf ,  do  hatt  er  ir  15 
leben  geordnet  und  hatt  si  erweit  im  selber  ze  ainer  rüwe. 

Daz  ander  wort  da  sprichet  er:  'die  wölken  lassent  uns  den  regen*,  da  bi 
ist  uns  bezaichent  ünsers  herren  zükunft;  won  du  ist  glich  dem  regen,  und  reht 
als  klain  daz  tow  ist  wider  dem  regen,  also  waz  du  gnade  die  unser  yrowe 
hatte  e  daz  si  ünsern  herren  enphiengi,  wider  der  gnade  die  si  hatte  do  si  20 
ünsern  herren  enphieng:  du  waz  als  klaine  als  daz  tow  ist  wider  dem  grossen 
regen,  do  si  aber  ünsern  herren  enphieng,  do  wart  si  erst  volkomen  an  der 
götlichen  gnade;  wan  si  wart  erfüllet  mit  Gotte  und  mit  aller  der  gnade  die 
Got  hatte,  do  der  engel  Gabriel  zu  ir  kam  und  ir  brahte  du  hohen  werden 
[58"]  märe  daz  si  solte  müter  sin  des  künges  von  h;^melrich  und  der  engel  und  25 
hymels  und  erde  gewaltig  waz  und  ist,  da  sprach  er  zu  ir:  'Got  grütze  dich  vol 
der  gnaden,  du  bist  erfüllet  mit  dem  obrosten  Gotte\  er  mohte  wol  sprechen 
daz  si  vol  gnaden  wäre;  won  si  waz  ain  gestüle  und^ain  gezelt  des  obrosten 
Gottes,  da  von  sprichet  sant  Bernhart:  *o  süssü  edlü  vrowe,  du  hast  beschlossen 
in  dim  kranken  Übe  den  grossen  Got;  der  als  gross  ist  daz  in  hymel  und  erde  so 
nit  mag  begriffen,  den  umb  vieng  du  in  dim  mägtlichen  libe\  dis  gnad  mag  wol 
ain  regen  sin  wider  der  gnade  die  si  e  hatte,  si  wart  6ch  gehailget  und  ge- 
segnet in  ir  Übe,  und  alles  ir  leben  daz  waz  reht  ain  bläme  und  ain  Spiegel; 
wan  si  ist  ain  lyli  under  den  dornen,  man  liset  von  ir:  do  si  ünsers  herren 
swanger  wart  und  Joseph  des  gewar  wart,  do  dünkte  si  in  als  rain  in  allem  S5 
irem  leben  [58^]  daz  in  daz  muglicher  duhte  daz  si  ain  kint  gewunne  wider  der 
nature  denn  daz  si  möhti  gesunden,    daz  dis  war  si,  daz  schribet  Orienes.    der 

25.  hf melrichi  der  engel  ?  32.  gehailgz  am  Ende  der  Zeile. 


6.  I8,  45,  8,  13.  vgl.  S.  48  Z.  5.  26.  Luc  1,  28, 


76 


32.  Vun  unser  vnjwen  ennt  Mariai 


spricht  daz  Joseph  zwen  gedänk  hatte  uff  unser  vrowen:  der  ain  der  waz  daz' 
er  sich  wunderte  daz  si  ain  kint  solte  tragen  maget  wesend;  der  ander  waz  daz 
er  si  als  unmäsklich  rain  erkaiide  daz  in  muglicher  duhte  daz  si  ain  kint  ^e- 
wnnne  mder   der  nature  denn   si  iemer   gesündeti.     und   doch  in   disem   strile 

i  gehal  er  dem  gedank  daz  si  wider  der  nature  ain  kint  gtjwunne,  und  do  er  in 
disem  strite  waz,  do  kam  ain  engel  und  sprach  zu  im:  'gehab  dich  wol,  daz  si 
enphangen  hat,  daz  ist  von  dem  haiigen  gaist,  und  si  ist  erfüllet  mit  der  göt- 
lich  gnade'. 

Daz  drit  wort  daz  er  sprach:  'daz  ertrich  tii  sich  uf,  da  mit  mainte  er  daz 

)  si  sich  uf  tet  und  sich  dar  zu  genaigte  daz  si  Gottes  [öf^]  mfiter  wurde,  dis 
ertrich  t«t  sich  uf  do  si  dem  enge!  antwurte  and  sprach:  'ich  bin  linsers  herreii 
dim,  sin  wilie  werde  an  mir',  do  ward  alles  mentschlich  kilnne  an  ir  gnade 
komen.  da  von  spricht  sant  Bernhart:  'o  vrowe,  genaig  din  ore  und  enphahe 
Gottes  wort,   din  botschaft!    Got  von  hymelriche  und  die  hohen  engel  baitenl 

s  din.    vrowe,  alles  mentschlich  künne  ist  gehangen;  nu  ant^vürt,  vrowe,  und  löse!' 

Daz  vierd  wort   daz   er  sprach:    'und   gebe   uns   ainen   behauter',   an  den 

Worten  gelichet  er  unser  vrowen  ainer  reben.    reht  ze  glicher  wis  als  du  reb 

frohtber  ist,  also  waz  unser  vrowe.    si  ist  der  rebun  glich  durch  drü  ding,    daz 

erst  ist  daz  si  schatten  git:  als  tut  üuser  vrowe;  du  gab  uns  ainen  schatte,  daz 

S  waz  du  menlschait  die  Jhesus  Christus  von  ir  nam.  der  wart  uns  ze  aim 
schatten  geben;  [5d']  won  unser  herre  Got  der  vatter  waz  so  hoher  schöni  daz 
mentschlich  ög  sin  nit  gesehen  moht,  und  moht  sin  nit  erkennen,  do  gab  er 
uns  sinen  snn  zä  aim  schatten,  ze  glicher  wis  als  man  die  sunnen  nit  mag  au 
gesehen  mit  vollen  ogen,  also  mohtent  wir  nit  gesehen  ünsern  herren  e  daz  ei 

s  den  schatten  genam  von  unser  vi-owen.  der  schatte  daz  waz  du  nientschait, 
Gottes  sun,  Jhesus  Christus,  den  gab  er  uns  ze  aim  schatten  uff  ertrich,  daz  er 
uns  lerti  und  uns  du  werch  vor  täti,  daz  wir  die  sunnen  wurdent  erkennend, 
daz  ander  daz  an  der  rebun  ist,  daz  ist:  guter  smak  kunt  von  ir.  swenn  si 
blüget,  so  müssent  die  schlangen  alle  öiehen,  won  si  sterbent  von  dem  smak. 

)  also  tet  unser  herre  Jhesus  (Christus,  do  er  an  dem  crüze  stänt,  do  waz  sin 
smak  also  süsse  daz  er  die  tufel  alle  vertraib.  man  liset  daz  von  ünserm  herreu: 
do  er  an  dem  criize  stfind  und  wolte  verschaiden,  do  sass  der  tüfel  ainhalb 
uff  dem  crütze  [59']  und  wolte  sehen  waz  im  da  wurdi.  do  waz  des  gÖtUchen 
smakes  also  vil  da  daz  der  töfel  da  niht  moht  blibeu  und  flr  daunan.    ir  sont 

s  daz  wissen  daz  ünsers  herren  niarter  noch  hüt  die  kraft  hat:  swer  dekain  an- 
vehtung  hat  von  des  tüvels  raten,  nimt  er  ünsers  herren  niarter  in  sin  hertze, 
si  müssen  all  fliehen  und  enmugent  im  nit  geschaden.  man  liset  in  der  altun  e: 
do  her  Mo_fses  daz  Volk  fürte  usser  Egyptenland,  do  Hess  unser  herre  furin 
schlangen  werden;  und  wer  von  den  schlangen  geheket  wart,  der  m&ste  sterbeo.« 


15  geliaogon;  l.  gevangrai?  vgl.  8.  77  Z.  34  (Roethc).  21.  des. 


3-2.  Von  ö 


n 


do  batt  her  Sfo;^ses  ünsern  herren  daz  er  im  etlichen  rät  gäbe  daz  daz  volk 
nit  verdarbe,  do  hiess  in  unser  herre  daz  er  ain  eriu  schlangen  gussi  und  den 
uf  hiengi  an  ainen  phäl.  und  so  ain  mentsch  geheket  wurdt  von  den  färinen 
schlangen,  so  solt  er  den  an  sehen,  so  enwürre  im  uit  bi  dem  erin  schlangen 
ist  bezaielient  unser  herre  als  er  an  dem  crütz  stund,  und  reht  als  [Sil"]  die  & 
lüte  von  dem  erin  schlangen  gesund  wurdent  so  si  in  an  sahent,  ze  glicher  wis 
geschiht  dem  raentschen  daz  geheket  wirt  von  dem  tüfel  mit  den  siindeu:  so 
sol  er  lUisern  herren  an  sehen  als  er  uff  dem  crütz  stnut,  und  sol  daz  in  sin 
hertze  vesteklich  setzen,  so  werdent  die  siiude  all  ertötet,  won  ir  sont  wissen: 
swer  mit  gantzem  hertzen  und  mit  süsser  andaht  gedenket  au  ünsers  herren  lo 
marter,  des  sei  enphahet  ünsern  heiTcn  gaistlichen  inwendig  reht  als  so  si 
iinsers  herren  licham  enphaheut.  daz  drit  so  an  der  rebun  ist,  daz  ist  daz 
si  fruht  treit.  daz  tet  och  unser  vrowe,  waz  iruht  brahte  du  hymelschlich 
küngin?  daz  tet  si:  den  süssen  Jhesum  Christum,  daz  waz  du  lebend  fruht; 
dei'  fruht  ist   älln   du    weit  lebend    worden.  16 


[33.]  Aber  von  unser  vroweii. 


Mulier  amicta  sole  ecetera. 

Sant  Johannes  sprichet  iu  Apocalj'p/d'oysi:  'ich  sach  ain  vroweu,  du  waz 
beklaidet  mit  der  sannen  und  hatte  den  man  under  iren  füssen  und  hatte  uff 
irem  höbet  ain  kröne  mit  zwelf  Sternen'.  20 

Mit  disen  worten  ist  unser  vrowe  gelobt  an  drin  dingen. 

Daz  erst  daz  si  gar  giittin  ist  worden,  daz  merket  man  an  dem  ersten 
Worte  daz  er  spriht:  'ich  sach  ain  vrowen,  du  waz  beklaidet  mit  der  sunnen'. 
dannan  von  spricliet  sant  Bernhart:  'vrowe,  du  hast  wol  gewehseltl  dw  hast 
die  snnuen  klait  mit  den  wölken,  nnd  er  hat  dich  klait  mit  der  sunnen:  du  hast  ^ 
in  klait  mit  den  wölken  diner  mentschait,  und  er  hat  dich  klait  mit  der  sunnen 
siner  gothait'. 

Nu  sint  an  der  sunnen  vier  ding,  daz  erst  daz  du  sunne  gemain  ist;  daz 
ander  daz  si  höh  Ist;  daz  dritte  daz  si  haiss  ist;  daz  vierde  daz  si  lieht  ist.  an 
disen  vier  dingen  glichet  unser  vi^owe  der  sunnen.  ** 

An  dem  [Si/]  ersten  daz  si  gemain  ist,  dar  an  glichet  sich  unser  vrowe  der 
sannen,  won  si  ist  gemain  worden  allen  den  löten,  da  von  spricht  sant  Bern- 
hart:  'Maria  hat  nf  getan  den  biisem  der  erbärmde  an  allen  dingen,  dar  umb 
daz  wir  von  ir  volle  gnade  nement;  won  von  ir  hat  euphangen  der  gevangen 
losung,  der  siech  gesuuthait,  der  trurig  trost,  der  siinder  abläss  aller  siner  sünde,  35 
der  reht  gnade,  der  engel  vröde'. 


7,  dOD. 


S.  herren  fehlt.  24.  dv. 


16.   Vgl.  Ol  dUsem  Stücke  die  Predigt  des  hl.  Bernhard  über  dtnuelben  Teil:    Migne,  Opera 
\  Bervhardi  11  429  ff .  17,  Apuc.  12,  1. 


^ 


78  33.  Aber  von  unser  vrowen. 

Daz  ander  daz  du  sunne  hob  ist:  also  ist  och  unser  yrowe  hohe,  won  si  ist 
erhöhet  über  alle  creature.  daz  daz  war  si,  daz  bewärt  man  wol  als  die  maister 
sprechent  so  die  under  zwain  dingen  bewirren  went  weders  daz  besser  si,  so 
bewärrent  sü  es  also  und  sprechent:   daz   best  ross  ist  besser  denne  der  best 

5  esel,  also  ist  och  der  engel  du  höhst  und  du  edlost  creature  da  ie  wart.  Aber 
die  ist  finser  vrowe  erhöhet,  als  man  singet  von  ir:  'Gottes  müter,  du  bist  er- 
höhet über  die  köre  der  engele".  [60^]  hie  mit  ist  es  wol  bewiret.  sant  Dyo- 
nisius  sprichet  und  seit  waz  der  engel  si.  er  sprichet  daz  der  engel  si  ain  bilde 
Gottes  und   ein  luter  glanzer  Spiegel  ane  fleken  und  ain  offenunge  des  tognen 

10  spiegeis  und  liehtes.  an  disem  selben  dinge  ist  unser  yrowe  höher  denn  der 
engel,  won  si  waz  ain  bilde  Gottes  e  ie  kain  mentsche  wurde,  hie  an  ist  och 
der  mentsch  aim  engel  gelich,  won  er  ist  ain  bilde  Gottes,  daz  ander  ist  daz  der 
engel  ist  ain  luter  und  ain  glanzer  Spiegel  an  allen  fleken.  dar  an  ist  unser 
vrowe  höher  denn  der  engel,  won  si  ist  du  rainste  und  du  schönste  creatür  die 

15  unser  herre  ie  geschüf.  her  an  mag  der  mentsch  dem  engel  niht  gelich  sin  daz 
er  ane  fleken  mug  gesin  der  Sünden,  als  der  engel  ist.  der  engel  ist  also  ge- 
schaffen daz  er  nit  sünden  mag.  der  engel  ist  och  ain  offhnng  des  tognen 
liehtes,  [60^]  won  si  offhent  ünsers  herren  togni.  unser  vrowe  du  öffnet  ünsers 
herren  togni  nie,  won  si  ir  och  me  waiss.    dar  an  mag  och  der  mentsche  dem 

20  engel  nit  glich  sin,  won  im  ist  verborgen  du  togni  ünsers  herren. 

Daz  dritte  daz  an  der  sunnen  ist,  daz  ist  hitze.  dar  an  gelichet  sich  ünsrü 
vrowe  der  sunnen,  won  si  ist  in  dem  füre  der  hohen  drivaltkait,  und  ist  daz  für 
in  ir,  und  hat  si  daz  für  als  umbvangen  und  beschlossen  daz  si  niemer  dar  us 
komen  mag.    hie  von  spricht  sant  Bernhart:  'mich  wundert  wie   so  ain  klainnü 

25  creatur  geleben  muge  in  so  grossem  füre*,  unser  vrowe  ist  ain  klainnü  creature 
wider  der  gothait  ünsers  herren  und  ist  doch  alz  verre  und  als  höh  komen  in 
ünsers  herren  gothait.  da  sprichet  sant  Bemhart  daz  in  wundre  wie  si  die 
[61*"]  grossen  hitze  der  gothait  erliden  muge.  Got  der  groz  wunder  hat  getan 
daz  er  ain  so  klain  creature  in  sich  selben  so  höh  gezogen  hat,  der  git  ir  och 

80  wol  die  kraft  daz  si  die  hitze  siner  gothait  erliden  mag.  die  hohen  engel  Sera- 
phyn  brinnent  och  in  disem  füre,  aber  doch  brinnent  si  so  vast  nit  in  disem 
füre  als  unser  vrowe,  won  si  och  dem  füre  nit  so  nahe  sint.  nie  engel  noch 
mentsche  bran  von  disem  füre  so  vaste  als  unser  vrowe,  won  och  nie  creature  so 
höh  in  daz  für  kam  der  gothait  als  unser  vrowe,  noch  niemer  me  kunt.    daz  für 

85  mag  uns  wol  enwenig  an  ruren,  alz  man  liset  von  Ysaya.  do  den  unser  herre 
hiess  bredien,  do  antwurt  er  im  und  sprach:  'herre,  min  lefzen  sint  unraine'. 
(daz  waz  nit  von  siner  rede  schulde,  er  waz  bi  den  lüten  die  unrain  lefzen  hat- 
tent  [GV']  und  unrainnü  wort  sprachent,   und  da  von  warent  sin  leftzen  unrain 


4.  best;  L  ho^t?  (Panzer),        15.  l.  hieran?        27.  da]  dz.      28.  d^  Got  groz.    /.  sogroz.^ 


6.  ist  einem  Versikel  aus  dem  Brevier  auf  Maria  Himmelfahrt  (15.  August)  entnommen:  'ex- 
altata  est  sancta  dei  genitrix  super  choros  angelonim  ad  coelestia  regna.'  85.  IsaL  6,  5. 


33.  Aber  von  unser  vrowen.  79 

worden),  do  kam  der  engel  zu  im  und  brahte  ain  brinnenden  koln  und  traflf  sin 
lefzen  da  mit  und  sprach  do  zä  im:  'nu  sint  gerainnet  din  lefzen  und  sint  dir 
alle  din  sünd  belassen*,  alz  mag  uns  daz  für  wol  en wenig  treflfen,  daz  wir  ge- 
raint werdent  und  uns  all  unser  sünd  belassen  werden! :  aber  nieman  umbyahet 
daz  für  der  gothait  als  es  unser  vrowe  umbvangen  hat.  es  hat  si  allenthalben  5 
ombyangen  und  umb  gössen,  und  ist  in  der  gothait  als  in  ainer  cluse.  Lucifer 
waz  ain  lieht  trager  und  waz  noch  in  daz  für  nit  komen;  war  er  aber  noch  da 
ain  wile  in  dem  lieht  gesin,  so  wir  er  in  daz  iur  komen.  do  viel  er,  do  er  noch 
do  in  dem  lieht  an  für  waz;  da  von  ist  er  in  dem  flir  an  lieht,  da  von  spricht 
sant  Bemhart:  'Lucifer,  lieht  trager,  wirist  du  ain  für  trager  gesin,  so  wirist  lo 
[61^]  du  nie  gevallen!"  er  waz  in  dem  lieht  und  in  der  gnade,  er  waz  aber  nit 
in  daz  für  komen,  daz  er  dar  inne  bestitet  wire.  also  sint  noch  etlich  lüt;  die 
flissent  sich  me  daz  si  lühtent,  denn  daz  si  brennent,  also  daz  si  iren  fliss  ge- 
setzet hänt  uff  wishait  und  uff  kunst  denn  uff  tugend  und  uff  du  ding  da  von 
ir  hertz  enbrunne  an  götlicher  minne.  die  sont  vorhte  han  daz  si  yallint,  15 
won  si  nit  in  daz  für  komen  sint,  in  die  minne  und  in  die  rehten  tugend.  aber 
unser  vrowe  ist  alz  beschlossen  und  alz  bestitet  in  dem  götlichen  füre  daz  si 
niemer  dar  uz  komen  mag. 

Daz  vierde  daz  an  der  sunnen  ist,  daz  ist  lieht,    dar  an  gelichet  sich  och 
unser  vrowe  der  sunnen;  won  daz  ewig  lieht  ünsers  herren  hat  si  als  gar  durch  20 
lühtet  daz  si  illüsament  ain  lieht  ist  worden,    von  disem  lieht  spricht   sant 
Dyon^ius:  'daz  lieht  ünsers  herren  rainnet,  entlühtet  und  vol  bringet*,  'es  raint 
uns',  spri/6i7chet  er,  'von  aller  der  misshellung  dis  lasters'.    mit  zwain  dingen 
Wirt  du  sei  entrainnet:  so  si  sich  füget  zä  unrainnen  dingen,  und  so  sich  un- 
rainü  ding  zu  ir  fügent.    denn  füget  sich  du  sele  ze  unrainnen  dingen,  so  si  bös  25 
gedenke  und  gelüste  von  ir  selbe  nimet  und  da  mit  umb  gat.    so  sich  aber  un- 
rainnü  ding  zu  der  sele  fugent,  daz  ist  so  der  tüvel  ratet  bösü  und  üblü  ding. 
von  disem  laster  rainet  uns  daz  lieht,  daz  wir  lidig  da  von  werdent.   aber  unser 
vrowe  waz  vrilich  lidig  von  aller  misshellung  denn  ie  kain  mentsch  wurd  oder 
iemer  werde;   won  von  natur  ist  aim  ieglichen  mentschen  ain  krankait  die  in  30 
wiset  zft  den  Sünden,    des  waz  unser  vrowe  gar  äne;   won  unser  herre  hat  ir 
nator  also  gerainnet  daz  si  nit  mohte  Sünden,  und  enhatt  enkain  ding  daz  si  ze 
Sünden  [62^]  wisti.    daz   ander:  daz  daz  lieht  ünsers  herren  entlühtet  mit  der 
götlichen  kunst.    mit  dem  lieht  waz  unser  vrowe  volklich  entlühtet;   won  unser 
herre  hat  siner  hohen  wisshait  und  siner  götlichen  kunst  in  si  me  gegossen  denn  35 
in  ie  kain  mentsch  oder  engel.    nu  spriht  sant  Gregorius  daz  der  sunnen  lieht 
niemer  reht  in  dem  Spiegel  geschinnen  mag  won  so  er  allersament  gegen  der 
sunnen  keret  ist.    also  mag  och  daz  lieht  des  ewigen  sunnen  niemer  reht  in  daz 
hertz  geschinnen,  noch  mag  daz  hertz  des  lichtes  enphahen  nit  so  es  von  Got 
sich  keret  und  zä  zerganklichen  dingen  keret  ist    so  es  aber  reht  kert  ist,  also  40 


18.  l  fliss  me?        14.  hat        23.  disl  l  des?       27.  fvgot.        29.  vrilicher?  vgl  8.  80  Z.  4. 


daz  es  sin  sinne,  sin  gii'de  und  sinen  willen  gegen  Got  keret  hat,  so  mag  öch 
der  suuiien  lieht  dar  in  gescliinnen  und  mag  öch  daz  hertze  volleklich  enphahen. 
nnd  da  von  won  unser  vrowe  den  Spiegel  ij-s  Iiertzen  [63^]  reht  gegen  Got  kert 
hatte  —  und  ir  geliügde,  ir  wille  und  alle  ir  sinne  warent  frilicher  gen  Got  keret 
5  and  gerihtet  denn  ie  kain  mentsch  wurde  — ,  da  von  enpliieng  si  öch  me  Hehtes 
denn  ie  mentsche.  ain  lerer  sprichet:  'unser  berr  Got  ist  ain  so  getan  lieht  daz 
nieman  vinden  mag  won  redlich  und  lainnü  werch  nnd  Intri  ir  hertzen'.  daz  daz 
hertze  redlich  si,  dar  zö  hörent  zwai  ding,  daz  erst  ist;  du  lere  ünsers  berren 
enphahen;  daz  ander:  daz  es  du  voilebringe  mit  den  werchen;  won  es  hilfet  nit 

10  daz  der  mentsche  die  lere  Wiret  und  enphabet,  er  volbringi  si  och  mit  den 
werchen.  unser  hene  wil  sament  daz  ör  und  die  hant.  daz  ist  also:  so  daz  ör 
die  lere  hAret,  daz  öch  denn  du  hand  da  zu  griffe  und  es  mit  den  werchen  vol- 
bringe.  hie  von  spriht  der  wissag:  'also  schier  sü  gehortent,  do  warent  bä 
berait  zu  gehorsami'.  also  sol  och  der  mentsche  der  lere  gehorsam  sin  die  (Sä"] 
s  es  gehöret  von  dem  lerer,  und  ze  vordrost  der  lere  die  der  hailig  gaist  tut;  won 
swaz  der  hailig  gaist  dem  hertzen  grünet,  dez  sol  es  willeklich  gehorsam  sin. 
daz  daz  hertze  rain  und  hiter  si,  dar  zu  hörent  vier  ding:  daz  daz  mentsch  iii 
si  schulden  und  witze  und  üppiger  gedenke  und  unsAlger  girde.  swenn  denn  daz 
herze  redlich  ist,  also  daz  es  die  lere  enpliahet  und  och  behaltet,  und  rain  nnd 

20  luter  ist,  und  fri  ist  schulden  und  witze  und  aller  üppiger  gedilnk  und  unsÄlger 
begirde,  so  mag  er  wol  daz  lieht  vinden  finsers  herren.  sant  Paulus  spricht  öch 
von  disem  lieht:  'dVi  sunne  sol  nieraer  erlöschen  von  iiwrem  zorn*.  daz  betätet 
man  in  dri  wis.  dii  schrift  betület  es  alleklich  also  daz  der  zorn  in  des  ment- 
schen  herzen  niemer  iibernabten  sol,  daz  du  sunne  under   kome.    in  enander  wis 

as  betCitet  man  es  och,  also  verstat  mans  aigenlicher  daz  der  mentsch  den  zorn 
m&[62']m%T  in  dem  herzen  sol  gehan,  daz  er  ünsers  herren  gnade  iemer  geiene. 
daz  dritte,  als  sant  Dyonisius  sprichet,  daz  daz  lieht  ünsers  herren  volkomen 
machet,  daz  der  mentsch  reht  wirt  ain  spiegel  der  götlichen  tögni,  also  ist  öch 
unser  ^Towe  ain  speherin  der  götlicben  tögni;  won  si  spehet  in  der  bailigen  got- 

30  hait,  und  hat  me  erspehet  und  ervaren  der  götlichen  tögni  denn  ie  f-ngel  oder 
mentsch.  si  hat  reht  die  gothait  durchlasset  und  durchsehen,  si  siht  verr  in 
die  gothait  und  in  die  götlichen  tögni  denn  ie  mentsch;  der  also  wol  gesfthe  daz 
er  von  aim  end  der  weit  gesehem  möhte  untz  an  daz  ander,  sihet  si  die  got- 
hait luterlicher  und  erkennet  si  baz  denn  jener  möht  getün,  da  von  won  ei  öch 

SS  dii  rainsten  und  du  lutresteu  ogen  hat. 

Daz  ander  wort  dar  au  si  gelopt  [63"]  ist,  daz  ist  daz  si  erhöhet  ist  über 
all  creatur.  daz  merkt  man  an  den  woiten  daz  er  sprach:  'und  hatte  den  man 
under  den  füssen',  won  Allü  creatur  ist  under  ir,  und  die  engel  sint  ze  schimelen 
worden  under  iren  füssen;    won  ir  st&l  ist  genomen  von  den  engein  und  ist  ge- 

5.  nie  iicnmol.        8.  ist]  pret.        IB.  doz]  dz.        21.  er  —  der  JUctwcA.        31.  verr  —  veirer. 


13,  AiMängt  an  Pa.  US,  60;  17,  45.  22.  Epheg.  4,  3ü. 


1 


1  unser  vrowen. 


81 


L  des  obrosten  künges  stfil,  der  aiii  lierre  und  ain  Got  über  all  creatiir 
gewaltig  ist.  da  von  spriht  sant  Augustinus:  'Maria,  dir  ist  gesetzt  von  den 
engein  ain  ktinklicher  stül  in  des  ewigen  kimges  pfallentz,  und  Got,  der  künig 
ist  über  alle  könig,  der  minnet  dich  als  ain  muter  für  alles  daz  der  ist,  und  hat 
dich  gefueget  zu  im  mit  der  baJsung  der  minne;  wou  es  waz  uit  ain  wunder  5 
daz  unser  herre,  der  da  richset  in  dem  hjTuel,  mit  dir  sunderlicben  viöde  hat 
und  du  mit  im ,  der  von  dir  mentsch  uff  der  erde  geboren  [63']  wart,  und  dem 
du  da  so  dike  gütlich  tAte  do  er  klain  waz'.  ze  glicher  wis  alz  der  man  Hebt 
enphahet  von  der  sunnen,  also  enphahent  öch  die  enge!  und  die  haiigen  von  ir 
rr6de  und  lieht.  lo 

An  dem  dritten  wort  ist  si  gelopt  an  ir  sunderlicben  gnade,  daz  merket 
man  an  den  werten  die  er  sprach:  'uff  ir  hopt  ain  kröne  mit  zwelf  stemen'. 
sant  Bernhart  zellet  die  zwelf  stemen  da  mit  unser  vrowen  krön  geziert  waz. 
aber  aht  Sternen  sint  rebt  sunderlich  ir  aigen  und  sint  ir  sunderlich  ere,  da  mit 
si  Got  sunderlich  geeret  hat  und  erhöbet  über  all  creature.  IS 

Der  erst  Sterne  ist  daz  si  hoher  gehurt  waz;  won  si  wart  gehailget  und 
gesegnet  in  ir  muter  lib.  si  waz  och  hoher  gebürte  von  geschlähte;  won  ir  kint 
»olt  byscbof  und  künig  sin  worden,  also  hober  gebürte  ist  m4nig  mentsche; 
aber  daz  ie  kain  mentsch  an  sünde  ward  geborn,  als  [63']  hoher  gebürt  wart 
nie  mentsch  weder  Ysayas  noch  Jeremyas,  weder  haiige  noch  mentsche,  der  Got  28 
ie  als  lieb  wart  als  üser  vrowe  allaine.  mit  disem  stemen  ist  unser  vrowe  ge- 
zieret für  all  mentschen. 

Der  ander  Sterne  ist  daz  si  wart  gegrützet  von  dem  engel.  der  grfitzte  si 
and  sprach:  'Got  grütze  dich,  völlü  gnaden,  Got  ist  mit  dir',  dirr  grflss  wart 
da  vor  nie  gehöret,  noch  wirt  niemer  me  daz  iemer  me  kain  mentsch  also  volle  is 
gnaden  werde  als  si  waz,  und  daz  unser  herre  als  volleklich  mit  im  si  als  mit 
ir.  er  hiez  ai  vol  gnaden,  won  si  mit  im  erfi'illet  waz  von  dem  illö  gnade  und 
alles  gut  flüsset  und  der  selber  du  gnad  ist.  er  sprach  och  daz  Got  mit  ir 
wÄre;  won  er  wonte  mit  ir  mit  siner  liplichen  gegenwürti  und  mit  siner  göt- 
licben  gnade:  won  ir  lip  wart  ereilet  mit  siner  mentschait  und  ir  sei  mit  siner  M 
gothait,  dirr  stera  scbinnet  und  lüht«t  allaine  in  unser  [63']  vrowen  kröne 
und  niena  anderswa. 

Der  dritt  Sterne  ist  daz  der  ballig  gaist  über  si  kam;  won  do  ir  der  engel 
koDt«  daz  si  Got  solt  enpfahen  und  6cb  geberen,  do  antwurt  si  im  und  sprach-, 
'wie  mag  daz  hescheben,  ich  han  doch  willen  daz  ich  iemer  kunsche  welle  be-  3i 
üben?'  do  antwurt  ir  der  engel  und  sprach:  'der  hailig  gaist  sol  über  dich 
komen  und  du  lügend  des  obrosten  sol  dich  beschätwen*.  dis  getet  Got  an  nie 
kaim  mentscben,  noch  getüt  es  och  an  niemer  mentschen  me. 

Der  vierd  stern  ist  daz  si  Got  wunderlich  und  unsäglich  enpbieng.  und  als 
si  ünsem  heiren  enpbieng,    also  enpbieng  nie  vrowe  kain  kint  noch  öch  niemer  40 


I 


82  33.  Aber  von  Anaer  vrowen. 

enpfaliet.    swer  disen  Sternen  sehen  welli,   der  sehe  in  in  bjmelriche  in  unser 
vrowen  kröne,  da  ist  er  und  niender  anderswa. 

Der  [64°]  fünft  stem  ist  daz  si  du  erst  waz  du  Got  iren  inag:t&m  opUerte.    si 
tet  och  ain  wunderlich  und  ain  vrömd  ding,  daz  nie  beschach  noch  niemer  me 

t  beschiht.  liiiser  herre  hatte  die  e  gebotteil  in  der  alten  e,  aber  in  dem  ewan- 
gL'Uo  riet  er  den  magtüm;  und  den  baiden  vol^et  si  nach  und  behielt  daz  gebot 
der  e  und  dt^n  rat  des  magtümes.  des  mag  sich  enkain  maget  gerümen  daz  si 
die  e  und  den  magtum  mit  enander  hab  behalten  won  si  allaine. 

Der  sehste  Sterne  ist  daz  si  in  gentzi  waz  berhaft.     der  Sterne  wart  nia 

U  gesehen  in  hynit^lrich  noch  uff  ertrich,  noch  enwirt  och  niemer  me  gesehen  won 
in  ftnser  vrowen  kröne;  won  es  wart  nie  noch  wirt  och  niemer  me  daz  iemer 
vrowe  muge  sin  müter  und  magt  mit  enander  won  si  allain:  es  ist  ir  aigen,  wir 
mfissent  irs  lan. 

Der  sibend  Sterne  [Si']  ist  daz  si  linsem  herren  trag  ane  swire.    si  wa» 

u  flwär  an  swÄre;  won  si  trÜg  den  den  hymel  und  erde  nit  mugent  enthalten  und 
der  mit  siner  kraft  rndss  nf  han  AIIü  ding,  daz  waz  wider  der  natur  daz  si 
ane  swAre  waz  do  si  ünseru  herren  trüg,  won  von  nature  ist,  so  ain  vrowe 
swanger  wirt,  daz  si  denn  swäre  müss  sin;  dar  an  wart  ir  och  vrowe  nie  gelich 
noh  niemer  me  wirt. 

M  Der  ahtend  atern  ist  daz  si  an  klag  unser  herren  gebar,    dar  an  mag  sich 

ir  öch  nieraan  geliehen,  also  ist  illü  du  weit  von  unser  vrowen  geschaiden 
und  si  von  ir,  won  si  ist  an  disen  dingen  sunderlich  geeret  von  Gotte,  das 
niemer  me  noch  do,  noch  sid,  noch  da  vor  e  von  Got  also  gross  h&ilkait  nie 
mentschen  Hb  wart  berait. 
16  Der  nünd  stern  daz  ist  schäm,  won  do  der  engel  zä  ir  kam  und  si  grdtzt«, 
do  [64']  ersclirak  si  und  swaig,  und  du  liebi  die  si  zfl  künschait  hatte,  gab  ir 
baltkait,  daz  si  dem  engel  antwürt  und  sprach:  'wie  mag  ich  müter  werden,  nu 
han  ich  doch  Got  minen  magtdm  geophert?'  do  antwurt  er  ir  mit  den  werten 
als  ich  da  vor  han  gesprochen:  'sanctns  Spiritus  etc.".    dis  zimet  wol  allen  den 

ta  lüten  daz  si  schäm  hahent,  und  sünderlich  an  vrowen  und  allen  gaischUchen 
läten.  ain  hailig  sprichet:  'daz  ist  reht  schäm  daz  der  mentsch  vorht  habe 
daz  er   misse  valle '. 

Der  zehend  atern  ist  andähtig  demdtkait.    unser  vrowe  glichet  sich  zwain 
Sternen:  der  ain  ist  der  obrost  und  der  ander  der  undrost.    won  do  ir  der  engel 

u  die  botschaft  brahte  daz  si  müter  solt  sin  ünsers  herren  und  si  und  öot  ain 
kint  gemaine  soltent  han,  do  hüb  er  si  uf  zu  dem  obrosten  sternen,  do  warf  si 
sich  her  ab  zu  dem  nidrosten  und  sprach:  'ich  bin  ain  dirne  Gottes,  nach 
di/^ß^Vien  worten  geschehe  mir',  und  da  von,  won  si  unser  herre  vand  an  der 
nidrosten  statt  der  demüt,   da  von  nam  er  si  ze  ainer  mfiter  und  hat  si  öch  er- 


20.  äuaem  f  28.  qu  han  fehlt.  SS.  unser  herra]  i 


1 


es 


er  obrosten  statt  in  Ijjiiielrich  von  ir  demütkait.  nnd  spricbet  och 
Mnt  Augustinus:  'o  gewArü  und  sälgü  demütkait,  du  Got  allen  meutschen  gebar; 
dii  hat  firbraht  den  tidmigen  und  hat  den  hjmel  erfüllet,  die  weit  gerainnet, 
daz  paradis  nf  getan  und  aller  nientsehen  selan  sint  erlöst  von  der  hell'. 

Der  ainlfte  Sterne  ist  daz  si  höh  waz  an  dem  geloben;  won  si  gelobte  du  5 
ding  du  über  mentschlich  künne  warent,  alz  ir  der  engel  saite  daz  Got  die 
Dientscfaait  von  ir  wolt  nemen  und  si  in  solt  maget  wesent  geberen.  dis  waz 
harte  hoch  über  mentschlich  kunst.  dar  au  sont  wir  ir  nach  volgen  daz  wir 
hohen  geloben  h&[65°Jhejit;  won  daz  isst  des  geloben  Ion  und  sin  lob  daz  wir 
gelöbent  du  ding  du  wir  nit  begriflen  mugent  mit  mentschlichen  sinnen,  sant  lo 
Augustinus  sprichet:  'wir  sont  üusrem  herren  etwas  vor  lan,  daz  er  mit  siner 
götlicher  kraft  und  mit  siner  götliclier  konst  me  mug  getün  und  kunne  denn 
wir  mit  mentsch^cAer  kunst  begriffen  mugent'. 

Der   zwelft«  steme    da    mit    unser   vrowen    kröne  geziert    ist,    daz   ist  du 
roarter    irs   herzen,    also   sont  och  wir  marter  und   bitterkalt  han  an  ünserm  ts 
hertzen    amb    die  Bünde    die   wir    wider   (iot  hant  getan,     und   ünsers  herren 
marter  sol  uns  och  ain  marter  sin  und  ain  bitterkait  an  dem  bertzen. 

An  disen  vier  lugenden  mugent  wir  wol  unser  viowen  nach  bilden  in  et- 
licher masse;  aber  daz  wir  si  als  durnähtklich  gewinnent  und  also  hob  dar  an 
koment  als  si  komen  ist,  daz  mag  [66''/  nit  sin.  wir  sont  aber  ir  nach  volgen,  lo 
so  wir  best  mugent  iren  lugenden,  so  mugent  wir  nit  ierre  werden,  da  von 
spriht  sant  Bernhart:  'der  ir  nach  volgel,  der  wirt  nil  ierre  in  dem  wege;  der  si 
bittet,  der  bedarf  zwiflen  nit;  der  an  si  gedenket,  der  mag  verierran  nit;  den  si 
hebet,  der  envallel  nit;  den  si  beschirmet,  der  darf  im  fährten  nit;  den  si  füret, 
der  wird  müde  nit;  dem  si  gnädig  ist,  der  kumel  zil  der  ewigen  vr6de'.  25 

Daz  wir  ir  nu  also  nach  volgegint  mit  lügenden  daz  wir  och  zfi  ir  koment 
bymelricbe,  des  helfe  uns  der  vatter,  der  sun  und  der  hailig  gaist. 


[34.]  Von  Gottes  lychamen  und  von  der  fruht  Gottes. 


i ._,. 

^^P  'Du  scböni  der  wüsti  sol  wiss  weiden  und  die  berg  sont  entlobtet  werden': 
W188  mit  ünsers  herren  lycliamen  nnd  enllühtet  mit  sinen  Worten. 

Du  wüsti  ist  [65'J  daz  hertze,  daz  sol  sin  wüst  nnd  itel  aller  lasier  und 
aller  snnden.  weles  hertze  also  Inter  ist  und  wüste,  daz  hertze  wil  unser  herre 
wies  machen  mit  «im  lychamen:  won  swer  sich  beraittet  zfi  ünsers  herren 
zu  kunft  nnd  in  wirdeklich  enpbahet,  der  wirt  wis  der  gaischllchen  witze  ünsers 


h}'inelricli  nathträglich  eingeschoben. 
33.  luter]  itel7 


.V 


34.  Von  Grottes  lychamen  und  von  der  fruht  Gottes. 

herren  gnade  und  wirt  zii  legend  an  tugenden  und  an  sälden  und  wirt  stark 
und  gesunt,  daz  es  wol  lofen  mag  an  dem  weg  ünsers  lierreu,  der  da  treit  zfi 
der  hymelschen  Jherusalem.  won  der  mentsch  miiss  aintweder  fürsich  gan  an 
lugenden,  oder  aber  hindersich  an  Untugenden,    swel  mentsch  ün-sern  herren  un- 

6  wirdeklich  enphahet  in  sin  hertze,  daz  vol  ist  alasters  und  Untugend,  daz  wirt 
me  gekrenket  denn  gesterket,  und  ladet  dester  me  siind  uff  sich  selben,  unser 
herre  wil  nit  sin  in  aitn  unsubem  und  in  aim  unrainnen  hertzen.  er  wil  sin 
in  aim  selißnnen  hus,  won  [65"]  sin  herscüaft  gezimet  wol  in  sch&ni  nnd  in 
wunneklicM  ze  wandlenn. 

w  Nu  sont  wir  önserwi  herren  ain  tempel  und  aiu  hus  machen,  da  sin  Wand- 

lung und  sin  wesen  inne  si.  dis  tempel  sol  sin  unser  hei-2e.  dis  tempel.  unser 
her«,  sont  wir  im  alles  geben,  won  gebeut  wir  im  ain  tail  und  dem  tiivel  ain 
tail,  daz  uimt  Gkit  nit  vergfit;  er  wirt  als  erzürnet  daz  er  sinen  tail  lat  und 
schaidet  von    dem   hertzen.    swer   den   grossen  Got  also  gehalten  wil,  der  also 

15  gross  ist  daz  in  hymelriche  und  ertrich  nit  berahen  mag,  der  bedarf  wol  daz  er 
sin  hertz  beiaite  und  wit  mache;  won  dem  daz  hertze  klain  und  eng  ist.  der 
denn  dem  tüvel  dekain  tail  lät  und  git.  so  enmag  unser  herre  da  nit  beliben,  er 
lat  es  dem  tüvel  allessament.  won  also  kum  daz  lieht  und  du  vinstri  in  ainer 
kemmaten  mugent  sin,  also  mag  öch  daz  ewig  lieht  ünsers  [66"]  herreu  und  der 

M  tövel  sament  nit  in  aim  hertzen  gesin.  won  ir  sehent  wol,  so  der  tag  uf  gat, 
daz  denn  du  vinstri  under  gat;  und  so  du  vinstri  kunt,  daz  denn  daz  lieht  ent^ 
wichet:  also  entwichet  der  liebte  tag,  unser  herre,  so  er  den  tüvel  vindet  in  dem 
herzen;  won  unser  herre  wil  aintweder  enkain  tail  an  dem  hertzen  han  oder 
aber  daz  hertze  gar.    unser  herre  gert  an  den  meutscheu  nit  won  dez  hertaen, 

35  als  er  selb  sprichet:  'kint  mins,  gib  mir  diu  hertze'.  swer  ünsrem  herren  daz 
hertze  nimet  nnd  es  dem  tüvel  git,  der  robet  ünsern  herren,  won  er  nimet  im 
sin  reht  aigen,  won  er  geschßf  es  und  ist  unser  nit,  als  öch  her  David  spricht: 
er  geschüf  uns,  wir  geschüffent  uns  selber  nit '. 

Unser  herre  wil  och  nit  sin  in  aim  tempel  daz  genaigt  ist  ze  vallend.    da 

so  von  sprichet  ain  haiige:  "daz  ewig  [66^}  leben  wil  nit  gän  in  ain  tempel  daz 
genaiget  ist  ze  vallenn'.  daz  sint  du  hertzen  du  da  nit  gerihtet  sint  gegen 
bymelschen  dingen,  wou  daz  si  genaiget  sint  ze  Sünden,  er  wil  siu  in  aim 
tempel  daz  vestklich  gemachet  ist  und  uff  ain  gftt  fundmiet  gesetzt  ist  daz 
fundmiet  sol  sin   demütkait.    nu   bereut    zwelf  ding  zu  reht«r  demütkait.    der 

3G  hailig  vatter  seit  von  zehnen  und  ain  ander  haiUg  von  zwain,  also  sint  ir 
zweliü.  daz  erst  daz  der  mentsch  allen  välsctüichen  willen  an  im  selben  töte, 
daz  ander  daz  der  mentsch  sin  hertz  und  sin  gedenke  offne  sinem  bihter.    daz 


10.  vnsern.  11'12.  fiaaer  herze]  vWb  h^n  bädemaX. 

21.  kotl  bunt  oder  kumt  ? 


15.  nit  fehlt. 


t  fekü. 


25.  iVoB.  23,  m.         28.  P».  99,  3.  35.  Gemeint  ist  der  kl.  Benedikt  im  ?.  Kapitel  seiner 

Begel  (  Wöl/ftin,  Benedieti  regvla  monocAontm  S.  1 7),  wo  jedoch  von  12  Graden  der  Demut  die  Sede 
ist;   vgl.  auch  den  Traktat  des  hl.  Bernhard  de  gradibtu  hfimilitatis  (Migne,  Opera  I  Sil). 


34.  Von  Gottes  lychan 


a  der  (ruht  Gölte«. 


85 


ritte  daz  der  mentsch  sin  beschaidenliait  lassi  und  si  bevelhi  siner  maister- 
scbaft  daz  vierde  daz  der  mentsclie  manung  gern  sol  hören  uad  öch  der 
manang  gerend  sin.  daz  fünft  daz  der  mentsch  in  allen  dingen  sol  ban  ge- 
daltig  gehorsami  und  stät  gedultekait.  daz  sehste  daz  der  mentsch  nit  tüge 
won  ffiG'J  daz  du  gemain  regel  oder  bild  siner  vordren  seit,  daz  sibend,  i 
waz  der  mentsche  enphahe  gutes,  daz  es  sich  des  unwert  sage,  daz  ahtod 
daz  der  mentsch  sich  mit  warhait  und  mit  werten  nidre  dunki  denn  ieman 
hl  im  SL  daz  nünde  daz  der  mentsche  sich  also  halte  und  mit  also  getanem 
frid  wandle  daz  nieman  von  im  betrübet  muge  werden,  daz  zehend,  werde 
aber  der  mentsch  betrübet,  daz  er  daz  also  gedulteklich  habe  daz  nieman  to 
enbain  betrü  bde  noch  ungehabde  an  im  mug  gesehen,  daz  ainlfte  daz  der 
mentsch  nit  sol  ban  bräbtend  stimme  uocb  schrigend.  daz  zweifle  daz  der 
mentsch  nit  lihteklich  lache,  dis  tempel  sol  öch  vier  wend  ban.  daz  sint  vier 
tngend.  du  erst;  witze;  du  ander;  sterki;  du  dritte:  künschi;  du  vierde:  reht. 
in  den  vier  wenden  wil  unser  herre  gerne  in  der  sele  sin,  n«  stünde  aim  is 
Wirt  harte  übel,  so  er  ainen  lieben  gast  gela/^66"'7det  in  sin  hus,  daz  er  denne 
oss  dem  hus  giengi  und  den  gast  ainig  in  dem  hus  liessi:  also  stat  der  sele 
übel,  80  si  iren  lieben  brütgom  und  iren  si^en  gast,  ünsern  herren,  zfi  ir 
geladet  aintweder  mit  sim  lichamen  oder  mit  siner  gnade,  daz  si  denne  usser 
dem  hertzen  gat  und  uss  der  hüte  irs  herren.  in  trüwen,  er  blibet  öch  da  nit,  » 
er  schaidet  von  ii-;  won  swenn  der  mentsch  sich  selben  und  Got  lat,  so  tat  och 
in  unser  herre.  den  lüten  geschiht  als  sant  Jobans  schribet  in  sim  ewangelio: 
'unser  herre  waz  in  der  weite  und  du  weit  bekant  sin  nit,  und  er  kam  in  sin 
stat  und  sü  enphieiigent  sin  nit'.  also  kumet  er  och  noch  zu  mängem  hertzen 
mit  siner  gnade,  und  man  bekennet  noch  enphahet  sin  nit.  des  ensol  ain  39 
mentsch  nit  tun.  so  es  Got  enphahet,  so  sol  es  och  bi  im  in  dem  hns  sin  /"ff/*/ 
und  Wirtschaft  mit  im  han  und  sol  daz  hus  niemer  gelan.  daz  wiri  ain  wunder- 
lich ding  daz  ain  gast  in  aim  hus  wäre,  und  so  er  denne  uss  dem  hus  giengi, 
daz  im  du  herberg  und  daz  hus  nah  giengi,  swa  er  hin  giengi,  und  sin  niemer 
wolt  Verlan,  also  sol  dis  hus  dem  gast  nach  gan,  daz  ist  ftnserm  herren,  dem  30 
almähtigen  Got,  und  im  an  hatten,  von  disem  anhaften  scbribt  sant  Augu- 
stinus aim  sim  gesellen  ainen  brief  und  schraib:  'daz  ist  ain  vöUü  wisshait  und 
ist  ietz  ain  sÄliges  leben:  der  an  dem  obrosten  Gotte  und  an  dem  ewigen 
lebenne  also  haftet  daz  er  niemer  mag  verlorn  werden,  und  sin  sterki  och  an 
im  haftet  daz  in  nieman  überwinden  mag,  und  sin  künschi  an  im  haftet  daz  si  u 
niemer  geunsubert  mag  werden  von  enkainer  irdeschen  minne,  und  si  reht  also 
an  im  ]iB.f[67*jtßt  daz  es  undertinig  ist  ünsers  herren  rehten;*  won  daz  tünd 
och  die  eiigel  und  die  haiigen  daz  sü  undertänig  sint  unsers  herren  rehten,  vrö- 
went  sich  in  sim  rehten  (als  der  wissag  sprichet:  'et  in  iusticia  tua  eiultabnnt'), 


I 


1  Ende  der  Zeile. 


23.  Joan.  l.  10. 


88 


94.  Ton  Gun«e  tychAmen  und  von  der  fruht  Gotte«. 


und  hoftent  an  im  äne  mitli.  nud  swel  meotsch  an  linsrem  faerren  alsns  hafle^ 
daz  ist  ietz  ain  bruder  und  ain  frünt  der  bymelscben  burger  und  hat  sins 
hertzen  hns  gemacbet  und  gemainsamet  mit  dem  hymelscben  huse,  da  von  won 
es  sich  ietz  in  disem  irdeschen  leben  glichet  hat  dem  himelschen  lebenn.  swenn 
6  aber  denn  der  mentscb  sin  bertz  tat  nnd  mit  weltlichen  dingen  amb  gat,  so 
masget  es  den  bj'mel  und  biitet  sinen  mägen  und  sinen  fründen,  den  baiigen, 
uner  und  laater  und  ze  aller  vordrost  iinserm  herren  und  unser  vrowen.  da 
Ton  sol  sich  der  mentsehe  flissen  znht  und  erberi  daz  er  sinen  brfidern  and 
sinen  fründen  laster  und  nnere  üt  [67']  bieti, 

10  Unser  beire  wil  öch  sin  in  aim  tempel  und  in  aim  gotzhus  daz  gezieret  und 

gewihet  sige.  wi  sont  wir  nu  dis  gotzhus  zieren  und  hailig  machen?  sant 
Peter  zieret  und  machet  hailig  disen  t«mpel  da  mit  daz  er  schraib  sinen 
jungern  ad  Phylippenses  und  sprach:  *ir  sont  nit  gedenken  won  das  war  si  und 
daz  raineklich  si  und  hailig  si  nnd  daz  minneklich  si  und  ordenlich  si  und  daz 

IS  ewig  si  nnd  daz  gfites  lumden  si  nnd  daz  lob  der  znht  si'.  swenne  du  sei  ir 
tempel  alsus  zieret,  so  wil  unser  herre  gerne  dar  inne  wonen  mit  der  sele. 
von  dirre  gezierde  sprichet  du  sele  in  canticis:  'underlege  mich  mit  bifimen  und 
unibsteke  mich  mit  malagranatin  giiten,  guten  smak '.  hie  bi  slnt  bezaichent  die 
tugend.    bi  der  blümen  lindi  ist  bezaichent  daz  der  mentscli  Hndü  und  fridsamü 

io  wort  gegen  allen  luten  han  sol.  bi  der  schiui  ist  bezaichent  daz  der  mentsch 
schöner  und  zühtiger  gebärde  sin  sol  und  lob  der  zuht  [ß?*]  behalten  sol. 
bi  dem  guten  gesmake  ist  bezaichent  guter  liimde,  der  von  des  mentschen 
tagenden  komen  sol.  sant  Bernhart  zieret  öch  dis  tempel  mit  guten  gedänken. 
er    zieret    es    öch    mit    unsers    herren   marter  und   sprach:  'ir  sont  gedenken 

46  an  die  kröne  du  üusrem  herren  in  sin  hopt  gedrnket  wart',  da  von  stat  an 
der  minne  bflch :  '  gant  uss,  ir  tobtren  von  Syon,  und  neraent  war  des  küniges 
Salomones,  und  nenient  war  der  kröne  da  mit  in  sin  muter  gekrönet  hat!'  (daz 
waz  du  jödeschait,  von  der  er  geboren  wart),  wir  sont  och  sehen  und  gedenken 
daz  er  selb  sin  crütz  trag,   and  daz  man  in  dar  an  hieng  alz  er  ain  diep  wäre, 

80  nnd  daz  sä  im  under  sin  antlüt  spuwent;  nnd  do  er  tod  waz,  daz  er  duich  sin 
hertze  gestochen  wart,  und  wie  er  ans  erlöset  hat  von  der  vangnust  des  tüfels. 
er  ist  der  edel  signunfter,  won  [68']  er  hat  gezemet  und  zerstöret  des  tiivels 
gewalt  an  dem  crütze.  da  von  spricht  ain  haiige  daz  unser  herre  ei  ain 
orthaber    des    lebens    und    der  vröden.     daz    <y^i   er  uns  wol  an  dem  crütze, 

9&  won  er  erwarb  ins  daz  ewig  leben  and  die  ewigen  vröde  und  mähte  uns 
lebend  und  gesunt  von  allem  siechtagen,  der  helfant  hat  ain  nature  daz  er 
lat  uss  der  nasun  ainen  geamak,  der  machet  dft  höbet  gesunt;  und  als  man 
in  bittet  daz  er  den  smak  lasse,  so  tat  er  es.    bi  disem  helfant  ist  bezaichent 


12.  Pet*]  ;.  PauluB. 
35,  erw/warb. 


1.  malagracatiD  bluten  gäten  «makes  f  die)  l.  An  (RoethM)M 


M.   Von  Gottes  Ijchai: 


n  der  fniht  Gottea. 


87 


dar  edel  helfant,  üiiBer  herre.  der  Hess  aineii  als  gfiten  smak  von  im  an 
dem  crutze  daz  er  von  uns  vertraib  allen  siehtagen  und  gesunt  sint  wor- 
den, und  swer  den  edlen  gesmak  siner  marter  noch  enphahet  und  siner 
tagend,  der  müss  gesunt  werden  an  der  sele.  da  mit  so  machet  der  nientsche 
sinen  tempel  hailig;  und  aber  sunderlich  die  gedänke  von  f68'}  ünsers  herren  t 
marter  die  wihent  daz  tempel,  also  daz  der  tAvel  niemer  dar  in  komen  mag. 
Und  dar  nach  sont  wir  nnsern  herren  sdchen,  won  sant  Paulas,  so  der 
g'eleret  dis  terape!  hailig  machen  und  zieren,  so  spriht  er  denn  erst  hindnen 
nach:  'und  denn  sont  ir  suchen  linsern  herren  und  sont  sin  halten  in  dem 
fride  und  in  der  senfti,  der  wil  wil  er  zfl  üch  komen  und  Wirtschaft  mit  ilch  v 
han.'  wie  sont  wir  nu  ünsern  herren  han  und  suchen?  da  von  sprichet  ain 
haiige:  'sächent  ir,  so  süchent,  und  sid  ir  sfichent,  so  sflchent.*  wa  sont  wir 
nu  ünseru  herren  suchen?  in  trüwen,  in  dem  hertzen,  da  vindent  wir  in. 
etlich  lüt  süchent  in  unreht,  si  siichent  in  usserhalb  irs  hertzen,  und  da  ist 
er  nit,  und  da  von  vindent  si  sin  och  nit.  wir  sont  nit  tun  als  der  rappe  l 
den  Noe  sante  uss  der  arche.  der  sass  uffen  ain  äss  und  äss  daz  und  kam 
nit  wider,  do  sant  er  do  ain  tuben  ns,  do  si  do  niena  vant  so  vil  {68 'J 
daz  si  ir  füsse  gesetzen  mihte,  do  flog  si  wider  in  die  arche.  bi  dem  rappen 
ist  bezaichent  daz  weltlich  hertze:  so  daz  usgeflüget  in  die  weit  mit  sinen 
gedenken,  so  sitzet  es  utf  daz  bös  äss,  der  weit  unrainkait  und  bossbait,  und  l 
haltet  sin  gedänke  und  ain  girde  dar  üf  und  kunt  nit  wider  in  des  herzen 
hns.  aber  bi  der  tuben  ist  gelichet  daz  rainne  hertze:  so  daz  joch  sin  ge- 
dänke uss  der  hüte  fliegen  lat,  so  öiegent  si  doch  schiere  wider  in;  won  so 
es  in  der  weite  kain  stäte  vröde  noh  rttwe  vindet,  daz  es  gerüwen  muge, 
so  finget  es  wider  zehant  in  sich  selben  und  in  sin  inren  sinne,  und  da  vindet  1 
es  fride  und  in  dem  frid  nnsern  herren.  aber  die  litte  die  nnsern  herren 
went  suchen  in  der  mengi  und  under  dem  volke,  die  vindent  in  niemer;  won 
als  schier  ain  klaines  vögellin,  ain  schnelles,  entwüschet,  also  entWMSchet  6ch 
unser  herre  under  vil  mengi  üppiger  gedenke,  unser  [6S ']  herre  tut  als 
ain  zunschliiphel.  den  kan  nieman  wol  gevahen,  und  fläs;et  den  lüten  doch  > 
nähr  also  ist  öch  unser  herre  dem  herzen  vil  nahe,  und  mag  in  doch  der 
ment^che  niemer  gevahen  iu  den  üppigen  gedenken,  her  Jacob  der  patrlarcbe 
der  waz  in  der  statt  Mesopotamia  und  lie  laut,  wib  und  kint,  und  do  er 
sich  also  enzoh  der  haimüt,  do  kam  der  engel  in  der  alni  nahe  zti  im.  also 
wil  och  linser  herre  funden  werden  in  der  aini  des  hertzen.  so  in  denn  der  ) 
mentsehe  ergrifet,  so  sol  er  tun  als  her  Jacob  tet.  der  enwolte  den  engel 
nit  von  im  lan  e  im  ain  segen  wart,  und  rang  also  sere  mit  im  daz  er 
binkent  wart:  also  sont  wir  linsern  herren  niemer  von  uns  verlan  e  üna  der 


28.  cntwacbet.  HS.  der 


%.  Anklang':  an  Phil  3, 20;  4,9;  Tit.  2,13?        Kf.  Gen.8,6ff.        33.  Oen.Sl.18:  32,  23 ff 


I 
I 


88  34,    Von  Gottes  Ijchamen  und  von  der  fraht  Gottes. 

mgea  werde  siner  gnade,  so  wir  ünsern  herreii  gesüclienf,  so  kämet  er,  als 
da  stat  geachriben  daz  wir  den  hersclier  sfichint  und  daz  der  engel  zu  üs 
kumet.  unser  hene  enwil  aber  {69'J  nit  ailaine  die  hüte  an  dem  engel  lan, 
er  wil  selb  unser  hutev  sin.  unser  berre  wil  aber  sin  ain  rehter  herscher. 
5  won  er  herschat  und  richset  in  bymelrich  und  in  ertricbe  und  ist  ain  berre 
über  all  herren.  sant  Paulus  sprichet  daz  der  ain  rehter  berre  si  der  allen 
frechen  gewalt  zemet  und  vertribet,  und  der  alle  wunne  besessen  hat, 
und  des  gewalt  niemer  zergat,  daz  ist  nnserm  herren  aliaine,  won  er 
bat   all   die  schöni    hynieb'ichs    und    ertriclis    besessen ;    sinen    gewalt   mag    öch 

10  nieman  genaigen ,  won  aller  gewalt  müss  sich  ünder  sinen  gewalt  naigen, 
und  sin  gewalt  wirt  niemer  genaiget.  dirr  herscher  kunt  mit  in  in  ir 
lant  und  in  sin  statt.  also  tünt  die  herscher  dirr  weit  nit:  so  die  koment 
in  ir  lant  und  in  ir  stette,  so  sorgent  die  löte  zu  ir  zükunft;  won  si  ver- 
tribent  arm  lüte  und  phendent  die   lüte:  aim  schlabent  sü  den  {69"]  ffiss  ab, 

U  den  andren  vaheut  si.  des  entüt  unser  berre  nit.  er  kunt  nit  also  daz  es  uns 
verlieri  und  daz  wir  sin  gevangen  sigint;  er  kumt  also  daz  er  uns  wil  ziehen 
in  sin  vitterliches  haimüt  zi\  den  ewigen  sälden.  dis  ist  ain  wirdeklicbü  zuht 
daz  daz  ewig  leben  den  tod  nah  im  ziihet,  und  der  ewig  richtiim  die  armät 
und    den    bresten,    und    du    gesuntbait    den  siehtagen    und  die  krankbait,    und 

SD  du  State  vr6de  die  trurkait,  und  du  ewig  rüwe  die  arbait.  dis  Ziehens  w&nne 
ich  wol  daz  och  du  sele  gere,  da  si  da  sprichet  in  canticis:  'herre,  züch 
mich  nach  dir!'  er  kunt  och  nit  also  daz  es  uns  nidene  und  druke:  er 
kunt  also  daz  er  uns  wil  kr6nnen.  wa  mitte?  entruwen,  mit  siner  erbärmde. 
er  kunt  i'ins  gnu  wol  mit  siner  erbdrmde;  won  es  ist  unser  enkaines  es  habe 

S&  in  etwenn  verlorn  mit  sinen  böwen  werchen,  so  enphahet  er  uns  wider  mit 
siner  güti;  und  noch  denn  mÖhfGd'JteM  wir  niemer  verdienen  daz  hymelriche 
mit  ünsren  werchen,  won  daz  er  uns  krönet  mit  siner  erbArmde  und  git  lins 
den  sygnuft  siner  marter.  er  kunt  och  den  kindlin  mit  siner  erbärmde  die 
von    diir  weit  varent   so  si  den  töf  enphahent:    die  entatent  im  mit  Worten, 

W  mit  werchen  noch  mit  gedänken  nie  dienst,  und  git  inen  doch  daz  hymelrich. 
er  kunt  och  nit  daz  er  robe  die  lüte  und  si  ze  aibait  bringe;  er  kunt  also 
daz  er  Ans  wil  rieh  machen  und  erfüllen  mit  allti^u  tugenden  und  mit  allem 
giite,  als  der  wissag  sprichet,  mit  aller  süsskait  und  mit  aller  überflüssekait 
götlicher  gnaden. 

as  Nu    miüsse    er,    lieber    herre,    schiere    alsuss   zu    uns    komen    und    bi    uns 

wonen.    amen. 


.  Anklänge  an  Col.  2,  9.  15.    Bom.  13. 


W  [35.]  Von  Gottes  frlde. 

^^  Der  wissag  sprichet  alsuss:  'liüt  ist  der  frid  lier  iiider  komen,  und  daz 
honig  daz  in  dem  hymel  gesament  wart,  daz  ist  geflosseu  durch  alle  [69'] 
die  weit.'  der  wissag  spricht:  'vellet  der  mentsche  der  da  reht  ist,  es  en- 
wirret  im  niht,  won  unser»  herren  hant  ist  linder  sim  hopte  und  hilfet  ini  s 
nf,'  der  wissag  spriht  aber:  'swer  sin  ogen  behüt  und  alle  sin  sinne,  daz  si 
nit  sehent  noch  würkent  daz  Got  hasset,  der  sol  offenlich  sehend  werdent 
den  gütlichen  Spiegel.'  David  sprichet;  'unser  heire  ist  bi  mir,  da  von  vröwe 
ich  mich,  daz  hail  ist  beschehen  von  den  sondern  und  liatt  mit  im  nit  ze 
t&nde.  0  herre,  gib  mir  wider  min  vrflde,  und  den  fürstlichen  gaist  dines  lo 
hailes  den  gib  mir.  o  Got  min  hertze  ist  dir  berait;  swenne  du  kumest,  so 
bin  ich  berait  dich  ze  enpbahen,  und  ich  singe  dir  ain  gütlichen  sang,  nement 
war  und  vei-süchent  wie  gar  süss  unser  herre  ist.  die  brosmen  guter  gedenke 
machent  die  grossen  süsskait.  din  trost  den  [70"}  du  hast  geben  mim  hertzen, 
der  vriwet  min  sele.  o  herre,  du  hast  din  antlütz  von  mir  bekeret,  da  von  15 
bin  ich  betrübet,  unser  herre  ist  min  helfer,  wen  fürht  ich  deune?  o  herre 
min  sele  ist  dürre  und  verdorret,  o  herre,  du  bist  min  sterki  und  min  vesti; 
wen  vorhti  ich  denn ,  sol  er  min  helfer  sin  ?  swenn  mich  denn  kain  ar. 
bait  an  gat,  so  wil  ich  fliehen  in  min  vesti,  daz  ist  min  Got,  der  wil  mir 
helfen  in  allen  minen  nöten."  Äbacuc  sprichet:  'ich  wil  stan  uff  miner  hat  2fl 
und  wil  loffen  ufl"  min  vesti  und  wil  mich  umb  sehen  wer  die  sigint  die 
mich  versüchent  in  minen  tagen.'  Jliesus  sprichet  durch  des  wissagen 
munt:   "owe  all  mentschait,    sich  waz  ich   erlitten  han  durch  dich,    und  merk 

1.  Überschrift  fehlt  O  Z.       2.  Der  wiaaage  sprichil  alaus  von  vnairs  horren  gebürte:  hi'ito  G. 

S.  geeament  wart]  zeeamme  wart  getragen  O.        4.  mentscbe  . . .  ist]  rchte  mensche  G. 
6.  aber  fehlt  Q.        swer  —  S  spiegel]  alle  die  ir  o'gen  bphfltent-    vnde  ftUo  ir  änne  daz  aü  niht 
aebint  noh  werkint  du  ding  dii  got  bazze.    die  buu  offenlichiu  scbin  den  werdin  gotlichüj  spiegel. 
Iheremyas-    Ir  vranzm  üttehait  het  eü  uirzwei7it.    daz  bii  iwerar  sint  denne  daz  kol.    daz  daz  fiSr 
virbienoit  bat  6.  8.  sprichet  fehlt  G.  9.  vor  daz]  Longe  la.  Q.         beschehen]   ge«cbai- 

den  ö.  10,  vor  o]    Rcdde  mihi  G.  11.  vor  o]    Paratum  cor  G.  berait    min  herce  igt 

abir  bereitet     swenne  6.  12.  gotlichen  G.         vor  nement]  Gustato  G.  IH.  versächent] 

Bmekint  O.  15.  vor  o]  Avertisti  faciem  G.  IT.  herre  got  G.  IS.  sol . . .  ain]  so  er  min  helfer 
wil  ain  G.  19.  arbait  han  od'  an  gat  Ä.  20.  vor  Abacac]  Nnmquid  in  nnminibus     Va- 

fina  iTafena  Z.)  wil  got  ie  mir  zürnen,  er  enhat  inbaine  irbenniüe  übir  ein  volch.  Tarbatus 
sum.  Ich  waz  betrfibit  vndo  retdc  niht  Numqnid  »yon.  Syon  ist  ain  mensche,  vnde  ain  mensche 
vngeborn.  vnd  der  mensche  ist  d'  lio'hste.  viid  der  mensche  geschüf  sjun.  Sind  (miniv  richtig  Z.\ 
aail  aint  gevallin  in  daz  rebte  erbe,    vnd  min  erbe  bt  gar  iütir  G. 

1.  MU  Nr.  3S  beginnt  der  Text  der  Predigten  in  G  u.  Z,  Kelche  hier  im  weientiichen  überän- 
stimmen,  so  daß  im  Apparat  nur  die  Leaearten  von  6  miedergegeben  sind.  —  Dem  Charakter  nach 
itt  dieses  Stück  eine  Zusammenstellung  verschiedener  Schrift-  «nd  Väterstellen,  die  teils  teörüidi, 
teils  nur  dem  Sinne  nach  aus  dem  Oedächlnis  niedergeschrieben  tcurden.    Die  Verifiziervng  ist  darum 

_Sß Bdiwier^keiten  verbunden.        2.  Isai.  66,13:  48.  I8Y       5.  Fa-3.6;  13S.5Y       G.  Ps.n8,37? 

^L    9.1^.118,100.        \0.Ps.öO,14.        n.  Fs.  107,2:  5S,S.        l^.Fs.33,9,        15.  fg.  5»,  S. 

^M  J6.  F».  117,  6.        Ps.  142,  e.        17.  Fs.  36, 1;  27,  7.         20.  Hab.  3. 1. 


90 


36.  Von  Gottes  fride. 


es  reht;  ob  dich  diinke  daz  ich  dich  gnü  tiire  gekoffet  habe  und  mich  sare 
[70'J  sigist  an  komen,  so  dien  mir.'  David  spnchet:  'ich  hab  all  min  sinne 
^setzet  in  daz  hymelrich.'  'wie  kumet  daz  das  golt  sin  sch6ui  hat  verlorn?' 
Jhesus  spnchet  dnrch  des  wissagen  munt:  'unser  herre  wil  daz  iirlüg  sparen 
5  untz  an  daz  ende  des  ertriches.'  David  sprichet:  'o  herre,  ich  löf  in  dem 
wage  diner  gehotte,  so  du  enbrenneat  min  hertze."  unser  herre  der  spricht: 
'hie  sol  min  rftwe  und  min  erb  sin,  und  dis  hab  ich  mir  erweit  ze  ainer 
rtiwe  und  zä  aim  rehten  erbe.'  Moyses  sprichet:  'o  herre,  beschirmet  mich 
din  erbarmed  nit,  so  mfisti  ich  iemer  buwen  daz  abgründe  der  helle.     Ysayas 

10  sprichet;  'herre,  unser  opher  ist  nit  gantz,  won  da  vellest  nit  unser  vigint" 
'.«tand  uf  Jherosalem,  din  liebt  daz  knmet;  und  du  g&ulichi  ünsers  herren  ist 
komen  über  dich.'  David  sprichet:  'herre,  haftet  min  sele  an  dir,  so 
umbvahet  mich  din  zeswe.'  Ysayas  sprichet:  'nement  fruht  (70'}  ab  dem 
aller  b6hstem  bome  der  ie  wart,    und  werdent  ge3pi.set.'    David  sprichet:  'Got 

15  hat  fms  beschaffen,  und  wir  haut  uns  selber  nit  geschaffen.'  'o  herre.  alle 
min  tage  und  alle  min  zit,  ällii  minü  jar  wil  ich  dir  wider  geben  mit  bitter- 
kait.'  'ieglicher  naht  wil  ich  weichen  min  bette  mit  minen  trÄhennen.'  'o  herre, 
entlobte  mit  diner  gnade  die  vinstri  dii  in  rainem  hertzen  ist.'  'werbent  man- 
lich,  so  werdent  ir  gesterket  und  setaeut  all   liwer  ziiversihl  an  Got,    daz  ir 

2(1  mugent  gesigen.'  Jhesus  spricht:  'ich  bin  dar  umb  komen  das  ich  ain  für  uff 
daz  ertrich  sende.'  Job  sprichet:  'o  lieber  herre  min,  waz  han  ich  getan,  daz 
sag  mir,  daz  du  din  antlüt  von  mir  hast  gekeret?'  'ich  hab  mir  daz  erweit 
ztL  aim  tröste  daz  ich  versmahet  werde.'  'si  mässent  arnen  alles  daz  si  ie 
getatent,  und  mugent  doch  niemer  zergan.'    'mine  leftzen  sont  niemer  gereden 

25  die  valschhait  und  unwarhait,  die  lugine  sont  von  mir  schaiden.'  'wil  [70°} 
ich   min  arbait  geliehen  diner  arbait,    so  mag  min  arbait  tuaent    nit  geliehen 


\f.  ob  —  mir]  vnd  dunk  üch  ,  daz  icb  \y  gnft  türe  habe  geko'fet .  vnd  dai  ir  micb  siir  tint 
anekomin  so  dienenC  inir  Q.        2.  smnei  trehinne  G.        3.  vor  wie]  Quomodo  obscurantm  G. 
4,  dee  am  Bande  nadigetragm  A.  des  —  munt]   den  w.  Ö.  5.  vor  David]  Jbegns  Bp>cbit 

Eedemo  rüwigeo  .  wir  sun  ilisime  entliben  .  er  wil  o'ch  oatltben  G  (or  —  entliben  fehtf  Z). 
ß.  der  fthlf  (?,         7.  vor  hie]  Ilec  requies  raea  G.         8.  spricbetj  din  volc  hat  fregfindet  G. 
boBchinnet]  onsf^hirnde  G.         10.  da  envellist  du  niht  vnsir  viendo  G.        lt.  vor  Htand]  Isay  ap'. 
Sorge  illnmlnare  G.  Uf.  ist  komen  übir]  kotnit  uffen  O.  14.  vor  Got)  ipee  fecit  dos  et 

non  ipBJ  nos  G.  15,  vor  o]  recogitabo  tibi  G,  16.  und  fehlt  G.  lit  tTi  ellfi  G. 

17.  David  Bp'.  legelichir  G.        mlnon]  nt'iwen  G.  herre  ep'.  MoyBes  G.  18.  vor  werbent! 

lUomlna  virihter  a^te  G.  ISf.  ir  in  mugint  geaegin.  Isay.  Wirvaren  mit  vro'de  unde  werden 
mit  vride  getflret  zehimitriche.  da  von  vro'wint  eich  die  berge.  5n  ^e  böhile  vn  lobfnt  got  dir 
omhe  G.  20  f.  in  daz  ertricbi  gebe  G.  25.  dQ  lügi  sol  von  mir  gea^hdden  ein  G.  26.  mag  — 
91,1  stne]  mach  tilsint  arbait  niht  gelichin  diner  groiin  angiat  G. 


1.  /.  Cor.  7.  S3;  L  Fetr.  1. 18f         3.  Thrm.  4, 1.        5.  Fb.  118,  3S.         7.  Ft.  181, 14  f 

11.  Iiai.  60, 1.         12.  Jb.  62,  9.  U.  Fa.  99,  3.         16.  Itai.  38, 15.         17,  Fa.  6,  7.         IT/".  A. 

12,  4:  17.  29.        18/".  Pg.  30,  35:  DetU.  31,  6.        20.  Lvc.  13,  49.       nf.  P».  S3. 11.       .2i  f.  Job 
27.  4. 


35.  Von  Gottes  fride. 


91 


,  aine.'  'ich  waiss  wol  daz  min  erlöset-  lebet  und  d&z  am  jüngsten 
tag  ich  sol  erstan  von  dem  ertlich,  und  mit  niinen  iiplichen  ogen  sol  ich 
dennc  sehen  ininen  behaller.'  'owe  heire,  ich  fürhle  allü  minü  werk,  won  ich 
iraiz  wo]  daz  du  mir  nit  entlibeet  ob  ich  süiiden.'  'o  lieber  herre,  alle  die 
wile  daz  min  sele  in  mim  lib  ist,  so  wil  ich  mich  niemer  von  dir  geBcliaiden.'  5 
'verfluchet  ai  der  tag  daz  ich  geboren  wart,  herre,  daz  ist  min  beesfer  troBt 
daz  du  mir  nit  entlibest.'  sant  Johannes  sprichet:  'iiwrü  werch  volgent  üch 
nach.'  'ÜJiser  herre  wil  aim  ieglichen  mentschen  Ionen  nach  sinen  werchen'. 
Job  sprichet:  'sÄlig  ist  der  mentsche  dem  Got  arbait  git  nnd  kestegung."  sant 
Paulos  sprichet:  'o  herre,  I6b.e  mich  von  dirr  weit  und  von  der  wwgewii-shait  lO 
da  ich  jnne  f^l'J  bin.'  sant  Peter  sprichet:  'Gottes  wille  ist  daz  ir  über 
windint  alle  die  üch  hinder  redent.'  sant  Bernhart  sprichet:  'gät  ist  arbait 
des  libefi,  besser  andaht  des  hertzen,  aller  best  ist  fliss  der  tugend.'  sant 
LaurenciuK  sprichet:  'herre.  ich  han  dir  braht  ain  opher  des  lobes.'  sant  Bern- 
hart  spricht:  'sid  daz  uns  Got  hat  verlan  sinen  gesmak  in  daz  ertrich,  swer  I5 
dem  nit  nach  volget,  der  ist  ainlweder  tot  oder  toI,'  'waz  tust  du,  krümbü 
sei,  in  aim  nfrehten  übe?  Got  hat  den  mentschen  nfreht  geschaffen  dar 
umb  daz  er  ze  allen  ziten  gedenke  daz  er  zfl  dem  hymelriche  geschaffen  ist' 
Änshelmus  sprichet:  'daz  hymelrich  ist  gesetzet  uff  guldin  quaderslaine  und 
ist  gezieret  mit  golde  und  mit  edlen  gimmen,  und  mag  nieman  mit  klainen  20 
noch  mit  grossen  sünden  dar  komen;  da  enmag  nieman  sin  mit  dekainer 
missewende.'  Augustinus  sprichet:  'o  \)er/71'J\e,  wir  werdent  dich  alle  sehent 
ze  hymelriche  in  diner  schonhait,  und  aber  ain  ieglich  meutsche  so  vi!  luter- 
licher  so  vil  es  6ch  rainklicher  gelebt  hat.*  Bernhart  sprichet:  'es  ist  ain 
ding  das  vol  ist  senttekait  und  siisskait.  daz  man  den  sehen  sol  der  den  m 
mentschen  geschaffen  hat;  und  der  da  waz  vatter  und  lieire,  der  ist  worden 
kneht  und  geselle.'  'es  ist  billich  daz  wir  ünsern  herren  minnegint,  swenue 
wir  90   gedenkent  wie  er   ödb  geminnet  hat.'     Orjenes  der  sprichet:   'sehent 


1.  SB  A.        I  f.  und  —  erstan}  vnd  an  dem  iungiatlichin  tage  wil  iretan 
eündenl  ^eBündcti  G  5,  io  mim]  vii  min  G.        ich  mich  fehlt  A. 

ror  herrei  ich  ieze  min  vlaisch  mit  minen  zen  G.        besser  .d.  beste  G.        7 
später  ättgeachoben  A.        U.  eUigl  beilig  G,  seil  ig  Z.        10.  gewisshait  A. 
Ich  bin  dar  ombe  komm  dai  ich  mines  vatir  willen  voltebringe  G.        I2f.  s 


4.  waii  fehlt  A. 
6.  daz]  do  6. 
I  volgent  Ut  das  I 
..  eant]  Jfaesus  Bp'. 

tngend  fdilt  Q. 


13.  sant  fehlt  G.  14.  ich  bringe  dir  6.  IS.  vor  sid]  min  (din  richtig  Z]  t^st  also  s&ze 
daz  idi  niht  msrh  widirstan  dem  bitterin  tode.  Bernhardus  sp*.  Gottes  segiD  iet  übir  dez  rebtin 
mtuscbiii  bercin.  vt)  bimitricbe  sol  er  enpban  zaime  erbe  G.  daz  vor  Ans  fehlt  G.  16.  derae 
smacbe  G.        rur  waz]  Snnctus  Benibart  sp'.  G.        ermü  vfl  krambö  0.        17.  libe]  menacbin  Q. 

lö.  zu  dem]  le  G.        13.  ist  abir  lüier  vfi  ist  gesctiit  G.        21.  vri  enmach  do  nieman  G. 
il.  äancius  A.  G.         2H.  scbonbait]  magincbratt  G.  24.  öcb]  hie  G.        so  sp'.  sanctus  Bem- 

bart  G.  2S.  den  sol  sebin  mensehin  der  G.  27.  vor  es]  Er  spichlt  o'cb  G.  ünsern 

ü  frhll  G,         hat  vG  wen  er  geminnet  hat.    tII  wie  vil  er  geminnet  hat    So 


99 


35.  Von  Gottes  fride. 


des  g:uteii  Gottes  g^ti!  er  wil  uns  oit  füren  in  ain  faus  daz  wir  selb  buweni' 
and  gartner  sigint  und  bumau:  er  wii  uns  die  hymelschen  plialluntz  beraiten, 
swenne  wir  koment,  daz  wir  si  berait  vindent.'  sant  Peter  sprichet:  'ir  sont 
stan  in  der  relitvertkait  und  sont  stan  vesteklich  als  die  zesamen  begiirtet 
5  sint.  swer  iit  reden  wil,  der  sol  leden  die  warhait,  als  den  mentsclien  wol 
gezimet  daz  Gottes  f?l'/  zaichen  treit.'  Salomon  sprichet:  'mentscb,  gedenk  an 
dinen  schepher  in  diner  Jugend  I' 


* 


I 


ß6./  Von  der  sterkl  In  Gottes  dienst. 

fConfortamini  in  Domino  et  in  jtotentia  virtutis  eiusj 
10         Sant  Paulus  sprichet;  'ir  sont  stark  sin  in  Gottes  dienst'. 

An  disen  werten  raanet  uns  sant  Paulus  vier  dinge,  daz  erst  ist  daz 
wir  striten  sont;  daz  ander  daz  wir  uns  ze  stritten  waffennen  sont;  daz  dritte 
daz  wir  vigint  hant;  daz  vierde  war  umb  wir  striten  sont. 

Daz  erste  ist  daz  wir  striten  sont.  da  von  spricht  her  Job:  'des  mentscheu 
15  leben  ist  nit  won  ainer  strit  und  ain  bekorung',  über  das  wort  sprichet  sant 
Bemhart:  'sprichest  du,  guter  Job,  daz  des  mentschen  leben  si  nüt  won  ainer 
strit  und  bekorung,  so  sprich  ich:  "swer  denne  an  strit  und  aiie  bekorung 
ißt,  der  lebet  och  nit.*"  sid  denne  unser  leben  nit  anders  ist  won  ain  strit, 
als  sant  Paulus  uns  manet,  so  sont  wir  vaste  striten  und  sont  vestklich  stau, 
20  daz  wir  nit  siglos  werdeut.  sant  Paulus  sprichet:  'so  der  nientsch  [?!''/  sprichet 
daz  er  sicher  si.  so  vallet  er  aller  schierost  in  den  kuniber  da  er  kum  von 
kunt'.  Salomon  sprichet:  'raentsch,  so  du  dich  in  gaischlich  leben  gezühest, 
so  stand  in  der  rehtvertkait  und  in  der  vorhte  Gottes,  und  hüte  daz  du  ibt 
vallest    in  die  bekorung."    über    daz  wort   sprichet    saut  Johannes:   'mentsche, 

sp'  BsnutQS  Paulus,  wir  wizzeu  wo)  daz  wir  aine  wunungo  viaden.  die  euhiüos  menschin  hniit 
gemachen  mach,  gottos  Hun  der  hat  vub  ai  borait,  da  uon  so  varen  wir  vro'liche  von  diaeme 
eilende,  sit  wir  doch  hinnan  mfizcn  vam.  wore  ez  abir  also  daz  wir  ane  scliidunge  aoltin  vam. 
so  wore  du  vro'de  ganz.    So  sp'  Orieuea  G. 

1.  wir)  wil  Ä.  I  f.  buwent  —  wil]  büwen  müzen.  er  wil  selbe  büwen  vfi  der  gartinsere 
ain.    vf]  der  buman.    vO  wil  ö.         3.  bo  sp'  sanctua  PetruB  G.  5.  vor  swer]  Er  sp'.  o'ch  G. 

b.  Überachrifi  fehlt  GZXArundd,  De  pngna  in  bcllo  spirituali  am  Eiinä  W.  9  f.  Gon- 
fortamini  in  dlJo  et  in  po[tenlia].  Disil  wort  sp'  sanctus  Panlus  (darauf  er  sprichet  Z).  Ir  sunt 
Btaro  sin  in  gottes  tugent.  In  (an  Z|  disen  Worten  manot  er  uns  vier  din)re  G  {ZW  v,nA  die 
Ubrigm  BmX    Der  lat.   Ttxt  fehlt  A.  H.   her  fehlt  G.  15,  ainer  striil  ain  stritten  Ö. 

ebtmo  n.  IS.  IT.  ain  bechonioge  G.  16.  andere  fehlt  G.  19.  stan]  striien  Q.  20.  also 
sp'.  B.  Paulus  G.  so  bin  22  kunt  folgt  nach  93,2  (sckierost).  Darauf  ['ii,  2):  vfl  da  non  sun 
wir  allixan  vaste  stan.    vü  rlizlch  sin  daz  wir  sichirliche  striten  G.         23.  hflte  dich  G. 

3.  /.  Petr.  1,  13;  5,  8;  II.  Petr.  3.  14.         5.  I.  Petr.  4. 11.  6.  Eecl.  12,  l.  S.  Die  Predigt 

itt  etUhalten  in  G  Bl.  3';  Z  El.  3';  Arundel  Bl.  79'  (vgl  PriebKh  II  S.  43  Nr.  64)  und  E  Nr.  46. 
Mit  diesem  Slück  beginnt  die  Bähe  i'cr  Fredigten  W  und  N.  —  Gednickt  mich  N  in  den  Alt^ 
deutschen  Blättern  II  S.  174-178.         9.  Ephai.  6,10.  U.  Job  7,1.         20.  I.  Cor.lO,t3f 

22.  Eccli.  3,1.         24.  Johanne»  Chryaoalomus  ? 


k. 


1 


SS.  Von  der  sterki  in  Gottes  dienst. 


H8 


bftte    din    flisseklich,    won    zu   der    zit   so    du  winnest   daz    du    aller    sichrest 
eräugest,  so  vallest  du   aller  schierost'. 

Daz  ander  des  uns  saut  Paulus  manet,  daz  Ist  daz  wir  uns  wafennen 
silllent  unser  kerre  leret  uns  wol  wie  vnr  uns  wafenen  süUent  man  liset  von 
imme  daz  in  der  tüvel  bekorte;  waz  tet  er  aber  da  wider?  entrüwen,  er  5 
waffent  sieh  mit  der  wishait  and  über  want  in.  also  liaisset  öch  uns  der 
edel  sant  Paulas  daz  wir  uns  wälfen  mit  der  wisshait,  so  werdent  wir  nit 
siglos.  also  spricbet  unser  herre:  meiitsehe,  icli  han  dir  so  getan  wafen  geben 
daz  du  niemer  siglos  wirst',  her  David  spricbet:  'mentsche,  wafene  dich 
mit  der  fTS'/  vohrte  Gottes,  won  du  vorhte  ist  erber  und  sicher  und  behept  u> 
dich  daz  du  nit  vellest  in  die  bekorang;  daz  sag  ich  dir  sicherlich  daz  dich 
Gottes  vohrte  behütet  vor  den  sünden'.  nn  spricbet  her  .Tob:  'du  vohrte  ist 
dem  Intern  gold  gelich,  daz  da  gerainet  ist  in  der  esse.'  er  glichet  die  vorhte 
dem  golde  von  Arabia,  daz  ist  edelre  dann  dekain  golt;  es  ist  luter  und 
blaicb,  dem  ist  du  vorhte  glich,  nu  spricht  aber  her  David:  'entschlaffent  ir  1& 
entzwiischent  zwain  gelüken,  so  soiit  ir  haben  tubenvedren  nbersilbert,  und 
off  dem  ruggen  sont  ir  sin  äbergüldet  mit  luterm  golde'.  nu  merkent  ii-  daz 
er  spricbet:  'entschlaffent  ir  entzwwschent  zwain  gelüken.'  daz  ist  der  weite 
Tr6de  und  ere  und  gut,  daz  ist  daz  aine;  daz  ander  ist  hymelscbü  vröda 
und  dirr  geläke  hant  wir  enweders,  won  swer  der  weite  geliike  versmahet  » 
und  zfl  gaiscb/?.^ '/liebem  lebenn  kunt,  der  schläöet  zwwschent  zwain  gelüken, 
der  weite  und  des  liynielriches,  won  er  hat  noch  enweders.  nu  spricbet  der 
wissag  daz  wir  sont  han  tuben  vedren  über  silbert.  bi  der  tuben  vedi-en 
sint  bezaichent  tugende;  won  mit  tugenden  müss  der  mentsche  ze  hymel 
fliegen,  nu  spricbet  er:  'sä  sont  sin  über  sUbert.'  bi  dem  silber  ist  bezaich-  » 
hent  du  künschkait,  und  mit  der  so  sont  wir  all  unser  tugent  über  silbern, 
nn  spricbet  er  aber  fürbas :  '  wir  sont  och  sin  über  güldet  uff  dem  ruggen 
mit  lutenn  golde.'  da  bi  ist  bezaichent  daz  wir  ällü  ünsrü  werch  und  all 
linser  arbait  übergolden  sont  mit  der  edlen  minne,  du  fi.llu  ünsrü  werch  über 


3.  Uns  »estrite  G.        4.  ünHcr  —  siilicnt  fehlt  Ä.         5.  aber  feMt  ff.        0.  öch  feUt  G. 
7.  mit  deme  geweffine  der  6.  S   haeliger  (aeiliger  Z)  meneche  O.       so  getan]  aolich  ß. 

S.  wirat    wilt  du  dich  nialiche  vfl  bescbaidinliche  haiteu.    ho  sp'chet  der  wisaage  Danid  O. 
wafenel  vteae  A.        10.  si  bebobit  ö.         12.  her  fehlt  0.        13.  glichet  die  vorhte)  er  engelichit 
nibt  die  vorhte  allaine  deme  <alleme  Z)  golde.    er  spricbit  si  sie  gelicb  O.        14.  es  A,  vn  ist  O. 

de  ist  edilre  deine  dehein  golt    vD  ist  bleich  Z.  15.  dem  golde  G.         aber  —  ir]  der 

wiraage.  Ob  ir  cnBlafent  G.        IT.  ir  vor  daz  fehlt  O.        IS.  ob  ir  entslafent  (entslafen  aint  Z)  G. 

naeh  gelüken]   dö  zwal  gelüche  ff.         entzwschenl  A.  ebenso  21.  19.  doz  »ine  —  ist]   der 

weite  gelüche.  Daz  andir  f^elüclte  daz  ist  G.        20.  and  fehlt  G.        21  f.  i 
welle  geläche.    vn  deme  himilschen  gelüche  ß.  23.  bi  ff,  ait  A. 

h^t  G.         fibeiBilbem.    spricbit  der  wissage  ff.  n.  aber  fehlt  ff. 

der  edlen]  dem  edilin  golde  daz  ist  du  edile  ff. 


-  hjmelriches]  der 
26.  so]  rehtun  kügchic- 
29.  Bunt  fehlt  G. 


5.  M(M.4.1ff. 
il4.  Ft.  67,14. 


8.  Pa.  17,40:  Eph.  6,  Uff.? 


.  Ps.18,10;  24,14.  11.  JobSS.lSff. 


94  36.  Von  der  stcrkt  in  Gottca  dienst. 

güldet  vor  Gotte.  dis  gold  ist  geliclie  dem  golde  von  Arabia,  daz  da  lutw" 
nnd  schön  ist  und  blaich.  nu  spnchet  der  wissag  und  hat  daz  gesprochen 
daz  wir  lina  waffennen  sont  gegen  dem  strite  mit  der  vohrt  Gottes  (72'].  die 
her  Job  da  glichet  dem  gold  von  Arabia.  nn  spricht  der  edel  Paulus  daz 
fi  wir  vast  staudent  in  der  rehtvertekait  und  mit  der  vohrt  Gottes  i'ms  waffen, 
daz  wir  nit  vellig  werdent  in  dem  strite.  nu  spricht  ain  wiser  man:  'so  der 
ritter  in  den  strit  vert,  überladet  er  sich  mit  nngeriugen  wa£fenn,  er  wirt 
siglos".  man  liset  von  dem  künig  her  David:  de  er  solle  striten  mit  Golyas 
dem   risen,    do    hiess   im    der   künig  Saul    sin    gewäffen    an  legen;    und  do  er 

10  daz  an  geleite,  do  moht  er  nit  striten,  won  es  waz  im  nngering  und  ze 
swAre.  ze  glicher  wis  geschiht  dem  ment*:chen  der  sich  über  ladet  mit  un- 
beschaidner  arbait  in  aim  jare  oder  in  zwain,  daz  er  dar  nach  nit  me  mag. 
was  tet  aber  her  David?  entrüwen,  er  zoch  sich  us  und  nam  sin  schlingiin 
und  fünf  stain.  daz  ist  du  behügde  der  fünf  wanden  ünsers  herren,  da  mit 
I  U  Überwindet  der  mentsche  alle  sin  vigint.  173'}  also  sprichet  sant  Bernhart: 
'so  der  getrüw  ritter  siht  sins  herren  wunden  bluten,  so  wirt  er  so  gehertz 
daz  er  siner  wunden  gar  vergisset',  'ze  glicher  wis',  sprichet  er,  'so  geschiht 
och  den  mentschen  der  ünsers  herren  wunden  an  siht,  der  wirt  so  stark  in 
der  bekorung   daz  in  nieman  überwinden  mag. 

»  Daz  dritte  daz  uns  sant  Paulus  seit,  daz  ist  wer  unser  vigint  sint  drier 
haut  vigint  habent  wir.  der  ain  vigint  ist  der  tüvel;  der  ander  du  weit; 
der  dritte  unser  flaisch.  man  liset  von  her  David  daz  er  drier  hant  vigint 
hatte:  die  ainen  warent  die  haiden:  mit  denen  8trait  er  ze  aller  zit  und  ent- 
lie  si    niemer   gerüwen    naht   noch    tag;    der  ander  waz  der  künig  Saal:    den 

»  floh  er  ze  allen  ziten;  der  dritte  waz  sin  selbes  san  Äbsolon:  mit  dem  strait 


2.  niieÄ  blaich]  Daz  [richtig  was  Z)  ist  abir  bi  der  blaicbi  den  guldes  bezaichinot.  da«  ist  der 
minne  übirvart.  vnde  awa  du  mioiie  int.  da  zaiget  ai  sich  mil  unem  blatcliin  antlüte  vfi  daz 
zsiget  die  girde  der  minne.  du  indene  herein  ist.  duz  iet  der  minae  fibirvart.  Also  sp'ch ;  Job. 
Sin  {riehüg  mia)  sole  hat  irwelt  daz  ei'i  rehte  erhangen  ei.  enschw'ficlien  dien  dingren  dii  obe  mir 
t&TA.  Abo  ^lichit  den  lüton  die  du  minne  blaich  bat  gemachit  die  eint  mit  deme  gaiste  erhangen 
enzw'Bchen  dien  otiisen  dingen,  du  in  liimilriche  eint  vn  den  mdim  dti  uffen  ettriche  sint.  wao 
ir  gust  ist  da  obinan.  vri  m&zin  o'ch  vndirwilent  hie  nidinan  fin.  wan  wir  mfizen  (insim  Ge- 
sellin den  lip  (trun  von  dome  ertriehe.  vü  abir  den  gaist  suu  wir  fQron  von  der  himilschun 
sMchait  ö  (Z  W).         Sf.  die  sclliun  vorlito  gelichet  herre  iob  . . ,  .  Arabia.  als  o'ch  gesait  ist  G. 

Af.  8.  Paulus.    Mensche  sUnt  vastc  . .  .  G.        bf.  nnel  vn  A,  aolt  du  dich  G.  6.  daz  du 

niht  oellich  werdest  G.        7.  der  wirt  G.        S.  her  fehlt  G.       erl  der  G.        in.  won]  vß  G. 
12.  daz  sä  . . .  mugen  G.  13.  her]  der  kfinich  G.  14.  behügdel  gehugidc  O.  wunden] 

rosebninnen  ff.  IG.  geherlzt]  starch  G.  17.  gar)  Bierl  G,  schiere  Z.         so]  also  G. 

18.  och  frhlt  G.        den]  dem  0.        20.  der  edile  panetua  G.      seit]  loret  G.      ist  wer  G,  wir  A. 

21.  du  weit]  daz  vlaiach  G.  22.  unser  flaisch]  dQ  weit  G,   vnsir  lip  Z.  her]    deme 

känige  G.  23.  die  ainen)  Aino  waren  phylister  .  daz  G.  ae  aller]   ellfi  G.  24    tue 

Doh  naht  O. 


8.  I.Rcff.  17,  38 /f. 


J 


36.  Von  der  sterki  in  Gottes  dienst.  96 

er  etswenn  und  underwilent  entlaib  er  im.  bi  dem  künig  her  David  /?«97  ^^^ 
bezaichent  ain  ieglich  mentsch  and  bi  den  drin  vigenden  unser  vigint  nu 
sont  wir  lernen  striten  mit  ünsren  vigenden  als  her  David,  bi  den  haiden 
sint  bezaichent  die  tüvel:  mit  den  sont  wir  alles  an  striten  naht  und  tag. 
also  sprichet  ain  hailig  man:  'wir  sont  naht  und  tag  beraitet  sin  ze  strite,  5 
wen  so  wirs  aller  minst  truwent,  so  kunt  der  vigent  und  wandet  uns  die 
sele'.  der  ander  vigint  waz  der  künig  Saal:  bi  dem  ist  bezaichent  d&  un- 
getr6w  weit,  die  sont  wir  allüsament  fliehen  und  sont  ir  niemer  genahen«  der 
dritte  vigint  waz  sin  sun  Absolon:  bi  dem  ist  bezaichent  unser  lip,  mit  dem 
8ont  wir  etswenn  striten  und  underwilen  entliben.  in  trüwen,  du  solt  vil  lo 
beschaidenlichen  mit  im  striten,  du  mäht  anders  liht  verschulden  Gk)ttes  zom; 
won  8 wer  mit  den  viginden  [73^]  stritet,  wil  er  dem  entliben  dem  er  nit 
entliben  sol,  und  er  dem  hainlich  ist  den  er  fliehen  sol,  der  stritet  unwisk- 
lich,  er  mag  wol  vellig  werden  in  dem  strite.  und  dar  umb  daz  uns  nit 
misselinge,  so  sont  wir  striten  als  der  künig  David  vor  uns  gestritten  hat.  15 
uns  leret  och  striten  ain  hailig  man,  sant  Hylarius.  er  sprichet:  'ich  sag 
dir  sicherlichen  daz  da  mit  dekaim  ding  so  sere  über  winden  mäht  dine 
vigint,  so  mit  aim,  daz  haisset  gaischlich  vröde'.  'stritent  vrölich,  Got  wil 
üwer  helfer  sin  in  dem  strite,'  spricht  der  wissag.  'stritent  vrölich  mit  ta- 
genden und  mit  götlicher  vröde,  ich  wil  in  dem  strit  üwer  schilt  sin  und  20 
wil  &11Ü  üwrü  schoss  enphahen,'  spricht  unser  herre.  daz  dis  war  sigi,  des 
hant  wir  Urkunde  an  dem  guten  sant  Stephan,  do  der  ietz  im  strit  waz,  do 
sach  er  über  sich  in  daz  hymelrich  und  sach  ünsern  herren  Jhesum  Christum 
stan  zA  der  aeswen  sins  vatters,  reht  /?37  als  er  sprächi:  'gehabe  dich  wol, 
ich  stan  als  ich  dir  ze  helfe  komen  wil  in  dem  strit  T  ze  glicher  wis  t&t  25 
unser  herre  noch  hüt  dem  mentschen  der  tugentlich  stritet  in  sim  namen, 
dem  knmt  er  ze  trost  und  hilfet  im  striten.  sant  Paulus  sprichet:  'unser 
herre  wil  üwer  helfer  sin  in  allen  üwren  nöten.' 

Daz  vierde   daz   uns   sant   Paulus   manet,   daz   ist   war   umb  wir    striten 
sont    wir  sont  striten  umb  daz  hymelriche,  daz  ist  des  strites  Ion.    nu  spricht  30 
unser  herre:   'reht   als   mir   min  vatter  daz  h^elrich  hat  gegeben,   also  wil 
6ch  ich  üch  es  geben,    ich  kofte  es  vil  sure  und  vil  bitterlichen  mit  grosser 

1.  nnd  fMt  Q.       ime  o^ch  G,         her  David]  her  Gy  David  Z.         3.  her]  der  künich  G. 

6.  aller  minst  trfiwent]  minest  wizsen  G,  7.  daz  waz  G^  ebenso  9.  8.  die  —  allü- 

sament] Wie  hielt  er  si  {jA  übergeschrieben,  fehlt  Z)  widir  deme  viaende  .  entrüwin  er  vloh  in  alliz  an  . 
ze  geüchir  wiz  snn  wir  die  weit  alliz  an  G.  12.  den]  deme  G.  stritet  —  13  entliben]  alliz 
an  striten  wil  dem  er  entlibin  sol  .  mit  deme  er  ellü  zit  striten  G,  15.  als  uns  d.  k.  D. 

nor  g.  G.        18.  haisset]  ist  6.        vroMe  .  da  mitte  mäht  du  alle  dine  viende  ubir  sigen  G, 
19.  spricht  d.  w.]  daz  sprichit  er  in  dem  wissagl  G.         21.  spricht  u.  h.  fehlt  G.         23.  in  daz] 
zi  G.         24.  er  fehlt  A.       wol  liebir  mensche  G.  27.  also  spr.  s.  P.  G.         29.  dez  uns  G, 

das  fins  Z.  30.  wir  striten  G. 


5.  im  Anschluß  an  L  Fetr.  5,  8.  19.  Ps.  9, 10;  45,  2.  20.  im,  Anschluß  an  IL  Reg. 

22,  3.  31;  Ps.  90,  5  ?         22.  Act  7,  55.  27.  IL  Cor.  1,  4.         31.  Luc.  22,  29. 


96  36.  Von  der  stcrki  in  GotteB  dienet.  ^H 

arbait;  wend  öch  ii-  es  also  koffeu,  so  gib  ich  es  üeh.'  im  sont  ir  merk«^ 
den  Ion  des  hymelriches,  der  Ion  des  hymelrichefi  ist  unser  herre  Got,  der 
wil  ain  Ion  sin  und  ain  ende  aller  unser  arbait,  des  hant  wir  [73^}  urkönd 
an  hern  Abraham,  den  hiess  iinser  herr  varen  in  die  wösti.  do  sprach  er: 
5  'herre,  waz  wilt  du  mir  dar  umb  geben  ze  lone?'  do  sprach  unser  herre: 
'ich  swerre  dir  bi  mineii  götlichen  triiwen  daz  ich  selb  wil  din  Ion  sin',  daz 
ist  ain  Urkunde  uns  daz  unser  herre  wil  ain  Ion  sin  aller  unser  arbait.  als 
man  liset  von  sant  Cecilien,  du  hatt  Got  ir  küschkait  gelopt;  do  woltent  si 
ir  fründe  aim  herren  geben,    daz  widerret  si  tugentlich  und  strait  da   wider. 

10  und  do  si  in  dem  strite  waz,  do  kert  si  an  ir  gebet  und  bat  ünsern  herren 
daz  er  ir  hulfi  striten.  do  erschain  ir  der  engel  und  zaigte  ir  zwai  schappel 
von  rosen  und  von  lylien  und  sprach:  'gehab  dich  wol,  Got  hat  din  strit  an 
gesehen  und  wil  dir  Ionen!  daz  rosen  schappel  solt  du  enphahen  von  der 
marter    die   du    noch  liden  solt,    und   [74"!   daz  schappel    von    den   lylien  solt 

15  du  enphahen  umb  dine  künschi.'  dis  ist  uns  ain  Urkunde  des  lones  der  nach 
dem  strite  g:at.  ^^ä 

Nu  stritent  tegenlichen,  won   Got  wil  selber  unser  Ion  sint  ^H 

{37.}  Ton  der  sele  beraitaug. 

[Et  vos  similes  hominihus  exspedantibus  domhium  suum,  quando  revertatur 
28  a  nvjiHis.] 

'Ir  sont    glich  sin  dem  mentschen',  sprichet  unser  herre,  'die  da  baitent 
irs  herren,  der  zii  dem  brutlof  gevaren  ist,  daz  si  in  geraite  in  lässenf. 

Dirr    brütgom    ist   unser  herre  Got.     du  brut  ist  du  mentschait,   die  hat 

er  ze  hymelrich  gefüret  und  an  dem  jüngsten  tag  so  wil  er  her  wider  komen. 

25  nu  spricht  er  an  dem   ende  des  ewangelien:  'sehent  daz  ir  berait  sigint,  won 

ir   wissent  nit  wenne  und  weles  tages  des  mentschen  kint  kumet!"    war  umb 

er  sprichet:  'des  mentüchen  kint  kumet',  daz  ist  da  von  daz  wir  alle  zwaiger 

2.  des  h.  Ion  daz  (daz  fehlt  Z)  igt  O.  7.  iBt  —  sin]  ist  finB  ftin  nrkönde  .  daz  KOt  nneir 

(ein  ZI  loD  wil  ain  G.  8.  WkX  man  G.  9.  han  gegebin  G.  daz  ~~  wider]  da  wtder 

Btrait  ei  tugintliche  ö.  11.  der]  ain  O.  17.  de(i:iiilicho  got  G.  wil   wlbo  der  Ion 

sin  dez  stritendin  menschin  G ,   wil  selb  s^n  dein  ISn  dpz  streitunden  menschen    W. 
18.    Ubergchrift  fehlt  G  WA'Arundel.   Von  Tneenne  h'ren  irol)  Z,  Item  van   eyme   oontesaoir 
off  vÄ  sent  raerty  PAtiZ.  19.   tat.  Text  fehlt  A.  21.   vor  Ir]   Disü  wort  spichit  (sprach  Z) 

finair  herre  ze  sinen  inngim  .  vfl  zaime  ielichin  gaiatüchta  mEsciiin  .  vfi  sp'chit  also  G  (Z  vnd  die 
übrigen  Hrn.).  dem  A  (SandhiassitnUation),  dien  G.  sprichet  u.  h,  fehlt  G.  22.  der  da 

g.  ist  ze  d.  br.  G.  2S.  Dirr]  der  G.  brfit  das  ist  G.  25.  er]  ünsir  herre  G. 

2S.  nndl  aide  G. 

5.  Gen.  IS,  Iff.  IS.  Die  Predigt  findet  »mA  in  ö  Bl.4';  Z  BIS':  WBL4';  N  Bl.ä'.- 

Arwndel  Bl.83';  PhÜl.  BL330'.    Hiermit  beginnt  die  Bähe  der  Predigten  H.  ~  Oedniekt  nadt  R 
(der  Eaager  Es.)  in  Haupl,  Zeilschr.  für  deutsches  Altertum  II  350.  19.  Luc.  IS,  i 

25.  Imc.  13,  40. 


^m 


37.  Von  der  sele  beraitung. 


97 


mentscbei)  kint  sint,  nnd  aber  er  ist  nit  won  [74'']  ains  mentsichen  kint  und 
Gottes,  dar  zä  twang  in  du  minne  daz  er  menlschlich  natur  an  sich  nam  und 
sich  du  gothait  mähelt  zu  ünserr  kranken  mentschhait,  dar  zii  twang  in  du 
minne.  da  von  spricht  sant  Bernliart:  'es  ist  nit  daz  so  gewaltig  mug  gesin 
so  dii  minne,  won  si  twang  Got  daz  er  mentsch  wart',  sant  DyoniHius  6 
pprichet".  'es  enist  nit  daz  so  wirdig  si  so  du  minne,  won  8i  mähte  Got  ze 
riK-ntschen  und  den  mentschen  ze  Gotte',  als  spricht  unser  herre;  'ich  sprich 
daz  ir  Göt  sint".  daz  ist  also  ze  verstände  daz  wir  alles  daz  hant  daz  wir 
wend,  wir  sint  also  volkomen  an  vröder,  an  schönhait,  an  wishait  und  an 
allen  dingen,  und  wölte  uns  unser  lierre  me  geben,  wir  enw^ltentz  nit  und  lo 
da  von  daz  wir  illü  ding  nach  TiTinscbe  habent  und  nach  willen  in  unser 
masse,  da  von  so  sint  wir  Gütte.  und  daz  er  sprichet  daz  nüt  so  wirdig  si 
so  du  minne,  daz  ist  da  von  daz  si  Got  ze  mentschen  machte  und  den 
mentschen  ze  Got.  [74'']  du  minne  ist  so  edel  und  so  wirdig  daz  si  den 
mentschen  an  allen  dingen  Got  gelichet  in  der  masse  als  wir  im  glich  is 
mngent  sin. 

Nu  sprichet  er  daz  wir  gelich  sont  sin  den  mentschen  die  da  baitent  irs 
herren,  der  zö  dem  brutlöf  ist  gevaren,  so  er  kom,  daz  si  in  wirdeklich  in 
lassent  und  balde.  die  alsus  ini  herren  baitent,  die  sont  drü  ding  bau,  went 
sü   wol   irs   herren   halten.  » 

Daz  erst  ist  daz  si  sont  wachen;  und  sont  wachen  durch  drü  ding,  zu 
dem  ersten  male  daz  in  nit  verstolen  werde;  zu  dem  andren  male  daz  in 
daz  füi-  nit  eriösche,  daz  si  im  lieht  engegen  enzilndent;  zu  dem  dritten  male 
daz  si  berait  sigint  in  ije  emphahenn.  ir  sont  zem  ersten  dar  unib  wachen 
daz  üch  der  schätz  nit  verstolen  werde,  daz  ist  du  sele;  won  der  varet  der  2B 
tüvel  ze  allen  ziten  daz  er  si  verstele,  und  dar  umb  sont  wir  flisseklich 
wachen  daz  wir  si  behi^tent.  wir  sont  darumbe  wachen  daz  daz  für  nit  er- 
lösche. [74*]  daz  für  ist  nit  anders  won  du  gnad  ünsers  herren;  der  gnaden 
sol  der  mentsch  tugentlicli  hüten  und  pflegen  und  sol  ze  allen  ziten  zu  legen 
mit  guten  werchen.  man  liset  in  der  alten  e  daz  unser  herre  gebot  daz  all  M 
zit  ain  für  in  dem  altar  brunne,   und   der  ewart  solt  es  machen  und  allwe- 


1.  abir  wan  er  (?,  2.  vil  d.i  ?.&  G.         3.  dos  sich  6.         6.  Bp'chit  o'ch  G.  so  dii 

minne  fehlt  A,         '.  also  ff.        ror  ich]  Ego  dilti  dii  estia  G.  10.  ewflitenti  ^1.        12.  maze 

»\tit  vil  als  ünsir  h're  got  in  einer  maze  G.         naeli  Bpriebctj  in  dien  ersten  worlen  G.        14.  d& 
minne]  Alse  dauor  etat .  dnz  finsir  hYo  spvh^  .  dnz  wir  go'tto  werden  daz  maehot  dfl  minno  du  ff. 

15.  gclichetl  gelich  machot  ff.  19.  widir  konie  ff.  wirdeklich)   beraitieliche  ff. 

19.  und  balde  fMl  G.         20.  baitst  A.  21  f.  zA  —  male]  daz  eretc  dar  umbo  sü  wacken  iun. 

daz  ist  ff.  22.  vor  nit  tat  von  acnter Hand  in  W  der  sdiata  eingrtchoben,  das  AGZH  felilt. 

zu  —  male)  daz  andir  ff,  ebenso  23  d.  dritte.       in  fehlt  ff.       24.  in]  sin  ff.       2Af  sfi  sun  . . .  daz 
inen  G.  25.  daz  —  won]  Danon  sprichit  b.  Panlus  .  Waz  mach  uns  virstoln  werdin  wan  d& 

BjElo  ff.  26.  er  ünB  u  ff.  27.  si)  ünsir  selo  ff.  sun  o'ch  dar  umbe  ff.  29.  ziten 

der  gnade  zd  legin  ff.  SI)/;  all  zit]  alliz  an  ff.  31.  es)  daz  für  G. 


:  Fg.  81.  6.  nf.  vgl  oben  S.  73  Z.  15  f. 

«  Texta  de*  HittaUton.  X 


20.  1.  Pe(r.  5,  S 


90.  icu.  6,  12f. 


98 


37.  Von  der  sola  bermtimg. 


gent  zä  legen,  daz  es  oit  erläsche.  ze  glicber  wis  ist  dem  mentschen  ^botten 
daz  unsers  berren  gnade  in  dem  alter  sins  herzen  brinne;  und  der  ewart, 
daz  ist  beschaidenliait,  die  sol  daz  für  der  gnaden  schalten  mit  guten  werelien, 
und  sol  die  lugent  üben  flisseklich  die  im  Got  hat  gegeben,  mit  singenn  und 
5  mit  lesenn  und  mit  dienend  und  mit  ainer  iegliclier  arbait,  als  yjl  es  gelün 
mag;  und  als  vil  im  unser  kerre  gnaden  hat  gegeben,  die  3ol  ez  tme  wider 
geben;  won  wil  es  die  gnade  nit  üben,  so  minret  si  im  Got.  sant  [T'ö'J 
Pauliis  sprichet:  'gebent  wider  die  gnade  Gotte,  ir  verlierent  si  anders',  üuser 
herre  spricht    öch   in    dem    ewangelio:    'swer    die    gnade  verbirget  und  si  nit 

10  übet,  die  er  von  mir  bat,  dem  nira  ich  si  und  gib  si  ainem  andern,  an  dem 
si  nütz  ist",  der  wissag  spricht:  'ich  wil  niemer  gerüwen  e  daz  ich  kum 
in  die  hailkait  Gottes',  du  hailkait  Gottes  daz  ist  daz  hymelrich.  unser 
herre  sprichet  in  Apocalipsi:  'ich  bin  ain  angenge  und  ain  ende*,  und  als 
sprichet  der  wissag  daz  er  niemer  wil  erwinden  e  er  kome  zu  dem  augenge 
!  16  und  zu  dem  ende,  daz  ist  Got.  er  sprichet  öch  nie:  'ich'gedaht  an  Got,  und 
da  von  widerfurent  mii'  drü  ding:  do  ich  gedaht  an  Got,  do  gelust  mich 
sin,  und  da  von  übte  ich  gütü  werch,  und  zerfloss  min  gaist  von  der  süs- 
kait  die  175^J  ich  in  minen  gedänken  an  Got  vand',  man  liset  von  der 
küngennen  Bester:    'do    si   für  den  künig  Aswerum  solt  gan,    do  erschrak  si 

20  gar  sere;  won  der  künig  hatte  den  sitten,  wer  für  in  gie  den  er  es  nit 
hatte  gehaisseu  komen,  der  mftste  den  tod  liden.  und  ze  ainem  male  do  mfiste 
du  küngin  für  in  komen  ungeladet.  do  zierte  si  sich  mit  edlen  klaidem;  und 
do  si  für  solte  gan,  do  fürt  si  ain  jnngfi'owe,  die  ander  hüb  ir  du  klaider 
uf.     und    do    si   den    künig    an   sach,    do  duhte  si    daz  si    der  künig  enweng 

25  zornlich  an  sähe,  und  erschrak  daz  si  gar  blaich  wart,  und  naigte  sich  uff 
die  jungfrowen,"  bi  dem  künige  ist  bezaichent  ün.'ier  herre  Jhesus  Cliristus, 
und  bi  der  küniginne  ist  bezaichent  du  sele.  so  du  beginnet  gedenken  an 
Got  und  an  die  schonhait  des  himelriches,  so  erwindet  si  niemer  e  daz  si 
kumet   mit    iren    gedänken    für  Gottes  stui    und   /757  steket  ir  ogen    in  den 

M  götlicheu  Spiegel,  won  man  liset  von  der  küngin  Uester  daz  si  erschrak, 
do    si    dünkte    daz    er    si    enwenig    zomlich    an    sach:    ze    glicher    wis    ge- 

2.  alt^  Ä.         S.  ist  dez  monBchin  beachsidinhait  G.         6.  berre  fehlt  A.        tf.  dic^ — ^ebonl 
fehlt  Ju  7.  öbin  mit  gütin  w'ckin  G.  if.  aJso  apr.  a-  P.  G.  10.  mir]  gotte  G. 

nimet  er  ai  vn  git  G.  U.  huser  nnUir  G.  12.  vor  du]    vii  an  ir  daz  iiingisto  G. 

himelriche  .  ir  daz  iungiato  daz  ist  vnsir  h^re  got .  der  ist  ir  aneuanch  .  vndo  ir  endo  .  aUo  spr. 
u.  h.  i.  Ä.    Ego  aum  alFa  etc.  G.  13.  als]  daz  G.  15.  mo]  Memur  fui  dei  G.  an 

f^lt  G.  17.  Bin]  dez  ß.  20,  ainen  »itte  G.  20/'.  gie.    der  müzo  den  tot  liden  .  den  er 

niht  für  sich  liiez  komin  G.         22.  vn  do  z.  G.        claidim  G,   stainen  A.         23.  ander  fehlt  A. 
2&.  orecbrach  si  also  sere  .  daz  G.  2li.  kOnige  Asavero  G.  27.  künigimie  bester  G.        so 

du]  vn  so  du  sele  G.  2S.  so]  aon  G.  si]  da  selo  G.  30.  v(m\  hvuvr  vn  also  G. 

31.  er  si]  si  der  künich  G. 

8.  Hehr.  12,  28;  IL  Cor.  4, 15;  6,1;  ILPetr.3,18?  9.  Matt.  35, 14 ff.  11.  ft.  T^, 

16.  IT.         13,  Apoc.1,8;  21,  6.         15.  Ps.  7»!, 4.         19.  Est.  4,16;  15,5/1'.;  vgl.obtnS.44  Z.19ff. 


A 


7.  Von  der  aele  beraitiing.  99 

äer  sele  so  si  für  Got  mit  ireii  gedänken  kämet  und  er  sich  ir 
etlicher  mäz  git  ze  erkennend,  also  daz  si  sin  antlütz  Interlich  erkennet,  und 
von  dem  antlütz  erschriket  die  sele.  und  bi  dem  zoi'n  des  kiinges  ist  be- 
zaicbent  ain  Wandlung  des  antlütz.  du  Wandlung  gescbiht  so  du  sele  ir  ogen 
gesteket  an  Got  und  er  sich  ir  git  ze  erkennend;  von  der  erkennnng  so  er-  6 
scbriket  du  sele,  und  der  lip  verlüret  all  sin  kraft,  und  züliet  sich  das  blüt  alles 
enweg,  und  wirt  der  mentsche  denne  blaich,  und  naiget  sich  denne  der  gaist 
uff  den  lip,  und  kumet  denne  der  mentsche  von  im  selben,  dis  ban  ich  alles 
gesprochen  von  dem  füre,  daz  ist  du  gnade  die  unser  berre  dem  {75"]  ment- 
schen  git,  daz  es  die  flisseklich  sol  üben,  daz  si  nit  erlösche  in  dem  herzen,  lo 
daz  dritte  dar  umb  si  wachen  sont,  daz  ist  daz  si  in  gedrate  in  lässent, 
swenn  er  kumet.  also  spricht  unser  berre:  'ich  stan  und  klophen  zfi  des 
mentschen  hertzen;  silig  sint  die  die  mich  in  lant,  won  mit  den  wil  ich 
ain  hobzit  han".  er  sprichet  in  der  minne  buch:  "tu  mir  uf.  min  liebü 
swteter  und  min  turteltube,  und  la  mich   hobzit  mit  diner  sele  han',  is 

Daz  ander  ist:  si  sont  wol  gezieret  sin  die  irs  herren  baitent.  si  sont 
gezieret  sin  als  daz  antlut  des  tempels.  man  Hset  in  der  alten  e  von  dem 
tempel,  daz  waz  gezieret  mit  ainer  guldinen  kröne  und  mit  guldinen  schilten, 
und  waz  in  ieglichem  orte  des  tempels  ain  wmb  hang  uf  geschlagen  mit  gul- 
dinen vingerlin.  ze  glicber  wis  sol  der  mentscb  gezieret  sin,  der  Gottes  tem-  » 
pel  ist  daz  wir  Gottes  tempel  sint,  daz  seit  uns  sanctus  Paulus;  er  sprichet: 
'uwer  lip  ist  ain  tempel  Gottes*,  went  wir  nu  Gottes  tempel  sin,  so  sont 
wir  gezieret  sin  mit  ainer  guldinen  kröne,  sant  Johannes  sacb  aine  vrowen, 
du  hatte  die  sunnen  zu  aim  klaide  und  den  manen  zu  aim  füssscbämel  und 
waz  gekrönet  mit  zwelf  liebten  stemen.  also  schribet  er  an  sinem  bfiche:  25 
'ich  sach  aiu  zaichen  an  dem  hymel,  daz  waz  wunder  gross,  daz  waz  ain  vrowe 
und  ain  wip'.  dis  mngent  wii-  bezaichennen  an  unser  vrowen.  du  hatte  wol  die 
sunnen  zfi  aim  klaide,  do  si  den  ewigen  sunnen  enphie  und  si  und  Got  ainen 
gnn  gemain  hattent.  si  hatte  öch  den  manen  zu  aim  Schimmel,  daz  waz  du  bös 
weit,  die  hatt  si  gar  versmahet.  si  waz  öch  gekrö/J'&ynet  in  hymelriche  mit  so 
zwelf  krönen,  und  daz  er  sprichet:  'ain  vrowe,  ain  wip',  daz  ist  dar  an  ge- 
mainnet  daz  si  ist  mäter  und  magt  vor  ir  gebüvt  und  dar  nach,    wir  mngent 


I.  er  —  ir]  sich  got  der  sele  in  G.  3,  nnd  —  künges]  in  bi  dcme  daz  bi  dulite  dw  b1 

der  kimich  ain  wenieh  zomliclie  ane  Btthe  ,  bi  deme  lorne  G.        5,  aoj  in  C        er  —  erkennend] 
sich  ir  gol  *.  e.  git  O.  T.  enweg]  inwert  zfl  demo  h'cin  wan  daz  h'ee  bo  grase  bewegQge  hat 

enphangcD  Q.  S.  von  im]  widlr  zime  G.  XU  gedrate]  geroito  G,  zehant  W.  13.  won 

fthlt  G.  U.  sp'ehj  o'cL  in  G.  16.  ist  daz  sli  w.  gelieret  Büln  sin  G.  IT.  nach  tem- 

pclel  Omaverant  faeiem  templi  coronie  nureis  G.  IS.  In  kröne  itt  r  später  eingfschoben  Ä. 

!9.  hnnib  hang  A.        22.  tempil  dez  lebindigen  g.  G.         23,  d°  Bah  G.        25-  Unde  also  G. 
an]  in  G.  27.  nnd  fehlt  G.         2B.  zfl  aim  klaide]  zccleidiru  G.  31.  krönen]  siindirlicben 

eren  G. 

12.  Apoc  3,  SO.         14.  Cani.  4,  2.  16.  vgl.  oben.  S.  86  Z.  9 ff.  IS.  I.  Mach.  4,  57. 

T.  Cor.  3, 16;  II.  Cor.  6. 16.         23.  Apoc.  13, 1;  vgl.  oben  S.  Tt  Z.  18ff. 


100 


37.  Von  der  selo  beraitang. 


6ch  dis  bezaichnung  keren  an  aiii  ieglich  sälig  sei  dii  Gottes  tempel  ist.  flii 
snnne  da  mit  si  ist  beklaidet,  daz  ist  du  gnade  die  unser  herre  in  dem 
gebette  ir  in  güsset.  der  man  daz  ist  du  bös  weit,  die  sol  der  mentsch  gar 
versraahen,  als  sant  Paulus  sprichet:  '  mir  ist  ällü  du  weit  ze  ainem  inist 
5  worden  vor  miuen  ögen';  reht  als  er  sprach;  'ich  han  die  weit  so  gar  ver- 
worfen und  versmahet  daz  ich  nüt  me  uff  si  ahte  denne  uff  ain  mist.'  dar 
nach  so  wirt  du  sele  gekrönnet  mit  ainer  kröne,  du  hat  zwelf  Sternen,  dan 
sint  zwelf  fröden  des  liymelriches,  die  ain  ieglich  mentsch  hat;  der  joch 
nümme  hat,  der  gewinnet  sechs  sunderlich  vrode  an  dem  libe  und  [76'j  sechs 
I  10  an  der  sele.  alsuss  sol  dii  sele  gekrönnet  sin  dii  Gottes  tempel  ist.  wir 
sont  öch  geziert  sin  mit  guldiuen  schilten,  alz  daz  tempel  waz.  da  von  sprichet 
her  David :  'o  herre,  du  hast  mich  gekrönet  mit  dem  schilte  dines  guten 
nillen'.  an  dem  schilte  sint  drü  ort,  die  sint  uns  bezaichenlich,  daz  ain  ort 
sint    ünsers   berren    gebot    und    sin    lere:     die   sol    der   mentsch    flisseklich  be- 

15  halten  nnd  sim  rät  nach  volgen.  daz  ander  ort  ist  du  regel.  daz  dritte  ort 
ist  du  Satzung:  waz  man  uns  haisset  und  setzet,  daz  sol  der  mentsch  güt- 
lich und  vrölich  behalten  und  sol  sin  hertze  dar  zu  ordnen  daz  er  willeklicU 
gehorsam  si  siner  maisterscliaft  und  sim  orden.  so  der  mentsch  disii  drii  ort 
hat,  so  ist  er  wol  gezieret  vor  Gotte  und  ist  ain  tempel  Gottes,  daz  tempel 
'  »  waz  öch  gezieret  mit  vier  umbhangen,  daz  sint  vier  tagend,  die  der  mentsch 
sol  han  der  Gottes  [76"]  tempel  ist,  der  erst  umbhang  ist  güti  erb&rmde, 
die  du  solt  han  über  ain  ieglichen  mentschen,  also  vil  so  du  mäht;  und  solt 
mit  aim  ieglichen  mentschen  tragen  swaz  im  wirret  an  libe  und  an  hertzen 
oder    an  der  sele.     der  ander  umbhang  ist  gehorsami:    die  solt  du  willeklich 

S5  laisten  mit  herzen  und  mit  libe.     der  dritte  umbhang  ist  gedultekaÜ 

der  vierde  umbhang  ist  demöti:  in  der  solt  dn  äilii  dinü  werch  volbringen 
und  solt  din  erbärmde,  din  gehorsami,  din  gedultekait  zieren  mit  demüt- 
kait  mit  disen  vier  umbhangen  solt  du  daz  tempel  dins  herzen,  daz  ist 
Gottes,    zieren,     dis  umbhang   sont  uf  geschlagen  sin    mit  guldinen    vingerlin, 

80  daz    ist    du    guldin    minae.      ze    gücher    wis    als    man    ain    jungfrowen    zu 


1.  6ch  fehlt  Q.  keren  fehlt  G.  2, 
3.  ir  fehlt  O.  i.  AIbo  apr.  b.  P.  G.  6. 
maine  vro'do  G.  joch|  o'ch  ß.  i 

Also  e.  12.  her  fehit  G.  vor  o]  Domin 
sint  dm  O.  die  Bint]  daz  iet  G.  daz  — 
16.  du  fdilt  G.         waz]  daz  iaC  daz  G. 


ai|  du  sele  G.        If.  demo  baialtchin  gebete  G. 
ich  nüt  me]  fimme  {au8  i  ni'tme^  G.        S.  zwelf  ge- 
.  vro'de  .  vn  gezierde  an  G.  11.  waz  da  voni 

!  Qt  scuto  bone  G.        gekrSnetl  gessicret  O.        13.  da 

ort)  Ain  ort  daz  G.         la.  dritte  ortl  drite  daz  G. 

19.  tempil  dez  lebinden  G.         21,  der  erat]  Siu  G, 


richtig  ain.       daz  ist  G.  ebenso  24.  25.        gtlti  fehlt  Z.         22.  bd  feUt  G.         24.  aole  . 
für  bO  bitten  G.        willicliche  vü  vro'liche  G.  25.  gedaltikalt  &m  umbhang  ist  /eW(  AGZW, 

dagegen  liest  H  nach  gedultekait:  der  menace  sal  gednidegiike  aiuc  ordooc  dragen  ont  in  den  doet. 
26.  in  —  da]  da  aolt  in  demStichait  G.  2T.  erbermide  .  dinc  deniüti  dine  goboTsami  G  (dine 

demflti  fehlt  Z).         7bf.  aolt  —  zieren]  sol  dnz  tempil  dez  herin  gottes  gezieret  sin  .  vTi  Ö. 
30.  nfli'A  miane]  zegelichir  wiz  alse  die  umbehaoge  waren  vf  geheftet  in  deme  tempil  mit  guldinen 


4.  Phil.  3,  8.  12.  P«.  5,  IS.  25.  1»  der  Anzahlung  da-  v 

Punkt  gedultekait;  der  vierte  Funkt  ist  Demut. 


■  Pitnkte  fehlt  als  drilter 


A 


37.  Von  der  scie  berailuiig. 


101 


^er    weite    mäbelt    mit   aim   viiigerliu,    also    solt   du    di/T'/'Viie  sele    zfi    Gotte       1 
luÄliein  in  der  minne;   und  als  daz    vingerliu    sinwel    ist   und    nit    endes    hat,       | 
also    ist    dii    minne    an    ende :    won    so    alle    tugent    zergaut ,    so    belibet    si      4 
stÄte,    won  si  ist  ewig,     man  liset  von  lier  Moyses,   der  in  ain  wasser  wart       I 
geworfen,    und  wart    fanden    uff  dem    waaser,    und    bräht    man    daz    kint    der  6 
küngennen    und    geliielt    in    dri    tag.      Moyses    daz    sprilit    'ain    mentsch    daz       j 
U8S    dem    wasser    ist    gezogen',     daz    sint    wol    gaischlich    liite,    die    aint    ge-       | 
zogen    uss    dem    wasser    der    unstäti:    wan  aUe  daz  wasser    unstäti    ist    alle       1 
zit    und    hin    flusset,    also    ist    dti    weit    alle    zit    ungerfiwet.      also    sprichet       1 
ainer  wiser  man:  'wir  verfliessent  als  daz  wasser'.    also  spricht  öch  dii  schrift:  10  1 
'ain  ieglich  ding  illet   da  zä   daz  sin  näme  si'.     also  ist  du   weit  ungeräwet 
alz  daz  wasser.    usser  dem  wasser  sint  ga,isclt[??'J\m\i  lüt  gezogen  in  gaisch-       I 
lieb  leben,    darinne  sont  si  dri  tagwaid  gan  gegen  dem  bymelriche.    der  erst       | 
lag  ist   gantz    und    luterii    biht.      der    ander  tag  ist  rebtii  rüwe  umb  all  sin 
Sünde,     der   dritte    tag    ist  statu  bftsse  untz  an  sin  ende,      man  liset  in  der  is 
alten    e    daz  Unser   herr    gebot    daz    mau    ain   tempel   mähte   und    daz    zierti 
mit  drin  yarwen:    wisser   und   roter    und    mit    hymel  varwe.      ze  glicber  wis 
so!    daz    tempel    Gottes    gezieret    sin.     zera  ersten    mit  wisser    varwe:    da  bi 
ist  bezaichent   relitü  künschkait    und    du  gaischlichu  schäm,      da  von  sprichet       I 
sant  Bernhart:    'ich  waiss    ain    harte    schöne    tugend,    si   ist  gehauen    gaisch-  29  ] 
licbn    schäm ;    si   ist    ain   hainlicher    fri'ind    Gottes ,    si   ist    ain    bebüterin    der        | 
knnschi    und    ain    stül    der    tugend   und    ain    anvang    und    ain    beraiteu    des 
hertzen    nud    ain    übergüldeu    aller    tngend    und    alles    gutes',      bi    der    roten 
[7?'J   varwe    ist    bezaichent    du    gehiigde    üusers    herven    marter.      da    sol  der 
menlseh    behügen    alles    daz    er    durch  uns  erlitten  hat^   und  wie  gross  minne  !6- 
er    lins    da  mit    erzöget    hat.     und    da    sol    sich    du    sele    mit  devi   blüle   vär-        ' 
wen    daz    von    sim    hertzen    flöss.       als  sprichet    sant    Agnes :    '  linsers    Iierren 
blfit    hat   gevirwet   minii  wangen'.     hübsch  vrowe   spulgent   sich  ze  värwenn 

vingirlia  .  also  sol  der  mcDBchc  alle  sine  tuginde  vf  heftia  mit  d'  minne .  vQ  solt  du  dine  sele  vn 
gilt  aesaemme  loeliilo  in  d*  minne  GZ,   wii/irend  W  hier  A  folgt. 

I,  aim]  den  G.  Af.  der  wart  geworfen  in  «in  wazir  a.  w.  f.  G.  ß.  tage  .  daz  ist  ain 
it^gelidi  gaistlich  mensche  G.  7.  dem]  ainem  <?.  If.  die  ~  der  unstiti]  die  sint  wol  uesir  deme 
waz«r  gegozln  (gezogio  Z)  dlerre  vliezindun  weite  G.        8.  wan  —  wasser  fdiU  A.        Sf.  alle  zit]  ' 

alliz  an  G.        9.  alle  zit]  zallen  ziccn  G.        tO.  ain  (?.        wisur  man  AZ,  wisü  vrowe  G  W. 
II.  da  z"i]  daz  ez  werde  .  vfi  G.      sin  o'ch  G.        12.  gegoziu  G.        IJ.  tach  daz  ggenzfi  u.  1.  ff. 

daz  ist  r.  G.        15.  ist  fehlt  G.      17.  mit  wizir  vn  mit  rotir  ff.        16.  dez  hailigen  gottcfl  G. 
jcw  ersten  fehlt  G.        da  bi]  Bi  der  wizun  varwe  ff.        19.  rehtü]  dii  ff.        20.  harte  fehlt  G. 
geliaizen  fehlt  Ä.         21.  schäme  .  si  ist  harte  wol  gewrzet  (gewizztn  Z)  .  si  ff.        dez  sclio'ncn 
gottcs  ff-  22.  anevanch  d^  tuginde  vn  ff,  beraiterin  ff.  25.  irhugen  ff.         alliz  dez 

liaz  ff.         26,  ers5get  hat]  zaigtte  ff.        dem  btilto  fehlt  A.         27.  alsu  ff.        berren  aus  beneii 
korr.  A.         28.  hat  —  miuü]  ist  mir  ain  varwe  an  minen  ff.         vrowen  ff. 


i.  Ex.  2,  Iffi  vgl.  oben  S.  35  Z.  33 ff.  11.  Eede.  1, 4.  7.  16.  im  Anschluß  an  Exod.  37? 
27,  IIB  Änschtvll  an  die  Antiphon  des  Breviers  (II.  Nokturnj:  'mct  et  lac  ex  eiua  oro  suseepi, 
onguis  eine  oniavit  gen.iH  meas'. 


tos 


beraitimg. 


mit  wisser  varwe  und  mit  roter,  also  sol  6cli  di'i  sele  sich  värwen  mit  rehter 
künschi  und  mit  der  gehügde  unsers  iierren  marter.  bi  der  liymelsclien 
varwe  ist  bezaichent  du  girde  und  dii  minne  die  wir  haben  sont  zu  dem 
liynielschen  lande:  dö  sol  uns  ziehen  und  binden  ze  Gotte.  sanctus  Paulus 
i  sprichet:  'dii  minne  ist  ain  band  da  mit  unser  herre  zä  der  sele  wil  gebun- 
den werden',  sant  Augustinus  sprichet:  'du  minne  ist  ain  süsses  band;  si 
bindet  f?7''J  Got  und  die  sele  süsseklich  ze  samen'.  er  spricht  öch:  'o  minne, 
du  bist  ain  edlü  tugend,  du  da  nit  geret  ze  behabenn,  du  taillest  dich  allen 
den  die  in  der  minne  sint'.    so  spricht  sant  Paulus:  'du  minne  ist  edel,  rieh 

1 10  und  gewaltig:  si  machet  den  unedeln  edel,  den  armen  rieh,  den  ungewaltigen 
gewaltig*,  dis  sint  die  dri  varwen  mit  den  die  sele,  Gottes  tempel,  sol  ge- 
zieret sin. 

Daz  dritte  daz  si  tun  sont  die  irs  heiTcn  baitent,  der  zu  dem  hrutlof  ist 
gevam,  daz  ist  daz  si  gedulteklicken  sont  bailen,  daz  si  nit  verdriessi  ob  er 
IG  ze  lang  ist.  si  sont  gedulteklichen  baiten  durcli  drü  ding,  daz  erste  ist: 
gedultkait  meret  den  Ion ;  so  der  mentsch  ie  gednltiger  ist,  so  sin  Ion 
ie  gi'össer  wii't  vor  Gotte.  daz  ander  ist:  si  höhet  die  wirdekait;  so  der 
mentsch  ie  grösser  unwirdekait  hat ,  so  sin  wirdekait  ie  höher  wirt  vor 
Gotte  und  allem  [76°J   hymelschen  her.     daz  dritte  ist:  si  beraitet  die  TTÖde 

L»  des  hifmelriches ;  so  der  mentsch  ie  gedultiger  ist,  so  sin  vröd  ie  merer  ist 
und  wirt.  also  liset  man  von  sant  Martin,  der  waz  alz  gedultig  daz  er 
sprach:  'herre,  wilt  du  ich  lebe,  wilt  du  ich  stirbt;  swaz  du  tvilt,  daz  wil 
Ach  ich,  din  wUle  werde  an  mir.'  man  liset  von  ainer  vi'owen,  du  hiess  Re- 
becca,   du  wart    swanger  zwaiger  kind,    und  du  kind  kriegtent  in  der  müter 

[35  lip  mit  euander.  bi  der  vrowen  ist  bezaichent  der  gut  sant  Martin,  der 
trug  öch  zwen  willen,  die  kriegtent  wider  enander,  daz  waz  der  töd  und 
der  lebtag:  swaz  Gottes  wille  wäre,  daz  öch  daz  sin  wille  wäre;  won  wölti 
Got  daz  er  sturbi,  so  wolt  er  sterben;  war  es  sin  wille  daz  er  lebti,  so 
wolt  er  leben. 


1,  rotir  varwe  G.  Öch  fehlt  O. 
waz  o'cli  gezieret  mit  bimilvarwe  .  da 
minne  6.  if.  also  spr.  b.  P.  0.  5.  vr 
vn  du  bist  dti  G.  9.  sprichi;  abir  e 


2.  der  gebligde  fehlt  A.        if.  bi  —  varwo)  Daz  tempil 
aitte  G.  S.  du  lugintliche  girde  Q.  4.  dö]  in  du 

ser  e^ceimal  Ä.      6,  gprichit  o'ch  G.      8.  dv  A.      tngitit. 
P.  G.  10.  si  —  1!  Biuj  vn  iat  also  vmbe  die  tngint . 


BI  macliot  deD  ricbin  am  .  vG  den  annes  rieb  .  vs  swer  ane  ei  ist .  der  ist  am  .  wcre  o'ch  ellü  du 
weit  ime  dieniathaft .  swer  abir  die  minne  hat  der  ist  rieh  .  alsua  sol  dfi  sele  gezioret  bid  mit  drin 
varwen  alae  daa  tempil  QZ(W).         tSf.  derzti  —  haHen  fehlt  A.        15.  daz  orete  ist]  dfi  G. 
Ifi.  gednltjgir  ist  in  sime  lebinno  so  G.        IT.  si  —  die]  du  G.       IS.  unwirdekait]  wirdicbait  G. 
bAber]   gro'zir  G.  19.  Gatte  und  fehlt  G.  ist  daz  si  G.  20  gedaltiger  ist]  gro'zir  go- 

doltichait  bet  G.        20/'.  mercr  — wirt]  Intirre  ist  an  gotte  vn  an  ime  seibin .  vn  an  altime  himil- 
schin  ingcsindc  O.        22.  öch  avs  icb  korr.  A,        herre  wildu  Aaz  ich  lebe  oder  duz  ieb  sterbe  W. 
11  f.  stirbe  — ieb  fehlt  A.         25.  lip  fehlt  G.         27.  won  —  29  leben]  WKre  Aüz  gölte»  willo 

4.  Col.  3, 14.  9.  I.  Cor.  13,  if.  22.  i»j  Anschlvli  an  das  Repiontorrum  des  ßreviers 

(I.  Noklum):  '0  beatum  vinim  MartimiiD  antistitcm,  qui  ncc  mori  tiniuit,  nee  vivere  rei-nsavitl  Do- 
mine, si  adhuc  populo  tuo  sum  necessariuB,  non  recuso  laborem :  fiat  yohmtas  tna.'      23    Gen.  35, 22. 


88.  Von  unser  vrowen  nnd  i'insenn  honi.  lOi 

[38.}  Von  rinser  vrowen  und  rinserm  her«. 

[Erunt  Signa  in  sole  et  luna  et  steUis.J 

Do    unser    herre    uflF    ertrich    wandlet    in    ment/7S7s<^hlicher    natüre,    di 
sprach    ev   zfi   sinen   juns;ern   alsuss    und   wissaget   inen  ain  künftig  ding,     e! 
Bprach:  'es  sont  zaichen  beschehen  an  der  suunen  und   an  dem  mäne  und  an  5 
den  Sternen'. 

Sant  Johans  scliribt  in  Äppocalypsi  daz  er  sach  vier  engel  fliegen  uss 
aim  altar  und  flugeut  durch  daz  h^melriche;  und  der  erat  engel  blies  ain 
hom,  und  zehant  verlos  du  sunne  und  der  mäne  und  die  stemen  den  dritten 
tail  ir  liehtes,  dis  mugent  wir  merken  bezaichenlich.  won  bi  der  sannen  ist  lo  J 
bezaichent  unser  iierre,  der  dii  gewAre  und  du  ewig  sunne  ist  also  ist  von 
im  gescbriben  daz  er  ist  ain  sunne  der  rehtkait.  nu  aont  wir  merken  drü 
diog  an  der  sunnen,  dar  an  unser  herre  der  sunnen  glich  ist,  daz  erste  ist 
daz  du  sonne  schön  ist  und  du  schönst  creature  die  Got  dem  ertrich  ie  ge- 
schüf.  daz  ander  /?S'J  ist  daz  enkain  frnht  des  ertriclies  fruhtber  mag  sin  i 
an  der  sunnen  hitze.  daz  dritte  ist  daz  der  sunnen  lieht  gemain  ist  aller 
der  weite,  dem  armen  alz  dem  riehen,  dem   Übeln  als  dem  guten. 

Also  ist  unser  herre  och  schöne  als  du  sunne.  von  siner  schöni  spricht 
sant  Augustinus:  "und  solt  ain  mentsch  tusent  jar  leban  in  allen  den  vrßden 
so  sin  herze  erdenken  künde,  die  solt  es  all  versmalien  dar  umb  daz  er  Got  20 
nit  won  ze  ainem  male  sähe  in  siner  götlichen  schönhait.  und  ensolte  er  in 
joch  dar  nach  niemer  me  g&sehen'.  er  spricht  och  me:  'und  wAri  es  mug- 
lich    daz    ain    mentsch    als    lang    leben    solle    und    möhte    daz    ain    tube    des 

daz  er  lebiti  .  so  wolt  er  gerne  lelien  .  itne  letiienste  .  wolti  ablr  got  daz  si  Irichtig  er  Z\  atiirbi  .  so 
wolt  er  gerne  Bterbin  .  duz  er  zä  der  himilfichan  vro'de  kxmc  GZ,  Wmit  Amen  am  Schlusse. 

1.  Überschrift  fehlt  G  IV  N,  Von  vnaemie  h'ren  (rot)  Z,  Duminica  in  adventii  domini  Ärundel, 
Des  üd'eo  sadage»  I  d^  adu«e  l'hill.  b^  am  Ende  der  Zeile  A.  2.  Der  lat.  Text  fthit  A. 
A.  er  diai'i  wort  zfl  6.  algnse  fehlt  G.  if  er  sprach  fehlt  G.  7.  daz  er]  Der  G.  S.  and 
vor  der  fehlt  O.  Sf.  dö  —  tail]  der  mane  vn  du  sunne  daz  dritail  G.  10.  Hehtia  .  vn  dm  gy- 
«ime  viriM  o'ch  daz  dritail  njns  liehtia  G.  10 f.  bezaichenlich  —herre]  an  vnsim  h'ren  G. 
12.  istl  91  G.  13.  wol  gelich  G.  U.  vTi  ist  dd  G.  17.  fibdn  als  dem]  alten  alse  derae  inngen . 
den  Bändern  alse  den  G.  gäten  laaten  If.  16.  also  —  schAni]  hie  an  ist  flnsir  herre  der  sunnen 
gelich  .  Daz  Unsir  h'rc  scho'ne  ist  daz  apricti;  .  b.  Petras  .  In  quem  desidcrant  ongeli  prosplccrc  . 
Er  ist  also  scho'ne  daz  in  die  engit  luzlicho  vü  vnnirdrozin liehe  zailen  liteu  an  sehint .  Also  GZW. 
19.  tnunt  tusint  tusint  G,  tusiut  tusiot  Z.  20.  so]  die  O.  c«]  der  menecho  G.  21.  ze  ainem] 
zairae  ainigosten  G.  gütlichen  schnnhait)  gotüchi  G.  ensolte  fehlt  A.  22.  er  — öcta]  vS 
ep'chit  ioh  noh  G.       es]  daz  G.         23.  sotto  nnd  fehlt  O.        mehti  vna  daz  G. 

1.  Das  Stück  findet  sich  in  GBl.  ?';  ZBl.8'>;  WBl.9;  N  Bl.  9' :  Arundel  Bl.  80';  mit. 
Bl  87*  (damit  beginnt  diete  Sammlung  die  hier  in  Betracht  kommende  Fredigtreihe) ;  H  Nr,  S.  — 
Gedrvckt  nach  A  bei  Wackemagel  S.  92  mit  den  Leaearten  aus  Z;  die  Letearten  aus  G  ebenda 
S.  318.  —  Vgl.  dam  das  Stück  der  Hs.  SL  Georg.  37  Bl.  68  (Längin  8.  7)  der  Karlsruher  Eof- 
md  LandeabUiliothek.  2.  Luc.  äl,  25.  1 .  Apoc.  8.  7. 12  ff:  n.  Fa.  88,  38?  \S.  vgl.  oben 
S.  T7  Z.  28  ff. 


104 


.  Von  ünsor  * 


1  ünsenii  hern. 


I  meres  griess  us  geffirti  und  ie  ze  tusent  jaren  nuwent  ain  griesselia,  dii  jar  "-J 
I  solte  der  mentech  wellen  in  arbaiten  leben  dar  umbe  daz  er  Got  gesähe  in 
I  ainer  schÖnhait.  ain  mentscli  waz  besessen  mit  dem  tüvel,  und  ain  gät  man 
I  kam  zfi  ime  und  {78"}  begunde  mit  im  reden  und  vragte  in  von  dem  lijmel- 
I  s  riebe  und  von  den  eugeln,  und  vragte  in  wie  schön  Got  wäre,  do  sprach 
I  der  tüvel:  'owe,  du  hast  mich  ze  vil  gevraget;  wie  schöne  Got  si  in  siner 
I  götlichen  herschaft,  daz  enmöhtint  alle  zuiigen  nit  voll  raiclien;  aber  dar  umb 
I  daz  ich  in  ze  ainem  male  möhti  gesehen  alz  ich  in  etswenn  sach ,  dar  umb 
I  w6It  ich  all  die  arbait  liden  die  all  die  erlitten  hant  die  ie  geboren  wurdeut 
1 10  und  iemer  geboren  werdent  untz  an  den  jüngsten  tag.'  und  da  von  so 
I  dunket  mich  enkain  tier  so  tumb  als  der  mentsche,  daz  er  mit  kurtzer  vrode 
I  verlöret  die  götlichen  angesiht.  da  von  sprichet  sant  Augustinus  daz  er 
I  gerner  wolte  in  der  helle  sin  und  Got  sehen,  denn  in  dem  h^el  und  sin 
[      nit  sehen. 

\  16  Daz  ander  ist  daz  enkain  fmht  berhaft  mag  sin  an  der  sunnen  hitz. 
[  ze  [79"}  glicher  wis  ist  es  umb  den  ewigen  sunnen,  Got  von  hymelriche,  an 
I  des  gnade  mag  niemau  enkain  gut  getim.  wir  mugent  in  die  sündu  wol 
I  Valien  an  iinsers  herren  hilf,  wir  mugent  aber  niemer  ze  guaden  wider  komen 
I  an  sin  helle,  nu  möhtint  ir  sprechen:  'so  endarf  unser  herre  uns  nit  wissen 
[  20  daz  wir  nit  voll  tugent  sint,  sid  wir  nit  gutes  getan  mugent  an  sin  gnade?' 

nit,  lieben!      wir  mugent   uns    des  nit  entschuldigen,    unser  herre  ist  Ällü  zit 
f       berait    den    sünder    ze  enphaheun  und  sin  gnade  im  ze  gebenn.     also  sjiricht 

sant  Gregorius;  'du    band    ünsers    herren    ist    alle  vart  berait  ze  gebenn  dem 
I        mentschen  der  guten  willen  hat",    es  spricht  och  der  wissag:  'herre,  du  Vitr- 
as fürest  mit  diner  gnade  den  ilblen   willen  an  dem  mentschen'.     über  daz  wort 
I        spricht   sant  Augustinus:   'o  süsser  Got,  du    vitrfürest  [79'']  mit    diner  gnade 

den  Übeln  willen  und  bringest  in  ze  guten  unlleii  und  denn  ze  guten  werchen.' 
Daz  dritte  ist  daz  du  sunne  gemain  ist:  also  ist  och  ünsers  herren  gnade 

geraaine  aller  der  weit,    den  sünderu   und   den  guten,      als  sprichet  sant  Au- 
80  gustinus:  'unser  herre    ist   gemaine  mit  siner  gnade  und  ist  so  erbannhertzig 

daz  er  baitet  mit  grosser  gedultekait  des  sünders  bekerde',    'o  heiTe',  sprichet 

I  1.  und  —  griesselin  fehlt  G.        2.  wellen  fehlt  G.        2f.  b ~ »ehftnhaitl  uodir  sinen  o'gen  G. 

3.  tüvell  bo'Bin  gaiflto  G.      i.  zeredinnc  G.      in  fehlt  G,  ebenso  5.        5.  Got]  unair  Lerro  G. 
T.  voll)  wol  Z.        raiehen]  reckin  G,  geaagin  Z.        8.  mfihti]  solti  G.        etswenn]  aineet  G. 
11,  geduhte  mich  nie  enhain  G.      er]  8Ü  G.       12.  virlierent  G.      da  von  —  14  sehen]  Sanclus 
AaguatJuuB  sp'ch;  .  gerner  wolle  ich  in  der  belle  sin  dax  ich  gottes  antlüte  un  axbe  .  dcnne  ich 
indcme  himitricho  wxre  vil  ich  ein  niht  enaxhe  G.  IS.  widir  zegnadon  bomen  G.         19.  sin 

helfe]  ünBira  h'ren  gn'ti  G.         endarf  o'ch  G.         20,  voll  —  sint]  wollen  W,  woi  tu'gen  Z. 
21.  nit  lieben]  nain  H',  niht  lebin  kint  GZ.        des  fehlt  G.        22,  im  fehlt  G.        23.  ist— vatc] 
gnadon  alliaia  ist  G,        24.  vfi  apr,  der  w.  Domine  provenisti  G.        2if.  vcrfu"reBt  A, 
GZ,  ververat  W,  ebenso  26,  27.  bringest  —  und  fehlt  A.         den  Ä,   denne  G,         2b.  och 

fehlt  G.         29,  gftten  lücen  ß.        3ü.  ist  so  gcmüao  G.        erbannhertzig]  gar  irbxnitlcb  ff. 
ai.  Sünders]  roenschin  G. 


38.    Von  ü 


105 


er,  'du  baitest  im  nüt  allaine,  sunder  du  rüfiest  im  täglich  und  manest  in 
i^lich  daz  er  wider  kome.  du  biitest  im  alle  zit  liuldi  und  erbärrade,  daz 
eht  er  wider  kere'.  nu  möhtiut  ir  sprechen:  'wie  rüffet  uns  unser  lierre?' 
in  trüwen,  daz  tut  er  mit  aller  creature.  daz  sol  und  mag  uns  wol  ain 
rüffeu  sin  das  enkain  creatur  ist  si  tögi  ir  relit,  won  allaine  der  mentsch,  5 
der  ist  Got  ungehorsam;  und  ist  im  doch  als  liep  daz  er  in  ze  allen  ziten 
manet  daz  er  noch  widerkere,  und  spricht:  'si'mder,  ker  wider  und  gedenk /^S'/ 
daz  ich  din  schepher  bin  und  diu  erlöser!  ker  her  wider,  lieber  mentsch, 
und  sich  ze  ainem  male  mich  an;  ich  läss  dich  noch  ze  huldi  komen!'  also 
spricht  saut  Benihart:  'so  der  mentsch  ie  boschlicher  sündet,  so  im  Got  ie  lO 
gütlicher  nach  gat'.  er  spricht  öch:  'o  herre,  du  mäht  wol  sin  ain  gdter 
Got,  daz  du  den  sünder  enphahest  swenn  er  kumet,  und  vergibest  im  alle 
sin  sande,  also  gar  daz  du  in  niemer  verdampnest  und  im  es  niemer  uf  ge- 
hebest, und  wirst  als  luterlich  sin  fnind  als  ob  er  nie  sünd  getan  hetti*. 

Nu  merkent  wie  der  lebend  sunne  daz  dritte  tail  sins  liehtes  verlor!    do  la 
unser   herre  Jhesus  Christus,    Gottes  sun,    uff  ertrich  kam  durch  den  sünder, 
do  wart    er   ungetiiilich    an    den    tod    geben    und   wart   an    ain    sul    gebunden 
und  wart    geschlagen,    daz    sin  haiiger    lip  von    blute  über  vlöss.     do  gabent 
sü  im  ain  crütz  uö'  sinen  ruggen,  und  trüg  es  an  die  statt  da  er  gemartrot 
wart    do  nament  sü  in  do  und  hiengent  /?9''J  iu  dar  au,  und  do  verloz  du  20 
sußue  den  di'itten  tail  ir  liehtes,  do  er  jämerlich  dar  an  erstarb,    nu  merkent 
wie    der    dritte    tail    erlasch!     du  gothait   und    der  hailig  gaist    die  wurdent 
nie  verwert.      du    mentscbait    erstarb,    daz  waz    der    dritte    tail    des   ewigen 
sunnen.      da  von  spricht  sant  Bernhart:  'o,  dw  lebendü  sunne  hatte  wol  daz 
dj'itte    tail    verlorn    siner    kraft,    do    sin    kunigkliches    höbet    verwundet   waz  25 
zwaiger  und  sibenztg  wunden,  und  sinü   wunneklichen  ögen,  die  luter  warent 
als  du  sunne,  ersturbent  an  dem  crütze,  und  sin  durchlühtig  antlütz  erblaichet, 
daz  also  schön  waz,  wenne  es  die  junger  sahent  an,  daz  sü  enzündet  wurdent 
in    herzen    und    an    libe,    also    schöunü    clarhait    gie    von    im',      die    haiigen 


1.  Sünder  fehlt  0.  2.  0  horre  du  G.  diao  buldo  G.  3,  eht  —  kerol  du  in  ze  hnlden 
lazest  komcn  ff.  mflbiint  ir  spr.l  merkint .  ir  sprcchint,  so  auch  später  G.  Odh  fehlt  A.  4.  sol 
und  fehlt  G.  6.  im  fehlt  G.  doh  gollo  also  G.  7.  noch  fMt  G.  B.  irlo'set  bin  G. 
10.  abir  a.  B,  G.  GotJ  ünair  herre  ff.  11.  er— Och]  vil  ap'chj  abirs.  B'nbart  Ö.  13.  sünde. 
vS  virgiat  imei  (imo  ai  Zj  also  G.  vn  du  ime  G.  14.  getffte  ff.  16.  der  gotles  G.  17.  wart 
gebondia  an  die  söl  G.  18.  von  — vlSea]  mit  blöte  gai  begozsen  waz  G.  19.  ain]  an  G. 
M  AZ,  ciz  G.  20.  dar  au]  vi  an  daz  crüce  G.  und  do  verloz]  da  v.  lio  ff.  2\if.  der  Bunne 
d.  dr.  iflil  uncr  kraft  do  G.  21.  daran]  an  dem  crüce  ff.  22.  der  fehlt  A.  22  f  und  — ver- 
wert] wart  nie  virwert  .  der  hailigc  gaist  irstaip  nie  G.  23.  erstarb]  Jhesus  Christus  d'  starp  an 
denie  crüce  G.  24.  dv  J.  2S.  ainer]  ir  G.  27.  ersturbent]  du  sturbin  G.  und  —  1  spre- 
cfaentj  vn  also  llset  man  von  ünstrme  herron  Jhesu  Cbristo  .  daz  ime  sint'i  o'gen  also  scho'ne  vü  also 
□linuiclich  wai-en  .  daz  sine  iungirn  relitc  enzündet  wrden  an  übe  vndo  an  herein  .  so  er  sü  ane  sah  . 
Vü  daz  rehte  ain  zain  von  sinen  o'gen  gie  .  vn  sprcchint  die  hailigen  G2(iü  WfMtwf\  daz  —  gie). 


106  88.  Von  ünsor  vrowen  und  ünaenn  hem. 

sprechent  daz  sin  junger  im  nahvolgetant  me  durch  sin  schöni  denn  durch 
die  gnade  dez  haiigen  gaistes,  [80']  e  daz  su  enztmdet  wurdent.  'owi', 
spricht  sant  Bernhart,  *der  süss  mnnd  der  allfi  zit  die  warhait  sprach 
und   lerte,    der    wart    mit    gallen    getrenket,   und    die    hende    die    hymelrich 

5  und  ertrich  geschfiffent,  die  wurdent  durch  schlagen  mit  scharphen  nageln*, 
nu  möhtint  ir  sprechen:  *wie  moht  daz  sin?  Qot  waz  do  nit  mentsch  wor- 
den, do  er  hymelrich  und  ertrich  geschftf?'  daz  wil  ich  üch  beschaiden: 
unser  herr  Grot,  der  ewig  yatter,  hatt  sinen  sun  Jhesum  Christum  gebildet 
in   im   selben  vor  angenge  der  weite,    des   ich   urkünd   üch  wil   geben,     do 

10  unser  herre  die  engel  geschfif,  do  geschfif  er  och  Lucifem,  und  gab  dem  me 
sch6nhaxt  und  wirdekait  denn  kaim  andern  engele.  won  also  sprechent  süm- 
lieh  haiigen  daz  im  die  andern  engel  alle  ze  gezierde  warent  geben,  und 
da  von  won  er  schöner  waz  und  wirdiger  denn  die  andern  engel,  do  sass  er 
As' 07  och  GK)t  n&her   und  sach  ain  mentschlich  bilde  in  dem  götlichen  spie- 

15  Ac^l»  da*  waz  du  mentschhait  ünsers  herren  Jhesu  Christi,  do  gedaht  Lu- 
oiier:  'dis  bilde  bin  ich,  won  nieman  so  schön  und  och  so  wirdig  ist  so 
ich;  da  von  hat  er  mich  in  im  selben  gebildet,  nu  wil  ich  minen  stfil 
ut^beut  In  setzen,  so  bin  ich  im  gelich*.  und  do  er  daz  gedahte,  do  viel 
t^r.     daz    i^»t   ain   Urkunde   daz  die  mentschhait   gebildet  waz  von   angeng    in 

%\  (lor  gt>thalt  und  also  so  wir  denn  die  hende  sehent  die  hymelrich  und 
i^rtrloli  ge«chilffent,  durch  schlagen  an  dem  cruze,  spricht  sant  Bemhart  er 
Hpriht  och  me  und  klaget:  'owi,  das  süsse  herze  daz  da  vol  waz  aller  wiss- 
luvlt,  Awt  wart  durch  stochen  mit  dem  sper,  und  aller  sin  lip  und  sinü  lider 
wurilont   zertent   und  jämerlich   gemartret,   aind    verlos   du   sunne   daz    dritte 

«n  twil  Ir  Kchöni'. 

fiW  dem  mänen  beschahent  och  zaichen,  daz  waz  an  unser  vrowen,  du 
nloli  <lwm  man  /80y  glichet  an  drin  dingen,  daz  erst  ist:  waz  er  lichtes 
Imii  daz  hat  er  von  der  sunnen.  daz  ander  ist  daz  er  lohtet  in  der  naht. 
iIhh  dritte  daz  er  gemain  ist. 

t,  NprachCt  A,       sin  junger]  bü  G.       im  fehlt  A.       nahvolgetant]  uolgeton  G.        3.  nach 
ttttHlhnrt)  Du  minniclichen  o'^gen  du  stürben  an  deme  crüce  .  vfi  G^.         4.  mit  g.  getrenket]  ge- 
(iiitiiti(  mit  d*  gallun  .  vfi  getrenchit  mit  dem  ezziche  G.        die  selbin  hende  G.         5.  scharphen) 
rt<»H  Ot       ö.  do]  dennoh  G.       8.  Got  felüt  G,       der  hate  G.       sun  ünsim  h^ren  J.  Ch.  G, 
%  im  wll  ich  iv  Urkunde  gebin  G,  10.  me  fehlt  G,  11.  andern  fehlt  G,  ebenso  12. 

IHi  W^  ^'  f^^  GZWf  das  weiter  fährt  mit  do  sah  er  ain.  sass]  waz  G,  14.  sah  in  lutir- 
tit4llr  dttine  die  andim  engile  .  do  sah  er  ain  G.  16.  bilde  daz  bin  G.  so  feJilt  A,  also  G. 
lirtl  iOl  tlso  G,  20.  also  so  sehent  wir  denn  d.  h.  ?  Boethe  möchte  lieber  sol  statt  so  lesen  und 
llllllAt  ßli  I^f'  fassen,  und  also  —  22  klaget]  0  we  sprich^  s.  Bemhart  vü  claget  in  .  Die  hende  die 
ktllihMl^  ynde  ertriche  geschaffen  hain  .  die  wrdin  dur  slagin  G.  22  f  nach  wisshait]  vn  von 
^[imf  fUfl  wizhait  vloz  G.  .24.  j&merlich  fehlt  G,  und  v.  du  s.]  vnwirdicliche  .  da  sprichit  er 
A||  ^  iunne  virldz  G,  25.  ir  schtoi]  siner  scho'^ni .  vfi  siner  kraft  .  da  er  irstarp  G^Z  (da  — 
ftkU  W).  26.  beschahent  —  zaichen]  sun  o.  z.  geschehin  G.         waz  an]  ist  G. 

iBfffla]  An  drin  dingen  ist  si  dem  manen  gelich  G.       28.  hat  fehlt  A.      daz  er  lühtet]  er 
kl  lieht  Z.       29.  dritte  ist  er  ist  gemaine  G,       d'az  A. 

Z.24ff. 


38.  Von  unser  vrowen  nnd  ünserm  hern.  107 

Ze  glicher  wis  ist  unser  vrow  ain  man;  won  waz  si  gnaden  und  lügen- 
den und  Salden  hät^  daz  hat  si  von  der  sunnen.  und  da  von  sprichet  si: 
'unser  herre  hat  mich,  sin  dimen,  besehen*,  und  dar  über  sprechent  die 
maister:  ^swen  änser  herre  besiht,  den  besiht  er  also:  swaz  an  im  gebresten 
ist^  daz  erfüllet  er  mit  sinen  gnaden  und  bestätet  in  denne  an  tugenden'.  5 
also  tet  er  och  ir. 

Daz  ander  ist  daz  si  öns  ist  gegeben  ze  tröste  und  ze  aim  lieht  daz 
6ns  Sünder  entlühten  sol,  daz  si  uns  laiti  mit  ir  liehte  nss  disem  eilende, 
won  si  ist  ain  lieht  der  gnaden,  also  spricht  sant  Bernhart:  Wrowe,  du  bist 
der  gewär  mäne,  der  da  lühtet  in  der  naht;  vrowe,  du  gist  den  engein  und  lo 
den  haiigen  vröde,  den  rehten  mentschen  merest  du  ir  gnade,  den  sündern 
erwirbest  du  ap/SO^P^^  ^l'^r  ir  Sünden',  er  spriht  och  me:  'o  sünder,  gang 
vrölich  zft,  du  mäht  wol  sicherlich  ze  huldi  komen;  won  du  hast  ain  harte 
sicherlichen  zfigang  zft  Gotte:  du  hast  die  mfiter  vor  dem  sune,  den  sun  vor 
dem  vatter.  du  mftter  zaiget  dem  sun  ir  brüst  die  er  sog,  und  die  schöss  15 
da  er  inne  sass.  der  sun  zaiget  sin  situn  und  sin  wunden  sim  vatter  und 
bittet  für  dich,  owe  sünder,  nu  ruf  an  die  guten,  won  si  ist  der  mane  der 
den  sünder  laitet;  nu  ruf  si  an,  won  es  ist  unmuglich  daz  der  sunder  mftter 
iht  verzihe!' 

Daz  dritte  ist  daz  ir  gnade  ist  gemain  allen  den  die  si  an  rüffent.  also  20 
spriht  sant  Johannes:  '0  vrowe,  du  bist  der  mane  der  da  gemainlich  lühtet; 
du  verseist  nieman  diu  lieht',  wa  ist  der  mentsch  der  dich  ie  an  gerftfte,  du 
tailtist  din  gnade  mit  im?  sant  Bernhart  spricht  6ch:  'vrowe,  du  bist  gesetzet 
in  des  künges  hus  zft  aim  fürsprechen  *.  [81'']  nu  rüff,  vrowe,  an  sinen  namen, 
daz  er  uns  gnädig  si!  si  tftt  es  und  tftt  es  gern;  won  daz  si  uns  wol  tftt,  26 
daz  ist  ir  gftt  und  nütze  und  och  uns:  won  so  si  ie  me  git,  so  si  ie  me 
hat,  und  wirt  ir  vröde  mit  gehöhert  und  gebraitet  ir  ere  in  hymelriche  und 
in  ertrich.  entrüwen,  si  tftt  es  von  rehte;  und  täti  si  es  nit,  si  täti  unreht. 
nu  merkent:    es   ist   geschriben   reht:   Vaz   der   mentsch    verlüset,    swer  daz 

1.  won  fehlt  G.  2.  der  —  von]  deme  Icbindin  sunnen  .  also  G,  8  und  dar  über]  Vbir 
daz  wort  G.  die  hailigcn  vfi  die  G.  4.  swen  korr.  aus  swefi  A.  vnser  h- re  zweimal  A, 
6.  also  —  ir]  vtl  si  wart  rehte  erfüJlit  mit  deme  oberosten  gute  G.  7.  uns  ist  AZ^  uns  wart  G. 
ze  tr.]  zaime  tr.  G.  9.  ain  —  der]  de  lieht  daz  uns  (uns  fehlt  Z)  sündere  entlühten  sol  .  mit 
ir  G.  10.  ain  gewsre  G,  12.  nack  sünden]  vfi  mit  diner  gnade  geuestinost  du  sü  an  götime 
lebinne  ö^  (an  rechtem  glau'ben  W).  me  fehlt  G.  13.  vrölich]  vnvorhtliche  G.  14.  sicher- 
lichen —  Gotte]  züvirsihticlichin  fürganch  G.  16.  iune]  vffe  G,  sim  vatter  fehlt  G,  17.  nu 
fehlt  G.  18.  laitet  .  vtl  si  ist  vns  sündern  zaime  tro'ste  gegebin  G.  der  svnd^  A,  daz 

kint  der  G,  19.  verzihe  AZ,  virsage  G.  20.  si  fehlt  G.  23.  nach  im]  wa  ist  der  mensche 
der  dich  ie  bezügen  mohte  daz  du  ime  niht  geibist  dine  gnade  .  so  er  dich  an  rufte  G.  dch] 
0  we  G.  26.  gut  und  fehlt  G.  27.  vfi  ir  ere  gebraiterot  G.  28.  vfi  entrüwen  G.  ez 
o'^ch  zerehte  G.       so  t£te  si  unrehte  G.        29.  merkint  wie  daz  ist  gescriben  r.  6. 


8.  Luc  1,  48. 


*08  88.  Von  unser  vrowen  und  ünsenn  hem. 

vindet,  der  sol  es  dem  wider  geben  dez  es  ist',  ze  glicher  wis  ist  es  umb 
üs  und  unser  vrowen.  si  hat  funden  daz  wir  verlorn  hant.  waz  ist  daz? 
entrüwen,  daz  ist  du  gnade;  won  do  unser  mfiter  Eva  ungehorsam  wart,  do 
verlor  si  allem  mentschlichem  künne  die  gnade,  und  die  hat  si  funden.     und 

5  merkent  wie:  do  der  eugel  zft  ir  kam  und  si  graste  und  sprach:  'Got  grütze 
dich  vol  der  gnaden*,  [8V]  do  vant  si  die  gnade,  do  an  der  selben  stunt 
enphieng  si  Got  und  mentschen  von  dem  haiigen  gaiste.  do  vant  si  wirlich 
die  gnade  die  Eva  verlorn  hatte,  man  liset  von  ir  daz  si  erschrac  do  der 
engel  zfi  ir  kam.    do  sprach  er  zfi  ir:  'nut  enfürhte  dir!  du  hast  die  gnade 

10  funden  die  Eva  verlor',  sit  wir  si  nu  bezöget  hant  daz  si  funden  hat  daz 
unser  ist,  so  ist  daz  sicherlich  reht  daz  si  es  uns  wider  geb.  alz  spriht  ain 
haiige:  'vrowe,  du  hast  die  gnade  funden  die  wir  da  verlorn  hant;  vrowe 
nu  ist  es  reht  daz  du  si  uns  wider  gebest*,  der  man  ist  daz  aller  nähste 
gestirne   dem    ertrich:    also   ist  6ch  unser  vrowe  du  gnidigost  und  du  nähste 

15  mit  ir  gnaden  den  sundern.  ich  sprich  es  mit  der  haiigen  urlob  daz  si  alle 
sint  gnädig  und  gut,  doch  ist  si  gnädiger  und  guter. 

Dirre  man  verlor  den  dritten  tail  siner  kraft  an  der  stunde  do  ir  liebes 
kint  an  dem  crütze  hieng;  won  do  waz  ir  also  we  als  ir  [8V]  ain  swert 
durch    ir   herze    gieug.    won   si  minnete    ir    kint   von  menschlicher   nature   me 

20  dejme  ie  deha'm  mäter  ir  kint,  so  minnote  in  och  ir  sele  me  von  götlicher 
iniune  denn  ie  kain  sele.  und  da  von  moht  ir  wol  we  sin,  do  si  in  so 
jAmerlich  sach  hangen  vor  iren  ögen.  es  sprechent  die  haiigen  und  die 
maister  daz  ir  reht  wÄri  als  aim  mentschen  dem  ain  swert  durch  sin  herze 
gesteket  wtlre   und   daz  weder   sterben   noch   leban   möhte.     also  sprechent  si 

2&  daz  ir  wAri  do  si  sah  ir  herzblfit  vor  ir  also  jAmerlichen  hangen,  owe,  vil 
hAhhi'i  vrowe,  sag  uns  wie  diner  sele  wäre!  'owe,  mir  waz  von  inneklichem  laide 
**!>  we  daz  mir  so  gar  waz  gebrosten  daz  ich  nüt  kan  gesagen  wie  herzek- 
liclien  we  mir  waz!  ich  mohte  weder  sterben  noch  leben,  und  waz  min  quäle 
aiHo  gross  daz  ällü  herzen  nit  erdenken  kunnent  wie  we  mir  waz*.     an  der 

«M»  Htinit  verlor  der  mäne  daz   dritte  tail  siner  kraft,  do  si  ir  herzblüt  verlor. 

l  /,  xo  —  vrowen  folgt  nach  2  hant  A      2.  verlorn  hant]  verlum  G.      ist  abir  daz  G, 
^.  (lux]  csz  G,       won  fehlt  G,       mütir  vro  eua  G.        4.  und  diel  Die  gnade  G.       5.  und 
1  iio  ©r  sl  G.       vor  Got]  Aue  maria  gratia  plena  Ö,  Ave  gratia  plena  W.       8.  verlorn  hatte] 
"«Jjr  (f.        man  liset]  da  wart  virwandUot  eua  In  aue  .  vn  liset  man  G.        9.  vor  nüt]  Ne  timeas 
^     Ai  ^'  ^^'  ^  ^^^  ^^  ^^  ^'         ^^'  ^*^^S^®1  hailich  mä  G.       da  fehlt  G.         13.  si  uns} 

AA      ^"•^^  ^-       *^®r  f^^  ^'        ^^'  ist  — vrowe]  sprich  ich  .  vnsir  vro'we  ist  G.        15.  den 
•iliiaertil  domo  sünder  G.         daz  si]  die  hailigen  G.  16.  sint  vor  15  alle  G.  und  göter] 

^tt«  dehtin  haUige  G.       17.  daz  dritail  G.       18.  als  ain  s.  G.        19  f  von  — kint  fehlt  A. 
W»  tKlJ  do  G.       me  8teht  nach  21  minne  G.        21.  so  fehlt  G.       22.  es]  Vnde  G,       24.  leban] 
f'^^^'^^Ö  Ä      m^^hte]  mach  .  vnde  also  k«le  (quele  Z)  G,        25.  do  —  hangen]  An  der  zit  do  si  ir 
■jJiÄWt  vor  ir  sah  hangen  .  also  iamirliche  G,  26.  wie  dime  hercen  vn  diner  G.         waz 

™B  Ä,         27.  waz  gebrosten]  nahe  waz  G.         29.  daz  ez  G.         wie  —  waz  fehlt  G  W. 
■  virior  vfi  si  von  deme  laide  ir  kraft  virloz  G, 

9.  Luc  i,  30. 


1  und  rmserm  hörn. 


Nu  bittent  die  gnAdigen  und  die  guten  vrowen  [81'^}  daz  si  öns  gehelfi 
dar  da  tusent  jar  sint  alz  ain  tag,  alz  der  wissag  spricbet,  daz  ist  in  dem 
hymelrich.    amen. 


[39.]  Von  mauger  band  regele. 

fStephantis  aittem  plenus  gratia  et  foriitudine  faciebat  signa  magna  et  pro-  s 
digia  in  ■populo.] 

'Stephanus  waz  vol    gnaden    und    sterki",    spricht   sant  Lacas    in  Actibus, 
'anil  tet  grüssii  zaichen  an  dem  volke'. 

Hie  an  sont  wir  merken  vier  ding. 

Stephanus    daz    sprichet   ain   regel.      ain    ding  da  bi  man  ain  ander  ding  to 
schephet  und  nach  machet,  daz  haLsset  ain  regula.    nu  ist  zwaiger  band  rege! : 
aine  die  hant  gaislich  löte,  die  andern  hant  weltlich  liite. 

Drü    ding   sint    an    der    regel  da  mit  ällti  dii  weit  begriffen  ist,    daz  ist 
ankünsehkait  des  libes   und  wolnuat  der  ogen  und  hoffart     dis  ist  bezaichent 
ain  regel;   von  der  liset  man  in  der  alten  e:    do  her  Moyses  starb,  do  wart  15 
daz  Volk  bevolhen  bern  Josue,    daz  si  der  volle  fflrti  in  daz  hailig  lant    daz 
in  Go(  [SS'^j  verhaissen    hatte,     und  do   si  uf  der  vart  warent,  do  gebot  in 
unser  herre   daz   si    ain    statt  verdarbtint.    und  do  si  dristunt  dar  umb  gien- 
gent,   do  liess  unser  herre  die  mur  nider   Valien  an  strit  und  giengent  si  in. 
nu    hatte    ünsei-   herre  gebotten    daz    si    nit    uff   sich    nämeut  daz  si  fundent,  20 
und  swer  iht  röbes  uÄme,  daz  man  den  verstaineti.      do  nam  ain  schalk  ain 
giildin  regele,     und  dar  nach  kament  si  zfi  ainer  andren  statt,  die  soltent  si 
och    verderben ,    und   da  wurdent   si    fluhtig.     do   gie   der   wissag    zu    ünsrem 
herren  und  sprach  wie  er  in  so  getan  hetti.     do  sprach    unser  herre:    'üwer 
ainer    hat    lich  verwilrket'.      und  wurfent  si  daz  löss  und  fundent  den  schul-  2S 
digen    hem  Achor.     do  sprach    der   wissag:  'sag  an,    unsälig    man,    toas  hast 
du  getan?'   er  satte   er  hetti   aine  guldine   regele   versfoln.    do  sprach  er:   'tmsa- 

I.  tiittcQt]  SUD  wir  bitUn 
ak  der  —  3  amen]  Also  apr.  d. 
iar  aint  alse  der  tach  der  rirgangen 
i.  Überaehrift  fehlt  G,  Von  Bce  ateplia 
5.  Der  lat.  Text  fehlt  A.  7.  v 
scribit  man  In  de  epistola  Z)  .  va  du 
II.  haisset]  ist  G.        13   damitteistä 

IB.  dnz  israheUehi  volch  G.        1' 
«otA  niment)  dez  G.  21.  do  — 

virata!  G.        23.  do]  ou  G.        21. 
w.]  Do  w.  G.         Knden  sfi  den  G. 


2.  dar]  zfl  der  vro'de  6.        tach  der  zirgangen  ist  G. 
deme  himilschin  lande  ist  di'i  vro'de  also  i^roz  .  daz  da  tüsint 

iBt  (als  ein  tnit  der  Bestem  vergangen  ist  W)  GZ. 

ae  (rot)  Z,  Do  s.  Stephane  ÄrumUl.  Vä  senC  stephäe  Philipp. 

ür  St.]  Distl  wort  sprichit  s.  Lucas  in  der  epistcl  (diaö  wort 

wort  sprechiat  alsuz  G.        fipricht  —  Actibns  felilt  GZ. 
ä.  d.  w.  b.  d.  i.  G.  14.  und  hoffart  —  ist]  vn  diso  regile  G. 

'.  gotte  A.      uert«  do  w.  G.        19.  nider  fehlt  G.        20.  daz 

9cballt|  nn  waz  ain  sehalch  uü  ain  bo'Be  wihl  vnd'  in  .  der 
wie  —  hetti]  herre  wie  hast  da  uns  bo  getan  G.         25.  und 
26.  wa*  —  I  man  fehlt  durch  Somöoteleuton  A. 

2.  Ps.  89,  40:  il.  Pelr.  3.  S.  A.  Die  Predigt  findet  jricA  in  G  Bl.  lO'-;   Z  Bl.l3>  (fehlt 

WH);  H  Nr.  3;  Arumld  Bl.  93';  Philipp.  Bl.  117''.  —  Gedruckt  bei  Waekemagel  S.  532  narJt  G. 
—  Vgl.  daett  oben  S.  10  Predigt  Nr.  4.  5.  Act.  Ö,  8.         14.  I.  Jörn.  3,  ll.         15.  Jos.  1. 

n.  Joa.  6,  SO.         25.  Jos.  7,  aOff. 


110  99.  Von  m&nger  hand  regele. 

lieh  man,  da  hast  uns  betr&bet,  na  betrübe  dich  Qot\  and  nament  und  stain- 
tent  in.  bi  der  regel  ist  bezaichent  we\t[82^ßich  leben;  won  alz  daz  gold 
den  schin  von  im  lat,  also  tut  da  weit,  si  zaiget  schönes  leben,  also  sprichet 
sant  Johannes:   'alles   daz  in  der  weit  ist,    daz  ist  begriffen  mit  flaischlicher 

5  girde  and  wolnast  der  ögen  und  mit  hohfart\  alle  die  in  der  regel  leben t, 
die  wirt  unser  herre  verstainent  an  dem  jüngsten  tage,  disü  regel  hat  ain 
jämerlich  ende,  also  spricht  sant  Johans:  'ällu  du  weit  und  ir  girlichü  woln- 
nust  zergat  jämerlich  mit  bitterkalt". 

Du   ander  regel   ist   ain  regel  gaischlicher  lüte.     dar  an  sint  zwai  ding. 

10  ains  daz  sint  du  gebot  ünsers  herren,  alz  du  zehen  gebot,  der  ist  ain  iek- 
lich  mentsch  schuldig  ze  behaltenn,  es  si  gaischlich  oder  weltlich;  und  swer 
si  nüt  behaltet,  des  wirt  niemer  rät.  daz  ander  ist  der  rat  unsers  herren, 
und  des  underwindent  sich  gaischlich  lüte,  die  in  volkomen  leben  komen  went 
nu    ist   mänger   hande  regel  in  gaischlichem  lebenn,    der  ieklichs  sin  Satzung 

15  [82^]  und  sin  regel  hat.     aber  die  usgenomen  ding  in  ieglichem  gaischlichem 

lebenne    daz    ist    armüt,    künschkait    und   gehorsami.      daz   ist  ain  regel  des 

rates;    und    an   die  möhtint  wir  wol   behalten  werden,   dis  ist  aber  sicherre. 

Man    liset    in    dem    ewangelio  von   aim,    der  gie   zu   ünsrem  herren  und 

sprach:    'maister,    wie    sol    ich    tfin    daz   ich   daz    ewig  leben  gewinne?*     do 

20  sprach  unser  herre:  'du  solt  du  zehen  gebot  behalten  du  in  der  alten  g  ge- 
botten  sint'.  do  sprach  er:  'die  han  ich  von  minen  kintlichen  tagen  behalten 
untz  her',  do  sprach  unser  herre:  'wilt  du  durnähtig  sin,  so  la  alle  din  habe 
und  volge  mir  nach',  daz  waz  ain  regel  des  rates.  die  haut  och  gaischlich 
lüte  an  sich  genomen,  die  sich  alles  zergangkliches  gutes  enzihent  und  ünserm 

25  herren  nach  volgent.  daz  ist  ain  leben  dumähtiges,  sprichet  unser  herre. 
nu  tünt  wir  daz  vil  kume,  won  wir  sint  so  gar  sere  an  der  nature  ge[82^J 
swechet  von  der  ersten  sünde  unser  müter  Even  daz  wir  da  von  so  gerne 
an  uns  ziehent;  und  warent  wir  bliben  alz  wir  in  dem  paradyse  wurdent 
geschaffen,    so  w^rint    ällü   ding    gemaine.     nu  ist  der  lüte  vil  die  arm  sint 

80  aber  also  daz  si  gern  gut  hettint;  die  sint  niht  reht  arm.  unser  herr  sprichet 
in  dem  ewangelio:  'silig  sint  die  die  willeklichen  arm  sint  durch  Got^  also 
daz  si  nihtes  nit  gereut  won  ir  notdurft*. 

1.  betru^^be]  betru'bet  G.  namin  in  vnde  G,  2.  voon  A.  8.  also  t]  ze  geiichir 

wiz  t  G,  lebin  .  vn  dez  libes  wolluBt  G.  5.  w.  der  ögen]  mit  der  o^gen  woUust  G. 

7.  woln/nnst  Ä.  9.  daz  ist  G.  g.  lüte]  gaistlichis  lebinnes  G.  11/*.  und  —  si]  swer  dez  G. 
12  f.  daz  —  des]  Du  andir  regile  ist  ain  regile  dez  rates  .  d^  G.  14.  in]  vndir  G,  15.  die] 
daz  fälschlich  G.  dinch  sint  in  G.  17.  und  fehlt  G.  sicherre]  sichirlich  (7.  19.  tun  —  ge- 
winne] den  ewigen  lip  gewinnen  G,  20.  alten  fMt  G.  21.  minen  —  tagen]  miner  kint- 
halt  G.  22.  du  denne  G.  habe]  gehxbide  G.  24.  an  s.  genomen  fehlt  G.  25.  ain 
dumehtich  1.  G,  26.  gar  fehlt  G.  27.  so  fehlt  G.  28.  went  Äj  wseri  G.  wir  vor  bliben 
fehlt  G.  29.  harte  vil  G.  SO.  aber  also]  sü  sint  abir  also  am  G.  niht  fehlt  A,  32.  ir 
notdorft]  der  no'^tdrüfte  G. 

4.  I.  Joan.  2, 16.         7.  L  Joan.  2y  17.         18.  Matt.  19, 16,         31.  Matt.  5,  3. 


39.   Von  m&nger  hand  regele.  111 

Du  ander  regel  gaischlicher  late  daz  ist  kunschi.  daz  ist  vil  swärer 
denn  daz  ich. an  aigenschaft  bin.  na  merkent  wie:  daz  gfit  ist  us wendig 
mines  libes;  swaz  us wendig  mines  libes  ist,  daz  ist  mir  lihter  ze  lassenn 
denn  daz  in  mir  ist.  daz  ich  konsch  leben  han,  daz  ist  wider  der  nature. 
and  da  von  sprichet  ain  haiige:  'künschlich  leben  in  dem  übe  daz  ist  nit  5 
mentschlich,  es  ist  hymelschlich*.  da  von  sprich  ich  [83'']  \  daz  ich  6ot  du 
ding  gebe  du  in  mir  sint  und  daz  wider  der  natur '  ist,  daz  ist  vil  grösser 
denn  ich  daz  g&t  lan,  won  daz  ist  usserhalb.  daz  aber  ich  und  swer  es 
t&t,  minen  Hb  allweg  kestigen  mit  arbaiten,  dar  umb  daz  min  nature  ver- 
drukert  werde  und  min  kunschi  Got  behalti,  daz  ist  vil  loblicher  denn  daz  lo 
ich  vil  g&tes  lasse;  won  der  mentsch  künde  noch  enmohte  Gotte  kain  ding 
geben  daz  im  so  lieb  wäre  und  sigi  alz  die  kunschi.  und  mugent  daz  dar 
an  merken:  es  enist  enkain  ding  daz  der  mentsch  gelobet  und  enthaisset, 
man  nem  es  ime  wol  ab  und  setze  im  ain  anders  dar  für,  won  allaine  die 
kunschi.  swer  die  gelobt,  dem  mag  es  weder  byschof  noch  bapst  ab  genemen;  15 
behaltet  er  es  nit,  sin  wirt  niemer  rät.  und  da  von  ist  du  kunschi  loblicher 
denne  kain  ander  ding;  und  won  si  loblicher  ist  denn  kain  ander  ding  [83  ^J, 
da  von  ist  si  och  Got  lieber  denn  ander  opher.  und  dar  umb  sol  der 
mentsche  sinen  lib  arbaiten  und  kestigen,   daz  er  künsch  belibe. 

Du  drit  regel  ist  gehorsami.  du  ist  swär  und  noch  swärer  vil  denn  du  20 
kunschi  enkain  ding  mag  sich  der  gehorsami  geliehen,  won  der  wille  ist 
der  obrost  und  der  edlest  der  in  der  sele  ist,  und  enmag  der  mentsche  mit 
nüti  daz  hymelrich  verlieren  noch  gewinnen  won  mit  dem  willen:  und  da 
von  ist  es  du  gröste  tugent,  der  sinen  aignen  willen  uf  git.  swenn  ich  Got 
minen  willen  uf  gib^  so  han  ich  daz  edlost  im  geben  daz  an  mir  ist,  und  25 
da  von   ist   es  aller  gröstes  lones  wert;   won  dem  mentschen  wider  stat  nüt 

1.  g.  lüte]  die  gaiBtliche  lüte  haut  G.  2.  bin]  leben  G.  uBwendig]  uzsiront  G,  4.  ich 
denne  G,  5.  da  von  fehlt  G.  6.  m.  lebin  .  ez  ist  himils  lebin  .  Daz  spr.  ich  denne  G.  7.  mir] 
mime  übe  G.  vil  fMt  G.  8.  denne  daz  ich  gotte  d.  G.  9  /*.  daz  ich  m.  n.  uirdrocke  G.  10.  min 
kunschi]  daz  ich  mich  küschliche  6r.  ist  ain  v.  lobilichir  dinch  G.  11  /*.  wan  du  küschait  ist  so 
wirdich  .  daz  der  mensche  enhain  dinch  gotte  mohti  gegebin  daz  etc.  G.  12.  und  sigi  fehlt  G, 
mugent  ir  G,  13.  ding  —  enthaisset]  mensche  daz  cz  dehain  dinch  gelobet  G.  und  ent- 
haisset fehlt  Z.  14  f.  allaine  —  kunschi]  der  küschichait  G.  15.  die]  diz  G.  habest  noh 
bischof  G,  16.  behaltet  —  und  fehlt  G.  lobilichir  ze  morckmne  6r.  17.  won  si]  dar  umbe 
daz  du  küschichait  G.         denn  —  ding  fehlt  G.  18.  lieber]  amphanclichir  G.         denne  ain 

andir  G.  19.  nach  belibe]  vnde  swer  daz  tut  daz  ist  gro^zir  tugint .  wan  es  ist  ain  vil  swaere  dinch 
zetflnne  .  Also  sprich;  ain  wiso  man  .  £z  ist  vil  m&lich^  daz  der  mensche  siner  nature  widir- 
stande  .  vnde  sine  nature  übirwindet  dar  uffe  lit  groz  Ion  .  sp*chit  er  G.  20.  regile  die  gaistliche 
lüte  hain  daz  ist  g.  G.  20  f  swär  —  gehorsami]  vil  wndir  swsere  .  ez  ist  ain  groz  dinch  daz  der 
mensche  ano  aiginschaft  lebet  .  ez  ist  abir  noh  gro'^zir  .  daz  der  mensche  kusche  si  .  ez  ist  abir 
allir  gröbst  .  daz  der  menschi  gehorsam  si  .  deme  enmach  sich  enhain  dinch  G.  21.  daz  ist  G. 
22.  daz  ediloste  vfi  daz  oberoste  daz  G.  23.  daz  fehlt  G.  gewinnen  noh  virileren  G. 

24.  es  o'ch  G.        sinen]  den  G.         25.  uf  fehlt  G.         26.  nüt]  enhain  dinch  G. 


20.  vgl.  oben  8.  50  Z.  33  ff. 


112 


39.  Von  mänger  band  regele. 


SO  sere  so  daz  es  einen  willen  gehe  in  aines  andern  willen  nnd  sin  selbes 
verlogenn  und  nüt  tüge  won  als  jenes  welle,  der  mentscli  sol  sich  also  gar 
ergeben  daz  er  sinen  willen  an  allen  dingen  lasse  und  sines  obren  willen 
töge.  er  sol  nit  allaine  den  ■willen  lassen,  er  sol  Och  den  sin  des  [83']  willen 
5  lassen,  also  daz  siner  maisterschaft  sin  in  alle  zit  besser  dunki  denn  der  sine, 
und  so  er  ainen  willen  hat  etwaz  gfites  ze  tünne  und  spreche  sin  prior  oder 
sin  bihter:  'du  solt  dins  lan  und  solt  enanders  tun.  daz  dunket  mich  besser': 
du  solt  daz  geloben  daz  dir  daz  besser  si  denne  du  ain  besser  werch  tAtist 
nach   dim  sinne,    und    daz    gi-össer    Ion    druff  lit     entrüwen,    es    ist  aber    vil 

!o  mülicher  ze  tünne.  man  liset  daz  die  wunden  aller  wiret  tünt  an  dem  dritten 
tag.  da  bi  ist  bezaichent  gehorsami,  won  si  ist  daz  dritte  tail  an  gaisch- 
lichem  lebenne.  und  reht  als  die  wunden  aller  wirst  tünt  an  dem  dritten 
tag,  also  smirzet  och  du  gehorsami  aller  serost,  und  machet  der  tiivel  dem 
mentschen    nit   so    swäre,    nnd    ist    öch  von   nature    enkain  ding  so  swäre  so 

15  du  gehorsami.  von  der  gehorsami  spricbet  sant  Augustinus:  'ä&z  ist  rehtö  ge- 
horsami dii  nit  ir  willen  hat;  du  aber  lit  ir  willen  hat,  da  lit  Kitzel  lones 
bi',  won  swaz  der  (83"/  mentsch  gern  tut,  des  ist  er  liht  gehorsam;  daz 
aber  der  mentsch  der  dinge  gehorsam  ist  die  er  ungerne  tut,  und  er  doch 
sinen  willen  dar  zfl  füget  daz  er  es  tut  durch  Got   und  durch  gehorsami,  da 

20  lit  grosser  Ion  uife.  du  gehorsami  ist  ainig  Got  liep.  man  liset  in  der  altun 
e  daz  linser  herre  gebot  dem  kiinig  Säulen  daz  er  ain  laut  verdarbti,  und 
swaz  er  da  fundi,  daz  des  nieman  üt  näme.  do  für  daz  xolk  zu  und  nam 
schönes  vihe  und  gehielt  daz.  und  wart,  des  Samuel  gewar  und  gie  zu  dem 
künig  und  sprach:  'hast  du  getan    daz  dir  Got  gebot?'    'ja',  sprach  er,    'waz 

25  sol  denne  dis  vihe?'  sprach  Samuel,  do  sprach  Saul:  'wir  went  es  ze  aim 
opher  bringen  ünserm  herren'.  do  sprach  Samuel:  'Saul,  waist  du  daz  ünserm 
herren  gehorsami  lieber  ist  denn  daz  opher?'  daz  ist  uns  ain  Urkunde  daz 
du.  gehorsami  Got  aller  liebst  ist,  [84'J  sant  Paulus  sprichet:  'unser  herre 
waz  gehorsam  untz  an  den  tot',    und  wolt«  gerner  sterben    denn  er  ungehor- 

90  sam  wäre,  und  noch  hüt  dis  ta^es  minuet  er  gehorsami  also  sere  daz  er 
sich  niemann  git  won  der  gehorsam  ist;    also  sprichet   sant  Bemhart. 

'Stephanus  waz  vol  der  gnade*,     daz    ist    also    vil    gesprochen    alz   unser 

1.  gebe  —  willen  fehlt  A,  in  aines  andim  willen  gebe  G.        2.  verlogenn ■=  vi rio'ginno  G. 

als  jeneel  ilaz  ain  nndira  O.  der  gaistlictie  mensche  G.  4.  er  soll  Ich  (in  Z)  cnsol  o'ch ,  da- 
I  J'ff«"  Ha»  ziceitfmal  er  eol  o.  G.  5.  also  diu  dich  alliwin  diaer  m.  ain  bezsir  d.  deuno  diu  sin  G. 
I  6.  unde  eo  du  ainon  ain  aide  ainon  willen  best  O.         sin  priori  din  priorin  G,  din  prior  Z. 

L  T.  sin)  din  G.        dins]  diz  G.         8.  dox  solt  du  Ifitirlicbe  gelo'bin  G.        denne  ob  du  G. 

I       10.  mölich  G.         11.  dö  gehonmmi  G.        si]  dfl  G.         12.  reht]  zegolichir  wiz  G.        wirat  tünt] 
r       serost  swem  G,  eerest  swirt  Z.         13.  wninct  öchl  swirt  den  inenschin  G.         15.  von  d.  gchor- 

mini  fehlt  AZ.         16.  dfl  aber  —  hat  fehlt  Z.        17.  bi]  an  G.        2t.  daz  vor  Unser  fthlt  G. 

er  fthlt  A.         22.  er]  man  G.        vok  A.         23.  gicnch  er  zö  G.  26.  du  niht  G.         27.  d(i 

gehorsami  G.        28.  Palue  A.       der  spricbit  G.        29.  der  waz  G.        32.  Daz  andir  wort  sprichj. 

plenns  fplena  Z)  gratia  .  Stephanus  der  waz  vol  gnadon  G.        vil  gesproclirn]  zeuirstainne  G. 


39.   Von  minger  h.ind  regele.  113 

herre  sprichet  in  dem  ewangelio:  'swer  alle  die  weit  dur  mich  lat,  dem 
wil  ich  an  dirre  weit  geben  hundertvaltigen  Ion  und  an  jenr  weit  daz 
hymelriche".  nu  mftlitint  ir  sprechen  wie  dem  wäri;  won  die  liite  die  Got 
dienent,  den  git  er  weder  ere  noch  gfi.t  an  dirre  weit,  er  git  in  nit  won 
nnsälde.  nii  müss  der  aintwedeis  war  sin  oder  nit.  hier  umb  disputierent  5 
die  haiigen  und  die  niaister  und  sprechent  daz  Got  war  habe,  won  sinö 
wort  gevelschet  er  nie.  nu  merkent  wie  daz  ist,  si  sprecbent;  unser 
herre  git  dem  ment/^947schen  tugent,  die  eint  besser  denn  gold  und  edler 
denne  ällü  du  weit,  und  merkent  daz  dar  au:  und  wäri  ain  mentsch  alz  ge- 
waltig daz  ällü  du  weit  under  im  wäre,  mit  dem  allem  mühti  es  hymelrich  lO 
nit  geköfen;  und  du  tugent  die  Got  dem  mentschen  git,  da  mit  koffet  es 
hymelrich.  und  also  ist  der  mentscbe  richer  der  tugend  hat,  denne  ob  er 
aller  weit  gewaltig  wäre,  und  also  hat  unser  herre  war  gesprochen,  wen  er 
git  daz  hymelrich  umb  enkain  ding  won  allain  umb  tugend.  swer  denn  tu- 
gent hat,  der  ist  volle  gnaden.  15 

'Stephanus  waz  vol  eterki'.  daz  ist  also  vit  gesprochen:  swer  die  drie 
reglen  behaltet,  dem  git  unser  herre  tagend,  und  da  nach  sterket  er  in  dar 
an.  swer  nu  die  künschi  behaltet,  der  wirt  Got  aller  nahest,  dia  stat  ge- 
schriben  in  dem  buch  der  wisshait,  daz  der  mentsch  reht  h^Tuelsch  leben 
und  engelsch  hat  daz  hie  uff  ertrich  kunsch  ist,  und  da  von  won  es  ge-  ffl 
maine-s  leben  /84'J  dem  himelschen  leben  hat.  da  von  wirt  es  Gotte  aller  nihst 
sinde.  der  ment-sch  wirt  öch  gesterket  an  willeklicher  armüt,  daz  er  die  vi'Ä- 
lich  treit.  man  sprichet  ain  Sprichwort:  'der  ital  über  daz  velt  gat,  der  gat 
singend',  also  tut  öch  der  willig  armer  mentsch:  der  gat  vrAlich  und  un- 
vorteklich,  won  er  hat  niht  ze  verlierenn.  im  enmag  der  tüvel  enkain  wis  so  £5 
nach  komen  alz  dem  riehen,  won  unser  herre  wil  der  armen  helfer  sin.  also 
sprichet  der  wissag  und  leret:  'herre,   du  bist  ain  vater  und  ain  helfer  der 

1.  die]  dise  G,  die  Z.  1.  an  —  weit  fchH  A.  an  jenr]  scnre  G,  ze  einro  Z.  da» 
ft\H  G.  S.  m&htintl  merckint  O.  sprcchenl  sprechint  G.  4.  an]  in  O.  &.  ein  äax  finsir 
berre  bat  gesprocliin  odir  G.  hier  amb\  Her  vt  G.  6.  Iiabc]  hajge  geeproobin  O.  ßf.  an 
wort  G.         '.  ai]  die  iiaiJigen  snde  die  maistir  G.        daa  önsir  Ö.  S.  besser  —  edler)  törre 

vndo  ho'hir  dorne  alliB  äai  golt  dnz  ie  wart  .  da  uon  aint  a(i  lio'liir  .  vnde  (lio'liir  vndo  fehlt  Z) 
gro'iir  G.  9.  ond  vor  wlri  fehlt  G.  10.  ällfi  —  im]  ez  allir  dir  welle  gcwaltich  G. 

12.  aleo  —  richer]  da  mitte  bewieroiit  8ü  (die  meistere  Z) .  daz  d.  m.  r.  ist  G.        13.  aJlir  der  weite  G. 
also  —  herrol  da  mitte  bezfigon  die  hailigen  daz  ü.  h.  biet  G.        er]  ansir  L're  G.         15.  volle 
j^nndeD]  plenua  gratia  G.  16.  Daz  drite  wort  dsz  ist  fortJtudino  .  daz  epricbit  stercki  .  alae  b. 

lucM  »cribet  .  stephanua  der  waz  vol  stercki  vnde  gnadou  .  rehte  als  ob  er  aprecbi  .  swer  G. 
11  f.  eterket  —  dar  an]  wirt  er  mit  dien  tugindcn  gcsterckit  .  an  dien  drin  regilcn  .  daz  ist  Itü- 
schicbail  .  da  uon  liaet  man  in  libro  aapientic  .  da  atat  also  G.  IS.  nu  feliH  G.  ntebist 

einde  G.  dis  —  20  ist]  vnde  rebte  daz  himilsche  lobin  ,  vnde  daz  cngilscbe  lebin  .  bet  der 

mensche  uffcn  ertriclie  .  der  küacbe  ist  G.        23,  epricbwort  in  der  scrift  G.        der  gal  fehlt  A. 
2^.  öch  fehlt  G.  25.  im]  vnde  der  willicliche  am  ist  demo  G.  wie]  weck  G.  27.  ond 

leret  fehlt  GZ.         berre  —  114, 1  annflt  fehlt  Ä. 


I 


Kl.  Mati.  19, 39.          IB.  Sap.  4. 1  ff.         27.  Pa.  9. 10.  ^| 

Dratwh*  Texte  im  MitteldMn.  X.                                                                                                         8  ^^^ 

-  LI 


lU 


39.  Von  mJLiiger  hand  regele. 


willehlicken  armiit'.     der  meiitsch  der  wirt    öch    geaterket    an    der  gehofsami. 
I        wie    möliti    der   menlsch    ieraer    grösslicher    gesterket    werden    deiine    der    also 
I       demötig  wirt    daz  er  sinen  willen  verwirfet    und    er   ains    andren   willen    tut? 
dem   mentschen   git   unser  herre    ie    me    and    ie    me  tagend  nnd  gnade,     also 
I     5  spriht    sant    Jacob :    'unser   herre    wil    dem    demütigen    mentschen    sin    gnade 
geben    und    wil   sich   krefteklichen    setaen  [84"]   wider    die    holivertigen    lüte'. 
es  aprichet  öch  sant  Paulus  daz  unser  herre  mit  siner  gnade  sterket   dii  de- 
mütigen hertzen  und  verwirfet  dii  hohvertigen. 

'Stepbanua  tet   och  grössü    zaichen    an    dem  volke'.      nu    merkent  wie  du 

10  zaichen    sont   sin.      man  liset    in    dem    ewangelio    daz    unser    herre    sprach  zä 

sinen    jungern:    'in    mim    namen    sont    ir    die    tüvel  vertriben,    ir  sont  nüwe 

zunge  reden,  die  schlangen  sont  ir  uf  haben  und  trinkent  ir  gift,  daz  sol  lich 

nit   schaden,    und    üwer  hende  sont  ir  uff  die  siechen  legen  und  sont   gesunt 

werden',     disii  zaichen    sol  man  gaischlich  verstau    und  sol  su  öch  gaischlich 

16  tfln,  won  sü  sint  vil  nützer  denne  du  liplichen  zaichen.      ain  hailig  sprichet: 

I       'so    du    zaichen    ie    gaischÜcher    sint,    so    sü  ie    besser    sinf.     man    liset  von 

mängem  der  grössü  z&if85"/clie^\i  tet  und  doch  vei'lorn  wart    und  da  von  sint 

dik  du  ofnen  zaichen  schädlich,    daz  unser  herre  hie  vor  in  der  junger  ziten 

grosü   zaichen   tet,    daz    tet    er    dar    umbe    daz  du  cristenhait  gemeret  wurde 

SO  da  mitte;    und    do  warent  zaichen  nutze,      nu  enist  der  zaichen  nit  not;    da 

von  ist  vil  nützer  daz  si  der  mentsche  gaischlichen  an  im  selben  tu, 

Daz  erste  zaichen  ist  daz  wir  den  tüvel  uss  uns  sont  triben.  nu  merkent 
wie.  ir  wissent  wol,  waz  die  ogen  gescheut,  daz  bringent  si  zehant  der  sele 
und  zaigent  es  ir,  daz  öch  si  es  an  seh;  und  swaz  die  oren  gehörent  und 
25  kurtzüch  die  sinne  alle  uswendig  enphahent,  daz  bietent  si  zehant  hin  der 
sele,  daz  öch  si  es  versuche,  und  so  du  sele  denn  enphindet  der  enphindung 
der  sinne  und  die  bewegung  des  libes,  so  wirt  öch  zehant  du  sele  beweget, 
du  sele  und  der  lib  sint  also  wol  sament  daz  sü  zehant  gevoigent.  [Sö'J 
und  so  du  ainhellung  gesehiht,  so  ist  der  tüvel  in  dem  mentschen,  und  füget 
90  denn  mit  sinen  raten  daz  der  menlsch  bekort  wii-t.  so  sol  der  mentsch 
tugentlich  striten    und    sol   Got    an    raffen,     sant  Gregori    sprichet    daz   unser 

1,  annflt  Z,  armöu  ff.  mensche  wirt  G.  an  der  drittun  regilc  .  daz  iat  g.  O.  2.  iemer 
frhlt  ff.  der  a.)  daz  er  a.  ff.  ä.  tflt  .  vfi  sich  also  undir  den  naigct  .  vil  dcinötet  .  daz  er 
rehte  tat  .  ata  er  nie  willen  gewnne  ff.        4.  herre  me  ofl  me  ff.        7.  es  —  Ochj  also  sprichit  G. 

daz  ffhlt  G.       Vnsir  h.  sterckit  m,  b.  g.  daz  demütige  herce  G.        8.  hohuertigen  lüto  G. 
9.  Daz  vierde  wort  scribet  er  .  daz  er  gr.  z.  tet  a.  d.  v.  ff.        du]  disii  ff.        11.  cor  in]  In  no- 
mine meo  demonia  ff.         sont  ir  zifeimal  A.         den  tienil  vz  triben  ff.  12.  nH  die  ff. 
virgift  ff.        14.  Bol  manl  sunt  ir  ff.        sol  süj  sunt  all  ff.          15.  hai/hailig  .4.         IT/*,  eint  — 
BchÄdUcliI  geaehiht  ,  daz  dö  o.  i.  vil  ach.  sint  ff.         19.  grtsü  z.  fehlt  Ä.        20.  und  fehlt  ff. 
not  fehlt  A.        20  f.  da  von]  vQ  ff.        22.  daz  iat  daz  ff.        uns  fehlt  ff.        24.  oa  —  es|  ire  .  dax 
Bi  daz  ff.         25.  alle  awaz  die  u.  ff.        hin  in  der  6.          26.  es]  daz  ff.          27.  die]  der  G. 
bewegt .  nah  dez  libes  bewegnnne  .  wan  ff.        28.  sament]  mit  ain  andir  G.        29.  gehellnnge  ß. 
I                 fftgeiit  A.          30.  bo'sen  rietin  ö. 


5.  Jac  4,  6 


\  Aiuchtull  an  I.  Cor.  1,  37;  Luc.  1,  SS;  I.  Peti:  5,  5. 


.  Marc  16,  tm 


39.  Von  mäDger  band  regele.  115 

herre  etswenne  verhenget  daz  der  mentsch  in  kumber  und  in  not  kumet,  dar 
umbe  daz  er  sich  selbe  werde  erkennend,  wie  reht  krank  er  ist  an  Gottes 
helf,  und  daz  er  denne  6ot  an  rufe  daz  er  in  erhöre  und  im  ze  helfe  kome, 
und  git  im  denne  ze  jungst  daz  hymelrich  und  sich  selben,  in  mänger  wis 
versuchet  der  tüvel  den  mentschen.  etwenn  vert  er  in  den  lip  zwüschant  5 
hut  und  flaisch  und  machet  daz  blüt  haiss  und  tribet  es  im  denne  umb  daz 
hertze,  und  wirt  der  mentsch  denne  zornig,  so  der  mentsch  beginnet  zür- 
nen, so  tribet  er  daz  blüt  umb  die  ogen,  daz  er  rot  wirt.  etswenn  vert  er 
in  den  lip  und  machet  sich  also  swäre  daz  der  mentsch  du  gelider  küm 
uf  gehebet,  und  truket  in  alles  nider  und  wirt  denn  urdrutz/^857zig  zfi  Gottes  lo 
dienste  und  zu  gebette  und  zu  allen  guten  werchen,  und  also  raitzet  er  tra- 
kait  und  so  der  mentsch  mit  dem  tüvel  wirt  besessen  alsuss,  so  werdent 
denn  all  tugent  und  all  die  krefte  der  sele  ital  stonde,  und  aller  guter  werche 
werdent  si  müssig.  also  sprichet  Jeremyas:  *wie  kunt  daz  so  daz  du  statt 
vol  lüt  ist  und  doch  ital  stot?'  nu  möhtint  ir  sprechen:  wie  mag  daz  sin  15 
daz  ain  statt  vol  lüt  si  und  doch  ital  stot?'  daz  beschaid  ich  üch.  swenne 
der  mentsch  alsuss  besessen  ist  mit  dem  tüvel,  so  werdent  alle  die  tugent 
und  die  krefte  der  sele  müssig  stände,  daz  si  nit  werchent,  und  sint  doch  in 
der  sele.  daz  ist  daz  volk  in  der  stat:  die  tugend  in  der  sele.  die  sint  da 
und  sint  ital  guter  werche,  und  stat  du  beschaidenhait  allaine,  und  ist  ir  20 
gesinde  gar  entwichen,  daz  sint  die  tugend,  die  sint  ir  entwichen,  also  das 
si  nit  werchent,  und  erlöschent  also  in  der  sele.  denn  so  sont  wir  daz  /857 
zaichen  began  alz  unser  herre  sin  junger  hiess,  und  sont  den  tüvel  us  triben 
der  uns  besessen  hat,  und  alle  sin  bekorung  mit  gfiten  werchen,  und  sont  die 
tugend  alle  üben  mit  gaischlicher  arbait,  und  sont  wainen  und  betten  und  25 
disciplin  nemen  und  ändrü  gütü  werch  tun,  so  flühet  der  tüvel  von  uns.  als 
sprichet  sant  Jacob:  'wirf  us  den  tüvel,  so  flühet  er  von  dir!* 

Daz    ander   zaichen  ist  daz  sü  nüw  zungen  sont  reden,     daz  geschiht  in 
der   regel   des   rates:    so    redet  der   mentsche    künschü   wort  und   senftü   und 
demfttigü   und   kert   ällü  sinü  wort   ze    bessrung  im  selbun  und  andren  lüten  30 
und  ünserm  herren  ze  lob:  daz   sint  nüw  zungen.     man  liset  von  den  hotten 


1.  kumber  —  not]  not  vnde  in  arbaite  G.        2.  umbe  sprichit  er  G,       3.  röfe  .  vfi  O, 
in  denne  G.  4.  daz  fehlt  (?.         4/*.  in  —  mentschen]  wan  liset  inder  schrift  .  dar  (das  Z)  d' 

tievil  d.  ro.  in  magewiz  uirsAckit  G.  6.  daz  blöt]  den  lip  G,  es  fehlt  G.  7.  so  der  mentsch] 
so  er  denne  G.  8.  umb]  undir  G,  wirt .  also  raizit  der  {richtig  er  Z)  zom  G.  vert  er  o'ch  G. 
10/1  zft  —  allen]  gotte  ze  dienenne  .  vnde  gebettis  .  vfi  allir  tuginde  ufl  allir  Ö,  in  Z  fehlt 
vfi  a.  tuginde.  12.  wirt]  ist  G.  13.  alle  die  t.  G.  sele  werdint  ital  G,  stonde  Ä,  das  n  rot 
durchstrichefi.  14.  werdent]  sint  G.  der  wissage  J.  Quomodo  sedet .  wie  G.  15.  stot]  ist  G. 
m6htint]  merckint  G.  sprechen]  sprechint  6r.  16.  vü  si  doch  G.  daz  b.]  da  b.  G,  18.  sele 
die  werdint  G.  19.  sele  .  vn  wrkit  doh  niht  gutes  .  vn  (vfi  fehlt  Z)  daz  ist  d.  v.  G,  21.  daz] 
da  G.         die  sint  fehlt  G.  22.  werchent]  für  raickint  G.         so  fehlt  G,  26.  ftben]  uf- 

weckin  G.       26.  ft^drü  —  tun]  sun  die  tuginde  ftbin  G.       uns]  dir  G. 

14.  Thren.  i,  L         27.  Joe  4,  7, 

8* 


■'     118  39-   Von  mäiiger  hantl  regele.  ■ 

P     daz  sß  mänger  Uande  zungen  wurdent  reden  do  der  hailig  gäist  äff  sü  kam. 

[      do  sprachent   die   Juden    si  wirint   all    trunken,      do    sprach    sant  Peter:    'es 

enist  nit  also,  wir  wissent  [86°/  wol  w;iz  wir  sagent,  es  ist   nocli  terci  zit '. 

alsnss,  sprich  ich,  geschiht  daz  zaichen  an  uns,  so  wir  alsuss  alle  unser  red 

fi  erniiwren,  daz  wir  denne  Gflttes  lob  sprechint  und  die  Iiit  bessregint. 

Daz  dritte  zaichen  ist  daz  wir  die  schlangen  uf  habint.  wie  daz  si,  daz 
beschaidet  uns  sant  Augustinus  und  glasiert  die  rede,  in  dem  paradyse  da 
du  erst  siind  beschach,  da  warent  drii  ding  die  och  gaischlich  an  dem  menl- 
schen  sint.     der  schlang  waz  ir  ains.     und  wie  der  an  uns  si,  daz  merkent. 

10  ans  ist  ain  nat&r  an  erboru,  daz  haisset  fomes  peccati,  und  enist  des  nieman 
iuig  won  der  von  dem  haiigen  gaist  ist  gerainnet,  alz  unser  vrowe,  disn 
natürlichü  bösshait  ist  uns  so  vast  an  geboren  daz  si  nieman  verdi'uken  mag: 
won  der  mentsch  hat  sich  mit  den  sünden  so  gar  verswechet  und  verböset 
daz  si   gert  böser  ding  und  des  libes  wolnust,    und  gert  des  dik  von  natör- 

Ifi  lieber  krankait  äu  [86*}  des  tüvels  rät.  swenu  es  aber  si  von  des  tüvels 
raten,  daz  sag  ich  dir;  der  tiivel  mag  enkain  mentsch  bös  machen,  er  for- 
mier! e  ain  bilde  in  der  sele,  swie  er  die  sele  besuchen  wil.  und  daz  bilde 
setzet  er  der  sele  für,  daz  si  es  an  sehe;  so  siht  si  es  an  und  aber  an  und 
gedenket  dar   an    denne.      in  tniwen,   si  mag  also  lange    mit    urab  gän    untz 

M  daz  si  kumet  In  bös  girde.  und  der  böseu  girde  mag  si  also  lang  nach 
bengen  daz  es  zfi  dem  willen  kumet,  vil  schiere  mag  es  denne  zu  den  wer- 
chen  komen.  aber  du  biderb  sele.  zehant  so  du  siht  daz  der  tftvel  formieret, 
so  wider  stät  si  im  und  gedenket  an  Got  und  vertribet  den  tüvel.  na  ge- 
schiht   es  öch    daz  du  sele  mänig  form  enphahet    die  ir  der  tüvel  für  setzet, 

J5  nnd  hat  doch  kainen  willen  daz  si  durch  alle  die  weit  iemer  kain  sünde 
welle  tun,  und  gat  doch  mit  den  gedänken  umbe  nutz  es  ze  böser  girde 
kunt.  so  der  tüvel  der  sele  die  form  für  gesetzet  da  mit  er  si  versflehen  wil. 
weder  si  daz  [86 'J  enphahet  oder  nit,  daz  waiss  er  nit;  er  waiss  öch  der 
gedenk  nit.    swenn  aber  du  sele  also  gevolget  daz  si  an  daz  ding  also  lange 

80  gedenket,  daz  ir  der  tCivel  vor  entwirfet  in  der  beschaideuhait ,  daz  si  daz 
also  lang  an  siht  daz  si  da  von  bekort  wii't  und  der  lip  die  bewegung 
enphindet,  so  waiss  es  der  tüvel  denne.  und  so  er  denne  der  bewegung  wirt 
gewar,  so  raitzet  er  si  denne  ie  me  und  ie  me.    in  ain  ander  wis  wirt  der 

1.  mAoger  bände]  manige  G.        2.  all  fehlt  G.        3.  also  f^eaara  G.        6.  s.  äst  ist  daz  0. 
vf  Bon  hehin  G.         8.  de  A,  derae  G.         9.  der  8.  —  und]  Daz  waz  der  slange  ff.  II.  der 

rehte  vun  G.       gaisto  dir  von  ist  ff.       12.  aaste  von  nutüre  G.      nieman  alzogis  ff.       13.  wonl 
vS  G.        sich]  si  also  gar  ff.        so  —  verswechet]  uirschelkit  ff,  virslenkit  Z.        16.  rate  ff. 
enkain  —  machon]  enhainem  m.  bo'se  gedanche  gegeWn  ff.  17.  e  fehlt  ff.        in  der  gehugide 

der  sele  ff.  boeüchen]  uirsSckin  ff,  vereßcliin  Z.  18.  vn  siht  ez  abir  an  ff.  19.  an] 

nnh  G.        20.  und  fMt  ff.         22.  so]  alse  ff.        tienÜ  daz  bilde  f.  ff.  26.  gedSnken]  gnade 

rot  liurehgtrichfTi.  am  Rande  gedenken  mit  Verweiauttgsieichen  Ä.        2T.  kunt  rn  wirt  so  A. 
28.  si)  du  sele  G.        32.  enpliindet]  enphat  ff,        33.  ie  me  vfi  me  ff.        wirt  o'eh  der  G. 


I.  Act.  3,  Iff. 


i 


39.  Von  minger  hand  regele. 


117 


mentsch  bekort  von  sin  selbes  bosliait.  daz  gescliiht  von  der  nature  du  da 
huL^et  fomes  peccati,  die  nature  gelichet  saut  Augastinus  dem  sdilaiigen  der 
daz  wip  verriet  in  dem  paradyse.  nu  sint  zwo  girde  iu  der  sele:  der  ist 
aiiiä  uider  keret  zu  dem  ertrieh,  und  dii  g«rt  irdesclier  ding;  dii  ander  ist 
uf  gekeret,  daz  si  Got  schowe.  nu  raitzet  der  sclilange  die  under  girde  daz  6 
si  die  Sünde  tügi;  und  so  du  girde  den  rät  euphahet  von  dem  schlangen,  so 
ist  Eva  da  von  worden,  und  wirt  denne  dii  girde  dii  [80''/  da  Even  be- 
zaichent,  von  dem  rate,  und  so  si  also  beweget  wirt,  so  bütet  si  denne  die 
girde  die  si  hat,  der  obren  girde,  daz  ist  Adam,  und  siindet  er  denne  mit 
ir.  und  so  denne  die  zwo  girda  also  enander  geliellent,  so  geschiht  du  10 
Sünde,  alsuss  glöset  sant  Augustinus  dise  rede  und  glichet  die  natureklich 
krankait  dem  schlangen,  und  die  undren  girde  glichet  er  vr5n  Even  und  die 
obren  hern  Adam,  nu  sont  ir  wissen,  daz  du  under  girde  stille  stät,  also 
daz  si  nit  beweget  wirt  von  dem  schlangen,  so  enwirt  uns  der  rat  nit 
der  angebornen  sünden;  swenn  aber  si  wirt  beweget,  so  mag  es  niemer  I6 
gesin,  die  ober  iiaige  sich  her  nider  und  gehellent  enander.  nu  merkent  wie: 
so  du  sunne  schiunet  in  daz  wasser,  alle  die  wile  so  daz  wasser  stille  stät, 
so  stät  öch  der  sunnen  scliin  stille  der  uff  daz  wasser  schiunet.  als  schier 
so  der  undertail  beweget  wirt,  daz  ist  daz  wasser,  so  beweget  ze{8?°Jba.nt 
daz  wasser  den  schin  der  sunnen.  reht  ze  glicher  wis  geschiht  den  zwain  20 
girden:  alle  die  wile  daz  der  under  stille  stät,  so  stät  öch  der  ober  stille; 
und  so  du  under  begirde  beweget  wirt,  so  wirt  öch  du  ober  beweget,  du 
natürlich  krankait,  du  disen  rät  git  und  alle  zit  den  mentschen  raitzet  uff 
die  Sünde,  daz  ist  der  schlänge  den  wir  ui'  sont  beben,  als  unser  Iierre  spri- 
chet.  dis  zaichen  sont  wir  began  au  uns  selben:  so  wir  gewar  werdent  daz  25 
uns  du  nature  zfi  sünden  raitzet  und  uns  linser  girde  bewegen  wil,  so  sout 
wir  vast  slän  wider  der  girde  und  sont  daz  herze  und  die  girde  uf  heben 
ze  Got  und  sont  uns  bekftinberren  mit  guten  werchen  und  mit  guter  andaht. 
also  sont  wir  die  schlangen  uf  haben. 

Daz  vierde    zaicben  ist:    'trinkent  ir   vergiftes,    daz  sol  uch  nit  schaden'.  3o 
unser  herre  sprichet  in  dem  ewangelio:  "daz  liymehiche  ist  f87']  glich  aine 

1.  bin  frhit  A.  4.  gekerit  G.  imd  fehlt  G.  7,  worden]  bewogt  worden?  (Panier),  wor- 
den .  du  o'ch  in  deme  paradyso  den  rat  enphtc  von  deme  elangen  vn  G.        8.  denne]  zehant  G, 

10.  denne  fehlt  G.  13.  obimn  girde  h.  G.  mich  Aduni]  Ku  hat  er  geBait  ivie  ous  den 
rat  enphat  .  von  deme  stangen  .  vn  bütet  denne  den  rat  iidame  .  daz  ist  du  obir  girde  unde 
BÜndont  denne  G.        daz]  alle  die  wile  daz  G.         15.  si]  dö  undir  girde  G.  16.  gesin]  wer- 

din  G.  la.  Bo  abir  der  ff.        21.  der  under]  dfl  undir  girde  G.        der  ober]  du  obir  giide  G. 

22.  nnd  —  ober  beweget]  wan  die  undimn  girde  geiichit  er  demo  wazaire  ,  vnde  die  obirun 
girde  der  Bonnensehine  .  Unde  also  der  »unnnn  Bchin  bewogunge  enphat  von  deme  wazsir  .  also 
wirt  dfi  obire  girde  geraizit  vn  bewegit  von  der  undrun  G.  24  f.  Bpricliit  .  daz  wir  zachin  aun 
Tun  .  daz  wir  in  simc  namin  die  alangin  Bun  <f  licbin  G.  25.  dia]  daz  G.  26.  nmer  fehlt  A. 
i'f  hebin  G.        SO.  z.  daz  ist  G.        91.  ewangelio  .  Simile  eet  regniun  celorum  Bagone  G. 


^^KSI.  Matt. 


118  39.  Von  m&nger  hand  regele. 

segi,  die  man  in  daz  mer  senket*,  ir  wissent  wol:  so  ain.  vischer  sin  netz 
in  daz  mer  wirfet,  so  zühet  er  bös  und  gät  nnd  alles  daz  im  kumet.  so  er 
es  denne  nsgezühet  an  daz  Stade,  so  liset  er  die  bösen  von  den  guten  und 
gehaltet  die  gfiten.     also   sol   daz  mentsclie  tun:    so  es  sin  hertz  gewirfet  in 

5  die  weit,  da  yahet  es  übel  und  g&t  und  gedenket  an  die  upkait  der  weite 
und  bevahet  mit  sinen  gedänken  mänig  unsälikait,  die  in  der  weit  ist;  so  sol 
der  mentsch  ziehen  denn  an  daz  stad,  daz  ist  an  sin  haimlich  gebet,  und 
sol  da  schaiden  daz  gfit  von  dem  äbeln  und  sol  die  weit  und  alle  uppekait 
US  werfen  und  sol  gedenken  daz  es  alles  ist  ain  tot  der  sele.    und  alz  unser 

10  herre  sprichet:  'trinkent  ir  vergift,  daz  sol  üch  nüt  schaden*,  der  sei  vergift 
ist  nit  anders  won  da  weit  und  alles  daz  du  weite  begrifen  mag,  daz  trinket 
du  sele.  und  ist  du  vergift  also  daz  si  dran  gedenket,  daz  ensol  ir  nit 
werren,  /877  won  si  sol  us  zehant  schaiden  daz  böse  von  dem  g&ten  und 
sol  ir  nit  lan  werren,  so  wirt  och  daz  zaichen  volbraht. 

15  Daz   fünfte   zaichen  ist   daz  si  ir    hende  uf  die  siechen  sont  legen,    daz 

si  gesunt  sont  werden,  so  der  mentsch  beginnet  tragen  an  Gottes  dienste,  so 
ist  er  siech:  so  sol  dis  zaichen  an  im  sin  und  geschehen;  so  sont  wir  die 
hende  uff  si  legen,  daz  ist  also  daz  wir  gütü  werch  sont  üben,  und  sont  da 
mitte  die  bösen  trakait  weken.     sant  Bernhart  sprichet:  Mr  wissent  wol  daz 

20  der  gebure  hert  ädren  hat  von  der  gewonhait  daz  er  mit  arbaiten  ist  ge- 
zogen, da  von  mag  er  vil  arbaiten.  länt  ir  in  aber  gerfiwen,  daz  er  sin  selbes 
empfindet,  so  wirt  er  also  träge  als  ain  ander  mentsch.  ze  glicher  wis  ist 
es  umb  den  mentschen.  der  sich  selber  guter  arbait  und  gutes  lebens  went, 
der  mag  wunder  gearbaiten;    aber  den  zarten  lüten,  die  sich  verzertent,    den 

26  geschiht  alz  dem  geburen:  so  der  beginnet  rfiwen,  /877  so  wirt  er  ie  träger 
und  ie  träger*,  so  sont  wir  denn  dis  zaichen  an  uns  began  und  sont  uns 
twingen  zft  gfiten  werchen;  dar  nach  gat  du  Übung,  daz  der  mentsch  gütü 
werch  üben  sol;  und  nach  der  Übung  gät  der  wille,  daz  der  mentsch  mit 
willen  gütü  werch  tun  sol.     so  ist  denne  daz  zaichen  vollebraht  und  ist  der 

30  siech  gesunt  worden,  daz  ist  der  wille. 


2.  ime  drin  k  vti  so  G.         so  «es«  er  A.  8.  denne  fehlt  G.         daz  bo*se  von  deme 

g.  G.         4.  daz  gute  G.       also]  ze  geUchir  wiz  G.         6.  sime  gedanche  G.        7.  Az  ziehin  G, 

haimlich]  hailich  G.  8.  alle  ir  n.  G.  11.  mag]  het  G.  18.  bftse]  übile  G, 

16.  sont  fehlt  G,  17.  sin  und  fehlt  G.  20.  ädren]  andir  art  G.  vtl  von  G,  20  f.  ge- 
zogen] irzogin  G.  21.  vil  arbaiten]  wndir  arbait  irliden  G,  ir  fehlt  G.  24.  die  zartin 
Idte  G,      sich]  ir  lip  G.       25.  der]  er  G.       26.  an  uns  seibin  b.  G.       27.  m.  vlizicliche  gfttö  G. 

29.  tön  sol]  tut  G,         denne  fehlt  G.         30.  wille  .  den  willen  het  denne  der  mensche  ir- 
weckit  mit  flbunge  gütir  werche  .  so  ist  daz  zachin  geschehin  G. 


40.  Von  der  erwellang  dez  mentschen.  119 

[40.]  Ton  der  erwellnng  dez  mentschen. 

[Elegit  eam  deus  et  preelegit  eam  et  in  tabemaculo  äuo  habitare  eam  facitj 

*Got    hat  si  erwellet    und    für  weit    und    hat   si   gemachet  wandlend   in 
sim  gezelt'. 

Diso  wort  sint  gesprochen   zft  aim    ieglichen   sälgen  mentschen,  und  sint  5 
dru   ding  dar  an  ze  merkenne.    daz  erst  ist  du  erwellung;  daz  ander  ist  du 
für  erwellung;  daz  dritte  du  Wandlung  in  dem  gezelt. 

Nu  möhtest  du  sprechen:  'war  an  sol  ich  daz  merken  daz  ich  erweit 
bin?'  des  wil  ich  dir  urkünd  geben  an  drin  dingen,  daz  erst  ist  daz  du 
lassest  allen  zart  und  kintlich  [88"]  sitten  und  alles  gemach  des  libes  und  lo 
der  weite  vröde;  won  du  weit  ist  glich  ainer  vrowen.  von  der  liset  man  in 
der  altun  e,  du  hiess  Jesabel,  und  enhatt  nit  natürlicher  schöni.  si  zierte 
sich  aber  mit  varwe  und  zoh  die  lüte  an  sich,  nu  füget  es  sich  also  daz 
der  wissag  Helyas  ir  hulde  verlos,  do  wolt  si  im  den  lip  haissen  nemen, 
do  floh  er  gar  sere,  daz  er  vil  müde  wart,  und  entran  in  ain  statt,  hiess  15 
Bersabee,  und  lie  sinen  kneht  da,  und  floh  er  in  die  wüsti  und  behielt  sich 
ainen  tag  da.  hie  bi  ist  du  weit  bezaichent.  ze  glicher  wis  alz  du  küngin 
Jesabel  die  lüt  an  sich  zoh  mit  gemähter  schöni,  also  tut  och  du  weit,  du 
hat  nüt  natürlicher  schöni,  si  strichet  aber  välsch  schöni  an,  daz  ist  zergank- 
lich  schöni  und  vröde  und  hohfart,  des  libes  gemach,  gut  und  ere.  und  alle  20 
die  uppekait  du  in  der  weit  ist,  daz  ist  nit  anders  won  ain  vArwlin  daz 
hüt  ist  [88  ^J  und  mom  nit.  mit  den  dingen  zühet  si  die  lüt  an  sich,  und 
swer  ir  nit  volget,  der  verlüret  ir  huldi;  wider  den  setzet  si  sich,  und  flühet 
er  nit,  si  nimet  im  daz  ewig  leben,  so  sol  der  mentsch  tun  als  Helyas  tet, 
und  fliehen  zu  Bersabee.  Helyas  daz  spricht  'Gottes  helfer*.  und  sweles  25 
mentsch  der  weit  entrinnet,  daz  ist  Gottes  helfer.  also  sprichet  sant  Paulus: 
*wir  sont  ällü  ünsers  herren  helfer  sin  und  sont  im  mit  ünsrem  leben  alle 
helfen  voilebringen  daz  tugentlich  leben  daz  er  uns  vor  getragen  hat',     waz 


1.  Die  Überschrift  fehlt  GWNArundel,  Dise  wort  hörent  einö  legelichö  gute  mschs  an 
(rot)  Z,  Ite  van  den  iuffrawen  Phill.         2.  Der  lat.  Text  fehlt  A.         3/1  Got  —  gezelt  fehlt  G, 

5  f.  und  —  dingl  drä  dinch  sint  G,         6.  ist  d.  erweUung]  du  bist  irwelt  G.        du  fehlt  A. 

6/1  ist  d.  für  erwellung]  du  bist  für  irwelt  G.  7.  du  —  gezelt]  du  solt  sin  in  deme  got- 
lichin  gezelte  G.  8.  Nu  liebü  iuncvro'we  nu  m.  GZ,  10.  aUiz  daz  gemach  G.  12.  der 
altun  e]  libro  regum  G,  12  f  vn  zierte  si  sich  mit  v.  G.  U.  der  fehlt  G.  do]  vnde  G; 
ebenso  15.        15.  in]  an  G.       du  hiez  G.        16.  floh]  lüf  G.        18.  öch  fehlt  G.        19.  an]  vf  G. 

22.  vfii  mit  G,        die  lüt]  alle  die  weit  G.  28.  na  uolget  G.         deme  G.  24.  er  si 

niht  G,        25.  vfS  sol  si  vlichin  G.       H.  daz  spr.  mines  gottes  helfsere  G. 


1.  Die  Fredigt  findet  sich  in  G  Bl  15^;  ZB1.18<';  W El  30%-  N  Bl.  32'';  Arundel  El  97^; 
PÄtö.  BL  22A^;  B  Nr.  4.  —  Gedruckt  nach  G  bei  Wackemagel  S,  531.        2.  ist  einem  Versikel  und 
Besponsariutn  aus  dem  Commune  Virginum  des  Bremers  entnommen.        12  f.  HL  Reg.  19,  3  ff. 
27.  n.  Cor.  4, 10  ff.;  Phil,  i,  20. 


'  X20 


40.  Von  der  orwellui 


k 


* 


tet  Helyas  aber?  er  floh  ze  Bei-sabe,  daz  sprichet  'der  brunne  saften'  und 
bezaichent  ain  ieklichs  gaischliches  leben,  dar  sol  der  mentsch  fliehen  und  sol 
sich  da  sarten  mit  lügenden  und  mit  guten  wercben.  man  liset  von  ainer 
bände  bern,  die  hant  die  nature,  so  man  sü  zem  ersten  druket,  so  gebent  sli 

5  sures  trank  und  dar  nach  süsses  und  dar  nach  getetnpertz,  mit  den  bereo 
sol  sich  der  mentsthe  trenken,  so  er  zö  galsch/SSVlichem  lebenn  kunt.  er 
sol  zem  ersten  gedenken  an  die  bitren  sünde,  wie  dik  er  Got  sere  erzürnet 
hat,  und  sol  im  daz  inneküch  laid  sin,  und  soi  ain  bitterkalt  dar  umb  han 
in  sim  herzen,     sant  Paulus  spricht:   'so  ich  gedenk    an  min    altes  leben,    so 

)  ist  es  mir  so  bitter  daz  ich  es  ze  ruggen  wirf  und  ker  mich  zu  dem  gegen- 
wili'tigen  lebenne'.  also  sol  der  mentsch  trinken  daz  bitter  trank,  zu  dem 
andren  male  solt  du  gedenken  an  ünsers  Aeiren  gute  und  an  sine  tugend» 
und  an  sine  suzekait  und  solt  mit  Qoüe  suzekliek  getrenket  werden,  eu  dem 
driten  male    solt    du  dich  vesteklich    und  tugeutlich  haben    zu  der  regel  und 

i  zfi  der  Satzung  und  solt  den  orden  vesteklich  und  flisseklich  behalten  mit 
beschaidenhaJt;  daz  ist  daz  getempert  trank,  daz  der  mentsch  weder  ze  iätzel 
noch  ze  vil  tu.  waz  tet  Helyas  rae?  in  truwen  er  lie  sinen  kneht  da  ze^ 
Bersabee  und  für  in  die  wüsti  und  enthielt  sich  da  ainen  tag.  bi  der  wüsti 
ist  bezaichent  daz  hymelrich,  dar  sol  der  mensche  varen  von  dem  gaiscbiichen 

)  lebenn  und  sinen  lip,  daz  ist  der  kneht,  da  lassen,  bi  dem  aingen  tage  [88"/ 
ist  bezaichent  der  ewig  tag,  der  da  niemer  verendet,  also  sol  der  mentsche 
zem  erst  lassen  all  kintlich  sitten ;  Qar  nach  sol  er  zfi  gaischlichem  lebenn 
varen:  daz  sint  zwai  Urkunde  daz  du  erweit  bist,  daz  drit  ist  daz  du  ünsers 
herren  gebot   flisseklich    behaltist,    won    daz    ist   ain    ieglich  mentsch  schuldig. 

i  man  liset  von  aim  jungling,  der  kam  zu  önsrem  herren  und  fraget  in  wie 
er  daz  hymelrich  möht  gewinnen,  do  sach  unser  herre  daz  im  ernst  wai, 
und  minnet  in  und  sprach :  'du  solt  du  gebot  behalten  du  in  der  e  gebottfiü' 
sinf.  da  bi  merkent  wir  daz  ain  ieglich  mentsch  der  gebot  schuldig  ist  zt 
behalteune.     und  der  gaischlich  sol  nit  allaine  du  gebot  behalten,  er  sol  ödt^ 

j  sin   regel    und    sin    Satzung   behalten  und  ällü  ding  die  im  sin  orden  gebötet 


I 

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rs 

1 


getempemi  z 


1.  Bci-sabee  bcraabco  daz  spr.  G.      euiten  A,  aecü  GWZ.        \f.  und  beiaiclient]  Ain  branne 
setti  daz  ist  G.        a.  saiten  Ä,  eatton  GWZ.        4.  hant  die]  eint  d'  G.        5.  nnd  dar  uadi 
;e  domo  driton  male  getempirt  traiich  G.       7.  scre)  gio'zlicho  G.       9.  in  aim]  Imme  Ö. 
10.  kere  ich  mich  0.         12.  solt  —  14  malo  fehlt  Ä  durch  Sotnöoteleulon. 
13.  Bol  G.        14.  m\  w.  atch  G.        13.  den]  einen  G.        vesteklich  u.  flisBckliebl  vlizicliche  vs 
Btsatieliche  G.         IS.  ffir  er  iu  G.        cnthieltl  bcbicit  G.         19.  menacbe  fthU  A.        20.  ainen  — 
kneht]  sol  ainen  kneht  den  lip  G.  21.  da  —  verendet]  genimct  niemir  ende  G.  22.  n  .J 

moret  A.        dar  nach]  ze  dcmo  andirn  male  G.        23.  Voscm  ^1.         24.  gebot  fehlt  A.        36.  er  1 
himilricb  aulti  G.  26/".  unser  —  sprach]  in  unar  herre  an  .  Tn  sah  daz  ime  bo  emist  wa*  du 

alle  sino  adiran  brunncn  .  \n  do  minnote  in  vnair  herre  vO  spr.  zime  G.       29.  gaistliche  menftche  O. 
3U.  ellä  du  dinch  G.        urdin  vn  sin  maiBtirachaft  ff. 


1,  Beraabce  wird  geicöhnliek  erklärt  als  'JBrwinen  der  »ieben,   nämlidi  der  stehen  Lämmer'; 
'Brunnen  de»  Bundesopfers,  des  Eidschwures',  während  O  hier  der  Ühersetmng  der  Vulgata 
(Gen.  36,  33).         9,  FhH.  3, 13.         25.  Matt.  19, 16f.;  vgl.  oben  S.  110  Z.  18  f. 


Aodrt^H 


40.  VoD  der  erwelluag  dea  mentachen. 


121 


und  sin  gehorsami.     und  sol  joch  nüt  allaiue  der  ding  gehorsam  sin  du  man  I 

in  haissei,  [89"}  er  sol  joch  sich  och  fliasen  aller  der  ding  die  siner  maister-  I 

Schaft  liep  sint.     sant  Paulns  spricht  daz  unser  herre  gehorsam  waz  nntz  an  1 

den    tot    des    crützes ;    er  wolte    gerner    den    tot    liden    denn    er    ungehorsam  I 

wurdi.      dar  über  spricht  sant  Bernhart :    'sit  daz  unser  lierre  gehorsam  waz  5    ' 

nutz    an    den    tot,    swer  im  denn  nit  nach  volget  mit  rehter  gehorsami,    der  J 

enwirt    Och    iiiemer    tailhaft    siner  gehorsam]',      alsuss  sol  ünsrem  herren  der  I 

mentsch  nach  volgen  und  sol  frü  und  spät  berait  sin  zii  der  gehorsami.    der  1 

wissag    sprichet:    'ich    wil    frö    und    spät    stän    und  warten  waz    dinü   gebot  I 

sigint,  daz  ich  dim  willen  nach  volge  und  in  behalte',    also  sol  der  mentsche  10  j 

sprechen:    'ich  wil  stau    frü    und    spate,    und  wil  warten    waz  miner  maister-  | 

scheft  wille  si,  daz  ich  daz  bebalte  dur  die  miune  die  ich  ze  Got  han'.    unser  I 

herre    sprichet   in    der   minne    buch:    'ich    such  die  die  mich  minnent  frü,  ob  ] 

ich    si  vinde   [89'}   an    guten  werchen,    an    dem    gehette    oder  an  gehorsami:  I 

und    die    ich    denne  vinde,    die  wil   ich    trösten  und  wil  bi  in  sin',      sweler  uJ 

mentsch   na  disü  drü  ding  an  im  vindet,   daz  sol  im  aiu  urkünd  sin  daz  er  J 

erweit  si.  I 

Daz    ander    ist    ain    für  erwellung;    daz   ist    also  vil    als    ain  bestätnange  I 

der  erwellung.    daz  du  aber  entstandist  ob  du  für  erweit  sigist,  des  gib  ich  1 

dir    ain    ui'künde    an    drin    dingen,      daz  erst  ist  aiu  unbeschowung :    daz  du  20  j 

dich  umbsehist    wie    du    din  hertz  und  AUu  dinü  werch  vindist;  und  nim  war  ] 

waz  Gottes  galste  in  dir  rede,    der  wissag  sprichet:   'ich   wil  mich   umbsehen  I 

und  wil   hören  waz  Got    rede   zu  miner  sele,    und  warten  wenne  mir  Gottes  | 

gaist  kome'.     sant  Paulus  sprichet:   'alle  die  Gottes  gaist  nit  haut,    die  sint  I 

von  im  geschaiden'.      also  sol  der  mentsch    war  nemen    wa  der    gut  Got  her  25  I 

komi.      nu    sprichet    der  wissag:    'unser    herre    kumet    nit   von    Ursprung  der  1 

sunnen'.    bi  dem  [S9'J  Ursprung  der  sunnen  ist  bezaichent  franstmütkait.    dem  1 

alles    sin    ding    nach    sinem  willen  gat  und  nach  wünsch,    den  eukunt  unser  1 

herre    nit;    es  wäre    ain    tugenthaft   hertze,  daz  Got  dar  inne  erkanti    so  im  I 

1.  und  Bin  gehorsami  fehll  G.       allaine  fMt  G.       2.  du  soit  dich  o'cli  G.       diner  G.       S.  vor  I 

saut]  Sancte  Bemhart  sprithit  ain  wort  fibir  .  a.  Paiilua  wort  G.        daz  —  waa]  vnsir  h.  waz  g.  G.  J 

*.  et  wolte]  in  woltc  G.        5.  wurdi]  wiere  G.       fiberl  umbo  G.       sit  —  waz]  Vnsir  h.  waz  g.  G.  I 

6.  vn  swor  G.        denn  fehlt  G.        T.  enwirt  -  tailbaftl  sol  niemir  t  wetdia  G,        S.  zu  der)  I 

ze  6.      9.  icb  —  warten]  Mano  astabo  .  Ich  wil  stan  vrflg-p  ^n  wil  warten  G.       10.  dim  —  in]  dinen  I 

willen  G.          11.  wil  fr.  u.  sp.  stan  G.          13,  der  —  frfl]  deme  ewangelio  .  Alle  die  mich  min-  1 

noDt  die  wil  ich  vrüge  afichin  Ivrfige  eehin  vs  säcbin  Z)  G.        14.  an  der  gehorBomi  vn  an  ondireo  I 

gatea  werckin  G.          15.  die  wil  —  sia]  mit  dien  wil  ich  ein  .  vn  wil  an  tro'sten  G.         16.  na  1 

disQ;  dii  G,          18.  ewellung  A.          19   aigiatj  bist  G.         22.  t'orich!  Audiam  quid  loquatur  G.  J 

2ä.  vn  wil  warten  G.         24.  alle  die  die  G.           26.  vm-  tiiiaer]  nüt  ab  Oriente  ncque  ab  oc-  j 

cidente  neqne  a  doecrtiB  montibus  G,  nüt  ab  Oriente  noch  von  ab  occidente  neque  a.  d.  m.  Z.  1 
uon  deme  G.          2T.  der  aiinnen]  dez  brunnen  falgch  G,  der  sdnden  bddemiü  Z.         28.  dcme  G. 
29.  ain  vil  tuginthaft  G, 

S,  Fhü.  2,  8.  9.  Ps.  5,  5.  13.  Catit  3, 1.  4  in  Verbindung  mit  Marc.  13,  35  ff. 

22.  ft.  84, 9.         24.  Som.  8, 9.          26.  Ps.  74,  7.  ' 


i 


122  40.  Von  der  erwellnng  des  mentschen. 

alles  sin  ding  nach  sinem  willen  giengL  bi  der  sannen  under^an^e  ist  be- 
zaichent  betrftbsalli  und  widermüt.  da  enkumet  och  unser  herre  nit,  won  das 
betrübte  hertze  ist  glich  dem  trüben  wasser,  daz  ergossen  ist  dar  in  wirfet 
der  vischer    sin    netze    und  vahet  vil    grosser  vische;    und   so   daz  wetter  ie 

5  sterker  ist,  so  es  im  ie  baz  gät.  zu  glicher  wis  tut  der  tüvel:  als  er  siht 
daz  der  mentsch  ist  betrübet,  so  wirfet  er  sin  netz  in,  daz  ist  sin  rät  und 
sin  raitzen,  und  vahet  vil  mängen  grossen  visch,  daz  ist  daz  er  dem  ment- 
schen benimet  mängen  andaht  und  mänig  pater  noster  und  mänig  tugentlich 
werch,  du  der  mentsch  täti   ob  es   an  trübnust  wäri.     und  so  du  betrübsalli 

10  ie  grösser  ist,  so  /<957  der  tüvel  ie  me  gevischet.  unser  herre  kumet  och 
nit  von  den  wüsten  bergen,  daz  ist  von  den  wüsten  hertzen  und  unberaiten. 
es  sint  etlich  lüte,  die  haut  so  wüstü  hertzen  und  so  krümbü  daz  sü  sich 
nit  kunnent  gefügen  zu  der  gnade,  den  kunt  unser  herre  nit,  sprichet  der 
wissag.    wannan  kumet  denne  unser  herre?   er  kunt  von  den  warmen  landen. 

15  da  liset  man  in  Deutronomio:  'er  kumet  von  dem  haiigen  berg',  der  da  ge- 
tailt  ist,  daz  ist  von  dem  hymelriche,  zu  dem  rainnen  hertzen,  daz  sin  kürtz- 
wile  sucht  uff  dem  hymelschen  berge  und  daz  ^ä  hat  getaillet  von  den 
irdenschen  dingeu,  dem  kunt  och  unser  herre.  daz  ander  ist  ain  Wartung,  in 
Thobya    liset    man  von  ainer  vrowen,  hiess  Anna^    du  sass  uff   ainem  hohen 

20  berge  und  lüget  wenne  ir  sun  käme,  bi  vro  Annun  ist  bezaichent  ain  ieg- 
licher  sälger  mentsche  der  ünsern  herren  gebirt.  der.  mentsch  sol  sitzen  uff 
/dOy  aim  hohen  berg,  daz  ist  daz  raine  hertze,  daz  sich  erhöhet  hat  van  aller 
der  weit,  daz  mentsch  sol  sitzen  uff  sim  hertzen  mit  gedänken  und  sol  sehen 
wa  Jhesus  Christus  her  kome.    daz  sprichet  ain  wiser  man  an  ünsers  herren 

25  statt:  'sälger  mentsche,  ich  bin  din  kint^  wan  du  gebii-st  mich  gaischlich  in 
dim   hertzen    und   in  diner  sele'.      daz  dritt  ist  ain  vorgesmakung.      da  von 

1.  sinem  fehlt  G.  vnd^  am  Ende  der  Zeiie  A,  2.  öch  fMt  G,  in  das  ist  das  s 

später  eingeschoben  Ä*  3.  betrvbtes  Äj  trAbe  G,  7.  raizonge  G.  8.  andaht  n.  m&nig]  an- 
daht gute  yn  G.  9.  trAbnust]  betr&psali  G.  10.  unser  herre]  Der  wissage  sprichit  .  daz 
iinsir  herre  o^cb  niht  kumit  deme  betrAbiten  menschin  .  Er  G.  11.  daz  —  nnberaiten]  da  bi 
sint  bezaichinot  du  wüsten  herein  G.  12.  hant  also  w.  G.  krombü  herccn  G,  13.  kumit 
o'^ch  G.  14.  denne  fehlt  G,  deme  w.  lande  G.  15.  da  liset]  Dens  ab  austro  neniet  .  Daz 
liset  G.  Deüt"mio  Ä.  er]  £z  kumit  von  pho^nnvn  (fenon  Z)  vnde  G,  16.  daz  ist  —  hertzen] 
Bi  der  pho^nnun  (fonin  W)  ist  bezaichint  daz  herce  daz  der  minne  vil  het  .  Du  fo^nne  (fena  Z)  ist 
warn  vti  bringit  den  regin  .  ze  gelichir  wiz  ist  o^ch  daz  herce  warn  .  daz  der  minne  vol  ist  .  vfi 
du  minne  bringet  gerne  den  sftzin  regin  .  daz  ist  der  sflze  andaht  un  die  vmhtbseren  trehine  (ge- 
danche  W)  .  ze  deme  kumit  unsir  h^  daz  von  der  minne  warn  ist  .  daz  ist  daz  warme  lant  Er 
kumit  o'^ch  ze  deme  hailigen  berge  .  der  getailit  ist  .  da  bi  ist  bezaichinot  daz  raine  herce  G  WZ 
si  A.  17.  sich  fehlt  A.  den]  allen  G.  18.  dem]  dien  G.  19.  du  hiez  G,  21.  der 
mentsch]  daz  G,  22.  von  G,  fehlt  A.  23.  daz  m.  sol]  da  sol  der  mensche  G.  sin 
herce  G.  24  wa  ir  kint  her  kome  J.  Chr.  Gy  wa  sein  chinde,  vnser  herre  J.  Chr.  her  k.  W. 
26.  dim  —  m  fehlt  G. 

14.  Hab,  5,  3:  Dens  ab  austro  veniet         15.  Deut  33,  2  f.         19.  Tob,  11,  5. 


40.  Von  der  erwellung  des  mentschen.  123 

sprichet  der  wissag:  'smekent  und  enphindent  wie  süsse  unser  herre  ist!*  es 
spricht  och  sant  Augustinus:  'ich  bin  gewar  worden  ainer  wunderlichen  süss- 
kait;  und  w4ri  ich  üt  lenger  dar  inne  beliben,  es  wäri  mir  gewesen  ain 
hymelriche*.  also  sol  der  mentsch  gedenken  an  ünsers  herren  süsskait,  daz 
er  inwendig  süsskait  von  Gotte  enphahe.  man  liset  in  der  rihter  buch  von  5 
hern  Sampson  daz  er  gie  zfi  ainem  male  an  aine  statt,  do  bekam  im  ainer 
low,  do  brach  er  im  den  mund  uf  und  vand  honig  in  dem  munde,  bi  hern 
Sampson  ist  bezaichent  unser  hen-e  Jhesus  Christus,  bi  dem  löwen  ist  be- 
zaichent  der  sälig  mentsch  der  also  stark  ist  daz  in  kain  ding  geschaiden 
mag  von  Gotte,  und  der  ab  kainer  bekorung  erschriket.  zfi  dem  kumet  unser  lo 
herre  und  brichet  im  daz  hertze  uf  und  nimet  daz  honig,  daz  ist  des  hertzen 
süssekait,  und  wirt  denn  da  von  gespiset.  also  sprichet  unser  herre:  Maz 
rainne  hertze  und  daz  süsse  hertze  ist  mir  ain  spise'.  unser  herre  wil  von 
des  mentschen  süssekait  gespiset  werden,  swer  disü  drü  ding  an  im  vindet, 
das  ist  ain  urkünd  daz  er  ist  für  erwellet.  15 

Daz  dritte  ist  ain  wonung  in  der  hymelschen  pfallentz  und  in  dem  göt- 
lichen  gezelt  ^ünsers  herren  gezelte\  sprichet  ain  wiser  man,  'ist  sin  zeswe 
und  die  winster'.  so  er  die  sele  genimet  in  sin  arme  und  si  umbvahet,  so 
ist  [90y  si  in  daz  götlich  gezelt  gemähelt.  man  liset  von  dem  kunig  Aswero, 
do  er  nam  sin  vrowen  Hester,  äaz  sin  gezelt  alles  was  von  golde,  und  20 
warent  du  sail  sidin  da  mit  man  es  uf  spien,  und  die  nagel  warent  guldin 
und  die  ringa  helfenbainin ;  und  alle  die  zfi  dem  hof  warent,  die  trunkent 
und  assent  usser  silbrinen  köphen.  bi  der  hohzit  mugent  wir  wol  merken 
daz  daz  hohzit  vil  rilicher  und  vil  herlicher  ist  da  Got  unser  herre  sin  ge- 
mahelen  ze  hove  füret,  sit  daz  ällü  du  schönhait  und  du  herschaft  du  uff  25 
ertrich  ist,  ain  unsuberkait  ist  wider  der  schönhait  dez  hymelriches.  bi  dem 
kunig  Aswero  ist  bezaichent  unser  herre  Got.  der  nam  hat  dri  betütung, 
dar  an  man  ünsern  herren  bezaichennen  mag.  daz  erst  ist  'ostium',  daz 
haisset   ain   tür.      dar    an   merkent  wir  daz  unser  herre  selber  ain  torwarter 

1.  wisBage  .  GuBtate  et  uidete  .  virstant  vn  smekint  u.  e.  denne  wie  G.  1  /*.  es  spr.  6ch 
fehlt  Q.  3.  es]  daz  G.  gewesen  fehlt  G.  5.  der  r.  buch]  libro  iudicum  G.  6.  daz  er| 
der  G,  7.  do]  vnde  G,  vant  ime  h.  6^.  9.  ist  ün  also  ueste  G.  10.  ab  am  Bande  mit 
Verweisungszeichen  Ä.  10  f  zu  —  herre]  wan  daz  sü  rehte  ueste  unde  steeticliche  gotte  dienont . 
die  sint  gelich  dem  lewin  .  Waz  tot  denne  unsir  herre  .  Untrüwon  er  kumit  dar  unde  geschowet 
die  sele  vnde  daz  herce  G.  11.  im  fehlt  G,  denne  vf  G.  12.  und]  da  mitte  G,  da  von] 
unsir  herre  G,  unser  herre]  ein  wise  man  G.  18.  rainne  vn  dz  raiuno  h^tze  A.  hertze] 
h^re  A,  ist  —  herre]  daz  ist  ain  spise  v'nsirs  herren  .  Er  G,  14.  disü]  du  G.  15.  ist  f.  er- 
wellet] für  irwelt  si  G.  17.  ünsers  —  man]  waz  ist  unsirs  herren  gezelt  .  daz  sprich;  ain  wise 
man  .  daz  G,  18.  die  w.]  sin  winstirü  G.  20.  er  nam  sin]  der  sine  vro*wn  nam  G.  daz] 
do  A.  23.  deme  hohgezite  G.         24.  vrilich'  Ay  rilich  6;.         herlich  G.         27.  Got]  Jhesus 

Christus  G.       der  name  assverus  het  G.       28.  dar  an]  die  6'.      man  fehlt  A,      an  unsirme  h.  G, 
29.  vor  haisset]  ist  unsir  herre  G.         wir  fehlt  G.         selber  fMt  G. 

1.  P«.  55,  P.       5.  Jud,  Idj  5  ff,       12.  Nach  G  stammt  die  Stelle  von  einem  weisen  Manne;  in  der 
KL  Schrift  findet  sie  sich  nicht        19.  Est.  1,  6  ff.  vgl.  oben  S.  33  Z.  27;  S.  44  Z.  13  f;  S.  98  Z.  19  f 


;i94 


41).  VoQ  der  crwelluog  dca  tucntschen. 


si,  da  siu  gemahel  ze  liove  vert.  also  sprielit  unser  herre:  'o  liebfi  jung- 
vrowe  und  min  scli6nü  gemaUel,  ich  wil  [00"}  selber  torwarter  sin  und  wil 
die  bynielschen  porteu  uf  län  und  nil  dich  viöüch  und  minnekllcb  enphahen 
mit    der  eugel  gesange,    und  alles  hj-raeisches  her  sol  dich  hiit  enphaben  mit 

\  viöden',  da  wirt  du  sei  enphangeu  in  daz  götlich  gezelt.  so  wirt  unser  herre 
Bjirecbent:  'o  du  vil  minneklicbü  sei,  hut  solt  du  dich  vröwen  mit  mir.  und 
alle  vröde  des  hjTuelriches  wil  ich  dir  also  gen  daz  du  von  mir  und  ich 
vuu  dir  nienier  me  geschaideut'.  da  uimet  aiu  ende  Ällü  trui-kait,  ällü  be- 
swilrde,    AUü  arbait  libes  und  herzen    geriiret  dich    niemer  me.     da  enphahest  , 

)  du  me  vrMen  denn  din  girde  begrifen  niuge,  und  me  danne  din  sei  urab-« 
viiben  muge.  da  swebt  und  swimet  du  sele  in  dem  götlichen  brunnen  und  in  [ 
dem  honge,  daz  ist  du  liailig  drivaltkait.  daz  ander  ist  'atria',  daz  ist 
fritiiof.  {91']  dar  an  merkent  daz  unser  herre  die  haiigen  sei  wirt  vrigent  I 
von  aller   maist^rschefte,   von   allen    banden,    daz    si    iemer  me  sol  vriges  ge- J 

t  mi^tes  sin  und  vriges  willen;  und  alles  daz  du  wilt  und  dich  gelüstet,  das  1 
solt  du  mJich  tdu  &n  alle  vohrte-  da  wirt  unser  herre  zu  dir  sprechent:  j 
'büssü  und  schönu  gemaliel,  ich  wil  dich  hat  enpinden  von  gehorsami  und,  J 
von  betwungnust;  wärt  du  dur  mich  beschlossen  und  gevangen,  dar  umb  sol  i 
dir  alles  hymelriche  offen  sin,  daz  du  vrilich  gangist  und  sigist  wa  du  wilt',  | 

II  m  spricht  denne  du  sele:  'o  vil  minneklicher  (jot,  hast  du  mir  nu  gewalt  i 
geben  über  alles  by'melrich,  so  wil  ich  nihtes  nit  haben  äu  dich  und  wil  J 
dich  haben,  lieber  min  Got,  für  alles  daz  ie  wart,  nu  lege  mir  din  winstren  1 
haut  uff  minen  nak  und  druke  mich  an  dich  mit  diner  zeswen'.  da  umb-  i 
valiet  unser   [91"]  herre  die  sele  mit  siner  gotliait    und  mit  siner  meutscbait 

\  und  setzet  si  an  sine  schöss  und  zartet  ir.  da  genietet  si  sich  sin  nach  Irem 
willen  iemer  me  eweklicb,  und  me  denn  ir  begirde  begrifen  muge,  noch  me 
flösset  er  in  si  mit  siner  götlichen  süssekait.  daz  dritte  ist  'heatltudo', 
daz  ist  aiu  gAnzü  sälikait.  da  hat  du  sele  denne  daz  obrost  g4t  begriffen 
und  die  ganzen  sillikait;  so  spricht  si:  'dis  ist  min  r&we,  min  vr6de  und  min 

I  erbe',     denne    setzet    unser    herre    si  nider  und  wirt  selb  ir  schenke  und  ir 

1.  8i|  wil  Bin  G.        3.  dir  die  G.       4.  alles  —  süI]  mii  alicme  bimilscliin  her  so  wil  ich  O.         \ 
6.  BO  —  horrel  vn  u.  h.  wirt  ff.       7.  also  gen]  ewicilcho  gebin  .  vü  mich  sclbio  gip  ich  dir  aleo  ö. 
11.  dfij  din  ö.        11  f.  gatlicheu  —  hongo]  honicli  bninnen  ff,  honige  Z.         13.  haiigen]  a«e- 
ligao  6.        14.  81}  du  ff.       solt  G.        15.  un  und  fehlt  ßlsiAlich  GZ.       wilt  vli  alliz  dcz  dich 
lostet  G.         16.  dir]  der  ecle  G.         17.  hütl  böte  vri  roachö  uon  aliir  uorhte  .  uon  allir  roaietir- 
•chafte  .  uun  allen  banden  ,  ich  wil  dich  böte  G.       und  am  Ende  der  Zäit  fehlt  G.       20.  ol  A 
I   tnin  ff,       miunekljclierl  waneclicfaer  G.       21.  und]  ich  ff.       22.  haben  und  alle  himilache  vrfiude .   j 
[   mit  dir  liobir  m.  g.  ff.       för  —  wart  fehlt  ff.      22/'.  viQBtron  haut  J,  winstrun  G.         25.  ;urtetir]    | 
llU  churtaweil  vod  vraid  mit  ir  11'.        30.  me  denn]  alse  uil  ff.        noch]  vü  me  denne  sie  go 
wäge  begoron  .  aide  ir  girde  inügo  begrifin  .  noh  ff.         27  f.  beatitudo  —  ist  fehlt  A.        2S.  isQ  j 
iprioblt  ff.        29.  si]  dQ  sele  .  llcc  rcquies  mca  ff.        .^U.  erbe  .  de  ich  bin  kumin  |nu  pin  ich  k.  W)  1 
RQ  dum  oberoBtc  gflt  ,  un  ich  bin  geügit  zA  der  gauzun  eclkait .  denne  G        vnser  zweimal  A. 
I  ai;  die  «ele  ff.  ir  fehlt  beidemal  G. 


;  8,  3. 


29.  Pe.  131,  li.         30.  Lw..  IS,  37. 


40.  Von  der  crwellung  des  mentadien. 


125 


•truchsässe,  sprichet  sant  Lucas,  die  trahte  die  er  ir  für  treit,  ist  sin  göt- 
liches  aatlut;  da  mit  wirt  si  gespiset,  so  sprichet  unser  Iierre:  'essent  und 
trinkent  und  werdetit  trunken  von  mim  götlichen  spiegel,  und  selient  üwer  sei 
in  mir,  und  ich  wil  in  üch  fliessen'.  owe,  sälgü  sele,  wie  grosse  denne  diu 
wunne,  diu  vri^de,  diu  sussekait  ist,  so  dich  Got  umbvahet  und  dich  be-  S 
schlnsset  in  sin  gölliclien  arm,  untz  du  ge[OPJaa.ttBl  wirst  mit  siner  obresten 
giiti.  und  er  dich  durch  flösset  mit  der  ganzen  sälikait:  die  vröde  enrang 
weder  hertz  gedenken  noch  niunt  gespi-echeu.  owi,  m6hti  denn  du  sele  her 
wider  körnen  oder  gedenken  oder  dehain  u«vröd  hau,  so  wiri  ir  denne  der 
minst  gedank,  daz  minst  wort,  da  mit  si  Got  ie  erzümde,  daz  war  ir  ain  lfti| 
jamer,  daz  si  klain  oder  gi'oz  wider  den  getet  in  des  arm  si  sich  hat  ge- 
wunden, owi,  waz  si  denn  begriffen  hat  an  dem  älln  vr6de,  älli'i  sälde,  älliu 
sbssekait  und  äilö  wunue  ist!  owe,  sele,  daz  du  ie  iht  gedahtest  won  an  die 
gantzen  sAlikait;  daz  du  ie  iht  gemintest  won  daz  obrost  gut;  daz  du  ie  iht 
gespräche  won  sin  lop;  daz  du  ie  kain  werch  getite  won  in  siner  minne:  i 
niöhte  dir  denn  daz  lait  sin,  daz  wäre  dir  ain  bitterkait.  o  sAlger  mentsche, 
wilt  du  nu  sicherlich  komen  zu  der  vröde,  so  solt  du  dich  flisseu  drier  ding, 
daz  [OSy  erste  ist  daz  du  gantz  minne  zu  Gotte  habest  von  allem  dim  hertzen, 
von  aller  diner  kraft,  und  daz  du  alle  dine  girde  an  Got  setzest  und  daz 
du  reht  ain  senung  nach  im  habest,  daz  dich  alles  daz  uff  ertrich  si,  nit  » J 
getrösten  muge,  und  daz  dir  also  we  nahe  im  si  daz  dich  allfi  du  vrfide, 
&1IÜ  dö  wunne,  ällü  dii  sussekait  die  nff  ertrich  si,  an  in  ain  bitterkait 
dunke,  und  Got  dir  aliaine  vrölich  und  süsse  si.  denn  spriht  du  sele:  'o 
süsser  Got,  owi,  vrölicher  Got,  ich  bin  nach  dir  siech  und  han  nach  dir  so 
grossen  jamer  daz  mich  alles  daz  nit  getrostem  mag  daz  uff  ertrich  ist',  so  3 
sprichet  du  sele  in  der  minne  buch:  'owi,  tohtran  von  Jlierusalem  und  ir 
iangvröwen  von  der  hymelscheu  Jlierusalem ,  kundent  minem  liebe  daz  ich 
"ich    von    minnen    bin    und  mich    ällü    ftrtzenie    nit    gehauen    mag    won    sin 


Bprichet  —  2  60]  Also  npricbit  ünsir  heire  indem  cwanpl'o  .  Dcnno  idl  ich  minü  Mnt  nidir 
eezzin  .  uü  wil  selbe  die  tralitaji  vr  tragin  .  da  wirt  dii  selo  gespisii  mit  dem  gütlichin  aallfite  . 
vnde  ff.         2.  ttw  essonl]  Coniedite  et  bibite  amici  mei  ctc'  G.  4.  ich  fehlt  ff.         5.  umb- 

vahet) allumbe  ualiit  ff.  Ö.  gotliche  anne  ff.  untz  A,  und  ff.  7.  gflti]  gnado  ff. 

8.  Owe  afi  niehti  ff.  0.  komeii  —  unvi&d]  gcdcnkin  .  aide  mehti  si  dehain  vnurAude  ff. 

vrtd  Ä.  denne  fehlt  O.  11.  sie  ie  dain  ff.  arnie  ff.  16.  den»  fehlt  Q.  daz  w.]  os 
were  ff.  o]  de  du  alle  dioe  girde .  alle  diuo  nrAude  .  alle  dine  sAzekait  .  an  dem  niht  aühtoat  . 
nn  das  du  in  niht  minnotoBt  .  nnn  alllr  dinir  kraft  .  der  dir  nu  ao  gar  luatolicljo  .  uil  sözecliche 
ist  .  Uwe  seligfi  sele  nu  solt  du  dich  ain  nieto'n  nach  diucm  willin  .  an  nach  dinir  begoningo  swie 
du  n-ilt  Q.  IT.  sicbcrlicho  und  Bchicre  ff.  di(^  fehlt  Ä.  19.  und  uon  ff.  21)/*.  alliz  de 
Diht  getroistin  mügo  .  de  affin  crtriehe  ist  ff.  21.  dir]  da  ff.        we  —  eij  grozin  iamir  nach 

got  habest  ff.  22.  saBsekait]  karzewil  G.  22  f.  ei  —  dunkc]  ist  .  de  dir  daz  ain  bitterkut  aie 
an  dem  horzin  G.  23.  o]  owo  ff.  24.  vm-  owi]  owo  (owe  immer  ffi  niiDneclichir  got  ff.  owi 
%TflIicher  got  fehlt  Z.         2fi.  owi]  filio  ierl'm  .  Owe  ir  ff.  27.  ich  /eWt  A. 


I 


2.  Cant.  5, 1;  vgl.  S.  41  Z.  1  f. 


r 


126  40.  Von  der  erwellang  des  mentscben. 

inin/"P:2''/nekIiclies  umbvahen".  owi,  sprichet  si  deone,  als  sant  Paulus  sprach: 
'owe,  minneklicher  Got,  Itee  mich  von  dirre  weite,  daz  ich  geselie  dich  in 
dinen  eren'.  'owe,  liebes  liep,  du  hist  aller  min  tröst,  Allü  min  vröde,  AUft 
min  üälikait,  owe,  nu  tröste  mich,  herre,  es  ist  an  der  zit,  won  mich  raag 
5  äne  dich  ällü  du  weit  nit  getrösten',  man  liset  von  sant  Agtuu,  du  hatta 
ainen  minnenten  siechtagen,  du  sprach  alsuz:  'Ällii  liplich  Arzenie  han  iclt^ 
versmahet,  sunder  allaine  mines  lieben  herren  woit  mugent  mich  gesunfe; 
machen',  owi,  geminneter  Got,  ich  bin  ane  masse  wunt  von  diner  minne,  na. 
haile  mich,    geblümeter  Got,    won    ane    dich    mag  ich  niemer  gesunt  weidenl, 

10  also  spricht  her  David:  'mir  ist  gebrosten  daz  ich  verderben  müss,  du  tröstest 
mich  denne,  o  süsser  Got'!  also  sprichet  dii  sele:  'mir  ist  daz  hertze  [93*J 
min  verseret  nach  Jhesu  mim  liebe,  daz  es  niemer  wirt  gesunt'.  also  seit  da 
haben  ain  minnent  sennng.  daz  ander  ist  daz  du  gantzen  and  stäteu  frid 
habest  mit  Got,    mit  dir  selben  und   mit  allen  dingen;   und  solt  sprechen  also 

lä  her  David:  'ich  wil  schlafen  mit  ftide  und  wil  eweklich  rüwen  in  unsrem 
berren  und  wil  fride  und  rfiwe  mit  allen  dingen  haben',  daz  dritte  ist  daz 
du  solt  zieren  din  sele  mit  tugentlicbem  flisse.  man  liset  von  der  küngin 
Hester:  do  si  zfi  dem  künig  Aswero  solte  gan,  do  klaite  si  sich  mit  edlem 
gewande    und   gebaret    do  so  zärtlich    und  so  herlich  daz  es  ane  masse  waz; 

20  und  fürte  mit  ir  ain  jungvrowen:  uff  die  lainte  si  sich,  und  dii  ander  hüb 
ir  nf  iri't  klaider.  bi  der  küngin  Hest«r  ist  bezaichent  ain  ieglichü  sälgü  seL 
Hester  daz  sprichet  'ain  verborgnü  vrowe,  du  wol  gezieret  ist',  daz  ist  it 
sele;  du  ist  nu  verborgen,  fOS'J  du  sol  wol  gezieret  sin  und  geklaidet  mit 
edlen  lügenden,    so  der  hymelsch    künig    nach  ir  sendet,    daz  si  mit  eren  ze 

25  hüf  konie  für  den  grossen  Got  von  hyraelrich  und  für  alles  sin  ingesindei 
won  da  ze  dem  hymelscben  hof  enzieret  die  sele  nüt  won  tugend.  so  si  U 
me  tugentlicher  werch  ze  hof  bringet,  so  ir  gezierde  und  ir  ere  ie  grösser 
ist.    entröwen,    du  sele  muss  ain  junkvrowen  han  uff  die  si  sich  lainne,  daz 

1.  (ÜB  der  ffflt  sant  ß.  3.  liebea  fehlt  G.         nach  vrfldc)  ellv  min  zuvereiht  .  nfi  G. 

i.  won  fehlt  6.  b.  Ine  dich  fehlt  O.  8.  ane]  gar  u*  der  G.  ü.  won  fehlt  G.  10.  her 
D.]  d'  wiBsage  dauid  .  A  afliir  got  G.  11.  dcnno  —  Got  fehlt  G.  12.  nach  —  goaunt]  du  ei 
niemir  wirt  geannt  .  nach  ihu  mime  licbo  .  der  machot  mine  aele  wunt  QZ(Wj.  15.  Ler  D.l 

der  wieaage  daoid  .  In  paco  in  idipsum  G.  mit]  indö  G.  in|  mit  G.  16.  heiTin  . 

mime  herren  .  vn  mime  got  G.       17.  solt/eA/tG.        13.  edlem)  dem  edelostim  G.        in.  gwande., 
non  allir  weite  G.        gebaret  sich  G.         20.  mit  —  jungvrowen]  sie  dennc  ain  jnncfrowc  G. 
und  du]  dfi  G.  21.  irn]  du  G.  22.  vcrburgnü  vrAdc  A,  vberigü  ftouwc  G,    virborgeWil 

vrowo  Z.         24.  so]  awcnne  G.  25.  kome]  nar  G.        Bin  fehlt  O.         26.  won  —  nüt]  Owi" 

seligü  sele  .  nu  sott  da  wizzin  .  de  dich  da  zehoue  (ze  dem  himeischcn  houe  Z)  niht  ideiit  G. 
ai]  du  sele  G.  27.  io  fdtlt  G.         28.  müz  ouch  G. 

2.  Äottl.  7,  34.  6.  ts(  einer  Antiphon  aus  dem  Brevier  (5.  Februar)  entnommen:  ,Hedi- 
dnam  comalera  corpoti  meo  iiunquam  cxhibui,  eed  habeo  dominum  Josum  Clirietum,  qui  solo  »er- 
mone  rpstanrat  universa".  10.  Ps.  118,  50.  S2?  15.  Ps.  4,  9.  18.  Est  15,  4;  vgL  oben 
S.  44  Z.  14;  S.  98  Z.  33 f  22.  Die  Erklärung  von  A  ist  abgeleitet  von  detn  hehr.  Verb}tm 
aathar,   hei  G  dagegen  von  scha'ar. 


I 


I 


40.  Von  der  erwelloDg  des  mentschen.  127 

ist  du  minne:  uff  die  leg  alle  dine  arbait  und  dinen  kumber,  so  hilfet  si  dir 
es  alles  lihtklich  tragen,  si  müss  och  ain  jungvrowen  hau  du  ir  du  klaider 
nf  habe,  daz  ist  yrow  Stätekait:  daz  ist  daz  du  din  gutes  leben  an  din  ende 
bringest,  so  denne  der  tot  kumet,  so  spricht  der  mentsch:  'ich  lob  dich,  blü- 
gender  Grot,  des  tages  daz  ich  erlöset  sol  werden  von  disem  kirker.  gesach  5 
mich  Grot,  daz  ich  dise  [92^^]  zit  und  disen  tag  ie  gelebte,  daz  ich  den  blü- 
genden  Grot  gesehen  sol  in  siner  herschaft,  dis  ist  der  tag  des  ich  ie 
wunste,  des  ich  ie  gerte,  des  mich  ie  gelüste;  uff  disen  tag  frowte  ich  mich 
ie,  won  es  ist  hüte  ain  tag  aller  miner  vröde,  und  ich  sol  vergessen  aller 
miner  arbait  und  sol  mit  sim  götlichen  antlüt  getröstet  werden  alles  mines  lo 
laides.  o  du  minneklicher  Got,  lebender  Got,  schönner  Got,  blügender  Got, 
du  enphach  hüt  min  sele  in  din  götliches  gezelt  und  mach  mich  fr;^  aller 
arbait  und  umbvah  mich  mit  diner  götlichen  süssekait!'  da  enphaht  er  si 
mit  allem  hymelschen  here  und  spricht:  'Got  halt  dich,  aller  liebstü!  du  en- 
pfach  hüt  den  lebenden  gräss  von  minem  munde,  ich  wil  hüt  dir  uf  tun  15 
alle  hymelsch  vröde;  ich  wil  mich  selben  dir  geben'.  [93'']  man  liset  von 
hem  Benjamin:  der  waz  Got  gar  lieb,  und  wart  im  der  gut  segen  geben, 
den  segen  git  och  unser  herre  der  sele  ze  hymelriche  und  sprichet:  'o  liebü 
jungvrowe,  ich  wil  dir  hüt  den  lebenden  und  den  guten  segen  geben  daz  du 
mir  gar  lieb  bist,  und  du  liebi  sol  niemer  kain  ende  nemen,  won  ich  wil  20 
eweklich  mit  dir  sin  und  mit  dir  wandlen,  swie  du  gerest'.  denn  umbvahet 
er  si  und  spricht:  'ich  gib  mich  dir  und  füge  mich  in  dinen  willen,  swie  du 
wilt.  nu  habe  mich  nach  dem  du  dich  ie  sentest  und  des  du  ie  gertest 
nach  allem  dinem  willen;  won  swaz  du  wilt,  daz  wil  och  ich",  so  sprichet 
denn  du  sele:  'nu  hau  ich  gesehen  mit  minen  ogen  daz  ich  globte  in  mim  25 
herzen;  nu  han  ich  den  umbvangen  mit  minen  armen  den  ich  minneklich 
grfitzte  mit  dem  munde,  und  bin  [93'*]  gar  durch  flössen  und  besofet  in  der 
götlichen  süssekait'. 

2.  jangvTOwen  fehlt  G.       3.  vrow]  du  G,      ist  daz  fehlt  G,       4.  so  d.]  Vntrüwan  so  d.  G. 

5.  des]  dissis  G.         7.  in  aliir  sinir  G.        ich  fehlt  A.        9.  sol  fehlt  G,         12.  du  fehlt  G, 
13.  und  fehlt  G,          14.  vor  Got]  auete  G,  ave  W.       halt]  grüzze  W.       dich]  dir  du  G. 
16.  ich  —  geben]  uü  mich  seibin  ane  schaidin  G.        17.  der  waz  —  im]  dem  wart  G.        18.  vor 
den]  Benfamin  .  Benjamin  der  ist  got  gar  liep  .  ufi  got  wandelot  mit  im  G.         öch  fehlt  G, 
20.  niemir  mo  G,      nemen  won]  gewinnen  G.       21.  du  gcrcst]  din  girde  gerte  G.        22.  sprichit 
zA  der  sele  G.       swie  —  24  ich]  sflziu  irweltiu  gemahil  min  .  du  habe  mich  nach  dinem  williu  . 
swie  da  wilt  .  der  blflgendir  got  .  des  du  ie  gerotost  .  nah  dem  du  dich  senctost  .  nu  hast  du  mich 
begriffin  ane  schaiden  .  nu  habe  mich  nah  wüsche  .  ufi  nah  dine  willen  swie  du  wilt  .  un  swaz 
din  girdo  gert  .  de  habe  an  mir  .  swc  du  wilt  .  dz  wil  ouch  ich  .  du  bist  min  gemlnetiv .  ufi  ich 
din  geminneter  G  W{Z).       26.  minneklich]  uerro  G.       27.  und  ich  bin  gar  G, 
y 

17.  Dmt  33, 12, 


41.  Von  d(?r  ^isrhtkhen  veiznkang  des  meDtschen. 


[         [4i.]  Von  der  galBchlichen  verznkang  des  mentsehoD. 

I  [Seio  hommem  m  Christo  ante  annos  de] 

I  'Ich  waiss    aiuen    mentsclien',    spricht  sant  Paulus,    'der  wart  verzukt  in 

I       den    dritten    hymel,    ob    daz   geschehe    im    libe    oder  usserbalb  des  libes,    daz 

6  waiss  Got  wol*. 

I  An    disen  Worten    kündet    er    uns  ain  tail  der  gnaden  so  im  inser  herre 

erzogte,  do  er  bekert  wart,  nnd  er  uff  dem  weg  nider  viel,    do  waz  er  dri 

I        tag    nnd    dri    nAht    an    essen  und  ka  trinken  und  ensach  noch  ensprach,  und 

'       wart  gezuket    in    den    dritten    hymel,    da    er  Got  sach,    reht  alz  in  die  sela 

10  sehent  die  da  ze  hymel  sint    nnd  da  gelernet  er  alles  daz  daz  er  dar  nach 

die    crLstenhait    lerte.     hie    an    sont  wir    merken    daz  wir  och  verzukt    sont 

werden    alz    er.      vni   sont    in    zwo    wis    verzuket    werden:    ander    uns    und 

über  uns. 

ünder   uns   sont  wir  verzukt  werden   in  dri  wia.      daz  erst  ist  daz  der 

15  mentsch  sol  gedenken  [93']  an  sin   sünde,  wie  dik  er  Got  erzürnet  hat;  nnd 

sol  och  im  daz  lait  sin,  und  sol   daz  inueklichen  klagen  mit  rüwigeni   herzen 

nnd  mit  bitterkait  der  trAbenne,    als  der  wissag  sprichet:  'o  herre,  alle  min 

tage,    ÄIlü   minü  jav  und  Allü  zit  wil  ich  dir  wider  gen  mit  bitterkait  mins 

jiertzen'.     daz  ander  ist  daz  der  mentseh  sol  gedenken  an  die  weit,  und  sol 

ao  ir  Untugend  und  ir  böahait  merken,  und  sol  si  dar  umb  versmahen  und  flie- 

I       hen,  won    si    ist   glich    aim  ramigen   kessel.      won  alz  daz  unmuglich  ist  daz 

I       ain   mentsch  umb  den  kessel  dik  gange  und  doch  nit  werde  entrainnet,    also 

ist  es  unmuglich    daz  der  nit  von  der  weite  entrainnet  werde  der  ir  hainlich 

1       ist.    her  David  sprichet:  'mit  dem  haiigen  wirst  du  hailig,  mit  dem  verkerten 

[  2S  wirst    da  verkerf.      daz    ist    also  vil    gesprochen:    swer    der  weit    und    dem 

bösen  mentschen  hainlich  ist,    der  wirt  öch   böse;    der  aber  dem  haügen  nnd 

I       dem  göten  hainlich  ist,  der  wirt  [93"}  och  hailig  und  gut    daz  dritte  ist  daz 

1.  ifberschrift  fehlt  G,  Dia  sp'chit  .  S.  PauloB  (rot)  Z,  Up  sent  paawelB  dach  do  hey  bekcirt 
wart  Pftiil.  2.  Der  lat.  Text  fehlt  Ä.  3—5  fehlt  OZ.         6.  An  —  er]  Disiu  wort  sprach 

sant  pHuIns  .  iindo  kQndit  GZ.  tail  bio  der  G.  so]  die  G.  9.  reht  fehlt  Q.  die  hailigin 
sela  6.  10.  da  zv  h.]  zehimtlriche  G.  11.  Iiio  an]  uä  de  er  also  gezukkit  wart  .  da  spri- 

cliit  er  .  ob  de  inme  libo  gesdieho  .  aide  uzeront  dem  libe  .  des  enwais  et  nivt  .  de  wc  gut  wol . 
sprichit  er .  Daran  6.  12,  er]  der  sant  paulus  G.  14.  In  drin  wise  Bolne  wir  gezukkit  wcrdin 
tindir  üiifl  G.  I«.  och  fehlt  G.  de  got  itinecliehen  ff.  17.  als  der)  alse  G.  vor  o]  Bcco- 
gitabo  tibi  G.      alle  feMt  G.        IS.  j.  u.  cllii  rainiv  »it  G.      genl  gelCin  G.        21.  ai]  div  weit  G. 

22.  umb  ■—  kessel  fehlt  G.  und)  unde  sich  ribe  an  ainen  ramigin  keaxil  .  und  er  ff. 

23.  es  fehlt  ff.  29  f.  der  nit  —  ist]  iemaa  der  weit  haiulidio  eie  .  de  er  tion  ir  niht  entrainil 

werde  G.        24.  IjerD.l  Der  wissage  G.       sprichit  .  Cum  saucto  sanctus  eris  .  daz  aprichit  aleuz 
zetüte  ff.        wirst  du]  wirt  der  man  G,  ebenso  25.         25.  swer]  Der  G.         2e.  aber]  ooch  G. 
'Jü  f.  dem  gütin  un  dem  faailigin  mentschin  G.      27.  Imillg  —  gut]  gat  und  selic  G. 

I.  Die  Predigt  findet  rieh  in  G  Bl.  19':  Z  Bl.  23^■  B  Hr.  5:  Fhill.  Bl.  IST*;  fehlt  WN 
Ärundel.  —  Vgl.  auch  Hs.  St.  Georg  37  Bl.  59—78  (Längin  S.  7)  der  Kfirl»ruher  Hof-  u.  Lan<U»-_^ 
bibliothek.  2.  //.  t'orr.  12,  3.         17.  laai.  -18,  IS;  vgl.  oben  S.  90  Z.  15.  24.  P».  17,  36. 


41.  Von  der  gaiachücheo  vcraukurig  des  nientachen. 


129 


der  mentsch  sol  gedenken  an  die  helle,  daz  er  si  fürhte  und  dester  flisklicher 
sich  hftti  vor  allen  dingen  die  den  mentschen  dar  mugent  gelaiten.  Job 
sprichet:  'swenn  ich  gedenke  an  die  helle,  so  erbibnet  mir  iUü  min  kraft, 
und  min  lib  erzittret  von  der  bitterkalt  der  helle'. 

Wir    sont    öch    über    uns  gezuket  werden  in  dri  h^el,    als  sant  Paulus  5 
gezuket  wart    der  erst  hymel  ist  du  sele,    daz  bewärre  ich  mit  der  schrift; 
won    unser    herre    sprichet  in  dem  wissagen  Ysaya:    'der  hymel  ist  min  stöl 
und  daz  ertrich  min  fussschämel'.    dem  wort  antwürt  der  künig  Salomon  und 
sprichet:   'dii  reht  sele    ist  ain  gestüle  der  wishait".    da  mit  ist  bewäret  daz 
du  sAlig  sele    ain  hymel  ist.     in  disen  hymel    sol   der   sälig  mentsch  gezuket  lo 
werden,    also   daz    der  mentsch    im  selben   sich   sol   zuken.      daz  ist  also  daz 
(04']  er  alle  sin  ussren  sinne  in  sich  ziehen  sol  und  sol  sich  inwendig  besehen. 
also  sprichet  sant  Augustinus:  'swer  im  selben  sich  selben  nit  nimet  und  die 
ussem  sinne  nit  enzuket,  der  enmag  in  im  selben  nit  gezuket  werden;  won  also 
gross  ist  du  minne  die  du  sele  hat  zd  den  liplichen  dingen,  daz  si  reht  dar  15 
zÖ  gelimet  wirf,    alz  man  mit  lim  zwai  ding  ze  samen  limet,  also  llmet  du 
minne  die  sele  zu  den  liplichen  dingen;    won  swaz  zu  den  oren    und  zu  den 
ogen    und    zft    allen    den    ussren   sinnen   in   fiüsset  in  die  enptindung  der  sele, 
daz  nimet  si.    und  dar  umb  bedurfent  wir  wol  daz  wir  die  sinne  in  zukent, 
won   si  bringent    die  sele  in  iertäm,    so   si  wannet    daz    si    daz  ding    si    dar  » 
zu  si  gelimet  ist.     daz  geschiht  denne  so  zfi  den  ussren  sinnen  gefliessent  in 
die  sele  uppigü  ding,    du  gesihte  sint  lustlich    und  [94''}  girlich  und  vrölich. 
dar  zfi  wirt  dii  sele  so  sere  gelimet  mit  der  minne  daz  si  wannet  daz  si  die 
creature  si    die  si  da  minnet    von    dem  infiusse  der  sinne,    also  sprichet  sant 
Augustinus:  'daz  ist  der  sele  iertüm,  so  si  sich  gelimet  also  zu  der  uppekait  33 
daz  si  es  für  sich  selber  minnet,  und  da  mit  swechet  si  sich  sere,  so  si  un- 
stäte    und    zerganklichö    ding    me    minnet    denn    sich    selb',      sant    Bernhart 
sprichet:    'owe,    gäter  mentsch,    du  solt    flisseklichen  war  nemen  diner  gentzi, 
wie  luter,    wie  gantz  din  conscienci  si,    und  solt  dik  in  dir  selb  speÄen  wie 
nach    du  Got   sigist  und  wie  verre,    und  wie  glich  du  im  stgist  an  lügenden  m 
nnd  anglich  du  im  sigist  an  tugenden,  und  wie  du  vümemest  an  dum&htkait 

1.  si]  deste  me  G.  If.  üH  de  er  sich  deat  vi.  hflte  G.  2.  allen  den  dingin  G.  3,  awenn]  AJee 
dikc  so  O.  4.  uon  bitterkait  G.  6.  ist  dii]  de  iet  din  G.  7.  von]  de  din  sele  .  uo  ielich  selic 
»ele  ain  himil  ist  G.  9.  reit  reht  ^1.  sele  diu  ist  G.  ist  iv  bowierte  G.  10.  der  silig] 
der  G.  11.  ira  selbin  aicli  seibin  sol  ö.  Vgl.  S.  157  Z.  12  unrf  in  im  selben  Z.  14.  12.  er]  der 
mentsche  G.  ziehen  soll  ziehe  (?.  14.  im]  sich  G.  11.  id  fehlt  A.  IS.  allen /eAH  G. 
Mnnen]  dingin  der  üinnC  G.  19.  nimet  .4,  6«ser  minnet  Q.  20.  sele  fihlt  G.  mr  so]  Abo 
sp'cbit  sant  Anf^etüms  .  Hie  non  kamit  du  sele  in  ierretiim  G.  2!.  gcsihtic  sint  .  ufi  1.  G. 
nroilichc  sint  G.  27.  selbm  .  wan  ir  natur  iet  ewic  ß.  29.  lutir  .  ufi  wie  G.        apehen] 

Bprecben  Ä.       80,  nerre  du  got  siest  .  wie  gliche  Ö.       im]  got  G.       31.  und  wie  ungllche  G. 
nntagenden  fiäachlicli  G.        v'nemeBt  J,  vür  nemeste  G.        31  —  130,1  an  dnmehtigini  lebinne  G. 


2.  Job  31,  34;  17, 13. 16;  4, 14  Y  7.  laai.  66, 1. 

I  Dmtnfa«  TMta  d«i  MHUlkltan.  X 


180 


4],  Von  der  ^ischlichcD  verzukung  dca  mcntscheu. 


dines  lebens  und  wie  du  »wachest  an  durnälitikait  ain  wiser  nuiD,  hiess 
Seneka,  sprichet  daz  der  mentscli  sol  alles  sin  leben  in  drü  tailleu.  zem  ereten 
soi  er  gedenken  an  daz  f i\v  {94'J varsnä  lebenn;  dar  nach  an  daz  gegen- 
wärtig leben;    zu  dem  dritten  male  an  daz  künftig  leben,      an  daz  fürfarend 

5  leben  solt  du  gedenken  dar  umbe  daz  du  solt  Got  klagen  mit  rüwigem 
hertzen  daz  du  in  ie  erzürnet  hast  mit  dekainen  dingen,  an  daz  gegen- 
wärtig zit  solt  du  gedenken  daz  du  es  nutzeklich  an  legest  in  Gottes  dienst 
und  in  sim  lebenn.  an  daz  künftig  leben  und  zit  solt  du  gedenken  durch 
daz  daz  du  dich   warnest  und  also  setzest:  swaz  dich  an  gange,  daz  du  daz 

10  tugentlich  wellest  überwinden;  und  solt  din  hertze  also  vestnan  und  Sterken 
daz  dich  enhain  ding  von  Gotte  mag  geschaiden.  'mentsch',  sprichet  her  Sa- 
lomon,  'du  solt  hüten  dins  hertzen  in  allem  dim  lebenn  Öisseklich,  won  dar 
an  lit  alles  din  gaischlich  leben',  so  sprichet  sant  Bernhart:  'alles  din  gaisch- 
lieh  leben  ist  nit  anders   won    daz  du  zu  allen  ziten  ilisseklichen  hütest  dins 

15  hertzen'.  saut  Augustinus  sprichet;  'mh[94''Jt£a  nit  ist  daz  dem  mentschen 
so  wol  füge  zu  den  hymelschen  dingen  so  daz  der  mentsch  den  ussren  dingen 
unhainlich  si  und  sine  sinne  da  vor  beschliessi  und  sich  ir  entzihe' ;  won 
die  ussren  ding  mag  nieman  hau  mit  den  inren,  noch  die  inren  mit  den 
ussren.     und  dar  umb  spricht  er  daz:  'ich  rate  daz   wir  du  ussren  ding  läs- 

2U  sint  und  unser  sinne  beschliessint  und  uns  inwendig  ziehint,  daz  wir  du 
gaischlicben  ding  inwendig  ergriffent '.  sant  Eernhart  sprichet:  'o  sele,  hüte 
dich  und  auch  alles  an  an  die  aini,  daz  dich  der  aine  vinde  den  du  ze  ainem 
liebe  hast  erweit  vor  aller  der  weit;  und  och  dar  umbe  daz  zu  den  ussren 
sinnen  nüt  infliessi    daz  Got  von  dir  vertribe,    won  din  gemahel    ist  so  scha- 

25  mig  daz  er  niht  won  togenlich  und  hainlich  wil  minnen'.  daz  ist  der  hymel 
dar  in  wir  verzuket  {95'J  sont  werden,  nu  sprichet  sant  Bernhart  daz  der 
gaischlich  mentsche  sol  zem  minsten  täglich  ainest  gezuket  werden  in  dlsen 
h^el,  daz  ist  in  sin  sele. 

1.  vor  tun]  also  rutit  dir  der  gut  man  .  de  da  din  Belbis  war  nemoBt  aa  den  Echs  dingin  .  din 
ich  dir  gezelt  (genemit  Z)  hon  O.  iiaizit  Q.  2.  sprichet  —  Bin]  der  spr.  Mentsche  du  eolt  alKa 
din  G.  2  f.  du  solt  Bemeretin  godenkio  G.  3.  dar  nach]  und  G.  i.  loben  zfi  —  6  hcrtzeni  lit 
de  iexco  ist  .  iin  an  de  .  de  kSnftic  ist  zekominno  .  de  sint  driv  tail  .  Nu  sprichit  er  de  du  dar 
umbe  Bolt  gedonkin .  an  de  uiruBrnc  iebin  ,  de  du  got  mit  rfiwigim  herzin  innecliche  clagist  G. 
5.  rüwige  A.  6.  iraurndosto  mit  dehainem  dinge  G.  an  — 10  tugentlich)  So  sprichit  er .  de  du 
dnrnmbe  solt  gedenkin  .  andas  zit  .  daz  iezce  ist .  das  du  dich  altesan  nJizciSt .  das  du  ingotis  minne  . 
und  ingotia  dieniste  .  und  insime  lobe  zealleu  ziten  ordonlicbe  .  und  tugentlichc  lobest .  Du  solt  an  de 
künftic  Iebin  gedonkin  .  und  solt  dich  vfiraehin  .  und  uvnvaraen  .  bwc  dich  anegango  .  de  du  daz  mit 
gotte  tngintliche  ff.  8.  lebenn]  l.  lobenn  oder  \obef  (R.)  11.  nach  geschaiden)  swc  dieh  onch  ane- 
gät .  aide  swc  got  fibir  dich  uirhengit .  Der  wiso  salomO  ratit  ouch  de  .  de  der  mentsclio  ainis  herzin 
böte  .  und  sprichit  G.  II  f-  sprichet  — Salomon  fehlt  G.  17.  &me  fehlt  A.  18.  nieman  han] 
man  niht  gehaben  .  sprichit  er  G.  19.  sprichit  er  rat  ich  de  .  daz  wir  G,  spr.  er .  rat  ich  de  das 
ieze  ist  .  das  wir  Z.  24.  wan  ih'e  din  G.  25.  won  fehlt  G.  und  hainlichj  inder  halnlicbi 
die  sele  G.       2».  daz /eft/f,  direkte  Konstruktion  ff.       27.  disen]  den  G.        28,  dax  — ttele]  de  ia( 


41.  Von  der  gaischlichen  verzukting  des  mentschen.  131 

Der  ander  ist  der  gesihtig  hymel,  den  wir  erkennent  an  siner  herschefte: 
an  der  snnnen,  bi  dem  mäne  und  an  den  Sternen,  in  disen  hymel  sont  wir 
och  geznket  werden,  also  däz  wir  gedenkent  an  ünsern  herren,  der  da  gegen- 
wärtig ist  in  siner  majestät,  und  an  sin  wunnekliches  ingesinde,  daz  ietz  da 
YTÖde  an  im  und  in  im  hat.  in  den  hymel  sont  wir  unser  gedänke  dike  5 
senden,  dar  umbe  daz  unser  girde  dester  me  gerai^et  werde  und  daz  wir 
dester  flisseklicher  dar  nach  werbent  daz  wir  zä  der  geselleschaft  koment 
von  der  sant  Augustinus  sprichet:  'o  daz  vil  hailig,  daz  vil  sälig  und  daz 
untötlich  Volk  lobent  dich,  sAsser  6ot,  die  da  niht  bedurfent  daz  si  die 
Schrift  [95^]  lesent  daz  si  dich  werdent  erkennent,  also  wir  armen  lüte  lo 
mässent,  durch  daz  wir  dich  enwenig  werdent  erkennend,  owi,  sprichet  er, 
'des  bedurfent  sü  nit;  won  du  bist  in  ze  allen  ziten  offen,  und  erkennent 
dich  luterlich  und  lesent  an  dir  lebenden  bfiche'.  und  sprichet:  *dis  ist  daz 
lebend  götlich  buch,  daz  wirt  in  niemer  vor  beschlossen,  owi,  wie  sAlig,  wie 
yrölich  diu  lob  ist  in  irem  munde,  daz  si  nit  ierrent  libes  noch  mütes  noch  15 
hertzen  swiri,  nocÄ  dehain  sorge  betrübet  sü  niemer  me.  dich  loben  ist  ain 
wunne  und  ain  vröde  an  ende,  owi',  sprichet  er,  'wir  eilenden  mentschen,  die 
noch  in  dem  trüben  tal  dirre  eilenden  weit  besofet  sint,  wie  verre  wir  noch 
von  dir  gesundert  sint,  wir  enmugent  dich  nit  loben  an  swiri  und  mugent 
dir  nit  dienen  an  urdrutz,  uns  ierret  müt  und  hertzen  sw4ri.  owi*,  spricht  20 
er,  'lieber  Got,  wenne  sont  wir  dar  komen  zu  des  wunneklichen  Gottes  inge- 
sinde,  [95^]  daz  wir  dich,  herre,  mugent  loben  an  swäri  und  an  arbait,  also 
tünt  die  die  dich  ietz  sehent  von  ogen  ze  6gen?'  in  disen  hymel  sont  wir 
gezuket  werden,  also  daz  wir  gedenkent  an  daz  hymelsche  gesinde;  aber  ze 
vordrost  an  den  minneklichen  Got,  der  da  gesihtig  ist,  von  dem  ällü  vröde,  25 
älln  wunne,  älln  süssekait  flusset.  an  den  sol  du  sele  gedenken,  wie  schöne, 
wie  wunneklich  und  wie  gut  er  ist  von  dem  411ü  güti  flüsset.  so  denne  du 
sele  an  Got  also  vil  schonhait  vindet  und  güti,  so  wirt  si  in  minnend;  won 
du  sele  hat  daz  von  nature  daz  si  gut  ding  minnen  muz.  so  ist  Got  daz 
beste   gfit  und  ist  daz  obrost  gut  und  ist  sin  selbes  güti  und  ist  an  im  nit  30 


der  himil  .  de  der  mentsche  sine  sele  .  und  sin  inren  sinne  sol  beschin  .  wie  er  mit  tuginde  sie 
bewart  G, 

1.  andir  himil  .  de  ist  G.  2.  bi]  an  G.  den  stemen]  dem  gestime  G.  3.  an  got 
ynsime  G.  6.  geraizet]  gezieret  A.  8.  Von  der  geselleschefte  sp'chit  s.  A.  G.  hailic .  o 
daz  G,  11.  mÖBsent  dnrch]  spriehit  er  .  mözen  nu  suchen  (soeben  vfi  lesin  Z)  in  der  hailignn 
scbrifte  G.  18.  dir  dem  lebinde  G.  und  spr.  dis]  Owe  spriehit  er  de  G,  14.  1.  das  got- 
liche  G.  niemer  vor]  nie  G.  16.  noc  A.  lobin  .  de  ist  G.  ain]  ir,  ebenso  11  G. 
18.  tal  in  dirre  G,         Owe  wie  G,         IS  f.  wir  uon  dir  G.  20.  Owe  uns  G.        mät]  ouch 

gemAtis  G,         21.  dar  fehlt  G.       des  aus  den  korr.  A.       zudem  w.  ingesinde  G,         22.  herre 
mngent  fehlt  G.        23.  tflnt  fehlt  G.        in  —  25  minneklichen]  als  uns  sant  Angustinns  het  uon 
inen  geschribin .  Wir  snlne  ab^  allir  maist  gedenkin  .  an  den  wnneclichen  G,        25.  dem  &llü]  des 
angesihte  ellin  div  G,         28.  an  Got  fehlt  G.       schonhait  .  sflzekait  .  nfi  gAti  uindit  .  so  G. 
29.  du]  din  G,         SO.  an  im  fehlt  G. 

9* 


isa 


a  der  gaiBchlichen  verzakung  des  meDtschen. 


¥ 


won  güti,  nnd  da  von  müss  in  die  sele  niinneu;  sit  si  von  natur  gfitu  ding 
minnet,  und  under  mt^ngem  gute  minnet  si  ie  daz  beste,  sit  denne  Got  daz 
beste  ist,  so  müss  si  iu  öch  minnea  für  Mlü  ding,  nu  spricliet  sant  Bern- 
hart  daz  du  volkomen  sele  drivaltig  minne  zu  [95"]  Gott«  haben  sol.  dii 
5  erste  haisset  'araor'.  du  ist  also  daz  ich  gantzen  willen  sol  han  Got  ze  min- 
nen,  und  daz  der  wüle  reht  glüge  von  minnenr  also  minne  Got!  du  ander 
haisset  'dileccio ',  daz  spriclit  ain  aiihaftung.  du  minne  ist  grösser  denne 
du  erste;  won  ich  han  zem  erst  ainen  brinnenden  willen  und  ainen  gantzen 
willen  Got   ze   minnende,    dar    nach    hefte    ich    min    sele    an    Got    nnd    minen 

10  willen,  also  daz  zwüschent  mir  und  im  ain  vestü  anhaftung  ist,  daz  mich 
von  im  nüt  geschaiden  mag.  du  dritte  minne  haisset  'caritas'.  du  ist 
du  obrost,  und  ist  also  daz  ich  allen  gelast  an  Got  habe,  daz  mir  süsse 
ist  an  in  gedenken,  von  im  reden  und  von  im  liören  reden,  und  ich  an 
kain    ding    anders   gelust  habe    won    au    im  allaine,    und  ich  denn  kain    ding 

U  minne  won  durch  Got,  und  also  [96°]  vil  ich  Got  dar  an  vinden  und  er- 
kennen mag,  also  vil  sol  ich  ain  ieglich  ding  minnen.  und  daz  minnen 
haisset  Caritas:  daz  ist  volkomene  minne,  und  minne  Got  denne  atlen- 
sament,  so  ich  ällü  ding  durch  Got  minne.  minne  ich  aber  kain  ding 
durch    sich   selben    oder    durch    die   güti    die  ich    dar    an    erkenne    oder    ver- 

30  stan,  und  daz  ich  nit  ui'hap  an  Got  such,  von  dem  alles  gät  geflossen  ist, 
so  minne  ich  Got  nit  allen,  ich  sol  Got  ungetailten  minnen,  also  daz  ich  ällä 
ding  dur  Got  minne  und  ich  an  kaim  ding  wolnust  habe  won  allain  an 
Gotte.  nu  sprichet  sant  Bernhart:  'so  du  sele  Got  allen  minnet,  so  wirt  Got 
und    du    sele    ain    gaist';    daz    ist    also  daz  min  wille  also  in  Got  gefüget  si 

15  daz  ich  nit  wil  won  daz  Got  wil,  und  in  dem  Intern  willen  füget  sich  Got 
also  süsseklichen  und  also  gantz  in  min  sele  daz  ir  girde  mit  im  erfüllet 
wirt.  daz  mag  [90''}  nit  alsnss  in  disem  libe  sin.  in  der  sele  ist  ain  tugent,  du 
haisset  girde,  du  enmag  niemer  erfüllet  werden  won  allaine  mit  Got  ze  hymel- 


tf.  Bit  —  diDg  minnet]  uon  ir  uature  .  de  sie  gütin  die  luinnoti  mäz  0-.        2.  ralngem]  ainem 
ielichiin  G.         ie  fehlt  0.         3.  beste  gut  ist  Ö.  öeb  fehlt  G.         5.  erste  minne  h.  Ö. 

du]  de  G.  gantzen]  ainen  grozen  G.  sol  fMt  G.  ft.  von]  nah  6.  minne  Got|  sere 
minnon  ich  got  .  uon  ainera  grozen  wilUn  O.  7.  dileetio  adhesitatis  G,  d.  adhesites  fahck  Z. 

8.  gantzenj  grozin  G.  10,  iiait  im  siaad.  ruerst  dir,  tiias  rot  durchstrichen  wurde  A. 

11.  inach  mag]  nnd  han  den  grozen  will! .  den  ich  zemerste  hatte  .  zeder  minc  ,  den  han  iah  an  got 
gehefdt .  de  ieh  iemir  an  im  harten  wil  G.  13.  und]  da  minne  G.  allen  fehlt  G.  13.  h6ren 
reden)  hSrin  G.  H.  anders  gelast]  wollust  G,  an  i.  allsinej  ainogun  an  got  0.         nach 

I  nllabe  «(  won  rot  durchstrichen  A.         denn  fehlt  G.  15  f.  vil  —  mag]  uil  alae  ich  got  ge- 

minnen  mac  .  uS  alae  uil  alse  ich  got  dran  v.  raac  .  uT>  irkennin  G.  lü/l  und  —  baiasot]  so  ich 
got  also  minnon  .  so  baizit  du  miune  G.  IT.  daz  iat]  ao  han  ich  G.  denne  fehlt  G. 

IS.  Ulü  fehlt  fälschlich  G.  minnon  alse  div  minne  an  got  anenahit  .  un  ouch  au  im  ende  bat . 
Minnon  abir  ich  G,       15.  erkenne  oder  fehlt  G.       20.  alles  gilt]  du  güti .  ellö  G.       22,  Got] 

an  vor  kaim  fehlt  G.         33.  vor  nu]  so  minnon  ich  got  allen  .  nnde  ungctülten  G.         allen] 
also  ff.        U.  si]  wirt  G,        25.  das  oueh  got  G,        lutercn  herzin  .  uQ  indem  luteren  willfn  ff. 
26.  ir]  minir  sele  ff.  2B.  du]  div  gitdo  G.         got  .  div  gcrunge  sol  irfüUit  wi 

I  mit  got  Q. 


allen] 
werdia^^^l 


41.  Von  der  gaisclilichen  venukong  des  mentBchea. 


133 


irich.     da  git  Got  unser  herre  sich  gantz  nnd  nngetaUlet  in  die  sele,  won  si 
ist  alz  edel  daz  si  kain  ding  erfüllen  mag  won  daz  edeler  ist  denn  si.    also 
spricliet  sant  Gregorius:  "dii  sele  ist  von  der  gotliait  durchflössen,    und  swaz 
minr    ist  denn  Got,    daz    mag    ir    nit  genügen',      und    da  von  git  sich  unser 
herre    ze    hymelrich    ainer    ieglichen    sele  gantz  und  ungetailten,  und    hat  sin  s  1 
ain  ieglichü  sei    also  ■vil  alz  in  enkainü  me  habe  won  si  aine,    und   git  sich 
doch    allensament;    won    er  ist    also    gantz    und    als  ainvaltig  daz  er  nit  ge- 
täillet    mag  werden.      ain    hailig  sprichet  daz  sich  unser  herre  ze  hymelriche 
zä    ainer    ieglicher    sele    sunderlich    alz    hainlich    und  alz  gütlich  füget  alz  er      1 
mit  kainer  me  nit  habe  ze  tünne,  und  alz  er  nit  me  liebes  [96'J  habe  won  Uli 
ii-.  nnd  füget  sich  öch,  sprichet  er,  in   die  gemainde  relit  alz  ob  er  sunderbar 
nieman  bekenne,     dar  an  sont  ir  verstau  daz  sich  Got  gantz  und  uugetaillet 
»,git    aim    ieglichen    mentschen    ze    hymelriche,    und    also  wirt  G!ot    und  du  sei 

gaist. 

Der  dritt  hymel   da  wir  in  gezuket    sont  werden,    der  )iaizet    intellectus,  iSm 

spricht    ain  verstantnnst.      daz    merkent    also   daz    der  raentsch    sin  sinne 
Siod  sin  beschaidenhait   sol    zuken    an  Got,    und    sol    da    verstau   was   Got  si. 

fraget    sant  Bernhart    waz  Got  si,    und    sprichet    also;    'owi,    wer  saget 

waz  Got  si?      er    ist    du    lengi,    dt    braiti,   du   höhi    und   du    tiefi'.     du 
rier    ding    sint    an    ünsrem    herren.      er   ist    du   lengi    an    der   ewikait,    wan  mM 

.  siner  ewkait  ist  weder  anvang  noch  ende,  und  dar  umb  nemet  er  in  die 
lengi.  er  ist  öch  da  braiti  an  der  minne,  won  er  hat  sich  gebraitet  in 
[b^elrich  und  in  ertrich.    er  ist  öch  du  höhi  flfO"]  au  der  magenkraft,  won 

mag  nieman  begrifen.     er  ist  och  du  tiefi  an  der  wishait,    won  sin  wis- 
lit   ist  ane  gnint,   und    kau  ir  nieman  zfi  aim  ende  komen.      'owi',    spricht  W^ 

'wie    sont  wir    den    begrifen    den    alle    die   weit    nit  begrifen  mag!    owi', 


1.  sich  Belbm  g.  G.         si]  du  eele  G.         3.  durch  flössen]  geuloxzin  .  uO  diLuon  enmac  ad 

:  erovllit  werdin  .  wan  mit  gotliohtr  nataro  G.  4  /".  ir  —  sele]  die  aele  niht  erulilJin  .  nn 

r  umbe  sot  got  der  sele  girde  erfülIlD  .  mit  im  aelbin  zehimilricbo  .  Da  wil  sie  (sieb  Z)  ünsir 

^herre  aineiu  ielichim  gen  G.         S.  in  —  ainc]  ob  iu  niht  waa  ainü  hetti  G.         7.  won  er]  ninir 

ielicbir  sele .  wan  got  6.        S.  sich  fehlt  A.       Unser  berro]  got  G.        10.  Itaincr  me]  debainir  G. 

llf.  won  —  ob]  Uii  spricbit  .  de  er  sich  indie  gemainde  also  gemainliche  fSgit  alse  O. 
13,  irkenne  baser  G.  13.  uAlleclicben  git  G.  und  aUo]  Also  Ö.  13  f.  got  üneir  herre  ain 
gsiet  n.  d.  acle;  darauf:  Minneu  wir  nu  got  also  .  de  i'ms  nüt  uroiliche  noch  lusteliche  ist  .  wan 
ünigü  tinsir  herre  got  .  un  daz  (wir  Zj  ellü  dinc  minnC  durh  got,  so  wirt  denne  da  sele  un  got 
ain  gaist .  nach  disim  übe  als  ich  gesait  ban  .  Un  ablr  iodiBim  Übe  .  alse  uit  alec  ez  mugelicli  ist 
got  Onairme  herren  zinphabinae  .  in  disim  übe  .  nüt  allaine  got  mit  sinir  hüligan  gnade  .  wände 
ouch  mit  einin  hailigin  vronlicbamen  G.  15.  der  baizct  fehlt  A.        Intel lectualis  G.        16.  da 

nerkint  G.       IT.  we  got  ünBir  herro  G,  ebenso  IS.        19.  »ach  si]  fient  wrte  er  {Sa  antwurte  Z)  ich 
abir  sprichit  er  G.         m  div  braiti  und  dfi  G.  20.  dinc  .  diu  sint  an  got  u.  h.  ff.        e»  A. 

21.  nemniit  G.         22.  Och  feMt  G.        sieb  mit  der  minne  g.  G.         24.  die  —  begrifen]  sin 
maginkrafth  diu  ist  umbegriffmlicbo  G.  25.  und  k.  ir]  wan  ir  kon  G.         zti  aim]  ze  G. 

25/".  owi  —  er]  Dv  vier  dinc  .  aprieiut  er  de  got  sie  .  uude  sp'chit  denne  vürbaz  .  Owe  ß. 
26.  begrifin  .  der  alle  die  weit  vüllit .  und  den  G.         nach  mag)  Owe  wir  armin  uientachin .  wir 
ellendm  mentschin  .  wie  sulne  wir  den  iemir  bcgrifin  G. 


hl 


134  41.  Von  der  gaischlichen  verzakang  des  mentachen. 

sprichet  er,  *ich  hatte  des  mich  gar  vertröstet  daz  ich  in  iemer  möht  be- 
grifen,  won  daz  mich  ain  wort  tröstet,  daz  sprichet  sant  Paulus,  anders 
so  getorste  ich  es  niemer  gedenken  daz  ich  in  iemer  möhte  begrifen.  ^'ir 
sont"',  spricht  er,  *'Got  unsern  herren  vahen  mit  der  hailikait*';  daz  ist 
5  also  gesprochen:  ir  sont  6ot  vahen  mit  der  haiigen  minne  und  mit  der 
haiigen  yohrte,  daz  sint  der  selan  arme,  da  mit  si  6ot  sol  umbvahen, 
und  denne  sol  si  in  vast  haben,  daz  er  ir  nit  entwischi'.  wa  von  sol  aber 
du  vohrte  meren  täglich?  'owi',  sprichet  er,  [97'']  'waz  ist  me  ze  furhtenn 
denne   ainen  gewalt   dem  ällü  ding   offen   sint?'     wir  mugent  nit  so  hainlich 

10  getün  noch  gedenken,  es  si  im  alles  kunt,  spricht  sant  Paulus,  und  dar  umb 
ist  er  wol  ze  furhtenn.  und  also  mag  sin  gewalt  die  vohrte  an  uns  wol 
meren,  daz  si  täglich  an  uns  wachse,  nu  haut  wii*  ainen  arm  da  mit  wir 
Got  ünsem  herren  umbvahen  sont.  der  ander  arm  daz  ist  du  hailig  minne. 
waz   sol   aber   du    an   uns   meren,    daz   och   si   täglich  an  uns  wahsen  sulle? 

15  daz  sol  Got.  waz  ist  besser  ze  minnen  denne  der  da  geminnet  hat  und  der  da 
minnet  und  von  dem  du  geminnet  bist?  daz  ist  der  gut  Got,  der  gross  Got, 
der  dich  gar  sere  geminnet  hat  und  der  da  minnet:  den  sont  wir  vesteklich 
und  stäteklich  minnen.  so  haut  wir  zwen  arm  da  mit  wir  sont  umb/577 
vahen  Got.      und   swenn  wir   in  alsus   krefteklich   begrifent,    so  sont  wir  in 

20  vast  haben,  daz  er  uns  nit  enphliehi;  won  swie  wir  die  zwene  arm  ver- 
lierent,  so  enmugent  wir  Got  nit  gevahen.  da  von  flissent  uns  daz  wir  die 
vohrte  und  die  minne  habent!  won  hetti  ain  mentsch  alle  tugend  an  die 
minne,  dar  umb  wurde  im  niemer  Ion,  sprichet  sant  Paulus. 

2.  daz  fehlt  A,         gant  P.]  der  groze  .  ün  der  edUe  bredier  s.  P.  de  git  mir  ainen  trost  G, 

8.  ich  niemir  des  gedenkin  G.  möhte  begrifen]  genan  mehti .  Wc  ist  abir  de  .  daz  der  groz 
sant  Paulus  sprichit .  Er  sprichit  G.  4.  spricht  er  fMt  G,  5.  geuahin  (r,  fehlt  A,  hf,  mit 
hailigun  G.        7.  entwiche  G,         8.  du  hailige  uorht  an  vns  meren  G,        er  .  mentsche  wc  G. 

9.  dem  nieman  mac  widir  stan  .  ün  dem  G.  vor  wir]  Sprichist  du  denne  herre  sant  Bern- 
hart  (Paulus  Z)  .  de  got  ellü  dinc  offin  sint  .  und  de  wir  niht  so  dainis  mugin  getan  .  mit  ge- 
dankin  .  mit  wortin  .  mit  werkin  .  ez  ensie  im  alliz  gar  offin  .  Da  (2.  Ja)  ez  ist  im  alliz  offin  . 
sprichit  der  edil  sant  Paulus .  Alliz  de  wir  ie  getatin  .  de  ist  im  aUis  offin  .  uü  endekkit  uor  gotis 
ougon  6r.  so  fehlt  G.  10  f.  spricht  — uns  wol]  Ist  de  war  grozir  herre  sant  Paulus?  Da  (Z.  Ja) 
gewerliche  ez  (ist  Z)  war  .  intrüwan  mentsche  so  ist  er  wol  zevürhtinne  .  ain  gewalt  .  dem  ellü 
dinc  offin  sint  .  der  gwalt  mac  wol  die  uohrt  an  uns  G.  14.  daz  5ch]  sprichit  sant  Bemhart . 
de  lere  uns  abir  .  wie  G,  15.  daz  s.  Got]  Ich  spriche  abir  zedir  G.  denne  d^ .  der  g.  G, 
16.  der  groze  got  .  d'  gute  got  G,  17.  und  —  minnet  fehlt  G.  vesteklich]  sflzecliche  G, 
19.  got  ünsime  herrin  G.  in]  got  G.  20.  won]  und  suln  vns  nlizen  der  hailigun  voriite  .  uü 
der  hailigun  minne  .  wie  G,  wir  fehlt  A.  zwene  fehlt  G.  21.  wir  ünsir  got  G.  21.  da  von  — 
23  Paulus]  Flize  dich  liebir  mentsche  .  de  du  got  uor  allen  dingin  liep  habest  .  so  lebest  du  aUezan 
intuginde  .  Swa  euch  du  gotis  liebi  .  die  tuginde  niht  zühit  .  die  uirderbint  schiere  .  der  Ion  wir 
ouch  gemezzen  .  nah  der  mine  .  Wan  hetti  ain  mentsche  alle  tuginde  ane  die  minne  .  aide  alle 
minne  .  ane  die  tuginde  .  des  enpfienge  er  niem^  Ion  .  Uli  dammbe  suln  wir  (uns  Z)  crefteliche 
kerin  .  an  die  mine  .  so  wirt  ellü  ünsir  arbait  .  ain  Ion  uon  der  minne  .  ane  die  enmac  niht 
gfitis  gesin  G. 


4.  Eph  4,  24  ?  10.  Hebr.  4, 13.  22.  J.  Cor.  13,  Iff. 


42.  Di8  sprichit  s.  Ansheln.  —  43.  Wie  und  war  amb  der  mentsch  bihten  sol.  135 

[42.]  Dis  Sprichit  s.  Anshetn. 

Sant  Anshelm  spriht:  'o  herre,  habe  ich  mir  min  künschi  it  benomen,  da 
mitte  enhab  ich  dir  nit  erschlagen  din  miltekait.  herre,  habe  ich  gesundet 
me  denne  mir  g&t  si,  so  enist  aber  din  erbärmed  niht  minder  denne  dir  wol 
Stande,  o  herre,  han  ich  daz  getan  dar  nmb  du  mich  mäht  vertaillen,  dar  5 
nmb  hast  du  nut  verlorn  da  mit  du  mich  mäht  behalten,  o  siisser  6ot,  ich 
f&rht  dich  nit  als  ainen  rihter,  won  ich  waiss  wol  daz  du  erbarmhertzig 
bist;  ich  [97^]  wü  entwichen  zu  dem  stfile  diner  erb&rmde.  mir  seit  min 
hertze  ich  si  verlorn  umbe  min  sünde;  aber  din  erb&rmde,  o  herre,  über 
triffet  aller  weit  sünde'.  also  vil  sprichet  sant  Anshelm.  so  der  mentsch  lo 
minr  ist  denne  Got,    also  vil  ist  sin  güti   merer  denn  des  mentschen  sunde, 

143 J  Wie  nnd  war  nmb  der  mentsch  bihten  sol. 

Eehtü  biht  sol  han  fünfzehen  ding,  spricht  ain  wiser  man.  si  sol  sin 
demütig,  daz  du  enhain  ding  sagest  durch  gastung.  si  sol  sin  rüwig  von 
hertzen,  daz  dir  laid  si  swaz  du  wider  Got  ie  getät.  si  sol  sin  beschaiden,  15 
daz  dich  der  bihter  wol  merke,  si  sol  sin  willig  von  frigem  willen  an  be- 
twungeschaft  si  sol  sin  gantz,  daz  du  nüt  verswigest  wissentlich,  si  sol  sin 
schamig,  daz  du  dich  nüt  verdekest.  si  sol  sin  emtzig,  daz  du  dik  bihtest. 
si  sol  sin  gewäre,  daz  du  weder  ze  vil  noch  ze  lüzel  sagest  und  luterlichen 
durh  f9?y  Got.     si  sol   sin  rügig,    daz  du   dich  allaine  und  nieman  anders  20 

Behtiu  bihte  du  sol  vünfzehin  dinc  han,  sprichit  ain  wise  man  .  si  sol  sin  demü- 
tecliehe,  de  du  enhain  dinc  sagest  durh  gastunge;  rüwecliche  von  herzin;  beschaiden- 
liehe  y  de  dich  der  bihter  wol  virstande;  touginliche,  de  nieman  din  herze  wizze  wan 
der  bihter;  willecliche  von  vrigem  willin  ane  betwunginschafte;  ganzeliche,  de  du  niht 
virswigest  wizzentliche;  mit  schäme,  ane  virdeckunge,  und  dike,  unde  die  warhait,  de  du  25 
wedir   ze  vil    noch    ze  lüzil    sagest,   und  luterlich   durh  Got  .  in  laide   nieman  wan  dich 

1.  Überschrift  fehlt  OAW,  sie  ist  Z  entnommen,  GZ  W  beginnen  hier  einen  netten  Abschnitt; 
nicht  dagegen  A,  2.  Sanctus  Anshelmus  spichit  (sprichit  Z)  G.  it  fehlt  G.  4.  din^  G.  4/*.  wol 
Stande]  zimilidiesie  G.  5.  0  fehlt  G.  daz  fehlt  G.  6.  mit  du  fehlt  G.  If  erbarmhertzig 
bist]  bist  ain  irbarmere  G,  9.  sünde  .  und  de  mir  min  buze  niht  müge  gehelHn  .  übir  windin 
mine  sünde  .  (0  Z)  herre  abir  G.  0  herre  fehlt  G.  10.  allir  der  weit  G.  also  —  so]  Ain 
hailige  sprichit  .  0  herre  de  ist  un  groz  irbermde  .  so  der  mentsche  erste  gedenkit  .  de  er  bihton 
(bdialten  Z)  weUe  .  so  uirgist  du  im  alle  sine  sünde  .  So  spriehit  denne  sant  Anshelmus  .  Alse 
Uli  ö.        11.  Sünde  fMt  AI        12.  Überschrift  fehlt  G,  Von  der  bihte  (rotj  Z.       17.  daz  fehlt  A. 

23.  bihte  G.         Zouginliehe  G,  falsches  Initial, 

1.  Das  Stück  Nr,  42  ist  eine  Zusammenstellung  von  Sprüchen  ähnlich  wie  Nr,  35^  und  bildet 
die  Einleitung  zum  folgenden  Beichtunterricht.  Es  findet  sich  in  G  Bl,  23^;  Z  Bl,  27^';  W Bl  30^; 
fehlt  Arundel  und  Phill  12.  Das  Stück  findet  sich  in  G  Bl.  23',  dessen  Text  in  der  zweiten 

Spalte  wiedergegeben  ist;  damit  stimmt  Z  im  allgemeinen  überein  (Z  Bl.  27*);  fehlt  in  den  anderen 
Handschriften.  —  Vgl  dazu  Schönbach,  Über  eine  Ch-azer  Hs.  lat,  deutscher  Predigten  S,  99  Nr.  102. 


4S.  Wie  und  war  umb  dor  mentach  bibt 


si  sol  sin  erlich,  daz  du  nit  unerlich  noch  scliamlich  üt  sagest.,  si 
sol  sin  gähe,  daz  du  zehant  die  sönde  sagest  so  du  si  getüst.  si  sol  sin 
kurze,  daz  du  nit  mär  dar  inne  sagest,  si  sol  sin  bloss,  daz  du  sagest  wie 
und  wa  und  wenne  und  wie  dik  und  war  umbe.  si  sol  sin  rebtvertig,  daz 
5  du  dich  fürbas  vor  siiuden  wellest  hüten,  si  sol  sin  gehorsam,  daz  du  geru 
laisten  weilest  swaz  dir  din  bihtiger  fiir  diu  sünde  setze. 

Bihte  sol  nieman  fristen  noch  uf  schlahen  von  fünf  Sachen,  du  erst;  wen 
der  tot  nahet,  und  enwaiss  nieman  wa,  wie  und  wenne  er  kumet.  und  da 
von    sol    der  mentsch  sich  vor  mit  der  biht  beraiteu:    so  der  tot  kome,    daz 

10  er  berait  si;  und  an  sweler  stette  er  kome,  daz  er  in  berait  vinde.  dii 
ander  [98']  sach  ist:  won  uns  du  schrift  ällü  dar  zu  nianet  daz  wir  bihlent 
und  unser  sund  rüwent.  unser  herre  sprichet  in  dem  ewangelio:  'gand  hin, 
ögent  uch  den  priestern!"  daz  ist  also  vil  gesprochen:  gant  hin  und  ogent 
mit  der  bihte  liwer  leben,  wie  ir  gelept  babeut,    den  priestern.     sant  Jacob 

IS  sprichet:  'bihtent  i'iwer  sünde,  durch  daz  daz  ir  bebalten  werdent!"  her  Salo- 
mon  spricht:  'nit  sume  dich  an  diner  bekerde  zu  Gotte!"  der  wissag  Ysayas 
spricht:    'enbinde    diner   sele  bände,    gevangner  mentschl*      dö  diitt  sacli  ist: 

allain  .  bedecke  die  sünde  niht  unde  wia  geborsam   dem  bihter  unde  habe  gute  zSvir- 
siht  .  abir  sok  du   denne  haben    giUe  züvirsibt,    eo  du  last  die  eünde,    und  dir  laide  ist 
1  awc  du  widir  Got  hast  getan,  und  willen  best  niemirme  ze  lu^nne  und    zo  laiBtenne,  swc 
dich  der  bihtfir  haizlt. 

5ihte  solt  du  niht  vrislen,  wan  diu  gwonbait  der  lange  übil  ist,  de  limet  zfi  dem 
übiloe,   und  ain  sände  zöbit  die  anderun  au  eich,  und   ist  der  tot  ungewiz,   unde  des 


,  unde  ierril,  euch  diu  schäme  de  der 
jntsche  viraltet  in  den  sundon,  so  kumit  er 
so  o^ch   der  note  ie  me  wirt  hie  aide  nah 

in  eele  mind,  du  solt  alse  groz  mrnne  han 
1  groze  vohrte  de  du  ez  virliezest,  und 
de    du    dich    niemer    gevrAwest    enbainis 


I 


cbtagin  angiet  Ist  den  mentscbiii  niut  r 

25  mentiBche  kume  biblon  mac  .  unde  eo  der  i 
kume  da  von;  unde  bo  der  aünde  ie  me  ist, 
dieim  libe. 

8anctuB  Augustinus  sprichet:    'owe,  seligii 
z%  den  dingin  da  zfi  du  geschaffin  bist,  und  e 

30  also    grozin    jamir    de    du    ieze    da   niht    bist, 

irtschin  dingis'  .  er  sprichit  euch:  'o  vil  hailigü  angesibt,  du  bist  ain  vollü  vfire,  du 
bist  ain  obrestü  wollusle  unde  ain  Tollekouiinü  vroide,  ain  girlichiz  antlüte  und  vroi- 
lichiu  girde'  .  er  sprichit  euch:  'iüwir  seien  hat  getürstit  nah  Got  dem  lebindin  brun- 
nen,    uu  haut  ir  begrifün,    nu  trinkint   als  vil    ir  wellent,   als  dike   ir  went,    iüch  onsol 

35  sin  niemir  me  gebrestiu  unde  sol  idch  doch  iemir  nah  dem  voUin  brunnin  dürstin;  ir 
BuInC  in  iemir  ewecliche  mit  su'zir  girde  niezin  und  iüch  sin  allezsn  minnecliche  lustin, 
und  Bulnt  sin  alle  zit  sat  sin,  und  sol  iüch  iemir  hungerne  nah  Got,  der  der  engilon 
trank  ist  und  ir  ewigü  spise'. 


12.  üw  A.         21.  der  fehlt  G.         22.  -ffihtej  Sibte  G,  fahches  Initial. 
2G.  kume  Z,  fehlt  G.         26.  Anshelmus  Z. 


e  Z,  fMi  O. 


43.  Wie  und  war  unb  der  mentsch  bihten  sol. 


137 


■won  wir  in  schaden  ligent,  daz  ist  in  der  sele  tot.  won  so  wir  ie  lenger 
ligent  in  den  siinden,  so  es  umb  uns  ie  wirs  stat;  won  ain  simde  züliet  die 
andern  an  sieh,  nnd  so  der  mentsch  veraltet  in  den  sünden,  so  kumet  er 
kume  der  von,  und  geliebet  im,  daz  er  si  kume  oder  niemer  gelassen  mag. 
du  vierde  sach  ist  [98*]-.  won  unser  pin  alle  die  wile  in  der  helle  wachset,  5 
die  wil  wir  in  den  sünden  sint.  und  scliaident  wir  also  hinnan  von  dirr 
weit  ungebihtet,  nnd  wir  wol  mi^htint  bihten,  so  sint  mr  eweklich  verlorn, 
und  so  der  sünden  ie  me  ist,  so  öch  der  nöte  ie  me  wirt  hie  oder  nach 
disem  übe.  dii  fünfte  sach  ist  daz  uns  unser  herre  so  gar  vergit,  so  wir 
lut«rlicb  gebihtent,  als  wir  nie  sünde  getan  hettint,  ich  sprich  joch  me  daz  lo  I 
er  lins  vergit  die  sünde  gar,  so  wir  joch  nunient  gedenkent  ze  bihtenn,  und 
wir  des  willen  habent  daz  wir  bihten  went.  also  spricht  der  wissag:  'ich 
sprach  daz  ich  bihten  wolte,  und  du,  heire,  vergäbt  mir  min  snnde'. 

Dis  sint  die   sachen    die    uns  dar  zfi   raitzent    daz  wir   gern  bihtent  und 
die  biht  nit  fristent.  l 


W  Ain  hailic  man  eprichit  von  der  gedullkait:  'gedultkait  diu  mazait  den  zorn,  si  be- 
rihtit  de  herze,  si  machot  den  mentschin  demiitich  und  sterkit  in  in  der  not;  und  bo 
sie  an  de  ende  kutnit,  so  enphahit  ei  den  ewigin  Ion'. 

So  aprichit  sant  Augustinus:  'vride  ist  ain  lutirkait  der  einnen,  ain  senfckait  des 
mdÜB,  ain  ainvaltkait  der  minne,  ain  bant  der  minne,  ain  geselle^chaft  der  tiebi  .  si  be-  20  | 
nimit  kriec  und  schaidit  urlüge  und  stillit  zorn  ,  si  trittit  die  hohcvart  undir  fiich  und 
bübit  demütekait  .  si  gesellit  mizzehelle  und  fügit  die  vinde  zeliebe  und  ist  allen  den 
löten  geveüic  .  si  engen  niht  vrOmedis  und  enbebebt  nibt  ainigia  .  si  enkan  nibt  bohc- 
vertic  sin  .  ewer  sie  habe,  der  gebalte  sie;  ewer  in  virlorn  habe,  der  suocbe  in,  wau 
swer  ane  vride  fundin  wirt  an  einem  ende,  der  wirt  viHailt  von  dem  vatir  und  von  dem  2&  | 
sun  und  gescbaiden  von  dem  bsiligin  gaist'. 

So  sprichit  sant  Bernhart:   'wilt  du  die  maze  bebaltin,  eo  stände  in  der  mitli,  wan 
dli   mitli   igt  ain   st&l   der  lugindon   ,   gnst  du   war  der  mitli  undir  dich,   so  vallist  du; 
gast  du  übir  dich,  so  virierrost  du;    stände  allewege  in  der  mitli,  de  ist  ain  tuginde  der 
maze    .    swenne  du  uzir  der  maze    kumiat,    so  mfiz   ain   ielieh  wise  man   sprechin  de  du  M  J 
siest  kommen   in  eilende  .   darumbe  stand  allew^e  in  der  mitli,   so   belibist  du  in  der 


IV.  der  minne]  a.  des  herzen  Z. 
mit  TuichträglitA  übergeschriebenem  t  vor  1  ff 


2ä.  ainigis]  cigenis  Z.        21 
29.  in  der  Z,  fehlt  G. 


138  44.  Von  der  sele  beraitonge. 

[44.]  Ton  der  sele  beraitiinge. 

fDicite  filie  Syon,  ecce  rex  tuu8  veniet  tibi.J 

Der    wissag    Ysayas    sprichet:    'lieben    tohtra   von   Syon,    enpfach    dinen 
herren  /587   und   dinen    künig;    er    kumet    dir   ze   tröste,   din   behalter  und 
5  din  Got\ 

An  disen  worten  sont  wir  dru  ding  merken. 

Daz  erst:  wer  der  si,  der  da  kumet.  daz  ist  der  minneklich  Grottes 
sun  von  hymelriche,  der  ain  küng  ist  über  alle  künig  und  ain  fürste 
aller  fürsten. 
10  Daz  ander  ist  wie  er  kumet  er  kunt  senfteklich  und  sfisseklich  und 
tugentlich  alz  daz  tow  des  maigen.  also  minneklich  alz  daz  edel  tow  uff 
dem  bom  vallet  in  dem  blugenden  maigen,  also  vallet  unser  herre  mit  siner 
gnade  in  die  sälgen  sele  und  machet  si  an  allen  tugenden  blügend  und 
fruhtend,  reht  alz  der  edel  bom  blüget  und  f ruhtet  von  dem  towe  des 
15  maigen.  owi,  rainnü  sele,  enpfach  wirdeklich  und  loblich  daz  edel  götlich 
towe!  berait  dich  mit  tugenden,  daz  du  mit  minneklicher  andaht  Got  en- 
pfahest  in  dim  hainlichen  gebett  mit  siner  gnade,  und  fliss  [98'^]  dich  daz 
du  an  allen  dingen  die  gnade  mit  tugenden  übest! 

Daz  dritte  ist  daz  du  merken  solt  wie  du  den  hjrmelschen  künig  enphahen 
20  solt.  du  solt  in  enphahen  als  er  ze  Jerusalem  enphangen  wart  an  dem 
palm  tage,  im  wurdent  dri  eren  erbotten:  sümlich  lüte  zugent  du  klaider  ab 
und  wuifent  si  an  den  weg,  da  unser  herr  hin  riten  solt,  daz  er  dar  uf 
ritti;  sümlich  lüt  nament  blfimen  und  gras,  lob  und  este  und  wurfent  es  6ch 
in  den  weg;  sümlich  lüte  sungent  im  nüwü  lob  engegen.  ze  glicher  wis  sol 
25  ain  ieglich  mentsch  und  ain  ieglichü  sälgü  sei  Got  enphahen. 

1.  Überschrift  fehlt  G,  vds^  h^  (rot)  Z,  am  Bande  von  zweiter  Rand  Sermo  XIII  W.  2.  Der 
lat  Text  fehlt  A,  3.  Der  —  tohtra]  Vnsir  herre  sprichit  darh  dee  wissagin  mant  esayam  .  Di- 
dte  filie  s^on  .  ecce  rex  tuus  ueniet  tibi  .  Daz  sprichit  .  Ldebü  tohtir  GZW.  6.  Na  sunt  ir 

drü  dinc  merkin  an  den  wortin  G.  7.  Daz  erste .  de  du  merkist .  wer  G.  si]  ist  G.  8.  der 
ist  ain  k.  allir  k.  G.  9.  vürsten  .  0  we  der  künediche  got  der  komit  dir  G^.  10.  ist  de  da 
merkist  .  wie  G.  11.  touginliche  G,  edel]  minnecliche  vil  himilsche  G,  12.  dem  Ä,  den 
edilne  G,  12  f.  sinir  gotlichun  g.  G.  iSf  machet  —  reht]  wirt  alle  dine  taginde  frohtbser- 
liehen  biAgende  .  uon  dem  gotlichun  to^we  G,  14.  und  fruhtet  fehlt  G.  15.  edel  fehlt  G, 
16.  tagenden]  tugintlichim  vliz  G,  18.  dingen]  dinen  werkin  G.         vbeet  .  die  da  in  gnade 

enpfahist  (verdienst  W)  G.       19.  dritte  G,  and'  A.      20.  in  fehlt  G.      21.  du  klaider]  ir  gwant  G. 

24.  in]  an  G,       sdmlich]  Etteliche  G,      im  —  engegen]  engegin  im  ain  nüwiz  gesanc  G, 
25.  mentsch  —  s&lgü  fehlt  G. 


1.  Die  Predigt  findet  sich  in  G  Bl.  24^;  Z  Bl.  28^;  W  Bl  74%'  N  Bl  77^;  fehlt  in  H, 
Arundely  PhüL  —  Vgl.  die  lateinische  Predigt  Bertholds  in  Cod.  lat.  12520  Bl.  10^  der  Münchener 
Hof'  u.  Staatsbibliothek;  ein  ähnliches  deutsches  Stück  in  der  Hs.  St  Georgen  38  Bl  108  (Längin 
S.  9)  der  Karlsruher  Hof-  u.  Landesbibliothek.  —  Gedruckt  aus  A  mit  den  Lesearten  von  Z  bei 
Wackemagel  S.  98.  2.  Isai.  62, 11.  11.  vgl  oben  S.  71  Z.  33 ff.;  S.  48  Z.  5 ff.  21.  Uatl 
21,  8 ff.;  Joan.  12, 13 ff. 


44.  Von  der  sele  beraitonge.  139 

Zem  ersten  male  solt  du  dinü  ältü  klaider  ab  ziehen,  daz  sint  din  alten 
Sünde  und  untugende;  und  swaz  böser  und  süntlicher  sitten  an  dir  ist,  die 
solt  du  abe  lassen,  und  solt  dich  klaiden  [99"]  mit  nüwen  klaidem.  drier 
band  klaid  solt  du  an  legen  engegen  disem  künig.  du  solt  dich  klaiden  mit 
rotem  sämit,  daz  ist  du  götlich  minne,  an  die  niemer  kain  mentsche  üt  gutes  5 
oder  lobliches  getün  mag;  und  dar  umb  ist  es  wol  notdürftig,  sit  wir  nit 
gutes  ane  götlich  minne  getfin  mugent.  du  solt  dich  och  klaiden  mit  wissem 
sämit,  daz  ist  rehtü  künschkait  an  Hb  und  an  hertzen:  daz  ist  ain  klaid 
daz  Grot  sere  minnet.  daz  dritte  klaid  daz  ist  ain  violvar  sämit,  daz  ist 
rehtü  demütkait  an  allen  werchen:  won  daz  ist  ain  tugent  die  Got  von  lo 
hymelrich  uflf  ertrich  zoch,  uff  der  er  rüwen  wil;  und  da  von  sol  sich 
du  sele  mit  demütkait  klaiden  du   da  wil  daz  Got  uff  ir  rüwen  sülle. 

Zfi  dem  andern  male  solt  du  blümen  und  gras  und  öle  bomes  zwiger  en- 
gegen dem  hjrmelschen  küng  sprai/'95*/ten.  die  blümen  daz  sint  tugetlich 
gedänk  und  tugentlichü  werch.  daz  gras  ist  stäte  und  süssü  girde  nach  15 
der  hymelschen  süssekait.  des  ölbomes  zwiger  ist  miltekait  und  senfte- 
kait,  die  du  dinen  brüdern  solt  ögen,  so  si  betrübet  sint,  daz  solt  du  in  mit 
muten,  mit  senften  und  mit  süssen  werten  minneklichen  benemen.  so  gist  du 
ünsrem  herren  des  ölbomes  zwiger,  swenn  du  im  sin  gemaheln  gütlichen 
tröstest  20 

Zu  dem  dritten  male  solt  du  disen  küng  enpfahen  mit  aim  nüwen  lob, 
daz  ist  daz  du  in  solt  loben  mit  singenn  und  mit  lesenn.  und  solt  daz  alz 
frölich  tun  alle  tag  daz  Got  da  von  gelobet  werde;  und  sin  lob  sol  dir  also 
süsse  sin  daz  es  dim  hertzen  und  diner  sele  ain  vröde  und  ain  wunne  si, 
und  sol  dii'  ze  allen  ziten  nüw  sin.  owe,  sälgü  sei,  lob  dinen  minneklichen  25 
schepher,  gedenk  an  die  mänigvalten  gnade  die  er  dir  hat  getan  und  noch 
[99^]  wil  tun,   und   loben   iemer   mere!     Got  loben  und  Got   dienen,  daz  ist 

1.  Da  solt  zemerst  dinü  a.  cl.  nemin  .  ufi  solt  sü  ab  ziebin  G,  din  alten]  alt  G. 

S.  da  alle  abe  G.         5.  s&mit]  saemide  .  uü  mit  wizem  .  ufi  mit  uiolaarwem  .  Der  rot  ssemide  G. 

fit]  niht  G.        6.  oder]  noch  G.       und  fehlt  G.        es]  uns  de  clait  G.       6/*.  nit  — wissem] 

got  niemir  gesehin  mugin  .  wir  ensien  dcnne  beclaidit  mit  der  gotlichun  minne  .  Daz  andir  clait 

de  ist  der  wize  G,        8.  rehtü]  ganzü  G.       9.  got  wol  geuallit  .  un  de  got  G.       klaid  fMt  G. 

10.  allen  dinen  w.  G.       won  —  tugent]  vfi  gedenke  daran  .  de  demAtekait  ain  tuginde  ist  G. 

11.  zoch  .  Demfltekait  ist  ain  tuginde  .  uf  der  ünsir  herre  r.  G.  und  da  von]  Also  G. 
12.  mit  demÄtkait]  gerne  G.  da  wil]  welle  G.  uff  —  sülle]  bie  ir  rüwe  G.  13.  Zu  —  solt] 
Daz  andir  de  du  solt  tun  engegin  des  grozin  künegis  zükunfte  .  de  G.  14.  dem  h.  küng]  im 
solt  G.  die  —  sint]  de  sint  die  blümen  die  du  im  solt  spraitin  .  Daz  sint  dise  G.  15.  graz 
de  ist  G.  16  /*.  ist  —  brüdern]  de  ist  de  du  dinen  swesteron  (deinem  prüder  W)  aUezan  milt- 
kait  .  Uli  senftekait  GZ.  17.  solt  du]  solt  G.  17  f.  mit  milten  fehlt  G.  18.  senftem  A. 
beneffi  .  ufi  solt  ir  din  herze  uf  tun  .  mit  miltekait  .  so  GZW,  du]  dv  A.  19.  herren]  herzin 
falscMich  G,  21.  Zu  —  disen]  Du  solt  ouch  den  himilschin  G.  lobe  .  als  er  zehierlm  en- 
pfangin  wart  .  an  dem  balmetage  .  De  nüwe  lop  G,  22  f,  alse  hizceclichen  .  ufi  alse  uroi- 
licbin  G.       23.  alle  tag  feMt  G,        27.  loben]  lobe  in  G. 

1.  vgL  oben  S,  45  Z.  If, 


140  44.  Von  der  eele  beraiton^  ^ 

daz  wunnekliehost  leben  daz  ie  wart,  nu,  tug:eiithaftü  sei,  lob  den  wunnek-  i 
liehen  Got  mit  hertzen  und  mit  mnnde!  lob  in  von  aller  diner  kraft!  da 
dir  an  lob  gebreste,  daz  du  sin  lob  nach  sinem  werde  nlt  volle  gerechnen 
laugest  und  nach  diner  sei  girde,  da  beyilch  sin  lob  für  dich  den  brinnen- 
6  den  seraphio,  und  bitte  si  und  alles  hymelsch  her  mit  Lertzlicher  girde  daz 
Sil  den  gegenwurtigen  Got,  der  ir  heiTe  und  ir  künig  ist,  für  dich  lobent, 
und  daz  si  in  für  dich  bUtent  daz  du  zu  der  geselleschaft  kernest,  daz  dB  . 
in  denne  an  ende  werdest  lobend,     amen.  a 

f4.5j  Ton  der  waren  mlnne. 

'  10  Du  minne  ist,  sprichet  Prosper,  alz  mich  dunket,  guter  wille,  der  geschai- 
den  ist  von  allen  irdenscheu  dingen  und  zu  Got  gel'üget  ist  ane  schidung 
und  gezimbert  mit  dem  füre  {99"/  des  haiigen  gaistes.  gut  wille  ist  also  daz 
din  wille  gefüget  si  von  allen  den  dingen  du  dich  Got  unhainlicb  machent, 
daz  ist  du  weit  und  Allii  ir  gezierde  und  ir  gespenste:  daz  flübet  alles  du 
15  wäre  minne  des  guten  willen,  äUü  unsuberkait  ist  von  ir  geschaiden. 
duDg  zwüschent  Grot  und  dem  mentschen  enwil  si  nit  wissen,  enhain  unstäl 

Prosper  aprichit:    dti  minne   ist  also  mich  dunkit  gQtir  wille,   der  geschaidin  ist  i 
allen    irischen   dingin  diu   geginwertic  sint,    und   jiegote   gefflgit  ane  schidunge,  und   ge- 
zimbirt    mit  dem  väre   des   hailigin  gaislis,  von  dem    sie  ist   und  an  den  sie  sich  dennit 

20  virbrflgillli  .  gfite  wille  der  ist  also  de  din  wille  geffigit  sie  von  allen  den  dingin  diu 
dich  und  got  bainliche  machont  .  der  schiene  glänz  dirre  weit,  der  ist  Im  nibt;  der  3Ü£i 
dirre  weit  enpfindit  er  nibt;  der  untrüwoo  dirre  weit  enpfligit  er  niht;  janiir  zirgnnclichir 
dinge  des  enhat  er  niht  .  gar  und  gerne  tände  des  hailigiu  gnistis  rat,  de  ist  gar  der 
minne  wille,    von  dem  ai  kumit,    in  dem    ai  riiwet,    ane  den  enmac  enhain  dinc  gut  sin  , 

2i  ellü  unsubirkait  is£  von  ir  geschaiden;  schidunge  entzwliscfaon  Got  und  Ir  wil  sie 
wizzen  niht  .  sie  enwil  niht  sin  in  den  dingin  diu  da  haizint  uneuverkalt  der  weit  .  si 
enwil  ouch  niht  de  siu  ir  also  nahe  sie  de  sie  müge  gedenkin  wie  M  schidunge  sül 
ain;    ellü    wandilungo    und    nnstetekait  der   weit   teil  sie    niht  wizzin  .  allü  diu  ding  dfi 

1.  nu]  0  we  G.  2.  düiir  girde  crafth  G-  3.  gereebnen]  recliin  G.  6.  der  ir  künic .  uB 
ir  hcire  ist  G.  dich  fehlt  A.  7.  du  schier  zS  G.  If.  komest  —  amen]  liomest  .  da  du  in 
iem'  werdest  lobende  .  mit  allen  himilschen  tuginden  .  uG  da  du  dich  wirst  urOweode  mit  ainir 
gotlicbun  aogesilit  G;  Z  fwjt  noch  bei;  Des  helfe  vns  got  .  aüT,  W  dagegen  nach  angesiht:  vnd 
mit  allen  den  clev  er  zfl  der  ymmerwerender  vraüde  geladen  hat .  daz  ist  dev  hiraelischo  vraflde . 
wann  daz  mag  wol  der  himelische  vrailde  sein  wa  tusont  iar  sint  alz  ein  tage  .  der  gwter  ver- 
gangen ist.  S.  üherachrift  fehlt  QZ,  Warn  Rande  von  nceiter Band  De  caritate.  10.  Prosper 
sprichit  .  Dv  minno  ist  to  beginnt  OZW.  13.  gefüget]  geaehdden  oder  getrigot?  (Eoetht). 
13.  irtschen  fehlt  W.  diu  g.  sint]  deu  irdische  sint  11'.  IS/',  geziuibert  —  des]  zu  dem  W. 
20.  der  der  G.  zu  gefflgit  vgl.  Z.  13.  21.  (.  dich  got  unhainliche  mit  A,  22.  zirgandichir] 
zl  ei^Snchleicher  W.  23.  ist  fdilt  W.  25.  unsubirkait  ist]  vnscr  werche  sind  W.  21  f.  sul 
Ün]  mfig  gesein  W.        2S.  weit  w.  aie  fehlt  G. 


9.  Das  Slüek  findet  »ich  in  G  El.  25'',  deaaen  Text  in  der  zweiten  SpalU  mi^eteül  ist; 
aHmmt  Uberein:  Z  Bl.  29«,   W  Bl.  15;  fehlt  Antndtl,  Phill. 


■"»«■■■     I 


45.  Von  der  waren  minne.  Itl 

kait  wil  si  Öch  nüt  wissen,  über  alle  flaischlich  minne  ist  si  höh  uf  er- 
haben, der  weite  minne  ist  ir  widerzäme.  du  minne  in  der  daz  flaisch  ist 
erzogen,  du  gebürt  alles  an,  und  ist  ir  gebiirte  unnütz,  won  si  ist  zu  flaisch- 
lichen  dingen  geuaiget.  du  minne  ist  stät  und  hat  witen  begriffen  und  ist 
kreftig  und  hat  fünf  küngrich  under  sich  gedruket:  daz  ist  der  mund,  di'i  0 
ogen,  du  oren,  die  hende,  die  füsse;  die  nüwren  ällü  zit  Gottes  [100"]  zorn. 
du  minne  ist  ain  hail  des  frides,  die  kraft  des  tüvels  hat  si  überwunden. 
»i  betwinget  den  der  hymel  und  ertrich  geschaffen  hat  und  des  alles  gewaltig 
ist  und  hymelrich  und  ertrich  begrifen  hat,  den  betwinget  si  daz  er  sich 
mäss  erbarmen  über  des  mentsehen  missetat.  du  mäht  och  minne  han  die  10 
Got  nit  vertribet,  und  die  ratet  und  haisset  und  spricht:  wilt  du  nieman  wol 
tun,  so  tu  doch  dem  wol  der  dir  wol  tat,  und  minne  den  der  Got  aller 
stäteklichost  liep  hat.  du  minne  och  den  der  dich  und  die  drivaltekait  ver- 
sünaen  sol ,  der  dich  von  den  sünden  wisen  sol ,  der  dich  den  rehten  weg 
laiten  sol,  der  dich  zu  Gotte  füren  sol,  der  dem  tüvel  sine  kraft  an  dir  be-  1 
nemen  sol.      du  minne  ist  &llli  zit  girig  gütliches  contemplierens,    daz  si  die 

man  hierin  aide  sehln  mac,  gesmekin  aide  gerüme,  diu  eint  vor  ir  ougin  als  aiiilr  zir- 
ganginre  lac;  iibir  alle  minne  diu  vlniachliche  ist,  ao  ist  sie  hohe  uf  irhebit  .  der  well 
minne  itt  ir  gar  ungebi'ire  .  dd  minne  in  der  daz  vlaiacfae  wirt  mögen ,  diu  gebirt  alle- 
zan,  und  ir  geburt  ist  unnlicze;  wan  sie  ist  genaigit  zu  den  dingin  dli  da  haizint  vlaisch-  20 
libiu  minne  .  du  minne  ist  starke  und  het  wit  becangin,  und  ir  craft  bat  fünf  kunb- 
ricbe  undir  sich  gednickit  zetunne  des  libi.^  geluat«:  daz  ist  der  munt,  du  orin,  du 
ougin,  die  hende  und  die  vftze;  die  nüwint  altezan  Gottis  zorn  ,  wir  enmugin  Gotia 
minne  niht  gewinnen  mit  dea  libis  wolluat  .  dll  minne  ist  ain  hall  dea  vrides;  die  craft 
dea  llbia  und  der  weit  und  des  tievils  bat  sie  dberwndin  .  aie  ist  ain  endo  des  bimll-  23 
achin  gebottis  .  si  betwingit  den  der  allez  himilriche  und  erLriche  gescbaffin  bat;  und 
der  alliz  dez  gewaltic  ist,  de  himilricbe  und  ertriche  begriffin  hat,  den  betwingit  sie  de 
er  sich  mSz  irbarmen  übir  sich  und  äbir  des  mentscbin  missetat  .  si  ist  du  oberoatiu 
Gotjs  minne  .  du  mäht  ouch  minne  han  die  Got  niht  virbütit  und  die  er  ratit  und 
baizit  und  spncbit:  wilt  du  niemanne  wol  tftn,  so  t&  den  wol  der  ouch  dir  nol  tüie,  30 
und  minne  den  der  gäl«  bilde  trage:  du  minne  ist  bezzir  .  minne  die  die  Got  alUr 
liepste  die  sleti  bant:  du  minne  ist  noch  bezzir  .  minne  den  den  dir  Got  gegebin  hat 
zeminnone  und  ze  ainem  suenere,  der  dich  und  die  drivaltekait  virsflnen  sol,  der  dich 
von  allen  sündon  wialn  aol,  der  dich  den  refatin  wec  lerne  sol,  der  din  aCap  wesia  sol, 
der  dine  craft  irkichea  aol,  der  dich  ze  Got  fflgin  aol,  der  dem  tievil  alne  crafth  an  dir  35 
benemin  sol:  du  minne  ist  vil  bezzir  .  allir  nücziate,  alJir  sicbirlichist  ist  d(i  obeioat 
gotlichü  minne   und  ist  allezan  gerik  gotllchiz  couIempIieriDia ,    de  sie  die  süzun  süzekait 


3.  gebärt  —  gebirt.  IS.  uf  irhebit]  erhaben  TT.  19.  irzo  am  E^ide  der  Zeile  G. 

19/:  allezan]  allez  ab  W.         23.  alle  sampte  W.  24.  hail]  tayl  W.  26.  alles  fehlt  W. 

31.  nocA  der]  dich  lieb  bat  vnd  der  di'r  anch  W. 


142  45.  Von  der  waren  minne. 

süssen  süssekait  werde  erkennend:  des  hymelschen  flOO"]  vatters  gewalt,  sins 
lieben  suns  wisshait  und  des  haiigen  gaistes  senftmütkait ,  wie  Got  da  ze 
hymelriche  ir  aller  minner  si,  wie  er  in  allen  da  gemain  si.  si  ist  ob  allen 
dingen,  si  ist  Got  selbe,     und  der  in  der  minne  wonet,  der  wonet  in  Gotte 

5  und  Grot  in  im,  sprichet  sant  Johans.  swaz  du  minne  tut,  daz  t&t  Got; 
und  daz  Got  tut,  daz  t&t  du  minne.  si  ist  ain  tot  der  Sünden:  kain  sünt- 
lich  ding  an  worten,  werchen  oder  an  gedenken  mag  bi  ir  lebend  sin.  si 
ist  ain  leben  der  tugend:  alle  tugend  werdent  von  ir  gespiset,  alle  tugend 
wachsent  von  ir  und  werdent  von  ir  gesterket  und  erhöhet,  alle  tugend  sint 

10  von  ir  gezieret,  si  ist  ain  gewiffen  der  haiigen  hertzen:  dem  si  striten 
hilfet,  der  gesiget  und  mag  im  nüt  geschaden.  si  ist  ain  sache  aller  wirde- 
kait.  si  ist  fruhtbär  an  den  rüwenden,  won  si  git  trost  in  der  rüwe,  und 
nach    dem    tröste   git   si   gelust  ze  guten  werchen.   [10  0*^]    si  ist  frö  an  den 

werde    irkennende,   de   sie   irkennende   werde  des  himilschin   vattirs  gwalt,   ^is  liebin 

15  suns  wisliait  und  des  hailigin  gaistis  miltekait,  des  hailigin  gaistis  senftekait»  des  hailigin 
gaistis  sfizekait;  wie  die  drie  persone  mit  ain  anderen  werkent,  wie  du  wandilunge  in 
himilriche  sie,  wie  erberliche  diu  geselleschafte  zehimilriche  sie,  wie  umbetrfibesalliche  ir 
lebin  sie,  wie  er  ir  allir  minner  sie,  wie  er  in  allen  gemaine  sie  .  sie  ist  ob  allen 
dingin  und  ir  werke   ob  allen  werkin,    sie  ist  got  selbe;    und   der  in  der  minne  wonet^ 

20  der  wonet  in  Got,  und  wonet  Got  in  im  .  swc  diu  minne  tAt,  de  tot  Got;  de  Got  tot, 
de  tfit  du  minne  .  sie  ist  ain  tot  der  sündon,  wan  dehain  süntliche  dink  an  wortin,  an 
werkin,  an  gedenkin  mac  niht  bie  ir  lebinde  sin  .  sie  ist  ain  lebin  der  tuginde:  alle 
tuginde  werdint  von  ir  gespisit,  alle  tuginde  wabsint  von  ir,  alle  tuginde  werdint  von 
ir  gesterkit  und  werdint  von  ir  irhöhit,   alle  tuginde  werdint  von  ir  geziert,   und   sie  ist 

25  allen  tuginden  saelic^ic  .  sie  ist  ain  tuginde  den  vehtendin:  wan  swer  wol  vehtin  wil, 
der  sol  die  minne  han,  so  vihtit  er  tugintliche  .  sie  ist  ain  crone  in  den  signüftserin: 
nieman  wol  gesigin  mac,  wan  den  du  minne  hilfit  striten  .  sie  ist  ain  gewefin  der 
hailigen  herzin:  diu  hailigin  herzin  du  mit  der  minne  gewefint  sint,  den  enmac  nüt  zu 
komin,   enhain  übil   de   sü   virwndon  müge  .   sie  ist  ain  sache  allir  wirdekait:    sellü  du 

30  wirdekait  du  an  allen  dingin  ist,  da  du  minne  niht  enist,  de  ist  reht  als  ein  brunne 
der  ainen  bösin  grünt  het,  und  alse  ain  burc  ane  tum  und  alse  ain  künic  der  nihiis 
gwalt  hat  .  sie  ist  fruhtbsere  an  der  rüwe:  wan  so  du  rüwe  kumit,  so  ist  sie  berait 
mit  dem  tröste;  nah  dem  tröste  git  sie  gelüste  gütir  werke  .  sie  ist  vro  in  den  zA 
leginden:  sie  git  vroide  den  die  gütü  werk  tünt,  unde  machot  siu  willecliche  zfi  leginde. 

d5  sie  ist  ain  signenüftserin   an  den  martereme:    alle  die  martir  du  dich   ane  gat  von  der 

1.  8u«88ekait  l  drivaltekait?  3.  ir  A.  5.  Johäs  A,  10.  si  fMt  A,  14.  nach 

vattirs]  tugend  vnd  W,         Minis,  falsches  Initial  G.         20.  de  Got]  waz  got  TV.  22.  ir  le- 

binde] i«rem  lewen  TV.  23  f.  von  ir  gest  —  tug.  werdint  fehlt  TV.  25.  saelichic  mit  später 
eingefügtem  1  über  c  ö,  sa'lichait  TV.  27.  den  G,  der  dem  TV.  32.  an  gewalt  W.  33/1  zft 
leginden]  den  si  sol  zu  legen  TT'.         35.  si^ghaberinne  /f. 

5,  L  Joan.  4, 16. 


45.  Von  der  waren  minne.  143 

ZU  legenden,  si  ist  ain  signuft  in  den  martren.  si  ist  och  ain  Ion  in  den 
volkomnen,  an  die  nie  mentsche  Got  wol  geviel.  mit  ir  nieman  gesunden 
mag;  si  git  genüg  mit  ir  ze  tünne.  si  git  stätekait  der  tugend,  ewiges  leben, 
ewig  sälikait,  ewig  vröde,  rihtüm  äne  gebresten,  minneklich  geselleschaft.  si 
ist  ain  wercherin  in  den  globegen.  si  git  in  ze  lobenn  da  von  Got  gerümet  5 
und  geeret  wirt  in  ertrich  und  in  hymelrich.  si  git  dar  nah  ze  tünne  da 
von  si  Gotte  aller  liebest  sint 

Nu   mentsch,    tu   daz  dii*   du   minne   rate,    tu   daz    dich    du   minne   lere; 
won  alles  daz  gut  ist  an   aim  ieglichen,    daz  lebet  von  der  minne.     Got  ist 
selber    du  minne;    waz  möhti  denn  besser  sin?    habent   die  rehten  minne,  so  lo 
mugent  ir  Gottes  gewaltig  sini 

[46.]  Ton  des  mentschen  gliehang. 

Unser  herre  geschüf  den  mentschen  dar  zu  daz  daz  hymel/^iOO^rich  mit 
im  erfüllet  werde,  da  der  engel  gebrosten  wäre,    und  enw&rent  och  die  engel 

kest^unge  des  tüvils,   von   der  kranchait  des    vlaischis   und   von  allen  den  dingin  du  15 
dinem  herze  widirwertic  sint,   die  wil  sie  mit  gewalt  virtribin  .  sie  ist  ouch  ain  Ion  der 
voUekomeni :  ane  die  minne  nie  nieman  Got  wol  geviel ;    mit  ir  nieman  gesündon  mac  . 
sie  git  inen  sich  mit  ir  ze  tünne   swc  sie  wen   .   dar  nahe  git  sie  stetikait  der  tuginde, 
ewigiz  lebin,    ewige  selkait,  ewige  vr6de,   rihtOme  ane  brestin ,  minnecliche  geselleschaft, 
da  niht  criegis  wesin   mac  .  truren  ist  ir  gar  virsagit,  stetecliche  minne  si  habint,    von  20 
der  minne  nieman  andirs  sagit    wan  selde,   ere  unde  allis  göt    .   ach  mich,  minneclichir 
herre  Got,     wie  gar  du  ir  allir  willin  tösti     du  hast  ir  bant  zirbrochin,     sü  lebent  in 
wt^nnen  swie  sü  lustit;     wan   sü  habeten  ^,    da  von  sint  siu  geziert  vil  und  me    mit 
msen^rhande  wirdekait  .  der  lebinde  sunne  het  sü  beclaidit,    von  dem  daz  ewige  liebte 
g^t,   von  dem  sü  alle  wishait  haut  .   ir  lebin  ist  in  der   ewigun  gothait;    vlize  dich  von  25 
allim  dinim  herzin  de  du  gedenkest  so  du   beste  mäht,  und  de  du   tAest  swc  dA  gOtis 
mäht   .    mit   den    dingin    mac    nieman    gesunden    .    sie    ist    ouch    ain    werkerin    in  den 
gloubigen:    sie  git  inen   ze  gloubinne  da  von  Got  gerämit  und  geeret  wirt  in  ertriche 
und  in  himilriche  .  dar  nahe  git  sie  zetunne  da  von  sie  Got  allir  liebeste  sint  .  gloube 
de    dich   du    minne  lere,    t^  de  dir  du   minne  rate;    wan   allis    de  Gotis    ist  an   dem  30 
mentBchin,   de  lebet  von  der  minne  .   Got  ist  selbe  diu  minne,   waz  mehte  bezzirs  sin? 
habent  rehtun  minne,  so  mugint  ir  Gotis  gewaltic  wesin  ! 

3.  lebens  A»  12.  Überschrift  fehlt  G  W,  Dis  sp'chit  vns*  h^e  (rot)  Z,  Des  sundages  als 
mä  aUa  secht  in  septnage  (rot)  PhüL  14.  im]  den  mentschon  G.         nach  wäre]  da  ez  nibt 

gar  irfüllit  wo  .  daz  seit  mit  den  mentschon  iruollot  werdin  G,         18.  sie  wen]  man  wil  W, 
23.  wnnen  G.         27.  ouch  fehlt  W.  30.  Du ,  falsches  Initial  G. 

12.  Das  Stück  findet  sich  in  G  ßl,  26^;  Z  Bl  31^",  W Bl  16%'  Phill  Bl  1S2<':  darnach  ge- 
druckt hei  Friehsch,  Deutsche  Handschriften  in  England  I  S,  227.  —  Der  Traktat  zerfällt  in  zwei 
Teile,  dessen  zweiter  Teil  eine  ähnliche  Spruchsammlung  bildet  ivie  oben  Nr.  85.  42  und  der  zweite 
Teil  von  Nr.  43  (S.  136  Z.  28 f.)  in  der  Fassung  von  G,         20—25.  Man  beachte  die  Beime! 


144  46.  Von  des  mentschen  Eichung. 

nit  gevallen,  so  halt  unser  heire  also  gedaht  daz  er  mit  den  mentschen 
wolle  den  liymel  erfüllet  han.  nu  geffir  es  also  daz  die  engel  gevielent,  und 
geriet  och  do  den  mentschen  daz  öeh  der  geviel  und  Got  ungehorsam 
wart  und  verlor  die  tugent  da  mit  er  sich  Gotte  und  den  engein  glichen 
5  solle,  und  verböset  sin  rain  nature,  daz  si  unrain  wart,  swer  nn  wider  wil 
kouien  zu  der  ere  und  zu  der  wirdekait  die  unser  müter  verlorn  hat.  der 
müss  mit  sehs  dingen  wider  komen.  der  mentsch  viel  mit  zwain  dingen  in 
dem  paradyse;  nu  mSzeii  mir  auch  ivider  komen  mit  zwain  dingen,  daz  du 
nature  ir    kraft  wider    gewunue.     der    mentsche  viel    an  dem  gelüste  nnd  an 

lu  höffart.  nu  sont  wir  da  wider  allen  bösen  gelüsten  wider  stau  tugentlich. 
wir  sont  uns  och  verdruken  mit  der  [101"}  demülkait.  der  mentsch  müss 
6ch  sich  den  engein  glichen  an  zwain  dingen,  wil  er  wider  komen.  daz  erst 
ist  daz  du  allen  den  vergebist  die  dir  ie  laid  getatenl,  und  luterlich  ir 
frünt  sigist.      daz    ander  ist  daz  du  in  öch  dienest,  als  och  dir  der  engel  ze 

15  allen  zit«n  tut.  der  mentsch  müss  sich  och  glichen  dem  guten  Got  an  zwain 
dingen,  e  er  wider  komen  muge  zu  siner  wirdekait.  daz  erst  ist  rebtü  ge- 
horsarai:  dar  an  sol  sich  der  mentsch  bilden  nach  ünsrem  herren;  won  er 
waz  unU  an  den  tot  sinem  vatter  gehorsam,  daz  ander  ist  der  gehorsami 
stätekait,  daz  uns  nüt  der  von  geschaiden  muge,     dis  sint  du  sechs  ding  da 

W  mit  wir  mder  komen  sont  zft  der  ere  die  wir  da  mit  der  ei-sten  sünde 
verlurent. 

Sant  Augustinus  sprichet:  'o  süssü  sele  min,  sag  mir:  waz  ist  d&z  säsfie 
daz  mich  da  under  wilent  [lOP]  so  vast  rüret  daz  ich  gar  von  mir  selben 
kum?     schier  wird  ich  verwandelt,    und    beginnet   mir  wol  ze  sinne,  daz  ich 

26  nieman  da  von  gesagen  kan  waz  oder  wie  mir  ist.  o  sälgü  sele,  sag  mir: 
ist  es  der  den  ich  da  minnel'  ach,  vil  sälgü  sei  min,  sag  mir;  ist  es  min 
liep?  so  er  aber  denn  verholn  kunt,  daz  ich  in  denn  vahe  und  ich  in  nit 
also  lasse  varen,  er  müssi  niii'  ain  pbant  lassen  siner  göti,  daz  er  schiere 
her  wider    kome    und    daz    er  denne  alle  zit  bi  mir  blibe*.     er  sprichet  och: 

BO  'o  herre,    min  Got,    min  zäversiht    und  ain  vröde  mins  hertzen,    sag  mir  ob 


I.  hat  ez  ünsir  G.  S.  geriet]  verriet  Z.   uimctin  G,  4.  dem  ongil  G.  5.  aolto 

fehlt  fälachlich  G.         7.  viel  mit]  uiel  &n  G.         7  f.  in  —  dingen  fehlt  A.         10.  d»  wider]  der 
mittlre  ir  knlt  widir  geninnen  .  un  snln  G.       tugintJicbe  und  raincliche  G.  11.  wir  —  och] 

Daz  andir  ist  .  de  wir  uns  sulno  G.         deniu'Cekait .  alse  er  üch  irbabin  hat  .  mit  hohcnait .  mit 
den  zwain  diugin  .  büI  der  mentscho  der  natare  ir  craft  \nAiz  gewinne  G.         12.  de  ODgil  G- 
komin  zB  der  ere  .  die  er  mit  der  er«tun  Bünde  oirlore  G.  13.  ist]  daran  du  dich  den  engU 

f^licliiii  flolt.  de  ist  G.        ie  dehain  lait  G.  \af.  oü  soll  1.  ir  fr.  wn  G.        14.  dienen  aolt  G. 

16.  tflti  dienot  G.  le.  ist  dö  relitü  G.  IS.  untz  —  20  Bont)  sinini  natc'  gehorsame  .  und 
kam  uou  dem  himilriche  uf  de  ertriche  .  nnd  we  gchoraam  unz  an  den  tot  .  An  den  (diseu  Z) 
sehs  dingin  boI  der  mentecbe  widir  komen  ff.  20.  da  fehlt  G.  21.  hain  uirlurne  G. 

2S.  mich  da]  an  sinir  gebügide  mtcb  G.  23  f.  so  —  kiun)  wonct  zo  ni^rinne  .  alae  uaste  .  nnd 

alao  Bfiieclicfae  .  de  ich  beginne  gar  werdin  oon  mir  selbnn  G.  24.  vor  und]  »cbicr  kume  ich 

abir  widir  ff.         also  wol  G.  25.  o  ea'igü]  0  we  G.         26.  ist  ea  min]  ob  ez  aie  min  G. 

27.  aber  denn]  abir  G.         28.  laze  oon  mir  v.  O.        30,  ain  fehlt  G.        mir  liebir  herre  ob  G. 


40.  Von  der  inentachen  glichung. 


i4S 


daz  du  vrÖd  ai    von  der   du  spricliest:    "bittent,  ir  sont  gewert  werden,  daz 
üwer  vride  werdi  vol",    nn  riht  uf,  sei  min,    all  din  kanst,  und  gedenk,  also 
du  mäht,  wie  gut,    wie  snsse  daz  gfit  si   von  dem  illü  süssi  fliisset,    daz  ist 
daz  obroat  gut  und  daz  geblümte  gut,  daz  ist  der  minneklich  Gut.     an  dem 
vindest  du  alles    gut,   all  vröd,    [lOl'J  alle    süssekait,    won    er  ist  du  gantze  s 
salikait.      da   vindest  du  alles    daz  du    ie  gertest,    daz  du  ie  minnetest,   dar 
umb   vabest    du    in  mit  süsser  minne  und  mit  gantzer  girde  und  hebest  dich 
an    in    also  sösseklich  daz  er  niemer  von  dir  gewenket,    und  la  dir  wol  mit 
im  sin',    von  der  lijmelschen  vrMe  spricht  er  öch:   'o  herre,    ällü  hj'melschü 
vr6de,    ällü  h;fnielschü  wunne  lit  an  dir,  du  bist  es  alles',     'o',  spricht  sant  lO 
Anshelm,    'du    sÄlgü  sei  hat  ünsern  herren  in  hj'melrich  nach  irem  ■Rillen  in 
aller  wolnust  und  nutzet  in  vrftlicb,  wie  ir  girde  gert.    und  alz  si  ain  leben 
hat  da  ze  lebenn  eweklicb,  also  erkennet  si  Got  senfteklich'.    er  sprichet  öch: 
'o  vil   minneklicher    anbuk,    Got   sehen    in    im    selben  und  in  Got  sehen  den 
mentschen,    sin    nature,    und  Got    sehen    in    siner    sele    mit   sälger  vröde  und  is  , 
mit   VTÖlicher  sälikkait!      alles    hymelsch    gesind  [101'']  hat  viftde   an    ünsers 
herren  angesiht      sin    antlüt  ist  schiene,    sin  red  ist  süsse;    er  ist  glustig  ze       \ 
habenne    und    süss  ze  minnende  und  gevallet  wol  von  im  selben,      nihtes  nit 
sÜchent  usser  halb  im,    won  man  vindet    an  im  alles    des    man  gert!"      sant        ' 
Bemhart  spricht:    'mentsche,    wilt  du  Got  hainlich  sin,    so  solt  du  gern  mit  ffl) 
dem    herzen    aine    sin    und    Allö    ding   von    dim    hertzen    schaiden,    M-on  Got 
allaine.      wie    reht   nütz    daz    ist',    sprichet  er,    'daz    hat   min  hertz   dik  wol 
befunden*,     so  sprichet   sant  Augustinus:    'mentsch,    wilt  du  wissen  war  umb 
du  Got   nit    krefleklich    minnest,    daz   ist   da   von  daz   du  nit  erkennest    wie 
vil   er   dir   ze  gut  hat  getan;    won  erkandist  du  daz  rehte,    du  minnettst  in  25 


I 


1.  eprichist  nii  bivtest  bie  dem  hailigun  (jaist .  eon  ,  de  (da  Z)  er  gprichit  bittint  nnd  ir  G. 
2.  riht  dich  uf  8.  min  .  riht  uf  a.  O.        also]  also  uil  G.        S.  w.  gfit]  w.  proz  O.        i.  oberostc 
gilt  .  und  de  beste  fffit  .  nH  de  gebt  g.  G.       ■minefliche  G.  5.  ist  fehlt  Q.         fi.  alles  daz] 

a.  des  G.  7.  liebeet]  hast  ff.  8.  nnd]  nu  G.  9.  von  —  II  Anehelm]  Sanctus  Aug? 

redet  non  der  himilBcbun  uroide .  uud  ppric-hit  .  0  heiro  min  got  .  ganziv  .  Iiimilschiv  selkait .  du 
nitist  nD  haizate  öns  [darmif  Z;  das  wir  o'ch  dicii  bitten  .  vnd  geheizest  vns)  .  de  du  fns  wel- 
lest gebin  .  de  ünsir  uroide  iiol  werde  .  Owe  herre  nu  bitte  ich  dich  de  dn  mir  gebest  .  die  wil 
de  ich  die  uroide  niht  hnn  geemekit  .  da  zehimilricho  .  und  ich  niht  bin  algar  dnrh  ulozzin  .  non 
dinir  sAzeknit  .  und  ich  niht  gar  wnnecliuhe  zfl  dir  bin  gefflgit  .  so  mdz  min  gemSto  daran  hli- 
gtn  .  min  znnga  müz  dn  non  reden  .  min  herze  mtiz  de  minnen  .  niine  sele  müz  danach  huo- 
gime  .  minen  lip  mSz  tlnnscb  dfiretin  ,  alliz  de  an  mir  ist  .  de  mäz  girde  dar  nahe  hau  .  uD 
alle  (alle  mine  äderen  Z)  mflzcu  brinnen  nach  (von  Z)  minnen  .  £tl(i  minii  begemnge  mflz  se- 
nungo  da  nach  lian  .  unice  de  ich  beBophit  wirde  Inder  sSzekait  .  Snnt  Anshelmg  sprichit  0  WZ, 

\i  f,  in  aller]  mit  ganzir  G.  Vä.  hat  —  lebenn]  da  hct  z.  blibeone  G.         senfteclicbe  , 

uri  ri'iwet  an  im  uroUiehe  G.        14.  wnneelichir  G.        \if.  den  ni.  sin]  din  ö.        15.  diner  G. 
IB.  ingesinde  G.  18.  minnende  —  wol]  niczinno  er  geuallit  G.         selben  .  uü  genallit  dnrh 

sich  selbuD  G.         19.  anj  in  G.         19  f.  So  spr.  s.  B.  G.  20.  mit  got  h.  sin  indinim  gebette 

_»  G.        ai.  dem]  dinim  G.        22.  wol  fehlt  G.         25.  gar  uil  G.        in]  got  G. 


liS 


46.  Von  der  jseDtBchen  glichung. 


von  allem  dim  herzen',  so  sprichet  sant  Paulus:  'owi,  liebö  kint 
nnd  minneot  Got  und  dienent  [lOS'J  im  andäbtklich  mit  grossem  flisse,  und 
merkent  waz  schaden  iich  da  von  kuinet  ob  b-  es  niht  tünt.  in  ti-üwen,  er 
nimet  üch  die  gnade  und  wisseget  tich  dar  umbe'.  so  sprichet  üch  sant 
>  Bemhart;  'owi,  minneklicher  Got,  du  hast  mir  vU  gutes  getan,  dar  umbe  ich 
dich  minnen  sol;  doch  wirt  mir  min  hertze  von  dekaim  dinge  so  sere  en- 
zündet  zä  diner  minne  so  da  von  daz  du  den  jamerlicben  tot  und  die  bittet; 
liehen  marter  dar  mich  litte,  daz  du  mir  wider  gewunest  min  erbe'. 


f47J  Von  Unser  rrowen  nnd  Ton  haiigem  leben. 


)  [Et  in  hahitatione  sancta  coram  ipso  »linistravi.J 

'Ich  diente    vor  Gölte    in    der    haiigen  wonung   balliges   lebens',    sprichet 
unser  vrowe  in  der  wisshait  buch. 

Und  sint  an  disen  werten  dj'ü  ding  ze  merkenn,    daz  erst:  daz  si  diente 
vor  Got.      daz    ander:    daz   si    daz    tet  in  der  baiigen  wonung.      daz  drii 
[  15  daz  81  waz  in  haiigem  lebenn. 

Daz  si  {103'J  sprichet:  'ich  diente  vor  Gotte',  dar  au  sont  ir  merken 
si  ze  allen  ziten  vor  Gotte  diente;  won  daz  si  sprach:  'vor  Gölte",  daz  ist 
vil  gesprochen  das  si  ällii  irü  werch  tet  in  der  mainung  reht  alz  ob  si 


I 


» 


Et  in  babitatiooe  sancta  coram  ipso  mtnistravi  .    disiu  wort   sprichit  der  fuilic  f 
20  von  önairre  vrown  sant  Marien,    reht«  als  aie  spreche:    'ich   dieode   vor  Got   in  der  1 
ligun  woDUDge  hailiginz  lebinz '. 

Na  merkint  an  den  Worten   dn'i  dinc :    de   sie  dionde   vor  Got  in   der  bailigun  wo- 
niinge  .   de  sie   Rpricbit:    'ich   diende    vor   Got',    daran   sulnt   ir   viratan    de    aie   ze  allen 
zitm  vor  Got  diende;    wao  de  sie  sprach   'vor  Got',   de  ist  also  vil  gesprochiu   de  i 
35  kU&  irti  werke  mit  der  wtrdekait  tet  und   Inder   mainunge  alse  si  vor  Gottis  antltU 


1.  lobent  got  ff-  4.  Dimit  am  Band  G.  wissaget  Ä,  wisenot  ff.  nacA  anibe]'  " 

Er  Bpri[cAJ(|  ouch  .  Ir  suliit  irwem  lip  bindin  .  undo  Bulnt  in  reht  aahin  .  de  ir  in  got  zedionisle 
bringent .  Uoair  herro  sprichit .  Do  ieb  gebomo  wart  do  viel  ich  in  arbwt .  uFi  inder  arbait .  blaibo 
^^^  ich  unz  an  minö  tot  .  de  ich  an  dem  crüze  niino  ende  nam  ,  So  sprichit  ttin  hailic  maa  .  ez  en- 
^^^L  wart  nie  dchain  arbait  .  noch  bittirliait  .  noch  dohiüuir  slaht«  pin  .  dos  der  gotia  Bun  an  im  niht 
^^^^  hetci  .  un  eutet  de  niht  darumbe  .  de  erz  bcdorfti  .  er  tet  ok  aJlis  durhe  üUBime  wiliin  .  de  er 
^^^B  uns  loHti  .  uoQ  der  ewi^'un  not  .  und  oucli  danimbc  ,  de  er  die  bittirkait  der  arbait  uiraühti  (ver- 
^^^V  smebti  2)  ,  de  er  lins  deate  baz  mehU  gloubin  in  unseren  arbaitin  .  und  ho  wir  in  an  rüftin  .  de 
^^^J  er  üch  deste  U'MJedichir  fibir  vns  iibarmeti  .  wä  er  oucb  die  arbait  bofundin  hat  GWZ.  (kb 
^^^B  fehlt  O.  H.  geun  .  und  best  mir  uil  gütir  gäbe  gegebin  ff.  li.  dekaim]  dehainir  Beblabte  O. 
^^H  8.  gcwnncst  min]  kouftist  min  rchtiz  ff  WZ.  9.  tlierichrift  fehlt  GZ.  IL  diene  A..  _ 

^^^1  19.  Et]  Ut,  faUehea  Initial  ff. 


.  AnkläTige  an  Eph.  5,  3;  Born.  8,  S8f         9.  Das  Stiick  findet  sicA  in  ff  Bl.  2S', 
Text  oben  in  der  ivieiten  Spalte  mitgeteilt  ist,  damit  gtimmt  im  großen  und  ganzen  üherein  Z  Bl.  3, 
f  fehlt  in  den  anderen  Haa.  10.  Eccli.  24, 14. 


1  haUgem  leben. 


m 


Gottes  antlät  stünde;  woii  si  waz  ze  allen  ziten  an  allen  tugenden  reht  als 
si  vor  Gottes  antlät  wäre,  won  si  waz  in  der  hüte  des  liaUigen  gaistes.  si 
mohte  wol  sprechen:  'ich  dient«',  won  alles  ir  leben  waz  ain  dienst  vor 
Got  nu  sont  wir  uns  bilden  nach  ir.  sit  daz  alles  ir  leben  ain  bilde  ist 
und  ain  liebt  aller  tugend  und  sälikait,  so  sont  wir  öcb  bilde  nach  ir  nemen  5 
und  sont  dienen  vor  Gotte,  als  üch  si  tet;  und  sont  ällü  ünsrü  wercb  tun 
in  der  mainnng  reht  alz  wir  vor  Gott«s  ogen  standent,  won  alles  des  ment- 
schen  leben  ist  ain  dienst  vor  Got,  an  des  allain  der  in  der  hoptsiinden  ist 
sit  wir  äne  höbet  sünde  sint,  so  sint  wir  in  GotflOS'Jtes  hulden.  so  ist  och 
alles  unser  leben  ain  dienst  vor  Gtottes  antlüt,  es  si  daz  wir  joch  dienen  vor  w 
Gottes  ogen  mit  amiabt  oder  an  amiaht,  mit  usserem  gescliäfte  oder  mit 
inrera  gaiste,  oder  swie  du  arbait  und  der  amtabt  si:  daz  wir  in  gehorsam! 
tünt,  daz  ist  alles  ain  dienst  vor  Gotte.  nu  si  joeh  da^  ain  mentsche  umb 
sin  gütät  gere  von  den  lüten  geerot  werden,  so  ist  doch  sin  dienst  ain  Ion 
vor  Got.  aber  swaz  im  eren  erholten  werde,  die  sol  er  enphahen  also  daz  15 
man  in  ere  an  Gottes  statt;  und  sol  sich  eren  nit  werren,  er  sol  ir  vre  sin 
dar    umb    daz  Got    an    im    geeret    werde    und   daz  man  Got    an  im  erkenne. 

stünde;  nau  sie  wc  ze  allen  zlten  in  der  pflegunge  ir  herzin  und  ir  libiz  an  zühlJn  und 
an  allen  tuginden  tdae  sie  Gotis  antlCite  scbowed,  van  sie  was  in  der  böte  des  hailigin 
gaialia  unde  in  der  gehügede  Gottis.  20 

Da  nah  raerkiiit  de  sie  spricbit:  'ich  diende'  ,  sie  mabt  wol  spreebin  de  eie  diendi, 
wan  allis  ir  lebin  ain  dienist;  wc  vor  Got  .  nu  sulne  wir  uns  bilden  nah  Ir  .  sit  sie  ist 
ain  lieble  und  ain  bilde  allir  tuginde  unde  selkait,  so  auln  wir  nemin  ab  ir  bilde  und 
svlae  euch  wir  dienen  vor  Got,  als  ouch  sie  tet;  und  suln  lelliu  ünsiriu  werke  tön 
in  der  ewirdekait  und  in  der  mainunge  alae  wir  vor  Gottie  ougen  standen,  wan  allii  25 
lebin  i^t  ain  lieht  vor  Got,  wan  der  ain  der  ane  houpt  sdndon  ist,  des  lebin  ist 
allis  ain  dienist  vor  Gottia  antlüte  .  sit  wir  denne  ane  boupt  alinde  sin ,  so  sin  wir 
in  Gotis  bulden;  so  ist  ouch  alliz  ünair  lebin  ain  dieoiste  vor  Gottis  antliite,  wir  dienen 
mit  ambaht  odir  ane  anibnht,  mit  uzzirme  gesch&>pbide  odir  mit  inrem  gaiet,  odir  swie 
diu  arbait  und  de  ambabt  sie:  de  wir  in  gehorsam!  lügen,  de  ist  alliz  ain  dienist  und  am  SO 
Ion  vor  Got  .  du  priorin  mit  ir  dienist,  der  priol  mit  sinim  dienist  unde  dli  undir  priorin 
und  bittchofe  ambabt,  ebte  ambahte  und  kurzelicbe  alle  die  die  mit  debaiiieni  ambaht 
odir  an  ambabt  arbait  odir  kumbir  hain  in  Golia  nammin,  de  ist  allis  ain  dienist  vor 
Got  .  nu  sie  joeh  de  ain  prior  aide  ain  priorin  odir  ain  bischophe  oder  swer  ambabt 
het,  de  er  geert  werde  von  den  lülin  durh  des  ambahtis  willin,  so  ist  doch  sin  dienist  35 
ain  Ion  vor  Got  ,  nbir  swaz  im  eren  irbotlin  wirt,  die  sol  er  enpfan  also  de  man  in 
ere  an  Gotis  stat;  und  ensol  sieb  eron  niht  warin,  er  sol  ez  vro  sin  danunbe  de  Got 
an  im  geert  werde  und  de  man  Got   an  im  irkenne  .  su  ist  sumelicben  lüten  ambabt 


lt.  anilaht  Ä,  ebento  im  folgenden.  19.  was]  wa'n^  G. 
j-  lebin  Z.  26.  ain  vor  lieht  zweimal,  einmal  getilgt  G. 
t  am  Rapide  beigefügt  6.  36.  Ubir,  falsche*  IniHai  G. 


26.  wirdekeit  Z. 
lieht]  dienest  Z. 


I 
i 


148 


47.  Ton  änser  vroireu  und  von  h«ilg«fli  Ithta, 


I 
I 


i 


nn  ist  samlicben  inten  am^aht  and  ere  swäre.  nad  ziehest  sich  gern  da  tdb: 
nnd  so]  daz  von  demütkait  sin  daz  si  ongem  ere  habent  na  sprichet  aiD 
bailig  daz  es  in  me  danket  ain  trakait  denn  ain  demütkait  der  am&aht  nn- 
gern  hat,    von  der  silit  gei-ner  [102'}  daz  man  im  diene,    denn   daz  er  aim 

}  andren  diene;  nnd  si  lebent  gemer  mit  gemach  an  am^ht  denn  si  mit  am- 
i^afat  angemach  habent.  nnd  ist  daz  harte  tnmplich,  sit  ällä  unser  arbait  ain 
Ion  ist  vor  Gott«. 

Nn  merkent  fürbas  daz  si  diente  in  ainer  wonnng  bailges  lebens.  daz 
waz  wol  war,    won    si  wart    gehailget   in    ir  müter  libe.    and  alles  ir  leben 

»  waz  gar  hailig,  won  si  waz  oswendig  an  irem  leben,  iowendig  an  ir  sei  ain 
Spiegel  Tor   gotte   und  vor    den   luten  an  aller  silikait,    won  si  waz  gar  ain 
latni  sälikait  ond  hailikait  aller  unvermassfeter  tagend,    und  da  von  moht 
wol  sprechen  daz  si  wonet  in  der  hailikait  des  hailigen  lebens. 

Sit  wir  nn    an   ir  vindent   alle    hailikait    haiiges    lebens.    so    sont  wir 

i  nach  volgen  an  hailgem  und  an  lutrem  lebenne. 

Daz  erst  ist  rainkait  des  hertzen  and  [103']  des  libes.  du  soll  dich 
flissen  daz  diu  hertze  und  din  conscienci  gar  rain  nnd  luter  si,  nit  lilit 
argwänig,    nüt    üppig    gedenke;    büt    allü   zit    der    laterkait   diner    conscienci. 


und  ere  üWEere,  und  uehiot  eich  gern  der  von,  und  sol  de  von  demfitekait  geschehm  de 

)  sie  ungerne  ere  htibcn  .  nu  sprichtt  ain  hailic  man :  'fit  dunkit  mich  me  ain  trachail 
denne  ain  demi'itekait  der  ungerne  ambabt  het,  wan  der  äibt  gernir  de  man  im  diene, 
denne  er  den  aiideren  diene;  und  sü  lebint  gemer*  mit  g«mache  nae  ambabt  denne  siu 
mit  Ungemach  ambabt  haben'  .  unde  ist  daz  harte  tumpiich,  sit  alle  änsir  arbait  und 
üneir  dieniat  ain  dienist  und  ain  lou  tat  vor  Got. 

h  Nu  merkint  vürbaz   de  sie  epricbit:    'ich    diende   vor  Got   in  der    wonuoge  des   hat- 

li^n  lebtna'  .  iie  mabt  wol  eprechin  de  sie  Got  diendi  in  hailkait  des  lebinnis,  wan  eie 
wart  gebailigot  in  ir  mütir  übe  .  und  allis  ir  lebin  wc  gar  lutir  und  hainlich,  wan  sie 
WC  uzwendic  an  ir  lebinne,  inwendic  an  ir  eele  ain  spiegil  vor  Got  unde  vor  den  löten 
an  allir  selkait,    wan  sie  wc  gar  ain  lutir  bailkaJt   allir  uuvirmasegotir-tuginde  .  da  von 

n  mabt  sie  wol  eprechin  de  sie  lebet!  in  der  hailkait  des  bailigin  lebina  .  sit  wir  nu  an  ir 
vinden  hailkait  allta  hailigin  lebinnis,  so  sulne  wir  ir  nach  volgen  mit  hailigim  lebinne  . 
sit  sie  ist  der  liuhtende  tac,  awer  denne  nah  ir  gut,  der  wirdit  enlUuhtit. 

Wellen  wir  nu  haÜic  werdin,  ao  mftzin  wir  drö  dinc  ban  an  ünsirme  lebinne:  dflz 
tat  lulirkait  des  herzin,   rebtekait  der  werke,  miltikait  der  finnon  .  mit  disen  drin  dingin 

i  wirt  der  menteche  gor  lutir. 

De  erst  ist  rainekait  an  libe  und  an  herzin  .  du  aolt  dich  vüzen  de  din  herze 
und  din  conecientia  gar  rain  und  ludr  sie,  niht  liht  arcwtenic,  niht  betrabton  andir 
Mte:    de  träbit  diso  conacientiam ;    uiht   uppeclich  gedenkin;    hdte  allü  zit  der  lutirkait 


IB.  erat  fehlt  A.         22.  gerne  G,  gerner  Z.  2S.  mit  ambabte  vng:emach  Z.  2S.  t< 

fthit  O,  au«  Z.  26.  Die,  /ä/BcAes  lyätial  G.  27.  lotwUch  .  mde  heiliclich  besser  Z. 

SO.  ir]  h|i  mit  überfftvchHebenem  r  G.  36.  erat  fehlt  OZ. 


I 


47.  Von  linaer  \ 


3  hailgem  leben. 


149 


si  nit  betrübet  werde  mit  dekainen  siinden.  so  du  sänne  ie  schöner 
lohtet,  so  man  ie  baz  gesilit  daz  klain  stiippelin.  also  ist  es  umb  daz  hertze 
und  umb  die  conscienciT  so  dii  ie  lutrer  ist,  so  der  mentseh  ie  bas  erken- 
net klain  tAglicb  snnde. 

Daz  ander  tail  haiiges  lebens  ist  rehtekait  der  werehe.  wellent  wir  nu  s 
volkoraen  werden  an  rehtekait,  so  sont  wir  zem  erst  han  reht  mainung:,  also 
daz  wir  ällö  ünsrü  werch  sont  tun  in  der  gehügde  Gottes  eren,  nit  dur  lob, 
nit  dur  riim,  won  luterlich  in  der  ere  Gottes  und  dur  sin  lob.  an  aim  ieg- 
lichen  guten  werch  sint  zwai  ding:  nutz  und  ere;  der  nutz  ist  unser,  du  ere 
iinsers  herren.  [103"]     neraent  wir    nu    iinsrem  herreu  die  ere,   so    nimet    er  lo 


diair  coDscientie,  de  sie  niht  betrObit  werde  mit  clainen  noh  mit  grozen  ellndoD :  wan 
so  de  herze  ie  rainir  iat,  und  sin  conscientie  ie  lutirre,  so  ez  ie  baz  siht  unde  irkennit 
[Q  im  selbin  ciain  Bünde  .  so  du  suane  Ie  sch^nir  16htit,  so  mau  ie  baz  siht  de  clain 
stuppelin  .  also  iat  ez  umbe  de  herze  uode  umbe  die  conscientie :  so  diu  conscientie  ie 
lutirlichir  und  ie  schonlicliir  entlühtit  ist  von  gnade  dea  hailigin  gaistis,  so  der  mentache  15 
ie  baz  irkennit  clain  tegelicbe  sunde  .  und  darumbe  sulnt  ir  iuch  vlizen  ze  allen  ziten 
de  iuwir  herae  und  iuwir  conscientie  rain  und  liitir  sie. 

Dnz  andir  ist  minne  zedim  ebiu  mentschin,  de  du  minnezam  siest  widir  ielicbin 
meutschin  .  du  solt  lelliu  mentschin  minnen  zedem  dinge  da  zu  du  euch  dich  seibin 
minneal,  de  ist  de  himilriche  ,  de  solt  ainera  leliehin  mentschin  wol  günnen  und  solt  20 
im  mit  dineu  tugiiiden  unde  mit  dim  gfltim  lebinne  de  himilriche  helfin  gewinnen  .  also 
solt  du  minnen  eJliu  mentschin  .  abir  die  in  dem  himilriche  sint,  die  solt  du  minnen 
indem  zfi  dem  wir  komin  suu  und  indem  siu  sint,  de  ist  Got  .  unde  minnent  sti 
aber  ans  indem  xQ  dem  wir  komin  sulne,  de  ist  abir  Got,  zS  deme  minnent  sü  uns, 
wände  ouch  wir  zö  inen  sulne  gefügit  werdin  in  Got  in  der  selbun  vroide  da  bü  iezce  26 
inne  sint. 

Daz  drille  da  mit  wir  gar  lutir  werden,  de  ist  demi'itekait;  wan  wir  suln  lins  de- 
möUgon  an  allen  fmaeren  werkin  ,  \¥au  also  vit  sich  der  mentache  gedemiigite  und 
genidirt  uf  ertriche,  alse  tiI  wil  in  ünsir  herre  irhühin  in  himilriche  .  also  sprichit  er 
indem  ewangelio:  'swer  sich  gedemütit  ufSn  ertriche,  den  wil  ich  irbAhin  indem  himil-  30 
schiu  lande  und  wil  in  eren  vor  allen  den  die  ich  an  mich  gezogln  han'  .  darumbe 
mugin  wir  uns  gerne  demütin,  de  wir  ze  himilriche  werdin  irh<>hte. 

Daz   andir    tail    hailigis    lebinnis   de  iat  rehtekait  der  werke  .  wen  wir   nu  volle- 
komin    werdin    an    rehtekait,    ao    suln    wir    hau    zemerste    reht    malnunge,    alao   de  wir 
hnIIIu   üusirii   werk   suln   ti'in    in  der  gehügede  Gotis   eron,    niht  durh   lop,    niht   durh  sa 
rilme,    lutirlich    in  der   ere    Gotls    und  ddrh    sin    lop  .    in  alm  jelichin    gOtin    werke   sint 
zwai  dinc;    nüzce  und   ere;     der  nuzce   Ist  ünsIr,    du  ere   ist   ünaira  herrin  .    nemen  wir 

ünairm    herrin   die   ere,    so    nimit    er    lins   den   niizce;    wan    dii  ere  Ist  sin    und  das 


umi  erste 


andeutm  Mille. 


rfi  rweimal  A.        U.  dia  oder  din?  G        23.  kom 
1  reht  G.  3ß.  und  ain  dßrh  iop  O,  mit  einem 


2i.  dal  daz  O.         34.  han 
r  sin,  welches  die  ümstelluitj/ 


47,  Von  finser  v 


1  biulgcm  Icbeo. 


-^ 


ims  den  nutz    der  uns  da  von  werden  solte;    und  dar  uiub   sont  wir    ünserm  "^ 
herren  sin  ere  und  sin  reht  lau.  and  sont  wir  den  nutz  han,     wir  bedurfent 
eren  nit,    lassent  ünserm    herren  die   ere  nnd  tügint  illü  ünsrü  werch  in  der 
mainung    daz  Got  der  von  gelopt  werde! 
i  la  im  die  ere,    hab  dn  den  nutz! 

gib  im  daz  lob,   Lab  du  daz  hail! 
Daz  dritte  tail  Iiailges  lebens  ist  daz  ünsni  werch  also  massig  sigint  daz  ' 
wir  weder    ze  vil    noch    ze  lützel  tügin,    alles  mit  beschaidenhait.     sant  Bern- 
hart sprichet:  'mentsch,  du  seit  in  der  mitli  stau,  so  behabest  du  die  mässe; 
10  won  du  mitli  ist  ain  stii]  der  tugend.    gast  du  uss  der  mitli  under  dich,  so 
vallest  du;    gast  du  über  dich,    so   verierrest    du;    und    da  von  stand  in  der 
mitli,  so  gast  du  in  der  masse'.    swer  nnbeschaidenlich  arbaitet,  der  kunt  in 
grosse   widerwÄrtkait,    alz    der    eilend    man    der    mänlich    unwerd    und  (103'} 
unmär  ist,    und  tut   im  nieman  kain  lieb  und  ist  gar  variert.      also  beschiht 
r  IS  öch    dem    mentschen    der    unbeschaidenlich    sich    arbait.      da    von    sont    wii- 


lop  .  wen  wir  denne  gelobt  werdin  von  fineeren  werktn,  so  nemen  vir  de  ein  ist,  und 
nimit  er  Gns  den  nuzce  der  iins  da  von  werdin  solti  .  und  darumbe  suln  wir  önBirme 
herrin  sin  ere  und  ain  reht  lazin,  und  auln  wir  den  nuKce  han  .  wir  bedurfin  eron 
niht,    Iflzen    wir   önsirme  herren    die   ere    und    tuen   seUü   öneiriu  werk  in  der  ewirdeksit 

Im  und    in  der   mainunge  de  Got  da  von  gelobte  werde. 

Im  im  die  ere,    habe  du  den  nuzce!  'j 

gibe  im  de  lop ,    habe  du  die  selde  I  ^H 

gibe  im  den  pris  ,    habe  du  de  hail !  ^^ 

Daz  andir  ist  heschHidinhait,    de  wir  ünsir  werk   also  mazEon    eulne  de  wir  wedir 

f  SS  ze  vil  noch  ze  llizil  tuen  .  wan  ewer  tebt  in  der  temperunge  stat,  der  behalüt  die 
tuginde  der  beschaidinhait,  de  ist  ain  berihterin  der  tuginde  .  davon  sprichit  sant  Bern- 
hart :  'menteche  du  eolt  in  der  mitteli  stan,  eo  beballiet  du  die  maze;  wan  ä(\  mitli 
ist  ain  atiil  der  tuginde  .  gast  du  usir  der  mitli  undir  dich,  so  valJist  du;  gast  du  ober 
dich,    eo  virierrost  du:    stände   alle  zit   in  der   mitli,    de  ist  ain  tuginde  der  maze;    wan 

I  90  swenne  du  uzir  der  mnze  kumist,  so  mSz  aio  ielich  wise  man  sprechin  de  du  bist 
komin  in  de  eilende  .  und  de  er  sprichit  er  sie  koniin  in  eilende,  de  ist  also  vil  ge- 
sprocbin  :  swer  um bescbaiden liebe  arbaitit,  der  kumit  in  also  groz  widirwertikait  alse 
der  eilende  man  der  mienlichim  ummfre  ist,  unde  enlfit  im  nieman  dehain  liep  .  und 
alse  er  ist    virierrit    und    betr(^bit,    also    vir  lerrot    der  mentscbe   der  sich   UDgemain liehe 

I  SS  ane  beschaidinhait  Abir  serbaitit  .  nnde  darumbe  suint  ir  iuch  hi'iten  de  ir  an  allen 
iuveien  werkin  in  der  maze  unde  samenunge  belibent  mit  gemainem  lebinne,  so 
ist  iuwir   dienist  Got  gensme  .   abir  sundirlichti  dinc  und  umbeschaiden  arbait  de  ist 


S/:  1\ff.  in  ÄvndG  S 
rehte  beschrädenheit  Z. 


id  die  Zeilen  nicht  abgesetzt.       24.  Daz  ander  ist  bezdchent  das  ist 
6.  u.  in  der  s.  Z.         äl.  dieoist  fehlt  G,  aus  Z. 


8  f.  vgl.  oben  S.  137  Z.  2Tf. 


J 


47.  Von  önscr  v 


n  hajigcm  leben. 


151 


m   der  masse   nnd   bliben   In  dem    gemainen  leben,    so  ist  unser  dienst 
6ot  genäme. 

Daz    vierde  tail   hailges  lebens   ist    gut   bilde,    das   wir    geben   sont  allen 
lAten.    und  sont    an  allem  linsrem  lebenn  also  wol  geordnet  sin  und  in  allen 
zuhten    wol    gezieret  sin  und  ain  spiegel  und  ain  lieht  sin  allen  den  die  iins  s 
sehent,  daz  si  gut  bilde  von    um  nement   und  Got    an  iina  lobent,  nit  allaine 
reht   und  gut  Tor  Gotte,    sunder    och   vor    den    lüten.      da  von   sprichet  sant 
Paulus:   'ir  sont   üch  flissen    daz    ir   reht  sehinnent  vor  Got  und  vor  den  tü- 
ten,   nit  allaiu  vor  Gotte,  sunder   och  vor    den    lüten',      unser   herre   sprichet 
in    dem    ewaugelio:    'sehent    daz    üwrü    werch    sehinnent    vor    den    iüten,    daz  lo 
si    dar    an    üwren    vatter    von    hj'melrich    lobeginf.      an  [103^  disen    Worten 
raerkent  wir  daz  ain  ieglich  werch  ist  ain  lieht  der  sele.     ain  ieglich  Pater 
noster    daz  du  sprichest,    ain  ieglich  Ave  Maria,    ain  ieglich  gut  gedank,   ain 
rain  gedank,  ain  süss  gedank,  süsser  wille,    ain  ieglich   venie    die   du    nimest, 
ain  ieglich  demütig  werch,    ain  ieglichü    gehorsami    und    kurtzlich   ain  ieglich  is 
gnt  werch  oder  wort  oder  gedank  ist  ain  lieht  der  sele. 


Got   niht    ain    dieniet,    wan    ez    mac    dem    mentschin    kume   wol    irgan    der   sieb    gerue 
funderoL 

Daz   dritte    ist   de   wir   gute  bilde   siilne   gebin    allen   den   lüten  .   und   sulnt   an 
allim  iuwerm   lebinne   also    geordenot   sin    und   an   allen  zähtin    also  wol  gezierte    de  ir  20 
Hin  spiegil    und  ain   lieht   eient   allen    den    die   iuch   sehint,    de  sie  gflt  bilde   von  iu 
nemen    und  Got   an    iu  loben,    niht  allaiD    rehte    und   gflt   vor  Got,    me   ouch    vor  den 
iliten  .  alse  sprichit  Bant  Paulus:    'ir  sulnt  iucb  vlisen  de  ir  rebt  scbinent  vor  Got  und 
ouch  vor  den  Iiiten:    niht  allain  vor  den  lüLin,    me  ouch  vor  Got;    niht  allain  vor  Got, 
aundir   ouch  vor  den  lüten'  .    (ineir  herre  sprichit    indem   en'angelto:    'ük  luceant   Opera  25 
vestra,    sehiot  de   iuwini  werk   schinen   vor  allen   den  lüten,    de  eiu   iunerne  vattir   von 
himilriche    loben'    .    nu    hat    geaprochin    der    raioe    munt    Jhesus    Christus:    'eehint    de 
iuwini  werke   lühteu',    daran  sulnt  ir  merkin    de  ain  ietich  gilt  werke   ist  ain  lichte  der 
sele  .  ain  ielich  Pater  noster   de   du  sprichiat,    ain  ielich  Ave  Maria,    ain    ielicb  gfit  ge- 
danc,    raine  gednnc,    süze  gedane,    eiize  wille,    raine  wille,    der  ist  ielichis  ain  lieht  der  30    l 
sele;    ain    ieliche   venie    die  du    nimist,    ielich    deniiHik   werc,    ain  ielich  geborsaini,    und  | 

kurzeliche  ain  ielich  g&t  werk  aide  wort  aide  gedane:  der  ielichz  sundirliche  iat  ain 
liebte  de  diu  sele  entlühtit  .  nu  merkint,  vürbaz  er  iiprichit:  'siu  suln  ouch  vor  den 
lülen  schinen,  niht  allain  vor  Got,  me  ouch  vor  den  lüten'  .de  ist  alae  vil  gesprochin; 
iuwirü  werk  suln  offin  sin  vor  den  löten,  niht  bergin  vor  den  lüten  ,  de  hainlicbe  55 
gut  luhtit  Got  allain,  de  offin  gut  luhtet  vor  Got  und  vor  den  lüten  ,  nu  spricbit  ain 
hailic  man:  'bezzir  ist  offini  gi'it  denne  virborginlicb  gut,  dar  umbe  de  ünsir  herre  von 
himilriche  gelobte  werde  und  den  löten  gut  bilde  gebe'. 


C.  sehent  - 
M,  werkst  G. 


uns  fehlt  A. 


2X  sprichj  G.  25.  Hie,  falsches  Initial  O. 


47.    Voi 


r  vroweti  und  von  hailgein  leben. 


Daz    fünfte    tail    haiiges    lebens    ist  mütkait    der  sinne,    daz    wir    ÜBdes-' 
hertze    und    senftes    habent    gegen  Gotte.      nu    merkent   drii  dinge  an  Gotte. 
daz  erst  ist  gewalt  und  kraft:  nieman   mag  sim  kieftigen  gewalt  wider  stan; 
ällä  geschötte  müss  sich  naigen  nnder  sin  gewalt.    daz  ander  ist  sin  i\isshait: 

[  5  du  ist  uQzallich;  er  hat  ällü  ding  mit  siner  wissbait  ze  sawen  gefäget.  daz 
dritte  ist  sin  güti,  und  ist  daz  obrost  und  daz  [104°]  beste  gut,  daz  im 
kain  gut  geliehen  mag.  wir  sont  öch  an  uns  selben  drü  ding  erkennen,  daz 
erst  ist  kraukhait,  daz  wir  so  gar  krank  sint  an  allen  göten  wercheu;  da 
sont  wir  in  bitten  dur  sin  gütlichen  kraft  daz  er  unser  krankait  sterki.  daz 
1(1  ander  ist  unwitze  und  tumphait  wider  sin  wisshait,  won  A114  du  wiashait 
und  alle  die  maister  die  schrift  ie  gelasent,  die  sint  reht  gflche  und  toren 
wider  siner  wisshait;  und  sont  in  denn  durch  sine  wisshait  bitten  daz  er  er- 
luhti  unser  unwisshait,  daz  wir  werdent  erkennent  sineu  willen  und  sin  gnade, 
daz  dritte  ist  vermasgeter  wille,  der  an  uns  und  in  uns  mit  niAnger  übli  ge- 

[.  M  fleket  ist;  und  sont  in  denne  bitten,  daz  er  durch  sine  güti  verwandel  ünsern 
yermasgeten  willen  ze  siner  g^üti,  daz  wir  von  im  in  diire  weite  memer  {104"/ 
gewenken  mugent  und  nach  disem  Übe  von  dir  nieraer  geschaiden  werdent. 


Daz  drille    daran    wir  Lailic    Eulne  werdin    an  imeiime  lebinne,    de  ist  miUekait  der 
sinnon  .   die  iniltekait  euliit  ir  vlretan   an   ain  lindk  und  an  am  senfiiz  herze   ingegin 
30  Got,   daz    in  miltecliche   irkennit   unde  euzeclicbe  an    in  gedenkin  kan  ,   nu  merkint  drtt 
dinc  an  GoL 

De    erete    ist   gwalt    und    craftbe:    nieman    mac    eim    aeftigia    gewalt    widirelan ; 

elld   creature  mÜE   eich  naigin  undir  einen  gwalt  .  daz  andir  iet  sin   wizbait:    diu   ist 

unzalliche ;    er  het   elliu    dinc   ordenliche    mit  einir   wifhait  zesamin    gefi'igit  .    daz   drilte 

U  ist  sin  güti :    du    ist    oticb   unznllicbe  ;    er    ist   sin  selbis  güti   unde   i^t  das  oberoete  und 

das  beste  gi'it   und   ist  ain   al^  ainvallic  gut  de  im  dehain  gi'it  glichin  mac  .  wir   sulne 


oucb  au  tius  selben  driu  i 
an  allen  guten  werkin  ane  e 
crafth    de    er   Anijir    crankbai 
3<i  wishait;    wan  alle  die  maistir 
ainir  wiehait:    und  sulne 
bait,    de  wir  werdin  irkeni 


'.  erste  crankhait,  de  wir  so  gar  crank  eien 
n  gotlicbun  craftb  :  unde  salae  m  denne  billin  durh  sine 
,  Sterke  .  daz  andir  ist  unwizcc  und  tumphait  nidir  sinir 
ir  die  Schrift  ie  gelasiu ,  die  sint  reht  goucb  und  torin  widir 
i  denne  bittin  duth  sine  wiehait  de  er  entliihte  ünsir  unwis- 
mde  sine  gnade  und  sinen  willin  .  doz  dritte  ist  de  wir  an 
üoe  irkennen  virmasegelen  willin,  dfr  mit  mspnegir  übili  gevkckit  ist:  unde  sun  m 
deune  bittin  durh  sin  ainvaltigun  gi'ili  und  durh  die  gut!  du  er  selbe  ist,  de  er  vitwan- 
I  SS  dile  ilnsirne  virmasegotin  unde  tin^rn  liLilue  willin  ze  sinir  güii  und  uns  gebe  lutirne 
und  giitin  willin,  und  de  ünsir  virboistir  wille  werde  geiaint  mit  einir  güti,  und  wir 
also  gefi'igit  werden  zu  sinir  gnti  mit  giilim  willin  de  wir  niemir  von  im  gewenken  in 
dirre  weit,  und  de  wir  denne  nah  disim  libe  eweclicbe  gebunden  unde  besopbte  werden  , 
in  der  tiefi  sinir  gütL 


i.  gehGfte  A,  gescbephede  Z.         6.  dz  dz  beste  A.         14.  vnuiasgcter  A.         27.  Das  e 
ist  Z.  39.  güti  .  des  helfe  vns  gut  ame  Z. 


[48.]  Von  unser  vrowen. 

'  (Transite   ad  mc  omnes  qui   co?iciipiscifis  Wie,   et  a  generationihus   meis   im- 

'Alle   die   die    min    gereut    sint,    die  sont  zu  mir  komen',    sprichet  imser 
vrowe,  'ich  wil  sü  erfüllen  von  miner  geburt".  5 

Mit  disen  worten  ladet  si  uns,  nn  sont  wir  merken  wer  der  si  den  si 
ladet:  nüt  alle  Inte,  nument  äUaine  die  gerenden;  and  daz  ist  uns  ain  troscli- 
lich  wort,  allen  den  die  ir  gerent.  na  sont  ir  wissen  daz  wir  si  mfis- 
sent  minnen  e  daz  wir  ir  mugent  gereii;  won  swaz  der  mentseli  nit  liep 
hat,  des  geret  er  öch  nüt.  nu  spricht  aiu  hailig  man  daz  wir  den  sont  10 
minnen  der  du  minne  ist,  daz  ist  Got.  alz  sant  Bernhart  sprichet:  'Got  ist 
du  minne'.  sit  denn  du  minne  Got  ist  and  Got  du  minne  ist,  so  sont  wir  die 
minne  nutzlichen  minnen;  won  daz  vindet  man  in  niänger  wis  in  der  schrift 
daz  sich  unser  herre  du  minne  nemet.  went  wir  nu  die  ß04'J  minne  braiten, 
so  sont  wir  minnen  die  lieben  mtiter,  du  der  minne  müter  ist,  als  si  selb  15 
sprichet:  'ich  bin  ain  müter  der  rainnen  minne'.  nu  sont  wir  sehen  waz 
wir  an  ir  vindent  ze  minnend.  vil  vindent  wir  an  ir:  si  ist  du  tugentriche, 
si  übersiget  mit  ir  tugend  daz  obrost  gut  und  die  obrosten  lügend,  Got 
von  hymelriche,  daz  er  von  ir  mentsche  wart,  und  gebar  uns  ainen  löser, 
also  sprichet  si:  'von  mir  ist  geflossen  ain  sälikait  allen  den  die  min  gereut  20 
sint'.  den  si  gebar,  der  ist  du  rieh  sdlikait  und  du  ganlz  güti;  dar  umb 
sont  wir  si  von  reht  minnen,  sit  si  uns  gebar  alle  sdlikait,  der  öch  alle 
sälikait  bebalten  wil.  daz  ist  daz  erste  Urkunde  daz  wir  ir  gerent,  ob  wir 
si  sAsseklich  minnent.    swenn  wir  si  Hep  baut,  so   sint  wir  ir  gerend. 


I.  JJberschrift  fehlt  GW,  Maria  Fp'chit  dls  (rot)  Z,  Item  von  voser 
.  Der  Inl.  Text  fehlt  Ä.         4.  Alle  die]  Di^il  woit  sprichit  du  ercnriche  n 


!  W)  Alle  GW.         if.  sprich« 
du  wetdä  frowe  maria  koüb  raötir  G.         6  f.  «oi 
ladit  O.         7.  lüte  —  daz]  die  lato  .  Sie  ladit  nien 
und  allen  O.         gereut  .  de  Bie  die  wil  iruüllin 
fehlt  G.  10.  nnch  nüt]  Zeglidiir  wisc  ist  ez 

zemerelin  minnä  .  S  de  wir  ir  mugin  gegeron  .  wi 
gerun  .  wir  enhaben  sl  G  liep  G.  II.  B'nb'  A, 

taa  eet  G.         12.  denno  got  din  minne  ist .  und  du  minne  gol  ist  .  so  G.        13.  1 
legen  wir  finsir  (n.  minne  Z) .  nüzceclkbe  (n.  an  2) .  wan  G.        16.  vor  ich]  Ego 
dilectionifl  G.         n.  wan  eie  ist  G.  16.  ir  tuginden  Ö.         19.  irUscr  G. 

fieaiam  mo  dicent  omnes  gcneratioueB  G,  21.  i'or  den]  Ja  de  iet  war  G. 

21  f.  gebar  —  wil]  gebar  aineu  behaltet'  nllir  äelkdt  G.  24.  swenn]  swe 

waiz  .  de  G. 


Fkiü. 
iDiseu  Wort  spricht 

en  sie  ladit .  Sie  ea- 

.  Diz  G.       8.  wort 


fehlt  G. 

—  ladet]  sulnt  ir  meikin 
a  wan  die  die  ir  gerne  ai 
lit  ir  geburt  G.  sie  5  mftziu  G.  9.  daz 
mbe  die  luginde  richü  mariam  .  die  mäzin  wir 
de  enkan  niemir  wordin  .  de  wir  Ir  mugin  ge- 
ichtig  iühans  G.  vor  Got  i.J  Dens 


um  mater  pulcro 
30.  alse  sie  epr. 
ufi  darumlc  G. 


I 


1.  Die  Predigt  findet  lich  in  G  Bl.  30',  Z  £1.  36-,  WBl.13,  NBl.14,  Fliill.  Bl.iao-'; 
fehlt  E  und  Arutiflel.  —  Vgl.  eine  ähnliche  laleinitche  Predigt  über  dieses  Thema:  Cod.  lat.  ISSäO 
Bl.  107''  der  Münchtner  Hof-  und  Slaalahibliolhck.  1.  Ecdi.  24,  ä6.  11.  /.  Joan.  4,  8. 

IB.  EcdL  Si,  34.         20.  Luc.  1,  48. 


I 


154  48.  Von  ünBcr  vrowen. 

Daz  ander  Urkunde  ist  ob  ä  uns  wol  gevallet.  war  an  sol  si  öns  woT'" 
gevallen?  an  allem  irem  lebenne;  won  si  waz  [104"]  gar  wol  behät  an 
zählen,  an  Salden  und  an  allen  lugenden,  daz  si  niemann  übel  mag  gevallen, 
won  alles  ii-  leben  waz  entlühtet  mit  der  ewigen  sunnen.  si  waz  och  behüt 
5  mit  schäm,  du  ain  schloss  ist  aller  tagend  and  aller  zaht,  als  ron  ir  ist  ge- 
schriben  daz  si  ist  ain  zuht  aller  guter  dinge  und  ain  senftmfitkait  aller 
guter  zuht.  si  ist  gar  geblümet  an  lebendem  lebenn,  an  senftmfttkait  aller 
zuht,  an  sitten  und  an  gebärden  und  an  aller  tngend  sätikait.  und  da  von 
sol  si  uns    billich  wol   gevallen,    also    daz  wir   uns  nach  ir  zühten  und  nach 

10  ir  tugenden  bilden,  so  wir  maist  mugent.  so  erzaigent  wir  ir  mit  warhait 
daz  si  lins  wol  gevallet.  won  ir  wissent  wol:  swaz  den  liUen  missvallet,  daz 
raident  si  an  in  selben,  sit  denn  du  sAlden  riebe  Maria  ist  der  blügend 
maige  aller  tugend,  so  sont  [105"}  wir  bilde  ab  ir  nemen:  rainnekait  libes 
nnd  hertzen,  dem&tkait,  gedultekait,  senftmütkait  und  miltekait  und  kurtzlich 

15  alle  tugend,  won  si  ist  der  lixhtent  tag  und  der  luter  spiegel  aller  tiailikait. 
sant  Augustinus  sprichet:  'sich  si  reht  an,  die  tugentrichen  vrowen,  nnd  merk 
rehte  ir  tugend;  won  sihest  du  si  reht  an,  so  ist  nihta  an  ir  gebreaten: 
gutes  noch  sälges  noch  tugentliches,  si  hab  es  alles'. 

Daz  dritte  Urkunde  ob  vrir  si  gereut  sint,  ist  daz  wir  si  dik  lobent  und 

20  si  gütlich  grötzint  mit  dem  Ave  Maria,  daz  ist  der  gruz  von  h^elriche, 
der  da  wart  gesant  bi  dem  engel  Gabriele,  also  sont  wir  si  dik  giüssen 
mit  hertzen  und  mit  munde,  und  sont  unser  venye  vor  ir  nemen  und  ir  zaj- 
gen  girliches  hertze,  süss  minne  und  lop  in  dem  munde,  und  sont  si  manen 
ir  frMen  und  ir  eren,  ir  s&likait,  ir  rainkait  und  [105'']  aller  ir  tugend,  nnd 

S6  sont  si  bitten    dnr    ir  silikait   daz   si    uns  erfülle  mit  ir  geburt.     sit    si    uns 

dar  z&  geladen    het,    ob  wir  ir  gerend    sint,    so  sont  wir    ir  öch   erogen  daz 

wir  ir  gerend,  daz  wir  si  minnend  und  daz    si  uns  alz  wol  gevalle  daz  wir 

irem  lutrem  lebenn  nach  volgent    und  zu  ir  koment  mit  lob    und  mit  grüsse, 

Nu  merkent  fürbaz:    sint  wir  ir  gerend,    so  sont  wir  die  sin  die  si  h&t 

80  geladen,    so  sont  wir  och  zn  ir  komen,     wellas  ist  aber  der  weg  den  wir  zu 

1-  arkfiDdo  de  ist  Q.  %  gar]  bo  G.  4.  lebin  .  was  rehte  ain  lebindee  lebin  .  uod 

WC  erififatit  ff.  5.  also  ist  uon  ir  gescbribin  G.  7.  gSter  iaht!  zuhton  G.  si  —  ge- 

biamet)  Sit  sie  nu  gar  gebl,  iBt  ff.         8.  sitten  .  an  g.  ff.        und  da  von)  bo  ff.        S.  nö  also  ff. 

ans  fehlt  A.        1 1.  Ifitenj  iüCen  wol  genellit .  dar  nah  ziobict  sie  »cb  .  vn  de  inen  an  anderen 
lüten  ff.        13.  ncmin  .  Wir  boId  ncmin  ff.        14.  miltekait  widir  aing  ielichin  mentscbin  .  uE  ff. 

15.  tugend)  zubte  .  and  alle  gQto  sitte  G.         IT.  won]  uil  ff.        Vi  f.  ist  ^  altes]  eoist  nihtis 
nibt  götis  .  noch  seligis  .  noch  tugintlicliis  des  an  ir  breat«  G.  19.  ist  ffhlt  A.  si  gerent 

—  lobent]  ir  gcren  .  de  ist  daz  .  ob  wir  dicke  zir  komen  mit  lobe  G.  20.  dem  fehlt  ff. 

20/".  von  —  geBant]  der  ir  uon  bimilriche  gesant  wart  ff.  21.  si  dik)  dike  aüzocMe  so  G. 

22.-  venye  —  und]  sQzin  v.  nemin  uor  ir  mit  aue  maria  .  vB  snln  ff.        23.  ntanon  allir  tugind' 
un  ff.         24.  tugend]  znhte  G.  26.  so  —  orogen]  de  wir  zir  komen  .  bü  sulne  wir  ouch  mit 

gei«adim  berain  zir  körnen  .  nnd  suln  ir  zaigen  G.  28.  Intrem]  hihtendem  ff.  zfi  ir]  de 

wir  dikke  ff.  mit  grÜBse]  aio  gateliche  Aue  grflzen  mit  aue  maria  G.  30.  so  sont  wiij  g 

undc  au  In  ff. 


48.  Von  üneer  vrowen.  155 

ir  sont  komen?  ist  es  der  gemaine  weg  dirre  weite?  entrüwen  nit!  es  ist 
ain  hoher  weg  und  ain  sanderlicher  weg.  der  weit  weg  ist  gemaine  and  ist 
vol  schand  und  sünde  und  seres;  den  sont  wir  nit  gan.  wir  sont  tretten  an 
den  weg  der  rainkait  libes  und  hertzen,  und  sont  künsch  sin  nit  allain  an 
dem  lib,  sunder  an  dem  hertzen  und  an  willen,  daz  nüt  an  uns  si  won  daz  5 
erlühtet  si  mit  rainkait 

Der  ander  /i057  weg  daz  ist  du  minne.  uff  den  wiset  uns  sant  Paulus: 
'der  uff  dem  weg  stat  der  rainnen  minne',  sprichet  er,  'den  wiset  si  uff  daz 
reht  erbe,  der  wirt  denn  erfüllet  mit  der  lebenden  fruht\ 

Der  dritt  weg  ist   rehtekait,   daz  wir  in  allem  ünsrem  lebenne  rehtekait  lo 
behaltent  an  Worten   und   an  werchen,  und   sont   uns   also   hüten  vor  sänden 
daz   unser   lip   und  unser  sele  reht  si  vor  Gotte  und  vor  den  lüten.      swenn 
wir   uff   disen   weg  getrettent,    so  begegent   uns  du  eren  riche  und  enphahet 
6ns  g&tlichen,    won   si   ans  minneklich    hat    geladet    daz  wir   zu  ir   koment; 
und  erflUlet  ans  mit  ir  geburt,   won  si  ist  der    käner  durch  den  der  lebend  15 
brunne    flöz.      und    alle    die    die    rainnü  hertzen  haut  und  uff   dem  weg  der 
minne    gant   mit   rehtekait    stäteklich  untz  uff   den  tot,    in  die  wil  si  denne 
den    lebenden    brunnen    laiten;    won   du   stätekait  enphahet  allain  den  Ion  in 
die  /105'^J  haut,      enkainer  tugend  wirt   der  Ion  gegeben  won  der  stätekait. 
also    sprichet   sant  Bemhart:    'stätekait   du   treit  die  kröne  über  alle  tugend,  20 
won    si   ist   ain  vehterin  und  ain  signufterin  und  ain  wighus  aller  hailikait\ 
so   wir  denne   mit  stätekait   unser  leben   yerendent,   so  kumet   du  säldenriche 
und    erfüllet   uns    mit   ir  fruht,    won  er  ist  der  lebend  brunne,    der  alle  die 
trenket   die   durstig  sint   nach  im.      denn  wil  er  üs  dufch  fliessen  mit  siner 
gothait    und    mit    siner    mentschait,    daz    wir    reht    überflüssig    werdent    der  25 
obrosten  sälikait. 


I.  dirre]  der  O.  8.  schand]  schäme  O,  den  wec  O,  vbir  tretin  O,  4.  libes  — 
sont]  de  wir  mit  ganzir  rainekait  .  an  libc  und  an  herzin  O.  5.  sunder]  ouch  G,  an  dem 
willin  O.  5  f.  nüt  —  si]  nihts  niht  sie  an  uns  wedir  an  gedenkin  noh  an  willin  .  wan  de  allis 
gar  sie  irlühtit  G,         7.  panlos  .  vil  sprichit  also  G,         8.  spr.  er  fehlt  G.         10.  in  fehlt  A. 

II.  also  fehlt  G,  12.  nach  lüten]  niht  allain  uor  vns  selben  .  und  uor  got  rehte  .  wir 
müzin  ouch  rehte  schinen  uor  den  lüten  G,         13.  disen]  den  G.         15.  uns  denne  mit  G, 
kenel  G,         17.  denne  fehlt  G.         18.  du  stetekait  div  enpfahit  G.  19.  st&tekait]  st^ete  be- 
libit  .  vnz  an  de  ende  .  wan  G,         23.  ir  lebindin  fruht  G,         lebend]  ewige  G, 


7.  im  Anschlüsse  an  L  Tim.  1,  5, 


49.  Von  unser  v 


[49.}  Ton  linser  vrowen. 

fPlantaverat  autem  deus  parad,ysif,m  voluptatis  a  principio.J 

'Got  hat  gepflaazet  ain  paradys  der  woliiust  von  angeng  der  weite;  und 

dar  in  hat  er  geleit  ainen  mentschen,  den  er  geschüf. 

i         Diso  wort  stant    geschriben    in    dem    ersten  bflch  her  Moysi  und  sint  ze 

merkend  von  unser  vrowen  sant  Mariun,    du  daz  gew&r  paradys  flOd"/   waz 

des    obrosten  Gottes,      nu    merkent    drü    ding    an    dem    ersten  worte    daz    ev 

sprichet:    'Got".      wir  hirent  Got    dike    nemen    und  hörent  vil  von  im  sagen; 

waz  aber  Got  si,   daz  enwissen  wir  nit.      Got,  daz  wort  hat  dri  betfttunge: 

j  10  daz  ist  der  brinnent  Got  und  der  erlühtend  Got  und  der  kreftig  Got. 

Der  briunent  Got  ist  er  so  er  in  des  mentscheu  hertze  kumet  und  der 
mentsch  sich  selben  erkennet  und  der  gaist  rüwet  inwendig,  swaz  an  dem 
mentscheu  ist  ze  berihtenne,  daz  berefzet  der  Inder  gaist  der  beschaidenbait. 
in  trüwen,  so  ist  der  brinnent  Got  in  dem  herzen  so  er  den  mentscheu 
[  15  also  berihtet  au  aller  siner  undurnähtkait  daz  er  im  die  git  ze  erkennend. 
der  wissag  her  David  bat  üusern  herren  daz  er  in  berihti  und  im  war  aiu 
brinnender  Got.  'herre',  spricht  er,  'beriht  mich  von  den  [106'']  unhailgeu 
lüteu';  daz  ist  von  den  sünden,  sprichet  du  glose.  daz  ist  also  vü  ge- 
sprochen: herre  bis  in  mir  ain  brinnender  Got  und  beriht  mich,  daz  ich  nit 
20  Sünde,  und  gib  mir  ze  erkennend  den  weg  der  hailgeu  lüte.  alsuss  sol  der 
mentsch  im  selben  sich  selben  für  legeu  und  sol  sich  beschowen  mit  den 
inren  ögen.  also  sprichet  sant  Augustinus:  'der  mentsch  der  den  gaist  der 
berihtung  wil    erken'neu,    der   muss    sich  in  sich  selben  zuken  und  müss  sich 

Isundren  von  allen  ussren  dingeu,    won  die  iuren  ding  mag  man   nit  behalten 
K  mit  den  ussren' ;    und  da  von   sol    sich    der    mentsche    den   ussren  dingen  en- 
zieheu    und    sol    in    uuhainlich    sin    and   sol  die  ögen  des  gaistes    uf  tun,    so 
wirt    im  Got    der    brinnent  Got,    und    zaiget    im    den    weg  der  haiigen  lüte, 


I.  UheTsdtnft  fehlt  G,  von  iJcm  paradyso  (rot)  Z.  2.  Der  lat.  Text  fehlt  A.  3.  cor 

Gotj  Diwv  wort  liait  man  in  dem  eretin  bOcJie  der  hailigun  schrifte  .  vü  sprichit  herre  moyse«  GZ. 

der  wolDUfit  fehlt  OZ.  4.  dar  in|  indem  paradtae  GZ.  gelcit]  gebotet  GZ.  den  er  ^• 
sctiäf]  dH  den  mentBcbin  hat  er  aandirliche  gpadiatfia  GZ.  5.  etant  —  sintl  eint  wul  GZ. 

n  —  santl  an  die  uruido  richan  GZ.         7.  daz]  das  Z,  da  ö.        s.  sprach  G.        9.  dea  en- 

0  G.  Got  d.  wort]  Daz  w. got.  de  G.  10.  daz  iat  fdilt  G.  Der  hr.  got  .  Der  creftigo 
got .  nnd  der  lübtendo  g.  Er.  II.  Der  —  Got]  Wenno  iat  er  der  brinnondo  gut .  de  6.  12,  er- 
kennet] beginnit  irliennen  G.       röwetl  boginnit  rflgen  G.        15.  Eirkenninno  .  und  zebereffenne  G. 

■.  her  fehlt  G.         bat]  pprichit  .  ludica  mo  deus  et  discemo  causam  meam  .  Der  bat  G. 
undo  er  im  G.         ain]  der  G.  17.  herro  spr.  er]  Er  sprach  herre  G.  17/'.  den  —  aündeal 

dem  Ifito  daz  niht  bailic  ist  .  Daz  IQte  de  niht  hallic  ist  .  de  sint  sünde  G.         18/*.  daz  i.  a.  — 
geaprocben)  Nu  bittet  der  wissage  unaime  herrin  .  de  er  in  berihte  aon  aundon  .  Reht  aUc  er 
spreche  G.        1<I.  ain]  der  G^.        20.  mir  zirkennenne  immir  scibin  G.        25.  da  von]  daiumbe  G- 
20.  des  berihtcnden  gaisds  G.         27.  dea  h.  lütis  G. 


1.  Doä  SfUdt  findet  sich  in  O  Bl.  31",   Z  BX.  37'.   B  Nr.  7;  fehlt  W,  N,  Arundel,  Phill. 
'..  Gen.  2,8.  17.  P«.  139,5. 


i 


49.  Von  dtiBer  v 


1&7 


daz  ist  der  weg  der  tagend,  der  ist  hailtg.    so  wirt  der  raentscli  sich  denne 

schaidend  von  den  löten  die  nit  hailig  sint.  also  sprichet  der  hailig  [106'] 
gaist  in  dem  lob  bücbe:  'o  schönstii  aller  wibe,  erkenne  dine  wirdekait  und 
kere  von  dem  weg  des  vihes!'  hie  manet  er  die  sele  zwaier  ding  nnd 
sprichet:  'o  sele,  erkenne  din  schonhait  nnd  din  wirdekait  und  gang  nit  an  s 
den  weg  des  vihes!"  der  weg  des  vihes  ist  du  bossliait  der  bösen  weite; 
und  swer  mit  der  weite  umb  gat,  der  ffat  in  dem  weg  des  vilies,  won  der 
weit  leben  ist  nit  mentschlieh,  es  ist  vihlich.  nu  manet  der  hailig  gaist  die 
sele  daz  si  sich  in  sich  selben  zuke  und  sich  kere  von  dem  wege  der  sünder: 
'o  schönstii  aller  wibe,  kere  von  dem  vihlichen  wege  iiff  den  tugenti'ichen  weg  lo 
und  ztch  dich  in  dich  selben,  so  mäht  da  erkennen  wie  sfisse  si  daz  obrost 
gut!'  also  sprichet  ain  hailig  man:  'es  en  si  denne  daz  ain  mentsche  im 
selben  sich  zaki  und  sich  dik  im  selben  für  legi,  so  enkan  er  nit  verstan 
die  süssekait  der  obrosten  1106"]  tugent';  und  da  von  sol  sich  der  mentsche 
im  selben  dik  für  legen  in  der  beschowung  des  gaistes,  so  wirt  er  erkennent  15 
waz  an  im  ze  berihtenn  si.  so  ist  der  brinnend  Got  in  dem  gaiste  und 
brinnet  di'i  sele,  daz  si  nach  der  erkennung  sich  berespet  und  nach  der  be- 
rihtung  sich   übet  an  guten  werclien. 

Der  kreftig  Got  ist  unser  herre  denne  so  er  den  mentschen  sterket  an 
guten  werchen.  der  wissag  sprichet:  'o  herre  du  bist  min  Got,  der  kreftig".  20 
waz  kraft  möhtint  wir  gehaben,  waz  tagende  mßhtint  wir  gewerben  an 
Gottes  kraft?  nihtes  nit.  alles  daz  wir  gutes  tünt,  daz  kumet  von  siner 
kraPt,  won  er  ist  illü  ünsrü  kraft,  so  dem  mentschen  ietzent  gebresten  wii 
in  der  bekorung  oder  vou  anderr  arbait,  so  kumet  der  kreftig  Got  und 
sterket  in  mit  siner  gnade,  daz  er  über// ö /'/windet  alle  arbait.  25 

Unser  herre  haisset  och  der  entiühtent  Got;  und  ist  daz  denne  so  er  dem 
mentschen  git  ze  erkennend  inwendig  die  götlichen  warhait.  der  wissag 
sprichet:    '0  herre,    sende    mir   din    lieht    und    erlühte    mich,  daz  ich  erkenne 

1.  wirti  raflz  G.         2,  dem  lilte  de  n.  h.  ist  G.        spriehit  denne  der  G.        3.  gaist  fthU  A. 

vor  Ol  0  pulcerrima  mnlierum  G.  4.  hie  mit  G.  Af.  dinge  .  de  sie  echSnir  ist  denne 
allü  crcatnre  .  vn  ir  wirdekait  .  de  Bt  gar  gecrt  iat  .  nbir  alto  die  weit  .  w&n  Bio  ist  gescbafrin 
von  hotun  dinge  .  Uü  eprichit  alsus  O.  D.  de  ist  G.  7.  gat  fehlt  A.  !).  sie  sielt  eelbun 
in  s.  s.  <3.  zuke|  ziehe  .  und  sich  selbon  iikenne  G.  ]0.  o]  A  eprichit  er  G.  In  tugcnt- 
richen  ist  das  c  später  iibergenchriehen  A.  11.  erkennen]  v'stan  Ö.  12.  denne  fehlt  G. 

Rin  m.]  der  m.  G.  13.  s.  sieb  eelbin  z.  O.  eebcn  A.  14.  da  von]  darambe  G.  15.  er- 
kennent] merkinde  an  des  ftaistis  bercffan^  G.  17.  bekennungo  Ö.  hereffit  G.  \1f.  nah 
berihtuDgo  ibct  sie  sich  an  G.  19.  Der  —  denne  ]  Daz  andir  ist  de  önsir  herro  iat  der  creftige 

got  .  wenno  ist  er  der  crertigc  got .  Daz  igt  er  denne  G.  20.  Kisten)  tugintlichon  G.  21.  ge- 
werbenj  gowrkin  G.         22.  iflen  .  odir  gedenken  .  de  komit  allis  uon  G.  29.  won  —  kraft 

fdUt  G.  21.  and'r  A.  25.  alle  aine  arbait  G.  2ß.  Unser  —  denne]  Daz  dritte  ist  de 

ünair  herre  haizit  der  entKibtendo  got .  Donno  ist  (i.  er  Z)  der  enliühtonde  got  G.  'IS.  o  herre] 
Efflittc  Incem  tuam  .  vnd  bittet  .  ünairn  lierrin  .  de  er  im  sie  der  cntlühtende  got .  A  herre  apri- 


1&8 


49.  Von  ünecr  vrowen. 


dine  warhait!'  also  sont  wir  öch  ÜDsern  herren  bittea  daz  er  üns~ffl~dCT  er- 
lülitend  Got,  daz  unser  hertze  erlüht«t  werde,  daz  wir  erkennen  die  göüichen 
warliait.  sit  er  denne  du  warhait  ist,  so  sont  wir  des  kainen  zwivel  han  er 
gebe  uns  sin  bymelriche  und  sieb  selben  ze  lone;  won  daz  hat  er  uns  gft- 
5  lobt,  ob  wii'  im  dienent  nnz  an  daz  ende,  in  triiwen,  swenn  uns  denne  ver- 
dnisset  der  arbait  und  des  lebens,  so  sont  wir  gedenken  an  den  Ion,  so  wirt 
si  uns  lihte;  und  swenn  wir  süss  gedenkent  und  die  götlicUen  warhait  er- 
kennend, so  ist  iinser  herre  der  eTluh[107'']teni  Got,  so  er  mit  siner  gnade 
erlühtet    den    mentschen    und    in    mit    sim    ti-oste    machet    fmbtbär    in    allen 

10  tugenden. 

Nu  merkent  fürbaz  daz  ander  wort  daz  er  sprichet:  'Got  hat  gepflanzet 
ain  paradys',  daz  spricht  ain  garte  der  wollust.  daz  wort  sont  ir  ver- 
stau an  die  silden  riehen  Marien,  die  unser  herre  gepflanzet  hat  vor  der 
weite    angenge,      du    ist   genant    ain    schöner    garte    der  wolnust.      daz   sont 

15  ir  alsus  verstau  daz  ir  der  vatter  von  bimelricbe  gerte  nud  dar  zu  sin 
sun  und  der  hailig  gaist.  ir  gertent  öch  die  engel  und  der  mentsch  und 
alles  daz  ie  beschaidenbait  gewan,  daz  gerte  ir.  der  tüvel  gerte  ir  nit,  won 
er  ist  so  i'ibel  daz  er  nit  gutes  gert.  disen  garten  der  wolnust  geschuf  unser 
herre  vor  angeoge  der  weite;  won  e  er  ie  mentsdien  geschüf,  do  hatt  er 

20  leben  geordnet  und  hatte   si  erweit    ze  ainer    müter.    da  von  hatte  [10?']  d( 
wissag  Ysayas  vor  lange  gewissaget  und   sprach:  'es  sol  us  gan  ain  rate  v( 
Yesse".     und  daz    er  spricht:   'es  sol   us  gan',  dar  an  sont  ir  merken 
US  waz    gangen  von    dem  weg    den    alle    ir  vordren    giengent    und    den    411( 
irdeschü  diet  gie:    von  dem   weg  gie  si  us  sunderlichen  weg,  der  vor  ir 

3fi  gangen  wart      daz  waz    der  weg    der  rainkait,    der    känschlichen  mJigel 

1.  8ch  fehlt  O.         3.  vor  alt]  an  sinir  gelUbdo  .  Sin  gelübBchatte  iet  .  de  er  allen  don 
riebe  ,  undc  sich  seibin  bat  gelobet .  die  im  dienent  unz  an  de  ende  .  die  warhait  aulne  wir 
irkennen  .  daran  daa  er  sia  wort  nie  geualachto  O.         dennc]  na  G.         des  —  han]   niemir  ge- 
zwiuelon  G.  4.  sin  fehlt  G.        if.  won  —  ende  fehlt  O.         tf.  denno  —  lebene]  diu  arbiüt 

awere  ist  .  vnd  üna  des  lebinnis  uirdrfizit  G.  6  /■.  so  wirt  —  erkennend]  vn  anlne  irkennin  die 

gotlidiit  warhait  .  an  sinir  gelöbede  .  so  wirt  denne  der  mentscbe  nach  der  irkennunge  vbinde 
g^tiv  werc  G.  8.  got .  nn  trostinde  got  G.  9.  n.  inj  nnd  G.  machet  er  G.  9/1  in  allen  t] 
alle  die  taginde  der  sele  G,  12,  daz  spr.]  Paradiae  sp'chit  reht  G.  13,  vor]  von  G. 

14.  vor  dM)  Wie  ist  (i.  si  Z)  ain  gart  der  wollnste  ?  G.  1 5  /:  nnd  —  aun  und]  Ir  geret  sin  üebir 
Bnn  ibc  spc  .  Ir  gert  G.  16.  öch  fMt  G.  nnd  d.  m.  und]  Der  menteche  gert  ir  G. 

17.  d.  gerte  ir]  de  gert  allia  der  toginderichun  G.  IS.  so  fehlt  G.         IS  f.  disen  —  o  er]  d« 

ragert  ouch  der  nxirwelton  niht .  Uft  dauon  de  it  allis  de  gert .  de  ie  gut  wart  .  dauon  haiz 
ain  gart  allir  wollnste  .  Nu  sprichit  er  de  äe  got  het  gesciiaffin  uon  anegenge  dirre  weit 
sGhte  sie  doch  uon  dem  erstin  mentschin  hem  adam  .  unz  an  an  bem  ioacbim  ir  uattir .  da 
er  die  tungindericbun  mariam  .  die  er  menic  tneint  iar  sälito  .  wan  e  got  G.  19.  ir] 

nrowun  G.         20,  müter]  rüwe  G.        da  von  fehlt  G.        2il/'.  Der  w.  J.  hcl  lange  uor  g.  G. 
21.  und  sprach]  Egredietur  uirga  de  radice  iesse  G.        23.  ob— weg]  uzir  dem  wege  iet  gegangia  ff. 
24.  irdeschö]  jfltschü  G.        dem  —  na]  dem  iat  sie  uzgegangin  .  ainen  G.        2if.  der  —  waz  fthlt  ff.j 


21.  /Mi  11,  1. 


49.  Von  üne 


169 


i  Tor  u"  nie  behalten  wart,  es  waz  öch  der  weg  der  dem&tkait,  der  gedalt- 
kait,  der  miltkait,  der  seoftekait,  der  götlichen  minne,  und  si  waz  aller  zuTit 
und  Salden  erfiiUet  mit  dem  haiigen  gaiste.  es  wäre  ain  harte  wunderlich 
ding  daz  man  nf  ainen  dorn  zwigeti  edel  und  gut  fruht:  noch  wunderlicher 
wart  si  gezwiget  von  dornen,  si  waz  der  lyly  der  under  den  dornen  ge-  5 
zwiget  waz.  du  fruht  dis  zwiges  waz  unser  berre  Jhesus  Christus:  der  waz 
da  lebend  fruht,  [107'']  der  wunden  hail.  es  enward  nie  mentseh  geborn,  es 
hetti  wunden:  die  patriarchen,  die  propheten  und  alle  die  vor  in  warent,  die 
hattent  alle  wunden,  und  der  wissag  David  sprichet  zu  linserm  herren  und 
batt  in  daz  er  aine  wunden  hailti,  'herre',  sprach  er,  'erbarm  dich  über  lo 
mich,  won  ich  bin  gar  sere  wunt,  min  Got!'  also  sont  wir  linsern  herren 
bitten  daz  er  unser  wunden  baili.  wa  ist  der  raent.sche  der  daz  sprechen 
möge  daz  er  nie  wurde  wnnt  mit  den  siinden  ?  sit  wir  denn  alle  wunt 
sint  worden,  so  .font  wir  bitten  den  lieben  Got  daz  er  uns  haile,  dar  zu 
sont  wir  bitten  die  sälden  riehen  Maiien  daz  si  unser  wunden  haUi,  sit  si  is 
der  wunden  hail  ti-eit  und  trüg,  ünsern  herren  Jhesura  Christum,  dis  waz 
der  edel  zwi  der  under  den  dornen  und  von  den  dornen  gezwiget  wart,  da 
von  sprichet  [108"}  der  wissag:  'si  ist  us  gangen  von  der  würzen  Yesse',  da 
von  si  der  lieb  Got  zwiget  von  kaines  mentschen  band,  es  zwiget  dii  götlich 
hand,  es  brähte  och  götlich  fruhte,  won  si  waz  der  lylye  der  under  den  m 
dornen  gezwiet  wart,  da  von  sprichet  der  wissag  wol:  'si  ist  us  gangen 
von  allem  irem  geschlähte":  den  tugentrichen  weg  gie  si,  da  nserweltü,  du 
vor  augeuge  erweit  waz  zu  aim  paradyse. 

In    dem    paradyse  warent    dru  ding,    du  hart  wol  bezaichent  sint  bi  der 
tugentrichen  Marien,  du  Gottes  paradya  waz.    daz  paradj's  waz  ze  allen  ziten  25 
blfigend  und  waz  begriffen  mit  lieht  und  waz  alles  an  mit  fride.     du  selben 
drü  warent  öch  an  ir. 


1.  es  w.  öch]  diz 
gieoc  du  soldeu  richo  d 


G.         2.  gJJtlicheDl  grozuD  G.         ü  fehlt  G.         ^.  gaigt  .  Disen  wec 
a  G.        4.  güt|  sQze  Q.        5.  w&rt  si]  wart  da  eren  riebe  mnria  G. 
6.  dö  —  liorre]  Welz  (wellez  was  Z)  abir  dli  edile  urulite  .  du  uf  disim 
edilmc  iwi  w^liee  .  Entniwon  ex  wc  der  liebe  eun  G.         T.  vniht  .  du  uffen  mam  dem  rainen 
iwi  w°hse  .  Diz  zwi  ist  de  .  de  undir  den  dornen  Kf^wie*  wart .  niid  de  iwi  gebar  öne  der  w,  h.  G. 

%.  hctti  w,|  euCrflge  wnda  .  uD  orseuio  der  wndon  6.       pat'arciiia  .  aü  die  ä>.        inj  ir  zit  G. 

9.  hattent]  trügin  G,       spricliet]  rdtto  G.  11.  won  fehlt  G.        gar  fehlt  G.       wunt  .  nu 

hail  mich  m.  g.  G.  13.  w.  wunt]  virwndot  w.  G.  iUle]  also  G.  14  f.  dar  —  wir]  wir  aulne 
ouch  G.  IG.  der  —  Christam]  de  hail  der  wiidon  tri^c  .  unde  niLc  allain  dos  hail  gebar  .  Ih.  Chr. 
iie  ist  onch  selbe  de  zwi  des  hmlia  .  de  linair  wuda  baitnc  aol  .  wan  sie  iet  ain  sundirliehir  trost 
ros  aiinen  sdndcmo  {Z  fügt  bei:  wü  der  liebe  got  zwigetc  ai  svndorlich  zetroatc  allen  Bvndoren]  G. 

n.  edel  sw-i  fehlt  Ä.        uod  dornen  G.        18.  wissage  wol  G.       gegaagin  wol  .  uon  ff. 
19,  iwiget]  zwigette  .  Diz  iwi  wart  niht  gezwigetto  G.         20.  e«]  uU  G.         o'eh  es  gotliche  G. 

22.  von]  uzzlr  G.  userweltü]  irwelte  G,  23.  vor]  von  G.  erweit  waz]  dirre  (u-ell  ?) 
WC  gezelte  (I.  erweite)  G.  paradi'so  .  wan  sie  wc  de  gowxrc  paradjso  .  uod  dem  herre  moJBea 
geeprochin  hat .  Got  het  gepflanzet  ain  paradyse  der  woUuste  G.  26.  alles  an]  alle  zit  G.  selben 
fehlt  G.        2T,  drü  dinc  G.        öch  an  ir]  an  goüs  paradjse  .  marien  der  selderichun  G. 

10.  im  ÄwAlup  an  Fa.  97, 16;  50, 1;  6,  3;  40,  5. 


160  49.   Von  iinser  vrowen.  ^M 

Si  waz  ze  allen  ziten  blügend  an  lügenden,  an  Bälden  und  an  allen 
zuhten.  und  reht  als  daz  paradys  gezieret  [108"/  waz  mit  blämen  und  mit 
graz  und  mit  edlem  gestaine,  also  waz  ir  heitze,  ir  sei,  ir  lip  gezieret  und 
geblömet  mit  tugentUchen  weichen,  mit  rainnen  gedänken  und  mit  sftsser 
6  girde.  Hswendig  waz  si  öch  geblümet  mit  scli6nnen  züliten,  mit  guten  sitten, 
mit  lühtenden  werchen.  alsus  waz  si  och  daz  lebend  paradjs,  geblümet  ze 
allen  ziten.  die  blümen  gevalwetetit  nie  an  ir,  won  si  waz  ällö  dur  flössen 
von  dem  haiigen  gaiste,  als  man  liset  in  dem  lebenden  buche  des  lobes  daz 
dö  fründin  wünscht  und  spricht:  'stand  uf,  nortwint,  und  kunt,  osterwind.   mid 

10  durch  wägent  minen  garten,  so  werdent  fliessen  min  pigmenten!'  wa  ist  der 
mentsche  der  gesprechen  muge  daz  in  nortwint  ?iie  dur  wäge,  won  allaiue 
Maria,  du  ain  lebendes  paradys  waz?  won  der  hailig  gaist  hatt  si  dni"ch 
wäget,  und  da  von  wurdent  fliessende  ir  [108'J  pigmenten;  daz  warent  alle  ir 
tugend,  die  warent  ze  allen  stunden  fliessend  und  blfigent.    nu  ist  bezaichent 

15  bi  dem  nortwint  die  sünde.  nu  wünschet  du  sele  und  spricht:  'stand  uf. 
nortwind,  und  flühe!'  als  vil  ist  daz  gesprochen  daz  der  hailig  gaist  die  sele 
manet  daz  si  den  nortwind,  die  sünde,  vertribe  und  sich  rainne.  so  der  mentsch 
daz  hertz  denn  gerainnet  und  die  sünde  vertribet,  so  kumet  der  osterwind 
und    dur  wäget    si.      der    osterwind    daz    ist    der    hailig  gaist:    der    kunt  mit 

20  siner  kraft  und  mit  siner  gnade  und  durch  wäget  si,  so  werdent  fliessend 
alle  der  sele  lugend,  und  wirt  der  mentsch  denn  übend  gütü  wereh:  so  wirt 
der  mentsche  glich  dem  blügenden  paradys  und  wirt  bli^gend  an  allen  tugen- 
den.  inwendig  ist  du  sei  gezieret  mit  süssen  gedänken,  mit  rainnem  willen; 
uswendig    mit    tngentlichen  werchen,    an    senften  wor/!/08'7ten ,    an   schönnen 

25  züliten  nnd  an  allen  guten  sitten. 

Daz    ander    daz    in    dem    paradys  waz,    daz  waz    daz   es    alles   entlühtet 
waz.    ze  glicher  wis  waz  du  rain  Maiia  entlühtet  mit  den  lügenden,  mit  der 
g6tlichen  warhait;    won    daz    lebend    liebt  waz    beschlossen    in   ir  m&gtlichem 
übe.      der   Heb    sun  Jhesus  Christus,    der    ain   lieht  ist  h^melriches  nnd  ert- 
l  f.  aa  a.  zliliteuj  .illir  zuht  G.  '2  f.  wc  mit  hIAic  .  mit  bl.  mit  grase  G.         3.  geetaine] 

smak  G.  eele  un   ir  G.         4.  und  fehlt  G.         5.  girde  .  mit  togintlkhim  willin  6.         ge- 

blvnij   am  Ende  der  Zeile  A.  sitten  .  mit  aenften' wortin  G.  6.  si  och  daz]   diz  G. 

T.  und  die  bl.  G.        ir]  der  tugindericbun  marivn  G.        i.  vod]  mit  G.        also  lisct  man  G. 
lebenden  fehlt  G,  ist  in  A  koM  zu  tilgen.  böcbe  des  lobes]  lobe  bäche  (f.  S  f.  dtus  — 

wünscht]  As.  wnscbit  d.  fr.  G.  9.  vor  stand]  Veni  nnst'  G.  kunt]  entwiche  .  und  kume  dni 
((.  du  Z)  G.  10.  durii  wege  G.         pimcnta  G,  piracnt  Z.  11.  der  de  gesprwiiin  G. 

nie  feidt  A.  gcwati  G.  12.  leben  des  paradvsea  A.  14.  z.  a.  stunden]  alle  Ö.  15.  wfinscbs 
am  Ende  der  Zeile  A.  16.  vlüze  G.  de  ist  also  uil  gespr.  O.  17,  die]  der  G.  raine  . 
unde  80  G.  18.  kumit  donne  G.         20.  siner  kr.  n.  mit  fehlt  G.         21.  alle  die  toginde  dJ? 

(am  Bande  der!  sele  G.  denn  fehlt  G.         werch  fehlt  fäUchlirh  G.         22.  allen  fehlt  G. 

34.  mit]  biagil  diz  parady'se  an  G.  26.  und  fehlt  G.  26.  alles]  alle  zit  G.  27.  den  tagen- 
den] dem  gewxrin  liebte  .  und  G.  der  fehlt  G.  39  f.  der  lieb  —  ertriches]  onch  wc  sie 
noD  tngintlichen  werhin  vzwendic  iHühtit  .  wan  der  liebe  inn  .  der  de  ewige  lieht  ist  .  und  der 
himilriche  vod  ertriche  entlühtit  het  G. 


I.  CanL  4,  16.  26  f.  vgl.  oben  S.  79  Z.  I9ff. 


I 


A'J.  Von  ftneer  vrowen. 


161 


riches,  der  liatt  si  gar  entli'ihtet  uswendig  und  inwendig  mit  allen  Salden, 
in  ir  W8Z  Got,  ob  ir  waz  Got,  under  ir  waz  Got,  allumb  si  waz  Got,  und 
da  von  waz  si  wol  entliihtet  mit  dem  gewären  lieht,  si  waz  «ch  entliihtet 
mit  tngentlichem  lebenn.  also  sont  öch  wir  ir  fms  glichen  mit  tagenden  und 
mit  rainkait,  baidü  inwendig  und  uswendig,  an  dem  hertzen  und  an  der  sele,  5 
also  daz  ain  ieglich  brüder  den  andern  erlnhti  mit  sinen  [109"]  tugenden. 
und  swenn  wir  also  lebend,  so  ist  finser  hen-e  mit  iins  und  rfiwet  in  öns 
und  erlühtet  AUii  ünsrü  wercb:  so  sint  wir  glich  dem  paradys.  si  waz  alle 
zit  begriffen  mit  lieht  alz  daz  paradys. 

Daz  dritte  daz  in  dem  paradys  waz,  daz  waz  fride.    ze  glicher  wi.s  waz  lO 
du   paradisine  Maria,   du  wol    haisset  und  ist  ain  lebendes  paradys.      si  waz 
alle  zit  mit  fride,  won  Got,   der  ain  iärst  ist  des  frides,  den  hatt  si  all  umb< 
vangen    in    ir    Übe    und    gebar    uns    ain    frid.     won    der   unfrid    der    uns    von 
hern  Adams    ziten  waz    untz    an    daz    zit    daz    Got    mentsch    wart,    do    moht 
nieman   ze  süne   komen,    e  daz   si  uns  gebar  ainen   frid  machen      Ysayas  der  is 
schre    lang    nach  dem  fride.      'owi',    sprach  er,    'won  käme  der  fride!'      der 
frid    nach    dem    er    schrai,    daz  waz    der    lieb    sune  Jliesns  Christus,    der  ain 
frid     waz    zwü/iOÖVschent    Got    und    dem    mentschen.      dirr    frid    rüwet    in 
der    rainnen  Mariun ,    won    si    hatte    kainen    unfrid    weder    mit    hertzen    noch 
mit    Übe    noch    mit    kainem    ding,      alsus    sont  wir    och.  frid   han    mit   allen  m 
dingen :    zem  ersten  mit  Got.      der    frid    lit   dar   an    daz  wir  lernen  erkennen 
allen  sinen  willen;    und  so  wir  in   wol  gemerkent,    daz  wir  in  öch  denn  er- 
füllent  mit  den  werchen.     dar  nach  frid  mit  uns  selben,    der  lit  dar  an  daz 
wir    Untugend    und    simd    hassen,    nit   allain    dar  umbe  daz  es  fins  schad  ist 
und    daz    hj'melrich    da   mit  verlierent,    sunder  wir    sont    es  dar  umb  hassen,  25 
won  es  bfis  ist  und  untngenthaft.     daz  ander  ist  daz  wir  gi'itü  wercb  tugint 


4.  tugiu  trieb  im  G.        Geh  fehlt  G.        iV  üiib]  uns  A ,  üob  ir  G.         5.  rainrkait .  uB  mit  senft- 
mAtekail  b.  G.        und  uawenclig  fehlt  G.        sele  .  vnd  nzwenrtic  an  gftdin  lebinno  G.        M.  brö- 
der  den)  mentsche  .  iiri  aweadr  die  G,   swcster  vfi  ein  iegelich  broder  den  Z.        sioPDl  ir  G. 
-.  wir]  ir  GZ.      uns]  ivch  beidemal  GZ.        S.  vor  und]  und  ißt  allumbc  ivch  GZ.      ivwcriu  GZ. 
wirj  ir  GZ.  Sf.  ri  —  paradys]  de  allizan  begriffin  wc  mit  liebte  GZ.    Mit  si  itt  in  Ä  Maria 

gevtHnt.        U.  dfi  fehlt  A.        eil  diu  raino  maria  G.         12.  ffirst]  frid  A;  doch  vgl.  hai.  9,  6. 
iet)  WC  G.         13.  Tina  vns]  uon  G.  iif.  do  n.  nieDian]  der  unuride  mäht  nie  G.         16.  der 

uride  .  Uli  röwcti  inHinE  bettelin  G.  IS/",  dirr  —  Mariun]  Daz  bettelin  da  er  inne  räwet  .  de 

WC  maria  .  ein  liebio  mfltir  .  du  wc  aiii  bcttclin  der  rüwe  .  unde  des  uridie  G.  19,  mit  ir 

h.  6,  20.  mit  ir  I.  G.  noch  —  ding]  wan  eie  hat  vride  mit  allen  dingin  ,  wan  sie  wc  gar 
noUekomin  .  an  allen  tuginden  .  de  Bie  uon  dchainem  dinge  dekainen  vnaridc  hat  G.  wir  fehlt  G. 
21.  Got]  gflte  G.  21  f.  wir  sioP  willin  I.  irkennin  G.  22.  »o  —  gemerkent]  suln  w,  in  wol 
merkin  G.  24,  »finde  uil  vntnginde  G,  25.  und]  vfl  wir  G.  da  fdilt  G.  sunder  — ob] 
wir  »ninc  sie  rehte  G;  Stellung  in  A:  Bvnd'  sont  wir  es.  2C.  won]  de  G.  iintuginthafth  .  cn- 
wiere  ez  dehain  schade  .  bo  sottist  du  doch  die  »finde  midin  .  un  hazzcn  darumbe  .  de  sie  bo'se  und 
vntnginlhaft  ist  G.         wir]  du  Singular  dei-  2.  Fers,  anch  im  folgetiden  bis  S.  163  Z.  4  G. 


162 


49.  Von  Unser  vroweii. 


und    tugend   minnegint    nit    allaioe    dar    umb    daz  wir    hymeliich    da   mit  g&J 

winnent,    me    dar    umbe    daz    es    gut    und   tagentlich  ist,      betialteut  wir  d>i 

zwai  ding,  so  hant  wir  alle  weg  fride  mit  uns  selben.  [109']     wir  sont  ocü 

frid  lian  mit  ünserm  eben  cristan.      der  lit  dar  an  daz  wir  gedultekUch  zom 

S  vertragen!    und  widermfit,    und  nit    allain  vertragen,    wir    sont  och  daz  übel 

gelten    mit  gutem    und  sont  hass    und  nid  mit  minnen  gelten,      so  wir   alsus 

I       frid   haben,    so    sint  wir    glich  dem  paradys,    so  ist  unser  sei  ain  garte  der 

I       wolnust;  won  der  Heb  Got  wil  da  wollust  besuchen  bi  siner  fründin. 

Nu    merkent    fürbas,    er  hat   gesprochen:    'Got  hat  geflanzet  ain  paradys 

10  der  wollust  vor  dem  angenge  der  weite,  und  in  dem  paradys  hat  er  geleit 
ainen  mentschen,  den  er  sunderlich  hat  geschaffen',  der  mentsch  waz  sin 
sun  .Thesus  Christus,  der  sun  wart  mentsch  von  vier  snnderlichen  Sachen, 
daz  erst;  daz  er  unser  gelid  wurdi,  und  wir  siner  gothait  mit  im  tailhaft 
wurdent.      daz  wirt  uns  du  gröste  Tröde    die  wir  iemer  gewinnen  raugent  in 

16  h3'mel^iO£'''7riche,  daz  wir  glich  Got  wurdent  an  götlicher  nature  und  er  uns 
an  mentschlicber  nature.  da  von  spricht  sant  Bernhart:  'es  ist  ain  ding  daz 
vol  senftekait  und  süssekait  ist  und  wunneklichü  vWide,  daz  man  den  sol 
sehen  mentschen  der  den  mentschen  geschaffen  hat;  und  der  da  waz  mit 
enander  vatter    und    herre,    der    ist  worden    kneht    und  geselle',      das   ander: 

ao  daz  er  gemainschaft  mit  uns  wolt  began.  und  sprechent  die  maister  und  die 
haiigen  daz  die  mentschen  da  von  wol  sint  zu  berefzenne  die  sich  gern  snn- 
drent  in  gaischlichem  leben  mit  ir  sitten  und  mit  sundren  dingen,  sit  Got 
dar  umb  mentsch  wart  daz  er  gemainschaft  mit  uns  hetti,  so  sol  der  mentsche 
sich   gerne    fiissen   gemaines    lebens    und  der  gemainen  gesetzde,    won  ünserm 

55  heiTen  ist  enkain  ding  so  empfellig  so  der  ge/^fiOVmain  dienst,  daz  dritt 
ist  dar  umbe  Got  mentsch  wart,  daz  er  unser  wunden  hailti;  won  wir  warent 
alle  sere  wund,  daz  nie  mentsch  so  wol  moht  getün  daz  es  ie  ze  hymeMche 
möhti  komen  vor  sim  tode.  und  mit  sinen  wunden  hallte  er  unser  wunden, 
also  sprichet  sant  Augustinus:    'o  herre,    daz    obrost    Urkunde    daz    du    ie  er- 

1.  da  fehlt  G.        2.  vor  behaltent]  nnde  soltist  dn  g^ädr  werc  niemir  Iod  enphan  .  so  soltiet 
dn  doch  tngindc  mintieD  durfa  ir  gtti  G.         dfi  feMt  AGZ.  S.  alle  weg]  ailezan  (r.  och 

fehlt  G.         4.  dioem  ebin  mentBchio  G.         daz  wir  fehlt  6.         5.  vertragontj  virtragin  G. 
6.  gflte  G.  und  nid  fehlt  G.         7.  halten  G.         ist  fehlt  A.  10.  gefeit]  gebeittit  G. 

Wf.  den  —  Sachen]  vfi  den  mentschin  hat  er  sondirliche  geschaffin  .  Nu  merkint  wer  der  mentsche 
iat .  den  er  stindirliche  hat  geschaffln  .  es  ist  ain  liebir  sun  ihc  xpc  .  den  hat  er  wol  sundlriicher 
geschatfin  .  dennc  er  ie  mentschin  geschöpbe  .  wie  ist  er  abir  sundirliche  gesrhoffm  .  de  ist  er 
d&ran  .  de  er  got  und  mentsche  ist  .  Nu  nierkint  vier  anndirlichiu  lUnc  .  ditnimhe  got  mentsche 
wart  G.  13.  Dfi  erat  G.         14.  vor  daz]  de  wir  gotte  mit  gotte  .  VnBlnne  glit  wrde  .  wan  an 

ainir  mentscbait  wart  er  änair  tailhaFte  .  uS  wir  ein  .  vnd  G.  gewtneot  A.  U.  wurdent] 
Bin  Q.  15/;  er  flns  geliche  an  G.  16/".  de  ist  uol  b.  u.  b.  uii  G.  17.  den  fehlt  G;  vgl.  otien  S.  91 
Z.  35.  IS.  den  m.  sehin  der  den  G.  19.  andir  igt  G.  21.  wol]  aundirliche  G.  22.  1.  mit  — 
dingen]  I.  de  aiu  etwc  gerne  aundir  aitton  .  aide  sundir  dinc  hain  .  die  sol  man  uaste  bereffin  GZ. 
23.  hetti]  behield  G.  2Sf  der  —  gerne]  sich  wo!  gerne  ain  ielich  mentsche  G.  2&.  ding] 
dienistO.  emptclHg]  lobeliche  G.  26.  es  A.  27.  alle]  also  G.  hymeriche  A.  l'f.  m 
tode]  nor  sinem  tode  ia  mentsche  zehimilriche  kome  G. 


l 


49.  Von  unser  vrowen,  163 

zaig^t  an  der  minne,  daz  waz  din  ain  erborner  sun  Jhesus  Christus,  daz  du 
den  an  den  tot  gäbe  durch  daz  daz  du  mit  sinen  wunden  unser  wunden 
hailtist'.  du  vierde  sache  ist  war  umb  Got  nientsch  wart,  daz  er  sinen  vatter 
z&  der  erbärmde  twungi  über  die  mentschait;  won  er  manet  und  bittet  sin 
vatter  alle  tag  daz  er  den  sünder  begnade,  und  spricht  sant  Augustinus  5 
daz  er  sim  vatter  sin  wunde  zaiget,  daz  er  da  mitte  in  erwaichi  z&  der 
erbärmde. 

[50J  Yon  der  gotUchen  mlnne. 

/Hoc  est  preceptum  meum,  ut  diligatis  invicem,  sicut  dilexi  vosj 
*Das    ist   min   gebot",    spricht   unser  [llO^J  herre,   'daz  ir   enander   alle  lo 
minnent'. 

Disü  wort  sprach  er  zem  ersten  z&  sinen  jungem  und  zu  den  zwelf 
botten,  von  den  man  och  dis  selbe  liset  in  dem  ewangelio  sant  Johansen. 
und  ällu  du  ewangelia  du  man  liset  von  in,  da  sprechend  ällü  von  der 
minne.  und  ist  da  bi  bezaichent  daz  si  vol  minne  warent,  won  daz  zaige-  15 
tent  si  an  Worten  und  an  werchen,  do  si  giengent  alz  wit  so  du  weite  waz, 
und  predigetent  da  Gottes  wort  und  lertent  die  minne,  der  si  do  äberflussend. 
ir  wissent  wol:  die  blämen  die  zem  ersten  in  dem  summer  koment  und 
wachsent,  die  haut  me  saffes  und  grüni  in  sich  gesogen  von  der  kraft  des 
Summers   denne   die   dar   nach    koment.      also  warent  die  junger  die  bl&men  20 

Hoc  est  preceptum  meum,  ut  diligatis  invicem,  sicut  dilexi  vos. 

'Diz  gebüte  ich  iu  de  ir  ain  andir  minnent'  .  alsus  spräche  ünsir  herre  zeden 
botton  und  ze  sinen  jüngeren  .  unde  diz  euuangelium  lisit  man  von  den  botton  .  unde 
ellü  diu  ewangelia  diu  man  von  in  lisit,  du  sprechint  elliu  von  der  minne  .  und  ist  da 
bie  bezainchint  de  sü  vol  minne  warin  .  de  zaigoton  sü  an  wortin  und  an  werkin,  do  25 
siu  giengin  alse  wit  so  du  weit  wc,  unde  bredioton  Qotis  wort  und  lerton  die  minne, 
wan  siu  der  minne  rehte  übirvlüzzic  warin  .  ir  wissint  wol:  die  blümin  die  zem  erste 
in  dem  sumir  wahsint,  die  haut  me  saffis  und  gruni  in  sich  gesogin  von  der  crafte  des 
sumirs  denne  die  blumin  die  damahe  komint  .  also,  spriche  ich,  warin  die  jimgime  die 


1.  din  —  S  hailtist]  daz  da  dinen  dinen  (so)  ainebonie  sun  ynsime  herrin  ihm  xpm  .  an  den 
tot  gebe  .  dammbe  de  du  (da  vnser  Z)  wnda  hailtist  .  mit  sinen  wndan  O,        3.  ist  fehlt  G, 
daz]  de  ist  de  G.         5.  alle  tag  fMt  G.         6/1  da  —  crb&rmde]  in  da  mit  twingit  .  de  er  sich 
irbanne  .  übir  den  mStschin  G.         8.  ÜherschHft  fehlt  GWN^  Dis  sprach  vns^  hVo  ze  sinen  zwef 
bottS  (rot)  Z,  Van  den  apostelen  yntgemeyne  Phill.  9.  Der  lat.  Text  fehlt  A.  15.  ist 

fehlt  A, 

8.  Die  Predigt  findet  sich  in  G  Bl.  35^,   dessen  Text  in  der  zweiten  Spalte  mitgeteilt  ist; 
Z  Bl.  42»;    WB12V  (stimmt  im  großen  und  ganzen  mit  G  Oberem);  N  Bl  28;  H  Nr,  8;  Phill. 
Bl.  199*^;  vgl.  einen  ähnlichen  Text  in  Cod.  Pal  germ.  24  Bl  250'  (Bartsch  Nr.  18)  der  Heidel- 
berger Universitätsbibliothek  und  Cod.  lat.  12520  Bl  31^  der  Münchener  Hof-  u.  Staatsbibl 
9.  Joan.  15, 12. 

11* 


161 


50.  Von  der  gSÜichen  n 


die  brinnenden  rosen,  die  zem  erst  in  dem  summer  wüchsent.  do  hüb  sich 
der  summer  do  iinser  herre  Jhesus  Christus  uff  ertrich  kam  and  mit  in 
wandlet  in  mentschlicher  nature:  daz  waz  du  nüwi  [110']  des  summers  und 
ain  anvang  aller  unser  hailikait.  daz  sprich  ich  daz  si  die  ersten  blumen 
5  warent  die  in  dem  summer  wuchsenL  da  von  hattent  si  me  saffes  und  grüiii 
in  sich  gesogen  von  sinen  worteo,  vou  siner  lere,  daz  si  kreftiger  minne  me 
hattent  denn  die  bliimen  die  sider  wüchsent ;  won  si  warent  so  vol  der 
minne  und  warent  also  stark  daz  si  den  bitteru  tod  littent  durch  Got.  sant 
Paulus  sprichet:  'wer  mag  uns  geschaiden  von  der  minne  üusers  herreu  Jhesu 

10  Christi?  daz  eumag  enhain  angest  noch  dekain  not",  seht!  also  warent  si 
überflüssig  nud  überfüllet  mit  der  minne.  und  do  unser  herre  mit  in  wan- 
delt, do  rette  er  dik  mit  in  von  der  minne. 

Also  liset  man  in  ainem  andern  ewangelio  daz  unser  herre  zii    in  sprach: 
'ich  gib  üeh  ain  nüw  gebot,  daz  ir  enander  minnent'.    war  nmb   unser  herre 

15  die  minne  me  gehütet  denne  anders  iht,  daz  ist  dar  umb  won  [110"]  an  die 
minne  ira  enhain  ding  ist  gemlme.  und  alles  daz  an  die  minne  ist,  daz  ist 
unfruhtbär;  und  aber  alles  daz  mit  ir  ist,  daz  ist  nütze,  sprichet  sant 
Paulus:  'alles  daz  dem  mentschen  geschiht,  daz  die  minne  hat,  daz  kunt  im 
alles  26  gflte,    won  du  minne  verböset  enkain  ding;    alles  daz  du  minne  tut, 


20  blümiD,  die  brinneDden  roain,  die  zem  erate  iadem  sumir  wahsiat  .  do  hup  sich  der 
eumir  do  unsir  herre  Jheaus  Christus  uf  ertriche  kam  uod  mit  men  wandelet  in  ment- 
scbelichir  natär:  de  wc  dii  uiuwe  des  aumirs  und  ain  auevanc  allir  liaeir  selkait  .  de 
spriche  ich  de  sd  die  erstin  bliimin  warin  die  in  dem  sumir  whsin  .  da  voa  hatton  siu 
me  saphiz  und  gri'mi  in  sich  gesogin   von  ainen  wortia,    vou  sinir  lere,  daz  atu  kreftigir 

25  minne  me  hatton  denne  die  blümin  die  eit  whain  ,  die  warin  reht  vol  minneu  und  warin 
also  starke  de  siu  den  bitteriie  tot  littin  durh  Got  ,  sant  Paulua  aprichit:  'quia  noa 
separabit  a  caritate  Christi?  wer  niac  tins  geacbaidin  von  der  minne  ünsirs  herrin 
Jheeu  Chriali?  enhain  angiat  noch  enhain  not  mae  uns  übir  windin'  .  also  warin 
siu    übir  vlüzztc    und    libir  vtiUit    mit   der   minne    .    und    do   lineir   herre    mit   inen    wan- 

30  deiot,  do  rette  er  mit  inen  harte  dike  von  der  minne  .  alao  lisit  man  in  ainem 
andirn  ewangelio  ('hoc  eat  preceptum  nieum')  de  uneir  herre  zu  inen  spräche  und  reite: 
'de  ist  min  gebotte  de  ir  ain  andir  minnent,  als  ich  iu  geminnet  ban '  .  ao  spricliJt 
er  abir  andirswa:  'maudatum  novum  do  vobia  ut  diligatis  .  ich  gibe  iu  ain  niiwe 
gebotte,    de    ir  ain  andir  minnent'  .    icarumbe    i'insir   herre   die    minne   me  geböUt   denne 

B5  anderiu  gebott«,  de  ist  darumbe,  spricbit  aant  Johans.  wan  ane  die  minne  ist  Got 
enhain  dinc  genteme,  und  dem  mentschiii  ist  enhain  dinc  vruhtbserre;  und  abir  aUiz  de 
mit  der  minne  ist,  de  ist  nüzce  .  alao  spricliit  sant  Paulus:  'aJlii  de  dem  mentscliin 
^^^  gesehihit,   de  die  minne  het,  de  kumit  im  alliz  ze  giUe ';    wan  diu  minne  virboisit  enhain 

L 


36.  Bpriebj  ff.        84.  Darambo  faitäiea  Initial  Q. 


9.  Som.  8,  35. 


II.  Joan.  13,  34.  IB.  Hom.  I 


I 


50.  Vou  der  g6tlicheii  minne. 


166 


daz  ist  alles  beUaltfln'.  nn  sprichet  aber  saut  Joliana  daz  du  minne  nützer 
si  denne  ander  ding;  won  swer  die  minne  hat,  der  hat  alle  tilgend  und  be- 
haltet Allii  du  gebot,  und  dar  umb  gehütet  unser  herre  die  minne  me  denn 
ander  ding,  nu  spricht  saut  Gregori  in  ainer  omely  alsus  von  der  minne: 
'es  eniat  enkain  ding  daz  aigenlich  des  mentsclien  si,  won  wille  und  minne;  5 
won  von  dem  willen  gät  du  minne.  wille  und  minne  sint  alle  zit  saraent, 
und  ist  enhain  ding,  etswer  habe  [lll"]  bresteu  dar  an,  won  allaine  hie  an; 
won  der  wille  ist  alz  aigenlich  des  raentschen  daz  in  im  nieman  genemen 
mag;.  Got  mag  in  im  genemen  uit,  won  er  gab  dem  mentschen  frigen  willen 
reht  von  siner  frihail  ,  nämi  er  in  im  denne,  so  tAti  er  unreht;  er  tut  es  lo 
aber  nit.  unser  herre  twinget  nieman  enhains  dinges,  er  lat  den  mentschen 
von  frigem  willen  tun  swaz  er  wil.  und  dar  umbe  won  der  wüle  aigenlich 
des  mentschen  ist  und  sich  enkainer  mentsch  entschuldgen  mag  es  enhabe 
willen,  dar  umbe  gebätet  unser  herre  die  minne;  won  der  mentsch  keret  wo! 
sinen  willen  swar  er  wil,  daz  im  es  nieman  erwerren  mag  .  und  dar  umbe  is 
gebütet  unser  herre  die  minne,  won  ain  ieglich  mentsch  sines  willen  gewalt  hat 
und  in  wol  keret  zu  der  minne".  nu  spricht  er  öeh  daz  er  nmb  (IW-]  ain 
ander  sacfae  minne  gebüt.  hetti  er  geholten  almüsen  ze  gebenne,  so  ist 
mänig  mentsche  alz  arm  daz  es  nit  ze  gebenn  hat     hetti   er  denne  6ch  ge* 


dioo  .  alliz  de  du  niiDoe  tut,   de  ist   a11i2  behaltia  .   nu    sprichit  abir    aant  Johanoes   de  20 
du   minne    nüzzir    sie    denne    andir    dinc;    vran    swer  die    minne   het,    der   het    alle    die 
tuginde,    wan    ander  minne  hangent  ellü  dii  gebotte  .  und  swer  die  minne  behaltit,    der 
behaltet  elliu  gebotte  .  unde  darumbe   gebi'itit    linsir  herre   die    minne    me  denne    anderiu 
gebot  .  nu  sprichit  sant  Gregoriua  ander   omelia    libir  de  ewangeliura,  warumbe  Got  die 
minne  me  geblitit  denne   andirti  dinc:    'ez   ist   enhaix  dinc   de   aigenlicbe    dea   mentscbin  35 
816,  wan  wille  unde  minne;    wan  von  dem  willen  gat  diu  minne  .  wÜle  und  minne   sint 
alleian  aamint;    und  eniät  defaain  dinc,    etwer  habe  breatin  dran,   wan  bie  an;    won  der 
wille   iat  als  aigSnliche  des  mentscbin    de   imeu   nieman  genemin   mac  .  Got  mac  im  in 
geiuemin  niht,    wan  er   gap    dem  mentachin    vrigin  witlin    reht    von   siuir  vrihait  .  n^me 
er  hnen  denne,  so  tet  er  unrebte;    er  enti'it  ez  abir  nibt  .  linsir  herre   twingit   nieman  SO 
debainis  dingiz  .  er  iat    den  mentscbin    von    vriem  willin  ti'tn  snc  er  wil  .  und  darumbe 
wände  der  wille    aiginliche   des    mentscbin  iat    und   sich    enhain    mentsche   entschuldigen 
mac  ez  enhaige  willin,  darumbe  gebiUit  linsir  herre  die  minna;   wan  der  mentsche  sinen 
wütin    kerit  swar   er  wil,    de    im   ez   nieman   irwerne    mac  .  und  darambe   gebiitjt  unsir 
herre    die    minne,    wan   nin    ieliche   mentache   willin    gwalt  hat    und    den    willin    wol   ze  33 
ininnen  kerit',  nu  sprichit  er  de  er  ouch  umbe  ain  andir  sache  minne  gebütit  .  hetti  er 
gebottin    almi'iain    zegebinne,    so    iat   mienie    mentsche    also   ame   de  ez    niht    zegebinne 


3.  dS  A.         12.  Wille  (Ml  A. 
tntd  G.        25.  eobail  G. 


17.  Tbl  nmb  odey  nnbi*  A.         22f.  der  behaltit  s 


I .  IL  Joan.  5.  6. 


166  50.  Von  der  gütlichen  minne. 

botten  etswar  ze  varenn  oder  ze  gände,  so  w4ri  etliches  villiht  lam,   daz  es 

nit  gän  möhti;  aber  die  minne  mag  ain  ieglich  mentsch  wol  gelaisten. 

Nu  ist  ain  ander  frage   war  umbe  Got   gebiete   daz  wir   ain  ander  min- 

nent,  und  er  nit  sprichet  daz  wir  in  minnen.    dar  umb  sprichet  sant  Paulus: 
5 'swer  sinen  ebencristen  minnet,  der  minnet  Got;  und  swer  sinen  ebencristen 

nit   minnet,    der    minnet   och   Got  nit'.      sprichet  sant  Johannes:    'sprich  ich 

daz  ich  Got  minne,  und  hassen  minen  bräder,  so  mäz  ich  jehen  daz  ich  liegi; 

won  minnen  ich   Got,    so  hassen  ich  nieman'.      aber  untz   ich   minen    bräder 

hassen,  so  mag  ich  Gottes  nit  minnen;  won  du  zwai  löffent  mit  enander  all- 
10  weg,   und  enmag  enweders   an  daz  ander  sin.  [Hl'']      swer  Got  minnet,    der 

minnet    och    sinen  brflder  in  Got;    swer  och  sinen  brfider  hasset,    der  hasset 

och  Got 

Man  liset  Von  aim,  der  kam  zu  ünserm  herren   und  fragte  in  weles  der 

obrost  gebott  wäre  in  der  e.     do  sprach  er:   'du  solt  Got  minnen  von  allem 
15  dim    hertzen,    von    aller   diner   sele   und  von  aller   diner   krefte'.      über  daz 

wort    sprichet    sant    Augustinus    und    leret    uns    wie    wir    Got    minnen    sont. 

'ir  sont',    spricht  er,    'Got    minnen    von   allem   hertzen,    also    daz    üch    kain 

hetti  .  hetti  er  gebottin  oueh  etswa  hin  zevame  aide  zegenne,  so  wer  etliche  mentsche 
lam  de  er  niht  gan  mehti  .  unde  kurzeliehe,    spriehit  er,    hie  an   merkint  elliu  dinc  de 

20  enhain  dinge  ist,  etlich  mentsche  enhabe  dran  brestin,  wan  an  will  in  .  unde  danunbe 
wan  sich  des  nieman  entschuldigen  mac  de  er  niht  willen  haige,  darumbe  gebütit  er 
die  minne  .  wan  de  enmac  nieman  gesprechin:  Got  hat  mir  gebottin  des  ich  niht  ge- 
laistin  mac,  wan  ain  ielich  mentsche  hat  vrigen  willin,  de  er  wol  minnen  mac 
swc  er  wiL 

25  Diz  ist  ain  andir  vrage:  warumbe   er  gebiete  de  wir  ain  andir  minnen,  und  er  niht 

spriehit  de  wir  in  minnen  .  nu  spriehit  sant  Paulus:  'swer  sinen  ebinmentschin  minnet, 
der  minnit  euch  Got;  swer  abir  sinen  ebinmentschin  niht  minnet,  der  enminnet  euch 
Got  niht'  .  nu  spriehit  sant  Johannes:  'spriche  ich  de  ich  Got  minne,  unde  hazze 
minen   brüdir,    so   muz  ich  jehin   de  ich  liege;    wan   minnon  ich   Got,  son   hazzen  ich 

30  nieman';  abir  unz  ich  minen  brüdir  aide  mine  swestir  hazzen,  son  mac  ich  Gott^  minne 
niht  han :  wan  diu  zwai  lofint  alliz  samint,  und  enwedirs  mac  ane  de  andir  gesin  .  swer 
Got  minnet,  der  minnet  oueh  sine  swestir  in  Got;  swer  euch  sine  swestir  hazzet,  der 
hazzet  euch  Gk)t. 

Wan  lisit  von  ainem,  der  kam  zeünsirme  herrin  und  vragot  ine  welez  das  oberoste 

35  gebot  wsere  in  der  ^  .  do  sprach  unsir  herre :  'diliges  dominum  deum  tuum  etc.  du  solt 
Got  minnen  von  allim  dinem  herzin,  von  allir  dinir  sele  und  von  allen  dinen  creften\ 
übir  du  wort  spriehit  sant  Augustinus  und  lerte  uns  wie  wir  Got  minnen  suln :  'ir  sunt 
Got    silzecliche   minnen   von   allim   herzin,    also  de  enhain  andir  süzekait  iuch  von  im 

3.  war  fehlt  A.       gebieten  Ä,        4.  Paulus]  /.  Johans.        25.  er  fehlt  G.        30.  got  G. 
5.  J.  Joan.  4,  21.         6.  L  Joan.  4,  20,         13.  MaU.  22,  36  f. 


50.  Von  der  gütlichen  minne.  167 

ändru  säskait  von  im  loke.  du  solt  6ot  minnen  von  aller  sele,  daz  er  dir 
liep  si  über  &M  ding:  daz  ist  wislich  geminnet.  du  solt  in  och  minnen 
von  allen  dinen  kreften,  also  daz  dn  sin  niemer  vergessist  nnd  din  hertze 
niemer  von  im  gewenke,  daz  du  ällü  zit  an  in  gedenkest',  na  spricht 
er  denne  daz  disu  minne  uff  ertrich  haben  mag  enhain  mentsch ,  daz  ie  so  5 
volko/lü*7men  wart,  an  ünsern  herren  Jhesum  Christum  und  sin  trut  mflter 
Marien:  die  lassent  vor!  du  solt  6ot  minnen  wislichen  alz  die  bihter.  die 
minnent  Grot  alz  wislich  daz  sü  lertent  mit  Worten  und  mit  werchen  und 
mit  gätem  bilde  wie  wir  6ot  sont  minnen.  du  solt  och  Got  minnen  starklich 
alz  die  martrer.  die  hattent  so  starke  minne  daz  si  littent  den  bitem  tod  lo 
e  daz  si  wöltent  schaiden  sich  von  der  minne  Grottes.  du  solt  och  Grot  min- 
nen süsseklich  alz  die  mägde.  die  minnetent  Got  also  süsklich  daz  si  aller 
der  weit  sAskait  und  vröde  versmahetent  durch  Gottes  s&ssekait. 

Sant   Bemhart    spricht    daz    wir  Got    minnen    süUent  von    allem    ünsrem 
hertzen  süsseklich,    von  aller  sele  wislich,    von   allen  kreften  starklich,      daz  15 
wir  in  süsseklich  minnent,  dar  zu  sont  uns  drü  ding  luken.  fll2''J 

Daz  ei*st  ist   daz  wir  gedenkent  wie  gross  minne  er  uns  eroget  hat   und 

lukke  .  du  solt  Got  miuneu  wisliche  vou  alUr  sele,  de  er  dir  liep  sie  vür  ellü  diuc  .  du 
solt  Got  minnen  staetekliche  von  allen  dinen  creftin,  also  de  du  sin  niemir  virgezzest 
und  de  din  herze  niemer  dehain  zit  von  Got  gewenke  und  de  du  ällizan  an  in  ge-  20 
denkest ' .  nu  sprichit  er  denne :  'dise  minne  mac  nieman  ufien  ertriche  han ,  enhain 
mentsche,  de  ie  so  voUekomin  wart,  es  enwsere  do  ünsir  vrowe :  die  lazen  vor  und 
Jhesus  Christus,  ir  sun,  ane  du  zwai  enwart  nie  mentsche  so  hailic  de  die  drittun  minne 
hetd  .  ir  sulnt  wissin\  sprichit  er,  ich  ^redonz  darumbe  de  ir  dran  merkent  die  volle- 
komenun  minne,  zeder  wir  komen  nah  dirre  weite.  25 

Ain  andir  lerer  betüUt  uns  ouch  du  wort  du  ünsir  herre  sprach  in  dem  ewangelio : 
'diliges  dominum  deum  tuum'.  Mu  solt  Got  minnen  sAzecliche  von  allim  herzin  alse 
die  megide:  die  minnoton  Got  also  sAzecliche  de  siu  alle  die  süzekait  und  die  vroide 
dirre  weit  virsmaheton  durh  Gtotis  süzekait  .  du  solt  Got  minnen  wisliche  von  allir 
ilinir  sele  wisliche  alse  die  biht^ere :  die  minnoton  GrOt  also  wisliche  de  siu  lemoton  und  so 
lerton  beidiu  mit  wortin  und  mit  werkin  und  mit  gutim  bilde  wie  wir  Got  sulne 
minnon  .  du  solt  ouch  Got  minnon  starkeliche  von  allen  dinen  creftin  alse  die  mar- 
terer: die  hatton  also  stark  minne  de  sie  die  bittirne  martyr  6  littin  d  siu  von  Gottis 
minne  woltin  schaiden  \ 

Nu  betütit  uns  sant  Bernhart  abir  diu  wort,   wie  wir  Qot  minnen  sulne  .  wir  sun  35 
Got  minnen  von  allim  herzin   süzecliche,    von  allir  sele  wisliche,    von    allir  gehügede 
starkelichin  .  daz  wir  Got  suzeliche  minnen,   darzü  suln  uns  drü  dinc  ziehin  und  lukin. 

Daz  erst  ist  daz  de  wir  gedenken  wie  groze  minne  uns  ünsir  herre  geogit  hat  und 

1.  minen  von  allem  hUzen  von  Ä.       4.  in  spricht  ist  das  t  späterhinzugeschrieben  A, 
10.  bit^]  bitem  oder  bitren?  Ä.         18.  wisliche  uon  allim  herzin  von  G.         23.  drittun  oder 
drinnn  ?  G.  26.  Am]  Sin  G,  Min  TF,  durch  falsches  Initial  hervorgerufen.         29.  wisliche  zu 

streichen?         30.  dinir  zweimal  G,         34.  minne  fehlt  G, 


)  50.  Vou  der  gfitliehon  uiiniic. 

i  gross  gnade  er  uns  hat  getan;  won  es  eawart  nie  ment£che  i 
so  lützel  gnade  hab  getan,  und  erkande  es  si  rehte,  es  mftsti  in  von  allem 
sim  hertzen  miimeu.  als  spricht  sant  Augustinas  uud  redet  mit  siner  sele: 
'o  sele  min,  du  bist  grosses  gelt  schuldig,  du  hast  gross  gäbe  vergeben  en- 
I  i  phangen';  und  spricht  denu:  'gedenk,  sei  min,  daz  dich  Got  geschaffen  hat 
durch  reht  frihait,  won  er  bedürfte  ze  nüti  din',  e  Glot  ie  mentsch  oder 
engel  geschiif  oder  kain  creature,  do  waz  sin  herschaft  und  sin  vröde  alz 
gross  als  hüt  dis  tages,  won  anders  wäri  nit  AUü  an  im  volkomen.  und  da 
von  sprichet  er:  'sele  miu,  er  bedorft«  din  ze  nüti,  won  daz  er  dich  gesehuf 

lu  von  rehter  frihait  siner  güti;  und  do  er  dich  geschuf,  do  ge/ii.?Vschüf  er 
dich  nit  also  als  ander  creature,  er  geschtif  dich  schone  und  wirdeklich  nach 
im  selben,  und  kofte  dich  do  mit  sim  tode  wider,  do  du  in  mit  den  siinden 
verlorn  hattest,  nu  sich,  sei  min,  hie  von  bist  du  gi-osses  geltes  schuldig, 
dir  ist  gross  ding  geben  von  minne,   und  daz  enkanst  du  niemer  wirdeklicher 

1.16  noch  sälklicher  vergelten  denn  och  mit  minne;  won  swaz  dir  von  minnen  ist 
gegeben,  daz  solt  du  öch  mit  minne  gelten',  nu  spricht  er  aber;  'sele  min, 
du  solt  nit  tun  alz  daz  bös  wip  du  da  hatte  ainen  frönt  der  ir  gäbe  git; 
den  minnet  si  nie  durch  der  gäbe  willen  denn  duich  die  irüntscbatt.    da  solt 


vie  groze  gnade  er  uns  hat  getan  ,  swenne  tun  s»lic  mentsche  gedenkit  de  im  Got  afl 
I^SO  grozeliche  sine  gi'iti  und  aine  mild  irzaiget  het,  so  mac  de  kume  sin  ez  enmäxe  da  sftJI 
bewegit  werdin  de  ez  Got  sflzeliche  minne;  wan  ez  enwart  nie  enhain  mentecbe  dem 
Got  Bo  Ilizil  gnadon  habe  getan,  und  irkandi  ez  sie  rehte,  ez  müze  Got  minnen  von 
allim  sineni  herzin  ,  also  apriciiit  eani  Augusünua  und  redot  mit  der  eele  .  'O',  aprichit 
er,  sele  miniu,  du  bist  grozis  geltis  schuldic,  du  hast  groziu  dinc  und  groze  gäbe  vir- 
i  gebin  enpfangia'  .  und  sprichit  denne:  'gedenke,  sele  minü,  de  dich  Got  geschaffiu  hat 
durh  rehte  vrihait;  wan  er  enbedorfte  din  ze  nrtte"  .  e  Got  ie  mentecbe  aide  engil  ge- 
echrjpfe  aide  dehain  creature,  do  wc  sin  vroide  uud  sin  herachafte  also  groze  also  hüte 
diz  tagis;  wan  er  ist  also  votkomin  an  allir  vroide,  an  allir  vrihait  und  an  allir  her- 
echaft  de  sie  niemir  gemeret  noch  geminrit  mac  werdin  .  wan  miehtl  si  geminrit  aide  ge- 
§K  merit  werdin,  so  enwfcre  ouch  niht  elh'i  gütiu  an  im  vollekomin  .  und  davon  sprichit  er: 
'sele  minti,  er  enbedorfte  din  zenfite,  wan  de  er  dich  geschüpfe  von  der  vrihait  sinir 
güti;  und  do  er  dich  geschJiphe,  do  enschOpbe  er  diu  nllt  also  andir  creature,  er  schüfe 
dich  schone  unde  wirdecliche  nah  im  seibin  und  koufte  dich  do  mit  ainem  tode  widir  . 
do  du  dich  von  im  kertost  ze  den  sündon ,  do  enpfienc  er  dich  widir  und  gap  dir  eine 
85  gnade'  .  und  alsus  zeit  er  vü  gnadon  die  im  Got  tet,  und  sprichit  denne:  'nu  sich,  sele 
minü,  hie  von  bistu  grozis  geltis  schuldic  .  dir  ist  groz  dinc  gegebin  von  minne,  und  de 
enkanst  du  niemir  zierlichir  noch  wh^eclichir  noch  lobellchir  virgelläa  denne  ouch  mit 
minne :  wan  swe  dir  von  minne  ist  gegebin ,  de  solt  du  o'cli  mit  minne  geltin'  .  nu 
sprichit  er  abir :  'sele  mini'i,  du  solt  niht  tön  also  de  boise  wip  .  so  de  boise  wip  ainen 
40  vrünt  bet  der  ir  gäbe  git,   den  vrfmt  den  minnot  sü  me  durh  die  gäbe  denne  durh  ir 


^^^^^^^^^^^^^^H  50.  Von  der  g6tlichen  109 

in  me  minnen  durch  die  liebi  die  er  dir  mit  der  gäbe  eröget  hat,  denn 
durch  die  gäbe;  es  wäri  uit  aiu  gröz  ding  du  gäbe  won  den  willen  den  er 
da  mit  erögte.  der  gilt  wille  ist  höher  ze  minneu  denn  du  gäbe,  won  in 
tn'inget  sin  rehtn  güti  dar  zu  und  dii  [113']  minne  die  er  zii  der  sele  hat'- 
also  sol  der  mentsche  gedenketi  an  die  gitti  sins  willen  die  in  dar  zu  twinget  5 
daz  er  dem  mentschen  sin  gnade  git.  so  twinget  in  denn  du  selb  giiti  die 
er  an  Got  verstat,  daz  er  in  siisklich  minnen  inuss. 

Daz  ander  daz  uns  dar  zu  loket  daz  wir  Got  siisklich  minnent,  daz  ist 
daz  er  dem  mentschen  sin  Sünde  vergit;  won  luisei-s  herren  erbärmde  und 
sin  güti  ist  also  gross  daz  nie  mentsch  so  i'ibel  getet,  Got  vergäbe  im  alle  lo 
sin  Sünde,  wil  er  widerkeren.  also  sprichet  der  wissag:  'ünsers  herren  er- 
bärmde sint  über  ällü  sinü  wercb'.  so  sprichet  er  6ch:  'Got  der  minnet  alles 
daz  er  ie  geschilf' .  daz  Got  etswenn  arbait  und  kumber  verbeuget  über  den 
mentschen,  daz  tut  er  durch  siner  sünd  willen  und  durch  kainen  bass,  won 
er  enhasset  nilites  nit  alles  des  so  er  ie  geschüf;  und  dar  uube  verhenget  15 
er  hie  übel  über  den  mentschen  durch  daz  daz  ira  dort  übel  nit  bescbehe, 
won  aintwe/ii5''7der  hie  oder  dort  müss  der  sünder  umb  sin  sünde  gekestget 

vrüntachafth  .  du  soll  iu  wirdeclichir  minnen  .  du  solt  Got  niinnen  durh  die  gäbe  uude 
durh  die  Trüntscbaft ,  und  solt  in  wirdeclicbir  ininneu  durh  die  liebi  die  er  dir  mit  der 
gäbe  •<pt,  denne  durh  die  gäbe;  ez  enwere  niht  aiu  gros  dinc  dii  gäbe  aiie  den  gölin  20 
willin ,  den  er  an  der  gäbe  irzaiget  .  der  gute  wille  siDir  güti  und  dii  liebi  dd  in  twin^t 
de  er  die  gäbe  git,  diu  güti  ist  bohir  ze  minnenne  denne  diu  gäbe ;  wan  in  twingit  sin 
rebtii  giHi  darzä  und  dii  groze  minne  die  er  ze  der  sele  het  .  und  darumbe',  eprichit  er, 
'sele  minü,  du  solt  Got  wirdeclichir  und  grozelichir  minnon  durh  die  vriun  güti  diu  in 
BO  mianeclichen  twIng^t  de  er  sine  gi'iti  mit  dir  tailte  .  also  sol  ain  selic  mentsche  ge-  2ö 
denkin  an  die  grozun  gnade  die  im  Got  het  getan,  und  sol  gedenkin  an  dien  willin 
sinir  gi'iti  der  in  dar  zh  twingit  de  er  dem  mentechin  sine  gnade  git:  so  twingit  in 
denne  diu  gi'iti  die  er  an  Got  virstat,  Aaz  er  Got  aflzecliche  minnen  mflze. 

Daz  andir  de  uns  dar  zfi  lukit  de  wir  Got  si'tzeclicbe  minnen,  de  ist  de  er  dem 
mentscbin  sine  aünde  virgit  .  wan  flnsira  herrin  güti  und  sine  irbairmde  ist  also  groz  do  30 
nie  enbsin  stinder  so  libil  wnit,  Got  euviigebe  im  alle  sine  siinde,  wil  er  widir  komin; 
wan  also  spricbit  der  wissage :  '  roiaerationes  eius  super  omnia  opera  .  unaira  herrin  er- 
biermede  ist  übir  ellü  sinü  werc'  .  so  aprichit  er  abir  »ndirswa:  'Got  minnet  alliz  daz 
er  ie  gescbfipbe'  .  nu  merkint  hie:  Got  haizit  enhain  dinc,  er  ist  so  gflt  de  enhain 
haz  an  in  gevallin  mae ;  er  minnet  allis  de  er  ie  gesch&ie  .  und  de  Got  arbait  et-  S 
nenne  virhengit  und  kumbir  übir  de  mentsche,  de  tat  er  durh  siner  eündon  willin 
(/(?  er  m  kestigc,  imd  tic  tut  cf  durck  sine  rchlekait  de  erz  tftn  sol  .  wan  sin  rehte- 
kait  ist  so  groz  de  er  niht  mac  enberne,  er  enkeatigete  den  sünder  umbe  sine  Blinde 
üntwedir    hie    alder    ze    enre    weit    .    und    doch    so    enbaizit    er    den    mentschin    niht; 


b.  gedenken  fehlt  A.  2b.  daz)  die  G,  das  Z.  33.  Got)  So  G.  37.  de  —  rehle- 

kait  Z.  fehlt  Q. 


170  50.  Von  der  gütlichen  minne. 

werden,  daz  sin  erbärmde  si  über  ällu  sinn  werch,  daz  mugent  wir  merken 
an  Marien  Magdalenun,  du  ain  grössii  Sünderin  waz.  die  liess  er  alz  reht 
hainlich  und  alz  gütlich  mit  ime  wandlen  und  liess  im  sin  füsse  und  sin 
höbet   salben   und  sin  füsse  waschen  mit  ir  trähennen  und  drükennen  mit  ir 

5  hare,  und  liess  si  in  also  an  rüren  und  mit  im  umb  gan  alz  ob  si  nie 
Sünde  getan  hetti  und  won  er  ir  so  gross  erbärmde  erzogte  und  güti,  da 
von  so  minnet  si  in  also  vaste  daz  man  daz  von  ir  liset  daz  si  nach  siner 
uffart  kum  ie  kain  mentsch  an  gesach  mit  den  ogen  da  mit  si  in  dik  güt- 
lich  hatte   an    gesehen,      und   also   sprich   ich:    daz    mu^  wol  dem  mentschen 

10  loken,  so  es  gedenket  das  es  Got  so  groslich  erzürnet  hat,  und  er  im  so 
gnädklich  baitet  siner  bekerde  und  im  [113"]  die  gnade  git  daz  er  sich  be- 
kere,  und  im  sin  sünde  gar  vergit,  so  er  sich  bekeret. 

Daz   dritt  daz  uns  loken  sol  dar  zu  daz  wir  Grot  süsklich  minnent,    daz 
ist  ain  vorbesmakunge.     daz  ist:  so  daz  sälig  mentsch  an  ünsers  herren  güti 

15  gedenket  im  sim  haimlichen  gebet  und  an  sin  süskait,  so  git  im  unser  herre 
also   grosse   süssekait   daz   er   alles   des  vergisset   daz    im  ie  ze  laide  und  ze 


wan  sin  gäd  ist  so  lutir  und  so  voUekomin  de  in  enhain  haz  gerüme  mac:  sine 
irbarmde  ist  übir  elliu  sinü  werc'  .  unde  de  mugin  wir  wol  merkin  an  Mariun  Magda- 
lenun,   du   ain   groz   sünderin   wo:   die  liez  er  also   reht   hainliche   und   also  göteliche 

20  mit  im  wandelon,  unde  sie  im  sin  ho^bit  und  sine  yüze  salbon,  und  liez  sie  sine 
vöze  weschin  mit  ir  trsehinnen  und  trükenen  mit  ir  har  .  da  mit  irzaigit  er  uns  groze 
irbarmde  und  guti,  de  er  sich  ain  also  sündic  wip  liez  berArin  und  also  güteliche 
mit  im  umbe  gan  ain  also  sündic  wip  alse  sie  wo  .  und  davon  wände  er  ir  also  groze 
gAti  irzaigit,  da  von  minnot  sie  in  also  sere  de  man  von  ir  lisit  de  sie  nah  siner  uffart 

25  kume  ie  dehain  mentsche  ane  sache  mit  den  o^gen  da  mit  sie  in  dike  gAteliche  an  hat 
gesehin.  und  lisit  man  von  ir:  'dimbsa  sunt  ei  peocata  multa,  quoniam  dilezit  multum'. 
wan  ir  ünsir  herre  vil  sündon  virgap  und  er  ir  groze  gäti  irzaiget,  davon  minnot  sie  in 
gar  sere  .  und  also  spriche  ich  muoz  wol  ain  gütiz  mentsche  gelukit  und  geraizit  werdin 
de  ez  Got  säzecliche  minne,   swenne   ez  gedenkit   de   ez  Got   so  grozeliche  irzürnet  het 

30  und  er  im  so  gnedecliche  baitot  sinir  bekerde  und  er  im  do  sine  gnade  gap,  de  er 
widir  kam  und  sine  sunde  bözte  und  nu  in  züvirsiht  ist  de  im  Got  sine  sünde  habe 
virlazen  .  swenne  ain  mentsche  an  Got  also  groz  gäti  irkennit,  so  mftz  er  Got  sAzec- 
liche  minnen. 

Daz  dritte  da  mit  wir  germit  suln  werdin  de  wir  Got  sAzecliche  minnen,  de  ist  ain 

85  vorbesmakunge  .  de  ist  so  de  mentsche  de  selic  ist,  an  sinem  hainlichin  gebette  ge- 
denkit an  ünsirs  herrin  guti  und  an  sine  sAzekait,  und  git  im  denne  ünsir  herre  also 
groz  sAzekait  de  ez  allis  des  virgizzit  des  im  ie  ze  laide  ald  ze  liebe  geschache,  also  wol 
trenkit  ünsir  herre  etswenne  mit  der  gotlichun  sAzekait  die  seligun  sele.    und  diu   sAze- 

9.  müz  fehlt  A.  20.  unde  —  salbon  fehlt  Z,  29.  ez  vw  Got  so  au»  er  kwr,  G. 

32.  verlazen  Z,  uir  am  Ende  der  Zeile  G,         34.  gereizet  Z,  gezierit  G. 


2  f.  Luc,  7,  36  ff. 


50.  Von  der  g6tlichen  minne.  171 

lieb  ie  geschach.  und  du  suskait  ist  nit  won  ain  vorbesmakung  der  ewigen 
sälikait,  da  mit  er  der  sele  loket  an  sich,  da  von  redet  sant  Augustinus  zu 
siner  sele:  'o  sele  min,  waz  ist  daz  ding  daz  underwilent  mich  rüret  also 
süsseklich  daz  ich  beginne  gar  kernen  in  ain  frömdi  von  mir  selben  also 
verre  daz  ich  enwaiss  wa  ich  bin?  und  wirt  verwandelt  in  ain  andern  raent-  5 
sehen,  daz  ich  reht  wirde  ernüwet,  und  ain  süskait  zerflüsset  [113'']  in 
miner  sele,  du  ist  so  l^och  über  mich  daz  ich  da  von  nit  kan  gedenken  noch 
gereden,  und  ringet  ällu  min  girde  dar  nach  daz  ich  es  behabe,  won  es 
füllet  mich  vröden  und  gelustes.  o  sele',  sprichet  er,  'sol  ich  dir  sagen 
waz  daz  süss  ding  si  daz  dich  da  rüret?  es  ist  der  vil  liebi  den  du  spul-  lo 
gest  ze  minnend.  er  kumet  nit  daz  du  in  mugest  begrifen,  er  kunt  tögen- 
lich;  er  kunt  nit  daz  du  in  mugest  gesehen,  er  kunt  verborgenlich ;  er  kunt 
nit  daz  er  din  girde  erfülle,  er  kunt  daz  er  si  raitze  und  daz  er  dir  gebe 
ze  versuchen  ainen  tropfen  siner  süssekait,  daz  du  da  bi  merkest  die  über- 
flüssigen güti  die  dich  durch  fliessent  wirt  nach  disem  libe\  und  da  von  15 
sprichet  der  wissage:  'versfichent  und  merkent  wie  süss  Got  ist,  so  werdent 
ir  in  minnende*. 

kait  ist  niht  wan  ain  vor  besmakuDge  der  ewigun  selkait,  da  mit  er  die  sela  an  sich 
lukit  .  hie  von  redet  eant  Augustinus  und  spriebit:  'a  sele  minü,  wo  ist  de  dinc  daz 
an  sinir  gehügede  mich  undir  wilont  nvonet  ze  rurinne  also  suzecliche  de  ich  beginne  20 
gar  komin  in  aine  vrömdi  von  mir  seibin  also  verre  de  ich  enwaiz  wer  ich  bin  ?  und 
wirde  vir  wandelet  in  ain  andir  mentsche,  de  ich  rehte  wirde  imüet,  und  ain  süzekait 
zirvlüzit  in  minir  sele  .  diu  süzekait  ist  so  hohe  übir  mich  de  ich  dran  nüt  kan  ge- 
denkin  und  kan  der  von  nüt  geredon;  wan  mir  ist  reht  wie  ich  netz  waz  umbevangin 
habe^  und  mit  dem  umbevahin  irvüUit  sich  elliu  min  girde  und  ist  vrolich  min  gelust,  25 
und  aine  elarhait  het  min  gemüte  umbeschlozzin ,  und  min  girlichiz  herze  ist  irlühtit 
und  ist  aelliu  min  girde  vröliche  und  ringit  selliu  min  girde  und  selliu  min  gehügede 
damahe  de  ich  de  behabe,  de  ez  niemir  von  mir  entwiche,  de  ich  han  umbe  vangin 
unde  damit  sellü  min  girde  irvüUit  ist^  .  und  so  er  alsus  geredet,  so  antwrte  er  der  sele 
unde  spriehit  .  'a  sele,  vragest  du  we  vrolichir  si'izekait  de  sie  diu  dich  rürit  und  dine  BO 
girde  irvüllit  und  den  du  umbevangin  hest?  a  sele,  ez  ist  der  vil  liebe  den  du  spulgist 
zeminnenne  .  er  enkumit  niht  de  du  in  mugist  begrifin,  er  kumit  tougenliehe;  er  en- 
kumit  niht  de  du  in  gesehin  mugist,  er  kumit  virborginliehe ;  er  kumit  niht  de  er  dine 
girde  irvülle,  er  kumit  de  er  dich  geraize  und  de  er  dir  gebe  ze  virsöchinne  ainen 
trophin  sinir  süzekait,  de  du  daran  merkest  die  übirvluzzi  sinir  güti,  die  dich  gar  durh  35 
fliezzinde  wirt  nah  disim  libe'  .  alsus  gesehiht  einem  seligin  mentschin,  de  virsAehit 
etswenne  ünsirs  herrin  gnade  alse  vil  de  sin  girde  geraizit  wirt  nah  der  ewigun  süze- 
kait, alse  der  wissage  spriehit:  ^gustate  et  videte  .  virsAchint  und  merkint  wie  süze  Got 
ist,   so  werdint  ir  in  minnende' ;   wan   so   diu   sele  enpfindit  die  güti   und  süzekait  an 

15.  dich  zweimal  Ä.         20.  minir P  (ß.)  24.  ist  Z,  fehlt  G.         niez  G. 

3/:  vgl  oben  S.  144  Z.  22  ff.  16.  Ps.  55,  9. 


)  51).  Voü  der  gfltliclieo  minoe. 

Daz  ander  ist  daz  wir  sont  minnen  Got  wislich,  daz  ist  also  daz  wir 
nit  ierregind  an  der  minne.  über  daz  wort  spriclit  saut  Augustinus:  'der 
ierret  an  der  minne  [IIS'J  der  daz  me  minnet  daz  er  minr  miunen  sol,  und 
daz  minr  minnet  daz  er  me  minnen  sol".  viir  sont  Got  me  minneu  denn 
i  liain  ding,  und  swenn  ich  denn  dehain  ding  me  minnen  denn  Got,  so  ier 
ich  an  der  minne;  won  ich  minne  daz  me  daz  ich  mim-  solt  minnen,  und 
Got,  den  ich  über  iUlü  ding  solt  minnen,  den  minne  ich  minre.  nu  sont  wir 
zii  uns  selb  sehen  ob  dehain  ding  si  daz  wir  me  minnen  denn  Got,  daz  wir 
daz  von  uns  werfent;  und  sont  Got  minnen  me  denn  iVUü  ding  und  me  denn 


and 
de-J 


I 


)  Qot,   HO  TCirt  sie  gelukit   ze  der  gi'iti,  de  si  Otot  si'izecliche  minnen  mQz  .   also  sulne  trir| 
Got  BÜzecIicbe  minnen,  de  uns  dehda  si'izekait  von  im  luke. 

Daz  andir  ist  de   wir  Got   sulne    minnen    wislich,    also  wialiche    de    ir    niht    teirenlf] 
an  der   wishatt   und    an  der   minne  ,    übir   de    wort    sprlchit  sant  Augustinus :    'der  ierr 
an  der  minne  der  de  me  minnot   de  er  minre  minnen  sol,    und  de  minre    minnot    de  c 

5  me  minnen  aol'  ,  wc  suln  wir  me  minnon  aide  wc  sulne  wir  minre  minnon  ?  w 
Got  me  minnon  denne  dehain  dinc,  und  denue  ellA  dinc  durh  Got  und  in  Got .  swenn«9 
ich  denne  dehain  dine  me  minnon  denne  Got,  so  ierron  ich  au  der  minne  ;  wan  idlfl 
minnon  de  me  de  ich  minre  solü  minnen,  unil  Got,  den  ich  übir  cellü  dinc  solte  min^ 
nen,  den  minnon  ich  minre  .  nu  sulne  wir  nlle  ze  uns    selben  sehin  übe  dehain  dinc  i 

0  de  wir  me  minnen  denne  Got,  de  wir  de  uzwerfen  und  wir  alse  wisliehe  minnen  de  \ 
niht  ierren  .    Cinsir  herre    sprichit   in  dem  ewangelio :   'ist  dir  diu   rehtiz   ouge  schade,    so 
solt  du  OK  u£  brechin'  .  dz  ensprichit  er    niht  von  äea  libis  ougin,    wan  de  wsere  siinde 
der  de  Isete  .  er  sprichit  ez  von  dem  ougin  des  henin  .  i'ihir  diz  selbe  wort  sprichit  aJa  j 
hailige,   sant  Jobans  Chrisostomus :   'Ich    sache  ain   gaischliche  wip,  diu  geviel  mir  barts'f 

5  wol  und  minnot  sie,  und  gedahte:  du  solt  sie  dike  sehin  und  solt  ir  hainlich  sin,  de  AvM 
sie  sterkest   an    lügenden    und   an  Gotis    dieniste;    unde   do  ich  ir  begunde  hainliche  sin 
und  ich  sie  dike  sache,   do  begonde  ich  ir  ze  gerönne,   und  zehant  do  ich  des  enpfant, 
do  warf  ich  sie  hz    .   hie  bie  sin  wir  gelert   de  wir    die   minne    sulne  merkin;    und  swa 
wir  debain  tump  minne  han,  die  sun  wir  uz  werfin  .  wan  gesebiht  daz  de  ain  mentsche 

■a  den  andirne  minnet  durb  Got  und  in  gaistlichir  Jiebi,  und  dunkit  in  de  im  der 
mentsche  an  sinlr  sele  niizcir  sie  denne  ain  andir  mentsche,  und  virmischit  doch  ets- 
wenne  diu  lieb!  de  ain  boisiu  minne  darundir  kumit,  so  sol  ez  zehant  die  minne  ut 
werfin,  swie  liebe  im  jocb  der  mentache  ist  .  also  sprichit  sant  Paulus:  'ir  sulnt  ouch 
den    gaist    Tirsüchln    ob    ez   Gottis  gaist    sie    aide   des    tievils    .    ist  ez    Gottis  gtüst,    so 

S  volpnt  im  nahe ;  sie  ez  des  tievila  gaist,  so  widlr  stände  im  .  wie  sulne  wir  den  gaiste 
virsfichin  welez  Gottis  gatste  ist?  de  merke  an  den  worün:  ist  ez  also  giit  de  enbain 
(ibil  daran  ist,    ho  ist  ez  Gotis  gaist  .  nu  lisit  man  von  dem  tievil  daz  er  etswenne  ralit 


1.  In  Got  i»t  da»  t  »pättr  angefUgt  A.  4.  dz  i 

feMt  A.         2S.  herzin]  relitiz  GZ.         23.  si  Z.  fehlt  G. 
dem  gate  ZW. 


36.  den  wordn  G 


5(1.  Von  ricr  gfitlichcn 


173 


lain  din?  uiid  me  denue  uns  selben,  und  ünsern  eben mentschen  als  uns 
selben,  ich  sol  mir  selben  bas  giites  und  säldön  gunnen  denn  mira  eben  cristan  - 
wou  daz  mag  nit  siu  daz  ich  ain  ieglich  mentsch  alwegent  mugi  minnen 
alz  mich  selben,  es  gebntet  och  Got  uit  und  ist  öch  nit  sünde.  ich  sol  ain 
ieglichen  mentschen  minnen  als  mich  selben,  also  daz  ich  im  hymelriches  s 
gnnne  alz  mir  selb.  {113"]  du  mimie  sol  alsuz  geordenieret  sin:  zem  ersten 
sol  ich  minnen  Got  iiber  Älhi  ding:,  dar  nach  mich  selben  durch  Got,  dar 
nach  min  eben  mentschen  alz  mich  selben  zu  dem  hymelriche,  zfi  dem  dinge 
da  zu  öch  ich  mich  selben  minnen;  und  daz  ist  wislieh  geminnet. 

Dil  dritt  minne  ist  daz  wir  Got  krefteklich  sont  minnen,  daz  ftns  enkain  lo 
ding,   arbait  noch  vorhte,  noch  hunger  noch  durst   noch  tot  von  siner  minne 


gfitiu  diac  darumbe  de  er  deone  den  meDtschiD  an  sich  ziehe  und  er  im  da  nah  deü 
libilne  Tolge;  und  etswenne  ratit  er  etschlichfl  dinc  du  glit  schinent  und  doch  dbil  aint. 
und  aleo  viranchit  er  allir  maist  gnistlicbe  lüte,  wbq  er  wol  watz :  rieti  er  im  ain  ofienz 
öbil,  de  er  wol  wisai  dz  er  t'ibil  wjere,  des  entsete  er  niht  .  unde  darumbe  lait  er  et-  15 
liebe  varwe  druf,  de  der  mensche  wienit  de  ez  gftte  eie,  und  t&t  ez,  und  gst  denne  de 
dbil  zehaat  danahe  .  und  davon  ratit  uns  der  groze  lerer  sant  PauluB  daz  wir  den 
gaist  virsflcfaen  ob  er  gfite  sie  aide  übil  .  unde  davon  bedurfin  wir  vil  wol  der  wiaun 
minne  de  wir  den  gaist  kunnin  virsnchin  .  nu  sulne  wir  Got  also  wisliebe  minnen  de 
wir  in  minnen  übir  ellli  dine  und  me  denne  dehain  dinc,  und  denne  mich  aelbun,  und  21) 
minen  ebinmentschin  als  mich  selbun  .  ich  sol  mir  selbun  baz  gfitis  und  eeldon 
ffmnt'i  ilenne  ieman ;  wan  de  mac  niht  sin  de  ich  ain  ielich  mentsche  atzogis  mugo 
minnen  alse  mieh  seibin  .  de  gebi'itit  oucfa  Got  niht,  und  ist  ouch  niht  alinde  .  ich  sol 
ain  ielich  mentw:he  minnen  alse  mich  selbüi,  also  de  ich  im  des  himilricbes  gänne,  des 
ich  oueh  mir  seibin  gan;  darzii  sol  ich  ain  ielich  mentsche  minnon  .  so  minnon  ich  35 
wislieh,  so  ich  die  minne  also  ordiniere  de  ich  niht  ierron  an  der  minne:  ich  sol  Got 
minnon  übir  iellü  dinc,  darnah  mich  selbun  durh  Got,  denne  minen  ebin  criatem  alae 
mich  selbun  ze  dem  himilriche,  zeden  dingin  da  zn  o'eh  Ich  mich  aelbin  minnon  ,  wir 
sulne  ouch  Got  alse  wisliehe  minnon  de  wh  an  ainem  ieliehin  dinge  sulne  merkin  Wc 
@in  wille  sie,  de  wir  de  täien ;  wan  awer  den  andime  miniiet,  der  ttit  gerne  einen  30 
willin  .  nu  aulne  wir  Grot  also  wislieh  minnon  von  allim  ünairme  willen  de  wir  reht 
von  liebi  und  von  minne  ünsirne  willen  fügen  in  ainen  willin  also  luterliehe  de  tlna 
enhain  ding  betrübe  de  Got  t&t  .  so  liihtic  er  ünslrre  eele  beschaidinlich  mit  sinir 
ttishait  also  lutirüche  de  sie  kan  irkennin  de  gflt  von  dem  übUne,  und  undir  zwain 
g&ten  kan  sie  de  bezzir  irweln  .  also  sulne  wir  Got  wisliehe  minnen,  HS 

Diu  dritte  minne  ist  de  wir  Got  crefteliche   suln  mmnen  von  allir  tinsir  gebügede, 
also  crefteliche  de  uns  enhain  arhait  (ibir  winda  de  wir  äna  von  ainir  minne  schmden  , 


ita?  l(i.  mousctie  Z,  fehlt  Q.  2i).  me  Z,  fehlt  G.         22.  gun/ne  ieman  G. 

a  Z,  fehlt  G. 


I  10^.  vgl.  oben  S.  32  Z.  5ff.  11.  Rom.  8,  35. 


174  50.  Von  der  gütlichen  minne. 

geschaiden  muge,  also  sant  Paulus  sprichet.  nu  liset  man  daz  enhain  minne 
so  stark  noch  so  groz  si  uff  ertrich  alz  du  minne  die  sei  und  lip  zu  enan- 
der  hat.  daz  siht  man  wol  an  ir  baider  schidunge,  da  groz  s§r  ist  von 
dem  tode;    und    da  von  stirbet  ain  ieglich  mentsch  ungern,   und  ist  daz  von 

5  nature.  doch  beschiht  es  etswenne  von  ünsers  herren  gnaden  daz  etschlich 
mentsch  stii-bet  äne  [114'']  ser,  alz  man  liset  von  aim,  dem  wart  ertzaiget 
aines  mentschen  tod,  daz  an  sere  verschiedi,  alz  es  6ot  verhängte,  der  sach 
ainen  mentschen  ligen  an  ainem  wege,  und  stündent  zwen  engel  bi  im  und 
woltent    die    sei    enphahen.      nu    hört  er   ain  stimme   von    h^elriche   rufen 

10  her  ab  zu  den  engein  und  sprach:  'wes  baitend  ir  daz  ir  nit  koment  mit 
der  sele?'  da  antwurtent  si  und  sprachent:  'wii*  mugent  nit  komen,  won 
uns  ist  gebotten  daz  wir  die  sei  von  libe  nement  ane  ser,  dez  enmugent 
wir  noch  nit  getfln'.  und  zehant  sach  er  von  hfmel  komen  hem  David  und 
ander    sin   genössen    mit   harphen    und   mit    saiten  spil    alz   süsse   daz   du  sei 

15  verflöz  und  schied  von  dem  libe  an  sere.  dis  han  ich  da  von  gesprochen 
daz  nieman  den  tod  mag  überwinden  äne  ser:  so  grössü  minne  ist  ent- 
zwüschent  sei  und  libe.  und  [114"]  die  sela  die  ze  hymelrich  sint,  die  mu- 
gent gantz  vröd  niemer  gewinnen:  so  gi-ossen  jamer  hat  du  sei  nach  dem 
tag  so  si  zfl  dem  libe  ze  samen  gefüget  sont  werden,  so  wirt  ir  vröde  erst 

20  gantz.    dis  han  ich  da  von  gesprochen  daz  alles  also  grossü  trüw  und  minne 

sant  Paulus  sprichit:  'wedir  tot  noch  lebin  moc  mich  von  Gk>t  geschaidin'  .  alse  veete 
8ulne  wir  sin  an  Gotis  minne  de  wir  de  inünsir  herze  sezeen  de  wir  ^  den  tot  woltin 
lidin,  t^t  ez  not,  6  de  wir  wir  uns  iemir  von  Gottis  minne  wellen  geschaidin  .  nu  liait 
man   de  enhain  minne  uf  ertriche  so  stark  noch  so  groz  sie  so  du  minne  die  sele  und 

25  lip  ze  ain  andir  han  .  de  sehint  ir  wol  an  ainem  ielichin  mentschin  .  wan  ez  enist  en- 
hain mentsche  es  envürhte  den  tot  und  stirbit  ungeme,  de  ist  von  nature;  und  enhain 
mentsche  mac  ouch  den  tot  übir  windin  ane  s^re,  ez  engeschehe  denne  sundirliche  von 
ünsirs  herrin  gnadon,  alse  man  von  ainem  lisit,  dem  wart  irzaigot  ainis  mentschin  tot, 
de  ane  s^  virschiet,  alse  ez  Got  virhancte  .  der  sach  ainen  mentschin  ligin  an   dem 

SO  wege,  und  stflndin  zwen  engil  bie  im  und  wolton  die  sele  enpfahin  .  nu  hört  der  gflt 
man  aine  stimme  rüphin  von  dem  himil  her  abe  ze  den  engilne,  und  sprach  diu  stimme : 
Vez  baitont  ir  de  ir  niht  komint  mit  der  sele?'  do  ant?nrton  sie  und  sprachin:  'wir 
enmugin  niht  komin;  uns  ist  gebottin  de  wir  die  sele  von  dem  libe  nemen  ane  s^re, 
des  enmugin  wir  niht  getön'  .    und  zehant  do  sache  er  von  dem  himil  her  abe  komin 

S5  hern  Davidin  und  andir  sine  genoze  mit  harpfin  und  mit  saitspil,  und  strichin  dar  also 
sftze  de  diu  sele  rehte  zirvloze  imd  schiet  von  dem  libe  ane  sere  .  diz  han  ich  davon 
gesprochin  de  nieman  den  tot  mac  übir  windin  ane  sere:  also  groze  minne  ist  ent- 
wütschon  libe  und  sele  .  und  die  sela  die  zehunilriche  sint,  die  enmugin  niemir  ganze 
vroide  gewinnen:    also  grozi?2  jamir  het  du  sele  nah  dem  libe  .  und  nah  dem  jungestin 

40  tage,   so  siu  zesamin  gefögit  werdint,  so  wirt  ir  vroide  ganz  .  diz  han  ich  alliz  da  von 

39.  grozin  Z,  grozir  G. 


50.  Von  der  g5tlichen  minne.  175 

ist  zwuschent  lib  uud  sei.  and  doch  swie  groz  minne  si  zu  enander  hant, 
so  sont  wir  doch  Oot  so  starklich  minnen  daz  wir  e  den  tod  wellent  li- 
den,  daz  lib  und  sei  von  enander  schaident,  e  daz  wir  uns  von  (Jot  wellent 
schaiden. 

Ünsem    eben  mentschen    sont  wir    och    minnen.      na   merke   ich    an   vier  5 
dingen  ob  mich  ain  mentsch  minnet. 

Daz  erst  ist:  tat  im  min  schad  we,  and  treit  arbait  mit  mir. 

Daz  ander  ist:  vröwet  er  sich  mins  hailes.  na  sehent  hie:  swer  denn  liep 
und  laid  mit  dem  andern  nit  treit,  daz  enminnet  sin  och  nit.  sant  Paulus 
sprichet:  Ver  ist  der  mentsch  der  dehain  widermüt  het,  mit  dem  ich  sin  lo 
widermüt  nit  trage?  ich  [IM'']  bin  siech  mit  dem  siechen,  ich  bin  trurig 
mit  dem  trurigen  und  hau  vröde  mit  den  vr61ichen\  also  sont  och  wir 
enander  minnen,  daz  wir  lieb  und  laid  mit  enander  tragent,  won  des  manet 
uns  der  selb  herre  sant  Paulus  und  spricht:  'ir  sont  vro  sin  mit  den  vrö- 
lichen  und  trurig  mit  den  trurigen,  alz  ir  sehent:  ist  mir  an  miner  hand  we,  15 
den  ser  tragent  allu  minu  lider,  won  du  hand  ist  des  selben  libes'.  also  sprich 
ich:  swel  mentsch  der  cristenhait  gelid  ist,  dem  tflt  we  und  wol  daz  och  sin 
ebenmentschen  we  tut  und  woly  des  lid  es  ist  von  der  cristenhait  unser 
herre  ist  der  cristenhait  hopt,  und  ist  du  cristenhait  der  lib,  und  ain  ieglich 

gesprocbin  de  also  groze  trüwe  und  minne  ist  entwischen  libe  und  sele;   und  doch  swie  20 
groz  minne  sie  zeain  andir  han,   so  sulne  wir  Qot  also   starkeliche   minnen  de  wir  6 
wellen  den  tot  lidin,  de  lip  und  sele  von   ain  andir  geschaiden,  6   wir  uns   von  Got 
schaiden  wellen. 

Wir  sulne  ouch  ünsirn  ebincristain   minnon  .  nu  merke  ich  von   ainem   ielichim 
mentschin  an  vier  dingin  ob  mich  de  andir  minnet  25 

Daz  erste  ist:   tot  im  min  schade  w^,  und  trait  min  arbait  mit  mir. 

Daz  andir  ist:  vrowit  ez  sich  minis  hailiz  .  nu  sehint  hie:  swer  denne  liep  und 
lait  mit  den  andim  nith  trait,  der  enminnot  ouch  sin  niht  .  sant  Paulus  sprichit:  Ver 
ist  der  mentsche  der  dekain  widirmflte  het,  mit  dem  ich  beträbede  nit  trage?  ich  bin 
siech  mit  dem  der  siech  ist;  ich  bin  truric  mit  dem  der  lait  het,  und  hain  vroide  mit  80 
dem  der  vro  ist'  .  also  sulne  ouch  wir  ain  andirn  minnen  de  wir  liep  und  lait  mit  ain 
andir  tragen,  alse  er  abir  andirswa  sprichit:  'ir  sulnt  vro  sin  mit  den  vrölichin  und 
truric  mit  den  trurigen,  alse  ir  sehint:  ist  mir  an  miner  hant  we,  de  sere  tragint  selliu 
minü  lit  mit  der  hant,  wan  du  hant  ist  des  seibin  libis'  .  also  spriche  ich:  swel 
mentsche  der  cristinhait  gelit  ist,  dem  tOt  we  und  wol  de  ouch  sin  ebinmentscbin  we  85 
t&t,  der  sin  gelit  ist  von  der  cristenhait  .  ünsir  herre  ist  der  cristenhait  houpt,  und  ist 
diu  cristenhait  der  lip,  und  ain  ielich  selic  mentsche  ist  ain  gelit  der  cristenhait  .  nu 

2.  Got  fMt  A.  12.  den  so  A.  17  /*.  daz  —  wol  fehlt  A.         24.  ich  am  Bande  an- 

gefügt G. 

10  ff.  im  Anschluß  an  IL  Cor.  lU  29,  14.  Bom,  12, 15;  L  Cor.  12,  26. 


176 


50,   Von  der  gütlichen  i 


I 


ment«che    ist  der  cristenbait   gelid.      du  spricbet  sant  Paulns:    'swem  nit  wal 
tfit  sines  gelides  ser  nnd  sich  nit  vrüwet  sins  eben  mentschen  bailes,    der  ia» 
och  nit  ain  gelid    der  cristenbait '.     swel  mentsche    denn  nidig  ist,    daz  i 
6ch  nit  ain  gelid  ünsers  herren.     nu   merki  ain  iegüch  ment[114-']sche  an 

>  selben:  wie  vil  es  sich  vrüwe  ains  andern  hailes  nnd  geliikes,  und  tmrigaj 
ains  andern  unhailes  und  ungelükes,  als  vil  ist  es  ain  gelid  ünsers  herren. J 
awenne  nu  unser  herre  an  dem  jüngsten  tage  sinü  gelider  samnent  wirt  i 
allen  sinen  lip,  so  wirt  der  nidig  mentscbe  von  im  gescbaiden,  won  er  sian 
gelid  nit  enist  an  der  minne. 

I  Daz    dritte   dar    an    man    die    minne  sol  zaigen  dem  eben  mentschen,    daz 

ist  daz  ain  iegliches  mit  dem  andern  sol  sin  gut  taillen,   swa  es  sin  bedarf, 
also  vil    so  es  denn  mag;    daz  höret  weltlich  lüt  an.      aber  wir  gaischlichea 
liite  sont  och  gaischlich  alniüsen  geben,  daz  vrir  uns  sont  erbarmen  über  arm  { 
lüte,    und  sont    in  ünsren  willen   gen,    daz  wir    in    gern  ir  notdurft  biitztinl^J 

•  möhtint  wir,  und  sont  och  Got  für  sü  bitten  daz  er  si  ergetzi  irs  gebn 
mit  [115"]  im  selben,  ain  hailig  spricht:  *swer  für  den  andern  bittet, 
bittet  für  sich  selben',  und  dar  ninb  sont  ir  für  all  die  bitten  die  in 
baiten  sint. 


lis  gelidis  sere  und  der  sieh  nfil  Trtiwit  b 
;elit  der  cristenbait'  .  ewel  mentsche  denn 
nu  merke  Hin  ieÜch  mentscbe  an  Im  «elbtn: 
und  gelfikiz,    alse  vil    ist  er  ain  gelit   linsire 


sprichit  Bant  Paulus;  'swem  niht  we  tat  ei 
■m  ebin  menWchin    hailiz,   der  enist    niht  ain 
.         nidic  iet,   de  enist  ain  gelit   tinsira  herriu  . 
L      wie  vil  ez   eich  vr^we  ainis  andirne  baili« 

I      herria  .    nit  de  Ist  diu  büiste    und  dti  uneeligost  untuginde   dti   sin  darfe;    wan  mit  nlde 
I        enbet  der   mentscbe  enbain   nolluste,    waa  im   swinit  lip  und  herze  eo  er  sihit  de  aim  . 
25  andirne   sin    dlnc   wol  gat  .    und    swie    niderwerdecüche   alm    sin  dinc   giengi,    so  enbflM 
doch  ain  mentsche  desle  me  niht  der  ea  da  nidot,  und  enhet  ouch  deste  minre  nit  so  ea 
aim  wol  gat,   und  enmac  doch  von  rehür  untuginde  ane    nit  iiilh  gelan  de  aim  andirne  ' 
nol   gat  sin    dinc    .    nu   sprichit   sant  Paulus   daz    de  «in  zalcbin  ist   de  er  niht  ist  ain 
gelit  Gottis   an   der  criatenhait   .    und   so  Got   sinen  lip    samenonde  wirt  und    sinfl  lider 
30  an   dem   jungeslin  tage   und    sinen  lip  denne  bebaltit,    so  m&z   der  nidige  mentscbe  von 
im  geschaidin  werdin,    wan  er  sin  gelit  niht  ist  an  der  minne. 

Daz  dritte  dar  an  Ir  die  minne  sunt  zaigen  dem  ebln  mentschin :  de  er  iuwb  gut 
mit  im  sulnt  taiJne,  swa  erz  bedarfte,  alse  vil  so  ir  mugint:  de  hi^rit  welteliche  lAte 
an  ,  abir  wir  gaietlicbin  li'it«  sulne  ouch  gaisteliche  almi'isln  gebin,  de  wir  uns  sulne 
SS  irbarmen  libir  arme  lille,  und  sun  inen  Anslrne  willen  gen  de  wir  inen  gerne  ir  not- 
dürfti  bflztin,  und  mehtin  wir,  und  sulne  Got  vlir  siu  bitten  de  er  sü  irgezce  ira 
brestin  mit  im  selbln  .  ain  bailie  man  spricblt:  'wer  vür  den  andirne  bittit,  der  bittiti 
vür  sich  seibin ' .    und  darumbe  sun  wir  vär  alle  die  bittin  die  in  arbaitin  sint  .  sweni 

5,  trurigen  ,1.  6.  In  ains  ist  da»  s  später  hinzugefügt  A.         10.  de)  dem  oder  den  ? 

14.  bütz  /tint  am  Ende  und  Anfang  einer  Zeile  A.        23.  nit]  Sit  nttf  falachem  Initial  G.       Arte  6 
mac  Z,        27,  nit  Z,  fehlt  Q.        31,  niht  ist  Z,  fehlt  O.        der  aus  den  korr.  6.        32.  e.  m.  ( 
ist  das  ir  Z.         33.  de  am  Bande  ff.         34.  wir  welteliehin  lu  gBistticIiin  ff.         vns  Z,  fehlt  Ol] 
37.  bittit  der  an  dirne  bittit  der  G.  .3S.  wirfv 


.  Von  der  g6tlichen  minne. 


177 


Daz  vierde  ist  daz  ain  iegUches  dem  andern  luterlich  vergebe,  daz  im 
ie  lait  getet.  und  als  ain  ieglich  mentsch  welle  daz  im  Gtot  sin  schulde  ver- 
gebe, also  sol  öch  es  siin  eben  mentschen  vergeben;  won  vergit  es  nit,  so 
vergit  im  och  Öot  niemer. 

Swel  mentsch  disfl  zaichen  nu  an  im  nit  enhat,  der  hat  och  der  rehten  i 
minne  nit. 

■l 

■■  föij  Von  der  hymel^cheu  Wirtschaft. 

[Vidi  angelum  sia7item  in  sole  et  ctamavit  voce  magna  etc./ 
'Ich    sach  ainen  engel',    sprichet  sant  Johans  in  Apocalypsi,   'in  der  sun- 
nen    stan    und    schre    mit    ainer    grosser    stimme:    "koment    alles    daz    gefügel  i 
daz  in  dem  hymel  diiget,  und  samnent  üch  zu  ainem  grossen  essenne  Gottes". 


un  swestir  sihit  de  ir  swestir  ist  betröbit,   eo  Gol  sie   ir  helfin  ir  beswerde  tragin,   und 
sol  aie  gfttelich    mit   niilten  wortin    l^l^8tin,    und    eol  linaime  herrin   vor  eie  bitten    de  er 
ir  herze  tn^ste    mit  ainir  gnade  .    und    aleo   sol   ain  ielich  snestir  mit  der  andenin    in  ir 
arbaiten  ain  .  nu  merkent  bie:    sit  eich  Got  het  uzgenomin,  und  de  er  de  spriobit  de  15 
er   mit  dem   nientecbin    wil    sin    der    in  betrübde    und    in  arbaiten    iet  sicfairlicbe,    so  sol 
sieb   gerne  ain   ielicb   mentseb   vlizen,   de   mit  Got  wil   sin,   de  ez   mit  dem  menteofain 
aie    der    in    arbaitin    ist    an    übe  unde   an    berzin,    sit   Got   selbe   mit   dem    arbaitendim 
mentecbin  iat  .   Gwer  denne  mit  dem  mentschin  ist,  der  ist  mit  Got;    und  swer  mit  Got 
welle  ain,    der   aie    mit  dem    betrftbtim  menlachin    und  tn'iste   In   und  gibe  im  din  herze,  20 
de  er  sine  arbait  uf  im  rQwe,    so  rinnet  Got  uffin  im  an  dem  mentschin  .    du  soll  oueh 
v6r  ain  ielicbe  swestir   Ansime  herrin    bittin ,   die    du   in  arbaiten    waist   an    libe   und  an 
herzin   .    und   awenne  du  merkist  de  din  swestir  cranc   sie   an  libe  aide  an  dem  gaiste, 
der  soh  du  ir  arbait  lihteron  alae  vil  so  du  mäht,    und  solt  Got  bittin  de  er  ir  helfe  ir 
arbait  tmgin,  und  de  er  aie  t^''sIe   mit  siner  gnade   .   so  du  alsua  din  berze  tailiet  mit  2b 
dmir  sweslJr,  so  gist  du  ir  din  gaiechlichin  almüsin,  de  ist  ain  zaichin  der  minne. 

Dax  vierde   iat  de  du  lutirliche  allen  den  virgebest  die  dir  ie  dehain   lait  getadu  . 
und  alse  du  welleet   de  dir  die  virgeben   den    du  aehuldic  biet,    also  solt  du  o^ch  allen 
den    vii^bin    die   widir  dich   achuldic    sint    .    und    awel  mentscbe  lange   in  sinem   herzin 
trait  de  man  im  t&t,   unde  ez  nibt  virgit,   de  ist  ain  zaichin  daz  er  der  minne  nibt  en-  HU 
hat  widir  ainen  ebin  mentschin. 

7.  ilierschrift :  fehlt  WX,  von  allen  halUgaa  von  ttceiter  Hand  eugeßgt  G,  sce  Joh'a  (rot)  Z, 
Vp  alre  heiligen  dach  FMl,   Senno  Vlll  ton  zKäter  Band  am  Rande  W.  h.  De»-  tat.  Text 

fAUA,  Vit!  (ho)  imgYm  stantR  sol'  et  o',  v.  m.  et  ceta',  der  Baum  für  das  Initüil  V  iit  freige- 
latten  G.  9  f.  Ich  —  atan!  Diua  nurt  achribit  sant  iobannes  in  apocal^pai .  Er  sähe  aioE  engil 

stan  .  inder  aunnun  G.         12.  swesürj  prfider,  so  durchweg  W.    ir  ewest'  od^  ir  broder  betr.  ist  Z, 
dann  führt  Z  teils  mit  masc.  teils  mit  fem.  pronom.  leeiter.        U.  brodcr  mit  dem  anderen  in  ir  Z. 
18.  sie]  wii  sin  G.  2t.  er  za  »treichtn?  (P.)  21.  aweatir]  brider  Z.  ebenso  23.  26. 

31,  Z  fügt  nach  ebin  mentBchin  noch  bei:  Das  wir  rehto  minnen  des  helfe  rns  got  amen. 

7.  Dom  StiUk  findet  sich  in  G  Bl.  41'';  Z  Bl  48^:  darnach  gedruckt  bei  Wackemagel  S.  111; 
W  Bl.  37';    N  Bl.  39'-;    Phill.  Bl.  193';  S  A'r.  9..  9.  Apoe.  19, 17. 

DntKhii  Taita  doa  HltleMten.  X  12 


I 


178 


51.  VoD  der  bjmelscben  wirtscbaft. 


Daz  wort  ist  ze  verstände  von  aUeu  eiigeln  und  hailj 
engil  ist  ans  bezaichent  ain  ieglich  predier:  bi  der  sunuen  du  ballig  Schrift, 
da  er  inne  sol  stau;  ßiö"/  dii  groz  stimme  bezaiclient  die  grossen  girde  die 
der  predier    ban  sol    zfl  Gottes  worteii;    und  als  der  enge!  sii  ladet,   also  sol 

6  och  der  predier  die  lüte  laden  zii  dem  hymelriche.  won  der  engel  da 
sprach:  'koment  alles  daz  gefügel  daz  in  dem  liymel  flüget',  da  bi  sint  uns 
bezaichent  alle  die  säigeu  seien  die  da  sint,  und  alle  die  engele,  und  öcli 
die  mentscbeu  die  noch  uff  ertrich  sint  und  aber  mit  iren  gedänken  and  mit 
ir    girde    ze    hymelriche    koment,   alz    uns    sant  Paulus   leret:    'nostra    conver- 

lü  sacio  in  celis  est  etc." 

Na  sint  zwaiger  band  essen:  ains  git  der  menlsch,  daz  ander  git  unser 
herre  Got  und  zu  sim  essenn,  daz  er  da  git,  ladat  er  den  mentscben;  und 
kumet  aber  er  allweg  zii  des  mentschen  essenn  ungelatt.  und  da  von  liset 
man  in  Äpocalypsi  daz  unser  herre  alleweg  stat  und  boset  zä  des  mentschen 

lä  bertzen;  und  verzihet  im  doch  mänig  mentsch  sines  hertzen  und  wil  in  nit  in 
lassen,  dar  an  merkent  wir  ünsers  herren  giiti  und  sin  erbärmde,  daz  er 
alle/2?Ü7wegent  der  besser  ist  und  uns  nach  gat  und  den  mentschen  alle- 
weg ladet. 

Nu  aont  ir  merken  vier  ding  an  den  ersten  Worten, 

20  Daz  ei-ste  ist  daz  der  engel  sprach:    'koment  herl'     mit  dem  worte  sint 

wir  geladet  dar  umbe  daz  wir  ane  schäme  dar  koment;  won  swer  zu  ainer 
hohzit  käme  ungeladet,  der  müsti  wol  schamrot  stan.  und  da  von  daz  wir 
ane  schäm  dar  koment,  so  sint  wir  geladet,  da  von  liset  man  von  ainem 
fiirsten,  der  hatte  hohzit,  und  ladet  er  ain  vrowen,  du  hiess  Judiht,  und  sante 

25  zii  ii-  ainen  erberen  botten  und  hiess  in  disü  wort  sprechen:  'ain  gütü  jnng- 
frowe  sol  komen  zu  mim  herren  ane  scbam  und  sol  mit  im  essen  und  win 
trinken  mit  fröden'.  daz  gloset  ain  ballig  man  und  sprlht:  'es  enist  enhain 
ding  gut  won  daz  alle  lüte  gerent,  und  daz  sich  selben  oflFent  und  meret'. 
und  also  sol  ain  jungfrow  gut  sin,   daz  ir  alle  lüte  gerent.      intrüwen,  swelü 

1.  ventAnde  —  hailgon]  viracminiie  uoq  dem  grozin  tage .  bo  mna  allir  hailigoo  tac  begaX.  G. 

1  /■.  bi  —  predierj  fehlt  A ,  Nv  ist  uns  bio  d.  e.  bez.  a.  ielicb  pr.  G.  2.  Bvnnun  ist  bezaicbint 
d.  h.  G.  3.  dö|  vQ  de  er  achrai  aino  G.        at  de  bezaicbint  G.        4.  wort  G.        latte  G. 

5.  die]  alle  G.         Wan  de  der  G.  da  fehlt  O.         6.  himiiricbe  G.         7.  Bilgen]  bniligin  G. 

da]  zehimibiche  G.         nnd  —  engele  fehlt  G.  Sf.  mit  it  girde  .  unde  mit  ir  gedanc  G. 

Si.  koment]  wonent  G.        10.  eta.  fehlt  G.        11.  ant  — band]  lisit  man  uoq  G.        12.  Got  — 
mentschen]   vll  vnsir  herre  ladot  allcwego  den  montscbin  .  zedem  ezzine  .  de  er  da  git  G. 
16.  docb  uil  mienic  G.       w.  in]  w.  ein  G.         lö.  li.  irbcermde  .  und  sine  gäti  G.        17  /'.  gat .  Uri  de 
er  abir  allewege  d.  m.  ladet  .  daran  merken  wir  abir  eine  gfiti  .  un  des  mentacbin  crauchait  .  dc 
wir  Dlht  götis  mugln  getßn  .  ane  sine  gfiti  G.  20.  her  fehlt  G.        wort  bo  sin  G.         21.  dar 

fehlt  G.         22.  stan]  weidin  G.  da  von)  dar  umbe  G.         23.  da]  Und  dannan  (dannan  hier 

meiitma}  G.  24.  bat  ain  hohogezit  G.  er]  der  vörste  G.  26.  mit  —  und]  ezzin  mit  minem 
berrin  .  und  sol  mit  im  G.  27.  vnd  de  gl.  G.  2S.  daz  alle]  dee  alle  G.  o.  uü  aicb  selbuu 
merit  Q.         29.  ain  gut  j.  gut  G.        alle  die  I.  G. 


9.  PUIi.  3,  20.         14.  Apoc  3,  20.  25.  Judith  IS,  12. 


2 


51,  Von  der  himelschen  wütscbatc. 


ire 


jungfrowe  sich  flisset  guter  züliten,  guter  sitten  und  schöner  g;ebArden,  [115*] 
der  gerent  alle  lüte.  wilt  du  allen  li'iten  wol  gevallen,  so  ftisse  dich  daz  du 
in  allen  dinen  werchen  sist  rehter  und  guter  gebärden,  und  da  von  sprichet 
sant  Peter:  'liebü  kint!  ir  sout  üch  flissen  daz  ir  so  gut  sitten  und  gebärde 
habent.  swer  üch  sehe,  daz  der  Got  an  üch  lobe,  und  daz  si  üwer  zuht,  : 
iiwer  Salden  gereut*,  aiu  gfitü  jungfrowe  sol  öch  sich  selben  ofnen  iu  der 
bihte,  daz  si  enhain  ding  lasse  ungeoflfnet  durch  schäm  noch  durch  vorhte. 
ain  gütü  jungfrowe  sol  öch  sich  selben  meren  mit  der  minne;  won  du  minne 
ist  bezaichent  bi  aim  staine  der  die  natur  hatte,  swaz  der  mentsch  berärte, 
daz  daz  sin  waz.  also  ist  üch  dn  minne:  du  zühet  alles  daz  au  sich  daz  si  lO 
berüret,  und  swaz  si  berüret,  daz  ist  ir;  won  swaz  der  mentsche  gfiter  ding 
an  ainandern  niinnet,  daz  ist  alles  sin.  swer  denn  vil  gutes  welle  gewin- 
nen, der  minne  alles  daz  er  an  aim  ieglicben  gutes  sehe  oder  höre,  ao  ist 
es  alles  sin.  und  da  von  [IW]  ist  du  minne  glich  dem  füre,  von  des  füres 
uatnre  merkent:  daz  füi*  ist  haiss;  nnd  swaz  dar  in  kumet,  daz  zühet  es  15 
alles  an  sin  nature,  daz  es  im  glich  wiit.  ze  glicher  wb  ist  du  minne  ain 
für,  won  si  ist  haiss;  und  alles  daz  si  minnet,  daz  zühet  si  in  ir  nature, 
daz  es  ir  gelichet.  und  da  von  sont  wir  minnen  illü  gütü  ding,  so  ziehent 
wir  es  mit  der  minne  in  ims,  daz  es  uns  glich  wirt.  aber  der  nidig 
mentsch,  swaz  der  guter  dinge  siht  an  andren  lüten,  da  von  wirt  zehant  ain  M 
Sturmwetter  in  sim  hertzen.  intrüwen,  die  verlierent  baidü:  daz  si  gutes 
tünt  und  daz  ander  lüt  tiint,  daz  in  der  weders  ze  haile  kumet.  und  da 
von  sol  ain  gütü  jungfrow  minnen  alles  daz  si  an  ieman  gutes  vindet  oder 
höret  sagen,  in  trüwen,  swelii  jungfrow  alz  gut  ist  daz  ir  alle  lüte  gerent, 
und  sich  selben  öffnet  in  der  bihte  und  sich  meret  in  der  minne,  dö  mag  25 
wol  an  schäm  ze  hof  komen.  [116'']  und  daz  er  si  nemmet  ain  jungfrowen, 
daz  bezaichent  daz  si  noch  wachsen  sol.  man  liset  in  dem  wissagen  Zacha- 
rya,  der  waz  vil  wunder  alt,  und  solte  ze  aim  male  ain  engel  mit  im  reden, 
der    engel   waz    so  wise    daz   er    sin    nit    verstund,    und    sprach  der  engel  zu 

1.  zubt  . . .  sine  .  . ,  gcbo?rde  G.  2.  witt  du  dense  G.  3.  in]  an  G.         sisC  fMt  A.         . 

i.  Sitte  G.         5.  nach  lobe]  de  ivch  ivwir  zuht  unde  ivwir  sitte  geereii  .  und  die  ivch  Bchel- 
tint  .  und  ivwir  spottetit  .  bindir  ivch  .  de  ivcb  die  werden  lobende  .  bo  bü  iveb  geeehint  O. 
6.  uB  ivwirre  8.  G.         9.  betä  G.        montech]  mit  G.        10.  wk«  G.         sIbo)  Zegrlicbir  wise  G. 

öch  fehlt  G.         zlihit  an  eich  allie  de  sie  G.  11.  sie  oucb  b.  G.  12.  ^m  andime  0. 

daz  ist  a.]  diu  sint  G.        gute«]  gütir  dinge  G.  13.  de  er  gütiz  a.  mm  icUcbin  menlscbJn 

siht  aide  hSrit  Ö.  15,  dar  in]  indc  vüre  G.         17.  nature  Ö,  mlne  -1.  18.  golicbet]  gliclie 

wirt  G.        \9f.  nidig  m.]  mentsch  der  nidic  ist  G.  20.  der  g.  d.J  er  gütis  ß.         wirt  im  G. 

21.  im  aim  A,  ime  G.  die  Ifite  v.  G.  21  f.  daz  —  kämet]  ir  gätin  werke  .  uon  dem 
nide  .  uü  de  o'cb  iudir  lüte  gätiz  getünt  .  Wan  uon  dorn  nide  .  den  siu  anderen  täten  ir  hailiz 
erbunnen .  da  mit  nirlierint  sü  beidenthalp  G.  23.  \-indet]  siliit  6.  24.  nach  sagen]  so  merot 
«  Bich  G.         25.  vn  ein  sich  s.  o.  G.         meret  in]  »elbln  m.  mit  G.  diu  sele  G.  27.  in] 

uon  G.  29.  hat  oirstandin  G. 


4.  /.JWr.  3,12.  Hf.  vgl.  oben  8.  S8  Z.  l  ff.         27.  Zadt.  2,4. 


180 


51.  Von  der  hjmelschen  Wirtschaft 


aim  andern  engel:  'rede  mit  dem  kindel'  über  daz  wort  sprichet  sant 
Jeronimus,  daz  in  der  engel  nemet  ain  kint,  und  er  so  gar  alt  waz,  dar 
über  spricht  er  daz  wir  ä!lü  kint  sint,  won  wir  wachsen  sont.  nu  sprichet 
sant  Paulus:  'wir  sont  alle  waclisen  in  ainen  voikomnen  man",  daz  ist  Jliesus 
s  Christas,  der  waz  der  erste  der  ie  von  dem  ertrich  gewüchs  in  daz  hymel- 
rich;  und  alle  die  die  im  nach  went  volgen,  die  sont  wachsen  von  dem  ert- 
rich in  daz  hj'melrich,  in  den  voikomnen  Jhesum  Christum,  also  sol  du  sei 
sin  ain  gütii  jungfrowe  und  sol  och  wachsen  von  dem  ertrich  in  daz  hymeU 
rieh,      entriiwen,    so    kumet    si    an    schäm    zu    dem    herren    der    si    da    hat 

10  geladet,  und  sol  essen  und  trinken  mit  im  in  fröden,  [110'^]  waz  sol  du 
sei  essen  won  daz  waissin  körn  und  win  trinken  mit  frßden?  und  da  von 
sprichet  der  wissag  Ysayas:  'bi  dem  eiwelten  körne  merkent  wir  sin  güti. 
waz  ist  sin  güti ,  waz  ist  sin  schön!  won  daz  erweit  kom  und  win  der 
m%de   blut?*      bi    dem    erweiten    körn  vememen  wir    sin    güti,    und  bi  dem 

ts  wine  sin  sch6ni.  den  win  sol  du  sele  trinken  mit  fröden,  daz  ist  daz 
si  sin  schönnes  antlüt  iemer  sol  ane  sehen  mit  fr6den:  daz  ist  der  win  der 
mägde  blüt. 

Daz  ander  wort  sont  wir  merken,    daz   er  sprichet:  'samuent  üchl'      hie 
an    merkent  wir    daz  wir    mit    samenunge    ze    hymelriche    sont    komen ;    won 

»  ewer  besament  vert,  der  vert  mit  fröden  und  sicherlieh;  der  aber  aine  vert, 
der  vert  unsicherlich.  und  da  von  sprichet  der  wissag  Ysayas:  "ir  sont  us 
varen  mit  fröden  und  sont  hin  komen  mit  fride  und  sont  enphangen  werden 
mit  lobe  und  mit  sänge!*  nnd  daz  er  sprichet:  'ir  sont  ns  varen  mit  frodm'.' 
dar  an  merkent  wir    daz  wir    [IWj   mit  samnung  sont  varen;    won  swa  vil 

as  lüt  mit  enander  vert,  die  hant  fröde  mit  enander.  daz  er  aber  denne  sprichet: 
'wir  sont  hin  komen  mit  fride',  daz  merkent  wir  also:  swer  besament  vert, 
der  enfürhtet  im  nit.  swenne  wir  denne  also  hin  koment,  so  werdent  wir 
enphangen  mit  lobe  und  mit  sänge;  und  da  von  sont  wir  gern  in  der  niengi 
varen,  so  gelinget  uns  wol.    also  liset  man  von  aim  heiTen,  der  hiess  Baracb, 

a»  der  wolte  in  ain  ürliig  varen  und  sprach  zä  siner  vrowen,  du  hiess  Delbora: 
'ich  wil  nit  varen,  du  varest  denn  mit  mir',     do  für  dii  vrowe  mit  im  und 


H  Rande  mii  Verafiaungt- 
1  mincm  ß.        9/:  der  — 


6.  alle  die  im  I?.  7.  voikomnen]  uolle  waheinnem  G.         »ol  < 

itkhtn  naiAgetragen  Ä.         6.  dem  fehlt  G.        da«  fehlt  G.  9.  de 

gcladet  fehlt  G.  10.  eascn  —  in]  mit  mincm  berrin  .  und  trinkin  i 

wize  G.  12.  Ysajaal  /.  Zacharias.  merkeutj  uimcmen  G.  13.  won]  wc  ist  G.  15.  daz 
ibt  fehlt  ß-  n.  blftte  .  also  schier  so  wir  des  winia  getrinken  .  so  werden  wir  aJle  btfiginde  le- 
meRdin  .  und  dannsn  uon  sun  wir  ilen  .  de  wir  des  winis  getrinke  .  Wan  swer  des  winis  ge- 
trinkit  .  dz  eien  wittewan  .  aide  6  It'ile  ,  aide  swie  wir  sin  .  so  weiden  wir  alle  zemegedin  bia- 
gindt)  G.  m.  Bont  w.  merken]  de  wir  ulmemin  suino  -  de  ist  O.  hie]  dar  G.  19.  merkent 
wir]  Bulnt  ir  oiraemiu,  ebenso  24  Ö.  20.  und  fehlt  0.  23.  mit  frfiden  fehll  A. 

24.  won  fehlt  G.  25.  aber  fehlt  G.         ibf  sprichit .  de  wir  hin  sun  kom  G.         26.  merkent 

w.  also]  uimomen  w.  ab^  an  die  mitnegi  G.  SO.  varen]  ritin  Q.  Rl.  denn  fehlt  G. 

do]  vn  ß. 


4.  Bph.  4, 13.  12.  Zath.  9, 17.  21.  Uai  55, 12.  31.  Jurfte.  4,  B. 


2 


51.  Von  der  himolsclien  Wirtschaft  181 

gesigtent  an  ir  viginden.  entrftwen,  dar  an  merkent  wir:  swer  in  der  sam- 
nung  vert,  der  überwindet  alle  sin  viginde.  und  do  der  herre  sin  vig:inde 
liatt  überwunden,  do  sprach  du  vrowe:  'ich  bin  du  Gotte  wol  singet',  über 
daz  wort  ßprichet  Beda:  'der  mentacli  singt  Got  [117']  wol,  der  nit  haisri 
hat  von  sfuiden  und  der  ain  gerihtig  zungun  hat  und  der  enliain  tempki  in  5 
der  hrtiste  hat.  nu  vernement  die  sünd  an  der  haisri;  won  alz  du  haisri 
ieiTet  daz  der  mentsch  nit  wol  singen  mag,  also  ierret  du  sünde  den  ment- 
schen  daz  er  Got  nit  wol  singet,  daz  och  ain  ungerihtige  zungen  bat,  du 
gern  hinder  redet  und  verkeret  sines  ebeucristens  werch  und  trAg  ist  Gfot 
ze  lobeun,  der  mentj^ch  singt  öch  übel  vor  Gotte.  der  öch  denne  dehain  lO 
temphi  hat  in  der  brüste,  der  singet  och  Got  übel,  bi  der  temphi  merkent 
wir:  sweler  mentsch  nidet  sin  ebencristen  sins  hailes  und  sins  gelükes,  der 
hat  temphi  in  der  brüst;  daz  ierret  öch  daz  er  nit  wol  singet  vor  Gotte, 
und  da  von  sprichet  er  daz  der  mentsch  wol  singt  und  süsseklich,  daz  in 
Got  gern  h6ret  und  naiget  sin  oren  zu  sinem  sänge,  der  ain  luter  gemAte  is 
hat  und  enkain  liaisri  von  den  sünden,  und  der  ain  rihtig  zungen  hat,  du 
nieman  iiin[117''Jier  redet  und  berait  ist  Got  ze  lobenn,  der  ain  lutern  gaist 
hat  und  enkaiu  temphi  ^on  nide,  daz  er  alles  daz  minnet  daz  er  au  ieman 
gutes  siht.  und  alz  du  gftt  vro  Delbora  sprach:  'ich  bin  du  Got  wol  singet', 
also  sont  wir  uns  Hissen  daz  wir  Got  wol  singent,  daz  wir  enkain  haisri  ao 
habent  von  sünden ,  und  daz  wir  ain  gerihtig  zungen  habent,  du  niemau 
hinder  rede  und  alweg  berait  si  Got  ze  lobenn,  und  daz  wir  dehain  temphi 
habent  von  nide,  und  daz  wir  alles  daz  wir  an  iemann  gutes  und  hailes 
sehent,  daz  wir  daz  minnent:  so  singent  wir  wol  vor  Gott«,  wir  sont  uns 
flissen  och  daz  wir  in  der  mengi  varent ,  alz  du  gut  vrowe  besament  25 
für,  und  daz  si  alle  ir  vigiut  überwand:  also  überwindet  der  mentsche  sin 
sünde,  der  besament  vert;  aber  die  sich  sundrent,  den  misselinget  dik.  und 
da  von  liset  man  von  hern  Jacobs  tohter  daz  si  sich  sundret  von  dem  ge- 
sinde,  do  gesach  si  ain  herre  und  verzukte  si  und  nam  ir  ir  künscld.  en- 
IrüfUT'Jv/en,  also  geschiht  noch  allen  den  die  sich  gern  sundrent  von  der  so 
samnung.  die  siht  der  tüfel  an  und  nimet  war  irs  sundreus  und  irs  sundren 
Sinnes,    und    gevallent    im   alle  sament  wol,  daz  er  si  minnet;    und  dar  nach 


I 


4.  sprichet]  echribit  G.        ah]  cahaln  G.        hf.  uod  —  hat  fddt  Ä,  u.  d.  e.  t.  bei  i.  d.  br.  G. 

6.  an  der]  an  O.  7.  ÜDgen  mag]  ainpt  ff.  den]  dem  G.  9.  criBtena]  mentHChin, 

ebenso  12  O.         und  abir  trege  ff.  11.  merkent]  vimemen  G,  12.  BWeler]  den  nit  .  Vnd 

swelch  G.  19.  daz  ierret  5ch]  der  singit  oucL  gut  vbit  .  vfi  ierrit  in  ff.  lä.  ün  ore  Q, 

16.  haiBlri  bette  uon  anndon  ff.  gerihtc  ff.  IT.  ufi  du  b.  ff.  19.  gft  eprach 

vro  Delbora  A.  2(1.  wil  Ä.  22.  wir  ouch  G.  2S.  und  doz]  de  ff.         alles]  allis 

de  minnen  G.        iemann]  allir  menlichim  G.  24.  daz  —  minnent  fehlt  G.         24  f.  enlne  ouch 

uliien  vns  .  de  G.        26  f.  sin  sünde]  alle  sine  uiende  G.         2T.  Abir  den  .  die  sich  gerne  s.  ff. 

2S.  daz  auf  Basur  A,  wan  G.  29.  ain  berrc]  der  kOnic  ff.         verzukte]  minnol  ff. 

r]  benam  O.        30.  g.  ouch  noch  G.  Sl.  ira  s.  und  fehlt  G.        »2.  alle  Bament]  also  G. 


3.  Judk.  5,  3.         38.  Gen.  34, 1.  S. 


182  51.  Von  der  hfmelflcfaen  wirtsdiaft 

beginnet  er  es  in  ze  liebenn  nnd  raitzet  sn  nff  daz  snnder  ding,  daz  si 
alles  von  der  samnnng  ziehent;  nnd  so  er  si  also  vaste  drin  bringet  daz  sn 
nieman  went  volgen,  si  went  alles  iren  sin  f&rsich  haben,  so  betraget  er  si 
denne  mit  sinen  bösen  listen,  daz  si  im  volgent,  nnd  wirfet  si  denne  in  et- 

5  lieh  snnde,  nnd  sint  denne  da  mit  verlom.  entrfiwen,  da  von  sont  wir  us 
snndren  nit  nnd  sont  ans  hüten  vor  allen  snndren  dingen,  won  es  ist  gar 
nngwärlich.  der  tufel  ist  gar  listig,  daz  er  dik  mit  g&ten  bilden  den  ment- 
schen  verlaitet  dar  dannan  in  nieman  bringen  mag  noch  enkan.  nnd  da  von 
sont  wir  alles  an  in  der  samnnng  vam,  so  varent  wir  sicherlich,    wir  sollent 

10  weder  [117^]  vor  varen  noch  hindnen  nah  komen;  won  etlich  went  für 
varen  nnd  went  fliegen  e  daz  si  geviderent.  daz  sint  die  die  sich  snndrent 
nnd  snndrer  ding  an  nement  von  der  sanmnnge:  die  wellent  lätzel  essen  nnd 
noch  minr  schlaffen  und  niemer  an  dem  bette  erwarmen,  nnd  genement  also 
venien    und    disciplin    daz    si    also    top    werdent    daz    si    enwissent   waz    si 

15  schaffent.  intruwen,  so  die  wännent  fliegen,  so  vallent  si;  und  werdent  dik 
die  hindrosten  die  die  vordrosten  wännent  sin.  und  da  von  sprichet  der 
wissag  daz  die  aller  sicherlichost  varent  die  in  der  mengi  varent.  unser 
herre  wolt  nit  allaine  ze  h^^el  varen,  er  fär  mit  ainer  grossen  mengi, 
baidü    engel    und    mentschen.       in    truwen,    da    bi    gab    er    ans    ze    mer- 

20  kenn  daz  och  wir  mit  samnnng  dar  sont  vam,  so  varent  wir  vrölich.  also 
spricht  sant  Johannes  in  Apocal^si  daz  im  wart  erzaiget  zwelf  [118"] 
scharen  von  der  zwelf botten  geschlähte,  und  ieglicher  waz  zwelf  tusent; 
und  sach  ain  schar,  da  waz  so  gross  daz  si  nieman  geahten  knnde.  und  daz 
bezaichent    alles    daz    och  wir    mit   mengi    varent   ze  hymelriche,    so  werdent 

25  wir  mit  eren  enphangen.  Orienes  schribet  von  zwain  und  zwainzig  stetten 
da  der  sele  sunderlich  ere  erbotten  wirt,  und  wie  die  hymelschen  engel  und 
martrer  nnd  alles  hymelsches  her  die  sele  grützent  und  enphahent  mit 
grosser  fröde.     und  koment   die  haiigen  zwelf  botten  und  enphahent  die  sele 

1.  si  sich  G.         4.  sine  A.         6.  vor]  uon  G.        7.  gütim  bilde  G,         8.  in]  im  G. 
bringen]  gehelfin  G.         noch  enkan  fehlt  G,  10.  vor]  noman  vür  G.         won  —  went]  wir 

snhie  allewege  vam  inder  menegi  .  Nn  wen  etliche  Ifite  G,  11.  e  siu  g.  Ö.  dz  si  sint 

die  A,       11  f.  snndrent  und  fehlt  G.        12.  an]  uz  G.        13.  nnd  wen  niemir  G.       also  nil  G. 

15.  wÄnnent]  went  G,  ebenso  16.         18.  allaine]  aine  G.       himilriche  G.       20  f.  also  spr.] 
und  also  schribit  G.  22.  und  d.  zwelfbotten  A,  uor  (l  uon)  den  zwelf  Ö.  ielichir  schar 

warin  G,  28.  sähe  do  aine  G.         und  daz]  de  G.  24.  alles  fehlt  G,         24  f.  varent  — 

von]  und  inder  schar  zehimilriche  sulne  uame  .  so  uaren  wir  uroiliche  .  uQ  werden  enpfangin  mit 
lobe  ufi  mit  sänge  .  also  sprichit  der  wizzage  abacuc  .  sup  excel' .  der  übVinder  sei  mich  vfirin 
uf  mine  hÄhi  (hof  W)  .  mit  sänge .  Der  übirwinder  de  ist  ünsir  herre  Jhesus  Christus  der  het  alle 
sine  vinde  vberwundin  .  der  wil  uns  vüren  .  uf  ünsir  hÄhi  (hoff  W)  mit  sänge  .  vnsir  hÄhi  (hove  W) 
de  ist  himilriche  .  dar  wil  er  vftrin  vns  .  mit  lobe  und  mit  sänge  .  ufi  dannan  uon  sprichit  orige- 
nes  .  wie  du  sele  zehimilriche  enpfangin  wirt .  und  scribit  G.         26/:  ufi  die  hailigin  marterer  G. 

27.  enpfant  sie  mit  G. 


21.  Apoc.  7,  4 /f. 


51.  VoD  der  bjmelschon  wirtsch^t. 


183 


Und  grfitzent  si  und  geut  ii'  alle  ir  fröde  und  Iren  Ion.  dar  nach  grfLtzeBt 
si  die  haiigen  niartrer  und  tünt  ir  alsam.  dar  nach  giiizent  si  die 
haiigen  bihter  und  die  haiigen  predier  und  die  haiigen  mägde  und  tilnt 
ir  alsam.  dar  zu  grAtzet  si  öch  frölich  und  süsseklicli  du  werde  mäter 
Gottes  und  git  ii-  snndei-lich  [118^]  ere,  der  si  me  hat  denn  all  haiigen,  die  5 
engel  grntzent  si  ieglicher  besunder,  und  ieglich  hailig  und  ieglichü  sei 
snnderlich  und  taut  mit  ir  ir  ere,  ir  frÄde  und  iren  Ion  und  sii  mit  in  da 
wider,  und  also  dik  ain  sei  ze  hjmel  kumet,  so  wirt  öch  ain  nüwii  fröde 
da.  und  da  von  spricht  her  Job:  'min  glorie,  min  frMe,  min  ere  wirt  täg- 
lich emüwet';  won  alz  mänig  sele  tÄglich  ze  hymelriche  kumet,  also  mänig  lo 
nüw  fröde  wirt  da  allem  hymelachlichem  her,  also  spricht  saut  Augustinus, 
und  da  von  sont  wir  uns  flissen  daz  wir  üs  gemainlich  in  der  samnung 
haltint,  daz  wir  mit  mengi  ze  hymelriche  koment,  so  werdent  wir  mit  lobe 
und  mit  eren   enphangen  und  mit  fröden. 

Daz    dritte  wort    daz  waz    daz    daz    essen  gi-öss  waz.      und  da  von  be-  15 
durfent  wir  wol    daz  wir    hungrig    dar    koment,    daz  wir  vil    mugint    essen. 
und    da  von    sprichet  unser  herre  in  dem  ewangelio:    'sAlig  sint  die  da  hun- 
gert, won  si  sont  geaattet  werden".  (US'}    er  spricht  och  durch  des   wissagen 


1.  ir  a.]  der  sele  a.  Ion  .  de  sS  eich  vr6we  .  ala  ouch  siv  G.  2.  tänt  ir  alsam]  gent 

der  sele  .  allin  den  ton  -  den  eiv  mit  ir  m&rtir  nirdienonl  bain  Q.  äf.  predier  —  dar  zä]  bre- 

dier .  vs  geot  der  sele  allin  den  Ion  .  den  siv  mit  bihte .  ufj  mit  predie  .  uft  mit  iemnge  .  uQ  mit 
uastende  .  ufl  mit  wathenoe  .  nri  mit  geliorenmi  .  und  mit  msneger  arbait  haut  nirdienot .  de  sich 
du  sele  an  dem  Ion  urowe  reht  als  ouch  siv  .  Darnahe  grflzint  sie  die  hailigin  miEgede  .  vQ  gent 
ir  alltn  den  Ion  .  den  siv  verdienot  liant  mit  ir  kdechehait  .  tmde  de  siv  ir  rainiz  bldt  uz  guzzin  . 
darb  vnsirs  herrin  wülin  .  nll  durli  sine  minne  .  So  G.  4.  friMich  —  sQasekJieh]  minnecliche  . 

vfl  oröliche  G.  b.  ir]  der  sele  die  G.         der  —  »  wider]  vn  die  wirdekait  .  die  aiv  het  vlir 

lEtliv  mentschio  ,  de  si  daran  sanderlicbe  uroide  balie  .  vü  kuneliche  .  also  wirt  ain  ielich  selic 
sele  zebimilricho  enpfangin  .  nun  atlim  bimilschin  her  .  vad  grAzint  eie  die  eugil  .  ieLiche  besun- 
dir  .  uH  bainliche  .  vii  ielicho  sele  sundirliche  .  ufl  git  ir  ir  ere .  vß  ir  uroide  vn  ir  Ion  .  vnd  git 
oueb  da  sele  ielichim  engil  .  ielicbim  hailigin  .  vnd  iclichir  sele  sundirliche  ir  Ion  vnd  ir  uroide . 
die  sie  het  virdienet  G.  7.  ir  fehlt  A.  S.  ain  sei)  so  diu  sele  G.  himilriche  G.  itcb] 
daÖ.  9.  da  undl  vo  G.  heifehUG.  vroidc  .  und  min  G.  10,  täglich /eAif  ß.  11,  allem 
—  AuguBtinuB]  und  uou  ielichir  sele  sundirliche  .  wirt  alliz  himilscbe  her  iniröwit  .  uH  dannan 
Qon  sprichit  sant  aug«;  .  Allir  den  (der  Zj  mentechon  ton  .  die  zehimilriche  komint  .  der  ist  alliz 
ninis  ieltchin  mentscbin  sundirliche  .  uä  ist  allir  mentechon  gemainliehe  .  Entrüwon  dannan  von 
Wirt  wol  ir  gl'a  intv'wit  tegeliche  .  wan  als  mienic  sele  .  uü  alse  dike  so  dehain  sele .  zeliimiliiehe 
kumit  .  so  wirt  ir  gla  tu  ir  uroide  imvwit  vü  gemerit .  wan  den  Ion  den  sü  div  sele  denne  vir- 
dienet bat  .  den  briogit  sü  mit  ir  dar  .  an  des  lonis  ist  denne  da  me  denne  c  .  vfl  dannan  uon 
nvwit  sich  tegelicb  ir  gl'a  .  Wan  siv  sint  elliv  so  minnecliche  zesamin  gefflgit  und  in  aine  willen 
40  lutjrliche  geainherit .  de  sich  aiu  ielich  sele  an  der  andirun  oroide  .  vnd  an  ir  wirdekait  urAwe  . 
rcbt  als  an  ir  uroide  .  Vnd  div  nideroste  sele,  dd  inhimilricho  ist  .  du  het  lüse  ganze  uroide  .  an 
des  oberostin  mentschin  Ion  .  als  ob  sie  den  Ion  an  ir  scibun  hetti  G.  14.  eren]  sänge  G. 
IS.  daz  waz]  daran  viraemen  wir  G.         gr.  waz]  gr.  ist  G.  17/'.  da  b.  won  si]  hnngeric  sint 

<t)e  G.  IS.  durch  —  164, 1  in]  in  dem  wissagin  .  IHIata  oa  tiium  .  Hube  dinen  mant  wit  .  den 

wil  ich  G. 


I 


1S4 


51.  Von  der  hyraelBchen  Wirtschaft. 


Qunt:  'tfi  of  wit  din  mnot,  won  ich  wil  dir  in  füllen!'  dis  sprichet  er 
von  dem  mande  mit  dem  ich  rede,  er  sprichet  es  von  der  sele  munde,  den 
Bont  wir  wit  machen,  won  er  dunkel  unsein  herren  ze  enge,  und  ist  er 
doch  von  natur  alz  wit  daz  er  ver&chlundi  hymelrieh  und  ertrich,  helle  und 
B  tüfel  und  engel  and  alles  daz  ie  wart;  wArint  joch  fünfzig  tusent  weit,  die 
verschlund  er  wol  an  arbait,  der  munt  daz  ist  der  eele  girde.  wie  sonl 
wir  disen  munt  gewitren?  intniwen,  daz  sont  wir  rainer  girde,  daz  wir 
Ällü  zerganklichü  ding  lassent  varn  und  nit  des  gereut  won  Gottes  und 
siner    gnaden,      also    sprichet  der  wissag:    'herre,    min  sele  ist  verdoiret  und 

|lO  zerschrunden,  alz  daz  ertrich  daz  lang  ane  wasser  ist",  intniwen,  er  machet 
sinen  munt  wit  daz  er  der  hymelschen  spise  vil  mug  gessen,  und  dar  iimb 
sont  wir  im  nach  volgen  und  sont  alle  unser  girde  an  Got  keren,  daz  wir 
öch  [US")  der  hymelschen  spise  vü  mugent  essen,  intri'twen,  unser  herre 
bedarf  wol  daz  daz  essen  groz  si,    da  so  mänig  engel,    so  mänig  hailig  und 

^  16  so  mAnig  tnsent  hallgü  sei  von  gesplset  wirt,  und  der  ieglichs  ain  so  witen 
mund  hat  von  nature;  und  den  noch  unser  herre  wil  vil  witer  machen,  also 
sant  Job  sprichet.  nu  nierkent  wie  gross  dis  essen  si,  da  so  manig  tusent 
engel  so  mAnig  tusent  jar  gessen  hant.  unser  vrow  hat  da  münig  hundert 
jar  gessen,  und  mänig  tusent  seien,  die  dis  spis  gessen  hant  mAnig  jar  und  ie 
20  enmitten  an  essent,  und  ist  des  essens  noch  als  vil  alz  do  si  von  erst  be- 
gundent  essen,  und  da  von  spricht  der  wissag:  'wie  gioz,  wie  mäüigvalt 
ist  du  vil  here  diner  süssekait,  die  du  hast  verborgen  den  dich  furhtent!' 
intrüwen,  er  hat  daz  höbet  gebotten  hin  in  nud  versuchet  enweuig  der 
hy-meischen  spise.     sit  nu  dis  essen    so  gi-oz  (119°}  ist,    so    endurfent  wir  nit 

I  »  zwiveln,  wir  vindent  och  ze  essenn  so  wir  ze  hymelrieh  koment;  won  unser 
herre  erfüllet  ainer  ieglicher  sei  girde,  also  daz  si  mag  sprechen:  'ich  enmag 
nit  me'.     und  dis  spise    niessent    si  girlichen   und    süsklich  mit  ewiger    rnwe. 


3.  won]  Vnträwon  Q.         4.  vcrschiondij  wol,  Verbwn  fehlt  6.        helle]  vü  hellericbe  G.    H 
5.  w&rintj  und  wenn  G.  die]  de  ß.         6.  er  wol]  alliz  dirre  munt  G.        der  m.]  ditre  m.  oTl 

T.  mit  r.  g.  G.  6.  zerg.  ding]   dinc  div  zirgancliche  ünt  G.  nit  äi»]  aätia  G. 

0.  also  —  wiseag]  vnd  sulne  alle  vnsir  girde .  an  got  allajn  kerin  alse  der  wissage  dauid  sprichit . 
Sicut  terra  üne  aqua  G.  II.  mohti  G.  dar  umb]  dannan  uon  O.  12.  Tuair  sinne  vfi 

girde  genzeliche  an  O.  13,  Öch  fehlt  O.  14.  und  fehlt  G.  15.  hailgii]  tnsint  G. 

Bo  w.l  also  w.  G.         16.  vn  dennoch  vil  witer  wil  in  räsir  herre  madion  G.         n.  aant  fehlt  G. 

sprichit  .  Er  wil  dich  ledigen  von  Aä  engin  munde  .  indie  braitstuo  will  .  vü  denne  so  wil 
er  dich  hvüllin  .  Nv  G.  si]  ist  6.  IS.  so  m&nig  fehlt  G.  hundert]  tnsiat  G.  19.  taünt 
tuahit  B-  G.  20.  von  felilt  O.         21.  vor  wie]  Quam  magna  multitudo  G.         22.  ist  — here] 

dfi  vill  ist  G,  ist  dli  vilheit  ?  (Roethe).         den  die  dich  G.  24.  sit  nu]  Entrüwon  ait  G. 

25  f.  won  ~  mag}  die  iemir  dar  sulot  komin  .  vn  vosir  herre  ielich^  sele  girde  irviUlit  .  de  siv 
aehtin  Q.  ZT.  nacA  me]  so  ist  noch  denne  der  spise  alse  uil  .  so  ir  malet  ie  wart  .  uD  ezzint 
^v  sie  iemir  an  ende  .  vQ  ist  doch  also  groz  .  undc  alse  uhir  vlüzzic  .  als  do  sü  ei'stc  bt^oudou 
eoin  Q.  siv  iemir  girliche  G. 


51.  Von  der  bimelachen  Wirtschaft. 


186 


und   da  TOD   so    sprichet    her  Job:  'dti    völli    dines    tisches    sol  sin  aia    statu 
rüwe', 

Daz  vierde  wort  ist  daz  dis  essen  Gottes  ist.  dar  an  merkent  wir  daz 
er  sich  selbea  ze  lone  wil  geben  der  sälgen  sele,  und  wil  sl  reht  mit  sin 
selbes  ^ti  durch  diessen.  und  da  vou  sjirichet  saut  Job:  'st  sont  sich  uff  5 
den  obrosten  naigen,  und  soiit  denne  zerfliessen  von  wunnen,  von  fiöden  und 
von  süssekait'.  dar  an  merken  wir  daz  si  all  ir  fröde  an  Got  sücbent,  und 
naigent  sich  zu  siner  göti  und  nndent  an  im  alle  überflüssig  süssekait,  daz 
si  reht  zerfliessent  von  wunnen  und  von  fröden,  daz  si  reht  in  Got  {119"} 
swebent,  und  sint  sin  also  vol  daz  nüt  me  in  si  mag.  da  von  spricht  der  lo 
wissag:  'si  sehent  und  minnent  in  und  zerfliesseut  denne  von  süskait  und 
werdent  sich  denne  wundrent  und  wirt  gebraitet  ir  hertz'.  nu  merkent  dis 
wort;  zeni  eititen  sehent  si  Got,  dar  nach  minnent  sü  in;  won  des  enmugent 
si  uit  überwerden,  so  si  an  Gotte  so  vil  süskait  und  schonhait  sehent,  si 
mässent  in  minnen.  dar  nach  zerfliessent  si  von  der  überflüssigen  güti  du  is 
von  Gott«  flüsset  in  die  sele,  und  werdent  sich  denn  wundrent  der  wunder- 
lichen güti  du  an  Got  ist,  und  von  der  güti  so  wirt  gebraitet  ir  hertze,  daz 
pü  alle  creature  minnent  in  Gotte  und  Got  in  aller  creature. 


3  fehlt  G.         her  fdüt  G.         vfilli]  rtwe  G.  \f.  aiii  b.  rüwe)  inuollir  vaizii .  daran 

wir  de  wir  dise  spise  rüwecliche  uiezen .  Vnde  de  er  aprichit  ei  sol  ein  in  vollir  vwzti  . 
daran  uirnemcn  wir  de  die  tralits  zehimilriebe  ala  menicualt  j^t .  siot .  vndc  ist  ir  alae  uil .  de  siv 
Diemii  gar  gebnichin  mac  .  wan  »wie  vil  siv  iomir  mit  ir  girde  begriten  mugin  .  vroido  .  wnne  . 
sftzekait .  daz  s  haut  siv  alliz  tuaint  ualt  G.  3.  wort  ist]  wort  O.  merkent]  vimemen  G,  ähn- 
lidi  7.  5.  sant  fehlt  G.  S.  alle  li.l  als  öbir  mczige  G.         9.  und  fehlt  G.        nach  trftdenj 

v-fi  ünair  herrc  der  vlüzit  iudie  sclan  G.  tcht  fehlt  G.  1(1.  und  —  mag]   vn  dannan  uon 

spricht!  sant  Beroli'  .  Der  aiu  brüsemun  lait  inwin  .  aide  inhonic  .  bo  dnrh  ulüzit  daz  honic  die 
brosemuQ  .  de  Bie  rehte  uol  wirt .  vnd  sweifit  (sweibit  Z)  doch  de  honic  vbir  die  broaeman  alleot- 
baibin  .  Hebte  ze  glichir  wise  epridiit  er  durb  vlüzit  üneir  berre  die  sele  .  de  sie  reht  uol  iat  , 
der  gotlicbun  sfizekait .  vD  swiefit  (swemit  Z)  duuh  in  allcnthalbin  übir  .  de  aie  rehte  ingot  swebit . 
alao  geDt  ouch  die  maistir  aine  gticbesami  .  alae  aie  wol  mugin  .  da  ain  brunne  inatnem  velse 
enteprunge  .  der  euinac  Kich  niht  entbaltin  er  iuBwaime  ali'ibir  .  also  swaimit  oucb  ünair  herre 
alübir  die  aele .  in  allenthalbin .  und  ist  ain  doch  alse  gar  uol .  de  nümme  in  sich  mac  .  Unde  G. 

11.  wisaage  osayas .  VidimuB  .  amabimus  .  afäuimus  in  .  Siv  O.  13.  zemerste  so  sehtnt  0. 

damahe  so  m.  ff.  17.  so  fehlt  G.  18.  nach  aller  creature]  vnd  wirt  div  aele  aleo  ge- 

braitit  .  de  aiv  minnet  »lliv  dinc  .  inallen  dingin  .  vnd  vnsir  (v.  herre  Z)  zimldzit  allumbe  aie  .  de 
sie  rehte  mit  got  allumbeuangin  ist  GZW. 


11.  Isai.  60,  5. 


186 


52.  Von  dem  unrchten  und  i 


u  dem  rehten  weg. 


1 


I 


/52.J  Ton  dem  nnrefaten  and  von  dem  rebten  weg. 

/Justum   dedtixit  dominus   per  v'ias  reetiis   et   ostetidit   Uli   regnum   dei   • 
"Unser   herre    laitet    den    rehten    mentschen    durch    den    rehten    weg   und  ' 
zaiget  im  Gottes  riebe'. 

i  Disü  wurt  liset  man  in  dem  buche  der  wishait.  und  sint  dar  an  vier 
ding  ze  merkenn. 

Daz  erst  ist  wer  der  laiter  si.  es  {119'J  ist  unser  herre,  der  ist  din 
laiter  und  din  behdter;  won  swie  vil  der  mentsch  tugend  nnd  sÄIden  hetti, 
so  mßht  er  doch  nit  stät  bliben,  nnd  enwAre  ftnser  herre  mit  siner  gnade  und 

)  mit  siner  hüte  bi  im  nit.  man  liset  in  der  alten  e:  do  unser  herre  die  Juden 
durch  die  wfisti  füite,  do  gab  er  in  ain  fürin  sul,  daz  sü  ze  naht  da  von 
lieht  hettint,  und  den  tag  gab  er  inen  ainen  wölken,  der  si  beschattet  vor 
der  hitze.  hie  bi  ist  bezaichent  daz  unser  herre  ains  ieglichen  rehten  mentr 
sehen  laiter  ist  und  behüter  ist  in  der  wiisti  dirre  eilenden  weit,     won    swie 

i  wol  ain  mentsch  behüt  wAri,  und  fürti  in  unser  herre  nit  mit  siner  gnade, 
so  verierreti  er  in  der  wüsti.  man  liset  in  dem  ersten  bäche  daz  üuser  herre 
hem  Moysen  sante,  daz  er  daz  israhelsch  volk  furti  von  Egypto.  do  sprach 
er:  'varent  enweg!  ich  wil  minen  engel  mit  üch  senden,  der  üch  laiti,  ich 
fürht   daz    mich    daz  volk   sere  erzürne,    füre   ich  [119'J   selb    mit   üch*.      do 

)  sprach  der  wissag:  'herre,  daz  went  wir  nit  tun,  du  müst  selb  varen  mit 
uns",  do  sprach  unser  herre:  "varent  enweg!  ich  gib  dir  minen  engel'.  do 
sprach  aber  Moyses:  'herre,  wellest  du  nit  mit  uns,  so  läss  uns  reht  an  diiTe 
selben  statt  bliben;  won  wir  went  nit  varen,  du  varist  denn  mit  uns',  dis 
bezaichent  aber  daz  unser  herre  ain  laiter  ist  und  ain  behüter  ains  ieglichen 

i  mentschen.  und  swie  er  aim  ieglichen  mentschen  hat  bevolhen  ainen  engel, 
so  ist  er  doch  der  got  der  uns  ze  allen  ziten  behüten  müss.  also  sprichet 
der  wissag:  'o  herre,  swenne  du  den  mentschen  usser  diner  hat«  last,  so  ist 
er  tot  an  allen  sfllden*.  dar  an  sont  ir  merken  daz  unser  lierr  ain  laiter 
ist  des  rehten  mentschen. 


t.  Überackrifl  fehlt  G,  Dis  Bp'chit  d'  heilige  geist  (rot)  Z,  VS  cyrae  confessoir  sonnoy 
2.  Der  tat.  Text  fehlt  A.         3.  Unaor  —  6  merkennl  Disiv  wort  I.  m.  in  den  bächin  d 
halt .  de  (da  Z)  sprichit  der  hailic  gaist .  Ünsir  herre  1.  d.  r.  m.  d.  d.  r.  w.  n.  Agit  im  g.  riebe .  In 
(an  Zi  den  wortiu  sunt  ir  inerkin  vier  ding  GZ.  7.  si]  ist  G.  din]  ain  G.  B.  din  b.] 

ain  b.  ainis  ielicliin  mentachin  G.         9.  nit  lange  stete  G.         IS.  der  fehlt  G         rehten  fehlt  ff. 
14.  iat  fehlt  beidenuLl  G.         16.  vrierreti  A.        herre  fehlt  A.        17.  egypto  lant  ö.        18.  et| 
vnair  herre  zoinen  O.         19.  zcsere  G.         20,  wir  n.  Lj  wiae  nfit  G,  wir  in  hein  wis  niht  Z. 
21.  var  G.  22.  not  selbe  uara  mit  G.  23.  selben  fehlt  G.  denn  fehlt  G.  24. 

aber]  iet  abir  bezaichint  dabie  G.  25.  und]  wau  G.       aim)  ainen  G.        ainen]  aincm  G. 

je,  doch  fehlt  G.         28.  ir  denne  m.  G. 

1.  Die  Fredigt  findet  skh  in  G  BI.  45\  Z  BI.  Ö3',  H  Nr.  10.  fhill.  BI.  209'';  fehlt  II',  S 
Arwxdel.  2,  Sap.  10,10.  10.  Sap.  10.17;  Exod.  14, 19  f.  11  f.  Ea.od.  33.  l  ff. 

25.  Ps.  90.  n.  27.  im  AnechluP  an  Ps.  83,  6  ? 


^ 


52.  Von  dem  unrehten  und  von  dem  rehten  weg.  187 

Daz  ander  ist  daz  er  den  rehten  mentschen  laitet.  ain  rehter  mentsch 
ist  der  aim  ieglichen  ding  sin  reht  git  [120"]  und  &il6  ding  mit  reht  voll- 
endet, spricht  sant  Paalns. 

Daz  dritte  ist  daz  er  laitet  an  den  rehten  weg.     nn   sint  vier   ding  da 
zu  aim  g&ten  weg  hörent     daz  erst  ist   daz  er  si  haiter   und  gesihtig;   daz  5 
ander  daz  er  ane  bühel  und  ane  staine  si,  daz  sich  der  mentsche  nit  enstoz; 
daz  dritte   daz    er  schön   si  an  lachun,    daz  sich   der  mentsch   nit   entrainni; 
daz  vierde  daz  er  eben  si  ane  krümbi. 

Nu    hörent    ir   dik    von    der    weit  weg    sagen,     der  ist  zem  ersten  wit 
und  enget  aber  alweg;  won  von  aim  tag  zu  dem  andern  altet  der  mentsche,  lo 
und  twinget  in  mänig  arbait  und  kumber,  daz  er  niemer  gantz  fröd  gewinnet, 
und  nach   der  arbait   gat   du  ewig  not.     der  weg   ist  jämerlich    und   arbait- 
sam.     aber  der  weg  des  h^^elriches   der   ist   zem  ersten   enge  und  vil  herte 
und  witet  aber  täglich;    won  so  der  mentsche  zem  ersten  in  gaischlich  leben 
kunt,    so  dnnket   er  in  vil    wun/i^OV^^r  hert   und   vil  mülich,   won  er  mfiss  15 
übel  gessen  und  getrinken  und  übel  geligen,  und  muss  mänig  ungemach  hau, 
daz    im   we   tat.      aber  dar  nach   von   tag  ze  tag   so   wirt  es   im   ie   lihter 
und  ie  lihter,  so  unser  herre  sin  hertz  gebraitet  mit  der  minne,  alz  der  wis- 
sag  spricht:  *  herre',  spricht  er,  'ich  lüf  indem  weg  dinr  gebot,  do  gebraitest 
du  min  hertz*.     also  sprich  ich   von   dem  gaischlichen  mentschen:  so  der  be-  20 
ginnet  die  tugend  üben,  daz  er  von  ainer  tugend  in  die  andren  gat,  so  wirt 
sin  hertz  also  gebraitet   mit   der   minne   daz  er  denn  reht  lihteklich  löfet   in 
dem  wege.     also  witret   der  weg  täglich   der   zu   dem  h^el  gat;   won   waz 
dem  mentschen  zem  ersten   in   gaistlichem    lebenn    vil    wunder  swä,r  ist,   daz 
wirt  dar  nach   im  vil  wunder  süss   und  liht ,   so   im    unser    herre   daz   hertze  25 
also  gebraitot  mit  der  minne. 

Nu  müssint  wir  vier  ding  hau,  alz  ich  e  sprach,  du  zä  aim  guten  weg 
hörent:  daz  ist  lieht,  ebni,  schöni  und  [120'^]  schlihti.  nu  sint  vier  sunder- 
lich  tugend  die  dar  zä  hörent  daz  wir  den  rehten  weg  gangent,  den  unser 
herre  laitet  den  rehten  mentschen.  90 

Du  erste  tugent  ist  wisshait.  du  ist  daz  lieht  daz  den  weg  entlühten 
solt   daz  der  mentsch  wisse  wa  er  hin   gan  solle,   da   er  reht  gange,     nu  ist 

\f,  ain  —  ist]  Der  mentsche  ist  ain  r.  m.  G,         3.  spricht  s.  P.]  Also  spr.  s.  P.  Der  mentsche 
ist  ainegnn  ain  rdite  mentsche .  der  allen  dingin  rehte  tut .  und  ielichl  dinge  sin  rehte  git  G, 
4.  ist]  de  ir  an  disen  wortin  merkint  (merken  Z)  sulnt  .  de  ist  G,        an  fehlt  G.       5.  si]  ist  G, 
6.  er  —  daz]  er  siebte  sie  .  de  nüt  bühele  noch  stain  dran  sie  .  da  G^.  nit  enstoz]  ane 

stoze  G.        7.  dritte  ist  de  G,        8.  vierde  ist  de  (das  er  Z)  ebin  sie  vüre  sich  ane  crümbi  G. 
9.  nil  wit  G.         13.  vil  fMt  G.         16.  getrinken  u.  übel  fMt  G.         18.  herre  dem  mentschin 
8.  G.       19.  vor  herre]  Viam  mandatonim  tuonim  cucorri  G,       19  f.  do  du  gebr.  G.       23.  himil- 
riche  G.       waz]  de  G.        25.  lihte  .  unde  nroiliche  G.        26.  also  fehlt  G.        28.  und  fehlt  G. 
31.  tuginde  de  ist  G.         32.  waiz  G.        s.  da]  sol  de  G. 

3.  im  Anschluß  an  L  Cor.  10,  24;  Phil  2,  4;  3, 15;  Col.  4, 12?         9.  vgl  oben  8.12  Z.8f. 
19.  P«.  118,  32. 


188  52.  Von  dorn  uurehten  und  von  dem  rehten  weg. 

der  lüte  harte  vil  die  disen  weg  nit  gaud ;  won  ir  ist  vi!  die  wise  sint  von 
der  sehrift  und  von  natui-e,  und  ist  an  in  docli  nit  tugend.  man  liset  von 
mängem  haiden  der  g:ioz  wishait  hatte,  und  waz  doch  an  im  nit  tagend, 
du  wisshait  ist  allain  ain  tugend  du  daz  best  erweit  und  daz  minnet  über 
5  ällü  ding,  nu  hat  du  tugend  werch  nuder  ir  die  si  würket,  und  etlichü 
werch  geschehent  vor  der  tugend  und  etlichü  dar  nach,  du  werch  du  si 
vor  hin  tut,  e  daz  si  ain  tugend  werde,  daz  ist  daz  si  erkennet  übel  und 
gät,  und  erkennet  wa  von  daz  übel  übel  ist  und  daz  gut  gut,  und  kan  du 
zwai  [läO"]  von  enander  geschaiden.     wissliait  erkennet  Och  zwüschent  zwaiu 

10  guten  daz  best,  und  under  allen  guten  erkennet  si  daz  best  gut,  daz  ist  Got, 
daz  ist  daz  obrost  gttt,  nu  ist  der  lüt  vil  die  wol  erkennent  übel  und  gut, 
und  oeh  wol  erkennent  daz  Got  daz  obrost  gut  ist  und  daz  ällü  güti  von 
im  flösset  (alz  sant  Augustinus  sprichet:  'alles  daz  gilt  ist,  daz  ist  von 
Got  gut,    und  enkain  ding  ist  giu    von  im  selben  aigeulichen,    won    Got    ist 

IS  aller  ding  güti'),  und  swie  doch  daz  etlich  lüt  wol  erkennent  und  «issent 
von  wishait,  so  ist  doch  du  wisshait  nit  ain  tugent;  won  swie  wol  si  es 
wissent,  so  erwelleut  si  doch  Got  nit  über  ällü  ding  und  über  alle  güti,  und 
da  von  ist  ir  wisshait  nit  ain  tugend.  aber  der  mentsch  der  von  siner 
wisshait  daz  best  erweit  ze  rainnende  über  ällü  ding,    des  wisshait  ist  allain 

ai  ain  tugent.  und  so  denn  wisshait  ain  tugent  ßSl"]  wirt,  alz  ich  üch  geseit 
han,  so  hat  si  denne  etlich  tugent  under  ir,  mit  der  si  sich  übet,  du  erst 
ist  gehügde  vervarner  ding;  du  ander  ist  verstautnust  gegenwürtiger  dinge; 
du  dritte  ist  fürsehuug  künftiger  dinge,  an  disen  drin  dingen  übet  wiss- 
hait   ir    werch.      hie    von    sprichet    Seneca;    'der    mentsch    sol    sin    leben    in 

26  drü  taillen*.  daz  erst  ist,  alz  ich  vor  sprach,  daz  du  haben  solt  gehügde 
vervarner  ding,  daz  du  Got  dik  grozlich  erzürnet  hast,  der  mentsche  sol 
allwege  gedenken  an  sin  sünde  dai'  umb  daz  es  im  lait  si,  und  daz  er  sich 
dester  me  demütige,  daz  ander  ist  beschaidenhait  gegenwürtiger  ding,  also 
daz  du  ällü  ding  in  der  beschaidenhait  tügist^  daz  Got  der  von  gelopt  werde. 

»  ünserm  herren  ist  kain  dienest  genäme  der  an  beschaidenhait  ist,  und  da  von 
bedurfent  wir  wol  beschaidenhait  in  [121'']  allen  ünsren  werchen.     daz  dritte 


I  /.  disen  —  nature]  wise  eint  baidü  von  der  s,  uil  uon  ir  wisin  sinue  G.         2.  n.  uin  tuginde  G, 
ebenso  3.  8.  g.  gOt  ist  vnd  G.        kan  fehlt  A.        9.  wol  geschaidio  G.        w.  div  irkennit  G. 

zwllschent]  undir  O.  10.  bczzire  (?.  11.  dz  ist  dz  ist  dz  A.        Iiarte  vil  G,         übel 

u.  g.j  vil  uon  wishait  wol  wizzin  .  wc  vbil  u.  g.  ist  G.         12.  och  fehlt  G.         gttt  fehlt  G. 
14.  won  Got]  wan  ainegun  got  der  G.  15.  und  swie  —  und]  spricliit  er  .  un  doch  swie  t 

etUclio  lüto  G.        17.  docIi  Got]  sin  G.        ding  —  gAtl]  gilt  G.        19.  vou  iit]  enist  onch  O. 
20.  and  fehlt  G.       du  wisbait  G.        21.  der  si  eich]  den  sieh  div  wishait  G.        23.  ist  fehlt  G. 
23f.  fi.  sich  wiasliait  Ä,  t.  div  wisbüt  G.        25.  erst  fehlt  G.        haben  b.  g.j  gehflgin  [corr.  am 
gegugin]  Bolt  I?.        2ti.  nach  hast]  wau  swcr  des  wolti  uirgezzin .  spricliit  er .  de  er  widir  got  het 
grozUche  gelebit .  der  Icbeti  vnsichertiche  G.         29.  cllü  dinü  dinc  i.  d.  b.  und  Inder  tuginde  G. 


94.  vgl.  oben  S.  130  Z.  2. 


] 


E 


£2.  Von  dem  nnrchtcu  udiI  Ton  dem  rehten  weg.  189 

ist  ßrsehung  künftiger  dinge,  daz  du  dicli  also  wisUch  und  als  tngentlich 
haltist  engegen  den  dingen  die  dich  magent  an  gan,  daz  du  von  Got  nit 
geschaiden  werdest,  du  mäht  dik  lernen  an  vervameu  dingen  dii  ding  dii 
dir  künftig  sint.  nu  höre!  gang  hin  an  ain  statt,  da  widervert  dir  liht 
etlich  schad  an  diner  sele.  .so  dn  denn  wilt  an  ander  oder  an  die  selben  '■ 
Blatt  gan,  da  dir  ain  sÄmüchs  beschehen  mag,  so  soit  du  gedenken  an  den 
schaden  der  dir  da  widervaren  ist,  und  solt  gedenken:  gast  du  aber  dar,  es 
widervert  dir  liht  aber,  und  also  niaht  du  an  aira  ieglichen  ding  merken 
wie  dn  dich  vor  künftigen  dingen  hüten  siiUest.  intröweu,  der  aber  nit  fftr- 
sehen  wil  ain  ieglich  ding,  der  mag  dike  vellig  werden,  spricht  ain  wiser  l 
man.  also,  sprich  ich,  ist  dii  wizhait  ain  lieht  daz  den  rehten  weg  entr 
lühtet;  daz  ist  du  wisshait,  [ISl'J   sprich  ich,  du  daz  best  erweit. 

Dn  andir  tugend  daz  ist  sterki.  du  machet  den  weg  eben,  daz  sich  der 
mentsch  nit  stosse.  da  von  spricliet  der  wissag  Ysayas :  '  die  ruhen  weg 
sont  aenfte  sin,  und  die  böhelten  weg  sont  eben  werden',  nu  sont  ir  wissen  l 
daz  nit  ällü  sterki  ain  tugend  ist,  won  atlaln  du  so  der  mentsche  dem 
vesteklich  an  haftet  daz  du  wisshait  hat  erwellet  über  Allu  ding,  nu  sehent 
wie  wol  sich  dis  füget!  zem  ersten  erweit  du  reht  wisshait  daz  beste  gut, 
dar  nach  gat  du  sterki,  daz  der  mentsch  mit  allen  sinen  sinnen  dem  kreflek- 
lich  an  hafte  daz  er  da  hat  erweit,  nu  hat  aber  dft  tugend  etlichii  werch  i 
die  da  vor  geschahent  und  dar  nach,  zem  ersten  gat  daz  werch  vor  der 
tugend  daz  der  mentsch  sin  herlze  vesteklich  gehefte,  wie  er  dem  an  ge- 
hafte  mit  rehter  kraft  daz  er  hat  erweit,  dar  nach  wirt  es  ain  tugend, 
so  er  den  willen  hat  [121'J  daz  er  dem  obrosten  gilt  krefteklich  an  haften 
wil.  nu  hat  aber  dii  tugend  werch  an  den  si  sich  übet,  daz  ist  daz  der  3 
mentsche  gedultig  si  engegen  allen  dingen  die  in  an  gänt,  und  enkain  vigint- 
schaflfi  noch  räche  zu  iemann  hat  der  im  übel  tut.  da  von  sprichet  ain 
wiser  man:  'daz  ist  du  be.st  räche  die  du  getfin  mäht,  daz  du  wol  raaht 
vergeben  von  rehtem  hertzen  den  die  dir  liden  tünt '.     und  also  sont  ir  stark 

1.  fflreehnng  k.  d.]  de  du  boU  vflreehin  k.  d.  G.        S.  d(i  ding)  wie  du  dich  solt  haltin  gegin 
den  dingin  G.        4.  gang  hin]  wie  .  Gan  ich  iezc  G.        mir  G,  erste  F.,  ebenso  im  folgenden  bis  8. 
h.  dennc  heniBlie  G.        7.  uffiet  du|  Vntrfiwon  gienge  ich  O.        S.  an  fehlt  Ä.       morken]  lernen  O. 
9.  h.  Hallest]  behOtiete  G.        iof.  spricht  —  man]  Also  spr.  a.  w.  m.  Swer  eich  niht  vfirsiht .  der 
dinge  •  da  er  ine  geuallin  mac  .  der  uallit  inelliv  dinge  VDgewerliche  G.  11.  ich  denne  de  d. 

w,  ist  de  I-  div  d.  r.  ir  wek  G.  12.  daz  ist  —  ichj  div  wishait  ist  so  Q.         13.  vierde  A. 

14.  vor  die]  Ernnt  prava  In  directa  G.       rehten  AG,  ruhen  Z.       15.  sin]  wordin  G.      nn  ^-  wissen] 
Nu  ist  der  tugindo  sterki  .  da  7.ä  geurdinot ,  de  sie  den  wec  ebin  mache  .  Nu  spricho  ich  abir  G. 
IB.  won  —  so]  Div  sterki  ist  allain  ain  tnginde  de  G.        18.  wie  rehte  wol  O.        dia  fehlt  fähch- 
lid,  Ö.         IS.  mit  —  sinnen  fehlt  G.  20.  da  fehlt  G.  21.  da  —  und]   uor  gescbehint  . 

mide  etiichiv  G.        22.  veet.  gehefte]  ueete  unde  d«nke  G.        23.  es]  sin  wishait  G.        24.  so  er] 
80  der  mentache  G.  2hf.  de  ist  der  in.  der  g.  ist  ingcgen  a.  den  dingin  O.  2T.  iemann] 

dem  0.         2S.  getnn  m.]  iomir  mäht  gchan  &.  29.  den  fehlt  G.         besser  lait  G. 


I 


14.  Isai.  40,  4. 


190 


52.  Vun  dem  unrehten  und  vuu  dem  rehten  t 


N 
^ 


sin  daz  ir  luterlicli  vergebent  allen  den  die  iich  ie  lait  getatent.  es  enlst' 
nit  genug  da  mitte  daz  du  inen  enhaines  Übels  ganst,  du  solt  in  och  gerne 
wol  tftn.  und  alle  die  wile  daz  du  des  nit  tust,  so  solt  du  daz  fürhten 
daz  och  dir  Got  dine  sünde  nit  vergebe,  won  er  sprichet  also:  'reht  alz  ir 
s  den  vergent  die  üch  lait  tünt,  alz  vergib  öch  ich  üch  üwer  schulde',  man 
liset  von  sant  Stephan  [123'}  daz  er  nider  viel  uff  sinü  knü  und  bat  für  die 
die  in  staintent.  und  daz  hatt  er  gelernet  von  sinem  maister  Jhesu  Christo. 
do  er  ietz  au  dem  crütz  stünt,  do  batt  er  für  die  die  in  martrotent.  dem 
selben  Gotte   sont    öch  wir  nach  volgeu,    und  sont  luterlichen    vergeben  allen 

w  den  die  uns  ie  dehain  lait  getatent  oder  noch  tünt,  und  sont  vesten  mät 
hau  daz  uns  enkain  ding  so  grosses  an  gan  muge  daz  uns  von  Gotte  iemer 
geschaide.  ain  wis  man  sprichet:  "du  solt  nit  sprechen,  so  dir  diu  vigint 
übel  tügi:  "er  hat  mir  übel  getan";  du  solt  sprechen;  "er  wolt  mir  übel 
tun",    won    du    alz    vest    und    alz    stark    solt   sin    daz    dir   nieman    übel    mag 

16  getun ,  und  solt  diu  reht  un  ersehroklichen  behalten,  und  solt  alz  starklich 
an  im  haften  den  Au  hast  erweit,  daz  da  ab  dehaim  ding  erschrikest.  und 
swaz  dich  an  gat,  so  flSS^J  solt  du  gedenken:  ich  mag  dis  wol  über- 
winden*. 

Du     dritte    tugend    ist    rainkait.     du  haltet  den  weg  schöne    und    suber. 

20  und  da  von  stat  geschriben:  'sin  weg  sint  schöne",  daz  ist  an  zwivel  war: 
sin  weg  sint  schön  weg,  ünsers  heiren,  sprich  ich.  nu  sint  zwai  ding  die 
den  mentschen  ziehent  uss  der  mitii  des  weges,  daz  er  entraint  wirt:  der 
ist  ains  du  schonhait  der  creature;  daz  ander  ist  ain  angebornü  untugent. 
nu  möhti  üch  wunder  nemen  wie  sich  daz  gefiigti   daz  A)'t  creatur  ain  schon- 

35  hait  ist,  und  si  doch  den  mentschen  entrainnet.  daz  merkent  kurtzlich:  du 
sei  ist  also  geecaffen  daz  si  über  all  creatur  ist,  und  ist  ir  statt  entzwüschent 
Got  und  der  creature.  daz  mittel  tau  sol  du  sei  alwegent  halten,  daz  si 
sich  under  Got  naigi  und  sieb  über  all  creatur  habi.  swenn  sich  denn  du 
sele  under    daz  naiget    daz  under  ir  ist,    so  ist  si  uss   der  mitli  komen    und 

30  wirt  denne  entrainnet  und  [läS'J  wirt  dem  undertÄnig  daz  ir  undertAnig  solt 
sin,  daz  ist  du  creature;  daz  si  die  an  etlichen  dingen  me  minnet  denn  Got. 
swaz  daz  ist,  daz  entrainnet  die  sele.  nu  spricht  sant  Augustinus:  'swie 
schön  und  wie  later    Silber  und  gold  ist,  so  fleket  es  doch  den  gitigen  ment- 

1.  ic  (lehain  l&it  6.  2.  niht  allain  O.  im  beidemal  G.  Ach]  alse  (?.  9.  tAn  .  als 
oucb  e'  0.  7.  in  da  st  G.  und  —  er]  Enträwan  er  bat  et  G.  ID.  ie  —  noch]  t^t  O. 
10/1  eiiint  also  neetia  ^tnflle  ban  6.  il.  finBl  iv  beidemalG.  tlf.  iemer £.]  mü^  g.  ir  ea- 
wellont  im  stetccüche  vTi  krelteliche  an  baftoo  O.  12.  nit]  niemir  0.  14.  ^-an  du  solt  ueate  u. 
alfto  at.  ain  G.  Ibf.  atarklicb —  bafton]  atatk  sin  an  im  zehaftenne  G.  16,  dv  A.  1^.  tu- 
Kindo  de  iat  G.         20.  und  —  geachriben)  da  uon  apricbit  der  hailigc  galst .  Vie  eius  vie  pulcre  G. 

achfine  wcge  G.  21.  ain  —  ich]  de  ünsirs  henin  wege  sch&ne  woge  sint  G.  24.  dv  A. 
!T.  creature  .  also  de  nibt  ob  ir  ist .  wan  ainegun  got .  und  undir  (n,  ir  Z)  iat  elliv  creatnre  G. 
29.  der  mitli]  dem  mitü  tail  G.  SO.  de  ir  uon  nature  u.  G.  82.  ist  inder  witun  weite  G. 


Man.  6,14.         e.  Act.  7,  60  ff 


S.  i«c.  23,  34,         20.  Pivv.  3,  17. 


i 


^^^^^^^M                    02.  Von  dem  unreliten  uad  von  dem  reliCeii  weg.                                  191  I 

sehen',     ze  gUcher  wis  merkeiit:    aia  ieglich  ding  waz  schön    und    lustig  ist,  I 

daz  zühet  den  ment^clien  uss  der  mitli,  da  du  sei  iuue  solt  stan,  da  si  statt  I 

hat  entzwtiachent  Got   und  der  creatur.    daz   ander   ding  daz   och  den   ment-  1 

sehen    ziihet  nss    der  mitli,    daz  haisset  libido,    daz  ist  ain  angebornü   nature.  I 
du  zübet  den  mentschen  zu  den  sünden,  es  si  im  liep  oder  lait.    und  der  na-  5 

tur  ist  nieman  änig  won  iinsni  vrow  sant  Maria    und  ii'  sun  Jhesiis  Christus.  j 

dis  natur  mag  gantzlich  nieman  verdruken  an  im  selben,     ain  mentsche  mag  I 

ir  aber  also  widerstan    daz    es   ir  mit    dem  willen  nüt  gevolge;    won    sweuu  I 

der  mentsch  [ISä'}  bös  gedänk  oder  bös  girde  hat,    all  die  wil  untz  im  daz  1 

lait  ist  nnd  im  vast  wider  atät,  so  ist  es  im  nit  siinde.     swenne  er  aber  mit  10  I 

dem   willen  gevolget,  so  ist  du  sünde  volbraht  in  dem  Lertzen.     daz  ist  hobt  I 

Sünde,  ob  daz  werch  och  hobt  sünde    ist  daz  der  mentsch  gern  täti.    nn  höre  I 
me!    han  ich  den  willen  daz  ich  ainen   man  gern  schlfigi    durch  vigintschaft, 
der  Wille    ist   mir  ain   höbet  sünde,    won  daz  werch   ist   och   höhet  sünde.    und 

kureeliche    also    ist    ez    umbe    ai^i    ieglich    ding    daz    kobet  sünde    isl:    der  wille  ü  , 
deii   ich  da  zä  ha7i.    der  ist   och   kobet  sünde;  und  dar  umbe  sol  der  mentsche 
alwegent    wider   den  willen  striten,    daz    er    niemer    gevolge;    won  swenn   der 

Wille  gevolget,  so  ist  du  sei  tot.     sant  Paulus  sprichet:  'der  gaist  ist  alweg  I 

stritent  wider  daz  flaisch  und  daz  flaisch   wider  dem  gaist',    und  die  wil  untz  j 

der  gaist  über  windet  den  lip,  so  ist  der  mentsch  in  der  mitli;    so  sich  aber  m  ' 

der    gaist    naiget    under    den    lip,    so    ist    du    sei    von    Got   geschaiden.     her  J 

Salomon   sprichet:    'swer  sinen  kneht  zärtlichen  zühet,    der  [123']   machet   in  ] 

ungehörig*,    und  dar  umb  sont  wir  ünsren  lip  kestigen.     der  lip  ist  der  sele  1 

kneht,    und  dar    umb   gezimt    wol    daz    er    undertänig  si  der  sei.     swenne  nu  I 
der  mentsch  gewar  wirt  daz  in  sin  nature  ze  sünden  gerne  zuge,   so    sol    er  ffl 
sim  lip  arbait  uf  legen,    daz  er    dem  gaiste  gehorsam  werde    und    du    natnre 

an  im  me  werde  verdruket.     und  alle  die  wile  der  mentsche  sich  also  haltet,  . 
so  blibet  du  sele  an  ir  statt  in  der  mitli. 


2.  da  ei]  de  sie  G.  3.  betti  ti.  daz  andor]  So  sie  denne  die  echunhait  der  creature 

me  minnet  .  denne  er  zcrehic  ai'il  .  so  Doigit  sie  bIcIi  nun  der  etat  .  da  ir  ist  .  wau  der  mentscbe 
cnsolä  enbaia  dlnc  minneD  durlt  sich  selbin  ,  wan  gut  ainegun  .  Bwcnne  ich  denne  dehain  dinc 
minne  durh  sich  »elbia  .  so  bin  ich  mizir  der  mitli  geuallin  .  un  wirde  entrainit  .  Kv  sulne  wir 
uns  vlizin  .  de  wir  reht  inder  mitli  standen  .  de  wir  esbain  dioc  minnö  .  dnrb  sieb  selbis  .  wan 
ainegnn  durfa  got  .  Nv  ist  ain  andir  ß.  4.  haieset]  ist  G.  an  in  anf;eboniü  späterer  Zn- 

mtt  A.         5,  zi'i  dcn|  ze  G.  G.  unt  —  ann]  und  G.  7.  gantzlich  —  ain]  slzogis  nieman 

B.  i.  virdnikin  .  der  G.  S.  also  wol  G.  9.  daz]  ez  ff,  12.  och  fehlt  G.  Uf.  h.  wie] 
hoirint  hie  G.  14.  ain  fehlt  G.         won  —  1»  hobetsflnde  fehlt  A.  Ifi.  mentsche  fehlt  A. 

n.  allewege  uasto  atriten  w.  d.  w.  G.  er  im  nienir  ff.  19.  n.  alle  die  wil  ff.  21.  her 
fAlt  Q.  22  f.  machet  i.  u.]  wirt  im  widir  bSirich  G.  24.  und  —  nu]   ewelch  mentacho 

denne  ainon  lip  bet  inzartelicliiiu  lebinne  .  der  wirt  dem  gaiate  widir  boirich  .  vnd  danimbe  sutn 
wir  vnüme  lip  kesügon  ,  mit  arbaitin  .  de  wir  (er  Z)  dem  gaist  undirtieDEc  werden  (werde  Z) .  und 
26.  lip]  Icbin  ff.  arbait  gerne  u.  ff.         27.  me  fehlt  ö. 


192 


52.  Von  dem  uarehten  ond  von  dem  rehten  weg. 


I 


DU  vierde.  tngend  ist  relttkait.  du  rihtet  den  weg,  daz  ist  daz  si  ieg- 
lichem  ding  sin  reht  git:  zem  ersten  önsrem  herren,  dar  nach  dem  ment- 
schen  selben,    dar  nach  dim  ebencristan. 

Nu  sint  drier  hand  sunde    die  den  mentschen  ierrent  uff  dem  wege. 
5  Du  erst  ist  der  an  Got  Bändet,  daz  ist:   swer  nit  gelobet  daz  Got  ie  waz 

an  angenge  und  iemer  ist  an  ende,  der  sündet  an  Gott«,  swer  och  Got  sin 
ding  verkeret,  [ISSy  also  daz  er  sin  getat  berefzet  und  gedenket  oder 
sprichet:  wie  tut  unser  herre  snss,  daz  er  dis  und  dis  tut,  und  daz  und  daz 
nit  tvit,    er    sölti    dis    und    ens    tun!     swer  in   also  maistret,    der   sündet    och 

10  an  Gotte.  swer  och  in  versuchet,  der  sündet  och  a»  Gfltte,  alz  ob  ich 
giengi  ufF  ain  münster  und  sprungi  her  ab  und  täti  daz  in  der  frAfli  daz 
ich  gedÄhti:  wil  mich  Got  behftten,  er  behütet  mich  wol!  daz  ist  war:  swaz 
Got  wil,  daz  geschiht,  doch  hat  er  dem  mentschen  wissen  und  beschaidenhait 
gegeben  dar  umbe  daz  er  sich  selben  behüti,  alz  vil  alz  er  mag.     und  swer 

15  dis  tut,  der  t&t  gross  sünde.  nieman  sol  sich  also  fräTenlich  an  Got  lassen 
daz  er  dekain  ding  tCigi  da  mit  er  sich  selben  verliere,  man  liset  daz  der 
tüfel  ünsern  herren  versiichte,  do  er  in  mentschlicher  nature  uff  ertrich  waz. 
er  sprach  zu  im,  do  er  nff  des  tempels  zinnen  stünt:  'la  dich  hie  nider, 
won  es  ist  geschriben  daz  Got  sinen  [123']  engein  gebotten  hat  daz  si  dich 

20  behütint  und  dir  nit  laiwint  werden",  do  sprach  unser  hene:  'var  furder, 
Sathanas!  du  solt  nit  versächen  dinen  herren  und  dinen  Got'.  und  also 
sprich  ich  daz  der  mentsch  sündet  der  Got  versuchet.  J 


k 
k 


1.  dritte  AGZ.        tuginde  din  ist  G.        daz  ist]  Der  tuginde  weik  ist  G.        If.  git .  önwm«" 
herrin  semerste  .  Donali  mir  eelbnn  .  vnd  miiteiii  ebin  cristFenin  Q.  5.  daz  ist]  Nu  mehtint  ir 

eprechin  wie  ir  an  got  Btindetint .  De  beschaide  ich  iv  G.  B.  swer]  wan  de  bewierit  fnsir  herre 
selbe  .  de  er  wc  an  anegengo  .  vnd  iemir  |i.  ist  Z)  an  endo  .  Wan  lieit  de  i'ineir  herre  mojses  sant . 
de  er  sin  toUc  losti  von  egipton  lant  .  Du  spracli  mojeeB  .  ii  engloubint  mir  nit  .  de  du  mich 
habest  gesant .  Do  sprach  vusir  herre  .  var  eht  du  enwek  vil  sage  inen  de  ich  dich  han  gee.tnt .  Do 
sprach  v'nsir  herre  moiaes .  Herre  uon  wem  aol  ich  inen  sagen  .  der  mich  habe  gesaut .  Do  sprach 
Qnsir  berre:  niüfsGs  sprich  ze  inen  .  Der  da  ist  der  hat  mich  zfl  jv  geaant  .  1d  dem  wort  gsp  er 
v'ns  urklinde  .  de  er  ic  wc  un  iemir  ist  .  de  wc  de  aiginlicbste  wurt  .  de  ie  non  der  ewikait  ge- 
sprochin  wart  .  de  er  sprach  .  der  da  ist .  da  mit  gap  er  vdb  \Tklindo  .  de  wir  de  veatecliche  ge- 
loabin  sulne  .  de  er  ie  wc  vn  iemir  iet  .  vfi  swer  daran  zwinelot  .  der  slindot  an  got  .  Der  G. 

Got)  flnsinne  h^rin  G.  7.  also  —  und]  und  in  bereffit  .  also  de  er  Ö.  Üf.  Asz 

er  —  tfln]  er  eoit  buz  un  so  tnn  ,  er  solt  disia  lazin  sterbin  .  vß  disin  lazin  lebin  G.  9.  in] 

Yniirne  herrin  G,  themo  10.  maisterot  vsd  im  sind  werk  uirkerit  O.  och  felüt  O. 

10.  an  fehlt  A.  10  f.  alz  —  giengi]  Nu  merkint  wie  .  Gienge  ich  G.  IS.  er  d.  m.]  finair 

heire  6.  14.  alz  er]  er  G.  15.  an  Got  fehlt  A.  16.  vor  man]  der  mcntache  ist  im  selbin 
scbuJdic  .  de  er  behGtin  mac  vor  schadin  libiz  vnd  sele  G.  IS.  er  apr.]  vnd  spr.  Q.         hie] 

berÖ.  19.  won]  vnair  h're  behStit  dich  G.  Got  b.  e.]  finsir  herre  sinem  engil  G.  I9f.  si  — 
werden!  er  behate  alle  dine  wege  O.  20.  vor  var]  Vade  satbanas  G.  31.  da  s.  nit]  Ei:  ut 
geschribin  de  du  niht  solt  G.  21  f.  und  also  —  versüRhetl  Also  spr.  i.  denno  de  der  m.  an  got 
sündet  .  der  ünBimc  [ä.  h'ren  Z)  uirsüchit  als  ich  gcsait  han  G. 


52.  Von  dem  nnrehten  und  von  dem  rehten  weg.  193 

Du  ander  sünde  da  den  weg  krümbet  nnd  den  mentschen  ierret  uff  dem 
weg,  daz  ist  der  an  sich  selben  sündet.  nn  sont  ir  merken  ain  beschaiden- 
hait  dar  an  daz  man  sprichet  daz  etlich  sünde  an  Got  si  gesändet,  etlich  an 
sich  [selben  nnd  etlich  an  den  ebencristan.  swie  der  mentsch  sündet,  so  tut 
er  wider  Oot.  man  sprichet  aber  aigenlich  daz  der  mentsch  an  Got  sündet  5 
der  die  sünde  tat  die  ich  da  vor  geseit  han.  swaz  der  mentsch  gesundet, 
daz  tat  er  wider  sich  selben,  won  es  ist  im  schade,  daz  ist  aber  aigenlich 
wider  sich  selben  gesundet  der  sim  lip  zevil  überflüssiges  git  oder  im  sin 
notdurft  nimt,  und  swa  [123^J  mit  er  in  krenket,  daz  er  Got  dester  minder 
dienen  mag,  und  och  etlich  ander  sünde  tut.  10 

Du  dritte  Sünde  du  den  mentschen  ierret  uff  dem  weg,  daz  ist  daz  der 
mentsch  sündet  wider  sin  eben  cristan.  swenne  ich  im  sin  notdurft  nit 
gib,  so  er  es  bedarf,  so  Sünden  ich  wider  in;  won  swaz  ich  über  min  not- 
durft han,  daz  enist  nit  min,  es  ist  ains  ieglichen  mentschen  daz  sin  baz 
bedarf  denn  ich.  linser  herre  hat  aim  ieglichen  mentschen  sin  notdurft  ge-  15 
schaffen  und  hat  ir  nieman  lan  gebresten.  swenn  ich  denne  dekainen  ment- 
schen siner  notdurft  lan  gebresten,  so  ich  sih  oder  waiss  daz  er  es  bedarf, 
so  hab  ich  im  sin  g&t  vor.  sant  Paulus  sprichet:  'swer  sim  eben  mentschen 
nit  git  des  er  über  sin  notdurft  hat,  stirbet  der  von  hungers  not,  so  ist  er 
an  im  schuldig  alz  ob  er  in  hetti  erschlagen*.  [124'']  swer  och  sin  eben  20 
mentschen  geergrat  mit  bösem  bilde,  der  sündet  och  an  sim  eben  mentschen. 
da  von  sprichet  unser  herre  in  dem  ewangelio:  'swenn  ir  den  minsten  gebösrent 
der  an  mich  gelobet,  so  wäre  üch  besser  daz  ain  mülstain  üch  war  gehenket 
an  den  hals  und  in  daz  mer  wurdent  besenket  \  und  da  von  bedurfent  wir 
wol  daz  wir  uns  mit  allem  fliss  hütint  daz  nieman  von  uns  gebösret  werdi.  25 
nu  geschiht  es  dike  daz  ain  mentsch  ain  ding  tat  in  aim  guten  sinne,  und 
wirt  doch  etwer  da  von  gebösret.  nu  si  daz  ich  joch  ain  ding  tage  in  aim 
guten  sinne,  kumet  mir  denn  für  daz  min  ebencristan  da  von  geergrat  wirt, 
so  sol  ich  es  miden;  und  dar  an  tän  ich  bas  daz  ich  min  ebencristan  hüti 
daz  er  nit  geergrat  werdi,  denn  daz  ich  es  täti,  swie  gut  es  joch  wäri.  so 
wäre  aber  es  also  daz  es  mir  höbet /i^47 sünde  wäre,  ob  ich  es  lessi,  so 
solte  ich  es  durch   aller  der  weit  willen  nit  lassen,     nu  haut  etlich  lüt  also 

3.  gesündot  vfi  e.  G.  4.  den]  minem  G.  5.  mentsch  fehlt  G.  6.  der  m.  ges.]  sünde  ouch 
d.  m.  tAt  G.  7.  er  ouch  widir  G,  8  /*.  im  —  in]  der  sime  iibe  der  notdürfte  gebristit .  aide 
Bwa  mit  der  mentsche  sinQ  lip  G,  10.  tut  fehlt  G.  iif  du  — sündet]  ist  die  der  mentsche 
tat  G.  18.  so  Sünden  —  in  fehlt  G.         14.  sin]  ez  G.         16.  ir]  der  G.  17.  lan  gebr.] 

briste  G.  18.  da  uon  sprich;  s.  P.  G,  20.  habe  G.  22.  spr.  abir  vnsir  G.  23/'.  daz  — 
besenket]  de  iv  ain  müiistain  .  an  den  rik  wsere  gefaenkit .  ufi  inden  rin  wsere  gesenkit  GZ,  24.  da 
von]  darombe  G,         25.  wir  uns]  wir  G.       ieman  G.  27.  ich  fehlt  Ä.       joch  fehlt  G, 

28.  mir]  mich  doch  G.  29.  ebin  mentschin  G,  30.  denn  daz]  denne  ob  G.  nach  wAri]  de 
dink .  da  mit  ich  in  geboiseron  .  de  sol  ich  lazin  .  ez  enwaere  denne  ain  dink  .  de  ich  houbit  sünde 
dar  an  tsete .  ob  ich  ez  lieze  G,         32.  es  abir  d.  G,       nach  lassen]  Ist  ez  abir  also  .  de  ich  mht 


18.  wo  ?         22.  MaU,  18,  6. 
Deutaohe  Texte  de«  Mittolaltofi.  X.  13 


194 


S2.  Von  dem  unrehten  und  von  dem  rehten  weg. 


bfisü  hertzen  daz  si'i  gedenkent  und  sprechent:  'we,  waz  wirret  mir  swer  von 
mir  gebßsert  wii't,  ob  ich  etliches  In  gutem  sinne  tun!*  die  hit  han  bösü 
hertzen,  won  ain  ieglich  mentsch  ist  dem  andern  schuldig  daz  es  ÄUü  dii  ding 
mide  da  mit  es  in  gebösren  muge;  und  reht  alz  ich  aim  ieglichen  schuldig 
b  bin,  also  ist  es  öcb  mir  schuldig  daz  es  min  ding  nit  verkere,  daz  nit  ze 
verkerend  ist.  nu  sehent  wiel  han  ich  ze  ainer  statt  ain  gut  swester  oder 
ain  gät«n  bruder  und  bin  dem  haimlich  und  tun  daz  in  aim  guten  sinne 
und  daz  er  mir  nütz  ist  an  miner  sele,  nu  wirt  mir  geseit  daz  etswer 
der  von    geergret  wiit .   so    sol   ich    es    miden.     aber  alle  die  wile    so   ich  es 

10  fili-  wai'  mit  waiss  daz  ieman  der  von  gebösert  wirt,  so  ensol  ich  es  sü 
niemer  geargwanen,  won  ich  sol  alle  [124']  min  brüder  für  also  tngenthaft 
han  daz  si  mir  niemer  enhain  ding  verkennt  ze  übele,  da  si  enhainen  gäten 
sin  an  vinden  mugent  ich  sol  es  da  fiir  han  daz  ain  ieglich  mentsche  siner 
sele    also   gern    höti    an   mir    alz    ich    an  im.      intniwen ,    geschäch    aber    daz 

16  daz  mir  ieman  üt  verkerti  daz  nit  ze  verkerenn  wäri,  und  daz  er  also  wol 
ze  gfitem  keren  möhti  alz  ze  übel,  und  ich  es  och  in  aim  gfiten  sinne  tun: 
swer  mir  daz  verkeret,  der  gebösert  mich  me  denn  ich  in.  daz  er  mir  ver- 
keret  daz  nit  ze  verkerenn  ist.  und  also,  sprich  ich,  sol  ain  ieglich  mentäch 
des  andern    hüten    daz    es    im    nüt    verkere    won    daz    och    ze  verkerenn  ist, 

20  und  sol  im  also  wol  ain  ieglich  ding  dar  an  er  nit  arges  vindet,  ze  gut  keren 
alz  ze  übel,  nu  sint  etlichu  ding  alz  offenlich  übel  daz  sü  niemer  wol 
mngent  beschehen,  alz  ungehorsami  und  unkünscbkait  und  ander  m&nig  [124*] 
ding,    daz    als    unverdaht    übel    ist    daz    es    niemer    in    dehaim     gftten     sinne 


I 


honbit  Hönde  t^n  daran  .  de  ieh  cz  lue  .  ao  sol  icb  ez  lazin  dnrh  dee  wiliiu  .  de  ich  n 
geboleerete  .  vQ  knrzeliche  awc  ich  waiz  .  da  mit  ich  ieman  goboiseron  .  de  so!  idi  und  ielich 
mentsche  lazin  .  bwc  de  tnder  weit  ist .  wiere  ec  loch  ain  dinc .  daran  ich  grozin  nuzce  hetti  .  den 
nuzce  sol  ich  gernir  Iszin  ,  denne  ich  ieman  mit  geergeroti  .  Unde  de  ist  mir  beziir  .  de  ich  der 
lutea  heraio  häle  .  dennc  ob  ich  andirz  uil  gfltis  me  ttPte  (r. 

2.  etlichee]  eht  ez  G.  3.  schuldlc  des  de  ez  G.  4.  in  g.  umgel  ieman  Keboiserot  G. 
ich  des  a.  ielichin  matsche  G.  S.  es  Cch  m.]  onch  mir  ain  ielich  mentsche  G.  min  <].  nit]  mii 
enhain  d.  G.  daz  ouch  nivt  O.  6.  wie]  hie  ß.  8/'.  han  — brtder]  Gan  ich  an  aine  stac 
zeainir  gütir  sweetir  aide  zcainim  brädir  G  {Zj.  B.  er]  cz  G.  9.  naeh  miden]  daran  tön  ich  rehte . 
wan  mir  de  ge«ait  ist.  daz  othswer  da  uon  geergorot  wirt  G.  so  i.  es]  nnz  ich  G.  tl.  won 
fehlt  O.  brilder]  swestiran  GZ.  12.  nach  han]  de  ieh  mich  der  untuginde  .  an  mv  niemir 
sol  uiraehen  G.        niemer  fehlt  O.  13.  soi  es]  es  ^ ,  sol  G.  15.  wllri]  ist  G.  16.  alz] 

BO  G.  vfi  ouch  ich  in  ö.  IS.  und  —  21  ding]  denne  ich  in  da  mit  geergeroie  de  ieh 

M  ttetc  .  wan  de  tet  ich  in  ainem  gutim  sinne  .  vn  kan  oaeh  mir  zegfite  .  vfi  wc  ouch  gut .  swcone 
mich  denne  yürknmit  .  de  mir  ez  ain  andirs  zeübil  hct  uirkerit  ,  de  geergerot  mich  an  minP  her- 
rin  .  vnd  leechit  mir  die  mine  .  die  ich  zu  im  hiette  .  vn  entwirfit  mir  min  herze  .  vn  benimit 
mir  min  andaht  .  vnd  geergerot  mich  da  mit  uil  me  .  denne  ez  güds  töie  .  Un  rehte  alee  gnote 
ich  des  hatin  sol  .  de  ieman  von  mir  gebAiserot  werde  .  also  guote  sol  eich  ain  ielich  mentsche 
hAtin  .  de  ez  mir  enhain  dinc  virkere .  wan  daz  ouch  zeuirkerine  eie  ,  vü  sol  ain  ielich  mentsche 
dem  andime  sin  dinc  also  wol  zegöte  keiin  (k.  so  Z)  ze  übitc  .  de  ebt  alse  übil  ovt  ist  .  de  es 
oieman  gegAtin  mac .  Nn  hSrint  hie .  Etlichiv  dinc  sint  G.  22.  ander]  ane  de  G. 
alse  Q.        sinne  G,  ding  A. 


3.  alles  4j^^ 


^^^I^l                        52.  Von  dem  anrehten  nnd  von  dem  rehteo  weg.                                 195  ■ 

geschehen  mag:  daz  ist  nit  sünde,  swen  düz  übel  danket,     so  sint  Och  etlichü  I 

ding  als  gilt  daz  sn  niemer  in  kaim  üblen  sinne  mugent  geschehen,    daz  ist;  I 

Got  fflinneti  über  AUü  diiig  und  demütig  sin  und  gelassen  an  Got,  und  andrü  ■ 

sämlichü  ding,  daz  kan  niemer  übel  weiden,    etlichü  mugent  öch  geschehen  in  1 

gutem  und  in  üblem  sinne,  alz  betten  und  vasten   und  mäng  ander  ding:  tut  s  ] 

durch  Got,  so  ist  es  gilt;  tut  er  es  aber  durch  rüm  und  durch  lob,  so  1 

s   übel,      also    ist   mäng    ding    daz    wol    in   übel    und   in   güti   geschehen  I 

FBiag.     won  aber  daz  tö^en  ist  und  nieman    in  des  andern  hertzen  waiss  won  I 

ftllain  Got,    dar  umb    sol    ain  ieglich  meutsch  daz  besser  nemen    an  aim  ieg-  I 

liehen  ding:  swaz  es  sehe  oder  höre  an  de/iS5''7kainem  mentschen,  daz  es  daz  lo  J 

zu  dem  besten  kere   in  sim  hertzen,    und    sol    öch  daz  vor  den    lüten  reden;  1 

daz  ist  ain  tngent  in  der  Got  ruwen  tvü.     ich  sol    alle  min  brüder  für  also  J 

sälig  han  daz  ich  mich  nihtes  nit  an  in  sol  versehen  won  tugent  und  sAlden,  I 

ontz   ich  für  wärs   an  in  nit  Übels  waiss,  wisse  Got.     waiz  ich  joch  für  war  I 

üt  bosshait  an  in,  so  sol  ich  gedenken  daz  es  si  von  krankait,  nnd  sol  mich  ul 

dar  über   erbarmen    und    sol    Got   da    über    bitten,     nu    si   Joch   daz    daz  ain  I 

mentsche  etwas  tüge  in  aim  üblen  sinne,  waz  schadet  mir  daz  ob  eht  ich  es  I 

in  ain  tugent  kere?    so    wiit  mir    doch    ain  tugent  dar  an,    in    awelem    sinne  I 

daz  beschiht  joch.      nu    merkent  hie;    gan  ich  an  ain  stat   und    bin  da  hain-  I 

lieh  ainem  mentschen,    daz  mag  wol  in   übel  oder   in  gutem   geschehen;    won  » I 

tftn  ich  es  durch   Got  [125'']  oder  dar  umb  daz  ich  da  von    gebessret  werdi  \ 

oder  daz  ich   ander  lüt    mit    lere   oder  gebessre,    so   ist    es    gut;    tun    ich    es  1 

aber    durch    dehain  bosshait,    so    ist    es    übel,     nu   sige    daz    ich   es    in    übel  ' 
tüge,  80  sol  doch    der  mentsch  der  es  siht,    gedenken  daz    ich  es    durch  gut 

tüge,  und  sol  es  allwegent  bessren.    won  tun  ich  es  durch  bosshait,  daz  ist  im  25 
tögen  und  waiss  es  nit  won  von  argwan;  waiss  er  es  aber  für  war,  dennoht 
solt  du  es  von  mir  nit  braitren  won  in  dem  sinne  daz  ez  entweder  mir  oder 
im  selben    oder    dem    ich    es   sage,    zu    bessrung  kome.     und    kurtzüch:    swer 
von  dem  andei-n  dehain  ding  seit  in  dehaim  andern  sinne,    der  tat  übel  und 


in]  demfitekait  G.  (felassen]  geloubin  G.  3  f.  andrii  s.  ding]  zflvirsiht  ban 
i.  EthJieliiu  dinc  G.  if.  in  i'i.  sinne  n.  i.  g.  sinne  G.  5  f.  tflt  er  es]  de  wol 
1  iagüt  mac  beschehin  .  Tflt  ez  der  mentsohe  O.  B.  r.  aide  d.  lop  .  aide  de  man  wxne 
I.  7  f.  ming  —  aber]  uü  wndir  m.  d.  de  übil  vn  wol  mac  beechehin  .  Wände 
i.  tön  Ä.  II.  bezKircD  G.  öch  dsz]  ra  oueh  ß.  nocfi  reden]  vü  bwc  vbil  vO  wol 
.  da  sol  eich  der  mentsche  allewege  dez  bezzime  virsebin  O.  12.  Got  fehlt  ftiltch- 
mck  wil)  Nu  e\e  oucb  de  ain  swestir  aide  ain  brfldir  ain  dinc  tüie  in  aine  vbilne  rinne. 
Ml  sol  ich  (ich  es  Zj  doch  inaincn  gntin  ain  keiin  .  alle  die  wil  vuz  ich  ez  niht  vür  war  waiz .  de 
er  ez  inübil  habe  getan  GZ.  alle  m.  br.]  allewege  mine  swestir  aide  minen  brüdir  G. 

U.  wire]  war  G.        an  —  Got]  uon  im  niht  waia  G.       joch  fehlt  G.        15,  an  in]  non  ir  G. 

I«B  si  von]  ist  uon  ir  G.  Ifi.  joch  daz  fehlt  Q.  IS  f.  in  swelem  —  joch]  swio  ers  iooh 

l2t  G.  20.  mentschen]  brfldb-  aide  ainir  swestir  G.  oder]  v&  G.  won]  Nn  merkint 

irie  O.  21.  da  von  —  werdi]  mich  da  gcbezzere  G.  22.  gebeesrc]  mit  edilichim  dinge 

beszir  G.        2S.  vor  nu]  diu  zwai  dinc  mugin  nndera  goscfaehin .  iibil  un  gfit  6. 
4enkin  .  der  ez  an  mir  sibit  .  de  G.         25.  ez  ioch  durh  G.         27.  sol  ere  uon 
29.  seit]  braitorot  G. 


mentsche        ^^k 


196 


S2,  Von  dem  unrelitpn  und  von  dem  rehten  wog. 


Sünde,     ist  es    aber   also  daz  der  mentech   argwan   het  zä  etlichem    ding    daz 
er  siht   oder  hört    an  aim  andern,  daz  in  danket  von  sim  sinne  daz    es  übel 
si,    und  im  es    anders   niemau  hat  geseit,    daz  ensol  er  nit  sagen,    er   sol 
allain  {125'}  in  sim  hertzen  lian  und  ensol  nieman  me  da  mit  gebösren;  i 

>  swaz    da    von    bßsrung    kumet,    des    ist    er    schuldig    der   es    da    redet, 
merkent  dis:    tut  ain  bruder  ain  ding    daz    übel    ist    und  wider  Got  ist   odi 
da  von  du  samnung  betrübet  wirt,  des  sol  ich  in  laiden  ze  capittel,  und  sol 
daz  in  dem  sinne  tun  daz  er  sich    dar  an  bessre    und  der  convent  mit  frida^ 
hlibe,   so  tiln   ich    rehte.     nn    wirt    liht    der    brdder    ungednltig    und    betrübet:! 

I  der  Ton.    daz  enist  mir  nit  sünde,  han  ich  es  in  gutem  sinne  getan;  tet  icbf 
es  aber  im  ze  laide   oder    ze  räche   oder  von  etlicher    unminne,    daz    ist 
grössü  Sünde,  swie  tugentlich  er  es  joch  enphahet  oder  swie  vil  gutes  da  von 
kumet.     nu  geschiht  es  och    daz  ain  brüder  den  andei-n    siht  etwaz  tftn   daz 
übel  ist,  so  denket  er:  nu  wAre  dirr    bruder  wol  wirdig  daz  du  in    hie  umb 

i  r&gtist,  daz  er  sich  hie  [125'']  an  besserti,  so  denket  er  aber  wider:  des 
entü  nit,  er  wnrdi  da  von  betrübet,  nu  wil  ich  üch  dar  zu  alnen  guten] 
rat  geben,  waz  ir  an  sünde  mugent  tun:  swaz  ir  hörent  oder  sehent  dazl 
wandelbar  si,  so  sont  ir  merken  in  veatra  consciencia  von  wederm  me  bessrung 
kome,  und  sont  daz  tun.    versehest  du  dich  daz  es  besser  si  daz  du  es  tügest, 

)  so  rüg  es;  si  och  daz  besser  daz  du  swigest,  so  swig.  und  daz  halt  an  aim 
ieklichen  ding,  so  blibest  du  an  sünde.  nu  sprichest  du  vjl  lihte:  so  ver- 
eich ich  mich  daz  es  ze  besserung  kome,  und  kumet  es  liht  zu  grossem  übel, 
ist  mir  daz  sünde?  so  sprich  ich:  ja,  es  ist  dir  sünde.  ob  du  es  mit  enhaim 
ding  möhtist  han  versehen,   ob    es   von  dinr  unheschaidenhait  ist  beschehen  liht 

ä  ain  tail,  daz  dn  liht  unbeschaidenlicb  oder  mit  lierten  werten  oder  mit  zorn-, 
liebem  [136°]  antlütz  rügetist  oder  du  dich  an  dehaim  ding  missehutist,  da 
von  er  liht  merken  mäz  daz  du  es  im  durch  übel  hast  getan,  daz  ist  dir 
denne  sünde.  hast  du  aber  Allü  ding  vorhin  versehen  die  du  versehen  solt,  alz 
verre   du  von  diner  bescbaidenhait  kanst,  kumet  joch  denne  üt  Übels  da  von, 

1  des  bist  du    lidig  und  enhast  sin    nit  sünde.      dis  han  ich  alles  dar  uf  geret. 
daz  ir  merkent  wie  der  mentsch  wider  sinen  eben  cristan  sündat    daz  ist  dei 
süudan    ainü    die   den  mentschen  ierret    uff  dem    weg    den   unser  herre    lai' 
den  rehten  mentschen  engegen  dem  hymelriche. 


>el 

dB<^H 
>et.^H 

.ir^ 
on  ^^ 


1.  Hndine  mentachin  G.  3.  daz]  des  O.  eagen]  redon  G.  i.  da  initl  mit  bekümbii 
nodi  ff.  5,  er|  der  Ö.  6.  bi-äder]  swestir  ehenao  i«i  folgenden  G,  dagegen  Z  brüder. 
mao  werdin  ö.  in]  sie  Ö.  a'AwIicA  im  folgenden  Pron.  femininvfn  bii  27,  dagegen  Z  bald  fem.  bald 
mtuc.  9.  undB  wirt  betr.  G.  10.  mir  fthlt  Ä.  han  eht  ich  G.  H.  dnrh  rache  G.  ist] 
WKTO  G.  12.  enpfienge  ß.  röÜb  loch  da  uon  G.  13.  kunet]  keine  so  wwr  mir  {corr.  aiu 
mich)  doch  der  sin  ednde  .  dea  ich  dar  zu  hetti  G.  es  Ach]  de  doch  ff.  15.  her  widi 
IS.  in  ivwirre  conacientie  ff.         me  fehlt  A.  19.  daz  es]  de  daz  ff.         20.  es]  aie  ff, 

fehlt  G.        21.  du  dran  ane  b.  G.        vi]  frhlf  G.        23.  iat  fehlt  A.  in  O  naehträglich  eingi 

26.  oderl  aide  ob  ff.        an  d,  d.J  mit  d.  dinge  dran  ff.        27.  durh  dehaiu  Hbll  ff. 
Bünde]  mag  dir  wol  ain  lihtü  Bünde  ein  ff.         28/'.  alz  verre]  und  alse  0.        30.  enhast  —  sfim 
enhabe  enhalnen  kummir  dar  umbc  ff.        g'ret  A.         31.  ebin  mentschin  ff.         33.  ierrlnt  G. 


on, 

I 


52.  Von  dem  nnrehten  und  von  dem  rehten  weg.  197 

Swer  nu  ain  langen  weg  sol  gan,  der  bedarf  wol  vier  ding  uff  dem  weg, 
daz  er  sicherlichen  gange. 

Daz  erst  ist  ain  Stab,    da  er  sich  uf  sture,   so  er  vallen  wil.     dirr   stab 
ist  daz  hailig  crützcy  da  unser  herre  den  tot  an  lait  [126"]  durch  den  ment- 
schen.     die  marter   sol  der  mentsch  behügen:   swenne   in    arbait   an  gat  von  5 
bekorung  oder  von  betrübde  oder  swa  von  in  dekain  kumber  an  gat,  so  sol 
er  zehant  an  disen  stab  gedenken   und  sol  Got   an  rüffen   und   sol  in   bitten 
durch  die  not  die  er  an  dem  crutze   lait,   daz   er   im  helfi  sin  arbait  tragen, 
du  solt   och  gedenken   wie  groz    und   wie    bitter   du   marter   waz    die   Gottes 
sun  wolte  liden,   und  solt  da  mitte  dir  selben   ain  kraft  geben;   won   swenne  lo 
du  gedenken  wilt  an  den  j&merlichen  tot  den  Jhesus  Christus  durch  dich  er- 
litten hat,  so  mflss  dir  wol  dester  lihter  sin  ze  lidenn  alles  daz  dich  an  gat, 
won  alles   daz  wir  erliden  mugent   durch  Got  mit  anvehtung,   mit  ungemach 
baidü    hertzen    und    libes ,    daz    ist    alles    en  Main    ding    da    wider    daz    Got 
durch   uns   erlitten   hat.     alz  sprichet   her  Job:   'herre,   wil   ich   min  arbaite  15 
glichen  diner  arbait,  so  enhab  [126'']  ich  gegen  tusenden  ain  nit  ze  bietenn'. 
daz  sont  ir  gedenken  so  üch  dekain  arbait  an  gat,  so  wirt  es  üch  allez  liht 
ze  lidenn.     wir  sont  och   ain   andern  stab  han  uff  dem  weg,    daz    ist  Maria, 
Gottes  müter.     der  wissag  sprichet:   *herr,   din  stab   und  din  rüte  hant  mich 
getröstet  und  hant  mich  vest  gemachet',     der  stab  ist  daz  haiige  crutzey   du  20 
rfite  ist   unser  vrowe,    von  der  ^sa^as  sprichet:  'es   ist  us  gangen   ain   rüte 
von  Yesse   mit  blügender   fruht'.     du  blügend   rüt  ist  Maria,   Gottes   müter, 
du  ist  daz  blügend  zwi  von  ^esse.    dis  rüten  sont  wir  zu  ainem  stab  nemen 
uff  dem  wege,   daz   wir   uns  uf  si  stürent  so  uns  not  an  gat,   daz   wir    nit 
vellig  werdent    in  der   arbait.     und  swenn   uns  kumber   an   gat   von   dekaim  25 
ding  an  dem  libe  oder  an  der  sele,   so   sont  wir  si  an  rüffen,    daz  si  unser 
helferin   si,    und    sont   ir  mit   innerlichem   hertzen  klagen  unser  [126 '^J  not. 
und   so  ist  si  also  milte   und   alz   gnädig   daz   si   nieman   ane   helfe   lat    und 
an    trost,    der   si   inneklich   an   rüffet   in   siner  not  und  si  manet    irs   lieben 
kindes,    der  vröden    und   der  liebi   die   si   mit   im   hatte  uf  ertrich    und   hüt  30 
mit  im   hat   in  hymelriche.     nu  spricht   ain  hailig  man:   'vrowe,   du  bist  ge- 
sessen in  des  künges  hus  uns  ze  aim  fürsprechen.    nu  rüffe  an  sinen  namen, 

4.  de  ist  de  G.  An  Stelle  von  crütze  hat  Äein  -^^  ebenso  im  folgenden.  unser  h.]  got  G, 
10.  Udin  .  damit  solt  du  dir  G.  11.  dich  fehlt  A.  12.  hette  G.  13.  wir  iemir  erl.  G.  vil 
mit  im.  G.  14.  ain  claine  d.  G,  15.  her  fehlt  G.  16.  diner]  der  G.  gegen  —  nit]  niht 
widir  tusint  aine  G,  17.  daz]  Dar  an  G.  allez  liht]  allir  lihtiste  G.  19.  vor  herr]  Virga  tua 
et  bacnlns  tnns  G,  20.  stap  der  uns  troistin  sol .  vfi  mit  dem  wir  gesterkit  sun  werdin  .  de  ist 
d.  h.  er.  da  gotis  sun  den  tot  an  lait  6r.  21.  röte  daz  ist  ü.  vr.  G.  von  —  sprichet]  diu  ist 
bezaichint  bie  der  rfite .  Also  spr.  der  wissage  esayas .  Egredietur  virga  G,       22.  röte  de  ist  G. 

24.  dem]  disem  G.        25.  kumbir  und  not  G.        26.  dem  feMt  G.        28.  und  so]  so  G, 
80.  uroide  G.        81.  himilriche  .  vrige  uroide  .  Nu  G.       81/*.  gesezzit  G,        82.  nu]  0  frowe  G. 

15.  Job  9,  3;  vgl  oben  S.  90  Z.  26.  19.  Fs.  22,  4.  21.  Isai.  11, 1;  vgl  oben  S.  159 

Z.  18  f.  81.  vgl  oben  Ä  107  Z.  23  f 


198  ä2.  Von  dem  unrehten  und  von  dem  rehten  weg. 

daz  er  uns  gnädig  sÜ'  hie  von  sont  wir  si  an  röffen,  swenn  uns  not  ane  ■ 
gat,  Sit  si  so  gnädig  ist  daz  si  uieniann  an  helfe  lat.  da  von  sprichet  ain 
hailg  man:  'o  vrowe,  du  bist  so  gnädig  und  so  gut  und  bist  so  über  vol 
aller  gnaden  daz  dich  nieraan  mag  grützen  mit  aim  Ave  Maria  oder  mit  . 
5  ainer  süssen  andaht,  du  vergiessist  din  gnade  in  sin  hertxe,  daz  er  trost  en-d 
phahet'.  und  dar  nmb  sont  wir  si  an  üif/lST'Jfeni  sin,  so  wir  in  arbait«B.l 
sint,  won  si  ist  so  vol  gnaden   daz    si   zehant  vergiessen    müz  trost  in  liwrt  * 


^ 


Daz  ander    des  wir  bedurfent  uff  dem  wege,    daz  ist   spise.     dia  eninain 

I  ich  nit  ain  liplich  spise,  es  ist  gaischlichü  spis.     daz    ist  Ansers   herren    vroftj 
licham,   den    liat    er    ims  verlassen  zu    ainer    spise  uff   dem  weg.     do  er  vonV 
sinen  Jüngern  schaiden  wolte,    alz   man    begat    an    dem    grossen  donstage,    do"! 
nam  er  brot  und  brach  es  UJtt  tet  sinen  haiigen  segen  da  über    und  gab  63 
sinen  jungern  und  sprach:    'nement  dis  und  essent  und  trinkent,    won    es    ist 

>  min  flaisch  und  min  bifit.  ir  sont  es  enphahen  ze  ainer  gehügde  miner 
marter,  die  ich  liden  wil;  und  swer  minen  lichamen  wirdeklich  enphahf.t,  der 
sol  ewklich  leben',  und  daz  sont  ir  vesteklich  globen  daz  du  selben  wort 
noch  hüte  die  se[flS7''Jben  kraft  hant  von  ains  ieglichen  priesters  mund,  daz 
da  Got   verwandelt  wirt,     der  selbe  lij)   den  er  nam  von  unser  vrowen    sant 

I  Mariun  und  der  an  dem  crütz  hieng,    der    ist.ze    ainer  ieglichen    messe    lina  | 
zu  ainer  spise  uff  dem  wege,    und  nit  allain  sin  lip,    wir  enphahent  von  des  ' 
priesters  band  sin  lip  und  sin  sele  und  sin  haiigen   gothait  alz  kreftigen,  alz 
gewaltigen,   alz  volleklichen,    als  ungetailten    alz   er  in  hymelriche    gegewürtig 
ist     und  sol   ain  ieglich  mentsch    geloben  daz  da  in  aim  schine  ains  brötlins 

,  verborgen  ist  du  hailig  mentschhait  und  du  haitig  sele.  und  swer  dis  spise 
wirdeklich  nimt,  der  wirt  gespiset  und  getrenket  und  gesterket  an  allen 
tugenden,  daz  er  bösen  dingen  dester  baz  mag  widerstan,  und  wirt  gesterket 
in  allen  guten  werchen,  und  werdent  im  sin  täglich  sünde  vergeben,  und  wirt 
an  der  minne  enzundet,    und    wirt  [137']   sin    züversiht   gemeret.    und   mänig 

I  tugent  und  mänig  sälde  enphahet  der  mentsche  der  ünsei-s  herren  vron 
lichamen  wirdeklich  enphahet,    und   wirt    mit  im  gespiset  uff  dem  wege.     und. J 

2.  Sit  —  niemann]  eie  <et  so  gu.  de  eie  nieuan  an  r&phic  .  den  sie  O.  ^ 
4.  gertrin  O,       5,  engiezesC  G.       6.  anA  fdilt  G.        wirsi  — sinl  ir  sie 
ir)  ir  G.         If.  ivwir  horae  ff.         9/".  enmain  —  ain]  ist  nüit  gemainii 
10/:  herrinlichame  G.        Jl,  do  er]  do  finair  herre  G.        12.  vor  do)  do  er 
von  sinir  jungiron  ainem  G,  la.  vt  A.        gab  es]  wart  uirwandelot . 

id  easent  —  es  fehlt  G.  15.  min  blilt  u,  m.  vlaiBche  Ö. 

Mariun  fehlt  G.  20.  hieng]  gemarterot  wart  ff.        fins  fehlt  A 

23.  uollcclichin  un  also  ff.  24.  nnd]  de  ff. 


1.  hie  von]  Nu  ff. 

da  von]  AJbo  ff. 
gerne  anrtphin  G, 
an  ff.        10.  ain]  an» 
an  den  tot  wart  gegebir 
nn  gap  de  ff.  14. 

fehlt  fälschlich  G.  \df. 

22.  sin  sele]  hailigun  sele  ff. 
am  Rande  A,  cristiED  menttche  G. 
br.  diu  h.  sele  .  u.  d.  ti.  raentechait  ff. 
28.  in]  sie  O.  SO  f.  herrin  Uchamen  G. 


2if.  in  —  selel  ist  uJrborgin  vndir  aini  seh.  i 
26.  getrenket  und  fehlt  G.         2T.  er  allen  boisen  Q, 
31.  im  fehlt  G. 


Hf.  Matt.  26,  36  f. 


52.  Von  dera  uorehton  u 


1  dem  rehtcD  weg. 


19» 


"swer  reht  erkandi  die  grossen  gnade  die  Uns  liser  Iierre  dar  an  hat  getan 
daz  er  uns  sinen  baiigen  licbamen  hat  ^geben  zu  ainer  spise  uff  dem  wege, 
der  müsti  iu  billich  dur  die  minne  eren  die  er  uns  eröget  hat.  er  Iiat  uns 
gelan  daz  beste  klainet  das  ie  wart  oder  iemer  werden  mag,  daz  ist  sin  got- 
bait  uDtl  sin  mentscbhait  ond  sinen  hailgen  gaist.  der  liebi  und  der  gäbe  a 
sont  ir  Got  alle  tag  loben. 

Daz   dntte    daz    wir    uff  dem  weg   beduifent,    daz    ist   vrrMe.     won    swer 
ainen  langen  weg  sol  gan,   der  bedarf  wol  vrüden  und  kurtzwile,  daz  in  des 
weges  nit  verdrösse;  won  wil  er  verdrossenlicli  gan,  so  wirt  er  träge  uff  dem 
wege    [137"].      dar    an    sont    ir    merken    daz    ir    ünsrera    herren    vrölich    sont  10 
dienen  mit  singenne  und  mit  lesenn,    alz    der    wissag    spricbet:   'der    uff  dem 
wege  gat  ünsers  herren,  der  sol  vrölich  sin';  won  nach  disem  kurtzen  dienst, 
so  git  er    grossen  Ion    in  hymelriche.       es  wart  nie  dienst  so  wunneklich  uff 
ertrich  alz  Gotte  dienen  vr&lichen  mit  vrölichem  hertzen  und  mit  frigem  willen 
unbetwungenlichen;    da    mit  wachsent    dem    nientschen   allweg  tugent   und  zu-  lä 
versiht  der  hymelscheu  vröden.    swer  aber  mit  swärem  hertzen  tragklicb  Gotte 
dienet  ane  vrölich  züversiht,  der  mag  niemer  alz  lihteklich  und  alz  gelustklicli 
Gotte  dienen  alz  der  frilich  im  dienet;  dem  ist  alles  daz  vrölich  und  girlich 
daz  er  in  sim  dienst  tun  sol,     und  da  von  bedarf  der  mentsch  wol  der  den 
langen  weg  sol  gan  engegen  dem  hymelrich,  daz  er  vi'ölich  /lÜS'J  gange  und  M 
frilich  Gotte  dienegi.  daz  in  des  weges  nit  verdriessi. 

Daz  vierde  ist  schätz  in  dera  sekel,  daz  er  zerung  habe,  so  er  ze  herberg 
kome.  der  sekel  dar  inne  wir  zeiung  sont  han,  daz  ist  erbÄrmde  über  ain 
ieglichen  mentschen  der  in  arbaiten  ist.  den  solt  du  trösten  und  solt  im 
helfen  sin  arbait  tragen  alz  vil  und  du  mäht,  und  solt  Got  für  in  bitten,  25 
erbärmde  ist  ain  schrin  aller  tugend  und  aller  gflter  werch  du  der  mentsch 
tot,  daz  sol  er  alles  tiin  und  gehalten  in  der  erbärmde.  won  alz  man  gold 
und  Silber  und  edel  gestain  gehaltet  in  dem  schrine,  also  solt  du  mit  der 
erbännde  gehalten  alle  din  tugend.  unser  herre  sprach  zu  sinen  jungern: 
'ir  sont  erbarmhertzig  sin  alz  üwer  vatter  von  hymelrich  erbarmhertzig  ist'.  30 
wellent  wir  denne  ünsers  herren  kint  sin,  so  sont  wir  erbärmde  han  über 
alle  die  die  in  kumber  flSS']  oder  in  arbaiten  sint  an  dem  libe  oder  an  dem 


1.  uns  ü.  b.]  er  uns  6.         S.  minne  @reii]  groztm  m.  minnon 
lichii  sundiriiche  0.  7.  dritte  des  wir  G.  s.  uroide  G. 

in  vÜB  domini  G.  12.  sin]  singin  uf  dem  wege  G.  \S.  os — 
ir  ^me  singin  .  und  singin  .  got  zelobe  »n  zedieaiBte  .  Ir  valiint 
an  .  da  nil  ir  ivch  ewocliehe  iemir  urfiwen  Huint  .  inhimilriche  . 
got  Bingen  .  got  dienon  .  got  lobon  .  de  let  des  himilrichie  reht  . 


ff.  6.  alle  tag]  allir  ttege- 

11.  nach  sprichct]  Ut  cantent 
dienet]  Unde  danunbe  mugint 
nu  de  anbaht  ufj  die  kurzewil 
ivan  da  eniat  m'it  andire  .  wan 
swer  denne  nu  uroiliche  got 
ut  nie  enhain 


lobot  nf  crtriche  .  der  nahit  ine  an  .  de  er  inhimilricho  uolle  bringin  sol  . 
diDC  6.  14.  ala]  so  G.         vrilicfaen  fehlt  G.  und  mit]  und  rehtc  uon  G.  17.  und] 

noch  G.         18.  im]  got  G.        19.  sirol  goÜB  G.         20.  dem  fehlt  G.         25.  und  vor  dn  frhli  G. 
2T.  tön  und  fehlt  G.         SO.  vor  ir]  Estote  miaericordes  G.  erb.  ist  fehlt  ff. 


E 


11.  Fa.  137,  5.  30.  Iak.  6,  36. 


200 


b1.  Vuu  dem  unrebten  und  von  dem  rebten  weg. 


^^te,  von  siehtagen  oder  von  bekorung:  oder  von  belrfibde.  nnd  sont  üch 
über  die  erbarmen  die  in  höbet  siinden  sint;  die  enmngent  in  selben  nit  nütze 
an»  nnd  da  von  bedurfent  si  wol  daz  sich  gnt  lüt  über  sü  erbarment  und 
Got  für  SU  bittent.  swel  gut  mentsch  sus  nn  erbarmhertzig  ist,  so  es  kumet 
5  denne  an  daz  ende  sins  lebens,  so  koment  im  ällii  dii  wercli  der  erbArmde  ze 
trost  siner  sele    und  gend  ir  zerung  zi\  liymelriche. 


[53.  j  Vou  des  mentschen  halUkalt.  ^M 

[Hec  est  voluntas  Bei,  sanctificatio  vestra.J  ^^ 

'Gottes  wiUe  ist  üwer  hailikait*,  spricht  sant  Paulus. 
)  Daz  unser  hailkait  Gottes  wille  si,  daz  merkent  au  drin  dinpen. 

Daz  erst  ist  daz  er  uns  gehütet  daz  wir  hailig  sigint.  daz  daz  war  si, 
daz  liset  man  in  der  altan  e.  do  er  die  e  gab,  do  gab  er  in  6ch  du  zehen 
gebot,  und  gebot  in  daz  si  sü  behieltint;  nnd  swer  du  behaltet,  daz  ist  ain 
anvang  der  hai/i/iSÖ'/kait.  nnd  dar  an  so  sont  ii'  merken  daz  es  Grottes 
15  wille  ist  daz  wir  bailig  sigint;  won  swaz  ain  man  gehütet,  daz  ist  ain 
zaichen    sins  willen. 

Daz    ander   ist    daz    unser   herre    ratet    daz    wir  hailig   sigint.     intrüwen, 
des  habent  wir  Urkunde   an   niänger  lere   die  er  sine  junger  lerte;   won  aller 
sin  rat  und  sin  lere  gie  dar  uf  daz  si  hailig  wurdent  mit  rainnem  lebenn. 
20  Daz  di-itte  ist   daz  uns    unser  herre    hilfet    daz  wir  hailig  werdent.     nnd 

da  von  liset  man  in  dem  ewangelio  daz  unser  herre  sprach  zu  sinen  jungern: 
'ane  mich  mngent  ir  niht  gutes  getün*.  in  tnlwen,  sit  den  nieman  niht 
gutes  mag  getün  ane  sine  helfe,  ao  ist  daz  ain  gewäi-es  zaichen  sins  willen 
daz  wir  hailig  sigint,  daz  er  uns  selb  hilfet  daz  wir  hailig  werdent.  in- 
25  trüwen,  sit  es  denne  Gottes  wille  ist  daz  wir  nit  hailJge  mugent  werden  an 
sin   gnade,    so  sont  wir    unser  hertze  beraiten    daz  wir    die  gnade  värfläS']- 


1  f.  ivch  oucli  erb.  ö.  die  dio  G.  3.  siu  vil  wol  G.  4.  awol  —  6  hj'melriche]  Ain 

ieliclie  gute  mcQUcfae  so!  irbcrmde  hun  .  übir  alle  die  .  die  indebainir  not  sint  an  libe  aldir  an 
eele  .  vnd  ewa  ir  iemiin  zeetaton  mugiat  komen  .  de  eulnt  ir  tän  .  Swenne  der  mentsche  denne 
andc  ende  ktunit  .  einiB  lebinz  .  so  komint  xlliu  diu  werc  der  irbcrmde  .  der  sele  zetrostc  .  und 
gend  ir  zenini^e  zedem  himilricho  .  Ynde  alle  die  .  übir  die  du  Irbenodo  best  gehebit  .  die  irbar- 
ment  eicb  denne  äbir  dich  .  und  bittent  got .  de  er  sieb  übir  dich  irbnnne  .  de  ist  diu  zernage  .  die 
der  mentecho  denne  sol  saminon  .  indiun*  libe  .  de  er  zenitige  habe  zehimibiclie  G,  Z  mit  dem 
Zusatt:  des  helfe  tds  got  amen,  7.  ifberm-hrift  fehlt  G,  Dise  wort  spriehit  sant  Paulus  (rot)  Z. 

8.  Der  lat.  Text  fehlt  A.  9.  ifor  Goltea]  Disiv  worl  spriehit  sant  paulus  OZ.        spr.  8.  P. 

fehlt  G  Z.  10.  unser  —  si]  gotis  wille  sie  .  de  wir  hailic  aien  G.  12.  do  er]  Do  ßnsir  herre  O. 
ßch  fehlt  G.  13.  de  s!v  uch  hieltin  G.  U.  hai/kait  A.         so  fehlt  O.        ea  fehlt  G. 

15.  ist)  tio  G.        der  maji  G.        16.  d>&  ^  [orte  fehlt  A.        21.  dem  hailigiu  ev.  G.        spiiuhit  &. 

25.  denne  fehlt  G.         nit]  bailic  werden  sin  .  unde  onch  wir  niemir  G.  J8f.  die  —  en- 

pfahent]  der  g.  wtrdik  sien  zcenpfahinno  G. 

-.  Die  Fredigt  findet  »ich  in  G  Bl.  55*;  Z  Bl.  6S<';  H  A'r.  11;  fehlt  in  den  übrigen  Sta. 
CMruckt  nach  Z  bei  Wackemagel  8. 119lf.  8.  I.  Theas.  4,  3.         22.  Joan.  15,  S. 


1 


53.  Von  des  mentschen  hailikak.  201 

deklich  enphahent.  so  git  er  uns  die  gnade  und  hilfet  uns  daz  wir  hailig 
werdent 

Sit  wir  nu  urkund  haut  daz  Gottes  wille  ist  unser  hailkait,  so  sont  wir 
sehen  wa  mit  wir  hailig  werdent.     daz   ist   mit   zwain  dingen:    daz  wir  daz 
übel  lassint   und  daz  gut  t&gint.     und  da  von  sprichet   der  wissage:   "ir  sont  5 
ach  naigen  von  dem  Übeln  und  daz  gut  tän,  so  werdent  ir  hailig'. 

Nu  merkent  zem  ersten  waz  daz  Abel  si,  da  von  sich  du  sei  sol  naigen, 
e  si  hailig  mag  werden,  da  von  schribet  sant  Augustinus  in  dem  buche  da 
er  schribet  von  der  sei  michli,  da  schribet  er  fünf  übel  von  den  sich  du  sele 
naigen  sol   und  von  den  si  mäss  gerainnet  werden,   e  daz  si  hailig  mug  sin.  lo 

Daz  erst  übel  ist  du  sünde.  da  von  spricht  sant  Peter:  'ir  sont  üwer 
hende  rainnen  von  dem  Übeln',  bi  den  henden  sint  üwrü  werch  bezaichent, 
reht  alz  er  spräche:  'ir  sont  üwrü  werch  rain/i-857nen  von  dem  Übeln*,  nu 
wissent  ir  wol  daz  ällü  rainkait  von  Gotte  kumet,  und  enmag  nieman  nit 
gfites  gedenken  noch  gesprechen  noch  getün  an  sin  gnade,  intrüwen,  es  ist  15 
war  daz  Got  die  gnade  und  die  rainkait  müss  geben,  er  engit  si  aber  niena 
won  in  daz  raine  berait  hertze.  swenn  der  mentsch  tut  daz  er  tun  sol,  so 
tÄt  och  unser  herre  daz  er  tun  sol.  her  Salomon  sprichet:  'es  ist  des  ment- 
schen reht  daz  es  sin  hertz  beraiti'.  intrüwen,  swenn  daz  geschiht,  so  git 
unser  herre  die  gnade,  sant  Jacob  spricht  daz  Got  si  ain  geber  aller  gnade.  20 
und  da  von  sprichet  unser  herre:  'ich  wil  ain  wasser  uff  üch  giessen,  daz 
sol  üch  rainnen  von  üwren  Sünden',  so  denn  du  sele  gerainnet  wirt,  so  hat 
si  ain  übel  vertriben,  daz  si  ierret  irre  hailkait. 

Daz  ander  übel  ist  ain  vinstri  des  [129^]  ierrans.  entrüwen,  du  solt 
entlühtet  werden  mit  guter  lere  und  mit  gutem  rate,  daz  ist  also:  swa  25 
der  mentsch  dekainen  zwivel  oder  dekainen  ierrat  hat,  dar  us  er  sich  niht 
wol  kan  gerihten,  dez  sol  er  wise  lüt  fragen  und  sol  och  denn  ir  lere  und 
irem  rate  nach  volgen;  won  swer  gfiter  lere  und  rehtem  rat  nit  nach  volget 
und  alles  nach  sins  hertzen  ainrihti  wil  varen,  der  mag  wol  verierran.  nu 
sint  etlich  lüte  alz  ainrihtig  daz  si  alles  nach  iren  sinnen  wellent  leben,  und  so 
dunket  sü  alles  ir  ding  und  ir  sin  besser  denn  anderr  lüte.  intrüwen,  die 
mugent  wol  vallen  in  die  vinstri  des  ierrens.  swer  aber  gerainnet  wil  werden 
von  der  vinstri  (alz  sant  Augustinus   spricht    daz  wir  da  von  gerainnet  müs- 

1.  er  uns]  Vns  ünsir  heire  G,         4.  werdent  d.  ist]  soln  werdin  .  Entrüwan  de  sun  wir  G. 

5.  vor  ir]  Dedina  a  malo  etc.  G,  6.  daz  g.  tun]  sunt  tun  de  gut  G.  8/*.  in  dem  — 

schribet  fehlt  A.  10.  daz  fehlt  G,  11.  l.  s.  Jacob.  12.  üwrü]  du  G.  18.  v.  d.  Übeln] 
vor  boisen  werkin  .  ufi  sunt  ivwerü  berzin  raine  uon  übelen  gedenkin  G,  15.  es]  de  G, 

17.  raine  fMt  G.  herze  .  swa  er  sihit  de  daz  herze  ist  berait .  da  güzzit  er  sine  (s.  genade  Z) 

in  G.  IS.  her  fehlt  G,  20.  si]  ist  G.  21.  unser  h.]  der  hailic  gaist  G.  22.  uon  aUen 
ivweni  G,  24.  übel  fehlt  G,  du  s.]  diu  vinstri  sol  Cr.  27.  dz  A.  28.  won]  de  er  in  der 
uinstri  des  irrodis  nüt  uirierrete  .  Unde  G,         gtüm  rat  ufi  rehtir  lere  G,         29.  nach]  in  G, 

bf  Ps.  36,  27.  11.  Joe  4,  8.  18.  Frov,  16,  L         20.  Jac.  4,  6.         21.  Ez.  36,  25, 


53.  VoD  des  mentschon  bailikait 


r 


sint  werden  e  daz  wir  hailig  mugent  werden),  der  sol  sich  demütigen,  daz  er 
aim  andeiTi  gelobe,  dem  er  geloben  sol.  me  denn  im  selben,  und  swer  daz 
tfit,  der  Wirt  erlühtet  [129']  an  relitem  glöben.  sit  uns  nu  sant  Augustinus 
seit    daz   wir    e    niht    hailig   mugent    werden    e    wir    uns   ge.schaident  von  der 

j  vinstri  des  ierrens,  so  sont  wir  ünsern  globen  erlübten,  und  sont  den  baz 
geloben  den  wir  geloben  sont  und  die  wiser  sint  und  witziger  baidü  von  na- 
ture  und  von  kiinsten,  denn  uns  selben. 

Daz    dritte    übel    ist    des    tüvels    välscbil    bildung;    wen    dar   an   mag  si 
der   reht  mentsche    liht  missehöten.     der    tuvel    ist  wunder  kündig,     er  nii 

I)  etwenn  ains  engeis  bilde  an  sich  und  erschinnet  dem  mentschen,  daz  er 
wannet  er  si  Gottes  engel.  und  disü  erschinunge  bescbiht  baidü  uswendig 
und  inwendig,  man  liset  von  aim,  dem  erschain  er  also  wunnecliche  us- 
wendig  alz  ain  engel,  und  wände  er  daz  in  Got  zu  im  lietti  gesent,  daz 
er  enwiste   wie  er  leben  solt    nach  Gottes  willen;    und    lerte  den  selben  man 

B  daz  er  vil  gewacheti  und  vasteti  und  daz  er  niemer  [129'']  gerüweti  untz 
er  sich  selben  verdarbti;  und  ze  jungst  do  verierret  er  in,  daz  er  im 
ze  tail  wart,  in  trüwen,  daz  geschiht  noch  dike  daz  der  tüvel  mÄngen 
mentschen  ratet  gütü  ding,  daz  er  wannet  daz  es  gar  gut  si;  und  so  er 
im    gevolget    untz    an    daz    ende    des    dinges,    so    bestriket    er    in    denne    mit 

I)  dem  Übeln,  er  ist  so  kündig  daz  er  es  im  alz  gät  machet  daz  der 
mentsch  enhain  ding  daz  schädlich  si,  dar  an  kan  versehen;  und  alz  er  es 
an  daz  ende  bringet,  so  wirt  er  denne  erst  gewar  daz  er  verraten  ist.  und 
also  erschinnet  er  öch  der  sele  inwendig  mit  valscher  güti,  und  ratet  dem 
mentschen    daz    er    vil    bettegi    und    venie    und    disciplin    neme    und    li'itzel 

B  schiäffe  und  vil  gewacbe  und  sich  gantzlich  arbaite  in  Gottes  dienste.  und 
gedenket  der  mentsche  denne:  wie?  wannest  du  alsus  gemächlich  ze  hymel- 
rich  komen?  nit!  [130°]  du  solt  anders  dar  zu  sehen;  du  solt  dim  libe 
dekaines  gemaches  gestatten:  unser  herre  lait  doch  den  tot  durch  dich;  und 
soltest   du  denne  gemach    han,    daz  wäre    dir    grßssü   siinde.     dis  wAnnet  der 

0  mentsche  daz  es  von  dem  haiigen  gaist  kome,  und  volget  alz  hin  nach  in 
ainvattkait  untz  daz  er  ze  jungst  betrogen  wirt.  in  trüwen,  mit  susgetaner 
güti  verlaitet  er  mängen  mentiwhen  daz  er  daz  gl.^tlich  lieht  niemer  be- 
schowet  und  da  von  bedurfent  wir  vil  wnnder  wol  daz  wir  uns  von  dem 
Übeln  naigent. 

I.  e  daz]  f  6.        der  mentsche  boI  O.        2.  endime  baz  geloube  .  denne  er  oach  g. 
i.  a.  O.  7.  nfi  oach  aon  knnst  G.  S.  i'ibil  iat  da  uon  wir  mAziii  gerainit  werdin  .  £ 

hailic  mugin  werdin  .  de  ist  G.  wonj  Entniwan  G.  9.  rebt  fehlt  G.  vil  übte  m.  Win 
der  t  O,         111/".  mentadim  ctbweime  .  de  er  w.  de  er  g.  e.  sie  G.         Mf.  wunn.  dsw.]  iiiw«o«< 


sMI^I 


dig  A,  wnnediche  O. 
de  or  B,  g.  gar  uirdsrpö  G.  16.  ulrriet  G. 

fdiit  Q.  SI.  enhain  —  Bij  enhaine  eebadin  G. 

arbalt  Q.         26.  denne  wie)  wO  Q.  28.  niemi 

30.  cz  rebt  ui  G.        atz  hin]  alliz  G.        inaiiii 
werden  G. 


r  niemer  nadtfrägtich  eingefügt  A.        löf. 
19.  in  dcnnc)  dem  menteehln  G.  20.  im 

25.  wache  .  ufi  vil  genaste  u.  a.  grozliebe 
enhainis  G.  29.  denne  dehaio  gemach  G. 

G.        33  f.  ftuB  —  naigent]  uon  d.  G.  gerainit 


^H  53.  Von  des  mentachen  hailiksit  203 

Daz  Tierde  übel  ist  ain  trugenlich  eben  masse  der  creature  ze  Glotte. 
also  liset  man  von  den  wisen  haiden,  die  sahent  nit  won  an  sinen  gewalt, 
und  wollen  dai  heicären  mit  sinem  gewalt  daz  Got  nit  mentsch  möht  werden, 
si  abtetent  daz  er  gewalteklichen  hymelrich  und  ertlich  hetti  geschaffen  und 
alle  creataren,  und  sprechent  also:  als  un/'i-SOymnglich  daz  ist  daz  ain  zim-  5 
berman  werde  sin  selbes  werch,  als  unmuglicb  ist  öch  daz  Got  du  creatur 
werde  die  er  selb  geschaffen  hat.  und  da  mit  gabent  si  ain  trugenüch  eben 
masse  der  creatur  ze  Gotte,  und  woltent  da  mit  bewärren  daz  Got  nit  mentsch 
möht  werden;  won  si  sahent  nit  won  an  sin  gewalt  und  eikandent  siner 
güti  nit,  du  in  twang  daz  er  mentsch  wart  durch  lins.  sit  wir  nu  gesehen  lo 
hant  daz  die  haiden  mit  trugenlicher  masse  verierret  sint,  so  sont  wir  uns 
da  vor  behilten.  wir  sont  nit  allain  sin  gewalt  an  sehen,  wir  sont  och  er- 
kennen sin  wishait  und  sin  göti,  du  in  des  betwang  daz  er  mentschlich  natur 
an  sich  nam  durch  uns.  daz  ist  vil  war,  mentschlich  nature  ist  harte  un- 
edel und  widerzäme  gütlicher  nature,  aber  sin  giUi  waz  alz  grOz  daz  si  I5 
ungelichü  ding  zesamen  fögte. 

Daz  fünfte  übel  ist  girde  weltlicher  richait.  und  da  von  sprichet  {130  "^J 
der  wissag:  ■dii  weit  ist  glich  ainem  valle'.  ir  wissent  wol,  so  man  ain  böm 
wil  vellen,  so  schrient  die  liite:  fliehent!  fliehent!  daz  öch  der  val  iht  be- 
grife,  ze  glicher  wis  ist  dii  weit  ain  val,  und  schriet  Got  und  du  schrift  20 
Aliü:  fliehent!  fliehent  Ailn  bald  von  der  weit,  ald  si  erschleht  üch  zft  dem 
ewigen  tode !  alle  die  in  disem  valle  verendent ,  die  mflssent  iemer  buwen 
daz  hellesche  rieh  mit  grosser  arbait.  und  da  von  sont  wir  uns  ziehen 
von  weltlicher  girde,    alz  uns  sant  Augustinus  leret. 

Und  sit  wir  niemer  hailig  mugent  werden  e  daz  wir  gerainnet  werdent  25 
von  disen  fünf  Übeln,  so  sont  wir  allen  ünsern  fliss  dar  zu  keren  daz  wir 
gerainnet  werdent  zem  ersten  von  den  sünden;  won  alz  du  mur  schaidet  daz 
dishalb  und  enhaTb  ist,  also  schaidet  du  sünde  Got  und  die  sele.  dar  nach 
sont  wir  uns  och  rainnen  von  der  vinstri  des  ierrens,  du  ist  bezaichent  bi 
dem  wölken  1130"/;  won  alz  der  bedeket  der  sunnen  schin  und  ir  lieht,  so 
also  bedeket  du  sünde  die  gnade  des  hymelriches,  daz  der  mentsch  ir  nit 
gesehen  noch  enphahen  mag.  wir  sont  uns  rainnen  von  der  glichi  der  bildung 
des  tüvels.     wir  sont    uns    öch   rainnen    von   der  trugenlichen    eben  müsse  der 

3.  n.  w.  d.  m.  B.  ^w.  bew.  G,  fehlt  A.  7.  selb  fehlt  G.  8.  die  AQZ.         9.  »an 

Binen  g.  an  O.  10.  üds|  den  mentschin  .  Incnivon  6.  M.  uns]  iiDsir  irlolBunge  G.         vil 

feklf  G.  15.  Dfi  harte  w.  G.  17.  ist .  de  wir  lazin  sulne  .  S  wir  baiüc  werdin  .  die  girde  G. 

19.  nidir  uellin  ö.         21.  ald  fehttG.         23/".  wir  — girde]  ir  ivch  z.  an  rainö  nri  der  «elte- 
lidiir  richait  Ö.  25.  daz  fehlt  G.  27.  waa  zp  glichir  wiao  als  G.  2§.  der  balp  du 

disehalp  ist  G.         enbab  Ä.         dar  nach  fehlt  G.         29,  wir  s.  d.  o.  rainen  G.         30.  der]  de 
wölke  6.  31.  efmde  —  byrnelriches]  vinstri  des  ierrodia  die  himilscbaD  gnade  G.         32.  Ana] 

üuch  ö.         as.  des  tüvelB]  alsc  der  tieuil  dem  mentschin  uir  laitit .  de  er  de  gotüche  Uehl  niemir 
bescbowet  6.         fins  fehlt  G. 


204 


J3.  Von  des  nientwben  hailikait. 


.  geschäft«  zii  aim  schepber.  wir  sont  uns  rainnen  von  der  girde  weltlich«" 
richait.  so  wir  von  disen  fünf  Übeln  geraint  werdent,  so  sint  wir  bailig, 
und    sont   dennoht    hailger    werden. 

Sant   Johansen    dem    erschain    ain    engel,    do    er    waz    in   der   tögni,   und 
5  sprach:  'schrib,  Johannes:    die  da  haiiig    sint,   die  sont    noch   hailger  werden.' 
nu  sont  ir  merken:    drier  hant  gedank  die  machent  die  sele  haüig. 

Der  erst  ist  ain  gedank  den  iins  betütet  ain  hailger  lerer,  und  spricht 
daz  ain  ieglich  gedank  von  Gotte  machet  die  sele  liailig.  mfldl'Jtruvfea 
dar  an  sont   ir  merken:    alz  vil  der  gedank  an   Got  ist,    alz  vil  wirt  du  sei 

10  haiiig.  laider  na  ist  daz  hertze  so  wilde  und  der  gedank  so  witswaifig  daz 
unser  hertze  selten  mit  Got  ist.  und  so  der  mentscli  ietz  wAnt  daz  er  sin 
hertz  bi  im  habe,  so  hat  es  die  weit  nmb  swaifet,  nu  hin  liber  mer,  nu  her 
wider,  und  ist  so  wilde  daz  es  nieiner  kan  gei'üwen.  so  man  die  metti  an 
vahet  und  der  mentscli  sin  liertz  uf  hebet  zu  Gotte,  e  er   iemer    ainen    vers 

!5  gesprechi,  so  ist  es  enweg  und  swaifet  denn  allumb  die  weit,  und  ist  gerait 
unz  an  die  laus  metti  e  es  iemer  wider  an  Got  gedenki.  und  so  der  mentscb 
an  sin  gebet  kuut  und  er  sin  hertz  an  Got  gesetzet,  e  er  denne  iemer 
gespreche  Pater  noster,  du  zwai  wort,  so  ist  aber  daz  hertz  entrunnen  in  die 
witswaifi.     daz    gebet    machet    nüt    die    sei    bailig    won    alz    vil    der    gedank 

20  an  Gotte  ist.  /131''/  die  lüte  die  mit  ir  hertzen  Got  unhainlich  sint,  die 
mugent  des  wol  fürhten  daz  si  der  hj'melschen  haiulichi  mit  Gotte  werdent 
verschalten;  und  sol  dar  umbe  doch  nieman  verzagen,  sant  Paulus  sprichet 
ain  troschlich  wort  daz  dii  schoss  der  wilden  gedenke  der  sele  nit  vil  scha- 
den   tfiut    alle   die   wile    untz    es    dem    mentschen    laid    ist    und    in    widerstat. 

^5  in  trüwen,  wie  kurtz  der  gedank  an  Got  ist,  so  ist  er  doch  ain  anvang  der 
silssekait.  da  von  sprichet  her  Salomon  von  den  bynlin,  daz  hat  ainen 
kurtzen  llug  und  ist  doch  ain  anvang  der  süssekait.  ze  glicher  wis  ist  och 
der  gedank:  swie  er  zem  erst  unstÄt  witswaifet  und  wild  ist,  so  ist  er  doch 
ain  anvang  der  süssekait. 

Äi  Der  ander  gedank  der  die  sele  haiiig  machet,    daz  ist  der  fliss,    daz  der 

mentsch  allweg  in  dem  fliss  si.  alz  dik  so  im  sin  hertze  entrinnet  in  die 
witswaifi  dirre  weit,  so  sol  er  mit  flissendem  gedank  {131']  daz  hertze 
wider  bringen  ze  Gotte,    und  an  Got  betrahten    sinen    gewalt,    daz  er  hymel- 


1.  aim]  dem  G.         vdb  ouch  r.  G.         2.  wU  A         9.  wiit  ouch  G.         11.  w  fehlt  A. 
13.  wilde)  wildir  wit  swaifi  G.  IB.  bt  denne  gerait  G.  16.  mentsch  fchll  G.  18.  dö 

Kwai]  de  aine  G.  19.  Intrüwr.  de  gebet  6.  hailicj  sielic  ö.  20.  ir  —  eint]  ünsiime 

lierrin  alec  unhainlich  sint  rait  ir  bcrzin  O.  24.  widirslat  .  ufi  de  herze  uon  wit  sweß  an  got 

wiifit  6.  25.  doch  fehlt  G.  26.  her  ffhlt  G.  den  bynlin]  aiin?  aogil  der  hairii  der 

bin  G.  27.  ain  fehlt  G.         26.  wilaw.  u.  w.]  un  wit  swaife  G.  er  doch]  doch  Ä,  er  O. 

S2.   Bo  —  gedank]  mit  ulierainden  gedanbe  .  de  ee  denne  GZ.         tlissea  dem,  abgeaeUt 
Ktgen  äna  Loeht»  im  Pergament  A.  SS),   vn  Bül  a.  g.  b.  G. 


6.  Apoc.  2'J,  11.  13  u.  16.  melti  ts(  da»  kirchliche  Breviergebet  der  ^atutitt.  laus  i 

der  Landes.  23,  vgl.  oben  S.  37  Z.  29  f.  26,  BcA\.  11,  3. 


i  da» 


58.  Von  des  mentschen  bailikait  205 

rieh  und  ertrich  und  alle  creature  hat  geschaffen  von  nüti ,  und  daz  er  mit 
sim  gewalt  ällü  ding  hat  geordnet  ieglichs  nach  siner  rehten  ordnang.  und 
sol  denne  betrahten  sin  gftti,  du  in  betwang  daz  er  in  dis  weit  kam  Ans  ze 
ainem  löser.  intrüwen;  swenne  der  mentsche  in  sölicher  betrahtung  flissek- 
lich  bestäty  daz  mfiss  mit  grosser  arbait  beschehen  und  müss  vil  sere  über  5 
den  lip  gän;  swer  in  disem  flisse  ze  allen  ziten  sin  betrahtung  flisseklichen 
bestät^  daz  müss  mit  grosser  arbait  beschehen,  und  nach  dem  flisse  enphahet 
dö  sele  götlich  s&skait  da  von  sprichet  der  wissag:  'ich  gedaht  an  Got  und 
kam  des  uberain  daz  ich  niemer  wil  erwinden  e  ich  kum  in  sine  jüngsten 
hainlichi'.  intruwen,  im  waz  da  naiswaz  widervaren  dar  nach  im  also  not  lo 
wart  er  sprichet  aber  daz  er  sich  [13 1"^]  vil  wunder  sere  dar  nach  müste 
arbaiten  mit  dem  flisse,  denn  wirt  du  sele  süsseklichen  getröstet,  und  der 
fliss  machet  die  sele  hailig. 

Der  drit  gedank  ist  ain  frigü  durch  gesiht,  du  mit  wundrung  wirt  ge- 
henket in  den  Spiegel  der  wishait.  daz  er  sprichet  *fn',  dar  an  sont  ir  mer-  15 
ken  daz  der  gaist  reht  fri  müss  sin  von  allem  kumber,  und  sol  also  fri  sin 
daz  er  nit  betrübet  werde  von  des  libes  nature,  won  da  müss  aintweders 
sin:  daz  des  libes  nature  reht  tot  si,  daz  der  gaist  von  im  niemer  werde  be- 
trübet, oder  daz  aber  der  gaist  alz  stark  si  daz  er  niht  ahte  uff  des  libes 
krankait  swenn  daz  geschiht,  so  ist  der  gaist  fri.  dar  nach  gat  du  durch  20 
gesiht  y  daz  ist  also  daz  denn  der  gaist  in  der  girde  beschowet  den  Spiegel 
der  wisshait;  daz  ist  ain  friü  durgesiht:  so  der  lip  den  gaist  nit  betrüben 
mag,  so  hebet  er  sich  denne  über  ällü  ding  du  [132'']  under  Got  sint,  und 
beschowet  denne  an  im  sin  gewalt,  sin  wisshait,  sin  güti,  sin  schöni,  yröd 
und  ewekait,  und  wirt  mit  wundrung  gehenket  in  den  spiegel  der  wisshait,  25 
und  wundret  sich  sins  grossen  gewaltes,  sin  tüffen  wisshait  und  siner  un- 
zallicher  güti,  daz  si  der  so  vil  an  im  vindet  und  des  noch  tusentstund  me 
ist,  des  si  vor  vili  nüt  begrifen  mag  und  ir  der  gebrest  nit  we  tut.  mit 
der  wundrung  wirt  der  gaist  erhangen  in   den  götlichen   spiegel. 


1  f.  daz  —  gewalt]  sol  denne  betrahton  den  gewalt  {l,  diu  wishait)  .  de  er  mit  siner  wis- 
hait Q,  2.  Statt  sim  gewalt  würde  man  aus  theolog.  Gründen  siner  wishait  erwarten,  geord. 
nnde  ielichiz  in  sinir  G,  4.  irlAsere  .  Indise  (An  d.  Z)  betrahtunge  sol  der  mentsche  allin  sinen 
vliz  kerin  .  de  sin  herze  allewege  an  got  betrahte  G.  Af.  sAlicher  —  bestAt]  disim  yliz  vi.  stat  G. 
6/*.  flisseklichen  —  beschehen]  an  got  lait  G.  8.  s.  die  gotlichon  Cr.  vor  ich]  Donec  in- 
trem  etc.  G,  11.  nach  wart]  de  er  §  niemir  wolti  irwindin  .  ^  er  kAme  indie  jungestnn  hailkait 
gotiB  G,  11  /*.  dar  —  denn]  mfiz  arbaitin  .  ^  er  zeder  hailkait  kaeme  .  üfl  darombe  so)  sol  sich 
der  mentsche  arbaitin .  mit  dem  ulize  der  betrahtunge  .  wan  nah  der  arbait  G.  14.  gedanc  de 
ist  G,  15.  daz  er  spr.]  Nu  merkint  diu  wort  .  ain  vriv  durhgesiht  G.  17.  da]  der  G. 

18.  si  od'  dz  AG.  20.  gaist]  mentsch  G.  28.  er  s.  d.]  sich  der  gaist  G,  24.  im  — schftni] 
got  den  g.  ufl  die  w.  ufi  g.  ufi  schonhait  G.  26.  sin]  sinir  G.  27.  daz  —  vindet]  und  wnderot 
rieh  de  si  so  uil  gAti  ufi  wishait .  an  im  het  begriffin  G,       29.  g.  spiegel]  spiegil  der  wishait  G, 

8.  Ps,  72, 17. 


I       206  ^!l■  Von  deB  mestBclien  hailiknit  ^^^^^^^1 

Nu  spricht  saut  Bernhart  von  vier  beschöwden  die  du  ael  an  Glot  be- 
schowen  sol. 

Du  erst  besch^wde  ist  sin  gerihte.  daz  sol  man  an  den  dingen  beschowen 
daz  er  aim  kindlin  hymelrich  git,  so  es  erst  geboren  und  getöffet  wirt.  ane 
5  dienst  und  ane  aller  schichte  arbait;  und  ain  andern,  der  liht  vierzig  jare 
Got  hat  gedienel  mit  ar/75ä°7baiten,  die  vallent  an  iren  jüngsten  standen  und 
werdent  verlorn,  öcb  gescliiht  daz  vil  daz  mänger  sin  tage  ain  grosser 
siinder  ist  gewesen,  und  an  sira  ende  git  im  Got  also  grosse  rüwe  daz  er 
behalten   wirt.     dis  ist  alles   ünsers   herren   tögenlich   geriht.     diso   bescböwde 

Kl  wirt  an  gevangen  in  vorhte  und  wlrt  geübet  mit  lobe  und  wirt  vollebraht 
mit  wishait  und  wirt  behalten  in  der  demütkait. 

Du  ander  beschöwde  ist  an  Gottes  gvtti,  daz  der  mentsch  sol  beschowen 
alles  daz  im  Got  ze  gut  hat  getan,  und  du  beschöwde  raitzet  in  zi1  Gotte; 
won    enkain    mentsch    ist   dem    Got    so   liitzel  gfltes    hab    getan,    und  erkanti 

15  daz  rehte,  es  miisti  in  niinuen  von  allem  hertzen.  da  von  sprichet  der 
wissag:  'herre,  wie  sol  ich  dir  gedanken  der  gnaden  iemer  die  du  mir  hast 
getan ? '  her  Job  sprichet :  'herre,  ich  enmag  dir  niemer  vergelten  daz  du 
mir  gegeben  hast,  [133']  engegen  tusenden  so  enhab  ich  dir  nit  ains  ze 
geltenn'.    uu  sehent,  der  waz  ain  rieh  man    und    hatte    groz    gfit    und    hatte 

20  doch  wider  tusenden  ains  nit  ze  gebenn! 

Dil  dritte  beschöwde  ist  züversiht  des  lones,  dii  bringet  stät«  öbnng  der 
tugend.  da  von  sprichet  sant  Jeronimus;  'du  zftversiht  dez  lones  machet  die 
bittnm  arbait  sftsse  und  die  swÄren  burdi  liht'.  intrüwen,  swer  denn  kuni 
arbaitet,    der   gange    in  dis  beschöwde,    da  wirt  er  getröstet  von  dem  süssen 

25  lone  der  nach  der  arbait  gat. 

DA  vierde  beschöwde  ist  dö  hoch  magenkraft.  da  sol  du  sei  betrahten 
wie  alle  engel,  Patriarchen,  propheten,  zwelfbotten,  martrer,  bihter,  mAgde 
und  alles  hymelschez  her  ieglichs  sinen  sundrigen  Ion  und  vröde  hat  an  der 
magenkraft.     in    dirre  beschöwde   sol    dii   sele   gan   von    aim    zfi    dem  andern 

30  und  sol  beschowen  wie  der  engel  ist  geschaiden  von  [132"]  dem  mentschen, 
der  meutsch  von  dem  engel,  dii  magt  von  der  witwen,  der  martrer  von  dem 
bihter,  die  b;vschof  von  den  martrern,  und  ist  iegliches  sunderlich  gesundret 
mit  sim  sunderlichen  lone  nach  sinen  werchen,  und  hant  doch  alle  ain  ge- 
mainen Ion.    denn  sol  du  sele  betrahten  wie  unser  hen'e  aim  ieglichen    engel, 


1.  spricht]  Bchribit  G.  3.  boI  mui]  ai 
6/'.  der  nallit  a.  siDir  j.  stunde  a.  ivirt  i 
13.  und  fehlt  G.  14.  gfltes]  gnador 

m  h.  Q.  17.  Also  Bp'chit  h.  J.  G. 


st  ir  G.         dem  dinge  G.  4.  de  bimjlriche  G. 

.  G.         7.  alle  Bine  tage  G.         S.  gewesen  fehlt  G. 
G.  15.  dazl  ez  8i  e.  in]  got  G.  alli 

Ib.  taainden  die  du  mir  best  getan  .  so  G. 


IS  f.  ze  g,]  geltcnn  A.  ze  gebinno  G.  21.  b.  de  ist  G,  eheneo  21).  27.  engil .  die  p.  die  pr. 
die  zw.  und  alle  m.  ufi  die  rain(>  insegedo  G.  28.  ünf  Ion  .  v&  sine  Hundirliche  vr,  het  .  a.  d. 
groznn  G.         S2.  die]  der  G.         dem  martiror  G. 


16.  P».  115, 13. 


l.  oben  S.  197  Z.  15.         26  f.  vgl.  unten  S.  21S  Z.lSf, 


i 


58.  Von  dea  meotscheii  hailikait. 


ao7 


ieg^Hcher  sele  gemasset  und  bescliaiden  hat  sunderlichen  Ion  in  g:einainein  Ion 
an  der  hohen  magenkraft.  und  daz  sont  ir  wissen  daz  da  enkain  sundrung 
noch  enkain  schidang  ist,  won  an  dem  lone  daz  da  ain  ieglich  mentsch  Ion 
enphahet  nach  sinen  werchen.  da  ist  der  engel  bi  dem  mentschen,  da  gat 
it  Witwe  zu  der  mägde,  die  martrer  zu  den  bihtern,  und  alles  hjhnelsches  5 
her  gand  alle  zu  enander  und  under  enander,  swie  si  went  oder  swie  aü 
lustet;  da  ist  enkain  sundrung,  [133']  won  swer  Got  aller  serest  hat  ge- 
minnet,  der  siht  in  dort  aller  luterlicliost.  dis  beschöwde  bringt  der  sele 
girde  nach  der  hymelschen  vröde.  da  von  spricht  sant  Änshelm:  'o  vil 
hailgü  angesifat,  du  bist  ain  völlü  fdi-  und  ain  obrostü  wolnust  und  ain  lO  | 
vollkomnii  girde*.  intrAwen,  nu  mag  du  sele  nit  allweg  in  der  beschöwde 
sin.  si  müss  och  her  nider  varen  in  die  helle  und  da  beschowen  ünsers 
herren  rehtekait  an  der  quäle  und  an  der  not  der  armen  sele,  und  sol  er- 
birmde  der  über  han.  denn  sol  si  beschowen  alle  creature  und  so!  erkennen 
daz  äJIii  ding  von  Got  sint  und  wie  Got  an  allen  dingen  ist,  und  in  dirr  16  | 
beschöwde  sol  si  Got  loben  und  erkennen  an  aller  creature. 

»[54.]  Von  galsehlletaem  leben. 
[lila   aulem  que  surmni   est  Jhenisalem ,    libera  est,    que  est   mater  nostra] 
'Jherusalem,  du  da  obnan  lit,  dii    da  fry  ist,  du  ist  unser  müter',  spricht 
sant  Paulus.  3 

Dis  ist  gespro/i^J'/chen  vo7i  der  himelschen  Jherusalem;  und  sint  vier 
ding  dar  an.  daz  erst  ist  daz  si  hoch  lit,  und  da  von  ist  si  sicher;  daz 
ander  ist  daz  si  fridbai-  ist;  daz  dritte  daz  si  fry  ist;  daz  vierde  daz  si 
unser  müter  ist.  da  bi  merkent  minne,  won  daz  ist  von  nature  daz  du 
müter  minnen  müz,  si  welle  oder  enwelle.  und  an  den  werten  merkent  wir  26 
daz   och   minne   da   ist  zä  der  hj'melschen   Jherusalem.      wir  mugent    es  dar 


t.  uz  geechaidiu  G.  gemainS  A.  3.  cakaiii  fehlt  G.  6.  zd  e.  u.  fehlt  G.  7.  eermt] 
krefUlichiBt  G.  8.  in  d*rt]  got  G.  9.  sanC  fehlt  G.  10.  w,  Uli  bist  ain  ff.  11.  girde  . 
0  girlicMz  antlöte  .  uö  vrolicbiu  girde  6.        der]  dirre  ff.  12.  beUe  ug  mfiz  da  ff.         13.  sol 

der  menteche  erb.  ff.        14.  eul  sil  boICd  ff,  ebenso  16.        solt  crk,  ff.        Ib.  an]  in  ff.        ist .  v!i 
wie  iellfl  dine  von  got  geulozzin  amt  .  und  euch  widir  zu  im  vliezint  nfl  ff.  16.  und  —  crea- 

ture] an  allir  creature  .  uad  aoll  got  irlsenni  an  allen  dingin  ff,   dnrauf  Z:   de  wir  de  Bcbowen 
werden  dez  helfe  vna  got  amen.  n.  Überschrifl  fehlt  ff  WN,  Dia  sprichit  eanto  paulus  (rot)  Z, 

Des  snndagcs  120  halff  vasten  Phill.         IS.  Der  lat.  Text  fehUA.         In  illa  GZ.  19.  Alsus 


aprichit  aanctus  panlus  .  Jh.  GZ.  19/:  apr.  s.  P,  fehlt  GZ. 

d.  h.  fehlt  A.         21  f  und  —  dar  an]  Nu  merkint  vier  dinc  GZ. 
in  de  G.         26.  mfltir  ir  kint  m.  ff,  dem  wone  ff. 


21.  Diz  wot 
23.  dritte  ii 


t  GZ. 


n.  Bat  SWdt  findet  »ich  in  ff  BIS?'-,  ZBIG?",  BNr.lS,  W Bl.lOl,  S  Bl.105'.  Phill. 
BII34I';  fehlt  Arundel.  —  Vgl.  datv  Schönbach,  Über  eine  Grazer  Hs.  lat.  deutscher  Predigten. 
&  101  Nr.  105.         IB.  Gtüat.  4,  2H. 


gajecbiichem  leben. 


1 


I 


an  och  wol  merken,  won   da  so  ganzü  vröd  ist,   da  mäz  och  nÜDne  sin;   won 
enwAre  da  minne  nit,  so  möht  och  gantzer  vrMen  da  nit  sin. 

Nu  liset  man  och  daz  bi  Jherusalein  bezaichent  ist  dii  cristenhait.  und 
da  von  sprichet  sant  Johans  in  Apocalypsi  daz  er  sach  ain  nüw  statt,  du 
s  hailig  waz  and  gezieret  waz  alz  ain  brnt  engegen  aira  brütgom.  dis  be- 
zaichent du  hailig  cristenhait:  du  sol  gezieret  sin  alz  ain  brut  engegen  dem 
brütgom:  wan  du  erigtejikait  ist  du  brut,  und  unser  herre  ist  der  brütgom. 
nu  wie  aol  disü  statt  gezieret  sin?  /133']  reht  alz  du  h.fmelscb  Jhernsalem. 
und  des   haut  wir  urkände   in  hern    Moyses   buchen;   da   liset   man   daz    unser 

10  herre  zu   im  sprach,   do  er    in    daz    terapel    hiez    machen  und  er   im  seit  wie 
er  es  solle   machen  und   zieren   mit  schilten   uud   mit    umb  hangen,   do  sprach 
er  ze  jungst:  'mache  alles   daz  du    an    mir  sehist,  uffe   dem  berge',     dis   be- 
tütent  die  lerer  und  die    maister    also    daz    da    cristenhait    ist    bezaichent    big 
der  hjTuelschen  statt  ■ 

ifi         Aber   sunderlich    und   usgenomenlich   ist  gaischlicb  leben  bezaichent  bi  der! 
hymelschen  Jherusalem.    Jhernsalem    sprichet  i-eht  'ain   gesiht  des  frides',  daz 
ist  gaischlicb   leben;    won   da  enist  niht  wen   fride.     und   sol   da  nit  sin    nn- 
fridc;    won   swa  nit   fride   ist,    da  enist  öch   Got  nit.    sit  nu   Got  niena   wil 
sin   won    in    dem    fride,   spricht   sant    Augustinus,    swer  denne    fiide   hat.    der 

20  haisset  und   ist  ain  sälig  mentsch,   won   er  hat  Got;   der  aber  [133"/  an  frid 
lebet,   der   ist  ain    verfluchter  mentsch,    und  ist  Got  von  im  geschaiden. 
I  An  vier  dingen  ist  gaischlich   leben  glich  der  hymelschen  Jherusalem.       ■ 

Daz  erst  daz  ez  höh  ist,  und  ist  da  von  sicher,    gaischlich  leben  ist  woQ 
gelich   der  höhi,  won    ez  ist  erhaben    über  Allü  irdeschu   ding,     sant  Bemhart 

25  spricht:  'gaischlich  leben   ist  reht  ain  müssekait   und  ain  rfiwe  nach  Gotte  ze 
gedenkenne,  won  gaischlich  lebett   ist  reht  ain   leben  des  contemplierens*.     daz 
wort    betütet   uns   ain   hailig  man    und   ain  lerer    und   spricht:   'swer   contem- 
plieren  wil,  dez  reht  ist  daz  er  mit  stiter  Übung  in  frier  durch  gesiht  si 
Got  schowe    in  dem  gaist,  und  daz  er   mit   wnndrung   werde  geheftet  an  die 

so  götlichen  süskait".  nu  sprichet  sant  Augustinus  von  der  sele  daz  si  statt  hat 
zwischent  Got  der  ob  ir  ist,  und  der  creatur  du  under  ir  ist.  si  ist  alz  edel 
(134'}  daz  nihtes  niht  ob  ir  ist  won  einig  Got.  nu  sprichet  er:  'swenn  si 
sich  bekeret   über  sich   uf  engegen  Gotte,  so  wirt   si  entlühtet   und   wirt   ge- 

2.  och  —  sin]  nicmir  ganiü  uroude  da  werdin  G.  3.  dv  A.  4.  spr.)  scliriblt  G. 

du  er]  Vidi  civitatemi  Banctam  etc.   Ich  Q.  if.  du  wc  h.  nad  wc  g,  aJse  G.  6/".  cn^Ron 

—  brat  fehlt  A.  8.  nu  fehlt  G.  9.  bflche  G.  11.  machen  uud  fehlt  O.  15.  be- 

zucbentbi;  gelich  G.         le.  reht  fehlt  G.         n.  enUt]  inne  ist  G.        \1f.  onfride]  wan  vride  O. 

18.  vor  Bit]  Swfi  denne  vride  ist  .  ds  iat  o'ch  got  G.  19.  denne  fehlt  G.  21.  der  ist] 

d,  haizit  G.       geecbaidin  .  vnde  wirt  ewichlicho  von  ime  goschaidiu  G.  23.  cratu  ist  daz  6. 

O'ch  da  von  G.  26.  g.  leben  fehlt  A.         27.  mau  u.  ain  fehlt  G.         29,  daz  fehlt  &. 

31,  der  o.  i.  ist  fehlt  G.        du  u,  i.  ist  fehlt  O.        b1]  wan  du  sele  G.  32.  u]  dfi  selc  O. 

33.  gotte  der  ob  ir  iat  so  G.  33/',  ™de  gebraitet  G. 


4.  Apoc.SI,S.  12.  Exod.S5,40.  SO f  vgl.  oben  S.  190  Z.25ff. 


a4.  Von  gaischlichem  leben. 


S09 


braitet  und  wirt  volbraht;  swenn  si  sich  aber  her  nider  keret  en8:eg;eii  der 
creatur,  so  wirt  si  erblendet  und  wirt  gebfisret  und  wirt  zerstöret',  und  alle 
die  Sünde  die  wir  tünt,  die  geschehent  dar  an  daz  sich  der  mentsche  von 
Gotte  keret  an  die  creatur;  won  stündi  dii  sei  alweg  in  ir  statt  entzwü- 
schent  Got  und  der  creature,  so  gesiindettnt  wir  niemer.  won  sieh  denu  du  i 
Bele  her  nider  keret  und  sich  naiget  an  die  geschephte,  dar  aue  geschehent 
all  Sünde,  da  von  spricbet  aber  sant  Augustinus:  'went  ir  wissen  waz  sund 
ist,  daz  ist  daz  sich  der  mentsche  keret  an  zerganklich  gut  der  creature 
denn  an  daz  obrost  gut,  daz  von  im  selben  gut  ist,  won  unser  herre  Giot  ist 
aller  ding  flS4']  gflti'.  und  spricht  aber  sant  Augustinus:  'ich  erkenn  wol  l 
daz  ich  gesundet  han  da  mitte  daz  ich  an  der  geschöpfte  suchte  daz  ich  an 
dem  schepher  soll  gesflchet  han.  ich  suchte  vröde,  wolnust  und  güti  an  der 
creature,  daz  solt  ich  han  gesuchet  an  dem  Ursprung  alles  gutes,  daz  ist 
Got',  sprichet  er,  "der  ist  «ölich  und  gelustig',  als  sprich  ich:  swenne  sich 
du  sele  genaiget  under  sich  an  die  creature,  so  wirt  si  erblendet,  daz  si  1 
die  creatur  minnet  durch  ir  güti,  und  vergisset  da  bi  dez  besten  gutes,  von 
dem  aller  ding  gfiti  geflossen  ist.  si  wirt  gebßsert  och  also  daz  si  sunder- 
lich  Wollust  suchet  dar  an  daz  selb  nit  vröde  hat  noch  wolnust  si  wirt 
öch  zeretöret,  won  alle  die  tugend  die  si  von  dem  obrosten  gut  enphangen 
hat,  die  werdent  zerstöret,  also  sprichet  sant  Augustinus:  'ich  vand  mich  5 
selben  daz  ich  verre  von  Got  gevallen  waz'.  nu  sprichet  ain  haiiger  mau 
über  daz  wort  daz  Got  enhain  ding  [134' J  von  der  sei  scliaidet  won 
höbet  Sünde:  'so  tvirf  die  hobetsünde  von  dir,  so  ist  Got  aber  bi  dir',  reht 
alz  er  spreche:  swer  an  hobetsünde  ist,  der  hat  Got,  won  Got  hat  die 
sele  also  liep  daz  er  sich  niemer  von  ir  ganzlich  geschaidet  won  von  i 
höbet  sdnden;  swenn  du  geschiht,  so  mag  er  da  nit  me  beliben.  so  sich 
denne  du  sei  genaiget  an  die  creature  und  Got  versmahet  und  ir  selbes 
wirdekait,  so  sol  si  widerkeren  und  sol  sich  vinden  in  der  beschöwde  und 
sol  sich  erkennen  daz  si  gesundet  hat,  alz  er  da  vor  sprach:  'ich  erkenne 
daz  ich  gesundet  han,  daz  ich  mich  von  Gotte  kerte  an  die  creatur'.  und  i 
so  sich  denne  du  creatur  vindet  daz  si  von  Got  gevallen  ist,  so  sol  si 
wider  keren  und  sol  sich  an  daz  obrost  gut  heften,  von  dem  si  gevallen 
waz,  und  aol  denne  vast  stan  in  der  statt  entzwüschent  Got  und  der 
creature,  und  sol  denne  uf  heben  ir  liertze  und  ir  creatürlich  girde  und  irs 
hertzen  ögen  in  dem  conteni/i5^ "Vpli^renn ,  und  sol  Got  an  sehen,  der  ain  i 
güti  aller  güti  ist   und  von   dem    ällü  gfiti   flusset.    so    si   in  denn    an    gesiht 


3.  geschehint  alle  dar  an  G.       6.  kerel  n.  sich  fehlt  O.        8.  m.  me  korit  G,        göti  G. 
S.  got  der  igt  Ö.        I2f.  vro'do  vnde  wollust  a.  d.  er.  vnde  güti  .  daz  solle  i,  Bflchin  ff.        18.  gi- 
chet  A.        14.  ich  denne  ,  swenne  O.        16.  da  bi]  andicre  g^ti  G.        IS.  noh  wollaet .  wan  aine 
entlebiode  wollu«  G.        20.  spriciiet  A.        2a.  bo  —  sfinde  fehlt  A ,  Abir  {L  Übir)  daz  wort  apri- 
chit  B.  Augustinus  so  w.  d.  ho'b.  s.  G.         vön]  abi  G.  25.  ir]  der  sele  ff.  26.  so  sieh] 

Swenne  sich  ff.         31.  creatur]  sele  besser  G.       waz  O.        33.  der  st.]  ir  st,  G.         31.  creatör- 
Uch  fehlt  Ö. 

I>««Hha  TiitB  im  HittaWten   X.  14 


210  ^«  Von  gaiBchlichem  leben. 

und  hIcIi  an  in  geheftet  mit  dem  willen  daz  si  iemer  an  im  haften  wil,  dar 
nach  heftet  si  sich  an  Otot  mit  wandrang  siner  gbti  und  siner  wishait  and 
HinH  gewalteSy  und  wirt  denne  erlühtet  von  der  vinstri  der  sonden,  da  von 
Mi  waz  erblendet,  du  vinstri  wirt  erlühtet  mit  dem  liehte  siner  schönnen 
A  gothait  und  wirt  gebessrot  mit  siner  gnade  und  wirt  voll  braht  mit  siner 
iViun  güti.  nu  sprichet  sant  Bernhart:  "mentsch,  wilt  du  mit  6ot  haimlich 
Min  in  der  contemplacion ,  so  solt  du  mit  dim  hertzen  gerne  aine  sin  und 
Molt  Mlii  ding  von  dim  hertzen  schaiden  won  6ot  allaine.  wie  reht  nötz  daz 
Mi,  (lai  waisH  ich  wol',  sprichet  er,  'won  ich  han  es  dik  befunden',    dar  omb 

U)  Mont  ir  i\ch  Hissen  daz  üwrü  hertzen  lidig  sigint,  [136'/  swenn  ir  Got 
Mohowou  wellent  in  der  contemplacion.  won  ze  glicher  wis  alz  die  ogen  ge- 
Inirot  woixient  von  den  wölken,  daz  si  nit  gesehen  mugent  der  sunnen  lieht, 
hImo  lon^t  kumber  und  lerganklich  ding  die  sele,  daz  si  Got  nit  beschowen 
inmr  iu  dor  tAgeulichen  beschöwde.    du  sei    sol  allain  mit  Oot  bekümbei-t  sin 

u  \\\\\\  mit  tiiirt^uilou  und  sol  betrahten  wie  si  in  allem  Urem  lebenn  ällu  ir 
Nvoh^h  mit  tuirt^ndou  volbriug(\  und  sol  Got  erkennen  and  loben  an  aller  siner 
tfnMoho|)(\U^  hio  von  ist  gaischlich  leben  gelich  der  hohen  statt  Jherusalem. 
wuu  nl«  k\\\  hymoKsch  Jherusalem  erhaben  ist  und  geschaiden  von  dem  ert- 
rii^li,   hImo    hoI    ilor   gaischlich  mentsch   erhaben   sin   und  geschaiden   von  allen 

'M\  IrilnHolion  ilinirtMh  und  da  von  won  disü  statt  hoch  ist,  da  von  ist  si  och 
kMM\  MWot*  uff  dem  ertrich  belibet,  der  wirt  entrainnet;  swer  sich  denn 
hin  \\t  Uobtit^  (l«r  blibet  [136^]  raine;  swer  och  denn  rain  ist^  der  blibet  in 
Hi(^ht)ilmit.  galHchlich  leben  und  h;^melsch  leben  sind  reht  nifden.  si  hant 
vil  uaoh  glich  namen:  celum  et  celto,  und  sint  och  glich  an    den  dingen  die 

'4h  Aiwm  Mint,  der  hymel  haisset  dar  umb  ain  hymel  won  er  ist  gesundert  von 
dbiii  ertrich.  also  sundret  gaischlich  leben  den  mentschen  von  der  weite  und 
von  allen  bAsen  dingen  die  in  der  weit  sint  die  engel  sint  u^onende  in 
dbui  cloHter  alz  in  dem  h^el,  und  wil  daz  sprechen  daz  daz  nnmuglich   ist 

9.  vnde  dar  umbe  Q,  10.  üwir  herce  1.  ai  ö.  11.  die  fehU  Ä.  16.  mit  tag, 

f§hlt  G.  volbringet  A,  volle  bringe  G.  sol  —  und]  swie  si  got  irkeimet  inallen  dingen. 

da  man  geho^rin  aide  gesehin  mack  .  dar  an  sol  ain  gaistlich  mensche .  vnde  ain  saelich  mensche 
alUn  sinen  komb^  legen .  vnde  sol  got  G.  19.  allen  fehlt  G.  22.  hin  fMt  Q.  23.  vor 
gaischlich]  Nu  sprichit .  s.  BHi.  daz  gaistlich  lebm  ist  gelich  der  himilschon  stat  .  vnde  q>richit  G, 
vnde  daz  h.  G.  24.  celü  AG,  cell'v  Z,  cella  W,  25.  wände  er  virbirget .  vnde  ist  G, 
26.  sundret  g.  L]  ist  g.  1.  sprichit  er .  daz  virbirget  vnde  sundirot  G.  27.  vö  ende  A, 
21  f.  die  engel  —  sprechen]  Wan  gaistlich  lebin  sprichit  er  ist  rehte  ain  mfizichait  .  nah  gotte  ze- 
gedenkinne  daz  ist  ain  reht  werck  übir  ellü  werck  daz  man  gotte  ane  hafte  mit  gelüste  .  vnde 
mit  begernnge  .  also  daz  der  mensche  enhain  dinch  minne  noh  woUust  sftcke  .  noh  haige  .  wan 
alnigon  an  gotte  .  vnde  ellü  dinck  in  gotte  .  vnde  dur  got .  vnde  swenne  daz  geschiht  q>richit  er . 
•o  wU  ich  dar  baitliche  sprechin  .  daz  die  engil  wonende  sint  in  der  oelle .  vnde  in  deme  clo^stir 
indeme  himUe .  Div  (sv  Z)  vamt  von  deme  gebete  mit  deme  gaiste  in  den  himil .  vnde  abir 
k  wil  das  q[>rechl  sprichit  er  G(ZW).         28.  ist  sprichit  er  G. 

'.  8. 83  Z.8f. 


54.  Von  gaischlichem  leben.  211 

daz  dehain  mentsch  nss  dem  closter  ze  helle  vare;  und  wil  üch  sagen  war 
nmbe:  ist  joch  dehain  bös  wiht  drinne,  der  dem  tüvel  ze  taile  werden  sol,  der 
mag  da  niht  bliben  nntz  an  daz  ende,  won  (xot  wirfet  in  us.  und  blibet 
nieman  drinne  nntz  an  sin  ende,  won  der  er  weit  ist  von  Got.  won  alz  der 
kärker  ist  dem  gevangnen,  also  ist  daz  closter  dem  der  angem  drinne  ist,  5 
und  ist  im  da  [135^]  zelle  alz  dem  lebenden  mentschen  daz  grab,  der  aber 
gerne  drinne  ist,  dem  ist  es  ain  blAgendes  paradys.  und  da  von  ist  du 
h^melsch  Jherusalem  glich  dem  closter. 

Daz  ander  dar   an    daz  closter    glich   ist  der   hymelschen   statt,   daz    ist 
firide.     nu  sint  drü  ding,   du  haut  frid  zerstöret,     daz    aine   ist  ungelichi    dez  lo 
gutes,   daz  ainer  me  hett   denne  der   ander,  und  ainer   ze   vil,   der  ander  ze 
lützel.    daz    ander   ist  missehellung   des    willen,    daz   dritte   ist   ungelichi   der 
Sitten.      dis6   drä  ding    sint    von   gaischlichem  lebenn    geschaiden;    won    waz 
dehainen  unftid  gemachen  mag,  daz  ist  alles  iur  sehen,     daz  gut  ist  gemaine, 
und  git  man  ieglichem  nach  siner  notdurft,  won  ungemaini   dez  gutes  machet  15 
unfrid.    also  sprichet  ain  wiser  man,  Seneca:  'der  uns  nit  won  zwai  wort  be- 
näme,  so  wärent   wir   alle   mit  fride,   daz   nieman  spräche:  '^dis  ist  min  und 
dis   ist  din"!'     won  [135'^]   nu   der   frid    da   von   zerstöret   wirt,   so   sol   in 
gaischlichem  leben  allez  daz  gemain  sin  daz  si  haut:  swaz  aines  ist,  daz  daz 
si  ir  aller;   und  swaz  ir  aller   ist,   daz  daz  si   ains   ieklichen.     man  liset  in  20 
der  zwelf  hotten  buch:  'do  sich  du  cristenhait  zem  ersten  häb,  do  kament  si 
alle  die  sich  bekertent  zä  den  jungern,  und  brahtent  allez  ir  gut  und  laitent 
ez  zä  der  junger  fbssen,   und  tailtent   si    es   ieglichem   nach   siner    notdurft'. 
und  also  sol  ez  noch  sin  in  gaischlichem  leben:   da   ensol   nieman   haben   de- 
kain aigenschaft  und  sol  allez  gemain  sin.    nu  welli  Got  daz  ez  also  si!  daz  25 
ander  ist  missehellung  dez  willen,  daz   ainer  nit  wil  daz  der  ander  wil.    dez 
enist   och   in    gaischlichem   leben   nit  und   sol   och  nit  sin,   won  si  haut  iren 
willen   gegeben   in   ains   andern  willen    und  dem  gehorsam   ze   sin   an  Gottes 
statt,    da  von  sprichet  sant  Augustinus:  'dis  ist  a\\Bifl36°Jne  rehtü  gehorsami, 
du  weder  willen  noch  Unwillen  hat',     der  mentsch   der  ainvaltklich   gehorsam  so 
ist,   der  wirt  engegen  Got  andähtig  und  wirt  an  sinen  werchen  dem&tig  und 
wirt  an  allem  sim  leben  ain  minnsam  geselle  allen  den  die  mit  im  wandlent. 

1.  wil  ü.  8.]  sagen  iv  G.  8.  won  6.]  got  der  O.  8/1  und  —  sin]  wan  ez  ist  vn- 

mngelich  .  daz  dehaine  belibe  in  deme  clo^^stir  unz  an  daz  G.  4.  wart  G,  5.  k&rker  ist 

ist  A,  gevagnen  Ä.  8.  aime  clo'^stir .  vH  hain  rehte  aine  nüftilschaft  vnde  hainlichi  zain  andir 
dnr  die  gelichi  dez  lebinnes  G.  10.  a.  ist]  aine  Äy  ist  G.  11.  uil  vnde  der  a.  G,  15.  sinen 
no*tdürften  G.         16.  won  zwai  zweimal  Ä.  18.  sol]  ist  Gt  darum  fehlt  19  sin.         19  f.  daz 

daz  si]  daz  ist  beidemal  G.  21.  der  —  bäch]  actibus  apostolorum  G,  22.  alle  zä  den  j.  die 
sidi  zer  cristenhait  becherton .  vnde  G.  allez]  alle  G.  28.  sinen  no'^tdürften  G,  24.  sol] 
ist,  darum  fehlt  sin  G.        ensol  n.  h.]  enhet  nieman  G.         25.  and  —  si  fehlt  G.  27.  und  — 

sin  fehlt  G,         28.  andern  fehlt  fälschlich  G.  81.  demätieliche  undirtsenich  G, 

21.  ÄcL  4y  32  ff.  29.  vgl.  oben  8. 112  Z,  15  ff. 

14* 


212 


54.  Von  gaiaclilichem  leben. 


daz  dritte  ist  ungelichi  der  sitten.  und  daz  ist  in  gaiächlicliem  leben  nit. 
won  si  habent  und  sont  Iian  glich  Sitten :  sament  uf  stan ,  sament  nider 
gan ,  vasten  glicli ,  essen  glich,  man  list  in  der  zwelfbotten  buch  daz  si 
hattent  alle  ain  sele.  daz  ist  alz  vil  gesprochen  alz  ain  gemüt«,  daz  si 
I  G  alle  ainen  willen  und  ain  gemüt  hattent  in  Got.  also  sont  och  all  gaisch- 
lich  lüte  ainen  willen  und  ain  gemüt  han  in  Gotte,  und  sol  sich  ain  ieglich 
brüder  flissen  den  frid  ze  belialtenn  mit  den  andren  brödern.  swenn  si 
denn  in  dem  frid  siut,  so  sint  si  in  Gotte.  nu  spricht  sant  [136"}  Augu- 
stinns:  'ich  wil  üch  sagen  waz  frid  ist.  frid  ist  ain  Interkait  der  sinne,  ain 
10  senftekait  dez  gemütes,  ain  ainvaltkait  dez  hertzen,  ain  baut  der  minne, 
ain  gesellschaft  der  liebi.  frid  benimet  krieg  nnd  schaidet  ürlüg  und  stillet 
zorn  und  drittel  die  hohfart  under  sich  und  höhet  den  demütigen,  si  ge- 
stillet misshelli  nud  süunet  vigintschaft  ze  frimtlicher  liebi.  und  allen  lüt«n 
ist   ez   gevellig.     frid    engert    nit   fr6mdes    und    behaltet   nit  aigens.     frid    wil 

1^15  nit  hohfertig  sin.  swer  frid  habe,  der  gehalte  in',  sprichel  er,  'swer  sin 
nit  habe,  der  sflche  in;  won  swer  an  sim  ende  funden  wirf  äne  frid,  der 
wirt  vertailt  von  dem  vatter  und  wirt  enteret  von  dem  sune  und  wirt 
gesehaiden  von  dem  hailgeu  gaiste'.  nu  sont  ir  üch  flissen  daz  ir  rehten 
frid    behaltent;    won    hettint    gaischlich    lüt    unfi'id,    daz    wäre    in    ze    wissenn 

|S0  me  denn  andren  lüten,  won  si  der  ding  nit  hant  du  den  un/i56'7frid 
macbent.  nu  mag  das  kum  sin  daz  der  mentsch  frid  muge  haben  und  be- 
halten mit  andren  lüten,  man  bebalte  in  Och  an  im.  und  dar  umb  sol  sich 
ain  ieglich  brüder  sunderlich  dez  dissen  daz  er  den  frid  behalte  zem  ersten 
mit  siner  maisterschefte    und  dar  nach  mit  ieglichem    brüder   sunderlich:    won 

|s  alle  die  wile  so  frid  under  in  ist,  so  ist  och  Got  under  in;  und  so  denne  si 
den  frid  verlierent,  so  hant  si  och  Got  verlorn,  sant  Angustiuus  sprichet: 
'frid  ist  daz  beste  klainot  daz  Got  uff  ertrich  ie  gegab.'  und  da  von  sont  ir 
üch  ZB  allen  ziten  äLssen  daz  ir  den  frid  behaltent,  den  Got  sinen  jungem 
gap,  do  er  in  erscbain  nach  siner  nrstendi. 


1.  dritte  daz  ist  G.  ungelicbi  —  3  c«Hen  glich]  golichi  d.  e.  daz  ist  o'cb  in  g.  1,  daz  m 

^^emaine  vnde  geliche  Bitte  bant .  sü  staut  samit  vf .  vnde  gaiit  samiot  nider .  siv  vastent  gelidi  - 
vnde  ezsint  gelich  .  vndo  alliz  daz  siv  tönt  ,  daz  tönt  siv  in  gemainime  sitte  GZ.  3.  der  — 

az]  actibns  apostolornm  von  den  iangiroo  G.        4.  aJz  vil]  also  G.        alz  ain  g]  ain  gerofitc .  daz 
it  also  G.  5.  odi  all  fehlt  G.  G.  Iflte  fehlt  A.  7.  awcBtir  U.  feniininum  durchweg  auch 

n  folgendem  23.  24  G,  broder  Z  W  ebauo  23.  24.  7  f.  den  fr.  —  sint  w]  daz  si  den  vride  be- 

halte (behalten  Z)  mit  dien  swestiron  (andern  Zi  vnde  mit  iegelicbir  sweatir  (iegelichira  broder  Z) 
Bundiriieb  .  so  ir  denno  in  d.  fr,  s.  so  eint  ir  G.  8.  denn  in  fehlt  A.  9.  Fride  daz  ist  G. 

13.  Bftnnetl  fflgit  G. 
.  de  si  den  vr.  behatten  Z. 
lit  titlwoii  vndir  iv  bant  .  a 
27.  vf  daz  ertr.  0.         da 


12.  die  deiiifitiRen  G.  ü]  vride  G. 

G.  21.  haben  und  ffklt  G. 

:  (vnze  ir  Z]  vride  vnde  liebi 
r.  virlierent  .  s.  h.  ir  o'eb  G. 
39.  inen  vor  itBchaio  O. 


Mf.  ' 


25/:  wile 


i.  g.  vndir  iv  . 
□]  dar  vmbe  O. 


9  f.  vgl.  oben  8.  137  Z.  19 ff. 


54.  Von  gaischlichem  leben.  2 

itte   dar    an    sich    gaischlich    leben    gelichet    der   hymelscben   Jhe- 
'tusaleni,    daz  ist  frihait.      nu  möhtint    ir  sprechen:   'wie  möhtüit    wir  ir  geli- 
len  an  frihait,  wir  sint  doch  ine  betwungen  denn  ander  lute?'     na  merkent 
[drö  ding   dar  an  [136"]  wir  sont  sin  fry. 

Daz  erste:    wir  sont  fry  sin    an  dem  willen,     daz  ist    also   daz  wir  Gfot  #f 
'sont  dienen  reht  frölich  mit  rehtem  fryem  willen  unbetwungenlich.    also  spri- 
chet   sant    Augustinus    daz    wir    nit    sont    dienen    alz    knebte    die    von    vorhte 
dienent,    wir    siillent    reht    dienen    von    fryer  minne,    alz    du  kint  du  Got    ge- 
sondert   and    erweit    het    von    der    weit    blinthait.      ii'    sont    Got    so    frilich 
dienen    daz    üch    nut    so    vast   twinge    zii    sim   dienst   so    sin    wirdekait,    sin  lo 
sch^nhait,    sin  ewekait  und  sin    fry  güti.     sit  sin  gftti,   sin  wirdekait  so  groz 
und  so    fry   ist,   so    sont   och   wir    im    reht   frilich   dienen    durch    sich    selben, 
soltent    wir    da  von    niemer  Ion    enphahen.      und   wissent:    swer  Gotte    dienet 
also,    der  enphahet  grossen  Ion  von  sinen  wercben  und   vil  grösser  denne  da- 
von   vorhten   dienet,     sant    Paulus    predigot   ainest   sinen  jungem  113?°}    und  is 
sprach:   'liebA   kint!    lobent    Got    und    dienent    im    flisseklich    und    andähtklich 
mit  grossem  flisse,    und    merkent    waz    schaden    üch    da  von    widervert    ob  ir 
ez  nit  tftnt,     in  triiwen,  er  nimet  üch   die  gnade  und  wisget  üch  dar  umbe'. 
Du  ander   fryhait    die    wir    gaischlichen   lüte    sont  bau,    daz   ist  daz   wir 
sont  sin  von  jamerkait.     nu  merkent  daz:    waz  jamerkait  ist,   daz  kumet  so 
'on    minnen.     und    sag    üch    wie:    swaz    der    mentsch    minnet    in    der    witen 
'elt,    dar    nach    hat    ez    ocb  jamer,    es    si    fründ ,    gut    oder    weltlichü    vröde, 
id  kurtzlich  gesprochen:    swaz  ez  minnet,  dar  nach  hat  ez  och  jamer;    won 
wir  es  imme  unmäre,  so  hetti  ez  kainen  jamer    dar  nach,     nu    sont    wir    fry 
sin  von  der  jamerkait  dirre  unstäten  weite,  daz  wir  enkain  ding  sont  minnen  tüM 
so  vil    daz    wir    ibt   vi!   jamers    dar    nach    habe,     stirbet    unser  [137"}  frünt, 
wjrt  er  gevangen  oder  erschlagen  oder  swie  ez  im  ergät,  daz  sont   wir  allez 
an  Got  lassen  und  sont  Got  über  sü  bitten;  won  swaz  wir  dar  zfl  tätint,  so 
wÄr  ez  doch  geschehen,  und  sol  sich  der  mentsch  denn  demütigen  under  Got 
und  sol  sinen  willen  in  Gottes  willen    geben    und   sol    gedenken:    sit  Got    dis  ul 
hat  verhänget,  so  ist  ez  Och  sin  wille;    swaz  denn  sin  wille  ist,  daz  sol  och 
min  wille  sin,  won  wie    sere    ez  wider    minen   willen    wir,    so    war    ez    doch 

1.  dar  an  g.  I.  gciich  ist  der  G-  2  /'.  wie  mugen  w.  ioen  gelich  Bin  G.  &-  erete 

ist  G.  bf.  dan  wir  rehte  von  vrigen  willen  vrilJche  gotle  eun  dienon  vnbetw.  G.  7.  vor 
vorhten  G.  6.  ir  eunt  G.  U/".  ain  g&ü  vnde  sin  w.  also  groa  ist .  vnde  G.  12.  reht  frUt  G. 
12/',  seibin  .  vnde  b.  w.  o'cb  niemir  1,  dar  ninbe  enphSn  von  vnaim  arbaiten  .  vnde  von  vn- 
finat  dieoete  .  to  soltin  wir  doch  göt  ietnir  minnon  .  iemir  lobin  .  goite  dienon  dur  Mne  vrivn 
göti  .  Vnde  G.         18.  lan  A.  H.  und  v.  gr.  fehlt  G.  16.  spr.  bIboh  G.  18,  dar  umbe  . 

vnde  dar  vmbe  sun  wir  gotte  gerne  vritiche  dienon  ff.        19.  daz  f(hU  Ä.        22.  ea  si  fr.]  Minnet 
der  mensche  vriunde  aide  G.  2S.  geepr.  ew.  ei]  swaz  der  meneclie  G.  och  fehlt  G. 

24.  wir  fry]   ir  das  raerekin  .  daz  wir  vri  sun  G.  26.  wir  fehlt  fältchlkh  G.  Tl.  alles 

fehit  G.  2S.  eüj  Ir  sele  ff.  SO.  sol  sineQ)  sinen  G.         äl.  denn  ain]  denne  gottea  G. 

re]  verro  G.         willen  doch  wäre  G. 


214 


54.  Von  ^iBchlicbeu  leben 


g^escheheii.  and  so  ez  der  mentscli  doch  mit  niit  erwenden 
vil  genier  durch  Got  ez  lassen  denn  dar  umb  daz  ez  sin  niht  erwenden 
mag.  Ton  dirre  jamerkait  sont  wii-  g&ischUchen  lute  fiy  sin,  also  swaz  uns 
geschehe  oder  swie  ez  uns  ergauge,  daz  wir  dar  umbe    nit  jamerkait  habent. 

B  won  alz  vil  so  wir  von  der  weite  erhaben  und  geschaiden  sint  mit  [IS?'] 
dem  Übe,  also  vil  sont  wir  au  lügenden  und  an  liertzen  gegen  Got  erhaben 
Bin,  wir  sint  der  weit  tot  und  sint  verwoifen  und  versmAhet  von  allen 
den  die  die  weit  minnent.  nn  sont  wir  aber  allen  ünsern  fliz  dar  zü  keren 
daz  wir  in  Got  leben,     also  spricht  sant  Paulus:  'ir  sont  Got    leben 

0  gaiste  nnd  sont  die  weit  versmahen,    alz  si  iich  versmahet  hat',      swenu 
die    weit    reht    versmahent,    so   sint    wir   fil   von  jamerkait.     so    mugent 
sprechen  mit  sant  Paul:  'uns  ist  dii  weit   erhangen,    und  sint  öch   wir 
hangen',  reht«  alz  ob  wir  sprächent:    uns  ist  die  weit    also  bitter  widerzäme 
und  alz  unmäre  an  si  ze  gedenkenne  und  mit  ir  ze  lebenne,  alz  mit  dem   der 

5  erhangen  ist,    und  sint   och    wir    ii'    alz    widerzäme  und    alz    unmäre    alz    wir_ 
erhangen  wärent.     sit    si  nu  uns  versmahet,  so  sont  och  wir  uns  ir  bdiei 
daz  wir  si  iht  minnent.    [137*]    daz  ist  hailgü  hohfart,  so  sint   wir  fry 
jamerkait. 

Du    dritte  frihait    die   wir   haben  sont:    daz    wir  fry  sont    sin    von  welt- 

0  licher  vride,  daz  wir  och  ir  iht  gereut,  und  von  wolnust  dez  libes  und 
von  allen  den  dingen  die  fms  ze  schulden  naigent.  swaz  wir  och  sünden 
habent  getan,  der  sont  wir  öch  fry  sin.  won  swenne  der  nientsch  die  ruwe 
hat  daz  im  lait  ist  daz  er  Got  ie  erzurnde,  und  denne  den  willen 
hat  daz  er  sin  sunde  bihten  welle,  so  enphahet  Got  sin  rüwe  und  vergit  im  , 

i  zehant  alle  sine  sünde.  haut  wii-  denn  gebibtet  nnd  ist  ans  lait  daz  ' 
Got  ie  erzuiTitent,  und  hant  öch  dez  guten  willen  daz  wir  ez  niemer  i 
wellent   getiin,    so  sint    «-ir   fry    von    schulden. 

So  git  uns  Got  och  t^lich  luafte    und   sterki  daz  wir  mit    siner   gnadl 
bestandent    an    rehtem    lebenne    und    an    lügenden    werdent  gesterket,    won  d^ 

)  werch  [138']  dii  von  lügenden  gant,    da  mit  werdent  die  tugend   all  gefftr« 


aem 

zäme 
der 
_    wir^^ 


2.  luün  .  vode  dur  sine  tvfpnde  rehte  rrclidie  .  denne  O.  ez  sin]  eiz  O.  3.  i 

der  Q.  gHbtlichin  lüte  G,  gantzlichen  lut'  A.  h.  von  fthlt  O.  6.  an  den  t.  i 

le  h.  G.         7.  sin  .  Vnde  alae  wir  in  lio'hirme  lebinne  vor  dien  löten  schine  .  also  eun  wi 
gotte  iahohin  tugindeu  Bchinen  .  Wir  G.  10.  v^BinahC'  ao  sint  wir  fry  ak  si  A.  üi 

ivch  O.  12,  tina]  Dir  (/,  Mir)  ß,  ebenso  13.        wnt  —  ir]  ich  bin  der  weite  rehto  Ö.  13.  ob! 

fehlt  G.  bitter]  gar  G.  lif  aint  — wftrent]  bin  och  ich  der  weite  alse  unmxre  vnde  also 

vngehCrc  olse  och  der  irhnngen  ist  G.         16.  nu  fehlt  G.        ir  fehlt  G.         17.  iht  fehlt  O. 
n  fehlt  G.         19.  daz  —  von]  daz  ist  vri  von  schulden  .  dai  ist  wir  Bun  vri  ein  vor  girde  G  Z. 
20.  daz  —  gcront  fehlt  G.        21.  sundon  widir  gotte  Q.        24.  nacli  hat]  de  er  ez  tüemir  wdts  — 
getOo  .  Bo  enpLat  in  got  .  vnde  virgit  itse  alle  aine  Bände  .  Ain  hailigir  mui  aprichit .  Swen 
der  meoBclie  willin  het  G.        2B.  guten]  statiu  G.        rae  /eWf  ß.        27.  wir  fehlt  A. 
ocb  g.  allir  tÄgilich  ö. 


.  Aimchlull  nn  I.  Cor.  3,  13;  4.  13;  I.  Joan.  3.  15? 


12.  Gal.6,14. 


54.  Von  gaischlichem  leben.  215 

und  wachsend,  und  sprechen!  die  maister  und  die  lerer:  'swer  ain  tugend 
hat,  der  hab  die  tngent  alle*,  unser  herre  güzet  die  ^upen^  sament  in  die  sele. 
nu  ist  ain  schidung  entzwüschent  den  tugenden  und  iren  werchen.  du  tugend 
daz  ist  minne,  so  ist  minne  ain  werch  der  tugend.  also  ist  ez  umb  all 
tugend;  won  ain  ieglichü  tugend  hat  du  werch  da  mit  si  sich  übet,  und  5 
von  aim  ieglichen  werch  da  zö  enkain  tugend  wirt  furbraht,  da  von  wer- 
dent  die  tugend  alle  gesterket  und  gefüret,  rehte  alz  ir  sehent  daz  der 
lip  gesterket  wirt  von  der  liplichen  spise  die  der  mund  enphahet,  also  wer- 
dent  die  tugend  all  gef&ret  und  gegossen  von  den  tugenden  iegliches  werches. 
die  tugend  sint  alle  gelich  groz,  si  sint  aber  an  aim  schinbärr  denn  an  lo 
dem  andern,  alz  ir  dik  wol  sehent  [138"]  daz  ain  mentsch  besser  ist  und 
kreftklicher  werchet  mit  sinen  tugenden  denn  daz  ander,  dez  tugend  sint 
6ch  grösser,  also  won  es  si  me  übet,  da  von  wachsent  si.  der  och  sin 
tugend  nit  übet,  an  dem  wachsent  si  och  nit  sit  nn  tugend  alle  glich  groz 
sint,  so  enphahent  si  och  alle  glichen  Ion.  und  da  von  sont  wir  alle  tugend  15 
gern  üben,  won  unser  herre  lonet  uns  gehorsami  alz  wol  alz  contemplierens. 
er  lonet  demütkait  alz  miltkait  und  gedultkait  alz  wol  alz  gebißttes,  alz 
andahtes,  so  wachsent  si  öch  alle  von  ainer  alz  von  der  andren,  und  da 
von  mugent  wir  si  öch  alle  gelich  üben  gerne,  nu  wännent  etlich  lüte 
daz  Got  enhain  ding  so  liep  si  noch  enhainer  tugend  so  grossen  Ion  gebe  20 
so  contemplierenn  und  gebette  und  andaht  dez  enist  nit.  er  git  ieg- 
licher  tugend  glichen  Ion,  und  da  von  sont  wir  gerne  ieglich  tugend  üben, 
und  der  die  tugend  fl38'J  alle  übet,  der  ist  aller  loblichest  vor  (Jotte. 
nu  merkent  zwai  ding  an  der  tugend  und  öch  zwai  an  dem  werch  der 
tugend.  du  tugend  tat  zwai  ding  in  der  sele.  alz  schiere  so  unser  25 
herre  die  tugend  in  die  sei  güsset,  so  ist  daz  ir  erst  werch  daz  si  alle 
höbet  Sünde  us  wirfet;  won  höbet  sünde  und  tugend  mugent  niemer  enkain 
stund    bi   enander  bliben.     swa  och   ist  höbet  sünde,   da   müssent   die    tugend 


I.  wahsinde  .  vnde  ainir  iegelichir  tuginde  werch  fflrot  die  tuginde  alle  O.  die  1.  swer] 
grozin  1.  daz  die  tuginde  alle  gdich  sint  an  aime  iegelichin  menschin  .  Vnde  swer  och  G. 

2.  alle  —  tngent  fehlt  A.  8.  iren  w.]  den  w.  der  tuginde  G.  4.  so  i.  m.  fehlt  A,  8.  ge- 
sterket] geffirot  G.  9.  wtch  werches]  vnde  div  tugint  wirt  niht  allaine  gemsret  .  vnde  ge- 
sterckit  .  div  ir  werck  vbit  .  nv  werdint  alle  mit  ir  gespiset  .  alse  elliv  div  lit  (gelit  Z)  von  der 
q>i8e  gefftrot  werdint .  die  der  munt  deme  libe  ^t  G.         10.  groz  an  aime  iegelidiin  menschin  G, 

II.  ist  denne  der  andir  .  vfi  G.  18.  vor  der]  doch  sint  die  tu^^de  alle  geliche  groz  an 
üne  .  vnde  wahsint  alle  mit  ain  and^ .  vnde  swer  aine  tugint  übet  .  so  wahsint  siv  alle  mit  der . 
Der  mensche  G.  14.  sit  nu]  ist  ain  tagint  groz  an  mir  .  so  sint  siv  alle  groz  an  mir  .  swie 
ainiv  an  dem  menschin  ist  .  also  sint  siv  alle  .  Sit  denne  die  G.  15.  so  —  tugend]  vnde  siv 
alle  gelicliche  Ion  enphant .  so  sunt  wir  siv  alle  gelicliche  G.         15/1  aUe  gern  tugend  vben  A. 

nf.  miltkait  u.  alz  ged.  abs  wol  geb.  a.  and.  Ay  gedultichalt  .  odir  irbermichut  .  also  wol 
so  geb.  aide  a.  G.         IS  f.  und  da  von]  so  G.         19.  öch  fehlt  G.         21.  vnde  von  gebette  G, 

er  g.  i.]  vnsir  herre  git  vmbe  iegeliche  G.       22.  da  von]  dar  umbe  G.        ir  G-         23.  alle 
gelicliche  übet  G.       24.  den  werckin  G.       25.  tünt  G.       in  fehlt  A.       26.  si  zehant  alle  G, 
27.  wiifet]  tribet  G,        tuginde  die  enmugen  G.         28.  stund]  wile  G.        swa  0.  h.  sint  da  G, 


* 


216  ^i-  Von  ^scIilicheiQ  lebcD. 

entwichen,  daz  ist  daz  erst«  daz  du  lugend  siinde  vertribet  von  der  sele. 
daz  ander  ist  daz  der  Ion  aller  gemessen  wirt  riaeh  der  u-izze  der  tugend:  ist 
du  tcizze  so  groz,  so  wirt  och  der  Ion  groi,  won  nacli  der  grössi  der  tngend 
wirt    öch    grosUch    gelonet.     der    tugend    wereh    tunt    öch    zwai  ding    in    der 

S  sele.  ains  ist  daz  von  ieglicher  tugend  werch  die  tugend  alle  werdent  ge- 
fiiret  und  gesterket  und  gemeret.  und  so  der  mentsch  ie  me  die  tugend  übet 
mit  den  werchen,  so  im  Got  ie  nie  tugend  und  gnade  git.  daz  {ISS'j 
ander  ist  daz  dii  selben  werch  die  sünde  tügant,  und  minrent  die  wisse  die 
der  mentsche  solle    liden   nmb   die  sünde;    won  daz  mäz    sin    daz    ain    ieglich 

0  mentsche  allez  dez  gewisget  werden  müz  daz  es  ie  getet,  aintweder  hie  an 
dirre  weit  oder  aber  in  dem  vegfiire.  swer  denn  dez  vegfüres  welle  über 
■werden,  der  sol  die  tugend  dik  und  vil  üben  mit  den  werchen,  so  wirt  er 
fri  beidü  von  schulden  und  von  wissen. 

Daz    vierde    dar    an    wir    glich    sont    sin    unser    müter,    der    hymelscl 

5  Jerusalem,  daz  ist  minne,  das  wir  alle  enander  müterlich  sont  minnen. 
herr  sprach  zu  sinen  jungern:  'minnent  ir  mich,  so  minnent  ir  alle  enander 
minnent  ir  aber  mich  nit,  so  hassent  ir  enander*.  nu  wil  ich  üch  drü  urkund 
geben  an  der  minne  die  ir  zu  enander  ha//59"7bent.  daz  erst  ist  ob  dir  we 
tut  dins   eben  mentschen    kumber    libes   und   gutes   und  hertzen,    und  swaz  im 

0  wirret,  daz  solt  du  mit  im  tragen,  also  spricht  sant  Paulus:  'wir  sint  alle 
der  cristenhait  gelider;  und  swaz  mim  eben  cristen  wirret,  daz  sol  och  mir 
wen-en,  sit  er  mi«  gelid  ist  und  ich  daz  sin  bin',  also,  sprich  ich  denne,  sol 
ain  ieglich  brfider  mit  dem  andern  liep  und  lait  han,  sit  wir  alle  ains  libes 
sint.     daz  ist  ain  zaichen  der  minne.     daz  ander  ist  ob  ich  sin  arbait  trage 

i  und  im  hilfe.  also  sprichet  sanctus  Paulus:  'ir  sont  enandren  alle  burdi  tragen", 
über  daz  wort  sprichet  du  glose:  '  swenne  dir  din  bräder  sprichet  oder  tut 
daz  dich  betrübe,  so  sott  du  dergegen  gednltig  sin  und  solt  gedenken  er  hat 
ez  von  krankait  getan;  so  er  sich  nu  ietzent  bedenket  [139^]  daz  er 
hat  getan,  so  wirt  ez  im  lait.'     und  also  sol  sich  ain  ieklicber  erbarmen 


che^H 
uso^^l 


ibe^H 


1.  viitribent  O.  2  f.  nach  —  groz  fehlt  A.    Statt  wizze  2.  .1  sollte  man  eher  maze  oder 

grfiBzo  erwarten.        3  f.  won  —  groslicb]  awie  div  wiize  der  tuginde  ist .  also  wirt  dir  G.        5.  von 
ainrc  iegelichir  G.  11.  welle  mit  gat«n  weichin  .  aide  G,  12.  wordin  zenre  weite  .  der  sol 

eine  t.  G.  wirt  er|  werden  wir  G.  19.  dins  e.  m.]  diner  swesdr  m.  im  folgenden  Femim- 

nam  bis  217, 19  G,  dines  prüder  W,  diner  swestir  oder  dine«  brod'  Z.         und  gfltea  fehlt  G. 
19.  lu  im]  ir  G,  in  Z.        21.  eben  er.]  bcfldir  aide  miner  swestir  GWZ.        22.  er]  äi  Z.        mir  .4.'J 

dnz  Bin]  ir  gelid  GZ.  22f.  denne  daz  ain  iegelich  sweetir  (brodir  Z)  m.  der  andimn  1.  u.  t 
sol  lian  G.  2if.  ein  —  hilfe]  ir  helfe  ir  arbaite  tragin  G,  ebenao  Z,  da»  demnach  im  Fe 
ziuOckfälU.  25.  P.  Alter  alterius  .  Ir  e.  alle  ainre  andirre  burdi  tr.  GZ.  26.  bröder]  sweetir  i 
prüder  W,  ebenso  Z  jedoch  teilweise  mit  folgendem  Fanininuni.  2".   dergegen  g.  8.]   ir  isin  i 

kranchait  mit  ir  {so  awA  Z)  tragin  .  daz  da  da  engegin  gednlticb  eieet  G.         TA.  ez  ir  vil  lait  £ 

legelicb  sweetir  G,  i.  prdder  W,    ebenso  Z,  jedoch  mit  tMchfolgendem  J^ttmintnunt. 


16.  Joan.  14,  21/f.;  I.  Joan.  3,  2}. 
25.  Gal.  6,  3. 


\kf.  vgl.  oben  S.  175  Z.  26ff.  20  f  /.Cor.  12,  2t^ 


54.  Von  gaiBch liebem  leben. 


217 


Mz  andern  krankait  und  sol  sin  hiiten  mit  worten  und  mit  werchen.  won 
er  liht  aines  kranken  liertzen  ist  von  nature  denn  ain  andre,  da  von  sol 
er  sinen  brüder  sin  kiankait  helfen  tragen,  daz  ist  ain  zaichen  gaischliclier 
minne,  die  wir  zii  euander  sont  han.  daz  drit  ist  daz  ich  mius  bröders 
wunden  hauen  sol.  daz  ist  also:  swaz  er  tut  daz  er  nit  tun  sol,  dez  sol  ich  5 
in  straffen  dar  umb  daz  er  gehailet  werde  in  siner  sele,  und  sol  in  alz 
gaischlich  minnen  daz  ich  me  minne  sin  sele  denne  sinen  lip.  und  swaz  in 
an  siner  sele  verwunden  mag,  daz  sol  ich  im  offnen,  und  sol  ez  dar  umb  nit 
lassen  ob  ich  mich  versih  daz  er  beträtet  werde,  won  ich  sol  im  me  ahten 
und  an  sehen  siner  sei  schaden  denn  sines  libes  betrübde.  also  leret  uns  M  | 
sant  Augustinus,  won  ist  [IS'J'J  ez  im  joch  zem  ersten  lait  und  betrübet  in, 
so  er  sich  denne  bedenket  daz  ez  im  nütz  ist  an  der  sele  und  daz  ez  durch 
g&t  ist  beschehen,  so  ist  ez  im  liep  denne;  won  den  mentschen  betrübet 
von  menlsehlicher  krankait  mäuig  ding  daz  im  dar  nach  vil  liep  wirt  daz 
ez  im  geschehen  ist.  won  daz  du  krankait  der  natur  alz  groz  ist  an  den  W  j 
meutscben  daz  ez  ungedultig  wii-t,  und  verstat  sich  doch  wol  daz  ez  im 
durch  gut  ist  geschehen:  die  krankait  sout  wir  alle  an  enander  verstan 
und  erkenuen,  und  sol  dar  umb  enhainer  den  andern  hassen,  won  er  sin  sele 
lieber  hat  denn  sinen  lip,  won  du  minne  ist  reht  gaisehlich. 

Nu  merkent  fürbaz:  'Jherusalem  du    da   obnen  lit,   du   da  fry  ist,    du    ist  M  I 
unser  müter'.     dis  wort  merkent  an  die   hymelstat  zä  der  wir   naiswenn  sont 
komen  mit  fröden.     in  der  statt   sint    du   selben    drü  ding    du   da  vor  bezai- 
chent  sint  an  gaischlichem  lebenn. 

Daz  erst  ist  daz  si  hoch  ist,  und  da  von  ist  fl39y  si  sicher,  du 
sicherhait  du  in  hymelrich  ist,  du  ist  dar  an  daz  du  sele  von  Gotte  nlemer  i 
geschaiden  mag  werden,  sümlich  lüte  eprechent,  swa  sich  der  gaist  ze  ainem 
male  hin  kere,  daz  er  da  stäte  belibe,  daz  er  sich  nit  me  muge  gewandeln, 
und  bewarent  daz  da  mitte:  do  sich  daz  erst  ftrlüg  hflp  in  hymeiriche,  do 
kertent  sich  etlich  enget  an  Got  und  etlich  von  Gotte.  und  also  sü  sich  da 
kertent,  dar  an  sint  su  st4te  und  gewandient  sich  niemer  me.  nu  ist  dei'  M  J 
tüvel  und  die  engel  und  du  sei  glich  an  der  natur;  nutz  aber  dn  sei  bi 
dem   lip  ist,    so  kert  si   sich  wol   swar  si  wil;    swenn    si  aber   von    dem  libe 

1.  werchin  .  daz  si  ir  vergebe  .  wan  G.  2.  ainfis  fehlt  G.  kranckirs  G.  B,  er—  tragen]  A  ir 
(ai  ir]  ir  aweBter  Zi  ir  kr.  b.  tr.  daz  man  A  buI  übir  eehin  QZ,  \f.  daz  dr.  —  sol  h.j  Di?  dritte 
mioDe  ist  das  du  dincr  sweetcr  w.  h.  solt  GZ.  5.  swaz  er]  Swaz  din  Bwe«tir  GZ.  if.  sul  ich  i. 
Str.)  aolt  da  Hl  rflgen  GZ,  3,  Person  Singular  bis  9,  II.  an  ir  sele  G.  h.  solt  du  ao  ir  offinon  . 
daz  si  gehailit  werde  .  vnde  G.  9,  daz  si  da  von  betr.  6^.  im  fehlt  G.  II.  won]  Div  (i.  Dv 
mit  Z]  soll  sprichit  er  diner  sweetir  wndan  offinon  .  dar  unbc  daz  ir  sele  niht  uirderbe  in  den  sün- 
don  .  vnde  solt  si  also  gaistlicliB  minnon  .  daz  [de  du  Z)  nie  an  solt  sebin  ir  sele  bail  denne  ir 
libes  betrQbide  GZ,         \f>.  den  A,  dem  G.         'lü.  Jhenisalem  fehlt  A.        21.  himilschnn  atat  Q. 

26.  Ifltel  maistir  G.        28.  bewa;rint  O.        30.  aisie  beliben  vnde  G.        81.  der  engil  ff. 


3.  vgl.  S.  17G  Z.  7.         if.  vgl.  oben  S.  195  Z.  9 


l  oben  S.  5i  Z.  31  ff. 


218 


54,  Von  gaischlichem  leben. 


schaidet,  so  enmag  si  sich  nit  nie  gewaiideln  denn  der  engel  oder 
tövel,  also  sümlich  maister  leseDt  und  jehent.  und  swar  du  sei  denn  keret. 
so  si  von  dem  Übe  geschaidet,  da  ist  si  stAt«,  won  (140°}  si  mag  sich 
iiiemer   nie  gewandeln,     swenn   sich    dn   sele    an  Got   keret,    so   bübet   si    och 

6  iemer  an  im  st&t,  won  si  nit  ierriges  hat  noch  widerhelliges  von  dem  übe. 
daz  aber  si  alz  unstäte  minne  bat  untz  si  in  dem  Übe  ist,  daz  ist  von 
der  krankait  dez  libes  und  von  der  Hebi  dii  zwüschent  dem  lib  und  der 
sele  ist.  von  der  minne  minnet  du  sele  allez  daz  dem  übe  sanfte  tut,  und 
da    von    mag   si    niht   stäter    minne    han    zfl    kaim    dinge,    won    daz    si    allez 

10  dem  libe  nach  hillet  allez  dez  in  gelu-stet.  swenne  aber  du  gut  sei  von 
ir  lib  geschaidet,  so  keret  si  alle  ir  kraft  und  ir  minne  an  Got,  daz  si 
niht  minnet  won  allaine  Got  und  in  Got  ällü  ding  wirket;  denn  ist  si 
sicher  daz  si  und  Got  niemer  geschaiden  werdent,  und  von  der  sicherhait 
so    wirt    si    Got    ie    me    und    ie    me    minnend. 

15  Daz  ander  daz  [140''}  da  ist,  daz  ist  gantzer  und  stäter  frid;  won  da 
ist  dekain  ding  daz  unfrid  mache.  d(i  bymelsche  fröde  ist  gemain  allen  den 
die  da  sint,  daz  ist  du  gütlich  angesiht.  da  von  spricht  sant  Anshelm:  'alle 
hjmelscli  burger  baut  frÖde  an  Gottes  angesiht;  sin  antlüt  ist  schöne  und 
gelustig  an  ze  sehenne'.     daz  antlüt    und    dii    Mde    ist   gemain    allen   engein, 

20  allen  haiigen ,  allen  säjgen  seien  und  allem  hymelschen  her,  und  ist 
ieglichem  sin  Ion  sunderlich  geordnet  nach  sinen  werchen.  also  sprichet  ain 
hailig  man:  'Got  tailjet  sich  ze  hymelrich  aim  ieglichen  nach  sinem  willen 
und  nach  den  werchen '.  daz  sont  ir  nüt  also  veistan  daz  da  von  ieman 
nnfrid    habe,    won    er    taillet    sich    nit    also    daz    da    ieman    si    der   sin   nit 

SS  habe,  er  git  sich  ungelailten  ainer  ieglichen  sei  sunderlich.  und  swie  vil  sin 
ain  ieglichu  sei  hat,  so  haut  die  andern  sin  doch  [140'}  äe&tßv  minder  nit; 
won  hette  ainü  Got  allen  und  du  ander  nit,  so  möhti  da  niemer  frid  wei^ 
den.  Got  git  sich  ungetailten  und  gantzen  ieglicher  sei  und  alz  volleklich 
daz  ir  girde  wirt  erfüllet;    won    da    sele  hat   daz   von  nature    daz    si   enkain 


I.  gew.  vmme  ivome  Z)  denne  <?.  2.  lesent  und  ffhU  G.  3.  da  i.  ei]  dar  au  bilibet 

b!  iemer  me  G.         4.  got  dctine  k.  G,  5  f.  won  ^  aber  ai]  ane  ende  ,  vnde  wan  b.  n,  irrodü 

noh  widir  helliges  bet  v.  d.  I.  vnde  si  sieh  reble  Baminthefdcb  mit  allen  ir  kreftin  an  got  keret . 
Bo  minuot  si  in  also  krefticilcho  .  daz  ei  nicmir  von  imo  geecbaidin  wirt  .  Daz  div  seie  G. 
(i,  in)  bi  G.  8.  alliz  daz  duz  G.  12.  würkel  fehlf  G.  ist  si]  wirt  si  rehte  G. 

13.  geach.  w]  me  gesch.  boI  werden  G.  14.  minnente  .  Vnde  daz  er  spriehit  daz  div  «tat  höh 

ist  .  dac  smit  ir  mcrckin  an  der  minne  .  Wan  div  minne  die  div  sele  leegotte  denne  hat .  div  bt 
verre  öbir  monschliebo  kraft  vnde  von  der  minne  sicbirhait  ist  si  iemir  sichir  .  bi  gotte  te  be- 
libinne  .  div  stat  ist  wol  boh  .  vnde  ganzir  sicbirhait  G.  18.  Gottes]   vnBire  berre  ß. 

19.  gelastig  an]  ist  Instlicb  an  xe  Bcho'weone  .  vnde  G.  22.  iegelichim  mcnsdiin  0.  23.  den) 
dez  menschin  G.         24.  dehainen  vnvride  O.         won  er]  Got  G.         sin]  gotte«  G.  25.  er] 

got  G.        ainer  fehlt  G.        iegelichir  G.  2ß.  so  het  sin  div  andir  dcate  m.  n.  G.         27.  ain 

sele  gut  O.         i%.  und  alz]  sundirlicbe  alee  G.  29.  girde  mit  ime  wirt  G. 


II  f.  vgl.  oben  S.65  Z.IO^.  2h  f.  vgl.  oben  S.  16  Z.27ff. 


54.  Von  gaischlichem  leben.  219 

ding  eif&Uen  mag  won  allaine  Got.  und  da  von  spricht  sant  Anshelm : 
'uwer  seien  hat  gedärstet  nach  Got  dem  lebenden  brunnen.  nu  hant  ir  in 
begriffen,  nn  trinkent  also  yil  alz  ir  went  und  also  dik  ir  went,  üch  sol  sin 
niemer  me  gebresten,  und  sol  uch  doch  iemer  dürsten  nach  im.  ir  sont  in 
iemer  eweklich  mit  süsser  girde  messen,  und  sol  üch  sin  doch  minneklich  ge-  5 
Insten,  ir  sont  sin  ze  allen  ziten  satt  sin ,  und  sol  üch  iemer  nach  im 
hungren\  da  bi  merkent  daz  da  gantzer  frid  ist.  und  ieglicher  engel,  ieg- 
lichü  sele  hat  Got  alz  volleklich  alz  ob  in  nit  won  ainü  hetti.  und  da  von 
/i407  sprichet  sant  Anshelm:  'ain  ieglichü  sei  hat  Got  alz  volleklich  in 
hymelriche  nach  irm  willen  mit  gantzer  woUust  und  nutzet  in  frölich,  swie  ir  lo 
girde  geret\  und  daz  ist  ain  zaichen  dez  frides,  won  da  ist  du  fröde  ge- 
maine.  si  hant  och  alle  ainen  willen  in  Got:  da  enist  nieman  der  dehainen 
snndem  sitten  habe,  si  hant  glich  sitten  alle,  daz  ist  daz  si  Got  alle 
gemainlich  lobent,  Got  minnen,  (xot  erkennen,  Got  an  sehen,  daz  si  sin  iemer 
ewklich  gereut,  und  wundrent  sich  an  siner  grossen  wirdekait  und  naigent  15 
sich  denn  under  in  und  lobent  in  iemer  eweklich  mit  wundrung  siner  güti, 
sins  gewaltes,  siner  wisshait,  siner  ewikait  und  siner  grossen  schonhait 

Daz  dritte  daz  in  h^elrich  ist,  daz  ist  frihait.    wie  sint  si  fry?    si  sint 
fry  an  alle  betwungenschaft  und  [14!"]  sint  fries  willen,   si  sint  fr^  von  jamer- 
kait  libes   und  mätes.    si  sint  fry  von  allen  sorgen  und  von  allem  laide.    si  20 
minnent  nit  won  Gotte;  da  von  hant  si  nit  jamers  won  nach  Gotte.    der  ist 
ir  minnendes  liep,  an  den  hant  si  alle  ir  minne,  alle  ir  girde,  alle  ir  krefte 
und  alle  ir  sinne  gar  geleit.    si  gereut  nit  won  dez  si  hant;  si  hant  och  nit 
won  dez  si  gereut    allez  daz  da  ist,  daz  ist  da  liep;  swaz  da  nit  enist,  dez 
engert  och  nieman  nit    also  sprichet  sant  Augustinus:  'ze  hymelrich  ist  enhain  25 
ding   dez   ieman    verdriessi;   da  gebristet   och   enhains   dinges    daz  ieman    ge- 
lüste \    h^elrich  ist  ain  laut  der   fryhait:    si  sint   fry   vor  aller  arbait,   von 
allem  kumber  und  kurtzlich  von  allem  übel  die  iemer  mentschen  berüren  mu- 
gent  in  disem  tötlichen  libe,  der  sint  si  gar  [14V]  fry.    si  sint  och  iry  von 
schulden,  baidü  von  vervamer  und  von  gegenwürtiger  und  von  künftiger,    swaz  so 
si  aber  wider  Got  ie  getatent,  dez  sint  si  gar  luterlich  fry,  daz  si  reht  mit 
fr^er   durch  gesiht    mit    wundrung    sint    gesterket    und    gesenket  in   den   gfit- 

3.  alz  fMt  O.         4.  im]  gotte  .  deme  lebinden  brunnen  ö.        5.  doch  fehlt  G,        6  f.  sol  — 
da  bi]  doch  hungirc  sin  nah  gotte  .  der  der  engil  spiegil  ist .  Da  bi  so  G.         7.  und]  wan  besser  G. 

8.  also  ganzliche  vnde  also  v.  G.  9f,  got  nah  ir  w.  in  h.  mit  g.  G.  11.  und]  vnde 

als  si  ain  lebin  da  het  zebelibinne  ewicliche  .  also  irkennet  si  in  senftidiche  .  vnde  rfiwet  an  ime 
vro^liche  .  Dar  an  mugint  ir  abir  vride  merckin  .  wan  swa  vnfride  ist  .  da  enmach  wedir  rAwe 
noh  vride  sm  .  daz  siv  denne  vro^'de  vnde  rAwe  hat  in  gotte  G.  12.  enist  o^ch  n.  G, 

18.  hant  alle  g.  s.  daz  G.  14.  minnSt  G,  irkennent .  vnde  g.  an  sehint .  vnde  daz  G.  15.  siner 
ivbirmxzsigun  schonhait .  vnde  an  siner  gr.  G,         16.  under]  widir  G.        IS  f.  si  s.  fry  fehlt  A. 

19  f.  von  allir  i.  G.         20.  vor  a.  s.  vor  a.  1.  vnde  von  aUir  iamirchait  G.         21.  mlnet  Ä. 

gottes  G.       nit  j.]  o'^ch  enhain  iamir  G.         22.  hat  Ä,        23.  geleit]  bekert  G,         25.  nit] 

da  G.        26.  daz]  dez  G.        27.  h.  daz  ist  G.        vor]  von  G,        28/1  allem  ü.  —  mugent]  allir 

der  iamirchait  .  d.  i.  dehainin  m.  betrftbin  mach  G.        SO.  virvamen .  vnde  o'^ch  v.  geginwrtigen 

vnde  V.  kivnftigen  G.         SI.  aber  fehlt  G,         32.  u.  gesenket  fehlt  G.         deme  G. 


I        230  ii-  Von  gaischlichem  leben.  ^^H 

I  liehen  spiegel  und  erkennent  in  Got  all  creatui-.  dil  minst  sei  du  in  hfm^^ 
rieh  ist,  du  ist  wiser  denn  all  die  maister  die  ie  ze  Parys  gelasent;  won 
ain  ieglicbft  sei  erkennet  Got  in  im  selben  und  ir  selbes  nature  in  Got,  daz 
ist  wol  ain  fryi'i  durch  gesiht,  dii  in  Got  zaiget  allii  ding,  sant  Anshelm 
5  sprichet:  'daz  ist  ain  frilichii  angesiht  Got  fiilieh  sehen  in  im  selber  und 
in  Got  sehen  meutschlich  nature  und  Got  sehen  in  der  sele  mit  sälger 
vröde  und  mit  frölicher  sftsskaif.  da  blibent  si  in  frilicher  sicherhait,  daz 
si  niemer  enhain  sunde  noch  dehain  schulde  von  Got  geschaiden  [141']  mag. 
Daz    vierde    ist   rainne.     hymelrich    ist    daz    minnent    lant;    swer    minnen 

lu  wil,  der  kome  dar!  da  minnet  man  in  im  selben  und  durch  sich  selben 
linsern  herren,  da  minnet  unser  herre  die  sele  herwider  und  denn  die  sele 
sich  selben  durch  in  und  in  im,  da  minnest  du  ällii  ding  dxirch  in  ttnd  in  im: 
daz  ist  ain  lant  der  mlnne.  da  ist  so  minnent  richait  daz  da  nieman  arm 
ist  an    fröden  und   an  minnen;  won    du  minne    ist    da    alz    überflüssig    daz   si 

IS  sich  taillet  ainer  ieglichen  sei  sunderlich.  ain  ieglichü  sei  zerspraiget  ir  Ion, 
ir  fröde ,  ir  minne  über  allez  bynielrich ,  daz  sich  ain  ieglichü  sei  mit  ir 
frcjwet  an  irem  sunderlichen  lone,  also  sprichet  sant  Augustinus,  da  er  da 
sehribet  von  der  hj'melschen  statt:  'in  der  hymelschen  statt',  sprichet  er,  'ist 
du  rieh  minne:    da  enmag   enhain   sele  nüt   ai^iies    behalten;    ain  ieglichü  git 

20  ir  Ion  allem  bymelschen  her.  [141-'J  ieglicher  sunderlich,  und  du  selb  minne 
bringet  hin  wider  der  sele  ze  fröde  und  ze  wunne  aller  engel  fröde  und  aller 
mentschen  Ion',  sit  daz  also  ist,  so  merkent  daz  aller  mentscben  Ion  ist  aines 
ieglichen  sunderlich,  und  aina  ieglichen  sunderlicher  Ion  ißt  ir  aller  gemaine. 
da  ist  Intrü  minne  an    nid,  won    ain    ieglichü    sei    vröwet    sich    der    andren 

as  vröde  und  ir  wirdekait  reht  alz  der  iren.  und  ällü  du  minne  du  da  ist, 
du  ist  ällu  in  Got  und  mit  Got,  nu  merkent  wie  daz  si:  allez  daz  si  sehent, 
und  allez  daz  si  erkennent,  äaz  zaiget  in  allez  der  bymetsche  glantz,  und 
sehent  ez  in  siner  luteikait  und  minnent  in  denne  durch  sich  selben,  durch 
sinen  wunderlichen  gewalt  und  durch   sin  groz    wisshait   und    durch    sin    groz 

so  frihait  [148"]  und  durch  sin  fri  giiti,  durch  sin  schonhait,  durch  sine  süsse- 
kait,  durch  sin  ewekait  und  durch  sin  wundeilichen  berschaft,  und  lobent 
denn  sin  groz  wirdekait  und  wundrent  sich  des  grossen  wunders  dez  si  an 
Got  sehent  und  an  im  erkennent. 


5.  fr.  angesibtt  vrilichir  vnde  ain  wnniclichir  aneblicb  G.  6,  mentsdilich]  die  (S.  der) 
diaer  0.  1.  sfisekait]  sEelichait  G.  fr.  gieberbait]  viibait  G.  6.  niemer  me  debaine  scfa.  noh 
debaine  Büntle  G.  geschaiden]  gesundiron  O.  nach  mugl  Da  cnpbabint  eiv  ucbirlicbe  vribait 
vor  allir  iamircbait  G.  9.  Daz  —  liCmelrieh]  Himilriche  Aaz  O.  li).  welle  G.         in  eint/»- 

fügt  A.         11.  ünsem  b.  fehll  G.         iiiiBer  h.|  got  G-        sele  fehlt  Ä.         12.  dorcb  i.  u.  fehlt  Ä. 
U.  da  fehlt  G.        16,  KJreperenpt  G.       15/",  Ion  .  vnde  ir  minne  .  vnde  ir  vro'de  fibjr  G.        18.  epr. 
er  nach  19  minne  G.  19.  enbain  eele]  nieman  G.        aingee  A ,  aigines  O.        bebabin  O. 

iegUchQ]  iegolicb  eele  6.       20.  iegelicbir  eele  &.  G.       23.  iegelicbin  menschin  beidemal  G.       ir  a.  g.J 
gemainlicbe  allir  menacbin  Ion  .  ist  gemainlicbe  allir  menschon  to  G-  25.  der  iren]  ir  selbjr 

wirdichait  6.         29  f.  wissbait  —  fribait]  wiehait  O.         32.  denn  sin  g.]  in  denne  einer  gioznn  G. 
Ü9.  nocA  erkennent;  Sanctus  Angnstin?  sprich it .  Mirantnr:  Fiv  wndiron  sit-b  an  gotte  .  vnde 


['j').]    Von  unser  vrowen. 

[Missus    est    angelus    Oahriel     ad    Mariam    virginem 

Sant    Lucas    lobet    unser    vrowen    an    siben    sunderlichen    tilgenden    und 
sprichet:  'es  wart  gesant  ain  engel  von  Gotte,  der  waz  gehaissen  Gabryel,  zu 
ainer  mägde,  du  waz    gemähelt  ainem    man   der  hiess  Joseph,    in  ainer  statt.  5 
Liez  Xazareth,  und  Iiiess  du  magt  Maria'. 

Nu    merkent    disü    wort!      zem     ersten    male    ist    si    gelobet    a«    rehter 
küschL     daz    merkent    wir    an    dem   worte   daz   er    si  nemet  'ain    lazgC.    dar 
über  sprichet  du  glose  daz  si  waz  du  erst  magt  dö  Got  ie  iren  /M^'/  mag- 
tüm  gelobet    und    ir    küschkait    behielt;    da  von  waz    si    dez    wirdig    daz    der  in  I 
eugel  zu  ir  redte,    über  daz   selb  wort  spricht  sant  Jeronimus:   'es  fugt  sich 
harte  wol  daz  der  engel  zu  ir  kam,  won    si    hatte   gemaines  leben    mit   dem 
engel ;    won   mägtlich    leben    ist   über   mentschlich   leben   und   über  mentschlich 
nature',  sprichet  er,  'und  ist    reht  engelscblich'.     nu  sprichet  sant  Augnstinos 
waz  magtum  si:  'daz  ist  rehter  magtüm',  sprichet  er,  'der  verselwet  nie  wart  15  1 
mit  dekainer  unkünschi  an  gtrde,  an  willen  noch  an  werchen,  und  och  dar  an       , 
stAt«n  willen  han  ze  blibenn  nutz  an  den  tut.    es  ist  vil  mögde  die  von  der 
weit  mAgde  sint.    und  enphahent  doch  der  mägde  Ion  niemer.     daz  ist  allain 
rehter  magtüm  der  an  lib  und  an  willen    künsch  ist  und  dar  an   stAt   blibet 
unz  an  den  tot.     und  da  von  won    ünsei-  vrowe  künsch  waz  an  libe  und  an  20 


in  der  wiideronge  wirt  gebralteC  ir  herce  .  übir  alliz  himilriche  .  AIeü  sprlcbit  der  wissage  .  Niv 
({.  Siv)  »ehint  got  in  ime  seibin  .  vnde  minnont  in  durh  sicli  eelbin  .  vnde  lobont  in  an  ime  sclbin  , 
vnde  wnderon  eich  dcnnc  an  der  wndirlichun  berachart  .  die  hiv  30  ime  irkcnnent  .  vnde  denne 
wirt  gcbraitet  ir  herce  .  vnde  von  der  vnmfezsignn  gilti  gottea  minnent  siv  got  .  vnde  ingotte 
elliv  diuch  ,  wan  eiv  irlcennent  daz  elliv  gQti  in  gotte  vnde  uon  gotte  vluzzet  .  \r\  also  wirt  ge- 
breitet ir  herce  in  der  ewigun  miune  GZ. 

1.  Üherechrift  fehlt  G,  Dise  wort  spichit  8.  lueaa  von  \ 
boitBchaff  ind  vnaer  \Touwen  Phill.        2.  Der  lat.  Text  fehlt  A. 
an  deae  ewangelio  .  vnde  GZ.        3  f.  und  ~-  cngelj  Er  sprach  a 
z&reth{  zeainir  stat  div  h.  n,  vndo  kan  zaJnir  megide  dlv  w.  g.  a.  ni.  d,  h.  ioseph  G. 
Bi]  Vnair  liebiv  vrowe  div  ist  Kenicrat  G.         ain  A.         S.  wir  fehlt  G.        si  fehlt  G.         9.  daz 
fehlt  G.  10.  vnde  div  ir  ff.         dez  fehlt  G.  U.  rf]  lir  wart  gcaant  .  \-ndo  mit  ff. 

i2f.  mit  dien  engiln  G.  H.  eng.  lebin  .vnde  ewer  rehte  kÜBchiclicho  lebet  vffen  deme  ertliche 
in  inagetlichime  lebinne  .  der  ist  sippe  sprichit  er  den  engiln  in  himilrielie  .  vfl  hain  rehte  aine 
nivfiilschaft  zain  andir  .  dur  die  gelichi  dez  lebinnes  an  deme  magitäme  G.  ib.  spr.  er  .  In  aime 
örgandiehimo  libe  der  nie  virwertznlot  w.  ff.  17.  het  ß.         tot  .  dai  ist  rehte  maptön  spri- 

chit er.  Ei  ff.        von]  vor  ff.         IS.  ist  allain]  aingun  ff.         19.  an  deme  1.  u.  an  deme  w.  ff. 

biibet]  wil  beliben  ff.         3I).  tot  .  daz  erz  nieinir  wil  virwandilon  .  sprichit  er .  Tndo  ff. 
vr.  Itfinsch)  liebiv  vr.  ain  kivschiv  vnde  ain  rainiv  maget  ff. 


r  vrowen  (rat)  Z,  Van  voa  heren 

9.  Sant  L.1  AIbds  scribit  Lncai 

a  engil  w.  g  ff.       4.  z4  —  6  Na- 


1.  Da*  Stück  findet  sich  in  G  £1.  64",  Z  Bl.  76%  PhiU.BLUö',  HNr.tS;  fehlt  in  TF.A', 
Anmdel.—  Tgl.  diuu  Cod.  Pal.  germ.  34  (Predigten  Beriholds  v.  Eegemhurg)  Bl.  330'-  der  Heidel- 
berger Univergitätsbibtioffiek  (Bartach  Nr.  18)  xind  die  betreffenden  Predigten  in  Ha.  Nr.  9.^5  der 
SHftsbibl.  ru  SI.  Galle«.  3.  Luc.  1,  27.  l&f  vgl.  oben  S.  111  Z.  5f 


2S9 


55,  Von  iinsor  v 


hertzen  und  och  dar  [142']  au  stät  wolt  blibeu  untz  aa  den  tot,  da  von 
waz  si  wirdig  daz  der  engel  zu  ir  wurd  gesant.  nn  sprichet  Beda:  'es  füget 
sich  wol  und  waz  och  bilHcli,  won  aiii  engel  zem  ersten  den  val  geriet'  — 
da  nemmet  er  den  tüvel  ain  engel  da  von  won  er  ain  engel  waz  und  engel 
6  nature  hatte,  won  der  engel  und  der  tiivel  hant  glich  nature,  —  nnd  da  von 
so  sprichet  er:  'won  ain  engel  den  ersten  val  geriet  der  mAgde  in  dem  para- 
dyse,  vron  Even,  dii  noch  do  magt  waz.  dar  umb  füget  ez  sich  wol  daz  och 
ain  engel  zu  der  mägde  wurdi  gesant  von  der  Grot  wolt  geboren  werden. 
Sit  sich  unser  unhail  an  hflp  von  dem  btsen  en^el'.   sprichet  er,  'der   ünsern 

10  val  geriet,  so  waz  och  billieh  daz  unser  erlösung  gekündet  wurde  von  aim 
engel". 

Zu  dem  andern  male  ist  si  gelopt  dar  an  daz  si  wol  behüt  waz.  daz 
merkent  wir  dar  an  daz  er  [142"]  sprichet  daz  der  engel  in  gie,  daz  ist 
ain  zaichen    daz  er  si  inne  vant,    und  nit  an  der  Strasse  noch    an  dem  velde. 

15  her  über  spricht  du  gloze;  'er  vant  si  aine,  und  swer  sich  wol  behüten 
welle,  der  sol  an  der  aini  sin  nnd  sol  gerne  inne  sin  und  sol  nit  uzfündig 
sin",  nu  spricht  ain  ander  lerer  über  daz  wort:  "won  si  Got  ir  magtum 
hatte  gelobt  und  ir  künschi,  da  von  fügt  ez  sich  wol  daz  si  sich  in  hut 
hetti.     und  swer  küusch  wil  blibea',    sprichet    er,    'an  libe    und    an  hertzen, 

»1  der  mfiz  sich  ze  allen  ziten  in  hüte  han,  sin  gesiht.  sin  gehörde  und  alle  sin 
sinne;  won  swenne  der  mentsch  uz  der  hüte  kuniet,  so  mag  er  vü  lihte  sine 
künschi  verlieren',  und  da  bi  sol  ain  ieglich  mentsch  geleret  sin  daz  künsch 
wil  sin,  daz  ez  sich  ze  allen  ziten  in  hüte  habe  und  gern  inne  an  der  aini 
si;    won    swer    \il    [143°]    uz     wil    gelöfen    mit    dem     libe     und     mit     den 

25  sinnen,  der  mag  wol  sin  rainkait  veilieren.  man  liset  in  Genesi  von  hern 
Jacobs  tohter,  du  waz  usfündig,  und  gesach  si  ze  ainem  mal  ain  herre  and 
kripfte  si  und  benam  ir  ir  künschi.  intrüwen,  daz  geschiht  noch  vÜ  dike  den 
lüteu  die  gern  usfündig  sint  und  ir  selbes  nit  went  hüten,  die  verlierent  ir 
künschkait,  und  nit  allaine  ir   künschi,  si  verlierent  och  alle  ir  tugent     und 

3u  dar  umb  sont  ir  lüte  ze  allen  ziten  üch  in  hüte  haben,  die  künsche  went 
heliben!    also  sprichet  sant  Bemhart  von  unser  Heben  vrowen:  'won  si  künsche 


I.  henzenl  willen  G.  2.  gpr.  sajictue  B.  G.  fügetj  G.  S.  och  felUt  O.  A.  n.  er]  nem- 
miiit  ir  G.  if.  eagüe  n&ture  G.  6,  so  fehlt  Q.  T,  vron  —  waz]  wan  eua  waz  nob  do 
ma^t  do  bI  vz^ir  dem  paradyse  uirstozio  wart .  vndo  da  uon  aprichit  er  .  wände  aJn  engil  xemerBt 
den  ersten  ual  geriet  G.  ez  fehlt  G.  S.  wolt  geboren  wolt  w'den  A.  10.  ist  G.  12.  Za  — 
dar  nnj  Div  luidir  tugint  dar  tm  si  g,  ist .  daz  ist  G.  13.  wir  —  spr.)  an  deine  werte .  daz  lucas 
ecribet  in  demo  ewongelio  G.  IT.  ander  fehlt  G.        daz  selbe  w.  G.         IS.  ffigete  sieb  borte 

wol  dar  z&  daz  G.  19.  und  iwer]  Wan  swer  G.         21.  sine]  die  G.  22   viriiesin  .  Bp'cbit 

er.vnde  G.        boI  tiveimal  A.         2ä.  ein]  belibea  6.         24/1  dene  ainnc  U.         26.  waz  gerne 
vsf.  O.         2ü  f.  ze  —  kripfte]  der  könich  .  vnde  zuhte  Ö.         2S.  gern  fehlt  0.  29.  si  —  und] 

swer  ane  bfite  lebit  .  der  virlüret  alle  gnade  .  Wan  G.  30/'.  ir  —  beliben]  die  livte  die  gpmo 

k.  w.  b.  die  sim  sieb  zaitir  zit«  in  bäte  ban  vliziclicbe  ban  .  an  alllme  ir  lebinne  (?. 


26  f  Gm.  34, 1.  3,  vgl  oben  S.  181  Z.  28  f. 


1 


55.  Von  unser  yrowen.  223 

waz  und  dar  an  och  willen  hatte  stäte  ze  blibenne,  da  von  waz  si  och 
gerne  inne  daz  si  sich  wol  nnd  rainklich  behüten  mAbti".  und  da  mit  hat 
si  alle  die  geleret  nnd  inen  ain  form  vor  getragen  der  kunschi  die  och  ir 
k(inach[143  ^Jkait  went  behalten  unverwierret. 

Daz  dritte  dar  an  unser  vrowe   gelobet   ist,   daz   ist   daz   si   erfüllet   ist  5 
mit  der  götlichen   gnade,    daz    merkent    wir  an    dem    worte    daz    der    engel 
sprach:   'Got  halt  dich  vol  der  gnaden,    Got   ist   mit  dir,    du     bist    gesegnot 
über  all   vrowen*.    über  daz  wort  sprichet  sant  Jeronimus:  Mer  engel  sprach 
harte  wol  daz  si  vol  gnaden  wäre,  won  si  wart  erfüllet  mit  aller  der  gnade 
die  Got  hatte,  won  du  flöz  sament  in  si  daz  si  gar   über  lullet  wart,  daz  si  lo 
reht  über  flöz,  won   si  moht  ir  nit  enthalten',    man  liset  von  sant  Stephan  und 
von  andren  sümlichen  haiigen   daz  si   vol  gnaden   warent,   aber  unser   vrowe 
du  wart  volklicher  erfüllet  mit  der   gnade  Gottes    denn   ie   kain  mentsch   an 
Jhesum  Christum  ir  snn.     also  sprichet  unser  herre  durch  dez  wissagen  munt 
Ysaye:    *ich  wil   den   grossen  bach   der  gnaden    in   si  giessen  und  wil  [143 ''J  15 
si  überfüllen  alz  grosslich  daz  si  reht  allenthalben  über  swaifet*.    so  spricht 
sant  Bernhart:  'si  ist  ain  käner  und  ain  runs    aller   gnaden",     si   laitet    dez 
hymelschen  vatters  gnade   zu   uns;  won  e  si  mit    der  gnade  erfüllet   wart,  e 
enmoht  enkain  mentsche   zä  der  gnade  komen.     nn  ist  du  gnade  her  zu  uns 
durch  den  känel  gelaitet    nu  sprichet  sant  Bernhart:  'swie  Maria  e  schön  nnd  20 
rain  waz  e  si  die  gnade  reht  enphieng,  doch  wart  si  dar  nach  schöner  und 
rainner,  reht',  spricht  er,  'alz  die  wisse  wolle  da  man  scharlat  und  pheller  us 
machet     du  wirt   von  der  edli   der  varwe   alz   edel   daz   si   iren  namen  und 
ir  nature  verlüret,  daz  si  nieman  me  nemt  i^lle  won  pheller.    also  wart  och 
Maria',   sprichet  er,   'von   der   edli   der  gnaden   und   der   überflüssi   du  in  si  25 
gössen  wart,  über  mentschlich  natur  erhaben,  swie  si  doch  e  künsch  und  rain 
waz,  won  si  wart  gehailget  in  ir  [143^]  mttter  übe.    do  si  aber  mit  der  göt- 
lichen gnade  wart  durch  gegossen,  do  verloz  si  mentschlich  nature.' 

I.  dar  an  fehlt  G.  st&te]  kusche  G,  da  von]  dar  umbe  G.  8.  alle  die  livte  g.  vnde 
het  in  G^.  8/*.  die  och  —  unverwierret]  allen  dien  .  die  ir  magetfin  wen  behalten  vnvirwert- 
salot .  die  sun  gerne  inne  sin  .  daz  siv  ir  seibin  mügin  gephlegin  .  an  aUen  ir  sitten  G.  6.  wir 
fddt  G.       den  werten  daz  G,        7.  vor  Got]  Aue  grada  plena  G,        9.  vol  der  gnaden  G. 

10.  won  d.  flöz]  div  gnade  sprichit  er  vloz  rehte  G.       si  so  gar  ü.  G,       10  f.  si  reht]  div  gnade  G, 
11.  won  —  ir]  si  enmahte  si  G.        \\f.  vnde  och  von  s.  h.  andiren  G.         13.  vollicliche  G. 
(Lottes  fehlt  G.        15.  u.  wil]  vnde  enwil  si  niht  allaine  erfüllin  mit  der  gnade  .  ich  wil  G. 
16.  reht]  in  G.         17.  kenel  G.         17/1  si  laitet  —  won]  vnde  ist  ain  kenel  der  dez  himilschin 
vatirs  gnade  zA  uns  laiten  sol .  wan  vor  deme  zite  G.         18.  wrde  G.         19.  enkain]  nie  G. 
se  den  gnaden  G.         19  f.  gnade  dnr  den  k.  g.  her  zu  vns  .  wan  si  ist  der  übir  vliezinde  kenel 
der  her  züns  vliezin  sol  G.         20  f,  vnde  wiz  vnde  raine  G.         21  f.  doch  —  reht  fehlt  G. 
22.  phellol  G,  ebenso  24.  24.  me  n.  w.  won]  nemmit  w.  niht  wan  G,  volle  A,  och 

fehlt  G,  25.  spr.  er  fehlt  G.  übirvluzsi  der  gnadon  .  div  G.  26.  wart .  von  der  wart  si  rehte 
übir  G.  doch  fehlt  G.  21  f.  do  —  nature]  vnde  doch  sprichit  er  .  swie  raine  si  e  waz  .  so 
wart  si  doch  do  also  übir  gozsin .  mit  der  gotlichun  gnade  daz  si  menschliche  nature  virlor  •  alse 
groz  übirkraft  wart  in  si  gegozsin  .  von  der  gotlichun  gnade  G. 

II.  Act  6,  8,  15.  im  Anschluß  an  Isai,  66, 12. 


8S4 


,  Von 


Daz  vierde  dar  an  si  gelobt  ist.  daz  ist  frowlichü  und  kintlichn 
Scham,  lier  über  spricht  sant  Jeronimus  daz  si  nie  fustrit  gegie  an  m&gtHch 
schäm,  da  mit  hat  si  alle  m&gde  geleret  daz  ai  habent  schäme,  won  ez  ge- 
zimet    harte   wol    vrowen   und    aber    sunderüch    mägden    daz    si     habent    kint- 

6  lieh  schäme,  ez  ist  ainer  vrowen  höhstes  lob  daz  si  vrowlich  gebärde  hab 
und  mÄgtlich  zuht.  ain  wiser  haiden,  Seneca,  der  sprichet:  'verlassenhait 
und  lob  mugent  nit  sament  sin',  swer  denn  gern  sehi  daz  man  in  lobe,  der 
tlisse  sich  vrowHcher  schäm,  da  mit  zieret  er  sich  vor  Got  und  vor  den 
lüten ,    alz    unser   vrowe    ist    irre   magtlicher  schäm    gelopt    vor    den   lüten    in 

10  ert/i-#4  "/riebe  und  geeret  vor  Got  in  hymelriche  und  ist  ain  bilder  und  ain 
Spiegel  aller  migde. 

Daz  fünfte  dar  an  si  gelobt  ist,  daz  ist  daz  si  flisseklich  gedaht  waz 
grusses  daz  wäre  den  ir  der  engel  brahte.  der  engel  erschain  ir  in  aines 
mannes  bilde  und  erschrak  si.    dar  über  spricht  sant  Bemhart:    'si  waz    also 

IG  guter  und  also  rainer  ainvaltkait  Aaz  si  sich  nit  wirdig  dünkte  daz  ain  engel 
mit  ir  redte,  und  doch  waz  si  also  wise  daz  si  daz  fürdahte  ob  si  der 
bfls  engel  (rüge',  und  da  mit  leret  si  uns  daz  wir  war  sont  nemen  wer 
uns  grütÄe  und  waz  grüsses  es  si,  ob  er  engelschlich  si  oder  tüveliich,  oder 
ob    er    ze    gute    oder    ze    übel    kome;    und    sol    der    mentsche    dis    witzeklir,h 

»I  merken,  daz  er  nit  betrogen  werde,  er  spricht  öch  daz  unser  vrowe  alz  guter 
ainvaltkait  wäre  daz  si  sich  [144'J  nit  wirdig  dünkte  daz  ain  engel  mit  ir 
redti.  nu  sint  sümlich  lüte  die  dunkent  sich  wol  wiidig  daz  si  joch  reden 
soltent  mit  Gotte.  daz  ist  ain  tumplich  sin;  won  also  getanü  hailikait  ist 
vil  trugenlich,  der  mentsch  mag  vil  lihte  dar  an  betrogen  werden,    intröwen, 

25  die  sölicher  gnaden  gerent,  die  sont  gedenken  an  unser  Heben  vrowen,  die 
sich  dez  nit  wirdig  dünkte  daz  ain  engel  mit  ir  redti.  und  daz  sont  ir 
wissen  daz  vil  raAnig  mentsch  vil  liailig  ist  vor  Gotte  dem  doch  so  getaner 
gnaden  nie  nnt  widerfür,  alz  dem  dem  vil  dinges  widervert.  söliche  gnade 
git  Got    nit  durch  sunderlich  hailikait;    ez   geschiht    da  von    daz    unser    herr 

30  wol  waiz  waz  sich  aim  ieglichen  mentschen  füget:  aim  füget  bitterkalt,  dem 
andern  sässekait.  swaz  denn  Got  waiss  daz  aim  ieglichen  aller  best  fuget  und 
im  aller  nützest  ist  an  siner  [144'J  sele,  daz  git  er  im.  und  gert  joch  der 
mentsch    von    siner    unwitze    ains  andi-en,  so    git  im  doch  Got    nit  won    daz 


1.  Mlichü  J,  vTO'wiclichiv  Q. 
dia  baüdt  b.  Ö.        9.  vrowe  .  div  ist  { 
in  ertliche .  vnde  ist  rchte  aia  sp.  u.  t 
wiilicbe  0.        14.  erechr.  si]  daz  liset 
18.  und]  slde  G.        oder  t.]  aide  ob  i 


.  Bi  fehlt  fäkchlich  Q.        \f.  kintlich]  kiisclie  G.       6.  hai- 
9  /■.  in  ertr.  fehlt  G.         10  f.  gerct  in  hiroilricbe  .  vnde 
1  bilder  a.  m.  6.  12.  dar  —  fliseeklich)  iet  .  das  si  so 

lan  von  ir  daz  si  irschracb  .  voD  dez  mannea  bilde  G. 
t.  ei  G.         19.  wizliche  G.         20,  er  spr.l  So  spr.  er  G. 


22  /'.  joch  —  Gotte]  mit  dien  enpln  rettin  .  vnde  mit  unairre  vrown  .  vnde 
mit  vnsirme  herren  G.  23.  b,  div  ist  G.         24.  tr.  wun  der  ro.  G.  26.  dea  fehlt  G. 

27.  vil  mlnigl  raanich  G.  hitili^r  G.  doch  fehlt  G.  29.  gnaden}  hailichnit  G.  alz  dem] 
denne  der  G.  SO.  a.  fflget  wo!  bittirchait  G,  30  f.  dem  o,  s,  fehlt  A.  31.  um  legi.]  dem 
menecliin  iegelichime  G.  ^if.  vnde  daz  ime  allir  best  vnde  a,  n.  G.  33.  git  —  225, 1  n.  ist] 
kert  dob  siu  girde  vnde  sin  bette  an  daz  dbch  .  daz  Ime  nivlae  ist  inf^egin  liirailiiche  G. 


55.  Von  unser  vrowen. 

Eller  Biitzost  ist.    also  spricht  saEt  Bernhart:  'Got  ist    ain   fürsprech   in    dem 
gebette,    und   swaz   der    mentsch    nit  gebittet    nocli  gegeren    kan,  daz    versiht 
unser  herre  und  git  im  daz  im  aller  beste  kumet'.     also    spricht  ain  hailg:e: 
'der  mentsch  bittet,  unser  herre  gedenket.'     vebt  alz  er  spräche:    der  mentsch 
bittet  und  waiss  doch  nit  waz  im    nütz  ist.  so  gedenket    unser  herre  waz  im  »  1 
aller  nützest    und  best  ist,   und  keret  sin  bette  dar    an  und    git  im  daz.    dis 
ich  alles  dar  umb  gesprochen  daz  der  mentsch  dar  umb    nit  verzagen  sol 
ib  im  Got  enbain  süskait  git  oder  im   nit  tögenlicher  ding  oget:   du  hailkait 
it    dar  an    nit.      sant    Gregorius    sprichet    daz    daz    allatn    ist    atn    zaichen 
iVehter  hailkait   vor  Gott«   der    rehte  tugentlich    und    rainklich  lebet    und  sich  i0 1 
lißset    tugent    ze    ütbenne    [i44  "J   in  allen   sinen    wercheu,     und   dez    sol    och 
lei"    mentsch    geren    und    Got    bitten    tugend    und   gutes    lebens    und    daz    er 
behüti  vor  Sünden. 
Daz  sehste  dar  an  unser  Hebö  vrowe  gelopt  ist,  daz    ist  demötkait.    daz 
merkent  wir    an  dem  wort    daz   si  sprach    wider   den    engel:  'ich    bin    ünsei-s  l»J 
herren  dirne'.    an  dem  wort  merkent  groz  demütkait,  daz  si  sich    nante   ain 
dirnen  und  nit  ain  milter    noch   ain    gemahel    Gottes,     si  möhti   wol    han    ge- 
sprochen: 'ich  wil  gern  ain  müter  Gottes  werden',  so  hetti  si  doch  nit  miss- 
redet; da  sprach  si  nit  won  'ich  bin  ünsers  herren  dirne'.    hie  mit  hat  si  uns 
geleret  daz  öch  wir    sont   demütig    sin;    won     alz    vil    der    mentsch    sich    uff  SO  J 
ertrich   nidert    durch  Got,    alz   vil  «höhet   in    unser  hen-e    in    hymelrich.     er 
sol    sich    nit    allaine   demütigen    so   man    in    versmaket,    er  sol   sich    och    de- 
mütigen so  man  in  eret.    sant  Bernhart  spriehet:  [145']  'ez  ist  nit  ain  gi-oz 
dinq:  daz  sich  der  mentsch  demütet  so  man  in  versmahet,  daz    ist   rehtü   de- 
mätkait    daz    sich   der    mentsch  demütget   so  man    in  eret   und   höhet',     swer  13  ] 
die  gnade    welle    erwerben    und    behalten,    der   flisse   sich    nit    won   demütkait; 
won    swa    Got  ain   demütig    hertze    siht ,    da  gi'isset    er    die   gnade    in.     also 
spricht  sant  Eemhart:  'demütkait  und  gnade  hant  reht  ain  gumpanje  und    ain 
hainlichü  zä  enander,   si  enmugent  niena    an    enander    sin:   swa  rehtü   demüt- 
kait ist,  da  ist  och  du  gnade",    sit  Avir  nu  mit  demütkait    die  gnade  mugent  90  ] 
erwerben,  swer  denn  die  gnade  welle  enphahen,  der  flissi  sich  demütkait,  won 
enhain  ding  minnet  Got  so  sere  so  rehtü  demütkait.    dez  hant  wir  Urkunde  an 
unser  vrowen;    du  twang  mit  ir  demütkait  Got  [145"]  daz   er  mentsch  wart, 
sit  wir  nu  dis  bilde  und  die  lere  der   demütkait   han    an    unser    \Towen   und 
an  i'insrem  herren,    so  sont  wir  uns  flissen  demütkait.    unser  herre  spricht   in  9S  j 


PI.  fürsprech]  vtspninch  G.  2,  gobitten  Q.         4.  sie  ob  er  Q.  5.  ime  altir  nütt  G. 

6.  nllCzeBt  und  fehlt  6.         7.  mensche  nilit  virzageo  (?.  10.  rehte  fehlt  O.         11.  tugent 

BB  fl.]  daz  er  t.  ibit  G.  und)  daz  ist  aprichit  er  rehtü  hailicbait  vor  gotte  Ö.  15.  wir 

fehlt  G.        daz  —  enge!]  sie  si  deme  cngil  antB-rte  G.  16/".  nante  —  Gottes]  eelbin  niht  woltc 

Gcmmin  aine  mädr  gotds  aide  a.  gcmnliiliin  gottce .  nibt  wan  deme  nidcroBlon  dem  si  vant .  demc 
gelichte  si  sich  G.  IS.  ain  m.  G.]  vnsira  herren  mülir  G. 

Ata  wir  och  d,  siin  sio  G.        21.  er]  Der  mensche  G.        22,  b 
twinget  G.         ü4.  der]  vnde  die  G.         hain  .  beidiv  an  G. 

DsoUobB  Tcita  d»  Ulttalilten.  X. 


m/'.  hat  —  aiu]  s 
t  —  aol  sieb  fehlt  A. 


32.  minnet] 


5Ö.  Von  önaer  vrowen. 

dem  ewangelio:  'lement  bi  mir  demAtkait  und  daz  ich  senftes  nnd  miltes  beitzen 
bin.'  wir  mugent  gerne  bilde  und  lere  nemen  ab  iinserm  herreu,  won  er  ist 
ain  bilder  und  ain  Spiegel  aller  tugent.  und  aller  sAlikait.  swenne  denn  ain 
mentsch    gedenket    an    sin    demütkait ,    daz  er    sinen    knehten    ir    füsse    wolte 

h  waschen ,  so  mag  sieh  ain  kranker  mentsch  wol  genaige?i  daz  er  aim 
andern  undertänig  si  durch  den  der  sich  durch  linsern  willen  naigte  under 
sin  knehte. 

Daz    sibende    dar    an    Unser    vrowe    gelobt   ist,    daz   ist    an    dumdhtif 
geborsamj.      daz    merkent    wir    dar  an    daz    si    sprach    zA    dem   enge!:    'nacK" 

<]  dinem  willen  geschehe  mirl'  an  dem  worte  so  naigte  si  irn  willen.  [145'] 
nu  sprichet  saut  Bemhart:  'durnAhtigu  gehorsami  sol  umbescbaiden  sin,  daz 
der  mentsch  nit  gedenke:  war  zu  ist  dis  gut  oder  wäre  dis  besser  oder 
ain  anders,  oder  war  zu  haisset  man  dich  dis,  ain  andere  wAri  besser.' 
dez  ensol  der  mentsch  nit    betrahten,   er  so!    ainvaltkllch    und  demütklich    ge- 

i  horsam  sin  und  lihteklich  tun  daz  man  in  haisset.  daz  hat  uns  geleret  unser 
vrowe;  du  waz  ainvaltklieh  gehorsam,  und  durch  die  grossen  demütkait  weit 
si  niht  die  gehorsami  lassen,  und  da  mit  leret  si  uns  rebt  gehorsam  sin.  nu 
sint  etlich  liit  alz  demütig  daz  si  von  demütkait  ungehorsam  werdent:  ob 
man    ainen     bruder     zu    ainem     amptman    erweit,    so     wil    er    alz    demü' 

)  sin    daz    er    sich   der    ereu    alz    vast    wert    daz     er    ungehorsam    wirt 
demütkait    ist    böse    du     den     mentschen     von    Got     schaidet,    ez     ist     niht 
rehtü  demflt.    der  mentsch  [145''}  sol  alz  demütig  sin  daz    er    der    gehorsami 
nit  lasse,     also  sprichet  Beda:  'daz  ist  ain    gewärü  demütkait  du    die   gehor- 
sami nit  laf,    also  waz  unser  liebü  Trow  rebt  und  wislich  demütig,  won 

l  lie  der  gehorsami  nit,    si  nampte  sicii    ain    dirne  Gottes,    dar    an    ogte   si 
demütkait,  won  si  mohte  sich  wol  han  genemet  ain    müter  Gottes;    und   do( 
swie  demütig  si  waz,  do  lie  si  doh  der  gehorsami  nit     si  gab  irn  willen  in 
Gottes  willen  und  naigte  sich    zu    der    gehorsami,   daz  si  Gottes    müter    wolte 
sin.     und  da  von  sprach  si  wider  den  engel:  'nach  dinen  worten  besehe  mir, 

)  ich  wil  gerne  Gotte  gehorsam  sin,  siu  wille  werd  an  mir  ei-üUlet.'  nu  spricht) 
sant   Bernhart   und    redet    mit    ir:   'owe    vrowe',    sprichet    er,  'antwürte   d< 


ider  ^^ 


itini^l 

iht^B 
mi 
or- 


l.  miltes]  rainis  Ö.  5.  wAschenl  twahia  Ö.         gonaiget  A,         ü  /:  wir  - 

Worte  daz  b.  apr.  Fiat  michi  secimdum  uerbum  tuum  .  Nah  diaeo  worten  m&ZBO  i 

10.  so  ffhU  G.         willin  in  gottea  willen  G.         12  f.  dJH  besser  o.  a.  &.]  ain  andira  bCKsir  O.^ 
17.  die  fehlt  G.         gehoraam  sinj  gchoraami  G,  19.  üiien  —  amptmtm]  aine  e 

priolinvn  aide  aainer  suppriolinvn  G,  dann  fortfahrend  mit  Fem.,  ebenso  Z.         11  f.  ez  —  demätl 
fli  eniBt  nitit  rebt  div  demfltichait  G.        2S.  die  fehlt  G.         2if.  won  s.  I.)  vndo  lie  dar  ombe  G. 
25,  »ich  Belbnn  G.  27.  doh  fehlt  G.  29.  und  —  mir]  vnde  vxre  ai  do  demfltich  gedn 

ane  gehorsami  ,  so  hetti  si  von  dcmöd  wol  gesprochin  .  ich  enbin  nibt  wirdicb  daz  ich  gottea 
mfltir  werde  .  do  bitte  si  rehte  demfilicbait .  vnde  behielt  doch  geboreami .  Do  sprach  ai  vil  auhtic- 


liche  G. 


31. 


t  ir]  hin  zir  G.         Hpr.  er  fehlt  G. 


18/".  vgl.  S.  147  Z.  16  ff.  31  f.  vgl.  S.  76  Z.  13  ff. 


1 


55.  Von  unser  vrowen.  227 

engel  und  naige  dinen  willen,  Got  von  [146 y  hymel  baitet  dir,  die  haiigen 
engel  losent  diner  antworte!  vrowe,  nu  naige  dinen  willen  in  Gottes 
willen  und  antwurte  dem  engel  g&tlich,  won  alles  mentschlich  kunne  ist 
an  din  gnade  komen!  üu  antwärte  und  löse  allez  mentschlich  künne!  gip 
dinen  willen  in  Gottes  willen  und  enphach  Got  ze  mentschen".  nu  spricht  5 
ain  ander  lerer  Johannes  Damascenus:  'und  enhetti  unser  yrowe  irn  willen 
in  Gottes  willen  nit  genaiget,  so  enwäre  och  Got  nit  mentsch  worden;  aber 
zu  der  selben  stunde  do  si  daz  wort  gesprach:  ""nach  dinen  Worten  geschehe 
mir",  do  kam  der  hailig  gaist  uff  si  und  erfulte  si  mit  der  gnade  und  be- 
schetwat  si  mit  der  obrost^n  tugent  und  rainte  allez  ir  blut  von  allen  ir  lo 
Sünden  und  von  aller  ir  krankait  und  schuf  da  ain  kint  von  [146^] 
dem  rainsten  blute  daz  in  irem  lip  waz,  und  fügte  sich  zehant  zö  dem 
kinde  dfi  hailig  gothait  und  du  hailig  sele.  und  an  der  selben  stunde',  spri- 
chet  er,  'da  waz  do  gew&rer  Got  und  gew&r  mentsch  und  du  hailig 
sele,  alz  gewaltig,  alz  wise,  alz  volkomen  an  allen  tugenden,  an  aller  15 
krafte,  alz  er  hüt  in  hjnmelrich  ist.  intrüwen*,  sprichet  er,  'si  enphie  Got 
nit  e  si  gehorsam  wart  und  iren  willen  genaigte,  do  fugte  sich  do  erst  Got 
zä  ir  in  mentschlich  nature;  und  enhette  si  im  willen  nit  so  uf  geben,  so 
w&r  och  Got  nie  mentsch  worden',  nu  spricht  sant  Bemhart  und  redet  mit 
ir;  'owe,  vrowe*,  sprichet  er,  'bring  für  din  wort!'  reht  alz  er  spräche:  'vrowe,  20 
enphahest  du  dez  Wortes  nit,  so  sint  wir  all  verlorn',  bi  dem  worte  merkent 
den  sun;  den  nemet  du  schrift  daz  wort,  also  sprichet  sant  Johannes:  [146 ''J 
'daz  wort  waz  in  dem  angenge',  daz  angeng  ist  du  groz  gothait,  die  waz 
ie  an  angenge;  aber  daz  wort  waz  der  sun,  der  waz  in  dem  vatter  an 
angenge,  also  sprichet  der  wissag  von  dem  selben  worte  daz  den  sun  bezai-  25 
chent:  er  sprach:  'daz  wort  ist  ze  flaisch  worden',  da  wissaget  er  diz  groz 
hohzit,  daz  der  sun  ze  mentschen  wart,  dis  wort  wonet  von  angenge  in  des 
vatters  schösse,  nit  alz  daz  kint  in  der  müter  schösse,  won  daz  wonet  mit 
swäri;  aber  der  sun  wonet  an  alle  sw&ri  in  dez  ewigen  vatters  schöz, 
reht  alz  ain  gut  wort  in  dez  mentschen  hertze.  also  redet  aber  sant  Bern-  so 
hart  zu  ir  und  spricht:  '0  vrowe,  enphach  dez  vatters  wort!'  reht  alz  er 
sprächi:  'vrowe,  enphach  daz  edel  wort  daz  vor  angeng  wonet  in  dez  h^el- 


1.  wiUen  in  gottes  willen  .  0  we  vrowe  sprichit  er  got  von  himilriche  6^.  8.  dem 

engel  fMt  G,  won  fehlt  G.  7.  Vnde  abir  G.  8.  n.  d.  worten]  Hat  michi  secon- 

dnm  verbtim  tanm  .  Ich  wil  gehorsam  sin  .  n.  dinem  worte  G.  10  f.  uon  allen  sündon  G. 

14.  and  nach  Got  fehlt  G.  17.  willen  ingottes  willen  genaigite  G.  18.  so  nach  nit 

fehlt  G,         19.  nie]  niht  G.         20.  ir]  dir  G.         reht  —  vrowe]  vnde  enpha  dez  vatirs  wort  . 
r.  als  ob  er  spr.  G,  22.  nemmit  man  d.  w.  in  der  sehr.  G.  nach  Joh.]  In  prindpio  erat 

uerbnm  G.       23.  vor  ist]  daz  G.       24.  wort  daz  waz  G.       v.  an]  v.  vor  G,        26.  vor  er  spr.] 
Verbum  caro  facta  est  GZ,  27.  von]  vor  G,  SO.  ain]  daz  G.         81.  0  fehlt  G.         als 

ob  er  G, 

23.  Joan,  i,  1.         26.  Joan,  1, 14, 

15* 


55.  VoQ  üaser  vroweo. 

sehen  vattere  scliöz!*    daz  wort  waz  per  hailig  suii,  den   si  mit  Got  hatte  ge-"" 
maine.   "owe",  sprächet  er,    "vrowe,  (MG"}  gib  ain  zergangklich  wort  nmb  daz 
ewig  ivort,  fürbring  din    wort  uud  enphach  dez  hymelschen  vatters  wort', 
antwiirte,  vrowe,  dem  engel  gütlich  und  lös  uns;  won  swie  du  nit  antwortest,  ] 

s  80  sint    wir    yerlorn!      uu  fürbring    din    wort    und    enphach    Gottes    snn    z&  ] 
ainem  kindel'     dis  wort    und    dis    kint    enphie    si   rehte    mit    dem    worte  und  , 
mit  der  antworte    daz   si    sprach:   'nah   dim    worte  geschehe   mir!"      da   wart 
daz  hymelsch  wort  ze   flaische,  daz  vor    angeng    wonet    in  dez  vatters  sch&z.  I 
daz  waz  der  tag  allez    ünsers  hailes  und  ain  angeng  aller  unser  sAiikait.    da  J 

)  wart    erfüllet    daz  der  wissag  Ysayas  hat  gewissaget:  'ain  magt  wirt  swanger  | 
ains  kindes  und  gebirt  ain  snn,  dez  nam  ist  gröz,  er  wirt  gehaissen  Emanuel* 
diz    waz  der  groz    tag    daz  Got  wart    mentsche  [147"/  durch    den  mentschen.  j 
da  wart  och    erfüllet    daz    der  wissag  Jeremyas    gesprochen    hatte    von    dem 
grossen  wunder    daz    ain    un  bewollenü    magt  gebar  aiuen  man,    niaget    wesent  I 

s  vor  und  nach  unverwert.  daz  warent  nüwü  ding,  daz  wart  sit  noch  e  nie 
gesehen  noch  vernomen,  alz  Jeremyas  hat  gesprochen  von  dem  grossen 
wunder:  'Got  wil  nüwü  ding  uff  erde  machen,  ain  maget  sol  umbvahen 
aioen  man  und  sol  in  beschliesen  in  ir  lib'.  hie  von  hat  gesprochen  ain 
ander  wissag:  'hüt  ist  der  frid  her  nider  komen  und  daz  honig  daz    in    dem  [ 

0  hymel  ze  samen  waz  getragen,  daz  ist  durch  flössen  durch  all  die  weit',  dis  j 
wart  allez  erfüllet  an  dem  worte:  'fiat  michi,  nach  dinen  Worten  geschehe  ] 
mir',  do  si  dem  engel  antwurte,  do  wart  Got  mentsch  durch  fl4?'J  uns,  und  | 
also  wart  erfüllet  dez  wissagen  wort. 


1,  wort  dax  wo;!  G.  hat  ff.  3.  Owe  vrowe  spr.  er  g,  G.  4.  dem  engel  fehlt  G. 
lo'se  &\\h  menschlic  künne  .  vrowe  wir  sin  alle  virtaiiit  ze  deme  ewigen  tode  ,  Owe  vrowe 
lo'se  vnä  G.  5,  verlorn)  iemir  virdampnot  G.  7,  do  si  spr.  Fiat  micbi  sccundum  ucrbfl  tu 
Nah  d.  w.  mtie  mir  g.  ff.  9.  unser  fekll  G.  10.  vor  ain]    Ecce  uirgo  wtncipiet  et  pariet   1 

filium  G.  IS.  vnvirwortsalot  ff.  17,  vf  der  erde  G.  19.  hsete  oeh  gespr.  ff. 

19.  konicu]  geatiges  ff.  20.  durch  fl.]  geviozsin  G.         21.  an]  mit  ff.  21  f.  nach  —  mJi]  1 

senuidum  u^bom  tuiun  G.        22.  entwrte  .  Mir  geachehe  nah  dinen  worten  .  Do  ff.  22  f.  nnd  I 

also]  do  G.  23.  desi]  altir  siner  GZ. 


10  f.  Isai.  7, 14.  13. 17.  Jer.  31,  23.  19.  vgl.  often  8.  89  Z.  3f.  iwi  4n»oUu/t  an  dn  | 

Reaponsorium  tn  der  1.  Xoktum  des  Weihwichttfeates ;  „Hodle  aobfs  de  coelo  pax  vera  deacendi^  ] 
hodie  per  totam  mundom  melliflui  Facti  sunt  coeii''. 


56.  Von  finecre  herren  Qftan. 


[56.}  Von  nnserg  herren  fiffart. 

fVidentibus    Ulis   elevatus    est    et    nahes    suscepit    eiim    ah    ociilis    eorunij 
Sant    Lucas  sprichet   in  der    zwelfbotten    buch   von    unsere    herren    uffart  < 
und  sprichet:   'do  unser    herre  ze    hymel    wolle  varen,  de  gieng  er  mit  sinen 
jungern    uff    ainen    hohen    berg ,    hiesse    mons    oliveti ,    und    Wr    ze    hymel    ze  i 
ir  angesiht,     und    kam    ain    wisser    wölke    und    enphie    in,    und    sahent    mit 
flaischlichen  ogen  daz  er  gewalteklich  und  herlicb   ze  bymel   fär,  und  wartent 
si  im  nach'. 

Nu  merkent  daz  er  verre  von  uns  ist  gevaren,  und  da  von  müssent  wir 
ain  luters  und  ain  vest  oge  han,  weyi  tvir  im  nach  sehen:  viati  siver  verre  lO 
ain  ding  wil  sehen,  der  mu2  vil  luteni  offen  han:  ze  glicher  wis  mussent 
wir  vil  luterlich  gesehen,  wellent  wir  Got  schowen,  der  alz  verre  von  lins 
ist  gevaren  in  verrü  laut,  dia  lut«r  oge  da  mit  wir  GJot  sont  schowen,  daz 
,  ist  eristener  gelob,  den  ain  cristen  mentsch  haben  sol.  wir  sont  alle  geloben 
an  ainen  Got,  der  AUü  ding  [147']  geschaffen  hat.  wir  sont  dllii  geloben  is 
ain  kAnftigs  leben,  daz  da  gat  nach  disem  lebenn  aintweder  mit  ewiger  not 
oder  mit  ewiger  vröde,  ieglich  mentsch  nach  sinen  werchen.  dirre  gelob 
rainnet  daz  hertze  und  lut*rt  im  alles  daz  dar  us  daz  bös  ist  und  daz  süüde 
ist,  und  machet  daz  sich  der  mentsche  alweg  flisset  guter  werche  und  gutes 
lebens  und  die  siinde  ze  midenne,  da  von  daz  er  gelobet  daz  er  lone  20 
enphahen  sol  nach  sinen  werchen.  und  da  von  spricht  sant  Paulus :  'cristen 
gelob  ist  ain  bevahung  der  dinge  die  wir  dingent',  daz  ist  unser  herre,  won 
er  wil  selbe  unser  Ion  sin.  und  da  von  sprichet  er  daz  wii-  ez  mit  geloben 
bevahent,  won  ez  ist  iina  künftig,  und  mugent  ez  noch  nit  gesehen,  sant 
Paulus  sprichet  daz  wir  nu  iinsem  hei'ien  nit  mugent  gesellen  won  alz  der  'Ki 
durch  ain  glas  oder  durch  ain  nebel  siht,  und  [14?"]  da  von  bedurfent  wir 
wol  daz  wir  ain  starkes  oge  habent  und  ain  luters:  won  swaz  der  mentsch 
durch  ain  glas  oder  durch  ain  nebel  sehen  sol  und  schowen  wil,  der  mfiz 
stärku  und  schönnü  ogen  han.  zU  glicher  wis  müssent  wir  vÜ  starken  und 
stäten  globen  han,    wellent  wir  Got  nach  sehen  in  daz    verre  lant  da  er  bin  30 


1.    Überidirifl  fehlt  GZWN,   Vp  vns  horea  liemelvartz   dach  PhilL  2.  Drr  tat.  Text 

1  fehlt  Ä.  Zf.  AlsuB  scribit  lucas  in  actibus  apostoloram   v.  n.  b.  v.  vsde  spr.  also  O  Z. 

5.  hieate  m.]  Hoctis  G.  f^r  A.  zedeme  hohin  b.  O.  6.  sahin  aiv  mit  ir  G.  \).  er  harte 
10  f.  wen  —  ban  fehll  Ä.  IG.  daz  d.  g.  fehlt  G.  lebenn]  übe  G.  17/*.  Disiv 
gelo-be  div  r.  G.  IB.  im  fehlt  G.  h&a  ist]  drinae  ist  bo'sez  G.  20.  gelobet]  die  gelo'be 
imme  hercen  hat  G.  21  f.  Div  cristealicbe  gelo'be  G.  12.  diel  der  ff.  vor  daz]  div  dinch 
der  wir  gingen  (1.  din^n)  O.  29.  da  von]  dar  nmbe  G.        ez]  daz  G.         24.  vdb  noh  künf- 

ticb  O.        vor  sant]  vnde  dannan  von  müzin  wiiz  bevahin  mit  dcme  gelo'bin  .  Wan  G.         2h.  der 
fehlt  Q.        26.  übt  fehlt  O.        2S.  iehen  b.  und  fehlt  G.        29  f.  wir  vil  stietin  vnde  vil  starchin 
'    seLG. 


1.  Die  Predigt  findet  sieh  in  ff  Bl  6 
BI.  175-;  fehlt  Antndel.         2.  Act.  1,  9. 


;  Z  Bl.  81',    WBl.47,  S  Bl.  49',  B  Nr.  14, 
21  f  Sehr.  11, 1.  25.  1.  Cor.  1.%  13. 


^ 


280  56,  Von  CnserB  herreo  fiffait.  ' 

gevaren  ist,  da  er  nu  uns  ist  verborgen  die  wil  wir  in  disem  libe  sint.    aber 
sweoa  wil"    von  disem  eilend  geschaident,  so  ist  der  nebel  zergangen. 

Daz  ander  oge    da  mit  wir  Got  nach  sont  sehen,  daz  ist  ain  uf  gerihtea 
oge,  won  er  ist  ob  uns  liohe;  und  da  von  mussent   wir   ain    uf   gerihtes  öge 

i  hau,  wellent  wir  in  sehen,  bi  dem  ogen  verstaadeut  wir  daz  hertze,  wan  in 
disem  libe  mag  nieman  Got  sehen  won  mit  dem  ]iert2en,  und  da  von  sont 
wir  ain  uf  gerihtes  herze  hau,  won  Got  ob  uns  ist  [148"}.  der  wissa^ 
sprächet:  'der  mentsch  sol  daz  hertze  erhöhen,  so  wirt  Got  erhöhet",  nu  ist 
Got  also  erhöhet,  swie  höh  der  mentsch  sin  hertze  erhöhet,    so   ist  Got     den- 

I  noht  höher,  und  so  der  mentsch  ie  höher  stiget  mit  sim  hertzen,  so  Got  ie 
höher  ist.  und  da  von  spricht  er  anderswa;  'hene,  naige  dinen  hymel  und 
kum  herab!"  do  er  so  hohe  uf  gestaig  und  er  sin  hertze  erhöhet,  so  wart 
er  erkennent  daz  Got  so  höh  ist  daz  in  nieman  begrifeu  mag.  und  da  von 
sprach  er:   'herre,    naige    dich    her   abe    daz   wir    dich   begrifen    mugent*;    alz 

'  er  spräche:  herre,  du  bist  so  hohe  daz  nieman  zu  dir  kernen  mag,  weder 
engel  noch  hailig  noh  nieman  mag  diner  höhi  ende  ergrifen.  so  der  mentsch 
ie  höher  stiget,  so  Got  ob  im  ie  höher  ist.  und  da  von  sprichet  er:  'herre, 
naige  dinen  hohen  gewalt  her  nider.  daz  wir  dich  bevalien  mugent".  [14S'J 
diz  ist    ain  wunderlichü  red,  daz  er  ünsenn  herren   miitet   daz   er   sinen   ge- 

)  walt  und  sin  höhi  naige  dar  unibe  daz  wir  in  bevahen  mugent.  dar  an 
sont  ir  merken  daz  der  wissage  aintweder  wunderlich  oder  unbeschaidenlich 
hat  gegert :  umbeschaidenlich ,  daz  er  an  Got  mätet  daz  er  sich  niderti; 
wunderlich,  daz  er  sinen  gewalt  und  sin  wunder  an  im  erkande.  er  gerte 
nit    daz  sich  Got  niderti  an  siner  wirdekait,   och   tut  ez  Got   nit;    er  enwirt 

s  niemer  genidert  noh  gehöhert  an  sim  gewalt,  won  so  wäre  er  wandelbare, 
dez  enist  er  nit,  er  ist  an  allen  wandel.  wie  naiget  er  sich  denne?  daz 
mevkenti  unser  herre  ist  alz  gewaltig  daz  er  sich  groz  und  klain  machet 
swie  er  wil.  und  also  naiget  er  sich  zu  aim  ieglichen  ding  und  erfüllet 
ällü    ding    mit    im  selben,    nit    also   daz    sin    gewalt    genidert    oder    gehöhert 

)  oder  geminret  werde,  er  naiget  sich  also  [148']  daz  er  sinen  gewalt 
oget  dar  an  daz  er  sich  klaine  und  groz  machet  aim  ieglichen  ding  dar 
nach    alz    tu    ez    sin    cnphahen    mag.     und    da    von    sprichet   sant    Paulas: 

I.  da  ist  er  vns  nu  virb.  G.        2.  geschaiden  werdin  G.        ä.  in  s.1  got  scbowin  O.        6.  da 
von]  dar  nmbe  G.  7.  vor  der]  vuile  müzin  vnairiv  hei'cen  ho'hin  vnde  vt  ribten  .  wollen  wir 

got  schowin  G.         8.  vaeh  spr.]  Accedet  homo  ad  cor  altum  et  exaltabitur  deus  G.  II.  «oi 

herre]  Domine  iudina  celoa  tuos  et  deacende  G.         dine  h.  A,  Arne  hiioilc  O.  12.  irfao'bite 

daz  got  irho'hit  wrdc  .  do  wart  G.        14.  er  do  berre  G.        abe]  nidere  G.        Rebte  ala  G. 
19.  htzen  A.  21.  wndirlicb  waz  odir  G.  32.  also  unb.  G.         an  frhtl  G.         mötote  G. 

23.  abir  wndirliche  alfio  d.  e.  sinca  wndire  u.  sidob  g.  vil  an  ime  irk.  daz  er  da  uon  wndir> 
Üchir  dinge  geite  .  Der  wissage  engerte  G.         26.  er  ist]  got  ist  6.  29.  nach  goildort  ist  wii 

rot  durehstrkhen  A.         gea.  o.  geb.j  vude  sin  bohi  gonidiret  ß. 


I 
I 


56.  Von  ünsers  herren  üffart.  231 

'6ot  ist  ällü  ding  an  allen  dingen";  reht  als  er  spräche:  Gfot  hat  sich 
mit  sim  gewalt  gefüget  zu  allen  dingen,  won  er  ist  dllü  ding;  so  ist  er  och 
in  allen  dingen,  won  er  hat  sich  genaiget  in  ällü  ding  und  hat  si  daz  si 
ir  Wesen  an  im  hant.  und  da  mit  minret  sin  gewalt  nit,  er  oget  in  so 
er  sich  zä  aim  ieglichen  ding  f&get  alz  yil  alz  ez  sin  enphahen  mag.  der  5 
mentsch  der  ain  wites  hertze  hat,  zu  dem  fiüiget  er  sich  also  daz  er  sin 
hertze  erfallet;  der  och  ain  enges  hertze  hat,  zu  dem  füget  er  sich  also  daz 
er  es  in  siner  masse  erfüllet,  und  dar  umb  enzfihet  er  sich  sines  gewaltes 
nit,   er   oget  in  da  mit. 

Und  da  von  won  unser  herre  alz  hohe  ist  daz  in  nieman  gevahen  mag,  lo 
so  hat   er  uns  der   sele   dri  laitren    gemachet^   die   der   mentsche  [148  y  uf 
klimmen    sol,   daz    er   den  begrife   der   da    wonet    in   der   höhi. 

Du  erst  laiter  ist  du  creature.  an  der  solt  du  dri  sprossen  merken  die 
du  uf  stigen  solt  zä  Gotte.  der  erst  sprosse  ist  du  sterki  der  creature,  alz 
der  h^mel  und  du  sunne  und  der  mäne  und  ander  creature,  die  alz  stark  15 
sint  daz  si  nieman  zerbrechen  mag.  dar  an  sont  ir  sinen  gewalt  erkennen, 
alz  man  liset  von  den  wisen  haiden,  die  erkantent  an  der  creature  daz  ain 
6ot  ist  der  aller  ding  ain  schepher  ist,  und  ain  gewalt  dem  nieman  mag 
widerstan.  und  gabent  uns  dez  ain  regel  da  bi  daz  den  hymel  und  ander 
creature  nieman  gebrechen  mag,  und  sprachent  daz  der  mentech  wäre  du  20 
edlest  creature  du  under  dem  hjmel  ist,  und  ist  doch  enhain  mentsch  so 
gewaltig  noch  so  groz  der  den  sunnen  gebrechen  muge  oder  geswe/l/^d^chen. 
und  da  mit  so  gabent  si  ain  Urkunde  daz  ain  60t  wäri  der  äUu  ding  ge- 
schaffen hät^  und  sprachent  also:  'swaz  der  man  nit  mag  gemachen,  daz  en- 
mag  er  och  nit  zerbrechen;  swaz  es  aber  mag  gemachen,  daz  zerbrichet  er  2S 
och  wor.  und  da  von  sprechent  si:  'sit  nieman  so  gewaltig  ist  der  den 
hymel  mug  gebrechen,  so  ist  och  so  gewaltig  nieman  der  in  mug  gemachen, 
so  ist  ain  gewaltiger  60t  der  über  ällü  ding  ist  und  dem  nieman  widerstan 
mag.'  und  erkandent  si  also  unsers  herren  gewalt  an  der  creature.  und  also 
sont  öch  wir  Got  erkennen  an  der  creature  und  sont  denn  den  nutz  dar  an  so 
nemen  daz  wir  uns  under  in  sont  naigen.  sit  Got  ain  gewaltiger  Got  ist, 
dem  nieman  mag  widerstan,  so  ist  daz  billich  daz  wir  ans  under  in  naigent. 
und  da  von  spricht  saut  Peter:  'ir  sont  üch  naigen  under  dez  [149"]  grossen 

1.  als  ob  er  G^.  2  f,  won  —  dingen  fMt  A.         4.  minrot  er  sine  G.         5.  ding]  men- 

schin G.       vil  ez  G^.        7.  engiz  het  G,       also]  abir  in  der  maze  G.       8.  in  s.  m.  fMt  G. 
10.  won  fMtA.         11.  so  —  uns]  wan  swie  hohe  der  mensche  sin  herce  irfao^hit  .  so  ist  got 
dennoch  vil  ho^hir  .  vnde  dar  ombe  het  vnsir  herre  G,  der  m.]  si  Cr.  12.  er]  si  G, 

IS.  di  iL         14.  ist]  daz  G,  ergänze  ist.         17.  Also  liset  man  G,         18.  ain  seh.]  schepher  G. 
20  f,  m.  div  ah^  e.  er.  ist  div  G,        23.  so  fehlt  G.       2S.  dinch  gewaltich  ist  G,       nieman 
fehlt  Ä,         81.  gew.  Got]  gewalt  G.         83.  Petras  .  Liebin  kint  ir  Cr. 

1.  1,  Cor.  15,  28.  13  ff,  vgl  ähnliche  Gedanken  oben  5.  26  Z.  26  ff.,  8. 152  Z.  2  ff. 

17.  vgl.  tmtm  S.  255  Z.  18  ff.  33.  1.  Fetr.  5,  6. 


56.  Von  ünserB  berrCD  fiffart. 


Gottes  gewalt,  der  iich   behaltet  an  dem   tage   so   er   AUü   üwri'i    werch    scho-* 
went    wirf,     der  ander  sprosse   ist   du    schöni   der  creature.     dar  an    sont  ir 
merken    sine    wizhait,    daz    er    ällü    ding    alz    ordenlich    hat    geschaffen    und 
hat  ieglichem    sin  maz  gegeben,     und  dar  an  sont  wir  aber    den  nutz  nemen 

5  daz  wir  uns  tump  dunkent;  won  swie  wise  der  mentsch  wäre,  so  wäre  er 
ze  tump  doch  wider  der  wishait  du  an  Got  ist.  und  da  von  sol  der  mentsch 
erkennen,  swaz  er  wishait  oder  beschauJenhait  hat,  daz  er  die  von  götlicher 
wishait  habe  und  nit  von  im  selben,  man  liset  von  wisen  haiden  daz  die  ir 
wishait  von  in  selben  woltent  hau;    und  sprechent   die  lerer  daz  in  Got    daz 

1  offenberesf  vor  beschlöz  daz  an  der  creatur  ist,  daz  ist  sin  giiti,  dii  ist  aller 
offenbärost  an  aller  siner  geschephte,  die  beschlöss  in  unser  herre  vor  dar 
umb  won  si  ir  wishait  von  in  selben  wandent  han,  und  erkandent  [149']  nit 
an  der  creature  won  gewalt  und  wishait.  und  dar  umb  sont  wir  alles  an  die 
wishait  wider  gen  dem  von  dem    ällü    wishait   geflossen    ist    und    fliisset.    der 

5  dritte  sprosse  ist  du  nutzbäri  der  creature.  dar  an  merkent  wir  sin  gnti. 
und  da  von  spricht  aiu  haiiger  man  daz  er  sin  guti  hat  getaillet  mit  allen 
dingen,  und  sprechent  die  haiigen  und  die  maister  und  die  lerer  daz  ünsers 
herren  gfiti  also  groz  und  also  übermässig  ist  daz  er  sich  niht  möhti  ent- 
halten, er  tailte  si  mit  allen  dingen  und  mähte  ällü  ding  nütz  und  gät.    man 

)  liset  in  dem  ersten  buch:  'do  unser  herre  hjmel  und  erde  und  Ällü  ding 
geschftf,  da  sach  er  alles  an  und  geviel  im  wol'.  nu  spriohet  saut  Augustinus: 
'sit  uns  ain  so  guter  Got  geschaffen  hat,  so  ist  och  billich  daz  wir  gut 
sigint';  reht  alz  er  spräche:  Got  hat  alz  übermässig  güti  an  im  daz  er  sich 
niht   moht    enziehen,    er  mahti  alles  [149"]  daz    gut   daz    er  ie  geschuf;    und 

i  alz  er  gab  dem  dinge  daz  ez  wäri,  also  gab  er  im  och  daz  ez  gut  wäre, 
und  da  von  ist  ez  billich,  sit  uns  ain  so  guter  Got  geschaffen  hat  und  er 
uns  sin  güti  gab,  daz  wir  och  gfit  sigint.  hie  ab  solt  du,  mentsch,  aber 
nemen  ainen  nutz,  daz  er  alle  creatur  für  gut  habe,  und  sol  merken  daz 
ällü  ding  von  Gotte  sint.    da  von  sol   er  ez  allez  für  gut  hau  und  sol  enhain 

I  ding  versmahen. 

Du  ander  laiter  ist  du  sele.  du  lait«r  ist  vil  höher  denne  du  erste,  und 
da  von  sprichet  saut  Gregorius  wie  du  sele  ain  laiter  machen  sol  dar  uffe 
si  zu  Got  klimmen  sol;  er  sprichet  daz  sich  du  sele  so!  euzühen  in  sich  selben, 


1 


1.  der)  daz  or  G.        2.  sprosse]  sicgil  daz  G.        d.  ze  L  A.\  doch  tump  O.       der  fddt  A. 
7.  beschcnhait  A.  8.  von  dien  w.  b.  G.  9.  die  balligen  1.  G.  Got]  vneii  h«rre 

10.  otfenber  A.  H.  gefl,  ist  n.  fehlt  O.  16.  spr.  da  mitte  wir  lö  gotte  dimmen  en 

daz  ist  O.        ist  feitlt  A,         sine  hailigun  g.  G.  IT.  die  grozia  lerere  G.  18.  or  fehlt 

mach  G.  19.  entaile  eich  mit  Q.  20.  den  e.  bflchia  G.  23.  als  ob  or  O. 

bette  G.         26,  ez]  harte  G.         2".  iiocA  gab]  so  ist  harte  billich  G.         och  fehlt  O.         a.  dnj 
sol  der  G.         29.  sint .  vnde  och  da  uon  nutze  vnde  gut  eint .  vnde  danuan  von  G. 
da  mitte  wir  vf  ze  gotte  cllmmen  aun  .  daz  ist  G.  33.  sol  eazüben]  in  ziehi  G. 


■  56.  Voa  finsere  herrcn  Qffait.  233 

■  daz  si  vergesse  aller  uswendiger  ding,  und  sol  uf  stigen  an  die  gräte,  dei 
erst  sprosse  ist  gehügde;  du  ist  bildung  aller  ding  und  ist  glich  aim  schrin 
oder  ainer  arche.  in  dem  sclirine  [150']  belialtet  man  kram  der  edel  ist 
also  behaltet  gehngde  bildung  aller  dinge  die  der  mentsch  ie  gesah.  an 
disem  sprossen  sol  denne  du  sele  uf  klimmen  und  sol  erkennen  daz  si  Qotte  i 
glich  ist  dar  an;  won  alz  si  bildung  hat  in  ir  aller  dinge  und  Joch  der  dinge 
der  si  nit  ist,  also  ist  Got  ain  bildung  aller  dinge,  und  ist  ain  lebender 
Spiegel  in  dem  AUü  ding  bild  enphahent,  er  ist  in  hymelrich  ain  Spiegel 
der  engel  und  aller  seien,  da  siht  man  den  engel  in  Gotte  und  Got  in 
dem  engel;  da  siht  man  Got  in  der  sele  und  die  sele  in  Gotte.  und  dez  l 
haut  wir  ain  glichi  von  Got  uff  ertrich ,  jehent  die  maister :  der  zwene 
Spiegel  nAme  und  die  gegen  enander  hetti,  so  bildete  sich  ietweder  spiegel 
in  dem  andern,  ze  glicher  wis  ist  es  ze  Iiymelriche :  finser  herre  ist  ain 
lebender  und  ain  ewiger  Spiegel,  [160"]  von  dem  Allä  schonhait  und  Allü 
vrfid  flösset;  so  ist  och  ain  ieglich  engel  und  ain  iegUchil  sei  ain  spiegel.  1 
die  Spiegel  glentzent  alle  engegen  enander,  won  die  eugelschen  und  der  seien 
Spiegel  sehent  alle  in  den  götlichen  spiegel  und  ersehent  sich  selben  dar 
inne  und  er  da  wider  in  inen,  und  also  ist  Got  ain  spiegel  und  ain  bilder 
aller  der  die  in  hymelrich  sint,  und  aller  creature,  won  er  hat  alle  crea- 
tur  geschaffen  also  und  gebildet  in  im  selben  daz  man  in  dar  an  mag  er-  S 
kennen,  und  also  ist  öch  du  sele  Got  glich  an  der  bildung  daz  si  in  ir 
gehügde  hat  bildung  aller  dinge  der  si  doch  nit  ist.  der  ander  sprosse  ist 
der  sele  vernunst;  dii  ist  ain  lieht  der  gehügde  in  der  sele  und  entlühtet 
die  bildung.  mit  dem  liehte  der  vernunst  wird  du  sele  erkennent  daz  si  an 
der  edelkait  der  nature  Got  gelich  ist.  der  dritt  sprosse  ist  dii  minne;  dft  2 
gat  ze/150'Jha,Tii  nach  der  vernunst;  won  so  du  gehügde  der  bildunge  en- 
phahet  und  dar  nach  du  vernunst  erkennet  die  edelkait  der  bildung,  so  min- 
net  si  es,  und  hat  denne  so  gi'oz  vröde  an  den  edlen  und  an  den  hohen 
bildungen  die  si  in  der  gehügde  erkennet,  daz  si  enkaines  uswendigen  dinges 
bedarf,  und  zühet  so  gar  sich  in  sich  selben  daz  si  enhainer  vrttden  bedarf  s 
noch  gert  won  die  si  an  ir  selben  hat.  und  dar  an  ist  si  och  Got  glich  so 
vil,  und  si  in  ir  massen  mag.  unser  herre  hat  alz  gröz  vröde  und  wollust  an 
im  selben   daz  er  zu  siner  vröde  und  wollust  niemans  bedarf  won  sin  selbes. 

1  f.  die  —  Bprosse)  den  ersten  grat .  daz  G.        2.  aia  bildunge  G.        4.  also  zegelichir  wie  Q. 
b.  äO]  disiv  G.        Uutte  fehlt  A.         6.  in  ir  allir  dinge  G,  in  allen  dingen  Ä.        T,  der]  dir  6. 

9.  vnde  ain  apiegil  allir  s.  G.        10.  BJhl  man)  selien  wir  G.        11.  von  Got  fehlt  G.        13.  es 
fehlt  A.  U.  I.  spiegil .  v.  der  ew.  ep.  G.  1 6.  won  —  IB  Got]  Vnde  eehint  inden  goUiohen 

spiegil  alle  engilsliche  spiegile  .  vnde  in  den  engilsclien  spiegiln  sehen  wir  den  gotlichin  Bpiegil .  So 
settin  wir  och  indeme  gotlichin  spiegile  ainer  iegelichir  selo  spiegil  .  vnde  abir  got  inder  sele  . 
also  ist  vnsir  herre  0.  19.  und]  So  ist  er  och  ain  bildor  G.  19  f.  creatur]  dinch  G.  20.  also 
fehlt  G.         in)  got  G.         21.  und  —  6ch]  Zcgelichir  wie  ist  G.         22.  spr.  der  iBstiro  daz  ist  G. 

24.  bildunge  .  vnde  git  der  sele  irkennungc  .  mit  G.         25  f.  der  dritt  —  won]  Zohant  g&t 
n.  d.  V.  der  dritte  grat .  daz  ist  miniio  G.         26.  der  b.]  die  )i.  ?        2S.  an  nach  und  fehlt  G. 
SO.  vnde  het  eich  so  g.  in  gezogia  in  e.  s.  G.        »1  f.  alse  vil  ei  G.        32.  enaassS  A ,  ir  mazo  GZ_ 
33,  und  w.  fd\lt  O.  selbiz  zeuDcr  vro'dc  G. 


2U 


5fi.  Von  ünaers  heorreo  flffart. 


er  bedorft  weder  engel  noch  meutschen  noch  hymehichs  noch  ertriches  noch 
kaines  dez  dingea  dez  er  ie  geschuf,  woq  e  er  ie  kain  ding  geschiif,  do  waz 
sin  vröde  also  groz  so  bat  dis  tages.  sin  vrAde  ist  alz  volkomen  an  im 
selben  daz   er  niemans  ze   siner  [160'']   vrßde   bedarf   denn  sin   selbes,      also 

l  ist  6ch  du  sele  uf  gestigen  zä  Gotte  daz  ei  alz  groz  vröde  hat  mit  ir 
selben  daz  si  zu  ir  vröde  niemaus  bedarf  won  Gottes  allaine.  nn  merkentl 
dis  ist  vil  wunderlich:  dis  dri  gräte  sint  dri  krefte  in  der  sele,  dar  an  si 
glich  ist  der  haiigen  drivaltkait.  nnd  an  den  drin  kreften  sont  ir  lernen  und 
merken  wie   der  sun    von   dem  vatter   ist   geborn   nach   der  gothait,   und    wie 

10  dei'  haüig  gaist  von  den  baiden  ist  geflossen,  dii  erst  kraft  ist  du  gehügde. 
dar  an  merkent  wir  den  vatter,  und  in  der  haiigen  schrift  git  man  dem  vat- 
tei"  den  gewalt  und  dem  sun  die  wisshait  und  dem  haiigen  gaist  die  gütL  nu 
merkent  reht!  ir  sont  daz  wissen  daz  man  dem  vatter  dar  unib  nit  den  ge- 
walt git  daz  der  sun  und  der  hailig  gaist  dester  ungewaltiger  sigint;  man  git 

lö  och  dem  sun  nit  dar  umb  flSl"]  die  wishait  daz  der  vatter  und  der  hailig 
gaist  dester  unwiser  iht  sigint;  man  git  och  dem  haiigen  gaist  dar  umbe  nit 
die  güti  daz  der  vatter  und  der  sun  iht  dester  unguter  sigint:  si  sint  dri 
benempt  und  ain  gewilr  Got,  eben  gewaltig,  eben  wise  und  eben  gut,  doch 
git  mau  dem  vatter    an  dem  namen  den  gewalt.     nu  ist  bi  der  gehügde  der 

20  vatter  bezaicbent  an  der  schrift  und  der  sun  bi  der  vemunst  und  der  hailig 
gaist  bi  der  minne.  nnd  alz  du  vemunst  kumet  von  der  gehügde,  also  ist 
der  sun  geborn  und  geflossen  von  dem  vatter  nach  der  gothait;  und  alz  die 
di'ie  krefte  an  enander  nit  mugent  sin,  also  enmugent  och  die  dri  benempten 
nit    an    enander  sin,    won    nach    der  bilduug   gat    vemunst    und    vallet   denne 

25  dar  zu  du  minne;  und  alz  von  den  baiden  du  minne  flüsset,  alz  flösset  och 
der  hailig  gaist  [löiy  von  dem  vatter  und  von  dem  sune.  man  git  alles 
dem  haiigen  gaiste  die  süskait  und  die  güti,  und  da  von  bezaichnent  wir  in 
bi  der  minne. 


1.  er]  Got  G.  vor  hymclr.]  iiivtis  .  wed'  G.  2.  ding]  creatunj  G.  '.  wunderlich]  vir- 
nunsticlicbc  G.  grxte  .  daz  sint  die  krefte;  G.  10.  den)  tu  G.  kr.  daz  iai  G.  tl.  und) 
wao  G.  12.  die  hailigun  wishait  G.  14.  sigint]  ün  .  denne  der  aatir  G.  15.  dorne  ewigen 
sune  G.  16.  gaiat  iht  vnwisor  sin  denne  or  G.  17.  iht  — ai]  desto  tninre  gut  sin  .  denne  der 
hatlige  g^st  .  Ez  G.  18.  eben  gew.  ~  gAC]  mit  aimc  gewalte  .  mit  ainir  wishait  .  mit  ainir 

gfiti  ,  mit  ainir  gothait  G.  19.  gew.  indor  hailigun  schrift  G.  20.  an  d.  sehr,  fehlt  O. 

21.  alae  ir  daz  merchint .  daz  div  v.  G,  22.  ewigen  vatir  G.  2if.  Vnde  zegeliefair  wis 
alse  diso  drie  G.  23  /;  also  —  sin  fehlt  G.  21.  und  —  26  gaist]  waa  virnust  mach  niht 

von  ir  selbun  ein  .  si  m&z  icmir  etwaz  han  da  an  si  »  .  vnde  da  uon  bi  si  .  Vnde  alse  div  zwü 
bsediv  werdint  in  der  sele .  bcidiv  bildunge  vnde  vimuet .  So  vullet  zchant  daz  dritte  dar  zu  .  daz 
ist  div  minne  .  daz  ez  div  sele  denne  minnen  mäz  .  vnde  zegellchir  wis  also  div  minne  kumet 
vnde  Qbir  vltlzet  von  der  gebugidc  .  vade  von  der  virnust  .  also  ist  och  der  hailige  gaiat  .  ge- 
vlo^  G.  2S.  minne .  Vnde  da  bi  sunt  ir  uiratau  daz  der  hiulige  gtuat  .  in  in  baiden  swebit . 

vnde  wie  er  von  in  baiden  vlmet  .  Vnde  ola  ir  scliint  denne  daz  die  drie  krette  anainandir  haf- 
trait  .  vnde  doch  drie  namen  hain  .  ^-nde  eiiist  doch  euhainiv  an  dir  andinm  .  Also  iat  der  uatir 
vnde  der  aun  .  vnde  der  hailige  gaiat  .  daz  sine  drie  beneniide  .  vnde  enist  doch  niht  wan  ain 
got  .  div  drinalticbait  G. 


A 


56.  Von  ünsers  herren  üffart  235 

So  nu  diso  sele  dis  laitren  uf  klimmet ,   so  sol   si  denne    an    die  dritten 
laitren  klimmen,  dö  ist  noch  höher,  daz  sint  die  götlichen  tagenden,     an  der 
laitren   mag   du   sele   ze  Got  reht   komen.     du    laiter   hat    öch    dri   sprossen, 
der  erst  ist  der  globe.    der  suchet  die  ersten  warhait,  daz  ist  Got,  als   sant 
Johans  sprichet:   'Got  ist  du  lieht  warhait   du   alle   die  erluhtet  die  von   im  5 
lernen  went.'    und  so  du  sele  an  Gotte  gesüchet  und  erkennet  daz  er  ist  du 
lieht  warhait,   so  glichet  si  sich    im   dar  an   daz    si    sich   flisset  daz   si   och 
den  lip  erluhtet  und  daz  si  och  ain  lieht  si  an  allen  iren  werchen  allen  den 
die  si  sehent,   daz   die   von  in  werdent   erluhtet.     der   ander  sprosse   ist    du 
minne.    du  suchet  an  Gotte   minne   und  g&ti,   daz   er  allen  [161 ''J  mentschen  lo 
hymelriches  wol  gan  und   daz  er   nie  dekaim  hymelrich    vor  beschlöz;  ez  be- 
schlüsset  aber  laider  mänig   mentsch  im   selber  vor   mit  mänger  höbet  sunde. 
Got  geschfif  nie  mentschen  zu  der  helle,  im  war  vil  liep  daz   alle  mentschen 
ze  hymelrich  käment.    so    du   sele    die  minne    an  Got   yindet,    so  gelichet   si 
sich  aber  im   an  der   minne,   die   si  hat  ze   Mnde  und  ze  vigind,   ze   guten  15 
und  ze  äblen  mentschen.    an   den  guten  minnet   si  Got   und   ir  gutes  leben; 
an  den  üblen  minnet  si    die  edelkait  der  nature  alz   si  Got   geschaffen   hat, 
und  hasset  doch   die   sünde  und  daz   übel   an  in.    und   da   von   spricht   sant 
Augustinus:  *ir  sont  die  sünde  hassen  an   dem  sünder,   und   der   nature  edel- 
kait sont  ir  an  in  minnen*.    der   dritte   sprosse   ist   züversiht;  du  sächet   an  20 
Got  höhi  und  gewalt  und  ewekait  und  gelichet  sich  im  aber  dar  an.    an  der 
höhi  flSiy  glichet  si  sich  Gotte  also   daz    si   sich  flisset    daz    si    ain    hohes 
leben  an  tugenden  habe,  und   versmahet   ällü   nidrü   ding  und   zühet  alles   ir 
leben  und  ir  wonung  an  die  höhl    au  dem  gewalt  glichet  si  sich  öch  Gotte, 
also  daz  si  irs  libes  und  irs  flaisches  alz  gewaltig  über  al  wirt  daz  ez  niht  25 
dez  mag  getün  won  daz  der  gaist  wil,   und  müz  im   als  gehorsam   siu:  swie 
krank   er   ist  oder   mit   so   grosser   arbait  er   im   gevolget,   so   müz   er   doch 
allez  an  im  gehorsam  sin.    und  swa  du  sei  hin  wü,   da  mäz  ir  der  lip  allez 
nach  Yolgen.     an  der    ewikait  gelichet  si  sich  och  Gotte,   daz   ist   mit  stäte- 
kait,  daz  si  ir  gutes  leben  und  ir  tugende  in  stätekait  bringet  untz   an  den  30 


1.  disü]  div  G.  gedimmet  .  vnde  die  drie  sprozsin  übir  stiget  .  alse  iv  och  gesait  ist  . 

Gehngide .  yimust .  vnde  minne  .  So  O.         3.  Div  laitire  der  tuginde  h.  0.  dr.  spr.  die  div  sele 
vf  climmen  müz  .  wil  si  ze  gotte  komen  O.  4.  daz  L  G.  fehlt  Q,  5.  sprichet]  scribet  in 

sinem  bftche  Q.  Ueht]  liehte  vfi  div  luhtinde  Q.  7.  im]  got  G.  8.  ain  fehlt  Ä. 
9.  ir  (7,  in  A.  sprosse]  grat  daz  G.  11.  er  fehlt  A.  14.  ze  deme  h.  G.  15.  im]  denne 
gotte  G,  15/1  die  —  guten]  vrivnde  .  viende  .  gute  .  vnde  nbiliv  menschin  an  deme  guten  men- 
Bcfain  G.  17.  ubilen  menschen  minnent  G.  alz  si]  als  in  G.  18.  20.  ime  G,  20.  sprosse] 
grat  daz  G,  21.  gewalt  vfi  edelkait  vfi  ewekait  A,  sich  abir  dar  an  gotto  G,  24.  an 
dem  —  Gotte]  So  gelichit  s.  s.  0.  g.  an  deme  gew.  G.  25.  alz  fehlt  G.         über  al  fehlt  G. 

2b  f.  niht  dez]  nihtesniht  G,         27.  so  gr.]  swie  gr.  G.        doch  fehlt  G.         2S.  an  im]  der 
sele  G.  29.  Si  gelichit  s.  0.  g.  a.  d.  ew.  G.         SO.  an  an  A, 

5.  Joan,  1,  9. 


236 


i  üvaetB  herren  üffart. 


tot.  der  hirtze  ist  der  natnre  daz  er  allez  an  nah  im  lät  ainen  smak  von 
den  fiissen,  und  dem  smak  lofet  der  hunt  mit  also  grosser  girde  flöä"/ 
nach  daz  er  niemer  gerüwet;  und  so  er  vor  müdi  den  lip  nit  me  verdennen 
mag,  so  züliet  in  doch  dii  girde  dez  smakes  daz  er  aliez  nach  dem  hyrzen 
5  lofFet,  ze  glicher  wis  geschiht  der  sele  so  si  ünsers  herren  gesmeket,  alz 
da  stat  geschriben  in  canticis;  so  löffent  si  flisseklich  dem  gesmake  nach 
daz  si  niemer  den  lip  lant  genWen,  e  sü  in  an  daz  ende  bringent.  daz 
ist  der  sei  ewikait,  so  si  in  der  stAtekait  loffent  untz  an  daz  ende  irs 
lebens.  und  in  der  bitung  hat  si  so  groz  zuversiht  daz  si  allweg  fröUch 
I  10  und  unbetwungenlich  Oot  dienet  in  gantzen  tagenden,  und  da  von  spricht 
ain  hailig  man:  'zuversiht  daz  ist  ain  gewisse  bitunge  der  dinge  die  von  ta- 
genden und  von  gnaden  koment'.  in  der  gewissen  bitung  loffet  der  gaist 
und  hat  so  brinnend  girde  daz  er  daz  begrife  dez  er  da  gert:  daz  dez  du 
sele    wünschet    daz    si    erlöset    werde  {152"}  von    dem  Übe,    daz  si  Got   denn 

16  reht  mug  umbvahen  und  sich  an  in  heften  und  sich  mit  im  niet«n  aller 
vröden.  und  dar  nach  hat  si  groz  girde  daz  si  vri  werde  von  dem  lihe: 
daz  ist  von  dem  libe  und  von  dem  gaiste  ze  allen  ziten  ain  strit  und  ain 
krieg,  also  sprichet  sant  Pauhis  und  och  di'i  sele:  'owe  herre,  wer  löset 
mich  von  disem  sake    da  ich    inne    bevangen  bin,    daz   ich    min    liep    gesehen 

20  mnge'.  und  in  der  girde  lofet  der  mentsche  dem  götUchen  smake  nach  und 
verdent  sich  reht  druf  mit  stAt«kait.  untz  an  den  tot.  denne  wirt  der  sele 
gegeben  ain  oge  da  mit  si  Gof  durch  schowet  luterUch  und  unverdaht, 
und  dar  uf  disputierent  sümlich  maister,  und  duht  sü  daz  unmuglich  daz  wir 
Got  soltint  sehen  an  bedekung,  und  erkantent  sin  schonhait  alz  höh  und  alz 

S6  groz  daz  sü  dez  jahent  daz  weder  engel  noch  sei  in  gesehen  m6hti  an  ver- 
deken,  er  müsti  etwaz  verdekung  an  sich  nemen,  daz  wir  in  gesehen  mngent 


I.  fUKh  tot]  hIbo  belibct  %\  in  Btietichait  holiis  lebinnes .  dar  an  si  sich  gelichit  der  owichait . 
die  div  aele  an  gütte  sälite  .  Si  belil>et  ocb  stiele  an  deme  gewalte  so  der  gaist  het  fibir  dea  lip  . 
vnde  in  der  gtietiebaU  lo'fet  div  sele  gotte  nah  alae  der  edile  iagehunt  deme  hirae  ff.  von] 

an  ff.  .1.  vor  mfldi]  also  mddc  ist  daz  er  G.        für  godennen  ff.        6.  da  st.  geschr.]  div  sele 

i>prichit  ff.  so  —  gesmake]  Hin  gemahilc  het  »Idcd  smach  vz  virlazsen  .  deme  smache  lo'fot  ai 
80  hizecliche  ff.  7.  lat  ff.  vor  e}  mit  so  groiSr  girde  lo'fet  si  deme  gotlichin  smake  nah  . 
vnde  ao  der  lip  iozo  nümoic  mach  .  vodc  so  ei  sieb  bo  scre  nah  deme  emackc  het  virdcnt .  daz  imo 
rehte  gcbreetin  wil  der  kraft .  so  zühit  io  abir  der  gaist  färbaz  .  wan  div  sele  het  h)  groKe  girde  . 
daz  si  got  begriffe .  daz  si  den  lip  niemir  lat  gorüwcn  ff.  bringet  ff.  G.  ewichaJt .  da  mitte 
ei  sich  geliehit  gottes  ewichait  ff.  lo'fet  6.  9.  groz]  ganze  ff.  10,  {iai  fehlt  A.  18.  er] 
si  hfidemal  ff.  da]  zallen  xiten  ff.  iRf.  dez  d.  sele)  ai  von  rehtir  girde  G.  15.  mug 

nmbv.]  umbe  vahe  ff.  hefte  ff.  niete  G.  le.  und  fdilt  G.  si  so  gr,  G.  daz—  libe 
fehlt  A,  daz  si  von  deme  1.  vri  werde  G.  \1f.  daz  eoswischon  deme  übe  vnde  deme  gaisto 

s.  8.  z.  o.  kriech  ist  .  vnde  also  spr.  ff.  IG.  nnd  och]  Also  sprichit  o'ch  ff.  20.  1.  div  sele 
vnde  der  m.  nah  gotlicbintc  sraackc  .  vnde  G.  nnd  fehlt  A.  21,  ain  —  unverdaht]  daz 

nsehe  o'ge  daz  g.  dur  scho'wit  .  da  mitte  wirt  si  got  lutiriicho  v.  v.  schowinde  G.         Gotte  A. 
25.  seien  ff.       inohtin  ff.  1h  f.  nirdcckunge  G.  26.  mcbtin  ff. 


1  AnschluU  an  Catit.  1,  3.  IS.  Rom.  7,  34. 


d 


,  Von  ö 


S87 


flSS'J.  spricht  Beda:  'si  soat  trftbes  wölken  hin  tun,  da  mit  si  üna  die 
vröde  und  daz  lieht  tinsers  herren  woltent  verdeken'.  und  da  mit  git  er 
lios  Urkunde  daz  wir  Got  luterlich  an  alle  verdekunge  werdent  schowend 
und  sehend  reht  mit  offnen  Ogen.  des  git  uns  sant  Paulus  och  ürkünd. 
er  spricht  daz  wir  Got  luterlich  und  äu  verdekung  werdent  sehend  ze  hy-  5 
melrich  offenbar    und  an  allen  gebresten   von  antlütz  ze  autlütz. 

Waz  wir  aber  an  Got  werdent  schowent,  dez  vindent  wir  bezaicbnnng 
in  her  Moyses  buchen,  daz  da  haisset  ain  usvart.  und  dar  an  sont  wir 
merken  daz  us  miiz  sin  gevarn  der  mentsch  der  Got  schoweii  wü;  ez  mag 
nit  in  disem  libe  gesehen,  ez  mfiz  us  sin  gevaren  und  muz  erlidget  und  lO 
erlfiset  sin  von  disem  libe  und  von  der  weite  und  von  zergangkliclien  dingen 
und  müz  reht  fri  sin  von  allem  kumber.  in  dem  [152"]  buche  vindet  man 
daz  tmser  hen'e  hern  Moyseu  biez  machen  ain  gezelt  und  ain  gotzhus  und 
hiez  in  daz  taillen  mit  aim  umbehange.  und  in  den  ussreu  tail  da  brahtent 
die  jaden  ü-  opher  und  begiengent  die  ewarten  ir  andaht  da,  und  in  dem  16 
inren  taile  da  engie  nieman  in  won  der  byschof  ainest  in  dem  jare,  und  begie 
denne  den  andaht  dar  inne.  in  dem  gotzhus  sach  man  drü  ding;  daz  ain 
waz  ain  tisch  und  dar  uff  brot,  und  ain  kertzstal  und  dar  uff  ain  lieht,  und 
ain  arche  und  dar  inne  drü  ding,  an  den  vindet  man  bezaichnunge  driger 
dinge  die  wir  werdent  schowent  an  Gotte  in  hymelriche.  j 

Bi  dem  brote  ist  bezaicheut  unser  lierre.      der   ist    daz    lebent    brot    mit 
dem  allii  ding  gespiset  werdent  die  in   hymelriche  sint.    und  daz  [153°]  er  si 
ain  lebendes  brot,  dez  git  er  uns  ain  urkiinde  in  dem  ewangelio.    da  sprichet 
er:  'ich  bin  daz  lebend  brot,  und  swer   von  mir  gespiset  wirt,   der  sol  iemer 
eweklich  leben.'     und  du  spise  wirt  nit  in  uns    verwandelt  alz   du  spise    dez  2i 
libes,  wir  werdent  verwandlet  in  si,   daz  wir  eweklich  lebent  in  Gotte.     sant 
Augustinus  horte  ain  stimme,  dii  sprach:    'du  wirst  verwandelt   in    mich    und 
und  ich  in  dich,  so  du  enphahest  mich."     also  sont  ir  wissen  daz  vnr  in  Got 
verwandelt  werdent,  won  er  ist  du  hj'melsclie  spise  mit  der  wir  alle  also  ge-    '  i 
spiset  werdent  daz  wir  eweklich  lebent.     nu  sint  drü  diug  in  hymelriche  die  so 
lins  ain    ewiges  leben    machent.     daz  erst    ist  daz    lebend    brot    von   dem    ich 
gesait    hau,    daz    ist    unser    herre.     dez   andern    vindent   wir  Urkunde   in  Apo-        i 


.  Daz  widir  wirfet  aanctus  Beda  .  vnde  sprichit  .  siv  sun  ir  tr.  G.  3.  uns)  ain  G. 

an  alle]  vnde  ane  G.  3/".  achow.  und  fehlt  G.  4.  ain  urkiinde  O.  5.  Got  fehlt  A. 

G.  offcnliche  vnde  ane  allir  slahtc  hreatcn  O.         S.  bäche  .  daz  bäch  bal- 
10,  geschehin  begger  G.        11.  disem]  deme  G.        von  allen  zerg.  G. 
15.  ambaht  O.  n,  das  ambaht  G.         Vnde  in  G.  19.  dien  drin 

22.  ding]  die  G.         er]  uneir  herre  G.  23.  uns  ain  fehll  G.        29  f  da 

Bum  pania  vivua  G.  24-  daz]  ain  G.  25.  dez)  unsira  G.  2'tf.  du  — 
raieli]  vnde  sprach  div  .  Ede  mo  .  U  du  mich  aleo  daz  ich  niht  werde  uinvandelot  in  dich  .  du 
Bolt  in  mich  virwandelot  wordin  G.  29.  ist  fehlt  A.         alao  fehlt  G.         31.  ain  fehlt  G. 

32.  dez]  der  ü. 


5f  ze  deme  h.  G. 
»il  G.        wir]  ir  G, 
12.  dem]  diaim  G. 
dinget  uindet  G. 
spr.  er]  Er  apr.  1 


S.  l.Cor.  13,13.  ISf.  Exod.  SSff.  37.  21.  Joan.  41,51. 


S6.   Voi 


B  faerren  üffart. 


calj'psi,  da  [1Ö3'']  liset  man  daz  sant  Johannes  in  der  togni  waz,  da  sach 
er  ain  lämli,  daz  traip  alle  hy^melscli  scharen  zu  enander  zn  aim  lebenden 
brnnnen,  von  dem  flussent  lebendu  wasser.  hie  bi  sont  ir  merken  daz  da 
frid  ist  an  alle   vohrte.     der  brunne   ist  unser   herre,    von   dem    wir   werdent 

6  getrenket,  daz  wii'  eweklich  lebent.  daz  dritte  ist  och  bezaiehent  in  Apo- 
calypsi.  da  sprichet  sant  Johannes  daz  im  wart  gezaiget  vil  schöner  bome, 
und  hattent  die  vil  grüner  löber  und  warent  ze  artzenie  gut.  die  bome  sint 
die  seien  die  in  hymelriche  sint.  du  16ber  sint  alle  die  lugend  da  mit  der 
mentsclie    daz    hymelrich    mäz  verdienen    und   gewinnen,     die  tugend    sint  ain 

10  ärzenie  der  sele  da  von  si  gesunt  wirt  und  gewinnet  daz  ewig  leben  in 
hymelriche.  dis  sint  du  drü  ding  von  den  wir  ewiges  leben  iu  hymelricLe 
hant.  von  dem  lebenden  brote  werdent  [153 'J  wir  gespiset  und  gewinnent 
ain  kreftiges  leben,  daz  uns  enkain  krankait  noch  dekainer  siechtag  iemer 
betrübet,     von    dem    lebenden   brunnen    werdent  wir  getrenket    und  gewinnent 

15  ain  rainnes  leben,  daz  wasser  ist  von  nature  daz  ez  rainnet:  und  also 
werdent  6ch  wir  gerainet  von  Gotte,  der  der  lebendig  brnnne  ist  der  da 
flösset  über  allez  hymelriche.  daz  leben  ist  also  raine  daz  enkain  mentsehe 
dar  körnen  mag  daz  dekainen  fleken  hat.  wir  gewinnent  och  da  ain 
vrÖIiches   leben,    daz   merkent   mr    an    den  löbem.     und  alsiiz   hant   wir    mit 

20  ganzer  vröde  ain  iemer  werendes  leben. 

Daz  ander  daz  wir  an  Gotte  schowent,  daz  ist  scbonhait  daz  vernement 
wir  an  dem  liehte  daz  in  dem  gotzhus  waz.  und  also  merkent  wir  daz  Got 
daz  lebend  lieht  ist  in  hymelriche,  da  von  allez  hymelriche  erlühtet  wirt, 
und  daz   daz    war    si,    dez    hant    wir  ur/i557künde    in    dem    ewangelio.     da 

!s  sprichet  er:  'ich  bin  ain  lieht  daz  alle  die  weit  erlühtet*.  sant  Johans 
sprichet:  'ze  hymelrich  ist  weder  sunne  noch  man,  noch  kain  irdesches  liehtes 
bedarf  man  da;    unser   herre   ist   daz    lieht   daz    da  lühtet    und    alles   daz    er- 

1.  daz]  do  G,  1  f.  aach  —  enaiiderl  wart  iine  irzaiget  a.  1.  d.  ir.  alle  die  bimilschun  me- 

nigi  .  Vndc  die  h,  schar  G.  4.  brunno  von  deine  div  lebindon  wazsir  vliezont  .  daz  i.  n.  h. 

got  der  ist  der  lebinde  brunne  von  G.  5.  ist  o.  b.]  von  denio  wir  och  ewiclichM  lebin  h«in 

in  himilricbe  .  dez  vindet  mim  och  bezaicliinuuge  G.  H.  spr.]  oc'bet  ß.  ^.  die  b.  s.|  Bi 

dien  Bchonen  bo'tDen  siot  bezaichinot  alle  G.  S.  da  I.  s.]  Vnde  bi  den  grSnen  lo'birn  dir  lar- 
zenlge  gat  waren  .  da  bi  sint  bezaichint  G.  9.  daz  fehlt  G.  verdioncD  n.  fehit  G. 

II  ^.  dis  —  hant]  Von  dien  drin  d.  hain  wir  ew.  lebin  i.  h.  G.  12.  broto  unsinne  herron  w. 

w.  ewicliche  gcsp.  G.  13,  iemer]  nicmir  nie  G.  \if.  von  —  leben]  Wir  gewinnen  och  ain 

nines  lebin  .  daz  merckint  an  dien  lebinden  wozsira  .  div  er  ds  sah  vliezin  von  deme  lebindin 
bnumen  Q.  15.  von]  der  G.  i&f.   und  —  ist]  also  sont  ir  wizsen  daz  wir  ain  lutirlicbia 

lebin  hain  in  himilriche  .  Wan  wir  werden  alle  geniinet  von  gotte  demo  lebindin  bmnncn  G. 
19/'.  und  —  vridei  daz  ist  ain  Urkunde  daa  w.  m.  g.  vr.  hain  G-         22.  und  —  wir]  Dabi  iner- 
chiut  G.         23.  lieht  fehlt  Ä.         24.  und  —  wir]  Daz  unsir  herre  ain  liebt  ai .  des  gjt  er  G. 
24  f.  da  er  »pr,  Ego  sum  lus  mundi .  Ich  G.  25.  cstluhtet  het  G.         25  f.  sant  J.  spr,]  vnde 

daü  ist  sin  urknnde  daz  er  och  in  himilriche  ain  ewiges  lieht  ist  .  daz  alliz  himilnclie  eotlubtet  . 
vnde  da  uon  scribet  s.  ioh.  G.  27.  bedarf  m.  d.]  bedürfen  wir  da  niht  G.  27.  lieht  —  239, 1  ist] 
ewige  lieht  .  nnde  der  lebinde  sunne  der  uns  da  hiiitet .  Abir  O. 

2  f.  Apoc  7,17.         6.  im  AnKhlnlSan  Äpoc.  8,  7.        SS.  Jban.  ^  IS.         26.  Apoc21.23. 


56.  Von  ünsers  herren  üffart  239 

Iahtet  daz  da  ist.'  sin  mentschait  ist  uns  ain  schönnä  laceme.  also  sprichet 
sant  Peter:  'die  engel  sehent  in  ze  allen  ziten  gelustklich  und  girlichen  an.' 
dar  an  mugent  wir  wol  merken  daz  daz  ain  wunnekliches  lieht  müz  sin  daz 
man  ze  allen  ziten  girlich  ane  siht  mit  vröden  an  urdrutz,  und  haut  ez  ietzont 
doch  me  denn  druzehen  hundert  jar  und  dru  jar  sin  schönnen  mentschhait  5 
an  gesehen,  und  sehent  si  noch  alz  girlich  an  alz  dez  ersten  tages.  und 
w&re  nit  me  liehtes  in  hymelriche  denn  daz  lieht,  da  wäre  doch  [154"] 
iemer  liehtes  genüg  und  schönhait.  und  über  daz  allez  hat  er  uns  geben 
daz  ain  ieglich  engel  und  ain  ieglichö  sei  ist  ain  lieht  in  hymelrich.  daz 
liset  man  och  in  der  schrift  daz  ains  ieglichen  mentschen  lip  siben  stunt  lo 
schöner  wirt  denn  du  sunne.  und  ist  noch  denne  du  sele  alz  schöne  und 
alz  luter  daz  älld  dfi  schönhait  du  an  aller  haiigen  lip  ist  die  in  hymelrich 
sint,  du  enmag  sich  nit  geliehen  ainer  aingosten  sei  in  hymelriche.  nu  mer- 
kent  wie  mäuig  tusent  lieht  in  hymelriche  ist,  baidu  an  engein  und  an 
seien,  und  dar  zä  ains  ieglichen  mentschen  lip!  und  über  ällü  du  liehter  15 
lühtet  daz  ewig  lieht,  unser  herre  Jhesus  Christus,  an  baider  naturen,  siner 
gothait  und  siner  mentschait.  von  dem  liebte  werdent  ällü  hymelschü  lieht 
erlüh/i547tet  und  enzündet  und  vollebraht  da  von  sprichet  sant  Jacob: 
'unser  Ijerre  ist  ain  vatter  der  liehter',  reht  alz  ob  er  spräche:  ez  ist  daz 
ewig  und  daz  lebend  lieht,  und  ällü  hymelschü  liehter  sint  von  im  geborn  20 
und  geflossen,  und  daz  er  sprichet  'ain  vatter^,  dar  an  merkent  wir  daz  er 
ainer  ieglichen  sele  vröde  ist  und  ir  sälden  geret,  alz  ain  vatter  sins  liebeti 
kindes  gefüres.  und  alz  der  vatter  ze  allen  ziten  daz  kind  ist  bohrende  an 
eren  und  an  allen  sälden,  also  ist  unser  herre  ze  allen  stunden  die  sele 
Aöhrend  und  merent  an  allen  h^elschen  vröden  und  sälden;  und  dar  umb  25 
haisset  er  wol  ain  vatter  der  liehter. 

Das  dritte  daz  man  in  dem  gotzhus  sach,  daz  waz  ain  arche.  du  waz 
innan  und  ussnan  guldin  und  waz  von  alz  edlem  holtze  daz  ez  weder  fulan 
noch  brinnen  mohte.  und  in  der  arche  warent  drü  ding:  da  waz  inne 
h3nmel/i54  ybrot  und  ünsers  herren  e  und  ain  rüte.  bi  der  arche  ist  be-  so 
zaichent  unser  vrowe.  du  waz  ussnan  und  innan  also  rain  und  also  künsche 
daz  si  nie  bewoUen  wart  mit  dekainer  unkünschi  weder  an  hertzen  noch   an 

4  ^.  ez  —  drü  jarl  siv  doch  wol  drivzehin  htmdirt  iar  OZW,         6.  si]  in  G.         dez  e.  t] 
der  ereton  stunde  .  do  er  ain  gast  da  was  G.       7.  da  w&re]  wir  hettin  G,       8.  allez]  lieht  G, 
er  uns]  ans  got  G,        9.  ieglich  feMt  G.       df.  vnde  liset  m.  daz  och  G.         12.  allir  der  h.  G. 

18  f.  merkint  denne  wie  G,         14.  tivsint  tusint  G.         15.  ubir  div  lieht  elliv  G,        16.  Jh. 
Chr.  fMt  G.         17.  menschaite  lieht  .  Von  G.        18.  Vnde  dannan  uon  G.       19.  als  er  G. 
ez  Ä^  er  G.         21.  merkent  —  er]  vimemen  w.  d.  unsir  herre  got  G.         22.  ist  —  geret]  vnde 
sseldon  also  ghich  (l,  geret)  G,        liebin  G,  liebSs  Ä.        28.  ho^hirende  G,        24.  an  sseldon  G. 

standen]  ziten  G,         25.  ze  h^hrend  A.       and  vor  dar  omb  fehlt  G. 

2.  Petr,  i,  IJS;  Matt.  18, 10,  5.  daran»  geht  hervor,  daß  A  eine  im  Jahre  1303  angefer- 

tigte Handschrift  zur  Vorlage  hat,  während  die  Lesart  von  GZW  (1300)  unbestimmter  ist. 
10.  Matt.  13,  43.         19.  Jac.  1, 17. 


SAO 


.  Von  änsei«  Herren  QfFan. 


libe.  und  e  si  noch  ünsem  heiren  enphieogi,  do  waz  si  alz  rain  daz  si  nie 
höbet  Sünde  getet  noch  mobte  getan,  alz  edelr  nattue  waz  si.  und  aber  do 
si  ünsern  herren  enpbie,  do  wart  si  so  gar  raine  daz  si  weder  tätlich  noch 
täglich  sund  moht  getin  fiir  daz  me.  in  der  arche  waz  hymelbrot.  daz 
5  hyraelbrot  waz  unser  herre;  den  hat  si  nach  mentschlicher  natur  beschlossen 
in  ir  libe.  daz  ist  daz  ewig  brot  von  dem  wir  alle  gefuret  werdent  in 
hjTnebich. 


I 


[51.]  Von  dem  wort  Gottes. 

[Verhum  Christi   habitet  in  robis    hobtttidanter :  doceatis  et  conmoneatis  tu 

10  metipsos  etc.] 

'  Unsers  herren  wort    sol    in    Urem    hertzen  wonen ',   spricht  sant  Paulus. 
Zwaiger  haiid   Gottes  wort  sont  ir  merken:  ains  ist  Gottes  wort,  und  ist 
Got  selbe;    daz  ander    ist  aines  [154'']  ieglichen  predigers    wort,    daz    ist    von 
Gotte  und  ist  doch  nit  Got.    daz  wort  sont    ir  also  enphaben    daz    ez    wone 

IS  in  liwrem  hertzen:  swa  der  prediger  hin  lofe,  daz  ir  mit  Gottes  werte  üch 
selber  lerint  und  manent.  daz  dir  der  prediger  in  geschnide  und  gemale,  daz 
solt  du  backen,  wllt  du  iemer  us  löffen  bitten  brot?  nit!  hacben  selbe  din 
brot!  daz  dir  der  prediger  sage,  daz  gebalt  in  dim  hertzen  und  lere  dich 
selber  wie    du  tugent  übest    und    gütü    werch.      Sterke    dich    selber,    so    dich 

20  dekain  kumber  an  valle,  mit  Gottes  worte!  nim  Gottes  worte  ze  aim  schilte 
in  dim  strite  und  biit  in  für  ze  allen  orten:  swa  dich  die  vigint  wellent 
verwunden,  da  wer  dich  stAteklich  mit  Gottfes  worte.  vehte  dich  an 
kdnschi,   daz   vertrib   mit  arbait  dins  libeB;    vehti  dich  an  zom,  daz 


I 


2.  geWtl  begie  G.  3.  do  wart  si  do  so  G.  tftüich]  ho'bit  Bunde  G.  i.  t.  aundo  nio  für  daz 
me  me  mähte  Beton  G.  6.  der  ist  G.  7.  nnrfi  hjTndrich]  Vnde  an  deme  wir  e»-iffe  eetti 
niht  also  wir  hie  sat  werden  mit  aweri  .  nbir  in  biniUricIie  werden  wir  aat  ane  swteri  .  unde  geren 
sin  zailen  ziten  .  vfl  von  der  begcrungo  hain  wir  in  hain  scr  .  Vnde  dannan  \o  epricliit  ean 
gregoriuB .  Zeh  im  il  riebe  ein  wir  g-ottie  allewege  sat .  unde  gcron  sin  doch  Eallen  ziien  .  Vnde 
netti  ist  ane  Bw»?re  .  vnic  ist  div  girde  mit  vro'de  ane  ser  .  vnde  daz  ist  uns  ain  Urkunde 
wir  sctti  hain  ane  Bwieri  ,  vnde  girde  ane  ser  .  Daz  bimilbrot  hatte  och  die  kraft  .  daz  ez  i 
was  indeme  munde  .  vnde  ewez  bIv  gcdahtou  .  da  nah  auaht  ez  inen  .  vnde  swoz  aiv  gerton .  daz 
liiptton  aiv  alliz  dran  .  Zcfcolicbir  wiz  ist  daz  sflze  brot  vnsir  herre  von  himilriche  .  an  deme  wir 
niliz  daz  hain  .  dez  wir  gedenchen .  vnde  dez  wir  gercn  .  Vnde  alle  unsir  sinne  sint  mit  gotte  ^r 
Ande  gänzliche  orfällot  G.    Z  nach  erfället]  werdt^n  .  des  heire  vna  got  auicu.  S.   Überschrift 

fehlt  QWN,  Sante  Paulus  sp'chit  (rot)  Z,    De  nativitate  Ärundel  a.  Der  lat.  Text  fehlt 

II.  vor  ünserB]  Disiv  wort  sprichit  sanctus  Paulus  GZ.  epr.  s,  ?.]  riliche  .  du  ir  i< 

seibin  gerne  manent  G.  17.  solt  du  selbe  bachin  G.         lo'fen  zaudiren  lüten  bitten  G. 

22.  starchliche  6. 

8.  ZHe  Predigt  steht  in  G  Bl.  75-,  ZBl.  88-,   W  Bl.  56''  ah  11.  Predigt,  K  Bl.  i 
Bl.  8B';  fehlt  FhUl.  —  Gedruckt  nach  A  bei   Waxkernagrl  S.  WO  mit  dm  Lesarten  au»  Z. 
9.  Col  3, 16.    Text  oben  nach  G,  in  der  Vulgata  lautet  derselbe:  Verbiuu  Christi  habitet  ii 
abnndiuiter,  in  omni  gapientia,  docentes  et  commonentes  voametipsüa. 


ertTi|H 


57.  Von  dem  wort  Gottes.  241 

mit  g&ti;  vehti  [155'']  dich  an  ungedultekait,  daz  vertrip  mit  gedultekait; 
vehti  dich  an  hoffart,  daz  vertrip  mit  demüt;  vehti  dich  an  trakait,  daz 
vertrip  mit  dankbiri;  vehti  dich  an  gitkait,  daz  vertrip  mit  williger  armfit; 
kurtzlich  swaz  dich  an  vehti  von  Untugenden,  daz  vertrip  mit  tugenden! 
also  leret  uns  sant  Paulus  in  der  selben  epistel  wie  wir  uns  beklaident  mit  5 
tugenden:  *ir  sont  an  legen*,  sprichet  er,  'daz  klait  der  tugend.  lieben  kint! 
flissent  üch  miltekait,  erbarmhertzkait,  künschkait,  demätkait,  gedultekait, 
senftekait',  won  dise  tugent  sint  alle  der  seien  klait  und  über  diz  tugent 
alle  sont  ir  üch  flissen  der  minne,  du  ist  ain  brutmantel  der  seien,  da  mit 
si  wirt  6ot  gefüget  ze  ainer  brut;  won  an  die  tugent  der  minne  ist  kain  lo 
tugent  hymelriches  wert,  und  aber  von  der  tugent  der  minne  [155^]  so 
werdent  alle  tugent  hymelriches  wert,  'an  die  minne',  sprichet  er,  'ge- 
vallet  Oot  enkain  tugent/  der  tugent  nit  minnet  durch  iren  nutz,  der  möhti 
si  minnen  durch  ir  edelkait.  man  liset  von  aim  haiden:  der  hatte  alz  edel 
gehügde  daz  er  nit  gutes  mohte  vergessen;  swaz  im  aber  laides  geschach,  15 
dez  vergass  er  zehant  also  solt  du,  sälger  mentsch,  haben  ain  gät  ge- 
hügde: swaz  du  gutes  hörest  von  Gotte  sagen  und  von  tugenden,  daz  solt 
du  gehalten  untz  es  dir  ze  statten  kome.  und  alz  dich  denne  dehain  arbait 
an  gat,  so  nim  für  dich  die  guten  worf  die  du  gehöret  hast,  und  tröste 
dich  da  mitte  und  hilf  dir  selben  din  arbait  tragen  mit  Gottes  worte.  20 
du  solt  dich  selben  leren  und  predigen:  tugent  und  gät  leben,  nach  der 
hymelschen  vröde  dik  gedenken,  trost  an  Got  suchen,  der  prediger  wäre 
dir  dik  ze  verre  rat  und  tröste  [155']  an  im  ze  sfichenne,  such  du  an  Oot 
trost  und  rat  und  allez  daz  du  bedarft  ze  libe  und  ze  sele.  er  ist  vol 
süsses  trostes,  volkomenes  rates,  vol  miltekait,  erbarmehertzkait  und  aller  25 
tugent  hundert  tusentvaltig.  da  sfich  allez  daz  du  wilt,  er  git  dir  süssek- 
lichen  trost. 

1.  güti  unde  mit  miltichait  G,  dich  an  fehlt  A,  Bei  Blatt  155  springt  A  in  der  Blattzählung 
von  154  auf  156  über.  4.  Vnde  karzliche  G.  an  —  tagenden]  untuginde  an  vehte  .  die  solt  du 
V.  m.  ainir  t  G.  6.  vor  ir]  Er  sprichit  och  G.  spr.  er  fehlt  G,  8.  alle  d.  s.  kl.]  ain  clait  der 
8.  G,  9.  alle  sprichit  er  .  sunt  i.  ivch  sere  vi.  G.  10.  won]  vnde  G.  11.  aber  fehlt  G. 
tug.  d.  m.  so]  minne  wirdlchait  G,  12.  an  —  er]  Also  leret  sanctus  Paulus  der  groze  predisere  . 
daz  (d.  wir  Z)  uns  seibin  leren  .  vfi  manen  vf  tuginde  .  vnde  alre  maist  uf  die  minne  .  wan  ane 
die  m.  G.  14.  ir  fehlt  A,  15.  Got/tes  A.  16.  t7ordez]  aide  swaz  ime  ieman  übils  getet  G. 
19.  w^ch  A,  20.  tragen]  übir  winden  G.  nach  worte]  also  solt  du  selbe  bachin  din 
brot .  du  solt  niht  alliz  an  vz  lo'fen  bitten  (b.  brot  Z) .  daz  ist  also  gcsprochin  .  du  ensolt  niht  zan- 
diren  livtS  lo^ffen  .  bitten  brot  .  daz  ist  also  .  du  ensolt  niht  alliz  an  andirri  livte  tro^stes  be- 
dürfen .  vnde  ir  ratis  .  du  solt  dich  seibin  tro^'sten  mit  gottes  worte .  daz  du  gehöhnt  hsest .  von 
dien  hailigon  .  von  dien  livten  .  von  den  botton  .  von  dien  brödim  (den  broderin  Z)  .  von  dien 
prediem  .  von  dem  ewangelio  .  daz  lege  indin  herce  .  ob  du  loch  niemir  predier  gessehist .  in  aime 
iare  .  odir  in  zwain  .  noh  engehortist .  daz  du  dich  seibin  lerest .  unde  manest .  du  ensolt  dar  umbe 
niht  zirgan  an  tuginden  .  ob  du  prediere  niht  enhast .  alse  dicke  so  du  wilt  GZ,  21/1  nach  — 
dik]  vfi  hailiges  .  mach  der  mische  gna^dicliche  G.  23  f.  sAch  —  allez  fehlt  A,  25.  aUir  G, 
alle  A.         26.  daz  d.  w.]  dez  d.  bedarft  G, 

6.  Col  5, 12  f  12.  ebenda, 

DentBohe  Texte  des  llitteUlten.  X.  16 


342 


57.  Von  dem  wort  Gottea, 


Nn  spricht  sant  Paulus:  'Gottes  wort  sol  wonen  in  üwTem  hertzen*.    daz  ■ 
ist   dftz    lebend  wort,  Christus    nuMer    herre,    von    dem    sant   Johans    schribet: 
'daz  wort  in  dem  angenge   daz  waz    daz  angenge*.    daz    waz    du    hailig   got- 
hait,   du  ist  ain  angenge  and  an  angenge  und  ain    ende    and    an    ende,      dis 

i  wort  daz  wait  gesant  her  in  ertrich  und  waz  doch  wonent  in  hymelriche. 
er  waz  in  sins  vatter  hertze  wonent  nud  in  siner  miiter  schöz  sugend-  dis 
wort  wart  ze  flaische  au  der  stunde  do  er  enphangen  wart  in  der  rainnen 
mAgde  lip  siner  mfiter;  von  der  nam  er  daz  flaisch  und  daz  ril  rainne  blüt 
daz  an  irem  vil  rainnen  lip  waz,   und    wart  meutsche  [löö"]  in   ertrich    und 

I  waz  hie  mit  iins  blibent,  und  waz  doch  in  sins  vatters  schöz  wouend. 
man  sprichet:  'Got  geschuf  mit  aim  worte  hj-mel  und  erde',  daz  wort  waz 
sin  lieber  sun.  liuser  herre  waz  daz  lebend  wort  daz  hie  waz  uff  ertrich, 
und  doch  dest«r  minder  uit  in  hymelriche,  alz  ir  hörent  daz  aius  mentschen 
wort    die    kraft    bat    daz    ez    Mlä    mentschen    enphahent    die    es    hürent.,    und 

ü  doch  daz  wort  ungetaillet  ist.  nn  merkent  daz  hie  bi  -.  so  ain  prediger 
Gottes  wort  sprechen  wil,  so  gedenket  er  waz  er  sprechen  wil,  so  wirt  daz 
wort  geboren  in  dem  hertzen  und  kumet  in  den  munt  von  dem  hertzen; 
so  git  er  ez  denne  allen  den  die  in  hörent,  in  ir  oren;  so  fliisset  ez 
denue    von    den    oren    in    daz    hertze.      gantz    und    ungetaillet    wirt    ez    ieg- 

)  liehen  geben,  und  blibet  ez  doch  dem  priester.  sit  nu  dis  mentschen  wort 
[156 "]  die  kraft  hat,  so  ist  Gottes  wort ,  daz  Got  selb  ist ,  tusentstnnt 
kreftiger,  daz  ez  sieh  wol  mag  taillen  ungetailten  also  daz  er  sich  her  in 
ertrich  gap  ze  sehenn  und  ze  horenn,  und  doch  in  sins  vatt«rs  schöz  waz 
wonent;    und    alz    ir    och    sehent    daz    wir   ünsers   herren    lichamen    enphahent 

i  alz  daz  süsse  wort:  ieglich  mentsch  enphahet  Got  volkomenlich  und  gantzlich, 
und  ist  er  doch  in  siner  kraft  nit  minder  denn  er  e  waz,  des  meikent  ain 
glichi    an    der  creaturer    dii   sunne   stat    in    der  höhi    dez  hj'mels    und    git    ir 


1.  hercen  rilicbe  6. 
A.  vnde  ist  ano  aneg.  v. 
suginde  .  vnde  in  sinea 
Verbum  uiru  factum  est 
11.  d.  wüit  daz  waz  Q. 
indeme  anegenge 
got  wae  .  vode  ii 
M.  elliv  div 


2  f,  icr.  iDunem  bäche  .  Inprincipio  erat  uerbnm  .  Diz  1 
Q  endo  ane  ende  G.  6/.  dia  wortl  vnde  waz  in  einer  mütir 


hercen  wonendo  . 
est .  daz  wort  ist  zevlaische  worden .  ez  G. 
O.  12.  hcrre  Jheeus  CliriBtus  daz  waz  G. 

ide  waz  in  gotte  ane  aaegenge .  vnde  got  waz 
daz  kam  her  inertridie  .  doh  belibindc  G. 
..  daz  fthtt  Ä. 


uoD  der  wissage  spnMsb'l 
.  rainnen  1  kivscbun  6. 
nf.  hie  —  nit]  ? 
LZ  daz  wort .  daz  selbe  v 

1H.  ainis  ürganclichjn  m.  G. 
vnde  uon  denie  bercen  k.  ez  in 
it.  m.  G.  18.  er  fehlt  A.         ez  dennel  denne  daz  wort  von  sinem  munde  daz  inwme  hercen 

ist  gebom  .  daz  git  er  ff.  in  h.]  sin  wort  ho'rint .  daz  vlüzot  uon  siucm  mundo  G.  IS^'.  so 
fl.  e.  d.]  vnde  G.  lä  f.  gantz  —  priester]  vnde  wirt  also  gegebin  .  allen  dien  die  ez  enphahin 

wen  g,  u.  nng.  w.  e.  iegelichem  menachin  g.  vnde  doch  Bwie  wite  der  predier  ain  wort  tailet .  so 
belibet  ime  daz  selbe  wort  .  Nu  ho'rt  G.  19  f.  iegliche  A.  20.  dis]  dez  G.  21.  Wort  daz 
wort  daz  G.  23  f.  schöz  w.  w.]  hercen  w.  er  wonende  .  vnde  swie  er  in  menachlichir  naUire 

waa  wonende  .  do  waz  et  doch  inainea  liimilschl  vntir  hercen  belibinde  G.  27.  vor  du]  Ir 

Bchini  wol  G. 


I 


57.  Von  dem  wort  Gottes.  818    ' 

achonhait  und  ir  lieht  aller  geschepfte  har  in  ertrich,  und  wirt  doch  der 
schin  and  du  klaihait  der  sunnen  nit  g'esundert  von  ir.  also  scbain  daz  lieht 
Ansers  berren  .Thesu  Christi  har  in  ertrich ,  und  wart  doch  nie  geschaiden 
von  sins  vatter  liertzen.  dii  hymelsch  swnne  du  schain  herab  durch  daz 
venster  flSO'J  und  erliihtet  daz  tenipel.  daz  venster  waz  sin  sflssu  mäter:  ; 
durch  die  schain  er  in  dia  armen  weit  und  erluhte  daz  tenipel,  daz  waz  dii 
crislenhait,  du  wart  erliihtet  von  siner  mentachait.  also  sprichet  sant  Johannes 
daz  er  ist  ain  lieht  daz  alle  die  weit  erlühtet,  und  von  dem  illü  du  weit  ir 
leben  und  ir  wesen  hat.  nu  prüvent  wol  disü  wort!  so  du  sunne  nimt  von 
dem  glas  dez  glases  varw,  so  vervärwet  sich  der  schin  dar  nach:  wiss,  rot,  uj 
gel,  blaw,  grüne,  und  swaz  varwe  daz  glaz  hat,  die  nimet  du  sunne  an  sich, 
also  tet  fmser  herre  Jhesus  Christus,  er  schain  in  daz  luter  glas,  in  der 
e  lip,  und  nam  die  rainnen  mentschait  von  ir,  daz  ir  rainer  mag. 
im  nie  wart  ver^'ärwet.  waz  nimet  aber  daz  glas  von  der  sunnen?  daz 
klarhait  und  luterkait.  und  also  nam  üch  unser  herre  von  unser  l 
Trowen  die  mentschhait  und  aber  si  von  im  luterkait  /JdG'J  und  klarhait.  ez 
[ist  war  daz  si  luter  und  klar  und  rain  waz  und  unvervärwet  von  allen 
Sünden;  doch  waz  si  doch  also  daz  si  wol  möhti  han  gesundet,  aber  do  si 
der  hymelsch  sunne  durch  schain,  do  wart  si  so  klar  und  so  luter  daz  si 
für  daz  nie  mohte  gesunden;  hetti  si  joch  gern  gesundet,  si  enmohte,  was  3 
aber  dö  sunne  von  dem  glas  neme,  daz  merkent.  ir  sehent  wo)  die  sunnen 
.achinnen  durch  daz  glas  und  nimet  ir  schin  dez  glases  varwe  an  sich  (daz 
waz  siner  muter  glichi),  und  blibet  doch  daz  glas  gantz  nnd  unverwerret 
und  verlöret  och  du  sunne  ir  kraft  und  ir  schäni  niht.  also  nam  och 
unser  herre  siner  müter  glichi  an  sich:  munt,  ogen,  nasen,  brauwen,  he 
nnd  ällü  sinü  gelid  warent  reht  gedi'Aget  nach  ir  libe  und  nach  ir 
fichephde.  er  waz  ir  gelicher  denn  ain  ander  kint  siner  rattter;  won  ain 
ieglich  mentsch  ist  zwaier  ment/'i5ff''7schen  kint,  und  ist  an  dem  munde 
Biner  mfiter  glich  und  an  den  ogen  dem  vatter,  und  ist  also  getaillet. 
;nd    also    ist   ez  och   getaillet    an    der   liebi.     aber  du    rain    Maria   hat  ainen  SoJ 


3.  ir]  der  eannvn  G.        Also  zegelichir  w 
G.        4.  sfnne  Ä.        dti  nach  sunne  fehlt  0. 
6.  er  hör  in  G.         7.  Joh.  uon  iiiie  G. 
dfi  weit]  dioch  G,  9.  hain  G.  ID.  b 

het . . .  getan  G.  1».  !ip 


E  flchinet  d.  himilsi;ho  1.  G.         S.  vneir  berre  thc 
Af.  daz  scho'ne  u.  G.        5.  daz  u.  daz  waz  G. 
i.  ain  —  dio  weit]  daz  getnhte  .  daz  elliv  lieht  O. 
I  verv.]  vnde  verwert  G.  12.  also]  Zegelichir 

iriun  G.  U.  virwert  G.        nadi  Bunnen]  . 


tiQwcn  G.         15.  tot  fehlt  A.         Ibf.  und  also  —  klarhait]  Zegellehir  wia  nam  unsir  vrowe  elar- 
hait  unde  I.  von  deme  lebinden  euDDen  G.        17.  nnd  klar  fehlt  G.       vnvirwcrt  G.        18.  doch 
vor  al»o  fehlt  G.        21  f.  wol  M  d.  s.  schiuet  d.  d.  gl.  eo  nimet  der  aunnvn  schin  G.        23.  glich  A. 
24,  ocli]  doch  G.  24  f.  also  —  sich]  Zegelichir  wii  nam  div  lebinde  aunno  dez  glases 

Darwc  ansich  .  daz  waz  a.  m.  gelichi  .  sin  G.  35.  einlv  o'gcn  .  sin  n.  ain  bra  sine  h.  O. 

3S.  mentsch]  kint  G.         29.  an  —  vatter]  ist  deme  vatir  andion  o'gcn  gelicb  G.         SO.  vnd  ist 
D  getaillet  A. 


244  57.  Von  dem  wort  Gottes. 

nngetailten  sun  an  liebi  und  an  gelidern.  dis  waz  daz  wort  daz  von  hymel- 
riche  in  ertrich  kam,  und  dis  wort  sol  uns  leren  und  manen  alle  wishait, 
alle  tugend,  alle  sälikait;  won  ez  ist  volkomen  an  wishait,  an  g&ti,  an 
sfissekait. 

5  Sant  Paulus  sprichet:  'ir  sint  ain  tempel  Gottes  und  ain  hus\  nu 
wissent  ir  wol:  swa  ainer  edelr  fürste  wonen  wil  in  aiw  hus,  an  dem 
huse  müssent  vier  ding  sin.  es  müss  schön  sin  und  wit  und  stark  und  wol 
beraten,  won  wir  ez  unflätig,  so  gezim  aim  grossen  fursten  drinn  übel  ze 
wonenn.    wiri  ez  och  enge,  so  gezäme  aim  grossen  fürsten  aber  drinne  [15?"] 

10  nit  ze  wonende,  won  er  möhti  mit  sim  lieben  gesinde  nit  drinne  bliben.  war 
ez  nit  stark  und  wiri  vellig,  daz  die  wend  sigint,  so  blibe  er  och  ungerne 
drinne.  wir  ez  och  ungeraten  und  war  öde,  so  gezim  im  aber  übel  drinne 
ze  sinne,  disü  selben  vier  ding  mfissent  wir  an  uns  selben  vertriben,  wellent 
wir  Gottes  tempel  sin. 

15  Zem  ersten  müssent  wir  han  rainkait.  nu  sprichet  ain  haiige:  'swer  rain  wil 
sin,  der  müz  striten  wider  in  selben',  nach  der  rede  mag  nieman  ane  striten 
sin.  swer  nu  sin  hus,  sin  hertze,  wil  raine  halten,  der  mfiz  striten  wider  die 
flaischlingen  bekorung  und  wider  den  gaischlichen  Sünden,  flaischlich  sünde  daz 
ist  frasshait  und  unkünschi.     wider  der  frasshait  sol  man  striten  mit  vastenn 

20  und  swach  spis  essen;  wider  die  unkünschi  sol  man  striten  mit  veniande,  bet- 

Wir  mfizen  zem  erst  han  rainichait .  nu  sprichit  ain  haQige :  'swer  raine  wil  sin,  der 

mfiz  striten  widir  ime  seibin'  .   nah   der  rede  enmach  nieman  ane  strit  sin:   der  junge 

mflz  striten  mit  siner  jugent,   der  alte  mit  sinen  sitten;    wan  mit  langir  gewonhait  mfiz 

der  mensche  striten   alse  mit  der  nature  .   unde  swer  sin  hus,   sin  heroe,   rehte  rainen 

25  wil,  der  mfiz  striten  widir  dien  vlabchlichen  bechorungen  unde  widir  dien  gaistlichen. 

Flaischlich  sunde  daz  ist  vrazhait  unde  unküschichait  .  widir  der  vrazhait  sol  der 
mensche  striten   mit  vastenne  unde  swacke  spise  ezsin;    abir  widir  unküschichait  solt  du 

1.  uDgetailten  —  5  sprichet]  gaozin  sun  .  baidiv  (b.  an  yollecomener  geliche  vnd  an  Z)  an  uolle- 
kominir  liebi  .  daz  waz  div  nature  (d.  varwe  Z)  die  der  himiische  sunne  enphie  von  deme  glase . 
daz  er  ir  gar  gelich  waz  an  o^gen  vnde  an  mande  .  vnde  an  siner  rainvn  menschait .  Diz  waz  daz 
lebinde  wort  daz  von  himilriche  wart  gesant .  her  in  ertriche  vnde  waz  hie  wandilonte  .  in  meusch- 
lichir  nature  .  vndo  waz  hie  in  ertliche  insiner  mAtir  schoze  suginde  .  vnde  waz  in  himilriche 
in  sines  vatir  hercen  woneude  .  diz  wort  daz  {l,  was  Z)  xpc  unsir  herre  .  der  ist  daz  lebinde 
wort  vnde  daz  wort  ist  got  selbe .  Nu  prfivint  me  .  daz  wort  sol  wonen  riliche  in  iwiren  hercen  . 
daz  ir  ivch  seibin  lerent  vnde  manent .  diz  ist  daz  wise  wort .  daz  sfize  wort .  daz  da  selbe  leret 
alle  wishait  .  alle  tuginde  .  unde  alle  sselichait  .  wan  ez  ist  vollekomin  an  wishait  .  an  güti  an- 
sfizichait  vnde  an  allir  sfiziclichir  lere  .  vnde  ist  selbe  div  ho^'hste  wishait .  der  obiroston  güti .  diz 
sol  wonen  in  iwiren  hercen  .  Wan  sanctus  Paulus  sprichit  der  hailige  apostolus  G.  1.  Hb  A, 
5.  tempil  vnde  a.  h.  gottes  G.  6.  ain  A.  8.  drinn  übel]  niht  drinne  G.  9.  zcnge  G,  9  f.  ge- 
z&me  — möhti]  enmehte  er  G.  10.  bliben]  gewonen  (^.  11.  nit  —  w&ri)  och  G.  sohl.]  vnde 
bibinotti .  so  waere  G.        12.  vngeratö  A.       vnde  o^de  G.       aber]  och  G,        13.  wir  och  an  G. 

14.  sin  .  daz  er  in  vns  wone  G.         15/1  der  Text  von  G  ist  in  der  zweiten  Spalte  mitgeteilt, 

18.  fl.  s.  fehlt  A. 

5.  J.  Cor.  5, 16;  6, 19;  IL  Cor.  6, 16.  5  /f.  vgl  oben  8.  84  Z.  10  ff. 


57.  Von  dem  wort  Gottes.  245 

tend,  [157^]  disciplin  nemend  und  mit  arbaitend  an  gfiten  werchen:  hie  mit 
überwindet  man  die  flaischlich  bekorong.  nit  allain  veryahet  rainkait  dez  libes, 
man  mäz  öch  rainnes  hertzen  und  rainnes  willen  sin.  alle  die  wile  so  daz 
hertze  und  der  wille  raine  sint,  so  schadet  nit  du  krankait  dez  libes  von 
der  nature.  noch  dan  müz  man  striten  mit  den  gaischlichen  Sünden,  daz  ist  5 
hohfart,  zom,  nid,  hass,  gitkait.  dis  Untugend  und  ain  ieglichü  Untugend  sol 
man  überwinden  mit  tugenden.  wider  die  hohfart  sol  man  sich  demütgen 
under  din  obren,  under  din  glichen  und  under  din  swechem,  so  überwindest 
du  die  hohfart;  wider  den  zorn  sol  man  han  senfti  und  lindü  wort,  daz 
stillet  zorn;  wider  den  nid  gunste  und  dienst;  wider  den  hasse  minne  und  lo 
liebi;  wider  gitekait  willeklich  armüt  und  gern  gebresten  han  und  lassen 
daz  man  wol  möhti  han.  so  man  [15?']  denn  die  Untugend  alle  überwunden 
hat,    so  sol  man   denn   in   Gotte   rüwen,   ez   ist   och   denne  rüwens  zit.     nu, 

venion,  betton,  discipline  nemen  und  solt  dich  arbaiten  mit  allen  guten  dingen  unde  mit 
allen  gftten  werekin:  da  mitte  ubirwindest  du  die  ylaischlichun  bekorunge  .  unde  solt  15 
dich  ylizen  daz  du  allewege  rainiz  herce  habest,  daz  du  niht  unküschicliche  gedenkest 
wiUicliche,  unde  daz  din  wille  niemir  werde  übirwndin  und  niemir  genaiget  werde  ze  de- 
hainir  boshait  .  alle  die  wile  daz  din  herce  unde  din  wille  also  gestillet  ist,  so  enwirret 
dir  niht  diu  kranchait  die  der  lip  het  von  der  nature:  also  ubirwindest  du  alle  ylaisch- 
liche  bekorunge.  20 

Noh  denne  solt  du  mit  deme  fürs  tan  striten,  daz  sint  gaistliche  sünde  .  wan  liset 
daz  hie  vor  in  alten  ziten  sitte  waz  ze  Rome:  so  die  burgsere  widir  ir  herren  waren 
unde  mit  inen  stritten,  ubirwant  denne  der  herre  die  burgsere,  so  wart  er  mit  harte 
grozir  vroMe  enphangen  ze  Borne,  unde  ertön  in  harte  sere  unde  sazton  ime  ein  schap- 
pel  uf  von  biAmen  .  do  abir  die  fürsten  von  deme  lande  widir  deme  riebe  waren  unde  25 
mit  deme  kunige  stritten,  ubirsigite  er  denne  die  fürsten,  so  wart  er  noh  lobilichir  unde 
vro^licher  enphangen,  unde  sazte  man  ime  aine  guldlne  crone  uf  sin  ho^bet  unde  ertön 
in  vor  allime  deme  liute  .  hie  bi  ist  bezaichint  der  strit  den  ain  iegelich  mensche  striten 
müz  mit  ime  seibin  .  bi  den  gebfiron  sint  bezaichint  die  vlaischlichen  sunde,  die  wir  an 
uns  selben  übir  sigen  mAzen  .  so  wir  die  ubir  winden,  so  wirt  uns  zegezierde  unde  SO 
zeron  gegebin  ain  schappel  von  blümen. 

Noh  denne  hain  wir  die  fürsten  niht  ubirwnden,  daz  sint  gaistliche  sünde,  daz  ist 
ho^hvart,  zorn,  nit,  haz,  gitichait  .  widir  dien  solt  du  zallen  ziten  striten  unde  solt  aine 
iegeliche  untugint  ubir  sigen  mit  ainir  tugende  .  wider  hohvart  solt  du  dich  demüten 
undir  dinen  obiren,  undir  dinen  gelichin  unde  undir  dinen  swechim:  so  ubir  windist  d5 
du  hohvart;  wider  zome  senften  müt  unde  lindiu  wort:  daz  stillet  zorn;  widir  nide 
gunst  unde  dienest;  widir  hazse  minne  und  liebi;  widir  gitichait  alliwege  willicliche 
aimüt  unde  brestin  gerne  han  unde  lazen  daz  du  wol  msehtist  han:  daz  virtribet  gitic- 
hait .  so  du  denne  die  untuginde  alle  ubirwindest,  so  solt  du  rüwen  mit  gotte,  ez  ist 
o^oh  denne  ruwe  zit  .   so  du   baidiu   fürsten  unde  gebüren  übirwndin  hast,   so  wirt   an  40 

14.  venion]  weinen  Z.  22.  bürg.]  gebaren  Z,  ehemo  23. 


(246 


.  ^'on  dem  wort  Gottes. 


lieber  mentsch,  behalt  diuen  Up  rain  durch  dez  seUatzes  willen  der  driane 
verborgen  ist,  daz  ist  dii  edel  sele.  die  soll  du  behüten  vor  allen  Un- 
tugenden durch  dez  grossen  Gottes  willen  der  di'inne  rüwen  sol;  und  soll 
Got  erea  durch  dich  selben,  der  mentsch  der  alsuz  überwindet  an  im 
b  selben  baidii  flaischlich  und  gaischlich  sünde,  so  der  von  dirre  weite  schai- 
det.  90  Wirt  sin  sei  enphangeu  an  der  hymelporten  mit  grosser  vröde,  mit 
lob,  mit  sänge  und  wirt  gekrönet  mit  ainer  guldinen  kröne  und  wirt  ge- 
zieret  mit  ainem  schappel  von  blümen.  denne  wirt  du  sei  sich  vröwend  in 
Grotte    und    mit    Gotte   nnd    mit   allem    hymelschen    here    iemer    eweklich. 

10  Daz  ander  ist  daz  daz  gotzhuse  wit  si.  daz  ist  aber  unser  hertz  fl37*J. 
daz  sont  wir  witen  mit  der  minne  alz  sere  daz  wir  all  mentschen  drinne 
bevahent.  wir  sont  den  fründ  minnen  in  Gotte,  daz  wir  allez  daz  au 
Got  kerent  daz  wir  an  im  minnenL  wir  sont  och  die  vjgint  durch  Grot 
minnen. 

IS  Zu  dem  dritten  male  sont  wir  och  stark  sin.  daz  ist  also  ze  merkenn 
daz  wir  Got  sont  starklich  getrüwen.  und  swaz  uns  arbait  au  gat,  so  sont 
wir  im  dez  getniwen  daz  er  ez  durch  unser  sei  hau  habe  über  uns  vei 
beuget,    und   sont    ez    nit    anders    versehen    won   daz    er   ez    allez    durch    gut 


L         <0  u 


dir  gaUtlicb,   daz  an  dir   naz  vlsiechlich;    unde  daz  e   waz  irdisch,   dax  wirt  denne  bt- 

30  milscb;  unde  daz  e  waz  menschlich,  daz  wirt  denue  goüich  .  owe  liebir  mensche,  be- 
halt dinen  lip  raine  dur  dez  scbazea  wUleu  der  drinne  virborgen  ist,  daz  ist  din  edüiu 
Bele !  du  soll  dine  sele  eren  unde  behSten  vor  allen  uDluginden  dur  dez  grozin  Gottes 
willen  der  drinne  rüwen  sol,  unde  solt  Gol  eren  durch  sich  selben. 

Der  mensche  der  aUus   ubirwindet  an    iine   seibin   baidiu  vlaischliche  sunde  unde 

2h  gai.^tliche  aunde,  so  der  von  dirre  weite  schaidet,  so  wirt  sin  sele  enpbangen  ander 
hiDiilporl«  mit  grozir  vro^de  unde  mit  lobe  unde  mit  ^aiige  unde  wirt  gecro'net  mit  ainer 
guldinun  erone  unde  wirt  gezieret  mit  aime  schappel  von  blümen  .  denne  vro'wet  sieh 
diu  sele  mit  Gotte  unde  mit  allime  himilscbin  her  iemir  ewicltcbe. 

Daz  andlr  ist  daz  ez  wit  ei   daz  hus  da  Got  mit  eime  liebin  ingesinde  wU  rflwen  , 

3(1  daz  hus  daz  ist  unsir  herce,  daz  bud  wir  wilen  mit  der  minne  .  wir  sun  aine  also  wita 
minne  bau  daz  wir  elliu  menschin  bevahen  in  unsiriu  hercen  .  wir  sun  den  vriunt 
minnon  in  Gotte,  daz  wir  alliz  daz  an  Got  keren  daz  wir  an  ime  minnen,  unde  sun  alle- 
w^e  Got  undtr  mischen  .  alse  diche  so  du  an  in  gedenkest,  alse  diche  so  dich  debain 
dinch  raizet  den  menschin  ze  minnenne,  so  aolt  du  allewege  gedenchin :  ich  wil  dich  dur 

SS  Got  minnon ;    unde  alle  die  wUe  so  du  dich  schirmest  mit  deme  gedanche,  so  minnoet  ^ 
du  allewege   in  Gotte  .  dusolt  och  dine  viende  dur  Got  minnon. 

Daz  dritte  daz  ist  daz  daz  wir  mit  Gotl«  rebte  vesle  unde  starck  sin  .  daz  ist  also    < 
ze  merchinne   daz  wir  Gotle  rehte   voUicIiche  aun  getrüwen  .  unde  swaz  uns  anegange, 
so    sun    wir  Gotle   getrüwen   daz    er   ez   dur   unsini  sele   hail   ubir  uns    habe  virhenget  . 

10  unde   swaz   arbaide  dich   iemir  an  gevalle,   so  eusolt  du  dich   niht  andirs  virsehin   wan 


3.  groH^H  A. 


i.  wirt  A. 


K  an  dir]  e  Z. 


I 


57.  Von  dem  wort  Gol 


247  , 


Über    uns    verhenget    und    uns    den   Ion    da  mit    meiet.     swel    mentsch    alauz 
k]\ü   ding   du    ez    an    gant,    enphahet,    daz    liat    wol    ain    starkes    hertze,    da  i 
inne   Got,    dem    gi'ossen    fiirsten,    gezimet    wol    ze    sinne. 

Zu    dem    Tierden  male    sont    wii'    sin    beraten    mit   [158']  edelm    gesinde, 

I  die  guter  zuht  sigint    und  die  ünserm  heiven  wol  gezäment.     daz  gesind  sint  -i 
die  Imilgen  enge],  patriarclien,  proplieten,  zwelfbotten,  martrer,  biiiter  und  die 
rainnen  mAgde.     die   solt    du,    mentsche,    allweg  tragen  in  diner  gehügde.     in     J 
disem    huse    gezimet    wol    ain    erberü    wirtinne    mit    wolgezognen    junglrowen,    I 
die    wo!    zuht    und    ere    kunneut     daz    sol    sin    du    lij-melscbe    und    die    aller      \ 
erberost   wirtinn,   unser   vrowe    sant  Maria,   mit  den   rainen   migden   und    den  M 
künschen;    die  sont    daz    hus    zieren,   und    die   sülleut    wir    ze   allen    ziten   in 
üserra    hertzen    tragen    und    sont    gedenken    wie    si    daz    hjmelrich    erstritten 
und    gewunnen    hant,    und    sont    ocli    wir    nach    den    selben    eren    striten    und 
sont    uns    flissen    rainkait    an    lib    nnd    an    liertzen.      und    swaz    tngend 
irem    lebenn    wir    erkennent    und    guter    werche,    dez    sont    wir   [löS"]    i 

j  allez    flissen. 

Daz  öch  wir  daz  behalt«nt  an  ünserm  lebenn,  so  Iiant  wir    ain   benaten 

f  hus  in  dem  Got  daz  lebend  wort  wonen  sol. 


^H  lebiDi 


da2  dirz  Got  gefAget  habe   dur  diu   hail    und  dur  dine  sfelichait,    unde   daz   er   dine 
tuginde  unde  dinen  Ion  m\  meron  ,  unde  swel  mensche  also  enphienge  elliu  dinch,  daz  3 
letti   wol    ftin   vestez   herce   unde  ain    starkis   hua;    wan    swaz   ime  laidis  geecheehe,  daz 
Wipre  ime  niht  aine  lait,   ez  wsere  im  ain  vro'de,    ewa  mitte  ime  Got  sine  tuginde   ui 
wnen  Ion  meretti  .  swer  also  enphahit  awaz  in  ane  gat,  der  enwirt  nibt  benegit  von 
bainen  dingen,    wan   er  getrOwet  Gotte   also    volliclicfae  daz  er  alliz   daz  enphahit  zainir 
mndirlichuu  liebi   von  Gotte  ,  daz  ist  ain  Btarckia    und    ain  veetes  hus,    da  inne  gezimet  'ü 
wol  ze  sinne  deme  grozen  fürsten,  Gotte  von  himilriche. 

Daz  vierde  daz  ist:   daz  hus  Bol  sin  wol  beraten  mit  edilme  gesinde,  die  gfltir  zuht      ■ 
rin  und  die  deme  edilen  Gott«  wol  gezemen  .  daz  gesinde  daz  ist  daz  himilsche  gesinde,       I 
die  hailigen  engil    unde  patriarchin    unde  die  prophetin,    die  apoetilen    unde    die  hailigen 
martf rere  unde   die  hailigen  biht«r :    diz  schone    unde  diz  edile  Ingesinde    soll  du  lalleo  30 
zi(«n    in  diner  gehugide   tragen  .    in  dieeme  hus    gezimet  wol    ain  erbffiriu  wirttn  mit  wol- 
gezoginen    juncvrowen,   die    wol   adüliche   unde  erberücbe  luhle    unde   ere  kunnen  .   daz 
Bol  sin  diu  himilsche  unde  diu  erbsere  wirtin,   unsir  vrowe  .    o  diu    liebe  Maria,    Gottes       1 
mfltir,   diu  alliz  himilriche  gezieret  unde   geret  hat,    diu  sol    wirtinne   sin    in  dimme   hus       V 
mit  dien    rainen    mreg^den    unde  dien    krischen    unde   dien    editeu   juncvrowen :    die   sun  35 
zieren    din   hus,    die  solt  du    zallir  zit    indinir  gehugide  tragen   unde   aolt   du  gedenchin 
wie  siu  daz  himilriche    erstritl«n  hain   und  gewnnen ;    unde   aolt  du    lallen    ziten    striten 
unde  vehtJn    nah   din  seihen   eron    unde  deme  erbe,    unde  solt  dich  vlizen  rainicliait  an 
übe  unde  an  herein  .  vlize  dich  demQttchait,  gedultichait,  millichait,   und  swaz  du  an  ir 
lebinne  irkennest  unde  vindest,   dez  solt  du  dich  vlizen    daz  du  daz  beball«Bt  an  dime  i 
Jebinne  .  und  aolt  din  lebin  ordinon  nah  der  haillgon  lebinne  unde  abir  allir  maiat  nah 
lebinden  Gotte,    alse  Christus    unsir    herre    lebite    hie    in    ertriche:    swenne   du    diz 


aS.  Von  m&nger  haudc  Bchrift  der  mentschait. 


1 

I 


[58.]  Von  mänger  bände  schrlft  der  mentsctaalt 

[Dominus    natrahit    in    scripturis  populorum,] 
'Got    80l    könden    an    der    schrift    den    löten',    sprichet    der    wissag    her! 
David. 

In  zwo  wis  wil  uns  Got  künden  an  der  hailgen  schrift:  an  den  rehten 
weg  ze  hymelriche  und  au  reht«s  leben,  won  alz  du  sunne  erlübtet  den 
nebel,  also  erlülitet  dii  hailig  schrift  die  cristenhait  und  du  hailig  lere  die 
uns  Gottes  sun  lerte  mit  sin  selbes  munde,  und  die  haiigen  propheten  und 
die    haiigen    zwelf hotten    und   ander  haiigen,    den  der  hailig  gaist  kante  und 

I  lerte  wie  si  die  hailig  cristenhait  leren  soltent. 

Ain  ander  schrift  hat  iins  öch  unser  herre  gegeben ,  daz  ist  der  laygeD 
schrift;  won  der  liite  ist  vil  die  der  schi-ift  nit  kuunent  die  an  den  buchen  ist 
geschriben,  [15S']  und  dar  umb  hat  in  Got  ain  ander  schrift  geben,  da  si  an 
leiTient  wie  si  nach  dem  hymelriche  sont  werben,    du  schrift  ist  daz  gemilde 

i  in  der  kirchen  von  den   haiigen,  wie  sü  lebteut  und  waz  si  durch  Got  tatent 
nnd  waz    si  duich  in  arbait  littent.      daz  tut  man  durch  etwie  mAnig  sache. 
ain    sacb    ist    daz    si    sont    lernen    an    der    haiigen    leben    wie    si    nach    dem  i 
hymelriche  sont  striten  und  werben,  alz  och  die  haiigen  gestritten  haut,     dfi  j 
ander  sache  ist  daz  si  an  rehtem  globen  gesterket  werdent,  so  si  sehent  was  J 

I  die  haiigen  hant  erlitten  dur  den  rehten  globen.  du  drit  sach  ist,  wan  linsc 
herze  ze  unstät  ist  und  laider  bi  im  selben  selten  ist,  daz  der  mentsch  i 
hertze  denne  an  dem  gemilde  vindet,    so  er  siht  du  ding  an  du  vor  im  i 

indiner  gehugide  traist  unde  dich   dar  nach  bildost  an   deme  lebinne,   bd  best  du  i 
wol  beratin  bu9    mit  ediltme   iagesinde   .   eo   gezimet    deme    lebindpn   Gotte    vol    drinm 
i  le  wonenne  .  und  daz  lebinde  wort,  daz  Got  selbe  ist,  unsir  Heber  herre  JheBUS  Christus^  1 
der  wonet  denne  in  dime  hercen  rillche. 


1.  Überschnft  fehlt  G ,  Dise  wort  sprichit  ein  wissago  (rot)  Z,   W  am  Sande  Sermo  XXT,| 
De  a&ncto  Paulo  N,  In  paseioDe  Arundtl,   Itf  van  deme  lyden  vns  beren  Phitl.  2.  Der  latM 

Text  fehlt  A.         9— ä  künden]  Disiv  Wort  sprichit  der  wiasaRe  dauid  .  Got  e.  k.  an  dien  emdan  ■ 
d.  1,  Diz  wort  mugen  wir  enzwaige  wiz  virnemen  .  daz  uns  got  konden  wil  OZ.         6,  an  r.i  d» 
rcbte  Q.       alz]  rebto  zegelicbir  wiz  also  O.         T.  die  hniliguu  er.  G.        §>.  lerte  selbe  mit  ünem 
m.  O.        nnd  nach  proph,  fehlt  G.        14.  lement]  sun  lernen  O.        dem  fehlt  G.        16.  kilchon . 
daz  man  da  malot  von  &.  Ihf,  tuteiit  —  man]  arbaitc  litten  .  vnile  wie  eiv  manigir  martyr 

gemartirot  wrden  .  vndc  tat  man  daz  G.  19.  aun  geat.  wcrdin  G.  21.  herze  nus  h're  korr.A. 
ze  fehlt  G.  vor  daz]  dammbe  iet  och  daz  gemftide  gemacbot  G.  22  f.  denne  —  gedenket] 
vinde  -  ao  er  mit  dien  uziiren  o'ffen  ane  aibt  daz  gemalde  .  daz  er  denne  div  inren  dich  vindo^ 
dez  hercen  .  vnde  er  gedencho  an  div  dinch  dJv  vor  ime  sint  gcmaiet .  vnde  also  vindet  der  u 
ün  heroe  Q.  Sü.  So  Khlieltt  auch  Z. 


I.  Die  Predigt  findet  »ich  in  GBl.79'>.  Z  BlöS';  WBI.J13,  ABL116;  SNr.l6,  Ärv 
SI.  8tf',  Phill.  Bl.  1G5K  —  Gedruckt  nach  Z  bei  Wackemagel  S.  1S7.  2.  Ps.  86,  l 


58.  Von  m&Dger  bände  schrift  der  mentscfaait  249 

malet  sint,  und  denne  inwendig  dar  nach  gedenket,  also  sprichet  der  wissag: 
'herre,  ich  han  min  hertze  fanden*,  nu  [158^]  merkent:  swaz  der  mentsch 
sins  dinges  vindet,  daz  müz  er  e  verlorn  han.  also  geschiht  ez  laider  dik 
daz  der  mentsche  sin  hertze  verluret  mit  üppigen  gedänken,  so  sol  er  es 
vinden  an  dem  gemälde.  du  vierde  sach  ist  daz  man  an  der  haiigen  leben  5 
lerne  tugend  und  rainkait. 

Aber  über  allez  gemälde  und  über  ällü  bilde  sont  wir  an  sehen  ünsers 
lieben  herren  marter  bilde  und  sont  dar  an  lernen  aht  leccen,  die  er  uns  Vor 
hat  geschriben  an  sim  haiigen  libe. 

Du  erst  lecce  ist  willeklichu  armüt.  daz  merkent  da  bi  daz  er  so  gar  lo 
nakent  stat.  und  dar  an  sont  och  wir  lernen  daz  wir  arm  kunnent  sin 
durch  sinen  willen,  der  durch  uns  och  arm  ist  gewesen,  daz  er  aller  siner 
herschefte  und  allez  sines  rihtümes  so  vil  nit  hatte  daz  er  sinen  lip  be- 
dakti,  won  [159^]  daz  er  gar  nakent  stund  an  dem  crutze.  'sälig  sint  die 
willeklich  arm  sint*,  spricht  unser  herre  in  dem  ewangelio,  'won  daz  h^mel-  is 
rieh  ist  iro*.  und  dar  umb  sont  wir  gerne  arm  sin,  won  er  ist  wol  sälig 
und  me  denn  sälig  dez  daz  hymelrich  ist,  won  er  hat  me  denn  er  gert; 
und  alles  daz  er  hat,  dez  genüget  in,  und  ist  im  alz  wol  mit  armüt  daz 
in  nit  dunket  daz  er  arm  si.  won  ze  glicher  wis  alz  der  gitig  man  alle- 
wegent  me  gert  und  fürhtet  daz  im  gebreste,  also  dunket  allwegent  den  20 
willigen  armen  daz  er  ze  vil  habe,  da  von  haisset  er  si  sälig,  die  wil- 
ligen, armen,  won  si  haut  dez  si  gerent:  won  si  gereut  nit  won  armüt  und 
gebresten.  da  von  sint  si  sälig  daz  si  daz  willeklichen  haut  durch  60t. 
intrüwen  si  haut  wol  gelemet  bi  irem  schöpher  arm  sin  und  haut  sin 
[159^]  marter  bilde  wol  für  ir  ogen  gemalet  und  sin  armüt,  die  er  hatte  in  25 
allen  sinen  tagen,  si  sint  och  da  von  sälig  daz  si  nieman  beröben  mag; 
won  swen  man  röbet,  der  wirt  ungedultig  und  fli/cAet.  si  haut  nit  und  da 
von  nimet  man  in  niht.  si  sint  och  sälige,  won  si  hant  ietz  ain  tail 
hymelscher  Mhait  die  si  in  hymelriche  sont  gar  enphahen,  daz  ist  daz  si 
me  hant   denn   si   gerent,   und  hant  so    gnüg   daz   si   nit  me  woltent  han.      30 

1.  wissage  daoid  G.  8.  sins  dinges  fehlt  O.  5.  man]  wir  son  lernen  O.  6.  lerne 
fehlt  G.  10.  lecce  fehlt  G.  so  fehlt  G,  11.  und  fehlt  G,  11  f  arm  —  willen]  willic- 
liche  a.  sin  dorh  got  G.       12.  och  —  gewesen]  als  a.  wolte  sin  G.       18.  sinen  lip]  sine  schäme  G. 

14  f  s&lig  —  17  ist]  wir  sun  gerne  am  sin  .  wan  onsir  herre  sprichit  i.  d.  ew.  Beati  pauperes 
spirita .  SaBÜch  s.  die  armen  .  himilriche  ist  ir  .  der  mensche  der  williche  am  ist .  der  ist  sselich  . 
Sit  got  selbe  sprichit  .  daz  er  sselich  si  .  So  ist  er  och  seelich  .  wan  himilriche  ist  sin  .  himilriche 
ist  ain  so  groz  schaz  .  daz  er  wol  sselich  .  vnde  nil  sselich  ist  .  dez  daz  himilriche  ist .  Er  ist  och 
darambe  sslich  G.  18.  and  alles]  wan  a.  G.  20.  düchit  abir  alliwege  G.  21.  amnin 

menschin  G.         23.  sselich  och  .  daz  s.  G.        24  f.  sin  marterbilde]  daz  bilde  siner  martyr .  vnde 
siner  hailigan  menschait  G.       26.  tagen  .  do  er  mensche  waz  offen  ertriche  G.       27.  flühet  Ä. 
flAchet  —  und]  vlAchint  siv  och  .  die  sselde  hain  siv  och  daz  siv  nieman  robit .  wände  siv  niht  hain  G. 

28.  man  och  inen  G.       Si  sont  Ä,  So  sint  siv  G.       och  iezo  G.       29.  der  himilschun  fr.  G. 
daz  ist  div  vrihait .  daz  G,       80.  hant  so  gnAg]  gnAget  siv  ir  armftt  G.       nach  han]  div  vrihait  ge- 

2.  im  AnsMuß  an  P«.  43, 19;  Eccli,  51, 27?        10/f.  vgl  oben  S.  35  Z.  6  ff.       Uf  Matt.  5,  3. 


>  bS.  Von  min^r  hande  «chrift  der  mcutschiLit. 

Du    ander   letzte    ist   volkomnii    minne.     daz    merkent    da  bi    daz   ef"^^ 
henket    wart    entzwüschent    zwen    schachman ,    rehte    alz    er   ir   schulde    wolt  ' 
tragen,    und  allez   daz  er  lait,    daz    lait  er  durch  die  vigint.     nu  waz  möhti  ' 
grösser   minne  sin?   alsnz   hat   er  «ch    geleret  uns  daz    wir  unser   vigint  min- 
5  nent,    und  sont  in    ze  statten    komen   und   ze  dienste  so  si  ez  bedurfent:    won 
unser    herre    [159 'J    wolt    nit    gemartret    werden    durch    die    giiten,     nument 
dui'ch    die    Sünder,      saut   Paulus    sprichet :    'gedenkent    und    ahtent    wie   groz 
not   unser   herre    erlitten    hat    umb    sin  vigind'.     und   sit    er    nu    so  groz  not  I 
lait    und    er    so   groz  minne   da    mit    uns    erzaigte ,    waz    wännent   ir   waz    er 

10  denne  grosser  und  unmässiger  minne  nu  zaige  sinen  fründen?  won  daz 
ist  ane  zwivel  war  daz  er  sinen  fründeii  groz  minne  wil  zaigen.  won  daz 
müz  sin;  won  swer  sin  vigint  alz  volleklich  minnet,  der  minnet  sin  fiünd 
vil  voUeklicher.  sant  Johans  sprichet  von  der  minne  die  Got  dem  ment- 
scben    ögte:  'do  wir    sin  vigint  waren!,    der   groz  Got    der    minnet    uns    also 

15  Bere    daz    er  siuen    lieben    aingebonien  sun  in  de«   tot  gab  für  uns,    und  tet 
daz  dar  umb  daz  wir  sin  fründ  wurdent.'     nu  merkent  wie  groz  miltkait  er 
uns    hat    erzaiget:    do  wir  verlurent    sin    huldi  und   [159"]   wir  in  erzumt«nt 
von    ünsren    Untugenden ,    do    waz    daz    ain    gr6ssu    miltekait    daz    er    üs    ze  I 
fründe   wolt  gewinnen    mit  sins  lieben  kiudes  tot. 

20  I)ü  dritte  letzge  ist  sin  groz    und   sin  überflüssendü  erbärmde.     und  mer-  j 

kent   daz    da    bi    daz  er   sim  vigint,    der  bi  im  hieng  von  schulden    und   der  ' 
sin  hatte  gespottet  und  in  hatte  gescholten,  do  der  selbe  an  in  gnade  gerte,  | 
do    erhörte    er  in  zehant  und  gab  im   me  gnaden  denn  er  gerti.      er  sprach: 
'herre,  gedenk    min,    so    du    komest  in  din  riebe',     do  erhört  in  unser  herre  i 

25  zehant    und    sprach:    'wArliche    sag    ich    dir   daz    du  liüt  mit  mir  solt  sin  in  i 
dem   paradyse'.     do  gab  er  im  jne  gnaden  denn  er  in  batt,    won  er  batt  in 


L 


lichit  sich  ain  tail  .  der  himilschim  Trihait  .  da  oon  ünt  (s,  siv  Z)  sxlich  bie  in  ertliche  .  Vndo  ' 
stm  hernah  zchimilriche  onphan  die  cwi^n  srclichait  .  wan  daz  sprichit  unair  herre  selbe  du  du  j 
himilriche  ist  der  tlie  willidicbe  am  »ine  .  dur  got  G. 

\f.  geh.  wart]  wolle  gehenchit  werden  <?.        2.  echahchere  G.        Sf.  nnd  —  Bin]  Wie  mtehti 
er  iemir  grD'zir  vn  vollekomine  raiutie  baz  irzaig^D  denne  daz  er  ainer  viende  schulde  wolte  tragen 
rugse .  vndc  an  allen  sinen  lidini  sunderlich  wolte  er  gemartj-rot  werdiu  .  \Tide  hctte  ert 


ioh  gelitten  dur  sim 
dur  sine  uiginde  ,  d: 
sfioderl  er  wolto  not 
vnde  a.  G.  H. 

80  —  enaiglo]  vns 
mare\pc  O.  II. 

apr.  O.  14.  got . 

edilen  aun  .  vnde  ein 


doch  ain  zaichin  grozii  roinne  .  daz  er  ez  abir  wolle  tOn 
I  waz  noh  volle  kominriv  minne  G.       4  f.  oiinncn  sun  O.        6  f.  n 
linde  tot .  unde  olle  bitirchait  liden  dur  sine  via^nde  G.         T.  gcd.  merchint 

inser  h.|  got  G.  umb]   dur  G.  nul  dur  BJne  viende  ß. 


so  grozir  ininne  zaichin  gap  G.  WKaen  wir  ni 

won  (].]  Vnde  merchint  daz  spricliit  er  .  daz  ez  G. 

der  hoiligo  uater  vnde  div  hailige  gothait .  der  G. 

>n  ain  bomen  aun  6.  dct  A.  nna  .  do  wir  eine 
16.  wie  rehte  gr.  G.  li).  kindes]  eunes  G.  20.  ist  fehlt  A. 

!3.  sprach  .  Memento  mci  domine  dum  voncris  in  regnum  tuum  G.  2' 
15.  warliche  du  solt  liivte  sin  m.  mir  in  G.  26.  ime  zehant  me  G. 


Vi.  ioh.  der  minner    | 
15.  liebin  Bun  .  sinea  J 
iende  waren  .  unde  G. 
21.  hangeto  &. 


i  ü.  h.]  er  ii 


O. 


7.  Rom.  5,  10.  13/".  Joan.  3, 16.         21.  Luc.  33.  43.         25.  Luc.  33,  43. 


5S.  Von  m&Dger  hande  sclirift  der  uientschait. 
gedÄhti , 


Sfil 


nit  wön  daz  er  sin  gedähti,  so  er  in  sin  rieh  kAme;  do  ^b  er  im  daz 
ewig  riebe  ze  bescliowenn.  er  gedahte  sin  nit  allaine,  er  gab  im  1160°}  daz 
paradyse  ze  bescbowend,  dis  paradys  waz  du  götlich  an  gesibt.  daz  sont  ir 
wissen  daz  er  in  dehain  ander  paradis  für  won  hin  zu  der  helle  da  aller 
haiigen  seien  warent,  die  siner  zu  kunfte  baitetent  und  zu  allen  stunden  5 
gertent  iro  schepbers,  daz  er  si  losti:  zu  den  für  och  er.  nnd  an  der  selben 
stunde  do  unser  herre  an  dem  crütz  verschiet,  do  für  sin  bailgü  sei  hin  zu 
der  helle  und  loste  alle  die  sins  vatters  willen  battent  getan ;  und  an  der 
selben  stunde  starb  ftch  der  Schacher  und  für  och  dar  und  sach  do  Got  an 
siner  gothait.  da  von  spricht  er:  'er  für  in  daz  paradys  aller  wollust'.  und  lo 
daz  ist  ain  urkünde  siner  iibei"fliessend  erbärmde  daz  er  so  groze  erbArmde 
tet  sinen  viginden.  da  bi  mugent  ir  merken  daz  er  sinen  frindeu  vil  grosser 
[160"/  erbärmde  tfit,  hie  bi  sont  wii'  aber  lernen  daz  wir  erbärmde  sont 
han  nit  allaine  über  unser  fründe,  wir  sont  uns  och  erbarmen  über  unser 
vigint  lä 

Du  vierde  letzge  ist  andAbtigii  gehorsami.  daz  merkent  da  bi  daz  er 
sin  sele  liess  schaiden  von  sim  libe  mit  genaigtem  hobte.  dar  an  merkent 
zwai  ding:  atidaht  und  gehorsami.  daz  er  sin  sele  liess  von  sim  libe 
schaiden,  daz  waz  ain  zaichen  gantzer  gehorsami;  daz  er  aber  sin  höbet 
naiget,  daz  waz  ain  zaichen  gantzer  andalit,  du  in  sim  rainnen  hertzen  waz;  20  ■ 
won  er  sprach:  'herre  vatter,  ich  bevilhe  dir  minen  gaist',  reht  alz  er 
sprAche:  herre  vatter  min,  ich  bin  dir  gehorsam  gewesen  untz  an  den  tot 
und  han  allen  dinen  willen  volbraht,  nu  enphah  minen  gaist,  ich  han  ez 
alles  vollendet,  do  naiget  er  sin  höbet  und  verschied,  hie  an  sont  och 
wir  lernen  andaht  und  gehorsami.  wir  sont  niht  [160']  allain  gehorsam  sin,  25 
wir  sont  och  andähtig  sin,  alz  unser  herre  waz.  swaz  man  den  guten  ment- 
schen  haisset,  daz  sol  er  enphahen  mit  genaigtem  Iiopte,  daz  man  da  bi 
merki  daz  er  mit  andaht  gehorsam  si,  nu  merke  wie  diu  andaht  so!  sin 
engegen  der  gehorsami.  du  solt  gedenken  durch  wen  du  gehorsam  bist  und 
durch  wen  du  dich  hast  begeben  libes  und  gutes  und  dines  aignen  willen:  so 
daz  hast  du  getan  durch  Gottes  willen  und  sin  liebi.  swaz  man  dich  denne 
haisset,    so    solt    du    gedenken:    herre   vatter,    min    schepher    und    min    erlöser 

1.  ime  wierliche  daz  Ö.  2.  riclie}  paradys  G.  2/1  daz—  bescbowend]  seibin  zo  scUo'winne 
daz  lebmde  p.  G.  3.  Diz  p.  daz  waz  G.  vnde  daz  O.  4.  alle  G.  7.  sele  vnde  eiu  gotliait 
hin  G.  S.  die  dio  G,  10.  »pr.  er|  spr.  man  O.  paradys .  wan  sin  gotlich  augeacho'wide  ist 
ain  paradys  G.  12.  tet]  gap  G.  groze  G.  13.  tot]  git  G.  Ifi.  lezze  die  wir  an  demo  crüee 
aun  lernen  .  daz  ist  G.  18.  er  abir  sin  Lö'bit  naigito  .  vnde  daz  er  G.  eini  libe]  üna  G. 
20.  gantzer]  grozir  G.  21.  wan  er  naigice  sin  hn'bit  vnde  epr.  Pater  in  nianue  tuae  conmendo 

spiritum  meum  .  herre  G.         22.  an]  vf  G.         23.  gaist .  Consumatuni  eet .  Ich  G.        24/".  sont  — 
und)  mugon  w.  wo)  I.  andehtige  G.  2«.  och  fthlt  ff,         sin  mit  der  gehoraami  .  alse  ff. 

2S.  si]  waz  .  vnde  daz  sin  herce  senrie  ist  mit  gehorsami .  Wau  andaht  div  niachit  allewege  lindez 
vnde  senriee  gemöte  ff.  29.  der  fMt  ff.         3U.  dine  A.         91.  willen  n.  s.  fddt  G. 


252 


56.  Von  müDger  hande  echriTc  der  taejiischait 


und  min  behaller  und  miu  Ion,  dis  tfln  ich  alles  durch  dich,  nu  enphach 
minen  willen  und  min  gehorsami  zii  aim  opher.  und  daz  gebot  solt  da 
ordenlich  volbringen  und  andAlitklich  untz  an  den  tot,  won  unser  herre  waz 
och  durch  dich  gehorsam  untz  an  den  tot.  alz  sprichet  sant  Paulus:  'unser 
5  flfSO"/  herre  waz  gehorsam  untz  an  den  tot  dez  crüzes*.  nu  sprichet 
sant  Bemhart;  'gedenkent  daz  Gottes  sun  sin  lieben  sei  lie  von  sim  übe 
schaiden  durch  gehorsami,  und  sehent",  sprichet  er,  '  daz  ir  der  gehorsami 
niemer  vergessint'. 

Du  fünfte  letzge  Ist  gfttü  zuht.  daz  merkent  da  bi  daz  er  in  allen 
10  sinen  ndten  nit  wolte  lassen,  do  sin  müter  bi  im  stänt  under  dem  crütze,  er 
maiude  si,  daz  si  wol  wiste  daz  er  ir  nit  vergessen  hatte,  swie  groz  sin  not 
und  sin  bitterkalt  waz:  nit  vil  moht  er  mit  ir  gereden,  so  groz  waz  sin 
marter  und  sin  angst;  doch  gab  er  ir  mit  kurtzen  Worten  ze  merkenue 
mAnigvaltigen   sin    der    grossen   liebi    und    der    zuht   die  er  ir  bot     er  sprach 

'  15  sässeklich  zu  ir,  alz  er  do  mohte  (won  sin  kraft  waz  gar  bewichen,  er  waz 
vil  bi  alier  tot,  do  er  zühteklichen  sprach):  'sieh,  liebü  mfiter,  wie  diu  fl61'J 
ainger  sun  stat!"  reht  alz  er  spräche:  'ach  min  süssii  müter,  wie  tat 
dir  min  ser  so  we  daz  du  mich  diu  ainges  kint  vor  dinen  ogen  sihest 
hangen  mit  blute  gar  berunnen ! '  und  in  aller  siner  angst  moht  er  nit  ver- 
io  lassen  er  befulhe  si  siuem  lieben  junger  sant  Johansen.  hie  bi  sint  aber 
wir  geleret  daz  wir  vatter  und  milter  eren  sont;  und  nit  allain  ünsem 
flaischlichen  vatter  und  miiter,  wir  sont  och  ünsern  gaischlichen  vatter  und 
müter  eren.  man  liset  von  Thobya  daz  er  sinen  sun  lerte  vatter  und  miiter 
eren,    so  volgeti    im    gelüke,      und   also    sont    wir    öch    ere  und    zuht    bieten 

I  SS  ünserm  gaischlichen  vatter  und  mäter,  so  volget  och  uns  gelüke. 

Dil  sehst«  letzge  ist  dumähti  gedultsarai.  daz  merkent  da  bi  daz  er  ge- 
negelt wart  an  daz  crütze;  reht  alz  er  spräche:  nu  tilnt  fl6r]  mir  swaz  ir 
wend,    daz  wil    ich    allez   gedulteklich  liden.      wie  er  wiste    daz  er  in  alh 

1.  alles  ffhU  G.         4.  och  fehlt  G.        PsdIiis  .  Clirishis  factus  est  pro  nobiB  obediena  ueqne 


.  Vnair  6.  5.  w.  willicliche  peh.  G, 
vnde  prelHtin  daz  6Z,  in  W  fehlt  vode  prclatin. 
6.  nach  vergeesint]  ewenne  ir  daran  gedcnchent .  e 
bringeDt  aaz  an  den  tot  .  Wan  awer  in  vngelion 
tailhaft  vTcrdin  sinir  gehorsami  O.  !).  IcEze  ist  aii 
liebiT  ffldtir  h.  i.  et  v.  d.  er.  Nu  rocrkint  wie  groze 
er  Diht  lazin  G.         13.  merkcnnej  uimeminne  G. 

]  ainigee  kint  6. 


Gcdenchint  liebin  br&dir  unde  sweetiran  . 

lieben  fehlt  G.  siin  libel  itne  G. 

euDt  ir  geraiiet  wcrdin  das  ir  gehorsami  uolle- 

Dii  wirt  funden  sprichit  er  .  der  enaol  niemir 

in  lezze  gfltir  zuht  G.         9  /".  er  —  cnitze]  sin 

i  zuht  Pr  ir  bot .  in  allen  sinen  angisten  woltc 

H.  vnde  znbt  G.        15.  do  beste  m.  G. 

ainiges  .  vnde  din  sAzes  kint  G. 


20.  enbeviel  G.        20  f.  sint  —  Rcleret]  sun  wir  abir  lernen  G.        21 .  unsir  uatir  unde  u 

22.  flaischl.]  liebin  vatir  .  vnde  vnsir  vlaisehlicliin  G.        22  f.  vatter  u.  ni.  eren]  inätir  vnde  imsim 
gustlichin  vatlr  eren  .  der  unsir  uaiir  ist  an  gottes  statte  G.         25  f.  lerte  .  daz  er  v.  n.  m.  erti  G. 
U.  und  also]  Also  G,         Ctch  fehlt  O,  ebenso  2h.         25.  unsiren  g.  uettim  .  v.  mAteron  &d 
gottes  BtKitc  .  so  O.         26.  gedults.]  gehorsami  fa}»A  G.         2S.  er  wol  wisse  G. 


58.  Von  m&nger  bände  schrift  der  mentschait  253 

sim  lebenn  dehain  ding  getet  dar  umb  er  wirdig  wäre  den  tod  ze  lidenn, 
do  waz  er  doch  also  gedaltig  daz  er  nie  kain  ungedultig  wort  gesprach, 
und  in  siner  grossen  not  sprach  er:  'herre  vatter  min,  vergib  es  inen  die 
mir  dis  marter  an  t&nt,  won  si  wissent  nit  waz  si  tünt\  hie  bi  sont  och 
wir  lernen  unschnlde  gednlteklich  liden  und  och  schulde  und  allez  daz  uns  5 
an  gat. 

Du  sibend  letzge  ist  endhaM  stätekait.  daz  merkent  da  bi  daz  er 
durch  sin  haiigen  fusse  genegelt  wart;  reht  alz  er  spräche:  ich  wil  stäte  sin 
an  miner  gehorsami  und  wil  niemer  von  dem  erätze  komen  e  daz  ich  dar 
an  erstirbe.  da  mit  hat  er  &ns  geleret  stätekait  gutes  lebens,  daz  der  lo 
mentsch  daz  crütze  siner  büsse  stäteklich  trage  untz  an  sin  ende,  und  sol 
rehte  an  [161'']  daz  crütze  gaischliches  lebens  genegelt  sin  mit  henden  und 
mit  fbssen,  alz  unser  herre  an  sin  cr&tze  genegelt  waz,  daz  er  niemer 
gewenke,  daz  er  reht  stäte  si  mit  gfltem  willen  untz  an  den  tot;  won  wirt 
der  mentsch  in  gutem  lebenne  an  dem  tot  funden ,  so  vergit  im  unser  herre  15 
durch  daz  gflt  leben  da  er  denne  inne  ist,  swaz  er  ie  Übels  getet.  wäre 
och  der  mentsche  hundert  oder  tusent  jar  ain  guter  mentsche  in  gutem 
lebenn,  und  keret  er  ain  tages  da  von  vor  sim  töde,  so  enhilfet  in  nit  swaz 
er  ie  gutes  getet,  er  müsse  iemer  verlorn  sin,  wirt  er  also  funden.  da  von 
ist  uns  not  daz  wir  mit  endhafter  stätekait  genegelt  sigint  an  daz  crütze  20 
mit  ünserre  büsse  in  gaischlichem  lebenn;  won  swie  der  mentsch  funden  wirt 
an  sim  ende,  also  wirt  im  gelonet. 

Du  ahtend  letzge  ist  lang  gebet,  daz  merkent  da  bi  daz  er  in  aller 
siner  not  an  dem  crütz  bettot  fünfzig  [16 1"^]  und  hundert  vers,  reht  alz 
mänig  salm  in  dem  salter  stat;  und  vieng  an  dem  salmen  an:  'deus,  deus  25 
mens  respice  in  me",  und  las  fürsich  die  salmen  alle  untz  an  den  vers:  'in 
manus  tuas  domine',  und  do  er  den  gelas,  do  verschiet  er.  er  vieng  sin 
gebet  an:  'deus,  deus  mens',  daz  sprichet:  'herre,  herre  Got,  vatter  min,  hast 
du  mich  verlassen?'  swer  daz  wort  reht  merket,  der  mag  wol  erschriken 
und  vohrte  han  zfi  sim  ende,  sit  Gottes  sun,  der  nie  sünd  getet,  so  groz  so 
angst  hatte  und  er  sinen  vatter  so  inneklich  an  rufte  daz  er  sin  nit  liessi, 
owe,  waz  mugent  wir  denne  sprechen!    dis  sol  uns  ain  lere  und  ain  raitzung 

1.  nie  enhain  d.  G,  3.  not]  bittirchait  G.  min  fehlt  G.  hf.  und  ocb  —  gat]  Der 
mensche  sol  gedencbin  andise  lezzon  .  wie  gedulticlicbe  sieb  unsir  berre  liez  nagelon  an  daz  crüce  . 
onde  sol  ocb  der  menscbe  sieb  twingen  daz  er  gedulticlicbe  lide  baidiv  scbulde  unde  nnscbulde 
nnde  alüz  daz  in  ane  gat  G.  10.  Da  mitte  leite  er  uns  G.  14.  daz]  wan  daz  G.  stAte 
si]  mit  stseticbait  gebeftet  si  .  vnde  genagilot  G,         16.  getet]  gelebite  G,  17.  vor  in]  ge- 

wesin  G,         18.  swaz]  alliz  daz  G.         19.  er  fehlt  A,       ie  getet  zegüte  G,         24.  bettotte  .  da 
von  scribit  sanctus  Jeronim9  daz  er  andeme  crüce  bettetti  G,         nach  dJiz  ist  in  A  er  rot  durch- 
strichen,       25.  in]  an  G.        und  —  s.  an]  alse  maniger  uers  laz  er  an  deme  crfice  an  sime  tode . 
Daspricbit  er  .  daz  er  anevie  an  deme  salmen  G.       an  ruich  salmen  nachträglich  eingefügt  A, 
27.  domine]  cömendo  spiritum  meum  G.  28.  mens  respice  .  daz  G.         80.  d^  eingefiigt  A. 

32.  wir  annin  sünder  G, 

8.  Lw.  23,  34,         25.  Fs.  21,  2.         26  f  Ps,  30,  6, 


254  58.  Von  m&nger  bände  schrift  der  mentsdiait 

sin  daz  och  wir  gerne  und  flisseklich  sont  betten  an  dem  tode  alz  unser 
herre.  der  bettet  in  allen  sinen  angsten  alz  emzklich  alz  ob  er  alle  sin  tag 
wir  ain  sünder  gewesen,  nu  sont  och  wir  an  dem  tode  Got  an  [162''] 
r&fen,  won  dez  bedurfent  wir  armen  sünder  wol  und  vil  baz  denn  unser 
herre,  der  nie  sunde  getet.  daz  gebett  an  dem  tode  ist  yil  nütze  durch 
mänig  Sache,  aber  ze  vordrost  durch  zwo  sache.  ainü  ist  daz  ez  die  sele  ze 
h^melrich  verrihtet  mit  züversiht,  daz  der  mentsch  Gk)t  getrüwe  daz  er  sin  nit 
lasse,  du  ander  ist  daz  ez  die  bösen  gaiste  vertribet,  die  den  mentschen  in 
mänig  wise  denne  versüchent,   daz    si   in  verlaitent:   und  da  von  bedarf  der 

10  mentsch  wol  daz  er  denne  flisseklich  bette,  swie  gut  joch  der  mentsch  ist, 
so  mügent  in  doch  die  bösen  gaist  an  sim  ende;  won  ünsem  herren  Jhesum 
Christum,  der  Oot  und  mentsch  waz,  den  liessent  si  nit  lidig,  si  wärent  zu 
sim  ende,  und  ainer  sass  uff  dem  crütze  bi  ime,  swie  er  im  doch  nit  ge- 
schaden  mohte.     owe,  wes  mugent  [162"]  wir  armen  sünder  denn  gewiB  sin! 

15  da  von  ist  uns  not  daz  wir  inneklich  bettegint  an  ünserm  ende. 

[59.J  Ton  der  erkennuug  ünsers  herren. 

fPetre,   amas  me?] 

'Peter,  minnest  du  mich',  sprach  unser  herre  zu  sant  Peter,    do  antwurt 
im   sant  Peter   und  sprach:   'herre,    du  waist  wol  daz  ich   dich  minnen  von 
20  allem  mim  hertzen'. 

Disü  frage  ist  nit  allain  sant  Peters,    ez  ist  gesprochen  zä  aim  ieglichen 

mentschen  der  mit  rehtem  hertzen  gesprechen  mag:  ^herre,  du  waist  wol  daz 

ich  dich  minne  von  allem  mim  hertzen'.    'Peter'  daz  ist  also  vil  gesprochen 

alz  ain  erkenner.     swer  nu  Got  minnen  wil,  der  müss  in  öch  erkennen,    nu 

25  ist  drierhant  erkennung,  du  gat  in  der  minne. 

2.  in  —  ob]  als  emzige  vnde  als  innecliche  in  a.  s.  angisten  an  deme  crüce  als  G.  3.  nu  — 
6  vordrost]  owe  wir  armen  menschin  vil  armir  sündir  was  mäht  da  denne  sprechin  .  Vns  ist  not 
daz  wir  vlizicliche  vnde  emzige  got  an  rAfen  an  deme  tode  .  dar  etwie  manige  sache .  Abir  son- 
dirliche  G,  6/*.  ainü  —  Got]  Ain  sache  ist  daz  der  mensche  sine  sele  vnde  sin  gemüte  rihte 
engegin  himilriche  mit  deme  gebette  .  daz  er  mit  rehtir  zAvirsiht  sin  herce  beraite .  vü  gotte  gar 
dumehticliche  G,  8.  andir  sache  ist  .  daz  er  mit  deme  gebette  die  b.  G.  9.  and  fehlt  G. 
10.  denne  fehlt  G.       11.  die  uil  bo'^sen  G.       13.  vnde  sazen  G.       er]  siv  G,       doch  fehlt  G, 

14.  mohton  G.  wissen  A,  gewis  sin  G,  15.  daz  wir]  gewerliche  d.  w.  gar  G.  an  ü.  e.]  dar 
ambe  daz  wir  ansir  sele  nnde  unsir  gemAte  rihten  gegin  deme  himilriche .  vnde  daz  wir  o^ch  die 
bo^'sin  gaiste  von  ans  uirtriben  .  die  ans  gerne  wolton  virlaiten  GZ,  16.  Überschrift  fehlt  Gj 
Dis  sprichit  vnser  herre  selbe  (rot)  Z,  W  am  Bande  Sermo  XV,  De  S.  Petro  Arundel,  Vp  sent 
peters  dach  ey  sermoy  Phill.  17.  Der  lat  Text  fehlt  Ä.  18.  Disiv  wort  sprach  ansir  herre 
ze  sancto  petro  .  Petir  minnost  da  mich  .Do  GZ,  21.  allain  fehlt  G,  ez]  si  Cr.  22.  men- 
schin .  Vnde  gesah  got  den  menschin  G.  25.  du  —  minne]  wie  wir  got  irkennen  san  .  vil  nah 
iegelichir  irkennange  gat  ir  minne  G. 

16.  Die  Predigt  steht  in  G  Bl  83f>,  Z  Bl  97^',  W  Bl.  77%  N  Bl  80%  H  Nr,  17,  Ärundel 
Bl.  88%'  Fhül  Bl,  184  f'.  —  Das  in  G  auf  der  Innenseite  des  Vorderdeckels  sich  befindliche  Bruch- 
stück dieser  Predigt  ist  gedruckt  bei  Mone,  Anzeiger  3, 183.  17.  Joan.  21, 17, 


59.  Von  der  erkennuug  i1 


B  herrcD. 


266 


Da  erst  erkennung  ist  an  der  creature.  da  sont  wir  an  erkennen  daz  1 
Ällü  creature  von  Got  konien  ist  und  och  wider  zfi  Gotte  flüsset.  wir  müs-  I 
sent  och  erkennen  an  der  creature  [162']  waz  si  von  ir  selben  ist:  si  ist  I 
aiu  nppekait.  dar  nach  sont  wir  erkennen  waz  si  von  Gottes  tugend  ist:  I 
daz  ist  sin  glichsamL  dar  nach  sont  wir  erkennen  wie  si  in  sim  dienste  ist.  s  I 
dar  nach  wie  si  an  ünserm  hertzen  nütze  si.  an  der  ersten  erkennuug  lit  1 
versmaliung  der  weite;  won  swenne  der  mentsche  erkennet  daz  ez  allez  ain  ] 
upkait  ist,  so  sol  er  es  versmahen.  also  sprichet  sant  Augustinus:  'denne  I 
versmabent  wir  lihtsara  die  weit,  so  unser  girde  ist  gesterket  dar  da  enhain  1 
wandelb&ri  ist,  da  wir  nit  vöi-schent  der  dinge  die  vervaren  sint,  und  da  W  ] 
yiir  nit  wartent  künftiger  ding,  da  wir  oeb  nit  fürbtent  dehain  widerwärtig 
ding",  an  der  andren  erkenuuuge  lit  Gottes  lop;  won  so  wir  erkennent  wie  J 
si  Gottes  gelichsarai  ist  und  wie  si  von  Gottes  tugenden  ist,  so  mussent  wir  I 
in  loben,  an  der  dritten  erkennung  lit  Gottes  vorht  {Wä"]  und  minne;  won  | 
swenne  wir  erkennent  wie  gar  flisseklicli  dii  creature  irm  scböplier  dienet,  so  isj 
niüssent  wir  traegen  lute  erweket  werden  mit  der  vorbte.  an  der  vierden  er-  I 
kenuung  lit  an  erl6schung  böser  girde  und  gelüste,  über  dis  erkennung  sont  1 
wii'  uf  stigen  und  sont  Got  erkennen  an  der  creature,  alz  in  die  baiden  er-  I 
kandent.  die  alitetant  wie  groz  du  creature  ist  an  der  kreftikait  und  an  I 
der  grössi  dez  hjraels  und  andrer  creatnr,  und  gabent  des  ain  regel  daz  ain  »1 
Got  wäre  der  aller  ding  schepher  ist,  und  spracbent:  'wa  ain  zimberman  ] 
wäre  der  ain  bus  wol  gezimbren  oder  gemui-en  künde,  der  möbti  es  wol  I 
zerbrechen';  und  spracbent:  'sit  denn  dekain  mentsch  so  gewaltig  wäre  oder  I 
so  kreftig  der  den  hymel  oder  die  sunnen  oder  den  man  geswechren  [163']  1 
oder  zerbrechen  möhte,  so  enm6hte  si  öch  nieman  gemachen';  und  gabent  da  2&  | 
bi  ain  Urkunde  daz  ain  Got  wäre  der  ällü  ding  geschaffen  betti,  und  der  1 
aller  creature  Got  wäre  und  mit  sim  gewalte  und  mit  siner  kraft  ällü  ding  I 
geschaffen  hatte,  und  erkandent  Got  also,  in  trüwen,  also  sont  och  wir  Got 
erkennen  an  der  creature,  also  daz  uns  aiu  ieglichü  creature  wise  wider  ) 
von  dem  si  komen  ist.  swer  nu  üt  sehe  au  der  creature  schöner  oder  ge-  so 
lustiger  dinge,  so  sol  sin  erster  gedank  sin  daz  ällü  ding  von  Gotte  komen 
sint  und  wider  zii  Gotte  iüessent,  und  sol  gedenken  daz  du  sehonhait  und 
du    güti  die  dar  an  ist,    nit  von  im  selben  ist,    won  von  Got  allaine.     also 

1.  irkenaunge  alse  wir  got  irkcnnen  buh  .  daz  ist  O.  2.  Got]  ime  0.  '2  f.  rnftasent] 

mugen  G.  5.  dar  —  ist]  Daz  dritte  ist  wie  sl  i.  s.  d.  ist  div  creature  G.  e.  dar  - 
vierde  wie  ü  in  uusirme  uutze  ist  O.  b.  denne  so  G.  9.  die  weit]  swaz  der  weite  snldo  widir 
UQB  gedenchit  ß.  9  f.  gesterket  —  ist]  geatflchit  (geateckit  Z)  dar  .  da  wir  enhainir  wandllbicri 
vndirtffinicb  sio  G.         10.  der]  dehainir  G.         imd  fehlt  G.  11.  warteut]  baiten  dekainir  G. 

ocb  fehit  G.  14.  in]  got  G.  16.  tvt^  A,   trsgin  livtc  ircfaetmcn  .  vode  Cr.  mit 

vorhtin  G.         17.  lit  e.  girdo  u.  bo'Bir  gelaete  G,         19.  alitetetüt  A.         22.  ez  och  wol  ff. 
29.  widir  zö  gotte  ff.        30.  swer— sehe]  swaz  wir  sehen  G.        oder]  unde  G-        31.  sin]  iinsir  G. 


K 


32  f.  uud  sol  —  allainel  sihet  du  tdnen  scho'nen  menschiii .  aide  awaz  du  eihet  daz  »cho'n 


19 /T.  vgl  oben  S.  331  Z.17ff. 


866 


1  der  crkennung  ü 


a  herren. 


spricht  sant  Augustinus:  'Allü  dii  cieature  die  GJot  ie  geschüfT  ^äz~~ist  nit 
1163'']  anders  woii  ain  winken  da  mit  er  uns  zfi  im  loken  wil,  daz  mr  dar 
an  erkennent  in  und  wider  zu  im  kerent'.  nu  sprichet  sant  Augustinus  daz 
daz  ain  böser  mentsch  ist  der  daz  winken  nimet  für  den  winker;  der  istj 
5  nit  wirdig  daz  er  Got  enplialie.  wAre  ietzent  hie  ain  armer  mentsch,  Asst 
nit  won  armü  klaider  und  hüdellü  hetti.  und  wäri  denne  ain  kiinig  hie,  dei 
herliclien  beklaidet  w<\i'e  mit  sämit  und  mit  pheller,  und  winkti  denne  der] 
künig  dem  armen  mentschen  daz  er  zu  im  käme,  und  war  er  denne  alz  alwM 
daz    im    mit  dem  winkenn    alz    wol  wäre    daz    er    nit    zu    dem    herren  wolts 

10  der    minneti    daz  winken    me    denne    sin    umb  valien,    und    der  wäri  wol 
böser  mentsche,     entrüwen,  also  ist  ez   och   umb  den  mentschen  der  die  er« 
ture,  da  mit  im  Got  gewinket  hat,  me  minnet  denn  den  [163'}  winker,  Abtt 
grossen  Got,    der  im  mit  gewinket  hat,   und  der  me   wollust  unde  vr'ode  > 
der  creature    hat    denne    an    dem    umbvalienn  Gottes  r    daz    ist  wol   ain  bßf 

15  mentscli  und  ist  unwirdig  des  umbe  vahens  ünsers  herren.     also  sprichet  san^ 
Augustinus:    'minnest    du    iaz  ding    iiit    daz  so  sere  ze  minnent  ist,    so  bis 
du    ietzent    tot    in    dir    selbe;    won  der  enlebet    in  dir    nit   an  den    du  lebei 
nit  enmaht,    daz    ist  Got'.     nu    minnet    etswenn    ains    ain  andren  durch  Gotl 
oder  durch  etlicli  gäbe  die  Got  an  in  hat  geleit,  oder  durch  sin  sch6ni  oder 

10  durch  sin  wol  sprechen  oder  durch  sin  tugent  oder  daz  ez  von  im  gebessert 
werde ,  und  tüt  daz  durch  Got  und  in  Got ,  won  ez  von  im  gebessert  wirt : 
du  minne  ist  gut.  so  kan  der  tüfel  ain  andren  weg  vinden  und  verkert 
die  minne  und  machet  daz  der  mentsch  die  gaischlichen  minne  keret  ze 
flaischlicher    minne ,    daz    er    ez    denne    minnet  dui'ch  sich  selben  und   [163']  _ 

26  durch  die  wollust  die  er  dran  bat:  dn  minne  ist  uit  gfit  und  sol  si  d« 
mentsch  versmahen  und  sol  die  miuue  wider  keren  und  sol  gedenken: 
dirre  ment«che  gätes  an  im  hat,  dar  umb  ich  in  geminnen  mag,  daz  hat  i 
allez  von  Gotte,  und  sol  mich  daz  wider  laiten  zu  Gotte  alz  daz  ich  durc 
in  daz  minnen  sol.      so  der    mentsche   die  minne  also  widerkeret  an  Got, 

30  ist  si  aber  wider  komen   an  ir  güti.      intrüwen,  swer  aber  Gottes  alsuss 


Instlioh  ist  ECtiehiDDo  .  so  aolt  do  ^edenchin  .  Dise  scho'ni  mde  dise  gtkti  die  hast  du  niht  i 
dir  selbuD  .  du  hast  ez  oon  gotte  .  unde  eol  mich  widir  laiten  zcgotte  O. 

2.  er  äna)  ima  got  G.  3.  vnde  wir  widir  G.  4.  minnot  G.  6.  hadUsn  O. 

T.  phellolo  G,  phcllen  Z.        denne  fehlt  G.        S.  kfmig]  groze  herre  G.        10.  daz]  un  G. 
fehlt  G.  12.  gew.  h.]  winchit  G.  l»/".  und  —  hat  fehlt  Ä.  15.  herren  gottes  G. 

16.  dr  A.        IT.  tot  ~  aelbej  also  lebinde  iudir  seibun  tot  G.        IS.  uns  dn]  ain  inensche  den  ä 

20.  Bprochon!  gesprtechl  .  daz  er  wol  rcdiii  kan  G.  tugint  die  an  ime  sint  .  aide  G. 
20/".  ime  mach  gebeisirot  werdin  G.  21.  daz  niht  wan  dur  G.  22.  d.  m.  div  ist  g.  G. 
13.  goiaelil.  m.  k.]  minne  widir  cheret  .  vnde  daz  er  dur  got  an  deme  mmscbin  minnote  .  vnd«^ 
dar  umbe  daz  or  got  dran  irckandi  .  vnde  daz  er  uon  ime  gebeäärot  wrdo  .  daz  wirt  denne  uir- 
chcret  G.  25.  ist  —  si]  sol  G.  26.  sol  dez  tieuils  rat  uiremahin  .  der  sine  minne  uirkeret 

het .  vndc  BOlt  die  m.  abir  lt.  widir .  vnde  aolt  G.        28,  vm-  und]  ist  er  scho'ne  .  ist  er  wol  ge-  _ 
e  gcminnon  mach  .  daz  ist  aJliz  uon  gottis  gOti  komen  ( 


du  nach  mich  fehlt  G.         2%  f.  ah  —  Hol]  dur  den  sol  ich  dich  u 


59.  Von  der  crkennung  ( 


9  hcrren. 


867 


erkennet,    und    minnet    ällü    ding  durch    sich    selben  und  nit  durch  Got,    der 
eiiist  niht  \virdig  Got  ze  enphahenn. 

Dil    ander    beschöwde    ist    an   siuer    marter.     da  sont  wir  erkennen  waz 
uns  Got    liebes    hat    getan    und  waz    er    lins    hat    unmässiger   liebi    erzaiget.      ' 
also    machet    sant  Bernhart  ainen  brief    ainem  [164"}  kardinal  uud  sante  im  6  i 
den  und  schraib  im  dar  an  wie  er  Got  solte  erkennen  und  schowen  an  dem 
Grütze,    an  sim  jämerlichen  tode,    und  wie  er  da  merken  und  erkennen  solte 
uud    schowen    die    grossen    minne    die   Got    uns   allen    erzaiget   hat.     'sehenf, 
sprichet    er,    'wie    er    sin    criitz    trftg    da    er  den  bittreu  tot  an   liden  wolte. 
sin  minnekliches  antliit ',  sprichet  er,  'daz  die  engel  an  urdrutz  stAteklieh  mit  lo  J 
grossem  gelust  an  sahent,    daz  wart    an  gespuwen  von  den  unrainnen  Juden.       ] 
sehenf,    sprichet  er,   'wie    er  an  dem  erfttz  stfiut  mit  dornen  gekriunet,    daz 
sin  haiiges  höbet  zwaiger  und  sibentzg  wunden  verwundet  ist  und  sin  raiues 
antliit  durch  rnnnen  ist  mit  biflte.    o',  sprichet  er,  'herre,  ich  trage  din  kröne 
uff  mim  hopt«  reht  [164'']  alz  du  si  trügt',    intrüweu,  er  trüg  wol  sin  kröne,  15 

j^won  er  triig  sineii  tot  und  sin  niartei-  ällü  zit  in  sim  hertzen  und  enphieng 
Jie  wunden  siner  kroue  und  alle  sin  marter  in  sin  hertze.    'sehenf,  sprichet 

I  er  aber,  'me  er  an  daz  crutz  genagelt  ist  und  wie  er  n;it  aim  scharphen 
sper  durch  sin  hertz  gestochen  ist  und  wie  er  getrenket  wart  mit  gallen. 
uement  war*,  sprichet  er,  'wie  sin  minneklicher  lip  ist  berunnen  mit  sim  ros-  3 
varweu  blfite".  intrüwen,  in  dirre  beschÖH/de  sol  des  sAlgen  mentschen  hertze 
sin  und  sol  ain  ser  und  ain  jamer  in  sim  hertzen  tragen  von  der  marter 
und  dem  tode  Gottes  und  .sul  daz  merken:  sit  daz  Got  durch  uns  also  vil 
hat  erlitten  do  wir  sin  vigint  warent,  waz  er  dem  denne  gütez  wil  tun  der 
sin  frünt  ist.  also  sprichet  ain  hailig  man:  'sit  Got  [164']  durch  sine  vigint  a\ 
also  vil  gegeben   hat,    waz  wil    er    denne  sinen  frunden  geben?'     daz  sol  dii 


^^^B      Den 


I'  1.  &llü  d.  d.]  an  ntten  dingen  O.  3.  beatho'wide  alee  wir  got  sun  schowon  .  daz  ist  G. 

I  4.  waz  —  liebi]  anni.  güti  hei  G.         6.  im  fehlt  Ö.         1  f.  merken  —  schowen]  boIü  mer- 

chin  0.         S.  allen  fehit  G.        hat .  Tnde  sprichit  also  G.         9.  crüco  selbe  tr.  O.  lü.  ein  — 

14  er]  sehint  sprithit  er  »wie  ain  rainniclifhia  antlivto  daz  Bcho'ne  antlivte  daz  die  cngil  allii  an 
gerotoD  an  zeeehinne  .  vnde  daz  eiv  elliv  zit  unvirdrozinliche  an  settint  .  daz  raine  antirite  daz 
wart  au  gespflwin  mit  deme  unraincn  vnde  mit  deine  ameklndin  spaicbil  der  ludoQ  .  Schint  wie 
er  an  deme  crüce  etat  .  vnde  wie  $in  crone  uf  Bime  bo'bito  t,tat  .  div  gemacbot  ist  von  hert«n 
dornen  .  vnde  wie  si  ime  insin  küniciieh  ho'bit  gedruchit  ist  .  da?  ez  w'nt  wart  zwaigir  vnde  si- 
binzii'h  wndon  .  vnde  sin  balliges  blut  übir  sin  scho'nia  antläte  gcmnnen  waz  .  Also  sprichit  sanctos 
BemharduB  .  A  W.  13.  wunden  fehlt  A.  15.  alz  o'ch  du  G.  wol  fehlt  ff.  16.  in]  an  G. 
T  G.  sebcnt]  Also  sprichit  sanctUB  pauluB  .  Ich  wil  vnBira  berren  Jhesu 
it  niinen  arbaiten  .  daz  ist  rehte  als  er  sprtecLe  .  ich  wil  die  arbaito  unsirs 
it  ime  tragen  die  er  an  sine  (sime  Z)  libe  \äxt  vnde  wil  mit  ime  sin  insiner 
Bbir  sancto  Bemohart:  Sebint  me  ö.  IS.  aber  fehlt  Q.  18/".  er  mit  — 
e  der  wioBtemu  situn  in  gestokin  ist .  vnde  gat  dar  die  rebtun  situu  in  ein 
mit  deme  ezBiche  unde  mit  der  gallun  ff.  20/'.  minn.  vnde  sin  wnniclicbir 
ieuar  G.        21,  beacbSv/do  A.        22.  aolj  sin  sei e  elliv  zit  ff.        22/'.  von 

en  bi  deme  cröco  indeme  G.  23.  sit  got  G.  24.  dem  denne] 

25.  sine  vr.  aint  G. 


17.  alle  sin]  Bi 
Christi  lip  nieron  . 
berren  JbeBU  Christi 
arbsit  .  NuBprichit  i 
ist]  ine  ain  ecb.  sp.  ze 
ndniz  herco  ff.  19.  n 
lip  b.  ist  m.  8.  bltite  rosei 

vnde  8ol  allewege 
der]  die  G. 
DeatMth*  Tmu  d( 


J 


S58 


59.  Von  der  erkeonung  unsere  herren. 


sei  erkennen  und  sol  durch  sine  minne  versmalien  Allii  din^  die  si  von  im 
gefrimden  mugent.  intniwen,  swel  mentsclie  in  dirre  beschÖwde  sliteklich 
lebet,  der  verlüret  siu  varwe  und  sin  schöni  und  wirt  blaiche,  und  stirbet 
du  nature  dez  flaisches  an  im,  und  überwindet  der  gaist  den  lip  daz  der 
5  mentsche  weder  vride  noch  wollust  hat  an  dehairae  zerganklicheu  dinge  und 
allu  sin  girde  nit  won  allaine  an  Gotte  ist.  also  sprichet  sant  Augustinus 
'denne  wirt  daz  gemüte  lustklich  gefüret  inwendig,  so  es  uswendig  nit  ga- 
lustes  hat',  und  dii  sele  wirt  wol  lustlich  gefüret  und  reht  enzundet  in  det; 
minne  Gottes,  alz  der  wissag  Ysayas  sprichet:    'ain    hitzend  für  [164"]  ist  in 

10  mir  enbrunnen  und  ist  beschlossen  in  mim  gebaine,  und  mühti  daz  nit  er- 
liden'.  entruwen,  swel  mentsch  in  dirre  beschöwde  lofet  und  den  tot  und 
die  marter  Gottes  in  sim  hertzen  treit  allwegent,  in  dem  ist  wol  enbrunuen 
ain  hitzend  für,  won  so  der  lip  ietz  nit  mag,  so  hebet  in  der  gaist  uf  und 
löffet  denne  aber  fürbas  und  arbaitet  sich  in  Gottes  dienste.    da  von  sprichl 

15  sant  Bernhart:  'andaht  ist  ain  hitze  gutes  willen,  den  daz  gemftte  nit  ver- 
bergen mag,  und  ofnet  in  mit  giiten  zaichenen'.  also  geschiht  der  sele  di 
in  dirre  hitze  und  in  dirre  beschöwde  loffet:  du  enphahet  reht  ainen  gesraak 
von  dem  tode  Gottes  und  von  sim  grabe,  und  in  dem  smake  loffet  si  untz 
daz  si  nimme  furbaz  [lOrj-J  komen  mag;  und  denne  gebristet  dem  gaiste  daz, 

20  er  den  lip  uit  me  getragen  mag,  won  dez  libes  sterki  und  sin  krafte  ist 
überwunden  und  ist  dem  gaiste  von  jamer  und  von  minnen  gebrosten  und 
enmag  den  lip  nit  me  getragen,  und  sprichet  denne  alz  in  der  minne  buche 
geschriben  stat :  'under  setz  mich  mit  bhimen  und  bestek  mich  mit  mala- 
granaten,    won    mir    ist    gebrosten  von  minnen".      die  blümen  sint  die  blötes 

25  trophen    ünsers    herren.      die  sint  der  seien  rüwe  under  dem  crütze,    und  bi 
sim  hertzen  suchet  si  röwe  und  trost.     der  malagranat  hat  grosse  kraft  und/ 
smeket    wol.      der  bezaichent  die  gehügde  ünsers  herren  tödes.      du  hat  also. 
grosse    kraft    daz    sü    den    gaist    sterket    dem    da  gebrosten  ist,    daz  er  dei 
[IßS']  lip    nit   furbaz    bringen  mag:    so  hat  du  gehügde  ünsers  herren  tödeg^ 

30  SO  grosse  kraft  daz  si  in  sterket,  daz  er  aber  fürba.s  löffet. 

Und    stiget    in    dirr    beschöwde    hßlier    in    die   dritten  beseköwde.    da   wirf', 
du  sele  Oot  sckowetiäe   alz    ez    mugUch  ist,    nit    als    in    die   engel    aehent  un( 

3.  lebet]  wonet  O.        wirt  sin  aatlivte  bl.  G.         5.  dchdnon  z.  dingen  O.        T  f.  gelustes 
h.  n.]  haftet  lostedicbe  0.  8.  nnd  reht]  div  indüro  bescho'wide  wonet  vnde  wirt  reble  G, 

9  L  Jeromyas.         11,  lofotj  alliwege  wonet  O.        ilf.  tot  gottc»  undo  sine  martir  an  sime  h,  O. 

12.  allwegent  fehlt  G.  13,  nit]  nurome  G.  15.  hitze  ainee  silten  Ö.  16.  amacke 

so  1.  G.  19/'.  gobristet  —  mag]   so  geswichit  d.  g.  rü  ciimach  den  1.  numme  getr.  G. 

!0,  sterki  —  krafte]  kraft  div  Ö.         22/'.  in  —  Btat]  div  sele  sprichit  i.  d.  m.  b.    0  spridiit  si  . 
Betzc  mich  O.  24.  gebrosten]  geswichin  0.  24  f.  blämen  da  si  undirsetzit  miUe  wil  wer- 

din  .  Aaz  aint  die  hailigeo  blämen  .  die  tr.  dez  bl.  n.  h.  G.         25.  der  seien]  ir  G.         26.  bercen 
da  söchit  G.         mal.  der  hct  G.  2S.  da  gebr.  ist]  geswichin  ist  an  kraft  6.  30.  in[  den 

gaiBt  G.        31.  sljget  i.  d.  b.l  uzsir  dirre  beacbo'wide  stiget  er  Ö.      3\f.  besch.  —  «how.  fehlt  A. 

!).  Jercm.  30,  9.         23.  Canl.  S,  5. 


m 

äS    

I 


59.  Von  der  erkennong  ünsers  herren.  259 

schowent    in    hymelrich;    si    schowent    in    also    vil    alz    ez    muglich    ist    in 
disem    tötlichen    Übe.     intrüwen,    in    dis    beschöw^de    mag    nieman    komen    er 
enhabe    e    die    ersten    zwo,    won    die    rainnent    daz    hertze    und    verdrukewt 
alle   flaischlich    girde    und    gelust    und    minne    an    uns.     also    sprichet    unser 
herre   in  dem  ewangelio:   'die    sint    s&lig    die    rainnes   hertzen    sint,    won    si  5 
sint  Got   sehent   werdent*.     sit  nu  Otot    daz    selb    gesprochen    hat,   intrüwen, 
so   sullent  wir   unser  hertze   gern   rainnen,   und    sol   uns   nit   verdriessen   de- 
hainer  arbait  da  mit  wir  unser  hertze  rain  mugent  gemachen,    'nu  en/Z657so^ 
nieman   verdriessen',   sprichet  ein   hailig,   'der   arbait   dez   weges,    der   gelus 
hat   dez   lones   der   da   den   arbaiten   gehaissen   ist';    daz   ist   Got   selbe    von  1T> 
h^elriche,   der   sich   selben   ze   lone   gehaissen   hat  und    och   geben  wil   den 
die    rainnes  hertzen  sint,    si  sint  wol  silig.     also  spricht   ain  wiser  man  daz 
wir   zu    din'  weit  niemer  silig  mugent  werden,   die  wil  wir  in  disem  eilend 
sint    und   wir    Gottes    nit    sehent,   so    werdent  wir    niemer    silig;    won    ällu 
ünsrü   sälde   lit   an  der  angesiht  Gottes,     da  von  spricht  sant  Paulus:    'owe,  15 
wer   löset  mich  von  disem  übe  da  ich  inne  gevangen  bin,    daz  ich  kome  zu 
Christo?'    der  erkande  wol  daz  er  denne  allerst  s&lig  wurde  so  er  zu  Gotte 
kirne,     nu   sprichet  sant  Bernhart  von  drier  hand  sälde  die  du  sele  uff  ert- 
rich  habe,      'du  sele',  sprichet  er,   'ist  [165^]  sälig  du  da  gemenget  ist  mit 
dem    guten    gesmake    der    tugende    in  dem    ser  kline    dez    libes    alle    tag    zä  20 
legende  dem  ewigen  lebend,  der  wirt  behalten,     du  sei  ist  och  sälig  du  ietz 
enhain    mügi   hat  von   dez  libes  laster.      du  sei   ist  och  sälig  du  cristen  ge- 
loben enphangen   hat  und  den  alwegent  behalten  hat  und  behaltet'. 

Alle  die  alsuss  hie  sälig  sint^  die  werdent  och  hie  nach  noch  sälger,  so 
si  Got  schowend  werdent  in  siner  ewigen  schonhait.  25 

2.  beschfty/de  A,  8.  e  —  won  die]  die  andiren  zwo  bescho^wide  uon  dien  ich  uor  gesait 
han  .  w.  d.  zwo  bescho^wide  O.  vMruket  A,  4.  girde  u.  gelust  u.  feMt  O,  6.  sint  — 
werdent]  besser  snn  g.  sehin  G.  nu  —  selb]  denne  daz  g.  selbe  G.  het  .  daz  die  sselich 

sint  diä  rainiz  hercen  sint .  vnde  daz  siv  got  sun  sehin  vnde  scho^win  Q.       7.  rainnen]  raine  han  G. 

8.  mit  —  nu]  uon  u.  h.  raine  werde  .  wan  also  sprichit  ain  hailige  .  Ez  (?.  9.  verdriessen  — 
der  arb.]  irschrechin  div  a.  G.  10/*.  dez  —  lone]  nah  deme  lone  .  dez  gehaizes  .  daz  ist  got  uon 
himilriche  .  daz  ist  der  Ion  den  got  dien  G,       1 1.  den  fehlt  G.         12.  si  sint]  da  uon  sint  siv  G. 

18.  werdin  .  wan  die  wile  unz  wir  G.  15.  danon  mugin  wir  niemir  sslich  werdin  e  wir  in 
geeehin  .  Also  sprich^  G.       16.  mich  unsseligen  menschin  uon  G.       17.  denne  fMt  G.       wrde  Ä. 

18.  nu  spr.]  Vntrüwon  doh  scribet  G.        19.  du  s.  spr.  er]  Er  spr.  div  sele  G,       da  fehlt  G, 

20.  tnginde  unde  der  lebin  in  G.  ser  klaine  A,  ser  chilin  Z,  serchiline  G,  21.  der  fehlt  G. 
du  s.  i.  o.]  zedeme  andim  male  sprichit  er  ist  d.  s.  G.  22^dü  sei  —  25  Schönheit]  ze  deme  dritten 
male  sprichit  er  .  Daz  ist  s«lich  .  daz  div  saele  div  xpm  enphang^  het  .  daz  si  in  allewege 
behalte .  vnde  m  allewege  habe  .  Also  sprichit  sancte  Bemhart :  zware  die  sint  sselich  .  der  kunich 
unsir  herre  xpc  ist  .  wan  die  gedienon  wollust  .  an  siner  ewigun  angesiht  .  unde  gedienont 
die  gütlichi  (ghilichi  Z)  die  unsir  herre  xpc  het  mit  sinem  ewigen  uatir  .  vnde  mit  deme  hai- 
ligen  gaiste  .  wan  siv  vro'^went  sich  daz  siv  funden  harn  die  wishait .  die  er  niemanne  o^get .  wan 
dien  allaine .  die  rainiv  hercen  hain  .  Vntrüwon  swelch  sele  in  dise  bescho^wide  denne  kumit .  daz 


5.  MaU.  5,  a  15  f  Born.  7, 24. 

17 


60.  VoD  des  balm  bümos  bezaichnung. 


160.}  Ton  des  balm  bomes  bezaichnnng. 

[Dixi:  ascendam  in  palmam.] 

Der  balmböm  hat  siben  este,  und  ieglicb  ast  hat  ainen  blünien  und  i 
vögellin,  und  singet  ain  ieglich  vögellin  ainen  sunderlichen  sang,  und  ain 
5  iegliclier  blüme  hat  sin  sunderlichen  gesmak  und  sin  varwe  und  sin  schön- 
hait.  diiT  [166°]  balmböm  ist  ain  ieglieh  mentsch  daz  sälig  ist,  daz  ünsera 
Len-en  Gottes  balme  bom  ist  und  im  siissen  sang  singet  und  im  schöa 
blümen  bringet,  won  swer  im  mit  stAteu  tugenden  dis  bezaichenung  bringet 
und  an  im  hat,  der  mag  wol  sprechen:  'ich  bin  ul'  gestigen  an  den  balme  ' 
10  böm,  da  wil  ich  räwen';  won  swenne  der  meutsch  den  sibenden  ast  über  ' 
stiget,  so  gat  ez  an  die  süssen  räwe,  daz  du  sele  bi  Gotte  susseklich  rfiwen  ' 

Bi  gut  wirt  nchowende  .  aise  uil  ala  ez  mfiglicb  ist  .  Dennoh  K^rt  ei  me .  wan  si  waiz  wol .  vndo 
wirt  dcz  gewar  .  daz  ir  dennoh  bristet  an  glitte  .  daz  ai  in  diaimo  libo  uivt  als  offiuliche 
also  uolücbe  mach  han  als  si  in  habinde  wirt  ,  mde  so  si  gottes  nah  ir  willen  vnde  nah  ir  üe-  ] 
gei'unge  niht  mach  begriffen  .  noh  uesCiclicIie  behan  .  so  wirt  si  ainen  iamir  nah  gotte  gewinninde  .    i 
vnde  wirt  si  denne  durstinde  nah  gotto  demc  lebindin  brunnen .  Also  der  wissage  dauid  sprichit 
Sltivit  anima  mea  ad  deum  vivuin  .  Mino  asle  durstet  nah  gotte  demo  lebindcn  brunnen  .  wcniie 
Bol  ich  irschinindo  werden  vor  demc  antli\te  gottes  .  Vntrüwon  er  sprach  dar  umbe  wenne  er  ir- 
Bcliinen  solti  uor  gotte  .  wan  er  denne  erat  ichtc  atelich  waz  ,  also  wirt  dir  siele  denne  spreebinde  . 
vnde  dez  gcrendc  ,  daz  si  got  sehinde  werde  .  von  antlivte  zantlivto  ■  vnde  wirt  si  da  nah  iamirende  . 
vnde  wirt  dez  gerende  daz  si  irlediget  w^de  von  disime  eilende  .  daz  ü  ir  vro'do  iiide  ir  troU 
sehinde  werde  .  vnde  habinde  nah  ir  willen  ,  vnde  wirt  rehte  ain  ser  gewinninde  nah  gotte  .  ^-nde    , 
wirt  denne  wainendc  nah  gotto  .  Alse  der  wissoge  dauid  sprichit .  Mine  trebine  sint  mir  wordin  | 
zainir  spiso  .  Nu  sprichit  soncte  Bemhart .  Denne  wirt  div  aele  gefärot  mit  deme  iasiiro  .  vnde  wirt 
gespiaet  mit  dorne  sere  .  vnde  wirt  gefärot  mit  den  trebinen  .  Denne  wirt  div  sele  sprechinde  alse 
div  gemahilo  eprichit  inder  minno  bftehe .  0  herre  du  bist  mir  nnde  bin  ich  dir .  du  bist  min  daz 
beste  .  unde  bin  ich  diu  daz  beste  .  VntniwoD  awelch  mensche  dise  drie  beachownge  het  .  der 
mach  baltliche  antwrten  mit  saucto  petro  .  berre  du  waisl  wol  daz  ich  dich  minnon  uon  allime 
hercen  (darauf  Z:  vnd  von  aller  minet  aele)  G. 

1.   Überschrift  fddt  G,  Von  dem  balme  bo'me  wie  mengen  ast  der  habe  vfl  bezeicb€t  einB  1 
legeliche  gflte  meschen  (rot)  Z,  W  am  Band:  Sermo  XII,  Itc  vp  den  palm  dach  Fhtll.         J.  Der  \ 
lat.  Text  fehlt  iOierall.         4.  ain  fehlt  beidemal  G.         6.  ist  —  ist]  daz  ist  a.  i.  sffilich  m.  G. 
7.  Gottes  fehlt  G.        im  vor  seUfin  fehlt  O.         S.  im  fehlt  A.        9.  und  —  hat;  an  sinen  werchin  . 
vndo  an  sime  leblnne  G.        sprechen  .  Diii  ascendam  in  palmam  .  Ich  b.  g.  vf  den  balme  G. 
10.  der  m.]  er  G.  II.  aüsseklicli  fehlt  G. 

1.  Diaer  aaketisehe  Traktat  findet  sick  in  Ö  £1  86",  Z  Bl.  101';    W  Bl  HS'  aU  13.  Slüc/i,  1 
N  Bl.  64-,  H  A>.  30,  Phill.  Bl  150'';  fehlt  Arundel.  —  Gedruckt  nach  Z  bei  Wackemagd  S.  134  ff.  j 
Damit  »Hmmt  G  bis  auf  einige  kleinere  Abiceichungen  iiberein,  tcelehe  bei  Wackemagel  S.  521  a»-  J 
gegeben  wind.  Daa  Marburger  Bruchstück  ist  gedrvckt  in  Saupts  Zeitschrift  S,  337—231,  ein  änderet  | 
aus  Basel  bei  Wackernagel:  Über  die  mittOalterHehe  Sammlung  tu  Basel  (Basel  1857)  S.tS ff. —  | 
Bandsdmftlich  findet  sich  da»  Stück  außerdefn  m  Wolfenbiiltel  Cod.  1307  Sehnst  fol.  75—133:  Van  * 
dran  palmboeme  des  Christenminschen  .  Ek  vil  stighen  uppen  den  palmenboem  unde  wil  grypen  eyae 
vmcht—  Vgl.  ähnliche  Abhandlungen  beiPreger,  Geschichte  der  deutschen  Mystik  II S.  48^53  und 
die  handeehriftliehen  Stücke  in  Cod.  Pal.  germ.  567  fol.  38''  der  Heidelberger  Vniversitältbüiliothek 
(Bartseh  Ifr.378)  und  Cod.  937  der  St.  Galler  StiftsUbliothek .  das  Stück  bei  Sdtmeller.  Deutsche  ^ 
S$.  Sr.40O  der  Münchner  Hof-  wid  Staatsbibliothek  und  Altdeutsche  Blätter  II  S.  163. 

3.  9.  Cant  7,  8. 


60.  Von  des  bolm  bomeB  braaichnung, 

80l  imd  rfiwent  wirt  in  liberfliessender  sfissekait.  und  nach  der  räwe  so 
kumet  denne  vll  schiere  dii  ewig  rflwe,  die  da  uiemer  ende  genimet,  von 
der  da  geschriben  ist  in  dem  salter:  'dis  ist  min  ruwe,  hie  sol  ich  ewek- 
Ijch  rüwen,  und  ist  min  erbe  an  ende  mit  dem  lieben  Gotte'. 

Du  wurtze  dii  von  dem  balmbönie  wachset,  ist  rehte /7&6''y  vester  cris- 
taner  globe;  won  von  der  wurtzen  wachset  vorhte  der  helle  und  züversiht 
der  ewigen  vröden  und  der  ewigen  sälikait  und  fruht  aller  guter  werche 
und  reht  gantzü  minne  zu  Gotte  und  zu  den  eben  meutschen.  daz  kumet 
allez  da  von  das  der  memehe  gelobet  daz  dem  mentschen  gelonet  werde 
nach  sinen  werchen,  baidü  üblen  und  giiten.  da  von  so  wirt  er  inidend  die  lo 
Sünde  und  gütü  werch  tünde.  da  von  sprichet  sant  Augustinus:  "dis  ist  ain 
lop  des  globen  daz  wir  gelobent  daz  wir  nit  gesehen  mugent';  wou  daz  der 
menteche  daz  gelobet  daz  er  siht,  daz  enist  nit  vil  löblich;  daz  er  aber  ge- 
lobet daz  man  im  von  Gotte  sait,  daz  er  nie  gesach,  daz  ist  gar  loblich 
und  gut.  nnd  daz  ist  ains  ieglichen  mentschen  reht,  daz  iemer  behalten  sol 
werden,  daz  ez  vesteklich  gelobe  allü  cristenlichü  ding  und  allez  daz  man 
im  [166'}  von  Gottes  wisshait,  gewalt  nnd  von  siner  güti  seit,  nnd  sol  den 
globen  zaigen  an  sinen  werchen;  won  swer  höbet  sünde  tut  und  unreht  lebet 
wider  Gottes  gebotte  und  wider  sim  rät,  der  hat  nit  rehtes  geloben,  swer 
denne  rehtes  geloben  hat,  der  hat  öch  gut  leben,  won  du  wurtze  aller  guter  a 
"werche  hat  in  dem  hertzen  ain  grünt  vesti,  und  da  von  wachset  denne  der 
balm  böm. 

Des  bomes  stam  ist  willeklichü  armiit,  daz  der  mentsch  niht  gert  won 
siner  notdurft.  hab  er  joch  etwenn  bresten,  den  sol  er  gerne  han  durch  Got, 
der  6ch  durch  uns  waz  alz  arm  daz  er  nit  so  vil  hatte  daz  in  sin  rainnü  ^ 
müter  bewunde,  do  er  gehorn  wart.  sin  hainmüt  waz  ain  gemainü  Strasse, 
da  wart  er  geboren,  sin  bettlin  waz  ain  krtplin.  ach  lieber  mentsch,  ge- 
1  denk  wie    gar    arm    din    herre,    din   schepher    und    din  behalter  waz    (166'] 


i 

20 

1 


I.  nnd  r.  w.  fehlt  Q.         sc 

S.  gcachr.  —  Boltcr]  gesprochin  is: 

4.  und  —  ende  fehlt  Q,        5.  wra 

iat  rehte  unde  ueste  gelo'be  O. 

dem'm.]  ime  G.  10.  so 


fehlt  e.         2.  denne  fehlt  Q.         die  —  genimet  fehlt  G. 
.  Hec  retiuicg  me&  O.         r&we  .  diz  ist  min  erbe  .  hie  G. 
!  von  der  dJrre  bom  besser  Z.        dem  balml  disem  G.        hf.  du 
8.  ond  r.  —  mentschen  fe}ilt  G.        9.  daz  —  gelobet  fehlt  A. 
lidend]  midet  der  menBclie  G.  11.  und  —  Aug.] 


I 


^  wände  er  die  gelo'be  hct .  daz  er  mit  gotto  ewige  vro'de  boI  enphan  .  vnde  er  aine  künftige 
■weit  gelo'bet  nah  dirre  weite  .  Sanclus  AugustinuB  spr.  G.  12.  gel.  daz]  daz  gclo'ben  dez  O. 

won  fehlt  G.  13.  er  aber]  ab'  der  mensche  G.  15.  nnd  g.  u.]  wau  G. 

menachin  G.  16.  ez  v.  gel.]  inüz  rehte  ucstidiche  gelo'bin  G.        allez  daz]  daz  a-  daz  G. 

17.  gottes  gewalte .  vnde  von  siner  wiahait .  uon  siner  güti .  vndo  uon  ainer  owicbait .  vnde  v 
iiner  rebtichait  sait  G.        \'i  f.  und  sol  —  zaigen]  daz  aol  der  munecho  gelo'bin  ,  also  nesticliche 
imme  hercen  .  daz  eiz  zaige  G.         21.  hat  —  von]  div  het .  rehte  gewraet  unde  bei  aine  gnintuesd 
in  d,  b.  gesetzit .  vnde  uon  der  edilun  wrze  Ö.         22,  bo'n  .  vil  adilliche  G.        23.  st.  daz  ist 

24,  ioh  der  etw.  G.        25.  fins]  unsim  willen  ff.        so  vil  fehlt  G.        26.  h.  daz  waz  G. 
27.  b.  du;  waz  ff.         krippe  ff. 


262  60.  Von  des  balmbomes  bezaichnong. 

durch  dinen  willen,  und  hab  och  du  gerne  gebresten  und  armüt  durch  in, 
wan  er  sprichet  also:  'do  ich  erste  geboren  wart,  do  viel  ich  in  armüt,  und 
in  der  armüt  waz  ich  untz  an  den  tot  \  und  spricht  er  da  von  so  dike : 
*^sälig    sint   die   armen,    ich  Wil   si   selb  trösten  süsseklichen\     der  balmbome 

5  hat  alle  sin  schonhait  üf  gegen  hymelriche  bekeret.  und  also  sol  der  sälig 
mentsch  allen  sinen  richtüm  den  ez  hie  uff  ertriche  möhti  han,  willeklichen 
lassen  durch  den  ewigen  richtüm  in  hymelriche,  und  sol  gerne  arm  sin.  der 
balmböm  ist  och  undenan  vil  klaine.  also  solt  och  du  gerne  klain  sin  uff 
ertriche,  so  wirst  in  h;fmmelriche  gehöher t.     also  sprichet  unser  herre:    ^ sälig 

10  sint  die  armen,  hymelrich  ist  ir . 

Der  erst  ast  [16?"/  ist  daz  sich  der  mentsche  erkenne,  wannan  er 
komen  si  und  war  zu  er  werden  sol  vil  schiere,  ez  enlebet  nu  nieman 
lange  tage,  alz  uns  der  priester  manet:  so  er  uns  die  äschen  uff  daz  höbet 
git,  so  sprichet  er:  'mentsch,  gedenke  daz  du  äsche  bist  und  wider  ze  äschen 

15  werden  solt*.  swenne  der  mentsche  sich  erkennet  daz  sin  nature  so  reht 
krank  ist,  so  müss  er  sich  verstau  daz  er  all  die  tugende  die  an  im  sint, 
daz  er  die  alle  von  Gotte  hat.  also  sprichet  der  wissag:  ^allez  unser  hau 
und  ällü  ünsrü  tugend  und  swaz  gutes  an  uns  ist^  daz  ist  allez  von  Gottes 
gnaden  und  ist  in  sim  gewalt  beschlossen'. 

20  Der  vogel  der  uff  dem  ast  sitzet,  der  ist  ain  pfawe.  der  hat  die  na- 
ture, so  er  ze  mitter  naht  aller  vastost  schlafet,  so  schriet  er  vil  egeberlich 
und  weket  sich  selben  und  [167^1  beschowet  sich  denne  ob  er  den  spiegel 
uff  dem  höbet  habe;  vindet  er  in  denne,  so  schlafet  er  ane  sorge,  hie  bi 
ist  bezaichent  daz   sälig   mentsche  daz  dez  pfawen  nature  haben  sol.     so  du, 

25  säliger  mentsch,  in  der  mitten  naht  aller  best  schlafest,  so  du  denne  er- 
wachest, so  solt  du  diu  tugend  beschowen,  ob  diu  girde  brinne  engegen 
Gotte,  oder  ob  du  erkaltet  sist  an  der  brinnenden  minne  Grottes,  oder  ob  du 
gar  erlöschen  sigist.  vindest  du  aber  den  schönnen  spiegel  uff  der  sele  höbet, 
entrüwen,  so  mäht  du  wol  senfteklich  schlafen  in  Got  ane  sorge,    der  spiegel 

so  den  du  vinden  solt  uff  der  künginn  höbet  diner  sele,  daz  ist  diu  brinnendu 
girde,  du  in  gantzer  tugent  sol  sin  zu  Gotte.  o  süsser  mentsche,  swenne 
du  den  schönnen  spiegel  vindest  in  diner  gehügde  uff  diner  sele  höbet,  so 
mäht    du  wol    süsseklich    schlafen    in  Gotte.      also  [Iß?""]  spricht    ain  hailig 

1.  gerne  fehlt  O.  3.  den]  minen  G.  5.  gegin  deme  L  O.         und  also]  Zegelichir 

wis  G.  6.  hie  uff  ertr.]  uffen  dirre  zirganclichun  weite  G»  han  den  sol  er  w.  G. 

7.  sol  er  g.  G.         8.  bo^'n  der  ist  G.        9.  wirst  du  zedeme  h.  G.         10.  armen  wan  h.  G. 
11.  ast  der  ist  G.       irkennen  sol  G.         12.  ist  G,        14.  nach  er]  Memento  quod  cinis  es  et  in 
cinerem  reverteris  G.       fische]  erde  G.         14  f.  wider  —  solt]  daz  du  w.  ze  eschun  w.  müst  G, 

17.  daz  —  alle]  vnde  swaz  rehtir  güti  an  ime  ist  .  daz  er  daz  alliz  G.       Alse  der  w.  spr.  O. 

18.  &llü  fehlt  G.  20.  der  ist]  daz  ist  G.  23.  habe  .  vnde  uindet  G.  24.  daz  sol  d. 
ph.  n.  h.  G.  25.  inmitter  naht  G,  26.  girde  unde  dine  tuginde  enbrinnen  G.  28.  vnde 
vindist  G.         31.  div  sol  sin  i.  g.  t.  z.  gotte  G,         33.  in]  mit  G. 

4.  9.  Matt  5,  3;  11,  28,  14.  vgl  oben  S.  63  Z.  10  f 


60.  Von  des  balmbomes  bezaichnung.  263 

man:  'herre,  si  joch  daz  ich  schlafe,  so  gib  mir  die  gnade  daz  min  sele 
wache  mit  dir,  daz  ich  si  wol  behüte  an  tagenden',  der  mentsch  müss  ze 
allen  ziten  tages  und  nahtes  siner  tugend  hüten;  won  alz  man  dez  phawen 
ze  allen  ziten  varet  umb  sin  schön  gevider,  also  varet  der  tüfel  ze  allen 
ziten  dez  sälgen  mentschen  sele,  wie  er  ir  tugend  beneme.  und  dar  umb  5 
müss  sich  der  mentsche  flisseklich  hüten,  und  alz  dik  so  er  erwachet,  so  sol 
er  besehen  ob  sin  girde  brinne  gegen  Gotte.  alz  sprichet  sant  Augustinus: 
'alz  schiere  so  der  schlaf  von  minen  ogen  kumet,  so  sol  min  hertze  und 
min  sin  wachen  engegen  Gotte  und  sol  beschowen  ob  min  tugend  in  Gotte 
brinnent'.  lo 

Der  blüme  der  uff  dem  aste  blüget,  daz  ist  ain  viole:  der  ist  klaine 
und  ist  hymelvar.  da  bi  ist  bezaichent  du  girde  die  der  ment/i6  rasche 
ze  allen  ziten  haben  sol  hin  uf  gegen  dem  hymelrich  ze  Gotte,  und  sol 
ällü  sinü  werch  keren  in  dez  namen  und  in  dez  ere  mit  dem  wir  geeret 
und  gefröwet  sont  werden  in  hymelriche,  daz  ist  unser  herre  Jhesus  Christus,  15 
der  sälgen  sele  brutgom.  bi  dez  blümen  klaini  ist  bezaichent  dez  säligen 
mentschen  demütekait,  won  dez  demütigen  mentschen  reht  ist  daz  ez  sich 
alwegent  verwerfe  und  sich  unmasse  klaine  mache  vor  allen  den  lüten,  so 
ist  ez  gross  vor  G^tte.  also  liset  man  in  libro  regum  von  aim  künig,  zu 
dem  sprach  unser  herre:  'won  Au  klain  wärt  vor  dinen  ogen,  dar  umb  wil  20 
ich  dich  ze  ainem  künig  machen  über  alles  israhelisch  volk".  'demütkait', 
spricht  her  David,  'du  brichet  durch  den  hfmel  und  höhet  den  mentschen 
[168^  ze  hymelrich'. 

Der  ander  ast  ist  daz  du  erbärmd  solt  hau  über  ain  ieglichen  ment- 
schen. swaz  im  wirret  an  Übe  oder  an  sele,  daz  solt  du  mit  im  tragen.  25 
und  enmaht  du  im  anders  niht  getün  noch  gegeben,  so  solt  du  im  doch 
dinen  willen  geben  und  solt  dich  über  in  erbarmen,  und  enmaht  sin  nit 
getrösten  mit  muten  Worten,  so  solt  du  doch  daz  inwendig  werch  üben  der 
erbärmde  mit  dim  guten  willen,  und  tut  joch  ain  mentsch  etswaz  daz  übel 
ist  oder  daz  wider  Got  ist,  daz  ensolt  du  doch  im  nit  ze  vil  verkeren  und  so 
solt  in  nit  ze  vil  bestrafen  alz  zehant ,  du  solt  e  gedenken  waz  dir  liep 
wäre,  waz  man  dir  täti,  ob  du  in  der  selben  schulde  wärist,  und  daz  selbe 
tu  och  im;  und  solt  Got  och  für  in  bitten  daz  er  sich  über  in  erbarme, 
der   aber    maisterschaft    und   gewalt   hat  daz  er  daz  vinfl68''Jreht  rihten  sol, 

S.  alz]  zegelichir  wis  alse  O.  5.  ir  ir  t.  G.  9/*.  ob  —  brinnent]  wie  m.  t.  brinnen  in 
stflBtichait  G,  12.  da  bi]  Hie  bi  ist  bezaichint  dez  sseligen  menschin  demütichait .  bi  dez  blftmen 
varwe  G.  13.  sol  han  n.  g.  himilriche  hin  ze  g.  G.  20.  dv  Ä.  21.  machen]  setzin  G. 
21/*.  demfttk.  —  David]  Also  spr.  der  wissage  d.  Demütichait  G.  23.  ze  deme  h.  G,  24.  ist 
d.  d.  erb.]  daz  ist  div  irbermide  .  die  du  G.  26.  doch  fehlt  G.  27.  d.  w.  geben]  d.  gftten 
w.  tragen  G.         enmaht  da  sin  G.  31.  in  —  zehant]  niht  zehant  din  herce  uffin  den  rehtin 

(l  rihter)  st&l  setzin  .  ubir  dez  menschin  vnreht  G.  32.  waz]  daz  G.  33.  im]  aime  iege- 

lichin  menschin  G, 

20  f.  L  Reg,  15, 17.         22  /*.  EccLL  35,  21  ? 


264 


.  Von  des  balm  bomeB  bezaichnimg. 


der  sol  wol  hertteklich  bestrafen  allez  daz  daz  ze  bestrafenn  ist,  und  doch 
also  daz  er  die  erbärmde  al  wegen  t  da  M  halte  also  daz  erz  tu  mit 
senftem  hertzen  und  mit  milten  wort«n.  und  si  joch  daz  unrelit  alz  gross, 
daz  er  da  rihten  sol,    daz  er  ez  strenklich  und  herteklich  miiz  berefzen,    80 

s  sol   er   doch    dar    nach    gütlich    imd    niilteklich  gebaren,  daz  der  mentsch  wol 
merke  daz  er  ez   von  reht  tet  daz  er  in  so  herteklich  berefzet  hat  umb  sin 
unreht,    und  nit  von    übel,      und    daz  solt  du  alwegent  in  din  hertze  setzen, 
ob  daz  enhain  rat  si  du  müssest  dar   umb  aintweders  gewisget  werden, 
hertekait    oder    umb  miltekait,    daz  du    umb    ze  vil    lindi    oder  güti   gewisgoC 

1  werdest  denn  umb  ze  vil  strengi  tuid  hertekait;  won  du  solt  wissen  daz 
die  wizzen  senfter  sint  umb  die  miltekait  denn  umb  die  hertekait,  unser 
Iierre  sprichet  selbe:  'sehent  au  mich  [l^S'J  und  lernet  senftekait  und  milte- 
kait'. 

Daz  vögellin  daz  uff  dem  ast  singet,  daz  ist  ain  widhoph.      der  hat  die 

s  nature  daz  er  über  du  greber  flüget  und  die  toten  klaget,  also  sol  der 
sAlig  mentsch  tfln.  ez  sol  klagen  den  j&merlichen  tot  den  du  edel  sei  euphie 
von  den  tätlichen  Sünden,  und  sol  gedenken  wie  ain  ieglichü  höbet  siinde  die 
fiele  tötet,  hobt  süode  ist  geschaiden.  von  Gotte  und  von  allen  hymelschen 
gnaden,    und    der    mentsch    verschuldet    mit    ainer    höbet  sünde  daz    ez    nach. 

I  rehte  iemer  ewig  not  solte  han  in  der  helle,  und  enhetti  im  Got  mit' 
siner  gnade  nit  wider  geholfen,  dis  sol  der  mentsch  gedenken  das  es  war 
si,  und  sol  den  muten  Got  bitten  daz  er  den  tot  erkike  mit  rehter  rüwe 
und  in  denne  gengrri  mit  siner  götliclien  arzenie  von  allem  dem  siechtagen 
der  Bünden,  daz  si  niemer  me  mit  willen  noch  [168"/  mit  werchen  noch  mit 

5  dekainer  schlahte  böser  gewonhait  gehorsam  werde  dekainer  Sünden. 

Daz  blümeli  dez  astes  daz  ist  ain  wasser  blüme:    der  ist  vil  schone  und! 
eiTalwet    zehant.      da  bi    ist    hezaichent   du    unstätkait   dirr  weit,      ir  vrödOj 
und    ir  gezierde    ist    harte    schöne    und    zergat   harte    schiere,      dez  solt  dl 
eälger    mentsch,    gedenken    daz    alles    daz  zerganklich  ist   daz    uff  ertrich 


nit  ^^ 


1.  bereffln  .  bwhz  zebereffinne  iet  ß.  2.  also  d.  ^— halte]  boI  er  alliwege  irbennide  dirbi 

balün  O.  erz  G,  tiz  A.  G.  in  h.  bercfft«  umbe  G.  T.  vnde  setze  daz  a.  i.  d.  h.  O.  S.  daz] 
ez  Q.  ei]  inugc  sin  G.  dar  fehlt  G.  S.  9  gewidnot  G.  9.  I.  aide  umbe  zsTil  gtü  Q. 
wiflgoBt  A.  10.  seit  daz  w.  daz  G.  11.  amb  d.  m.  fehlt  G.  die  h.]  zeoil  h.  O.  13.  spr. 
doch  selbe  G.  12/:  milL  bitnir  G.  14.  wittehopbe  G.  IG.  oz  s.]  div  solt  G.  17.  sol 
22  aolj  solt  übir  die  totin  rliegen  .  daz  sint  die  manicunltigcn  ho'faitsünde  .  die  dine  sele  bain 
slagen  .  vnde  Bolt  eehin  wie  din  eele  in  dien  sundon  lit  irslagen  .  vnde  eolt  gedencbin  .  daz  du 
mit  ainir  iegelicban  bo'bitsünde  bist  geachaidin  uon  gotto  vnde  uod  ollen  hErailschen  gnadon  vnde 
du  mit  ainir  iegelichir  bo'bit  eunde  nah  rehte  uirscbuldit  best .  daz  du  ieniir  ewige  not  Inder  helle 
aottoBt  ban  .  vnde  euhetü  dir  got  mit  siner  gnade  unde  mit  siner  irbermido  nibt  widir  geholfen  . 
Vnde  solt  dcnne  gedeneliin  daz  du  den  werdiii  got .  den  gutta  got  enteret  best  mit  dinen  sundon  ., 
Vnde  solt  daz  uon  inniclichime  berccn  clagen  .  vnde  solt  G.  IS.  allem  A.  20.  soltent  Ä. 
32.  den  totin  G.        25.  gew.  nlcmir  geh.  G.        aäade  G.         2S.  harte  schiere)  gar  scb.  G. 


12.  Matt.  U,  & 


24.  st  —  du  rtuige  Seele. 


60.  Von  dea  balm  bomca  beziiichnimg. 


366  1 


Kesi: 
^^^  sol 


I 


DDd  nimet  jämerliches  ende:  der  hüt  lebet,  der  ist  morn  jamerlich  tot;  der 
hnt  ist  gesunt,  der  ist  morn  siech;  der  hiit  ist  riche,  der  ist  morn  arm; 
der  hüt  mit  fröden  lebet,  der  ist  morn  allez  laidez  vol,  und  also  zergat  ez 
alles  mit  laide,  und  der  aller  maist  fröde  und  minne  hat  und  richtumes  iu 
dirr  weit,  der  hat  och  aller  gröste  not  in  der  helle,  und  da  [169"]  von  ) 
spricbet  sant  ßernhart;  'alle  dlne  siiode  werdent  ze  wärmen  in  der  helle 
und  grabent  allez  an  durch  daz  hertze,  und  wirt  doch  niemer  verswendet'. 
dar  über  spriehet  unser  herre:  'we,  we  den  riehen  lüten,  die  sont  niemer  von 
Gotte  trost  enpfahen,  si  haut  me  geminnet  gilt  und  ere  nnd  zergangklich 
vröde  denne  mich,  dar  umb  sont  si  iemer  eweklich  trurekait  han'.  dis  solt  1 
du,  sälgei'  mentsch,  erkennen  daz  dii  weit  zerganklich  ist,  nnd  solt  din  hertze 
und  alle  din  girde  engegen  dem  keren  der  unzerganklich  ist. 

Der  dritte  ast  ist  dez  Hbes  kestgung.  der  sAlig  meiitsch  sol  sinen  lip 
kestigen  mit  allen  den  arbaiten  so  im  sin  orden  und  sin  regel  gebötet,  und 
sol  doch  im  selben  die  notdiirft  geben  und  sol  sich  allez  an  flissen  daz  sin  i 
arbait  und  sinü  [169'']  werch  mit  beschaidenhait  beschehen,  weder  ze  vil 
noch  ze  lützel ,  und  sol  sinen  lip  alwegent  in  der  temperung  halten 
daz  er  im  niemer  so  vil  siues  willen  verlasse  daz  er  Got  uugehor- 
werde. 

Der   vügel    der    nff    dem    ast    sitzet,    daz    ist    ain    elbs.     daz   waiss  von  a 
nature  sin  tot  vor;  und  so  er  hüt  sterben  sol  oder  morn,  so  singet  er  aines 
tages    der  vor    ains    frölichen  sanges.     bi  dem  vogel  ist  bezaichent    daz  sAlig 
mentsche;  daz  sol  gedenken  daz  ez  sim  tot  alle  tag  nahet  ain  tagwaide,  und 
sol  Got  ie  vTÄlicher  dienen  mit  singenn  und  mit  lesenn. 

Der  blfime  uff  dem  aste  ist  ain  lylie:  der  wachset  alle  wegent  uf  gegen  2 
dem  hymel  und  ist  Alh'i  zit  grüne,  also  sol  och  dez  mentschen  hertze  und 
sin  girde  alwegent  uf  sin  gerihtet  ze  Gotte.  bi  dem  lylien  ist  bezaichent 
stAtü  küschi.  die  der  mentsch  haben  sol  an  willen  und  an  werchen.  nnd 
alz  der  lylie  allez  an  grüne  ist  [169'J  an  sim  stamme  und  an  sinen  blettern, 
also    sol    öcli    der    sälig    mentsch    sin  an  dem  globen  und  an  sinen  tngenden  ^ 


I 


iamirlicbiB  ende  Q.       jamerlich  /s/iH  0.         4.  vro'den  v.  Wune  h.  O.        5.  och  fefdt  &. 
8.  dar  ilber]  Vnde  dar  öf  ff.        10,  ewtp)  ff.        12,  ist  .  daz  ist  got  ff. 
14.  gebivtet .  vnde  scuit .  vnde  ff.         IB.  »\n\  ez  alle  sioo  ff.         16.  beachehen]  tAge  6. 
[17.  solt  dinen  ff.  18,  er  Im]  du  ime  ff.  so  vil  fehlt  ff,  virlazest  ff.  20.  elbiz  ß. 

21.' hüt  — morn]  momo  et.  sol  ff.  21  f.  aines  —  sanges]  hivte  ainen  vro'l.  sanch  ff, 

23.  allirtjpgelich  ff,  23  /'.  ain  —  boI]  vnde  daz  <>z  txgilicb  aine  L  ze  deme  todo  gat  .  vndo 

Ewenne  er  dez  gedenchit .  so  fol  er  ff,        24.  leeinnc  .  vnde  sol  gotte  alee  girliche  undo  alsp  vro'- 
liche  dienon  .  daz  man  wol  an  imc  mcrchin  mach  ,  daz  er  gerne  bi  gotte  uneirme  berren  wsrc  G. 
25,  BBie  daz  iet  ff.  26.  himilritJic  ff.        26  /'.  alBO  —  girde]  vnde  also  der  lylie  vf  w^hsit 

ingegin  deme  himilriche  also  sol  din  herce  vnde  din  g.  ff.        27.  ze]  iogcgin  ff.        28.  div  etete  ff. 
der  —  Bol]  du  solt  hnu  ff.  31).  boI  —  un]  Bolt  du  seliger  mensche  grflneu  ff.         ainen] 

ollen  ff. 


Il 


266  60.  Von  des  balm  bomes  bezaichnung. 

und  sol  alle  tage  zu  legen  an  gutem  lebenn,  alz  der  blüm  täglich  wachset, 
so  unser  herre  denne  siht  daz  er  zitig  ist,  so  brichet  er  in  abe  und 
gehaltet  in  in  der  h^^elschen  bürg  iemer  eweklich  mit  vröden  tind  mit 
wunnen. 

5  Der  vierd  ast  ist  süsser  andaht,  so  der  mentsch  süss  wainet  nach 
ünsrem  herren,  also  daz  er  ünsers  herren  marter  von  hertzen  klaget  oder 
daz  er  erkennet  waz  im  Got  gnade  hat  getan,  und  er  in  des  mit  süssen 
trähennen  lobet,     daz  ist  ain  vil  süsser  andaht. 

Der  vogel   der   uff  dem   ast   sitzet,  daz  ist  der  vogel  mit  dez  mentschen 

10  antlütz.  der  hat  die  nature,  so  er  zem  ersten  uz  sim  nest  flüget,  der  erst 
mentsch  der  im  denn  bekumet,  den  tödet  er  und  flüget  denn  über  ain  wasser 
und  erspiegrdet  sin  antlütz  dar  inne;  und  so  er  denne  geflöO'^Jsiht  daz  er 
und  der  mentsche  ain  antlütz  haut  und  si  glich  enander  sint  und  er  sinen 
brüder  ertödet  hat,  so  enwirt  er  niemer  me  vro  i|ntz  an  sinen  tot     bi  dem 

15  vogel  ist  bezaichent  ain  ieglich  mentsch;  won  wir  haut  ertödet  ünsem 
herren,  der  von  götlicher  nature  und  von  mentschlicher  unser  bruder  ist  wie 
der  von  den  Sünden  tod  ist  an  dem  crütze,  tmd  wie  er  gebunden  wart  an 
dem  cruize,  daz  er  weder  hende  noch  füsse  noch  dehains  sines  lides  gewaltig 
waz,    und   swenn    du   daz    für   dinü   ogen   setzest,    so  ensolt   du  dich  niemer 

20  me  gevröwen  enhains  dinges  daz  üppig  ist. 

Der  blüme  der  uff  dem  ast  blüget,  ist  ain  rose:  der  ist  schöne  und 
wunneklich  an  zesehenne.  da  bi  ist  bezaichent  du  brinnend  minne  die  der 
sälig  mentsch  zu  Gotte  haben  sol.  du  solt  gedenken  an  die  grossen  minne 
die   er  zu   uns  [170'']  hatte,    do   er  den  jämerlichen  tot  für  uns  laid.     und 

25  von  der  minne  sol  diu  hertze  enzündet  werden  und  diu  sele,  daz  du  (rot 
also  krefteklich  und  also  sere  da  wider  minnest  daz  du  dich  e  wöltist  lassen 
töten  e  du  in  iemer  wöltest  erzürnen  mit  dekainer  hobtsünde. 

Der  fünfte  ast  ist  begerung,  daz  der  mentsche  ünsers  herren  begere 
mit    allen    sinen    sinnen    und  von    allem    sim   hertzen   so    krefteklich   daz  er 

80  aller  dinge  enhain  aht  habe  !^won  sin.     so  mag  du  sele  wol  sprechen,  alz  da 

1.  sol  —  legen]  solt  allirtsBgilich  für  nemin  G.         rehte  also  d.  bl.  allir  tegilich  w.  vnz  er 
vollechomin  wirt  .  also  solt  dn  allir  tegilich  wahsin  .  vnde  für  nemin  unz  du  rehte  vollekominde 
wirst  an  tuginden  O.       2.  daz  er]  daz  du  sseligir  mensche  G.       bist  G,       in]  dich  G,  ebenso  8. 
5.  ast .  daz  ist  G.         7.  daz  er]  daz  der  mensche  G,        waz]  daz  G.       gnade]  so  groze  gn.  G. 

8.  andaht .  daz  lop  .  unde  div  andaht  meront  ailiz  an  des  menschin  tuginde .  vnde  twingit  got 
daz  er  alliz  an  sine  gnade  in  die  sele  güzit  .  vnde  giezin  müz  G»  12.  erspftlet  Ä,  irspiegilt 

denne  G.        14.  me  fehlt  G.        15/*.  ert5det  ü.  h.]  alle  vnsim  brüdir  irto^dit  Jbesum  Christum  G. 

16.  menschlichir  nature  G.       17.  den]  dinen  G.        17  f.  und  —  crütze  fehli  A.       20.  ist .  vnde 
ensolt  mit  der  weite  noh  mit  enchainim  dinge  daz  ze  der  weite  triffet  niemir  enhaine  vro^de  me 
gewinnen  G.        21.  ist  ain]  daz  ist  der  G,        22.  minnidich  G,        24.  für]  dur  G.       24  f,  und 
von  der]  gedenche  rehte  in  wie  ndnir  minne  er  den  tot  dur  uns  lait .  vnde  uon  der  rainun  G. 
26.  da  wider  fehlt  G.         27.  iemir  wizsinde  woltist  G.  28.  ist  du  beg.  G,         gert  G, 

80.  aller  -—  267, 1  geschriben]  alle  sine  girde  gedenit  het  an  den  girlichin  got .  Div  sele  mach 
wol  sprechin  alse  div  sele  in  der  minne  buche :  Filie  ierusalem  G. 


60.  Von  des  balm  bomes  bezaichnung.  267 

stat  in  der  minne  buch  geschriben:  'ir  tohtren  von  Jerusalem,   kündent  mim 
liebe  daz  ich  siech  von  minnen  bin'. 

Der  Yogel  der  uff  dem  ast  sitzet,  daz  ist  ain  nahtegal,  du  singet  all- 
weg  gerne,  und  so  si  gewar  wirt  daz  sich  du  naht  verwandlen  wil  zu  dem 
tage,  so  höhert  si  iren  sang,  hie  bi  ist  be/i707zaichent  daz  sälig  mentsche:  5 
so  du  naht  der  Sünden  und  dez  üppigen  lebens  an  im  verwandelt  wirt  in 
höh  tugend  und  ez  sich  beginnet  bessren  an  sim  lebenn  und  ez  Got  an 
allen  dingen  baz  erkennet  denn  e,  so  sol  ez  sinen  sang  höhren,  so  ist  du 
naht  verwandelt  zu  dem  tage;  so  sol  ez  denne  Got  mit  allen  arbaiten  frö- 
lich  loben  und  sol  im  dester  gerner  und  gewüleklicher  dienen  und  sol  sich  lo 
uff  daz  erb  fröwen,  daz  im  Got  wil  geben  nach  disem  kurtzen  zite  iemer 
ewklich  leben,  dar  zu  solt  du  din  hertz  und  diu  sele  ze  allen  ziten  be- 
raiten  daz  du  mit  eren  dar  komest.  unser  herre  sprichet  in  dem 
ewangelio:  'sehent  daz  ir  ze  allen  ziten  berait  sigint,  won  ir  enwissent 
wenne  ich  kum\  15 

Der  blüme  der  uff  dem  aste  wahset,  daz  ist  der  side  blüme,  der  enhat 
nit  völliger  varwe  und  bezaichent  daz  rainne  mentsche,  daz  sich  so  sere  nach 
Got  [170'']  verjamert  hat  daz  ez  blaich  wirt  und  sin  schön  varw  verlüret,  und 
allen  sinen  flisse  und  sin  sinne  an  Got  hat  gekeret,  daz  sin  sele  vor  im 
schön  si  und  sin  hertze  luter  und  raine,  daz  Got  gerne  dar  inne  wone.  und  20 
denn  versmahet  si  gar  die  uswendigen  schöni  so  si  der  inren  so  grossen 
fliss  hat,  und  denn  mag  si  wol  sprechen,  alz  in  der  minne  buch  geschiiben 
stat:  'daz  ich  uswendig  blaich  bin,  dez  wundre  üch  nit,  du  hymelsch  gnade 
hat  mich  verselwet;  und  swie  blaich  ich  uswendig  bin,  so  bin  ich  doch  in- 
wendig harte  schöne,  ich  gevalle  Got  wol  an  mim  antlütz'.  25 

Der  sehste  ast  ist  du  ladung,  daz  du  sele  mit  rehter  girde  Got  zu  ir 
ladet:  'kum  her,  lieber  herre,  kum  her,  süsser  gemahel,  Jhesus  lieber  herre 
min!'  so  si  denne  in  also  gütlich  ladet  mit  aller  irre  girde,  so  kumet  er 
denne  und  berihtet  allez  daz  im  an  ir  missevallet,  und  schephet  den  ment- 
schen  in  allen  dingen  [170'^]  nach  sinem  willen.  so 

Daz  vögellin  daz  uff  dem  aste  sitzet,  daz  ist  ain  swaJwe.     du  nimet  de- 
hain    spise  won    in    dem    fluge.      also    tut  och  der  sälig  mentsche;    daz  nimt 

2.  Ton  minnen  fehlt  A,  5.  sag  A.  6.  vfi  div  naht  dez  Q.  9.  sol  ez  denne]  solt  du  G, 
ebenso  zweite  Fers,  sing,  im  folgenden  bis  12.        10.  ime  denne  dester  g.  vnde  deste  williclichir  G. 

11.  daz  himilsche  erbe  ö.         Got]  unsir  herre  G.        12.  ew.  leben]  ewicliche  .  Vnde  G. 
16.  wahset)  blüget  G.         17.  uoUiclichir  G.         18.  hat  —  wirt  fehlt  A.        19.  an  —  gekeret]  het 
inwendich  bekeret  G.       im]  gotte  G.       20  f.  und  denn  —  23  stät]  an  die  inrun  scho*ni  het  si  so 
gar  ir  vliz  gelait .  vnde  becheret .  daz  si  die  uzwendigun  gar  uirsmahit  het .  Der  mensche  mach  wol 
sprechin  .  Nigra  sum  G.         26.  ast  daz  ist  G^  ebenso  268, 12.  27  f.  Jhesus  —  si]  nu  kun  her 

uzirwelte  herre  zft  mir  .  du  bist  ilic  der  liebe  gemahile  min  .  So  div  sele  G.  29.  allez  —  ir] 

er  denne  swaz  ime  in  der  sele  G.  30.  in]  an  G.         wUlen  .  als  er  ime  wol  geuallit  G. 

81.  deme  sAzin  aste  G.  32.  fluge  also]  wolckin  .  Zegelichir  wiz  G.        och  fehlt  G, 

1.  Cant.  5,  8.         3  f  vgl  oben  S.  JS4  Z,  If         14.  Matt.  24,  44.         23.  Cant.  i,  4f 


aa.  Von  des  balm  bot 


3  bczaichaung. 


i 


enbain  spise  won  in  dem  fluge  dez  gedankes,  mit  dem  ez  flüget  in  äax 
hjmellant;  won  ez  hat  iiff  ertrich  an  dehaim  dinge  trost  won  allain  an 
hymelschen  dingen,  da  suchet  ez  trost  und  daz  ist  sin  spise  und  sin  färe. 
also  sprichet  sant  Augustinus:  Mr  sont  allen  zergangklichen  trost  versmahen 
L    5  und  sont  all  üwer  girde  uf  rihten   in  den  hymelschen  trost'. 

Der  blüme  der  uff  dem  aste  blüget,  daz  ist  ain  wegblume.  der  hat  die 
nature  daz  er  steh  allewegent  nach  der  sunnen  keret.  also  keret  der  sAlig 
mentsche  sin  liertze  und  sin  sinne  und  alle  sin  begerung  nach  dem  lebenden 
und  nach  dem  ewigen  sunnen,  der  mit  [171"]  siner  schonhait  hjmelrich    und 

10  ertrich  erlühtet  hat  und  der  da  ist  ain  Tröde  und  ain  lieht  and  ain  wunne 
der  ewigen  sälikait. 

Der  sibend  ast  ist  gantzü  s&ssekait  so  der  mentsche  des  bomes  este 
alle  überstiget  mit  stAten  tugenden  und  ez  an  den  obrosten  ast  kumet,  so 
gösset    unser    herre    also    groz    süskait    in   sin    sele    daz    si   dem   libe  unver- 

15  tragenlich  ist,    und  mag  sich  kum  in  im  enthalten;    und  ist  so  groz  daz  im 

denne    kraft   gebristet,    und    muss  der  gaist  in  denn  tragen,  so  krank  ist  er 

von  der  götlichen  süskait  worden;    and  ist  aber  der  gaist  also  gesterbet  daz 

er  den  lip  treit,  reht  alz  ir  sehent  daz  der  gesund  mentsch  den  siechen  treit. 

Daz  vögellin  daz  uff  dem  aste  sitzet,  daz  ist  ain  fenix:  der  wonet  allez 

20  an  uff  dem  berg  Oliveti,  der  berg  ist  als  edel  daz  all  edel  wurtzen  {171''] 
dar  uff  wachsent;  und  ist  der  vogel  allez  an  ainer  und  enwirt  sin  niemer 
me.  und  so  er  sich  ernuwren  wil,  so  nimt  er  der  edlesten  wurtzen  und 
machet  im  selb  ain  hus  und  flüget  denn  uff  die  hohen  bühel  und  in  die 
hohen    hift    und  flüget  der  sunnen  alz  nach  daz  er  reht  erhitzet,    und  flüget 

I  25  Uf  deme  aste  sitzit  ain  vogil,  der  baizlt  feuix  .  der  wonit  allis  an  uf  deme  bet^ 

montis  Oliveti  .  unde  der  berch  ist  alao  edile  da»  alle  die  edilen  wrzan  druffe  wshsiDt  . 

imde  ist  der  vogit  alliz  an  aiae  unde  enwirt  sin  niemir  nibt  nan  aine  .  unde  so  er  sich 

I       irniuwen   wil,   eo  nimit  er  der  edilsten   wrzen    unde   machet  ime   aelbin  ain   hfta    unde 

I        vluget  denne  uf  die  hohin  buhile  unde  m  die  ho'hln  liufte  unde  vluget  der  sunnen  also 

30  nahe  daz  er  rehte  irbitzet ;   unde  vluget  denne  her  nidir  in  sin  h&8   unde  sieht  die  veti- 

1.  cnhain  spise]  sino  epise  einer  Bcle  nienc  Q,        dez  ged.]  der  vluck  daz  ist  der  gedimch  G. 

ez)  div  fiele  Q.  2.  himilsche  laut  Q.  2  f,  won  ez  —  färc]  indemo  vluge  wü-t  div  gäte 
sele  .  vnde  div  seelig'e  sele  gespiaet  .  div  apieo  daz  ist  daz  si  an  dekaioime  dinge  vf  crtriche  eu- 
hainen  trost  .  noli  enhaine  vro'de  het  .  niht  wan  an  hirailacben  dingen  .  dar  an  sächit  ü  trost  . 
vnde  wirt  ocb  du  uon  gespiiet  unde  (jßfärot  G.  5.  all  ü.  g.l  iwir  herco  6.  T  f.  alao  — 

mentHcbe]  Zej;elichir  wis  Cät  d.  e.  m.  der  keret  G.  S.  nach]  gegin  G.  leben  A.  9.  nach 
fehlt  O.  in.  wnoen  spil  G.  II.  nach  s&likait]  engegin  deme  lebindin  sunnen  kert  der  göte 

menscho  sin  heree  .  vnde  sinen  willen  .  AJso  livtii'liclie  daz  alliz  daz  sin  wille  ist  dai  got  tut .  vndo 
kert  sinen  willen  also  ganzliche  in  den  sunnen  .  daz  ez  onbain  dinch  beträbit  daz  got  tut .  daz  ist 
ime  lUliz  liep  .  dem  menschm  daz  sinen  willen  an  allen  dingen  fflget  in  gottes  willen  G,  14.  sin] 
die  rainun  O.  iä.  enthabm  G.        16.  denne]  der  G.         niüss  —  so]  eninach  die  aflzicbait  non 

liplicber  ktaft  niht  enthabin  .  Wan  daz  der  gaist  denne  den  lip  mdz  tragin  .  also  G.  er]  der 
lip  S.  19,  nach  treit]  also  trait  der  gaist  von  gotlichir  kraft  dez  iibes  irschreknnge  G. 

36  f.  Paraßeitext  au»  O. 


I 


^^^^^^^H  60.  Von  des  balm  bamea  bezaichnung.  269     V 

denn  hin  wider  nider  in  sin  hus  und  schiebt  die  vettachen  zesamen  daz  er  1 
enbrinnet,  und  brinnent  die  wurtzen  alle  mit  im;  und  also  verbrinnet  er,  I 
und  von  dem  pulver  wirt  denne  ain  nüwe  fenix.  hie  bi  ist  bezaichent  daz  I 
sAlig  mentsche  daz  alweg  gern  wonet  uff  dem  hohen  berge  gaischliches  lebens,  | 
daz  da  wol  erhaben  ist  von  der  weit  alz  der  berg  von  dem  tal.  und  bi  5  I 
den  edlen  wm-tzen  ist  bezaichent  die  edlen  tugend  die  in  gaischlichem  I 
lebenn  wachsent;  won  der  alle  die  weit  durcb  füre  und  tilgend  sühtl ,  er  1 
fuudi  niena  so  höh  und  so  edele  und  so  [l?iy  vil  tugend  so  in  gaischlichem 
lebenne,  won  gaisehlich  leben  ist  rebt  ain  garte  der  wollust  und  ain  berg 
der  tugend.  da  von  gelicliet  er  sich  wol  dem  berg  Oliveti.  der  sAlig  lo  ' 
mentsch  sol  sieb  üch  an  sim  leben  ernüwren:  zehant  so  er  beginnet  alten  ' 
und  trägen  an  Gottes  dienst,  so  sol  ez  allum  gan  in  dem  closter  von  aim  J 
briider  zu  dem  andern  und  sol  ab  ieglichem  tugend  lernen  und  sol  die  ze 
Samen  tragen  in  sim  bertzen  und  sol  denne  uf  fliegen  in  den  götlichen  J 
Spiegel  und  sol  sine  gedenke  alz  ki-eftcklich  an  in  keren  daz  er  rehte  von  15  I 
dem    hymelschen    glantze   erhitze,    und    sol    im    alz  nahe  fliegen    daz    sin  sele       I 

chin  alao  vaste  zesemine  daz   er  enbrinnet  .  unde  brinnen  die  v/nan  alle  mit  Ime  unde        | 
virbrennent  in  .  unde  vou  deme  pulvere  wirt  denne  ain   nöwe  fenix,    unde  also  irnüwit         * 
er  sich  .   hie  bi  ist    bezaichint   daz   selige  mensche   daz    alliwege   gerne    wonet    uf  deme 
hohia  berge,  daz  ist  gaiatlich  lebin  .  daz  ist  n-ol  deme  hobln  berge  gelich:  wan  alse  der  20  . 
berch  Irho'hit   unde  irhabint  ist   von  deme  tat,    also   ist    gaistlich  lebin    irhabin    von   der        | 
weite  .  unde  bi  dien  edilen  wrzen  die  uf  deme  berge  moutis  Oliveti  wabaiut,   da  bi  sint        | 
bezaichint  die  edilen  tuginde  die  in  gaistlichime  lebinne  wahsint  .  wan  der  alle  die  weit        ' 
durb  füre  unde  tuginde  e&hti,  der  enffiude  nlene  in  allir  der  well«  bo  edile  noh  so  hohe 
tuginde  so   in  gaiatlicbinie  lebinne ;   wan  gaistlich  lebin   ist  rehte  ain  garte  der   wollust  25 
unde  aJn  berch    der  tuginde  .   da  von    ist   gaistlich    lebin    wol   gelich  deme   lierge  monte 
Oliveti,    da  der  vogil   uffe  wonit  der  da    baizit  fenix  .  unde   so   er   beginnet  alten   unde         1 
swaren,    so  ernAwit  er  sich,    als  ich  da  vor  han  gesait  .    Zegelicbir  wiz    sei    der  sa!lige 
mensche    tun  .    so   er    beginnet   abe   nemin    unde   tragen    an  Gottes   dieuate,    unde   sine 
tuginde  beginnen  slewen  an  der  fibunge  tuginde  unde  allir  gölen  weiche,   untröwon,   so  30 
solt  du  dich  irndwin    unde  solt  allumbe  gan    in  deme  closter  zfi  iegellchir  swestir,    unde 
soll  ab   iegelichir  swestir   sundirliche  tuginde    lernen,    unde   solt   merchin    wie   vlizlcliche 
eiu  ir  tuginde  &beut  mit  guten  wercbin,    mit  gehorsami,    mit  demütichait,    mit  milllchait, 
mit  irbarmiherzichait,    mit    mazichait,    mit  allen    gSten    ztihten,    und   mit   allen  tugiuden 
übint  siu  elliu  gfttiu  werch  .   daz  sint  die  edden  wrzan  die  du  zesamine   solt  tragen  in  35 
dime  bercen,    unde    solt   denne  aehin    wie  dine  tuginde    sint  irlo'schin  und  irslicwet    ane 
fibunge    unde  an  der  brinnindun  girde   die  du  ze  Gotte  sollest  han  .  unde  so   du  dinen 
brestin  irchennist,  so  solt  du  uf  vliegin  in  den  gotlichin  sunnen  unde  solt  dine  gedenche 
alao  krefticliche  an  den  keren   daz  du  rehte  von  deme  himiiachin  glänze  erhitzest,    unde 
solt  ime  also  nahe  vliegen  daz  din  aele  rehte  gnaisten  enphahe  von  deme  lebindin  auu-  40 


L 


9.  g.  leben  fehlt  X  31.  swestir]  bräiler  Z,  ebenso  im  folgende» 


S70 


.  Von  lies  baliui) 


ü  bezMchnnng. 


gnaist  enphabe  von  dem  lebenden  sunnen.  und  mit  der  hitze  sol  ez  denne 
her  nider  fliegen  in  sin  hertze  und  sol  der  sei  tilgend  zesamen  schlahen, 
daz  si  enbrinne  mit  Übung  guter  werche;  and  in  sÖIicher  liitze  so  wirt 
er  denne  ernuwert  und  verbrent  an  der  krankhait  und  an  aller  schlewkait, 
s  daz  er  denne  wirt  [Itl'j  ain  nüwer  mentsclie. 

Der  blum  uff  dem  aste  ist  ain  veltblüme:  daz  ist  unser  herre  Jliesus 
Christus,  won  alz  der  veltblum  gemain  ist  allen  den  die  in  wellent  brechen, 
alz  ist  ocli  i'inser  herre  gemain  allen  die  sin  gerent.  der  veltbläme  stÄt 
uff  dem    plan,    da    brechent    in  arm   und  riebe,      also  stät  unser  herre  offen- 

10  lieh  an  dem  criize  ze  enpfahenn  alle  die  die  zft  im  koment  und  sin  von 
inneklichem  bertzen  gerent.  nu,  lieber  mentsch,  ker  bin  uff  den  plan  zu 
dim  schepher  und  klag  im  mit  demütigem  bertzen  allen  dinen  kumber  und 
din  betrnbde,  so  tröstet  er  dich  mit  siner  miltekait.  gedenk  daz  er  selber 
sprach:    'ich  bin  ain  veltblftme.    ich  bin  beklait  mit  roten  klaidern,    daz  ist 

15  min   rosvarwes   blftt,    daz    ich,    mensche,    durch    dich    goz,     nu  verzage,    lieber 


nen  .  unde  mit  der  hitze  solt.  du  her  nidir  vlieg^n  indin  höa,  daz  ist  din  berce,  unde 
eolt  die  vetichio  zeaamine  slan,  daz  slu  rehte  enbrinnen  .  biden  retichin  sint  bezaichbit 
der  sele  tugiiide:  die  solt  du  denne  zeaamine  slan  mit  i'ibunge  gi'itir  werche  unde  solt 
die  also  vlizicliche  unde  also  girliche  i'ibeii  mit  allen  tuginden   daz  die  wrzan  enbriuneD, 

20  daz  eint  die  tuginde  die  du  in  deme  clostir  zesamine  hast  gelesin  ab  iegelichir  swegtir 
daz  die  alle  an  dir  enbrinnen  .  also  girliche  solt  du  dioe  tuginde  äbin  mit  gfiten 
wercbin,  unde  in  der  hitze  der  tuginde  wirst  du  irnuwit  unde  virbrannet  ander  trachait 
linde  an  allir  slewi'chait,  daz  du  deuue  wirst  ain  niiwir  menecbe :  aUo  boI  daz  gilte 
mensche  eich  emüwiu  alse  fenix. 

IS  Der  blüme   der  uf  deme   aste  etat,   das  ist  ain   veltbli'ime  .  hi  deme  ist  bezaichint 

UDsir  herre  Jhesus  Christus,  der  ist  ain  veltbliime  .  wan  ze  geliclür  wiz  alse  der  velt- 
blfime  gemaine  ist  armen  unde  riehen,  allen  dien  die  in  went  brechin,  also  ist  unsir 
herre  Jhesus  Christus :  der  ist  gemaine  armen  unde  riehen ,  allen  dien  die  sin  geront  . 
der  veltblfime  stat   uf  deme  plane,    da  breehint   in    arme  unde  riebe  .    zegelichh  wiz  ist 

SU  unsir  berre  Jhesus  Christus  ain  miltir  veltbliime,  der  sich  niemauue  virsagit  noch  der 
sich  70r  niemanne  virbirget:  er  stat  offinberliche  uf  deme  plane  dez  balligen  unde  dez 
aäzin  criices  .  da  wil  er  alle  die  enphahin  unde  tro'stin  die  zd  ime  komint  und  siu  vou 
ianiciichime  hercen  geront  unde  mit  demätigeme  hercen  aücbint  .  ab,  üebir  mensche,  ker 
hin    uf  den  plan    zii  dime  schepbere   unde  clage  ime  mit  demGügeme  hercen  allen  dinen 

35  kumbir  und  dine  betrübide,  er  tro'stet  dich  mit  siner  miltichnit  .  gedenche  daz  er  selbe 
sprach  :  'ich  bin  ain  Teltbliimili  an  minen  claidim  unde  an  der  gemiünde  .  ich  bin  be- 
ckidet  mit  roten  claidirn,  daz  ist  min  rosevarwez  blüt,  daz  ich  dur  dich  üz  goz  .  liebir 
meneche,  nu  virzage  niht  I   ich  bin  der  dinen  lip  unde  dine  sele  gescbalTen  het ,  ich  biu 


:  nSwer  fehlt  A.  23.  slewircbait  O. 


U.  Cant.  3,  I. 


J 


60.  Von  des  balmbomes  bezaiclmnng.  271 

mentsch,  nit!  ich  bin  der  dinen  lip  und  din  [172'']  sele  geschaffen  hat.  ich 
fär  von  hymelriche  her  uff  ertrich  uss  mines  vatters  schoss  dar  umb  daz 
ich  dich  süchti  und  wider  brähti  ze  diner  edelkait.  ach,  süsser  mentsche^, 
sprichet  er,  'ich  bin  din  vatter;  da  von  minnen  ich  dich  also  sere  daz  ich 
alles  min  blüt  us  goz  durch  dich,  daz  ich  dich  wider  gewunne.  nu  merke  5 
wie,  lieber  mentsche,  din  minne  mich  beklaidet  hat.  da  von  bin  ich  wol  an 
dem  klaide  gelich  dem  veltblftmen.  ich  bin  im  och  gelich  an  der  gemaini, 
won  ich  bin  gemaine  allen  die  min  gerent  oder  gerüchent:  min  tot  ist  ge- 
maine,  min  gnade  ist  gemaine,  min  erb&rmed,  min  trost,  min  h^elrich  ist 
gemaine,  ich  und  min  vatter  und  der  hailig  gaist  sint  gemaine.  allen  den  lo 
die  gnade  und  trost  gerent  von  rehtem  hertzen,  den  wil  ich  mich  [172^] 
selb  geben  ze  vollem  tröste,  und  nach  disem  eilende  wil  ich  ir  voller  Ion 
sin  und  ir  vröde.  mir  enist  nieman  ze  arm  noch  ze  sündig,  ich  bin  reht  ain 
ährer:  won  allez  daz  dem  tü/eZ  ewfellet,  daz  lis  ich  uf.  mentsche',  sprichet 
er,  'gedenk  wie  ich  dich  gesfichet  han.  ich  lie  min  rehtes  erbe,  daz  h^el-  15 
rieh,    und  fär  uff  ertrich  und  gab  minen  lip  und  min  sele  durch  dich,     dar 

der  der  die  edilchait  diner  sele  unde  diner  nature  irkennit  .  davon  irbarmist  du  sere 
mich,  und  fiir  von  himilricher  uf  ertriche  uzsir  mines  vatir  schoze  dar  umbe  daz  ich 
dich  suhti^  ,  also  sprichit  sanctus  Augustinus:  'er  für  von  himilriche  uzsir  sines  vatir 
busime  und  für  her  in  ertriche  in  siner  mütir  busin  dar  umbe  daz  er  den  menschin  suhti  20 
unde  in  widir  braihti  ze  siner  edilchait'  .  'ah  süzir  mensche',  sprichit  er,  'ich  bin  din 
vatir,  da  von  minne  ich  dich  also  sere  daz  ich  alliz  min  blüt  üz  goz  dur  dich,  daz  ich 
dich  widir  gewnne  .  nu  merche,  liebir  mensche,  wie  mich  din  minne  beclaidit  het  .  da 
von  bin  ich  wol  beclaidit  gelich  deme  veltblümen  unde  bin  ime  gelich  an  minen  clai- 
dim  .  ich  bin  och  gemaine  allen  dien  die  min  geront  aide  geruchint:  min  tot  ist  ge-  25 
maine,  min  gnade  ist  gemaine,  min  irbermide  ist  gemaine,  min  trost  ist  gemaine,  min 
himilriche  ist  gemaine,  ich  unde  min  vatir  unde  der  hailige  gaist  sin  gemaine  .  allen  dien 
die  gnaden  unde  trostes  geront  von  rehtime  hercen,  dien  wil  ich  mich  seibin  gebin  mit 
vollime  tröste,  unde  nah  disime  eilende  wil  ich  selbe  ir  Ion  sin  und  ir  vro^de  .  mir  enist 
nieman  zam  noh  zesundich  .  ich  bin  ain  ehinsere  unde  alliz  daz  deme  tievil  enphallet,  so 
daz  lise  ich  Af  unde  ehironz'  .  nu  ho^rint  dez  gutin  Gottis  göti,  er  gelichit  sich  aime 
ehiraerel  als  ir  wol  sehint,  da  die  richin  lüte  snident,  da  gant  die  armin  liute  nah  unde 
ehiront .  ze  gelichir  wiz  tftt  unsir  herre  .  der  tievil  ist  der  riebe  man,  der  snidet  übir  alle 
die  weit  manige  edile  sele,  laidirl  die  got  kofte  mit  sinem  blute  .  so  ist  unsir  herre  der 
arme  man  unde  gat  alliz  hin  nah  ehirenti;  imd  swa  ime  iene  dehain  sele  mach  werdin,  S5 
die  zuchit  er  an  sich  .  und  dez  manit  er  den  menschin:  'owe\  sprichit  er,  'gedenche 
daz  ich  ain  ehirer  bin  wordin  dur  din  hail'  .  er  sprichit  och:  'liebir  mensche,  gedenche 
wie  ich  dich  gesflchit  han:  ich  liez  himilriche,  min  rehtis  erbe',  sprichit  er,  'unde  fftr  uf 
ertriche  unde  wart  mensche  unde  gap  min  herce  von  mime  libe,  und  mine  sele  gap  ich 


14.  tu /feilet  A.  18.  himilricher  Q  (=  himilrich  her). 


872 


60.  Von  dm  balm  boin«8  beuichnaug. 


¥ 

^ 


ao  gedenkti  and  ker  her  wider  zu  mir  dem  edlen  Teltblümen.    ich  bin  so  ^ 

miltekait  und  erbärmde  daz  ich  dich  grütlich  enpfahe.      ker  wider  mit  rehU 

rilwe  und  such  trost  an  mir  mit  reht«r  demfttkait.  so  vindest  dn  mich'. 

Nu  sont  ir  wissen    daz  unser  herre   nit  allaine  ist  ain  veltbläme,   ei 

B  6ch    sinen    hainlichen    luten    ain  Ijli  in  dem  bescblossnen  g:arlen,    daz  ist  i 

dem  fridsamen  hertzen,  wen  dar  inue  wil  unser  herre  rüwen  süsseklich. 

swez    mentschen  hertze  er  also  rüwet,    dez  sele  hat  ^TÖden  und  wunnen  vü. 

ll?S'J   und  si   mag  wöI  sprechen,  alz  da  stat  geschriben  in  der  minne  buch; 

'kum   her,    min   geminter,    in    minen    garten,    knm    her,    süsser  gemahel,    min 

III  garte    ist  wol    geblumet    mit    aller    hande  lügend  mänigvaltig  und  ist  under-J 

mischet  mit  dem  gras  inneklicher  gh*de  nach   dir',    'nu  kum  her,  minner  del 

minne,    du    da    über  kripphet    all    sinne;    kum  in  dinen  garten  der  allum  , 

Ton  mir  zeschudioDe  dar  umbe  daz  ich  din  herce  aühti  unde  dine  sele  .  liebir  meusc 
d&r  an  gedenche  und  irbanne  dich  ubir  mich  elleudin,  wao  ich  baa  dur  dine  liebi  i 
15  virellendot   .    nu    gip    mir    din    herce    daz    ich    uf   ertriche    han  gesftchit,    gedeuche   ; 
an  mich    unde  kere  dich  her  ze  mir   unde   gip    mir  din  herce   zaiair  n'iwe  unde  dini 
zainir  minna^rin,    wan   dez   hab    ich   gegerot'  ,  nu    kere    widir,    Uebir   mensche,    ze   deme^ 
güzia  veltblumin ,    er  ist  so  toI  miltirbait  unde  irbermide  daz  er  dich  gütliche  eupbahit  . 
owe,  elliu   diu  menscbin  diu  sich   ie  von   disime  liebin  blümin  kerton,   diu  keren  hiute 

I  widire  mit   rehtir  rüwe  ze  ainer  gnade   unde  siiche  trost   an  sine  irbermide  mit  rehür  de-  _ 
niätichait,   wan  er  sprichit:  'alle  die  mich  siichint  mit  rehtir  demütlchail;,  die  aun  gnui 
und  trost  an  mir  viodin'. 

Hu  sunt  ir  wizsin   daz  unair  herre  niht  allaine  ist  ain  Teltblüme,   als  er  sich  aelln 
nemit,  er  ist  och  sinen  hainlichen  vriundin   ain  lylie  in  deme  beslozBinen  garten  . 

)  ze  gelicbir  wiz  alse  man  den  lylien  zallen  ziten  aihit  in  deme  beslozsinen  garten,  alsc 
Got  zallen  ziten  in  deme  Tridisamin  herein ;  wan  der  mensche  der  eich  vlizit  dai 
vride  behalte  mit  aime  iegelichin  menschin,  beidiu  uzwendich  und  inwendich,  an  worta 
und  an  wercbin,  unde  der  och  inwendig  het  ain  liilir  gemüte  ane  nit  und  ane  ubÜeii 
willen ,    der   ist    wol    ain    beslozsin   garte   der   sin    herce   also    besl^zset    dax    alle   arcwan ' 

)  unde  alle  nit  da  vor  miiz  beliben,  unde  och  sinen  munt  also  beelfizset  daz  er  niemanne 
niht  arges  sprichlt  hinder  ime  nob  vor  ime  unde  alliz  daz  zegOte  unde  ze  tugindiu 
keret  daz  er  sibt  unde  ho'rit:  der  mensche  ist  wol  ain  beslozine  garte  .  in  deme  garten 
wii  Got  rflwen  säzicliche  unde  vriuntliche  mit  der  liebun  sele  .  zeder  spncbit  ungir 
berre:   'sele,    mich  het  sere  gelüstet  daz  ich    din  antJiute  ane  siehe     .    so  macb   diu  sei« 

i  wol  sprechin:  'descendnt  amicus  meus  in  hortum'  .  also  sprichit  si  in  der  minne  bdcbe: 
'kum  her  nidir,  mm  geminnitir,  in  minen  garten  .  nu  kum  her,  süzir  gemahile,  min 
garte  ist  wol  gebIQmet  mit  allir  hande  tuginde  manicvalt  unde  ist  undir  mischet  mit 
deme  grase  innicUchir  girde  nah  dinem  bi  weeinne,  daz  die  sfele  sattot  mit  hunp'r  .  nu 
kum  her,   minner  der  minne,  diu  da  äbirtriSet  alle  sinne,  kum  in  dinen  garten,   der 


35.  descondit  G. 


1  Cant  a,  t;  4. 13:  5.  l.  9.  Cant.  5,  1;  6,  l. 


1 


60.  Von  des  balm  bomes  hczsichnaog. 


878 


mnret  ist  mit  vohrte  dine  liebi  ze  verliesend,  und  dar  zfi  mit  hfite  ze  allen 
ziten  din  hainlich  und  din  früntschaft  ze  behalteDue.  nu  koment  her,  Zuht 
und  Schäme,  stand  an  der  porten  und  Mtent  daz  der  minner  und  du  min- 
nerin  mit  dehainer  unzuht  iht  werdent  erweket'.  so  sprichet  denne  unser 
lieber  herre:  'ich  ivi!  nider  keren  in  minen  garten  und  wil  besehen  die  e 
binmen  in  dem  tal  und  daz  gras  und  wil  schowen  ob  die  rebe  blügent'. 
die  blünien  in  dem  tal  daz  sint  fl/S"/  die  rainnen  tugend  in  der  sele,  und 
dii  reb  daz  ist  frölichait  in  Gotte.  nu  sont  ir  wissen  daz  ain  ieglich  gut 
werch  ünsrem  heri'en  vröde  und  ere  git,  und  wirt  er  und  du  sele  ze  samen 
gemähelt  in  disem  garten,  eya,  wel  ain  wunneklicher  bomgart  daz  denn  l 
ist,  ez  ist  ain  hymelsches  paradys  der  wollust!  von  dirre  rainner  gemahel- 
schaft  sprichet  unser  herre:  'dis  fründin  han  ich  gar  sere  geminnet  und  bin 
mentsche  durch  ir  liebi  worden  und  han  arbait  durch  si  erlitten  all  da  her 
von  minen  kintlichen  tagen,  ich  bin  ain  minner  worden  irr  wolgetAni  und 
irs    minneklichen    geschepfdes.      dar    umb    starbe  ich  an  dem  crütze  daz  mir  1 

allumbe  muret  ist  mit  vorhte  dine  liebun  liebi  ze  virlieeinDB,  unde  dar  sA  mit  bitte 
zallen  ziten  dine  baiDlichi  unde  dine  vriuntschaft  ze  bebabinne  .  nu  kum  her,  Zuht 
unde  Schäme,  stant  ander  porte  unde  hätent  dnz  du  unde  diu  minnerin  mit  dehainre 
unzuht  iht  werden  irweckit  ,  nu  kuni  her,  min  urabevaher  unde  min  minnsere,  din  garte 
ist  harte  nol  beälozin  mit  deme  bIozb  der  minue  unde  der  demßtichalt'  .  so  sprichit  2 
denne  unsir  liebir  herre:  'ich  wil  nidir  etigea  in  minen  garten  unde  wil  aehin  die  blflmen 
in  deme  tal  unde  wil  sebin  die  blötnen  und  daz  gras  unde  wil  schowin  ob  die  rebin 
blAgen  ' .  nu  virnemint :  die  bblmen  in  deme  tal  daz  sint  die  rainen  tuginde  in  der  sele  . 
und  die  scho'nen  rebin  daz  ist  vro'lichait  iu  Gotte :  ewaz  dich  an  gange,  daz  dir  daz  si 
ain  vro^'de  in  Gotte  .  unde  in  allen  dinen  arbaitin  solt  du  rehte  aino  si'ize  vro'de  mit  2 
girde  bau,  daz  du  allewege  vro'licho  gerest  arbaitin  unde  kumbira  unde  not  in  der 
minne  dines  minnera  .  daz  sint  die  reben  in  der  seie,  die  bh'igent  ecbo^ne  unde  minnic- 
liche,  swenne  der  mensche  vro  ist  in  widirwerticbait  unde  allewege  gerot  daz  er  arbaite 
dur  Got  trage  .  undir  dien  bliimen  unde  bi  dien  rebon  räwet  unsir  herre,  als  er  selbe 
sprach:  'ich  han  gerdwet  undir  miner  gemabilun  sehnten,  unde  diu  frubt  ir  tuginde  3 
het  mich  gespiset,  unde  diu  sjdse  ist  mir  gar  afize  in  minim  mundo  unde  inmintr  kelun'. 
nu  sunt  ir  wizaen  daz  ain  iegelich  gut  wercb  unsirme  herren  vro'^de  unde  ere  git  .  in 
disime  besloiinen  garten  dez  rainen  hercen  wirt  Got  unde  diu  sele  rehte  zesfemine  ge- 
mrehilt,  daz  ist  ain  wnnicÜchir  bo'ngarte  unde  ist  ain  paradys  himilechir  wollust  da  diu 
sele  zoGotte  wirt  gefilget  .  von  dirre  rainun" gemahilschefte  sprichit  unsir  herre:  '( 
vriundinne  hau  ich  gar  sere  geminnet  unde  bin  mensche  dur  ir  üebi  wordin  unde  han 
arbaile  dur  si  gelitten  aldaher  von  minen  kintlichen  tagen  .  ich  bin  ain  minner  worden 
ir  antliutea ;  ir  scho'ni  und  ir  wolgetieni  unde  ir  minniciichun  geacbephide  het  mich  ge- 
machit  zaime   minntere  ,   dar  unibe   staip  ich   an  deme  criice  daz  mir  dieiu  vriundinne 


I 


1.  din'  A. 


.  sele  G,  spise  Z. 


87« 


.  Von  des  balmbomes  bozaichDQiig. 


disü  A-ändin  wnrde  ze  ainer  minnerin.  nu  ist  daz  geschehen:  ich  und 
9int  ains  worden,  ich  niet  mich  ir  und  si  sich  min',  nn  merkent  weder 
Got  her  nider  [173°]  kome  zu  der  sele  oder  aber  dii  sele  hin  uf  zu  Gotte. 
und  hörent  waz  Got  si.  Got  ist  der  gewalt,  du  wisshait  und  daz  obrost 
5  g^t,  wie  sol  nu  der  brnt  gezartet  von  im  werden?  daz  geschiht  in  dem 
gaiscblichen  gebet,  da  aller  flaischlicher  ding  vergessen  ist,  da  enphahet  er 
si  mit  süsser  minne  und  git  der  gehügde  gewalt  den  gemaheln  ze  vindenn  in 
dem  hymel  mit  den  gedenken,  und  git  der  vemuust  die  wishait  Got  wider 
in  sich  ze  ziehenn  mit  der  liaitren  widerbildunge,  alz  sich  Got  in  der  sele 
10  bildet,  daz  si  in  denne  mit  ir  hertzen  erkennend  und  sehend  wirt  an  der 
bildong    die    si  von    im  enphangeu  hat.      so  git  ir  denne  du  obrost  gäti  ain 


wrde  zninir  minnterin,  unde  daz  ich  unde  si  liepiiche  zesamine  wrde  gefflget'.  nu  ist  dai 
geachohin  ia  deine  bealozinen  gartiii,  da  rfiwet  Got  unde  diu  srelige  sele  mit  ain  andiren, 
da  nietet  sich  diu  sele  ainer  srizichait,  ala  si  spricbit  in  der  minne  bfiche:  'ich  brz  undir 

IS  eime  schatten,  dez  ich  ie  gerte  unde  eines  adzin  wckira  nietotle  ich  mich'  .  daz  wort  ist 
also  ze  virnEcminne  alse  ei  spreche:  'ich  han  mich  rehte  gemiiziget  unde  geaetzit  lerÜ- 
winne,  ich  milte  mich  ze  lalninne  an  den  wisin  etan  siner  menschait  und  lief  uf  zewar- 
tenne  hungerigiu  an  den  ediln  wekir  ainer  gothail  unde  ich  ellendiu  ze  kfilenne  undir 
deme  schattin  dez  hailigen  gaiales  .  o  we  sftziu  eele,    wie  rehte  minniclich  disiu  rilwe  ist, 

30  da  Got  rüwet  in  dime  paradyae,  diz  ist  din  biflgindia  herce  in  allen  tuginden,  unde  din 
aele  rriwet  undir  sime  gotlicbin  schattin  .  geeah  Got  die  sele  diu  mit  rebtir  girde  nlwet 
unde  irkület  wirt  undir  deme  hailigen  schatten  dez  hailigen  gaiatee,  diu  sele  mach  wol 
genesin  vor  allir  vraisel  zu  der  sele  apnchit  unsir  herre  ^n  der  minne  bilche:  owe  wie 
echo'ne  du  bist  in  dime  zart£,  winie  du  min  llebistiu' .  nu  merckint  wedir  der  zart  Gottes 

25  si  ze  der  sele  aide  von  der  sele  ze  Gotle,  und  welch  sele  dez  zartes  nirdich  si  .  un- 
trdwen  daz  sint  die  die  durnehtiges  und  demt'^tiges  hercen  sint  .  ez  ensint  niut  die 
valschin  gaistjiche  noh  sint  die  gelichsendin  ;  ez  sint  och  nibt  die  hindirrede  spulgint 
unde  virkerer,  ez  sint  die  demfitigea  hercen  sint  unde  die  sich  seibin  vinrerfent  unde 
andir  liul«  irho'hint:   daz  sint  die  dien  Got  zarton  wi!   mit  einer  gnade  .   nu  merchint 

30  waz  dise  zart  ei,  wedir  Got  her  nider  kome  zu  der  sele  aide  diu  eele  hin  uf  ze  Gotte .  nu 
hoMnt  waz  Got  si  .  dez  antwrte  ich:  er  ist  der  gewalt,  diu  wishait  unde  daz  oberoste 
gflt  .  wie  sol  nu  der  briute  von  ime  gezartot  werdin  ?  daz  geschiht  in  deme  gaistlichin 
gebette,  da  allir  vlaischlichir  dinge  virgszsin  ist,  da  enphahit  er  dich  mit  silzir  minne 
unde   git  diner  gehugide  gewalt  duz  du   dinen    gemahiln  vinde-et  in  dien    ho'hsLen  himilu 

85  mit  dinen  gedanchin  .  in  der  bescho'wide  so  git  er  diner  vimust  die  wishait  daz  st  Got 
widlr  in  sich  zdchit  mit  der  hailrun  widir  bildunge,  alse  sich  Got  in  der  sele  bildot  . 
unde  also  luter  so  din  virnunst  denne  iat,  also  raine  ist  och  din  berce  unde  also  wol 
mäht  du  Got  geaehin  unde  irkennen  an  der  lutinm  widirbJldunge  die  si  von  ime  het 
enphangen  .    so  bringet  dir   denne    diu   oberoste    gOti   aine   hitze   in  dine   sele,   unde  diu 


1  a. 


S7.  also  fehlt  6. 


1  f.  vgl.  Cant.  6,  S. 


2 


SU.  Von  des  battn  bomea  bczaichuang. 


8Tt< 


iü  den  zart  f&get  daz  du  eele  im  gemaheln  trätet  und  umbvaht  mit 
hitze  in  sfisser  minne  und  nietet  sich  sin  in  volleklicher  vröde  und  liat  ao 
[173'']  im  voUeu  trost,  gantz  girde  an  gebresten  aller  ding,    doch  eumag  der 

'  schlaf  nit  lang  sin,  aber  die  wile  daz  es  ist,    so  müz  si  geswigen  allez  dez 
Sterbens    daz    an    der    mentschait    ist      der   munt    enredet   nit,    noch   dekain  a 
gelid  rüret  sich,    disü  süssekait  ist  über  mentscblich  kraft,  und  bi  der  gnade 
ist    enkain    äaischlicb    akust;    allä    Untugend   und  äUü  valschbait  ist  der  ron     _ 
geschaiden,  da  wonet  nit  won  du  hymelscb  tugend.  I 

Swer    nu  Got    zft   aim  gemaheln  welli  han,    der  hüti  sich  vor  allen  an- 

.  tagenden    nnd    entlidge    sich  vor    allem    üppigen  zart   dirre  sterbenden  frönt-  lo 


^^B  34.  1 


hitze  fdget  den  zart  daz  diu  sele  ir  gemahilen  triutet  unde  umbeyahit  in  mit 
grozir  bitzc  in  snzir  micne  unde  nietet  sich  ein  mit  voUiclichir  vro'de  unde  het  an 
ime  vollen  trost,  ganze  girde  ane  brestin  allir  dinge  unz  an  in  ainen  .  doh  enmak 
der  slaf  niht  lenge  sin ,  abir  die  wile  unz  daz  ist,  so  mflz  ein  geswigin  alliz  daz 
st«rbindes  an  der  menschait  ist:  der  munt  der  enredit  niht  noh  diu  totliche  zunge, 
Bunder  In  der  stunde  bittent  alle  die  krefte  dez  inren  menachin  ane  eer  unde  ane  kre- 
dime  .  unde  du  eolt  niht  wxnen  daz  du  dich  die  wile  sumest  mit  deme  awigenne  an 
\  deme  gebette ;  fflr  dich  betlot  der  wiae  wistfin,  din  liebir  bnlder  Jhesus  Christus,  ze 
I  deme  vatir  in  die  hohun  magiokraft,  unde  din  und  ein  vatir  der  git  dime  gemahiln  dem 
balligen  gaiste  ze  wizsinne  alle  dine  notdurfte  unde  iroffinot  itne  alliz  dez  du  bedarft  . 
dez  du  jocb  niht  gebitten  kanat  noh  gegeron,  daz  orJinot  dir  alliz  din  liebir  vatir  dur 
den  hailigen  gaist  .  do  enmach  diu  stunde  niht  lenge  ain,  wnn  diu  vro'de  unde  diu 
HÜzichait  iat  übir  menschliche  kraft,  und  bi  der  gnade  ist  enhain  velscL  noh  akust ;  alle 
UDtugint  unde  alle  valscbait  ist  davon  geacbaidin,  sundir  da  wonet  diu  bimilsche  tugint: 
dez  menachin  wort  unde  werck  und  alliz  ein  lebin  ist  rehte  undir  andiren  menschon  als  25 
ain  bhigindes  paradis  .  nu  eunt  ir,  liebin  juncvrownn,  die  Gottes  brät«  wellen  sin,  die 
8un  sich  wol  bewam  unde  behilten  daz  der  rifle  unde  daz  milto"  in  daz  blüginde 
paradjs  iwira  herccn  niht  konie ,  wan  daz  niackit  dürre  unde  top  dez  rosin  wcktr  unde 
den  süzin  w'cbir  iwirre  tuginde,  under  de«e  Got  mit  der  sele  rflwen  wil  unde  von  dien 
er  gespielt  wil  werdin  .  wan  diz  ist  der  beslozine  garle  da  Got  unde  diu  sele  zainandir  3« 
gefüget  Bun  werden  unde  gemtebilt  .  nu  virnim,  liebiu  juncvro'we,  diu  da  wüt  sin  ain 
vriundin  unde  ain  gemnhile  dez  W^mea  minners,  ich  rate  dir  daz  daz  du  dich  ent- 
ladest und  Erledigest  von  allime  üppigen  zarte  dirre  sterbintun  vriunschefte,  diu  biute  I 
ist  unde  mome  niht  .  wilt  du  komen  zil  deme  obirostcn  zarte  dines  minnera,  so  vhfh  ' 
allin  den  zart  der  unslceiichait  unde  ker  allin  dinen  vliz  vie  du  dinen  minner,  dinen  35 
gemahiln  von  allime  dinie  hercen,  von  allen  dinen  sinnen,  von  allen  dinen  kreftin  liep 
gehabest;  da  nah  ker  dinen  vliz  an  din  inres  paradys,  wie  du  daz  gezierest  unde  ge- 
blOmest  mit  allir  bände  tuginde. 

8o  wahsit    in   dir  ain  bon,    der  baizit  Got  der  wiahalt,    daz    ist  diu  wlsbait  diu    in 
der  hailigon  hercen   als  in  aime  ungesihtigen  paradyse  wirt  gebom:   mit  der  vorbt«  wirt  40 


i 


27,  miltü  (?,  railtv  Z, 


lilta-w 


W. 


29.  vndo  denno  ff. 


i 


276  61>  Von  des  balm  bomes  bezaichnang. 

Schaft,    du    h&te    ist  und  mom  nit,    and  legent  üwer  minne  und  üwren  zaxtJ 
an    den    allaine    dez    minne    nnd   dez    zart   niemer   zergat,    daz    ist   der  rainj 

süss  Got. 

[6LJ  Ton  sant  Paulas  bekerde. 

l         [Bmiamin:    amantissimus    domini    kabitahit   confidenter   in   eo,    guasi 
thalamo  tota  die  morabitur   et   inter  kumeros   etc.] 

'Benjamin    ist  Got    aller    liebst",    soss    list    man    in  aim   böche,   haissrffl 
Nnmeri.     da  liset  man,  do  her  [173']   Moyses  sterben  wolte.    do  gab  er  den 
zwelf  sünen  hern  Jacobes  sinen  segen,     und  waz  ainer  under  in  der  jüngste, 
lü  dem  wart  dirr  segen  gegeben:  ■Benjamin  ist  aller  liebste  Got  und  getar  sin 
leben    getursteklich   verwandlen,    und  Got  wandelt    in    im    alz    au   aim  bette  J 
I     nnd  ruwet  uff  sinen  achslen'.  I 

Hie  bi  ist  bezaichent    der  gut  sant  Paulus,    der  och  von  Benjamins  gft-" 
schläbte  geboren  ist. 
15  Gotte    ist    er    aller    liebest,    daz    merkent  wir  dar  an  an  siner  herlichen 

bekerde.  an  der  ogte  im  unser  herre  vier  sunderlich  ere  vor  andren  haiigen, 
du  ei-ste  ist:  do  er  uff  dem  weg  waz  alz  er  Christus  namen  wolte  durch 
Ähten  nnd  er  reht  mit  bertzen  und  mit  libe  wider  Gotte  waz,  da  ogte  im 
linser  herre  sin  erbärrade  und  schlug  in  nider  uff  dem  weg  und  sprach  zft 
20  im:  'Saule,  Säule  war  umb  durch  ähtest  du  mich?'  do  sprach  er  zehant:  J 
[173^]  'o  hen-e,  waz  wilt  du  daz  ich  tügi?"   und  waz  zehant  gehorsam,  und  1 

er  gesegit,  mit  der  gnade  wirt  er  gefnhtet,  mit  denie  amerzin  slirbit  er,  mit  der  gQlo''be 
wraet  er,  mit  der  acdaht  entriDiiet  er,  mit  deme  truresne  höhet  er,  mit  der  girde 
wahsit  er,  mit  der  minne  aol  er  Btarchln,  mit  der  gedinge  grünet  er,  mit  der  be- 
25  schaidinhait  lobet  er  unde  spraitet  sine  eate,  mit  der  züht  blögit  er,  mit  der  tu|^Qt 
bringet  er  fruht,  mit  der  gedult  riSet  er,  mit  deme  tode  brichit  man  in,  mit  der  be- 
acho'wide  Bpiset  er. 

4.  ÜbtncJmft  fehlt  G,  Von  hern  Moyses  (rot)  Z,  Senno  de  sancto  Paulo  und  am  Band  XXVI  W,M 
De  coDYBisione  r.  Pauli  Arvndel.  5,  6  fehlt  A.         7.  Ben.  —  bflche]  Disiv  wort  lisot  man  i.  ^ 

a.  bflche  daz  O.  S.  Numeri]  I.  Deuteronomium.  do  h.  M.]  uon  hern  M.  do  der  G.  Ü.  waz  — 
jüngste]  beDyamin  der  waz  der  iungiate  .  vndir  ienen  G.  10,  Ben.  ^  Oot]  Bcniamin  amantisai- 
muB  ,  daz  apricbit  alsc  vil  b.  der  ist  gotie  allir  lieblet  G.  11.  in)  an  G.  12.  vnde  got  r. 

aa  sinen  ahsilon  .  vndir  sinea  aheilon  G.  13.  Hie  bi]  Bi  bcniamin  G.  13  f.  der  ocb  — 

15  dar  an]  vn  ist  o.  geb.  v.  b.  g.  vnde  ist  och  gelich  beniamin  an  den  worten  .  Daz  erste  wort 
daz  er  sprach  Beniamin  ist  gotte  der  liobislc .  dar  an  Ist  der  gäto  sanctus  paulus  wol  gelich  bcn- 
iamin ,  wan  er  ist  gotto  allir  liebist .  daz  mugont  ir  wol  merkin  G.  11.  Daa  erste  daz  ist  do 
der  groze  sanctua  Paulus  vf  G.         19.  de  Ä,  deme  G.         20.  zehant  .  tO  antwrte  ime  C 
21.  ich  nn  t.  G.        waz  rehte  suhant  g.  der  gnade  vnde  O.         37.  nach  ei]  alzo  gcsche'ch  va»M 
Duoh  amen  W. 

4.  Die  Predigt  steht  in  Ö  BI.  94'.    Z  BI.  HO'',    W  BI.  U8\    H  Nr.  18,   Arundel  BI.  90'; 
fehlt  Pliill.  5.  Dmt.  33,  IS.  17  f.  Act.  9. 


do  im  dfi  gnade  erst  wart  gegeben,  do  übt  er  si.  daz  ander  daz  waz  daz  sin 
bekerde  der  cristenhait  nütz  waz  und  vil  nützer  denne  ie  dehaitis  bailgen; 
won  er  waz  der  gröste  und  der  beste  prediger  der  ane  Gottes  sun  ie  wart, 
und  wart  von  nie  dekaime  so  vil  geleret  so  von  im,  daz  dritte  waz  daz 
ain  vil  wunderliches  lieht  von  hymel  kam  an  die  »tatt  da  sin  bekerde  waz, 
und  wart  ain  schönnü  klarhält  da.  daz  vierde  waz  daz  Got  selbe  an  siner 
bekerde  waz;  daz  ist  vil  wol  ain  sunderlichü  ere  und  ain  grössü  liebi  daz 
Got  voji  h^mel  her  ab  kam  zu  siner  bekerde ,  und  kam  mit  also  grösser 
schonhait   daz    ez    mentschen  oge   nit  moht   gesehen,      von   disen    vier   dingen 

[  begat  man  diz  bekerde  für  ander  haiigen. 

I  Öch  Diugent  ir  au  drin  dingen  merken  {174']  daz  er  Gotte  liep  waz.  swer 

zu  Gotte  aller  gröst  liebi  hat,  den  minnet  och  unser  herre  hin  wider  aller 
maist.  nu  sont  ir  wissen  daz  sant  Paulus  die  aller  grÖste  niinue  hatte  die 
kain  irdescher  mentsche  gehaben  ie  mohte,  so  stark  waz  er  an  der  minne 
daz  er  sprach:  'ich  bin  dez  sicher  daz  mich  weder  swert  noch  der  tot  noch 
dehain  ding  von  Gotte  geschaiden  mag',  nu  sont  ir  merken  driger  hande 
lüte  die  minnent.  die  ersten  die  minnent  sfeÄteklieh;  daz  sint  weltlich  lüte, 
die  minnent  irdeschü  ding  alz  vil  daz  nit  gantzer  minne  da  mag  gesin.  daz 
mngent  ir  merken  an  aim  ieglicheu  dinge,  swaz  wite  zertaillet  ist,  daz  ist 
minder  denn  ob  ez  bi  enander  wire.  also  ist  ez  umb  der  weltlichen  Kit 
minne.  si  minnent  kint  und  fründ  unde  gut  und  ere  und  weitlich  vröde, 
und  ist  also  ir  minne  getaillet  daz  si  Got  vil  khiß?4''Jue  minnent.  da  von 
sprichet  ain  wis  man:  'sehent  daz  ir  nit  minnent  den  tot  in  dem  ierrod 
üwera  lebeus'.  er  spricht  och  me:  'ir  die  da  minnent  die  weit,  die  sont 
gescheut  werden  an  dem  jüngsten  tag',  die  ander  lüte  minnent  grozlicher 
und  höher,  daz  sint  die  guten  vrowen  die  durch  Gottes  minne  witwa  bli- 
bent.     die  gelichent  sich  der  turteltuben:  so  du  ir  gemÄchde  verlüret,  so  ist 

I  si  iemer  me  aine  und  sitzet  uff  daz  dürre  zwi  und  lat  daz  grüne  stan  da 
bi  also  tünt  och  die  künschen  vrowen;  die  lassent  allez  irdesch  liep  durch 
die    minne  Gottes,      die    dritten    lüte    die   minnent  ain  volkomen  minne,    daz 

'  ßint  gaischlich  lüte.     die  minnent  also  sere  daz  si  von  minnen  sterbent.      nu 


I 


1  bekerdo  waz  .  daz  m 
[  Im]  div  criatenhait  uon  nie  euhaimc  haili'gcn  a.  \ 
B.  paulo  G.        waz|  daz  an  sinor  bekerde  waz  . 
;.  clariv  Hclionhait  G.        waz]  ilaz  ist  G. 


t  O.  2.  hailigen  wrdo  G.         4.  von  nie  — 

g.  so  von  deme  grozin  vnde  uon  dcmo  ediln 
az  ist  daz  Ö.  5.  vil  wund.]  wnniclichis  G. 
7.  und  ain]  vndo  G.         8.  von  fehlt  A. 


menschlichiv  o'g'cn  n.  g.  mohton  .  Hie  an  zaigite  unsir  herre  8.  paulo  sundirlichi  liebi  .  vnde 
I  aon  G.        hl.  diz]  sine  G.         II.  waz  .  daz  merckint  dar  an  .  Bwer  G.         13.  allei-  gr.]  gro'stun 
1  vnde  dieho'hstun  G.        14.  ie  fehlt  G.        Mf.  so  — Bprach]  er  w.  also  st  a.  d.  m.  do  er  8pr.  G. 
16.  vor  nu]  wan  er  do  got  alau  Btarcliclie  nninnote  .  da  uou  minnoto  o'ch  in  uneir  herre  G. 
IT.  siehticiiche  G,  stäteklich  A.  l'J.  ir  wol  m.  0.  211.  enander]  aime  andirn  Q. 

\  ai.  kint .  yrinodo  G.        22.  ist  —  minne]  ir  herein  m.  ist  G.        24.  me  fehlt  G.       25.  geschendit  G. 
Uvte  die  m,  G.  27.  ir  gesellin  vnde  ir  gemschit  G. 


15.  Eom.  ■ 


27.  vgl.  S.  61  Z.  1  ff. 


61,  Von  sant  Paulus  bekerde. 

sont  ir  merken  wie  st  sterbent.  si  sterbent  der  weite  und  überwindent 
daz  flaisch  und  die  weit  und  den  tiivel  und  lebent  engelschliehen  in  flaiscU- 
lieber  nature.  die  mugent  wol  [174'}  mit  Paulo  sprechen,  alz  man  von  im 
liset,  do  er  nider  geviel  uff  dem  weg,  do  er  bekeret  wart,  do  sprach  er: 
5  'ich  wider  sag  aller  der  krankait  raines  Ubes  und  aller  der  girde  dirr  weite 
and  aller  der  bekorung  des  tuTels'.  und  daz  mugent  wol  gaischlich  lüt  och 
sprechen,  won  si  widersagent  und  stritent  wider  irem  fiaische  und  wider 
der  weite  und  wider  dem  tiivel.  dez  hilfet  in  alles  dii  minne,  won  si  min-  , 
nent  Got    alz    atarklich    daz    si    sich    enzihent   aller  irdescher  ding  und  aller 

10  weltlicher  wunne,  und  sprecbent  also:  'daz  rieh  dirre  weite  und  aller  zer- 
gauglicher  vröde  habe  ich  versmahe(  durch  die  minne  Gottes,  raines  lieben 
herren  Jhesu  Christi,  und  an  in  allaine  ban  ich  alle  mine  minne  geleit  und 
mine  zuversiht'.  von  der  minne  sprichet  du  sele  in  Canticis:  'dii  minne  ist 
sterker    denn    der    tot',      daz    mag  si  wol    sprechen,    won    si    überwindet  den 

15  tot  an  ir,  daz  si  sich  e  tusent  stunt  liessi  töten  e  si  sich  von  [174''}  Gotte 
iemer  geschiede,  da  von  spricht  ain  bailig  man:  "dil  minne  ist  ain  anvang 
und  ain  mittel  belferin  und  ain  volffirerin'.  also  spricht  sant  Augustinus: 
'dil  tögnen  und  du  verborgnen  ding  in  den  Rötlichen  Worten  die  werdent  uf 
getan  dem  mentscben  der  die  minne  bat'. 

2U         Nu    merkent    daz    ander  wort    daz    er  spricht:    'Benyamin  getar  wol  sin 

^  leben  gewandeln',  daz  ist  och  be^aicAenlieh  an  Paulo  daz  er  getärstig  waz 
and  stark  do  man  in  schlug  und  stiess,  und  swaz  man  im  uugnaden  tet, 
daz  er  dar  umb  siuer  rebtekait  nit  liess.  und  do  man  in  joch  töten  weite, 
do  waz  er  doch  stark  und  getürstig  an  sim  rebten.  also  sont  och  gaisch- 
25  lieh  lüte  starke  sin,  daz  si  ir  reht  ibt  lassent,  swaz  arbait  si  ane  gat;  und 
sont  krefteklich  striten  wider  den  tüvel  und  wider  aller  flaischlicher  girde. 
da  von  spricht  her  Salomon:  'ich  rate  dir,  gaisch/i?5"/licher  mentscb,  daz 
du  stark  und  vest  sigist  an  Gotte'.  la  dich  nit  überwinden;  die  bösen 
gaister  die  dich  versüchent  und  dich  went  betriegen,  stant  vast  wider  dem 
so  ungetrüwen  rat;  sin  rat  ist  also  valsch  daz  im  nieman  volgen  sol. 

2.  daz]  ir  Q.  3.  die  livte  ni.  B.  e,  pauio  O.  S.  sage  minem  biäte  .  vn  minem 

tvluBcbe  .  daz  waz  alao  ail  gosprachin  .  ich  widir  sage  alür  ininer  kr.  m.  libee  Q.        dirr]  der  Q. 
6.  und  daz]  Daz  wort  ff,        och  fehlt  G.        7.  spr.  mit .  b.  paulo  .  wan  Q.       '  f.  vnde  widir 
Btritent  ir  vi,  v,  widir  d.  w.  ff.         8.  t.  vnde  dez  G.       alles  fehlt  O.        9.  Btarkl,]  »ichirliche  O. 
10.  ich  A.        dirrc]  der  O.         10/'.  hesser  alle  zirKanclidie  ff.  11.  v^Buiahe  A.         Gotte« 

fthlt  Q.  17.  aprichit  o'cb  ff.  18.  und  —  ding]  dinch  .  vnde  div  dinch  div  da  uirborgin 

mt  ff,        tStlicbcQ  A.         19.  hat  an  sinen  sitten  ff.         20.  wol  fd\U  G.         21.  lebin  goturetic- 
liehe  gew.  ff.  beacbaidenlich  A.  21  f.  an  eancto  p.  d.  er  starck  vnde  get.  waz  anume 

lebinae  .  er  waz  also  stark  G.         12.  man  im  —  ücbb]  vngn.  ime  icmaii  t.  dar  umbe  liez  er  niht 
aiao  rehtichait  .  vnde  cDwoltc  ein  rchi  dur  iiieman  lazen  G.         23.  jochl  rehte  ff.  25.  da» - 

gat]  swaz  arbait  s.  a.  g.  dar  umbe  sau  s.  i.  r.  niht  lazin  .  siv  sun  starch  giu  in  der  not  Q. 
S7.  her  fthlt  O.  30.  valsch  .  vnde  also  gar  vntugintlich  O. 


I 


I 


13  f.  Cant.  8,  6.         27  f.  Ecdi.  5, 12. 


61.  Von  sant  PaduB  bekerde. 


an  I 


Nu  merkent  daz  dritte  wort  daz  da  sprichet:  'Got  wandelt  an  Benya- 
nüu  alz  an  aim  bette',  daz  ist  ocli  bezaichent  bi  sant  Faulen,  daz  er  frid- 
sam  waz;  won  daz  Got  an  im  und  in  im  waz,  daz  ist  ain  zaichen  und  ain 
Urkunde  daz  er  fridsam  waz.  won  unser  herre  sprichet:  'ich  wil  in  nieman 
rüwen  won  da  ich  frid  viude'.  nu  merkent  vier  ding  du  den  frid  ierrent.  s 
daz  ain  ist  der  tiivel,  der  ist  dez  mentschen  widersacli.  er  setzet  sich  mit 
allen  den  listen  die  er  vinden  kau,  wider  den  mentschen.  da  von  sprichet 
sant  Peter:  'min  lieben  brüder,  sint  waker  und  umbsehent  üch,  won  der 
tüvel  üwer  1170"]  widersacbe  gat  umb  lügende  und  ginet  alz  ain  lügender 
low,  ahtend  wen  er  verschlinde'.  hütend  üch  flisseklich,  won  der  tüvel 
der  diep,  der  ze  allen  ziten  gat  värende  wie  er  die  sei  verstele!  also  liset 
man  von  sant  Bernhart:  der  waz  ze  ainem  male  in  aines  mannes  hus,  und 
_do  er  dez  nahtes  nider  kam,  do  kam  der  tüvel  in  ainer  vrowen  glichuust 
IDnd  wolt  in  versuchen,  do  schre  er  vil  lüte:  'iiie  diep,  hie  diep'.  do  für 
der  wirt  uf  und  kam  dar  und  sprach:  'wa  diep,  wa  diep?'  do  sprach  er:  ul 
'der  tüvel  waz  hie  und  wolt  mir  min  sei  veratelen'.  also  solt  du  wissen 
daz  der  tüvel  ain  diep  ist,  der  din  alle  zit  varet.  da  wider  solt  du  stark 
sin  und  solt  im  starklich  widerstan  und  solt  sinen  rat  fliehen  reht  als 
ain  schoss  daz  du  fürhtest  daz  er  dir  durch  din  hertze  gange,  noch  me 
fiuh  die  Sünde,  du  schleht  die  sei  ze  tode!  da  von  spricht  her  Salomon:  s 
,  'reht  alz  du  schlahest  ainen  schlangen,  {1?5']  so  er  gegen  loffet,  und  flühest, 
kalso  solt  du  fliehen  die  sünde.'  daz  ander  ist  der  lip.  dirr  vigint  ist  vil 
i Bach  rite,  er  gat  mit  dir  ze  bette,  ze  chore  und  swa  du  hin  kerest,  da 
'  gat  er  allez  mit  dir.  wie  wir  den  vigint  überwindent,  daz  leret  uns  aiu 
wiser  man.  'es  ist',  sprichet  er,  'euhain  ding  so  wAge  so  daz  du  in  dike  is] 
zer  tröschest,  und  zuke  im  daz  fiiter  so  er  widerhörig  si,  untz  daz  er  vil 
gevellig  werde',  daz  spricht  sant  Bernhart:  'kestig  dinen  lip  so  er  ze 
gail  welle  sin,  und  truk  in  mit  arbait  und  schlahe  in  vast  untz  er  erken- 
nend werde  daz  er  der  sele  kuebt  si  und  du  sele  von  rehter  edli  ain  küni- 
ginne  ist '.  daz  dritte  ist  der  eben  mentsch ,  von  dem  m&st  du  dike  mAnig  n  I 
schoss  enpfalien;  daz  mäht  du  mit  dekainem  ding  so  wol  verkomen  so  daz 
du  allez  aw  miltekait  für  bietest,    sprichet  dir  ieman  herteklich  zu,  dez  antwüi't 


t 


1.  da)  er  G.         2.  bij  an  dcrao  guten  G.  3.  im  waul  ime  wandilole  G.  4  /■,  in  — 

'«Owen]  niene  sin  G.  ich  räwo  vndo  vride  immc  herein  vinde  G.  S.  waker]  stai'ch  Qode 

ttut  uaste  G.         9.  üwer  w.  fehlt  G.         10.  ahtend  —  verBcbl.J  vado  wil  Ivch  uirslinden  &. 
11.  vor  ze]  da  G.         er  iv  die  G.  16.  der  t.  der  waz  G.  n.  ain  d.  ist]  ist  der  d.  G. 

18.  slarklich]  krefticliche  ß.  20.  dino  sele  G.        her  fehlt  G.         21.  er  —  flüheat]  du  in  sihst 

gegtn  dir  lü'fen  G.  lofTcat  A.  22.  dv  A.  iindir  daz  den  vride  irret  .  daz  ist  G. 

dirr)  der  G.  23.  zem  bette  .  vnde  gat  mit  dir  zokorc  G.         24.  allez  fehlt  G.        Wie  du  d. 

T.  ü.  Bolt  .  daz  G.         26.  es  —  er]  Er  spr.  cz  eiilst  G.         27.  Bpr.  o'cb  a.  G.         29.  ai]  ist  G. 

30-  ist  der]  daz  den  vrido  irret  daz  ist  din  G,        dike  fekUG.         31.  verk]  übir  kon  G. 
32.  sin  A.       ieman]  din  ewestir  G,  din  prüder  WZ.        dez  antw.]  daz  widir  sprich  G. 


4.  im  Atudtlvfl  an  Joan.  14,  27? 


8.  I.  I'elr.  5,  f 


21.  Ecdi.Sl,3. 


N 


280  61.  Von  sant  PanluB  bekenk. 

du  Undeklich  zu;  ge/i757bare  ieman  wider  dich  unwirdeklich,  dem  wider* 
gebare  aber  du  gütlich,  und  kurzlich,  swaz  dir  ieman  Übels  lüge,  so  tu  du 
da  wider  gut!  daz  leret  uns  ain  wiser  man  und  spricbet:  'du  mäht  mit 
dehaim  ding  so  wol  übel  überwinden  so  da  mitte  daz  du  gut  wider  übel 
5  gebest*,  da  von  spricht  Ysidorus :  'ez  ist  ain  grössü  lugend  und  aiu 
grössü  kraft  daz  du  dem  wol  tust  der  dir  übel  tut*,  'ez  ist',  spricht  sant 
Augustinus,  'daz  obrost  urkünd  der  mione  daz  du  den  minnest  der  din 
widersach  ist',  daz  vierde  ist  du  weit,  du  vilitet  dich  ze  allen  ziteu  au 
und   leit    dem  mentschen  mänig  uppekait  für.     da  von  sprichet  her  Salomon: 

10  'ez  ist  ain  uppigü  vrftde  und  ain  unstätu  gezierde,  du  wunne  dirr  weit', 
'du  weit',  sprichet  du  schrift,  'ist  vol  strike  und  vol  der  sünden',  also  liset 
mau  von  aim  hailgeu,  dem  wart  erzaiget  daz  du  weit  vol  [176'J  strike 
waz,  do  sprach  er:  'owe,  herre,  wer  mag  us  disen  striken  komen  daz  er  nit 
valle?"    do  antwurt  im  der  engel  und  sprach:  'daz  sont  die  demütigen  lüte', 

15  die  entrinnent  disen  striken  und  och  nieman  anders,  man  liset  von  dem 
bereu:  so  man  den  vahen  wil,  so  lait  man  im  ainen  strik;  und  so  er 
kumet  dar,  so  tmket  er  sicli  so  er  iemer  tieffost  mag,  und  nimet  die  strike 
und  wirfet  si  über  daz  höbet  und  gat  dar  under  hin.  also  sol  der  mentsche 
tun;    er    sol    sich    trnken    mit    der    demüt    und    sol    die    strike    alle    über 

20  daz  höbet  werfen. 

Nu  sont  ir  merken  daz  vierde  wort  daz  er  da  sprichet:  'Benyamin,  Got 
i-uwet  under  diner  achslen".  daz  ist  also  vil  gesprochen:  Giot  rüwet  uff 
diner  gedultekait.  da  sont  wir  aber  merken  an  sant  Paulen,  wan  er  waz 
gedultig.      bi    den    ahslen    ist    bezaichent    die    arbait,    und    also    die    ahslen 

25  die  a.T[176''Jba,it  tragent,  also  treit  daz  hertze  gedultekait,  und  in  der  rüwet 
unser  herre.  man  liset  von  sant  Paule  daz  er  alz  gedultig  waz  daz  er 
sich  reht  sere  vrowte  so  in  arbait  an  gieng.  also  sol  och  daz  mentsche 
aUe  die  arbait  die  uff  ez  mugent  gevallen,  gedulteklich  tragen,  anders  Got 
gerüwet  nit  in  sinem   hertzen.    wilt  du  denne  daz  Got  in  dim  heilzen  ruwe, 

M  so  solt  du  gedultig  sin  in  der  arbait.  gedenke  an  der  haiigen  gedultekait! 
man    liset  von    sant  Laurencien  daz   er  uff   dem  röste  \&g  also  süsseklicb  alz 

1.  zä  fehlt  O.        ieman  —  dich]  ai  G.        vnwertliche  G.        dem]  da  G.        2.  aber  fehlt  G. 
so]  da  G.  3.  da  w.  g.]  giii  widir  G.        üna  fehlt  G.        4.  wol  fibel]  uil  G.        6.  ^r.  b.  y».  G. 

Sf.ez  —  Aug.]  Also  epr.  s.  Aug.  Diz  ist  G.  B.  daz  \-ier(Ie]  alse  den  du  beclaidit  hcBt  mit 
gdte  .  Daz  V.  daz  den  vnvrido  macbit  daz  iBt  G.  ziCen]  Btnndia  G.  9.  her  fdiU  G. 
10.  vrftde]  gezierde  G.  geaierde]  wo'de  G.  11.  dfl  w.  ^  Bünden]  daz  wip  div  got  (örhtct  div 
Bol  gelobit  werdiQ  .  da  uou  so  bazecnt  die  weit .  wan  ei  ist  bo'se  vndo  vnstste  .  Dauon  Hprichit 
div  scbrift  ■  Liebin  kint  .  vliehint  die  weit  .  wan  si  iat  uoi  stricke  .  uudc  lago  der  sündc  G. 
12.  du]  elliv  div  G.  11.  und  spr.  fehlt  G.  16.  ime  stricke  G.  IT.  dunekut  G.  IS.  gat  er 
drundir  hin  G.  21.  da  fehlt  G.  22.  diaen  a.  G.  23.  aber  fehlt  Ä.  wa  am  Ende  der 

Zeile  A.        24.  iw  bi]  da  uon  rüwet  got  undir  sincn  ahsilon  G.        »nt  G.       die  — ahaico /'cAIf  J. 

2G.  die  gcd.  vnde  in  der  gednlticfaait  r.  G.       26.  uon  dcmc  grozin  s.  G.        2T.  eero  fehlt  G. 

och  d.  m.]  daz  mensche  t&n  .  cz  eol  ß.        28.  also  A.       ged.  uB  gütliche  tr.  G.        31.  las  A. 


10.  im  Aiuchluß  an  Ecde.  1. 14;  3,  llf  II.  t'm  AsuMuß  an  Ps.  123,  7;  Eeeii.  9,  20. 


•3,  r.-^fitcKTär^äöT'^^B 


t  Paulus  bekerdo. 


er   in   rosen    läge,      man    liset    von    sant  Andresen    daz    er  rehte  spilende   zft 
dem  crütze  gie,  und  sant  Paulus  und  mänig  ander  haiige,  von  den  man  Itsel 
daz  si  arbait    und    not    littent    also  vrölich    alz   ez    in    ain  gemach  wflre  nnd 
aiu  vrÖde.      dis    sol    dir    allez    ain  spiegel  sin  und  ain  bilde  daz  och  du  ge- 
dultig   sigist    in    der    not.     man    liset    och   harte    vil    von    her  Jobes   gedulte-  a 
kait  1176'].    do  unser  herre  dem  tüvel  gab  gewalt   daz  er  im  kind  und  gilt 
nider    schlüge,    do    sprach  er:    'Got  gab  ez  mir,    der  hat  mirs  och  genomen,    - 
gesegent  si  ünsers  herren  name",     do  kam  der  tüvel    zu  unserem  herren,    do   4 
sprach    unser    herre:    'wie    nu,    her    tüvel,    wie    gevallet    uch    nu  miu  kneht     i 
Job?'     do    sprach    der    tüvel:    'wie,    herre,    war  umb  solt  er  nngedultig  sin,  to 
er    hat    doch    noch    ain    schönnen   lip'.      do  sprach  unser  herre:    'nu  wil  ich 
dir  gewalt  geben  über  sineii  lip,  und   rür  mir  aber  der  sele  nit,  die  wil  ich 
allaine    in    miner  hant  haben',      do  für  der  tüvel  enweg  und  verunrainte  in, 
daz  von    der    schaiteln    nutz    an    die    zehen  dehain    gelid  waz  an  im  gesunt. 
do  waz  er  doch  noch  alz  gedullig  daz  er  nie  nngedultig  wort  gesprach,     do  15 
kam  aber  der  tüvel  fiir  ünsem  herren.    do  sprach  unser  herre:  'wie  nu,  her 
tüvel,  wie  gevallet  üch  nu  min  kneht  Job?'  [176"]  do  sprach  der  tüvel:  'wie, 
hen-e,  hut  umb  hut  und  allez  daz  der  man  bat  oder  swaz  er  gelaiaten  mag, 
daz    ist   alles    klain    ding    umb  dich  und  umb  hymelriche'.     säliger  mentscbe, 
sid   den    tüvel    dunket   daz   ez    allez  ain  klain  ding  si  daz  man  geliden  mag  20 
durch  Got    und    durch   daz  hymelriche,    so  vertrag  och  du  gedulteklich  swaz 
dich  an  gange,  und  gedenk  war  umb  du  ez  lidest,  so  wirt  ez  dir  liht.    man  ■ 
liset    daz    an    mänger    stette    in    der    scbrift  daz  Got  den  ment^chen  minnet  I 
dem  er  arbait  git.     als  man  list  von  Thobya    daz    unser  herre    über  in  ver- 
hängte   daz    er  vil    gihes    erblindet,    do  wainte    er  vil  sere  und  gehüb  sich  25 
übel,     do  kam  der  engel  und  sprach:  'gehab  dich  wol,   ez  muss  sin  und  sol 
sin  daz  du  arbait  habest,  won   Got  minnet  dich',     owi,  sAlger  mentscbe,    diz 
sol    dir    ain    trost    sin    in    der    not    daz    du    gedenkest  [177']   daz    dich  Got 
Dünnet,    so   er    dir    arbait    git.      trag  gedulteklich  din  arbait  und  gedenk  an 
ain  wort,  sprichet  ain  hailig  man:  'ich  gelobe*,  sprichet  er,  'daz  dem  gaisch- 
liehen  mentschen    ain  tag  nützer   si  in  dirr  betrübte,    ob  ez    die  betrübte  ge- 
dulteklich hat,  denn  fünf  jar  in  der  franschmütkait'- 


1.  in  rosen]  uf  ajnim  bette  O.  liset  och  von  O.  2.  l.  lieet  man  ^  3.  littent]  trägen 
idiU  O.  hf.  in  —  vrSde]  Ime  ain  vro'de  wfere  Q.  T.  elflch  Q.  got  der  j^p  O.  9,  heire 
rimeG.      mx  nor  mm  fehlt  G.       14.  schiEtelun  G.       15.  doch  noch]  noh  do  (7.       nie  enhain  vng.  ff. 

17.  Heb]  dir  Cr.        19.  altiz  ain  clajn  G.        himilricho  zc  gebinne  G.        20.  sit  dsz  den  6. 
21.  durch  daz]  umbe  G.        22.  dir  alliz  1.  G.        t'Af.  an  —  verhängte]  in  mnncgo  wib  i.  d.  acbr.  den 
monschin  den  got  minnot .  daz  er  deme  a.  g.  aUo  liset  man  u.  tob.  übir  den  uirbancte  unsir  herre  ff. 

25.  vil  vor  gib.  fehlt  G.  20.  engel  uode  tröste  in  .  vnde  spr.  G.  wo!  tobiaa  ,  Ez  ö.  27.  got 
der  m.  O.  29.  und  fehlt  G.  30.  w.  daz  epr.  O.  man  .  Er  sjir.  ich  g.  daz  G.  31.  dirr 
fehlt  G.        31/'.  ob  —  hat  folginach  franseh.  darauf  vnde  si  ime  seibin  zetugindin  unde  zc  nutza 


I 


62.  Von  drier  band  Cluster  lüL 


I 

L 


[62.]    Von   drier  band  elosterlüt. 

Man  vint  in  allen  landen  under  viowen  dehain  schöai,  so  hern  Jobs 
tohtren  warent  du  erst  hiez  Dies,  du  ander  hiez  Cassia,  du  dritte  hiez 
Cornus  tibi,     dis  ist  allez  bezaichenlich. 

Bi  hern  Job  ist  bezaiclient  unser  herre  Jhesus  Christus.  'Job'  daz  spricht 
'ain  rüwig  man';  daz  magent  wir  wol  verstan  an  ünserni  herren.  do  er  an 
dem  crütze  staut,  do  waz  er  wol  ain  rüwig  man,  won  er  halt  alz  groz 
i-üwe  umb  unser  siinde  daz  im  sin  hertze  brach  von  rüwe,  und  du  selb 
rüwe  [l??"]  schied  sin  sele  von  sim  libe,  alz  er  eelb  sprach:  'alle  die  den 
weg  hin  gttnt,  die  wartent  ob  dehain  arbait  si  so  groz  so  du  inine".  sin 
ai'bait  waz  wol  groz,  won  im  floz  von  sim  libe  wasser  und  blüt  dur  unser 
Bünde,  da  von  sprichet  sant  Anshelm;  'o  crislenü  sele,  die  da  ist  gezieret 
mit  dem  rosvarwem  blute  dines  behalters,  gemiheJt  mit  dem  hohen  geloben, 
gewidmet  mit  dem  haiigen  gaiste,  erkiket  von  dem  swiren  tode,  weke  dine 
sinne  und  gedenk  an  din  erlösung  und  an  din  behaltung,  und  vriJwe  dich 
und  la  dir  wol  sin,  ker  dinen  sin  gar  an  Got  und  diu  hertze,  won  er  ist 
din  erlüser  und  din  behalter.  der  gut  samaritanus  hat  dich  gehaltet,  der 
getrüw  friint,  Jhesus  Christus,   hat  mit  siner  sele  die  dinen  sele  behalten." 

Bi  den  dnn  tohtren  hern  Jobs  sint  bezaichent  drier  band  kint  die  unser 
herre  in  clöstern  hat.  bi  der  fl77']  ersten  dii  da  haisset  'Dies',  sint  be- 
zaichent die  novicien,  die  in  den  ersten  tagen  sint.  den  ist  uf  gangen  der 
tag  dez  hailigen  gaistes  und  ain  anevang  dez  ewigen  tages,  won  si  sint 
kMnen  nss  der  vinstri  da  si  inne  warent  verierret.  da  von  sprichet  sant 
Peter:    "wir    ierretent  etwenne  alz  du  schiflü  dii  den  hirten  verliesent'.      nu 

könnt .  DU  sol  dir  alliz  ain  trost  ando  uin  bilde  ein  .  daz  du  godeocheet .  daz  goC  rflwit  undir  diacn 
ftheilün .  daz  ist  in  dioir  gedultichait .  vG  daz  dir  och  andir  nutz  kumct  von  diner  gedulticbait  Q(ZW), 
I.  Übersdirift  fehlt  GWN,  Von  vnsor  vrowen  sanl  Marien  (rot)  Z,  am  &inde  Sflnno  XVI  W, 
y&n  dem  lydcn  vne  boren  PhUt.  2.  vajit  GZ.  vrowen  debain]  wibca  dekalne  rro'wn  «o  6Z. 
S.  waren  drio  .  Div  U.  4.  Coius  tibi  A,  Cornus  tibi  6Z,  ebenso  283, 19;  ff  hatte  ttttral 
Comustibij,  das  nachlräglkh  in  CorausCibii  korr.  wurde.  allez]  uns  G.  0,  0  we  alle  G. 
10.  hin]  rf  O.  lof,  wartent  ~  libe]  aehon  unde  mcrcben  .  ob  ie  debain  mcnscbe  so  grose  not' 
vnde  eo  groze  bittircbait  irlitte  als  icb  lidc  ,  Er  waz  ain  barte  nlivigir  man .  wan  von  ime  vloz  (f. 

\2  f.  die  —  bcbaltera]  du  da.  bi^t  gez.  m.  d.  todc  dins  beb.  du  da  bist  gcwescfain  mit  deme 
roeeuarwcn  bläte  .  du  da  biet  G.  13.  einne  und]  krefto  .  undo  dinc  niabt  .  gebuge  an  diue 

frckidiungo  G.  und  a.  d.  beb.]  bcttahto  an  d.  bubaJtungo  .  woliv  vnde  wa  div  kraft  ii  dinir 

irlo'fiuage .  Du  eolt  elliv  zit  wonen  in  dirre  bctrohtunge  G.  Wf.  ker  ~  bcholtcr]  in  diire  be- 

Bcbo'wngc  .  wirf  uon  dir  dinen  urdnw  .  übir  wint  din  bcrce  .  ker  d.  b,  g.  a.  got .  gedenche  au 
die  güü  dine  irio'aers  .  wirt  enzündit  uon  der  minne  dinea  behalters .  Witn  der  gcsalbotc  Cbristua 
bet  dich  irlo'sit  0.  IS.  die  dinen]  dine  G.  20.  imme  clcstir  G.         dies  .  Bider  eint  O. 

22.  won]  Vnde  G.        2a.  uss  der  v.j  von  dien  vinatireo  wegin  G.         sanc  fehlt  G. 

1.  Der  Traktat  findet  sich  in  G  BI  97\  Z  BI.  IW,  ff  BI.  81,  N  BI.  ßÖ%  R  AV.  19,  PhilL   ] 
BI  160*:  fehlt  Arundel         3.  vgl  Job  42, 14.         4.  Die  SandtdiHften  lasen  für  das  nunmehrige 
CoraUBtibii  der  Vulgala  icahrxckeinlich  Cornua  tibia,  vie  es  Gregor  der  Gro/k  auch  erklärt  als  la&-    | 
lantJum  contus.  9  f.   Thre.  1,  13.  24.  /.  Petr.  2, 25. 


I 


3  drier  hanil  doster  lüt. 


I 


inaer  harre  komen  und  hat  uns  wider  gelaitet  in  den  rehten  weg 
der  Lymelächea  Jherusalem.  nu  stänt  vaste  wider  der  bekorung  und  länt 
ich  nit  überwinden,  sint  vest  und  starkes  gemütes  und  gänd  für  iich,  du 
porte  ist  uf  getan  dez  hymelriches.  selient  für  üch  waz  üch  ist  künftig, 
und  sehent  nit  liinder  üch  an  du  ding  du  zerganklicb  sint ;  '  won  swer 
hinder  sich  sjht',  sprichet  unser  herre  in  dem  ewangelio,  'der  ist  nit  wii-dig 
dez  hymelriches'.  daz  ist  also  vil  gesprochen:  swer  zu  gaisclilicbera  lebenne 
kumet  [177'^]  und  denne  hiuder  sich  gedenket  in  die  weit,  der  ist  unwirdig 
dez  hymelriches. 

Bi  der  andren  tobter  du  da  haJsset  'Cassia',  sint  bezaichent  die  da 
hoher  in  daz  leben  sint  getretten  und  gehorsami  hant  gelobet  und  och 
willen  hant  ze  laistenn  iintz  an  iren  tot.  man  liset  von  ainem  krütelin  daz 
haisset  och  Cassia  und  ist  vil  klaine  und  naiget  sich  uiF  die  erde  und 
emeket  wol.  dem  krütlin  sont  sich  die  gaischlichen  lüt  geliehen  und  sont 
sich  demütigen  und  naigen.  da  von  sprichet  sant  Peter:  'ij-  sont  ücb  de- 
müten  under  dez  gewaltigen  rihters  hant,  daz  er  üch  behalte  an  dem  tage 
der  betrübde'.  und  nit  allain  sont  ir  ücb  demüten  under  üwern  obren,  ir 
Bont  üch  och  demüten  under  üwern  undern;  daz  ist  rebtu  demut. 

Bi  der  dritten  tobter  du  da  haisset  [178'}  'Cornos  tibi',  sint  bezaichent 
die  volkommen  kint.  'Cornus  tibi'  daz  sprichet  ain  volkomen  wip,  an  der 
nüt   gebristet'. 

Nu  merkent;  an  dem  worte  'mulieres*  sint  aht  büclistaben,  die  bezai- 
chent aht  tugend  die  daz  volkomen  mentsch  haben  sol. 

Der  erste  baisset  'mnnda*,  daz  sprichet  'rain'.  du  solt  raine  sin  an  lip, 
an  hertzen  und  an  sinnen,  und  du  götlich  miun  sol  da  in  geflossen  sin.  nu 
nim  ain  bischaft  bi  dem  ay,  wie  daz  geordnet  ist;  ez  hat  zeni  ersten  ain 
wisse  schalen,  da  under  ist  ain  wisses  vet,  dar  nach  ain  wisses  klai*,  dar  inne 
Bin    rotes   tutter    und    in    dem    roten    tuUer    lit   daz    hünlin.      alsuss    solt   du 


I 


1.  wecb  zft  G.  3.  mätisti.         4.  ist  k.]  kfinfüch  ei  O.         bf.  won  —  owang.}  Da  uon 

spr.  n.  h.  i,  d.  ew.  Swor  eino  hant  an  don  phlüch  lait .  vnile  donne  hindir  siht  sich  Ö.  9.  hjm. 
Dar  an  gedeDchint  vnde  vlizsent  ivch  .  iegelichiv  widir  die  andiraa  gohorsami  .  domüti  .  unde 
udirre  tugiade  G.  10  f.  Caaia  .  bi  der  Bint  b.  die  ho'bir  G.  12.  iren  tot]  den  t  die  haieint 
Casi«  G.  13.  och  fehlt  G.  H.  Raischl.  1.]  awosüran  G.  und]  siv  G.  16.  üch]  dicb  G. 
17.  QDd  —  dem&ten]  Ir  Biint  ivch  nibt  allaino  domötin  G.  IS.  ü.  nndem]  iwir  gelicbin  .  vnda 
Tndir  iwir  imdiren  G,  nach  domüt]  eo  mogint  ir  deme  krütelin  golich  ain  daz  da  haizot  Caaia  . 
90  Bmeehint  och  iwirfi  gebet .  undc  iwir  tuginde  krefticliclie  uor  gotte  .  Da  uon  scribet .  e.  Jacob  . 
Doz  demütigen  nionscliin  gebet  iaC  also  kreftich  .  daz  cz  dur  die  hiinile  vf  Bti^et  für  got  G. 
19.  Cornus  tibi  bi  der  stnt  G.  20.  kint  imnio  clo'atir  G.  2t  nät  —  23  sol]  nivtia  dez  ie 

wart  bristet  .  an  der  sol  ain  Muliorea  .  an  domo  worte  b.  o.  b.  dar  an  aoit  du  merkin  a.  t.  d.  d. 

ID.  m.  boI  han  .  C  ez  muge  baizin  Comua  tibi  G.  22.  de  wortcn  A.  24.  erste  b&cbstabe  G. 
rain]  rainichait  G.  24/1  raine  —  sinnen]  han  rainicbait  libea  vnde  borccn  .  vri  der  sinne  G. 
30.  bij  an  G.         27.  iat  fehlt  G.        nach]  inne  G.         28.  roten  L]  roten  A,  latim  O. 


S  f.  Luc.  9,  l 


i&f.  I.Petr.5,  6. 


^364 


62.  Von  drier  haad  cloeterlüt. 


1 

2 


haben  ainen  künschen  lip,  ain  künsches  herze  und  ainea  künschen  stn: 
reht  alz  daz  ay  deheinen  brest«n  hat  an  den  drigen  dingen,  also  solt  och  du 
an  disen  drigen  enhain  gebre/i^Systen  han;  won  ains  vervahet  nit  an  die 
andern  zwai,  noch  dii  zwai  an  daz  aine,  hast  du  denne  disü  drii  ding  mit 
enander,  so  wonet  du  minne  in  dim  hertzen,  und  in  der  rehten  minne  wirt 
unser  herre  denne  inwendig  gaischlich  geboren.  und  da  von  sprichet  sant 
Joliannes:  'Got  ist  du  minne,  und  der  die  minne  hat,  der  wonet  in  Gotte  und 
Got  in  im',  über  daz  wort  sprichet  sant  Bernhart:  'Got  ist  du  minne,  waz 
mßhti   bessers    werden?    der    die  minne    hat,    der    wonet   in  Gotte,    waz  möht 

'  sicherlicher  sin?    und  Got  wonet  in  im,  waz  m6ht  frilicher  sin?' 

Der  ander  büchstab  haisset  ' verecundia ',  daz  sprichet  'schäm*,  du  seit 
schamig  sin  an  allen  dingen  uswendig  und  inwendig;  won  du  schäm  ist  reht 
ain  slosa  der  kiinschi.  da  von  spricht  her  Salomou:  'swa  ir  ain  schamigen 
mentschen  sehent,  daz  sol  üch  ain  zaichen  sin  daz  er  bebalten  sol  werden  an 

■  dem  jüngsten  tag',  o  schäm,  waz  du  tflst,  [ITS'J  waz  du  tngend  übest  in 
der  sele!  swa  du  verlorn  wirst,  da  wirt  vil  ain  groz  schätz  verloni,  spri*. 
chet  ain  baiden.  \ 

Der  dritte  büchstabe  ist  'leta',  daz  ist  'fröUch'.  du  solt  frölich  sin  ia 
noten  mit  götlicher  frölichait,  also  daz  dir  allez  daz  ain  vröde  si  in  Got  daz 

I  dich    an    gange,      unser    herre    sprach    zu  sinen  jungern:  'daz  ist  ain  zaichen 

daz    ir    mich    minnent ,    ob    ir   fro    sint    in    der    arbait '.      er    sprichet   in  dem 

ewangelio:   'kint    mins,    du    solt    fro    sin,    und    swer   daz    an  dir  siht,  der  sol- 

erkennen  daz  du  min  kint  bist'.  j 

Der  vierde  büchstab  haisset:  'justa',  daz  ist  'reht*.     du  solt  reht  sin  an 

I  allen  dinen  werchen,  also  daz  du  aim  ieglichen  dinge  sin  reht  gebest;  ünserrn 
herren  sin  reht,  daz  ist  minne,  vorht,  ere,  dankbäri.  du  solt  in  minnen, 
won  er    din  schepfer  ist;    du  solt  in  eren,    won  er  diu  herre  ist;    du  solt  in 


1  f.  haben  —  reht]  hau  wiziv  vnde  kivschiv  werch  dinea  libee  .  dar  nah  tolt  du  ban  ki' 
undo  raiaea  herco  .  vnde  och  kivschichait  der  Binno  .  Vitde  zegelichir  wiz  G.        2.  Bolt  ~  5  enander] 
enhil/et  niht  ze  rehtir  kivechichait  ,  der  dinge  decbainJB  ano  div  driv  .  Hest  du  denne  die  rehtun 
hivschichait  O.  6.  denne  fehlt  G.         und  da  von]  alee  daz  hi'in  in  deme  tutim  .  Daa  vi 

lierre  inder  minne  wone  daz  G.  0.  mohli  iemii  b.  w.  vi)  der  O.  10,  ni.  iemlr  fr.  0, 

11.  flchamiiich  ei  sol  G.  12.  dingen]  ir  d.  vnde  an  allen  ir  werchin  G.  13.  her  fMt 

iSf.  8W8  —  daz  sul)  Der  mcnBcbe  der  schamilich  ist  -  swa  ir  den  vindent  .  der  aol  G. 
16.  o  —  n  baiden]  0  vre  ach.  w.  d,  luginde  bchtiteat  .  inder  a.  won  swa  div  schäme  n,  wirt  . 

,  gr.  Bch.  V.    Also  apr.  a.  b.    Swer  ime  aclbin  den  schaz  der  echame  uirlivret  der  enhet  ime 


ivBcUi^^l 
ander!  ^^^ 


BClbin  niht  glJtis  virlon  G. 
daz  G.        daz  ist  fehlt  G. 
daz  SI  ane  gat  .  daz  sol  ir  ai 
daz  G.         dien  arbaiten  O. 
iuata  .  Behtichait .  Si  sol  G. 
21.  din  flch.  —  2S5,  2  hat] 


Ih.  Der  d.  b.]  Div  d.  tugcnt  die  der  uoUelcoiiilne  mcDBche  sol  ban 
)r  Bol  G.  19.  niten]  der  no'te  G.  19  f.  alao  —  sprach)  aUis 

vro'de  sin  ingotte  .  Also  spr.  n.  h.  G.         21.  daz]  ob  Q.         ob) 
spr.)  spracb  o'cb  0.  24.  Der  —  solt]  Div  v.  tugent  daz  ist 

23.  dinen]  ir  G.        du]  si  G.        gebe  G.         Zu.  ere]  ufl  G. 
d.  flch.  din  irio'ser .  vil  din  bebalter .  Nv  nierehe  wie  *ol  er  dir  het 


^ 


7.  7.  Joan.  4, 16.  18  f.  Ecdi.  32, 14  f 


t  AtwAlvß  an  Matt  5, 12  ? 


J 


I 
I 


62.   Von  drier  liaud  closterlüt. 

ien,  won  er  din  Got  ist;  du  solt  im  dank  sagen,  [178'1  won  er  dir  vil 
gutes  getan  hat,  du  solt  och  dem  tüfel  geben  sin  reht,  daz  du  im  kreftek- 
lich  wider  standest;  und  wider  stäst  da  der  ersten  bekorung,  so  mag  er  dich 
nit  me  versuchen  an  der  siinde.  also  sprichet  ain  haiige:  'alz  schier  und  dich 
der  tüfel  beginnet  versuchen,  so  solt  du  berrait  sin  daz  du  im  vast  wider-  l 
Btandist'.  du  solt  der  weit  och  ir  reht  geben,  daz  du  si  fliehest  alz  ain 
schlangen,  da  von  spricht  ain  wis  man:  'fliehent  die  weit,  won  si  ist  b6z 
und  MMgetritwe,  si  verratet  üch  und  git  fich  in  den  ewigen  tot',  du  solt 
och  der  siuide  ir  reht  geben,  daz  du  si  hassest,  won  si  ist  wol  ze  hassenn. 
si  ist  der  gröste  und  der  aller  wirst  vigint  der  ie  wart;  und  swer  siuen  lO 
tötliehen  vigint  welli  hassen,  der  hasse  die  bösen  sünde,  won  si  tötet  die  sele 
dez  ewigen  tüdes.  da  von  sprichet  ain  {170"}  wis  man:  'ich  rat  üch  daz  ir  die 
Bunde  hassent  und  merkent  der  siinden  untugent  und  versmahent  si.'  du  solt 
och  dim  Übe  sin  reht  geben,  daz  du  in  kestigest  mit  arbaiten  und  im  nit 
ze  vil  überflüssiges  gebest,  gedenk  an  die  aibait  die  Jhesus  Christus  durch  15 
dinen  willen  hatte,  und  arbait  och  du  dinen  lip  durh  in.  da  von  sprichet 
sant  Bernhart:  'ich  wil  üch  zaigen  ain  arbait  da  mit  ir  mugent  gedanken 
Got  siner  arbait,  daz  ist  daz  ir  üwem  lip  tötent  in  Gottes  dienst';  daz  ist 
also  daz  ir  die  sünde  an  üch  tötent.  alz  sprichet  sant  Paulus;  'ir  sont  üwren 
lip  töten,  daz  er  nit  sünde,  und  son  Gotte  leben  in  dem  gaiste'.  du  solt  och  2ü 
dim  eben  mentschen  sin  reht  geben ,  daz  du  iu  minaegist  und  im  gut  bilde 
Tor    tragest;    won    daz    du    in    minnest,    daz    gehütet   Got.     du    solt    im    öch 


getan  .  geschahen  naii  sime  gotlichin  bilde  .  Vnde  hot  dir  lip  vH  sele  gegobla  .  Vnde  alBo  wizliche 
zeeamine  goföget .  0  we  hflte  vil  sieligir  meneche  dcz  gotlichin  bildos  ,  daz  du  daa  niht  uiramaheBt 
noh  uinnasigost  mit  dien  sündon  .  gedenche  wie  tivre  ea  geko'fet  iat .  Also  sp'chit  aanct?  grego- 
rioB  -  Ah  ich  unsH'iiger  mcoBche  war  boI  ich  keren  .  ich  trage  aineu  Bchaz  ,  der  ist  tivire  deaae 
ftottea  blAC .  daz  blüt  dez  guttes  sunea  wart  dar  umbc  uirgozaia  .  Du  solt  o'ch  got  fürhten  .  waa 
er  ist  din  rihtare  .  gottes  nohrtc  daz  ist  ain  nütze  achaz  .  Dauon  sp'chit  salomoa  .  Gottes  volirto 
div  ist  ain  anegenge  allir  wishait  .  Vnair  hetro  sprichit  o'ch  .  Sn'er  minen  namen  rchte  ffirbtet  . 
deme  sol  vf  gan  ain  eunne  dir  rebticLait .  Du  aolt  ime  o'ch  danchin  der  gnadin  die  er  dir  tat .  vB 
liet  getan  .  vn  noh  wil  tun  ,  Also  sprichit  der  tvissago  dauid  .  A  sele  miniv  lobe  got  vQ  uirgiz 
Biemir  der  gnadon  der  er  dir  bot  getan  vnde  o'ch  nob  wil  tän  .  wan  swonne  du  widir  wilt  keren . 
M  uirgit  er  dir  alliz  din  vureht  .  vC  hallet  dich  von  allime  dime  siochtagin  vfi  irTüllct  dine  girde 
mit  sAzichBit  vn  wil  dir  nfiwcn  dine  iugint  (tugende  Z)  alse  deme  adiltcro  G. 

3,  vor  imd]  vD  steticliche  mit'allir  kraft  widir  ime  atrilcst  G.  so]  bo  best  du  in  übir- 

WDdio  BO  1?,  4.  und)  so  G.         6.  daz  —  Hiebest]  du  solt  si  vliehin  G.         T.  Dauon  bo  apr. 

a.  w.  m.  Liebin  kint  vtiebint  d.  w.  vnde  schilhiiit  si  .  w.  b.  i.  gar  b.  ff.  8.  getrfiwe  A. 

9.  daz  —  hasseet]  Dusoltsi  hozseu  ff.  10.  si]  ez  ff.  11.  Ifltlicben]  to'ginen  ff.  12.  uorich] 
Licbin  kint  G.  13.  der  aüude  G.  14,  daz  —  kestigcstl  vfi  solt  in  kostigon  ff.  unde  solt 
ime  ff.  15.  gebin  ff,  18.  daz  i.  dazl  vndo  siner  martyr  .  daz  ist  div  arbait  .  daz  ff. 

i9,  20.  flunt  G.  21  f.  daz  —  Got]  du  solt  in  minnon  .  vfi  solt  ime  g.  b.  uor  tragin  .  Vnsir  berre 
gebfitet  .  daz  du  dinen  cbl  criatfcnen  minncst  also  dich  Relbin  ff. 


I 


286  62.  Von  drier  hand  dosterltit 

gfit  bild  vor  tragen  ze  allem,  reht  alz  ain  s^iefl?9^Jgel  mit  Worten  und 
mit  werchen.  reht  alz  daz  lieht  zaiget  den  weg  den  lüten,  daz  si  sich  nit 
stossent,  also  solt  och  da  ain  lieht  Gottes  tragen  an  dem  weg  der  tagend; 
swer  nach  dir  gange,   daz  er  sich  nit  stösse.     du   solt   tragen   daz  lieht  der 

5  dem&tkait,  der  gehorsami,  der  minne,  der  gedalt;  der  znht,  der  kunschi  und 
aller  tagend,  and  allez  din  leben  sol  ain  stern  in  dem  closter  sin.  da  solt 
och  dem  engel  sin  reht  geben,  daz  da  in  erest,  won  er  ist  din  pfleger  and 
ist  dir  zu  allen  ziten  bi.  du  solt  6ch  der  creature  ir  reht  geben,  daz  du 
erkennest  wie  Got  in  allen  dingen  ist  und  wie  er  411a  ding  wislich  von  siner 

10  güti  geschaffen  hat.     tust  du  dis,  so  gist  du  irem  ieglichen  sin  reht. 

Der  fünfte  büchstabe  haisset  'erecta',  daz  ist  'uf  gerihtet*.  dines  hertzen 
minne  und  diner  sele  girde  sol  sin  uf  gerihtet  gegen  dem  h;fmelriche.  dine 
wonung  solt  du  suchen  an  Gotte.  da  von  sprichet  sant  fl?9^J  Paulus:  'unser 
wonung  sol  sin  in  dem  h^elriche*.    da  ist  unser  schätz  und  unser  erbe,  und 

15  da  sont  wir  och  wonen  mit  ünsern  gedenken. 

Der  sehste  büchstab  haisset  *robusta',  daz  ist  'stark*,  du  solt  stark  sin 
an  gedult:  swaz  dich  arbait  oder  betrubde  ane  gange,  die  solt  du  gedultek- 
lichen  liden  und  solt  gedenken:  o  süsser  Gtot,  herre  min,  wie  du  mich  minnest 
mit  dim  klainot!     disü  arbait    ist  mir  ain  band    daz  mich    zu  dir  binden  sol, 

20  daz  du  mich  so  reht  liep  hast  daz  du  mir  daz  selbe  trank  und  daz  selb 
klaid  gist  daz  du  ti-üge  und  da  mit  dich  din  lieber  vatter  klaidet  do  du  uff 
ertrich  wärt,  daz  ich  din  wafen  tragen  sol  aines  so  riehen  künges,  daz  ist 
mir  ain  ere,  ob  ich  ez  erkenne,  swenne  ich  gedenke  an  dinen  tot,  herre,  so 
mag   ich    dez    wol    spotten    dez    ich    durch    dich    lide.       da   von    spricht   sant 

25  Bernhart:  'so  der  ritter  sins  herren  wunden  siht  bluten,  so  wirt  er  also  stark 


1.  bilde  gebin  .  daz  solt  du  ime  zailen  ziten  vor  tragin  .  Also  sprichit  div  serift  elliv  div  e 
vn  elliv  div  gebot  .  div  unsir  herre  ie  gegap  .  div  sint  elliv  da  mitte  irfüllet  .  daz  du  din5  ebin- 
eristsnen  minnest  also  dich  selbin  .  Du  solt  im  o^ch  gfit  bilde  G,  ze  allem]  zailen  ziten  G, 
2.  reht  alz]  allen  dien  die  dich  sehint .  Vnde  rehte  zegelichir  wiz  alse  G.  2  f.  den  lüten  — weg] 
daz  der  mensche  niht  irrot .  vfi  sich  niht  stc^zit .  der  da  nah  gat .  also  sol  din  lebin  ain  lieht  sin 
daz  den  wech  zaige  G.  4.  swer  dir  nah  g.  G.  5.  der  geh.  —  künschi]  daz  lieht  der  rehtun  geh. 
vfi  d.  m.  unde  d.  g.  vfi  der  vro^lichait  G,  6/1  du  —  erest]  allen  dien  swestiron  (bro^deren  ZW) . 
So  gist  du  den  menschin  ain  urkfinde  .  daz  du  unschuldich  bist  .  Du  s.  den  engil  eren  .  daz  ist 
o'ch  din  reht  G.  8  f.  Der  er.  solt  du  o'ch  ir  reht  g.  du  sol  irkennen  wie  6?.  9  f.  &llü  — 

ieglichen]  mit  siner  kraft  wisliche  vß  uon  sime  gfiten  willoL  eiliv  dinch  g.  h.  t  d.  diz  alliz  daz  ich 
dir  han  gesait  .  so  tust  du  unde  gist  iegelichime  dinge  6?.  11.  Der  f.  b.|  Div  fivnfte  tugint 

div  G,  ähnlu^  Z.  16.  287,4. 12.  ist]  si  sol  sin  Ö.  dines]  ir  G.  12.  dmer]  ir  G.  uf 
fehlt  G,  ingegin  d.  sflzin  h.  ö^.  dine]  Ir  6r.  13.  sol  si  G,  14.  hjmelr  da]  scho'nen  h. 
daz  G,  Uf.  und  da]  da  G.  16.  daz  i.  st]  starchait  G.  nf  die  — solt]  so  solt  du  G. 
18.  Got  fehlt  G.  mainest  G,  19.  mich  rehte  zu  G.  21.  daz  —  und  fMt  G.  klwdet] 
claite  G.  22.  waere  6?.  din]  /.  diu  ?  28.  irkennen  wil  G,  herre  fehlt  G.  24.  mach 
ich  wol  sp.  dez  ich  G. 


18  f  Phili.  5,  JSO. 


62.  Von  drier  band  closterlüt. 


S87 


and  also  [179''}  vesle  daz  er  sin  selbez  wunden  nit  enpMndet'.  also  ahtet 
och  der  mentach  siner  arbait  nit  so  er  gedenket  an  iinsera  berren  arbait,  die 
er  durch  in  erlitten  hat,  und  an  sinen  tot. 

Der  sibend  buchstab  baisset  'electa',  daz  ist  'erweit',  gedenke  daz  du 
bist  erweit  uss  aller  der  weite,  da  von  spricbet  du  sele:  'o  lieber  herre,  J 
Jhesn  Cbriste,  du  bist  min  und  ich  bin  diu;  und  da  von  ist  mir  dllü  du 
weit  ze  nüti  worden,  wou  du  hast  mich  drus  erweit  und  ich  hau  dich  erweit 
zfi  aim  obrosten  lieb  und  han  versmahet  alle  die  wuune  dirre  weit  durch 
dich',  'o  herre",  sprichet  saut  Augustinus,  'do  ich  vei-smahet  alle  die  weite, 
do  genaigtest  du  dich  in  min  sele  und  wärt  mir  ain  fröde  ob  aller  fröde  u  1 
und  ain  süzkait  ob  aller  süskait  und  ain  ere  ob  aller  ere'. 

Der  ahtent  buchstab  haisset  'sociata',  daz  ist  'zu  getüget".  [180']  war  zfi 
bist  du  gefiiget?  ze  Gotte  und  in  Got,  daz  du  sist  sin  pfallentz,  da  er  sin 
rftwe  und  sin  wonung  inne  wil  haben,  der  mentseh  wirt  zwar  siilig  geboren 
der  sölich  gest  enphahen  sol.  'ich  und  du  sele',  sprichet  unser  herre,  'sont  wJ 
ain  wonung  mit  enander  hau.'  so  daz  geschiht,  so  sprichet  du  sele:  'ich  han 
min  liep  begriffen  und  trage  ez  bi  mir  under  minen  brüsten  alz  ain  mirien 
gebündelin'.  und  alz  ist  gefüget  daz  pinlin  zfi  dein  honge,  der  ysop  zÜ  dem 
baleam,  du  nahtegal  zfi  der  harpfen,  der  hirtz  zu  dem  ewigen  brunnen,  der 
Sterne  zu  dem  ewigen  liehten  sunnen.  2(^1 


[63.]  Ton  drier  hande  uflfart. 


Viri    Oalylei 


Do  unser  herre  ze  hymel  wolte  varen,  do  slSnd  unser  vrowe  und  sin 
junger  und  ander  lüte,  die  im  nach  hattent  gevolget,  die  stflndent  uff  dem 
berge  und  wartetent  im  nach,     do  kameut  [180'']  zwen  engel  in  dem  wölken  3&I 

I.  also  ahtot  —  3  tot]  9az  mt  also  uil  RCaprochi  .  daz  der  meneche  sol  gedc>DchI .  an  vuEiis  berren 
tot  .  nnde  an  sin  blät  .  vit  an  sine  imuiichaaltigiiD  not  .  ufi  sol  das  ubton  zu  sincr  not  0. 
4.  daz  i.  erw.  fehlt  G.  i.  öz  irwolt  uzsir  G.  B.  Jh.  Chr  fdiU  G.  1.  dniz  irwelt  von  allir  dir 
weite  .  Vnda  i.  b.  d.  3z  irwelt  G.  en-clt  Ä.  S.  liebe  .  vil  zainir  wnne  miner  sele .  vii  ban  O. 
8/1  dnrch  — AoR.)  vfi  ich  hau  die  wnne  vn  die  vro'de  uitamahit ,  die  ich  uon  der  weite  niohte 
bnn  ,  Dauun  Bpr.  e.  A.  0  berre  G-  II.  allen  eren  G.  12.  daz  istl  Du  bist  G.  13.  daz  — 
pf.]  dn  bist  gefiiget  d.  d.  h.  ain  ph.  dcz  aüzin  gottea  G.  14.  nach  haben]  uit  dinre  sele  .  Ü  we 
steligir  mensche  G.  wirt  zwar]  wart  G.  l.'i.  ich  —  heire]  Got  indincr  sele  .  nndo  din  eele  in 
gotte  .  Also  fpT.  n.  b.  Ich  vTi  d.  säze  sele  G.  Ki/l  so  d.  —  mir]  Denno  spricbit  div  sele  .  No  hab 
ich  in  irgriffen  .  ich  enwil  in  nicmir  nie  virlazin  .  bo  het  ei  in  irgriffen  .  Als  sl  sp'chit  in  ainom 
bacbe .  Ich  ban  min  licp  iliS  9:pin  geuangin .  vndo  han  in  gelait  in  mine  sele  .  vli  ich  trage  min 
uzirweltiz  liep  daz  obiroate  gät  G.         IT  f.  mvirc  biodilli  (bürdeli  Z] .  da  ist  gefdget  daz  bigi  G. 

20.  ewigen  fehlt  ff.  21.  Überschiß  fehlt  GWN,  Von  vnBerme  berren  Jhesu  eristo  vie  or 

selbe  ze  himel  fär  (rof)  Z,   Up  vns  hcren  hemclvartz  dach  PhilU,  De  aMenMone  Arundel,  W  am 
It^nde:  Seraio  XVU.  22.  Der  tat  Text  fehlt  A.         23.  wolte  v.]  tflr  GZ. 

Ihf.  Joan.  G,  57;  15,  5.  16 f.  Carit.  1, 13.  18/f.  vgl.  Wackernagel  S.  170  Z.  72ff. 

21.  Die  Predigt  findet  »ichinG  Bi  100',  Z  Bt.  117'>,   W  Bl.  85',  N  Bl.  90',  H  Nr.  27,  Fkill.  170», 
Ai-undel  Bl.  92'.  22.  Ad.  1, 11. 


288 


.  Von  drier  hande  uftart. 


» 


und  spracheiit;  "ir  lierren  von  Galylea,  wez  stant  ir  Iiie  und  wart«nt   in  deun 
hymel?      ir  aont  wissen    daz   ez  ist  Jhesns   der  Me  von  üch  vert  ze  hfan' 
zu  sini  vatter 

Nu  merkent  von  drier  band  nffart.    dii  aine  ist  ünsers  heiren;  dii  and«| 

I  unser    vrowen ;    dii    dritte    ist    ains    ieglichen    sAIgen    mentaclien.      nu    sont    ir  j 
ünsers    herren    uffart    merken,    daz    er    uf  für    an    aller    mentschen    belf  voll' 
sin  selbes  kraft,    da  von    so    ist   ez  ain  uffart.     du    ander    liaisset  ain    ufn( 
nrnng;    du  ist  siner  trut   muter   sant  Marien,     du  wart  uf  genomeu  von  irem,' 
sune,  der  kam  selb  von  hymelriclie  nach  ir  mit  der  engel  scbar    und  nam  si' 

I  mit  libe  und  mit  sele  und  fürt  si  ze  bymelriclie.  du  dritte  baisset  ain  ufäieg- 
ung;  du  ist  ains  ieglichen  sälgen  mentschen,  won  daz  müz  ze  hymelrich 
fliegen  mit  den  vetchen  der  tugend.  der  ain  vetch  ist  götlicliü  [ISO'J  minne; 
der  ander  ist  girde  näb  der  gfjüichen  süzkait.  mit  disen  zwain  vetchen  mfiz 
dii    sei   zu  Got  fliegen    zu    dem    hj'melriche,    und   mit    andren    tugenden.    daz 

.  ist  glObe,  züversiht,  demütkait,  kimschi,  geborsami,  gedult,  masse,  zuht, 
beschaidenhait,  schäm,  vorhte  und  vröde  in  Gotte:  dis  lügende  sint  der  sele 
vedran,  die  in  den   vetchen  süllent  wachsen. 

Nu    merkent   der  engel  frage,    daz  sü  sprachent:   'ir  herren  von  Galylea, 
wes   stant    ir    und    wartent?'     diz    waz    ain  wunderlichü  frage,    war  umb    aä 

I  dem  wartetent  nach  der  ir  tvöster  und  ir  belialter  waz.  ez  waz  wol  billich' 
daz  sü  im  nach  lügetind,  won  si  wistent  groz  wunder  und  groz  tugend  und.i 
groz  süzkait  an  im. 

Gottes  wunder  und  sin  tugend  merkent  wir  an  zwelf  tugenden. 
Daz  ei-st  ist  sin  grozser  gewalt,  daz  er  so  reht  berlich  und  so  gewaltklich 
ällü  ding  geschafi'en  hat  hymel  und  erde  und  die  schönnen  stemen  und  [ISO*] 
die  sunnen  und  den  man  und  die  schönnen  blümen  und  mAnig  wunderlich 
creature.  dis  sol  uns  wol  sin  ain  wunder,  und  sont  sinen  gewalt  da 
erkennen.  « 

1.  spr.  dj^v  wort  .  Viri  galylei  .  ir  G.         2.  du  ez]  diz  G.         himilricho  G.         4.  du  (hdT'I 
sine)  fehltO.        5.  sftigen  m.l  roenschin  .  daz  seelich  ist  G,  tbmso  II.        G.  tinserB  — helf]  merki 
aOQ  u.  h.  vfvart  .  daz  er  niht  it  fär  von  iemaiiDM  lielTe  .  oiht  wan  Ton  ein  scibiz  helfe  . 
wao  G.  er  fehlt  A.         7,  da  —  uffart  fehlt  O.  S.  trut  fehU  G.         8  ;".  irem  b.]  vnBiniift§ 

faerren  gotte  G.        9.  dien  e.  Scharon  G.        12,  ueticko  daz  ist  G.        13.  andir  neticko  daz  ist 

U.  sei  hin  z.  g.  vi,  vD  z,  d.  G.  mit  dien  andiren  O.  15.  maasel  mtezichait  G. 

16.  bescb.  —  vröde]  vTi  b.  maze  vn  uorhte  vE  vro'lichait  G.        17.  wahein  ,  mit  dien  aol  div 
ze  himiiriche  vliegin  G.  18.  der  —  spr.]  daz  erste  wort ,  daz  die  e^gil  apr.  viri  icalyld  G. 

19.  und  wattentl  hie  .  vnde  w.  in  den  himil .  ir  sunt  wizsen  diz  ist  ilic  spc  der  hie  non  iv  genamj 
ist  ze  bimilriche  G.        20,  wartetent  Q.]  oah  lägetin  G.        20 f.  ez  —  lag.]  aiv  niahton  ime  wol  nah  1 
warten  O,        21.  msson  G,       und  gr.  t.]  groze  tugindo  G.        23.  Gottes  —  tugenden]  Nu  annt  [f'| 
mercbin  daz  groze  wndir  .  vnde  die  grozin  tugindc  die  an  gotte  sint  .  an  zwelf  dingin  6. 
24.  raste  daz  ist  G.        24  f.  daz  er  —  ding]  vnde  son  uns  wnderon  eins  wndir  grozin  gcwaltoa  .  den 

wir  irkennon  an  der  creataro  .  Da  mcrchint  wie  rebto  herlicbe  wie  gewalticliche  er  alle  crea- 

[tnre  Q.       26.  wunderlich]  wnnicliche  G.        11  f.  wol  —  erkennen]  siliz  ain  zaichin  ain  ainesgrozla 

raltee  .  vS  eol  uns  rebtc  zä  unsinne  herren  ziebin .  vii  sol  uns  zä  ime  fügen  .  DaDon  sprichlt. 


I 


1  drier  hau  de  uffart 


Daz  ander  ist  sin  gr6ssü  wizhait.  der  sol  uns  öch  wundren  daz  er  so 
g;ar  wislich  hat  geschaffen  kWü  ding  und  alz  ordenlich  hat  geordnet,  'sin 
wizliait  kan  noch  enraag  nieman  durch  gründen",  spricliet  der  wissag.  'o', 
sprichet  sant  Paulus,  'vil  tiefü  wishait  der  götlichen  kunst,  din  geschepfde  kan 
nieman  begrifen  und  dio  weg  kan  nieman  bekennen'.  5 

Daz  dritte  ist  sin  grössii  güti,  der  son«  wir  ocli  wundren,  won  er  alz 
reht  gut  ist  daz  illü  creature  sin  güti  lobt,  swaz  wir  gütez  ie  emphiengent 
und  iemer  enphahen  sont,  daz  ist  allez  von  siner  güti;  und  dar  umb  sont  wir 
in  mannen,  sprichet  ain  hailig.  'o  herre',  sprichet  er,  'du  [181'J  bist  allaine 
minneklich;  wer  möhti  wirdeklich  gereden  von  der  minneklichen  gfitl  die  an  lo 
dir  ist?' 

Daz  vierde  ist  sin  rehtekait,  die  wir  wol  furhten  mugent,  won  du  schrift 
spricht  daz  er  enkain  ding  ungerihtet  lat,  ez  si  wort  oder  wercb  oder  gedenk. 
und  unser  rehtekait  du  ist  vor  ime  unrebt,  won  die  Sternen  sint  joch  nit 
luter  vor  im,  sprichet  Job.  15 

H.  Ang9  .  Altir  div  creature  ätv  ie  geechaffen  wart  .  daz  eniat  niht  andirs  wan  ain  winchia  .  da 
mitto  uns  nnair  licrrc  zime  luckin  wil  ,  vü  eun  vueini  herrcQ  irkennen  an  der  crmture  .  Dauon 
»prichit .  B.  pauluB  .  wir  sehen  nu  vnsira  herren  abe  in  aime  epiepl .  abir  her  na  werden  wir  unsirn 
borrcn  sehinte  von  ü'gcn  ze  o'gcn  .  offinliehe  .  Ncmint  w-ar  daz  er  die  creature  gelichit  aimo  spiegil  . 
vii  in  dcmo  ttpicgil  Beben  wir  nu  vf  ertliche  den  ewigen  spiegil .  vß  den  gotlicbin  spie^l .  vQ  abir 
bema  ao  wir  ze  bimilriche  kernen  .  bo  werden  wir  eeliinte  in  denie  gotlichin  spicgile  disen  x 
ganulidiia  spiegil  .  der  hio  nidiuan  vf  ertricbe  ist  G. 

1.  andir  dax  an  gotte  ist .  daz  ist  O,  ebenso  12.  2.  geordnet  —  4  Paulus!  gesetiit  lün  iege- 
lich  dineh  .  in  eine  ordiaunge  .  tu  einer  wisbait  kan  nieman  an  ain  ende  keinen  .  nicmaa  enkan 
noh  enmacli  eine  wishait  durgiilndin  .  Dauou  sp'chg  ain  hailicL  man  .  Vnsirherre  der  ist  ain  weger 
der  gaiste  .  vil  div  dincb  div  unliplich  sint  div  kan  er  gczeln  .  vD  inio  sint  orfen  elliv  hcrcon .  vn 
von  siner  wishait  spricbit  der  wissago  .  Sine  wishait  cnkao  nieman  gczeln  .  Vnde  nieman  kan 
loch  wisliche  goredin  von  siner  wishait .  vtl  sin  wishait  ist  also  tief  .  daz  ei  nieman  kan  dar  grün- 
din  mit  rede  .  Ynde  uon  der  un  cndibafti  .  uner  wishait  so  spricbit .  e.  Paulus  .  0  altitudo  divicia- 
rum  sapientie  .  0  G.  5.  dino  wege  G.  6,  ist  —  9  er]  daz  an  gölte  unairme  herren  ist  .  daz 
ist  B,  gfiti  .  dar  sine  rchtun  gäti  sun  wir  in  Diinncn  .  siner  gdii  iet  also  vil  doK  wir  in  von  allime 
reble  snn  minnon  .  wand  er  alse  gar  ano  maze  gfit  ist  ,  vli  wcre  iocb  daz  also  .  daz  wir  niemlr 
Ion  da  neu  soltin  enpban  .  von  vnsirre  miune  .  so  ist  doch  sin  gflti  also  groi .  daz  wir  in  gerne 
sun  niinnen  .  Wan  einer  gäti  ist  also  vil  .  daz  alle  creature  sine  gäti  lobint  .  Dnnon  sprichil  a 
hailich  man  .  Ez  cnist  nivtlsniht  gutes  wan  gottes  allaine  .  dez  gAti  ist  so  groz  daz  wir  in  iemir 
gerne  minnen  aan  .  Vnde  spricbit  o'cb  alsus  .  herre  G.  iO  f.  gAti  —  dir]  un  non  der  nnendi- 

lichnn  güti  div  an  gütto  unsirme  herren  G.  12.  dio — mugent]  die  Bim  wir färbdu  .  wirmngeu 

si  wol  förhtin  G.  13.  ez  —  15  Job]  Er  ribtet  unsiriv  wort .  vil  eiliv  ynsiriv  werch  .  sin  rehtlchail 
ist  also  groz  .  daz  der  wissage  spricliit ,  Vnsir  rebt  ist  rebte  als  ain  bo'se  dlnch  vor  gottcs  rehtichait . 
Job  spricbit  o'cb  ,  Die  stemen  sint  niht  lutir  uor  gotte  .  daz  ist  also  nil  geeprochin  .  dio  hailigen 
livlß  sint  iöh  nibt  reht  vor  gotte  .  Vnde  Bprichit  der  wissage ,  instus  es  domine  r  0  herre  du  bist 
rebt .  un  ist  din  gerihte  reht .  tTi  rilltest  ain  iegelicb  mensche  nah  sjnen  werchin .  Ü  ben-e  spricbit 
er  abir .  du  bist  rebt .  i'fi  minnost  o'cb  rehte  livte  .  vü  diniv  lotiiiv  o'gen  div  aebint  gerne  rehtiv 
dincb  G. 


2  f.  JEcdi.1.3.  6  f.  if.  Eom.  11,33. 

t>Ht*glia  Tcxta  dai  Blltlelaltsn.  S. 


I 


i  63,  Von  drier  handc  uffart. 

Daz  fftnfte  ist  sin  erbärmde.  zfl  der  sont  wir  züversiht  han,  won  siner 
erbärmde  ist  allez  ertrich  vol,  sprichet  der  wissag.  und  nit  allain  daz  ertrich^ 
er  mAhti  wol  gesprochen  han  daz  hyraelrich  und  ertrich  und  helle  wol  wäre 
Tol  »iner  erbärmde.      daz  hyraelrich   ist  ir  vol,    won  er  git  in  me  fröde    und 

5  wunne  denn  ieman  mug  erdenken;  du  helle  ist  och  vol  siner  erbAruide,  won 
die  dinn  sint,  die  wizgat  er  minder  [181*]  denn  si  verschult  habent;  daz 
ertrich  ist  och  vol  siner  erbärmde,  won  er  git  im  alle  die  genuht  der  wir 
und  all«  creature  leben  sont.  er  git  uns  noch  me,  daz  ist  daz  wir  mit 
kurzem  lebenn  hie  verdienen  mugent  daz  ewig  leben, 

D  Daz    sehste    ist   sin    grössi;    die    sont    wir    an    betten,      er    ist    also 

daz  in  weder  hymelrich  noch  ertrich  mag  bevahen,  und  also  sprichet  er  selbe; 
"ich  fülle  hymelrich  und  ertrich  mit  miner  grössi",  sant  Augustinus  sprichet 
'Got  Lst  in  allen  dingen  und  enist  doch  drinne  uit  bevangen,  und  ist  usser 
allen  dingen    und  entst  doch  dervor    nit  beschlossen,    und  ist  oh  allen  dingen 

B  und  enist  doch  drüber  nit  erhaben,  und  ist  under  allen  dingen  und  ist  doch 
drunder  nit  verdrukt'. 

Daz  sibend  ist  sin  ewekait.      an  der    sont  wir  uns  frowen    daz  wir 
micherlich    wissent    daz    uns    wunne    und    fröde    an    im    niemer    gebristet,    won 
er  [IHV]  ist  ain  augenge  und  ain  ende,  alz  er  selber  sprichet. 

0  Daz  ahtend  ist  schonhait;  du  sol  uns  lühten  und  erlühten.      owi,  der  reM 

erltandi  wie  gar  schöne  der  minneklich  Got  ist,  dem  wäre  uumdre  ällü  zer- 
ganklichü  schonhait.    her  David  sprichet  daz  er  schöner  si  denn  aller  mentschen 


I.  flvtiftc  Am  «u  vnsirmc  Herren  ist  .  duz  ist  Q.  won  —  4  erbÄnnde]  Wnu  der  \ 

\  «iirtelilt  ,  Hiu'riuunllu  domiul  plcna  .  0  borro  daz  ertliche  ist  irfiilltt  mit  dinir  Kruzun  irbermide. 
\  Er  ondorfie  iillit  itprccbin  das  daz  ortricho  allaino  irFüllit  wicro  .  mit  siner  irbennido  .  er  mokie 
fanii  itMprochln  diu  Hhk  hitnilriclie  un  ertrtcbo  vtl  bellerich  daz  daz  alliz  irfüllit  wsre  mit  einer  ii> 
buiiiililu  (t.  A.  ir  volj  uul  ainer  irbermide  G.  5.  erdenkon)  uirdienen  G.  5  f.  helle  — 

dliinl  liulor  liollo  O.  f),  haben  .  vn  mercho  &ine  BUndirliche  irbennido  dar  an  .  daz  in  der  htjle 
kinio  biiz  ist  donno  domo  nndirn  .  iegeiicbime  nah  alnen  Bubuldin  G.  T.  won  fehit  G.  im] 
doniii  iirtrioliu  (i.  S.  nach  sonll  Also  sprichit  der  ringcro  horre  Jacob  .  0  herro  du  hast  mich 
gofUrlt  uuo  minor  hiuthait  unz  bor  O.  mo  irbermide  uF  deme  ertricho  .  daz  wir  Q.  9.  hie 
V.  m.|  miigon  virdiunon  G,  lebin  .  vn  daz  wir  in  deme  isJ  der  betrAbide  mugen  virdicnon  Ata 
bvrcli  tM  Hvou  (Byon  Z)  der  wnnicüchiin  vro'de  G.  10.  nchsto  daz  au  gotte  ansirme  herren  ist .  ■ 
daz  i«  O,  tbenso  2(1.  291, 10.  iwer]  Wie  groz  ist  unsir  h're  G.  11.  und  —  scibel  Alsi  st>r..J 
nniir  h'ro  Cr.  14.  doch  d.  n,]  iino  doli  niht  nor  G.  16.  gedrachit  .  daz  aunt  ir  niorchin  asfl 

nniirB  lierren  grozi  G.  17,  aiblde  daz  an  unsirme  herren  ist  .  daz  ist  G,  ebenso  291,  23.  \ 

XHf.  won  c.  i.j  vii  dax  div  vro'üo  irmir  ewlch  ist .  Aleo  spricbit  unsir  berre .  Ego  auni  alpha  .  et 
(H.  Ich  bin  ß.  19.  alz  —  iipr.|  Deme  worte  entwrlei  ain  haile  (heilige  Z)  tB  sprichit .  0  hh«  da 

■prichiat  da  eiat  ain  anoKcnito  undo  ain  endo .  so  spricbo  ich  .  du  biet  ain  ancgenge .  ufi  ane  anc- 
gongc  .  vD  bist  ain  endo  ano  ende  .  Sit  donno  vnsir  \Cre  ane  ende  ittt  .  so  ist  och  div  vru'de 
cwich.  die  wir  an  imo  haln  G.  20.  ist  sin  ach.  G.  lusten  korr.  W.  nnd  erlühten  fehlt  GW. 
vor  owi;  von  ainer  scbn'nhnit  sprichit  a.  B'nh"  .  Alliz  daz  an  gotte  ist  .  daz  ist  gar  girlich 
nnde  tuadich  G.  22.  her  — si]  Der  wiseage  spriehit  uon  unsirtue  herren  .  Speciosus  forma  .  Vnsir 
berre  lat  acbo'nir  G. 


sser 
Igen 
loch^^H 

reM^^I 

:heQ  ^^1 


^32,5.  12.  Jer.a 


,24. 


19.  Äpoc.  1,  8;  21,  6;  22, 13.         22.  Ps.  44,  3. 


iH.  VoD  drier  lnuido  offart. 


891 


feint,  sant  AgTies  sprach 
schonhait',  reht  alz  ob  s 
und  der  mane  gegen  im  ai 


'dii  sunne  und  der  mane  wiindrent  sich  ab  siner 
sprächi:  sin  schonhait  ist  so  groz  daz  dii  sänne 
ün  vinstri  sint,  und  dar  zu  die  steroen,  alle  creaturen, 
alle  engel  und  all  haiigen  wundrent  ab  siner  achonhait  und  naigent  sich 
under  in  und  lobend  in.  ain  hailig  fraget  iinsern  herren  ob  wir  in  ze  5 
hjmelrich  sehend  wurdent  ane  mitli,  oder  ob  ain  tüch  enzwüschent  müsti 
bangen,  do  antwurte  er  und  sprach  daz  wir  in  sehend  wurdent  an  alle  mitli 
reht  mit  offnen  ogen;  und  daz  wir  {181"]  daz  erliden  mugent,  die  krafte  git 
lins  Got,  anders  wir  zerfürint  gar  von  der  unmässigen  schonhait  so  an  im  ist 

Daz  nünde   ist  sin  süzkait;    der    ensol    uns   niemer    verdrieiisen.      wie   söz  16 
Unser  herre  si,  daz  kan  nieman    dem  andern  gesagen,  won  er  sprichet  selbe: 
'min    gaist    ist    sftsser    denn    honig'.      und    daz    er    unz    ain    glichi   git  bi  dez 
honges    siisaekait,   daz    ist    da  von    won    üna    enkain    ding    ist    erkant    daz   eo 
süsse    si    so    daz    hong.      und  da   von  git   er    uns    da  bi    ain  glichi    daz    wir 
merkent    und  wissent    daz   enhain  ding  so  süz  ist    so  Got    unser  herre,      und  16  ' 
won  er  so  süsse  ist,  da  von  unverdrosaenlich  ist  er  allem  hymelschen  ingeainde: 
so  si  in  ie  me  niesseut,  so  sü  sin  ie  me  lustet;  so  sü  sin  ie  nie  histet,  so  si 
sin    ie   me    babent   und    hant    in    unverdrosaenlich    iemer    nach    ir   willen,     da 
von    sprichet    sant  Augustinus:   'ze  bymelrich    ist  genuht   und  öch  [182']  ge- 
breste:    genuht  ist  da,    won  si  Got    ze  allen  ziten    an  sehent  und  babent  und  a 
niessent  nach  ir  girde;    da   ist  gebreate,    won  swie  vil   si  sin  getrinkent,    so 
düretet  si  doch  allez  an  nach  im  und  werdent  sin  doch  niemer  satt'. 

Das  zehend  ist  sin  gedult;  die  sont  wir  iemer  gern  eren.  sin  gedult 
sollent  wir  an  zwain  dingen  merken:  daz  erst  ist  daz  er  uns  so  gedulteklich 
vertreit    unser  nni-eht;   daz    ander    daz  er    dem  sünder    so  gedulteklich    baitet  »  ■ 

I.  Aiao  spriehit  ,  s.  Aguea  .  CuIub  pulcritudine  sol  et  luoa  mirantur  .  Div  G.  mane  (liv 

w.  ß.  2.  ob  fehlt  G.  da«  —  4  ab]  daz  d.  m.  uö  d.  s.  rehte  ain  v.  aint  wordin  .  vil  der 
mane  .  uü  die  stcniCD  wndirout  eich  uiht  nllaine  von  aiucr  scho'nhait .  elliv  creature  wndirot  üch 
dar  abe  vfi  die  engil  vü  die  hailigen  Irechirchint  (crecreckint  Z)  von  ö.  5.  vraget«  G. 

Ö,  werden  G.  6  f.  ob  er  a.  t  e.  mflze  henchin  G.  7.  dol  vn  so  er  alaus  f^ura^t  ro  Q. 
Epricbit  alaoB  .  Daz  wir  got  werden  aehintc  ane  allir  alahte  mitioli  G.  H/1  und—  ist]  daz  wir  die 
TniDSzignn  Bcho'ohait  icmir  milden  ididcn  .  daz  wir  niht  zirbreclien  .  die  kraf  (kratc  Z)  git  uns 
got  unsir  h'rc  .  vfi  Btarcti  uns  unsir  b're  niht  .  wir  zirbriediin  alle  .  Also  ep'chs  nusir  herro  in 
Apocal3'pai .  Qui  uicorit .  Swer  alle  sine  >igcnde  übirwindet .  den  wil  itli  rehte  machon  zainir  sivie 
in  himilriche  .  Nu  mcrcbiut  waz  bi  der  BJvle  ist  bezaichint  .  ir  wizeent  wol  daz  div  sfil  daz  bus 
uf  ir  trait .  Dauon  gclictiit  uns  unsir  herro  ainir  bitIc  .  wan  er  wil  ans  mit  siner  Icraft  also  aCarch 
macbon  .  daz  wir  rebte  eivle  werden  in  himilriche  .  daz  wir  wol  alle  die  schonhait  mugen  irlidcn  . 
die  wir  angottc  sehinte  werden  G.  II.  er]  unsir  herro  G.         selbe  fehlt  G.  13.  da  von 

won]  dar  ninbe  .  daz  G.        so  fehlt  A.         14.  und  fehU  G.        da  bi  a.  gl.)  a.  gel.  bi  demo  ho- 
nige G.        1^  merkent  n.  w,]  da  bi  wol  rongcn  mercbin  O.        lif.  und  w.  e.  a,]  Wnn  e.  b.  gar  Ö. 
IB.  da  öon  ist  er  so  nnv.  allime  G.  17.  bo  -  lusfet  fthlt  A.  18.  iemer  mo  G. 

20.  genuht  i.  da]  Daz  ist  also  zeuirstxnne .  da  i.  g.  G.        si  frhlf  A.        got  unsim  herren  G. 

21.  niezint  in  nah  G.        ist  oeh  breste  G.         22.  doch  ivor  niemcri  fehlt  G.         24.  erst)  aine  G. 

üna  fehlt  G.  2S.  nach  nnrcht]  wan  swie  nnrebto  wir  tun  .  daz  uirtrait  er  uns  mit  grozir 

gedultichah  G.         andlr  ist  daz  O. 


!.  oben  S.  47  Z.19f.  if  vgl.  oben  S.236  Z.  23  ff.  12.  Ecdi.24,27. 


1 


L  898 


.  Von  drier  bände  uffart 


I 

I 


und  so  gütlich  siner  bekerde;  won  welti  unser  herre  nach  rehter  nrtail  rihten, 
so  wäre  daz  reht,  zehant  swenne  der  mentsch  in  die  sunde  geviele,  daz  in 
der  tüfel  ietz  solt  füren  in  die  helle  mit  Übe  und  mit  sele.  die  gedulte  sout, 
wir   an    ünserm    herren    rainuen,    daz    er    uns   so    mAngen    tag   baitet    und 

1  minig   jar    in    so    mänger    höbet  sünde;    reht    alz    er    spreche:    /183'J  'c 
mentsch,  ich  wil  dir  baitsn  drissig  jar,  vierzig  jar,  hundert  jar,  und  wilt 
du  ze  jungst  wider  komen,    so  wil  ich  dich  gern  empfahen    und  wil  dii- 
dine  sünde  vergeben',     o  lieber  herre  Got,  umb  die  gedult  so  mfiz  dich 
ällii    Creatore    loben    und    eren.      dich    beniiget   joch    nit    daz    du    dem  süni 

I  haltest   mÄnig  jar    in  mängen    tötlichen   Sünden,    du  ladest  in  och    daz    er 
dem  tot  widerkere,    alz  man  liset  in   der  minne  buch:   'ker  wider,    ker  wid( 
Bünder!    gedenk    daz    ich    den    bittera    tot    durch    dich    erlaid,    und    höre    min 
stimme,      gedenk    daz  ich  dich    in   miner  erbärmde    hatte    do  du  ir    unwtrdig 
wire  und  dich  des  tages  lieht  und  der  sunnen  schin  nit  solt  lühten  und  dich 

l  daz  ertlich  nit  solt  han  getragen  von  rehter  unwirdekait:  do  hatte  ich  gedulfe; 
über  dich  und  han  dir  allez  an  gebiten  uff  den  trost  daz  du  dich  nor~ 
bekertist.*    [183 'J 

Daz  ainlfte    ist  sin  demfit;    die  sont  wir    iemer    loben,      na    raerkent    dez 
guten  Gottes  deraüt,  daz  der  gewaltig  Got,    der  gi-oz  Got,   der  hob   Got,  der 

}  unmAssig  Got  sich  genaigte  zu  aim  kranken  mentschen,  und  zu  aim  sündigen 
mentschen  gerächte  ze  kommen  mit  siner  gnade,  und  noch  hüt  dis  tages  nai- 
get  zu  aim  ieglichen  mentschen,  swie  arm  nnd  swie  sündig  ez  si,  daz  el ' 
von  rehtem  hertzen  siner  gnade  gevt. 

Das    zwelfte    ist    volkomenhait;    der    sont    och    wir   nach  volgen    an   allen 

i  lügenden  und  an  allen  guten  dingen,  er  ist  volkomen  an  nizhait,  an 
schüni,  an  güti,  au  miltekait,  an  erbärmde  und  kurtzlich  gerrett  an  allem 
gute,     und  also  sont  och  wir  der  selben  volkomenhait  uns  äissen  so  verre  wir. 


2.  bo'bitsände  G.        3.  ietz]  icsa  O,  zebüt  Z.       5.  eo  fMt  G.       7.  ze  jungst]  an  der  iungist 
■lande  .  dinia  lebinnis  G.      diob  fehlt  (!.      8.  o)  0  berre  uil  G.      mftzon  G.      10,  manigir  totlicban 
sGndeG.       II.  nach  böcb]  Eeuertere  .  reuertero  G.       12.  crho'ro  G.       13.  stimme  ,  vn  kor  widir  . 
Gedenchc  eundir  daz  G.       ir]  «t  G.        14.  dich  doej  h  dir  doe?      solt  I.]  eolte  han  an  gescbincn  G'. 

15.  ban  getr.]  uirdolcn  G.  16.  libir  dicb  .  dur  die  episo  die  du  izBost  dammbe  irbanuist  da 
mich  .  vQ  G.  17.  bckoreet  .  dur  mine  gedaitichait  .  so  tct  ich  daz  dur  die  grozan  gedutt  snii 

wir  ansim  herren  wdI  eten  0.        IS.  aintivfto  daz  an  gotte  aDBirme  herron  \%X,  daz  ist  G,  ebenso  24. 

20.  got ,  daz  sich  der  genaigite  G.  2\f.  noch  —  naiget]  sich  also  genaigit  Q.  22.  nnd]  ez 
ist  .  aide  G.  si]  ist  .  aide  da  uor  ie  wart  G.  23.  gert  .  so  naigit  er  eich  mit  üner  gnade 
lirao  G.  24-  och  —  volgen]  wir  o'ch  gerne  nah  uolgen  ,  Dar  an  (war  an  ist  ot  voUeconi6  Z  W} 
an  ainir  tugint  .  odir  an  zwain  .  nivt  .  imc  eniat  niht  aisu  or  ist  gar  uolie  komin  G,  25/*.  an 
wizh.  —  293.  4  Übe]  an  schonhait  vnde  an  wisbait  a.  g.  vfl  a.  m.  a.  irb.  uQ  an  s&zicbut  .  Vnde 
kntzliebo  alliz  daz  an  uasirme  herren  gotte  ist  .  daz  ist  alliz  ane  mazc  .  vn  ane  zal  uoUekomin  . 
Vnde  do  gottes  sun  vf  ortricho  waz  .  do  waz  er  gar  uollekomin  an  allen  tugiudin  .  vfi  swaz  ie  gAtir 
dinge  wart  .  daz  waz  alUz  gar  an  ime  vollekomin  .  Also  sprichit .  s.  Jobannes .  In  (An  Z)  gottes 
Bnne  waz  div  gnade  ane  maze  uollekomin  .  vH  och  dio  tuginde .  Sit  denno  div  gnad» 


lez  ^ 

ler 
en 

4 

en 
an 
im 
wir^^H 


11.  Cani.  6,  IS. 


39.  Von  drier  hando  uftart. 


tiia£;ent,  und  sont  unser  leben  nach  sim  bilden,  wie  volkonien  er  aber  si  in 
siner  hohen  gothait  und  in  sinei-  [182"/  werdekait  und  in  siner  unmässigen 
süzkait,  daz  mugent  wir  niemer  bevinden  e  daz  wir  in  begriffent  und  in 
sihteklich  gesehent,  daz  beschiht  nach  disem  libe. 


16'4.J  Von  unser  vrowen. 

K       (Ego   quasi   vitis  fructißeavij. 

"      Unser    vrowe   gelichet    sich    ainer   rebun    und   spricheti    "ich    bin    alz    ain 
rebe  frühtig'. 

Durch  dri  sache  gelichet  si  sich  ainer  rebun.  du  erst  ist  daz  dli  rfibe 
blüget,  und  swenne  daz  ist,  so  flühet  daz  ungewurme  der  von:  ze  glicber  u> 
wis  unser  vrowe  blute  an  allen  tugenden  alz  volleklich  daz  ir  dehain  bozhait 
mohte  nahen,  daz  ander  ist  daz  du  rebe  iü^et  mit  ir  schatten  der  sunnen 
schin :  also  tut  och  ünserr  vrowen  gebet :  daz  kület  ünsera  herren  zorn 
wider  dem  sünder.  daz  dritte  ist  daz  du  rebe  untäi'e  ist  ussnan  an  der 
rinden  und  bringet  doch  vil  edel  fruht:  also  waz  du  hymelsche  mn[183'']  15  ■ 
rebe,  unser  liebü  vrowe,  demütig  und  verworfen  uswendig  und  brahte  den 
h^melschen  win. 

Uff  dirre  reben  wart  drier  band  win  gepflan2et;    wis  win,    rot    win   und 
gewürzter  win. 

Der    wiz  win    waz    ir    mägtlichü    künschi;    da  von    si    unser  herre   lobet  a»  1 
daz    si    sigi    ain    zwirent    beschlossen    garte,     won    si    rain    waz    an    Üb    und 


tngint  an  ime  ao  gor  uollckomin  waz  .  so  Bim  o'ch  wir  gemo  sime  lugintlichtme  leblnne  nah  uolgen  . 
Wan  dur  sino  volle kominhsit .  so  snn  wir  ime  nali  aolgen  bo  uil  wir  iemir  mngin  .  vode  setze  (ür 
dich  ain  lebiodiz  lebin  .  v&  bilde  dich  dar  nah  .  Wan  awer  sin  lebin  ffir  eich  aetzit  .  vfl  sich  dar 
nah  zlvhit .  der  mach  wol  groze  tuginde  uFi  uollekomineB  lebin  von  ime  nctnin  .  Nu  mcrche  afeügir 
mensche  wie  uollekoniin  anair  herre  iat .  tax  allin  dingen  inainlr  grozun  gothait .  un  in  ainer  hohun 
wirdichait  .  vfi  in  einer  übinucraigiin  sSzichait  .  da  er  ume  saue  nah  der  mOschoit  so  nnmiezige 
Bcho'Di  vQ  uollekominhait  gap  .  wie  vollekomin  er  ai  in  ime  aelbin  .  da  er  insinir  gothait  uQ  iu 
ainir  monschait  ist  .  vil  an  allir  einer  wnno  .  daz  enkan  nieman  irdenchin  .  noh  da  uon  geeagin  ■ 
e  daz  wir  in  begriffen  .  utl  gesihcicilche  geaeben  .  mit  aicbirlichir  ewichait .  uü  in  siner  menachait . 
Ir  sunt  abir  daz  wiesen  .  daz  wir  iäz.(t  nibt  mugeji  komin  .  wir  enuulgen  o'ch  du  vf  ertriche 
aineme  mensclichime  lebinne  nah  mit  allir  tuginde  GZW. 

5.  Überschrift  fehlt  Ö,  Von  vnaerre  vrowen  (rot)  Z,  Von  eant  Peter  W,  jedoch  später  von 
dertelben  Sand  korr.  in  De  beata  Maria.  6.  Der  tat.  Text  fehlt  Ä.        7.  aich  an  dieen  werten 

ainir  ÖZ.  aprichet  —  9  erst!  gescbiht  daz  dur  drie  aache  .  Div  erate  sache  GZ.  10,  und 
fehlt  G.  vngewrme  alliz  da  uon  G.  1 1.  unser  vr.]  waz  u.  liebiv  vr.  wol  ain  win  rebe .  Wan 
Bi  ff.  12.  daz  du]  div  win  ß.  blflgct  AZ,  kület  ff.  13.  och  fehlt  G.  11.  die  eündere 
D.  dr.  iat .  div  winrebe  ist  nntKro  nzeinan  G.        15.  fruht]  wchir  G.        18.  vrowe  .  si  wae  dem.  O. 

brahte  doch  ff.  IS.  vor  tot]  Vnde  G.  20.  waz]  daz  ist  ff. 


5.  Die  Predigt  findet  sieh  in  ff  Bl.  103',  Z  Bl.  121',   W  Bl.  90',  N  Bl  95',   H  Nr.  SO; 
fehlt  Phül.  vnd  Arundel  —  OednuJct  nach  Ä  bei  Wackemagel  8. 106.  S.  Ecdi.  34,  33. 


394 


,  Von  üaeer  ^ 


t 

15 

t 

20 

i 


an    bertzen.      'ir    küschi    übertiiffet',    spricht    ain    hailig,    'aller    mentecheu 
kusehliait'. 

Der  rot  win  daz  waz  and  ist  ir  minneklichä  minne.  die  merkent  in  dri 
wis:  du  mäht  Got  minnen  dur  din  selbes  willen,  daz  ist  also  daz  da  in 
minnest  durch  alles  daz  daz  er  durch  dinen  willen  ie  getet;  der  solt  dn  im 
Ionen,  der  niinne  Ion  den  er  dir  dar  umb  git,  daz  ist  du  götlich  angesiht 
nnd  dii  hjmelscli  vröde.  won  daz  ist  der  pfenning  den  linser  lierre  allen  den 
git  die  in  sim  wingarten  &r[18S''Jbaiteut.  du  mäht  och  Got  rainnen  durch 
»ich  selben,  daz  ist  also  daz  du  in  durch  siu  tugend  minnest:  durch  sin 
schonhait,  durch  sin  süzkait,  dur  sin  miltekait,  und  aller  maist  durch  sin  vol- 
komnen  güti,  der  minne  Ion  ist  aber  daz  diu  sele  sol  sin  da  Got  ist,  nil 
sprichest  du  vil  lihte:  'owi,  wa  ist  er  denne,  sit  daz  in  hynielriche  noch 
ertrich  begrifen  mag?'  dez  antwürt  ich  dir:  'er  ist  in  im  selben',  so  fragest 
du  fiirbaz  und  sprichest;  'owe,  sol  ich  denn  mit  dem  Ion  genäg  han?"  so 
sprich  ich:  'ja  zwar,  so  uns  Got  gesach';  won  da  nirt  gefitget  daz  binlin 
zu  dem  honig,  du  nahtegal  zfl  der  hai-pien,  der  ysop  zu  dem  baisam,  der 
h^rtz  zu  dem  ewigen  brunnen,  der  steni  zfl  dem  liebten  sminen.  da  von 
vröwe  dich,  sälgü  sei,  iemer  und  iemer  äu  ende,  won  du  siu  solt  da  Got  ist, 
und  also  in  in  solt  gefüget  werden,  du  mäht  öch  dich  selben  minnen  dnrch 
Got,  won  er  dich  ge.flSä'Jsch&ffen  hat  und  dich  also  sere  geminnet  hat,  und 
also  daz  er  mentsch  dur  dich  wart,  dich  selben  solt  du  also  minnen  daz 
du  dii'  selben  kaiu  ding  ze  gute  tfigist  durch  dez  libes  gemach  won  allaine 
durch  Got,  daz  du  im  dester  leiiger  gedienen  mugest.  der  minne  Ion  ist  daz 
du  solt  singen  und  wüffen,  schrien  und  rfiffen:  'o  herre,  du  bist  min  und  ich 
din;  ich  bin  din  kint,  du  bist  min  vatter;  ich  bin  din  geschepfde,  du  bist 
min  schepfer;  ich  bin  din  junger,  du  bist  min  raaister;  ich  bin  din  sele,  du 
bist  miu  sälde,  du  bist  min  vröde,  du  bist  min  ere,  du  bist  mir  alles  daz 
ie  sätges  wart,  du  bist  min  tail  daz   beste.'    diz  dri  minne  hat  unser    rrowe, 

1.  vor  ir]  Also  Bprichit  ain  hailich  man  .  von  vnBirro  licbun  vro'wn  G,       apr.  a.  h.  fehlt  O. 
3.  kix-schichsit .  Ain  hailige  Bprichit  o'ch  daz  »i  gotte  wol  geuiel  zainir  mfltir  dur  ir  kivschichait  ff. 
lin.]  liiv  wnniclicho  G.      Hie  A.      nierchc  G.        5,  nllea  daz  d.l  cllfT 
Inno  Z.         6.  Ion  ist  .  den  GZ.        daz  ist  GZ,  fehlt  Ä.         7.  den 
nneo]  Div  andir  minne  ist  .  dax  du  got  minnest  G.         H.  also]  dtv 
tl.  daz  daz  din  sceligiv  eele  G.  12.  vil  fehlt  G.         0  we  uil 

1  bist  du  denne  .  Sit  dich  himilr.  G.        13.  begrifen]  niht  beuahin  G. 
iwe  uil  iiebir  horre  got  .  soi  ich  mit  ff.  17.  von  fehlt  Ä, 

lir  vn  icrair  G.  ISf  won  —  solt]  Nn  ^t5wo  dicb  iemir  ssligiv 

nsir  horre  .  vfi  »olt  ingot  G.        19.  du  —  minnen]  Div  dritte  minne 
20f.  und  aleo  fehlt  O.         21.  dich  selbon  b.  d.|  du  solt  dich  dar 


V  ff.  der  1 
8.  du  —  n 
line  tuginde  ff. 
e  ewigir  got  i 
■,  fehlt  G. 

eelo  .  wau  du  solt  sin  da  g.  i. 
Ist  daz  du  d.  s.  minnest  ff. 


1 


minne  G. 
Iiebir  got . 


IS.  selo  . 


22. 


got  G. 
I  din  .  daz  sol  n 


1  allaine]  niht  wan  ff. 


2S.  loDpt  vro'lidio  ged.  ff. 


2if.  ich  bin 


r  State  sin  .  Ich  GZ.  !S.  nadt  vatter]  Ich  bin  din  dime  .  da  biet  nilii 

■e  GZ.         28.  swiigw  un  götes  ie  wart  G.        Dise  G.        hello  G. 

1  f  im  JnscWu/J  an  Cuul.  4, 13.  IS  f.  vgl.  ölen  S.  387  Z.  18  ff.  u.  Wackemagel  S.  JTÜ 

Z.  73 If.  wad  S.  378  Anm.  24  f  vgl.  Wackemagel  S.  170  Z.  61  ff. 


.  Von  unser  vrowen. 


296 


dar  nmb  bat  si  och  dri  löne  eupfangen  und  dar  zä  noch  me  denn  alle  zungen 
mugent  volbringen. 

Der  gewürzde  win  der  na  dirre  reben  wuchs ,  daz  waz  ir  vil  liebes 
kint,  Jhesus  Christus  [183^],  an  dem  vil  m&nig  tusent  edler  wurtzen  sint, 
daz  sint  sin  edlen  tugent.  aber  zwo  aller  edlesten  wurtzen  sint  an  im,  daz  6 
ist  du  gothait  und  du  mentschait.  waz  würzen  hat  er  me?  entriiwen,  do 
ist  er  der  schön  Got,  der  riche  Got,  der  stark  Got,  der  wis  Got,  Got  der 
ewig,  nu  füge  daz  zesamen,  so  ist  er  dii  schöne  richait,  du  riche  scbonhait, 
d«  starke  ewikait,  dil  silig  wisshait,  dii  ewig  sillikait. 

Den  ersten  win  schenket  man  in  silbrinen  köppfen,  daz  sint  du  schönnen  l 
and  d«  süssen  wort  von  Gölte,  den  andren  win  schenket  man  in  guldinen 
köppfen,  daz  ist  du  gotlich  warhait  an  siner  minneklicher  gelübde,  also  daz 
uns  mit  gegenwürtiger  warhait  Got  wirt  gebend  allez  daz  er  uns  hat  ver- 
haissen,  und  noch  denn  tusentstund  me;  daz  enzündet  die  minne  in  dem 
hert/"iS47zen  und  raitzet  uff  den  dienst,  den  dritten  vnn  schenket  man  uss  l 
saveriuen  köppfen,  daz  ist  aiu  rainnes  hertze,  daz  Got  in  im  hat  und  mit 
im  frölich  umb  gat  und  mit  im  nf  und  uider  gat  und  in  durch  enhain 
ding  lat  und  dem  laid    ist  allü  missetat  nnd  mt  entüt  äu  Gottes  rät 

Zu  andren  lügenden  die  der  mentsch  hat,  so  sol  er  sich  flissen  sunder- 
bar  fünf  tngend.  du  erst  ist:  swenn  du  an  din  gebet  gast,  daz  dn  dinü  ogen  a 
und  din  ussren  sinne  besliessist,  und  ker  denne  alle  din  gedenke  und  din 
girde  krefteklich  an  Gotte.  du  ander  ist:  swaz  unser  herre  töge,  daz  dich 
daz  allez  gut  dunk  und  daz  ez  din  wille  si,  won  dez  sint  wir  schuldig,  du 
dritte  ist  daz  du  dich  Öissist  daz  du  allü  dinü  ding  tügist  in  rehter  demüt. 
du  vierde  ist  daz  du  dich  lli.ssist  daz  du  gedul/7S4  Vtig  sigist  in  diner  arbait.  a 
du  fünfte  ist  daz  du  allez  daz  du  lügest,  daz  du  daz  anvahest  und  vollen- 
dest in  ünsers  herren  nanieu. 

Dar  nach  solt  du  dich  flissen  drier  tagend  in  allen  dinen  werchen.  du 
erst  ist  Gottez  vohrte :  daz  du  gedenkest  daz  unser  herre  mit  sinen  göt- 
lichen   ogen    din    lip    und    din  sele    luterlich   schowet.     du    ander    ist    demät:  9 

1.  dar  zu  n.  me]  noh  nie  lones  G.  2.  inelitin  für  bringen  G.  'Af.  Der  —  Chrietna]  Der  dritte 
win  der  uf  der  wnniciicbun  laiegido  walisit  .  daz  waz  der  gewrzte  win  {na(k  win  )iat  Z:  was  bt 
abir  der  gewürzote  win) .  Aat  iat  der  küniginne  kint  ,  s.  muTiun  .  div  raine  monecbait  iLu  xpi  ii. 

4  f.  sint  ~  edieBtcD)  iet .  die  wrza  merchiut  aosiner  manicualtiKun  tuginde .  Zwo  edile  Q. 
5  /:  daz  iat]  Von  himilriche  G.         G.  und]  Von  ortricbo  ff.        do)  bo  G.         7  f.  Got  d.  ew-l  der 
ewigo  got  ff.       9.  dv  A.      ewikait]  wiatiaic  ff.      wisshait]  ewicbait .  vfi  ff.       10.  win  den  seh.  ff, 
ehenso  \a.  11.  dv  A.        iiacA  Gutto]  div  kivschiebait  lerent  (lebent  Z\  vil  liobint  .  vfl  da  von 

der  mcsche  kivsehe  wirt  ff.  13,  uns]  dir  beidemal  ff.  15.  laizit  dich  ff.  diwt  Ä. 

um]  in  ff.         16.  Saphiren  ff.        rainis  utl  aiu  sxlich  herce  ff.         IS.  ding]  eache  ff.        19.  der 
sxlige  m.  ff.  er  s.]  sich  der  mensebe  ff.  20.  du  erst]  daz  ff.  2'2.  andir  tugint  ist  ff, 

ähnlich  Tif.        t&t  ff.        23.  Bchnldich  .  swaz  unsir  herre  tu  daz  unz  daz  attiz  göt  dunche  O. 
25.  vierde  tugint  daz  ist  ff.  26.  du]  Daz  O.  daz  du  nach  ist  fehlt  G.         29.  uorhto  .  vfl 

daz  ff.         30.  andir  tugint  daz  ist  ff. 


64.  Von  finaer  vrowen. 

won  alz  yil  wil  dich  unser  herre  erhöhen,  alz  verre  da  dich  demätij 
du  dritte  ist  daz  du  an  allen  dinen  werchen  so  du  tbgist,  alwegent  i 
denkest   waz   Got   dar    au    alter    liebst    und    aller   loblichest    si,    daz    du 


5  165.}   Ton  der  bezalctanung  Gottez  namen. 

Unser  herre  hat  m&ngen  namen  die  bezaichenlich  sint. 
Der  erst  haisset  'Emanuel',   daz  sprichet:  'Got    ist    mit    uns',    und 
reht  zu  der  kundung  ilnsers  herren,  do  er  die    mentschait  an  sich    nam 
der  nserwelter  magt,  (184'J  der  hocltgelobten  künginnen  sant  Marien;  won 
10  begunde  er  mit  uns  ze  sinde  in  der  meutschbait,  alz  er  och  selb  sprach  i 
er  mit  iins  sin  welle  unz  an  daz  ende  der  weite. 

Der   ander    nam  haisset  'adrairabilis ',    daz    sprichet  'der  wunderlich  i 

und  höret   zu    der   gebnrt    i'insers    herren;    won    dii    waz  wol  wunderlich, 

ain  tohter  gebar  ir  vatter  und  ain  unibewolnii  magt  ainen  man,  nnd  erschi 

15  ir  selbes  nature  ab  dez  hohen  Gottes  geburt,  den  si  an  dise  well  gebar. 

Der  dritt  nam  haisset   'consiliarius',  daz  sprichet  'ain  rätgeb*,    nnd  höret 
20  ünsers  herren  predie,  won  er  lerte  und  riet  daz  man  im  nach  volgeti. 

Der  vierde  haisset  'dens',  daz  sprichet  'Got',  und  höret  zfi  den  zaichen 
ünsers  herren  du  er  tet  uff  ertriche,  die  nieman  getan  mohte  won  er  allaine. 
20  Der  fünfte  haisset  'fortis',  daz  sprichet  'stark ',  und  höret  rehte  zfi  der 
marter  ünsers  [184'']  herren,  an  der  er  wol  zaiget  sin  sterki;  won  er  ül 
wand  an  dem  crütze  den  tüvel  und  enband  uns  von  der  sünden  banden, 
den  wir  me    denn  fünf  tusent  jar  gebunden  warent. 


1.  wil  —  demadgest]  du  dich  ntdirst  .  slsc  uil  wil  er  dich  ho'bin  .  Swenne  wir  gedeni 
daz  nnsir  herre  so  groa  ufi  ao  gewaltich  ist  .   vTi  it  sicli  so  gar  geuidirte  dnr  ansirn  willen  . 
mögen  wir  armin  meDschin  wol  gerne  uqb  demälin  ,  dur  sincn  wiUen  .  wan  wir  doch  von  so 
kranchir  nature  grachaffin  sint  G.  2.  ist  —  4  lögest]  tngint  ist  .  daz  du  an  aime  iegelichin 

wcrcbc  daz  du  tOBt .  daz  du  wortis'niest .  waz  mäht  du  nu  'an  disime  wcrche  getan  daz  gotte  allir 
liebiat  si  .  vü  da  oon  nnsir  her  an  dir  gelobit  werde  G  WZ.  5.    Übcrscliriß  fehlt  G,  W  <im 

Rande:  Sermo  XVIILI  und  iceiter  unten:  Nomina  Christi,  Von  vnerrs  herren  ihn  cristi  nsme  (rot)  Z, 
Vp  den  haiige  jairedach  .  vä  tieyn  namfi  Phill.  6  fehlt  GZW.  7.  Der  eiste  name  umära 

herren  der  haizit  so  beginnt  GZW.  10.  er  fehlt  A.  lö.  oin]  der  G.         ho'rit  rehte  G, 

ebenso  18.  17.  won  —  volgeti!  i"  dien  er  daz  lerte ,  daz  man  elliv  dinch  lize  (sol  lazen  Z)  vfi 

ime  uH  sincn  gebüttin  nah  sol  uolgen  allaine  G.  16.  vierde  name  h.  G,  ähnlich  20.  19.  Qnscra  — 
tct]  div  vnsir  herro  tct  G.  21.  er  wol  —  23  warentj  zaigite  e.  w.  s.  st.  do  er  sprach  .  uin 

selo  ist  beträbit  nnz  an  den  tot  .  vli  sprach  o'ch  .  natir  muge  ez  ein  so  irla  miüb  dirre  niartyr  . 
Herre  uatir  min  wille  werde  niht  .  niuwan  der  dine  werde  .  da  mitto  la'rte  er  uns  .  daz  wir  unür 
gemAte  sun  Ubirwindin  .  vn  daz  widir  nnsirme  hercen  ist  .  da  lä  sun  wir  unsir  hcrce  berailen  . 
daz  ex  nnsir  wille  si  .  vn  do  er  gcbundin  wart  an  daz  crdce  .  do  enbant  er  uns  uon  dez  tienils 
bandln  .  mit  dien  wir  gebnndtn  waren  me  denne  fivnftuBint  iar  do  er  ungebundin  waz  G- 

5.  Dag  Stück  findet  in  G  Bl.  105',  Z  Bl.  123'-,   W  Bl.  92\   N  Bl.  97'.   R  Nr.  29, 
El.  tl3'';  fehlt  Arundel.        7.  im  Atischlufl  an  die  leai.  9,  6  angeführten  Kamen.         1 1.  Matl.S8,i 


] 


65.*Von  der  bezaichnung  Gottes  namen.  297 

Der  sehste  nam  ist  'festina  spolia  predare',  daz  sprichet  'ille  balde, 
balde  roben  die  röbe!'  und  höret  reht  zu  der  verte  die  du  hailig  sei  ünsers 
herren  zu  der  helle  tet,  do  der  lip  in  dem  grabe  lag  vol  der  höhen  got- 
hait,  die  sich  nie  von  der  mentschait  geschiede;  und  nam  aber  d&  hailig  sei 
den  rob  den  der  tüvel  da  vor  mängen  jaren  genomen  hatte,  daz  warent  die  5 
haiigen  seien. 

Der  sibend  nam  haisset  Spater  futuri  seculi\  daz  sprichet  'ain  vatter  der 
künftigen  w^lt',  und  höret  reht  zä  der  urstendi  ünserz  herren,  mit  der  er 
uns  kunt  tet  daz  ewig  leben  libes  und  seien  uns  künftig  ist.  es  warent 
vor  im  uf  gestanden  vil  [185'*]  toten;  die  ständent  aber  uf  also  daz  si  aber  lo 
mästent  sterben,  er  stfint  aber  also  uf  daz  er  nit  me  sterben  sol,  er  sol 
iemer  me  leben:  da  von  ist  er   wol  ain  vatter  der  künftigen  weit 

Der  ahtend  haisset  'princeps  pacis*,    daz  sprichet   'ain  fürste  dez  frides', 
und  höret  wol  zä  der  ufverte  ünsers  herren;  won  er  waz  do  wol  ain  fürste 
dez  frides,  do  er  sin  vigind  ze  hfmel  mit  im  färte   und   da   ain   stäten   sün  15 
machte  enzwüschent   dem  vatter  und    dem  mentschen,  du   iemer   stät    sol  sin 
an  ende. 

Der  nünde  haisset  'Christus',  daz  sprichet  'der  gesalbet*,  und  höret  wol 
zä  dem  phingsttage,  do  unser  herre  sin  haiigen  gaist  sante  den  jungern  und 
sinen  erweiten,  der  da  ist  ain  ewig  salb  aller  hertzen.  20 

Der  zehend  name  haisset  'Jhesus',  daz  sprichet  'ain  behalter',  und  höret 
wol  zä  dem  jüngsten  tage,  so  er  behaltent  wirt  die  sin  erweiten  sint  [185*"] 


1.  ist]  haizit  G.        if.  ille  b.  b.]  rehte  yle  Q.       balde  balde  fehlt  Z.       2  f.  unsere  h.  fehlt  G. 

8.  tet]  ffir  G.         der  hailige  lip  G.  5/*.  da  —  seien]  genomin  hate  da  nor  nor  m.  i.  an 
inanigir  scho^nir  sele  .  die  edilin  staine  die  nam  er  alle  .  vfi  alliz  daz  er  gfites  vant  G.       8.  velt  Ä, 

9.  uns  k.  ist  fehlt  G.  10.  abir  alle  vf  G,  11.  fMch  aber]  niht  also  vf .  er  st&nt  G, 
nit]  niemir  G,  12.  me  ewicliche  leben  G.  13.  ahtode  name  h.  G,  ain  fehlt  G,  14.  wol 
fehlt  Gy  ebenso  18.  22.  15.  himilriche  G,  16.  und  d.  m.]  der  ho^hnn  gotbait  .  vfi  der 
menschait  G.  18.  nivnde  name  der  h.  G.  spr.  rehte  G.  19  f.  dem  —  hertzen]  der 
hohgezit  do  unsir  herre  den  hailigen  gaist  sante  sinen  inneren .  vnde  sinen  erweiten  .  der  da  ist 
ain  ewigiv  salbe  .  mit  der  salbnn  salbote  er  sine  iungire  an  dem  phinkistage  .  vfi  o*ch  noch 
hiYte  tAt  .  so  salbote  er  siniv  liebin  kint  .  mit  sime  hailigen  gaisto  .  vfi  enzündit  ir  (er  ir  Z) 
herce  .  vnde  entlivhtet  ir  tuginde  vfi  sterckte  niv  an  allen  guten  werchin  mit  der  süzun  salbe  sines 
hailigen  gaistes  G.         21.  ain  fehlt  G,         22.  er  fehlt  J.         alle  die  sine  GZ. 


1.  im  Anschluß  an  Isai.  8,  1, 3,  18.  21.  vgl.  Matt,  i,  16. 


.  Von  drier  bände  fleken  dtr  Äe. 


/6'6./  Von  diier  hande  fleken  der  sele. 

[Domine  quis   kaMtabit   hi    tabernacuh   tuo   etc.] 

"Herre.    wer   soi  wonen    in    diner    pfallentz  und    wer   sol    rfiweu    uff  dim 
haügen  berge?'    sass  fraget  der  wissag  ünseru  herren.    dez  antwfirt  im  unser 
5  herre  und  sprach:  'daz  sont  alle  die  sin  die  an  flekeu  sint'. 

Drier  hand  fleken  sinl:  der  erste  ist  der  den  wir  geerbet  hant  von 
finserm  ersten  vatter  Adam,  und  ien  nimet  der  töf  ab.  der  ander  ist  höbet 
Sünde,  der  die  hat.  der  dritte  ist  tägliche  sünde.  alle  die  die  dirre  drier 
fleken  inig  sint,  die  werdent  wonenl  und  rüwent  uff  miaem  berge. 

10  Do  der  wissag  die  antwürt    ünsers  herren  veruomen  hatte,    do  sprach  er 

hin  wider:  'sit  dem  also  ist,  so  wil  ich  mich  gern  hüten  vor  disen  fleken 
baidä  der  höbet  sünden  und  och  der  täglichen',  swer  sich  da  vor  behfitet, 
der  tut  gr&sser  zaichen  denn  ob  er  ain  toten  uf  macheti  stände,  sprichet 
sant  Jeronimus,    und  gewinnet  och  drie  nütze  da  von.     der  erst  [185']  nutz 

15  ist  daz  in  Got  selbe  mit  sinem  munde  lobet,  und  alle  die  in  hymelriche  sint, 
und  die  iüte  alle  dar  zu  die  uff  ertrich  sint,  die  ez  an  dir  wissent  oder 
die  ez  verneraent,  die  lobent  dich  dar  umbe  und  sint  dir  dester  bölder.  daz 
ander  ist  daz  ällü  dinü  wort  und  dinü  werch  Got  loblich  sint  und  anpfellig, 
und    hant    so  grosse    kraft   vor    sim  antlütz    und  in    sinen   oren   daz   er   allez 

30  daz  mäz  tun  dez  du  in  bittest  rehter  dinge,  der  dritte  ist  daz  din  sele 
alz  zehant  so  si  von  dem  libe  geschaidet,  varend  wirt  für  daz  wunuenklich 
antlütz  ünsers  herren  und  ersiht  sich  denne  in  dem  götlichen  Spiegel  iemer 
me  äu  ende. 

1.  ÜberKhrifl  fehlt  G,  dor  wiseago  (rot)  Z.  W  am  Rande:  Senoo  XX.  2.  Der  lat.  Tejt 

fehU  A,  Der  wiwa^e  sp'ch;  Domino  —  etc.  Er  uralte  \'nBirn  herreo  .  vode  sprach  6Z.  8.  Herre 
ap'ch  er  wer  G.         dlner]  dirre  G.         boI  bi  dir  rüwen  G.  ^.  süss  —  hemm  ftMl  G. 

5.  Bin  fehit  G.  6.  Drier  —  ist  der]  die  ane  den  vlechin  sint  GZ.  T.  dio  A.  7  f.  und  —  t. 
flünde]  duz  ist  der  viecho  den  vns  der  to'f  abe  niuct  -  d.  a.  vict'he .  daz  ist  der  vlcohe  der  ho'bit 
eundon  .  daz  dritte  vioehe  ,  daz  ist  der  viecke  tegelichir  sfindon  G.  9.  werdent —  11  ist)  suu 

bi  mir  wonen  in  minir  phalllnze  vll  sun  bi  mir  rüwen  vffen  m.  baili^o  b.  do  aDlH'rto  iiue  der 
wiiiBage  unde  sprach  .  llerre  G.  11.  disen  —  16  lobet)  ho'bitsündon  .  vH  uor  tcgilicbeo  slin- 

don  .  Bo  waiz  ich  wol  herre  daz  dir  min  dienist  aDphaocücb  ist .  vH  miniv  werch  .  vn  daz  du  midi 
eroBt .  dez  lallee  des  Z^  ich  dich  bitte  .  Dauon  sprichit .  s.  Jeronimus  -  Mensche  hQto  dieh  uor  ho'bit 
efindon  .  vfj  uor  (etlichen  aftndon  (e^^dcn  vnde  vor  ulleo  avndon  Z} .  vfl  swie  du  dich  da  uun  (vor  / 1 
hfitcxt  .  BO  hast  du  nil  gru'zir  zaiebin  getan  .  dcnne  du  ainen  totin  macbetiet  tebinde  .  vti  ge- 
wnniflt  du  o'ch  dric  lo'ne  dran  .  die  uü  nutzbare  sint .  der  erste  Ion  ist .  dich  lobit  gut  sclt>e  m. 
B.  m.  G.  IS.  Vudo  da  zO  alle  die  livto  die  vf  G.         17/'.  vemement  —  ainti  non  die  uirne- 

inint  .  die  mllzon  dich  io-bon  .  vndo  dar  umbe  desto  hü'lclir  sin  .  Der  andir  autz  ist .  elliv  diniv 
gOtin  werch  .  \-a  diniv  wort  div  sint  g.  I.  G.  21).  der  —  22  spIcgel]  Der  dr.  nuti  ist  .  alBC 

Bcbicre  so  d.  s.  uon  dinom  munde  (libe  Z)  scbaidct  .  so  vert  si  zehant  [,  d.  vro'Ücbe  a.  v.  h.  in 
dem  wuniciiehin  spiegile  irsilisl  du  dieh  denne  GZ.         23.  me  fehlt  G. 

l.  DU  Predigt  findet  sich  in  G  Bl.lOS",  Z  BH34'.  dessen  Text  G  folgt,  \VBl.94.  S  Bl.98'. 
H  Nr.  38  und  Cod.  Pal.  germ.  24  BI.  357b  der  Heiddberger  UniveraitäUbibliolhek ;  feltlt  PltÜL 
Arundrl.  2.  Ps.  U,  l. 


^^^^^^^^M  67.  Von  den  schaden  tSglicber  sfinde.  899        I 

H  f67J   Von  den  schaden  täglicher  sünde. 

^B  Nun  sunderlich  scLaden  emphaliet  du  sele  von  tüglichen  süuden.  der  erat 
■*St  daz  si  Got  gaischlich  nit  gesehen  mag  in  disem  libe;  won  reht  alz  der 
nebel  ierret  die  ussren  ogen,  daz  si  uit  gesehen  mtigent  die  sunnen,  also 
ierrend  6cli  [185''J  täglich  sünde  dez  hei'tzen  ögen,  daz  si  Got,  die  waren  s 
sunnen,  nit  gesehen  inugent.  der  ander  ist  daz  si  Gottes  nit  erkenuent  noch 
enminnent  noch  er  sü,  alz  er  täti  ob  der  mentsch  sich  vor  täglichen  Sünden 
hutL  der  drit  ist  daz  Got  dez  mentschen  gebett  nit  erhöret  swez  ez  in 
bittet,  alz  er  täti  ob  ez  sich  vor  täglichen  sünden  hfiti.  der  vierde  ist 
daz  dii  sei  masig  und  entrainnet  wirL  der  fünfte  ist  daz  der  tufel  er-  lo 
fröwet  Wirt  der  sehste  ist  daz  Got  da  von  betrübet  wirt.  der  sibend  ist 
daz  Got  ii'  unhainlicli  wirt.  der  ahtend  ist  daz  du  sele  varen  m&z  in  daz 
fegfür,  dez  si  nit  tätint  ob  si  sich  vor  täglichen  süuden  hütint.  der  nünd 
schad  ist  daz  du  dester  lenger  miist  geseliaiden  sin  von  Gotte.  in  ainer 
kurtzeu  zit  so  hat  der  mentsche  schier  verschuldet  daz  er  niängeu  tag  in  15 
dem  vegfür  müz  sin,  da  ain  tag  [18G'J  tusent  jar  lang  ist.  ez  sint  nüt  nun 
schaden  allaine,  ez  ist  mänig  groz  schade  den  du  arm  sele  da  von  enphahet 
daz  si  sich  nit  hütet  vor  läglichen  sünden.  J 

[ßS.]  wie  Got  In  den  mentschen  sige.  1 

^b     [Manete  in  me  et  ego  in  vobisj  ^ 

^V    'Belibent  in  mir,  so  blib  ich  in  üch',  sprach  unser  herre  zft  sinen  jungern. 
"      Nu    sont   ir   merken    daz    wir    in  Got    nit    mugent   hüben    alz  er   in  uns, 

I.  Überschrift  fMt  Z.  2.  Kün  —  Bcle]  E(ntjx  eint  nfin  svriderlicho  sache .  die  die  annea 
Selon  onphalicnt  Z.  1 1.  Der  sehte  schade  ist  .  SH-cune  iicii  der  motiBcbe  virlazeuliche  haltet 

mit  werten  aide  mit  werken  .  Bwa  mitte  der  mensche  den  Ivten  bfiae  bilde  git  .  da  von  si  ge- 
b6sert  werdent  Z.  12.  nach  wirt]  ewcnne  er  sitit  das  ein  geniaholc  den  tfi\-ilH  spat  wirt  Z. 

18.  sündeol  hüte  eich  der  vor  vppikcit  muudea  vli  liercen  vnd  libis  .  bo  wirt  ime  got  heinlicbo 
vfi  sin  sele  lügenden  liehe  Z.  lö.  Ühendmft  ftbUG,  von  vua'mo  hciren  Croi)  Z,  W am  Bande: 

Sermo  XllU.  dG  A.         20.  D<r  lat.  Text  fehlt  Ä,  Vnsir  ben'O  spricbit  indeme  owangcUo  m 

sinen  iungiron  .  Maneto  i.  in.  e  e.  1.  v.  OZ.  21.  sprach  —  jungem  fehlt  GZ. 

1.  Das  Stikk  findet  »ich  nur  in  Z  Bl.  U6'  hinifr  den  andern  Pred^ten:  fehlt  jetzt  in  G,  wo 
es  ursprünglich  uiolil  an  d^-»elben  Stelle  stvnd  wie  Z;  vgl.  auch  das  Stück  in  St.  Georg.  37 Bl.  36 
(Längin  S.  6)  der  Karlsruher  Hof-  u.  Landesbibl.  und  Cod.  Pal.  germ.  28  fol.  86"  der  Heidelberger 
Vniverritätabibl.;  sodann  das  4.  Stück  der  in  Zeitschrift  für  derutache»  Altertum  Bd.  40  S.  23i  f.  er- 
wähnten  Hs  der  Strallburger  Stadlbibl.  (H*.  835  Bl  53")  ».  Pfeiffer-  Strobl,  Bcrthold  v.  Eegenaburg 
11,358  Z.  27ff.  u.  B93  Z.  18  ff.  —  Nach  Mitteilung  von  Dr.  Adolf  Spamer,  Gießen,  finden  sieh  femer 
Hhiüieihe  Stücke  in  SU  Georg.  78  fol.  145'  der  Hof- u.  Lnndesbibl.  ^  Karlsruhe ;  königl.  Bibl.  Stuttgart 
eod.theol.18fol.235';  Stadlbibl.  Kalmar S68  fol.  177';  Basel,  Universitätsbibl.  B  IS.  15  fol.237'-^ 
0. 1. 19  fol.  3l':  —  Der  Text  von  Z  teetcht  in  einigen  Punkten  von  A  ab,  so  im  6.  7.  Punkt.  Der 
8.  Pvnkt  in  A  ist  gleich  dem  7.  in  Z:  der  9.  =  8.,  der  6.  —  9.  19.  DU  Predigt  steM  in  O 

Bl.106',  ZB1.12Ö«,  WBt.  76,  N Bl  78;  HNr.ZS;  fehlt  PhUl.  Arvndel.  Vgl.  auch  Cod.  Pal 
germ.  24  fol  257'  der  Heidelberger  Vniversitälsbibl  —  A'atA  G  (das  uHe  Z  im  Wortlaut,  nicht  der 
Sache  nach  stark  von  A  abweicht)  gedruckt  bei  Wackentagel  8.  539.         20.  Joan.  15, 4. 


300 


B^  Wie  Got  In  den  mentBcben  sige. 


I 


wir  enmugent  nit  geschlieffen  in  sin  natore.     aller  creatur  ist  also  geordei 
daz  eahainii  in  die  andren  geschliefen  mag,  won  daz  aine  vil  höher  nnd  edler 
ist  denn  iä  ander;  und  aller  der  creatore  so  ie  geschaffen  wart,  so  ist  dehain 
creature    so  hoch    nnd  so  edel    alz    du    sele.    und    dar  ambe    enmag  si  in  nit 

i  geSiessen  nnd  enmag  mit  nüti  won  mit  g6tlicher  natnre  werden  erföllet.  no 
möhttnt  ir  sprechen:  wie  mag  daz  sin  daz  du  hübet  siinde  der  /186'/  sele  so 
grossen  schaden  tftt  nnd  st  also  swär  machet  daz  si  vatlet  in  die  tüfen 
helle,  und  dii  sünde  doch  nit  ätssei  in  sü?  daz  sont  ir  wissen  daz  sich  du 
sände    klaibet    an    die    sele,    daz    si    von    der    sünde    ir   sch&ni    verlüret.      db 

>  Sünde  henket  sich  allumbe  an  die  sele,  das  si,  swie  liht  si  ist,  so  swär 
daz  si  in  der  helle  abgrnnd  vellet. 

Ii-  sont  och  merken    daz  wir  in  Gotte  anders  nit  bliben  mngent    won 
sinen  geholten  und  in  sinen  hulden.     er  sprichet  also  in  dem  ewangelio; 
ist  min  gebott  daz  ir  enander  minnent,  alz  ich  ach  geminnet  han".    daz  und 

s  ander  sin  gebott  sont  wir  flisseklich  behalten,  so  blibent  wir  in  sinen  hulden 
und  in  siner  minne.      blibent  wir  also  in  im,  so  belibet  er  öch  in  uns. 

Unser  herre    blibet    in  öna    alz    du  aunne    in  dem  lüfte,    du  sunne  blU 
in  dem  lüfte   unt^    daz    si    du  naht  vertribet.     bi  der  naht  ist  bezaichent 
Sünde,  du  och  linsern   herren  vertribet.      ez  geschiht  öch  [186'/  dike  also  di 

)  du  sunne  in  dem  lüfte  ist,  und  git  doch  nit  liehtes  uff  daz  ertrich;  daz  ist 
so  ain  wölk  drüber  gat,  und  hat  si  doch  nüt  in  ir  selbe  dester  minder 
kraR.  also  geschiht  dem  mentschen  dike  daz  ain  anvehtung  über  sin  hertze 
gat  oder  ain  betrübde  oder  von  täglichen  Sünden  ain  wolkelin,  daz  du  sunne 
der  gnaden    nit  schinnen   lat,    nnd    ist  doch    unser    herre    nit    dannen  gevarn; 

i  er  ist  allez  an  in  der  sele  untz  daz  in  die  hübet  sünde  dannan  tribeL  ez 
geschiht  aber  dike  daz  ain  wölken  über  dez  mentschen  hertze  gat  der  alz 
vinster  ist  und  alz  dik  daz  er  die  sunnen  gar  vertemret,  daz  man  si  all 
dnr  den  tag  reht  als  nahtes   niemer  gesiht:   und  alz  vertemeret  och  etweni 


QU 

wi^^_ 

OD   J^M 

und 
Iden 

d^^ 


1,  geniesin  (?,  ebenso  2.        ist  daz  reht  vn  iet  G.         2.  enhain  creature  G.        2  f.  hfihi» 
anderl  ho'hire  cdili  möz  han  .  Vnde  div  andir  swechiro  .  alsu  sint  alle  creatnro  geffigcl  G. 
3.  so  ie]  div  ie  Cr.  4.  hoch  —  alz]  hohir  edili  so  G.  dar  umbe]  da  uon  G.  si]  äiv 

sele  G.        5.  und  eom.]  Wan  ei  ist  ob  allir  creatore  geschaffen  .  vfi  e.  div  sele  G.        6.  daz  sin] 
sich  daz  Kefdgin  O.         7.  schaden  fddt  A.        sich  A.         S.  sü]  die  sele  G,         10.  benchint  G. 

allumbe]  in  alleothalbiu    G.       10/".  das  si  —  vellet]  daz  div  lihte  sele  also  svere  wirt  .  daz  si 
QOn  der  Bwtcri  ucllit  indoz  ticffc  apgruado  G.  12.  Ir  —  tnugcnt]  Nu  sunt  ir  merchin  an  dien 

orstcD  Worten  .  daz  unsir  herre  sprichit  .  Bclibint  in  mir  so  belibe  ich  in  iv  .  du  mercbint  wie 
wir  ingotte  mugen  beliben  .  wir  mugin  andira  nivt  in  ime  boliben  G.  n,  Unser  h,  bl.]  Wie 

b.  n.  h.  G.         17  f.  dö  —  lüfte  fehlt  A.         IS.  dsa  fehlt  G.  ebenso  25.  l^f.  bi  —  herrenl  also 

belibet  ansir  herre  in  der  selo  .  am  in  div  naht  der  bo'bitsänden  G.  21.  drüber]  droniUr  Q. 

21  f.  und  —  kraft]  so  enhat  div  sunne  nibt  desto  minre  kraft .  in  ir  kraft .  vii  engit  doch  niht 
liehtifl  G.        22.  krcftig  ^1.        21  f.  ain  träbia  wulchin  übir  sin  hercc  gat .  ^n  anuebtuog  .  odir  Q. 
2S.  ttiEgilichir  Sünde  ain  wolchin   Qbir  g-at  .  daz  G.  24.  lat]  mach  6.  26.  der  — 

301, 3  herre]  daz  div  sunne  der  gnade  niht  ki-eftidiche  geschinen  mach  .  Er  G. 

13/:  Joan.  IS,  IS.  17/f.  zum  Äufia«  des  Stvcka  vgl.  eine  äknlkhe  Beliandlung  oben  S.  53A 


.  Wie  Got  in  den  mcntschen  sige- 


801 


die  gnade    änsers   herren    ain    unrain   gedank,    also    aia  ^dank    da  der  wille 
bi  ist. 

Unser    herre    blibet   dch    bi    uns    alz    da    sunne    in  dem  glas,      dil   suune 
schinnet   in  daz  glas    und  wirt    1186'J   ez  von  ir  schine  schone   und    vol  dez 
glantzes,    und  siht  man    die  sunneu  durch    daz  glas,      und    also    schinnet   öch  5 
unser  herre    in  die  sele    und  zertät  sin  gnade  in  ir,    also  daz  man    uswendig 
an  dez  mentschen  wercben    wol  siht    daz    ünsers    herren    gnade    inwendig   ist. 

Er  blibet  och  in  uns  alz  daz  für  in  dem  iseu.  so  das  für  zerfliisset  in 
dem  isen,  so  wirt  daz  isen  schöne  und  wirt  gold  gelich,  ez  wirt  also  linde 
daz  man  dar  us  machen  mag  swaz  man  wil.  alz  lind  wirt  ez  daz  man  lü 
wol  ain  insigel  drin  druket.  ez  wirt  och  alz  zähe  daz  man  ez  vil  kume 
zerbrechen  mag.  ez  wirt  och  also  vorhtlich  daz  man  ez  nit  getar  an  gerüreu 
mit  blosser  hande.  ze  glicher  wis  wirt  och  du  sele  ane  mässe  schöne,  so 
unser  herre  mit  siner  gnade  in  si  geflüsset,  und  wirt  gerainnet  von  den 
Sünden,  si  wirt  och  also  linde  und  alz  [18  ?'}  senfte  daz  man  uss  dem  is 
mentschen  machet  swas  man  wil,  alz  gehorsam  wirt  er.  und  druket  unser 
herre  zwai  insigel,  das  ist  zwai  zaichen,  in  si:  daz  ain  daz  er  ir  schepher 
ist;  daz  ander  daz  er  ir  löser  ist,  und  git  ir  daz  ze  erkennend,  si  wirt 
ocb  also  stark  daz  si  der  tüvel  nit  mag  überwinden  an  dekainer  bekornnge. 
si  wirt  och  alz  edel  und  als  vorhtsam  und  alz  dur  lühlig  daz  si  der  tüvel  20 
niemer  getar  an  grifen  mit  blosser  band,  daz  ist  flaischUchü  girde  und 
flaischlichü  anvehttung.  er  bewindet  aber  die  band  mit  gaischlicher  bekorung 
und  grifet  si  da  mit  an,  daz  ist  au  dem  globen  und  an  der  zuversiht 
und    mit    andren    gaischlichen    dingen. 


3.  bi]  in  6.  4.  ez  von  ir|  Aaz  glaz  uon  der  BUimvn  G.  BcliAne  fehlt  A.  4  f.  \T\ 

wirt  och  d.  gl.  uol  G.  5.  man  denne  die  ff.  und  also]  also  ff.  öch  fehlt  ff. 

6  f.  nnd  —  ist]  vnde  niae  div  suunc  zin-livzcC  iademo  glase  .  vn  ir  glaoz  da  itio  zirtSt  .  also  zir- 
vlivzit  uDsir  herre  got  in  der  sele  .  Vndo  alse  man  der  sunavo  glänz  siht  dur  daz  glas  .  also  siht 
man  uzwendich  an  des  menBchin  werchin  .  daz  uuBire  herren  gnado  in  der  sele  inwendich  ist  zir- 
vlozin  ff.  8.  Er]  Unair  herre  ff.  9.  aeho'iic  uon  denie  füre  .  u.  w.  rebte  goldo  g.  also 

wirt  ez  dar  hvhtet  uon  deoie  füre  .  ez  wirt  o'ch  alse  ff.  10.  alz  —  ez]  Ez  w.  o'ch  a.  1.  ff. 

12.  getar  —  14  Wirt]  an  gegriffen  mach  m.  blozcn  handin  .  Div  seibin  fn-nf  dinch  div 
sint  bezaichinlich  an  der  sele  .  so  unsir  herre  iiiäi  vlivzit  .  So  wirt  si  scho'uo  a.  ni.  von  demo 
minniclicben  inviuze  .  wirt  si  ff.  15,  si  wirt]  div  eele  w.  ff.         uss]  uon  ff.  IG.  machot 

wol  Bwaz  G.  alz  —  19  stark]  Daz  mensche  wirt  also  gelaifinieh  .  unde  alse  gehorsam  daz 

man  mit  ime  tat  swaz  div  gehoraami  wil  .  Div  sele  wirt  o'ch  alse  linde  .  von  deme  goüichin 
inviuze  .  daz  unair  horre  awai  insigil  drin  druchit  .  er  dnichit  siu  insigil  indie  sele  daz  e.  i. 
seh.  i.  daz  er  si  schflf  nah  sime  gotlichin  hildo  .  vnde  git  der  eelo  zirkenninne  ir  grozan  wir- 
dichait  -  Er  druchit  o'ch  sin  ingeeigil  in  si  daa  er  ir  irlo'scr  ist .  vnde  git  ir  dar  an  zirkenninne  . 
daz  si  ime  also  licp  waz  .  daz  er  al  mit  nivte  wolto  lo'sin  .  wan  mit  simo  tode  .  er  woltc  sterbin 
dur  daz  si  lebindicb  wrdo  .  Div  seio  w,  o'.  a.  sL  so  unair  herr  in  si  gculivzet  ff.  20,  u.  alz 

durl.]  daz  si  also  durlivhtot  ff.        22.  anvehtunge  da  mitte  getar  er  si  niomir  an  gegriffen  G. 
mit  —  23  daz]  vn  griffet  si  \il  wol  an  .  daz  ist  also  er  griffet  si  an  mit  g.  b.  vfi  mit  gaisüichen 
dingen  daz  ff.  23.  der  fehl!  ff.  24.  dingen  .  daz  Ist  also  da  mitte  bewindit  der  tienil  die 

haut  .  vn  griffet  sl  an  mit  gaistlichir  anvehtunge  GZ. 


[69.}   Von  unser  vrowen. 

[Ego  quasi  vitis  frucHficavi.] 
Unser  vrowe  gelichet  sich  ainer  fruhtbaren  rebun,  und  du  reb  hat  sil 
bletter,  nnd  du  siben  bletter  bezaichent  [187'']  siben  wort  die  si  sprach, 
s         Daz    erst    sprach    si    do    der    engel  Gabriel    zu  ir  kam    nnd    ir  kant«   di,i 
hohen    und    du    werden    niäre    daz  si  nifiter  solte  sin    dez  hohen  Gottes.      do 
sprach  si    daz  wort   und    antwurt  im:    'nu  sage   mir:    wie    mag  daz  sin? 
erkenne  doch  mannes  nit'.     do  sprach  der  engel:  'du  soll  erfüllet  werden 
dem  obrosten  gute  nnd  solt  beschätwet  werden  mit  dem  haiigen  gaiste'. 
iii  Do  antwurt  si    dem  engel    und  sprach    daz    ander    wort:  'ich    bin    üi 

herren  dirne.  nach  dim  worte  geschehe'  mir',  da  ögte  si  ir  grosse  dei 
nnd  wart  zwüschent  zwain  hohen  bergen  ain  tüfez  tal,  daz  waz  entzwüschi 
der  gothait  und  ir  künschkait. 

Daz  dritte  wort  daz  waz  der  minneklich  gröz  den  si  tet  ir  niftlen 
1&  Eizbethen,    won  si  grüste  si    mit  hertzen    und    mit  munde   nnd    gie  zu  ir  uff 
den  berg,    da   si    swanger    wart   sant    Johansen    dez    töfers,    und  diente  ir  zfi 
ir  kinde. 

Daz  vierde  [18?']  wort  daz  sprach  si  do  si  ir  ainges  kint  verlorn  hatt 
dry  tag.  do  sacht  si  in  mit  grose^em  jamer,  und  do  si  in  vand  in  dem 
M  tempel,  do  sprach  si:  'owe,  trntes  min  kint,  wie  hast  du  uns  süss  getan?  ich 
und  din  vatter  Joseph  haut  dich  gesücliet  mit  grossem  laide'.  do  antwurt 
ir  unser  herre  und  sprach:  "wip,  ich  bin  dar  umb  nit  uff  ertrich  kernen  daz 
ich  iemans  willen  tüge  won  mins  vatters  allaine'. 

Daz  fünfte  wort  sprach  si  zu  sant  Johansen  brutlöf;  do  gebrast  da  wiw 
frls  do  vordert   si  win    für  die  lüte,    die    da    trinken  soltent,    und    hatte    erbänffip 


ich 


1.  Übersdirift  fehlt  G,  Von  vnacrre  vrowcn  gante  Marien  goltis  mit^  (rol)Z,  In  vi 
aaent  aBBQptio  rhill,  W  am  Rimd:  XXI.  Verba  mnrie.  2—4.  Vnsir  vro'we  sprichit  alsus  non 
ir  sclbun  .  Ego  q.  u.  fr.  Ich  bin  ain  rruhtbieriv  rebc  .  Dieiv  sflüv  vnde  disiv  «Itl  rebo  div  bet  eibin 
bletir  .  vn  bi  dien  aibin  bletiirn  eint  bczaicliiut  Bihin  wort .  div  sprach  div  gcertricho  maria  GZ. 
i.  wort  fehlt  A.  5.  crelo  wort  G.  höbe  engil  G.  S.  gottes  .  der  da  ist  beire  ufi  got  der 
tugiodc  G.  1.  DD]  Quomo  (f.  Quomodo)  fiet  ietud  .  Dv  (Nv  Z)  G.  ain]  gcacbehin  G.  S.  mannes 
nit]  cnbaineti  man  G.         mit]  uon  G,  ebenso  H.         9.  gtlte]  gotto  Ö.  11.  dinen  wortrai  ml 

mir  geecben  G.  13.  golbait  —  künech.!  hohiin  g.  uiido  ir  übirmeugun  k.  wan  ai 

ühir  menBChliciiO  naturo  G.  14.  wort  dai  ßi  sprach  daz  G.        tet  ir]  sprach  zir  G 

löfer«!  Baptisten  G.  IT.  kindo  .  da  diente  der  herre  simo^knchtc  G.         IS.  spr.  sil  div  höh 

gelopto  künigin  »pr.  daz  waz  G.        nirloz  .  vll  uirlorn  heäte  G.         11.  laide]  hercen  sero  G. 
23.  iemans  —  allBine]  dinen  willen  ifige  .  Ich  bin  dar  timbe  komin  .  daz  ich  tnins  uatir  willen  noilc 
bringe  G,         24.  woit  daz  ei  Bpr.  daz  wnz  do  hi  zesauctc  J.  ewangclisten  br.  waz  .  do  Q. 
81  ftl^lt  A. 


i.  Daa  Slvek  findet  lich  in  G  Bl  107",  Z  Bl.  12G'.  W  Bi.  94',  N  Bt.  99',  PhUl.  BI.  180 
fehlt  E,  Antndet.  2.  £ecli.  S4,  S3.  7  f.  Lue.  1,  U.  10.  hat.  1,  38.  u. 

i,  40  f  20  /.  Lue.  2,  48  f         24  f.  vgl.  Joan.  2, 3  ff. 


tl9.  VoD  unser  vrowen. 


308 


i'iber  die  die  si  ez  nlt  batent,    alz  si  och.  noch  hiitint  diz  tages  hat;    won  si 
bittet  für  die  ir  liebez  kint  die  si  ez  nit  bittent. 

Daz    sechste  wort  sprach    si    zu    dem    selben    male;    won    do    si    den    win 
gevorderte,    do  antwurt  ir    unser  herre    und    sprach:   'wip,    waz  han  ich  von 
dir?  daz  zit  ist  noch  nit  komen  [187"}  Atiz  ich  den  win  schenken  sülle   den  5 
ich   von  dir  habe';  dar  umb  lie  si  nit,  si  lerti  die  amptlute  waz  si  tun  söltint, 
nnd  sprach:  'tragent  uf  die  aimer,  und  tünt  swaz  üch  min  sun  haisset!' 

Das  sibende  wort  spj-ach  si  do  unser  herre  ze  hymel  für.  do  waz  si 
demütig  nnd  trurig.  do  sprachent  ir  fiiinde  und  ander  tut  war  umb  si  sich 
selben  so  gar  verwürfe,  si  wäre  so  ain  edlfi  vrowe  von  geburt,  si  sölti  tun  10 
alz  ander  ir  fründ.  do  antwurt  si  und  sprach:  'ich  sol  woi  demütig  sin,  won 
min  demüt  zoch  Got  von  hymel  her  ab  und  twang  in  daz  er  die  kranken 
mentschhait  von  mir  nam.  ich  sol  och  tiurig  sin,  won  min  hertze  liebez  kint 
von  mir  geschaiden  ist,  mit  dem  ich  vröde  und  wunne  hatte  und  haben  solte'. 

Sit    nu    ünsrü    liebü    vrowe,    alz    ir    hie  haut  gehiVet,    nie    nüt    won    die  ib 
rehten  notdurft  rette,  so  [188°]  sont  och  wir  uns  flissen  daz  wir  uument  die 
notdurft  redegint,  won  aim  ieglichen  mussigen  worte  müssent  wir  red  ergeben 
an  dem  jüngsten  tage. 


1.  si  ez]  Bis  G,  Bia  Z.  \  f.  ala  —  kint)  Zogelichir  wiz  tut  si  alle  tage  ,  wan  ei  hat  jrber- 

iiiido  öbir  nna  .  vn  bittet  noch  hivto  für  dio  livCe  G.  3.  epr.  —  won]  daz  apr.  iti  o'ch  z.  li.  a. 

brütlo'fto  G.  5.  schenken  ».]  ^czin  sol  G.  6.  waz]  wie  G.  1.  und  spr.]  t\  spr.  G. 

8.  Das  —  spr.  si]  Du  na  G.        8  f.  do  w.  —  trurig]  zfl  siine  hailigen  vatir  .  do  w,  st  gar  tr. 
ande  domötich  G.         10.  wsere  Mn  so  edil  G.  U.  antwurt  —  !S  tage]  spracb  si  daz  eibinde 

wort  .  vü  antwrte  inen  vn  spracti  .  0  wo  sol  ich  nivt  demüticli  sin  .  min  demlltichait  ataick 
doch  vf  dur  die  bimilc  .  für  gottes  stfil  .  uü  zob  den  grozin  Got  uon  dien  ncho'nen  engiln  .  vQ 
uoD  der  hohun  wirdicbait  .  vn  kaji  vffen  ertriche  ■  yn  nam  die  kranchun  menschvit  uon  mir  . 
Vndo  twancli  in  dez  min  dcmüt  ,  leb  sol  iocb  wol  iemir  truricb  sin  .  sit  div  sunnc  ir  ecbin  hat 
nirlom  ,  ^"cm  dez  ewigen  sunnea  sclio'ni  .  vfl  doch  der  snnne  der  gottes  sun  .  den  tot  niht  lait 
dar  den  sunnen  .  vfi  sich  ez  doch  der  sunnc  also  harte  irkomin  hat  .  so  sol  ich  mich  wol  billich 
sinea  todes  irkomin  .  Wan  ieb  waiz  daz  wol  .  daz  er  den  tot  dur  mich  hat  irhtten  .  vn  waiz 
daz  .  daz  er  die  meuschait  uod  mir  nam  .  da  uon  mäz  ich  wol  trurich  sin  uon  sime  tode  .  Diz 
sint  div  sibln  blettir  an  der  win  rcbuii  .  der  trübo  der  an  der  seibun  rcbun  whs  .  daz  waz  div 
raino  menscbait  misira  hcrrcn  .  ihu  ipi  .  Also  spricbic  unsir  herre  uon  ime  seibun  ,  Ich  bin  dor 
[nibu  der  da  atlainc  in  der  troltuti  lach  .  au  deine  bittim  martyr  crflcc  .  der  win  der  an  disinie 
trüben  waz  .  daz  waz  div  hohe  gothait  unsire  lierrcn  gottes  -  daz  waz  der  sfizc  kippirwia 
ikupphcr  win  Z)  .  den  man  ze  himilriche  gar  volliclichc  schenebit  GZ.  16.  tette  A. 

n.  won]  l.  won  von ,'  (ßoetluj.  iegliche  Ä. 


304  TO.  Von  der  gothait  und  der  mentscfaait  ünsers  herren. 

noj  Ton  der  gothait  ond  der  mentscliait  dnsers  herren. 

[Befloruit  caro  mea.] 

*Min    lip    ist    wider    geblfiget',    sprichet    änser    herre     durch    dez    wis- 
sagen  munt. 
5         Unser  herre  ist  glich  aim  blämen,   and  hat  der  bläme  sechs  bletter,  der 
sint  dr6  an  siner  mentschait  und  dra  an  siner  gothait 

An  siner  mentschait  was  demät,  känschi  und  gehorsamL  er  waz  der 
demütigest  mentsch  der  ie  wart  oder  iemer  werden  mag.  er  lebt  ander  sinen 
jangem  alz  ain  kneht;  er  diente  inen,  and  si  nat  im,  alz  er  selb  sprichet 
10  in  dem  ewangelio:  'ich  bin  ander  ach  alz  ain  diener'.  sit  na  der  höh  Got 
so  demfitig  waz,  so  magent  si  sich  wol  schämen  die  hohfertigen  die  da  von 
bozhait  komen  sint  and  [18 8  ^J  ze  bozhait  werden  sont  er  waz  och  der 
rainste  and  der  aller  känschost  mentsch  der  ie  geboren  wart  oder  iemer  me 
geboren  wirt  sinä  wort,  sinu  werch  and  ällu  sin  gebärde  and  aUez  sin 
15  leben  waz  alz  reht  raine  alz  ez  solte,  won  er  waz  ain  arsprang  aller  rain- 
kait.  er  waz  och  gehorsam  sinem  vatter  untz  an  den  tot  da  gehorsami 
band  in  an  daz  cräze  and  schied  sin  sele  von  sinem  libe. 

An  siner  gothait  waz  gewalt,   schonhait   and   ewikait   and  ist  ietze    and 

Ungir  herre  sprichit  alsus  dar  dez  wissagin  munt  David:  'refloruit  caro  mea'  .  Er 

20  sprichet:  'min  lip  ist  widir  geblöget'. 

Nu  sunt  ir  merchin  daz  unsir  herre  gelich  ist  ainem  bl&min,  und  hat  der  bl&me 
sebs  blettir  .  nu  sunt  ir  merchin  an  disem  blflmen  driu  blettir  an  ginre  siLzun  menschait 
und  o^ch  driu  an  siner  hohun  gothait. 

An  siner  menschait  seit  du  merckin  demfttichait,  kiuschichait  und  gehorsami  .   er 

25  waz  der  demfttigoste  mensche  der  ie  gebom  wart .  der  hohe  Gk>t  der  waz  also  virsmahit 
daz  nie  enhain  mensche  so  armis  wart,  ez  enhetti  von  etweme  irbermide,  wan  dez  men- 
scbin  kint  der  waz  virsmahit  und  virworfen  .  er  waz  o^ch  der  kiuschste  mensche  der  ie 
gebom  wart  odir  iemir  werdin  mach  .  siniu  wort  unde  siniu  werch  und  sine  gebserde 
und  alliz   sin  lebin   daz  waz  also  raine  und  also  kiusche  als  ez  ze  rehte  solte;   wan  er 

30  ist  ain  Ursprung  allir  rainichait  .  er  waz  ocb  gehorsam  sime  vatir  unz  an  den  tot  .  diu 
gehorsami  bant  in  an  daz  crüce  und  echiet  ime  sine  sele  von  sime  libe  unde  stftnt  also 
jamirliche  daz  siner  rainun  mutir  ir  herce  msehti  brechin  in  ir  libe  .  und  do  si  also 
jamirliche  stünt  bi  deme  crüce  und  also  herzicliche  sere  wainde  ir  herceliebin  kindes  ser 
unde  sine  bittirlichun  not,  do  sprach  unsir  herre:  'sihc,  liebiu  mutir,  wa  din  kint  stat*. 

1.  Überschrift  fehlt  Ö,  Von  vnserme  h^re  Z,  W  am  Bande  XXII 9.  Item  van  deme  lyden 
vuB  heren  PhilL  2.  Der  lat,  Text  fehlt  Ä.  30.  sinen  6r,  sime  Z. 


1.  Die  Abhandlung  steht  in  G  Bl,  108  ^^  dessen  Text  in  der  zioeiten  Spalte  mitgeteilt  ist^ 
Z  Bl.  127^,  W  Bl.  96,  A  BL  100',  H Nr.  21  (darnach  gedruckt  in  Haupfs  Zeitschrift  für  deutsches 
Altertum  II,  356),  Phill  Bl  164^  und  Cod.  Pal  germ.  24  fol  258*'  der  Heidelberger  Universitäts- 
bibliothek; fehlt  Arundel  2.  Ps.  27,  7.  10.  Luc.  22,  27. 


TO.  Von  der  g 


t  und  der  mentschait  A 


305 


weret  iemer  an  im  äu  ende,  sinen  gewalt  den  mugeut  wir  merken  an  der 
creature,  won  er  gewaltig  ist  liymelz  und  erde  und  dez  tiefen  abgrundez  und 
allez  dez  so  ie  wart  und  daz  iemer  werden  mag.  nieman  mag  sins  gewaltez 
zu  aim  ende  komen,  und  sim  gewalt  mag  nieman  widerstan.  sin  schonhait  ist 
so  gioz  und  so  unmessig  und  so  unzallich  daz  da  von  ist  niLt  ze  sprechenn;  J 
won  Allü  du  schonhait  dirr  weit  ist  wider  im  [ISS']  ain  vinstri.  aiu  wis 
man  machet  im  ain  glichi  und  sprichet:  'der  alle  die  creature  näme  dii  ie 
wart  oder  iemer  wirt:  Kit,  holtz,  gi-as,  bhimen,  gewallt,  stain,  bain  und  allez 
daz  brünstig  sin  mag,  der  daz  allez  nämi  und  ain  für  dar  us  macheti,  daz 
wurde  ain  unmAssig  lieht;  und  der  denue  aiu  kertzeu  enzunti,  reht',  sprichet  la  I 
er,  'alz  daz  kertzen  lieht  wäre  wider  der  brunst  aller,  also  ist  Ällü  dii  schon- 


I 


'Mulier  eccd  iilius  tuua'  .  daz  waz  alae  vil  geeiprochin  als  er  epricche:  'sihj,  min  Hebiu 
uiflur,  wie  ich  stau ;  mir  siol  inine  füze  an  daz  crüce  geheftet  mit  dien  scbarpheo  nugiln, 
daz  ich  dich  niht  mach  geEiiren  ze  herberge  .  mir  sint  rnine  hende  an  daz  crüce  ge- 
nagilot,  duz  ich  dir  dine  trebine  CDpbabin  nibt  enmacb  .  mir  ist  Diin  blät  gevlozin  von  IS  ' 
mime  hercen,  daz  min  munt  niut  mach  geaprecbin,  daz  ich  dich,  liebiu  mfttir,  mu^  ge- 
tro'eten'  .  und  sprach  er  doch  ze  sancte  Johannes;  'ecce  mat«r  tua',  daz  waz  alse  vil 
gesprochin;  'aihc,  Johannes,  wa  din  mfltir';  rehtfi  als  er  sprieche:  'si  het  \t  trosl  und 
ir  liebiz  kint  virlorn ,  nu  solt  du  ir  sun  ain  uod  solt  si  mfitirlicbe  tro^sten  .  liebir  Jo- 
hannes, ich  bevil  dir  mine  Uebun  mittir  zainir  mtiir  .  o  we  liebiu  müiir,  ich  bevil  hie  i 
dir  minen  liebin  juDgirn  Johannezin  zaime  sune'  .  o  we,  nu  merkint  mütirlichiu  hercen 
wie  herziclichun  we  Mariun  wuz,  do  si  ir  kint  so  aiigiatliche  sab  stän  an  deme  crüce 
und  ei  den  kneht  nam  fiir  den  herren  und  den  jungu"n  für  den  maialir  .  uu  merchlnt 
wie  den  hohin  werdin  Got  diu  gehorsam!  traip  an  den  tot  dez  crüces. 

Nu  hant  ir  gemerchit  drie  blümen  an  einer  bi'izuq  meiiechait,   nu  mercbint  o'ch  drie  3b  | 
bliimen  an  siner  hohun  gothuit,  daz  ist  gewalt,  schonhait  und  ewichait. 

ä'iuen  grozen  gewillt  den  muht  du  merchiii  an  manigir  creature:   mercbe  daz  er  ge- 
waltjch  ist  himils  uude  erde   unde   des    tiefin   apgriundee    und  alliz  des   dez  ie  wart   und 
joch  dez  nibt  enwait   unde  daz  iemir  werdin  mach  .    smen  gewalt  enmach  niemnu  volle-         1 
rechin,   widir  ime  enmacb  nieman  geein,  mit  aime  worte  macbot  er  wol  himil  unde  erde  30 
und    alle    creature    ze  niule ;    mit    ainem    worte    odir    mit  ainem   willen    machot  erz   wol         i 
widire:  der  himil  unde  diu  erde  und  elliu  dinch  eint  beslozm  in  siner  haut 

Nu  mercbe  den  bli'imen  aber  scho'nhail  .  sin  Bcbo'ni  diu  ist  unmiezsicb  zeepre- 
cbinne  und  unlaillich  ze  rechinenne :  airo  creature  schonhait  ist  reble  als  ain  vinatiri 
widir  einir  schonhait  ,  nu  merehe  aine  gelichi,  die  git  uns  ain  wise  man  .  er  aprichit :  35  1 
'der  alle  die  creitture  necme  diu  ie  geschaffia  wart  odir  iemir  wirt  unz  au  daz  urtailde, 
beidiu  bolz  unde  liule,  gras  unde  blfimin  unde  gewant  unde  eiaiu  und  bain  und  aliiz 
daz  brünsiich  ain  n:ach,  der  daz  alliz  uaime  und  ain  für  druz  macheti,  daz  wurde  ain 
unmfezich  lieht  .  uud  der  denne  natme  aine  kerzun  unde  die  enzunti :  reht« ',  sprichit  er,  I 
'alae  der  kerzun  lieht  wa^re  widir  der  biönsle  allir,   also  ist  elliu  diu  scho'nhuit  diu  In  W 


12.  mulier  —  tuua  fehlt  \V,  Ecce  mulicr  filius  ti 

Dmbolia  luita  dea  UltMUltan.  X. 


H  riclilig  Z 


n.  Miucu,  falschem  Initial  G. 


306  70.  Von  der  gothait  nud  der  mentschait  unsere  herren. 

halt  du  in  hymelrich  und  in  ertrich  ist  und  nah  dem  jüngsten  tage  wirt, 
wider  der  götlichen  schönhait.'  sin  ewekait  ist  iemer  ewig,  won  er  ist  ie 
gewesen  an  angeng  und  ist  och  immer  an  ende;  er  wandelt  sich  nit  und 
nimet  och  nit  abe. 

5  niJ  Von  vier  band  vroden. 

[Letare  Jherusalem  et  conventum  facite  etc.] 

'Jerusalem',  sprichet  Ysayas  der  wissage,  *vröwe  dich,  du  solt  gemachet 
werden  zu  ainem  eben  hellenden  convent  und  sont  zesamen  geffiget  werden 
mit  götlicher  minne!  vröwent  üch,  won  ir  sont  vergessen  alles  iiflSS'^Jwers 
10  laides  und  sont  gesettet  werden  von  den  brüsten  üwers  trostesV  dar  nach 
sprichet  der  wissag  David:  'ich  bin  harte  vro,  won  ich  hab  gütü  mir  ver- 
nomen,  wir  sont  komen  in  ünsers  henken  hus\ 

An  disen  Worten  merkent  wir  vier  vröde,  der  sich  der  wissag  vröwet, 
der  och  wir  uns  vröwen  sont. 

15  himilriche  unde  in  ertriche  ist  unde  wirt  nah  der  jungistun  urtailde  aide  urstende,   widir 
der  gotlichun  8cho''nhait'. 

Nu  hant  ir  gemerchit  den  blumen  gotlichis  gewaltes  unde  gotlichir  scho^nhait  .  nu 
merchin  den  dritten  gotlichir  ewichait,  daz  er  ewich  ist,  dar  an  ist  enhain  ende  .  also 
sunt  ir  wizsen  daz  unsir  herre  6ot  ist  ane  anegenge  unde  ane  ende :    er  ist  iemir  ewic- 

20  liehe  noh  engenimet  niemir  enhain  ende. 


Der  wissage  Ysaias  sprichit:  'letare  Jerusalem  et  conventum  facite  etc.  vro^'we  dich 
Jerusalem,  du  solt  gemachit  werden  ze  eime  ebin  heilinden  convent  und  sunt  zesamene 
gevc^git  werden  mit  götlicher  minne!  vro^'weut  üch,  wan  ir  sunt  vergezzen  allis  üwers 
leidis  und  allir  betrübede  und  sunt  gesattet  werden  von  den  brüsten  üwers  trostes  I  *  da 
25  nach  sprichit  der  wissage  David :  'ich  bin  harte  vro,  ich  habe  gütü  mere  vernomen  .  wir 
suu  komen  in  unsirs  herren  hus'. 

An  disen  werten  sunt  ir  merkent  vier  vroiden,   der   sich   der   wissage  vrowe,   der 

5.  Überschrift  fehlt  G,  Ysaias  sp'chit  (rot)  Z,  Warn  Bande:  Sermo  IX.  6.  Der  lat.  Text 

fehlt  A.  6  f.  Letare  —  dich]  Der  wissage  ysaias  sprichit  .  Letare  i.  e.  c  f.  etc.  Fro'we  dich 

ierim  GZ,        10.  laidis  .  vTi  allir  bctrübide  G.       gesattot  wer/  letztes  Wort  in  G.       todes  Ä. 
20.  So  enden  midi  ZW;  ein  schönerer  Schluß  in  H  (Zeitschriftf  d.  Alt^tum  II,  357),       nff,  Faral- 
leltext  atis  Z.         23.  allis  allis  Z.  25.  sprichit  sprichit  Z,        vememen  Z. 

5.  Die  Predigt  steht  in  Z  Bl.  128'*,  W Bl,  44*\  N  Bl  47^,  ist  wohl  idetitisch  mit  H  Nr.  22 
(Wackemagel  S.  541)  mit  dem  Textspruch:  Inebriabuntur;  der  Anfang  auch  in  G  BL108'*;  fehlt 
Phill,  Arundel;  vgl  auch  das  Stück  in  Es.  St  Georg.  37  Bl.  73^  (Längin  S,  7)  der  Karlsruher  Hof- 
und  Landesbibl.  —  Von  hier  an  stimmt  A  wohl  der  Sache,  aber  nicht  mehr  detn  Wortlaute  nach 
mit  Z  und  W  überein.  A  gibt  in  kurzer  und  guter  Weise  das  Thema  wieder,  während  Z  W  das 
Thema  breiter  ausführen,  oft  so,  daß  der  Fortgang  desselben  darunter  leidet.  6.  im  Anschluß 

an  Isai.  66,10f  11.  Ps.  121,1. 


71.  Von  vier  band  vr6den.  307 

Du  erste  ist  daz  wir  varent  von  dem  eilende  dirre  weite  in  die  vatter- 
lichen  hainmüt  dez  hymelriches;  won  daz  ist  unsrü  rehtü  hainmfit,  und  dar 
zä  sint  wir  geschaffen  daz  wir  ez  besitzen  sont  mit  ünserm  brüder  Jhesu 
Christo  als  unser  reht  erbe,  nu  sont  ir  wissen  daz  daz  reht  erbe  nieman 
besitzet  won  die  an  hopt  sünde  sint  von  diiT  weit  geschaiden ;  die  aber  mit  5 
höbet  Sünden  von  hinnan  schaident,  die  sint  nit  wirdig  daz  si  an  dem  erbe 
iemer  tail  gewinnend 

o*ch   wir  uns  vrowen  sun  .  toir  sun  uns  vrowen  der  gesellischefte  du  ist  wunneclich, 
lobelich   und  erberlich ;    wir  sun    uns  vrowen  der  einm&tikeit   und  der  vridebere ;   wir 
sun  ims  vrowen   allis,   wan   wir  vergezzen   allb  des  leidis;    wir  sun  o'^ch  uns  vrowen  lo 
das  wir  gesattit  werden  von  den  brüsten  unsirs  trostes. 

So  sprichit  abir  ein  wisse  man:  ^ir  sunt  uz  vam  ze  der  himelschen  Jerusalem  alse 
ein  eilende  man  zö  der  heimöte'  .  wir  mügen  uns  wol  vrowen  uf  die  heinvart^  wan  wir 
varen  uzzir  dem  eilende  dirre  zerganclichen  weite  in  die  vattirlichen  heinmäte  .  er 
sprichit  o*ch :  ^ir  sunt  uz  varen  alse  ein  sun  uf  sin  rehtis  erbe '  .  nu  sunt  ir  merken  15 
wer  die  sint  die  de  rehte  erbe  sun  besizzen:  das  sint  alle  die  die  ane  houbit  sünde 
von  dirre  weite  scheident  .  die  sun  die  himelschen  Jerusalem  besizzen,  das  ist  das  rehte 
erbe;  die  abir  mit  houbit  sünde  von  dirre  weite  scheident,  die  insint  niht  wirdik  das  si 
iemir  teil  an  dem  erbe  gewinnen  .  er  sprichit  o'^ch:  ^ir  sunt  uz  varen  alse  ein  brut  zir 
hein  leite'  .  so  man  eine  liebe  brut  hein  leitit,  so  sieht  man  den  sumber  vor  ir  imd  gigit  20 
unde  swegilet  und  videllet  ingegen  ir,  und  mit  meniger  hande  Seiten  spil  inphahit  man 
si:  also  sun  o^'ch  wir  inphangen  werden  ze  der  himelschen  Jerusalem,  sprichit  der  wis- 
sage :  Mie  bühele  und  die  berge  sulen  sich  vrowen  ingegen  uns '  .  das  ist  also  vil  ge- 
sprochen: die  hohen  engille  imd  die  hohen  heiligen  imd  die  nideren  seien  vrowent  sich 
so  wir  ze  himilriche  komen  .  da  von  sprichit  der  künig  David:  Jerusalem,  du  solt  be-  25 
zimbert  werden  alse  ein  stat'.  das  er  sprichit:  'si  sol  bezimbert  werden  alse  ein  stat',  da 
bi  git  er  ze  merkenne  'ebin  belli';  das  er  sprichit  *ein  stat',  de  hillit  alse  vil  alse  'eben 
belli  der  bürgere ' .  da  bi  sunt  ir  merken  das  alle  die  biu'gere  ze  Jerusalem  habent  einen 
mut  und  eine  vroide  in  Gotte  .  da  von  sprichit  der  wissage  Abacuc:  'min  gebeine  muzze 
völin  und  vers weinen  und  ein  brunne  von  wurmen  mAzze  imder  mir  entspringen,  das  30 
ich  ruwe  an  deme  tage  der  betrübede  und  ich  uf  fare  mit  unserme  herren  ze  sime  volke, 
semene  begur^e  Hute'  .  er  irkande  wol  das  diu  geselleschaft  wunneclich  ist;  da  von 
wunschit  er  de  ime  also  geschehe  de  er  zu  gesellischefte  keme  .  er  wiste  o^'ch  das  vil 
wol  das  ze  der  geselleschaft  nieman  in  mak  komen  ane  grozze  arbeit;   da  von  wunschit 

8.  sun  —  vrowen  TP,  fehlt  Z.        10.  /.  vr.  allis  an?        15.  sun  W,  fehlt  Z.         20.  d.  sumber] 
pauken  W.       29.  de  Z.       30.  v&lin  u.  versw.]  vrli  versweinen  Z,  vaulen  vü  verswinden  W. 
81.  herren  fehlt  Z,       volke  fehlt  Z,         31  f.  der  —  llute]  in  d.  betr.  vnd  ich  auf  var  zä  vnserm 
begerten  volkche  W.         32.  begur  Z, 

29/1  Habac.  B,  16,    Die  Stelle  in  Z  verderbt j  ist  die  Übersetzung  v(m:  ut  ascendam  ad  po- 
pulum  acdnctum  nostrum. 

20» 


t  71.  Von  vier  band  vrfideu. 

Dö  ander  vröde  ist  daz  wir  werdent  varetid  mit  geselsclieften,  daz  l 
sint  die  wunueklichen  enge),  die  uns  von  hinnan  laitent  werdent  an 
ende,  so  sei  und  lip  von    enander  scbaident  werdent. 

er  iin  selben  der  arbeit  das  er  zu  der  geselleschefte  mehle  comen,  wsn  er  o'ch  daa 
i  wiste  das  er  vergezze  allir  Kiner  arbeit  so  er  ze  der  geaelleächeft«  keine,  alse  der 
sage  sprichit  in  dem  ersten  worte:  'vrowe  dich,  himelsche  Jerusalem,  du  eolt  gemaclüt 
werden  ze  eitne  eben  beilinden  convent  und  suut  ze  samene  gevi'igit  werden,  ir  sunt 
rehte  zeeamene  begürlil  werden':  awas  ze  eameoe  begürtit  ist,  das  fügit  sich  ze 
und  heflit  sieb  au  ein  audire :  also  sint  o'ch  alle  die  himelschin  bürgere  zesemene 
gürtic  uud  geheftit  mit  einir  vroide,  und  mit  einir  miuue  sint  stu  geT>^git  in  Got 
Got  in  si  .  vroweut  licfa,  himelecben  burgerei  ir  suut  üch  vrowen,  vran  ir 
allis  des  leidis  und  sunt  gesattet  werden  von  den  brüsten  liwers  trostis 
Bprichit  der  wiaeage :  'so  du  selige  seh  kumit  ze  der  himelscheu  Jerusalem,  so  nimit 
Got  und  Gottis  sun  und  sezzit  si  an  sinen  schoz  und  zartit  ir  und  tmckit 
brüste  und  kert  si  von  einer  brüst  zu  der  anderen' .  unser  herre  hat  zwo'  brüste;  sine 
menscheit  uud  sine  gotheit  .  da  kert  er  die  sele  von  eiuer  brüst  ze  der  anderen  :  wil  si 
,  so  kert  er  si  zi'i  der  brüst  siuer  menscheit;  wil  si  honic  und  kippherwiu,  so  kert 
er  si  ze  der  brüst  siner  siizzen  gotbeit  .  da  von  so  sprichit  der  beilige  geist  durch  des 
wissagen  munt :  'dilala  Os  tuuni  et  iniplebo  itlud  .  mache  dinen  munt  wit,  so  mahtu  Vil 
gesugen'  .  wie  sun  wir  den  munt  wit  gemachen?  das  sun  wir  mit  guten  werken  .  du 
solt  dinen  lip  dennen  uud  arbeiten  in  Gottia  dienest«,  eo  wirt  dir  der  munt  wit,  das  du 
vil  mäht  gesugen  von  der  gotlichen  brüst. 

Nu  Bprichit  abir  der  wissage:  'ir  sunt  den  bacb  trinken  der  von  der  gotheit  und 
von  der  menscheit  vliuzit  uud  er  sol  mit  ganzem  vluzze  in  ticb  vliezzen'  .  er  sprichit 
niut:  ir  sunt  vou  dem  bache  trinken,  er  sprichit:  ir  sunt  den  bacb  sament  trinken  .  und 
da  von  sprichit  der  wissage  David:  'de  torrente  iu  via  blbit  proplerea  etc.  die  aber, 
noch  uf  dem  wege  sint  ze  der  hinielacben  Jerusalem,  die  sun  trinken  von  dem 
und  SUD  denoe  ir  houbit  uf  rihten '  .  da  mitte  git  er  ze  merkenue  de  die  noch  in 
arbeite  sint  uf  dem  wege  des  bimelrichis,  den  wil  unsir  herre  etswenne  sehen  und 
schenken  von  dem  bache  siner  suzeii  gnade,  das  si  vro  werden  unde  das  si  gel 
werden  in  der  betrObede;  und  wil  sü  <la  mitte  starken  und  füren  in  der  arbeit  . 
sprichit  unsir  herre  in  dem  wissagen  :  'cum  ipso  aum  in  tribulatioiie,  ich  wil  mit  üch 
in  der  arbeit'  .  so  sprichit  abir  der  wisaage :  'die  abir  dar  sint  komen  ze  der  himel: 
Jerusalem,  zi'i  den  sprichit  unsir  herre:  "ir  sunt  den  bach  sament  trbken, 
wil  lieh  niht  schenken  mit  becheren  noch  mit  kophen,  er  wil  in  rehte  mit  ganzen  Suzie 
in  unsir  seien  lazzen  vliezen"'.  da  von  sprichit  der  wissage:  ' inebriabuntur  ab  ubertate 
domus  tue  .  ir  eunt  trinken  und  sun  trunken  werden  in  unsirs  herren  hus'  .  das  er 
sprichit:   ir  sunt  trinken    uud  sunt  rehte  trunken  werden,  da  bi  git  er  uns  ze  merkenue 


I 


31.  fo'ri 


34.  Jerusalem  fdilt  Z. 


vgl.  Wackemagel  S.  171  Z.  IE  ff. 
ft.  35,  9. 


hVS^^ 


11.  Vi>n  vier  hnml  vrftdoD.  809 

Du  drit  vr6de  ist  daz  wir  werdent  ze  samen  gefCiget  zu  allen  hailgen, 
Patriarchen,  propheten,  apostolen,  martj'rern,  bihtern,  allen  mAgden  und  kurtze- 
lich  gesprochen  zu  allem  hymelsclien  gesinde.  zu  den  werdent  wir  also  gefüget 
daz  si  allen  ira  Ion  und  ir  vröde  mit  uns  taillent  und  wir  mit  in.  si 
vrÖwent  sich  mit  lins  und  wir  mit  in,  und  beschiht  daz  allez  in  Gotte.  5 


vier  vro'ide  dia  du  eele  eupbahit,  so  si  trunken  wirt  von  der  hohen  gotheit  und   von 
der  aözen  menschcit. 

Diu  erete  vTO*de  das   ist  de  si  hohes  m{lt«3  und  vrigis  mAtis  wirt  .  und  v'itt  also 
hohis  Diötis  de  die  mineste  sele  dunkit,  dd  in  bimetriche  ist,  das  uneir  herre  Got  siner 
werden  mdtir   und  der  hohen  sngil    und  allis  himelschiä  herz    habe  virgezzeu  unse  an  si  ID 
ftileine  .  des  dunkit  eine   iegeliche  »e\e   in  himelricb :    alse  hohea  mütes    sint  si,    wan  ei 
sint  trunken  worden  von  dem  gewürzelen  wine. 

Diu  aiiilei'  vroide  ist  de  si  schi'me  werdeut  .  da  von  lisit  man  in  der  ecrifc  das 
einis  iegelichcn  menschen  lip,  das  behalten  wirt,  des  lip  wirt  nicb  der  jungisten  urstend! 
.vchöne,  und  sprechent  die  meister  de  sl  siben  stunt  scbo'nir  si  denne  dli  sunna  ge>  ]5 
schaffen  wurde,  und  sprechent  die  wisen  meister  und  die  heiligen  das  des  libes  sch6ni 
wider  der  sele  achüni,  de  ai  rehte  st  alse  eiu  kleiuls  bunctüi  wider  alier  der  welle:  also 
si  nohtenne  des  llbis  schüni  wider  der  sele  und  wirt  doch  der  lip  siben  valt  echonir 
denne  dti  aunne  werde  nach  der  jungisten  urstende  .  und  spricbit  sonte  Augustinus  da 
von  ein  wort:  'die  acboni  die  der  lip  inphat  nach  der  jungisten  urslende,  das  inist  20 
anders  wan  ein  ubirvlüzzi  der  sele'  .  der  sele  scbonheit  ist  so  übirmezzik  das  si  rehte 
iiber  vlüzzit  und  inmak  numme  in  si ;  wan  si  ist  des  kippber  wines  und  des  gewürzeten 
wines  und  des  roten  wines  des  ist  si  alse  vol  das  si  rebte  übir  vliuzzit  .  und  den  ubir 
vluz  inpbat  der  lip  .  unde  hat  doch  so  unniezzige  scbonheit  de  man  dar  au  wol  mak 
merken  das  der  sele  Schönheit  und  ir  wünne  vil  ubir  mezig  ist,  da  des  libis  scbonheit  2s 
so  ubirmezzig  ist  wider  alre  creature,  und  doch  du  scbonheit  so  unebtig  ist  bi  der 
sele;  wan  du  Bele  wirt  schinende  durch  den  schdnen  lip  rehte  alse  ein  schone  liebt  in 
eiure  lucerne. 

Diu  dritte  vro'ide  die  dii  sele  inpbat  so  si  trunken  wirt  des  bachis,  das  ist  ein 
ewige  vro'de.  und  ist  du  vro'ide  alse  luler  das  si  niemir  me  betriibit  wirt  ,  und  vrowit  30 
sieb  ein  iegeliche  sele  der  anderen  vroide  rehie  alse  ir  selbia  vro'ide  .  der  werden  küni- 
ginne,  sant  Marien,  der  wirdekeit  und  ir  günlicbi  vrowet  sich  diu  nideresle  sele  du  in 
bimelricb  ist  .  und  dunkit  ein  iegeliche  sele  das  ir  selbia  vroide  alse  groz  si  de  si  nibt 
wolt«  sin  an  der  hohen  kiiniginne  wirdekeit  .  wa  von  ist  daa  ?  von  jiinte  andirm  wan 
de  si  trunken  sint.  35 

Diu  vierde  vroide  ist  de  si  milles  rnülJs  wbt  .  da  vor.  sprichit  der  wissnge  David : 
'ndimpletus  est  venter  eorum  .  so  et  iren  buch  gefdilent,  so  teilent  si  umbe  sich'  .  und 

7.  meDschit  Z.         13.  in  der  Z.         H.  noch  Z.         15.  gchftne  fehlt  Z,  sibenvWtig  schöner 
denn  dev  liechl  s^ime  W.        17.  bunetili  Z,  bunctili  Pafizer,  plnchleiu  It'  dein  fünelin  Wackemagd 
Ü.171Z.106.      17/'.  also  —  aele /eA/(  TP,       19.  werden  mach  W.      22.  kippher  Paruer,  kappheri; 
26  f.  doch  —  der  sele]  dez  Icibea  schAn  so  cblein  ist  wider  der  sele  scb6n  W.        34.  mäte  Z. 


310  '«l.  Von  vier  band  vr&den. 

Du  vierde  vröde  ist  daz  wir  gesattent  sont  werden  der  hymelschen  wunne 
und  süzkait,  also  daz  wir  vergessend  werdent  allez  dez  laides  nnd  dez  an- 
gemaches so  wir  ie  uff  ertrich  gewunnent.  und  habent  so  vil  der  h^elschen 
sfizkait  daz  uns  nütes  des  jamert  so  uff  ertrich  ist;  won  ällu  dö  süzkait  dirr 

5  weite  [189"]  du  w4ri  da  ain  bitterkait,  ÄJlü  disü  vröde  du  wäri  da  ain 
trurkaity  äl16  disu  wunne  wäri  da  ain  un wunne,  aller  dirr  rihtüm  wäri  da 
ain  arm&t;  allez  dis  gemach  wäri  da  ain  ungemache,  allez  daz  uff  ertrich  ist, 
daz  wäri  da  ain  nihtes  nit:  won  unser  herre  der  da  ist  huswirt,  der  ist  daz 
beste  gut,   daz  obrost  gut,   dem  nie  nüt  glich  wart   noch  niemer  wirt.      der 

10  taillet  sich  so  volleklich  den  seien  daz  ir  dehainü  nut  anders  gert  won  daz 
si  da  hat,  daz  ist  Got,  daz  überflüssig  gut.  nu  sont  ir  wissen  daz  unser 
herre  zwo  brüste  hat,  dar  us  die  seien  die  in  hymelrich  sint,  baidü  wunne 
und  vröde  sugent:  daz  ist  sin  rainnü  mentschait  und  sin  schönnü  gothait. 
da  keret  er  die  seien  von  ainer  brüst  zu  der  andren:   wil  si  milch,   so  kert 

15  er  si  von  erst  zu  der  brüst  siner  mentschait;  wil  si  honig  und  kipper  win, 
so  kert  er  si  zu  der  brüst  siner  süssen  gothait.  [189^]  da  von  spricht  der 
wissag:  'mache  dinen  mund  wit,  so  mäht  du  vil  gesugen*. 

[72.]   Wie  man  ünsern  herren  soehen  soL 

fQuerite  Dominum  et  vivet  anima  vestraj 
20         *Süchent  unser  herren'  sprichet  der  wissage,  *so  wirt  üwrü  sei  lebend.* 

Nu  sont  ir  merken  wie  wir  ünsem  herren  suchen  sont  und  war  umb 
und  wa. 

wer  da  ieman  der  es  bedorfti,   dem   teiltin   si  ir  vroide  .   nu  ist  da  nieman   der  es  be- 
dürfe, und  zflckit  doch  ein  iegeliche  sele  der  anderen  ir  vroide  und  inhat  si  doch  deste 

25  minre  niht  .  wie  znchent  si  ein  ander  ir  vroide?  das  tftnt  si  also:  alle  die  vroide  die 
ein  iegeliche  sele  an  der  anderen  sihit,  die  züchit  si  ir,  so  si  übir  den  brunnen  gesizzent 
und  si  ir  kurzewil  wellent  haben:  der  lebinde  Got  das  ist  der  lebende  brunne  .  in  dem 
gotlichen  spiegil  und  in  dem  lebinden  brunnen  zuckit  ein  iegelich  sele  der  anderen  ir 
vroide   also:    eiu    iegeliche  sele  du   sihit  in   dem  lebenden  brunnen  einir  iegelichir  eele 

90  vro^ide  und   tugende   unde  dar  zA  ir  reinis  leben  und   ellü  du  guten  werk  da  mitte  'si 
himelriche   verdienit  het  .   de  znchint   siu  alle  ein  andir  also  de   sich  ein  iegeliche  sele 
der  anderen  vroide  vroiwit  rehte  alse  ir  selbirs  vro'^ide. 
Des  helfe  uns  got  .  Amen. 

18.  Überschrift  fehlt  W,  Der  wissage  frot)  Z.  19.  Der  lat  Text  fehlt  A.  Der  wissage 
sprichit .  Querite  etc,  ZW.  20.  spr.  d.  w.  fehlt  Z.  21.  wir]  ir  Z,  ebenso  311, 1.  21  f.  war  —  wa] 
dar  vmbe  warvmbe  ir  in  suchen  svnt  Z.  23.  des  Z.  26.  an  —  ir]  hat  dev  hat  si  an  vnserm  h^nn 
dorn  lebentige  prvnne  vnd  W,      27  f  der  1.  G.  —  anderen]  so  znchent  si  an  ein  ander  W.      29.  se/  Z, 

88  fehlt  W. 

11  ff.  vgl  Wackei-nagel  S.  171  Z.  81  ff,         17.  Ps.  80, 11,  18.  Die  Predigt  findet  sich  in  Z 

Bl  131  ^  W  Bl,  19,  N  Bl.  21,  wohl  auch  in  H  als  Nr.  28.  —  Der  WorÜawt  summt  nicht  mehr  mit  A, 
dagegen  stimmen  Z  und  W  mit  einander,  ebenso  beim  folgenden  Stück.         19.  Ps.  68,  33. 


72.  Wie  man  finseni  herren  sdcben  hoI.  311 

"Wir  sont  in  sücUen  alz  in  du  geert  Maria  sülite.  si  si\chte  in  dry  tage 
mit  laide  und  mit  sere:  also  sonl  ocli  wir  dry  tag  in  suchen,  der  erste 
tag  ist  relitu  rüwe  von  rehtem  hertzen,  also  daz  uns  alles  daz  lait  si  da 
mit  wir  Got  ie  erztirntent.  der  ander  tag  ist  lutrü  biht,  daz  wir  uns  dez 
schuldig  gebint  daz  wir  wider  Got  ie  getatent.  der  dritte  tag  ist  gantzu  5 
böz,  daz  wir  nach  ünsers  bibters  rat  biitzint  und  bessregint  alle  unser 
missetat. 

Wir  sont  önsem  kern  suchen  dar  umbe  daz  er  gut,  milt  nnd  süz  ist. 
wie  milt  er  si,  daz  merken  wir  ze  vordrost  an  sinen  mänigvaltigen  gaben, 
die  er  linz  [18!)"]  geben  bat  und  alle  tag  git,  joch  nit  allain  sinen  fründen,  in 
er  git  joch  sinen  viginden,  den  i'iblen  alz  den  gäten ;  won  ez  ist  nieman 
der  daz  gesprechen  muge  daz  er  von  Gotte  nie  lön  enphienge:  der  daz 
sprichet,  der  lüget;  won  swaz  wir  bant,  daz  hant  wir  alles  von  Gotte.  wie 
gut  unser  berre  si,  daz  merkent  wir  dar  an  daz  er  so  vil  iibelz  lins  ver- 
treit  and  in  dem  übel  üus  so  lange  bait«t  so  gedulteklicb ;    und  daz    er  uns,  t& 


Nu  merkent  warumbe  ir  Got  srichen  Bunt  .  Ir  sunt  unseren  herren  darumbe  Buchen 
das  er  Got  ist  und  gdt  iat  .  daa  sprichit  sant«  Ansbelmus:  'o  IJebir  herre  Got,  wie  gar 
g&t  du  biBt  unde  wie  gar  wunnecllch  du  biatl    und  bist  alse  rehte  luBteclich'. 

Wie  gar  unsir  herre  Got  göt  ist,    de  aunt  ir  merken  dar  an  das  er  una  achüf  nach 
eime  goLlichen  bilde  .   nu  hfirent   weles  de  gotlicbe  bilde  tat :    de  ist  diner  sele   beecbel-  20 
denheit  unde  ewiketi,  .   an    den    zwein  dingen    bildet  uns   unsir  herre  nach   ainer  ewigen 
gotheil  ,  da  von  mag  er  wol  sin  der  gar  gute  Got. 

Wie  gar  milUt  unsir  berre  iat,  dag  sunt  ir  merken  an  sime  tode  .  do  wir  ubiraahen 
sine  giil«  daa  wir  au  uns  aelben  iutereten  ain  gotlichis  bilde,   do  wna  aiu  mllti  alse  gros 
daa   er  meiisch    wolte  werden,    und  gab   sinen    minneclichen    lip    in    sinsr    viende  gewalt,  23 
und   weite    der   versmeheste  nienache  sin   der  ie  geborn  wart  .   also  sprichit  sante  Bern- 
hart:     der  ewige  Got  der  wart  zirgenclicb  durch  uns;    der  untofliche  Got,  der  wart  tot- 
liche durch  uns;  der  obroste  Got  der  wart  der  nidereate;  der  selbe  Got  der  himela  unde 
erda  gewaltig  was  und  allis  des  ie  wart,  der  wolle  sin  aelbia  Up  ungewaltik  werden  und 
gab  ainen  snzen  lip    und  sine  werden  menscheit  gap  er  angistliche  ze  martyrene  und  ze  30 
ti'iten   an   den   karenvritage '  .    daa   tet   er    allis  darumbe   dea  er  uns  wider  gebe  ain  got* 
lichia    bilde,   und  de    an    uns   geerti   das    wir  an   uns   selben   interet  hatten    mit  unseren 
efinden  .  dar  an  mugent  ir  wol  merken  de  unsir  herre  Got  gar  milte  iat,  wan  er  atrahte 
sin  arme  an  dem  cruce  dar  umbe  das  er  den  sünder  umbe  vaben  mehti  awenne  er  widir 
«ölte   keren    von    sinen    aünden    xü    einer  huMe  ,    da  von  sprichit  aancte  Bernhart:    '^sit  3S 
mich  Gottis  Bun  und  Got  umbevangen  het  in  so  grosir  augist,  do  waezir  und  blflt  von 


I.  in]  \tiBeren  lierren  Z.  \  f,  si  —  Sachen]  in  drie  tage  mit  arbeiten  vnd  mit  serigem 

hercen  a.  s.  ir  vneoreren  (herren  fehlt)  b.  drie  t.  mit  arbeiten  Z.  3.  fing  —  si]   dir  eilv  ding 

i-nmere  sin  Z.         4.  wirj  dv  Z.        itavnidest  Z.        t.  de  ist  Z.         4f.iax  —  (fctatent  fAU  Z, 

5.  tag  de  iat  stete  vnd  ganze  Z.  *>f.  daz  —  missetat  fthit  Z.  S.  hem  fddt  A. 

IB  —  313, 36  ParalkUisct  am  Z  zu  Z  %  —  313, 8.  17.  Got  ist  u.  icohl  nit  TF  zu  streichen. 

24.  inteireten  Z.         25.  mensch  fehlt  Z.         2T.  vntoliche  Z.         34.  armen  Z. 


i. 


I  312 


"2.  Wie  man  dnscrn  her 


1  80  wir  widerkerent  nnd  gnade  suchent,  so  liepticli  und  so  g^ütHch  enphahet, 
[  rehte  alz  ob  wir  in  nie  erzürnet  hettint.  und  dar  umbe  stat  er  an  dem 
'  cnit^e  mit.  zertanen  armen,  swenne  wir  koraent,  daz  er  berait  si  uns  ze 
enpfahenu  und  lieplich  ze  umbvalienne.  wie  siiz  unser  herre  si,  daz  mer- 
5  kent  wir  an  sim  sfissen  tröste,  won  er  süsseklich  tröstet  und  trösten  kan. 
drier  band  liite  tröstet  unser  hen-e:  er  tröstet  [190"]  die  in  arbaiten  sint 
in  sim  naraen;  er  tn'ßtet  och  die  arm  sint  an  Übe  und  an  gaist«  durch 
sin  minne ;  er  tröst«t  och  die  die  da  minne  trähenn  wainent  nach  im. 
wie  süz  sin  trost  si,  daz  waiss  nieman  won  der  allaine  der  ez  befundea 
10  hat.     'din  trost',  sprichet  der  wissag,  'hat,  herre,  min  sele  erfröwet'. 

BÜne  reinen  bercen  vlos  unde  sine  sele  von  sime  übe  scbiet,   sone  wi]  ich  niemir  gezwir 

»Telen,   er   in  vmbe  T&he  mich  in  siner  gotlichen  wunne'  .  dar  an  mugeat  ir  wol  merkea 
sine  groze  miltekeit. 
Wie  Büze  unsir  herre  si,  de  sunt  ir  merken  an  dem  tröste .  nu  sunt  ir  merken  das 

16  unsir  herre  drier  haiide  löl«  trostit  .  er  Irostit  die  die  in  arbeiten  sint  in  eime  namen; 
er  trostit  o'ch  die  armen,  die  am  sint  nn  deme  übe  und  an  dem  geiste  durch  eine 
minne;  er  trostit  o'ch  die  die  mine  trehene  weinent  nach  siner  vrolichen  angesiht  .  wie 
aÜEzen  trost  unsir  herre  git  den  betnibiten  bercen  und  dem  menechen  das  in  arbeiten 
ist,    das  weiz  das  mensche  wol    de  von  Gotte   ie  deheinen  trost  inphio  ,   wan  er  sprichit 

30  also  in  dem  wissagen:  'cum  ipso  sum  in  tribulatione  .  ich  bin  mit  (ich  iri  üwer  betrü' 
bede  nnd  wil  üch  selbe  tri'isten  in  tiweren  arbeiten'  .  da  von  sprichit  »ante  Bemhart: 
'Owe  sAsir  herre  Got,  sit  das  also  si,  so  verlas  mich  niemir  an  arbeit  und  ane  be- 
trabede'. 

Wie   senft«   unsir  herre  Got  si,    de  soltu  merken    an    siner   zi'ikunft,    so  er  geneigit 

25  sich  ze  komene  zU  der  sele,  also  de  er  sinen  heiligen  und  sinen  heren  vronlichamen  ge- 
neigit  zu  der  sele  .  wie  senfte  unsir  herre  dcnne  si  in  der  z&kunf^  das  weis  du  sele  wol 
da  unsirn  berren  ie  wirdecliche  inphie :  diu  weis  vil  wol  de  ellü  sturmwetir  und  elld 
unsenftikeit  geligent  unde  zerstoirit  werdent  in  siner  zäkunft  .  wie  senfte  unsir  herro 
ei,    das    weiz   si    denne  wol. 

90  Wie  minneclich  unsir  berre  si,  das  sunt  ir  merken  an  der  creaturen,  wie  rehle  min-. 

necliche  er  der  tfit,  wie  er  de  himelnche  und  das  vil  darre  ertriche  hat  gezierit  .  und 
mafe  man  joch  wol  merken  sine  minneclichi  an  dem  unertigen  vögele,  eime  rappin  .  so 
der  sine  jungint  gewinnit,  so  sint  si  wiz  .  so  er  das  gesihit,  so  vert  er  von  inen  und 
lat  si  llgcn  und  int&t  inen  inheinen  mt;    wan  er  wenit  das  si  sin  niht  sin,    wan  si  ime 

36  niht  gelicb  sint  .  so  das  reppeli  denne  lit  ane  rat,  so  spisit  es  unsir  herre  in  zwei  wis  : 
eumeliche  meister  sprechent,  er  spisit  es  mit  dem  himel  to'we ;  slümelicbe  sprechint  o'ch, 
so  es  also  heiz  ist,  so  vallent  d(i  mü^eh  ze  samene  und  werdent  ze  wellelin,  unde  ginit 
das  reppelin  denne  und  inphahit  das  welleli  und  wirt  o'ch  da  mitte  gespisit  .  und  da 
bi  mligent  ir  wol  merken  de  er  denie  menschen  nil  minneclicben  tBn  und  alle  tage  tfit, 


IS. 


:  trostit  fehlt  Z. 


09.  denne  Z,  dem  W. 


22.  f 


28.  in  sein'  zä  chSoft  W,  fehlt  Z. 


20.  Ps.  m,  IS;  vgl  oben  S.  308  Z.  32, 


72.  Wie  man  önseni  bciTcn  efldien  eol.  313 

Wir  sont  och  ünseni  lievren  süclieu  au  .  dem  crutze,  da  vinden  wir  in 
und  anders  niena.  da  sont  wir  merken  nnd  schowen  wie  minneklicli  er  da 
stät  und  wie  er  entschaffen  ist  von  dez  todes  not.  'owe',  spricht  sant  Ans- 
heim,  die  wannekliehen  ogen,  die  da  warent  luter  alz  du  snnne,  du  wur- 
dent  vinster;  sinü  rosvarwen  wangen  erblaiclietent ;  sin  küngklicher  munt  5 
ervalwete;  sin  minneklicher  lip  waz  zertent'  an  dem  crüze  alz  du  senwe 
an  dem  armbrost;  sin  uiinneklichez  hertze  [190"]  waz  gar  zerflossen  von  der 
minnenden  minne '. 

Nu  hant  wir  unser«  herren  runden,  nu  höre  wa  wir  in  gehalten  sont. 
daz  sont  wir  in  aim  geblftmeten  hertzen,  won  dar  inne  wil  er  sin  wunne  lo 
hau  mit  der  sele.  dem  geblftmeten  Gotte  geziraet  wol  ze  sinne  in  ainem 
geblümten  hertzen ,  dem  senften  Gotte  in  aim  senften  hertzen ,  dem  süssen 
Gotte  in  ainem  süssen  hertzen,  dem  girlichen  Gotte  in  aim  gerenden  hertzen, 
dem  guten  Gotte  in  aim  gäten  hertzen,  dem  rainnen  Gotte  in  aim  rainnen 
hertzen.  I5 

Na  hant  ir  gehöret  wie    und   war   ninbe    und    wa    ir   Got    schowen   sont 

sit  er  eime  so  unertigen  vogil   eo  minneclichen  tit  .   wan  ime  iat  joch  der  meneche  alae 
liep  das  er  alle  creature  dem  menecheR  ze  liebe  geschaffen  bet. 

Wie  gar  girlich  unsir  herre  si,  das  wirt  mnn  da  sehende  da  er  geeihtik  ist  in  einer 
heiligen  drivaltikeit,  das  ist  in  himelriche  ob  dem  aineivelJen  tische  .  da  wirt  man  in  20 
sehende  von  o'gen  le  o'gen,  und  da  wirt  er  unsir  tröhseza  und  dienit  er  una  da  und 
ouch  ein  werde  mAtir,  di'i  hoch  gelopte  klinigln,  und  wirt  uns  da  schenkende  sine  hei- 
ligen gotheit  und  sine  menscheit,  und  sprichit  denne  unsir  herre:  'comedite  et  bibite  et 
inebriamini,  karissimi  .  ezzen  und  trinkent,  niine  alre  liebesten  kint,  ez  soI  üch  wol  be- 
komen  und  ir  sunt  vei^zzen  allir  üwir  arbeit  und  rtwers  leidis'.  3S 

Nu  hant  ir  geh6rit  wie  ir  unseren  berren  säcbin  sunt  und  warumbe  ir  in  eAchen 
sunt  .  nu  sunt  ir  merken  und  hArin  wa  ir  in  söchin  sunt  unde  ica  ir  in  rehte  gewer- 
liche  vindent  .  ir  sunt  in  suchen  und  o'ch  vinden  an  der  arbeit  an  dem  crüce  .  da 
soitu  merken  wie  minnecliche  er  da  stat,  und  solt  dar  an  sehen  was  er  durch  dich  leit 
und  wie  er  intschaffen  iat  von  dea  todis  not  .  da  von  sprichit  sante  Ansheln  :  'owe^  du  M 
minnenclichen  o'gen  du  waren  lutir  nlse  ein  sunne,  dij  sint  swarz  worden;  sine  rose- 
(«rwen  wangen  du  sint  irbleichit;  ein  kflniclicher  munt  der  ist  ervalwit;  sine  silzxen 
bniste,  die  alse  lutir  waren  alse  ain  crislalle,  die  sint  swarz  worden;  allir  sin  käniklicher 
lip  der  ist  gedenit  an  das  crCice  alse  du  senwe  an  dem  arnbruste'  .  da  soltu  o'ch  ane 
sehen  sin  minneclichis  herce,  wie  gar  daz  was  zervlozzen  von  der  minnenden  minne  .  dar  35 
aolt  du  din  herce  bieten  und  solt  da  inziindit  werden  an  gotlicher  minne. 

9.  bastu  Z.      unser?.  A.      wunden  ^1.      wir]  du  2^,      sv  A.      folt  ^.       10.  daz  s.  wir/'eAH.Z. 

won  dar  inue]  da  Z.  11.  {^obtümeten)  edeln  Z.  13.  vor  dem]  dö  miDncclichen  KOtte  in  eime 
miniiedichen  bcrcen  Z.  14/'.  dem  rainnen  —  hcmcn  fehlt  Z.  16.  Nu  — 314, 1  vinden  sont]  Nu 
merkent  wie  ir  got  mot  säcben  und  waninibe  jr  in  sAcben  sunt  nnd  wa  ir  in  vindent  niide  wie  ir 
in  ({ehalten  sunt  Z.         19.  ist  fehlt  Z.        20,  sine  wellen  Z.        IT.  da  Z.       31  f.  rosewarwen  Z. 

23/'.  Cant.5,1. 


314  72.  Wie  man  ünaern  herren  söciien  soL 

und  wa  ir  in  gehalten  nnd  wa  ir  in  yinden  sont.  nn  sont  ir  hören  waz 
nutzes  ir  da  von  enpfahent:  drn  leben  werdent  fich  dar  nmb  geben,  daz 
erste  ist  ain  leben  von  natnre«  daz  ist  daz  dem  mentschen  sin  leben  wirt 
gelengert    nnd   sei   nnd    lip   dester   lenger   bi   enander   sint   dnrch    dez  gAten 

5  le/id07bens  willen,  daz  ander  leben  ist  ain  gnade  Yolles  leben,  daz  ist 
nut  anders  won  ain  tngentliches  leben,  dis  leben  hie  uff  ertrich  haisset 
wol  ain  gnaden  rollez  leben,  won  man  vindet  da  gnade  der  si  s&chet; 
nnd  der  ez  och  verlit,  dem  wirt  si  niemer  me  wider  geben;  nnd  der  och  na 
gnade  suchet,  der  vindet  sL     da  Yon  spricht  sant  Angnstinns:   'reht   alz   ain 

10  gnaist  ist  wider  dem  mer  nnd  wider  allen  wassern,  alz  ist  ünserz  herren 
erbärmde  wider  aller  der  weit  snnde';  nnd  alz  lihte  dem  mer  nnd  aUen 
wassern  ist  die  gnaiste  ze  erlöschenn,  alz  liht  ist  ünserm  herren  aller  der 
weit  ir  Sünde  ze  vergebenn.  und  da  von  sprichet  sant  Bemhart:  'o  lieber 
herre,   swie  vil   nnd  swie  grozlich  ich  gesundet  hau,   so  wil  ich  doch  niemer 

15  gezwiflen,  du  wellest  und  mugest  mir  min  sunde  wol  vergeben;  won  ich 
waiss  daz  wol  daz  diner  gnade  und  diner  erbärmde  me  ist  denne  aller  der 
weit  Sünde',  daz  dritt  leben  [190 '^J  ist  ain  vollrichez  leben,  daz  wirt 
nach  disem  libe  geben  und  daz  beschiht  ze  hymelriche;  da  werdent  wir  6ot 
sehend  in  siner  wunne  und  ünz  selbe  in  ime. 

^  /73.J  Von  zwaiger  band  lote  in  den  elostern. 

[Quam  pulchra  tabemacula  tua  Jacob!] 

Do  die  Juden  hie  vor  zogetent  engegen  dem  lande  daz  inen  gehaissen 
waz,  do  besaute  der  künig  Balac  den  \^issagen  Balaam  und  fürte   in   u/*  ain 

3.  erste  lebin  das  ist  ein  lebin  der  natare  Z,       4.  sin  seie  v.  sin  iip  Z.       5.  willen  .  wan  ir  svnt 
das  rehte  wizzen  .  das  sele  ofi  lip  alse  gerne  mit  ein  andir  sint  das  si  wolten  de  si  niemir  von  ein 
anderen  soltin  gescheiden  werden  .  vnd  dorch  des  gftten  wiUen  .  so  wirt  inen  gegebin  .  das  si  deste 
langir  bi  ein  andir  belibent  Z.      1.  de  ist  Z,      lebens  A.       6.  hie  fehlt  Z.      haisset]  das  ist  Z. 
7.  man  —  si]  ez  ist  de  lebin  das  m.  die  g.  vindit  swer  s.  rdite  Z.         S.  ez  och]  o^ch  dis  leben  Z. 

si]  ez  Z.        9.  si]  genade  vnd  erbermede  Z,      9  f.  eine  gneistvn  Z.       10/*.  L  alz  ist  a.  d.  w. 
Sünde  wider  uns.  h.  erb.  (Boethe),         13.  o]  Herre  got  min  Z.         14.  swie  —  wil  ich]  Ich  habe 
gewundert  vnd  habe  gar  getobit  nnd  habe  grozze  sünde  getan  vnd  inwil  Z,         15.  dv  Ä. 
du  —  vergeben]  an  diner  grozzen  genade  .  vnd  an  diner  erbermde  Z,         16/1  wol  spridiit  er  . 
das  diner  irberme  tvsint  tvsint  stvnt  me  ist  denne  miner  sünden  aide  aUir  der  weite  iemir  muge 
werden  .  das  ist  dis  leben  .  de  man  die  genade  vindit  nv  vnze  wir  in  disem  übe  sin  .  vnde  der 
sich  nv  virsnmit  der  mfiz  iemir  ane  genade  vnde  ane  erbermde  sin  .  da  von  ist  dis  leben  wol  ein 
gnadin  vollis  lebin  .  Das  dritte  Z,         17.  wnnereichs  W.         18.  n.  d.  beschiht]  das  wirt  Z. 
19.  wnnne  —  ime]  gotJiche .  vnd  in  all^  siner  wnnne  .  vnd  vns  selben  in  gotte  ZW,       20.  Über- 
schrift fehlt  Wj  Von  hem  Moyses  (rot)  Z,  Sermo  ad  danstrales  iV,  W  am  Rande:  XXIIL       21.  Der 
lat.  Text  fehlt,    Z(W)  beginnen:  Man  lisit  in  eime  wissagen  .  do  herre  Moyses  das  volk  ffirte .  der 
künik  balach  den  wissagen  balam  .  vffin  einem  berc,  das  weitere  siehe  bei  Wackemagel  S,  150  f, 
22.  zogetent  (oder  zouweteni?)  Boethe,  zaigetent  A.        23.  nf  fehlt  A, 

20.  Die  Abhandlung  findet  sich  in  Z  BI  138^,  W  Bh  97,  das  mit  Z  im  großen  und  ganMen 
Übereinstimmt,  X  BI.  lOP;  steht  tcohl  auch  in  H  als  Nr.  Ü4.  —  Gedruckt  nach  Z,  das  gegefüiber  A 
das  Thema  voller  und  lebendiger  ausführt,  bei  Wackemagel  S.  150.  21.  Xum.24,  5. 


73.  Von  zwaigcr  hand  lüte  in  den  Clustern.  315 

berg  und  liez  in  daz  volk  sehen  und  du  gezelt  und  ir  hütten.  do  sprach 
der  wissage:  'o  Jacob,  wie  schöne  sint  dinü  gezelt  und  din  hütten,  o  Israhel! 
si  sint  reht  alz  ain  gezelt  daz  Got  selb  uf  geschlagen  hat'. 

Nu  sont  ir  merken  zwaiger  hand  lüt  in  dem  closter,  die  bi  Jacob  und 
bi  Israhel  bezaichent  sint.  die  ersten  sint  die  amptlüte,  die  mit  arbaiten  5 
umb  gant;  und  sint  fünf  ding  die  si  dar  zu  raitzent  daz  ain  ist  du  nature, 
du  dem  [191'']  mentschen  daz  seit  daz  arbait  si  an  höre,  reht  sit  dem  male 
daz  unser  herre  si  verstiess  von  dem  paradyse.  daz  ander  ist  daz  zit;  daz 
seit  in:  ietz  sint  die  tag  daz  man  arbaiten  sol.  daz  dritte  ist  du  statt, 
daz  ist  disü  weit,  in  der  nieman,  enhain  creatur  weder  mentsche  noch  tier  lo 
noch  visch  noch  vogel  rüwen  sol  noch  enmag,  ez  süUe  und  müsse  arbaiten. 
daz  vierd  ist  der  Ion  der  dem  arbetenden  geben  wirt  nach  disem  libe,  daz 
ist  daz  hymelriche  und  Got  selbe,  der  ir  Ion  wesen  wil.  daz  fünfte  ist  der 
itwiss  den  du  beschaidenhait  tut  so  der  mentsch  sin  zit   unnutzlich  vertribet 

Die  andern  lüte  in  den  clöstern  sint  die  contemplierend,  der  hertze  all-  15 
wegen  ist  in  dem  hymelrich  bi  Got.  dise  lüte  die  hörent  an  drü  ding 
aigenlich.  daz  erst  ist  betrahtung  waz  Gottez  wille  si  und  sin  gebott,  und 
sich  dez  flissen  ze  tünne.  [19V]  daz  ander  ist  luters  und  rainez  gebett;  won 
nach  der  betrahtunge  waz  Gottez  wille  si,  so  gat  denn  daz  kosen  mit  Gotte, 
daz  geschiht  in  dem  gebette.  daz  ist  daz  drit:  le^ung.  daz  geschiht  an  20 
drier  hand  buchen,  daz  aine  ist  daz  hertze,  da  liset  man  an  wizhait  und 
süskait,  und  daz  schepfet  daz  hertze  von  der  schritt  und  behaltet  ez  in  ime 
selben,  so  daz  buch  und  du  schrift  niena  ist  zegegen,  daz  ez  doch  in  ime 
Selben  liset  und  erkennet  waz  Übels  und  gütez  an  im  ist.  daz  ander  ist  du 
creature,  an  der  man  erkennet  und  merket  wie  gut,  wie  gewaltig  und  wie  25 
wise  unser  herre  ist.  daz  dritte  ist  daz  lebend  buch,  unser  herre  Jhesus 
Christus,  daz  buch  siner  haiigen  mentschait,  daz  an  dem  karfritag  geschriben 
wart,  an  dem  bäch  liset  man  gedult,  demät,  senfti,  minne,  rainkait  und 
mänig  ander  tugend,  die  da  geschriben  sint  mit  den  rosvarwen  büchstaben 
sinez  rainnen  blütez.  so 

[14.J  Ton  gaischllchen  lüten. 

[19V]   Die  gaischlichen  lüt   sont  glich  sin  ainem  blümen   an  vier  dingen. 
Daz  erst  ist:  der  blüme  wachset  togenlich,  also  sol  daz  mentsch  togenlich 

9.  in  ez  A.  20.  lerung  AZ.  81.  Überschrift  fehlt  W,  Von  eime  blümen  (rot)  Z,  32.  W be- 
ginnt: Vier  tugent  sind  an  den  plftmen  vnd  pey  den  edeln  plftmen  ist  bezaichent  ein  yegleich*  8&lig^ 
mensche  .  wan  ein  y'gleich  geistlich  mensche  an  vier  dingen  sich  dem  plftmen  geleichen  sol.  — 
Z:  Bi  dem  edelen  bl&men  ist  bezeichent  ein  iegelich  selik  mensche  .  Vier  tagende  sint  an  dem 
blümen  .  dar  an  sol  der  geistliche  mensche  dem  blümen  gelich  sin.  33.  der  blüme]  er  Z. 

daz  m.]  der  selige  mesche  Z. 


25/*.  vgl.  oben  S.  249  Z,  7/f.        31.  Das  Stück  steht  ZBl.136'»,  WBllOO,  welches  im  ganzen 
mit  Z  Übereinstimmt;  steht  wohl  in  H  als  Nr.  25, 


316 


~i.   Von  gaischliehen  löten. 


acliseii  an   tngenden  and  an  sAlden.     alz  tdgenZich,  sprich  ick,  daz  im 
si  daz  ez  nieman  wisse,  denn  daz  ez  ieman  wisse. 

Daz  ander  bt  daz  der  blume  wol  smeket      nnd  also  sol  och  dez  gaisch- 
lichen  mentschen  leben  also  raine  sin    daz  ez  vor  Gotte    and  vor  den  engeln 

I  wol  smeki,  und  dar  zu  vor  allen  lüten,  daz  die  da  von  gebessert  werdent 
Daz  drit  ist  daz  der  blum  geluKtlich  ist  an  zesehenne.  also  sol  daz 
^ischlich  mentsch  gelustlich  Fhi  an  sinen  Worten,  an  sinen  werchen,  an  sinen 
gebärden,  daz  man  in  gerne  h<^re  aod  sehe. 

Daz  vierde  ist  daz  der  blüme  Hnd  ist  an  zegriffenn.     also  sol  der  gaisch- 

n  lieh  mentech  lind  sin,  so  man  in  an  griffet  in  dem  capitel  mit  i-figenne  nnd 
mit  refzent.  swie  unwü-deklich  man  ez  an  grife.  so  sol  ez  lind  sin  alz 
[191']  der  blüme,  nüt  alz  der  dorn,  dez  natur  ist  also  herte.  swie  lindeklich 
man  in  an  ^ifet ,  so  stiebet  er  doch  da  wider.  also  sol  der  gaischlich 
mentsche  nit  tun.      ez  sol  demütklich   und  senfteklich    enpfahen,   swie    hertek- 

r.  lieh  man  ez  an  kumet.  nnd  sol  ez  vertragen  und  sol  gedenken  an  den  hohen 
werden  blümen  der  von  dem  hynielrlch  kam  uff  ertriche,  Gottez  sun,  Jhesns 
Christus,  wie  linde  und  wie  senfte  der  waz  gegen  dem  töde.  an  den  gedraik 
und  lerne  da  von  demütkait,  gednlt  and  senftmütkait  also:  swer  daz  von  im 
sehi  und  höre,    daz  er  da  von  gebessert  werde    und  Got  dar  umb  lobe,     der 

n  gaisclilichen  liit  leben  sol  rehte  alz  ain  laceme  und  ain  lieht  sin  daz  den 
weg  «igi  gegen  dem  hymelricbe.  ez  sol  sin  ain  spiegel,  in  dem  sich  aller 
minlich  ersehen  sol.  J 


3: 

I 


Bich  AD  den  blümen  und  nini  dar  abe  nenftikeit  und  diemütikeit  .  ein  iegelich  bro*  I 
der  80I  sich  vlizzen    wider  den  anderen  tugende  und  eenftikeit,    zühte  und  reinekeit,    de 
ander  liit«   von  üch  gebezzert  werden  .    und  vlizzent  üch   de  ir  solichc  lere   und  solicbe 
bilde  gebent  de  unsir  berre  Got  an  allem  üwerem  lebenne  geert  und  g«Iobit  werde  und  . 
äwer  eben  cristen  an   gi'item  bilde  gebezxert  werde  .  da  sol  Uwer  leben  ein   luceroe  ua'J 

1.  mgCtlich  A.  gpr.  ich  fehlt  Z.  vA\  fehlt  Ä.  2.  b\  d.  e.]  boI  sid  .  de  sine  tugende  vnd  a 
Bfizzekeit  Z.  Sf.  Das  andir  de  ist  dar  an  (an  daz  W)  o'cli  der  jreisUicho  mensclie  wol  smeckit  J 
daz  ist  also  das  doe  seligen  menschen  tugende  und  Bin  lebcD  alse  reiao  sol  sin  de  si  to 
6.  wol  —  werdenti  flflzzeclicho  smecken  vti  niht  aJleine  vor  gotto  .  ez  boI  ü'ch  smccken  \ 
bro'der  zB  dem  anderen  brodir .  de  ein  iegelieh^brod'  gtbeKzert  werfe  von  dem  and^n  ZW.  6.  gel,  ' 
fehlf  Z.  7.  sin  an  fchU  A.  If.  werchen  —  sehe]  werken  vü  an  allen  sineo  g,  soi  w  aleo  schone 
sin  .  das  es  allen  lüten  lästedich  si  zo  sebcnne  .  alse  schone  eülen  sine  geberdo  sin  .  vü  sine  wort 
alse  sflze  vn  alle  bjdo  sittcn  alse  senfte  .  de  alle  die  Ifite  von  irae  gebezzert  werden  Z.  3  f.  die 
Endaitbe  lieh  in  gaischlich  ist  am  Bande  nachgetragen  A.  9f.  13,  gaiscbl.j  selige  Z.  10,  lind 
fehlt  Z.  Capitel  so  man  in  an  grifct  mit  A.  ■  11.  refsinne .  so  sol  ez  linde  ein .  swie  Z. 
mnn  ez]  ez  icman  Z.  bo]  da  widir  Z.  lif.  sin  —  dom|  vnd  eenfte  sin  .  wan  dv  seligir  mensche 
Bolt  des  bifimcn  natura  haben  .  vnd  niht  domes  Z.  12.  lintlicho  Z.  !3.  in]  den  dorn  Z. 
alBO]  dos  Z.  14  f.  ea  boI  —  sol  ez]  er  sol  der  natnre  ein  widir  werü  haben  .  also  swie  h.  od'  wie 
vnwirdecUchB  es  ioman  an  griffe  .  de  sol  es  diemötecliche  vnd  senftecliche  widir  gebe  glto  wort 
vnd  Z.  Ibf.  bahea  wMAea  fehlt  Z.  16  f.  hfmelr. —  Christus]  dem  hohen  h.  wart  gegeben  vf 
das  ertr.  de  was  der  edü  blOmo  gottis  svn  von  himeliiehe  .  des  soltu  gedenken  Z.  11 
wider  Z.  an  —  SIT,  8  siehe  den  Text  in  der  zweiten  Spalte.  21.  heigi  A. 


74.  Vuii  gaUcblicIicu  lüteu.  317       I 

Du    Banman^    sol    aiu    scbönu    wise    sin    uff    der    mänger   bände   bl&nieiL       1 
waclisent  und  schinnen.    [193'}  da   sol    sin    am    lyli    gantzer    künschkait,   da 
sol  siu   aiu  rös  brinuender  minne    und  vester  gedaltkait,    da  äol   sin  ain  viol       j 
reliter  demötkait,    da  sol  sin  ain  zitlos    zübtiger  irandlung  und  erberkait,    da       I 
sol   sin    kle  blfimen    guter    beschaidenhait.      aller    dirr    blümen    scbin    daz    sint  5 
alle  tugend,  won  in  gaischlichem  lebeun  ensol  enkainer  tugend  gebresten.    die 
tagend    sont    alle    drinne    sin.      aud  swa    daz  ist,    da  ist  öch    rebt    gaiächlicli 
leben;  und  swa  daz  nit  enist,  da  enist  reht  gaischlichez  lebens  nit. 

/7.5./    Von  drler  band  mlnne.  j 

[Nos  ergo  diligamus  Deum,  quia  prior  dUewit  nosj  10  1 

'Liebeu',    spricbet    sant    Johannes,    'minnent    Got,    won   er    hat    och    üch  I 

geminnet'. 

Ez  ist  uff  ertrich    drier  band    minne,    die    die  grösten  sint.     du  erste  ist  J 

zwüsclient  der  müter  uud  ii-em  kinde;  du  ander  ist  zwüschent  der  vrowen  und  j 

ireni  manne;  dii  dritte  ist  zwüschent  der  sele  und  dem  libe.    dirr  drier  minne  16  J 

Überkraft    hat  unser  heire  zu  ünz  gehebt.   [192''} 

dii  den  wec  zeigit  gegen  dem  bimelriche,  do  üner  orden  sol  ein  ein  spiegil  da  sich  alle 
die  läCe  inne  irsebcn  lüterHche,  do  äwer  uamenunge  eol  ein  ücbüne  wiee  sin  dar  uf 
manger  bände  bli'imeu  achinen  wuuderliche  uud  wunnecliche :  da  sol  uffe  ein  der  lybe 
ganzer  ktischikeit  .  ir  sunt  o'ch  haben  den  roäe  vurweu  blQtnen  der  mbne  und  der  ge-  20  j 
dultikeit  .  behaltet  o'ch  den  viel  der  dieintHikeit  .  allir  iiudirre  birimen  achin  de  sun 
alle  tugeude  sin,   die  sulint  ir  hahin  alle  gomeinliche  und  i^eliche  eüuderliche. 

Der    schi'niB   Got    von    himelriche    der  wil    haben    unseren    dieniat    tugentlich  .    wie 
Bchüne,    wie  rieho,    wie  edil    der  mensche  si,    ist  da  niht   an   dirre  lugende  bi,   so  ist  er 
dem  herren    gar  uuniere  .    doch  der  da  beiziL  berre    und  o'ch    Jüt  berre  und  Got  der  tu-  25 
genden,    der  selbe  Got  und  \mm  vatür  von  bimelriche  der  nlche   üch   ze  verliehen  und 
gotltche  tugende  geben  an  allen  diogen  und  her  nach  das  ewige  leben  .  amen. 

2.  schinnen  sol  A.  aia  fehlt  A.  3.  veetx'  A.  ».  Übenichrift  fehllZ,  WamSande: 
Dilectiotriplex,  Von  rechter  minno  zu  gottc  i\  10.  Der  lat.  Teict  fehlt  ASZW.  11—15  libej 
Ir  Bvm  wizzen  drier  baude  minne  ist  vf  ertriche .  die  aint  die  groiaten  .  vnd  div  erHte  ist  die  dv 
mitir  zir  kinde  hct  .  div  oodir  die  ein  vrowo  zir  ielicbea  manne  het  .  div  dritte  de  iat  dv  liebi  . 
dv  die  selo  vnd  der  lip  zo  sameiie  liaat  Z(W).  11.  minne  S.  dicL  S.  2ö.  doch]  dem  W. 
27.  So  endet  auch  W. 

9.  Das  Stück  steht  ZBl.137',  WB1.1S3;  in  8  (ITs.  810^  der  Slraßburger  Slailtbibl.l  Üt  es  das 
erste  Stück  vnd  folgt  im  Text  A;  vgl  Cod.  Pal.  gerta.  2i  Bl.  253"  der  Heidelberger  üniversitätabibl. 
Die  Predü/t  findet  sieh  dem  Inhalt,  nieht  dem  Wortlaute  nach,  auch  unter  der' SeimoneB  ad  religiöses' 
benannten  Sammlung  der  lalnnischen  Fredigten  Berlholds  v<m  Begenshurg,  Erlangen  üniversitätabibl. 
Cod.  407  Bl.  174"  (vgl.  Jacob,  die  lateinischen  Beden  Berth.  v.  Beg.  S.  93  Nr.  63}  und  zirar  als  2.  Punkt 
mit  seinen  drei  Unterabteilungen.  Die  Punkte  lauten  (Bl.  175"):  Tria  sunt  genera  dilectionis:  pri- 
mam  habet  mater  ad  filium  et  cconverso,  et  hoc  carum ;  secundam  habet  sponBue  ad  sponsam  ot 
econvereo,  et  hoc  carius;  tertiam  habet  anima  ad  corpus  et  econvereo,  et  hou  carisaimum:  hoa 
amores  Christi  amor  exoodit,  10.  1.  Jotm.  4,  tif.  21—27  Man  beachte  die  MHme. 


I 


318  "to.  VoD  drier  band  minne. 

Er  hat  uns  me  geminnet  denne  ie  müter  ir  kind.  daz  merkent  wir  an 
siner  mentschait,  daz  er  durch  unz  mentech  wolt  werden,  und  dar  zfi  der 
versm&htest  mentsche  der  ie  wart  oder  iemer  wirt.  ain  m&ter  treit  ir  kint 
nument  vierzig  wochen.     unser  herre  trug  aber  unz  me  denne  drissig  jar  an 

5  allen  sinen  liden,  und  ze  jungst  wolt  er  den  grimmen  tot  durch  uns  liden. 
und  da  von  sint  och  wir  im  grösser  minne  schuldig,  won  er  unz  so  grozlich 
geminnet  hat 

Er  hat  uns  och  geminnet  me  denn  ain  yrowe  oder  ain  man  ir  elich 
gemächde  ie  geminnet     daz  mugent  wir  merken  dar  an  daz  nie  enhain  man 

10  so  gut  wider  sin  yrowen  wart,  und  näme  si  ain  andern  oder  zwene  zö  im, 
daz  er  ir  niemer  alz  hold  wurde  alz  er  da  Tor  waz.  dez  tflt  unser  herre 
nit :  swie  dik  wir  in  über  sehent ,  so  enphahet  er  ünz  doch  wider  zfi  siner 
liebi,  und  sint  im  dester  unlieber  nit.  won  ir  sont  daz  wissen:  alz  dik  wir 
höbet  Sünde   tünt,   alz  dik  übersehent  [192^]  wir  in.     alz  balde  aber  und  alz 

15  dike  so  eht  wir  widerkerent  zu  sinen  hulden  und  ünz  lait  ist  du  missetat, 
so  enpfahet  er  uns  und  vergit  uns  die  schulde  also  gar  daz  er  si  uns  niemer 
uf  gehebet,  swie  dik  wir  och  wider  in  schuldig  werdent,  blibent  eht  wir  ze 
jungst  stät  an  im. 

Er  hat  och  uns  me  geminnet   denne  sei   und  lip  ie  enander  geminnetent 

20  daz  merkent  wir  dar  an  daz  er  ir  zwaier  liebi  an  im  selben  brach,  do  er 
sin  sele  von  sim  libe  schaiden  liez,  und  dar  zu  liez  er  im  sin  rainez  hertze 
uf  tun  mit  aim  scharpfen  sper,  daz  hertze  daz  vol  aller  wizhait  waz  und 
aller  miltekait  und  aller  künschkait  daz  tet  er  dar  umbe  daz  wir  sähint 
daz    er    ünz    minneti    von    gründe   sins    hertzen   und    von    aller    siner    kraft. 


1.  Er  —  wir]  de  er  vns  me  g.  habe  .  deime  ie  m.  i.  k.  geminnit  .  de  svnt  ir  merken  Z. 
2.  durch  ünz  fehlt  Z.  2  f.  und  —  wirt]  vü  noch  do  .  do  er  mensche  wart  .  do  in  wolte  er 

niht  ein  mensche  sin  an  wirdekeit  alse  ein  andir  mesche  .  er  wolte  der  v.  m.  sin  der  ie  gebom 
wart  Z.         2.  und  —  4  denne  fthXi  fälschlich  S.  4.  vns  drizik  iar  vn  me  Z.         6.  sont  Ä, 

groze  S.       Sf  Er  —  geminnet]  Div  and^  minne  de  ist  dv  minne  .  die  ein  man  het  ze  siner 
ielichen  vrowen  .  Grozzir  minne  het  o'ch  vnsir  herre  ze  vns  gehebit  Z.  9.  daz  nie]  Es  in- 

wart n.  Z.  10.  wart  fehlt  Z.  ain  andern]  einen  man  Z.  11.  er  ir  vor  Ä,  da  vor  Ä. 
12.  14.  vbir  hügen  ZS.  13.  und  —  nit]  alse  o'^ch  ie  Z.  14.  in  —  21  liez  er]  vnseren  herren  . 
vnd  alse  dicke  so  wir  houbit  s  'ndc  tun  .  vnd  alse  mange  so  wir  tvgen  .  so  entwirde  wir  vnsir 
seien  .  vfi  stozzen  vnseren  herren  von  vnserre  seien  vnwirdecliche .  nv  merke  ein  iegelich  mensche 
wie  dicke  ez  sinen  herren  vnd  sinen  got  vbir  hvgit  habe .  vfi  hat  doch  vnsir  herre  so  groze  liebe 
ze  vns  de  er  vns  wid^  inphahit  in  sine  genade  .  swenne  wir  widir  keren  wen  .  dar  an  svn  ir 
merken  de  vns  \'nsir  herre  vil  licbir  hat  .  denne  ie  dchein  man  sine  vrowen  .  wan  er  virgit  vns 
vnsir  svnde  .  alse  lüterliche  de  er  vns  deheine  vnsir  bdsheit  niemir  me  vf  gehebit  swie  dicke  wir 
in  ioch  vbir  hügit  han  .  beliben  wir  noch  denne  stete  an  ime  .  Div  dritte  liebe  de  ist  .  die  sele 
vnd  lip  ze  ein  anderen  hant  .  div  ist  also  groz  .  de  sv  iemir  gerne  samint  werin  .  noch  niem^ 
gescheiden  soltin  werden  .  alse  rehte  wol  sint  sv  ze  semene  gevdgit .  vnd  ist  alse  liepliche  minne 
inzwisch^t  inen  .  de  merkent  o'^ch  die  ganzen  minne  brach  o^ch  vnsir  liebe  herre  an  ime  selben  . 
de  er  vns  vollecliche  zeigete  .  de  er  vns  liep  het  .  vnd  vil  liebir  dSne  sele  vnd  lip  .  ein  ander 
haben  .  wan  er  sehiet  die  minne  dvrch  vnseren  willen  .  sinis  kvniclichen  libis  vnd  sinir  edelen 
seien  .  vil  liez  Z.  16.  ü.  vnser  seh.  vnd  vnser  svnde  8.  20.  do]  daz  S.  24.  von 

grvnde  vf  Z. 


75.  Von  drier  band  minne.  319 

er  liez  och  dar  umbe  sin  hertze  uf  tun  daz  wir  ez  offen  fundint  swenn  wir 
kämint,  und  daz  och  wir  im  unser  hertz  uf  tätint  und  im  ofnetint  unser 
schulde  in  der  bihte.  dar  umb  goz  er  den  brunnen  [192'^]  uss  sim  hertzen 
daz  wir  sähint  daz  sin  minne  gantz  und  luter  waz  und  an  allen  Talsch. 
und  liset  man  doch  daz  ünsrem  herren  der  tot  wirs  tet  denn  ie  dekaim  5 
mentschen,  und  von  der  angst  so  er  z4  dem  tod  hatt,  do  switzt  er  blutigen 
swaiz,  und  liez  er  doch  dar  umb  nit,  er  wölti  den  tot  willeklich  liden;  won 
er  hatte  alz  groz  girde  den  tot  ze  lidenn  durch  den  sunder,  daz  er  sprach: 
'owe,  wer  hilfet  mir  daz  ich  den  bittern  tot  durch  den  sünder  erlide!'  und 
in  der  selben  minne  schied  sin  hailgu  sei  von  sim  Übe.  lo 

Nu  haut  wir  gehöret  wie  grozlich  unser  herre  uns  geminnet  hat  nu 
minnent  och  wir  in  wider  me  denn  vatter  und  müter,  me  denn  alle  die 
fründe  die  wir  uff  ertrich  haut,  me  denn  ünz  selben,  und  ogent  daz  mit  den 
werchen  die  zu  der  minne  hörent,  da  mit  man  die  be wäret,  alz  och  er  sin 
minne  engegen  uns  bewäret  hat  15 

116.]  Von  dem  ewangelio. 

fPharisei   cons^ilium   iniertmt,   ut  caperent   eum   in   sermonej 
[193'']  Die   pharysei   fragetent   ünsern   herren    hie   vor    ainer   frage   und 
woltent  in  vahen  an  den  werten,      won  hie  vor  in  der  alten  e  do  waz  daz 
römsch  rieh  haidensch    und  waz   alz  gewaltig   daz   ain  ieglicher  mentsch   zem  20 
jare  ain  pfenning  ze  zinse    dar  müste  geben,      nu  waz  ain  krieg   under   den 
Juden,  daz  sü  sprachent  ob   ünsers  herren  kind  Zinsen  soltint  dez  tüfels  kint, 

1.  vnd  o'ch  dar  umbe  liez  er  s.  h.  Z.  3.  in)  mit  Z.  vz  von  sime  Z.  5.  und  fehlt  S, 
man  liset  doch  S.  6.  so]  die  ZS.  dem]  sime  Z.  9.  Owe  seligir  mensche  Z.  10.  in 
fehlt  A.  hailgü  fehlt  8,  bei  libo  endigt  Z  mit  den  hierher  gehörenden  Fredigten  und  geht  zu 
anderen  Stücken  übe^'j  W  dagegen  hat  als  Schluß  nach  Übe:  Nu  pitten  wir  den  hochen  got  von 
himelrcich  daz  er  vns  räch  ze  geben  daz  wir  von  dirre  weit  nimm^  geschaiden  werden  .  wir  haben 
v^dient  die  himelischen  gnade  vnd  sein  götleich  angesicht .  des  helf  vns  der  vat^  vnd  der  sun  vnd 
der  heylig  geist .  amen.  12.  und  müter  —  15  hat]  oder  m voter .  wir  svnt  in  ovch  me  minnen 
danne  alles  daz  gvot  daz  vffen  ertriche  ist .  wir  svnt  in  ovch  me  minnen  denne  die  frvnt  die  wir 
vf  ertriche  hant  .  wir  svn  in  ovch  me  minnen  denne  vns  selben  vnn  svnt  im  daz  ovgen  mit  den 
werken  die  zvo  der  minne  hoerent  da  mitte  man  die  minne  beweret  alz  ovch  er  sine  minne  en- 
gegen vns  beweret  hat  .  wir  svn  vnsermc  herren  glich  sin  an  einvaltekeit .  alles  daz  vnser  herre 
ie  geschvof  oder  ie  gctet,  daz  tet  er  alles  in  zwei  wis  .  im  selben  ze  eren  vnn  den  menschen  ze 
nvtze  .  alz  svn  ovch  wir  alle  vnser  werc  tvon  vnserme  herren  ze  lobe  vnn  vns  selben  vnn  andern 
Ivten  ze  nvtze .  sin  wir  nv  vnserme  herren  alsus  gelich  so  worden  wir  im  ovch  glich  in  himelrich 
wan  rehte  alz  vil  wir  hie  got  minnent  vnde  erkennent  alz  vil  werden  wir  in  dort  in  himelriche 
minnende  vnn  erkennende  mensche  .  got  hat  daz  sine  getvn  nv  tvo  dv  daz  dine  so  wirst  dv 
eweclic  behalten  in  der  vroiden  zvo  himelriche  8.  17.  Der  lat  Text  fehlt  A;  vielleicht  trug  die 
Predigt  auch  den  Text:  Cuius  est  imago  hec  et  superscriptio  ?  oder:  Die  nobis,  licet  censnm  darc 
Cacsari  ? 

16.  Das  Stück  samt  den  folgenden  findet  sich  allein  in  A.         17.  Matt,  22^  15, 


320 


76.  Von  dein  ewangolio 


I 


und  fragteiit  in  dez.  do  antwurt  er  iu  und  sprach:  *lät  mich  den  phenniDg 
sehen!'  do  si  in  im  gebrahtent,  do  sprach  ec:  *wez  ist  diz  bilde  und  diso 
Kchrift?'  do  sprachent  si:  'ez  ist  dez  kaisers  von  Kome'.  do  sprach  unser 
herre:  "ist    daz    bilde    sin,    so    ist   och    der    pfeniiing    sin,      da  von  gent  dem 

i  ka^ser  daz  ir  im  sont,  und  gebent  Gölte  daz  ir  och  im  sont'. 

Nu  sont  ir  wissen  daz  dis  allez  be^aicAenlich  ist.  '  pharysei  *  daz 
8pri/i.95ychet  'die  getailten',  daz  sint  die  die  der  wort  und  der  werche 
getaillent  sint,  die  aius  sprechent  mit  dem  munde  und  aiu  anders  in  dem 
hertzen  haut,     uu  koment  diz    etwenne  zu  gaischlichem  lebenn    und  went  die 

0  guten  vahen  an  iren  Worten,  so  sont  si  tiin  alz  ünsei-  lierre  tet,  und  sont 
sich  hüten  an  iren  worteu  und  an  allen  iren  Bitten,  daz  ieman  von  inen  iht 
gebösret  werde,  wou  dez  sint  si  ünserm  herren  schuldig,  wir  sint  im  ällü 
baidü  gaischlich  und  weltlicli  schuldig  daz  wir  in  minnent,  fürhtint  und 
erent;    daz    sont    wir    im  gelten,      wir  sont   och    der  weit   geben    daz    wir  ir 

5  schuldig  sint,  daz  ist  daz  wir  si  fliehint,  won  si  böz  und  unraine  ist.  doch 
mag  ain  ieglicli  mentsche  sich  dem  andern  geliehen  so  verre  als  ez  an  sünde 
mag,  und  anders  nit.  also  liset  man  von  sant  Dominico:  der  gelichet  sich 
guten  löten:  so  er  bi  iu  waz ,  so  gieng  er  baifuz  als  och  sü^  so  er  fai 
andren  lüten  [193"}  waz,    so  hielt  er  sich  aber    dai-  nach;    so  er  bi  kätzem 

!U  waz,  so  liielt  er  sich  aber  dar  nach  alz  er  si  aller  maist  mobt  gebessren. 
dis  tet  och  sant  Paulus,  der  glichet  sich  och  aim  ieglichen  mentschen  an 
sini  lebenn,  alz  er  selb  schribet. 

Nu  sont  ir  merken  daz  wort  daz  unser  heiTe  sprach;  'wez  ist  diz  bilde 
und  disü  sclirift?"      hie  bi  ist  bezaichent    ains  ieglichen    mentschen  sele.      dö 

5  hat  dn'i  bilde,  du  eht  ze  bymelricli  komen  sol.  und  alz  balde  so  si  von  dem 
übe  schaidet  und  füi"  Got  wirt  braht,  so  sprichet  er:  'wez  ist  diz  bilde  und 
disü  Schrift?  dez  ez  si,  dem  gent  och  die  selel'  hat  si  denne  Gottez  bilde, 
so  wii't  si  im  och  geantwürtet;  hett  si  aber  dez  tüvelz  bilde,  so  wirt  si  och 
dem  tiifel  geantwürtet. 

Baz  eist  bilde  der  sele  ist  jämerlich.  bi  dem  ist  geschriben:  'filius  Ire', 
daz  sprichet:  'dis  ist  dez  tüvelz  kint*.  daz  ist  ain  jAmerlich  bilde,  daz 
habent  wii-  [193"]  alle  e  daz  wir  getöffet  werdent.  won  daz  sont  ir  wissen 
lüi'  war  daz  wir  ällü  des  tüvelz  kint  sint  e  daz  wir  getöifet  werdent;  und 
sturbent  wir  ungetotfet,    daz  wir  Got    niemer    gesäbent,    won  wir  warent  alle 

i  dez  tüvelz  kint  von  dem  ersten  valle  Adams  untz  an  daz  zit  daz  unser  heire 
erstarb  an  dem  crütze:  do  kofte  ei*  ünz  wider  mit  sim  tode.  doch  sont  Ir 
daz   geloben:  swer  an  töf  stirbet,  daz  der  Got  niemer  geeibt. 

Daz   ander    bÜd    ist    gönlich    und    da  bi    stat   geschriben:    'frater  domini', 
sprichet:   'ünsers  herren  brüder".      daz  wir  nu    nnsers  herren  bräder  ; 


>.  beKhaidenÜcb  Ä. 


>.  €2]  l.  erz^        lä.  guten]  l.  ^aischliclion  ?         20.  eich  A^ 


\^f.  ryl.  oben  S.  385  Z.  6 ff. 


76.  Von  dem  ewangelio.  321 

und  er  unser  brfider,  daz  bewärt  er  selbe,  do  er  von  dem  tod  erstünt  und 
er  den  vrowen  erschaine,  do  .sprach  er  zu  inen:  *gant  und  sagent  minen 
brudem  daz  ich  erstanden  si\  mit  den  Worten  mainte  er  die  junger  und 
gab  uns  ain  Urkunde  daz  er  unser  brüder  ist  [194"]  nach  siner  rainnun 
mentschhait.  diz  bilde  enpfahent  wir  in  dem  tofe.  und  daz  sont  ir  geloben:  ö 
alle  die  kraft  die  der  töf  hat,  die  hat  er  von  dem  blüt  ünsers  herren;  won 
enwäri  daz  blüt  ünsers  herren  Jhesu  Christi,  so  wäre  daz  wasser  alz  ander 
Wasser.  da  von  hat  der  tof  so  grosse  kraft  daz  er  die  sele  rainet  und 
wischet  von  dem  bilde  dez  tüvelz. 

Daz  dritte  bild  ist  götlich.  und  daz  wirt  ünz  geben  so  wir  ze  hymel-  lo 
riche  koment,  daz  ist  daz  wii*  Got  gelich  werdent  an  mentschlicher  und  an 
götlicher  nature.  hie  von  sprichet  sant  Johannes  in  Apocalypsi  daz  er  sach 
uf  dem  berge  Syon  ain  michel  her  die  alle  dem  lamb  nach  giengent  (daz 
waz  unser  herre),  und  waz  den  allen  sin  name  und  sins  vatt^rs  name  ge- 
schriben  an  ir  stimen.  dis  enmag  man  nit  anders  betüten  won  daz  wir  götte  15 
werdent  mit  Gotte  und  wer/794  Vdent  im  glich  an  der  gothait  und  also 
wirt  uns  sins  vatter  nam  geschriben  an  unser  Stirnen,  daz  uns  aber  sin 
nam  an  geschriben  wirt,  daz  ist  daz  wir  im  glich  werdent  an  der  mentsch- 
hait; und  die  vröde  und  wunne  die  Got  hat  in  siner  masse,  die  werdent  och 
wir  habend  in  unser  masse.  20 

Swer  nu  Got  geliche  wil  werden  in  hymelrich,  der  müz  im  och  hie  glich 
sin  uflf  ertriche,  won  ain  ieglich  ding  zühet  sich  zu  sim  geliehen,  daz  merkent 
an  vögeln,  an  tieren  und  an  aller  creature;  won  ez  sint  drü  ding  du  an 
sich  ziehent. 

Daz  erst  ist  glichi,  alz  ich  da  vor  gesprochen  hau  daz  ain  ieglich  ding  25 
sin  gelichez  zfi  im  zühet.  also  vil  wir  uff  ertrich  Got  gelich  sint,  also 
werdent  wir  im  och  gelich  in  hymelriche.  nu  merkent  wie  wir  im  glich 
sont  sin.  ^daz  sont  wir',  sprichet  Ysidorus,  'an  rainkait  und  an  ainvaltkait.* 
wir  mugent  nit  alz  rain  gesin  alz  unser  herre,  aber  in  unser  masse  mugent 
/i54y  wir  wol  rain  sin  alz  er  in  siner  masse.  wir  sont  ime  och  glich  sin  so 
an  ainvaltekait.  allez  daz  unser  herre  ie  geschüf  oder  ie  getet,  daz  tet  er 
allez  in  zwo  wis :  im  selben  ze  eren  und  dem  mentschen  ze  nutze,  also  sont 
och  wir  ällü  ünsrü  werch  tun:  ünserm  herren  ze  lobe  und  ünz  selben  und 
andren  lüten  ze  nutze,  sint  wir  nu  ünserm  herren  alsuz  gelich,  so  werdent 
vnr  im  och  gelich  in  hymelriche.  85 

Daz  ander  daz  an  sich  zühet,  daz  ist  höli.  daz  merk  also:  in  dem 
Summer  so  ez  haiss  ist  und  man  vor  ainem  münster  stat,  so  kumet  ain  küli 
dannen  us  engegen  dem  mentschen,  reht  alz  ain  wint:  also  vil  zühet  du  höli 
dez  luftes  in  sich,  also  tut  daz  hol  hertze,  daz  hol  und  itel  ist  aller  sünt- 
licher  dinge   und  daz  denne  ünsem  herren  an  rufet  reht  von  gründe  uz   der  40 

17.  sin   A. 

2  f.  MaU,  28, 10.  12  /*.  Apoc.  14, 1. 

Deutsche  Texte  des  Mittelalters.  X.  21 


322  76.  Von  dem  ewangelio. 

demütkait.      daz  hertze  zühet  denne  ünserz  herren  gnade  in   [194^]   sich  alz 

vil  daz  ez  reht  über  flüsset. 

Daz  dritte  daz  an  sich  zühet,   daz  ist  minne.     du  ist  der  natore  daz  si 

allez  daz  an  sich  zühet  daz  si  berüret;   and  allez  daz  si  an  sich  zühet,  daz 
5  ist  och  ir.     sit  daz  denne  du  minne  sich  nit  erwerren  mag,  si  ber&ri  ez  and 

ziehi  ez   an  sich,   intrüwen,   so  sol  si   ünsern  herren  berüren   und  sol   in  an 

sich   ziehen,   so  wirt  er  ir,   sit   allez  daz  ir  ist   daz  si  berüret. 

Nu  0  edlü  minne,   leg  allen  dinen  fliz    dar  an   daz  6ot  diu  werde ,   und 

so  du  in  denne  gevahest,   so  binde  in   zu  der  sele   und  hab   in  denne  iemer 
to  me  an  ende! 


m.]  Ton  sant  Stephan. 

[Testes  fidelis  non  mentiturj 

*Der  getrüw  gezüg  er  lüget  nit',  sprichet  her  Salomon. 
Dirre    gezüg    ist    gut    sant   Stephan,     swer   nu   ain   reht   gezüg   sol    sin, 
15  der  müz  haben  drü  ding  an  im,  du  sant  Stephan  hatte,  dar  umb  er  wol  ain 

gezüg  moht  sin. 

Daz  erste  ist   daz  man  der  dinge  nit   an  im  vinde   dez   er  [195^  gezüg 

wil  sin;    won  swez  ain  man  gezüg  wil  sin   und  ist  daz  selb  an  im,   so  ver- 

wirfet  man  in.      dez  moht  man   nit  getün    dem  guten    sant  Stephan;   won  er 
20  hatte    sich    dez    behütet   daz   enhain  ding   an  im  waz    daz  er  bezüget  an  die 

Juden;    won   er   waz    alz   künsch   und   alz   raine   daz   man   in   zu   aim  probst 

satzte    über    die    vrowen.       man    liset    von    im    daz    er    bi    in    waz     und 

gab  in  ze  essenne   und  bettote  in   und  tet  in  vil  gütez,   und  waz  doch  also 

raine  daz  er  nie  bewollen  wart,     da  von  mohte  er  wol  der  künschkait  gezüg 
25  sin.     hie  von  spricht  sant  Paulus:   'ich  wil  mich  flissen   daz  du  ding  nieman 

an   mir   vinde    daz    ich    bezügen   wil.     tun   ich   daz,    so    mag    ich    wol    reht 

gezüg  sin\ 

Daz  ander  ist  daz  der  gezüg  stark  sol  sin,  und  sol  weder  dur  liep  noch 

durch   laid   sprechen   won   die   rehten   warhait;   won   lat  er  sich   mit   dehaim 
80  ding   überwinden,   so  ist  er  nüt  rehter  [195^]  gezüg.      hie  an    waz    och   der 

g&te   sant  Stephan   wol   behüt.    daz  merkent   wir    dar  an   daz  in  weder  liep 

noch  lait   noch  der  bitter  tot   mohte    dez   überwinden  er  enseiti   die  warhait. 

und  do  in  die  Juden  ietz  staiutent,   do  enwolt  er  doch   die  warhait   nit  ver- 

swigen,  und  da  von  waz   er  wol  ain  rehter  gezüg. 
35         Daz  dritte  ist  daz  er  sol  hau  gesehen  und  gehöret  daz  dez  er  da  gezüg 

wil  sin.      und  daz  waz  och  an  sant  Stephan;  won  daz  er  bezüget,  daz  hatt 

er  gesehen  und  gehöret  und  wiste  wol  daz  ez  war  was. 

6.  dz  A.         6.  zehi  A,         12.  Der  Int  Text  fehlt  A,        14.  ist  i  8 1  A. 
12.  Frov.  14,  5.  25  f.  im  Anschluß  an  IL  Cor.  12,  20  ? 


77.  Von  sant  Stephan.  323 

Nu  sont  ir  merken  waz  er  bezöget,     daz  tet  er  drü  ding. 

Daz  erste  waz  daz  er  die  jaden  berrefzet  und  zu  in  sprach:  'ir  herten 
adren  und  ir  unbeschnitnü  hertzen!  ir  sint  die  dem  hailigen  gaiste  allez  an 
wider  stant'.  do  er  diz  sprach,  do  waz  er  von  den  gnaden  dez  haiigen 
gaistes  also  sere  enzündet  und  erlühtet  daz  er  under  in  stund  und  luhte  alz  5 
ain  engel.  nu  sont  ir  merken  von  drier  hand  lüten.  die  ersten  wider  stant 
dem  haiigen  gaiste:  [195'']  daz  sint  die  da  herten  hertzen  sint,  die  nieman 
mag  bewegen,  die  andern  die  löschent  den  haiigen  gaist:  daz  sint  dfe 
lawen  lüt,  die  dem  haiigen  gaist  nit  helfent  ze  volfurenn  mit  gebette  und  mit 
gutem  lebenne.  und  so  der  hailig  gaist  daz  hertze  enz4ndet  mit  siner  gnade,  lo 
so  länt  si  si  an  in  erlöschen,  die  dritten  die  schaident  den  haiigen  gaist  von 
in  selben:  daz  sint  die  in  enpfangen  haut  und  an  den  er  lang  bestätet  waz, 
und  in  von  inen  werfent  und  in  uz  stossent  und  in  unwirdeklich  vertribent 
von  siner  herberg,  da  er  rüwe  und  vröde  solte  han  mit  der  sele,  und  denne 
sinen  widersachen  in  setzetzt,  daz  ist  der  tufel.  da  von  spricht  ain  haiige:  15 
'daz  ist  daz  ding  daz  daz  ertrich  nit  mag  verdoln,  daz  daz  mägeti  die 
vrowen  ab  dem  stüle  zuket  und  si  den  stül  besitzet',  noh  unverträgenlicher 
ist  der  den  haiigen  gaist  usser  siner  herberg  wirfet  und  den  tüvel  in  sin 
hertze  setzet,  diz  waz  daz  ei*ste  daz  der  gut  sant  Stephan  gezüget  an  den 
Juden,  und  bereftzet  sü  umb  ir  hertekait.  fWSy  20 

Daz  ander  daz  er  bezüget,  daz  waz  ünsers  herren  marter.  dar  an  be- 
zöget er  drü  ding,  daz  erste  daz  er  den  tot  un verschult  lait;  won  ir  sont 
daz  wissen  daz  unser  herre  nie  sund  getet,  und  lait  doch  den  tot.  man  liset 
daz:  do  er  für  geriht  gefüret  wart,  do  sprach  er  zfi  den  Juden:  'vil  gfitez 
han  ich  üch  getä,n;  vindent  ir  dehain  ding  an  mir  da  mit  ich  diz  verschult  25 
habe?*  do  stünt  ain  jud  uf  und  schlug  im  zu  dem  wangen  und  sprach: 
'wie  getorstest  ünserm  herren  dem  künig  so  ungezogenlich  antwürten?'  do 
sprach  unser  herre:  *hab  ich  unreht  gerett,  daz  bezüge;  hab  ich  aber  reht 
geredet,  war  umb  schiehest  du  mich  denne?'  do  sprach  Pylatus:  'ich  kan 
nit  vinden  an  im  dar  umb  ich  in  sülle  vertaillen'.  do  schrüwent  sü  alle:  so 
'man  sol  in  crützgen!'  und  alsuz  laid  er  die  marter  ane  schulde,  daz  ander 
waz  daz  er  den  tot  gedulteklichen  lait.  man  liset  daz  von  ime  daz  er  zu 
dem  tode  gie  fl96y  alz  ain  schäfli,  daz  er  sinen  munt  in  zornes  wise  nie 
uf  getet.  und  dar  zu  bat  er  sinen  vatter  für  die  die  in  da  martretent. 
daz  dritte  waz  daz  er  den  tot  nutzklichen  lait;  won  er  lozte  mit  sim  tode  35 
allez  mentschlich  künne  von  dem  ewigen  tode.  in  dis  dri  wise  bezüget  sant 
Stephan  ünsers  herren  tode  mit  sim  tode.  daz  erst  waz  daz  er  och  sinen 
tot  lait  unverschult;  won  do  er  den  Juden  saite  daz  si  wider  Got  lebtint,  do 
stainetent  sü  in.     daz  ander  waz  daz  er  och  sinen  tot  gedulteklich  lait;  won 

15.  setzet  Ä.  19.  Stephan  fehlt  A.  87.  h.  tode]  l.  h.  tot.?         38.  den  fMt  A. 

39.  er  fehlt  A. 

2  f  Act  7,  51.  24.  Joan,  18, 21.  26  f.  Joan.  18,  22  f.  29  /.  Joan.  18,  38  f. 

21* 


1*24  *  tO.  nsnz  ^K^flSE. 

f*;  n^in  a  jtTx^ar:  K/tii*-»:,  t:  T>rl  *r  xf  «cli  iiii  mt  las  är  iä&  öt  in 
'in.";         Ltz   irtr:   "r^i    .itc  rr    0*11  •«:    ii*jiii!i    jLz^      *r  -jn»   zu   w^  masxt, 

^**L«L  oii  •yr%»'-i  y.i  KfiL  irc^  ^Tx-rl  itErra'.  Taii  aii::  iaii  w^^r»  '«ce; 
if.    iLt:2r.^   *r    tri    iiz^,      itz    -:r<r    i<    tiz   t-I   «spncMi:    if&    afe    ctch 

0.1  Jrüt  \iüi^    Tz^z   ijtz  CT   :•  r*rr    :±>!i  ^i-     v:ii  wir:  ä  m  iKsdikiss^.  so 

ioiirr    i:>^lij .      »iiz    iiii^r    irt    Tii    ttiz    ils:    tu    r^s^riiiiäi:    s&bcat    den 

iiz  L*t  rrrt^rTg.'r!^^  Ci  T'.iL  *ir:'!h-r*  siz:  Brrmiirr:  ^nr^^  laraiÄTi  weh.  du 
terizr^*  :L.iz2^::  zi-ri^j^äia  Tz*i  iiixr^s  iz:  «iiz  ^cxi/ü-e  tymscbz^he',  daz 
drlr^  TB^iz  als«:  ?r5?^r:<5L«Tii :  «i-rirz:  /:  -:  /  tzc  tiLz««:  mir  xucii  nd  Iiefcent 
wy:  ir  ZT  d-^ZL  Lj:::«rlr:'!a  t::L-rz   -•  z*.     -rz  farri    :«!h   ±r»rm  t-erroi   snd  äsern 

5»  tni-rrr  .^zrs^izL  •  iTÄSzi-  ZT  "^  ttt  >::z  iZrrz  3:^E:5iÄlf'?&*r  käme  und  habe 
z:iTrr*Li*.  •r;  iiz  zziät  t-mcrz  iz.  irzi  zvzi-r^'!aL  «.  w.a  da  saeh  in  sant 
Si^rz-rju.'.  rr  -?**:!  ii  o:i  r.iz:  zzii  ii  t:  z:rrk^?i:  wir  «Iaz  er  uns  helfen 
wfl  T:n  illrrTL  T2är%Ti  ^'i^eii.  i:  üz  siz:  S^cpiAii  zesairfc  daz  sin  bn^er  also 
«r;ni"-  ixr:  Zir  z^If-^  do  wart  er  aIs«:   rr:    fiz  er  zrr  enaitct  w^z  im  die  jnden 

Ä  tAr.-^nt-  rT  äa^L  in  ork  zi  der  zerarez  sizei  Tirrer?«  da  bi  sont  ir  merken 
daz  aZ-r»«  m^nts^talf-rh^n  fcini:-:  aiz  srrz  wirirkif:  erhrcten  ist.  daz  du  ment- 
»caait  bi  der  z^tbaf:  Kt  und  ?<:I  sin  ec*r:i  ewir  Tüd  sewtiltig'.  und  da  von 
scut  "»ir  ?Tt  zeiüzs^e  han.  si:  Lkz  zz5er  bnder  .^etsis  Criristus  so  gewaltig 
da    z^  zTzzel    l<    «iaz    er    änz    i-fz    «ia    I:ep3:Ji    ezpzairnt    werde    erlich    zütz 

ift  nur  'md  ZT  ?iz:  Titter   in  die   Tr>  <e.   daz  er  zlz  dez  ^i^^Iien  mossi.      amen. 

flSJ  Toa  der  7-;^   sele  haftiu»  an  Gotte. 

T/e    zü^i-riTlüzen ,    sj-ri-rtt    d-rr    wis^jaire.     nrtd     die     rehten    haftent    an 

*;  Nt    •♦:-:   ir   merteri    wer   li^e   r:ii>chxii^rL    sirat.     i^Oi    sint    du    kint    du 

iSf^  •iiz.ie  v-ü  dirre  weite  s:^:!i:uden  sinr.  uzd  schaiden:  alz  du  die  zehant 
nAAt  irz-z^  trfe  sterilen:,     -üe;  rehten  sh::   aber  die  die  da  nach    dem    tofe    in 


W.  'A.  cv  A^  i-:.  iZ«r  A.  ?i.  rv  :.:r.   r-r-  '\N:r  a.  ?öw  merken  fMt  A. 

i-  jL.'r.  r.  -f  :•         ^-  Jt-"^-  ^.  "^^       ^*  »'^  -^-  ^*- 


78.  Von  der  sele  haftonge  an  Gotte.  325 

höbet  Sünde   vallent   und   dar  nach   ze  rüwe   koment   und   sich   mit  Got    ver- 
sünnent.     die  lüte  haftent  an  ünserm  herren  in   sechs  wise. 

Si  haftent  alz  daz  binlin  an  dem  blümen.  vier  natur  sint  an  dem 
binlin.  du  erste  ist:  wenne  ez  us  wil  fliegen  von  sim  hainmüt,  so  ladet  ez 
sich  mit  sande  oder  mit  erde,  daz  ez  dem  winde  mug  widerstan;  won  sin  5 
nature  ist  alz  krank  und  alz  lihte  daz  ez  im  nit  mag  widerstan,  und  hat 
im  unser  herre  die  wizhait  geben  daz  ez  sich  ladet  mit  dem  sande  und 
also  von  der  swäri  dem  winde  widerstandi.  also  sol  och  [19?"]  der 
mentsche  sich  laden  mit  der  gehügde  siner  krankait,  daz  erde  waz  und 
wider  zu  erde  werden  sol,  und  sol  also  dem  winde  der  hohfart  wider  stan,  lo 
swenne  er  uns  an  wäge,  du  ander  natur  dez  binlins  ist  daz  ez  uz  weit 
daz  beste  und  daz  edleste  und  daz  gröste  zu  aim  künig,  und  waget  sinen 
lip  e  daz  ez  sinen  künge  dehain  lait  laz  beschehen.  also  sol  och  daz 
gaischlich  mentsch  tun:  ez  sol  Got  zu  aim  künig  nemen,  won  er  ist  der 
höhste  und  der  edlest  der  ie  wart;  und  sol  den  alz  krefteklich  minnen  15 
und  alz  liep  han  daz  ez  den  tot  e  liden  welli  e  daz  ez  sich  iemer 
von  im  geschaide.  du  dritte  nature  dez  binlins  ist  daz  ez  stichet  mit  dem 
angen  den  mentschen  und  geswellet  in  und  tötet  sich  selben,  also  geschiht 
och  dem  mentschen  daz  aim  andern  mentschen  flüchat  oder  dehain  lait 
tut.  da  mit  geswellet  ez  im  sin  herze  und  tötet  sich  selben  an  der  sele.  20 
[19? ''J  won  der  fluch  glichet  sich  aim  schösse  daz  von  aim  armbrost  gat 
und  für  sich  solte  gan,  und  ez  denne  her  wider  keret  und  dem  fluchen- 
den durch  sin  sele  gat.  du  vierde  nature  dez  binlins  ist:  swenne  ez 
sterben  wil,  der  ez  denn  in  essich  würfe,  so  käme  ez  wider  und  gnäsi. 
also  sol  der  mentsche  der  ietz  verzagen  wil,  sin  hertz  werfen  in  die  25 
marter  ünserz  herren,  so  kumet  ez  wider,  ir  sont  och  daz  wissen  daz  daz 
binlin  also  genatüret  ist,  und  fundi  ez  an  aim  blfimen  süssekait,  den  ver- 
wandelte ez  niemer.  also  wil  ich  dir,  lieber  mentsche,  ainen  blümen  zaigen 
an  dem  du  allez  an  nüwe  und  stäte  süssekait  vindest,  daz  ist  Jhesus  Chris- 
tus, dez  lieben  Gottes  kint  von  h^melriche,  als  er  selbe  sprichet  in  der  30 
minne  buch:  'ich  bin',  sprichet  er,  'ain  blüme  dez  veldes'.  durch  drie  sache 
gelichet  sich  unser  herre  aim  velt  blümen.  du  erst  ist,  won  er  wachset 
uff  aim  klainnen  stämlin.  und  also  wuchs  unser  herre  uff  ainer  kranker 
materien,  daz  waz  Ma/i977ria,  sin  rainnü  müter:  von  der  enphieng  er  die 
kranken  mentschait.  du  ander  ist  daz  dez  blümen  klait  gar  unähtig  ist.  35 
und  also  waz  unser  herre  gar  unähtig  und  verworfen,  als  er  selb  sprichet: 
'ich  waz  ain  hinwurf  der  lüte\  du  dritte  sache  ist  daz  der  blflm  schön 
ist.  also  waz  och  unser  herre  von  mentschlicher  nature  der  aller  schönst 
mentsch  der  ie  wart,     won  also  liset  man  von    im:    swenn  sin  junger   müd 

9.  l  daz  er  ?         27.  an  fehlt  Ä. 

31.  Cant  2, 1;  vgl  oben  8.  270  Z.  25  ff.  37.  P«.  21,  7.         39/".  vgl  S.  105  Z,  28  f. 


826  TS.  Von  der  sele  haftunge  an  Gotte. 

wurdent  daz  sü  nit  me  mohtent,  so  er  sich  denne  engegen  in  kerte  und 
in  an  sahent,  so  wurdent  sü  reht  erkiket  an  lib  und  an  hertzen.  du  vierde 
Hache  ist  daz  der  blfime  gemain  ist  den  lüten.  also  ist  och  unser  herre  mit 
Hiner  gnade   gemain  allen  lüten,   den  üblen    alz  den  guten,    den   sundem   alz 

'»  den  rehten. 

Wir  sont  och  an  ünsrem  henen  haften  alz  der  ber  an  dem  honge.  dez 
beren  nature  ist  gar  unfüge  und  gebüre^ch  und  erkennet  nit  honges  süssi. 
man  niüz  in  binden  und  fl9?y  mit  listen  von  dem  honge  ziehen;  swenne  er 
dez   hongez    versuchet,   so  lat   er  sich   ze  tode   e  schlahen  e  daz  er    da  von 

<)  Hchaide.  bi  dem  beren  ist  bezaichent  der  sünder,  der  ungefüg  und  gebürsch 
int  an  Untugenden:  den  mflz  man  dike  mit  arbaiten  und  mit  listen  von  den 
Kunden  ziehen  über  sinen  willen  zu  ünserz  herren  gnade,  du  ane  masse  süz 
iHt.  und  swenne  er  ir  denne  versuchet  wie  süsse  und  wie  minneklich  si  ist, 
HO  bindet  in   du  minne  dar  zu  daz  er  sich  e  tusent  stunt  liessi  töten  e  daz 

'">  er  HJch  da  von  schiede. 

Wir  sont  och  an  ünsrem  herren  haften  alz  du  fruht  an  dem  bome.  du 
fruht  wachset  allez  an  uflf  dem  bome:  und  also  sont  och  wir  wachsen  allez 
an  an  tugenden  untz  an  daz  zit  daz  uns  Got  selbe  ab  brechi,  daz  ist  nutz 
an    den    tot.      nu    ist   sümlichü    fruht   wurm  ässig,   du   vallet   abe    e   zit    und 

»>  verdirbet  gar.  daz  sint  die  lüte  die  [198'']  kranker  nature  sint  und  sich 
den  helle  wurm,  den  tüvel,  mit  mänger  bekorung  lässent  nagen  und  im  nit 
widerstant:  die  vallent  alle  in  die  sünde  und  verderbent  gar  an  libe  und  an 
sele.  ir  sont  wissen  daz  unser  herre  sich  ainem  bome  glichet  durch  dri 
Sache,     du  erst  ist  daz  er  schatten  git   den  hitzigen  mentschen.      daz  ander 

5  ist  daz  die  vogel  nahtez  druf  fliegent,  daz  si  die  fuchse  nit  fressint.  daz 
dritte  ist  daz  die  vogel  tages  dar  uff  sitzint  und  singint.  alsuz  waz  und  ist 
unser  herre  ain  bome.  er  git  schatten  den  mentschen  in  der  anvehtunge  und 
in  der  hitze  dirre  bösen  weite,     da  von  sol  der  mentsch  illen  zu  dem  bome, 

4 

daz  er  in  beschitwe,  und  klage  im  sinen  kumber  und  sin  not,  so  hilfet  er 
M)  ime  mit  siner  gnade  und  behütet  in  vor  den  Sünden,  die  säligen  mentschen 
sont  och  uff  disen  bom  fliegen  mit  hertzen  und  mit  gemüte,  daz  sü  der 
tü/i98yvel,  der  akustig  fuchs,  nit  fresse  mit  sinen  bösen  riten;  won  swen 
er  begrifet,  sprichet  saut  Peter,  den  frisset  er  und  verderbet  in  an  lib  und 
an  sele.  uff  disem  bom  singent  och  die  vögele,  aber  ze  vordrost  zwaiger 
15  band  vogel.  daz  erste  ist  ain  lerch,  du  hat  die  nature:  swenne  si  singen 
wil,  so  flüget  si  uf  engegen  der  sunnen,  und  so  si  der  sunnen  ie  näher  ist, 
so  ir  stimme  ie  süsser  ist.  also  geschiht  der  rainnen  sele.  so  si  mit 
hertzeklicher  girde  uf  flüget  engegen  dem  lebenden  sunnen  der  hohen  gothait, 


1.  im  A^         7.  gebvrech  A.         8.  von]  /.  ze  (Roethe).         11.  de  A. 

8  f.  vgl  oben  8. 104  Z.  28  ff.  und  S.  270  Z.  7 ff,       6  f,  vgl  Bihhneijer,  Heiniich  Setise  S.  427 Z.  13, 
88.  1.  Petr.  5,  8.         85  f.  vgl  oben  S.  24  Z,  25  ff. 


]  der  aelo  haftungo  au  Gotte. 


327 


80  singet  si  zwen  d^nge.      der  erst  ist  also:  'o  minneklicher  Got,    wenne  sol       1 
daz  zit  kernen  daz  ich  dich  gesehe?'    der  ander  sang  ist  also;  'o  herre,  mich 
durstet  nach  dir    alz  den  hirtzen    nach  dem  külen  brunnen".      da  von  spricht       1 
sant  Augustinus:  'o  herre  min  Got  und  miner  sele  leben,  ininer  sei  süssekait, 
0  herre  schöner  und  süsser,  wenne  will  du  zu  rair  komen,  daz  dich  min  sele  5 
unibvahe    und    ich    dich    min    süssen   flOS'J   Got    in    min    sele    druke,    owe, 
niinneklichez  liep ,    und    ich    nimner    von    dir    geschaiden   werde  ? '      der    ander 
vogel    ist  ain  nahtgal.     bi  der  ist  bezaichent    du    groz    minne    die  dti  rainnü 
sele  zii  Gotte  hat      der    vogel    singet    och    zwen    sÄnge.      der  erste  sang  ist 
also:   'o  herre,    bezette    mich    mit  blümeu    und    bestek  mich    mit  öpfeln,  wen  lo 
ich  serwe    nach  diuer  minne'.      der  ander  sang    spricliet:   'o  userweltu  schon- 
hait,    wie   han    ich  dich  so  spate  geminnet!'     und   da  von   sprichet  sant   Ans- 
helni:  'o  ewigü  minne,  dft  alles  an  brinnet  und  niemer  erlöschet,  ich  erkande 
dich    ze    spate,      ich    muz    erkennen    dich    und    gedenken    an    dich    und    müz 
minnen  dich,    won  du  gehaissest    vil  gutes    den    die  dich    minnent.      und    gib  is 
mir    nüt    wan  dich  allaine,    dez  benüget  mich'. 

Wir  sont  och  an  ünsreni  herren  haften  alz  daz  klait  an  dem  mentschen 
daz  klait  füget  sich  zu  dem  libe  und  umbvahet  den  lip,  [198"]  also  sont 
och  wir  ünz  zu  Gotte  fügen  und  sont  in  umbvahen  mit  kreftiger  tugend,  also 
daz  er  niemer  mug  entwichen,  M 

Wir  sont  och    an    tinserm  herren    haften    alz    die  Sternen    an  dem  hymel. 
die  Sternen  stant  an  dem  hymel  und  verwandlent  ir  stat  niemer  durch  dehaiu       ' 
gwitter.     also  sont  och  wir  an  Got  haften  tag  und  naht,  daz  ist  in  franst- 
mütkait  und  in  widerwArtkait ;  swie  unz  unser  ding  joch  gange,  so  sont  wir 
uns  niemer  von  im  geschaiden.  ■  2S 

Wir  sont  och  an  ünserm  herren  haften  alz  der  adaraas  an  dem  isen. 
daz  isen  ist  starker  nature,  und  swaz  man  stark  und  vest  wil  machen,  daz 
machet  man  von  isen.  da  bi  ist  bezaichent  unser  herre,  der  under  allen 
dingen  der  sterkest  ist.  und  an  dem  sont  wir  haften  reht  alz  ain  ademas 
mit  starker  und  vester  girde,  won  wir  mugent  nit  gütez  an  in  getiin;  und  sn 
waz  1199']  gütez  beschehen  sol,  daz  müz  allaine  an  im  und  in  im  und  von 
im  geschehen  in  dem  alles  gilt  beschlossen  ist,  won  er  ist  allaine  daz  obrost 
gut.  und  da  von  sprichet  sant  Jacob:  'aliez  daz  wir  gütez  haut,  daz  kumet 
allez  von  Gotte".  ait  nu  daz  war  ist  daz  allez  gut  aine  von  Gotte  kunt,  so 
haftent  an  im  durch  ünsem  nutz,  won  ez  ist  ünz  gut!  3S 


6.  dniken  A. 


2  f.  Pe.  41.  2. 

l  f.  im  ÄmchUfi  an 


tf.  vgl.  ohe»  8.  S4  Z.  If.  wid  8.  S67  Z.  3  f. 
m  ÄMWprvch  de»  hl.  Augvatin.         S3  f.  Jae.  1, 17. 


i»*r  n  flTi^-^   riean    nois^^  5=sfc^    ^«a. 


rmTTr- 


a   €    TTis:    üjii   rrr    rj-^rr      rrt — .. 


lüL  jiL'Vra   n*tffi. 


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79.  Von  unser  vrowen.  329 

sin?'  nu  merkent  ain  beschaidenhait :  swenne  die  wissagen  und  die  grozsen 
herren,  alz  her  Salomon,  die  so  groz  wishait  hattent,  so  die  zu  ünz  ain- 
valtigen  lüten  retdent,  do  flissent  sü  sich  der  beschaidenhait  daz  si  ir  rede 
also  mässent  daz  wir  si  verstündint;  won  hettint  si  von  hohen  dingen  nach 
ir  wizhait  tüf  gerett,  so  hetti  si  nieman  verstanden,  und  dar  umb  gelichet  5 
er  unser  vrowen  der  sunnen,  won  uns  enkain  creatur  ist  erkant  so  schön  so 
du  sunne.  dar  an  gab  er  ünz  ze  verstänne:  reht  alz  du  sunne  schöner  ist 
denne  411ü  creatur,  alz  ist  unser  vrowe  schöner  denne  allez  daz  in  hymelrich 
ist,  an  Got  allaine.  si  ist  ain  spiegel  und  ain  gezierde  allez  hymelschen  in- 
gesindes  und  ist  erhöhet  und  [200'']  erhaben  über  alle  die  chöre  der  engel.  lo 
man  liset  von  ir  daz  sich  die  engel  ze  hymelriche  wundertent  ob  ir  wunder- 
lichen schöni  und  von  irem  sunderlichen  gewalt  und  sprachent.-  'wer  ist  disü 
wunderlichü  schonü  vrowe,  die  so  gewalteklich  hie  uf  vert?' 

Nu  sont  ir  fürbaz  merken  daz  er  sach  ain  vröde  uf  gan  allen  mentschen. 
durch  dri  sache  ist  si  ünz  ain  vröde.  15 

Du  erste  ist  daz  si  ain  end  ist  der  Sünden  und  dez  ewigen  todez.  nu 
merkent  wie:  do  unser  herre  den  ersten  mentschen  geschfif,  do  satzte  er  in 
in  daz  paradys.  dez  benügt  in  nit  und  wart  Gotte  ungehorsam  und  wolte 
im  gelich  werden,  und  alz  zehant  waz  allez  mentschlich  künne  versetzet 
dem  tüvel.  und  schraib  unser  herre  ain  urtaile  und  sprach  daz  er  niemer  20 
wolte  mit  dem  mentschen  sich  versünnen  e  daz  er  funde  ain  alz  demütigen 
und  alz  gehorsa/^öOymen  mentschen,  alz  hohfertig  und  ungehorsam  daz  erst 
waz.  und  nach  der  urtaile  so  moht  nie  mentsch  so  wol  getün  noh  so  wol 
geleben  daz  ez  ze  hymelriche  komen  möhte,  untz  an  die  stunde  daz  Got 
mentsch  wart,  do  hatte  daz  urtail  ain  ende.  25 

Du  ander  sache  dar  umb  si  ain  vröde  ist  allem  mentschlichen  künne,  daz 
ist  daz  si  ain  sünerin  und  ain  mitlerin  ist  entzwüschent  Gotte  und  dem 
mentschen.  und  daz  ist  uns  armen  sündern  ain  trost  daz  si  ünsrü  sünerin 
ist  und  wil  sin.  als  du  rüte  entzwüschent  der  wurtzen  und  der  fruht  stat, 
alz  stat  si  alweg  entzwüschent  Gotte  und  uns  und    bittet  für  ünz.  so 

Du  dritte  sache  ist  war  umbe  si  ain  vröde  ist,  daz  ist  daz  si  sölichen 
gewalt  ze  hymelriche  hat:  für  swen  si  bittet,  daz  daz  unmuglich  ist,  si  werde 
erhöret,  und  haut  wir  des  Urkunde  an  m&ngem  grossen  sünder  der  von  ir 
schulden  behalten  wart,     und  dar  umb  sont  si  all  [200'']  sünder  eren  gerne. 

Nu  merkent  fürbaz  daz  er  spricht:  'er  sähe  uf  gan  ain  nüwe  ere\     nu  35 
sint  drie  sunderlich  ere  die  si  hat  vor  allen  mentschen. 

Daz  erst  ist  daz  si  ünsers  herren  also  gewaltig  ist  daz  si  wil  swaz  Got 
wil,  und  Got  wil  swaz  si  wil.     swaz  si  wil,  daz  müz  Got  tun;   won  er  en- 

1.  groz/sen  JL.         21.  d6  -4.         24.  ze  fthlt  A, 

10.  vgl,  oben  S,  78  Z.  6,         12  f.  ati8  dem  Brevier  an  Maria  Himmelfahrt:  Quae  est  ista,  quae 
ascendit  sicat  aurora  consurgens  . . .  terribilis  ut  castrorom  ades  ordinata  ? 


330  SO.  Von  dcz  mentachen  wol  gevaUung. 

mag  ir  enhain  ding  verzihen  swenne  er  ir  brast  an  siht,  die  er  da  sog.  na 
merkent  wie  gar  zimlich  daz  wäre  daz  ir  kint  ir  ihtez  iht  verzige,  daz  si 
80  dike  lieplich  gedmket  hat  an  ir  hertze  und  daz  si  tosent  stnnt  geküsset 
hat:  daz  wäri  hart  nnherlich  daz  si  daz  kint  enterti. 
5  D&  ander  ere  ist  daz  si  und  6ot  ain  kint  gemain  hant.  daz  geschach 
noch  geschiht  niemer  me.  daz  waz  wol  du  obrost  ere  du  ie  wart,  daz  sich 
6ot  zu  ir  also  hainlichet 

Du  dritte  ere  ist   daz  ir  stül    erhöhet  ist   nnd  erhaben   über   alle  ment- 
schen    and   über   alle  engel   and  ist  gesetzet   nebent   Got.     and   alsuz    ist  si 
10  gezieret. 

Na   [200'^J   sont  och  wir  si  eren   and    loben    and   bitten   daz  si    ünsern 
henen  für  ünz  bitte. 


fSOJ  Von  dez  mentschen  wol  geyallang. 

Drü  ding  machent  den  mentschen  Got  wol  gevallende  and  och  den  lüten. 

15  Daz  erst  ist  gut  werch.  da  von  sprichet  unser  herre  in  dem  ewangelio: 
'üwrü  werch  sont  allen  lüten  offen  sin,  dar  umbe  daz  si  üwern  vatter  von 
hymelrich  lobent  und  och  si  da  von  gebessert  werdent*. 

Daz  ander  ist  trüwe.  daz  ist  also  daz  wir  getrülichen  behaltint  swaz 
er  ünz  hat  bevolhen.     daz  ist  der  edel  schätz  den  er  mit  sines  hertzen  blüt 

20  gekoffet  hat.  den  schätz  sont  wir  alz  getrülich  behalten  daz  wir  in  wider 
antwürtent  schöne  und  ane  fleken  dem  der  in  so  türe  gekoflfet  hat.  'o  sälger 
mentsch',  sprichet  unser  herre  durch  dez  wissagen  munt,  'dunke  dich  daz  ich 
dich  gnü  türe  habe  koflfet  und  daz  du  mich  gnä  bitterlich  sigist  [201"]  an 
komen,    so    minne   mich!     dunke    dich    dez    nit,    so   schaide    von    mir!'      nu 

25  sprichet  sant  Augustinus:  'sit  ich  ainest  so  tür  koflfet  bin  mit  so  edlem 
schätze,  so  enwil  min  sele  ich  niemer  me  verkoflfen*. 

Daz  dritte  ist  beschaidenhait  der  werche.  nu  merke  wie  unser  herre 
sprichet:  'ir  sont  wise  sin  alz  der  schlänge'.  sümlich  schlangen  sint  der 
nature,  so  si  wellent  trinken,  so  laut  si  e  die  unrainkait  von  in  und  trinkent 

80  denne  dez  brunnen.  also  sol  der  mentsch  tun  der  die  gnade  ünsers  herren 
wil  enpfahen:  der  sol  zem  ersten  die  sünde  us  dem  hertzen  werfen  und  sol 
denne  zu  dem  lebenden  brunnen  gan  und  sol  da  gnade,  vröde  nnd  sälde 
enphahen.  da  von  sprichet  sant  Ambrosius:  'o  herre,  min  Got^  min  süssekait, 
züch  mich  zfi  dir  dem  lebenden  brunnen,  daz  min  sele  von  dim  süssen  hertzen 

35  getrinke,  won  dez  gelust  mich!' 


2/*.  unzimlich? 


%f,  vgl,  S.  80  Z.  36  f,        13.  Die  Predigt  hatte  vielleicht  zum  Vorspruch  Eph.  5,  8f,:  Ut  filii 
lade  ambulatO)  probantes  quid  sit  beneplacitum  Deo.         16/1  Matt  5, 16,         28.  Matt.  10, 16. 


81.  Von  dem  weg  zu  der  waren  minne.  331 

[81.]  Von  dem  weg  zu  der  waren  minne. 

[20V]  Du  wäre  minne  und  du  liebe  die  ich  zu  Gotte  habe,  twinget 
mich  ze  schriben  welez  si  der  beste  und  der  gewissest  weg  zu  der  wunnek- 
lichen  erkantnust  dez  schönen  Gottez;  won  da  kumet  sölich  nutz  von  daz  ain 
rainnü  sei  uflf  ertrich  gewinnet  die  hymelsche  vrode  du  aller  weit  vröde  über  5 
wiget  alz  daz  mer  ainen  tropfen  wassers.  swer  nu  welle  in  disem  Übe 
bekoren  der  vröde  die  da  ist  in  hymelriche,  der  kere  sinen  sin  und  gemüte 
uflf  den  wege  frumeklich  und  enwenke  dur  sur  noch  dur  süsse  dar  ab  niemer, 
so  wirt  er  von  laide  erlöset  und  von  trurkait  getröstet,  ez  dunket  mich 
aber  nit  ain  klainnü  tumphait  daz  sich  der  nit  verzihet  weltlicher  vröden  der  lo 
weder  ensol  noch  getar  noch  enmag  han,  und  doch  an  vröde  ist,  so  daz  ain 
mentsche  von  nature  ane  vröde  und  ane  liebi  nit  mag  sin.  ez  enist  och 
nit  ain  klainü  tumphait  daz  ain  mentsche  grosse  [20V]  arbait  unvervank- 
lichen  lidet  so  ez  mit  minre  arbait  sich  baz  gefürdren  möhti,  und  ez  lengern 
weg  suchet  so  er  dur  kranken  lip  und  durch  kurtze  zit  kürzeren  weg  er-  15 
wellen  sölti.  ez  ist  och  du  obrost  tumphait  die  ich  waiz,  daz  der  mentsch 
sich  so  unberait  waiz  engegen  der  stunde  dez  todes  und  doch  dar  zu  so 
unernschlich  gebaret,  disü  unwizhait  kunt  ällü  von  der  unerkantnüst  sin 
selbez.  da  von  kumet  sumkait,  trakait,  urdrutze  und  verlassenhait  und  aller 
maist  du  verfluchet  hohfart.  da  von  rat  ich,  swer  sich  hie  mit  wissent  20 
bekümbert,  daz  er  dirre  lere,  der  ich  nu  beginnen  wil,  war  neme;  won  da 
von  kumet  du  sele  zu  der  erkantnust  dez  süssen  Gottes,  so  vil  si  in  disem 
libe  wesend  erkennen  mag.  swer  nu  rehte  erkantnust  gewinnen  welli,  da 
von  ime  wunne  und  vröde   wachsi,    der  tüge   alz  hie  nach  geschriben  stände. 

Zem  ersten  bedenke  und  betrahte  sin  yerya.T[20VJnes  leben,   wie  uppek-  25 
liehe  und  wie  unnutzkliche  und  wie  süntlich  er  daz  vertan   habe,     dar  nach 


5.  die  hymelsche  vröde  fehlt  Ä,  ergänzt  von  Roeihe.  10.  aber  —  kl.]  ein  grozc  S.        daz] 

der  S,        dem.  V.]  verzigen  hat  8.         10/*.  der  weder]  der  erw.?        der  weder  —  han]  noch  en- 
wil  noch  ensol  si  han  noch  enmac  si  han  noch  engetar  si  han  S,        11.  so  d.  ain]  wan  der  8, 
11  f.  mirnidit  ganz  verständlich.        12.  niht  lange  m.  S.        12  f,  enist  — kl.]  ist  ouch  ein  minre  8. 
13.  ain  m.]  der  m.  8.  15/*.  so  —  waiz]  durh  disen  krancheit  lip  vnn  durh  dis  kranke 

kurze  zit  so  er  im  k.  w.  ei-welen  sol .  dv  drite  tvmpheit  vnn  die  meiste  dvnket  mich  8.  17.  so 
(vor  unb.)  fehlt  S,  der  —  20  hohfart]  der  vngewissen  stvnden  todes  vnn  für  sines  dvrftic  weis 
vnn  schuldic  vor  gotc  weis  vnn  vor  sime  angesiht  vnn  es  doch  darzvo  so  vnemestlich  gebaret 
etswennc  went  er  sich  niht  ergemn  gebezzert  er  sich  niht  daz  ist  niht  wan  ze  glicher  wis  alz  daz 
schif  in  derae  fliezenden  wazzere  ze  tal  gat  der  es  niht  vf  entschaltet  alz  geboesirt  sich  in  geis- 
lichem lebenne  swer  sich  niht  enbezzert  dise  vnwisheit  kvmet  alle  von  versumekait  von  vnruoche 
von  tracheit  von  vrdrvz  von  verlazenheit  vnn  aller  meist  von  der  vertampten  hochvart  von  der 
der  geweren  minnen  für  verloeschet  gar  davon  mac  man  ervorhten  daz  vnser  herre  spr.  in  S.  Jo- 
hannes tougeni  dv  bist  weder  kalt  noch  warm  vnn  wan  dv  lewi  bist  da  von  spige  ich  dich  vzer 
minen  mvnde  S.        20.  l  wisse?  (Boethe). 

1.  Neben  dem  Text  des  Traktates  bemerkt  eine  neuere  Hand:  a[u8]  dem  latein  ?  9.  ez  — 
20  hohfart  steht  auch  in  8  Bl.  94  mit  der  Überschrift  Vppig  \Toede  als  letztes  8tiick  der  Hand- 
schrift Die  Lesarten  sind  hier  angegeben;  der  Text  ist  teilweise  fehlerhaft  Überliefert.  25.  vgl, 
8. 130  Z,  4f;  8. 188  Z,  26 f 


332  Sl.  Von  dem  weg  zft  der  waren  minne. 

betrahte  Gottes  rehtekait,  du  nit  allaine  ain  übel  werch  oder  ain  übel  rede, 
sunder  och  üppig  gedenke  endlich  und  strenklich  rihten  wil.  dar  nach  be- 
trahte waz  ungemachez  und  laidez  und  wisse  er  umb  sine  sünde  liden  müz, 
wie  unverträglich  die  sint,  wie  grülich  und  wie  lang  die  weren  sont.  diz 
5  birt  an  im  demütekait,  du  ain  mfiter  ist  aller  tugend;  da  von  wachset  denne 
Grottez  vorhte,  du  ist  ain  angenge  aller  sälikait.  dar  nach  betrahte  wie  sin 
sele  mit  Sünden  über  laden  ist  und  mit  dem  tötlichen  libe  beswäret  ist  und 
daz  si  mit  irdeschen  dingen  bekümbert  ist  und  wie  si  mitte  flaischlicher 
girde  verunraint   ist,   wie  blint,   wie  krumbe   und   wie   krank  si    ist,   wie  si 

10  mit  mängem  iertüm  verierret  ist,  wie  si  mit  tusent  nöten  [202"]  angeschäftig 
ist,  wie  si  mit  tusent  schulden  verschult  ist,  wie  berrait  si  zu  Untugenden  ist 
dar  nach  gedenk  wie  gar  kurtz  daz  leben  ist  und  vde  häl  der  weg  ist  und 
wie  ungewiss  du  stunde  dez  todes  si.  dar  nach  gedenk  wie  er  wainend  zu 
disem  leben  ist    komen  und  mit  laide  und  mit  sere  daz  leben  verlieren  müz. 

15  dar  nach  gedenk  wie  mit  mänger  sorkait  gemischlet  si  ob  iht  süssez  und 
vrölichez  in  disem  leben  ünz  an  lachet,  gedenk  und  betrahte  wie  argwänig, 
wie  unstät  und  wie  zerganklich  allez  daz  ist  daz  dirre  weit  vröde  und  liebi 
birt.  dar  nach  gedenk  waz  er  übelz  von  angeng  sines  lebens  hab  getan 
und  waz  er  übelz  hab  erlitten,  und  setze  für  sinü  ogen  alle  die  tage  die  er 

20  gelebt  habe  und  ietz  hab,  und  merke  vne  mänig  unnütz  arbait  er  erlitten 
habe,  won  also  wirt  er  erkennent  sins  lebens  jamerkait.  dar  [208^J  nach 
gedenk  denne  an  die  hymelschen  süzkait  und  wunne  und  ahte  und  betrahte 
waz  er  dar  an  verlorn  habe  und  waz  er  hie  funden  habe.  dar  nach 
gedenke    an   Gottez    erbärmde,    wie   dik    er    im  von    mängen   nöten    geholfen 

25  habe:  so  er  sin  vergaz,  so  mante  er  in  daz  er  an  in  gedähti;  so  er  sich 
von  im  kerte,  so  winket  er  im  wider;  so  er  kam,  so  enpfieng  er  in  und 
vergab  im  sin  sünde;  so  er  viel,  so  rihte  er  in  wider  uf;  so  er  stund,  so 
hfib  er  in;  so  er  State  blaib,  so  hüt  er  sin.  böse  gelüst  erfiirbt  er  im,  nach 
dem  laide  ti'ost  er  in. 

30  Diz  sol  es  allez  bedenken  und  betrahten  in  sim  hertzen,  daz  im  daz 
Got  allez  getan  hat  und  tut,  won  da  von  wirt  er  in  denne  minnende. 

Dar  nach  sol  er  gedenken  und  betrahten  in  sim  hertzen  waz  billich  ald 
unbillich  si,  waz  zimlich  ald  unzimlich  si  an  allen  sinen  werchen,  in  allen 
stetten,  ze  allen  ziten  und  wider  ieglich  mentsche.     an  allen  werchen  [202^] 

35  sprich  ich,  daz  ist  ze  verstänne  also  daz  er  sich  an  Gottes  dienste  arbaite 
vorhtsam,  andähtig  und  gaischlich.  dar  nach  arbaite  sich  sim  eben  mentschen 
ge willigen,  vrölichen  und  beraiten.  da  nach  arbait  sich  im  selben  kranken 
und  massigen   und  niemann  ungestüme. 

Der  diz  allez  tat,   der  hat  die  rehten  erkantnust  Gottez   und  sin  selbez 

40  und   aller  dinge. 

3.  er  fehlt  A.  15.  gedek  A.  19.  er  fehlt  A, 

6.  Eccli.  /,  16;  Fs.  110, 10.  Uf  vgl  8.  333  Z.  6f 


82.  Von  dez  gaisch^ichen  mentschen  ordnunge.  333 

[82.1  Ton  dez  gaisch/lchen  mentschen  ordnnnge. 

Der  gaischlich   mentsche   der  sol    an  allem .  sim   leben  wol   geordnet   sin. 

Er  sol   zem  ersten  sin  aigen  willen  lassen  und  ainz  andern  willen  under- 
tänig  sin.    er  sol  och  ahten  wie  er  süUe  sin  gnade  üben  und  wie  er  süUe  sin 
an   siner   gnade:    stände,   sitzent,   ligend,    redend,    swigend,    essend,    vastend,  5 
trinkend,    arbaitend   und  müssig  sinde.     er  sol  och  war  nemen  wie   er  wider 
ieglich  mentsche,  an  ieglicher  statt,  ze  ieglicher  zit  gebaren  süUi.     er  sol  och 
sehen  daz  er  [202^]  unbfizwii-dig  si  an  gewande,  an  sitten,  an  rede  und  an 
gebärden,     er  sol  och  minnen  die  besser  sint   denne   er,   und  eren  die  höher 
sint  denn  er.     er  sol    och  weltlich  lüt  und  der  leben   bfizwirdig  ist,    schuhen  lo 
und  sin  wonung  hau  mit  sinen  geliehen  andähtigen  und  durnähtigen   und  die 
gütez  lebens  sint.   er  sol  och  frid  und  ebenhellung  halten  mit  allen  den  bi  den 
er  wonet,  also  daz  du  wäre  minne   niemer  von  sinen   wegen  betrübet  werde, 
er  sol  och  sin  lait  und   sin   beswärde   mit  senftem  gemüte  tragen,  nit  gerne 
kriegen   und   vertraglich   sin,   sunder   er   sol   alwegent   dem  krieg   entwichen.  15 
er  sol  och  den  arbaitenden  ze  helf  komen  und  selb  gern  arbaiten  oder  iemer 
etwaz   gutez   tun,    daz   in  der    tüvel    iht  müssig  vinde.      er   sol    die   trurigen 
allez    an    trösten,    dem  rätlosen   raten   und  die   unwisen    leren,     er    sol    sich 
arbaiten  allen  lüten  ze  dienste  gewilligen,  danÄ;bä/^057ren,  senften,  demütigen, 
erbarmhertzigen  und  guten,    nüt  allaine   die   im  wol  tünt,    sunder   och   sinen  20 
viginden,    die   im   übel    tünt.     er   sol   vergeben   lihte,   kum    zürnen   und    nüt 
rilich  sin;    aim    ieglichen  tu    alz  im  selben;    die  frünt  minnen   in   Gotte,    die 
vigint  durch  Got,    Got  dur  sich  selben,     er   sol    och  sinen  lip  mit  discipline, 
mit  vastenn,  mit  wachenne,  mit  venienn,   mit  bettenne  und  mit  andren  guten 
dingen  kestigen  und  nit  ze  zart  haben,    daz  er   nit  werde   ze  gaile.     er  sol  25 
gerne   inne   sin,    nit  uz  wendig,    nit  vil    geklaffen,    nit  märe  sagen,    gerne  in 
kilchen  sin,  gern  betten,  gerne  bihten   und   dike  sin   sünde  flisseklich  wainen. 
er  sol  sich   usserz   geschäftes  enziehen   und    nach   eren  und   nach   gewalt    nit 
stan;   sich  selben  nit  überhaben  und  für  den   hosten   und  den  swechsten  sich 
ahten.      er   sol    sich    och    an    allen    dingen    zühteklichen    [203^]    halten,    ze  so 
vordrost  an  vier  dingen:   an  gewande,  an  gebärden,  an  red  und  an  werchen. 
an  gewande  daz  ez    nit  züre  si  und  nit  ze  schinber  noch  ze  seltzens  snittez 
si,   und   daz  ez  zimlich  und  gaischlich  si   geschaffen,    und    daz   ez  nit   ze  wit 
noch  zenge  noch  anders  weltlich  si.     an  den  gebärden    daz  ez  nit  si  ze  wäh 
noch  ze  verlassen,  noch  ze  träge  noch  ze  gäbe,  noch  ze  frävel  noch  ze  swär-  85 
mutig,      an   der   rede  daz  er   nüt   ze   vil    noch    ze   lützel    gerede.      an    den 

1.  gaischichen  A,         12.  ebhellvg  A.         15.  d5  A.         19.  danb&/ren  A.  22.  l.  richlich 

Wachsüditig' ?  (Roethe).         30.  nach  sol  ist  ein  zweites  sol  rot  durchstrichen  A.         32.  L  ze  türe.* 
(Roethe), 

1.  Der  Traktat  De  religiosae  vitae  institutione  erinnert  in  vielem  an  David  v.  Augsburgs 
Traktat:  De  compositione  hominis  exterioris  et  interioris  (ed.  Quarrachi  1899), 


334  S2.  Von  des  gaischßchen  mentschen  ordnmige. 

werchen   daz  er  nit   dar  an   ze  snmig    noch   ze   nrdratzig  si   und   nät  ze  vil 
noh   ze  lützel   gewerche. 

An  allen  disen  dingen  sol  sich  der  gaischlich  mentsche  flisseklich  h&ten: 
zem  ersten  an  sinen  gebärden,  also  daz  ain  ieglich  gelid  mit  der  wise  und 
5  mit  der  mässe  t&ge  daz  ez  tfin  sol,  weder  minder  noch  me  noch  anders 
denne  ez  sol  sin,  und  also  daz  ez  niemer  an  dehaim  taile  die  mäz  über- 
gange, daz  main  ich  alsuz:  lachen  ane  zen  embleken;  sehen  an  ogen  [203'J 
steken;  reden  an  hende  streken  und  an  vinger  zaigen  und  ane  höbet 
wegen;   gan   ane  swänkelieren  und  arm  swenken;   sitzen   an   knü   überwerfen 

10  und  an  siten  lainnen.  in  allen  dingen  sont  dez  mentschen  gebärde  sin  ge- 
vellig:  daz  ist  stilli  an  fulkait,  vrölich  an  verlassenhait ,  swäre  ane  trakait, 
ernsthaft  ane  ungemach,  strenge  an  fravelli.  an  der  rede  sol  man  behalten 
fünf  ding,  daz  ist:  waz  man  reden  sulli  und  mit  wem  und  wenne  und  wa 
und  wie.     waz   man   reden   süUi:    nit  wen   daz   nutzbar   und    erber   si.     mit 

15  wem  man  reden  siilli:  daz  sol  man  mit  den  von  den  nutz  komen  mugi. 
wenne  man  reden  süUi:  daz  sol  man  denne  so  ez  notdürftig  ist.  wa  man 
reden  sülli:  daz  sol  man  tun  nument  an  den  stetten  da  ez  erlobet  ist,  und 
swigen  da  ez  verbotten  ist.  gaischlicher  mentsche,  du  solt  swigen  da  ain 
andre   redet,   daz   ez    von   diner  underrede   nit  geierret  oder  beswäret  werde. 

»)  [203^]  du  solt  och  etwenn  swigen  daz  du  ze  vil  rede  mugest  miden.  du 
solt  och  etwenn  swigen  dar  umbe  won  du  dich  nit  vor  bedaht  hast  waz 
du  reden  wellist.  wie  man  reden  sulli:  daz  ist  mit  weler  gebärde,  mit  weler 
stimme,  mit  weler  betwwnge.  so  man  redet,  so  sont  die  gebärde  massig  sin, 
daz  man  nit  unordenlich   noch    unkunschlich   noch  ungezogenlich  noch  zomlich 

25  gebare,  man  sol  och  senfte  stimme  hau  so  man  redet:  daz  ist  schöne  ane 
rüflfenn  und  an  brähtenn,  war  reden  an  liegen. 

Man  sol  beschaidenhait  walten  an  allen  dingen;  won  beschaidenhait 
ist  ain  tugend  du  den  inren  mentschen  rihtet.  beschaidenhait  pfliget  rehter 
mässe,    si   tat   weder    ze   vil    noch   ze   lützel.     beschaidenhait    ist    ain    vestü 

80  maistrin  allez  willen,  aller  gii^de,  aller  tugend.  swelü  tugend  ir  ratez 
nit  envolget,  du  verlüret  [204'']  schier  ir  namen.  da  si  ze  gegen  ist, 
da  getar  enhain  tugend  über  ir  kraft  nüt  getün  oder  von  sumkait  üt  ver- 
swigen.  beschaidenhait  sol  ieklich  untugent  werren  und  vertriben.  der  be- 
schaidenhait amaht  ist  rüge,    und  hütet  aller  girde   zuht  und   geschäfde  allez 

35  willen,  beschaidenhait  sol  wissen  und  war  nemen  wie  vil  täglich  daz  inner 
mentsche  sich  bessre  oder  ergre,  wele  gedenke  ez  me  an  kere  und  von  welen 
girden  ez  diker  bekümbert  werde,  und  sol  sehen  wie  ez  si  an  den  sitten  und 
an  dem  willen,  wie  ungelich  und  wie  gelich  ez  Gotte  si,  wie  verre  und  wie 
nahe  ez  im  si.     beschaidenhait  sol  wol  erkennen  nit  allain  die  Untugend  dez 

40  hertzen,   sunder   och   die  unkraft   dez  libez;   und  alz  ir   ieglichs  bedarf  trost, 

5.  dz  ul,  /.  alz?  (Boethe).       13.  und  wa  fehlt  Ä.       15.  man  mit  fehlt  Ä.       23.  betwnge  Ä. 
33.  Beschaindehait  Ä.  34.  amaht  >»  ambaht 


S2.  Von  des  gaischfichen  mentschen  ordnunge.  335 

rat  und  helfe,  daz  sol  si  im  zu  fügen,  beschaidenhait  sol  och  wissen  und 
betrahten  die  gnade  und  die  gäbe  Gottez  und  der  [204^]  tugend  wirdekait, 
und  schaiden  welü  tugend  si  von  nature  oder  von  gnade,  beschaidenhait  sol 
wissen  mit  weler  bekorunge  der  böz  gaist  daz  inner  mentsche  an  vehti  und 
wie  mänger  gaischlicher  vröde  der  hailig  gaist  ez  da  wider  tröstet  und  daz  5 
ich  ez  allez  ze  samen  vahe,  so  sol  disü  tugend  daz  inner  und  daz  usser 
mentsche  alle  haben  und  wissen,  so  vil  es  muglich  ist,  voUeklich  erkennen, 
hie  mit  wirt  daz  mentsche  sich  selben  erkennend  und  kumet  da  von  zfi 
Gottez  erkantnust. 

Won  nu  der  beschaidenhait  werch  ist  betrahtung,    da  von  nim  war  waz  lo 
du  betrahten  süllest. 

Din  Sitten  solt   du   aller  maist  betrahten,    und  di'ü  ding   solt  du  dar  an 
merken:  daz   ist  girde,   gedenke    und   du   werch.     an   der   girde   merke    daz 
si   reht   si   und   massig,     daz   ist   also   daz   du   begerest   des    du    solt   geren; 
hast   du   liep    daz   du   liep   solt   haben,   daz  ist  reht;   hastu   ez    anderz   liep  15 
denne  du  solt,  daz  ist  unkünschkait  und   unreht.     an  den  gedenken  betrahte 
daz   si  [204']  rain   sigint    und  ordenlich:    rain  sprich  ich,   daz  si  von  bösen 
girden  iht   koment   noch    böz    begerung   von   im   iht  kome;    ordenlich,   daz  si 
nument  von  Gotte  sigint  und  von  dem    daz  Got  an   höret,     an   den  werchen 
betrahte   daz   sü   in  gutem   sinne    werdent   fürbraht.     guter   sin   ist   der  ain-  20 
valtig  ist.     ain  ander   wis  solt  du  din  Sitten  betrahten,  daz  ist  an  dem  inren 
mentschen   und    an   dem   usseren   mentschen.     du   solt    ahten   an   dem   ussern 
mentschen    waz   wol    gezämi    und    gut    bilde   gebe    dim   eben  mentschen;    und 
sich   och    waz    dir    dar    zu    wol   kome,    da    von    du    Ion    von   Gotte  wellest 
enpfahen.     merke    och    an    dem    inren    mentschen    ob    du    ain    raines    hertze  25 
habest;    daz  ist  also  daz  du  dich  nit  schuldig  wissest   dehaines  üblen  dinges. 
ain  ander  wis  mäht  du  betrahten  din  sitten,  daz  du  allez  die  bewegung   du 
din  hertze  an  kumet,  merkest,  wannan  die  koment  und  war  si  wellent     die 
du  denne  gfit  vindest,  die  sint  von  Gotte;  dar  umbe  [204^^]  lob   in!    die  du 
übel  vindest,    die   sint   von   dem   vigint    oder   von    dem   flaische;   den   baiden  so 
wider  sta!     ain  ander   wis   solt   du  betrahten  din  sitten,  daz  du  zem  ersten 
schaidest  daz  gfit  von  dem  übelen,  dar  nach  daz  besser  von  dem  guten,  dar 
nach  so  verriht  ieglich    gfit   daz   ez   nach  sim  rehten   voUebraht  werde,     ain 
ander  wis   solt  du   aber  betrahten    din  sitten  dar  an    daz   du   allez  daz  zem 
ersten   volle  bringest  daz   du  ane  schulde  sumen  nit  enmaht.     aine  ander  wis  85 
mäht    du    aber   betrahten    dinen    sitten,    daz    du    ahttegist    ob    du    dich    an 
tugenden  und  an  verstandenhait  und  an  senften  sitten  iht  gebessert  oder  ge- 
ergret  habest;    ob   du  gedultiger  oder   ungedultiger,   senfter   oder  ungestümer, 
demütiger  oder    hohfertiger,    ge williger   oder  ungewilliger,    emschthafter   oder 
verlasser,  vortsamer  oder  getürstiger  sigist.     betrahte  och,  swenn  du  iht  tun  40 
wellest  dar   zfi   dich   du  gehorsa/lSOS^mi   nit  zwinget,   ob  ez    übel   oder  gfit 

7.  ergänze  und  vor  so?         10.  der  fehlt  A,         14.  seit  du  J..         17.  rain  fehlt  A, 


336  82.  Von  des  gaisch^ichen  mentschen  ordnunge. 

si.  rindest  du  ez  gut,  so  sich  ob  ez  an  der  zit  und  an  der  statt  und  an 
dem  sinne  gut  ist;  ist  ez  aber  zwivellich,  so  laz  ez  sin  oder  warte  im  e 
dez  endez.  betrahte  och  vor  ieglichem  dinge  daz  du  tun  wilt,  ob  ez  si 
nütze  oder  unnütze,  notdürftig  oder  unnotdürftig,  zimlich  oder  unzimlich. 
5  Disü  lere  machet  den  gaischlichen  mentschen  ordenlich  leben,  und  swer 
sich  dar  nach  haltet,  dez  leben  ist  ain  luter  und  ain  rehtes  leben,  und 
wirt  besitzend  nach  disem  leben  daz  ewig  leben,  und  daz  verlihe  ünz  der 
vatter  und  der  sun  und  der  hailig  gaist. 

[83 J   Ton  der  yolkomenhait  dez  lebens. 

10         [Estote  perfecti  sicut   et  pater   vester   coelestis  perfectits  est] 

'Ir  sont   vollekomen  sin   an  üwerm   lebenn',   spricht  unser  herre    in  dem 
ewangelio. 

Nu  lit  ällü  yolkomenhait    an   drin  dingen:   an  gedenken,  an   werten   und 
an  werchen. 

15  Zwelf  ding  sont  wir  gedenken  an  underlaz.  zu  dem  ersten  male  sont 
wir  gedenken  nach  der  [20o^J  drivaltkait  ünsers  herren,  wie  gewaltig,  wie 
wise  und  wie  gut  er  ist:  gewaltig  ist  der  vatter,  wise  ist  der  sun,  gut 
ist  der  hailig  gaist;  und  von  sümlicher  gehügde  gewinnent  wir  ain  wunder 
in  ünsrem  hertzen  und  ain   woUust  und  ain  minne  an  Gotte.     dar  nach  sont 

20  wir  gedenken  an  unser  sünde,  wie  ünz  die  von  Gotte  schaident;  und  da  von 
gewinnent  wir  rüwe  und  bitterkalt  dez  hertzen.  dar  nach  sont  wir  ge- 
denken an  den  tot,  wie  gewiss  der  ist  und  wie  ungewiss  dez  todez  stund 
ist;  und  da  von  gewinnent  wir  sorgsami,  wie  wir  ünz  dar  zft  beraitint. 
dar  nach    sont    wir   gedenken    an    die    gfittäte    die   ünz   Got   getan    hat   und 

25  allez  an  tut;  und  da  von  gewinnent  wir  dankberi,  daz  wir  dank  im  dar 
umb  sagent;  won  dez  sint  wir  im  och  schuldig  daz  wir  niemer  tag  gelassent, 
so  wir  uf  stand  und  nider  gant,  wir  sagent  im  dank  umb  die  mänigvaltigen 
gütAte  so  er  ünz  hat  getan  [205']  und  allez  an  tat;  und  du  dankberi 
raitzet  in  denne  och  dar  zu  daz  er  ünz  der  gütät  wol  gan  und  fürbaz  dester 

30  gerner  wol  tut.  dar  nach  sont  wir  gedenken  an  die  trugenhait  und  an  die 
unst&tekait  dirre  weite,  wie  gar  valsch  und  unstäte  alz  du  wunne  und  du 
vröde  ist  du  in  dirre  weit  ist;  da  von  gewinnent  wir  unihtigi,  daz  wir  nit 
ahtent  und  versmahent  werdent  ällü  zerganklichü  ding,  dar  nach  sont  wir 
gedenken  an   daz  strenge  geriht  ünsers  herren,  wie   strenklich   er   rihten   wil 

35  an  dem  jüngsten    tage  allez    daz  wir  ie  getatent   mit  gedenken,   mit  worten 


4.  notdürftig  fehlt  A.         5.  de  A,  10.  Der  lat.  Text  fehlt  A. 


9.  vgl.  zu  diesem  Stück  oben  Traktat  Nr.  18  S.  5:2  ff .         10.  Matt  5,  48.         20.  80.  837, 19 
vgl.  oben  S.  128  Z.  14  ff. 


63.  Von  der  volkomcnhait  doz  lebcne. 


337 


nnd  mit  werchen;  won  daz  machet  an  ilsiz  vovhte,  daz  wir  ünz  entlidigeut 
von  finsren  süoden  und  ünz  furbaz  von  sünden  h&tent.  dar  nach  sont  wir 
gedenken  an  die  strenkait  der  hailigen,  wie  strengez  leben  si  hie  uff  ertlich 
battent  umb  daz  ewig  leben ,  daz  si  in  hjmelnche  nu  besessen  hant,  wie 
strengez  leben  [äOü"]  noch  die  guten  liite  hant  die  ietz  lebent;  wod  daz  5 
raitzet  och  ünz  arbait  ze  lidenne  umb  daz  selb  leben  dar  umb  och  sü  ez 
littent.  dar  nach  sont  wir  gedenken  wie  wir  allez  daz  daz  wir  tünt,  Gotte  ze 
lobe  und  ze  eren  tügint:  ez  si  essen,  trinken,  schlaffent  oder  bettend,  nnd 
swaz  wir  anders  tünf ,  daz  wi?-  zem  ersten  sprechent:  'lieber  herre  von 
hymelrich,  wir  went  dir  diz  ze  lobe  und  ze  eren  tfin,  und  la  ez  dir  lobsam  lo 
sin  nnd  uns  nütze  an  unser  sele  durch  dine  gütü'  dar  nach  sont  wir  ge- 
denken an  den  guten  willen  den  wir  battent  do  wir  zÜ  gaischlichem  leben 
kament.  durch  daz  daz  wir  alwegent  belibent  in  dem  selben  willen  und  in  der 
selben  hitze.  dar  nach  sont  wir  gedenken  wie  wir  ünserm  ebencristan  ze 
helfe  koment  in  sinen  notdürften,  und  daz  wir  ünz  über  in  erbarment  und  15 
ünz  vröwent  swenne  im  iht  ze  g^t  geschehe,  dar  nach  [806°}  sont  wir 
gedenken  an  die  not  du  in  der  helle  ist,  wie  groz,  wie  mänigvaltig  und  wie 
lang  du  ist;  won  da  von  erschriken  wii-  und  werdent  uns  hütent  der  vor. 
dar  nach  sont  wir  gedenken  an  die  vröde  und  an  die  wnnne  die  ze  hymel- 
rich ist,  wie  groz,  wie  mänigvaltig  und  wie  ewig  du  ist;  da  von  gewinnen!  20 
wir  girde  und  gelust,  daz  ünz  dar  nach  jararent  wirt  und  dar  nach  stellent 
werdent.      dia  ist  du  voUekomenhait  der  gedenke. 

Nu  sont  wir  merken  wie  daz  wir  volkomenhait  gewinnent  an  den  worten. 
voUekomenhait    der  worte   lit  an    fünf    dingen,     daz    erste    ist    daz    man    nüt 
rede  won   die  notdurft,    mit   vorhten;  und    so    man   ünz    iht    fraget,    dez  ant-  as 
würtent.     daz  ander  haisset  ain  wort  der  bihte;  daz  ist  daz  ain  mentsch  sin 
Sünde  sage,     daz  drit  haisset  ain   wort  dez  gebettez;  daz  [206"]  ist   daz    ain 
mentsche  Got  lobe  und  in  bitte  siner  gnaden,    daz  vierde  haisset  ain  wort  der 
minne;  daz  ist  daz    ain    ieglich    mentsche    sin  eben  mentschen   lere    und  tröste. 
daz    fünfte  wort   haisset    ain  wort    der   sinnen;    daz    ist    so    ain    mentsch    iht  3o 
redet  in  gutem  sinne,     diz  sint  du  worte  du  wir  redent  mit  Gotte,  und  swaz 
wir  da  über  redent,    daz    sont  wir    bihten;    won  von  aim    ieglichen    müssigen 
worte  so   wir  ie  gerrettent  und    iemer  gereden  mugent,  müssent  wir  rede  er- 
geben an  dem  jüngsten  tage,  sprichet  unser  herre  in  dem  ewangelio,  ist  daz 
wir    hinnen    schaident    uugebihtet.       nu    hant  wir    gehöret    die    voUekomenhait  35 
der  Worten. 

Nu  sont  wir  och  merken  die  voUekomenhait  ,der  werche.  du  volkomen- 
hait der  werche  lit  an  di-in  dingen.  daz  ain  ist  daz  wir  manlich  und 
krefteklich  den  sünden  sont  wider  stau,     nnd  daz  mag  bezaichent  sin  bi  sant 


5.  gäten  I.  —  gsietiichen  1.  vgl.  S.  330  Z.  18.  «.  wirt 

ist  hat  Ä  rot  durehsirkhm:  vü  an  die  vrGde  rii  an  die  vllne  d 


32  /".  Matt,  la,  36. 

DmtsBbe  Teits  du  Uttslilton-  S. 


10.  ti-nt  A. 
B  hymelrich  isL 


i 


838  88.  Von  der  volkomenhait  dez  lebens. 

Jacob,  daz  sprichet  alz  vil  alz  ^ain  veliter",  won  an  dem  anevang  der  an- 
vehtung  sont  wir  ir  f206^J  wider  stan,  so  überwindent  wir  si  dester  baz. 
daz  ander:  waz  wir  tügint  guter  werch,  daz  wir  du  tüegint  in  rehter  demüt- 
kait,  und  nit  rümez  da  von  geregint,  won  allaine  Gottez  lob,  unsem  nutz 
5  und  ünsers  ebencristens  besserung.  daz  dritte  ist  daz  wir  illü  unsrü  werch 
in  Gottez  namen  tügint,  an  vahent  und  vollendent 

Swer  dise  forme  haltet  an  sinen  gedänken,  an  sinen  werten  und  an  sinen 
werchen,  der  haisset  und  ist  ein  voUekomen  mentsch,  dez  ünz  Got  gehelfen 
müsse  daz  och  wir  also  werdent. 

10  f84J  Von  dem  nutze  ünsers  herren  behügde. 

Do  sant  Bernhart  an  sim  ende  lag,  do  liez  er  sinen  jungern  diz  sel- 
geräte  und  sprach: 

'Lieben  minen  junger!  sit  daz  ich  ain  gaischlich  mentsch  wart,  so 
haisse    ich    mich    daz    ich    mich    rainte    von    allen    weltlichen    dingen,    und 

15  man  minen  schepfer  in  min  hertze  mit  allen  sinen  nöten,  und  gedahte  an 
din  kinthait  wie  er  gewunden  wart  in  du  tüchlü  und  wie  er  geleit  wart 
in  [206^]  die  krippe,  wie  er  sin  blüt  goz  in  der  beschnidunge,  wie  er  mit 
grosser  arbait  erzogen  wart  ich  gedahte  och  an  sin  vasten  und  an  sin 
wachen  und  wie  er  versuchet  wart,  wie  dik  er  müde  von  bredienn  wart  und 

20  von  mänger  anderre  arbait  müde  wart;  wie  dike  er  hungrig  und  durstig  waz, 

wie   er  über   die  Sünder  wainte;    wie  vil   er  itwizze   vertrug  von   den    bösen 

Juden   lasterz  und  schänden,     und  nam  in  min    hertze  sin  crone,   sin   crütze, 

die  nagel  und  daz  sper,   und  von  sölichen  gedänken  kament  mir  siben   nütze. 

Der  erste  daz  waz:  swenne  ich  an  in  gedahte,  so  wart  ich  alz  durnähtig 

25  und  raine  rehte  alz  ich  nie  sünde  hetti  getan,  der  ander  waz,  swenne  ich 
dar  an  gedahte,  daz  ich  also  grossen  schätz  gewan  von  tugenden,  und  wart 
alz  rieh  alz  ob  ich  tusend  jar  nach  tugenden  hetti  geworben,  der  drit  nutz 
waz,  do  ich  dar  an  gedahte,  daz  [20?"]  mir  der  h^^mel  offen  wart  und  ich 
dez  gewisse  waz,    wäre    ich    innen    dez   tot,    daz   ich  an   underlaz   ze   hymel 

bo  komen  wäre,  du  vierde  waz,  swenne  ich  dar  an  gedahte,  daz  ich  denne 
uf  gerihtet  wart  in  widerwärtekait  und  in  arbait.  der  fünfte  waz,  so  ich 
dar  an  gedahte,  daz  si  mich  denne  demütegetent  in  franschmütkait  und  so 
mir  min  ding  wol  gie.  der  sehste  waz,  so  ich  dar  an  gedahte,  daz  si  mir 
denne  frid  mahtent  entzwüschent  mir   und  minem   schepfer.     der   sibend  nutz 


1.  vgl  oben  S.  87  Z.  36  ff,  3/*.  vgl  oben  S.  149  Z,  6  ff.  10.  Das  Stück  ist  gedruckt 

nach  Ä  bei  Wackemagel  S,  108  und  findet  sich  handschriftlich  außerdem  in  St,  Oeorg.  38  Bl  23 
(Längin  S.  8)  der  Karlsruher  Hof-  u  Landesbibliothek  und  Cod,  Fal  germ,  567  fol  123^  (Bartsch 
Nr.  278)  der  Heidelberger  Universitätsbibliothek.  Lst  der  Sache  nach  dem  43,  Sermo  in  Cantica  des 
hl  Bernhard  entnommen  (Migne,  FatroL  Lat  183  p.  994)  und  fälschlich  aufsein  Lebensende  über^ 
tragen  (vgl  Eies,  Das  geistliche  Leben  in  seinen  Entwicklungsstufen  nach  der  Lehre  des  hl  Bern- 
hard quellenmäßig  dargestellt,  Freiburg  1907.  S.  188 f.). 


84,  Von  dem  t 


i  herrea  bohfigde. 


989 


wEiz,  swenne  ich  dar  an  gedalite,  daz  si  mich  deime  wis  machettnt  änsers 
berren  willen  ze  erkennende,  den  er  hat  gegen  mir.  und  diz  gedenke  tcarent 
also  State  in  mim  hertzen  daz  nie  dehain  gedank  da  herberg  gewan  der 
iinreht  wire  und  widerzäme,  dez  ist  Got  selber  min  gezüg  und  min  bröder, 
daz  ich  all  min  zit  von  suz  getaner  materie  rette.'  s 

Diz  sei  gerate  lie  der  gute  sant  Bernhart  sinen  jan[ä07''Jg(irn,  daz  och 
Sil  mit  sölicher  materie  umb  giengent  und  daz  bi  im  leruetiiid.  und  also 
sont  oeh  wir  bi  disen  selben  Worten  gemanet  sin  daz  och  wir  mit  süm- 
lichen  dingen  ünsrü  hertzen  bekümberent  dur  der  nutz  willen  die  sant  Bern- 
hart  der  von  enphie,   atz  wir  gehöret  haut.  1 

Daz  och  wir  die  enpfahen  müssint,  dez  helfe  iinz  der  vatter  und  der 
snn  and  der  hailig  gaist.     amen. 


[85.J  Von  der  sele  closter. 

In  der  sele  closter  sol  Got  unser  heire  prior  sin,  beschaidenbait  subprior, 
armüt  Schaffner,    vorhte  portner,    demütkait    gewant  maister,    minne    du   rege],  15 
warhait  der    lesmaister,    der  hymel    du    schule,    togeni   dez    hertzen    di'i    zelle, 
bischaft  der  haiigen  sont  du  buch  sin,  gnade  der  sigiist,  behaltnust  dez  zites       i 
die  gloggan,  andaht  der  kor,  Gottez  lob  der   sänger.     dankberi  sol  daz  ampt 
der  zit  sin,  rfiwe  du  kuchi,  götlicher  trost  der  koch,  gehügde  guter  dinge  der 
keller,     die  engel  sont  die  pfleger  sin,  bihte  das  wAschhus,  gehügde  dez  tödes  M 
der  iiichof,    masse    der  reventer,  [207'J  künacbi   der   dormenter,   ain    rüwigez 
hertze  daz  bette,  götlichü  erkantnust  daz  lieht,  erbarmhertzkait  daz  siech  huz, 
der  gedenke   ervislung  der    gastmaister,    mit  Got    und  von    Gotte  reden    daz 
redehus,  rehtekait  daz  capitel,  gehügde  ewiger  dinge  der  bongarte,  Übung  der 
tugend  der  crützgang,  dez  libez  gelider  sont  die  undertan  sin.  25 

Diz  ist  ain  ordenung  der  sele  klost«r  nach  der  ällü  klöster  geordnet  sont 
sin;  won  swelez  suz  nit  ist  geordnet,  daz  sont  ir  wissen,  daz  daz  ain  kloster 
dez  libez  ist,  da  der  tüvel  prior  ist,  vor  dem  ünz  behüte  der  vatter  und  der 
sun  und  der  hailig  gaiste.     amen.  ' 


t  ffhlt  A 


e.  sigtt  A.  21.  bischof  A. 


18.  GtArw^i  noch  Ä  6n  Wackemaget  S.  109.  —  Das  Stüdc  findet  sich  handsdtriftikh  außer- 
dem in  Cod.  PtU.  gemi.  473  (BartftA  AV.  2S3)  fol.  laß''  und  u-ird  dort  dem  hl.  Bernhard  titge- 
gckrieben;  —  vgl.  auch  die  entiprtchenden  TraktaU  in  Cod.  966  fol  103,  967  und  iOi4  der  Stifti- 
bibliolhek  tu  St.  Gallen;  das  Stück  aus  einer  Stra/Iburger  Hb.  gedruckt  bei  Wackemagel  i 
vnd  SiAönbach,  Studien  zur  GeschitAte  der  altdeutschen  Predigt  VI.  Stüdc  S.  125.  —  Beim  hl.  Bem- 
hard  findet  ncA  der  Wortlaut  nicht.  Der  Sache  nach  könnte  es  den  Sentenzen  des  Heiligen  ent- 
nonunen  sein  und  xwar  Mignc,  Patrol.  Lat.  163  p.  731  nr.  18  tmd  753  nr.  36  (Mitteilung  von 
Dr.  Ries.  St.  Peter). 


86.  War  umb  Got  nientacli  wart. 

(86.]   War  umb  Got  mentsch  wart. 

Ir  80iit  daz  wissen  daz  nah  der  liailgen  lere  verdirbet  künschi  id  jagend, 

demüt  in  richtuni.  miltekait  in  geschät'te,  waihait  in  vil  rede,  du  ballig  minne 

in  dirre   unstAten    weite,     daz    diso  weit  unstät  si,   daz    sehent  wir   wol    alle 

s  tage,  wie  nnminneklich  si  jren  minnern  urlop  git;  und  swer  daz  relit  bedähti, 

V  dem  solte  ir  minne  wol  uninär  sin  [207"]  durch  die  minne  dez  minneklichen 

BOottez,  der  so  gar  minneklich  ünz  gerninnet  hat. 

P  Siner  minne  zaicben  tet  er  ainz  malez  do  kun(  aim  guten  manne,  do  er 
lag    an   slner    andaht  und   also  gedahte:  'ja  herre.    waz  maindest  du    da  mit 

10  daz  du  ainen  so  grimmen  tot  dur  ünz  litte,  daz  du  den  mentschen  etswie 
anders  nit  lostest  ? '  do  anlwurt  im  unser  herre  und  sprach :  'daz  tet  ich 
durch  fünf  Sachen,  dii  erst  ist,  do  geschfif  ich  den  mentschen  ze  lob  mir 
selben:  da  von  so  engunde  ich  nieuianne  der  in  losti,  won  mir  selben,  du 
ander   ist   daz    ich    in    geschüf  nach  miner  götlichen   wizhait   mit   minen    bau- 

ii  den;  daz  getet  ich  nie  dehainer  slaht  creature  me:  da  von  minnete  ich  in 
so  sere  daz  ich  in  selbe .  lozte.  du  dritte  sache  ist  daz  ich  in  geschüf 
nach  mir  selben  in  miner  gelicbnust;  daz  getel  ich  och  nie  dekainer  schlaht 
creatur  me:  da  von  twang  mich  dii  minne  daz  ich  [208"}  selbe  min  selbez 
glichnust    wolte    lösen,      dii    vierde    sache    ist    daz    ich    in    geschüf   über    ällü 

20  ding  und  erhöhte  in  über  alle  creature,  und  waz  nüt  höhers  denn  der 
mentsche,  won  ich  allaine;  und  da  von  wolte  ich  nit  daz  in  üt  lozte  daz 
niderre  wäre  denn  er,  und  dar  umb  lozte  ich  in  selbe,  du  fünfte  sach 
ist  daz  ich  dez  mentschen  minne  so  sere  begerte  daz  ich  nüt  wolte  daz 
er    deliain    ding    für  mich   minneti;    won  ich   wiste    daz   wol,    swer    in    erlöst 

•ih  hetti,    daz    er    och    den    für    mich    geminnet  hetti:  und    da   von    loste    ich    in 

(selbe,  und  han  durch  sine  minne  alle  minne  übertroffen  mit  mim  minnenden 
I.  Qtdmckt  nach  A  bei  Wackerwigel  S.  JlIK  —  Nach  einer  Mitteilung  von  %)amer,  Gießen, 
ilt  da»  Stück  ein  Songlomrrat.  Der  Btgin«  ist  identisch  mit  dem  Beginn  einen  Bemhardb-aktale» 
in  Berlin  Sgl  Bihl.  cod.  germ.  fi".  65  fot.  16.  Das  gleiche  Zitat,  dem  Salomon  zugeschrieben,  bUdct 
den  Anfang  eines  kleinen  Stücke»  von  9'/t  Zälrn  in  Berlin  KgU  Bihl.  cod.  gem.  4".  19/  fol.  1H9', 
das  im  übrigen  wieder  anders  verläuft  trie  das  Stück  in  8°.  65.  Der  einleitende  Sprvch  ist  außerdem 
gedruckt  von  Bartsch,  Germania  18  S.  199  Z.  37  ff.,  aus  ritifr  in  seinem  Bentze  befindlichen  Perga- 

»IHenIhandschrifl.  —  Femer  bildet  das  Zitat  die  Einleitung  tu  eineni  kleinen  von  zerganglicher 
Bebi  äberschriebenen  Stück  in  St.  Gallen  9GS  fol.  481.  ~  Das  letzte  Stück,  der  Dialog  twiachen 
Christus  und  dem  guten  Mcnacleti,  ist  enthalten  in  Berlin  Kgl.  Bibl.  cod.  gcrm.4''.  191  fol.  168^— 169  — 
Berlin  Kgl.  Bibl.  cod.  gtrm.  8".  65  fol.  47  —  Koblenz  Gymnasialbibl.  des  Victoria  Avgtiatagymna- 
tium»  43  fol  139—141  nnd  Basel,  Universitätsbibl.  A  IV  44  fol.  180.  —  Vgl.  fiuch  das  Stück  in  M 
Nr.  31  tWackemagel  S.  54!).  —  Der  Anfang  Z.  2—4  weite  ist  die  Überseltwng  eines  Salzes  des 
U,  Bernhard :  Quidni  periclitetur  caBtitas  la  dolicüe,  humilitaB  in  divitiis,  pietaa  in  ncgotiie,  veri 
VtiB  in  mnltiloquio,  chariias  in  hoc  Mecolo  ncquatn  ?  (Migne,  Patrol.  Lat.  183  p.  S55  nr.  37;  Mit- 
on  Dr.  Bies,  St.  Peter  i. 


9.  kmte  er  um  A.         IS.  nach  selben  ist  ze  lobe  rot  dvrehsMchen  A.        25.  er  fMt  Ä. 


86.  War  umb  Got  mentsch  wart.  341 

tode.      durch    daz    mich   niemer    mentsche    volle   geminnen    noch    volle   loben 
künne,   dar   umbe   han   ich   sin   minne   so   türe  koflfet'. 

Daz   wir   in   also   geminnent    alz    er   uns    geminnet   hat,    dez    helfe   ünz 
der  vatter   und   der  sun   und  der  hailig  gaist.      amen.  [208^] 

Finito  libro  sit  laus  et  gloria  Christo.  5 

Es  sont  wissen  alle  die  dis  sehent  oder  lesent,  daz  ich  phaff  Albreht 
genant  der  Kolbe,  kirchherre  ze  Sygävis,  han  diz  buch  geschriben  mit 
grossen  unstäten  und  durch  ain  Spiegel,  do  ich  sechs  und  sechszig  jar  alt 
waz.  und  han  ez  vollebraht  an  sant  Jacobs  abent  anno  domini  MCCCLXXXVII 
der  ersamen  vrowen  Johansen  Stöklins,  des  Stattammans  ze  Velkirchen  elichen  lo 
vrowen,  du  ez  Gotte  ze  lob  und  siner  lieben  müter  Marien  und  allem  h;fmel- 
schen  her  ze  eren  und  ir  sei  und  allen  globi^ren  seien  ze  trost  und  ze  hilf 
gefrümet  hat  von  mir  obgenanten  priester.  da  von  bitte  ich  alle  die  die 
in  Gottez  namen  iemer  me  lesent  diz  buch,  daz  si  Got  fi&r  mich  armen 
sundigen  priester  bittent,  daz  er  sich  über  mich  erbarme;  won  ich  furht  daz  15 
ich  iemer   me  buch  geschribe. 

Hie   mit  hat  diz  b&ch  ain   ende,     in   Gottez  namen.     amen. 


6 — 17  in  der  Handschrift  rot  geschrieben.  12.  globen  A. 


7.  Syg&vis  ist  von  Wartmann  ^  Urkundenhuch  St,  Gallen  Bd,  III  Register  erklärt  als  Gävia 
(Gövis)  bei  Feldkirch,  Tirol  8.  Spiegel,  d.  h.  mit  Hilfe  einer  Brille.         9.  1387  Juli  24. 


Lesarten  aus  Ms.  810''  [=S]  der  Stadthihliothek  Strafsburg: 

Von  den  gebotten  vnd  von  gotlicher  lere, 
aus  der  früheren  Johanniter  -  Bibliothek  A  100  fol.  159 — 188. 


1)  zu  A  Nr.  75  Überschrift:  Von  rechter  mine  zä  gotte.  Lesarten  angegeben  S.  317 Z.  10 ff. 

2)  zu Ä Nr.  1.    1  1.  Dia  ist  von  den  gebotten  ein  lere.         20.  sin]  ist         2  6.  rüwe] 
rfiwe  tac  des  herze.        7.  rüwe  —  dem]  vroide  gert  wan.        26.  lip.        2S.  so  getane  vnkvsche. 
31.  d.  e.  i.]  der  erste.       38.  merken  wir.       3  2.  spreche  wider  den  gelovben.       10.  das  dv  den  ivten 
deste.      13.  nit  fehlt.      31.  hat  —  33  brunncn]  swer  eine  grovbe  g^bet  vnn  lat  si  vnbedaht  vellet 
sins  nochgebnm  esel  oder  sin  rint  oder  sin  vihe  darin  er  soi  es  gelten  wan  er  sine  grvobe. 

36.  gerade  so  wie  A.       4  1.  nit  fehlt.       5.  die  helblinge  die.        18.  und  —  lip  fehlt 

3)  zu  A  Nr.  2.  422f.  Dis  von  den  stuken  cristaus  gelovben.  Sanctus  Lucas  schribet 
also  alle  die  etc.  5  16.  daz  eine  daz.  21.  stetecliche  an.  6  8.  vor  so]  der  hat  in  gensit 
mers  der  hat  in  dise  halp  mers.         7  11.  denne.         26.  bitten  messe  singen  oder  sprechen. 

30.  ist  fehlt.       si  alz  einen  stein.        36.  vnn  wissent  swer.        37.  daz  s.  i.  w.  fehlt 

4)  zu  A  Nr.  3.  8  1/1  Vier  ding  sol  man  eren.  7.  ist]  sint  die.  17.  ist]  stat  oder 
ist.  21/".  begir  —  wirt]  vegefür  deste  minre  wirt.  29.  in  —  bez.]  dez  ist  alles  bezeichenlich 
swaz  er  in  der  messe  tut  30.  rainen]  kranke.  9  7.  daz  r&ffen]  daz  si  räftent  zA  vnserme 
hcrren.  8.  ob]  cngegen.  mittel  gegen  dem  alter.  14.  die  drie  k.  16/*.  s.  J.  b.  d.]  die  s.  J. 
b.  tet  da.  26.  daz  m.  —  singet  fehlt  41.  alle  s.  m.]  alles  die  marter  vnsers  herren.  10  2.  Qf 
—  geschl.  wart]  wart  vf  gehaben  vnn  wart  gehenket  lesterlich  an  das  cnice.      3/1  so  —  so  fehlt 

4.  gez.  u.  fehlt  9.  sed]  daz.  12.  daz  er]  vnn.  14.  ivngem  nach  sinre  vrstende.  15.  singet 
m.  d.]  gat  daz.        16.  coUecte. 

5)  zu  A  Nr.  4.  10  22.  Von  St  Stephan  ein  bredie.  11  5/*.  ged&nken  —  gftten /cÄ/f. 
16.  esel  oder  der  ochse.  19.  got  in  dem  ewangelio.  21.  versenket  were.  12  1.  alten  ze 
den  ivngen.  2.  üch]  in.  3.  da  mit]  daz.  8.  si  in]  si.  13.  geben]  geveben.  21.  vn- 
wertlich.  23.  ovch  daz  si  sich  n.  13  1.  ist  in  a.  g.]  si  gnvcget  2.  vil  lichter.  4.  in 
deme.  8.  winkel.  12.  sich.  19.  kcu  —  liplich  fMt.  14  10.  alz  dem  spilman  der  .  ist 
12.  lassen.  19.  zwei  dinc.  15  4.  ziehen]  dv  es.  8.  dem  b.  15.  sich]  si.  22.  esel  alse 
da  vor.        23.  wan  so  si.        26/*.  aber  —  hym.  fehlt 

6)  zu  A  Nr.  5.    16  i  f.  Von  den  himmilscheu  f  roden.      3.  vber  vroide  vroide.      8.  da] 
dort       12.  sprichet  alz  verrc  von  oster  ist  vnz  westert  es  ist  I      21.  ir  aller]  der  anderen  aller. 
22.  und  d.  s.  sich]  daz  sich  die  sele.        20.  daz  drite  st        27.  daz  vierde  st  u.  so  fortgezählt. 

31.  gemain  m.]  daz  sol  alles  gemeine  sin.  17  2.  vindent.  kerent  3/*.  wissent  oder  wan- 
den. 4.  und]  wir.  6.  du  —  git  fehlt  22.  sele.  29.  bilde]  willen.  31.  ir  laider  wenig] 
wenic  leider  wie  es  gat  35.  der  b.  u.  fehlt  18  4.  bi  Gotte  u.  fehlt  10.  nit  —  in  G.]  niht 
wan  alles  gut  vindent  an  g.  11.  gern  h.]  geren.  22.  an  eime  andern  gotlicher.  21  f.  erbarme- 
herzekeit  rehtekeit  warheit  er  ist  g\t  wise  milte  erbarmeherzic,  in  A  Sprung  von  erb.  zu  erb. 

7)  zu  A  Nr,  6,  18  29  Von  ersam  wandel  ein  lere.  19  if.  als  —  ist  fehlt  4.  rainü] 
wäre.  18.  laiter]  lichte.  19.  got  \'nn  dich  bittet.  34.  wol  daz  ich  dich  minne  vnn  die 
minne  bin.        20  2.  spisen  sol.       8.  die  si]  dise.      24.  entstrapfet      28.  bisset]  straft      31.  über- 


Lesarten  der  Hs.  S. 

wundeni  wider.  21  4,  bidI  ovch.  5  f.  rflfjent  —  rflgent]  rvegent  sich  die  vDtVKende  hant  ca- 
pittel  si  rvegent  sich  Cvgende  vnn  vntvgeode  vnn  rvegent.  8.  besser  ist  denne  iens.  10.  te- 
mvetekeit  vnn  spricht  vrow  temvetekeit.  15.  ein  reinekeit  vnn.  16.  mn  fehlt.  vrow  maze 
dv  priolin.        17—20.  Sprung  in  S  von  Reht  ^k  RehL        27.  wainent]  venient. 

8)  gu  A  Nr.  7.  22  1.  Dan  wir  got  sÖlen  bitten.  13.  gut  vnser  herre.  32/".  von  dem 
svnder  publicano  von  von  dem  pfariseo  ,  die  37.  svadea  von  schviden  rIz  vit.  23  3.  tvgen- 
den.      i.  frSde  —  seien]  weide  an  der  weidet  sich  drier  bände  sele.      7/".  gflten  gedenken]  werken. 

9.  trabten!  spiee.  12  f.  blftmen  —  wach»,)  bovinen.         22.  wart]  gewuoz  in  crtriehe. 

2b  f.  ab  — herre  fehlt.         27.  an  ii.  li.j  abo  dieen  büvme.        31.  tvonde.        35.  vnn  ist  vber. 
3'J.  fridej  vroide.  24  4.  in  geirren  mvgo.        S,  den.        9.  ie]  durh.       enkan  es  ioch.        10. 

im  vnn  im  git,  won  —  govaret]  so  gevaret  doch  vnser  h.  14.  erkennest  vnn  nibt  weist 
wax.  iSf.  xe  tob.  h.  inl  vnsem  h.  19.  wan  daz  dr  gebende  verbrvnnen  domitte  sl  ge- 

bunden waren. 

9)  tu  A  Nr.  8.    2&lf.  Von  geisiichem  iebent         9.  schin]  höbe  ist  vnn  schone. 
12.  blftmen  —  bong.]  bovrae  dinne.       14.  BwSater]  geial ich  mensche.       15.  schappelJin  mit  blvon 
vnn  mit      30.  ercnden]  genden.      äi  f.  menscb  aol  s.     machen.      37.  fa>m.]  heimlich.      26  23/'.  so 
si  sich  selben  cleident. 

mzuANr.9.     26  29/".    Duz   wir   vns    ernüwen   svln.       3S.  dla  wize  cloit  \ 
27  7.  vmbedehteclich.         14.  dem  gedanke.         IS.  von  naturo.        211.  erkennet.        21.  daz]  waz. 

34.  verliere]  vcrkert.       3<i.  er  s.]  s.  der  twel.       28  5.  ia  borre  er  iat  ein  cleit  daz  alre  scho- 
neste  der  aele.        äf.  der  alle  —  12  üot  fehlt 

11)  i«  A  Nr.  10.  28  U/".  Von  dem  lebenden  brot  vsers  herren.  2ü.  marien  der 
reinen  megde.        2S.  keime.        32/'.  tvgende  kvscbe.       29  S.  ersten  male.        11.  tfiscn]  lazen. 

19.  die  —  wurd. /eA(f.        22.  gew.  waz.        SO/',  eiawa  wart  —  etswa]  etwa.        S5,  sin,        37.  und 

a.  i.  br.  fehlt.      39.  ez]  die.       30  22.  an  dem]  rf  sinie.       26.  gednlteclicb.      sin  kvncüch  hovbet 

29.  bin.        31  2.  iamer  vnn  mit  der  not.      T.  minnetj  minnete.      12.  mines  betzens  vnn  minea 

llbea,        26.  gesterket  avn  werden.        20.  dar  umb]  dvrh  vus  erlittet  hat  vnn  vmbe  vns. 

12)  etattA  Nr.ll.  Sante  Anshelmus  (rage  von  unser  herren  martir.  SancteAna- 
helm  der  bat  vnser  vrowe  von  bimelrich  lange  zit  mit  grozer  begirde  mit  vastenue  vnn  mit  wachenne 
vnn  mit  andebtegem  gebette  vnn  mit  horzecüchen  tsoben  .  .  . 

131  ru  A  Nr.  13.     34  32/".    Daz    wir    vns   vröwen  afin  in  gotie  ih» 
37.  herachaft  liese.        arm  wolte  w.        35  '.  wcre  daz  libes  vnn  gvotes  vniri  %ti 
9.  fn-nde  an  dem  cruzc.        23.  won  er  —  lidj  wan  er  waz  ouch  gar  arm  an  allen  sine  liden  er 
waz  ir.  25.  der  svnnen  vnn  mancn  vnn  alle  dinc  geach.  30.  vinatem.         33.  vnwertÜche. 

35.  niht  wolte  antwutten.         36  7.  won  —  9  wolte  fehlt.        12.  sine  banL        17.  schlänget] 
slizzete.        22.  iamer  litte  1        24.  not  vffen  ertricbe  oder. 

14)  zu  ANr,  13.  36  28/".  Es  sprichet  ein  heilige.  Min  aele  ist  gesmobten  alt  daz  der 
liebe  mit  mir  rette  .  dia  ist  gesprochen  von  einer  ieglicher  —  34  miter  gottes,  bricht  damit  ab. 

15)  Predigt  A  Nr.  17  steht  unter  den  Predigten  Eckharta  SI.  85'  Üherachrift:  50  1  /".  Von 
nnzer  bette.  S.  gnaden.  er  im]  Ime  S.  Paulns.  8.  groa]  tvgentlicb.  14.  aller  der  hei- 
ligen achritt.        20.  vnn  die  m.         20  f.  da  si  arbeit  soltent  d.  g.  liden.        25.  grozer  vrSide. 

33  f.  mir  danken  der  dinge  daz.        34.  der  d.  d.]  die.        37.  da  von,  51  i.  den.       7.  vater 

vnn  spmch  herre  vater.        10.  gelobe  goto  geh.       IS/",  swie  — weite  fehlt.       30.  haben  fMl. 
31,  waz]  alles  daz.        38.  alle  —  kam.)  die  andern  allesanL         52  1.  vnser  herre  sprach.      4.  won 
da]  von  den.        13/".  doch  —  alten  löten  fehlt.        15/".  es  —  dornen  fehlt 

16)  ein  Stück  au«  A  Nr.  81;  vgl.  S.  331  Anmerkung. 


Namenverzeichnis. 


Abacuc  (Habakuk)  89, 20.  307, 

Abraham  68,39.  96,4. 

Abfiolon  94,25.  95,9. 

Achor  109,26. 

Achymas  14,1. 

Adam  117,  9.  13.    158,  18  (ö). 

161, 14.  298, 7.  32«»,  35. 
S.  Agnes  41,17/1  47, 19.  49,24. 

50,22.   101,27.  291,1. 

Agnus  Dei  10,12. 

S.  Agata  (von  s.  Agton)  126, 5. 

S.  Ambrodus  330, 33. 

S.  Andres   (Andreas)    50,  24. 

281,1. 
Anna,  Frau  des  Tobias  122, 

19/". 

S.  Anshelm  29,  26.   30,  26.  28. 

69,  34.   70,31.   91,19.    185,1. 

145,11.    207,9.    218,17.  219, 

1.  9.    220,  4.    282,  12.    311, 

17  (Z).    313,3/1   327,12/: 
Apocalypsis   49,  33.    61,   18. 

77,18.    98,13.    108,7.    177,9. 

178,14.    182,21.   208,4.  287, 

32/:  238,5/:  321,12. 
Apys  1, 12. 

Arabia  93, 14.  94, 1.  4. 
Aswems    (Assueros)  »  der 

Billig  44, 18.   33,  28.   44, 13  f. 

98,19/:   123,19.27.   126,18. 

S.  Augustinus  3, 19.    16,  22.  29. 

18,15.      24,13.  3C.      31,  13.  23. 
39,  37.     40,  27.    65,  14.    66,  25. 

74,  3.    81,  2.    83,  2.  11.    85, 
81/1     91,22.     102,6.    103,19. 


104,12.26.29.      112,15.      116, 

7.  117,2. 11.    123,2.    129, 13. 

25.     130,  15.     131,  8       136,  28. 

137,19.  144,22.  145,23.  154, 

16.    156,  22.     162,  29.    163,  5. 

166,16.    168,3.    171,2.    172, 
2.    183,  11.   188,  13.    190,  32. 

201 ,  8.  33.  202,  3.  203,  24. 
208,  19.  30.  209,  7.  10.  20. 
211,  29.  212,  8/:  26.  213,  7. 
217,  11.  219,  25.  220,  17.  33 
(G).  221,  14.  232,  21.  235, 
19.  237,27.  255,8.  256,1.3. 
16.  258,  6.  261,  11.  263,  7. 
268,4.  271, 19  (Gl.  278,  17. 
280,  7.  287,  9.  290, 12.  291, 
19.  314, 9.  327, 4.  330,  25. 
Ave  Maria  151,  13.  154,  20. 
198, 4. 

Babylony  (Babilonien)  1, 10. 
Balaan  314,23;  Balames  esel 

15,21. 

Balac  314,23. 

Baracb  180,29. 

Beda  181,4.   222,2.    226,  23. 

237, 1. 
S.  Benediktus  84,  35. 
S.  Bemhart   15,   25.     23,   37. 

25,  11.    26, 13.    31, 2.    33,  8. 

36,  20.  37,  27.  41,  19.    52,  83. 

54,    19.  56,  22.    68,  5.    70,  4. 

21.  75,29.   76,13.   77,  24.  32. 
78,24.  27.   79,10.    81,13.    83, 

22.  86,23.     91, 12. 14.  24.     92, 
16.    94,  15.    97,  4.     101,  20. 


105,  10.  24.    106,  3.  21.    107, 

9.  23.     112,31.     118,19.     121, 

5.  129,  27.  ISO,  13.  21.  26. 
132,  8.    23.     133,    18.     137,27. 

145.20.  146,5.  150,8/:  153, 
\\f.  155,20.162,16. 167,14.206, 

1.  208,  24.  210,  6.  222,  31. 
223,  17.  20.  224,  14.  225,  l. 
23.  28.  226.  11.  81.  227, 19. 
30/:  252,6.  257,5.  258,15. 
259,  18.  265,  6.  279,  12.  27. 
284,8.    285,17.  286,25.   Sil, 

7ßf{Z).    311,35  (Z).     812.21 

(Z).  314, 13.  324, 16.    SS8, 11. 
Benyamin  127,17.  21Q,if. 
Bersabee  119,  I6.  25.  120, 1. 18. 

C  8.  K. 

David  14, 2.  16, 12.  17,  23.  25, 
3.   26,12.    42,30.    48,26.    63, 

6.  67,  35.    84,  27.    89,  8.    90, 

2.  6.  12,  14.  93,  9.  15.  94,  8. 
18.  22.  95,1/:  100,  12.  126, 
10.15.   128,24.    156,16.    159,9. 

174,13.  248,4.  263,22    284, 

27  (G).  290,22.  806,11.  808,26. 

309, 86  (Z). 
Delbora  180, 80.  181,19. 
Deuteronominm  122,15. 
Dies,  Jobs  Tochter  282,  3.  20. 
S.  Dominions  820, 17. 
S.  Dyonisins,  Areopagita  78, 

7  f.  79, 22.  80, 27.  97, 5. 

Egyptenland  1, 12.  76,38.  186, 
17.  192, 6  (G). 


Namenverzeichnis. 


346 


Elias,  der  Prophet^  s.  Helyas. 
S.  Elzbeth,  Frau  deaZacharias 

802, 15. 
Emanuel  228,  ii.  296, 7. 
Ester  8,  Bester. 
Eva  108,3.  8. 10.  110,27.  117.7. 

12.  222,7. 

Feldkirch  i.  Tirol  «.  Velkirch. 

Gabriel   47,  24.    48,  26.    49,  8. 
75,24.   154,21.  221,4.  802,5. 
Galylea  288,  i. 
Genesis  222,25. 
Golyas,  der  Riese  94,8. 
S.  Gregorius  14, 5.  42,  34.  50, 

36.     79,34.     104,23.      114,31. 

133,  3.  165,  4.  225,  9   282,32. 
240,7(0).  284, 27  (G). 

Uabaknk  8.  Abacuc. 
Helyas  (Elias)   119,14.  24.  25. 

120.1.  17. 
Herodes  80,2/1 

Bester  (Ester)  44, 13  f.  98, 19  f. 

128,20/:   126,18/*.  328,3/: 
Bieronymus  8.  Jeronimus. 
Bolofcmes  40.  3o. 
Boreb  «.  Oreb. 
S.  Bylarius  95,16. 

S .  leronimns  ( Bieronymus)  180, 
2.  206,  22.  221,  11.  223, 8. 
224,  2.    258,  24  (Ö).    298, 14. 

Isaias  (Ysayas)    16,3.    28, 20. 

32,31.     71,37.     75,8.     78,35. 

81,  20.  90, 10.  13.  129,  7.  186, 
16.  188,3.  158,21.  161,15. 
180,12.  21.  189,14.  197,21. 
223, 15.  228, 10.  258,  9.  806, 7. 
S.  Isidoms  (Ysidorus)   280,5. 

321,28. 

Israhel  56,35.  57,27/:  315,2. 

Jacob,  Pa/ruircÄ  56, 35/:  -=  ain 
ringer  57, 23.  290, 8  (G).  87, 

32.36.    181,28.  222,26.  276,9. 

315.2.  838,1. 

S.  Jacob,   der  Apostel  114,5. 

115,27.   136,14.  201,20.   289, 

18.  327,33. 
gen  S.  Jacob  vam  89, 23. 


J(h)eremya8  81, 20.  89, 6  (G). 

115,14.  228,13.  828,27. 
J(h)erasalem  9,37.    51,35.   68, 

23.      84,3.      90,11.      125,26/1 

188.20.  207, 19.  2if,  267,1. 
283,  2.  306, 7  f.  807,  12  f. 

Jesabel  (Jezabel)  119, 12.  17. 
Jesse  (Tesse)  159,  I8.  197,22/: 
J(h)esu8  Christus  57,13/:  59. 
10.  24.  60,6.  61,5.  69, 33. 
70,  21.  35.  76, 20.  77, 14.  89, 
22.  90,4.6.20.  105,16.  106, 
8.  15.     122,24.     128,8.    126, 

12.  159,6.   16.     160,  29.     161, 

17.  162,12.  163,1.  164,2. 
9/:  167,6.  180,4/:  190,7. 
191,6.  197,11.  228,14.  289, 
16  248,3.12.  254,11/:  259, 
17.  263,  15.  267,27.  270,7. 
275,18.  278,12.    282,5.    285, 

15.  287,  6.    288,  2.    295,  4. 

297.21.  307,3/:  315,26.  316, 

16.  821,  7.  824,  6.  20.  28.  266, 
15  (Ö). 

Joachim  158,i8(G). 

Job    20,  10.    73,  28  f,    90,  21. 

91,9.    92,14.    92,16.    93,  12. 

94,4.    129,2.    183,9.    184,17. 

185,  1.  5.     197,  15.    206,  17. 

281. 5.  282,  2  /:  «  ain  rfiwig 
man  282,5/:  289,15. 

S.  Johanns,  Evangelist  17,  33. 
19,  35.  46, 1.  51,6.77.  18.  85, 

22.    91,7.92,24.99,23.   103,7. 

107,21.  110,4.  7.  142,5.  165,1. 

166.6.  177,9.  182,21.204,5/: 
208,4.  227,22.  235,5.  238, 
1.  6.  25.   242,2.   248,7.   280, 

13.  252,  20.  284,  7.  302,  24. 
805,17/:  317,11.  321,12. 

S.  Johans,  baptist  9, 16.  302, 12. 

Johannes  Damascenus  227,  6. 

Johannes  Ghrysostomus  (mit 

dem  guldin  munde)  46,  17. 

172,  24. 

S.  Joseph,  der  Mann  Maria 

75,35.  76,1.  221,5.  802,21. 
Josue  109,16. 
Judith  40,30/:  178,24. 

Cassia,    Jobs  Tochter  282,  3. 
288, 10. 


Ca^phas  9, 31. 
S.  CeciUa  96, 8. 
Christus  297, 18.  s.  Jesus. 
Comustibi  (Comustibii),  Jobs 

Tochter  282, 4.  283, 19. 
Kriechen  1, 11. 
Kuzi  14,1. 

S.  Laurencius  91, 14.  280,  31. 

Lazarus  9,34. 

S.  Lucas  4,24.  109,7.  125, 1. 

221,3.  229,3.  828,14. 
Lucifer79,6.  10.  106, 10. 15/: 

Mardocheus  828,3. 

S.  Maria,  unser  vrowe  8,  7. 
46,  30.  56y  33.  57,  4  f.  62, 23. 
64, 25. 75, 5.  99, 27  f.  146,  9  f, 
153,1/:  156.1/:  167,7.183, 
4.  184,18.  191,  6.  197,  IS  f. 
198,  20.  221,  1/:  223,  20.25. 
289,  30/:  243,  hf.  248,  30. 
247, 10.  288,  8.  293,  bf.  296, 
9.  302,1/:  809,  32  (Zj.  311,1. 
325.34.  828,  if. 

Maria  Magdalena  170, 2. 

S.  Martin   46, 10.   102,21.  25. 

Mesopotamia  87,33. 

Moyses  (Moses)  17,9.  2b,  nf, 

25,23/:  87,6.  73,22.  76,38. 
77, 1.  90,  8.  101,  4.  »  uss 
dem  Wasser  gezogen  25, 23  f, 
101,6/:  109,15.  156,5.  186, 
17.22.  1 92, 6  (G).  208,9.  237, 
8.  276,8. 

Kazareth  221,6. 
Noe  87,16. 
Numeri  276,8. 

Olberg  (mons  Oliveti)  229,  5. 

268, 20. 
Oreb,  Berg  25,  22.  Z2f. 
Orienes  lOrigenes)  75,  37.  91, 

28.  182,25. 

Osee  73,19. 

Parys  (Paris)  220, 2. 

Pater  noster  10, 7.  151, 29  (G). 

204, 18. 
S.  Paulus  18,31.  24,  7.  26,  81, 

27,  16.  29.    28,  3.  4.    32,  17. 

33,25.     34,34.     37,14.     41,32. 


846 


Namenverzeichnift. 


43, 19.    44,  6.  10.    50,  3.  13. 

37.     59,  8.  13.     66,  3.  30.     87, 

7.88,6.91,10.    92,10/1   98, 

3/1  94,  4.  20.  95,27/1  98,8. 
99,21.  100,4.  102,4.9.  1 12,28. 
114,7.  119,26.  120,6.  121, 
3. 24.  126, 1. 128, 3. 129, 5. 134, 
2/1146,1.151,8.155,7.164,9. 
IS.  166,4.  172,33.  174,1.  175, 
9.  14.    176, 1.    178,  9.   180,  4. 

187.3.  191,18.  193,18.  200, 
9.  204,  22.  207,20.  213,  15. 
214,9.  12.  216,20.  25.  229, 
21.  230,32.  237,4.  240,1t, 
241,5.  244,5.  250,7.  252,4. 
•.'59, 15.  276,  4  f.  285, 19. 
286, 13.  289, 4.  320,  21. 322,25. 

8.  Peter  7, 27.  29.   8, 3.   72,  29. 

34.  86,12.  91,11.   92,3.  116,2. 

179.4.  201,11.  231,33.  239,2. 
254,18/1  279,8.  282,24.  2S3, 
15.  326,33. 


Phylippensee  86, 13. 
PhyiiBter  94,23(G). 
Proeper  140,  lo. 
Pylatüs  30, 2  f.    323, 29. 

Sebecca  102,23/1 
Uin  (Rhein)  193, 23  (G). 
Rom  245, 22/1320,3;  dazr6m8cfa 
rieh  319,20. 

Salomon  18, 32.  32, 12.  33, 6/1 
46, 33  -B  ain  heire  der  gern 
frid  hette  in  sim  lande  46,34. 
47, 9.  48, 39.  86,  27.  92,  6. 22. 
129,8.  130,11.  136,15/1  191, 
22.  201,19.  204,26.  278,27. 
279,20.  280,9.  284,13.27(0). 
322, 13.  328, 33.  329, 2. 

Sampson  123,6.  8. 

Samuel  112,23.  26. 

Sathanas  192,21. 


Saal,  der  König  94,  9.  24.  95, 

7.  112,21.  25/. 

Sanlos  (Panloa)  276,». 
Seneca  49, 17.  130,  2.    188, 24. 

211,16.  224,6. 
Seraphyn  78,  ao  f,  140, 5. 
Sygaevis,  Gätns  341,7. 
Syon  71, 10.   86,26.   89,  20(G). 

188,3.  290,9(0).  821,13. 
S.  Stephan(n8)  10,  23  f.   15,  2s. 

50,30.  95,22.  109,7/1  190,6. 

228, 11.  822, 11  /l 
Stöklin,  Johann  v.  Feldkiith 

341,10. 

Thobyaa  47,  12.   54,  11.    122, 

19.  252,23.  281,24. 

Velkirch,  Feldkirch  L  Tirol 

841,10. 

Zacharias  179,27/. 


Wortverzeichnis. 


Vorbemerkvng :  Die  Anordnung  erfolgte  nach  der  gewöhnlichen  mhd.  Orthographie, 
wie  sie  Lexer  bietet.  In  Klammer  ist  die  Schreibweise  der  Hs,  beigefügt;  ebenso  sind 
in  den  Belegen  seltene  Formen  in  der  Schreibweise  der  Hs.  wiedergegeben.  (G)  (Z)  be- 
deutet,  daß  das  Wort  in  den  Varianten  der  Hss.  G  und  Z  vorkommt. 


abbet:  pl.  ebto  147,  32  (G). 

abe]-komen  mit  Gen.j  von  et- 
was  los  werden  («  sich  ab 
tuon  Var.)  13,  ic.  34;  -snt- 
den,  daz  kleit  b!  dem  gürtel 
45,  37;  -waschen,  die  sünde 
5,  31;    -ziehen,  daz  fleisch 

50,  23. 

abcläz  (aplas,  applas,  apblas) 

Nachlassung  der  Sünden  7 , 2. 

13.  56,3.  77,35.  107,12. 
abelaezig  aäj.  von  der  läßlichen 

Sünde    im    Gegensatz   zur 

Todsünde  3, 1. 12. 
abgründe  (abgrund)  stn.  69, 13. 

305,  12;   a.  der  hello  90,  9. 

305, 2. 
adamas      (ademas)      Magnet 

327,  26. 
adclar  (adil&r)  284,  27  {G). 
admirabilis  —  der  wunderliche 

Got  296, 12. 
agelster   swf.:   der  agelstrun 

schrien  5, 1. 
acbsel:  bi  den  ahslen  ist  be- 

zeichent  diu  arbeit  280,24/*. 
ackes  (axs)  Beispiel  von  einem 

Mann^  der  mit  einer  Axt 

an   einen    von    der  Sonne 

beschienenen  Baum  schlägt 

5, 10  f 
sehrer  s.  eherserc. 


aht  hän,  eines  Dinges  12, 17. 

266,  30;  a.  h.  umbe  14,  5. 
ahten  mit  Dat.  der  Pers.  u. 

Akk.  der  Sache,   bei  einem 

etwas  ansehen  217, 9;  absolut 

335, 36. 
ai-  8.  ei- 
äkust:  fleischlich  a.  sinnliche 

Begirde  275,7. 
äkustic  a^.  326,32. 
älaster  Gebrechen,  Fehler  84, 6. 
albe  wei/ies  Linnengewand  des 

Priesters  8,31. 
aleine  (allen)  adv.  einzig  und 

allein  132,  21.  23.  218,  27. 
algar  145,9  {G). 
all  da  her  273, 13 
allecliche  adv.  80,23. 
aller  adv  eher  7, 32 ;  a.  mänlich 

316,21/*.;  a.slahte  62,4. 206,5. 
allewec(allweg,  alwegent,  alle- 

wegent)  14,  21  f.  28,28. 55,  if. 

59,17.  166,9/'.  173,3.  178,13. 

17.  187, 10.  188,  27.  191, 17.  18. 

204, 31.  247, 7.  259,23.  263, 18. 

265,25.  329,30. 
almuosen  165,18.  176,13. 
altsBre  (altär,  älter)  40, 6.  97, 31. 

98,2.  103,8. 
alten  intr.  269, 11. 
altvater  p/.  altväter  9,5;  alt- 

väter  buoch  45,  23.  47, 30. 


alambe  (allum)  72, 12;  sich  a. 

henken  300, 10 ;  a.  gän  269, 12. 
alwsere    (alwer)    a^'.   albern 

256, 8. 
alzogis  also,  ebenso  116, 12  {G). 

173,22  [Gl 
amaht  »-  ambahte  334,34. 
ambahte  (aubaht)  72,  34.  147, 

uf  148,1/*.  199,i3(G^);aint, 

ampt  7,  i/*;  amptliute  in  cloe- 

stom  315,  5;  ze  einem  ampt- 

man  erweln  226,19. 
amor  132,5. 
amphanclich  «  enphenclich) 

65,24.  111,18  (G). 

amsel  (amselle)  22,28/*. 

anbeten:  die  von  Babylony 
bettaten  die  sunnen  an,  den 
man  und  die  stemen  l,io. 

And&ht  personifiziert  20,  15; 
andäht /.  251,  18/*;  m.  266, 5; 
den  a.  begen  237,15/*. 

ander:  einer  anderr  sßl  16,24. 

ane]-gän  meist  in  Verbindung 
mit  arbeit  24,22.  32, 21/*. 
37,  32.  41,31.  89,18/*.  130,9. 
189,2.26. 190,11.17. 197,5.12/*. 
241,18/*.  246,  IG.  273,  24  (Gl. 
278,  25.  280,  27.  284,  20.  286, 
17;  -haften,  dem  obrosten 
guot  189,  25;  -komen  mit 
Akk.  d.  Pers.,  begegnen,  tref- 


348 


Wortverzeichiii8. 


/«i,  zu  stehen  kommen  33, 
3».  90,  if.  189,  25.  316,  15. 
330,  23  f.  335,  28;  -lachen 
62,17.  332.16;  -legen,  daz 
leben  in  Gotes  dienst  130, 
7;  -rfiefen  (rtphin  G.)  198, 
2;  -sehen  (angesehen)  in  Ver- 
bindung mit  Gott  57,  28   61, 

10.  62,16.  76,23/:  etc.;  -spl- 
wen  (spuwen)  30, 19.  257, 11 ; 
-stecken,  ein  vingerlln  44, 
22;  -Valien,  in  Verbindung 
mit  komber  oder  arbeit 
240,20.  246,40  (G);  -vehten 
32,30.  240,22/*.  335,4  etc.-, 
-waejen  (w»gen)  34, 21.  325, 
11. 

aneblic:    ein  minneclicher  a. 

145,14;  ein  vrtltcher  a.  220, 

5  (G). 
aenec  (senig)  adj.  ledig,  loa  116, 

11.  191,6.  298,9 

aneganc  stn:  daz  a.  des  Übeln 

gedankes  49, 1/*. 
anegenge  atn,  Anfang,  absolut 

von  Gott  gesagt  98,13/".  227, 

24/*.  242,  3.4.  290,19.  306,  3; 

Anfang  der  Welt  106,9.19. 

156,3.  158,14. 
ange  swm,  Stachel  der  Biene 

325, 18. 
angeborn    (anerbom)    43,  32. 

116, 10.  12.    117, 15.    190,22; 

a.  Datüre  »  libido  191,4. 
angeschäftic  a^,   beschäftigt, 

bekümmert  332, 10. 
angeschonwede:  sin  götlich  a. 

das  Anschauen  Gottes  25  t, 

10  {G). 
augesiht  fem,  Angesicht  Gottes 

18,16.   70,25.   104,12.  218,17. 

220,5.  251,3.  259,15.  294,6; 

ze  ir  [der  Jünger)  a.  ze  himel 

vam  229,5/1 
angestlfehe  (angsltch)  adv,  29, 

31;  a.  stän  305,22  (G). 
anhaften,  daz  subst,  Inf.  85, 31. 
anhaftnnge,  ein  132, 7. 10. 
anlachen,  daz  subst  Inf  62, 19. 
anpfellig«enph8ehelich)  adj. 

empfehlenswert,    angenehm 

298, 18. 


anteilic :  der  messe  a.  sin  Anteü 
haben  8,10. 

antheiz:  a.  tnon  das  Ordens- 
gelÜbde  ablegen  51,9/1 

antlfitze  (antlfit)  Antlitz  Christi 
17, 11/*.  60, 3. 17;  Grottes  An- 
gesicht 64,  27.  90, 22.  125, 2/1 
127,10.  147,1/*.  218,18;  daz 
a.  des  insigels  17,35;  von 
a.  ze  a.  237,6;  under  sin  a. 
sehen  55, 30. 

antworten  entsprechen  23. 28^; 
zurückgeben  27,  1.  61.  25. 
330, 21. 

anvehtnnge  Versuchung  vor 
allem  des  Teufels  50,3.  76, 

36.    197,13.    300,22/:    301,22 

33S,i/: 
apfcl :  pL  öpphel ,  öpfel  34, 7. 

II.  327,10. 

apostcl:  pl  apostile  247,29(0). 

309, 2. 
arbeit:  fünf  ding  die  ze  a. 

reizcnt  315, 5f. 
arbeiten,    sinen   lip   kasteien 

I I I ,  19.  285, 16.  308, 21 ;  sich 
a.  sich  anstrengen  in  Got- 
tes Dienst  21,  37.  202,25. 
205,11/:  258,14.  332,36.  333, 
19/1;  .B  sich  überarbeiten 
{Var.)  sich  Überanstrengen 
150,15  (G);  partic.  dem  ar- 
bctenden  315,12. 

arbeitsam    a^j-    beschwerlich, 

mühselig:  diu  geburt  ist  a. 

63. 3 ;  der  wec  ist  a.  187,  uf 
arcwän  195,26;  196, 1;  272.29 

[Gl 
arcwsenic  adj.  148,  is;  332, 16. 
arke  (arch)  Ardie  Noas  20, 36. 

87,  16.  18;   Schrank    233,  3. 

237,19.  239,27/: 
arm:  der  s^le  arme  134,6. 
arm  (am)  adj.  312, 7. 16  (Z). 
armbrost  (ambrnst)  stn.  313, 7. 

34  {Z).  325,21. 
armuot :  Armut  unseres  Herrn 

26,  29.  34,  32/:  59,  21  f.  usw.; 

geistliche  Armut  51,33.  52,3. 

110,  16/:     113,  22  f.    241,  3. 

245,  11.    249, 10  f    261,  2Zf 
amen  ernten  90,  23. 


araftt  71,15/: 

arzente  (erzenie  G)  125,28. 
126,6.  159,8  (G).  238,8/: 
264, 23. 

asdie  54,  nf\  ze  Sschen  wer- 
den 63^11;  lachen  üf  daz 
hoobet  geben  63,9/1 262,13/1 

fttem  29,20. 

atria  —  f rithof  124,12/: 

äs  stn.  87, 16.  20. 

bäbe,  alte  altes  Weib  52,12. 

b&bes  (bäpst)  111,15. 

bach  stm.:  den  bach  trinkea 

u.  von  dem  bache  trinken 

308,23/: 
badien  Brot  backen  29, 7.  240, 

nf;  Christus  wurde  gebacken 

an  dem  Kreuz  30,33. 
baldecheit  (baltkait)  Kühnheit, 

Mut  82, 27. 
balmböm  s.  palmboum. 
baisame  287, 19.  294,16. 
baltheit  Kühnheit  12,  3. 
baltliche  adv.;   b.  antworten 

kühn,    dreist  259,22/:  (ö); 

b.  sprechen  210,27  (G). 
ban  stm.:  in  dem  b.  sin  8,13. 
bant:  pl.  diu  band(e)  24, 19;  b. 

der  minne  102,6/:   137,20. 

212,10;  b.  der  s^le  136, 17; 

mit  den  b.  binden  9, 35.  29, 

16. 

barmherzekeit  18,23.  27. 

barvuoz  g&n  320  I8. 

batonje  (batt&nie)  ßetonie  als 
Zauberkraut  5,2. 

beatitndo  «  sselikeit  124, 27  f. 

bechel  sin.:  vier  bächliu  70,1. 

becher  308, 35  (Z). 

bedecken:  mit  der  menscheit 
die  gotheit  b.  8,31;  part 
mit  bedahten  worten  53,28. 

bedeckungo:  an  b.  got  sehen 
236, 24  f. 

bediutunge  (betütong)  Bedeu- 
tung 156,9. 

bedümen  mit  Domen  um- 
stecken: daz  betlin  ist  be- 
dümet  20, 28. 

begän:  gemeinscfaaft  beg.  Ge- 
mein^chaft  haben  162, 20. 


Wortveizeichnis. 


349 


begaten,  sich  38,29. 
begeben,  sich  liebes  o.  guotes 

251,30. 
begening(e)  11,5.  18,4.22.  14, 

18/*.  18, 4.   266, 28;   vier  b. 

sint  in  der  8(^le  56,14/1 
begD&den,  den  sünder  163.5. 
begrif :  diu  minne  hat  wlten 

begriffen  (-*  bevangin  G) 

141,4.  21. 

begrif  en  erfassen,  erreichen^  im 
eigentlichen  Sinn  44, 28.  203, 
19  f.  326,33 ;  einschließen^  um- 
schließen 109,13.  110,4.  118, 
11;  Got  b.  133,26/:  219,2/: 
287, 17.  294, 13;  begriffen  sin 
mit  lieht  ausgestattet  sein 
159,  26.  161,  9. 

begürten:  begürtet  sin  mit 
zwemgürtlen46,6;  zesamen 
b.  sin  92,  4 ;  semene  begnrte 
liute  307, 32. 

bebalten  in  Obhut  haben  61, 
22/:;  diu  gebot  b.  100,  u  f. 
110,  11.  120,  15.  24.  29;  sin 
reht  b.  190, 15 ;  sich  b.  sich 
aufhalten  («  sich  enthalten 
120,18)11 9, 16 ;  behalten  wer^ 
den  gerettet  werden  5, 40.  6, 
37.  62, 33.  206, 9.  309, 14. 329, 
34;  behalten  sin  165,  i. 

behalter  (behauter)  Erlöser  75, 
10.  76, 16.  91,3.  153,22  (G). 
261,  28.  282, 13.  288,  20.  297, 

21. 

behaltnisse  (behaltnust):  des 
zltes  b.  Einhaltung  der  Ta- 
geszeiten  im   Kloster   339, 

17. 

behaltunge  Rettung  282,15. 

heberen  refl.  mit  Gen.^  sich 
über  etwas  erheben  214, 16. 

behüeten:  part,  behuot  sorg- 
fältig.vorsichtig  \bA,2f.  186, 
16.  222, 12/: 

behügede  Andenken,  Erinne- 
rung: b.  der  fünf  wunden 
unsers  herren  94, 14:  von 
dem  nutzen  unsers  herren 
b.  338, 10/: 

behügen  (-»irhugen  G)  101, 25. 
197,  5. 


beiten:  des  herren  b.  harren 
12,23  f  96,21/:;  der  bekßrde 
b.  170,11;  mit  Dat.  einem 
Frist  gewähren  1 05,  l .  3 1 1 ,  15. 

bekennen  erkennen,  begreifen 
289,5;  fleischlich  erkennen:  er 
bekande  nie  wip  49,24/: 

bekdren  hinkehren  54, 99  f.  60, 
18;  wegwenden  89,15. 

bekßrde  Bekehrung  zu  Gott 
136, 16;  des  sünders  b.  104, 
31.  292,1;  s.  Pauli  b.  276, 

4/: 

bekomen  mitDat  d.  Fers.,  be- 
gegnen 12, 22. 123, 6/:  266, 11. 

bekom  versuchen  93, 5. 1 14,  so. 
116,31.  117,1/:;  mit  Gen. 
der  vröude  b.  kennen  lernen, 
kosten  331,7. 

bekorunge      Versuchung    32, 

29.  44,  32.  92, 15.  17.  24.  98, 11. 

94, 19.  1 1 5, 24.  123, 10.  157, 24. 
197,6.  200,1.  244,18.  278,6. 
283,  2  285,  3.  301, 19.  22. 326, 
21.  385,4. 
bekrcnken  krank  machen  20, 

24. 

bckümbem:  sich  b.  mit  un- 
nützen dingen  14,8.  26,  if; 
mit  guoten  dingen  117,28.; 
bekumbert  sin  mit  Got  210, 

14. 

belSzen  nachlassen:  din  sünde 
sint  dir  b.  79,  zf. 

beliben :  ez  belibet  niemer  an 
uns.  herren,  won  alweg  an 
uns  es  liegt  nicht  an  unserm 
Herrn  31,37;  b.  in  Got — 
Got  in  uns  299,21/: 

benedicite  h&n  den  Segen  nach 
Abhaltung  des  Kapitels  im 
Kloster  empfangen  64,4. 

benemen  einem  etwas  weg- 
nehmen 20,  5.  57,  12;  die 
kiusche  b.  8,  so  135,  2.  222, 
27;  tugend  b.  263,  5;  and&ht 
b.  122, 8;  kriec  b.  den  Krieg 
aufhören  machen  137, 70  f. 
212,  11. 

benemen  nennen:  sie  sint  drf 
benempt  (benemide  G)  n. 
ein  gewsre  Got  234, 18.  28. 


benüegen  (bennogen)    18, 11. 

50,  4.  70,  6.  327, 16.   329,  18. 
ber  Beispiel  vom  Bären  120, 

4.  280, 16.  326,  ef 
ber&ten  sin  gut  versorgt  sein 

244,8/:;  b.  sin  mit  edelm 

gesinde   247,  Af;    ein  ber- 

räten  hüs  247, 17. 
berc:  b.  der  heilikeit  25,3.7; 

drl  b.   25,8;  wüeste  b.  — > 

wüeste  herzen  122,  11;  ». 

geißchlich  leben  269, 4f',  der 

heilige  b.  298,4. 
bereffen    (berefzen)    strafen, 

tadeln  156, 13. 15. 162, 21. 192, 

7.  264,  Af  323,  2.  20. 
bereffunge,  des  geistes  157, 15 

(G). 
bereiten  jemanden  ausrüsten 

44, 15.  37;  sin  herze  b.  201, 

19;  bereit   sin  285, 5.   382, 

11. 
bereiten  subst.  Inf  (bereiterin 

G)   101,22. 

bereitunge,  der  s^le  72, 19.  96, 

18/:  138,1/: 

bcrespen  refl.  sich  tadeln  157, 

17. 

berhaft  a^j»  fruchtbar  82,9. 

104,15. 
berhafte  subst  328,  26. 
berihten  in  Ordnung  bringen 

56,  24.  64,  35/*.  156, 13/: 
berihtserin :  ein  b.  der  tugend 

(G)  150,  26. 
berihtunge    innere    Ordnung 

156,  22.  157,  nf 
herinnen:  mit  bluote  gar  be- 

runnen  252, 19.  257,  20  f. 
bennit  Pergament:  reht   als 

man  ein  bennit  an  eine  ram 

spannet  36, 18. 
besamen  adv. :  besament  vam 

miteinander  fahren  180,  20. 

181,  25/: 
beschatewen  (beschatwen)  be- 
schatten 826,29;    fig,   49,9. 

81,37.  227,10.  802,  9. 
bescheiden  a^j.  klug,  verstän- 
dig im  Maßhalten  18, 22.  88, 

21  usw. 
bescheiden  einem  einen  Be- 


360 


Wortverzeichnis. 


scheid  geben  106,  7.   115, 16. 

116,7. 

bcscheidenheit  Verstand,  Vcr- 
nunß  27, 6/*.  51, 3.  56,  lO.  64, 
38.  65, 1/.   85,  1.  98,3.   115, 

20.  116,  30.  138, 17.  156, 13. 
188,28.  192,13.  282,7.  315, 
14.811,20  (Z):  b.  gewinnen 
158, 17;  das  Maßhalten  in 
allen  Dingen  120,16.  150, 
8/*.  188,29/:  265,16.  329,3. 
830,  27.  334,  27/*.;  ein  b. 
merken  einen  Unterschied 
merken  193,  2/*.  829, 1. 

Beecheidenheit    personifiziert 

21,  2if.  46,  23. 

beecheidenlfdien  adv, :  b.  seil- 
ten mit  Maß  streiten  95, 11. 

beechonwede  Anschauung  2bT, 
3  f.  258,31/:  276,27(0); 
tougenlich  b.  210, 14:  Tier  b. 
die  diu  sdl  anGot  beechowen 
sol  206, 1. 

beschouwen,  unser  herze  14,9; 
daz  antiüt  Gotes  5,  28  f.; 
daz  gotlich  lieht  202,  32. 

beschouwunge,  des  geistes 
157, 15. 

besehen  betrachten  58,  31.  35. 
65,  29;  ansehen  107,  3  f. 

beeenden  holen  lassen  314,23. 

besenken,  in  daz  mer  193,  24. 

besezzen,  mit  dem  tiuvel  104,3. 
115, 12.  17. 

besliezen  verbergeUy  das  Feuer 
58,  uf.\  zuschließen  daz 
herze  24, 35.  272, 29  (ö);  den 
garten  47, 1  f. ;  part  besloz- 
zen:  in  Got  sint  allia  ding 
b.  23,38 ;  b.  s!n  in  mSgtlichem 
Übe  160,28/:;  daz  himelrfch 
istb.  68,16.  324,10/:;  ein  b. 
garte  46,  32.  272,  5.  293,  21. 

besnfden  beschneiden,  unsem 
Herrn  29,  8.  59,  35. 

besntdunge,  unsers  herren  338, 

17. 

bcsofet  s,  besüfen. 

bestseten   einen   stät  machen 

107,6.  323,12. 
bestaetange  (best^etnonge)  121, 

18. 


bestecken  258,  23.  327.  lo. 

bestricken  fangen  202, 19. 

besnochen:  woUust  bes.  auf- 
suchen 162,  8. 

besüfen:  part  besofet  (beso- 
phit  G)  sin  in  Oott  ganz 
versenkt  sein  127,27.  131,  I8. 
145,  9  (G).  152,  38  (Ö);  be- 
softiu  sslikeit  70, 14. 

beswserde  24,  6.  12  26,  2.  14. 
50,  6. 10.  70,  17.  177, 12. 

bete  (bette)  stf  Bitte  39, 10. 

41. 

beten  (betten)  beten  21,  26.  31. 

202.24.  244,20/:  254,15;  er 

bettat  mit  dem  munde,  mit 

d.  herzen  22, 20/: 
beteler  (bettier)  11, 10. 
betrahtunge  315, 17.  335,  iof 
betrfiebede  (bctrAbideG)  24,6. 

32,  29.    62,  5    7.    68, 19.  85, 

11   175,29.  197,6.  200,1.  217, 

10.  270, 35 (G).  300,23.  306,24. 
betrQeben  «fra/en,  heitnsuchen : 

nu  betrfiebe  didi  Gotl  llO,i. 
betrilebesale     (betrAbsalli)   f, 

Trübsal,  Kummer  78,37. 122, 

2.  9. 
bcttestn.  Bett20f  23 ;  gebluomet 

b.  20, 26. 
betten  das  Bett  machen  ;praet 

er  bettote  322,  23. 
bettelin  (betlin)  Bettlein  20, 28. 

161.18(0).   261,27. 

betwunge:  reden  mit  b.  mit 
Bändigung  d.  Stimtne  reden 
384, 23. 

betwunge(n)schaft  Zwang  185, 

16/:  219,19. 
betwungnust  124, 18. 
bevfthen  118,6.  229,24.  230,18. 

246,11/:  290,11;   part  be- 

vangen  236, 19.  290, 13. 
bevähunge  comprehensio  229, 

22. 
beweeren    (bewsenen)    78,  zf, 

129,  6  usw, 
bewam,  sich   kommunizieren 

10,13/: 

bewegenhch  a^,  56, 16. 
bewellen:  part  bewoUen  be- 
flecken, vor  allem  mit  der 


Sünde  der  Unreinheit  239, 

32.  322,  24. 
bewinden     umwinden,      ein- 

toickeln  261,  26.  301,  22. 
bezeichenlich  sinnbildlich  103, 

10.  278,  21.  296,  6.  320,  6. 
bezeichenonge   8, 1.  237,  7. 19. 
bezetten,  mit  blnomen  327, 10. 
bezimbera  307,25/:  (Z). 
bezzem    60,24.   64,35.    116,5. 

311,6. 
bezzerunge:  ze  b.  komen  195, 

28;  ez  komet  b.  davon  196, 

18. 

bieten  (büten) :  laster  b.  »chmä- 
hen,  schänden  45,  36 ;  O^etp- 
satz  hnlde  b.  105,2. 

bietunge  (bitung)  stf.  Aner- 
bieten, Verheißung  236,  9. 
11/. 

blhte  5,  38.  13,  I6.  24,  88.  49, 12. 
53,33.  56,3.  58,37.  63,24/: 
101,14.  311,4.319,3.  337,26. 
339, 20;  b.  hoeren  7«  2;  rehtia 
b.  h&t  15  ding  135,  13/.; 
sich  ofneu  in  der  b.  179,6. 

bthten5,3i.  7,10.214,24.  333,27. 

bthtigsere  (bihter)  Beichtvater 
53,  33.  84,37.  112,7.  136,6. 
311, 6;  die  hl.  b.  «»  con- 
fessores  167,  7.  183,3.  206, 
27.  247,  6.  309,  2. 

bilde:  ein  böses  oder  gutes 
Beispiel  geben  bezw,  nehmen 
11,11/:  37,36.60,35.  147,4/: 
151,3/.  154,13.  167,9.  182, 
7.  193,21.  226,2.  335,  23;  guot 
b.  vor  tragen  285,  21  /*;  b. 
enphfihen  in  Gote  233,  s;  b. 
unsers  herren  17, 36.  18, 1.  59, 
23/;  Ebenbild  38,8.  311,aa 
[Z)\  b.  Gotes  M.  des  tiavels 
320,27/;  driu  b.  der  s^le 
320,  24  /. ;  eins  engeis  b.  an 
sich  nemen  202, 10;  in  man- 
nes  b.  224, 14. 

bildendere  (bilder)  Vorbild, 
Muster  h^,2i.  60,6/:  224, 10. 
226, 3.  233, 18.  328, 24. 

bUdunge  274, 11 ;  välschiu  b. 
des  tiuvels  202,  s/*;  gehügde 
ist  b.  aller  dinge  238,2/*. 


Wortverzeichnis 

351 

b\a  moK. Biene 20i,nlG]ide- 

9,38;   wtn,  dec  mägde  bl. 

11.  61,28/";  brcBteuhän  105, 

min  Aaz  by'nlin  (pinlin)  204, 

180,13/: 

1     261,   24. 

2«.  287,16.  294,15/'.  326,  s/'; 

bluoten  (blflten):  die  wunden 

BreiHerzilatt  42,  nf.  48,  I4. 47, 

daz  bigi  2S7,  IT  (ß). 

b.  sehen  94,  id.  286,  ib. 

16.49,24/:  50,  25/:  78,0.  101, 

binden,  daz  koro  29,  s. 

borechcene  gar  sdii/n   32S,  3«. 

27/:  102,22.  126,6.  127.  a/; 

biMchaSt  Beispiel  56,  to/'.  283, 

borte  (potte)  Band  44, Ji.  46, 

228,  13.  329,1!/; 

x.  339, 17. 

'/■■ 

brinnen:derbrinnendeGotl66, 

bisehof  (bj'achof)  5,36.  Sl,  ts. 

bffielicli  <boBcblicb,  boefichlicb) 

11/;  brinneudc  rose  164,  i. 

111,  IB.  147,32/-(ff).  206,32. 

27,  j.  45,  fi.  105,10. 

briutegome  ibrütgom)  W,'af. 

237,  IG. 

bffisern :  gebweret  werden  53, 

208,  B/;  263,10. 

bitnnge«.  bietungc. 

15.    54,  a.    191,1/:    209,  2. 

broocm.    brosniB    IS5,  ii>(Gi; 

bitterkeil  SU,»,  llü,  8.  121),  s. 

n.  320, 1!. 

br  guoter  gedänkc  89,  u. 

125,16.  21.  224,30.310,6;  b. 

bröt:  b,  bacheninzwivaltigem 

des   henen    128,19./:   336, 

b<EaewihL  109,ai<ß).  211,2. 

v-iure  30,3»;  da»  lebend  od«- 

2i;  b.   der  helle  12», 4;   b. 

böeheit  (bosshaiti  60,24.  116, 

ewig  b.  ■=  Christus  28,  lef. 

der  träbennc  128,  n. 

11.  157,5.  195,15.  13. 

237.21/.  240,6. 

blwescn:   nach   druem  biwe- 

böte:    die  hl.  boten  Apostel 

brcetelin  Brätlein  198,  24. 

Benne  272,3s(G). 

64,  26   s.  ewelfbotcn. 

brunne  3,33.   142,  so;   »wOne 

bizen  (blasen)  beilSen  30,  w. 

boumlbftin)236.  c/:;  aich  wei- 

brannen:  wazzer  n.  bluot26, 

bliBJen  {hls^geD}außlälieH  53,». 

den  an  den  boumen  2S,  if. ; 

bia  (blaw)  aij.  243,11. 

allerbuehBtebouni  -  Chrittvs 

ius  40,37.  66,16.70,10.  124, 

bleich  a4j. :  b.  gold  9S,  u.  94, 

23,  -af.m.U.    326,33/:;  in 

11.    136,  33    (G).     155,  Kf. 

i;  b.    werden    12,  as.    258, 

einem  Beispielvenmndtn.i,. 

219,1.  238,11/.  259, 2a/.[G). 

3.  287,  IS.  23. 

boum  garte    (böngarte,    bom- 

287,10.    294.1T.    3I0,n  iZ). 

bleiche  stf.  Blässe  94,  a  (G). 

garti    23,3/;   25,11/:  55,  k. 

330,32;     —    Maria    48,2»; 

blintheit,  der  well  213.  fl. 

273,  10.  339.  24. 

-  hl.  gciat  58.3»/'.;  b.  von 

hm  nackt  69,  3o;mitb.  hand 

bözen  iboseen)  ankiopfen  73, 

wurmen     307,   3o   [^):    br. 

angiifen  301,11/". 

20/:;  zc  des  menschen  her- 

vliuzetiedenougenüz20,»; 

blQejen  (blOgen) ;  prät.  blnote 

zen  b.  178,  u. 

über  den  br.  sitzen  58,  3t/; 

293,io;pQr(.  blüegend  160,1. 

bOzen  (boBsen)  attbst.  Inf.  73, 

310,  sa  (Z|. 

blüemelin,  da»  264,  ib. 

33. 

brunstsf/-.:  b.Än-3fmn«66,3t. 

blüemen  w.  blnomen  mit  Blu- 

brS  Witnper:   bräwen  jnkcn 

brüuetic  adj.  305, «. 

men  zieren  74,  i5  [  pari.  adj. 

E,  i;   pi.  branwen  (brS  G) 

bruoder  (broder   Z)  Kloster- 

(tebluomet  u.  geblfieraet  145, 

243,  25. 

bntder  71,  b.   139,  it.  161,-0. 

i.  154,7.  160,4/".  272,10;  g. 

brahten(br3btenn  I  latitschreitn 

166,  8.     194,  7.  n.     195,  12. 

heree  20,  K.  48. 2S.  313,  lo/",: 

334,  ifi;    bräbtend    stimme 

196,«.  212,7.  216,23.  226,1». 

g.   eeil  32.3/:  33,*;g.  Got 

85. 12. 

241,20(Ö|.252,6(G).  269,13. 

65.1.  126,  B    313,11. 

bredier   (predigen    134,2(6). 

316,23  (Z);    bruodem  tnol 

bluonie  163,  \%;  b.  in  dem  tal 

178,2/-.  163,3.  240,13/".  241, 

man  5  ding,  so  ai  von  dem 

273,«/".;  bl.  der  aehs  Wetter 

12(0).  12.  277,3. 

wcge  koment  40,6/. 

Aoi-(am(u«  S04.5/'.  S25, 

hredige  (predi(e))  9,i3.  a96,n. 

bnist  slf.  107, 16.  330, 1 ;  nnder 

28/-.;  an  den  bl.  sint  zwei 

bredigen    (bredlen)   9, 24.   78, 

atnen  brüsten  tragen  287,  n ; 

ding  33.34  ;^tugeüichge- 

30.  163,  IT.  938. 19. 

zwo  brÜBte  308,  iif.lZ).ilQ, 

dfink   139.14;   -   geiBchlich 

breite,  an  der  minne  133.  m. 

ii;  reif  ze  den  brüsten  46, 4; 

liDt315,32/:;ieglichBBtdea 

breiten      u.     breitem      iveit 

bniBt  iuwere  tröstes  306,  lo. 

balnibuuines  hat  einen  bluo- 

machen  z.  B.  da»  Serz,  die 

brütn6,B.208,S/:  307,ig(2); 

men  260,6/'. 

Minne  107,  27.  133,zi.  153, 

ze  einer  b.  geffleget  weiden 

bluot  xtnserea  Herren   10.  ii/". 

14.    186.  12/.   208.33/:    220, 

241,  10. 

lUl,i6/".105,is.282,i3:bluo- 

33  (0);    eliroi    von    einem 

brfltloufibmUöfl  Vermmvngs. 

Wa  tropben   unsere  herren 

fest  72,23.     96,22.     97,18/". 

258,u /". ;  begozzen  mit  bl.  29, 

brestenn».  (=  gebrest  Var.) 

102,13.  302, M. 

».S0,2J.  36,JB^.;bI.SWitBen 

Mangel:  br.in  vollunge  50. 

brütmantel,   der  aülen  241,». 

u 

852 


Woftreneicliiiiflb 


b6ch  BoMtk-,  den  b.  geffillen 

S09,  r  iZ). 
bficzeD:  ir  ndtdoift  b.  (etei- 

Ügtn  176,14. 
bfibel   J9%f/,   Biccl:el  72,  le. 

90,1*/*.  (G).  187,«.  26S,2S. 

307, » (^. 
bfibeh  a4;.:  bfihelter  wec  189, 

15. 

bflman  Bauenmann  92,  2. 
bunctili  PfinJirf^etn  309, 17  {2^. 
boodi :  daz  ld>eDdc  b.  Christus 

191, 13/1  915,  as;  b.  der  wl»- 

beit    119,19.    186,5;   drter- 

hande  b.  916,  21  f. 
bnoeem  stm.  Schoß  77 ,  33. 27 1 ,20. 
booze  «^Z*.  58,37.  63,29.   101, 

15.  311, 5 f.;  daz  criuze  slner 

b.  253, 11. 
boozwertec   (bftzwirdig)  a^;. 

derßesserung  bedürftig  333, 

10. 
bare,  ftne  torn   142,  31;  diu 

himelsehe  b.  266,  3. 
borde  206,  23.  216,  25. 
bnrgsere  (borger)  245,22/!  307, 

7H(Z). 

bflweD :  daz  abgrfinde  der  helle 
bewohnen  90, 9;  203,  22  f. 

e  8.  k. 

da  heime  adv,  14, 10 

danebsere  (dankberi)  Dankbar- 
keit 66,  32.  35.  67,  24.  241,  3. 
284,  26.  336,  25. 28.  339, 18. 

dannen  (dannan)  vani  wegfah- 
ren 76,34.  300,23/*. 

dannoht  dann  noch  6,  6/*. 

dar  onbe  169, 15. 

degenllche  adv.  mannhaft, 
tapfer  57, 10.  96, 17. 

dempfe  (temphi)  stf.  Engbrü- 
stigkeit 181,  5/*. 

dtouot  s,  diemuot. 

denen (dennenj  140,  i9{G).  308, 
21 ;  pari  gedenet  313, 34  (Z). 

derhalp  adv.  auf  dieser  Seite 
208,  28  (G). 

derren  dörren  48,  c. 

deus  296, 18. 

diemüete  (d^nrnot,  demüeti) 
Herablassung  100,  25/*.  304, 


7/1  292,  is/*.;  d.  in  lichtnom 

940, 3;  TTOW  D^moot  21,  u; 

sweater  DtenoC  21, 12 
diemfietecfaeit  (demfltekait)45, 

18.     50,  11.     51 ,  15  /*.     54, 

17/*.   66,21/*.    «7,7/*.    68,41. 

82,33/*.  139,10.  144,11.  149, 

27/*.   225, 14.    241,  7.  263, 17. 

322,5;  VTOwI>enifielkeit21, 

10;  zur  Demut  gehören  12 

Dinge  84,  34/*. 
diemüetedlcfae     (demfl&licfa) 

adv,  19,14.  54,15/1 
diemQeten  (demfltcn)  32,  38. 

225,24.  283,15/'. 
diemüetigcn   (demfltgen)  225, 

25.  245, 7.  283, 15.  338,  32. 
dienen:  Gote  d.  146,11/*;  60t 

yroellcfaen  d.  199, 14.  213,6/1 

236, 9/1 265, 24;  Got  trdcllche 

d.  199,16. 
dienest  (dienst) :  von  der  Sterke 

in  Gotes  d.  92,8/*;  Gotes 

dienst  Jd.  Messe  8, 13. 
dienosthaft  dienstbeflissen  102, 

10  (Ö). 
dienestman  (dienste  m.)  43, 10. 
diep:  unser  herre  gelidiet  sich 

eim  d.  72, 1  /*;  aller  diebe  ein 

meister  29, 21.  30,  38. 
dieme  ancitta  domini  28, 28. 82, 

37.    107,3.   225,16/1  226,26. 

302, 11. 
diet,  irdescbiu  weltliche  Leute 

158,  24. 
dilecdo  132,  7. 
dinn  «  dinne)  adv.  290,  6. 
discipline  nemen  sich  Kastei- 

ungen  auferlegen  115,26. 182, 

14.  202,  24.  245, 1.  333,  23. 
di8(e)halp  adv.  auf  dieser  Seite 

203,  28. 
disputieren  113,  5.  236,  23. 
donerstac:  der  gröze  donstag 

Gründonnerstag  198, 12. 
dormenter  (dormiter)  Schlafge- 
mach der  Ordensleute  20,  21. 

389, 21 
dorn:  üf  einen  d.  guot  fmht 

zwigen  159, 4.  316, 12  mit  d. 

gekraenet  257, 12;   die  Dor- 
nen bedeuten  den  Streit  eines 


jwt^en  MscnscMen  tu  dteser 

Wdt  52, 17. 
dout  «  doit)  adv.  207,  s;  hie 

oder  d.  169,  I6/I 
dnejen:  pari,  gedrsget  249,ak 
dresdien  (drfiedien),  das  kom 

29,«/l 
drinne,  drinn,  drin  adv.  244, 

8/1  324,15. 
drfiÄnnt  50,  s. 
dritteU  {dntul)9tn.einDrittd 

103, 9  (Gk  108, 17  (G). 
diivaltecfaeit  AI.  DreifaltigkeU 

16,  4.  64, 21.  71,2.  78.22.  124, 

12. 141,13.  234,8/1  313,20(2). 

336, 16. 
dr0awen(tr6wen)  drohen  56,16. 
drükennen  s.  trükennen. 
durduehten  verfolgen  Tl^^vt f. 
durcfag^    (durg^n)  etwas  t» 

betrachtender  Weise  dmeh- 

gehen  31,  20. 
diucbgesiht    stf.    DurtMHck 

205, 14.  22.  208,  28.  219,  32. 
durchgieien,  mit  der  gnlde 

223,28. 
durchgrfinden  vollständig  er- 
gründen 289,  3. 
dnrehlinhten  aües  erleuchten 

79,20/1 
dur(ch)linhtic  a^j»  105, 27.  801, 

20. 
dorchlfizen  gang  u»  gar  bis  in 

die  GottheU  hinnnsduiuen 

80,31. 
durchrinnen :  durdi  mnnen  mit 

bluote  257, 14. 
durcbschtnen  243, 19. 
durcbsiahen   durchboren   106, 

5.21. 
durch vam,  alle  die  weit  269,7. 
durchvliezen  mit  der  Gottheit 

138,3.   155,24.   171,15.   185, 
5;  vom  hL  Geiste  160,  8. 
durch wsejen    (wAgen)    dunh- 

wehen  160, 10. 
dürft  a^.  notdürftig  32,  38. 
dumehte  a^;.  vollkommen  252, 

26. 

dumehtie  a4j.  vollkommen  13, 

6/1   28,20/1  61,30.  110,22.25. 

226,8/1 274,26. 333,11. 338,24. 


Wortverzeicbois. 

353 

dnmehtecheit  12B,3t.  131, i. 

eigenlich  a^.  165,  s.  12.  188,14. 

dirre  weite  vam  307,14(Z): 

duraehtecliche  (dumShtklich) 

eigenBchaft  111, 1.  211, 2s. 

in  e.  komen  137,31. 

adv.  SS.  19. 

eimer:  die  e.  öf  tragen  ."103,^ 

eilende  adj.  fremd,  verbannt 

durnehtuiige  stf.  15,3. 

eJDbxreii:  gecJnbserct  Bin  163, 

34,38.  150,13/: 

dürre:   doz  vil  dürre  ertrlch 

n  ((?). 

enaec  fli^.  135,  la. 

312,31  (Z). 

eiDzecliche    (eraiklicb)    adv. 

durst;  83tt  nnd  d.  19,17. 

sonders  de»  Berten»   61,8. 

354, 1. 

13/:    73,0/.   87,34.  3B.   130, 

enanderz  artj.  «  ein  andcra) 

fi,  diu  6, 36;  anaeres  herren  6 

XI.  222,  16. 

etaas  anders  112,t;  ebenso 

239, 30/"-;  altiu  6  a(fas  rM(a- 

eine  adj.^  e.  ein  277,»;  mit 

en  klein  «  ein  klein)  197, 

mmt  W.uf.  29,  in.  45,36. 

dem   herzen  e,    «In  33,  »f. 

14;  enweng  ein  u-enig  SS,  21, 

59,  35.  97,  30,  99,  IT.  101,  IS. 

145,M.  210,1;  &  vam  180,10; 

enbinden,  von  sünden  7,3/; 

109.15.  110,».  112,»/1  119, 

e.  vinden  222,  is. 

8,34. 

IJ.   IS6,  10.   200,  12.   319,  1»; 

eine  adv.  einzig  317,  |4, 

enbizen    (enbiesen,    enbizzen) 

die  e  geben  den  a(ten  Bund 

einec  (ainig)  a^O*-   9,  *.  85,  n. 

genielltn  13,8.29. 

eintetten  200, 12. 

U2,  M.  208,  32;  einge»  kint 

eben;  -6wic324,3i;  -gewaldc, 

353,19.   303,19;   einger  BUn 

machen:  lachen  &a   zea  e. 

-wbe,  -guot  231, 18. 

253,  n;  Dat.  einer  eingosten 

334,  7. 

sJ^le    239.  13;    nibt   migia 

ende ;  iemer  mS  Sn  endes  zil 

14.54,11.  161,4    160,5.  ns, 

»itcA(j  eigene»  137. »(G). 

64,1/.;    e.  gesemen  261.  z. 

1  181,9.   193,4.  11/:    196,31. 

einecheit  (ainkuti,  der  natOre 

306,30;    an  das  e.  bringen 

316,21.316,21.337,14.  338,  S. 

16.4. 

303,13. 338,7 ;  zedm  e.  komen 

ebenhelle  »übst  ÜbercintliM- 

einerbom :     einerbomer    aon 

133,  2S.    305.  4:  ze   Bim   0. 

ntung  307,  21  {Z). 

163,  1. 

Bin  beim  Tode  eines  Men- 

eben hellen       übereiTutimmm 

einest  adv.  &1,S4.   104,8  (G). 

schen  sein  354, 13/.  i  an  stm 

306, 8. 

ISO,  2T.  213.15.  337,16.  330, 

e.  ligen  im  Sterben  liegen 

25;  einest -widrest  21,  M. 

338,  11. 

ebeiitn!lze£i>Mi&iIrf:emtnigeti- 

cingebom  250,  ib. 

eDd(e)baft  aij.  völlig  2bS,C. 

lich  e.  der  crtatöre  303,1/: 

einhotliinge    (gehellunge    O) 

endeilebe   adv.    eilig,    stAnelt            h 

ebenmensche  Nächster  54, 14. 

M 

149,  19/:    173,  1.8.     175,5. 

zwsinnIichenBegxt»gni,2t. 

engel  15,  21.  16,8.  35,  2s.  47,           H 

178.2.10.  177,3.216,19.261, 

einmüetccbeit  307,  9  (Zj. 

Ztf.    54,  33.    68,  36.  39.    85,             ■ 

8.    379,30.     385,»,    335,  IS. 

cinßugß  (ainflg)  a(U.  einäugig 

JB.    106,  lo/.    143,14/.    168.           ■ 

937,  2«. 

7.    174,10.    182,  10.  M.    183,           H 

ebne    «wfcst    Ebme,    Gleick- 

einribto.  des  herzen  Eigennnn, 

if.  192, 18.  20s,  27/*.  310,».           ^M 

mäßiglieit  187,  28. 

Eigemnllen  301,2», 

318,10/.  220,21.  n2,if.  227,          ■ 

ecce  334.  sf. 

3.  333, 0/.  239, 1.  239,9.  24T,           ■ 

edel  heire  26.23;  edel    liute 

30. 

G.    288.0.    308,2.    320,10/;          ■ 

51,  IS;  edel  sceine,  fünf  82, 

einvaltcc  a^j.  69, 2s. 

Begriffsbestimmung  TS,»/.;          ^M 

if:   edeJ  gesteine  199,». 

einviltecbeit  (ainv  altkait)  Ein- 

dem e.  sin  rebt  geben  28S,          ^M 

edelechciMedelk^t)  61,38;  cd. 

falt  137,  30  (G).  203,91.212. 

7  ;  vier  0.    103, 7 ;   sprScbe          ^M 

der  natüre  235,11;  der  bii- 

10.  324,15.21.   321,28/: 

dere.  23,21. 179,39/:; -pre-          ■ 

duDge  233,27. 

dier  178,2;    eim    ieglichen          H 

oiter  Gift  der  Schlange  3,  38. 

menseben  einen  e.  bevclhen          ^M 

262,  31. 

elbiz  lelbBi  Schmt»  265,  20. 

186,35;  als  ein  e,  etschinen           H 

egeBlich  (egschlich)  adj.fitrdit- 

electa  —  erweit  247,  4. 

303,10/.;  der  bsaee.  324.11.            H 

bar:  e.  geribt  3,  2t. 

elefant  s.  helfant 

engelisch   (engclscb}  ai^'.:   e.          ^M 

eiinte  180,  IT  (G). 

leben  113.30;  die  engclscb  en          ■ 

271,14;  ebinfere,  ebirter  (G) 

Spiegel  333,1«/.                             ■ 

271,30.32. 

dieser  We((  19,  IB.  39,  21.  40, 

enge]Bchliehai(j.  231.14. 224,  IB.          ■ 

eheren  AJiren  lesen  371,  ai. 

11.  es,  20.  72,  9.   230,  3,   259, 

engelscbtichen  adv. :  e.  leben  in           ■ 

K  (ay),  daz  283,  x. 

19.  307, 1 1  Qzxer  dem  eilende 

fleiBChlichcr  natüre  278,  3/.         ^M 

DtnUob*  Taita  dea  UttalilWii.  Z 

M 

^^ 

>4 

354 


Wortvefzeidmift. 


CDgen  inir.:  der  wee  enget 

wird  enger  187,  u. 
enhalp  «  Jenhalp)  208,  it. 
enmitten  adv.  184,  ao. 
enphaehelich    (empf eilig,  «n- 

pfeUig)  a4i.  empfMamoeri, 

angenehm  162, 2S.  298, 18. 
eophihen:  enphangen  werden 

mit  fftnden  63, 6  f. 
enpbendicfa  (enphanklldi,  am- 

phandicfa)  65, 24.  111,18(G). 
enpbindimge,  der  sinne  114, 

enphlielien  1S4,». 

entfoen  911,24.   880,4;  part, 

entöret  811,S2(Z). 
entlieizen  geloben  56, 8. 111,  u. 
entledigen  (entlidgen)  24,28. 

887, 1. 
entlShen:  eine  entl^hende  wol- 

loBt  209, 18  (0). 
entllben  mit  Dat.  verschanenj 

aueweiehen  90,  5  (G).  91,  4. 

7.  95, 1.  10.  12. 

entlinhten  erleuchten  58,  7of. 
68,15.  160,27/1  201,25;  der 
entliohtende  Got  157,  26. 

entreinen  verunreinigen,  5e- 
sudeln  84, 9. 12.  61,  28.  128, 
22  f,  187,7.  190,22.25/1  210, 
21.  299,10. 

entschaffen  ganz  ungeetaU 
machen:  entschaffen  sin  von 
dee  tödee  nÖt  313,  3. 

entslAfen  (entschlaffen)  93,15.  I8. 

entsliezen  aufschließen  68, 17. 
324, 12/1 

entspringen  inir.\  ein  bronne 
entspringet 20, 20 ;  ein  bmnne 
von  warmen  e.  nnder  mir 
307, 80. 

entstftn  verstehen  121,  lo. 

entwischen  184,  7. 

enwec  adv.  hinweg  99,  7.  186, 
18.  21.  204, 15. 

enzthen  refl,  eich  losreißen 
von,  entsagen  68,  27.  110, 24. 
231,8.  232,24.  278,9;  sich 
e.  in  sich  selber  in  sich  zu- 
rückziehen 232,  33. 

eozücken:  part  enzucket  (* 
verzacket)  entzogen  34,  8. 


cnzwiflchen  (eofdiwiadien)  93, 

epistel  Brief  des  kL  Bamhu 
241,6. 

MMsre  (erbare)  «</l  21 ,  is.  86^  s. 

M>aerlich  a4i,  807, 9  (Z). 

erbannherEec  a4i.  18, 26. 61,  u. 
104,80.  135,7.  199,80.  200,4. 

erbaimhenecfaeit  (ertiarm- 
hertzkait)  241, 7.  889, 22;  ir- 
baimiherzidiait  {Q)  269,84. 

erbe  stn,:  e.  wider  gewinnen 
146,8;  unser  r^t  erbe  807,4. 

eibenneclidi  (erbarmklich)  a^j. 
erbarmenswert  824, 16. 

eri)ermede  (erbarmd,  erbarm- 
de)  Barmherzigkeit  Gottes 
81,31.  68,21/1  88,23/1  90,9. 
185,4.  163,4.  169,9/1  178,16. 
250,20. 290,1.  314, 11.  382, 24; 
Barmherzigkeit  der  Mutter 
Gottes  57,  uf-,  Barmherzig- 
keit gegen  den  Nthenmen- 
sehen  19,5.  46,8/1  100, 21 /l 
199,23/1  263,24;  personifi- 
ziert £rbSrmde  21,i7/l 

erbibenen  129, 3. 

erbleichen  intr.  bleich  werden 

105,27.  313,5. 

erblenden:  erblendet  werden 
209,2.15;  erbl.  sin  210,4. 

erbannen  beneiden  179, 21  (G). 

erdriezen  lästig  werden  15,22. 

6re:  drte  sonderlich  e.  329, 36/1 

erecta  «  üf  gerihtet  286, 11. 

3ren :  man  sol  4  dinc  6ren  8, 5. 

erendcn  an  da^  Ende  bringen^ 
aushalten  können  25, 30. 

Srenrtche  adj.  115,  13.  153,4 
(ö). 

ergem :  einen  mit  boesem  bilde, 
Ärgernis  geben  durch  schlech- 
tes Beispiel  193, 21;  sich  e. 

11,17/1   334,36.   335,38. 

erhfthen :  din  sele  ist  erhangen 
94, 2  {G) ;  din  weit  ist  ans  e. 
214,  12;  erhangen  in  den 
götlichen  spiegel  205,29. 

erhügen  (««  behagen)  ^e({enAen, 
sich  erinnern  101,25  (G). 

erkantnasse  (erkantnast)  4, 12; 
331,4.  333,4.  12.  339,22. 


erkemien  den  Beischlaf  pfie- 

gen  49,15. 
eikeonerfn,  din  23, 2t. 
erkennnnge  (bekemumge  Q) 

Sdbsterkemmims   157,17;  e; 

onaeiBlieiTen  254,16/1;  diter- 

hant  e.  254,2b/1 
erkichonge  «:  crqnkkunge) 

282, 15  (G). 
erkiken,efklclien«erqnieken) 

neu  bdeben  Ui,m{G);  da 

tot  e.  264, 22;  part  erkiket 

282, 14.  326, 2. 
erklopfen    ersehrecken   56, 2L 
erkomen  intr,  es  komwU  mitk 

an  303, 11  {G};  reft  sith  kosten 

lassen  41,28. 
erledigen:  part,  erüdget  4,7. 

287. 10. 

erleechonge  (eritediang),  b<e- 
ser  girde  Äusloschung  255, 17. 

Srlicfa  adj.  zur  Ehre  gereidtend 
12, 14. 

erloeser  105,8  8.  loseer. 

erioesonge  222, 10.  282, 15. 

ennassen  {statt  ermeaea  7)  oder 
ist  Korrektur  ir  mSze  rich- 
tig t  288,32. 

emstlf che  (emsdilidi)  adv.  24, 
39. 

eroagen  (erögen)  zeigen  26, 19/I 

30,31.   154,26.   167,17.381tfW. 

erqnicken  s.  eriüken. 
Srsam  o^'.  18,30. 
§rsamkeit  stf.  21,9;  vrow  Er- 
samkeit  personifiziert  21, 13. 
erschlnange  stf.  Erscheinung 

202. 11. 

erschiten :  praet  erschrfi,  auf- 
schreien 10,8. 

ersehen  58, 36;  refl.  sich  in  der 
Anschauung  Gottes  verlieren 
233,17.  298,22. 

erslahen :  din  miltekeit  e.  135,3. 

erslsewet  part  lau  geworden 
269, 36. 

erspehen  80, 30. 

erspiegelen  underspiegeln  266, 
n. 

erstechen  69, 10. 

erstilten  (erstritten),  daz  himel- 
rtch  247, iz 


mF 

Wortverzeichnia, 

866 

^^^SSÜ«.i<»- 

gfibe;  g.GotesG7.33/.;  gr&e 

gebiuriBch     (gebftrsch)     aij. 

echm  37,22, 

g.  vergeben  euphahen  168, 

ervalwcn  fahl  tcerden  11,  H. 

V. 

gebtesen     (gebffisren)     böser 

264,27.  313,5. 

gKhe  a^j.  schnell,  ohne  Auf- 

machen 11,36.  193,22. 

ervielange  sif:  e.  der  gedenke 

schub    136.  2;    gsehes  adv. 

gebotsfn..  diu  zehen  l,i.  110, 

Aufdeckung  339,  S3. 

19,31.  281,16. 

in/.  200,1a/.;  g.nnBerBherren 

ervüHen:  von  (orfer  mit)  mTner 

galle  «c/.  38,  28.  61,2.1;  mit 

100,11;  diu  g.  behalten  120, 

geburt  15S,s.  l54,äB. 

g.  trenken  35,  20.  70,  2.  106, 

21.27.  165,3.  300,15;  loufen 

ervnrbcn    säubern,     reinigtn 

4.  257. 19. 

in  dem  wec  der  geböte  1S7, 

333, 2S. 

gän:    ftal   fiber   daz   velt    g. 

i»;s(m,derobrostg.  166,  u. 

erwärmen,  an  dem  bette  warm 

113,  23;    an    den    wec    des 

gebriecho  Gepräge  i,af. 

werden  182,  is. 

vibes  g.  157,  6/; 

gebrechen  terbrechen  231, 20/. 

erwelange    (erwellnng),    des 

ganc:  valgcbe  gcnge  S,  so. 

ganeist,  ganeiste  Funken  270, 

her7e  mit  der  minne  g.  487, 

'/■- 

.,  314.  10.  12. 

18/.  s.  breiten. 

erwolc  s   arzenie. 

ganzlicfae  (gaintzlicb)  adv.  IT, 

gobrestlel  Gebrechen,  Mattet 

crzQcken  (=  verancken  34,2}: 

18.20. 

14,3.22,32.  48,  28.  51,2».  61, 

der  gmoz  ist  erauckot  33, 

garte:   ein  bealoizener  g.  46, 

in/.  62,13.  66,18.  107,4.143. 

3B. 

3i.il.if212.hf.  273,19  (ff). 

4.  154,17.205,28.24641.291, 

esdod  oheell,  16;  e.B&laame 

29S,!i;  g.  der  wolluat  158, 

19/. 

15,21. 

12.  269,  ». 

gebreeten  10,  s.  26,  is.  52.  ^f. 

esae  stf.  Em«,   Frwrherd  93, 

garteniere  92,1/1 

58.  29.  193, 17.  8.  brcBten. 

13. 

gast  19,1/, 

gcbüezen  ersetzen  67, 13. 

etschlich   «  Rteelich)   irgend- 

gastbCs 19,3.  40,9. 

gebündelln :  dai  mirien  g.  287. 

einer  174,  6. 

gaetmeibter  im  Kloster  339, 23. 

17. 

ewangEli,    ewaDgelinm    8.  ii. 

gastunge  in  der  Beichte  sieh 

22,3/;    28,16.    49,1,    51,3J. 

nicht  anklagen  dnrcb  g.,  um 

20.  25.  246,  29.  10  (G), 

52,2«.   53,22.   54,13.  67,18/'. 

gich  damit  tu  rUkmen  135, 

gebnrt,  unsereB  herren  67,38. 

ßO,Si.     e2,32.     70,36.    12,22. 

11. 

296,13;  g. unsere herren  vier- 

82,  II  f.    S5,  22.    96,  2B.    9S,  B. 

geahten  182,23. 

valtic  71,12;  von  vier  bände 

110,18.   110,31.    113,1.    117, 

gearcwftnen  194, 11. 

g.  62, 29/; 

31.    136,12.    148,».    151.10. 

gebterde    ÖufJerea    Benehmen 

geburtlieh    a^.i    der   g.    tac 

163,13/'.  184,13.167,26.  172, 

32,10/-.  154,8.    179.1/.  316, 

onser  vrowcn  328.  r 

M,    183,iT.    193,22.    200,21. 

8.  334,  4. 

gedanc:  pl.geAi'Dke  59, 20.  60, 

337,  23.  238,  u.  259,  b.  267, 

gebftren    refl.   »ich   gebärden 

M/.    89,  13.    148.  18;   reine 

li.    283,  6.    284,  22.     300,  ij. 

126,  19.   264, 6.    280,  1.    330. 

u.    aöeze  g.  59.  22.  60,  3lf. 

304,10.   330,15.   336,12.  337, 

18.  333.  7.  334.  2B. 

100,4.23;  drier  bände g.  17,4. 

u. 

gebeine  stn.  258,  in. 

204,  ef 

ewart  «tm.  altttst.  Büfer  des 

gebende  stn.  29.  is. 

gedenken:  nich  Gote  g.  208, 

GesedM  97,31.  98,2.  237, is. 

geber:  ein  richüger  g.  22,9/; 

25/'.;  12  ding  BOnt  wir  ge- 

Pwecheit Ewigkeil  Gottes  64, 

ein  g.  aller  gnSde  201,20. 

denken  336,16/; 

22/.   133,20.  235,21.  290,17. 

gebet  121.  u;  andahtic  g.  44. 

gedrSte  adv.  acknellteiligQ9,ii. 

304,18/; 

29.31;  heimlich  g.  118,7.138, 

gedült,  GoteB  291.23/. 

eweclich  (ewklieh)   1,*.   57, 

17.  170,15:   geiBchlich  g.  274, 

gednitecheit  69,30. 100.2J  102, 

28UStc. 

e;  lütera   a-  reinez  g.  315, 

10.137,1(1/.(G).280,23/.241, 

Swirdecheit     (G)    Ehrfurcht 

18/.;  lang  g.  nnaere  henen 

7;per8tmi;¥ri«'(vTowGedult- 

147,25.    150,19. 

253.23/;;    von  dea  gebetes 

keit  70.10/. 

ewen  stn.   IB.1,ib;   ze  einem 

natz21,i/'.;  g.  an  dem  tdde 

grözen     e.    Gotes    177,   li; 

ist  nütze  durch  zwo  aache 

252.  26. 

iweiger  band  e.  178,  ii/. 

254.5;  andaz  g.  gäu  295,20. 

ge^rt  adj. :  diu  g.  Maria  31 1, 1. 

ezzicli  Essig  35,  ao.  70,2.  325, 

gebeten  (gebetten),  mit  dem 

ge6rtrlche  aifj.:  diu  g.  Maria 

mnnde  22,  ib.  n.  ». 

302, 1  IG). 

23* 

i 

J^^ 

Woitveraeichnifi. 

^^1 

gogeovArtigogeovÜTtiiOegen- 

geil  adj.  279,  2B.  333.  25. 

geligen   intr.   aufhSrei^S^ 

wart  Sl,  19, 

geirron  (geierren)  60,  2b, 

legen  312,  23  <2l. 

gegonwErtec  (gogewflrtic)  17, 

geisel  Btf.  29,  27/-. 

gelihsencn  heucheln  S74,  k  (Gw 

«.  m,  M. 

geiat.  der  hl.  12,  t.  38.  S9.  65. 

geirhaener    Glei/hur   31,  nf. 

KegenwDrtecbQiC  (gegen würt- 

M.  35.  88,  IS.  70,87/;  75,1.8. 

gellmen,  sich  129,  25. 

kait)  IT.  1«. 

80,  15/'.    81,  33.  36.    los,  aa. 

gelit:  pl.  geiid  u.  getider  HS, 

gegeren  -  geren    15S,  lo  (G). 

106,  J.  108,7.  116,1.11.  137, 

9.   162,13.  243.26,  339.B;g. 

gegihti!  sftt.  Gicht,  all^emäm 

Tb.     140.12.     142,2.     147.3. 

dercristenheit  175,i7.Jt6,2i. 

Weh  81,10.14. 

167,3.8.158,16.  160,9/.  202, 

g(e)loube  (glöbe)  Glaubtn  $3, 

gehSbede  (-  habe  Far.)  110. 

81>.    212,18-    217,  B.    234,10. 

B/.  202,3. 229, 14.  235,«/.  MS. 

■1-.  (0). 

271,10.  275,22.  2S2,l*.  297, 

19/.  259,22.  261.  s/. 

-gebahea:  gehabeni  iuch  woll 

t«.  302,0.  323,3/.  335,s.  339, 

geloubeca(tf.9,».  I«,s.  541. 

49,t6;gebBbdichwoll  281, 

18;  istinderseieindrlwise 

11. 

M;  Mcb  Übel  g.  2S1.2S, 

58,  1/.;   g,    GotcB  —  des 

gelt  EnaU:  grörei  g.  achoMie 

geb&lten    behalten,    faOialtm 

tiuvelB  172,a*/.;  ein  vrlerg. 

Bin  108.4/. 

33,14/-.  51,ai.  101,6.  112,33. 

205.is/.;diebcEaengeiBte(r) 

3I3,»/'. 

251,8/.  278,2g/.  335,4. 

11,1a.  60,  26.  168.16.310,14; 

gehoftoni  sin  herze  g.  189,3a; 

daE  übel  mit  guotem  g.  161, 

sich  g.  an  Got  210,  i/-. 

gmlich,  gaiscblig)  11, s.  14, 

G.  i  gegen  tOsenden  niht  äni 

6.JS.  32,15/.  109,13.   110,9; 

zeg.hftn206,iB/.(«9l.l97,u), 

Ȇmnwn  21,13.  76,6.  117,io. 

g.  leben  12, 13, 33.  18, 29.  26, 

gelÜb<eldol58,s.6(G).  295,  a 

■         10. 

8/.  207,  n/.;  gelichet  sich 

■  gehellutige   gtf.    Zustimmung 

dem   berge   25,0/.;   daz  g. 

{ßh 

■       ({M   Willens  zur  »innlichm 

clöBter  iBt  als  ein  boumgarte 

gelücke:  entsläfenentz wischen 

r       Jttc^injf  lU.MtG). 

25, 11. 

zwein  gelücken  93. 16/. 

gehen  «  jehen)  snjen  53,  w. 

geiatirchen  adp-:  g.  leljen  mit 

gelust  stf.:  g.  an  Got  Frtude 

gebotiet  (gebertzt)  o*".  mutig 

den  liuHjn  54, 10/. 

an  Gott  132,11  f.;  mit  g.  an- 

91, 16. 

geklaffen  333.26. 

sehen  257.  11;  —  atm.  bS$e 

gebrerde  GeÄöT  222,  20. 

(ge)koufea,  bimeirich  HS,  11. 

Begierde  144,»/. 

gel  fl^*.  gelb  22,  ao.  243. 11. 

g(e)luatec  a/^'-  l*».  "■  209.  i*- 

gend  des  Gehorsams  im  Klo- 

218,  1». 

SOI.  16  (G). 

gelostelicb  a^.  316,6/. 

z>.m.3».ioo,2t.  itu,ie.  111, 

gelSzen  igelaaaen)  tr.frei  lassen 

geluatellche    u.    geiuBiedldie 

xf.  in.\f.m,if.ui,iif. 

SO,  12/.;  g.  an  Got  -  ge- 

(gelusUich)  adv.  199,17. 239,1. 

211,2».  335,«  jJKamrinFw- 

lonben  an  Got  (ß)   195,  3. 

6iW  dea  G.22ti,»f.;  Chris- 

geleiaten,  die  niinne  166,3.  «. 

guetnlichkeit  13,2«.   201,», 

tu»  ein  Vorbild  de»  G.  251, 

leisten. 

29;  g.  des   llbes  119,  io.m. 

18/-.  30i,T/-.;  g.  loben  (ge- 

gelicbe Gleichnis  233, 11.  242, 

294,22;  mit g. leben  143,6. 

loben)  fil,  fl.  2B3,  11. 

27;  eiii  g.  geben  291,  u;  stcA 

gemahcl  Bräutigam  u.  Braut 

ein  g.  machen  305,7;  Oleick- 

der  Sete  45, 7.  60, 19.  64,  t. 

74,19.21.  SO.«.  171,%.  18S, 

heit  321,  as;  diu  gliche  der 

225,  IT.  267,  27.  171,  9. 

H.  233,  if.  234, 10/-.  241,  nf. 

bildung  des  tiuvela  203,  33. 

geraabelschaft  2T3,ii/*. 

262,  aa.   274,1.   336,  ib.   3SÖ, 

gemxlde;  daz  g.  in  der  kirchoi 

i»/-.;  von  aller  g.  von  aller 

g.  geben   Gleichnis   185,  lO 

243,  14/, 

Kraft  der  SeU    167,36;  g. 

(G). 

gemälcn  malen  240,  is. 

unser«   herren  matter    101, 

gelichnua    (giejUchnuet)     stf. 

gemochedo   (gcmichde)   Ehe- 

x(. 102.2;  g.  u.  h.  tßdes  258, 

Vorbild  340,17/.;  in   einer 

gatte  211,  xj.  318,8/-. 

i^f.;  in  der  g.   tragen  247, 

yrowen  g.  279,  .3. 

gcmechllch  adv.:  g.  ze  himd- 

1 :  ze  einer  g.  enpbühen  198, 

ricbe  komen  202,  28. 

»;sicb laden  mit dorg. einer 

liehkeit  H3.  nf. 

gemeinde  stf.  die  Gesamtheit 

kiankeit  335,  9;  in   der  g. 

gelieben  intr.  angenehm  »ein 

133,11.  270,». 

Uotee  Bin  147,»  (G).  149,7. 

137,  4. 

%. 

857 

Mf.  270,1.  211,  s^.   328,1/"; 

gerünen    (grünen)    tufiUstem 

gespenate,  der  weit  TmgbOd 

din    8DDne  ist   g.    IT,  ai  f. 

SO,  IS. 

der   Welt  140,  u. 

103,1«.  104,  28/-.;  der  mfin 

gening(e)  si/:  17,38,  J8.  42,«. 

geapneche  01^.:   wol  gespne- 

ist  g.  108,  M/-.  1U7,  M/; 

28.    IS2,  ^(Ö). 

Che  beredt  256, 'JS  (Ol. 

gemeiaosf/-.  271,7. 

geruochen  66,  17.  271,8. 

geetecken:  diu  ougeu  g.  die 

Kemeinlicb  a<0'.  33U,  -a  (G). 

geruowcn  34, 13. 

Äugen  fest  auftticas  richte» 

gemeinliche  adv.  107, 21;  sich 

geaamnen:  Bin  minne  an  Got 

99,*/; 

g.  halten  16S,  IS. 

g.  IM. 

gesteine.  edel  59. 9. 

gemeinsamen  66,  i.ss/'.  S6,3. 

geschaden  58,38. 

geatUlen  212,12^. 

gemeinschaft:  g.  begäa    1B2, 

gesebal  iärt«  73,  n. 

geetime,  daz  lOS,  u. 

10.  33. 

geacheffede  (geachift,  geache- 

gestüele:  g.  dea  obroaten  Go- 

gen (<  gegen)  65,  le. 

pfede)    Geschäft,  Werk  54, 

tea  75,  js;  ein  g.  der  wls- 

g(e)n4de:  von  unaeiB  herren 

35. 3S.  147,2».  27S,ls;Sesc;iüp^ 

heit  129,9. 

gnaden  66,  i/'.;   göÜJche  g. 

58,7.204,1.209,6.11.210,17. 

gesttgen  310,  n. 

223,  ef.  M.  öfler». 

232,11. 243, 1.26/-.289, 4. 294, 

geswecben   w.  geswecbren 

genKdeclielie(gniedklieb|aiit)..' 

3S;  pl.  gesehBfte  152,*. 

schwach  maekeii  231, 32.  255, 

g.  beiten  170, 11  m.  öfter». 

gescheidea  6, 30.  70,*.»;  part. 

Hl 

genahen  85,  s. 

a4}.  121,  M.  140,11.  Ib/:  208, 

gcneigen  59,  ai ;  eich  g.  76,  lo. 

21. 

machen  325.  tu  f. 

13.  209,  IB.  2J;  mit  geneigtem 

gesehen :  gesach  mich  Got  1 27, 

ges wichen  entiocichai,  Bchwin- 

boubeto  2&l,n;^. 

B/.;  ja  zware,  gö  uns  Got 

dm  258,19.28  [Gl. 

genemou  ntnnen  226, 20. 

gesach  294,  ib. 

getftn  a<l].:  alaß  gei&niu  beili- 

genem  264,  u. 

geselle  26,ii,  61,2.  b.  tS.iif. 

kat  224,23. 

genesen  6,33/*.    5I,13.  325,w. 

69,32.   70,9.  211,32;  kneht 

getät  diu  l'un.  Tat  192,7. 

und  geselle  91, 17.  162, 19. 

getragen  258,  io/; 

149,  29. 

getreten,  tF  den  wec  de»  Weg 

gonieten  mit  Gm.  124,  ae. 

derliebe  137,20.212, 11;  Bicb 

betreten.  155,13. 

gte)DÖte;  als«  gnöte  198,  iBf. 

vrüuwen  der  geaelleschefte 

getOratcc  adj.  kühn,  mutig  278, 

(O). 

307,8  (Z);  zc  ireselleachefte 

21.  335,  *o. 

genüegen  stn.  13, 1. 

komen    307,33    (Zj.    lal,7; 

geiüratedlche  adv.  276, 11. 

geuubt  stf.  Fülle,  Genüge  i I,i. 

mit      geselHchoften      vam 

gevallen:  an  Got  g.  Gutlgleidt- 

5S,  si/:  290,1.  291,  IB/; 

308, 1. 

kommen  169,3!,. 

gonuoc,    gnno    adv.:    g.    be- 

geeetzen  niedersetzen  87,  la. 

gevalwen  fahl  toerdtn  160,  t. 

BcbeideDl3,22:g.guutl4,t; 

gesigen;    an    dem    tiavel    g. 

gevAren:  unaer  horro  geväret 

g.  tiuro  flu,  1. 

15,1. 

nlemer  des  meascbcn  Übel 

genuogen  11, 21.  249,ao(G). 

gesiht,  dea  fridee  208,  le. 

er  uill  nicht  des  Menachen 

geuze<gentzi)«t/'.  VoÜitändt^ 

geaihtic  a4i.  sichtbar    131,1. 

Utigtück  24,  lu;  ez  gevuor 

krit  83,  V.  129,  M. 

2b.    187,5.    313,1»  {Z). 

es  ereignete  sich  144,1,  öfters. 

gereebenen  (<  reckin  (?)  dar- 

gesinde  115, 21.  244, 10.  247,*/; 

gevaaten  64,  a, 

kjen,^antau««prechen  140,3. 

himelschez  g.  62,  21.  U5, 16. 

gevederen  Federn  bekommeti 

30'i,  3. 

182,11. 

204,  II». 

gesitien  :  über  den  bninnen  g. 

gevelachen  I13,7. 

sich  niederseteen  310, 2e(Z|. 

gevider  263,  *. 

99,13. 

gcaliefen   (geschlieffen  <go- 

gerihte:  g.  Golefl  2Ü6,  a/".;  g. 

gevremedon   (gerrflmden)  06- 

imaers  herren  336,  a». 

300,1/, 

wendig  machen  258,  ^ 

gerihten     refi.     sich    unrecht 

gesmac  91,  is;  g,  der  lügende 

gevflere  stn-  Nutsen:  ains  lie- 

finden 2Ul,26/'. 

25S,  19 f;  g.  von  dem  töde 

ben  kindes  gevüerea  gerea 

gerihtic    adj.  recht,   gevandt: 

Gotea  258,17/: 

239, 22/. 

ein  g.  Zungen  bän  ISl,!./: 

geamocken  raii  Goi.  13. 10  so; 

gevügel  stn.:  g.  daz  in  dem 

gerüemen  B2,  7. 

unsere  hmen  g.  236,  b. 

himel  vliuget  177, 10.  178,6. 

gei-üeren  124,9. 

gesorgoD  64,9. 

gevuoclicheadi'.:g.vam2l-M- 

358 

Wortvotzeichnis. 

4 

gevürdcr(re)n    fordern    15,«. 

ruowent    drier    haut    liute 

gnate  ».  genSte. 

831,  lt. 

62, 2f. 

gnuo  s,  genuoc 

govürbleii  64,6. 

geziehen:    eich   in    gdschUch 

golt,  von  Arabia   93.14.  M. 

gewtüfeD  stii.    Waffmriittung 

leben  g.  »ich  begebe»  92,22. 

i/.;g.  latdenschiD  von  im 

142,10;  plur.    gewEefeo  u. 

gczierde  Sehmwk    der  Seele. 

110,2/. 

gewieffen  ^*.t^.  94,». 

der  Tugend  28,  b.  46,  a.  48, 

Got:  der  brinnende,   erlioh- 

gewnleiit  ai^'.  i  nto/fnell  4 1 ,  18 . 

26/-;  g.  der  weit  49, 22.  140. 

tende,  kroftige  \i6,tf.:wu 

gewalt  i.  11.   166,  18;   Güte» 

u.  280,10;  zeg.  geben  106, 

G.  Bl  274.4;  yremderO.  1, 

gewalt(wi8heit,güete)n,i4. 

12;  ein  bilde  der  g.  Gotlet 

B)  pl.  die  gAtte  49,  u.  97, 

u.  18,20/".  2Z,rr.m,sf.l3i, 

Sohn  71,10. 

8.12.  921,  1&. 

tf:  öottM,  de»  roto-B  142, 1. 

gCEElucWni.  2,3&;  dergetrinwe 

gotMhfla  237.  u;    in    dem  g. 

152,  if.  203,  if.  204. 3J/.  206, 

g.  hat  driu  dinc  322,13/. 

sach  man  dnu  dinc  337,  xif. 

24/-.    230,19/:    231,»/:   235. 

geziugnust  stf.  Zeugnis  3,7. 

gotheit  70,  30/:  106,  20;  diu  |. 

31.  255,  n.  274. 1,  28S,  M.  234, 

gfaagen  pari,  adj.:  wol  gezo- 

ChrisH 105,22.  165,  24.  198. 

la/-.  3U4,  IS/'.  336,1«/: 

gen  (iraogin  Gl   17,16.  118, 

22/.  239,17.   295,  0.  3Hl/- 

gewaltic    5,13.   338,16/:;    mil 

^r 

308, 16 ;  brüst  alner  (CkritHi 

Gen.    29,23.    33.  m.    75,26. 

gezncket    ain    vcniifkt    «ein 

g.  310, 16. 

113,13.  141,  B.  266,  IS. 

128,». 

gotllche  stf.  Gottheit    103,  n 

gowandeln  ändern :  Bin  leben  g. 

glgen  geig-en  307,  lo  (Zh 

Iß). 

277,11.  278,m;   oicb  g.  217, 

pmme  slf.  Edelstein  91,  m. 

goucb  lgoch)3or  30.6.  «.152, 

K.  3U/-. 

ginen   dag  Maul  aufsperren 

11. 

gewant  des  prieetere  S.  28/. 

279,0.  312,  37  (A 

gr§dal     Graduale-MePgeaang 

gcwantuioiBtor  im  Klonter  339, 

girde  22,  is.  41,  aa.  42,2*.  55, 

9,17. 

IB. 

3T/.  335,18/:;  g.  weltJicher 

grat:  üf  Btigen  an  die  gtwte 

^^^            gewtero     ai^'.    u-ahrhaft    6,  z. 

riebcit  203,  n/-;  iwß  g.  in 

233,1;  dri  g.  234.1. 

^^ 

dersfle  117,s/:;  neiscblicb 

gräve  im  Sprichwort -.den  kd- 

^H         gewferllcbfe)  odc.  in  Wahrheit 

g-UD,«/.;  bcene  g.  116.  zu. 

^H            62,31.  313,17  (Z). 

giric  (gerik  G)  adj.  141,  17. 

dennc  ein  grlve  43,10. 

^H         gewenken  infr.  145,  s.  152,  it. 

grilz  —  6t»tc  girde  139,  is;  gr. 

^H 

23.  171,  2S(G).  199,18. 

^^H          gcwerben   encerben:   lügende 

gltcco^j.s«;»^  ieo,sa.24S,iB. 

griez  Sand  des  Meret  iat.1. 

■       i. 

gltekett  241,3.  24S,  o.  ii. 

^^H         geworfen:    eta  herze   in    die 

glänz  a<^-.:  glanzer  apiegel  T8, 

grisgen  «.  widergrifigeo. 

^M           weltg.  118,4/: 

^f- 

grisgramen  mit   den  Zdlmai 

^H         gewlbea^   bi    einer  gewibtcn 

glänz,  bimelschcr  vino  beati- 

knirschen.von  den  Verdamm- 

H            nnnncnligeiiT,2.. 

fica  220,  27,  269,  lo. 

ten  gebraucht  72,  is. 

^^H          gewindet)^  sieb  In  eineB  nrtne 

glas.  Eigetigchaften  dessetben 

groeze,  Gotes  290, io/.  u.öften. 

^M 

in  Eeispiehn  verwendet  229, 

grözecllche  adv.  63,  »2. 

^H         gewishoit  62, 2u. 

Xf.  243,9/:  301,,/. 

grüzlic-be   adv.    18,  t.    170,  u 

^H          gewiter  Ign-ittcn  «tn.  327,23. 

glenzen:  eogegcn  enander  gl. 

«.  öfters. 

^^H          gewitren  mi'dfrrfi  184, 7. 

233, 14. 

grOono  163,  la.  164,  s. 

^^H         gewonbcit:     lange     g     244, 

glich-  ».  gelich-. 

grüenen  (grllnenl  grünen  48, 

^M       ^ 

glogge;  plgloggan  339,  ib. 

11.  276,  24  iG). 

^H        gcwarken  mi^  Äkk..  üben  !Ü, 

gloria  in  excolsiB  9, 7. 

giüezen;   Ave  gr.   mit  Ave 

^^H 

glöse^kwa  16,«.  156,  ib.  216, 

Maria  154,2*10). 

^^H        gewünen:  der  gewürzde  vId 

26.  221,0.  222.16. 

grünen  «.  gorflnon. 

^^H            395,3.  30!l,  )i  <Z). 

glOscn  deuten,  auslegen  \n,  lt. 

grantveste  261,21. 

^H       gexolt   56,34.    57,1/-.    237,  n. 

178, 37. 

gniobe  graben  11,  u. 

^^1           316,1;   gSUicb   g.   123,1«/; 

glÖBieren,  die  rede  1!6,  i. 

^^^V          wandlongein  dem  g.l  19,7/; 

glüejen  (glüogen)  132,«. 

phän  127.15. 

^^^B           g.  üf  Blähen  von  drin  sei- 

gnade  t.  genäde. 

^^H           Jen  33,»:  in  den  gezellcn 

gneiBt  s,  ganelBt. 

P 

Wortveraeichnia. 

359 

^enlicbe  svbtL  Serrtidikett 

beide  stf.  ebenes  Land,  Heide 

heimliche  adv.  ISO,».  183.  b. 

33,  J8.  90,  11.  309,  32  (Z). 

69,1. 

184,  B.   170,3. 

güete,  Gotea  63,  ai.   6«.b.  »/. 

beiden  »(»,.  6.Mb.  94,23.  255, 

heimltcbe  (heinlich)  stf.  ver- 

67.30.   92,1.    131,27/-.   152. 

is;  die  wisen  b.  203,2.  231, 

traulicher  nmgang2n,s(6). 

6f.  ITO.  u.   178,  16.  185,5/-. 

n,  232,  s;  ein  wUer  h.  224, 

225,2».  273,2;  mit  Gott  15, 

203.  10.  205,  3.  M/-.  206,  af. 

G;   ein    h    sprichot  284,  n; 

232,10/:    289,G.    311,8;  ein 

man  üset  Ton  eimh.  241,14. 

h.  204,21;  in  die  jüngsten 

güete  aller  (füote  2ü9,m;  g. 

beiden»cbndj,Arirf»ii-»cA319,20. 

b.  komen  205, 10. 

tcinl  ttigeachrieben  dem  hl. 

heii:  der  wunden  h.  159,7/:; 

bfümitcbeitlhaimlichkait,  haiu- 

GeaU  234,  ii/:  336,  n. 

ze  b.  koraen  179,  a;. 

iichkait)  17,6.  18,13. 

guldln  a4j.:  g.  seil  i2.if. 

heilige  «wm.:  pl.  die  heiigen 

heimlichen  (hainlichen]  swn.  73, 

gumpänye  b.  kumpänle. 

dU  HeUigen    1«,  lo.  28.   28, 

11;    Bich   Got  h.    8.25;   ze 

guot:  daz  obrost  g.  summum 

M.    43,  33  f    85,38.    108,  IS. 

einem  h.  330, 7. 

bonam.  Gott  23,  3S.  124,  la. 

239,12.  248,1S/.328,32.S37, 

beimuote    (bainmüt)    Heimat 

125,  u.   131,30.   145,  *. '152, 

3.  340,2;  aller  heiligen  tac 

87,31.88,17,  261,26.  807.1/: 

B.  153,  18.  157,  11/:  188,  lüf. 

825, 4. 

189,34.  209,0.  274,4/'.  302, 

Beiligen:  ein  heilig(e)  epri- 

heinvart,  diu  307,i3(Zi. 

».  310.9.  327,  3i/-. 

cbet  21,1.  22,  le.  29.  B.   83, 

beiaere  (haiari)  h&u  an  Heiser- 

gnot sbgt.  aiij-:  ze  guoCe  toon 

18/:  82,31.88,  33.  87,11.  108, 

keit  leiden  181,4/. 

145, 2S.  208, 13;  durehg.be- 

12.114,15.133,8   14S,i/-.176, 

heiter  a4}.:  der  wec  aal  atn 

echcben   21T,  13.  ii;  fnr  g. 

16.225,3.244.18.285,4.289, 

h.  187,5. 

hin  232,28/-. 

8.  291,8.  323,  i&.  324,12;  man 

helbhng  sftn.  3fÄnr»(ik*  - '/.  * 

gaott&t:  pl.  gfittffltB  M.  gflbet 

list  von  eim  beugen  280, 12; 

I,8A.    51,37. 

147,14.  33fi,  M.28. 

die  heiigen  aprechent  106, 

helfant=  unser  herre  SS.sc/". 

gfirtel  da  Bocka  45,  34/-.;  mit 

\if.     113,6.    108,  22.    162,21. 

helfenbeinin  a^. :  elfenbeinern 

zwein  gürtlen  begürtec  sin 

232,17. 

123,  W. 

i6,2f.icingulum  d.  PrUaters 

heiligen :  den  tac  der  niowe  h. 

helle  Hölle  16,35.  83,4.    104, 

8,32. 

denSonjitag  A.  2,  i ;  gebeilget 

13.    137,5.    207,12.    235,  13. 

werden  in  ir  rauoter  libe  von 

290,5.   292,3.   300,6;    vam 

Maria  148,  ».  223,  27. 

in  die  h.  15,33.  69,a;ze  h. 

llaften:  an  unflerm  herren  b. 

beilliikoit  (baikait)   8.1   17, 1. 

vftrn    2U,  i;  gedenken  an 

in  Boba  wlae  325,2/. 

17,3.  41,23.225,8;  h.  Ootes 

die  h.  129,1/.;  vorhte  der 

hattunge  da»  Saften  der  Seele 

—  himelrich  98,  12:  von  des 

b.  261,6;  nOtinderh.  264, 

an  Gott  31,32.  324,31/: 

2D.   265,5/.   337.  17;   bflwen 

hfflle   a^.   schlüpfrig   332,12. 

in    der    heilikeil    heiligen 

daa  abgründe  der  h.  90,»; 

halEUDge,  der  minne  das  Um- 

lebens 14S,  13. 

Vorhölle  249,  <.  297,3. 

fangen,  UnihaUen,  81,  t,. 

bäme  tragen »tac/i  Haustrageu 

bellen:  hellendcz  lob  59,  ib. 

ha]ten:Got  halte  inchl  80,  m; 

6,6. 

heUerlcbe  stn.  184,  4.    290, 1 

Gothaltdichl  127,14.223,7. 

(G>, 

bandeln  bdiaiulein  29, 32. 

Braut  307,  20  (Z). 

bellBBch   adJ.:    die    belachen 

bant:  die  bende  OC  diu  siecben 

heim    leiten  die  Braut  nach 

tiuvel  68,37;  hellcschei  grünt 

legen  US.ib/.;  die  b.  rei- 

Hause fahren  SS,  -j».  807,  %. 

SS,  13;    daz    bellescfae    rieh 

nen   =    iuwcriu   wereh   r. 

heimlich,  heinlicb  adj.  verbor- 

büwen 203,  2a/. 

201,11/-. 

gen  17,16;    b.  gebet  118,7. 

hellewann  Teufel  326,  21. 

hantvane  Manipel  des  Priesters 

170,111;  Laln  c.  Dat.  95,19 

henken :  mit  wundmng  in  den 

9,i 

vertragt  sein  tnit  jemandem. 

Spiegel     der     wisheit    ge- 

harpte  8«/.  Harfe  171,  ii.  287, 

hingegd>en  sdn :  an  Gott  28, 

henkot  werden  205, 14. 25. 

19.  294,  le. 

3.  33,8.   37,  &.  13,4.  145,20. 

her  adv,:  b.  wellen  45, 12. 

hecken:  gehecket  werden  von 

210,6/-.;  an  die  Welt  betw. 

her,   himelachez  62,  26,  64,  i«. 

einer  Schlange  gebiesen  wer- 

an einen  Menschen   128,23. 

26.    102,  ifl,    140,  5,    182,  27. 

den  76,  3».  77,  S.  7. 

26/:i72,2S/.(G).  194,7,  195, 

183,11.  206,28.  218,».  220, 

hecM  (heaa)  Hexe  4, 38. 

le/: 

ao.  246, «.  309,  10  (Z). 

^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^1 

360 

^^^ 

herbergle)19,is.Sa,29:b.Terea- 

binneD  ibinnan)  con  Amuni  H. 

3«,  11/.  266,  B.  192.  S.  M^^ 

gea  24,37;  ze  b,  komen  199, 

iJ.  9I.161G).  307,6.  33T,M. 

7/:3M.t«.3<n,j/.  318.14 

121  Eeh.gev5eren30S,it;TOii 

binworf:  ein  b.  der  linte  mo 

325. 1- 

dar  h.  vertribeo  323,  h;  h. 

AwKvrf  der  Leute  325,  »t. 

hovfn^t  ibotnbv  adj.  tmM» 

gewinnen  aSK,  s. 

hirte^uw   51,1.16/-.;  dieflb^ 

^ 

htTB  ȟbst.  Erhabenhrit:   diu 

fm  ron  £f  tk&«iH  9,  iOl 

bfibescfa:  bfibechcjoBcTnrt^H 

vil  h.  dlner  sfiezckcit  IS4,12. 

hirwe)  «rm-tBrwJ»?»«..')  fitrwA 

9 

hCrechaft  stf.  B.  da  Himmtlt 

70. 19.  236,  1.  «.  2ST.  1».  2M. 

bndd:  pL  bndllsB  SSS,  ■  (4^ 

lai.i;  Gottes  IGS,7. 

17.  35T,». 

heracher,    ein  rehter  SS,  i.  ii. 

hitze:  h.  derninne  66.10.  67, 

Lvwtpen. 

hertecheit  BaHhertigkrit  2M. 

h;  h.  der  biMen  weit  48. 

9  f.  823,3). 

7/.    56,34.    71.  as;  b.   der 

b.  39.1».  48,»/:  ISO,  11 14. 

herlecllche  (hertteklich)    adv. 

srnmoi  TS,»/: 

193, 13  (Gl;  sinn  e^Ie  h.  IM, 

hart,  streng  384,1.4. 

hiteedlebe  adv.  67,  IB.  139,  u/: 

14;  iraeJbesb.  232.38;üiiei 

herze:  dai  reine  bereite  h.JOl, 

bin  (<;  hiDte)  adv.  20. 11. 

tagende  h.  263,  s. 

n;  bol  h.  32l,M;  ein  öf  ge- 

hiateadp.:  bint  die  tagee  292, 

fangen   denkai:    daz  gemüete 

rilitci  h.  230, tf.;  Bin  b.  an 

si.  334.»;  hinünt  38,54.  SO, 

innoz  dann  b.  145,  »  tG). 

dem  gemwlde  vinden  248, 

ui  biQtint  diz  Uges  303, 1. 

hnlde,  Gotee63,2(i/:;  in  Goua 

n.  249,2. 

höcbvmihobfart,  bdfTan)  t09. 

bnlden  stn  141.».  300,  u/.; 

herzCelblnot  31,  b.  108,  xf. 

H.    110,5.    119,».    U4,  10. 

b.  bieten  105,2;  h.  veiüesea 

heraelicpadj.303,IJ.304,j|(ff). 

245,  G/:  325,  in.  831,». 

119,14.33;  ze  h.  komen  lOi, 

beiBe  *.  bewe. 

böebrertec    (höffertig,    hoh- 

9.  107,11.                               ^^ 

bimel  (hyWl):  h.  -  gehü. 

vertjg)  22,  ä6.  45,».  114,8. 

bnndemaltic  113,1.            ^M 

liuto  37,b;  le  b.  vim  183, 

bOcbzit  (bohzit)  hohes  Fest  49, 

hunger:  Bterben  von  bnm^H 

n;  in  drtb.göuckct  werden 

».  237,17-,  EoehieU  99,»^. 

not  I9S,  IB.                      ^1 

m.,f. 

Hb,  21/-. 

hnngem,  nach  Got  136,aiH3q^ 

himelbrflt  239,  inf. 

hof:   ein    bot   Bprccben    ritte 

hnonltn  (banlin)  stn.  283,  «. 

hlmellant  2es,  3. 

fettl.     Vrrsommluvg    anbe- 

hnote:  in  der  b.  dea  bl.  geittes 

^^         himelporte  34fl.  b. 

raumen  45,  b;  ze  h.  vüeren 

Bin  147. 2;  8icb   in  h.  hlo 

12s,  m;    ze  h.  vani  124,  i; 

332,18/.;  fixer  der h.l&nlSE, 

^M            b,  64,  IS ;  fn  b.  rint  drin  dinc : 

ze  h.  Itomen  136,36.  179.». 

3t;   dz  derb,  komen  223,1]. 

^H           Htcberiieit,  fride,  rnheii311. 

bofrobt  R.  baverobt 

bnoter,  dci  47,  n. 

^^m            34  f. ;   driu  dinc  die  wir  an 

hceho   stf.:    gcistl.    leben   ist 

büa:  ^  nnaer  herze  74,10/. 

glich    der    h,    208.34/.;   h. 

84,  lu/.;    ein  b.  Gotes  2M, 

■ 

Gottes   235,  21;  h.   an   der 

K;  an  dem  b.   sint  4  dinc 

^B         bimelsob,  himclBchlich  16,  tof. 

magenkraft    GotM   1B3,  a; 

344,7/. 

^M            64,  K.  311, c.  21s,  IS.  ».  unt<rr 

dtnerh.endeergrifen230,iG. 

hQswirt  310,8.                     ^M 

H 

htehen  erheben  263,  23. 

bot  Baut  29,80.  44,38.  HI^H 

^V        bimelsut,  din  ZU,  it. 

hfflheni  107,37.  239,33.  362,»; 

hat  umb  h&t  36I,3S.       j^H 

^"          himelBtuoI:  M  den  h,  geeeteet 

den  sanc  h.  267,8/. 

hütte  die  Bütten.  Zelte  ^H 

werden  4,10. 

bol  masc.  Bohk  S8, 18.  S9,JI. 

raels                                ^H 

himeltoa  813,  SM.Z). 

hole  Ausgehöltea  331,38. 

■ 

^^          himelvar  O(0'.  Atmme(6(au  305, 

honecihüDgl  37, 30.  SO.io.  69, 

ietwcderhalp  adv.  30,  »1.  W^^M 

^^L 

8.    123,7/.    228,19,    387,18. 

iewedertbalp  adv.  S,  nf. 

^H       btmelvart,  nnsen  berren  lO.is. 

391,13/.  394,18.  326,6/1;  -- 

iht  «M.:  ibtea  iht  380,1. 

^H        faimelTarwo  101,17.  102,1(6). 

hl.  drivaltkeit  124, 12. 

Ilen  (iUen)  eite»  13, 1(. 

^H        blnderÜBt  «fm.  I.u. 

bom:  ein  h.  blSsen  103,8. 

Inl-gesDiden  340, 16;  -gewin- 

^B       blnderrede  stf.  üble  Nachrede 

houbetaünde  (böblsündo)    12, 

den  59,30. 

^H 

30.  23.   27, 11).  16.   54, 17.   63, 

ingeainde  66,  t;   des  Bimmels 

^^H      hinderrcden  91,13.  181,8. 

n/.  73,7/:  147,8/:  191,11/: 

136,2B.  131,»/.  291,18.  339. 

^^^1      bindnen  adv.  -.  h.  nftch  komen 

193,81.  200,3.  209,33/.  215, 

^f'                                       ^M 

^^1 

XI f.   236,13.  240,3.   261,18. 

inne  adv. :  l  Bin  232,  u/l   ^M 

^^" 

WortverzeichniB. 

361 

'^    Innecbeit  17,24. 

33S,22;  her  Juden  kiinc  30, 

».19.  191,23.  279,27.   285,14. 

innen  adv.:  innen  bringen  15, 

211. 

333,25;  ttrafai  169,11. 

in;  innan  ^  ussnan  339, 2§. 

jüdescheil  86,2a. 

keatigunge  Yermchung  Gottes 

31;  präpoa.  innen  des  338, 

jüdisch:   jütschiu  diet  158,24 

91,9;    des    tiuvols    143,  ib; 

2B. 

(G). 

Kasteiung  dea  Leibes  265, 13. 

inagel  stn.  17,35.  39,11.  301, 

junger  JiinjrerJes«  61.  SB.  198, 

ketten,  ketteno  34, 8.11.55.11/: 

11;  zwei  insigel  SÜ1,it. 

lif.  199,2».  200,18.21.  211, 

keuer(klt2er)  1,15.  2.1.520,19. 

intellectuB  —  verstantnaBt  13S, 

32/:   218.16-    229,5.    284,20. 

kevje  (kevi)  Käfig  22,27. 

15, 

299,21.304,0.321,3.  325,3». 

keizel  Htm.  128,21. 

inviuz:  i.  der  8inne  129,  24; 

jancvrowe:  3  Jungfr.  warten 

kindelin  88,28.  206,4. 

i.  Gotes  SUl,i2  iG). 

im  Qa»t)»v»  auf  19,  a f. 

kint   26,36;   pl.    kint   324,35; 

irrät  (ieirat,  irtfld)  »tn%.lrrtv,m. 

justa-rreht  2S4,24. 

zweier  menechen  kint  343, 

Äcfi/fi  201,26;  vinstri  desir- 

a;   3  Jünglinge  im  Feuer- 

rudiB 201,28  (G)i  nitirrodiB 

ofen   24,15/.;   zo  ir  kinde 

2l8,fi(G);  der  ierrod  iuwere 

kamph:    der  in  einen  k.  wil 

dienen  i»  dem  Kindbett  ab- 

lebens 111, ^f. 

g^,  der  salbet  Bich  u.  sin 

warten  302,16/: 

irrec:  niht  irrigea  hfin  218,  b. 

gewiefen  mit  öle  44, 27. 

kintfaeit  110,21(6). 

irren  (ierren)  334, 19;  mit  Akk. 

kancl  (kffiner,    ksnel)  Kanal, 

kfntlich  ad}.  29, 13.  224, 1  f. 

der  Frrson  oder  Sache  27, 

von   Maria   gebraucht  155, 

kipperwin  (koppher  winl  Z), 

J4.  219,  f,;  mit  Gm.  d.  Sache 

15.  223, 17.  20. 

eyprischer  Wein  303, 11  (ff). 

11,3.22. 131, 15. 2o;m«JVap. 

cantica  Hohelied  20, 40.  86, 17. 

308, 17.  306, 22,  310. 15. 

an  172,2;  nibst.  Inf.-,  diu 

88,21.  236,6.  278,13. 

ky'rj'eleyBon,  criateloy'son  9, ». 

vinBtre  des  ierrens  201,  nf. 

canticptalm  Paalmdcr  3  Jüng- 

cysteme 3,bi. 

irretnom  üertüm}  129, :»);  mit 

linge   im   Feuerofen    24,18. 

kiusche  (künBch)  a^j.  111, 4. 19. 

i.  verirrot  ein  332,  i». 

capitel   im  KJoafer  21,  6,  64, 

kiusche  (klinschil  »tf  Kevach- 

laen,  daz  301,  s/'.  327,27/: 

C  196,1.  316,10.  339,24. 

An(  28,31/:  118,17.  221,8/; 

larali^liBcli  a^j.  1S6,17.  2BS,2i. 

capillclhÜB  21,3. 

265,21.  293,20/.  304,  T/i  k. 

Ital:  i.  Über  daz  velt  gSn  ]  13, 

kardinal  257,5. 

in  jugent  50, 12.  53,11/:  349, 

23;  i.8tan  115,13.  IS/'. 

Caritas  132, 11. 

2;   k.  nemen  (beneraen  0) 

itwfe  Btm.  Strafredc,    Venceia 

karkiere  ik&rkert  127,5.  211, G. 

135,2.  181,2». 

315,  14 ;    Itwlze    vertragen 

karvritng    315,  2:;    an    dem 

338,  21. 

karenvriiage  311,31  (Z). 

8Chkait)9,i.  25,27,  46.1/:  60, 

keibe  52, 11. 

«/.  68,29.  69,1.  9S.2fl.  96,8. 

lageliunt  Jagdhund  236, 1 1 G). 

101,19.  110,10.  111,1/:  139. 

jamer:  j.  hOn  213,22;  j.  nftch 

grcezer  denne  ein  gr&ve  43,». 

8.221,10.223,4.241,7,  294,1 

Goto  70,12.     125,21/:   219, 

kelbelin  (kselblinj  69, 4. 

322, 24. 

21. 

kelesM'/;  11,20.  29, 20. 

kiuschecllche       (künBchklicb) 

jämei^eit  213. 20/:  219,  20.  BS3, 

celum  u.  cella  210,24. 

adv.   61,  25. 

21. 

kemonato  ikemmate)  «10/.  Ge- 

kiDBchüch (küüBchUch)  a*.  32, 

jämem:  m(r.SI0,4.  S37,2i;  J. 

mach  84, 19. 

IB.    111,5. 

nfich  iCotles)  eüeeelieit  70, 

ken:  liplicb  ken  unverständ- 

klaffen 8, 12. 

24/: 

lich.  vglAnmerk.  zit  13,1». 

klagellcheikl(eglich)()rfi',24,3». 

jener  pro«.:  hie  alder  le  enre 

keren   26,1/.   54,35.  246,13; 

klagen3y,23.2fi.  61,11;  dieteten 

weit  169.39(G);eDa«ienea) 

sich  k.  »e  Oote  54, 33 ;  dft 

kl,    264,  15;  uDsera  hcrren 

192,  g. 

von  k.  davon  ablasten  253, 

marter  k.  266,6. 

jubilieren    subst.   Inf.    20,10. 

18. 

]ilag^r  Ankläger  72,11. 

jucken  «(«.:  die  brä wen,  wan- 

kerao sivf.:   ein  k.  enzünden 

klar  Bln.  das  Wcilie  im£i  283, 

den  j.  5, 1. 

305, 10. 

27. 

judon  1, 15.    17, 12.   30,  ifl.  33. 

ker7e{ii)lieht  shi.  305, 11. 

kiarheitr  ki.  der  sunnen  243, 

36,20.    51,34.    63,15.    116,2. 

kerzeatal  (korCtstal)  Leuchter 

a;  der  Seligen  17,9;  OÄrisfi 

1S6, 10.  237,  IS.  257, 11.  314, 

237,  18. 

103,  29. 

K.    319,22.    333,21.83/: 

keatiganA'Qgfcten,  äcnLäbn\, 

kl6bluome  317,  s. 

Md 


sm  <1^  ^^m  W^,  >. 

^  kUiifiM^  IT,  <    I^.  :a, 
hMr:  ir  mi  iUm  mwwHi«  .ITT, 
'.t;   rfin   ;iir«m    kM#iiir  all' 
3rf48lMii  44,  :m.  iU.\f.W^.xf.'^ 
T^tmfJd^id  Vi,  ^\  k.  «Wf«^ 

nr.    }41,  9;   k.   40r  QHCBBC  TT, 

MimMMn  2S»,». 
IrtififwMn  H  ti  3A. 

^;  mtKM  rk»r  4iiM».  HHn  f^. 
2r^  ji ;  —  /ii»Mf  72, 9^ /l;  dir 

Wimh  7^,'r. 

fcl>*f  Mn  2<^,  ^,   »A, )/,. 

k/rm#frr  .V^.tt/'.  IH,2r^  MiflfCik 
f#*n  k.  f/7,  n\  7S  Kn//t#»  k. 
24,  n,  IIA,  f<»;  /^  f^Ad«n 
k.  104,  f%;  rfir  r1«fi  kfink, 
Or^  k.  4/y,  4/:  {l^,  »<  (Hij ;  an 
A?n  |(aM.  k.  204,  f 7 ;  von  «Ich 
N«*ffimi  k.  vtriUckt  werden 
\H,nf,  171.4. 

CM/mmunlo  10, 15. 

f}OfnpliffM](i,  fllu  NrMu/f gebet  in 
drr  hl,  Meute  10,  i«. 

rotiMflonol  (ieufieten  20,  23/1 
I20,w.  148,  17/*.  196,18. 

noimtliariUM  290,  lo. 

cotitoinpJAclon  210, 7.  u. 

cotitomplloron  88,  5.  208,  27  /l 
ai&,  15;    tubst  Inf,  141,16. 


knfili  iAfi..A9dharr:.x^  123. 
s.  2d^  !*;  iBit  k.  Mhuiku« 

kl(r  Obir  ier  XifrAe  411.  1. 
.tUfl.  iü;  »  k.  Ute  3TÜ.  s; 
k.   ier  ea(|8l    lA.  §.    T%  r. 

körn  «  OHMT  ta^m  29. « /^  T-Iv 
29/:.  rte «rw«te k.  IjM. a/'. 

k^V«»:  oppilf  k.  QrtlMft  LS.  IS. 

ktem  I^.  n  /! :  mMI  Inf,  ^am 

k.  mtc  ^>M»  IIS.  19. 
krswfom   «iMk  X^tmi  3T5.  is/'. 

kiait:  4rf  krefttt  üi  der  ste 

2W.r/: 
kitei,  der  «iiel  MC  «O?  ITii- 

re»  2^,  X 
kraae  m  ^Iüt  Bedatttm§  mmd 

haß,  94«  4fr  Efhmm^,  he- 

ßefJkt  «I.  IX  22n.  -;.    282,  s«. 

Hf^,\if.    t»,  nf,  331,  15; 

k.  v^oo  dw  ifMidMm  ifttw^ 

kMt  2^,  r, 
knmk^  M,  u*.  143,  is,  1^2,9/. 

17««,  17  f />V  2»i$,  »A  2IT,  lA 

24J(,4,  37%,  S;    TOB    k.  tM» 

21^1». 
knrf4^  (nwm.  Hohem  fl^,  11« 
er^4ktlir«  HO,  3:7/1  Hl,  i&.  lOS,  4/I 
1 W,  7,  II,  1 W,  «,  190, «/: 
20»,  I  /:  205, 1,  207,  uf.  20», 
2/:  220,1.  231,  u.  2itö,  1/1 
2H^#,%.  2W,2i,  $00,1/:  30 J, 
7.  27/:  312,  !•/:  (^>   515,  25. 

321,22, 

credo  in  anam  Deum  9,24/1 
kreftec  <u2>.:  der  k.  60t  157, 

i»/l 
kreftecllcbe  adv,:  Got  k.  min- 

nen  173, 10 /l 
kreftikeit,  dcehimels  255,io/l 
krenken  krank  machen  S4,4; 

den  lip  k.  193,0. 
kriec,  zinschen  Leib  und  Geist 

236, 17/1 
kriegen  102, 24. 26.  833, 15;  nach 

Gote    kriegend    gedenken 

83, 5/1 


Utk  OL  rs&n. 

cr/t   2Ä1.   2X21- 


21.  tfia.iau  I9r.4/^  2A.2«. 
25LT.  252.3L  25r^T/:  21»» 
rr.  2»L2.39«,2La0Ctr:  a, 
bf,  inHfar<iai.k.«aa  U«.ä. 
2ST,  HL  274,  xa.  251.  HL  252.  :l 
3iM,a«^.  312,2/^;  aa 
k.  kuga  I!)^.s.  aa 
k.|?aKsdc252^sL  SSa.n/'; 

4ai  k.  4n  kcmm  nockcB 
313,1/1:  ftf  doA  k.  MX  ein 
geitf   254, 0/;   TOB 

k. 


krimigai  323,  n. 

krtoe  im  ettigem  Lebern  27,31. 
61, »:  kr.  wtii  5  KieUhitiem 
62, 1/;  k.  ah  zwdf  ateraea 
Ti,2a.  Sl,i3^  eine  k.  üf- 
aeczen  44,  tl  46, 22/I  245,  n; 
k.  Yoa  dornen  tragen  257, 

14/. 

krdawd  (kiM)  Ga5el  mit 
Spitzen  50,23.  69, 11. 

krfimbe  Krümm/ung  187,8. 

krfimben  32, 32.  198, 1. 

kminp  a4j.  7, 17/I  91,18/1 

krOt;  pL  krinter  48, 21. 

kncbe  Küdie  339,19. 

küele  stf.  70, 19.  821,37. 

knmpänie  (gnmpanye)  225,38. 

kündec  a4j'  202,  20. 

kündecheit  (kündkiut)  Kirng- 
heit,  Verschlagenheit  l^fH f. 

kündonge  Kunde,    WeiAeÜ 


Wortverzeichnis. 


863 


17,  29/*;     Verkündigung  u. 

Herrn  296,8. 
künic  49y  12  f;  die  küng  —  3 

Könige  9,14. 
kfinicbuoch  Über  regum  14,  i. 
künicrtche,   vünf  »  5  Sinne 

141,5. 

küniginne:   Daf.    küngennen 

45,5.  101,6. 
künne,    menschlichez    57, 12. 

108,4.  227,3/:  323,36.  324, 

20.  26.  329,19.  26. 

kurzwtle  122,16/1   199,8.  310, 

27  (Z). 
küssen,  an  ir  mtint  40,  8. 

1&:  die  läwen  linte  323, 9. 
lache  Pßtze:  in  ein  1.  Valien 

7,5;  an  lach  an  187,7. 
lachen  substinf. :  daz  minnec- 

liche  1.  des  minneclichen  60- 

tos  62, 14. 
lächenie  (lächnye)  2kiuber  4, 

28. 

laden  einladen  153, 6/1 178,  if\ 
sich  1.  mit  sande  —  gehügde 
stner  kränkelt  sich  beladen 
325,5/: 

ladonge:  diu  1.  der  sSle  267, 

26. 

Iflge  Nachstellung  45, 22.  59, 1. 
280, 11  (G). 

lamp  321,13;  Demin.  l&mli 
238,2. 

lanc:  ze  lanc  stn  zu  lang  aus- 
bleiben 102,15. 

lant,  daz  heilige  1 09, 16. 

lasterlich  a^.  schimpflich  36, 4. 

laus  mette  Laudes,  Teil  des 
kirchl.  Breviergebetes  204, 16. 

läzen  mit  Akk,  226, 17/1  252, 
10.  253,31.  254,7/1278,23; 
sich  vrevenliche  an  60t  1. 
sieh  gegen  Gott  frevelhaft 
benehmen  192,15. 

leben:  daz  1.  teilen  in  driu  52, 
32/1  130, 2. 188, 24/*;  von  des 
1.  ordnonge  59, 6/1 ;  von  geist- 
lichem 1.207,17/1;  heilgez  1. 
146, 9/1;  ein  künftigez  1. 229, 
16;  driu  I.:  von  natüre,  von 
gn&de,  ein  vollilchez  1.  314, 


2f;  driu  dinc  machent  ein 
dwigez  leben  237, 30 /l  290, 9; 
lebendez  L  154,7. 

lebetac  Leben  102,27. 

lecze  (lecce,  letzge)  Lektion  9, 

16.  47,37.  252,9.26;  aht  1. 
249,  8/1 

lefse:  pUefzen  78,36/1  90,24. 
leide  stf.:  daz  wsre  ime  niht 

eine  leit  247,22  (G). 
leiden  anklagen:  einen  1.  ze 

capitel  196,7. 
leie:  der  langen  schrift  248, 

11/1 
leinen  subst.  Inf. :  sitzen  &n 

stten  1.  334,10. 
leiter  Leiter,  Führer  19,  18. 

68,18.  186,7/1 
leiter:  dri  1.  der  sdle  231,  u/l 
Igrch(e)  I^erche  22,29.  24,25/1 

326,35/1 
lerer:  ein  (hl.)  1.  sprichet  80, 6. 

204, 7.  208,  w.  27.  215,1.  222, 

17.  232,9.  17. 

lesemeister  im  Kloster  339,  I6. 
lesen  subst.  Inf.:  Got  loben 

mit    singen   n.   mit    lesen 

59,17.   60,33.   98,5.    139,22. 

199,11.  265,24. 
lesunge  lectio  315,20. 
leta  »  vroelich  284,  I8. 
lewe   (Idw)   Löwe  Sampsons 

123,7/1 
libido  191,4. 
licham  Gotes  oder  unsers  her- 

ren  6, 1.  8.  8, 8.  77, 12.  83, 28. 

31.  198,16.  199,2.  242,24;  s. 

vrönlicham. 
ilden  «  leit  G)  stn. :  1.  tuon 

189,29.   190,1.5. 

lieben  beliebt  machen  182,1. 

lieht:  daz  lebende  L  160,28. 
238, 23;  daz  götlich  1.  be- 
schowen  202, 32 /l;  ein  niuwez 
1. »  Maria  328, 8/1 ;  —  Jesus 
Christus  243, 2/I ;  =  W.  G^t 
58, 17;  drter  hande  lieht  70, 
28/1;  1.  der  sunnen  1%\%f. 
105,15;  ].indemgoteshüs237, 
18/";  himelschiu  lieht  239,17. 

liehttrager  Ludfer  79,  7. 10. 

liep  (Itb)  subst  i  getröstet  wer- 


den mit  Got,  dinem  einem 

liebe  61, 15.  64, 11. 
ligen  bei  jemandem,  den  Bei' 

schlaf  pflegen  7,24/1 
Ithte  adv.  leiehüich,  vielleicht 

196, 24/1 
Ithtedtche  adv.  gern  226, 15. 
Uhtem  leichter  machen  56, 24. 

177, 24  (G). 
Uhtsam  adv,  leicht  255, 9. 
lilje  (lyiie)  masc  Lilie  43, 1. 

52, 15.  71, 34.  75, 34.  96, 12. 14. 

159,  5.  20.    265,  25.    272,  5/1 

317,2. 
Itmen    zusammenleimen   129, 

16  fi  ze  dem  übihie  L 136, 22 

linde  ac^.  32,6;  lindiu  wort 

245, 9. 
linde   adv.  sanft:  daz  herze 

linde   machen  44,29;   1.  an 

ze  grtfen  316,9/1 
lindecUche  adv.:  L  antwürten 

280,1;  1.  angrlfen  816,12. 
Itnln  (l^nin)  04/.  von  Leinen 

8,33. 
11p  Leib  des  Menschen  205, 17. 

279,22/1  285,14;  Schönheit 

desselben  239, 10 /l  809,14/'; 

Verhältnis  von   Leib   und 

Seele   174,2/1    191,24.   268, 

16/1  314, 5  iZ).  318, 19/1 
lft)lich  o^/.  camalis:  1.  geburt 

63,2. 
\it  Glied:  pl  lider  29,23.  106, 

23.  175, 16;  L  der  cristenheit 

175,17/1  176,3/1;  s.  geht 
liuhten   mit  Akk.  (?)   einem 

leuchten  292, 14. 
linmde  swm.  Lewmund  86,15. 

22. 
lobebuoch  Canüca  157, 3. 
lobelich  aäj.  59,16/1  65,24. 
loben  geloben:  gehörsame  1. 

51,9. 
lobesam  adv.  337, 10. 
locken  (lacken)  167, 1. 16.  169, 

8.  170,10/1  171,2.  256,2. 
15n  der  Lohn  im  Himmel  96, 5. 

158,4.    183,1/1    185,4.   206, 

21/1  259,11.  315, 12:  sin  sun- 

drigenl.  hän  206,28/1 218,21. 


864 


Wortreracidmiit. 


220,  nf;  dri  L  der  minne 

295, 1. 
lop :  den  künic  miteim  lunwen 

L  enpfftben  139, 21 /l 
löse  <i4i.  leichtfertig:  nieman 

minnen  durch  a&iia   lösen 

wort  17,5. 
loseo  horthen:  dlner  antwürte 

1.  227, 2. 
loeser  Erlöser   153, 19.  205,4. 

301, 18. 
lösheit  (losenhait)  Ausgelassen' 

heit  33, 16. 
lotter  Oaukler  3, 10. 
lonbe  Qöbe):  pl.  löber  48,  is. 

238,7/: 
louben  (loben)  Xau5  bekommen 

48, 18.  276, 25. 
löz:  daz  1.  werfen  109,25. 
Inoeme  289, 1.  809, 28  {Z).  316, 

20. 
Incken  s,  locken, 
lü^e:  vfinf  hant  lüge  2,38/1 
Inppe  Zauberei  4,27. 
lustltche   (luzliche)  adv.   103, 

18  (ö). 

lüter:  ein  1.  onge  229, 10 /l 

lüterkeit    Lauterkeit  243, 15; 

des  Wittens  bezw,  Herzens 

41,21/*.  137,19.  148,18.  34/: 

(Cf),  212,9. 

lütre  (latxi)  stf.  Lauterkeit  56, 

6.  62,15.  80,7. 


nULc  stm.  Verwandter  86, 6. 

machen  verwandeln:  ze  fleisch 
u.  ze  biuot  m.  6, 24.  27. 

magedln  (m&geti)  sin.  323,16. 

magenkraft  (maginchraft), 
Mackt,  Majestät  91, 28  (G). 
133,23.  206,26/1  275,19. 

mag(e)t:  ein  rehtin  magt  stn  von 
der  Mutter  Gottes  (Do^.m&g- 
de)3,3. 221,5/:  242,8. 328, 9/1; 
ein  nnbewolleniu  magt  ge- 
bar einen  man  maget  wesent 
228, 14.  296, 14;  attgemein  28, 
S4;  pL  mftgde  Ton  der  weit 
221,17/1  224, 8/";  wln  der 
nagde  blnot  181, 14. 17 ;  die 
kLMSgdeimmmmd^2,  uf. 


167, 12.  183, 3.  206, 27.  247, 7. 
309,2. 
mag(e)tlich  (mftgtHcfa)  a4j.  3, 

28.    36,35.     160,28/.    221,13. 

14  ( G)  298, 20 ;  der  m.  blnome 

828, 13. 19/1 
magetheit  (m&geCkait),  kioscfa- 

lich  JungfräuUMceU  158, 2s. 
magetnom  stm.  3,  I8.  82, 3.  $f 

82, 28.   221,  9  f.  222, 17.  243, 

13  f.  828,21/: 
mahelen    (m&heln)   vermalen, 

vor  aUem  die  Seele  mit  Gott 

V.  97,3.  101,1/.;   gemShdt 

123,19.  221,5.  273,9/:  282,13. 
majest&t  131,4. 
mahigran&t    Malagranatapfel 

86,18.  258,23/: 
malen,  das  Korn  29,6. 
man:  ein  hl.  oder  ein  wiser 

man  sprichet  74, 22.  37.  94, 6. 

101,10. 122,24. 123,17. 153,10. 

157,12.  178,27.  189,10/:  190, 

12.    197,31.    198,2/:  208,27. 

209,21.  218,22.  232,16.  236, 

11.  257,25.  259,12.  262,83/: 

277, 22  f.  278, 16.  279, 25.  280, 

3. 281,30. 285,7. 12. 289,6  (ö). 

307, 12  (Z). 
mäne  Mond  99, 24. 29;  «  unser 

vrowe  106,  nf.;   der  volle 

mäne  328,34. 
manec   slaht  (mingerschlaht) 

25. 13/: 
manecvaltec  a<^'.  311,9. 
manecvaltecheit  41,23.  24. 
manhdt,  der  getät  Tapferkeit 

41,21.  25. 

manllche  adv.  90,18/:  337,38. 

mänöt:  sehs  m&nöt  44, 14. 15. 

manslege  swm.  Mörder  2,24. 

mäntac  (m&ntag)  Montag  2, 4. 

marc  7,16/:  51,36. 

msere  15, 12.  45, 8.  65, 4.  75, 25. 
136,3.  302,5/:  306,11.  333,26. 

marter:  unsers  herren  m.  25, 
9f  11,10 f.  83,16/:  86,24. 
87,5/:  101,24.102,2.146,7/: 
197,9.  198,16.  252,13.  257,3. 
266,6.  296,21.  323,21/.  325, 
26 ;  die  bittime  marty  r  leiden 

167,33(0). 


marterbilde,  maerakencB  249, 

8.25. 

maitem  105,  isl  106,m.  191,8; 

ze  martyrene  311«  ai(Z)L 
martier  die  hL  Märtyrer  €4, 

26.    142, 35.    143,  1.    167, 18. 

182, 27. 183, 2.  206, 27.  247,6. 

309,2. 
mSsec  a^.  fUdng  299,  la. 
mlsgen,  den  himd  heßtdam 

86,6. 
mateije,  kränkln  325, 33/;  ns 

getiinin  m.  339,5/: 
voSoje  stf.  das  richtige  Maß 

137,27.  150,9/:  3M,e;  Yen 

m.  n.  Ton  andren  tngendoi 

44,4/*;  iLne  m.  57, la.  63,37 

u.  Öfters;  etlicher  m.  99,2; 

personifiziert  ttö  Mize  21, 

16.  22. 
mSzoi  (mSss^i)  abfmessen,  mär 

ßigen  207, 1.  329, 4. 
mfizicfaeit   269, 34  (G);    tiow 

Mäz^eit  21, 4. 
meige   Mai    138,12.   154, 12/. 
meineide  a<{;.  1,21. 
meineit,  swerren  1, 19. 
meintsetec:  m.  höhfart  übd- 

tätige  Hoffart  12, 14. 
meinonge  gute  Meinung  146, 

18/:  149,6/: 

meister :  die  m.  (ron  dersefarift) 
sprechen  42, 2S.  54, 26.  78, 2  f. 

107.4.  108,22.  113,6.  152, 
11.  162,20.  185, 10  (G).  208 
13.  215, 1.  218, 2.  232, 17.  233 
11. 236, 23.  309, 16.  812,36  (Z); 
m.  die  ze  Par>''s  läsen  220,  x 

meistern  einen  meistern  192,  a. 

meisterschaft  im  Kloster  51, 

11.    65, 12. 15.    85, 1.    100, 18. 

112.5.  121,2.  124,14.17  (G). 
212,24.  263,34. 

mendidi  a4j.  mensMidi  12,27. 

menige  (mengi)  87,27;  in  der 
m.  vam  180,28/:  181,25/: 

mensche  werden  von  Christus 
203, 3.  227, 7. 19.  228, 22.  273, 
13.  294,  21.  318, 2.  329, 25. 
340, 1  f;  m.  werden  von  vier 
Sachen  162,12;  des  m.  kint 
filius  hominis  96,26/: 


^^^ 

WortveireichnlB. 

36& 

menschen  anüitze  atn.  266,9/*. 

wären  m.   155,7/'.   331,1/:; 

mittel  (miüi)   150,10.   190,  m. 

geisclilich  -  tleiacblich  m. 

391,«:  in  der  m.  stSn  137, 

tsrhait)     Menschheit    Jesu 

iif.  150,0;  üzderm.koineu 

CÄriattS.is.  106,23/:  106,15. 

der  seien   241,»/:;    m.    ist 

190,29/;;  Qz  der  m.  ziehen 

1«.  23«,  i.n.  24S,i/:  295,6. 

Got    153,11/.;   =ht.  Geist 

191,2/. 

303,13.  304,1 /■•  308.1«:  bmst 

234.21;  — dem  vi  iirel7g,i4/:; 

fitnerm.  310, 15. 

—  einer  juncvrowen  127,  i; 

329, 27. 

mersin.  28,34.  Il8,if.  2M,ii 

mittelhelterin  Mithelferin  278, 

314,10,  331, fi:  — dJBiuwelt 

149,18/:;   erkennt  man   an 

IT. 

T2,3n:  fiberniervani39,22; 

4  dingen    175,5/:;   m.    die 

möre,  ein  7, 6,  7. 

de»  raere  gnint  11, 11. 

s^le  a.  lip  'ze  cnaadcr  h&t 

memo  adv. .-  hiute  «.  m.  265, 1  /. 

mcrwonder  t,i3. 

174, 2/: ;  dri  Faltige  m.:  amor, 

mückelin:p;.dUimüggeliS12, 

ncBsachd    shn.    Meßgewand 

dileccio,    Caritas     132,  4/.; 

37  ,Z). 

9,4. 

drierliande m.  32,1/:  317,b; 

mtteje  (mflgi)  Mühe  259,22. 

meue  hl.  Mewe  6,  i   8,  u.  it. 

persotiifUiefl  vrö  Minne  21, 

müejen  (mflgenl  Mühe  machen 

198,  m;  m.  singen  7,1.«. 

25/: 

24,4.  254,11. 

nett«  Zät  der  MaluHn,  Teil 

minnccliclii  ȟbst.  fem.  56, 30. 

müellche  ailj.  112, 10.   187,!.^. 

de»    kirchl.    Brevirrgebeüs 

ininncn:  drigcrhande  liute.die 

maezec(wy.:m  v/ort  unnüties 

64,3.  204,13. 

niinncnt  2",ir,f.;  Gut  min- 

Wort  303,17.337,32. 

mezzen  subst  Inf.  menturatio. 

nen    sQczecilchc,     wisliche. 

kreftecllche  166,ib/.;  m.vcn 

Muße  nehmen,  sidi  Zeit  neh- 

allem herzen,  von  aller  sfle, 

men  274, 16. 

michel  stf..-   der  sCIe  miehli 

von  aller  dinerltrettelOe.H/. 

müezekcit  Untätigkeit  208, 25. 

201,0. 

minncnbant  stn.  74,35. 

mulier:  an  dem  worte  m.  aint 

miete  stf.  Lohn,  Belohnung  2, 

minne(nibuoeh   Hohelied    18, 

3R. 

32.19,15.  22,15.  38,3.  41,10. 

mQlstein    11,  20.    30, 1.    74,27. 

railHelkeit   18,  -a.  ar.  48,  an/. 

86,26.99,14.  121,13.  258,22. 

193,  23, 

&7,32/".   e6,s.   68,41.  135,3. 

267,1.22.   272,8.  274, 14  (G). 

mnnda  -  rein  283, 21. 

139,1(1.  241,7.  250.16/-.  264, 

325,31. 

münstore.n/.  321, S7;  M  ein 

D/'.;tn.derBlnneDl4S,34/.((?). 

miunesam  ailj.  149,  is. 

m.  g6n  192, 11. 

152,1/;;  m.  in  annuot  50, 

miDn(c)Craiicn  20,  is.  312,  8. 

innnt-der8€legirdel64,2.«i 

12.  51,33/".!  m,  in  geschäfte 

miire   (myrrei   44, 14.  sj;   äaz 

daz  kint  ist  an  dem  m,  der 

340, 3 ;  personifinerl  vrfl  Mil- 

mnoter  glich  243, 2s/. 

teheit  20. 3. 

miechen  i;emlstcrgelonbe5,3/. 

millon  «In.  MMlau  275,  3t. 

miBchlen:  frcmiBchlct  sin  332,12. 

IS  (ß);    tumuteii  mit  Dat. 

minnffiro  iieftÄaftfr  273,  lo  (Gl. 

miBclBQhter  aiÜ.   attsaättig  9, 

230,20;   an  eim  ro.  230,22. 

28.  29,  n. 

mnoter:  diu  m.  muoz  ninnen 

272,12. 

misselielle  (miBBhollii  ntf.  1S7, 

201.  24/.;    fleiBchlSchiu  — 

minne:    Liebe   Gottes  zu   ier 

22  (G).  212,13. 

geiBclillchiu  ra.  252,22. 

Seele  u.  um^oteArl,  soiann 

murmeln  stn.   murmur  13,3. 

missehüeten  refl.  schlecht  auf 

25.    19,25, 

41,8,48,23.  49,2/:  100,30/: 

aidi  achtgeben  19S.  26.  202, 9. 

134,13/:  t39,B.   163,B/:216, 

IS/.  220,8/-.  233,25/.  235,10. 

misseredPn  225,  is/: 

Dsc  stm.  Nacken  30, 24.  124, 23. 

250, 1.266, 27/:  266, 22/;  294, 

nach]-KanI05,ii;  -bellen  con- 

4/:322,3/.340.4;vonininn6 

mtsgevallon  82,  i% 

sentire  218, 10;  -bengen  nn- 

äne  mäze  wnnt  126,8;    m. 

missielvarn  23,  I6.  is. 

hängen.  nachjagen  116,»)/.; 

ftrinj;  8  schöne  Blumen  her- 

-laugen 268,21 ;  -macbcn  109, 

vor  41,31/:;    ni.   Gotea   97, 

65,1.29.    91,22. 

11;   -volgen  106,  i;   -WKJon 

2/.;  ra.  ze  der  bimel.  Jhera- 

miaaiejwendec  adj.  65,  s. 

29,18;  -warten  287,25. 

Baleml02.s/:  207.25;  wärin 

mist  stm.  26,  >5;  ze  einem  m, 

nilchgebüre  Ktcm.  Nachbar  3, 

m.    140,  »f.;    wec  ze  der 

werden  100,4 

i 

366 


ig,  Idug  n% 


n. 
oadccDt  eidj,:  n,  stin  69, m. 

249, 11. 14. 
nagd:  ph  nagel  34,7/1  69,  S7. 

106,  s. 
oagelen:  fort  geiieg:elt  252, 

»/l  253,8;   genagilot  305, 

14/1(0). 
naht:  —  «finde  300,  is/l;  ze 

mittern.  262,  u,  in  der  mitten 

n.  262, 25;  do  in  der  n.  wart 

30, 10. 
nahtegal   22,».    24,  i/l    267, 

3/1   287,19.  294,16.  327,8/1 
nahtezzen  40,37. 
nabtvrowe  4,28/. 
name:  von  der  bezeicbennnge 

Gotee  namen  296,5/1 
naae  f.  7, 17. 
natftre:  geistticb- fleischlich  n. 

54,39. 55, 2/1 ;  götlich-metiBch- 

lich  n.66, 14. 162, 15;  mensch- 
lich n.  203,14/1 
natüreclich  adj,-.  n.  kränkelt 

117,11/1 
natüren:  fi^atüret  stn  325, 27. 
nebel    WoVce    Oottes   17.  lo; 

durch  ein  n.  sehen  229,  as/1; 

D.  irret   diu  tasten   oogen 

299, 4. 
neben(t)crist  MtUkriai  3,  s/l 

33,22.  67,22. 

neizwaz  irgend  etwas  52, 19. 
205,  10. 

neizwenne  irgend  wann  217, 21. 

nemmen  nennen,  praet.  namte, 
part  genemet:  28,28.  36,34. 
38,38.  60,19.  156,8.  221,8. 
222,4.  227,22. 

nest,  der  Taube  38, 29.  34. 

nidec  a4i'  176, 3. 8.  179, 19. 

ntden  beneiden  176, 26  (G),  180, 
12. 

nider]-gän  zu  Bette  gehen  212, 
2;  -kgren  117,4.  209,1.  273, 
5 ;  -komen  zu  Bette  gehen  279, 
13;  -setzen  19,30.  20,3  öfters; 
-slagen  281,7;  -sttgen  (— 
nider  kßren  Var,)  273,  21 
(G);  -Valien  109, 19 ;  -vam 
207,12;  -vliegen  270,2. 


mdem  1^.  sieh  demütigen 
28, 30.  225, 21.  230, 22. 

niemer  (nimme  «nuf  ntimme) 
oJr.  nicU  fiuAr  258, 19.  101, 
11.  236, 7  {Gy  309, 22  (Z). 

niender,  meist  niena  oiv.  55, 
31.  81,32.  82,2.  201,16.  208, 

18.  225,29.  313,2.  315,23. 

nieten  m  Füüe  genießen,  skk 
sättigen  236, 15.  274, 2.  275, 
2;  sich  niet6n   125,  16  {G}. 

niezen,  Got  18,3.  219,  s. 

niftel  Geschwisterkinder  210, 
23;  Base  302,14. 

nifteJschaft  s.  nüftilsdiaft 

niht:  nihtes  nit  (niutisniht  G) 
18,9.  289, 16  (G);  ein  nihtes 
niht  310,  8;  ze  ninte  (nfiti) 
168,6.  287,7.  305,31  (G);  von 
niute  schaffen  205,  1;  mit 
ninte  ervüllet  werden  300, 5. 

ntt  stm.  Neid  176, 23.  220, 24. 
245, 10. 

ninwan  (nnment)  adv.  finr, 
allein  250,6.  318,4. 

niuwe  atfj.:  n.  werden  26, 31. 

niuwe  stf, :  dia  n.  des  snmmers 
164,3. 

ninwen  erneuern   183, 11  {G). 

ninwem  erneuern  141,6. 

nochdan  (nohtenne)  adv.  den- 
noch  309,  I8  (2). 

nortwint  160,9/1 

not  dringendes  Verlangen  11, 
29j  dia  6wige  n.  in  der  Hoüe 
187, 12. 

ndtdiirft(nodaift)«^.  2,14.65, 
18.  110,32.  193,13/1  265,15; 
die  n.  reden  nur  was  not- 
wendig ist,  reden  303,16/1 

ndtdüiftec  adj.  ^1,9 f,  139,6. 

novize:  pL  noviden  282, 21. 

nüftilschaft  Verwandtschaft 
211,8  (G).  221,14  (G). 

nnnne,  gewlhte  Nonne  7,24. 

nntzebsere:  diu  d.  der  cr§at&re 
Brauchbarkeit,  Fruchtbar- 
keit 232, 15. 

nntzebflerlidie  adv.  65, 25. 

nutzen:  Got  in  himeliiche  n. 
Gottes  genießen  Hb,  12.  219, 
10. 


Obttta((rflate)  J9be<ie  6^20;  die 
obliten  s^gneo  ■-  ecnooii- 
ddn  6, 14. 2L. 

cboMn  adv.   oben  7,  js.   207, 

19. 

offenlMerildie  («*  offenBche 
Vor,)  adv.  270,  si  (ö). 

offenen,  offnen  ojfekbaren,  er- 
öffnen 217,8.  324,  s;  sich 
sdben  o.  in  der  bihte  179, 
6/1;  daz  hene  o.  319,2. 

offennnge,  ofbiong  Erwdui' 
nung,  Offenbarung  78, ».  17. 

offertorinm  in  der  hL  Messe 

9,26. 

51  44, 15/1;  daz  heilig  ö.  6, 31. 

51(e)boum  139, 13/I 

51en:  geölt  werden  mit  dem 
Sakrament  der  hl.  Öhmg 
versehen  werden  6,  33. 

om^lie  (omely)  Homüie  165,4. 

opher  90,10.  lll.is;  dazgi^yze 
o.  im  Tempel  51,  35 /l;  o. 
des  lobes  91,  u;  ze  einem 
o.  bringen  112,26;  ze  eun 
o.  emphfthen  252,2. 

Orden:  den  orden  rihten  swi 
der  kumber  ist  Anord- 
nungen treffen  an  gefahr- 
liehen  Stellen  53, 1 ;  Kloster- 
satzung 120,  15.  30.  265,  14. 
317,  17  (Z). 

ordenen:  geordnet  stn  ze  dem 
hiroelrfche  7,35;  wol  g.  sin 
an  Bim  leben  151,3/1  333,2/1 

ordenlich  a4j. :  o.  an  im  selben 
53, 1  f 

ordenunge:  von  des  lebens 
o.  52, 24/1  59, 6  f.;  von  des 
geistlichen  mensdien  o.  333, 

ordinieren,  ordenieren  in  Ord- 
nung bringen  72,  32;  part 
geordiniert  u.  geordinieret 
65,  34.  68,  6.  173,  6.  26. 

ort  Ende  9, 1 ;  ze  beiden  orten 
72, 12;  in  iegiichem  orte  des 
tempels  was  ein  nmbehanc 
99,19;  an  dem  schilte  sint 
driu  ort  Spitzen  100, 13. 

orthaber  Urhd}er,  des  Lebens 
86,34. 


Wortverzeichnis. 


867 


deterwint  Ottimnd  160,  9f. 

osttiim  B  tür  123,  28  f. 

oiige(dge):  o.  desgeistes  156, 
36;  o.  des  libes,  des  herzen 
172,  22/1  {G).  209,  86.  299, 
4/1;  diu  inren  oogen  156,  s; 
ein  üfgerihtez  o.  230,  zf,; 
Ifiteria  ongen  229,io/l;  daz 
kint  ist  an  den  ongen  dem 
vater  glich  243, 29. 

Oven  Fetterofen  der  drei  Jung» 
linge  24, 16. 


palmboom  (balmbdm)  260,  i/l 

palmtac  138,21. 

paradls  110, 28.  116,7.  117,3. 
114,8  156,3.  158,12/1  211, 
7.  222..  6/1  250,26.  251,3/1 
273,11. 329,18;  ^  Maria  156, 
6/1 ;  in  dem  p.  sint  drin  dinc 
159,  24/1 

paradlsin  adj.:  diu  p.  Maria 
161, 11. 

pater  fntori  secoli  297, 7. 

patriarche  87,  32.  159,  8.  206, 
27.  247,  6.  309,  2. 

permit(bermlt)  ntn,  36, 18. 

phäl  55,11. 

phalenze  des  Himmels  81,  s. 
92,  2.  123, 16.  287, 13.  298,  3. 

phant:  ein  ph.  l&zen  144, 28. 

pharysei  —  die  geteilten  319, 
18.  320,6/1 

pfäwe  262,  20/1 

pheller  (phelldl)  ein  feines  kost- 
bares Q^wand  30,  17.  223, 
22  24.  223,  22  {Qy  256,  7. 

phenden,  die  Hute  88, 14. 

phenninc  4,  7.  53,  34.  294,  7. 
319,21/1 

phingsttac  (phinkistag  Q)  297, 

19. 

phleger  -»  engel  47, 34. 
pflegunge  stf.:  diu  pfl.  ir  hel^ 

zen  147,18  (G). 
phlnoc  (phlfich):  die  hant  an 

an  den  ph.  legen  283,  s  (G). 
phoune  s,  foune. 
phnnt  53,  32. 
pigment    (piment)     gewürzte 

Düfte  160,10/1 


plfin:  üf  dem  pl.  st&n  270,9. 
porte  Pforte  des  Himmeis  124, 

8.  283,  4.  324,  11 ;  Kloster- 

Pforte  273,  3. 
portner  Klosterpßrtner  339, 15. 
pr^die  u.  predigen  s.  bredige. 
pr^l&ten  252, 6. 
Priester  2,  is/l  6,  3/1  8,  6.  63, 

10.  136,18/.  198,18.  22.  262, 

13;  der  priester  orden  — 

ordo  6,  39. 
princeps  pads  297,18. 
priol  (prior)72,36.  112,6,  147, 

31.  34.  339, 14;  obrost  priol 

in  der  s^le  27,  25. 
priolin  (priorin)  21,  4/1  112, 

6  (G).  147.  31.  34.  226, 19  ((?). 
probst  322,  21. 
proph@ten  159,  8.  206,  27.  247, 

6.  248,  8.  309, 2. 
psalm :  cantig  ps.  das  Loblied 

der  drei  Jünglinge  im  Feuer- 

ofen  24, 18. 
pniver  269,  3. 

Quaderstein  91, 19. 
qn&le  Marter  108,  28. 
qu^ln  69, 13. 

r&che,  diu  beste  189,  28. 

ram  stf.  Böhme  36,  I8. 

r&mic  adj.  schmutzig  y  russig 
128,  21. 

rappe  ßabe  87, 15.  I8.  312,  32. 

rfit  Bat  unseres  Herrn,  im 
Gegensatz  zu  den  Geboten 
110,  12.  115,  29/1;  ze  r&te 
geben  sich  beraten  9, 29;  rät 
tuon  helfen  312,  34  (Z);  äne 
rät  ohne  Nahrung  312,  35 
{Z) ;  din  oder  dG6  wirt  niemer 
rät  53,  34.  1 10, 12. 

rätgebe  swm.  296, 16. 

rebe  =  Maria  76,  17  f  293, 
7/1  802,3/1;  diu  r.  daz  ist 
vroelicheit  in  Grote  273, 8. 

rechenen  305, 34  (Z). 

rede:  an  der  r.  sol  man  be- 
halten 5  dinc  334,  12  /l;  r. 
geben  Bechenschaft  ablegen 

11,18. 


redehfts  stn.y  im  Kloster  339, 

24. 

reden:  mit  der  s^le  r.  öfters 
37, 1 ;  nument  die  nöldwctt  r. 
303,16/1 

refsen  to(ie{n  imKapitel,  suhst^ 
Infin:  mit  refzent  (ref sinne 
Z)  angrffen  316, 11. 

regel:  Definition  ein  dinc  da 
bt  man  ein  ander  dinc 
schephet  n.  nach  machet 
109,10/1;  Ordensregel  31,9. 
72,  82.  85,  6.  100, 15.  120, 14. 
120,  80.  264, 14.  339, 15;  von 
mänger  hande  regele  10,22/1 
109,4/1;  zweier  hande  r.  109, 
10/1 ;  Stephanns  daz  sprichet 
ein  regel  10,  22/I  109, 10;  ein 
rege!  geben  54, 12.  231, 19. 
255,  20;  ein  stärkiu  r.  eine 
grosse  Anforderung  53,  11; 
ein  guldin  regele  regula 
aurea  der  Vtdgata,  CMd- 
stange  109,  22. 

regen  *-  nnsers  heixen  zno- 
knnft  75, 17/I 

reht  a4j.  rechtschaffen  ISTfi  f. 

Reht  personifiziert  21, 17/I 

reht  Gerechtigkeit  Gottes,  Ge- 
gensatz erbermede  68, 23.  40 ; 
ieglidiem  dinc  sin  rehtgeben 
192, 1  f  284,  25. 

reht(e)keit  Gerechtigkeit  Gottes 
207, 13.  289, 12.  332,  1 ;  ein 
sunne  der  r;  103, 12;  Becht- 
schaffenheit  148,  34/1  (G). 
149,5/1155,10/1192,1.  278, 
23. 

rehtvertec  adj.  136, 4. 

rehtvertekeit:  st&n  in  der  r. 
Bechtschaffenheit  92, 4  /l 

reif:  begürtet  mit  einem  gul- 
dtn  r.  ze  den  brüsten  46, 4. 

rdnekeit  (reinichait,  reinkait) : 
r.  der  werke  41,  22;  r.  llbes 
und  heizen  so  meistens, 
Keuschheit  47,  29.  55,  37 /l 
148, 16  f  154, 13/1 155, 4. 190, 
19.   201,  14  f  244,  15  f  283, 

24.     321,28/1 

reinecllche  adv.  52,  I8.  61, 24 /l 
223,  2. 


^V      368 

WortrerzeichniB. 

^^1 

^^1       reizen  56,  n.  66,  u.  tTI,  I3; 

gebraucht    voin    hl.     Gt^^ 

^^^1           u  der  minne  r.  23,  K;    ÜT 

bachtiu  70, 1. 

297,  20. 

^H           die  BfiDde  (-  za  »finde  Var.) 

rast  »fall,  280.31. 

salben  170, ». 

^H           r.    117,  73.  k;    zb   GoU.    r. 

rouben  (röben)  3,  is.  4,  a.  88, 

Bselde,  ewigiu  88.  17  ii.  Öfter,; 

^H^ 

31.  249,26  ;  ronbeD  die  röube 

arm  an  s.  52, 1. 

^H          reizen  »ubit.  Inf.  122, 7. 

2B7.  2. 

BSldenrlch  lu^j.    154,  12.    15S, 

^H          reizuneo  Jnreijw»;  2&3,  32. 

rouch  (röcli)  attn.  37,  3». 

22.  158,  13.  159,  15. 

^H         reppelle  n.  Detnin.  zw  rappe 

roup  (röb)  atm.  2,32.  109,  21. 

wehkoit   H5,  Ifi.  153,20/-.  läi. 

^M            312,  3»  (^. 

nie:  Of  dem  ntggcn  29,  zs.  93, 

26.  268,  11. 

^^H         rezenter  Speuesaal  im  Kloster 

17.  27.    105,  ib;    zg    ruggen 

Baim  Psalm:  mänic  a.  in  dem 

^H 

werfen  120, 1». 

aalter  253,  25. 

^^M        ric  stm.  £!icA:CTt(P):  an  den  r 

rüefen  irüffon)  subst  Inf-  9, 

Baiter  Pealler   16,  n.   263,  ». 

^H            lienkcn  193,  23  (Ö). 

6/-.    105,5. 

261,3. 

^^H        ricbo:  r.  gegen  der  weil  wer- 

riiegec   adj.    sieh    selbst    an- 

gamaritanus Samariter  282, 17. 

^^H           den  (?)  tuuih  dent  OiU  der 

klagend  135,  w. 

eament  adv.   beisammen  165, 

^H            TPelt  sfrr6n>  65,  i:. 

röegen,  in  dem  capitel  21,  if. 

G.  212,2/:  223,10. 

^^M        richeit  sf/*.  Out,  Reichtum  309, 

56,T.  198,is;  ȟbst. Inf.  31G, 

aamentheftich  adv.  21S.  s(6l. 

^H             n.    220,  13.   295,   S;   r.    der 

10. 

Bam(e)nungo  stf.  GeseOaehaft, 

^^H            ainne  (—  wislieit  der  einne 

rüeron  anrühren   33,  3fl;  mit 

^^1             Var.)  41,  32. 

eim  worta  r.  33, 37;  der  aSIe 

31;  klösterl.  Sammlung  m, 

nibt  r.  281, 11;    ez   rüeret 

7.  317,1. 

^M 

mich  \ll,3f. 

samit    (Bftmit) :    rSter,    wizer. 

^^M         rtchson  heirKkcn  81,  a.  68,  s. 

violvars.  139,  5/:;niit  8.  be- 

^^H        rlclituoui,  fUie  gebreeton  US,«. 

tem  8, 12. 

kleidet  256,  7. 

^H                             2»,  B  /'. 

nms  Quell:  ein  r.  aller  gaAden 

^^H          riton  (riffon)   reifteerden  276, 

223. 17. 

195,  4;  ein  BÜmlichez  3,  3. 

^H              I» 

ruom,  üppiger  13,  11. 

189,  fi. 

^^H          rilicb    a^'.   —   richlich    roch- 

ruoto  von  Yesse  — .Woria  168, 

aant:  sich  mit  sande  laden  twi 

^H             *ii(A%?  S33,  22. 

21/-.  197,  lo/:  329,29;  Inder 

der  Biene  gebraucht  325,  5. 

^^M         rinc:  pjur.  ring&  123,22. 

arcbe  des  tompels  was  ein 

Bacte  isetti  (?)  120, 1.  240,7  ((3); 

^^H         iiDKer:    Jacob,   daz   sprichet 

r.  239.  30  f. 

satt  u.  duret  18,  n. 

^H             ein  r.  5T,  23.  3T,  3t.  290, 8  {<?). 

niowe   Buhe    der    SeeU    mit 

satten,  selten  120,3.  272,38;  ge- 

^^M        ringerin,  ein  57,  -isf. 

Oott  19,38.  55,2*/'.  57,  t/. 

sellet  werden  von  den  bms- 

^^M         ritter  46,  it.  94, 16.  2S0,  2g. 

81,13«.  öfters;  fwic  r.  261, 

ten  iuwcrs  trösles  306,  i"; 

^^M          riuwe   Reue   44,25.  45,1.   58, 

1;  im  Bimmel   itt  fwigin 

die  gesatteton  18,  n. 

^H              ST.  63,19^.142,12.32.325,1; 

ruowe  an  arbeit  63, 3«  f. 

satzunge  Ktosteraatzung  100, 

^^1           refatin  riuwe  101,  u.  311,3. 

niowcn  irügen  (?)  156,12. 

16.   110,14.   120,15.  30. 

^^M         riawec  ai^.  reuig  2ä2,  af. 

Bchachor  SchätAer  10,  6.  69,«, 

^^H         robusta  -°  atarc  28Ö,  in. 

251,  0. 

^H         IOC,   l&nger   44,  21.    45,  27 /Ij 

8ac  der  Leib   des  MenaAen 

^H            b<Bser  r.  51,  23. 

236,  18. 

32.    250,  2. 

^^H         rGse  aieta.  iS.iaf.  104,i.  266, 

aache:    in    aaclie   tuon   ohne 

schade  adj.  rum  Sehaden  ge- 

^^H           31/'.   317,  3;  vÜnlrösen^S 

Grund  S. ». 

reichend  172,  21  iG). 

^H              TTun^en  59,  12. 

saf  iBaff(e))  sin.    15,  Tf.  163, 

Bcbäf:    Bcb&f    hüeten    57,  lo; 

19/:  164. 5. 

Demin.  daz  Bchsfli  323,33, 

^H                   14 

eaferin  adj. :  saverine  (Bsplilre 

schaffen :   part.  geacaffen  sin 

^^1        rösenbuscb  (rusbdsch)  stm.  25, 

(?)  ItSpfc  295,  ifl. 

190,  26. 

^M 

sjBgel   m.  «  Beigol)   Sprosse 

Schaffner  des  Klosters  339.  is. 

^^^H        r084elTar:  rÖBvarwez  bluot  26, 

2:t2,2(l?). 

schal  stm.    Schall,    Oeräutch 

^^B           16.   3S,  17.   59.  12.  257,  2»  f. 

Btejen;  part.  geswgot  3,  4.  28, 

68,  39,  74,  s. 

^^M          {O).  270, 15,  282, 13.  313,  b. 

19.  276,  22. 

schale    (schalch    G)    StAaüt. 

^^H          315,  m;   von   sta   (OAmti) 

salbe:  ein  ^wic  a.  aller  heraen, 

böser  Mensch  109,  a. 

Wortverzeichnis. 


369 


Schalken  1,  24. 

schalten,  daz  vior  das  Feuer 
unterhalten  98,  3. 

Bcham(e)  Schamhaftigkeit^ 
Keuschheit  49,  5/1  63,  7ßf, 
101,19/:  154,6.224, 1/.  284, 
11  f. \  zo  seh.  komen  49, 11; 
sine  seh.  bedecken  249,  13 
(G);  personifiziert  Schäme 
273,  3. 

schamec  a^\  49,  6.  ISO,  24  f. 
135, 18.  284, 12. 

schamel  (sch&mel)  80, 38;  vuoz- 
schämel  99,  29.   129,  8. 

schanilich  ae^'.  24,  37.  68,  9. 
136, 1. 

schamrot  stän  178,  22. 

Bchi^pel  Kranz  von  Blumen 
als  Kopfschmuck  der  Jung- 
frauen 25,  15.  69, 11  f.  245, 
24  f  (G).  245,  31.  34.  246, 8. 

sdiarlät  223,  22. 

scharph:  scharphe  nagel  69, 
37.  106,  5. 

schate  (—  menscheit  unseres 
Herren)  76, 19  f  326, 24  f 

schätz  59, 14;  seh.  in  dem  seckel 
199,  22;  den  seh.  gctriawe- 
liche  gehalten  74,  17  f  330, 

19/1 

scheiden :  einen  strit  seh.  bei- 
legen 70,18. 

Scheitel:  von  der  scheiteln 
(schsetelon  G)  anz  an  die 
z^hen  281, 14. 

schellen  ertönen  lassen  22,  2S. 

38,25. 

schelten  lästern  1,21.  60,2. 
sehenden:  part,  geschent  u, 

geschendet    zu     Schanden 

machen  21  j  32.  277,  25. 
schenke,  der  124, 30. 
schöpfen   bilden,  nachmachen 

22,22.  109,11.  267,29. 
schephcr  (schftpher)  10, 10.  16, 

13.  58, 24.    63,  23.   64, 10.  69, 

35.  70, 19.  105,  8.  139, 26.  204, 

1.    209,  12.    231, 18.   249,  24. 

251,  6.    255,  15  f.    261,  28. 

270, 12.   284,  27.  294,  26.  301, 

17.  338,  34. 
schidonge    Trennung,    Scheir 
Deatache  Texte  des  Mittolalton.   X. 


düng,  Tod  68,37.  91,28(0). 
140,  11.  15/:  174,  3.  207, 
3;  ez  ist  ein  seh.  Unter- 
schied 215,3. 

schiere  adv.i  aller  sehierost 
92,  21.  93,  2. 

schifman  Steuermann   46,  I8. 

schillinc  53,  32. 

schilt:  guldine  schilte  Wappen 
99,18.  100,11/:;  zieren  mit 
seh.  208,  11 ;  bildlich  ze  cim 
seh.  nemen  240,  20. 

schtn :  der  schln  eins  broetlins 

198,  24. 

schinbsere  adjr.  comp,  schin- 
bserr  215, 10.  333,  32. 

schinen  (Schinnen)  22, 22/1 63, 30. 

schiure :  diu  guldln  seh.  Him- 
mel 28, 19. 

schöne  adv,  23,  3. 

schoene  stf.  63,  37.  106,  1.  25. 
119,12.  232,2/: 

Schönheit  u.  schoenheit:  seh. 
äno  unvlsetikeit  63,35;  göt- 
liche  seh.  103,  21  f.  238,  21  f. 
290, 20  f\  seh.  nnsers  herren 
304, 18/: 

schoz  stn.  Geschoss  95, 21.  279, 
19.  325,21;  seh.  der  gedenke 
27,29.  33.  204,  23. 

schöz  m.  u.  f. :  seh.  der  maoter 
107,15.  227,28.  242,  6;  des 
Vaters  227,  28  f.  242,  10.  23. 
271,  2;  Abrahames  seh.  68, 
39;  an  die  seh.  setzen  124,25. 
308, 14  (Z). 

schözlinc  s,  schüzzellnc. 

schrien:  mit  einer  grözer  stim- 
me seh.  177,  10;  schrigend 
stimme  h&n  85,  12;  subst 
Inf.  5,1. 

Schrift  hl.  Schrift  28, 10.  63, 1. 
178, 2.  248, 5  f'j  von  mänger 
hande  sehr,  der  menscheit 
248, 1  f. 

sehrln  Schrein  233,  2  f. ;  büdL 
seh.  aller  tugende  66,29. 199, 
26/: 

sehalt:  sie  sind  es  von  den 
schulden  dtn  deinetwegen; 
2, 13;  sin  seholde  vergeben 
177,2/: 


schaltheize  in  einer  Stadt  64, 

34/: 
schnoben  (schüehen),  die  s^le 

45, 18/: 
schüzzelinc  (schftssling)  15,  7. 
seb  (<  selp)  17, 22(?).  52,8.  157, 

13. 

seckel:  schätz  in  dem  s.  199, 
22. 

segen  stm.:  den  s.  geben  den 
Brüdern  den  Segen  geben 
40,6;  den  s.  d&  über  taon 
198, 13. 

segene  (segi)  sagena,  Zugnetz 
118,1. 

seigel  (ssegel)  m,  Sprosse  232, 
2(Ö). 

seil :  ein  sidin,  geblüemet,  g^N 
din  s.  32,3/:  123,21. 

seitenspil  174,14.  307, 21  (Z). 

s^le  232, 31  f  246,2;  die  sselgen 
s^la  64,  30;  der  s.  closter 
339,  izf]  drl  krefte  in  der 
s.  233, 7  /: ;  8.  hat  dria  bilde 
320,  25  f.;  steht  zwischen 
Got  und  der  creätüre  190, 
26/:  208,30/:;  »himel  129, 
6/: 

s^lgersete:  s.Bemharts  338,12/: 

selten:  bt  im  selten  sin  in 
der  Einkehr  mit  sich  248, 
21;  ze  seltzens  snites   333, 

32. 

semel  (simel)  Weizenbrot  74, 

25.30. 

senden:  part.  gesent  «  ge- 
sendet) 7,  23. 
senfte  stf.  ruhiges  Leben,  Ruhe 

73,24. 

senft(e)keit  Sanftmut,  Müde 
137,  19  (G).  139,  16.  162, 17. 
212,10.  241,7. 

senftmüetekeit  Sanftmut  12, 
16.  13, 15.  142,  2. 

senken:  sich  in  Got  s.  in  Gott 
versenken  16,  22.  36  Öfters. 

senange  stf.  Verlangen,  Sehn- 
sucht 125,20.  126,  13.  145,9 

senwe  Sehne,  Bogensehne  3 13, 6. 
sSr    155,  3.    174,  3  f.   175,  16. 
176,  2.    205,5/:;    mit  sSre 
24 


^V        370 

Wortverzeichnis. 

^^^ 

^^H             311,  ^i  kae  Sil  yerscheidcn 

zwene   sängio)    s.    68,22/'. 

sögetän:    »ogiäniu    aach    nn-'      ' 

^^M 

327. 1. 

küosch  2,  2S. 

^^M         serklla  (sefchilin  G),  das  ttbea 

Sippe  adj.:  den  engein  b.  mit 

Borcliche  adv.  2,  33. 

^^             Demin.  zu  mit  259,  20. 

den  Engeln  verwandt    221, 

1                   aerwen  krank  werden  au$  Ver- 

U (Ö). 

336, 23.                              ^^H 

langen  nach  etwa»  327, 11. 

Site  212,1.    335,  nf.;   guoter 

Borkeit    «  sorchcit  !)     ^^^1 

Bette  s.  satte 

8.  sich  vliicn  179, 1 ;  simdreu 

Sarge,  Bitterkeit  M1.I5.^^M 

^^_         Bctz«Q  fesUelim,  befehlen  lOÜ, 

B.  hau  IV^.ii  öfters. 

epehon  129,  ja.                       -^^B 

^^^           IG;  Über  deu  lisch  s.  40,  38; 

sitseo:   über  den  branncn  s. 

Bpeherin ,     der     götl.     tögni 

^^B           für  diu  ougen  b.  1G6,  ig. 

5B,a7/'.  310,26. 

80,29. 

^^1        aibeaUgic  S9,  u. 

Bintzen  teufzen  24,  32. 

Speichel  257,  io(G);  piur.  mit 

^^H        ^c-hcrheit,  in  himeliicbe  62,»i. 

Bläf  {Bcliiaufj  20,  M/. 

den  speicheln  SO,  k. 

^^1                        X 

Blftlien:  ze  lode  b.  1,23/.  279, 

Eper,  mit  leekkem  Jem  Seite 

^^^M        Bidebluome  aicm,  Seidenblume 

ai;  intr.  unz  tn  den  gürtel 

geöffnet   u^rde    70,8.   257, 

^^1 

8.  der  &Kk  geht  bia  an  den 

19.  318, 12. 

^^1        eidin  (Bfdin)  w^'.  von  Seide 

Gürtel,  wt  eurüdtgeschlagen 

Spiegel  IM  teSrO.  Sinne  44.  U; 

^^M                     32,  3  f. 

bis  an  den  Q.  45,  m. 

ßri7Ie341,B;MMI.  60.8.  118, 

^^H        Biech  ai{;.  6,10/1 19,8; die  hcado 

slange  tww.  3,  !S.  48, 10.  76, 

11. 226.3.  3l6,ai;g5Üicbflrs. 

^^V           (tf  die  BiecLon  leg'ea  US, 

2»/-.    (i'ffi.   293,10).    114,12. 

71,3.  89.  s.  98,30.  1U6.M/: 

^^M             ibf.;  s.  g!a  Dach  Goto  12S, 

ne,G/,  285,6/.  330,23/:; 

125,3.  205,29.  219,32/1  233, 

^m             »   äßer,:    „.   von    minncn 

ders.  imparadiselli.  a/:; 

7/:  269, 13.  2Sa  .dnm.  298,22. 

^H               125,  !8.  267,  2  ö/fers;  a.  mit 

triu  s.  77,  2.  *.  f^ 

310, 2s;  den  Bp.  iir  dem  hon- 

^^1             dorn  eiechen  sin  175, 11. 

siehtecliche  (sclilehtklieh)  adv. 

bcte  bau  vom  Pfau  262.  a. 

15,31.  277,17. 

2S/: 

^^1          siechtftc  S,  11.  ^\,  iB-  66,  afi.  126, 

siebtes  (-^  Blehteclicho    Var.) 

spiegellin  Demin.  ru  spiegd 

^^1              6.   20a,  1.   23H,  13.    2G4,  -a  f. 

adv.  15,  32. 

6.16/.                                        ^ 

^H               öfter». 

BlewcQ    (Gl   law   werrf<Ti,   (t- 

spilman  3.  u;  spilliute  U.HI^H 

^H           sigelÖB  0^'.  92,  20.  93,  «/:  94,S. 

*rt«m  269,30. 

Bpiln:  Bpileode  gfin  mit  1wH| 

^^H         sigeo  sich  senken  244, 11. 

gnügen  69,  4.  28L  1  f.:  sinUa  .M  1 

^^1          aigcnuft  Sie?,  TViumpA  6§,  \i. 

Trägheit  270,  1. 

ougon  blinkende  Augen  3,». 

^H             70,  22.  BS,  28.  143, 1. 

splse:  de*   libes-geischlidtia 

^^^          Bigenii(alfter  Siegerin.  32.  142, 

1S7,  28. 

193,8/1  237,  2^/.;  wol  edel 

^^V 

alinge  Davids  94, 13. 

spisel  41,4. 

^^H          sigeDÜTtciia,  ein  155,  21. 

alingcn  hin-  «.  herzerren  36,  n. 

spitzec:  pi.8piaicnagel  guldin 

^^1           sigrist  Sakrütan  939,  n. 

bIoz:  garte  mit  4  b1.  beslozzen 

34.  7/-. 

46,37^.;  8.  aller  tugendo  154, 

spiwen  lapQwen,  spüwen):  un- 

^^1 

5;  cioB.  derkioBche  2S4, 13. 

dcr  siniu  ougen  b.  60,  2/.; 

^^1          silb(c)im   aäj.:    Qz    silbrinen 

Bmac:  a.  der  rebe  76,  t&f.  [vgl. 

nnder  sin  antlütte  &  6A.  so. 

^H            köphen  trioken  123, 23. 

293,9/1):  des  helfanten  SG, 

spriche:  zwo  aprächc  in  denj 

^^1        üimlich  {<  samelich]  adj.  50, 1. 

xf;  doe  hiraen  236,1/', 

gebet  22,  la/. 

^^H         sint  die  tkren  k.  inrcn  sin^ie 

Bmtehwort  Schmähwort  30,». 

sprechen:  em  hof  apr.  eilten 

^^1              24.  4.  65,3^.    114,77/:   129, 

BmcUcn.  von  minncn  36,30.  38, 

Hoftag,  ein  Hoffest  anord- 

^H             12/:  295,  21  öfter»;  alle  sltic 

11/.  öfters. 

nen  45,  9. 

^^1            ginne    dar   an    legen    alles 

smeizea  (smirzenj  112, 13. 

sprcit«n;  bluomcn  s.  cngegi^^H 

^H              Wfbktm  2S, 

SDiieren  stn.:    trügenlichez  e. 

dem  bimeUcben  künic  IM^^I 

das    betrügerische    Lächeln 

''f-                                   ^1 

^^P             1.  313,20  1^1. 

3,33. 

spricbwort  32.21.  43,0/1  MS,  '^ 

^^H         singen:  Got  loben  nitüngen 

anate:  pl.  s(ch)uatto  29,17 

23/. 

^^1            D.  mit  lesen  59,  n.   60, 32. 

Bnellekeii ,  im  geisil.  Leben  1 1, 

aprozze  Stufe-  ddspr.  231,  i). 

^^1              eS,4.  139,22.  199,  11.  2tiä,2(; 

'f- 

Spulgen  pflegen  26,  la.  30.  it. 

^H             einen  «uic  s.  B^,  12.  260,1  f.; 

iuHotf,  daz  kora  29,  s. 

40,  i.  46,5.   101,2s.  171,U^^H 

^^M           ein^'sanKes   a.    265,2]/.; 

söciata  —  zuo  gcvQcgct  287, 12. 

(G).                             JH 

^^^H^^^^^^^^H 

^^^^^■^^^^H 

Wortverzeichnis. 

371       ^H 

BOmllD  Demin.  tu  atam  525,33. 

der  Krone  Marxens  81,  nf. 

1.  266,  13/1  ZSS,i3.  201.10.        ^H 

st&B :  wol  6mu7.  übol  Bt.  2 1 ,  JS  A 

99,25. 

310,3/:  311,8.  332,  22;  «ujSer         ^H 

65,i.l35,a/-.;öf8inerhQOtL- 

Stic  Bleiler  Pfad   12,11. 

Trostim  GeÖefc  170, 1«.  171,         ^M 

St.  S9,  »i;  sich,  wieicIiBtäD 

Btille  RiAt:   enlli  an  fillkeit 

nf.   224,  31.    225,  e.    275,6;          ^M 

305,  ia(G|;  dar  nach  st.  = 

334, 11. 

B.  der  weit  167,  ts.  310,  4.            ^H 

dar  nft(*  atriten  13,  u.  32; 

Btölo  Stola  des  Priesters  9,  3. 

Bflezccliche  ado.:  Got  s.  min-         ^^M 

nftch  Sren  st  3ä3,  2sf. 

stoup  (stob)   8,  27;    ein  hant 

nen  166,  Kf.  167, 16  f.                  ^H 

Btap  -  lil.  criioe  191,3  f. 

volle  stoubea  nemen  66,  xf. 

sügen    14,  20.    50,  m.    242,  e.         ^H 

Btare  aiij.:  at.    sin   in   Gotea 

strafen  217,6. 

^M 

dicnBt«  92, 10.  216,  IB. 

stniDc:  daz  sidiii  seil  |im  Tem- 

sÜl (ainl  G)  291,  8  {G);  7  aiule           ^1 

Btat  s(n.    Gestade    48,  is.  20. 

pel  Salomons)  ist  von  drin 

7 Sakramente  b,x  f.;  viuiln          ^H 

118,3.7. 

strangea  gemacbet  32.13/. 

8.  I8ü,  11/.;  GeiselsäuU  29, 

Btal    Stadt,    Statt»,    richtiger 

Bträze,  ein  gemeiniu  261,  m. 

IS/:  105,17. 

Ptati:  Bt.  in  himeltiche  64, 

Btreeken:   praet.  Btrahte  311, 

Bumber    «i.   Sandlrommel, 

20;  an  ein  at.  gftn  m.if.; 

33{Zi;  mhat.Inf.:  reden  ün 

Pauke:    den  b.  slahon  307, 

at  h&D  zwischen  eftmis  191,2. 

hende  Btreeken  334, 8. 

2U(ZJ. 

208,3«^.;  in  ir  Bt.  8tän  auf 

strengecheit  istrenkaitlSfren^e 

sumebeb  u.  HÜmlieh  13, 1.  106, 

AremHaU  209, 1 ;  8t  des  h. 

337,  3. 

11  /.    217,  Ml;    allgemein    s. 

Gote8=.BSlo64,37/*.i  himol- 

Btric:  dem  tiuvel  ze  eim  st  3, 

sämlich  M.  Bimlich. 

mWu  bL  04, 21.  220,11/;;  ob 

26;  diu  weit  ist  vol  stricke 

samen  39, 12.  335,3s. 

er  Bin  bI.  inöhti  bOn  «renn  es 

2S0,n/:  45,21. 

aumer  163,  ig/. 

möglich  wäre  3,23.  2,  u;  le 

Btnckca,    ein    seil    umb    die 

Bftmkeit  Säum^keit.  Trägheit 

staten  komcn  eitlem  hel/'cn 

kelcn  scfinüren  29, 19. 

331,1».  334,32. 

36,  1,    2Ü0,  4  (G).    241,  IS. 

strit,  m-wcAcn  Leib  ».  Seele 

Sünde:  waz  süado  iat  201, 11/. 

250, 5. 

70,  IG,    237,  n    Öftersi    des 

209,;/.;   gedenken  an  sin 

flla;teclicbea(it;,Hi,6.167.ia(G). 

menschen  leben  ist  nibt  won 

6.    128,  15.    336,  2fl    Sfters; 

BttEtekeit  Ausdauer,  Beharr- 

einferj  strit  92,15/: 

grOie  u.    kleine  s.   Plwrdl 

Ikhkeil  bis  ans  Ende  46, 

Btriter  Streiter  57,  af. 

16,  i*i    t(Btllche    8.    12,  13; 

lif.  4S,a«.  144,1».  155,18/-. 

Btakii):    von  vierhand  stukin 

diior  hande  s.  193,  */:  (vgl. 

335,  »/-.lendehatüast.  25», 

criBtans  glonbea  4.22;  ein 

196,  31);  geischlich-fleisch- 

«i  penonifiiiert  vrow  Stffito- 

stuki  brötes  39,  23. 

lich   B.  244,  18/:;    der  8.  ir 

keit  127,  3. 

Btiinge  surf  [oder  standen  su6s(. 

reht  geben  2S5,  »;   s,  unter 

Blecken  die  Augen  fest  auf  et- 

Inf):  st  der  dankbieri  An- 

tagelicb. 

ums  heften,  fixeren  98,2»; 

sOnder,  der  offen  pvhlicanua 

aubBt.Infin.  sehen  &n  ougen 

67,  21.  3i, 

22,32/. 

stocken  334.7/'. 

stuol:  ir(derMultcrGoHes)  st 

stdn  Magnet    179,  9/".;   vünf 

ist  crhoehct  Hber  alle  men- 

Don   den  andern  im  geiiÜ. 

M.  Davids  =.  gehügde  der 

schen  830,8;  flg.  St.  der  er- 

Leben   162,  21  f.    ISI,   nf.; 

5  wunden  94,  u. 

bBrmedelSö.s;  atd. tilgende 

101,22.    137,29.   150,  ifl. 

sandrem  ISno  206,  32;  <u^f. 

322,33,  323,3»/; 

stBppelin  *(n.  Stäublein  149,  2. 

Inf.  m  aundreuB  war  nemen 

stellen:  daz  antlütto  übdiiche 

starmweter  73, 36.  312,  n  (Z); 

1S1,31, 

St.  21,  IS.  34,3fii  darnach  St. 

Bt  in  stm  herzen  179,  7of. 

Btmderonge  Ab$(mderung  207, 

tiach  elteas  richten  64,  w f. 

Büener  Versöhner'  14t,  33. 

if- 

337,21. 

sflcnerln  Sühnerin  329,  2t. 

Banne  8u;/:i4,5/:71,4/:  242,27/. 

Bterben,    der   weit   der    Welt 

300,11/:  301,3/: ;  seltner  twM. 

abalerben  278,  1. 

aüezechett  (Bflseekait)  desHim- 

99,^.243, 10. 268,  ».270, 1.326, 

meü.  göOHfke  Süßigkeit  33, 

38 ;  -  gnäde  unsers  herreo  odi 

113,18/-.    169,  IS/.;    Bt.    in 

S;.    56,2T.2S.    66,19.    123,  2f 

Christut  selber,  die  ewige,  U- 

Gotca  dienste  92,  s  /. ;  st  der 

124,  21.    127,  13.  28.    139,  16. 

bendige  S.  lOU,  2. 103, 10/;  154, 

ercätüre  231, 1». 

167,  1.  13.    184,  M.   204,»/. 

4.213, 1B.26S.».  270,1,299.6/; 

Bteme  9, 12.  327,  ii;  13  St.  in 

205,8.  208,  30.  234,2-.  281, 

326,3«;    =   Maria  77,28/ 
24* 

^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^1 

372 


Wortverzeichnis. 


828. 35  /: ;  —  hl.  Schrift  178,2. 
248,  6  /*.;  8.  der  gnaden  300, 
23  /*.;  die  sannen  zo  eim 
kleide  hän  99,  24.  27  /l ;  der 
sunnen  urspnmc  121,  27; 
sunnen  glänz  47,5/1;  snn- 
ne(n)  schin  117,  is/l  22  (G); 
293,  vif. 

sanne(n)tac  2,  4 ;  sonnetac  vor 
wlnnähten  44,8. 

suntlich  (idj.  60,  22.  142,6/*.; 
s.  gebart  68, 1. 

saochen  (sficken  210,  27  G): 
ansem  herren  s.  310,  20/*. 

saon«fm. :  ein  stseten  s.  machen 
297, 15/1;  ze  8.  komen  161,15. 

sappriolin  226, 19  (G). 

supprior  339, 14. 

sus  adv.  192,  8.  302,  20;  sas- 
gct&n  202, 31.  339, 5/*.;  nmb- 
sus  1, 19. 

swachen  achwach  sein  130, 1. 

swaiwe  267,31. 

swanger  102,  24.  228, 10. 

Bwänkeiieren :  gän  an  sw.  hin- 
u.  herwanken  334,  9. 

swsere  atf. :  sat  mit  s.  240,  7 
{0)\  mit  s.  wonen  in  der 
maoter  schöze  227,28;  swsBre 
an  Bwsere  82,14/1;  Kummer 
dez  Herzens  131, 16.  20. 

swären  trä^  werden  269,28  (G), 

Sweben:  die  Seele  schwebt  in 
GottnA,iU  iSb,9 f. u, öfters; 
der  hl.  geist  swebet  in  in  bei- 
den (Vater  «.  Sohn)  234, 
28  (G). 

swegelen  blasen^  pfeifen  307, 
21  (Z). 

sweifon:  alumbe  die  weit  sw. 
204,  15;  daz  honic  sweifet 
über  die  brosemun  185, 10  ((r). 

Bweimen:  al&ber  sw.  nach  allen 
Seiten  überfließen  185,  10 
iG). 

swem  wehe  tun  112, 12  f.  (G). 

swerren  schwören  96,  6. 

swert  stn.  29, 18;  durch  Mo- 
riens  Herz  ging  ein  Schwert 
108, 18  f 

swerzo  stf,  22,  30. 

s  wester     (swöster)     OrdenS' 


Schwester  25,  14.  60, 16. 19 f. 

99,15.    177,12/:  (G).   194,6. 

279,  32  (G).  283, 14  (G). 
swigen  stn,  das  Schweigen  9, 

29.  10, 10. 
swinen  dahin  schunnden  176,24. 
switzen,  blaotigen  sweiz  36, 

9/*.  51,6.  319,6/: 

tac:  jangster  t  4,5.  10,18/: 
11,18.  27,1.  68,13.  72,10. 
73,31.  91,1/:  96,24.  110,6. 
174, 39/:  176,  7.  277,  25.  284, 
15.  297,22.  336.35.  337,34; 
gaoten  t.  gewinnen  31,  20/: 
38, 19;  ze  mittem  t  73,  10; 
al  dar  den  t  300,27/:;  alle 
sin  t  ein  sünder  sin  254, 3; 
den  herren  drl  t  saochen 
811,  if 

tagelich:  täglich  sünde  läß- 
liche Sünde  im  Gegensatz 
zur  Todsünde  27,  6.  149,  4. 
198,28.  240,4.298,8.  300,23; 
von  den  schaden  täglicher 
Sünde  299,  1  /: ;  —  allirtägi- 
lich  266,  1  (G). 

tagcweide  Tagreise:  drt  t.  25, 
26/:  69,21/:;   ein  t.  265,23. 

tegenlichen  s.  degenlichen. 

teil :  ze  teile  werden  202,  i7;niht 
teiles  werden  8, 11. 

teilen  etwas  mit  einem  andern 
52,9/:  176,11.  177, 25  (G); 
sin  leben  t.  in  drin  einteilen 
52,32/:  130,2.  188,24/:;  refl. 
218,22/:  220,15.  310,10;  sich 
t.  von  den  irdenschen  dingen 
122,17/:;  umbe  sich  t  309,37. 

tempel  des  Moses  208, 10;  Sa- 
lomons  34,  6/:  99,  nf,  192, 
18.  302, 20;  »  anser  herze  84, 
10/:  100,1/:  244,5/:;  «cri- 
stenheit  243,5/1 

temp(e)ren  mäßigen  21,  n  f» 
60, 9.  74, 29 ;  getempert  tranc 
gemischter  Trank  120,  5  f. 

temperunge  stf.  richtiges  Maß : 
in  der  t  st&n  150, 25  (G) ;  den 
Itp  in  der  t  halten  265,  17. 

temphi  s,  dempfe. 

terci  zit  Zeit  der  Terz  116,  3. 


tiefe  (tüf)  adv,  329,  5. 

tiefe  Gottes  an  der  wlsheit 
183, 24. 

tier,  in  der  arche  20,  35. 

tisch:  t.  in  dem  goteshüs  237, 
18  f;  t.  der  gnäde  25,33/: 

tiuvel  15, 1.  27,  32.  80, 10.  32, 
28.  34, 15.  88,  36.  44,  30.  45, 
21.  47,  35.  48, 1.  59, 1.  68,  37. 
69, 11. 12.  79,  27.  84, 17  f.  86, 
31/1  87,6.  93,5.  94,21/1  97, 
26.    104,3/1    112,13.  113,25. 

114,11.22/1  115,12/1  116, 
15/1    122,5.10.    141,7.   158,17. 

181,31.  182,7.  192,17.211,2. 
217,31.  222,4/1  256,22,  263, 
4.  271,14.  278,  2.26.  279,6. 
285,2.  292,3.  299,10.  301, 
19/1  320,28/1  823,15.  326,21. 
329,20.  833,17.  339,28;  her 
tiavel  281,9;  saz  üf  dem 
criuze  76,  31  f ;  des  t  geist 
172,  34/l(G);  des  t.  välschiu 
bildange  202,8/.;  des  t.  kint 
320,  31/1;  t  ein  äkustic  fuhs 
326.  32. 

tiuvellich  adj,  224,  I8. 

toedemic  ac^,  totbringend  f  er- 
lösend 83,  3. 

torwarter  ostiariw  123,  29. 
124,  2. 

tot:  t  der  s^le  118,  9.  137, 1; 
t  des  (seligen)  menschen 
63, 33  f  1 74, 4  /l  836, 22 :  Ewi- 
ger 1 203, 22 ;  an  den  t  geben 
105, 17. 

tot  adj,:  vil  bi  aller  t.  stn 
beinahe  tot  sein  252,  16;  t 
sin  der  weit  abgestorben  sein 
214,  7. 

tötbluotcc  a4j.  29,  30  f.  69,  36. 

toeten:  mit  sim  töde  tot  er 
unsem  tot  68,  9;  er  töte  an 
ans  den  Ewigen  tot  57, 14. 

toter  (tutter)  stn.  Dotter  283, 28. 

tötlidi  a4j.  sterblich  311,27/1 

tou  stn.:  daz  himelsche  t  71, 
36  f ;  bezeichent  unsers  her- 
ren gnäde  48,5/1  75,8/1138, 
11/1 

toaf  (töf)  stm.  die  hl  Taufe 


Wortveneichois. 

873       ^H 

5.  IT.    26,  M.  21,  >.   63.  IS  f. 

trote  Weinprtsse.  Keller  303. 

tntter  s                                            ^^^| 

S)8,M.  288,7.  320,87.  321. b/". 

II  {G). 

twnben    wasdten    226,  s  iG]-          ^^M 

324, 37. 

ö-übe    (trübe)    siem.    Traube 

zwah  dtn  hendel  25,33.               ^^H 

303, 11  (G). 

^^H 

tuugen  ItÖgea)  a^.  geheimnia- 

^^^H 

i>oH2T8,is:t.Bpie(i:el7S.B/-.; 

^^H 

t.   »in   verborgen  mn    195, 

122,  B. 

ttbe^obc  172,  te(G).                  ^^H 

s.  X. 

tnigcnhcit  336,  so. 

übelllehe  ade.  31,  ta.  27,  7.             ^^H 

tougene  itApii]  itf.  Htimliek- 

tnigOQlii'h  a^\  S,  30.  t03,if. 

Ober]  -Bweifen  iAerlaufen  223,          ^^M 

keit,    Gfheimnü  Gottes  78, 

tmhBiPzertrflhseje)  125,1.  313, 

la;  -Bwedimen  ISS,  1<>(G<;          ^^M 

ifif.  SO,  TS  f.;   t  des  heraen 

21  (Z|. 

-trtben    hühei-    treiben    im          ^^M 

339,18;  in  der  t.  sin  in  der 

tninkeii  ein  oder  werden  40, 

Wachstum  15,  7;    -vliezcn,         ^^M 

Einmmktil   {von  Johannes 

34.  41,  ^  116,2.  125,3.  309, 

von  gnddcn  60,  nf.  223,  11,          ^^| 

auf  Patwosi    sein    204.  i. 

6/.1Z1. 

der  minne  163,  it;  -werden          ^^H 

239,  1. 

truDkcnheit  12,  is. 

mit  Gen.  entJioben  icerden         ^^M 

tougenlicb  (tögenlichl  a^.  i-er- 

trürigen,  eins  andeni  tinheilea 

216,11/.  185.14.                                ^H 

traurig  sein  176,  s/. 

Qbergan  tr.  Überschreilen  334,          ^H 

L  i^erihte  206,9;  t.  bcechöude 

trür(e,koit  32, 3t.  64,  23.  265, 

^1 

210,u;  tdincongen  225,8; 

10.  310,0.  331,». 

übergDIde  stf. :  aller  rrtede  ein          ^H 

tDgentlich— toneenüich  ISS, 

tflbe  Taute  19,  t;.  22,  29.  24, 

ü.  stD  4,  21;  U.  aller  tngout          ^^| 

11.    i30,M.    m.nf.   315,33/. 

31/.  38,4.  60,  ifi.  61,  ).  87, 

28,23.  101,23.                                ^^M 

tra-cliche  (tragklich)  t><U:  199, 

17.  22/.  103, 23;  tftben  vodren 

IC. 

03,  Ifi.  23  f 

flberhabcn  reft.  sicli  überheben          ^H 

trjpgo  (träge]  stf.  Trägheit  13, 

taechelln  Dem.  et*  tnoch  338, 

^H 

3.    25. 

16. 

fiberhügcD  mit  Äkk.  d.  Fers.          ^^| 

trfigen  träge  werden  IIS,  le. 

tngent    113,8/.    115,17/:;    t 

untreu  «ein  318. 14  (Z).                  ^^| 

269,  IS. 

nemcn  ab  6S,  7;  an  t.  ge- 

aberkomen  intr.  den  Vortug          ^H 

traheo:  pl   trähenno  128,17. 

Btcrket    worden    215,  t  f.; 

Aaien  4,  4;  tr.  O&encimJen          ^^M 

266,  8. 

vOnt  t.  295,  20;    drf  t.  396, 

279, 31  (G).                                     ^^1 

traht(e)  stf.  aufgetragene  Spei- 

28/.;   sibcn   Bundertlche    L 

Bberkraft   Übermaeht   323,  27           ^H 

se,  Gericht  6,  sf.  19,  22.  23, 

221,  3/.;    die   götllchen   t 

|Gj.  317,  IR.                                        ^H 

e.  125,1;  tralita  für  aetzen 

235,2/;  sieh  bekleiden  mit 

übcrkrippbcn:  alle  sinne  fl.i(aer-          ^H 

20,8;   die  trahta  zo  himil- 

t.    241,  bf;    die  untngent 

/Tillen,  übersteigen  272, 12.             ^^1 

rtche  185.  i  (O). 

80I  man  Überwinden  mit  t. 

fiberladen  94, 7/.  332,  t.                    ^H 

Uükeit  21,34.  115,1)/:  118.  id. 

245.«/. 

DbennEezcc  a>'j.  232,  23.  SOS,  21           ^H 

148,3.241,2.331,10.334,11. 

tugentliche     (tugetlich)    adv. 

^H 

tnmc  stn. :  sürez,  sBezcz,  ge- 

65,  37. 

fibernahten  80,  -u-                         ^^M 

Wmpertez  I2U,  6/".;   tr.  der 

tDgcntrlche  adj.   154,  le.  158, 

übenchen  mit  Äkk.  d.  Sache          ^H 

engile  136,  3-!  f. 

i;/(G).  159,  zs. 

63,31.311,23;  mit  Akk.  d.          ^H 

treten :   an  den  wec  der  roin- 

tump  28, 3G.   172,31.   2,12,5/.; 

Person  3iS,  12/.                             ^H 

kcit  tr.  155,3/: 

enkein   tier  bo   t.   als  der 

Hbersigen  95,  is  (G).    153,  is.           ^H 

trinken,  des  bnnmen  330,  ao. 

monscbe  104, 11. 

245,26.30  (Gl.                                          ^H 

triuten  liebkosen,    den  gema- 

tumplieit  152,10.  331, 10. 13. 

nbcrsÜbcm  93,  lif                           ^H 

beia  275,  I. 

tumplicb  adj.  14S,  b.  224, 23. 

fibcrstigen  260, 10/:  208,  in.              ^H 

troplio   28,  24;  tr.  der  eüeze- 

tungcn  düngen  28, 21). 

übertreffen  272, 39  1 G).                      ^H 

keit   171,  h;    der   tr.    der 

tuoelj  30.23.  64,  au.  291,0. 

Qbervart,  der  minne  94,  kG).           ^^H 

stimme  die  leiseste  Stimme 

tnon  ein  Sakrament  spenden 

flberviui  stm.  309,  23/:  (Z).                 ^H 

73,  ä«. 

5,  3s;  ruhst.  Inf.  mit  Mnne 

übervIGzzo  «//.  171,  u.  223,2!>.           ^H 

trOst:  ze  l.  komeo  37,37.  45, 

56.  7.  «/. 

^H 

30. 

turteltübo  38,  r.f  61, 1,  3.  99, 

trÖBtlicl)  itrAschlicb)  adj.:  ein 

15.  277,  27. 

ü6er«trömend  56,  28.  155,  25.           ^H 

tr.  wort  153,7/.  204,23. 

tüflentatüut  41,5.  45,  c  w*w. 

163,  27.    164,   II.    185,   8,  ih:            ^H 

^Fs74 

Wortveraeiclmis. 

^^^ 

^^m          daz  fl.   gaot  310,  it;   niht 

imdertoil  stnu  11T,  iti.           ^^^| 

^H           übcrvliluigcfl  2SS,  15. 

121,  ai. 

^^H        übervOlleii,  mitiniDae,  gnMe 

umbestecken  Sk,  \%. 

22.  93,  3  iG).  95,  10.  144,3|j^^H 

^H            164,11.  22S,lo.  IS. 

umbeawoifen  204,  ij. 

^^H 

^^1       übemifren  S!ii,if. 

umbeväbon,     Got    mit   zwSn 

nnderwinden,  nch   tntf    Gm^^H 

^H        Dbi-rwiDden  19,  is.  30,  so/*.  S5, 

am  134.«;'. 

auf  sich  Ttekmen,  sich  unltr^^M 

^H           3i.  91,  it/-.  93,  fi.  04, 15.  174, 

umbevahen  stv.  das  Umarmen 

«i-;.ni  110,  13.                       ^^ 

Gottes    126,  i.  171,   M.  256, 

underziehon   entziehen   73,  11. 

^^1           «fec/ien  322,  nf. 

u:  Uf. 

^^H        ÜT]  -brechen    intr.  vom  An- 

nmbevaber  sfw.   273,  in  (G). 

kaiti  stf.  UnvoUkommenheit 

^^H            brueh  drs  Tages  5S,  w,    von 

umbräl  lumbler)  sim.  Schulter- 

156,  IS 

^H           BlMt  59.  12;   -erbeben,   tm 

(ueA.  Gtteand  dea  Priesters 

^^1           daz  criuzo  10,3;    -gän  vom 

8,30. 

nnebtec   aiö'.    wn    geringem 

^^H           iänbruc/i   liaf  Taga  5S.  3g; 

unartec  mnertig)  a^.  312,32 

Ansehen  309,  X  {Z,  825,  aif 

^^B           -geben,    die    weit    68,  x, 

<Z}.  313,17  (Z). 

^^^1           den  eigen  willen  68, 3o;  -gc- 

unbedabt  |uDbedakt)ll,iG.33. 

336,  32. 

^^^1           beben,  diu  ougen  22,  zif; 

unbcräten  niclit  gehörig   ein- 

unendehafti     stf.:     u.     »Iner 

^^^M           -getitän  64.3;  -bau,  die  baut 

gciiehtet  244.15;. 

^H            7,11;   -beben   116,  «f.   204, 

<(:nM89,l(G).                     .^^B 

^^H            i(,  im  Gtdächtnia  baeahrcn 

331, 17. 

uncrbfereclich     |unerbcikG<|^^H 

^^P            tUS,  i3f.   Sl8,  11,    eich    Qf 

unbesebeiden:  n.  arbeit  ohne 

^^H 

^^            heben  24,  m;  -kören  117.  e; 

Maß  %\,i\f.\  n.   Bin  ohne 

un6re                                        ^^^1 

'                      -Idimmen   231,  nf.;    -lesen 

Üherlegvng  226,  ii. 

uuorkant  adj.  338.10/.          ^^^| 

271,  H;    -rihten  23,  st,    al 

uabcHcheidenheit  196,21. 

unerkantnÜBBe  luaerkaotntl^^H 

1 Bin  kunat   alh  Kräfte  an- 

unbeecbeidenlTcbe  adv.  27,  7. 

stf.  Unkenntnis  331, 1».  "j^^H 

^^B            Streitgen  145,2,  ein  Of  ge- 

150,12.  186,  25.  230,22/. 

uneraeatliche      <uneniscbU4^^^| 

^^B           ribtez  ouge  290.  s/'.;    -bIs- 

unbcaniten:    ii.   boraco  323.3. 

adv.  ohne  Ernst  331,18.  ^^H 

^^^1            benau/'8cAie£en  tS6,7;-Bpan- 

unbetrQebesallich   142,  17  iG). 

uncrechrocken liehen  aäv.i  4|^^H 

^^^1            ncn  12^,21;  -gpringeu  9,3S; 

unbctrüebet  62,  nf. 

aln  reht  behalten  190,  w.^^^ 

^^H            -Sttgen    231,   11.     2611,    of.; 

unbetwuagenliche    adv.    199, 

^^^M           -trabten   IG,  7;   -tuon,    daz 

15.  213,  u.  3311, 111. 

tel  tu  haben   137.7.  337,35. 

^^f           bcrae  19, 12.  70,8;  -vliegcn 

unbowolicn  adj.  vnbefleckt:  u. 

ungebunden :  das  ampt  ist  a. 

1                        2611,   U;      -wahsen    15,  fl; 

maget  22S,  n.  296,  i*. 

nicht  verboten  7,  3.             ^^H 

-werfen  15,T. 

unbuozwirdec.    an    gewande 

uugcb&wcn,  ertricb  28,  31.    ^^H 

üfnemunge  stf.  288,  i. 

der  Besserung  tiicÄi  bedürf- 

ungedukekeit 241, 1.            ^^H 

ütTJUt  Himmelfahrt  Christi  68, 

tig,  nicht  ab-aßar  .133,  s. 

ungcfimict  5,  x.                   l^^ä 

U.    ni),8.   229,  1/.  297,  u; 

undiBro  adj.  gering  293,  n. 

ungebabedo     stf.    Leidwt^^^M 

von    drier    bände    u.   267, 

unden  londenan)  adv.  262,  s. 

^H 

1 «/"■ 

undorl-komcn  inft-,  untergehen 

ungehiurc  adj.  unAeimlicA  UU^H 

^H           ufvliegungo  stf.  288,  lo/'. 

von  der  Sonne  80,  m;  -mi- 

11 iG\.                                  ^^1 

^^H          umbo(unbol27,3i.  37,  23;-g.lD, 

schen  24ß,  33 ; 

ungeliceree    a<^.    tmgehon^ßi^^M 

^^M            mit  nntugcnden,  gedenken 

undergnnc,  der  aannen  123,  i. 

^^M 

^^1            26,4.  37,  10.  53,3,  mit  un- 

underlüz:  an  u.  11,6  25.  IS, 3. 

ungeladet  (ungelattiparLo^^^^l 

^^H           Bern)  bciren  28,  ii,  mit  der 

19.  338,  29. 

Q.  ze   einer  böbzit  kon^l^H 

^^H           weit  167,  7,    einen    Umweg 

iiuderlegen  86,  it. 

13.  XI.                                  ^^H 

^^H           machen  13,  q  ;  -legen  44,  zi  f. ; 

uiiderligen  15,2, 

ungcllcbi  stf. :    u.  deft  guott^^ 

^^^m          -luogcn  279,  g;  -aobcn  reft. 

211.  lo/.;   u.  der  aiton  211, 

^H 

Bin  272,  u. 

'=/"■ 

^^H        umbcgiexcn  79,  6. 

anderredest/.  Doiwiaehenrede 

^^^P        umbobanc  Vorhat^  des  Ten- 

334, 10. 

ungcloubec    (ungelibig)    o^f-  ^^ 

^^V            pel»    34,  6.    99,  13,    208,  11. 

undersetzen  258,  23, 

^^M 

undertn'uec  ai(i.  64,  6.  63,  iE. 

UDgcmacb:  u.  hän  148,  c  18^^^| 

Wortveraeichnis. 


375 


16;  heizen  n.,  libes  o.  197, 

13/". 

uDgemelni  stf.;  u.  des  gnotee 

211,15. 

angemisohet  4,  26. 
nngeoffent     adj,     verborgen 

179, 7. 
imgeiihtec    a^/.:    n.    znnge 

181,  8. 
ungerihtet:  n.  län  289, 13. 
angeringe    adj,-.     n.    W&fen 

ZeicAfe  Waffen  94,  7.  lo. 
ungeraowet  stn  101,  9.  ii. 
UDgestalt  2,12. 
nngeteilet  242,  \hf  244,  i. 
oDgetoufet   (nngetoffet)    S20, 

34. 

nngetriuliche  adv   105, 17. 
ungeyaoc   adj.   unartig,   un- 

höflidi  S26, 10. 
uDgevuocltche  adv,  21,  se. 
nngewaltec  29,  23.  35,  23  f.  68, 

31.  74,  6.  102, 10.  234, 14.  811, 

29  (Z). 
ungewerlich  a4j.  182,  7. 
nngewerlfche  adv,  189, 10  {G). 
ungewürme  8tn.  293, 10. 
ungezogenliche  adv,:  n.  ant- 

würten  323,  27. 
ODgüetlfche  adv.  30,  34. 
ongaot  a^,  234, 17. 
Unheil  stn,  222,  9. 
unheinlich  adj.:    den  üzeren 

dingen   u.    130,  17.    156, 26; 

60t  u.  140, 13.  204,  20.  299, 

12. 
unhßrlich  ac^.  330,4. 
unkiusche  a4j.  2,  28;  u.  wort 

60,25. 

unkiusche    stf.    ünkeuschheit 

221,  16.    239,  32.     240,  22  f, 

244, 19  f 
unkiusehckeit   (onküns^^hkait) 

109, 14.  335, 16. 
unkraft,  des  libes  334,  40. 
unlustielichen  (nnhistig)  adv,: 

u.  an  ze  sehenne  21, 11. 
nnmsere  acfj'    150,  14.  213,24. 

214,14/:  290,21.  340,6. 
unmserlfche  adv.  85, 33. 
unmäze  adv.:  sich  n.  kleine 

machen  268, 18. 


nnrnsezecckf;.  18,24.  62,9.  68,36. 

70,15.  305,  5;   der  n.  Got 

292,  20. 
nnm8ezekeit(anmessekait)  Un- 

ermesslichkeit  Gottes  18,27. 
unmsezecifche       (onmasklich) 

adv.  76,  3. 
unmilte  a^/.  28, 10.  29, 18.  38. 
nnmiune:  von  n.  tuon  196, 11. 
anmüezeo  a4j. :  sich  n.  machen 

sich  beschäftigen  44,  32. 
onmuoze  stf.  38, 17.  37, 13. 
nnnötdürftec  a^O*.  336,  4. 
nnnützecltche  adv.:  u.  nemen 

den  Namen  Gottes  unnütz 

aussprechen   1,  17;   u.   ver- 

taon  331,  26. 
unnützelfche  adv.:  die  zit  u. 

vortrlben  315, 14. 
unordenlich  o^/.  53,  4.7. 
unreinecheit:    die    u.    an   in 

(den  slangen)   Iftn  330,29; 

u.  der  weit  87,  20. 
unreinecliche       (unrainklich) 

adv.:   n.   gesunden  under- 

natürlich  sündigen  63, 14. 
unsägeltchen  (unsäglich)  adv. 

81,  39. 
nnsselde  stf.  26,  5.  69,  3.  113,  5. 
un88elec:  n.  man  109,26/1;  n. 

untugent  176,  23. 
unsselikeit  118,6. 
unschulde :   u.    gedultedtche 

Itden  258,6. 
unsenftecheit  stf.    Ungemach 

312,  28  {Z). 
nnstate:  mit  grözen  unstaten 

341,8. 
unstsete  a^j.  25, 25. 55, 4.  66, 2if. 
unstsete  s^.  101,  8. 
unstsetekeit  140,  nf.  264,  7t  f. 

336,  31. 
unsüber  7,  5.  17.  21,  10.  14. 
unsftberkeit  (un8uyerkait)25,39. 

123.26.   140,15.26. 

unsübem  85,36. 
untdllich    305, 34  {G), 
untötiich  (untoetlich)  a^j-'  n. 
volc    181,9;    der    n.   Got 

811,27  (Z). 

untugenthaft  ac{j.  161,26. 
onverborgen  58,12. 


unverboten:  daz  ampt  ist  im 

u.  7,1. 
unverdecket  (unverdaht)  194, 

23.  236,22. 

unverdrozzenlich' a(^'.  291, 16. 
unverdrozzenltche  adv.  103,18 

(G). 
unvermäset  (unvermasget)  a^j- 

148, 12. 
unverschult  323,22. 
unversSrt  52, 16. 
unvertrage(n)lich    a^j-   74,  4. 

268. 14  /. 
unvervancltchen  adv.  unnütz 

331,13/1 

unvervärwet  a4j\  unverfärbt 
243, 17. 

unverwänt  (unverwant)  un- 
vermutet 33, 39. 

unverweit  (unverwiert,  -wier- 
ret)  a^y.  unverdorben,  un- 
verletzt 61, 26.  228, 4.  243, 23; 
ein  u.  maget  228,  15. 

unverwertsalot    223,    3    ((?). 

228. 15  {G). 
unvlffitec  244,8. 
unvisetikeit  63,35. 

unvrl,  des  Ifbes  u.  des  guotes 

85,7. 
unvride     64, 22 ;     u.    machen 

218, 16. 
unvTidesam  ac^.  21,  35. 
unvorhtedtche  (unvorteklich) 

adv.  113,  24  f. 
unvuoc   (unvüege)  adj,:   «n- 

gebildet  326,  7. 
unwerhaft  a^'.  33,  34. 
unwert,  als  daz  wazzer  26, 20. 

89,  32. 

unwertlich    a^j.     verächtlich 

12,21. 

unwertlfche  (unwirdeklich 

Vär.)  adv  280, 1  (G), 
Unwille  surm.:  n.   hän  keinen 

Willen  haben  211,  30. 
unwirdediche  adv.  unumrdig, 

mit  Geringschätzung   8, 16. 

280, 1. 
unwirdekeit  102,  I8.  292, 15. 
unwirdesch  a(^'.  ununlh'g  19, 

23. 

unwis  234, 16. 


376 


Wortverzeichnis. 


anwisecltche  (nnwisklich)  ociv. : 

a.  striten  95, 13. 
unwitze     stf,     Unwissenheit, 

Torheit  152,  lo.  224,  33. 
ODWUime  stf,  SlO,  6. 
unzaliich  adj,   70,  22.    152, 5. 

305,5. 
unzerganclich  adj,  265,  12. 
unznht  stf.  64,  21  /*.  273,  4. 
üppec  adj.i   ü«  ruom  IS,  14; 

ü.  kose  15, 13;  ü.  wec  15,i4; 

&.   dinc   266,  20;   ü.  leben 

267,6;  unzart  275,io;  üppige 

gedenke  87,    29/1    148,  I8. 

249,  4.  382,  2. 
üppecheit  (upkait)  stf,  Eitelkeit 

der  Welt  118,  5.8.    119,  21. 

129,  25.  255,  4.  255,  8.  280,  9. 
üppediche  adv,   148,  38  {G). 

331,25/1 

nrdratze   üeberdruss  331,  19; 

an  u.  181,  20.  239,  4.  257,10. 
ardmtzec  <uy.  834, 1;   u.   ze 

Grotes  dienste  115, 10. 
nrdroz  stm.  282, 16  {G). 
urhap,  an  Got  Buochen  132,20. 
Urkunde,    geben    bezw,    hän 

68,12.   106,9.   121,20.201,3. 

231,23.  273,  23.  238, 24.  321,  4; 

ein  n.  sin   106,  19.    121,16. 

123,  15. 
nrlioge    sin,   Kampf,    Streit 

90.  4.    137,  21.   212,  11;   in 

ein  n.  vam  180,30;  dö  sich 

daz  6r8t  n.  haop  in  himel- 

riche  217,  28. 
urloup  (ariop):   n.  geben  den 

minnem    340, 5;    mit    der 

heiigen  u.  108, 15. 
urspronc :  n.  der  sannen  12 1 ,  26/"; 

o.  alles  gnotes  {Chtt)  209,13. 
nrstende    sif,    Auferstehung 

Christi  10, 12.  68,11.  212,29. 

297,8;   Jungeste  u.  306, 15. 

309, 14  f 
urteil    stn.:    u.   Gotes   3,27; 

stf,  nach  rehter  u.  rihten 

292,1 
urteilde    stn,     805,  36;    stf, 

diu  Jungeste  u.  306, 15. 
üz]  brechen,  daz  ouge  172, 22 

(6^);  -g&n  intr,f  ein   mote 


158,21/";  -gevüeren  104, 1; 

-geziehen  118,3;  -giezen  1 5,9. 

67,  21.  271,  5;  -loufen  222,24. 

240,  17;   -sdieiden     25,   6; 

-triben,  den  tiuvei  1 14,  22  /*; 

-vam    180,  21/1   237,    9f; 

-verläzen  286,  e  (G);  -vlie- 

gen  87,  19;  -vürben  74, 13; 

-werfen  172,  20.  28  {G), 
üzenän  (uzsinan)  adv,  293,  14 

{G), 
üzer    a^jr.     u.    dinc    14,  9. 

156,24/1  öfters, 
üzeront  (uzsiront)  Präp.  mit 

Dat.  ausserhalb,  austoendig 

128,11  {G),  111,2  (G). 
üzgenomen  part  adj,i  diu  u. 

dinc  HO,  15. 
üzgenomenlfche  adv.  208, 15. 
üzvündec  adj,  222, 16  f. 
üzwondcc  adv,  65,  8;  adj.:  n 

dinc  281,1. 


Tal  stm. :  den  v.  geraten  den 

Fall  der  Stammdtem  222, 3 ; 

diu  weit  ist  glich  einem  v. 

203, 18  /l 
valsch:   enhein  velsch  nichts 

falsches  275,  23  {G). 
vancnisse  (vangnust)  sif.  Ge- 
fangenschaft 86,  31. 
vären  nachstellen  mit  Gen.  d. 

Fers.  u.  d.  Sache  88,  36.  279, 

11. 17;  der  s61e  v.  97, 25;  des 

phäwen  V.  263, 13  f, 
vart:  üf  der  v.  sin   109,  17; 

alle  vart  allzeit  104,  23. 
varwe:  sine  v.  veriiesen  258, 3. 
varwelin  (v5rwlin)  Demin,  zu 

varwe  119,21. 
vasten  202, 15.  244, 19.  888, 24. 
vater:    fleischlich  -  geischlich 

252,  22. 
vaterlich  adj,  10,  20. 
v@ch  adj.  bunt  44,  22.  46,  8  f, 
vedere :  der  sdle  vedran  288, 17. 
vegeviur  stn.  Fegfeuer  6,  31. 

216, 11.  299, 13. 16. 
vehten:   part.   praes,  20,  34; 

142,25;  vehtende  liute  57,3. 
vehterin  stf.  28,29.  155,21. 


YfAg^  adj,:  die  veigen  tinvel 

69, 11. 
veizt  (faist):  v.  machen  28,  9/I 
veizte:  in  voller  v.  185, 1  {G)\ 

geistiichiu  v.  des  h.  geistes 

23, 11. 
vel,  wizez  288,27. 
vellec  adj. :  v.  stn,  werden  95, 

14.  189,10.  197,25.  244,11. 
vellen,  einen  boum  203, 19. 
veltbluome  swm.  270,  6.  325, 

32/1 
fSnix  268,19. 
venje  KniefaU,  Bußiibung  im 

Kloster:  v.  nemen  151, 14. 

154,22.  182,13/1  202,24. 
venjen  subst.  Inf,:  mit  veni- 

ande  (venienn  Var.)  244,  20. 

883  24. 
venster  «  5  Sinne  61,27;  «* 

Maria  243, 5. 
veralten,  in  den  Sünden  186, 

25.  137,  3. 
verborgenliche  komen  17, 112. 
verboBsen  tr,  schlecht  machen 

144,  5.  164, 19;  refl,  116, 13; 

virboister  wille  152,  36  (G), 
verboten  sin  8, 13. 
verbrüejen :  part  virbrfigit  1 40, 

20  (G), 
verdamnisse  (verdampnust), 

@wigiu  4,  8. 
verdamnunge,  §wigiu  45,  16. 

68, 10  f. 
verdecken  (bedecken  Var,)  11, 

14;    refl,    sich   v.    185,    is; 

subst  Inf.  an  v.  236,  25  f. 
verdecknnge  185, 25  {G).  286, 26. 
verdenen,  den  lip  286,3;  sidi 

V.  236,21. 
verderben    intr.   zu    Chrunde 

gehn  70,  20;  tr,  sich  selben 

V.  202, 16. 
verdoln  zulassen  328,  I6. 
verdorren  48, 10. 13. 
verdriezen  102, 14 ;  mit  Gen.  d. 

Sache  158,  5  f.  199,  9. 21. 258, 

verdrozzenliche  adv.  199,  9. 
verdrucken  vernichten  111, 9 /l 

116,12,  191,7.27.259,3.290, 

16;  sich  V.  144, 11. 


WortverzeidiniB. 


377 


verecnndia  »  schäm  284,  ii. 

vereinen,  sich  mit  Gote  17, 
25.  81  und  Öfters. 

verellenden  refl.  272,  is. 

verenden  tr.  nnser  leben  155, 
22;  intr,  120,  21.  20S,  22. 

vergebene  adv,  umsonst  66, 6  f. 
67, 8.  168,  4  f. 

veiigiezen  tr.  ausgießen  198,5/1 

verglft  stf.  8,  29.  117,  so  f,  118, 
10. 

verguot  »  vür  gaot  84, 13. 

verhengen  verhängen  169, 13  f, 
174,  7. 

verholn  a(2t;.  heimlich  144,  27. 

verhonwen,  die  sonnen  -« 
die  Jlffwc^Aei^  Jesu  5,  20  f, 

verirren  (verierren)  tr,  einen 
in  die  Irre  fuhren  202,  16; 
intr,  186,  16.  201,  29;  ver- 
irret stn  282,  23.  322, 10. 

verkSren  etwas  böse  auslegen 
194,5/1  263,30. 

verkörer  Betrüger  274,  28  (G). 

verkomen  sorgend  verhindern 
279, 31. 

verl&zen,  verlän  tr,  fortlassen 
87,  38;  zurücklassen,  hinter- 
lassen 91,15.  198,11;  nach- 
lassen 170,  32  (G);  unter- 
lassen 252, 19  f;  mit  Gen.  d* 
Sache,  frei  lassen  265,  I8; 
einen  ohne  Arbeit  lassen  312, 
22  (Z), 

verläzen  part  adj.  ausgelassen 
333,  35;  Compar.  verlasser 
(»  verläzener)  335,40. 

vorlfizonheit   Ausgelassenheit 
224,  6.  334, 11. 

verläzenliche  adv. :  sich  v.  hal- 
ten 299,  11  (Z). 

Verliesen:  hier  vielfach  Neben- 
form verlieren  27,  34.  57, 
14,  63,20/:  88,  15  f.  108,  4. 
10.  192,  16. 

verlougenen(verlogennen,  vir- 
lo^'ginnen  G):  sin  selbes  v. 

112,2. 

vermdsegen  284,  27  ((?);  part. 

vermdsget  152,  14. 16. 
vermtden  subst  Inf.  56,  6/1 
vemüftekeit  18,  4. 


verre  adv. :  v.  umb  12,  9. 
verre  a(^\ :  in  verrin  lant  229, 

9.  12/1 
verren  entfernen  16, 11. 
verrihten,  die  Me  ze  himel- 

rfche  254,  7. 
vers:  einen  v.  geeprechen  204, 

14  f;  V.  beten  253,  24. 
versagen  48,  23.  25;  den  munt 

V.  12,  21. 
verschalten  tr.  Verstössen  mit 

Gen,  d.  Sache  204,  21  f. 
verschelken   betrügen  116,  13 

(G). 
verschulden':  part.  verschult 

290,  6. 
versehen   tr.  abwenden,  ver- 
hüten 58,  38.  225,  2;  ansehen, 

auffassen   202,  21.    246,  18; 

refl.  erwarten  195,  13.  196, 

19/1  217,9. 
verselwen  221, 15.  267,  24. 
versenken  11,  21.  37. 
vers^ret  stn  126, 12. 
versetzen :  dem  tiuvel  versetzet 

stn  329, 19. 
verslinden  184,  4/. 
versmxhede   (versmsehte)  stf. 

59,  27. 

versmsßhen,  vcrsmähcn  13, 14. 

60,  4.  103,  20.  214,  10;  ver- 

smsehet  sin  28,26. 37,24/1 60,1. 
versmsehest  superl.  a^.  811, 

26  (Z);  versmsehtest  318,  3. 
versmähunge  255,  7. 
verstau:  in  guot  v.  12,  2;  an 

Gote  V.  anGot  merken  169, 7 ; 

sich  V.  sich  merken  262,  16. 
verstandenheit  335,  37. 
verstantnisse  (verstantnust) 

133, 16.  188,  22. 
versteinen  109,  21. 110,  6,  328, 

12. 
versteln  97,22/1  109,  27.  279, 

11. 
versüenen   141,  13  f.  825,  1  f. 

329,  21. 
versümen,  sich  11,  3. 
versuochen  173,  uf]  der  tiuvel 

V.  den  menschen  in  m&nger 

wtse  115,  if. 
verswechen  refl.  116, 13. 


versweinen  (verswenden  Var.) 

vernichten  265,7  {G).  307,  30 

(Z). 
verswenden  vernichten  265,  7. 
verswerzen  89,6  ((?). 
verteilen   verurteilen    135,  6. 

137, 25  {G).  212, 17. 228, 4  (G). 

323,  30. 
vertemren,  die  sunnen  300, 2*. 
vertragen  ertragen  65,  8.  78, 

34.  162,  5  f.  281,  21.  291,  25. 

311,14/1  316,15.  338,21. 
vertregelich  (vertraglich)  a^j. 

verträglich  333, 15. 
vertriben,  die  ztt  44, 34.  61,  so. 
vertuon,  daz  leben  331,  26. 
verunreinen  281, 13. 
verv&hen  intr,  nützen,  helfen 

245,  2.  284,  4. 
vervam  part.  adj.  vergangen 

188,  22.  219,  30.  255, 10.  331, 

25. 

ververwen  243, 10.  14. 

vervliezen  intr.  dahin  fliessen 
1  Ol  ,10 ;  diu  s^le  vervlöz  174,15. 

vervluochen:  ein  vervlftchter 
mensche  208,  21. 

verwandeln  221, 20  (G);  brdt  ze 
vlcische,  wIn  ze  bluote  v.  6 
22;  ir  stat  v.  verlassen  55,  28. 
327,  22;  nnsem  hcrron  v.  55, 
33 ;  einen  bluomen  v.  daran 
vorbeigehen  325,  27  /*;  ver- 
wandelt werden  in  Got237, 
28;  refl,  sich  v.  5,  21. 

verwerfen  zurüchceisen  322, 
18  f;  slnen  willen  v.  ver- 
schmähen 114, 3 ;  refl.  sich  v. 
sich  verschmähen,  verdemü- 
tigen 51,  25.  263,  18.  274, 
28  (G).  303,  10;  part  adj- 
verworfen  28, 25.  37,  24.  33. 
214,  7.  293,  16.  325,  26. 

verwer(re)n  (verwieren)  swv. 
in  Unordnung  bringen,  ver- 
letzen 58,  36.  105,  23.  328,  21. 

verwerzalot  (verselwet  Var.) 
verletzt  221,15  (G). 

verwirken  zu  Grunde  richten 
109,  25. 

verwunden,  daz  herze  60, 15  f; 
verwundet  sin  257, 13. 


^H     STS 

Wortvca:7eichnis, 

i^H 

^^^M       verzern,  nnser  leben  Sl,  a.  m; 

viurln   adj.--    v.  slil   186,11/: 

^^^^SI^RS^H 

^H         sich 

viurtrager  Ludfer  79, 10. 

dig  sagen,  erzählen  6S,B  l^^^f 

^^^H          verzthCD  abschlagen,  mttiehtn 

vlec  gfm.  60,  n.  238,15:  drter- 

63,  37.     72,  H.     104,  !     (äf^^l 

^^H             47,  U.  1117,  10.  17S,  IS.  330, 

handov.derBeien  298,1/". 

^H 

^H            1^.;    refi.    eich    welütcher 

vtoeken  te^Am  190,33;  ge- 

voircden  62,  s.                       ^^^| 

^^M           vrCnde  v.  SSt, 

vlceket  »la  1S2,  14/. 

Tolreichcn     völlig     erreich^^H 

vlfilie:  mit  gr&er  v.  SB,  m. 

^^H 

^^M           tnen   131,  w:  verznckct  atn 

vleisch  (nesche  D(i/.)  15,1.31. 

volrichea  {<  volreacheii.il  *^^H 

^^H            verzückt  sein  126.  3  /'. 

94, 22;  ze  V.  werden  Metiseh 

vollbringen  Var.  4,1.         ^^H 

^^H        rerzuckungo:  v.  ders&lo26,  t; 

uwrf«.  242,  -.. 

volricho    adj.:     völlig    i"^!^^! 

^^^^           des  monscheo  12S,  1  /*. 

vieischlicb  a^t/.:  v.bekornngo 

^^H 

^^H       vestencQ  131),  in. 

244,  IS. 

volvilererln  278, 17.                 ^^| 

^^H       lostina  »polia  prcdaro  297, 1. 

vliege:  pL  tJtnga  6,  4. 

fomeB  pcccad  116.  in/'.  in.i^H 

^^^1       votsche   269,    i;    yetche  der 

vtiegen:    20   himel  v.  !i3, 21; 

yor]-bealiczca  131,14.  232,1^^^^ 
295,  11/.    324,13;  -  haben 

^^H          tugende  2gS.  12. 

über  diu  greber  v.  2U4,  15. 

^^H       vctzQD:  mit  gevetzotem   ge- 

vüezen,  über  allei  himelrtche 

vorenthalten   193,  18;  -  Iftn 

^^^M          wände  mit  terfetztem  Oe- 

238,  n. 

S8,i:.    107,7;  -  tragen,  daz 

^^m 

vlnc:    einen    kuraen    v.   bän 

tugentlich    leben    119,  »i-^^ 

^^^1       ve»etln    (veuli)    —    v8ss1Id 

204.  i^i    in  dem   \.  spiee 

-vsm  voratitfahren  lS2,lt^^H 

^H                             S2. 

nemon  287,31/. 

vorboemackunge     stf.     VoH^^^I 

^^H        vTant    (vient,    vlgintl    58,  3s. 

nfihtec  werden  109,23. 

gtachmack    170,14.     171,  ^^H 

^^H           se,  1;     drierhuide    v.    des 

vluoch:   der  v.  gellchet  eich 

vordem:  das  vordret  dir  Oii^^^| 

^^1            nicDscheii  94,  zi  f. 

einem  Bchoze  325,  ai. 

zuo                                                ^^H 

^^M        yidelcn  307,  zi  (Zi. 

vogel     IS,  1;    "    hl.    enge! 

^^B        vlcntschart(vtgen»chart)  »3,a. 

47,  m;  V.  mit  des  menschen 

geschmaek  122, 26.                 ^^| 

^^B           )S9,  IG.  191, 13.  212, 13. 

anÜQtzo   206,  s/;     aweiger 

vorhin   adv.  zuvor,  ntnodllt^^^l 

^^1       vihelich  a^.  157,  s. 

hande  v.  326,  34  /. 

^^^ 

^^M       filiue  ire  920, 

vogellln  (vOgelli)  22,  vi.  &8,  so. 

vorhte  Furcht  Gottes   4S,  «.^H 

^^^P       visden,  sich  sidi  erfinden,  be- 

260,  4. 

92,21.  93,  m/.  94,2/.  134,«.^H 

^^B             wüßt  werden  209,  ai  f. 

volbringen    (vollebr.)    46,  ii. 

295, 20.  332,  G.                          ^H 

^H        vingerlln  44,  ^.  16,  n  f.  99,  zu. 

119,28.  335.  S3/. 

vorhteaiii(vartsam)affj.335,«.>^^| 

^H            1011,20^' 

volgcn   mit   Gen.   d.    Sache: 

formieren,  ein  bilde  116,  it.1>;^^| 

^H        vinsten  «'/;  SS,  is.  »>.  905,  q; 

im  des  übelen  v.  173,  is/. 

vorsehen   (vorsehen)    255,  U.^^^ 

^H            V.  des  irrene    201,  »/';  t. 

volgunge:  din  v.  nSch  Gote 

foitis  296, 2U.                               ^^1 

^B            der  BOnden  210,  a  f. 

Nachfolge.   Gottes  69,  li. 

foune  (phounu)  mf.  Südwinii^^^^ 

^™          vl61c   s(w.    Vri(cA«i  263,  11. 

volkomen  adj.  ■  ein  v.  mensche 

Föhn  122,15/.  (G).                ^H 

'                     317,3. 

338,  S. 

violvar  adj.  1S9,9. 

meistern    S4,  2«;    dnor   ^^^| 

virmunge  5,  si. 

Vollkommenheit  143,  17. 

vrägon  319,  18.                         ^^ 

vlretae  2,1. 

franeioüetekoit  Frettde.  Glück 

%-iach,  iD  dem  waizer  t^,  b. 

heit):  r.    GotUs  292,34/.; 

24,13.  32,37.  89,  6  (G).  121. 

Wacher  IIS,  1/'.  122,  i. 

«  Zeichen  der  V.  50,  fi.  10  /.; 

27.  281,32.  327,13/.  338,32. 

viuhlen:par(.  gevühtet  frvi^t 

V.  des  lebens  an  drin  dingen 

fratcr  domini  920.  ss.                  ^_ 

machen,  befeuelifen  178,  n 

338,  B  /. 

vräzheit  244,  iD/.                      ^H 

(Gl. 

volle  adv   109,16. 

vr«iBe    Not,    Dmngtal    274,^^H 

1 viiir:  daz  gStlich  v.  78,  35;  — 

volle  ivSmi  Fiüle,    Ueherfiuft 

-H 

^^m             ^adennsershoiTen9T,x/'.; 

(=    vollunge    Far.)    51,20. 

vremde:  Comp,  fromider  14,  it.:^H 

^H           ~  hl.  Geist  SS,  d;  =  miDDe 

IS5,i. 

H 

^^P           —  17».  u/";  des  V.  natQre 

vollecii*.  26,19.  267,16/. 

vremde:  in  ein  (rumdi  kumM<i^^| 

^■^           170,  lif:    V.    in    dem   Ison 

voliecltche  adv.  66,  is  /.  67, is/. 

von  mir  selben  171.4.            ^ 

•                      301,  8  r:  V.  der  ewigen  ver- 

voUnnge  (—  volle  Yar.)  50,ii/. 

vrevele:  in  der  \Tlvli    tnon 

damnunge  ii,  I6  f. 

51,20. 

193, 11;  äo  vravciti  334,  la. 

^^^^^^■^^^^1 

Wortreraoichiiis. 


379 


vri:  V.  sin  vor  aller  arbeite 

219,  27. 

vride:  waz  v.  ist  187,  lo/l  212, 
9 f.;  V.  haben  mit  Gote  etc 
126,  13/1  161,  20  f.;  V.  im 
Himmel  64,  22  f.  161,  10/: 
218,  15.  238,  4;  3  Dinge, 
welche  den  Frieden  stören 
211,  10 f.;  4  Dinge,  welche 
den  F,  hindern  279,  5/*.;  ein 
gesiht  des  v.  2(>8,  I6. 

vridebsero  (fridbar)  a^,  207,23. 

vridebaeri  stf.  21,  37.  307,  0  (Z). 

vridcmachor  Friedensstifter 
161, 15. 

yridesam  acfj.  219,  2  f, 

vrien,  vrlgen  befreien  124, 13. 

vriheit  Freiheit  im  himmlischen 
Jerusalem     219,  2  f.    219, 

18  f.  249,  29. 

vrisch:  vrischcn  llp  hän  13,  4. 
vristen  aufschieben  136,  7. 
vrithof  »  atrium  124, 13. 
vroelicheit  in  Goto  273,  8. 2S4, 

19. 

vix>nlicham  6,  28.   28, 14.    198, 

10/".  312,  25  (Z). 

vrost  32, 19.  41,33. 

Tröade  die  himmlische,  ewige 
Freude  61,  16/".  64,  7,  22/*. 
68,  39.  100,  8/:  102,  19/*.  145, 
9.  199,16.207,9.218,16.241, 
22,  294, 7.  337, 19/1;  geistliche 
Fr.  95, 18;  v.  in  beswserde 
50, 10/*.;  V.  üf  dem  wege 
199,  t/.;  vier  v.  306,  13/1; 
Maria  ist  uns  durch  drlo 
Sache  ein  v.  329,  15 /l;  Fr, 
der  Welt  93,  is/l  119,  11. 
214,  19/*.  332,17. 

vrouwe,  gekürzt  vrO  117, 12. 

vronwelich  adj,  224, 1.  5. 

vrouwen:  sich  v.  gegen  einem 
8,  25;  sich  der  vröode  v.  220, 
24/1  306,  13/1;  sich  eines 
anderen  heiles  v.  176,  5. 

vruht:  wir  sont  diierhande  v. 
lesen  23,  26 /l;  v.  diu  üf  den 
biuomcn  wahset  43,  23 /l; 
diu  lebende  v.  159,  7;  v.  an 
dem  boume  326, 16  /l 

vrühtec  sin  293,  8. 


vrumecllche  adv.  331,8. 

vrumen  nützen  3,  6. 14. 

vrtimen  stiften,  bestellen  34 1 ,  13. 

vflegen:  die  notdnrft  v.  ver- 
schaffen 68,  33;  den  willen 
in  eines  anderen  willen  v.  17  3, 
32;  ze  den  himelschen  dingen 
V.  130, 16;  sich  v.  21,  23.  33, 
26,  zu  unreinen  Dingen  79, 
24. 24/1,  zu  der  Seele  133, 
9  /*;  in  Got  gevü^et  sin  132, 
25/1 308, 10;  intr.  224, 30 /l;  ez 
V.  sich  wol  189, 17 /l  221, 
11/1  222,2/1 

vuhs  35, 17.  326,  25.  32. 

vülen  (fnlan  u.  vilin)  faulen 
239,  28.  307,  30  (Z). 

vOlkeit  Faulheit,  Trägheit: 
stille  &n  y.  334, 11. 

vüllcn  mit  Gen,  d.  Sache: 
vrouden  u.  gelustes  v.  171, 9. 

fundament  (fundmiet)  stn.  84, 

33/1 

vuore  stf.  Speise  13G,  31  (G), 
207, 10.  268,  3. 

vuoren  23,  9/I  38,  33.  53,  5.  7. 
92,  2  (G).  214,  30.  240,  6.  308, 
31  (Z). 

vuozschemol  99,  24.  129,  8. 

vuoztrit  224,  2. 

vür:  vürwärs  <  vfir  w&rez 
195,  14;  ver  gnot  84,  13; 
vGr  daz  me  fürderhin  240, 4. 

vür]-bieten  yor  sich  halten,  den 
Schild  240,21,  miltekeit  v. 
279,  32;  -bringen  228,  zf; 
-  denken  224,  I6;  -  legen, 
sieh  156,  21.  157,  13/;  - 
nemen  129,  si;  -  reichen 
115,  22  (G);  -  sehen  4,28, 
daz  ist  vQrsehen  dafür  ist 
gesorgt  211,  u;  -  setzen, 
trahta  20,  8;  -  vüeren  104, 
24/;  -  wehi  119,  3. 

vürbaz  adv.  13,  2;  v.  komen, 
loufen,  bringen  258, 14. 19,  29. 

vQrder  vam  92,  20« 

vürerweliunge  Vorerwählung, 
Auserwäfilung  119,  7.    121, 

18/1 

vürsehunge  stf,\  v.  k&nftiger 
dinge  188,  23. 


vürspreche  FürsprecJier  107, 
24.  197, 82.  225, 1. 

vürste,  ein  edeler  244,  6. 

vürvamde:  daz  vürvarende 
leben  (<  vcrvame)  vergan- 
gen 130, 3/1 

W&c  stm.  Woge  59,  33. 

wachen,  daz  333,  24. 

wäfen:  din  w.  tragen  286,  22; 

wäfen    (vafina,  vafena   Z) 

Wehruf  89,  20  {G). 
wäfenen  (wseffen)  57,16.93, 3/I 
wsßge  adj.  überlegen,  vorteU- 

haft  279,  26. 
wägen,  den  llp  51,  is.  325, 12/*, 
wagenwec  12, 10.  13,  5. 
wsehe  adj.  zierlidi,  fein  338,34. 
wahs  17,  36.  37,  3. 
wahsen,  in  einen  volkomnen 

man  180,  4. 
waejen  «.  wsegen  vom  Wind 

34, 11.  23;  zo  Goto  geweeget 

64, 14;  vom  Blut,  nachrinnen 

29,  28. 
Wandel:    an    allen    w.   ohne 

jeden  Wechsel  230, 26. 
wandelbeere  (wandelbar)  acfi- 

196, 18.  230, 25. 
wandelbseri  subst  255, 10. 
wandeln,  sich  von  Gott,  sich 

verändern  306,  3. 
wandelunge  stf.  Wandel,  Auf- 
enthalt 37, 15.  119,  7.  317,  4; 

w.  des  antlDtz  Vertoandlung, 

Wechsel  99,  4;  w.  der  weite 

140,  28  (G). 

wange:  ze  dem  wangen  slahen 
323, 26;  diu  wangen  värwen 
101,  28;  wangen  jucken  5,i. 

wannen,  wannan  262, 11. 

war  hän  Recht  haben  113,6. 

w&rheit:  götlichiu  w.  157, 27 /l; 
diu  firste  w.  Gott  235,  4/1; 
mit  wärhet  36,  32;  w.  ver- 
dirbet  in  vil  rede  340,  3. 

warten:  in  den  himei  w. 
nachschauen  288, 1  f. ;  einem 
des  endes  w.  336,2/1 

wartunge  stf.  Erwartung  122, 

18. 

waschen,  waschen:  sich  w.  in 


380 


Wortverzeichnis. 


dem  bruDDen  58,  32;  mit 
trähcnnen  w.  170,  4. 

waschhüs  (W8escbha8)8^n.  büd' 
lieh  S39, 20. 

wazzer  26,18/1  59,32/*.;  diu 
lebenden  w.  238, 14  (G). 

wazzcrbluomo  264,  26. 

w6:  w.  sin  175,15;  w.  tuon 
176,1/:  181,17.  216,18/: 

wec:  enger  w.  13,  ii;  steiniger 
w.  45, 19 ;  von  dem  nnrehten 
n.  von  dem  rehten  w.  186, 
if,\  üf  dem  w.  stn  308,  27; 
von  dem  w.  komen  40,  s; 
lengem  w.  snochen  331, 14; 
w.  des  vihes  157,  Af.;  w.  der 
reinkeit,  demüetekeit  158, 
25/:  159,22;  der  weit  w. 
155,1/:  187,9;  enkein  w. 
-■  enkein  wls  Var.  113,  25 
(6r);  von  sinen  wegen  833, 

13. 

wegsere  (weger;:  ein  w.  der 
geiste  289,  2  {G). 

wegebluome  stom,  Sonnen- 
blume 268,  6. 

wegen,   daz    houbet  334,  9  f. 

weide  53,  Bf.\  tdrlerhande  w. 
23,  4. 

weinen  als  geiaÜ.  Übung  21, 
27;  sin  Sünde  w.  338,  27;  ir 
herzelieben  kindes  s6r  w. 
304,  33  {Gl 

weizenkom  28,  I8.  180, 11. 

wellelin  Demin,  zu  welle:  ze 
w.  werden  312, 37  (Z). 

weit  94,21/:  118,5/:  128,19/; 
157,  8/:  280,  8/:;  bösheit 
der  w.  60,  24.  128,  20/1 
157,  6;  der  w.  ir  reht  ge- 
ben 285,  6.  320,  14/.;  die 
W.  ist  unrein  324, 16;  ist 
unstät  101,  9.  ^213,  25.  264, 
27.  336,  31.  340,  4;  gleicht 
dem  Monde  99,  30.  100,  3; 
dem  Gold  Uü,  3/.  140,  21  f,; 
einer  Frau  119,11;  einem 
valle  203,  isf. 

wenken  331,  8. 

werben,  nach  dem  himelrlche 
248, 14. 

werc:   guotiu  werc  5,  8.    58, 


10.  59,  21.  97, 30.   98,  3.   115, 

26.  117,28.  118,18.27/.  120, 
3.  121,  14.  142,  13.  151,  16. 
152,  8. 157,18.20. 160,21.  161, 

26.     198,  28.    201,12.     229,19. 

261,10.18/:  273,8/.   308,20. 

380,16/:;   reinkeit  der   w. 

42,10;   vollekomenheit   der 

w.  337, 37/.;  w.  würken  188, 

6;  w.  üeben  188,23/. 
werken  (werchen)   2,4.   11,7. 

21,  29  etc, 
werkerinno    (wercherin)     stf. 

143, 5. 
wem   leisten j    bezahlen    1,4; 

gewert  werden  erhalten  22, 

3.  11. 

werren  stören,  hindemj  auf- 
halten   20,5.   67, 13.   89,4/. 

100,23.   118,    13/.    216,20.22. 

263,  25.  245,  18  (G), ;  waz 
wirret  mir  was  liegt  mir 
daran  194,  i. 

westerhuot   Taufkleid  26,  37 

wichns  (wighas)  festes  Gebäu- 
de: ein  w.  aller  heilikeit 
155,  21. 

widerbildnnge  stf,  Schaffung 
eines  Ebenbildes  274,9. 

wider] -bredigen,  den  glonben 
gegen  den  Glauben  predigen 
7,36;  -bringen  zurückbringen 
27 1,3,  die  bluomen  yf, wieder- 
herstellen 48,8;  -geben  53, 
33/.  54, 1/:;  -gelten  60,23; 
-grisgen  zurückprallen  30, 22 ; 
-keren  zurückkehren  zu  Gott 
63,  22.  105,  3/.  169, 11.  209, 
28/.  256,  26/.  272,  1.  312,1. 
318,15.325,22;  -komenl05,2. 
144,7/:  292,7/:,  Wiederauf- 
leben 325,  24/. ;  -koufen,  mit 
s!m  tOde  168, 12;  -leben  tr. 
wieder  erleben  58,  24/". 

widerhellec  adj.  widerspre- 
chend 218,  5. 

widerhoerec  adj,  «  ungebod- 
rec  Yar) widerspenstig  191, 
22  (G),  279,  26. 

widermnot  122,  2.  162,  5.  175, 
10/. 

widerraten  47,  30. 


Widerreden  96, 9. 
widersache  «tüffi.  Widersacher 

279,  6.  280,  8.  323, 15. 
widersagen  entsagen  278,  5/. 
wideret&n  27,  31.  69,  23/.  172, 

35.  285,3/. 
widervam  12,  20    13, 15.  24,  8. 

98, 16.  189,  5.  213, 17. 224, 28. 
widerwerfen    verwerfen    237, 

\{G). 
widerwerte  stf  ?  816, 14  (Z). 
widerwertec  ac^.  143, 16  (ö). 
widerwertecheit    (widerwart^ 

kait)  150, 13.  273,  28. 
widerwertecllche  adv,  176,25 

widerzseme  o^/.  unschicklich^ 
widerwärtig f  abstoßend  14, 
14.20,29.  141,2.203,  15.214, 
13.  339,  4. 

wilde:  daz  herze  ist  sd  w. 
204, 10. 

wlle:  alle  die  w.  91,4/". 

Wille:  lüterw.  41,85; verraäs- 
geter  w.  152,  14.  I6;  vrler 
w.  165, 8  f. ;  des  menschen 
w.  B»  priol  in  der  s^lo  27, 
25;  ist  der  obrost  in  der 
sSie  1 1 1, 21  f. ;  seinen  eigenen 
W.  aufgeben  69,  23.    68,  so. 

111,24/:  211,28.  333,3. 

wln:  wlz,  röt,  gewürzter  293, 

18  f.  309, 12.  22. 
wlDgarte  Weinberg  294.  8. 
winkeller  13,  8. 
winken  subst,   Inf,   256,  2  f. 

289  Änm, 
winker:    daz  winken  nemen 

für  den  w.  256,  4. 
winnaht  tac  37,  20;  winnähten 

44,8. 
wlnrebe,  diu  himelsche  298, 

15/: 
winster    (vinster)     a^j.    Unk 

85,  so.  123, 18.  124, 22;  w.  Site 

257, 18/.  {G), 
wint:  in  den  w.  werfen  66, 

26/: 
wlp:    daz   bcsse  w.    168,17; 

ein  geischllche  w.  172,  uf. 
wirdecheit,  werdekeit  stf.  41, 

24.    43,  7.  16.    47,  26.    63,  81. 


Wortverzeichnis. 


381 


102,17/:     106,11.     142,11/: 

144,  6/1  157,  3.  6.  209,  28. 
Wirt  19,  22.  27.  85, 16. 
wirtinne  247,  8. 
Wirtschaft  Gastmal,  Schmaus 

9,  33.  20,  11/*.  41,  6/:  45,«; 

w.  hän  mit  u.  herren  85,  26. 

87, 10;  himelschiu  w.  177,  if, 
wise  Wiese  317,  i. 
wise  a^, :  w.  von  der  schrift 

u.  von  natüre  188,  2;  der  hl. 

geist  machet  wtse  12,  7. 
wfshcit  des  Menschen^  Tugend 

derW.  12,7.  187,31;  Gottes, 

vor  allem  des  Sohnes  142,  2. 

152,   4  f,  205,24  f.  232,  zf. 

234, 12  f,  274,  4.  289,  l.  836, 

16  f;  baoch  der  w.  146, 12. 
wisliche  adv. :  Got  w.  minnen 

167,  2.  172, 1  f. 
wtssage  David  bezio,  Salomon^ 

Aussprüche  derselben  37,38. 

70,  18.  73,38/:  80,13.  88,33. 

89,  2  f.  90,  4.   93,  23.  95,  19. 

98,  11.  14.    104,  24.    109,  2f. 

113,27.  121,9.  122,14.  123,1. 

128, 17.  137, 12.  156, 16.  157, 

20  f,  159,  9.  21.  169,11.  171, 

16.    182,  17.   183,  18.  184,  9. 

21.    185,  11.    187,  18/:     197, 

19.    199,  11.    201,  5.  203,  18. 

205,  8.  206, 16.  228, 19.  249, 1. 

262. 17.  2^9,  3.  290,  2.  298,  4. 
304,  3  f.  308,  13  {Z).  19  (Z). 
308,  32  f.  310,20.  312,10.  330, 
22;  die  Propheten  64,  26. 
329, 1. 

wtssagen  103,4.  158,  21.  227, 

26. 

wtstuom  stm.i  der  wise  w. 

275. 18. 

wtt  machen,  den  mont  308,  20 

(Z).  310,1-. 
witehopfe  (widhoph)  263, 14  f. 
witcn,  daz  heize  246, 11 ;  intr, 

der  wec  wltet  187, 14. 
witem  swv.  intr.  187,  23. 
witewe,  witwe  180,17  (Ö).206, 

31.  277,  26. 
witsweife  stf,  Weife  204, 1«.  32. 
wltsweifec  acfj.  204, 10. 
witsweifcn  204,  28. 


witze  Weisheit  83,  5.  85, 14;  w. 

der  tugent  (-»  mSze  der  t?) 

216,2. 
witzec:  w.  von  natüre  u.  von 

künsten  202,  6  f. 
witzeclfche  adv.  224, 10.  . 
wlze  {wtBse)  Strafe,  bes.  Strafe 

der  HÖUe,  des  Fegfeuers  13, 

7.  27.   15,  29.  32.  56,  3  f,  66,  3. 

80,  18.    216,  8.  13.    264,  11. 

332,  3. 
wlzegen  u.  wizen  strafen  104, 

19.    146,  4.  212,  19.  213,  18. 

216, 10.  264,  8.  290,  6. 
wizzen  s,  bissen, 
wolgetsene  stf.  schöne  Gestalt, 

Schönheit  273, 14. 
wolgevallunge,  des  menschen 

330,  13  f. 
wolgezogen  (u(;.  247,8. 
wölke  u.  wölken  siom.  u.  stn. 

im  eigentlichen  u.  fig.  Sinn 

203,  30  f   220,  12  f    237,  1. 

300,  21.  26/: 
wolkelin  300,  23. 
wolle  223,  22.  24. 
Wollust  a.  woinnst  stf  Lust, 

Wollust  des  Leibes  bSjB.  HO, 

7  f  116,  14  132,22.  136,32 
(G).  141,24.  145,12.  207,  10. 
209,12.  18.  214,20.  233,32. 
256,  13.  25.  258,  5;  w.  der 
ougen  109, 14.  HO,  5;  garte 
der  w.  158, 12. 

wort:  Gotes  w.  8, 7  f  14,  20. 
240, 8  f;  zweiger  hande  Gotes 
w.  240, 12/;  daz  lebende  w. 
242,  2  f;  daz  gwige  w.  228, 
2  f;  müezigez  w.  803,  17; 
voUekomenheit  an  den  Wor- 
ten 337,  23  f. 

wüef cn  (wftf f  en)  rufen,  schreien 
294,  24. 

wüesto  stf, im  eigentl,  Sinne2b, 
17.96,4. 119,  16.  120,18.  186, 
11  /*;  w.  bildl  dirre  weit  186, 
14 ;  —  herze  83,32  f;  «=  himel- 
rlche  120, 18  f. 

wüeten:  ein  wüetendez  vinr 
63, 13. 

wnnde:  w.  unsers  herren  38, 
35.  70, 1  f.  94, 14.  94, 18.  163, 


6;  W,  der  Erbsünde  159, 
if  162,26/*;  tut  am  dritten 
Tag  am  wehsten  112,10/*: 
die  w.  bluoten  sehen  286, 25. 

wunden  verwunden  95, 6. 

wnnderherte  (hert)  187, 15. 

wunderkündec  202,  9. 

wunderlich  o^;.  wunderbar, 
seltsam  82,  4.  234,  7;  w. 
rede  230, 19;  w.  vräge  288, 
19;  ir  w.  schoene  329,  uf; 
w.  gcwalt  u.  herschaft  Go- 
tes 220,  29.  31;  der  w.  Got 
296, 12. 

wunderliche  adv»  81,  39.  230, 
21. 

wundem  u.  sich  w.  289,  6. 
291,  1.4.  314,  14  (Z).  329, 11; 
sich  des  wunders  w.  220,  32. 

wunders6re  205, 11. 

wundersüezo  187,25. 

wunderswaere  187,  24. 

wunderunge  stf.  Verwunde- 
rung 205, 14.  208,  29.  210, 2/: 
219,16/: 

wunderwol  202,  23. 

wunnedich  adj. :  w.  leben  äne 
tot  62,  3.  6. 

wünsch:  nach  w.  hän  97, 11. 

wuocher  (wuockir)  Wucher  2, 
32;  Frucht  274,  15.  18  (G); 
des  rösen  w.  275,  28/*. 

wurm:  ze  würmcn  werden 
265,  6. 

wurmsezec  adj.i  wurmstichig 
826, 19. 

ysop  287, 18.  294, 16. 

Zam  <  ze  am  271,  30. 

zart  adj.:  den  lip  niht  ze  z.  hän 
333, 25. 

zart  stm,  Zärtlichkeit,  Lieb- 
kosung, Wollust  119, 10. 274, 
24/.;  den  z.  vüegcn  275, 1. 

zarten  mit  Dat.  d.  Pers,  87, 29. 
124, 25.  274, 5.  308, 14  (Z). 

zärtliche  adv,  57,8. 

zeichen  {G  zachin):  z.  tuon 
Wunder  unrken  80, 5  /.  114, 
9/.  117,24  (G).  118,30  (G). 
296,18;  Gotes  z.  tragen 
92,  6;   z.   an   den    Werken 


382 


Woitverzeidiiii& 


60, 34;  geisdilichio,  llpllchia 

z.  114,14/1 

zdchenen :    ein   gezeichenter 

branne  46,32. 
zein:  eia  z.  gienc  von  «inen 

ougen  üz  ein  StraJUeMchdn 

105,27(0). 
zclle  Klosterzelle  211,5.  339,  I6. 
Zellen:  Gk>t  ze  keinen  heiigen 

z.  28,23. 

zepter  30,  is. 

zerbiinwen  zerbläuen  29, 34. 

zerbrechen    intr,    291,8  {O}; 

tr,   die   sannen   z.   231,16. 

255,  24. 
zerdenen  (zertenen):  pari,  zer- 

tent  iL  zertennet  10,  4.  36, 

14.  18.  106, 24.  313, 6. 
zerdreechen  (zertröschen)  279, 

26. 

zergän  90,24;  part  ein  zir- 
ganginre  tac  141,17/1 

zerganclich  o^;.  17,  r.  264,  20. 
332,  17;  z.  dinc  15,  31.  05, 
17.  129,  27.  184,  8.  237,  ll. 
258, 5.  283, 5.  333, 33;  z.  weit 
307,14;  z.  gnotll0,24.  209, 
8;  z.  vTÖude  265, 9;  z.  lieht 
32,37;  z.  wort  228,2;  z. 
Bchoene  119,20. 

zerknisten:  ata  antlütte  was 
zerknistet  29,  34. 

zeri&n  tr.  auseinandergehen 
lassenj  sich  verbreiten  56, 36. 

57,32/1 

zerschrinden  Bisse  behommenf 
aufspringen  184, 10. 

zerspraejen  (zerspraigen)  ver- 
teilen den  lön  220,15. 

zertnon,  die  gn&de  301,6;  mit 
zertäncn  armen  312,  a. 


zemnge  Zehrgeld  199,22;  z. 
ze  himoiilche  200,6. 

zervliezen:  von  wannen  z. 
185,6 ;  von  minnen  der  minne 
z.  313, 7  /*;  ein  sflezekeit  zer- 
vliazet  in  miner  s^e  171, 6  /. 

zerwerfen    zerstreuen    66, 27. 

zesamen]  -binden  45, 13.  55, 
15.  19.  102,7;  -slahen  269, 
1.  270,2;  -Valien  312,37 
{2j)  ;  -vüegen  63, 16.  65, 21  f. 

152.5.  174,19.  203,16  306,8. 
318, 14  {Z). 

zese  (zeswei  o^/.  u.  subst 
recht,  die  Rechte  25, 4.  31,34. 
35,  31.  90,  13.  95,  24.  123, 17. 
124, 23.  324, 7.  25. 

ziehen:  an,  in  sich  z.  12,  15. 
163, 19.  164, 5;  ze  himehiche 
z.  33,24;  refl,  3,25/";  sieh 
entziehen  15, 15.  73, 17.  203, 
28/";  sich  in  sich  selb^i  z. 
157, 11.  233,  30;  part.  ge- 
zogen auferzogen  118,  20 /l; 
wol  gezogen  247,8. 

zieren:  daz  hüs  z.  247, 11; 
sich  z  mit  togenden  25, 15. 
42, 12;  mit  varwe  119, 12/I; 
gezierot   stn   als  ein  brüt 

208. 6. 

zimberman   203,  5/.    255^  21. 

ztmbom  140,12. 

Zinnen,  des  tempels  192,18. 

zins:  ze   zinse  geben  319.21. 

zitec  stn  reif  266, 2. 

zitllche  adv,  frühzeitig  29,13. 

59,36. 

zttföee  317,4. 

zinre  «  ze    tiare    oder    ze 

ziere?)  333,32. 
zom  245,9. 


zonber  (zober)  4, 27. 

zucken  wegnehmen,  entreißen 
29,  28.  30, 21.  69,  11  f.  279, 
26.  310,  24;  ab  dem  stoole 
z.  mit  GrewaU  wegziehen 
323,17;  dnen  z.  -«  kripfen 
222,  26  (O);  sich  z.  in  sich 
selben  156, 23.  157, 9. 13. 

znht  stf.:  gaotia  z.  154,7. 
179,  1.  247,  5.  252,  9  /.; 
mSgtlich  z.  224,6;  zahl  äne 
unzoht  64, 21  f. ;  personifiziert 
273,2. 

zühtedtchen  adv.-.  sich  z. 
halten  333,30. 

znngo:  niawe  z.  roden   115, 

28/1 

zÜDslQpfel  stm.  Zaunkönig  87, 

30. 

zao]-komen  geschehen  142, 28/1 ; 

-legen  84,  1.    97,29.   98,  1. 

143, 1. 
zaoganc  107, 14. 
zaokanft,  nnsers  herrcn  44, 19. 

46,  29.    71,  9.   75,  18.    83,  35. 

251,5.  312,  24. 
zuoVersiht  206,  21  f.  235,  20  f. 

290,  I.  324,  21. 
zwahen  s.  twahen. 
zTi^re  adv.  fürwahr  259, 22  {G}, 

287,  14;  ja  z.  294,  15. 
zwdfboten  Apostel  50,  21.  72, 

27/1    163,  12/1    182,  22.    28. 

206,27.  211,  21.  212,  3.  229, 

3.  247,  6.  248,  9. 
zwl  stn.  Zweig  159,  6  (G)  (— 

zwlc  A)  197,  23.  277,  2T. 
zWfgen,  fraht  159,  4. 
zwivalt  a4j'  doppelt  8,  33. 
zwfveilich  a^f.  336.2. 


Ergänzungen  und  Berichtigungen. 

1 :  zu  Predigt  1  ff.  vgl,  die  Lesarten  der  Hs.  S.   Seite  342.  8:  zu  Fredigt  3  vgl.  Schön- 

bachj  Studien  zur  Geschichte  der  altdeutschen  Predigt  VI.  Stück.  S.  124.  10:  zu  Predigt  4 

vgl.  Pfeiffer-Strobl,  Berthold  van  Begensburg  II,  664  und  Sclwnbach  a.  a,  0.  VI,  ISl.  12  23:  l. 

hfltent  BÜ  sich  daz  su  sich  öch  niemer.         17  22:  statt  sei  ist  wohl  seb  (<  selb)  zu  lesen. 
18  11:  ist  die  Interpunktion  zu  streichen.  23  4:  st.  frftde  l.  waide  mit  A.  24  i:  bessere 

Lesart  S.  35  7 :  siehe  richtige  Lesart  in  S.  57  Anmerk.  6 :  l.  sprichet  statt  prichet 

61  16:  vgl.  Schönbach  a.  a.  0.  VI.  Stück,  S.123.  67  32:  l.  stongen  der  statt  stungender. 

69 17:  vgl,  Zeitschr.  f,  deutsche  Philol  14  (1882),  64  ff.  7433:  l.  vernuDSt  statt  Vernunft  78  An- 
merk. 4:  best  vor  ross.  92:  in  den  Lesarten  zu  Nr.  36  ergänze  Z.  12  andir  ist  d.  20:  l.  also 
Bp\  8.  Paulas  so  &M  22.  93  Lesart  26:  l,  übersilbim  statt  übersilbem.  94  Lesart  2A:  l  tach 
statt  tag.  95  Lesart  1:  l.  her  David  fehlt  G,  David  Z.         96  Lesart  14:  den  fehlt  G. 

23:  Dirr  br.]  der  br.  daz  G.  141  11:  richtige  Lesart  mit  Gverbütet^to^^  vertribet,  dann  und 

die  er  ratet  233  1:  richtiger  drie  statt  die.  32:  wohl  richtig  ermazzen. 


Druck  von  J.  B.  Hinchfeld  in  Leipadg. 


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Druck  von  J.  B.  Hirechfeld  in  Leipzig. 


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